Ausland

Höchste Sicherheitsvorkehrungen in Italien

Nach dem Massaker durch Schüsse in München verschärft Italien weiter die Sicherheitsmaßnahmen. 30.000 Carabinieri, Polizisten und Militärs seien bei Anti-Terror-Kontrollen im ganzen Land im Einsatz, berichteten italienische Medien heute. Soldaten bewachen in den italienischen Städten sensible Einrichtungen wie Flughäfen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen und Botschaften.

„Unsere Geheimdienste und Polizeikräfte arbeiten rund um die Uhr, um das höchstmögliche Maß an Vorbeugung zu sichern“, verlautete aus dem Innenministerium in Rom.

I: 6.000 Flüchtlinge seit Dienstag vor Küste gerettet

Seit Dienstag sind vor den italienischen Küsten über 6.000 Flüchtlinge und Migranten gerettet worden, 2.150 davon allein gestern. Bei 18 Einsätzen wurden gestern 16 Schlauchboote und zwei Schiffe in Sicherheit gebracht, teilte die italienische Küstenwache mit. Sie waren 30 bis 40 Seemeilen nördlich der libyschen Küste unterwegs.

39 Tote auf Flüchtlingsbooten

In den vergangenen drei Tagen wurden 39 Leichen an Bord von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer geborgen. Nachdem bereits am Mittwoch 22 tote Flüchtlinge in einem Schlauchboot vor der italienischen Küste entdeckt worden waren, waren es am Donnerstag weitere 17 Leichen. Zu den Toten zählen 21 Frauen und ein Kind.

Europol-Chef will Anti-Terror-Daten besser vernetzen

Angesichts der jüngsten Anschläge fordert der Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol eine bessere Vernetzung der Datenbanken zur Terrorismusbekämpfung. „Wir erleben immer mehr, dass Terroristen wie in Paris oder Brüssel eine Vergangenheit als Kleinkriminelle haben“, sagte Rob Wainwright dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut einer Vorabmitteilung von heute. „Diese Informationen finden Sie nur in Polizeiakten.“

Zugleich sieht Wainwright bereits deutliche Verbesserungen in der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden. „Es soll nicht zynisch klingen, aber die Anschläge haben die Bereitschaft zu kooperieren enorm befördert“, sagte der Europol-Chef. In Brüssel waren am 22. März bei islamistisch motivierten Anschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn-Station 32 Menschen getötet worden. In Paris hatte es am 13. November bei einer Serie ebenfalls islamistisch motivierter Angriffe 130 Tote gegeben.

Auch führende Politiker im Europaparlament mahnten die Sicherheitsbehörden, besser zu kooperieren. „Die nationalen Geheimdienste müssen endlich dazu verpflichtet werden, alle ihre Erkenntnisse bei europäischen Behörden wie Europol abzugeben“, sagt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Elmar Brok (CDU), dem „Spiegel“.

Irland will auch nach „Brexit“ Grenze offen halten

Die Republik Irland und die britische Provinz Nordirland wollen auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union ihre Grenze offen halten. „Es gibt moderne Mittel, um starre Grenzen zu vermeiden“, sagte der irische Ministerpräsident Enda Kenny nach einem Treffen des britisch-irischen Rats im walisischen Cardiff gestern, bei dem die Folgen des „Brexit“-Votums besprochen wurden. „Weder der Norden noch der Süden werden starre Grenzen akzeptieren.“

Für Irland sei wichtig, dass Großbritannien weiter prosperiere und „möglichst enge Verbindungen zur EU“ bewahre, sagte Kenny. Das bedeute, dass das Land weiter Zugang zum gemeinsamen Binnenmarkt behält. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sei er zuversichtlich, dass die bisherige Regelung zur Reisefreiheit beibehalten werden könne. Auch die nordirische Regierungschefin Arlene Foster äußerte die Erwartung, dass die Grenze auch nach dem „Brexit“ offen bleibe.

Gemäß einer Regelung von 1922 gibt es an der 500 Kilometer langen Grenze zwischen Irland und Nordirland nur minimale Kontrollen. Die Bevölkerung in Nordirland hatte bei dem Referendum vom 23. Juni über den Austritt Großbritanniens aus der EU genauso wie die Schotten mehrheitlich für den Verbleib gestimmt. Die Briten insgesamt votierten aber mit einer knappen Mehrheit von 52 Prozent für den „Brexit“. Wann das Land die EU verlässt, ist noch offen.

Türkei sichert G-20 demokratische Prinzipien zu

Die Türkei hat nach Verhängung des Ausnahmezustands infolge des gescheiterten Putsches den G-20-Partnern zugesichert, die demokratischen Regeln einzuhalten.

„Wir werden weiterhin entschieden die demokratischen Prinzipien befolgen“, sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Simsek heute im chinesischen Chengdu vor einem Treffen der Finanzminister und -Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20). „Es hat sich nicht wirklich viel verändert“, sagte Simsek. Die Türkei gehört als aufstrebende Volkswirtschaft zur Gruppe der G-20-Länder.

Befürworter von unabhängigem Katalonien erstmals vorne

In Katalonien haben die Befürworter einer Trennung von Spanien laut einer Umfrage erstmals eine Mehrheit. 47,7 Prozent der Befragten unterstützen die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens. 42,4 Prozent weisen die umstrittenen Abspaltungspläne der Regionalregierung von Carles Puigdemont zurück, ergab eine nun publizierte Befragung des regionalstaatlichen Instituts CEO.

Bei einer CEO-Umfrage vom Sommer 2015 lehnten 47,8 Prozent der Befragten das Vorhaben der Separatisten noch ab. Damals waren 42,9 Prozent dafür. Bei den Regionalwahlen im September 2015 hatten die separatistischen Parteien zwar gewonnen, die angestrebte absolute Mehrheit aber knapp verpasst.

Madrid gegen Spaltung

Puigdemont hält, wie er zuletzt mehrfach bekräftigte, an den Plänen zur Trennung von Spanien bis Mitte 2017 fest. Er betonte allerdings, Katalonien werde dazu - anders als von Linksseparatisten gefordert - „nicht das Gesetz brechen“.

Die konservative Zentralregierung in Madrid will eine Trennung der wirtschaftsstärksten Region unter keinen Umständen zulassen. Katalonien hat 7,6 Millionen Einwohner und verfügt über eine eigene Sprache und Kultur. In der Autonomen Gemeinschaft wird rund ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsprodukts Spaniens erwirtschaftet.

Inland

Kinderheime: Bures will „Geste der Verantwortung“

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) will im Herbst eine „Geste der Verantwortung“ für die Opfer von Misshandlungen in staatlichen und kirchlichen Kinderheimen setzen. Als Termin nannte Bures heute im Ö1-Mittagsjournal den Internationalen Tag der Kinderrechte (also den 20. November, Anm.). Die Frage nach Entschädigungszahlungen für die Opfer beantwortete sie ausweichend.

„Worum es mir geht ist jetzt zu sagen, wir haben alle gesehen was hier passiert ist, wir haben die Lehren daraus gezogen“, sagte Bures auf die Frage nach Entschädigungszahlungen.

„Zeichen setzen“

Kinder hätten in den Einrichtungen der öffentlichen Hand und der Kirche großes Unrecht erfahren: „Sie hätten Schutz und Hilfe gebraucht und haben Gewalt und Missbrauch erlitten.“ Daher gehe es nun darum, „ein Zeichen zu setzen“. „Das Parlament ist ein guter Ort dazu.“ Bei Kanzler Christian Kern (SPÖ) und Kardinal Christoph Schönborn sei sie damit auf offene Ohren gestoßen.

Pflegeurlaub: Stöger will Erleichterung für pflegende Kinder

Wer seine pflegebedürftigen Eltern betreuen muss, hat nur Anspruch auf Pflegefreistellung, wenn er im gleichen Haushalt lebt. Für Eltern, die ihre Kinder pflegen, ist der gemeinsame Haushalt dagegen seit 2013 nicht mehr nötig, um in Pflegeurlaub zu gehen. Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) will die Regelungen nun angleichen, wie er im Ö1-„Morgenjournal“ sagte.

Parlamentsmehrheit erhofft

„Ich halte es für sehr wichtig, nicht mehr einschränkend zu sein auf den gemeinsamen Haushalt“, sagte Stöger und hofft auf eine entsprechende Parlamentsmehrheit. Unterstützt wird die Forderung von Grünen und ÖGB. Auch die Familien- und Sozialreferenten der Länder wünschen sich dem Bericht zufolge eine Reform.

Leichter Anstieg bei Asylanträgen aus der Türkei

Angesichts der immer stärkeren Repressalien in der Türkei durch Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Gefolgsleute erwarten Experten, dass die Zahl der Flüchtlinge aus dem euroasiatischen Land in näherer Zukunft stark ansteigen könnte. Schon im ersten Halbjahr 2016 zeigte sich in Österreich ein Plus bei den Asylansuchen.

166 Anträge zählte das Innenministerium, wodurch die Türken erstmals seit Längerem wieder zu den 15 stärksten Flüchtlingsgruppen zählten. Zum Vergleich: 2014 waren im Gesamtjahr nur 203 und im Jahr darauf bloß 221 Anträge verzeichnet worden. Freilich ist man heuer von Werten Anfang des neuen Jahrtausends noch weit entfernt. 2002 wurden beispielsweise 3.561 Asylanträge verzeichnet, womit die Türken unter den stärksten Nationen lagen.

Positive Bescheide

Für einen EU-Beitrittskandidaten eher ungewöhnlich ist, dass etliche der türkischen Asylansuchen auch positiv beschieden wurden. So gab es 2014 23 positive Entscheidungen, 2015 immerhin auch noch neun und heuer im ersten Halbjahr vier. Dazu kamen vor zwei Jahren zehn Gewährungen von subsidiärem Schutz, 2015 deren neun und heuer eine. Am stärksten profitierten Türken aber von humanitärem Bleiberecht, das im Vorjahr gleich 156-mal erteilt wurde, heuer in den ersten sechs Monaten 36-mal.

Mitterlehner: Zukunft von EU-Türkei-Deal „nicht absehbar“

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht den EU-Türkei-Flüchtlingsdeal in Gefahr. „Ob das Abkommen haltbar ist, wenn alles so weiterläuft, ist nicht absehbar“, sagte Mitterlehner dem „Standard“ (Wochenendausgabe). Die Entwicklung nach dem Militärputsch in der Türkei sei „brandgefährlich“: „Wer weiß, ob demnächst nicht die ersten Flüchtlinge aus der Türkei selbst kommen“.

„Die Aushöhlung des Rechtsstaats macht mir natürlich Sorgen“, sagte der oberösterreichische Politiker in einem Doppelinterview mit seinem Landsmann, dem Autor Kurt Palm. Dieser hatte es zuvor als „unfassbar“ bezeichnet, dass die EU das Abkommen mit der Türkei nicht sofort (nach dem Militärputsch, Anm.) gekündigt habe.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hatte unmittelbar nach Beginn des umstrittenen Vorgehens der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan die gesamte Bandbreite der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei auf den Prüfstand gestellt. Auch beim Flüchtlingsabkommen gelte es „abzuwägen, ob die Türkei noch ein Partner bleibt“, sagte er Anfang der Woche im TV-Sender „Puls 4“. Allerdings seien dabei „andere Maßstäbe anzulegen“ als bei der EU-Annäherung, weil man sich anschauen müsse, „wer uns als Bündnispartner zur Verfügung steht“.

BP-Wahl: Wohnsitzwechsler brauchen Wahlkarte

Österreicher, die in den vergangenen fünf Monaten umgezogen sind, brauchen eine Wahlkarte, wenn sie am 22. Oktober an ihrem neuen Hauptwohnsitz wählen wollen. Denn die Stimmabgabe ohne Wahlkarte ist nur im Wahllokal in jener Gemeinde möglich, in der der Wahlberechtigte am 23. Februar hauptgemeldet war. Wahlkarten können schon jetzt beantragt werden.

Der 23. Februar war der Stichtag für den ersten Bundespräsidenten-Wahlgang. Er galt auch für die Stichwahl - und gilt weiter bei der Wiederholung. Für Auslandsösterreicher ist der 24. März maßgeblich: Wer sich erst danach in die Wählerevidenz hat eintragen lassen, ist am 2. Oktober nicht stimmberechtigt. Das Wahlrecht an sich richtet sich nach dem Tag des ersten Hofburg-Urnenganges: Wahlberechtigt sind auch bei der Wiederholungswahl nur die Österreicher, die spätestens am 24. April 16 Jahre alt wurden.

Schriftliche Wahlkartenanträge bis Ende September

Mit Wahlkarte kann am 2. Oktober österreichweit in jedem Wahllokal die Stimme abgegeben werden - bzw. im Wege der Briefwahl schon davor. Beantragt werden müssen Wahlkarten schriftlich oder mündlich - jedoch nicht telefonisch - bei der Hauptwohnsitzgemeinde (bei Wohnsitzwechslern ebenfalls die „alte“). Versendet werden sie laut Website des Innenministeriums etwa vier Wochen vor dem Wahltag, an die Auslandsösterreicher, die ein „Abo“ beantragt haben, automatisch (ohne Antrag) am 5. September.

Letzter Zeitpunkt für schriftliche Wahlkartenanträge ist Mittwoch, der 28. September. Persönlich beim Gemeindeamt beantragt und gleich mitgenommen werden können Wahlkarten bis Freitag, 30. September. Bis dahin ist auch ein schriftlicher Antrag möglich, wenn die Wahlkarte durch eine bevollmächtigte Person abgeholt wird.

Wirtschaft

Grasser-Anklage: Staatsanwaltschaft will 166 Zeugen laden

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) will im Strafverfahren gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und seine 15 Mitangeklagten 166 Zeugen laden. Das berichtet das Magazin „profil“ unter Berufung auf die 825 Seiten starke Anklageschrift.

Aussagen sollen demnach u. a. der Industrielle Hannes Androsch, der frühere Bank-Austria-Chef Gerhard Randa, die früheren Immofinanz-Aufsichtsräte Guido Schmidt-Chiari und Erhard Schaschl, der Banker und Grasser-Vertraute Julius Meinl, der Linzer Ex-Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ), sein Nachfolger Klaus Luger (SPÖ) sowie Alfred Finz, ÖVP-Finanzstaatssekretär unter Minister Grasser.

Indizienkette statt Beweis

Einen Beweis, dass Grasser im Zusammenhang mit der Privatisierung der Bundeswohnungen (BUWOG) oder mit der Einmietung der oberösterreichischen Finanz- und Zollämter in den Linzer Terminal Tower Bestechungsgeld angenommen hat, kann die Anklage dem Bericht zufolge nicht liefern.

Stattdessen knüpft die WKStA eine Indizienkette - etwa in Zusammenhang mit Barabhebungen von einem (offiziell dem mitangeklagten Lobbyisten Walter Meischberger gehörenden) Konto in Liechtenstein und Zahlungseingängen auf Grassers österreichischen Privatkonten.

Geheime Zahlung von fast zehn Mio. Euro

Im Zusammenhang mit der BUWOG-Privatisierung 2004 geht es um eine geheime Zahlung von fast zehn Mio. Euro - ein Prozent des Kaufpreises -, die von der im Bieterverfahren siegreichen Immofinanz nach Liechtenstein floss.

Grasser soll sein Insiderwissen als Minister ausgenutzt haben, um - über den Umweg zweier Vertrauter - den entscheidenden Tipp zu geben und sich selber mit Schmiergeld zu bereichern. Grasser bestreitet das vehement.

In der zweiten Causa geht es um den Linzer Terminal Tower. Das Hochhaus am Linzer Hauptbahnhof war ein Gemeinschaftsprojekt von Porr, Raiffeisen OÖ und Raiffeisen Leasing. Für die Einmietung der Finanz im Jahr 2006 floss eine „Vermittlungsprovision“ auf Konten in Liechtenstein, wo auch der Großteil der BUWOG-Millionenprovision gelandet war. Für Grasser und alle Mitangeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig.

G-20-Länder gewappnet für Folgen von „Brexit“-Votum

Die G-20-Gruppe der führenden Schwellen- und Industrieländer sieht sich gut aufgestellt, um die wirtschaftlichen Folgen des britischen „Brexit“-Votums zu bewältigen. „Der Ausgang des Referendums über die EU-Mitgliedschaft hat zu weiteren Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft beigetragen“, heißt es in einem Entwurf des G-20-Kommuniques, das der Nachrichtenagentur Reuters heute vorlag.

Mit möglichen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Konsequenzen der Entscheidung in Großbritannien könnten die Mitgliedsländer aber umgehen. „Wir hoffen, dass Großbritannien auch künftig ein enger Partner der EU bleibt“, versichern die G-20-Länder in der Erklärung.

Wirtschaftlicher Aufschwung schwächer als gewünscht

Kritisch merkten die Staaten der Gruppe an, dass der wirtschaftliche Aufschwung in der Welt schwächer als gewünscht verlaufe. Das Wachstums müsste generell breiter zwischen den Ländern verteilt werden, damit möglichst viele daran teilhaben könnten. Die Risiken für die Weltwirtschaft, auch aus dem politischen Raum, nähmen drastisch zu. Als Beispiele wurden die Flüchtlingskrise, der Terrorismus oder geopolitische Konflikte, etwa im Nahen Osten, genannt.

Die G-20-Staaten versichern, alle Anstrengungen zu unternehmen, um mehr Vertrauen in der Wirtschaft zu schaffen und das Wachstum auf nachhaltiger Basis zu fördern. Grundsätzlich müssten zur Erreichung dieses Ziels alle Politikfelder genutzt werden - die Geld-, die Finanzpolitik und die Strukturpolitik. Die Geldpolitik alleine könne die Probleme nicht bewältigen. Eine entscheidende Rolle komme daher den Strukturreformen zu.

Die G-20 erneuerte ihre Zusicherung, sich jedes Abwertungswettlaufs bei ihren Währungen zu enthalten und keine gezielte Wechselkursbeeinflussung zu betreiben, um sich damit Handelsvorteile zu sichern.

Italien droht erstmals seit 1959 Deflation

Trotz leichten Wirtschaftswachstums sinken die Preise in Italien. Im ersten Halbjahr 2016 gingen die Preise um 0,2 Prozent zurück, geht aus einer Studie des Handwerkerverbands CGIA hervor. Sollte der Trend in der zweiten Jahreshälfte bestätigt werden, würde Italien erstmals seit 1959 wieder ein Deflationsjahr melden. Damals betrug das Wirtschaftswachstum jedoch sieben Prozent.

Starke Preisrückgänge wurden im Lebensmittelbereich, vor allem bei Obst und Gemüse, gemeldet. Auch bei elektronischen Waren und bei Energieprodukten kam es zu einem starken Rückgang. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti klagte, dass im Mai 2016 erstmals auch Diskontsupermärkte Umsatzrückgänge von 0,2 Prozent meldeten. Ein Minus von 1,4 Prozent wurden in Supermärkten verzeichnet.

Wachstumsprognose Italiens nach unten revidiert

Nach dem „Brexit“-Referendum hatte der italienische Unternehmerverband Confindustria Anfang Juli die Wachstumsprognose Italiens für dieses Jahr kräftig nach unten revidiert. Die Industriellen gehen davon aus, dass Italiens Wirtschaft im Jahr 2016 um nur noch 0,8 Prozent und 2017 um 0,6 Prozent wachsen werde.

Bisher waren sie von einem Plus von 1,4 Prozent im Jahr 2016 und von 1,3 Prozent im Jahr 2017 ausgegangen.

D: E.ON-Tochter Uniper plant Stellenabbau

Die deutsche E.ON-Kraftwerkstochter Uniper will eine größere Zahl von Arbeitsplätzen abbauen. „Es werden Stellen in einer nennenswerten Größenordnung wegfallen“, sagte Unternehmenschef Klaus Schäfer der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Wir wollen den Stellenabbau sozialverträglich gestalten und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, ausschließen können wir sie als letztes Mittel nicht.“

Wie viele Stellen von der Sparmaßnahme betroffen seien, werde derzeit geprüft. „Bei Kostensenkungen geht es leider immer auch um Arbeitsplätze. Die genauen Zahlen ermitteln wir gerade und sind hierzu natürlich auch in regelmäßigen Gesprächen mit den Vertretern der Mitbestimmung“, sagte Schäfer der Zeitung.

E.ON unter Druck der Energiewende aufgespalten

Deutschlands größter Stromkonzern E.ON hatte sich unter dem Druck der Energiewende aufgespalten. Uniper war Anfang des Jahres an den Start gegangen. In das Unternehmen mit rund 5.000 Beschäftigten im Inland und 9.000 im Ausland hat E.ON seine konventionellen Kraftwerke abgespalten. Uniper mit Sitz in Düsseldorf soll im September an die Börse gehen.

Der Uniper-Vorstand hatte bereits ein Sparprogramm mit Veräußerungen von Unternehmensteilen und der Senkung von Personalkosten angekündigt. „Wir müssen unsere Kosten deutlich senken und prüfen deshalb alle möglichen Optionen“, sagte Schäfer der Zeitung. Eine Netto-Verschuldung von 4,7 Milliarden Euro sei auf Dauer zu viel.

IWF-Chefin Lagarde muss vor Gericht

Auf die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, kommt ein Prozess zu. Der Oberste Gerichtshof in Paris machte gestern den Weg für das Verfahren frei. Anlass ist ein Finanzskandal, die Tapie-Affäre, bei der es um Zahlungen an einen Geschäftsmann während Lagardes Zeit als französische Finanzministerin geht. Gegen weitere in die Causa verwickelte Personen laufen Betrugsermittlungen. Lagarde droht im äußersten Fall eine Haftstrafe.

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Sport

Fußball: Janko nimmt mit Basel Double ins Visier

Neben der österreichischen startet heute auch die Schweizer Liga in die neue Saison. Großer Favorit auf den Titel ist Basel, das zuletzt siebenmal in Folge Meister war. Marc Janko will sich mit den Baslern aber nicht nur auf den Meistertitel beschränken, sondern geht auch auf den Cupsieg und den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase los. Zuerst muss der ÖFB-Teamstürmer aber um seinen Stammplatz kämpfen, bekam er doch im Angriff neue Konkurrenz.

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Erste Liga: LASK verspielt Sieg in Nachspielzeit

Der LASK ist gestern mit einem Remis bei Austria Lustenau in die Saison gestartet. Die Vorarlberger hatten vor heimischem Publikum mehr Spielanteile, gingen aber zu fahrlässig mit ihren Chancen um. Rene Gartler bestrafte schließlich die fehlende Kaltschnäuzigkeit der Hausherren und brachte den LASK in Führung. In der Nachspielzeit rettete „Joker“ Jailson den Lustenauern aber noch einen Punkt. Einen Fehlstart fabrizierte indes der SV Horn. Erster Tabellenführer ist Wattens, das im Aufsteigerduell bei Blau-Weiß Linz glänzte.

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Leichtathletik: Siebenkämpferin Lagger holt U20-WM-Gold

Sarah Lagger schwimmt weiter auf der Erfolgswelle. Genau eine Woche nach ihrer Silbermedaille bei der U18-EM in Tiflis krönte sich die 16-jährige Siebenkämpferin gestern in Bydgoszcz zur U20-Weltmeisterin.

In einem packenden 800-m-Lauf fing die Kärntnerin im Finish noch Adriana Rodriguez ab und verwies die Kubanerin um 35 Zähler auf den zweiten Platz. Die 18-jährige Karin Strametz rundete als Siebente das sensationelle ÖLV-Ergebnis ab.

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Chronik

Rund 100 Tote durch Unwetter in China

Bei schweren Unwettern und Überschwemmungen in China sind etwa 100 Menschen ums Leben gekommen. Eine ähnlich hohe Zahl galt als vermisst. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua heute berichtete, wurden in den vergangenen Tagen allein in der Provinz Hebei nahe Peking 72 Menschen getötet. 78 weitere wurden dort als vermisst gemeldet.

Proteste gegen Behörden

Die Schäden in Hebei wurden auf 14,6 Milliarden Yuan, umgerechnet zwei Milliarden Euro, geschätzt. In der Stadt Xingtai in der Provinz kam es zu Protesten von Tausenden aufgebrachter Bewohner, die zu späte Warnungen der Behörden und unzureichende Hilfseinsätze beklagten. Hunderte Polizisten stellten sich ihnen in den Weg.

Bericht: EygptAir-Flugzeug nach Brand in Luft zerbrochen

Das EgyptAir-Flugzeug, das im Mai mit 66 Menschen an Bord ins Mittelmeer gestürzt war, ist laut einem Zeitungsbericht nach einem Brand in der Luft zerbrochen. Die Analyse der beiden Flugdatenschreiber sowie der Flugzeugtrümmer habe zu diesem Schluss geführt, sagten ägyptische Ermittler der Zeitung „New York Times“ (Freitag-Ausgabe). Es sei noch unklar, ob das Feuer an Bord wegen eines technischen Defekts oder einer kriminellen Tat ausbrach.

Eine ägyptische Untersuchungskommission hatte vergangenen Samstag mitgeteilt, eine Auswertung des Stimmenrekorders habe ergeben, dass die Besatzung damals ein „Feuer“ konstatiert habe. Bereits Ende Juni hatten die Ermittler erklärt, dass der andere Flugschreiber einen Rauchalarm aufgezeichnet habe, bevor der Airbus A320 zwischen Kreta und der ägyptischen Küste ins Mittelmeer stürzte.

Bei dem Absturz auf dem Weg von Paris nach Kairo waren am 19. Mai alle 66 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter 40 Ägypter und 15 Franzosen. Ein Anschlag wurde rasch ausgeschlossen. Im vergangenen Oktober war ein russisches Passagierflugzeug kurz nach dem Start im ägyptischen Scharm al-Scheich auf dem Sinai abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen bei dem Bombenanschlag ums Leben, zu dem sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekannte.

MH370-Pilot übte mutmaßliche Route am Flugsimulator

Der Pilot von Flug MH370, der im südlichen Indischen Ozean verschollen ist, hat einem Pressebericht zufolge die vermutete Flugroute wenige Woche vor dem Unglück am Flugsimulator geübt. Zaharie Ahmad Shah nahm an seinem heimischen Flugsimulator einen Flugkurs über die Straße von Malakka zum südlichen Indischen Ozean, wie das „New York Magazine“ (Freitag-Ausgabe) unter Berufung auf ein vertrauliches Dokument der malaysischen Ermittler berichtete.

Demnach stellte die US-Bundespolizei FBI gelöschte Daten von der Festplatte des Flugsimulators des Piloten wieder her. Laut dem Bericht der Zeitschrift wurde dabei unter anderem eine Flugroute gefunden, die erstaunliche Ähnlichkeit aufweist mit der Route, die das Flugzeug laut den Ermittlungen nahm, bevor es ins Meer stürzte. Warum die Boeing 777 am 8. März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von ihrer Flugroute abwich, ist bis heute ungeklärt.

Suche voraussichtlich fortgesetzt

Der Absturz des Flugzeugs mit 239 Menschen an Bord bleibt eines der großen Rätsel der Luftfahrtgeschichte. In unbestätigten Berichten hatte es geheißen, Pilot Zaharie habe Suizidgedanken gehegt oder sei über die Verurteilung des malaysischen Oppositionsführers Anwar Ibrahim verärgert gewesen, doch wiesen seine Angehörigen derartige Spekulationen zurück. Der neue Bericht fällt mit der Ankündigung zusammen, dass die Suche nach dem Flugzeugwrack demnächst voraussichtlich ausgesetzt wird, sofern es keine neuen Erkenntnisse gibt.

Panorama

Russe flog mit Ballon in Rekordzeit um die Erde

Der russische Extremabenteurer Fedor Konjuchow hat als Ballonfahrer einen neuen Weltrekord aufgestellt. Mit dem Flug über seinen Startpunkt nahe der westaustralischen Stadt Perth heute kurz nach 13.00 Uhr hat er allein die Erde in elf Tagen umrundet, wie der Sender ABC berichtete. Der 65-Jährige sei anschließend sicher in der Kleinstadt Bonnie Rock in Westaustralien gelandet.

Russischer Abenteurer Fedor Konjuchow

APA/AP/Morton/Oscar Konyukhov

Damit hat Konjuchow die knapp 34.000 Kilometer (auf der Erde) zwei Tage schneller zurückgelegt als der bisherige amerikanische Rekordhalter Steve Fossett, der 2002 ebenfalls von Perth aus startete. Konjuchow wählte die Ost-Route über den Pazifik, Südamerika, den Atlantik, Südafrika und den Indischen Ozean.

Heißluftballon mit bis zu 300 km/h unterwegs

Der Heißluftballon war mit bis zu 300 km/h unterwegs und nutzte den Jetstream, eine große Luftströmung über dem Boden. In dieser Flughöhe von acht bis zehn Kilometern herrschen minus 56 Grad Celsius.

Die Erdumrundung im Ballon ist nicht Konjuchows erstes Abenteuer. Der russisch-orthodoxe Priester ruderte bereits in 160 Tagen 16.000 Kilometer über den Pazifik, reiste zu Fuß zum Nord- und Südpol, umsegelte allein die Welt und bestieg den Mount Everest.

Religion

Papst wird in Auschwitz schweigen

Wenige Tage vor dem Besuch von Papst Franziskus im polnischen Auschwitz hat die jüdische Gemeinde Italiens den Entschluss des Papstes zum Schweigen gelobt. Sie begrüße seinen Verzicht auf eine formale Ansprache sehr, schreibt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinden des Landes, Noemi Di Segni, in einem Gastbeitrag für die aktuelle Ausgabe der vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“ (Samstag-Ausgabe).

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Kultur

Skulptur von Deutschem soll zurück nach Ground Zero

Eine Skulptur des deutschen Künstlers Fritz Koenig, die die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York weitgehend unbeschadet überstanden hat, soll wieder am Ground Zero aufgestellt werden.

Skulptur "The Sphere" im Battery Park in Manhattan

Reuters/Frank Franklin II

Die rund acht Meter hohe Kugel „The Sphere“ solle noch in diesem Jahr in einen neu eröffneten Park auf dem Gelände transportiert werden, teilte die zuständige Behörde Port Authority gestern (Ortszeit) mit.

Skulptur aus den 60er Jahren

Die Ende der 60er Jahre geschaffene Skulptur des in Würzburg geborenen Bildhauers war bis zu den Anschlägen im Zentrum des Platzes vor dem World Trade Center gestanden. Nachdem sie den Terrorangriff weitgehend unbeschadet überstanden hatte, wurde sie als Mahnmal im Battery Park an der Südspitze Manhattans aufgestellt. Nun zieht sie an ihren ursprünglichen Standort zurück.

Der Künstler sei darüber sehr froh, sagte Stefanje Weinmayr von der Fritz und Maria Koenig-Stiftung in Landshut der „New York Times“. "Er ist jetzt 92 Jahre alt, aber immer noch sehr interessiert am Schicksal seines „Kindes". Mit der derzeitigen Platzierung im Battery Park war er nicht glücklich. Die Möglichkeit einer verbesserten Situation ist für ihn sehr aufregend.“

Kinofilm „Wild“: Die mit dem Wolf lebt

Wer mit einem von Georg Friedrich gespielten Scheusal als Chef leben kann, der setzt andere Maßstäbe an Beziehungen als gewöhnliche Menschen. Es darf trotzdem verwundern, dass Ania (Lilith Stangenberg) in Nicolette Krebitz’ Film „Wild“ sich plötzlich in einen Wolf verschaut.

Sie wird mit ihm zusammenleben, und schon bald verbindet die beiden ein tiefes Einverständnis, das auch in seiner filmischen Umsetzung weit über flache Metaphorik im Sinne von animalisch vs. menschlich hinausgeht. Ein Film, der verrückt ist - weil er die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verrückt. Ein Bestiarium des Sinnlichen.

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