Ausland

Taliban schweigen zu Tod von Mullah Omar

Die afghanischen Taliban haben Angaben zu in Kürze bevorstehenden Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul zurückgewiesen. Die Taliban seien sich „eines solchen Prozesses“ nicht bewusst, teilte die radikalislamische Gruppierung heute auf ihrer Internetseite mit. Es war die erste öffentliche Äußerung der Taliban, seit die afghanische Regierung gestern den Tod von Taliban-Chef Mullah Omar verkündet hatte. Zum mutmaßlichen Tod Omars äußerte sich die Gruppe nicht.

Seit dem Sturz der Taliban 2001 durch eine Offensive unter US-Führung wurde Omar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Der afghanischen Regierung zufolge ist Omar bereits seit mehr als zwei Jahren tot. Er starb demnach im April 2013 in einem Krankenhaus im pakistanischen Karachi. Die genauen Umstände waren unklar, Omar soll aber einer Krankheit erlegen sein. Die Taliban bestätigten das Ableben ihres Anführers bisher nicht offiziell. In der Vergangenheit waren immer wieder Botschaften aufgetaucht, die Omar zugeschrieben wurden - auch nach 2013.

Es war bereits befürchtet worden, dass die Nachricht vom Ableben des Extremisten die bereits vor einigen Wochen begonnenen Friedensgespräche zwischen den Taliban und Kabul beeinflussen könnten. Ein zweite Verhandlungsrunde sollte eigentlich morgen beginnen. Das Schweigen Omars hatte zuletzt auch zur Folge, dass ein Teil der Taliban-Kämpfer zu der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) überlief.

Planer der Mumbai-Anschläge von 1993 hingerichtet

Mehr als 22 Jahre nach den blutigen Bombenanschlägen in Mumbai ist einer der Verantwortlichen in Indien hingerichtet worden. Yakub Memon wurde nach offiziellen Angaben heute in einem Gefängnis im Bundesstaat Maharashtra gehängt. Kurz zuvor war ein letztes Gnadengesuch abgelehnt worden. Es war die dritte Hinrichtung in Indien in zehn Jahren.

Das Todesurteil gegen Memon war umstritten. Er war der einzige von elf Verurteilten, dessen Todesstrafe im Zusammenhang mit der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte des Landes aufrecht gehalten wurde. Die Bombenattentate hatten sich unter anderem gegen die Börse in Mumbai, die Niederlassung von Air india und ein Luxushotel gerichtet. 257 Menschen wurden damals getötet. Für die Taten wurden Mitglieder der muslimischen Minderheit verantwortlich gemacht. Die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Attacken wurden bisher nicht gefasst.

Memon soll die Anschläge am 12. März 1993 mitgeplant und finanziert haben. Memon hatte eine Beteiligung dementiert, das gegen ihn verhängte Todesurteil spaltete die indische Gesellschaft. Menschenrechtsaktivisten wandten sich gegen Memons Hinrichtung. Auch der frühere Richter an Indiens Oberstem Gericht, Harjit Singh Bedi, rief das Tribunal auf anzuerkennen, dass Memon mit den Ermittlern zusammengearbeitet und freiwillig aus Pakistan nach Indien zurückgekehrt sei.

Moskau verhindert Tribunal zu MH17-Abschuss

Russland hat die Einsetzung eines unabhängigen UNO-Tribunals zum Abschuss des Fluges MH17 vor einem Jahr über der Ukraine blockiert. Moskaus Botschafter Witali Tschurkin legte gestern im UNO-Sicherheitsrat das Veto seines Landes gegen eine Resolution ein. Trotz elf Jastimmen scheiterte damit die Resolution. China, Angola und Venezuela enthielten sich.

Unmittelbar vor der Abstimmung hatte der Sicherheitsrat mit einer Schweigeminute der 298 Menschen gedacht, die bei dem Unglück ums Leben gekommen waren. Die Boeing der Malaysia Airlines war vor einem Jahr über der Ostukraine vermutlich von einer Flugabwehrrakete abgeschossen worden. Die Regierungen in Kiew und in Moskau beschuldigen einander seither gegenseitig, für den Tod der Flugzeuginsassen verantwortlich zu sein.

Vor allem die Niederlande und Malaysia, aber auch andere Staaten wie Australien, fordern seit Langem ein unabhängiges internationales Tribunal, um zu klären, wer für den Abschuss verantwortlich ist. Mit dem Tribunal soll Russland zudem zu einer stärkeren Mitarbeit bei der Tätersuche gebracht werden. Zwei Drittel der Opfer kamen aus den Niederlanden, 27 aus Australien. Auch vier Deutsche waren dabei.

Türkischer Regierungsvize: „Sie als Frau, seien Sie still!“

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arinc hat erneut mit einer verbalen Entgleisung gegen Frauen für Aufsehen gesorgt.

Bei der Parlamentsdebatte zu den Einsätzen der Armee gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sowie gegen militante Kurden war Arinc gestern gerade dabei, die Angriffe auf kurdische Stellungen im Irak zu verteidigen. Eine Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP kritisierte ihn lautstark. Worauf er sagte: „Seien Sie still, Sie als Frau, seien Sie still!“

Die Parlamentsdebatte wurde live im Fernsehen übertragen und führte prompt zu scharfer Kritik. Die HDP und auch die säkulare Oppositionspartei CHP forderten eine Entschuldigung von Arinc.

Kein Einzelfall

Die von Arinc zurechtgewiesene Parlamentarierin Nursel Aydogan sagte, sie nehme die Äußerung „nicht persönlich“. Sie sei vielmehr eine „Beleidigung aller Frauen“, inklusive der eigenen Abgeordneten von Arincs Partei AKP. Im Internet entbrannte unter den Schlagwörtern #BirKadinOlarakSusmayacagiz („Wir Frauen werden nicht still sein“) und #KadinDusmaniArinc („Arinc ist ein Feind der Frauen“) eine heftige Debatte.

Es war nicht die erste Äußerung des Vizeregierungschefs über Frauen, die für Ärger sorgte: Vor rund einem Jahr zog er mit der Forderung, Frauen sollten sich in der Öffentlichkeit sittsam kleiden und nicht laut lachen, die Kritik von Frauengruppen und der Opposition auf sich.

Machtkampf bei Rechtsextremen in Frankreich geht weiter

Der Gründer der rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich, Jean-Marie Le Pen, hat im Machtkampf mit seiner Tochter und FN-Chefin Marine eine Niederlage einstecken müssen: 94 Prozent der FN-Mitglieder votierten in einer Befragung für die neuen Statuten ihrer Partei, die auch die Abschaffung seiner Ehrenpräsidentschaft vorsehen, wie die Partei gestern mitteilte. Einen Tag zuvor hatte es aber ein Berufungsgericht für unzulässig erklärt, Jean-Marie Le Pen den Ehrenvorsitz über eine schriftliche Mitgliederbefragung zu entziehen.

Die rechtsextreme Partei erklärte zum Ausgang der Abstimmung, dass Jean-Marie Le Pen beim Parteivolk nun keinen politischen Rückhalt mehr für seine Stellung habe. „Jean-Marie Le Pen verliert heute angesichts der unanfechtbaren Entscheidung der Basis der Front National jegliche politische Legitimität, Ehrenpräsident zu bleiben“, hieß es in einer FN-Erklärung. Es sei „weder achtbar noch vernünftig“, sich über juristische Winkelzüge festzubeißen.

Vater Le Pen rief zu Befragungsboykott auf

An der Abstimmung hatten sich laut FN mehr als 28.000 der 51.500 Mitglieder oder rund 54 Prozent beteiligt. 94,08 Prozent der heute ausgezählten Stimmen waren demnach für die Änderung der Statuten. Jean-Marie Le Pen hatte seine Anhänger zur Enthaltung bei dem Votum aufgerufen.

Die FN-Vorsitzende Marine Le Pen will ihrem Vater den Ehrenvorsitz entziehen, nachdem dieser Anfang April erneut die NS-Gaskammern als „Detail“ des Zweiten Weltkriegs bezeichnet hatte. Mit seinen antisemitischen und rassistischen Äußerungen torpediert Jean-Marie Le Pen den Kurs seiner Tochter, der FN ein respektableres Ansehen zu verschaffen und so neue Wähler zu gewinnen.

Doch der Parteigründer setzte sich juristisch erfolgreich gegen den Entzug der Ehrenmitgliedschaft zur Wehr. Ein Gericht urteilte Anfang Juli, dass zur Änderung der Parteistatuten ein außerordentlicher Parteitag einberufen werden müsste. Um ihren Vater politisch kaltzustellen, hatte Marine Le Pen auch dessen Parteimitgliedschaft auf Eis legen lassen. Diese Maßnahme wurde aber ebenfalls von einem Gericht gekippt.

UNO-Chef Ban verurteilt Siedlungspläne für Westjordanland

Die neuen Siedlungspläne Israels im Westjordanland sind bei den Vereinten Nationen (UNO) auf heftige Kritik gestoßen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteile die Baugenehmigung für 300 neue Wohnungen in einer Siedlung und 500 weitere Wohnungen in Ostjerusalem, wie ein UNO-Sprecher gestern mitteilte. Ban erinnere daran, dass diese Siedlungen nach internationalem Recht illegal seien.

Die Siedlungen seien ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden und stünden im Gegensatz zur Beteuerung Israels, eine Zweistaatenlösung mit einem israelischen und einem palästinensischen Staat anzustreben. „Der Generalsekretär drängt die israelische Regierung, den Neubau zu stoppen und die Genehmigung zurückzunehmen“, hieß es weiter.

Auch EU fordert Rücknahme von Baubeschluss

Als Reaktion auf den Abbruch zweier Siedlerhäuser im Westjordanland hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gestern den sofortigen Bau von 300 neuen Wohneinheiten in derselben Siedlung erlaubt. Israelischen Medien zufolge stimmte er auch Bauarbeiten in Ostjerusalem zu. Zuvor hatte das Oberste Gericht Israels erneut verfügt, zwei illegal erbaute Siedlerhäuser in Bet El nahe Ramallah zu zerstören.

Auch die EU forderte die israelische Regierung auf, die Baubeschlüsse unverzüglich zurückzunehmen. Die Entscheidungen der Behörden ließen Zweifel daran aufkommen, ob Israel noch zu der Zusage stehe, im Konflikt mit den Palästinensern eine Zweistaatenlösung anzustreben, ließ die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini gestern Abend in Brüssel mitteilen. Die Europäische Union erinnere daran, dass die Siedlungen nach dem Völkerrecht illegal seien.

Siedlungen für USA rechtswidrig

In einer Erklärung des stellvertretenden Sprechers des US-Außenministeriums, Mark Toner, hieß es, die USA sähen die Siedlungen als rechtswidrig an. Die USA seien besorgt über die israelische Ankündigung von neuen Wohneinheiten. Die Ausweitung der Siedlungen gefährde eine Zwei-Staaten-Lösung mit einem israelischen und einem palästinensischen Staat. Washington rief die israelische Regierung auf, von „nicht hilfreichen Aktionen“ Abstand zu nehmen, die die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung untergraben würden.

Anklage gegen Polizist wegen Todes von Afroamerikaner

Ein weißer Polizist, der einen Afroamerikaner bei einer Verkehrskontrolle erschossen hat, muss sich im US-Bundesstaat Ohio wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Cincinnati erhob gestern Anklage gegen den Beamten, der eine „unglaubliche“ und „sinnlose“ Tat begangen habe. „Er hatte es nicht mit jemandem zu tun, der wegen Mordes gesucht wird“, sagte Staatsanwalt Joseph Deters. Das Opfer sei lediglich angehalten worden, weil bei dem Auto das Nummernschild fehlte.

Der Polizist Ray T. hatte dem 43-jährigen Sam DuBose am 19. Juli in den Kopf geschossen. Der Beamte hatte ausgesagt, dass der Afroamerikaner bei der Verkehrskontrolle davongefahren sei und ihn mitgerissen habe. Nach Auswertung der Aufnahmen einer Minikamera, die T. am Körper trug, kam die Staatsanwaltschaft aber zu dem Schluss, dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Der Wagen sei lediglich losgerollt.

„Es ist lächerlich“

„Sie werden nicht glauben, wie schnell er seine Waffe zieht und ihm in den Kopf schießt. Es dauert vielleicht eine Sekunde“, sagte Deters. Der Staatsanwalt vermutete, dass der Polizist die Beherrschung verloren habe, weil DuBose nicht aus dem Auto steigen wollte. „Es ist lächerlich, dass das passiert ist.“

In den vergangenen Monaten hatte eine Reihe von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zum Teil gewalttätige Proteste und Debatten über Rassismus bei der Polizei ausgelöst. Ende April wurde die Ostküstenstadt Baltimore von schweren Ausschreitungen erschüttert, nachdem ein junger Afroamerikaner dort in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen war.

Inland

Hypo: Offene Fragen nach VfGH-Spruch

Von der Regierung, dem Land Kärnten, aber auch von der EU-Kommisison wurde die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) „zur Kenntnis genommen“ - fest steht: Durch das Kippen des Hypo-Sondergesetzes werden viele Fragen aufgeworfen. Während sich für die Hypo-„Bad Bank“ Heta das Finanzloch um rund 900 Millionen Euro vergrößert, bleibt offen, welche Folgen das für den Steuerzahler hat. Abhängig ist das unter anderem davon, ob das ebenfalls infrage gestellte Schuldenmoratorium hält und ob die Chancen der Gläubiger, den 2016 angekündigten Schuldenschnitt per Klage zu verhindern, nun gestiegen sind.

Mehr dazu in Für Kogler „gute Nachricht“

AMS-Chef gegen Schellings Arbeitslosenvorstoß

Mit der von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) angesprochenen Änderung der Zumutbarkeitsregelungen könne man die hohe Arbeitslosigkeit „sicher nicht“ bekämpfen, sagte AMS-Chef Johannes Kopf gestern in der ZIB2. Das Problem sei das niedrige Wachstum. Dagegen könne man mit Arbeitsmarktpolitik nichts ausrichten, sondern nur mit Konjunkturpolitik und der Senkung der Lohnnebenkosten, so Kopf.

Auf die Frage, ob die Zumutbarkeitsbestimmungen zu großzügig seien, ließ sich Kopf nicht ein: Die „hochpolitische Thematik“ gehöre deshalb vom Nationalrat gelöst. Zwei Änderungswünsche hatte er aber doch. Die geltenden Regelungen seien sehr komplex, er hätte sie gerne „grundlegend vereinfacht“, damit sie leichter administriert werden können. Außerdem bekräftigte Kopf seinen Vorschlag, die Mindestverfügbarkeit bei Personen mit Betreuungspflichten von 16 auf 20 Stunden anzuheben, gepaart mit einem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung - damit diese Personen in Halbtagsjobs vermittelt werden können.

Auch Kopf sieht „Inaktivitätsfallen“

Generell stellte Kopf fest, dass man Menschen nicht zwingen könne, einen Job anzunehmen, wenn ihnen der Ort oder das Gehalt nicht gefielen. Überlegt werden sollten aber Lösungen für zwei „Inaktivitätsfallen“ - also zwei Bereiche, wo das Arbeitslosengeld nah am erreichbaren Arbeitseinkommen liegt: Das sei bei der Mindestsicherung für Familien mit mehreren Kindern der Fall - wenn etwa bei drei Kindern 1.800 Euro ausbezahlt werden.

Wegnehmen wolle Kopf diesen Menschen allerdings nichts, er sei dafür, ihnen bei Arbeitsaufnahme einen Teil der Mindestsicherung als „Bonus“ zu lassen. Außerdem gebe es eine relativ geringe Differenz im Fall von Arbeitslosengeld (etwa von 800 Euro) und geringfügiger Beschäftigung (von 400 Euro).

Auch Leitl will über Zumutbarkeit reden

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl stärkt in der Debatte um die Zumutbarkeitsbestimmungen für das Arbeitslosengeld Schelling den Rücken. Er finde es gut, die Frage der Zumutbarkeit zu thematisieren. „Wäre ich arbeitslos, würde ich gerne was annehmen - allein wegen dem Sinnerlebnis in meinem Leben.“ Es werde doch in Österreich noch möglich sein, eine fachliche Diskussion zu führen, so Leitl im Gespräch mit der APA.

Clinch im Team Stronach offenbar beigelegt

Die Auseinandersetzungen zwischen dem oberösterreichischen Team Stronach (TS) und der Bundespartei dürften beigelegt sein. Ein „ausführliches“ Gespräch zwischen dem am Freitag abgesetzten Landesobmann Leo Steinbichler und Parteigründer Frank Stronach verlief nach den Worten Steinbichlers „exzellent, angenehm und niveauvoll“.

Details wollte er gegenüber der APA gestern noch nicht sagen. Er werde die Verhandlungsergebnisse erst mit der Landesgruppe besprechen. Stronach wird am Montag in den ORF-„Sommergesprächen“ auftreten, am Dienstag werde es dann eine gemeinsame „Presseposition“ geben, sagte Steinbichler.

Aus Partei ausgeschlossen

Der oberösterreichische TS-Chef war am Freitag aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er entgegen einem Beschluss der Bundespartei ein Antreten bei der Landtagswahl im Herbst angekündigt hatte. Bundesgeschäftsführer Ronald Bauer hatte gleichzeitig angekündigt, die Landespartei Oberösterreich überhaupt schließen zu wollen.

Das dürfte nun unterbleiben - und auch das Antreten bei der Landtagswahl scheint jetzt wahrscheinlicher. Dafür müsste das „Team“ allerdings bis 11. August 80 Unterstützungserklärungen in jedem der fünf Wahlkreise sammeln.

Stronach habe bei seinem Österreich-Besuch nicht nur mit Steinbichler geredet, er habe seiner Partei auch neuerlich finanziell unter die Arme gegriffen, berichten die „Oberösterreichischen Nachrichten“. 500.000 Euro spendete der austrokanadische Multimillionär laut Rechnungshof-Website am 28. Juli, konkret verzichtete er auf einen Darlehensteilbetrag in dieser Höhe.

OÖ: FPÖ bestreitet illegale Parteienfinanzierung

Der Verdacht einer illegalen Parteienfinanzierung der FPÖ von der Klagenfurter Agentur Ideenschmiede spielt seit gestern auch nach Oberösterreich: ÖVP und SPÖ sehen Erklärungsbedarf bei der FPÖ. Der FPÖ-Landesparteichef bestreitet den Verdacht und spricht von Schmutzkübelkampagne.

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Staatsanwaltschaft: Bericht zu FPÖ fertig

In der Affäre um angebliche illegale Parteienfinanzierung hat die Korruptionsstaatsanwaltschaft unterdessen ihren Bericht ans Justizministerium fertig. Ob dieser ein Auslieferungsbegehren für FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl enthalten könnte, ist nicht bekannt.

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Wirtschaft

Lufthansa mit mehr Gewinn

Billiges Kerosin und ausgebliebene Streiks haben der deutschen AUA-Konzernmutter Lufthansa von April bis Juni überraschend viel Rückenwind gebracht. Im gesamten ersten Halbjahr 2015 erzielte Europas größte Fluggesellschaft einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern von 468 Mio. Euro, wie sie heute mitteilte.

Das war mehr als zweieinhalb Mal so viel wie die 178 Millionen ein Jahr zuvor und deutlich mehr als von Analysten erwartet. Der Umsatz wuchs getrieben vom schwachen Euro um 8,5 Prozent auf 15,4 Mrd. Euro. Das Nettoergebnis sprang vor allem wegen eines lukrativen Finanzgeschäfts vom März von minus 79 Millionen auf plus 954 Millionen Euro.

Zweites Quartal bei AUA „deutlich positiv“

Die zur Lufthansa gehörende AUA beendete das erste Halbjahr 2015 mit einem Vorsteuerverlust von 17 Mio. Euro. Der Abgang bis Juni ist aber deutlich geringer als vor einem Jahr, als wegen KV-Rückstellungen für das fliegende Personal ein Halbjahresverlust (im Ergebnis vor Steuern und Zinsen) von 41 Mio. Euro angefallen war.

„Deutlich positiv“ war nach AUA-Mitteilung heuer aber das zweite Quartal 2015 mit einem Vorsteuergewinn von 36 Mio. Euro, das trotz der Krisen im Osten (Russland, Ukraine) und in Nahost verbucht wurde. Es reichte aber nicht aus, um auf Halbjahressicht den Verlust vom Winter aus der Bilanz zu bringen.

Facebook verdient wegen steigender Kosten weniger

Das Online-Netzwerk Facebook steigert den Umsatz weiter deutlich - allerdings auch die Ausgaben. Das belastet den Gewinn. Unter dem Strich blieben im abgelaufenen Quartal 719 Millionen Dollar und damit neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie der US-Konzern gestern nach Börsenschluss mitteilte. Die Kosten stiegen zugleich um mehr als vier Fünftel.

Anleger reagierten zunächst skeptisch auf den Quartalsbericht. Die Ausgaben von Facebook stiegen im zweiten Quartal kräftig um 82 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Der Konzern hatte bereits eine Investitionsoffensive angekündigt, er steckt unter anderem viel Geld in Rechenzentren. Dass die Kosten so stark zulegen würden, hatten Analysten aber nicht kommen sehen.

Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar und übertraf damit die Prognosen der Wall Street. „Es war ein weiteres starkes Quartal für unsere Community“, kommentierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Zahlen.

Werbeeinnahmen um 43 Prozent gestiegen

Die weltweite Zahl der Nutzer, die mindestens einmal im Monat bei Facebook vorbeischauen, stieg im Juni um 13 Prozent zum Vorjahr auf 1,49 Milliarden. Die besonders wertvollen täglich aktiven User nahmen um 17 Prozent auf 968 Millionen zu. Der Trend zur mobilen Nutzung hält an. Inzwischen greifen 844 Millionen Mitglieder täglich von Smartphones und Tablets auf den Dienst zu - das waren 29 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Werbeeinnahmen - Facebooks wichtigste Geldquelle - stiegen im letzten Quartal um 43 Prozent zum Vorjahr auf 3,8 Milliarden Dollar. Etwa 76 Prozent davon werden mittlerweile auf mobilen Geräte erwirtschaftet.

Bericht: Schäuble will EU-Kommission beschneiden

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will nach einem Zeitungsbericht die Kompetenzen der EU-Kommission in einigen Bereichen beschneiden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe) berichtete, möchte Schäuble der Kommission die Rechtsaufsicht über den Binnenmarkt und die Wettbewerbsregeln entziehen. Diese Funktionen sollten in neue, politisch unabhängige Institutionen nach dem Vorbild des Bundeskartellamts ausgegliedert werden.

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ will Schäuble erreichen, dass die ursprüngliche Funktion der Brüsseler Behörde als Hüterin der EU-Verträge institutionell getrennt wird von ihren immer stärker werdenden politischen Aktivitäten.

Der Minister habe nach Angaben von Brüsseler Diplomaten auf dem Treffen der EU-Finanzminister vor zwei Wochen in Brüssel eine schnelle Diskussion der EU-Staaten darüber angemahnt, wie die Kommission ihre ursprüngliche Kernaufgabe - die Durchsetzung des europäischen Rechts etwa als Wettbewerbshüterin und in der Aufsicht über die Binnenmarktregeln - noch erfüllen könne, hieß es weiter.

Athen lobt Atmosphäre bei Gesprächen mit Gläubigern

Die griechische Regierung hat die Verhandlungen mit den internationalen Gläubigerinstitutionen über ein drittes Hilfsprogramm für das krisengeplagte Land positiv bewertet. Die am Dienstag begonnenen und gestern fortgesetzten Gespräche seien „in sehr guter Atmosphäre“ verlaufen, verlautete aus dem Finanzministerium in Athen. Es sei dabei wie im Programm vorgesehen um Fragen der Energieversorgung, der öffentlichen Finanzen und der Besteuerung gegangen.

Die Vertreter von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischem Stabilitätsmechanismus (ESM) informierten sich gestern am Nationalen Rechnungshof in Athen erneut über Haushaltsfragen. Die Vertreter der Institutionen würden alle Informationen erhalten, die sie benötigten, sagte der neue griechische Vizefinanzminister Tryfon Alexiadis vor Journalisten: „Wir haben nichts zu verbergen.“

Zeit bis 20. August

Die Verhandlungen sollen bis Mitte August über die Bühne gebracht werden - am 20. August braucht Athen 3,2 Milliarden Euro für eine Rückzahlung an die EZB. Vor diesem Termin müssen unter anderen noch die Parlamente mehrerer Euro-Staaten dem Verhandlungsergebnis zustimmen. Dem hoch verschuldeten Griechenland droht ohne weitere finanzielle Unterstützung der Staatsbankrott und womöglich das Euro-Aus.

Mitte Juli hatte sich die linksgeführte Regierung in Athen nach langem Ringen mit den anderen Euro-Ländern auf Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm geeinigt. Die Euro-Länder bestanden darauf, dass auch der in Griechenland verhasste IWF an Bord bleibt.

US-Notenbank hält Leitzins weiter nahe null

Die US-Notenbank hält den Leitzins weiter nahe null, steuert aber fest auf die erste Erhöhung seit fast zehn Jahren zu. Der Offenmarktausschuss um Notenbankchefin Janet Yellen entschied gestern Abend, den Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent zu belassen. Auf diesem Niveau liegt er seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008.

Der Zinssatz soll laut Zentralbank aber steigen, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessert. Zuletzt machten die Währungshüter bereits weitere Fortschritte aus: Sie sprachen von „solidem Stellenzuwachs und abnehmender Arbeitslosigkeit“.

Zinswende im September realistisch

Vor einer Zinserhöhung wollen die Währungshüter aber einigermaßen sicher sein, dass sich die Inflation dem angestrebten Ziel von zwei Prozent wieder annähert. Yellen hatte zuletzt eine Zinswende noch in diesem Jahr signalisiert. Viele Experten rechnen für September damit. Manche Beobachter erwarten den Schritt jedoch erst gegen Jahresende.

An der Wall Street fielen die Reaktionen der Investoren auf den Fed-Entscheid gedämpft aus. Dow Jones und S&P 500 bauten nach der Fed-Erklärung ihre Gewinne etwas aus. Der Euro legte kurzzeitig zu, gab die Zugewinne dann aber wieder ab und näherte sich der Marke von 1,10 Dollar.

Sport

Beachvolleyball-EM: Klarer Auftaktsieg für Doppler/Horst

Die Medaillenhoffnungen Clemens Doppler/Alexander Horst sind gestern mit einem klaren Zweisatzsieg gegen die Weißrussen Alexander Kawalenka/Alexander Dsiadku in die Heim-EM der Beachvolleyballer in Klagenfurt gestartet. Während die Weltranglistenfünften erfolgreich den Grundstein für den Aufstieg in die K.-o.-Phase legten, schafften Stefanie Schwaiger/Barbara Hansel mit ihrem zweiten Sieg den vorzeitigen Aufstieg.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Doppeljackpot bei Lotto „6 aus 45“

Wieder hat kein Spielteilnehmer die richtige Zahlenkombination der gestrigen Ziehung im Lotto „6 aus 45“ getippt. Am Sonntag wird daher ein Doppeljackpot ausgespielt, in dem jetzt schon über 1,8 Mio. Euro liegen. Folgende Gewinnzahlen wurden gezogen:

2 11 15 20 30 44 / Zusatzzahl 3

Auch beim Jokerspiel hatte zum zweiten Mal hintereinander kein Spielteilnehmer die richtige Zahlenkombination auf dem Schein. Im Jackpot bleiben über 360.000 Euro. Die richtige Jokerzahl lautet:

1 3 9 5 3 1

Alle Angaben ohne Gewähr

Tote und Vermisste bei Erdrutschen in Nepal

Schwere Regenfälle haben im Westen Nepals mehrere tödliche Erdrutsche ausgelöst. 16 Menschen hätten nur noch tot aus den Schlammmassen geborgen werden können, sagte heute ein Polizeisprecher des Distrikts Kaski. 28 Menschen aus den Dörfern Lumley und Bhadaure würden noch vermisst.

Außerdem seien bei einem weiteren Erdrutsch im Dorf Chapakot 13 Menschen verletzt worden. Ein schweres Erdbeben hatte Ende April die Hänge in Teilen des Himalaya-Landes destabilisiert. Monsun-Regenfälle führen nun dazu, dass sich Erde und Geröll an vielen Stellen lösen. Die Rettungsarbeiten wurden behindert, da auch viele Straßen durch Erdrutsche unpassierbar sind.

Gesundheit

Kultur

„Slow West“: Höllenritt durch ein altes Genre

Rauchende Colts, galoppierende Pferde und bärbeißige Cowboys: Das Westerngenre ist nicht umzubringen. Auch nach der Hochblüte rauchender Gewehrläufe entstehen immer wieder hochqualitative und vor allem ungewöhnliche Filme, die den Präriemythos hinterfragen. „Dead Man“, „The Salvation“ - und nun „Slow West“, das gefeierte Epos des Regie-Greenhorns John MacLean mit Michael Fassbender in der Hauptrolle. Der junge Jay reitet samt zwielichtigem Beschützer der Liebe halber gen Westen: ein grandios inszenierter Höllenritt.

Mehr dazu in Ein Greenhorn trifft ins Schwarze

125. Todestag Van Goghs - „125 Jahre Inspiration“

Mit einer Kranzniederlegung an der Grabstätte von Vincent Van Gogh in Auvers-sur-Oise bei Paris durch zwei Urenkel des Bruders Theo van Gogh ist gestern in Frankreich der 125. Todestag des niederländischen Impressionisten begangen worden.

Van Gogh starb am 29. Juli 1890 in einem Hotelzimmer, zwei Tage nachdem er auf offenem Feld mit einer Pistole einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Die Nachfahren des Malers, Willem Van Gogh und Machteld Van Lear, legten zwei große Kränze aus Sonnenblumen am Grab nieder.

Urenkel des Bruders von Vincent van Gogh bei seinem Grab

APA/EPA/Bart Maat

Ein reisender „Modelleuropäer“

Bei einer Ansprache sagte Axel Rüger, Direktor des Van-Gogh-Museums in Amsterdam, dass 2015 unter dem Motto „125 Jahre Inspiration“ zum Van-Gogh-Jahr erklärt wurde. „Noch heutzutage werden überall in der Welt Millionen Menschen von ihm inspiriert.“

Van Gogh verbrachte die letzten drei Monate seines Lebens in der Unterkunft Auberge Ravoux in dem kleinen Dorf Auvers-sur-Oise, 27 Kilometer von Paris entfernt. Er malte dort mehr als 70 Bilder, von denen manche - so etwa jenes der Kirche von Auvers - zu seinen größten Meisterwerken zählen. 1985 wurde das Hotel, in dem der Künstler lebte, von den Behörden zu einem historischen Monument erhoben.

Anlässlich des Festakts wurde auch „The Vincent Van Gogh Atlas“ vorgestellt, ein 180 Seiten starkes Buch, das den Lebenslauf Van Goghs mit Hilfe von historischen Fotos, Zeichnungen, Grafiken, Landkarten und Briefen nachvollzieht. Van Gogh hatte in den 37 Jahren seines Lebens 38 Adressen in den Niederlanden, in Belgien, Großbritannien und Frankreich. „Van Gogh war ein Modelleuropäer“, sagte Rüger. Bis Jahresende finden in Auvers sowie in Amsterdam zahlreiche Veranstaltungen zum Jubiläum statt.

Science

Bis 2050 fast zehn Mrd. Menschen auf der Welt

Die Weltbevölkerung wird bis 2050 stärker wachsen als angenommen. Wie die Stiftung Weltbevölkerung gestern erklärte, korrigierte die UNO Hochrechnungen von 2013 und rechnet nun mit einem Anstieg der globalen Bevölkerung von heute etwa 7,3 Mrd. auf rund 9,7 Mrd. Menschen bis 2050 - über 170 Millionen mehr als angenommen.

Im Jahr 2100 rechnet die UNO mit 11,2 Mrd. Menschen auf der Erde. Verantwortlich für das Wachstum sind beinahe ausschließlich die Entwicklungsländer. So wird damit gerechnet, dass die Bevölkerung in Afrika von heute rund 1,2 Mrd. auf fast 4,4 Milliarden im Jahr 2100 steigt. In Europa wird hingegen mit einem Rückgang von derzeit 738 Millionen Menschen auf rund 646 Millionen Menschen im Jahr 2100 gerechnet.

Kaum Verhütung in Entwicklungsländern

Grund für den Anstieg ist unter anderem die Annahme, dass die Fertilitätsrate, also die Anzahl der Geburten pro Frau, weniger stark sinkt als noch vor einigen Jahren angenommen. Die Stiftung Weltbevölkerung forderte vor diesem Hintergrund einen besseren Zugang zu Aufklärung und freiwilliger Familienplanung für Frauen und Jugendliche in Entwicklungsländern.

„Jedes Jahr werden nach wie vor 74 Millionen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger - unter anderem, weil sie nicht verhüten können“, erklärte die Geschäftsführerin der Stiftung, Renate Bähr. Dem Bericht zufolge würde es jährlich 9,4 Mrd. Dollar (8,5 Mrd. Euro) kosten, Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern Verhütung zu ermöglichen. Derzeit werde nicht einmal die Hälfte davon aufgebracht.