Ausland

Baltimore: Notstand und nächtliche Ausgangssperre

Nach dem Ausbruch von Krawallen in Baltimore im Zusammenhang mit dem Tod eines Schwarzen im Polizeigewahrsam hat der Gouverneur des US-Bundesstaates Maryland, Larry Hogan den Notstand für die Stadt ausgerufen. Zudem wurde die Nationalgarde in Alarmzustand versetzt. „Die heutigen Plünderungen und Gewalttaten in Baltimore werden nicht toleriert“, erklärte Hogan. „Als Reaktion habe ich die Nationalgarde von Maryland in Alarmzustand versetzt, damit sie wenn nötig schnell eingesetzt werden kann.“

Zudem ist für die Ostküstenstadt eine nächtliche Ausgangssperre verhängt worden. Die Ausgangssperre beginne am Abend um 22.00 Uhr (Ortszeit; Mittwoch 04.00 Uhr MESZ), sagte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Die Maßnahme gelte zunächst für eine Woche, bei Bedarf werde das nächtliche Ausgehverbot verlängert.

Ausschreitungen nach Trauerfeier

Nach der gestrigen Trauerfeier für den 25-Jährigen Freddie Gray hatten Polizisten und Demonstranten in Baltimore einander erneut gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert. Auf die Einsatzkräfte in der Ostküstenstadt gingen gestern Steine und Flaschen nieder.

Mindestens sieben Beamte seien verletzt worden, sagte Polizeisprecher Eric Kowalczyk. Einer von ihnen sei bewusstlos, andere hätten gebrochene Knochen. "Wir werden die Verantwortlichen finden und sie ins Gefängnis bringen", sagte er.

Ein großes Gebäude im Osten der Stadt ging in Flammen auf. US-Fernsehsender zeigten Bilder des Großbrandes. Nach Angaben lokaler Medien handelt es sich um ein neu errichtetes kirchliches Altenzentrum. Bereits zuvor setzten Unbekannte einen großen Drugstore in der Innenstadt in Brand. Mehrere Geschäfte wurden nach Angaben der Polizei geplündert.

Eine Woche nach Festnahme verstorben

Viele Afroamerikaner sehen Freddie Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Der 25-Jährige war am 19. April - eine Woche nach seiner Festnahme - an schweren Rückenmarksverletzungen gestorben. Die genauen Umstände sind noch unklar. Auf Videos ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Krankenhaus ins Koma.

Tausende bei Begräbnis

Rund 3.000 Menschen erschienen zu der Trauerfeier in einer Kirche in Baltimore. „Wir sind hier wegen Freddie Gray, aber wir sind auch hier, weil es viele Freddie Grays gibt“, sagte der Anwalt der Familie, William Murphy, bei der Zeremonie. Murphy prangerte eine „Aushöhlung der Justiz“ an und forderte eine Polizeireform. Der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Jesse Jackson beklagte auf einer Pressekonferenz vor der Trauerfeier eine „Epidemie der Morde“ in den USA. „Wir sind zu gewalttätig geworden, zu hasserfüllt.“

Marsch von Baltimore nach Washington geplant

Schwarze Bürgerrechtler planen einen zweitägigen Protestmarsch von Baltimore in die Hauptstadt Washington. Das kündigte Al Sharpton vom National Action Network (NAN) an, einer der wichtigsten Verfechter der Belange von Afroamerikanern. Der Marsch über 60 Kilometer im Mai soll an die Fälle von Gray, Eric Garner, Walter Scott und Eric Harris erinnern, die bei oder nach Auseinandersetzungen mit der Polizei ums Leben kamen. Der Marsch soll auch Ermittlungen beim Justizministerium anstoßen, das sich unter Führung der neuen Justizministerin Loretta Lynch mit den Fällen befasst.

Bereits am Wochenende waren zunächst friedliche Proteste in Baltimore in Gewalt umgeschlagen. Demonstranten warfen Steine auf Polizeiwagen und Geschäfte. Nach Behördenangaben gab es mehr als 30 Festnahmen, sechs Polizeibeamte seien verletzt worden. Sowohl die Behörden in Baltimore als auch das US-Justizministerium haben Ermittlungen zu Grays Tod eingeleitet. Sechs Beamte wurden für die Zeit der Untersuchung vom Dienst suspendiert.

OSZE berichtet von schweren Gefechten in der Ostukraine

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beobachtet verschärfte Gefechte im Kriegsgebiet Ostukraine. Bei der Ortschaft Schyrokyne hätten sich ukrainisches Militär und prorussische Separatisten den schwersten Beschuss seit dem Beginn einer offiziellen Waffenruhe Mitte Februar geliefert, teilten die OSZE-Beobachter mit.

Das Granatfeuer bei der Ortschaft in der Nähe der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer habe zwölf Stunden gedauert, sagte ein Militärsprecher gestern in Kiew. Er warf den Aufständischen Provokationen vor. In Donezk teilte Separatistenführer Eduard Bassurin mit, das Kampfgebiet bei Schyrokyne sei größer geworden.

Mindestens zwei Tote

Im gesamten Frontbereich im Donbass sei bei Beschuss innerhalb von 24 Stunden mindestens ein Soldat getötet worden, sagte Militärsprecher Alexander Motusjanik in Kiew. Die Separatisten berichteten zudem von einem Toten in den eigenen Reihen.

Die US-Regierung zeigte sich besorgt und sprach von klaren Verstößen gegen die Vereinbarungen des Minsker Abkommens. Die Lage in Schyrokyne verschlechtere sich, sagte Außenamtssprecher Jeff Rathke. „Russische und separatistische Streitkräfte haben weiterhin eine beträchtliche Zahl von Artilleriegeschützen und mehrere Raketenwerfer innerhalb von Gegenden, wo sie unter den Minsker Vereinbarungen verboten sind.“ Das russische Militär habe Luftabwehrsysteme in die Ostukraine und einige davon in die Nähe der Front verlegt. Es handle sich um die größte Zahl solcher Luftabwehrsysteme in der Gegend seit August.

Einreise in EU: „Nachtwölfe“ wollen neuen Versuch machen

Mitglieder des russischen Motorradklubs „Nachtwölfe“ wollen Medienberichten zufolge heute einen weiteren Versuch unternehmen, nach Polen einzureisen und ihre „Siegesfahrt“ von Moskau nach Berlin fortzusetzen. Möglicherweise komme es auch zu einer Routenänderung etwa über die baltischen Staaten und Finnland, berichtete der Nachrichtensender „TVN 24“.

Das polnische Außenministerium hatte am Freitag erklärt, die dem Kreml nahe stehenden Biker dürften nicht nach Polen einreisen. Gestern waren die „Nachtwölfe“ am polnisch-weißrussischen Grenzübergang Terespol-Brest zurück gewiesen worden.

Mehr dazu in Visa für ungültig erklärt

EU-Kommission stellt Strategiepapier zur Terrorpolitik vor

Die EU-Kommission stellt heute Nachmittag ein Strategiepapier zum Kampf gegen Terrorismus, organisierte Kriminalität und Cyberkriminalität vor. Damit will die Brüsseler Behörde Leitlinien für ihre Politik bis zum Jahr 2020 setzen. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ ist unter anderem ein Zentrum zur Terrorismusbekämpfung unter dem Dach der europäischen Polizeibehörde Europol angedacht.

Der Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans und EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos wollen die Pläne gemeinsam in Straßburg vorstellen. Dort tagt diese Woche das Europaparlament.

Flüchtlinge: Ban traf Renzi auf Marineschiff vor Sizilien

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich vor Sizilien auf einem Marineschiff mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi getroffen, um über die jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer zu sprechen. Menschenschmuggler zu stoppen habe absolute Priorität, sagte Renzi nach dem gestrigen Treffen.

Man hoffe zudem auf die Unterstützung der Vereinten Nationen, so Renzi nach dem Treffen, bei dem auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini dabei war, weiter.

Am Wochenende hatte Ban in einem Interview die EU-Pläne für die Mittelmeer-Flüchtlinge kritisiert. Es gebe keine militärische Lösung. Priorität habe, Menschenleben zu retten, sagte er einer italienischen Zeitung. Man müsse legale Wege der Einwanderung schaffen.

Parlament soll griechisches Reformpaket absegnen

Die griechische Regierung will ihre Reformvorhaben in Gesetzeskraft gießen und damit den Forderungen der Gläubiger nachkommen. Ein entsprechender Schritt werde derzeit vorbereitet, erklärte das Finanzministerium gestern. Er solle Reformen im Haushalts- und Steuerrecht ebenso beinhalten wie Änderungen der Verwaltungsstrukturen, Fernsehlizenzen und Steuern auf Fernsehwerbung.

Die Gläubiger wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Union (EU) haben verlangt, dass Griechenland seine Entschlossenheit zu Reformen dadurch zeigt, dass sie vom Parlament verabschiedet werden. Ein solcher Schritt könnte neuen Schwung in die zähen Verhandlungen über Hilfsgelder für das von einer Staatspleite bedrohte Land bringen.

Athen schickt neuen Chefunterhändler in Verhandlungen

Davor hatte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras aus den schleppenden Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern personelle Konsequenzen gezogen. Laut Angaben aus Regierungskreisen wird der Chefunterhändler der griechischen Delegation bei den Geldgebern ausgetauscht. Der frühere Unterhändler Giorgos Chouliarakis ersetze Nikos Theocharakis, den Vertrauten des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis.

Chouliarakis war bereits während der vorigen Regierung als Fachmann bei den Verhandlungen dabei und soll das Vertrauen der Geldgeberexperten haben. Zudem sei eine Arbeitsgruppe der griechischen Regierung für die politischen Verhandlungen mit den Geldgebern einberufen worden. Dieser gehöre auch Varoufakis an. Die Koordination werde aber der stellvertretende Außenminister Euklides Tsakalotos haben.

Tsipras schließt Neuwahlen aus

Tsipras hat Neuwahlen unterdessen auch für den Fall erfolgloser Gespräche mit den Gläubigern über eine finanzielle Rettung Griechenlands ausgeschlossen. Der Webseite „enikos.gr“ erklärte Tsipras nach Angaben der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA, es habe keinen Sinn, Neuwahlen anzustreben.

Gleichzeitig zeigte sich Tsipras erneut optimistisch, dass es eine Lösung in den Verhandlungen mit den Geldgebern geben werde. Er verteidigte auch, dass andere Funktionäre seiner Syriza-Partei bei der Frage nach Neuwahlen andere Ansichten hätten.

Radikaler Islamist in Bosnien tötete Polizisten

Ein Polizist ist gestern Abend bei einem Angriff im ostbosnischen Zvornik von einem radikalen Islamisten getötet, zwei weitere sind verletzt worden. Laut bosnischen Medienberichten drang der Angreifer gegen 19.00 Uhr unter „Allahu akbar“-Rufen (Gott ist groß) in die Polizeistation ein.

Der Angreifer soll nach Angaben des Internetportals „Nezavisne novine“ mit seinem Wagen vor die Polizeistation in Zvornik gefahren sein. Als er daraufhin angewiesen worden sei, dass an jener Stelle das Parken verboten sei, begann er zu schießen, berichtete das Internetportal.

Angreifer getötet

Eine Polizeisprecherin bestätigte unterdessen den Tod eines Polizisten und die Verletzung von zwei weiteren. Medienberichten zufolge wurde in der Schießerei auch der Angreifer getötet.

Der bosnisch-serbische Präsident Milorad Dodik bezeichnete den Überfall als einen Terrorangriff auf die Institutionen und beschuldigte in einer ersten Reaktion die bosnischen Sicherheitsstrukturen, funktionsunfähig zu sein. Es würde potenzielle Terrorschläfer geben, die jederzeit bereit seien, einen Terrorakt vorzunehmen, wurde Dodik von Medien zitiert.

Loretta Lynch als neue US-Justizministerin vereidigt

Die neue US-Justizministerin Loretta Lynch hat ihren Amtseid abgelegt. Die Nachfolgerin von Eric Holder wurde gestern im Beisein von Vizepräsident Joe Biden vereidigt. Lynch sagte bei der Zeremonie im Justizministerium, sie wolle nicht nur dem Recht zur Durchsetzung verhelfen, sondern über das „Versprechen Amerikas“ von Fairness, Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit wachen.

Erste schwarze Frau im Amt

Lynch rückt nach einem langwierigen Bestätigungsverfahren als erste schwarze Frau an die Spitze des US-Justizministeriums. Präsident Barack Obama hatte sie bereits im November nominiert, der Senat gab aber erst in der vergangenen Woche mit 56 zu 43 Stimmen grünes Licht. „Es wird höchste Zeit, dass diese Frau vereidigt wird“, sagte Biden.

Die 55-Jährige war zuletzt Bundesstaatsanwältin in New York. Dort machte sie sich einen Namen als entschlossene Kämpferin gegen Korruption, außerdem leitete sie mehrere Terrorverfahren. Auch viele Republikaner zweifeln nicht an ihrer Eignung für das Amt der Justizministerin. Hinter der Verzögerung bei ihrer Bestätigung standen vor allem politische Gründe, etwa Lynchs Unterstützung für die umstrittene Einwanderungsreform von Obama.

Inland

Republiksjubiläum: Mahnende Worte von Fischer

Mit einem Staatsakt hat Österreich gestern der Gründung der Zweiten Republik gedacht. Am 27. April 1945 unterzeichnete die provisorische Staatsregierung die Unabhängigkeitserklärung und erklärte Österreich darin zum ersten Opfer Hitler-Deutschlands. 70 Jahre später lud Bundespräsident Heinz Fischer zu den offiziellen Feierlichkeiten in die Hofburg - und erinnerte in seiner Rede daran, dass Österreicher „nicht nur Opfer“, sondern „auch rücksichtslose Täter“ waren.

Mehr dazu in Gauck als Ehrengast in Wien

Finanzausgleich: Fünf Arbeitsgruppen beschlossen

Die erste Runde der Verhandlungen über den Finanzausgleich hat wie erwartet noch keine konkreten inhaltlichen Ergebnisse gebracht. Eingerichtet werden fünf Arbeitsgruppen, die sich den wichtigsten Themen widmen sollen. Angepeilt wird ein Abschluss in der ersten Hälfte 2016.

Dass man noch im heurigen Jahr zu einem Ergebnis kommen könnte, hält Niederösterreichs Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (ÖVP) für „vollkommen unrealistisch“. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) geht davon aus, dass bis Mitte 2016 ein Ergebnis stehen sollte. Auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sprach zuvor von einem angepeilten Abschluss bis Mitte 2016.

Erst im Juni dieses Jahres wird laut dem Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) die Lenkungsgruppe mit jeweils vier Vertretern von Ländern und Bund wieder zusammenkommen. Bis dahin werden in Arbeitsgruppen die Inhalte näher aufbereitet.

Unter anderem wird man sich darin der Krankenanstaltenfinanzierung, der Pflegefinanzierung, der Aufgabenorientierung, der Transparenz der Geldflüsse zwischen den Gebietskörperschaften und einer möglichen Steuerhoheit widmen, erklärte Sobotka. Einfließen werden aber auch viele andere Themen wie etwa der EU-Beitrag der Länder, erläuterte Wallner.

Wirtschaft

China mit weltweit zweitgrößter Weinanbaufläche

China ist inzwischen nach Spanien und vor Frankreich das Land mit der zweitgrößten Weinanbaufläche der Welt. Im vergangenen Jahr wurde in China auf insgesamt 799.000 Hektar Wein angebaut, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) gestern in Paris mitteilte. Spanien lag mit 1,02 Millionen Hektar Rebfläche auf dem ersten Platz, Frankreich mit 792.000 Hektar auf Platz drei.

In Europa werden seit Jahren die Weinanbauflächen reduziert, um die Qualität der Weine zu steigern - nicht aber in Ländern wie China. Bei der Weinproduktion indes liegt Frankreich mit großem Abstand vor China auf dem ersten Platz: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land 46,7 Millionen Hektoliter Wein produziert.

In Italien waren es laut den noch nicht endgültigen OIV-Zahlen 44,7 Millionen, in Spanien 41,6 Millionen Hektoliter. In China wurden 2014 knapp 11,2 Millionen Hektoliter Wein produziert, die Volksrepublik liegt damit international auf dem achten Platz.

EZB kaufte Staatsanleihen für 85 Milliarden Euro

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihr über eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen voran. In den ersten sieben Wochen des festgelegten Zeitraums erwarben die Währungshüter für insgesamt 85 Milliarden Euro öffentliche Schuldtitel, wie die EZB gestern mitteilte. In der Zahl sind bis zum 24. April abgewickelte Käufe enthalten. Die EZB gibt wöchentlich Auskunft über den aktuellen Stand.

Pro Monat wollen die EZB und die nationalen Notenbanken Papiere im Umfang von rund 60 Milliarden Euro erwerben. Darin sind auch Pfandbriefe („Covered Bonds“) und Hypothekenpapiere („ABS“) enthalten. Die Währungshüter starteten ihr Kaufprogramm am 9. März. Bis September 2016 wollen sie Wertpapiere im Gesamtumfang von rund 1,14 Billionen Euro erwerben.

EZB-Präsident Mario Draghi will mit dem in der Fachwelt „Quantitative Easing“ (QE) genannten geldpolitischen Schritt die Kreditvergabe der Banken anschieben und damit der angeschlagenen Konjunktur in der Euro-Zone wieder auf die Beine helfen.

Steuersünder zahlten im Vorjahr 132 Mio. an Strafen

Im Jahr 2014 sind 131,7 Millionen Euro an Strafzahlungen, die Steuersündern abgeknöpft worden sind, an den österreichischen Staat geflossen. Die Summe umfasst die von den Verwaltungsbehörden und von den Gerichten festgesetzten Strafen. Sie war mehr als doppelt so hoch wie 2013 (58,35 Mio. Euro). Dabei ist die Zahl der mit Bestrafung oder Verwarnung abgeschlossenen Fälle gesunken - von 9.458 auf 9.009.

Das geht aus einer Anfragebeantwortung des Finanzministers auf eine Anfrage der SPÖ-Abgeordneten Walter Schopf und Dietmar Keck hervor, die sich nach den Strafen gemäß Finanzstrafgesetz erkundigten. 1.077 Fälle wurden 2014 eingestellt.

Die eingehobenen Strafen wegen Abgabenverkürzungen waren in den vergangenen Jahren stetig gesunken: 2005 etwa waren 179,5 Millionen Euro kassiert worden, im Jahr 2010 dann 140,5 Millionen. 2011 lag die Summe unter der 100-Millionen-Marke, bei 83,9 Mio. Euro, und 2012 bei 70 Mio. Euro.

Sport

Bundesliga: ÖFB-Goalie Almer kehrt zur Austria zurück

Die Austria hat heute eine wichtige Personalentscheidung für die nächste Saison bekanntgegeben: Tormann Robert Almer wird nach der Saison von Hannover 96 zu den Wienern wechseln. Für den ÖFB-Goalie ist der Transfer die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Bis 2011 stand der 31-Jährige bei den „Veilchen“ unter Vertrag, ehe er nach Deutschland wechselte. Nachdem die Auslandskarriere nicht wie erhofft verlief, ließ sich Almer von Sportdirektor Franz Wohlfahrt von einem Comeback bei der Austria überzeugen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Wettersturz: Frühlingsgefühle wieder auf Eis gelegt

„Unbeständiges, meist kühles Wetter mit raschem Wechsel zwischen heftigen Schauern und Aufheiterungen, wie es im April häufig ist“: In den kommenden Tagen wird das April-Wetter seiner Duden-Definition wieder mehr als gerecht. Nach einigen sehr schönen Tagen mit fast sommerlichen Temperaturen ist mit Frühlingsgefühlen heute schon wieder Schluss. Ein Kälteeinbruch, Gewitter, Sturm und sogar Schnee stehen bevor.

Mehr dazu in Warm anziehen, gut festhalten

Mann ging mit abgetrenntem Kopf in Sporttasche spazieren

Die bolivianische Polizei hat in La Paz einen Mann festgenommen, der mit einem abgetrennten Kopf in einer Sporttasche unterwegs war. Bei einer Routinekontrolle gestern in der Gegend eines Friedhofs öffneten die Beamten die Tasche des mutmaßlichen Täters und entdeckten den Kopf und zwei Arme, wie Polizeichef Daniel Quintanilla dem Radiosender Erbol sagte.

Die Beamten fanden dann bei einer Wohnungsdurchsuchung den Rest der Leiche eines ungefähr 20-jährigen Mannes. Die Polizei vermutet, dass der mutmaßliche Täter psychisch gestört ist.

Ein Toter bei Gefangenenmeuterei in Venezuela

Bei einer Gefangenenmeuterei in Venezuela ist mindestens ein Häftling ums Leben gekommen. Der Mann sei anscheinend erstochen worden, nachdem Häftlinge die Kontrolle über eine Gefangenensammelstelle in der Hauptstadt Caracas übernommen hatten, sagte Polizeichef Juan Romero gestern. Die Aufständischen nahmen zunächst zwei Polizisten als Geiseln. Ein Beamter wurde später freigelassen.

Die Häftlinge forderten ihre Verlegung in reguläre Gefängnisse. Die Gefangenensammelstelle mit einer Kapazität für 100 Insassen sei mit 170 Häftlingen deutlich überbelegt.

Einkaufszentrum in Kopenhagen in Flammen

Ein Großbrand hat gestern in einem Einkaufs- und Erlebniszentrum nahe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gewütet. Meterhohe Flammen und eine Rauchwolke stiegen am Nachmittag aus dem Gebäude in Hellerup auf. Mehrere Etagen brannten lichterloh.

„Der Brand ist explosionsartig entstanden und hat sich auf das Nachbargebäude ausgebreitet“, sagte der Leiter des Erlebnismuseums Experimentarium, Kim Herlev. Das Feuer sei während Dacharbeiten ausgebrochen, zwei Arbeiter seien leicht verletzt worden.

Weil sowohl das Shoppingcenter als auch das Experimentarium wegen der Renovierung geschlossen waren, waren keine Besucher in Gefahr.

Fährunglück: Lebenslang für Kapitän

Ein Berufungsgericht in Südkorea hat den Kapitän der vor einem Jahr untergegangenen Fähre „Sewol" zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Kapitän Lee Jun Seok sei wegen Mordes verurteilt worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. 

Das Berufungsgericht in Kwangju ging damit über das Urteil der ersten Instanz im November hinaus, als gegen Lee wegen grober Fahrlässigkeit eine Haftstrafe von 36 Jahren verhängt wurde. Offiziell kamen 295 Menschen beim Untergang der "Sewol“ am 16. April 2014 ums Leben, neun gelten als vermisst. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug. Das Schiff war überladen.  

Medien

Ärger um PEN-Preis für „Charlie Hebdo“ in den USA

Die Auszeichnung der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ mit dem PEN-Preis für Mut und Meinungsfreiheit sorgt in den USA für Ärger. Sechs Schriftsteller, darunter Michael Ondaatje, Teju Cole und Rachel Kushner, hätten aus Protest gegen die Ehrung ihre Teilnahme an der Preisgala am 5. Mai abgesagt, berichtete die „New York Times“ heute.

Kushner begründete das mit der „kulturellen Intoleranz“ der Zeitschrift. Auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, die immer wieder religionskritische Karikaturen veröffentlicht hatte, wurde im Jänner ein Anschlag von Islamisten verübt, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen.

Der Schriftstellerverband PEN zeigte sich überrascht von der Ankündigung der sechs Mitglieder. „Wir wussten alle, dass es eine in einigen Hinsichten kontroverse Entscheidung war“, sagte PEN-Präsident Andrew Solomon. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass das Thema diese speziellen Bedenken bei diesen speziellen Autoren auslösen könnte.“

IT

Starker iPhone-Absatz lässt Apple-Kasse klingeln

Apples iPhone verkauft sich auch nach dem Weihnachtsgeschäft stark. Im vergangenen Quartal stieg der Absatz im Jahresvergleich um 40 Prozent auf knapp 61,2 Millionen Geräte.

Entsprechend gut fielen auch die Geschäftszahlen aus. Der Umsatz in dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal wuchs um 27 Prozent auf 58 Milliarden Dollar (53,7 Mrd Euro). Der Gewinn sprang sogar um ein Drittel auf 13,6 Milliarden Dollar, wie Apple nach US-Börsenschluss gestern mitteilte.

Mehr Geld für Aktionäre

An die Aktionäre sollen nun weitere 70 Milliarden Dollar ausgeschüttet werden. Damit bekommen sie insgesamt 200 Milliarden Dollar, von denen gut 100 Milliarden sie bereits erreichten. Die Aktie legte nachbörslich zeitweise um gut 1,7 Prozent zu.

iPads schwächeln

Eine Schwachstelle bleibt der Absatz der iPad-Tablets. Ihre Verkäufe sanken im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 12,6 Millionen Stück. Apple versucht, unter anderem über eine Partnerschaft mit IBM den Absatz der Tablets in Unternehmen anzukurbeln.

Die Verkäufe der Mac-Computer legten dagegen gegen den dauerhaft schwachen Branchentrend um zehn Prozent auf 4,56 Millionen Geräte zu. Die Macs bringen jetzt wieder etwas mehr Umsatz ein als die iPads.

Das iPhone bleibt aber mit großem Abstand das wichtigste Produkt für Apple. Im vergangenen Quartal erwirtschaftete es mit 40,3 Milliarden Dollar mehr als zwei Drittel des Geschäfts.

Google investiert 150 Mio. in Journalismus in Europa

Der Internetkonzern Google will in den nächsten drei Jahren 150 Millionen Euro ausgeben, um Innovationen im digitalen Journalismus in Europa zu fördern. Außerdem will Google in einer Arbeitsgruppe direkt mit Medienmachern sprechen. Damit will der Suchmaschinenriese sein angespanntes Verhältnis zur Medienbranche verbessern. Details zu der geplanten Initiative wollte Google heute Vormittag in London vorstellen.

Die Aktivitäten laufen unter dem Namen „Digital News Initiative“, Initiative für digitale Nachrichten. Zum Start sind acht renommierte Medien beteiligt, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) und die „Zeit“ aus Deutschland sowie die britische Zeitung „Guardian“. Auch drei internationale Journalistenvereinigungen sind dabei. Die Initiative soll aber auch für andere Medien offen sein. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, hieß es, auch reine Onlinemedien oder Start-ups.

„Hand in Hand mit Verlegern arbeiten“

Es gebe verständliche Diskussionen darüber, wie hochwertiger Journalismus im digitalen Zeitalter weitergeführt werden könne, sagte Google-Manager Carlo D’Asaro Biondo. „Google wird Hand in Hand mit Verlegern und Organisationen arbeiten, um zu helfen, nachhaltigere Modelle für Nachrichten zu entwickeln.“ Dazu soll die gemeinsame Arbeitsgruppe dienen, der zu Anfang die acht Gründungsmitglieder der Initiative angehören.

Sie wollen sich mit Google darüber austauschen, wie Bedürfnisse von Verlegern stärker in den Google-Produkten berücksichtigt werden können. Dabei geht es etwa um Werbeanzeigen, bezahlten Journalismus im Netz und die Nachrichtensuche Google News.

Gerade über die Darstellung von Verlagsinhalten bei Google News und der Google-Suche gibt es in mehreren europäischen Ländern Streit. In Deutschland ringt eine Vielzahl von Verlagen darum, ob Google ihnen Geld bezahlen muss, wenn kleine Fragmente („Snippets“) ihrer Artikel in der Nachrichtensuchmaschine Google News anzeigt werden. Die „FAZ“ und die „Zeit“ beteiligen sich nicht an der VG Media, die Forderungen gegenüber Google geltend macht. In Spanien wurde Google News im Dezember ganz abgeschaltet, weil Google sonst eine Gebühr an die Verleger hätte zahlen müssen.

Trainingsprogramm für Journalisten

Zu der „Digital News Initiative“ zählt auch ein Trainingsprogramm von Google für Journalisten. Das US-Unternehmen will zudem Geld für Forschung zu Crowdsourcing und zur veränderten Mediennutzung bereitstellen. Wie viel das genau sein soll, wollte Google zu Beginn der Initiative nicht sagen.

Science

Kultur

US-Drehbuch-Autor Don Mankiewicz gestorben

Der amerikanische Drehbuchautor Don Mankiewicz, Sprößling einer berühmten Hollywood-Familie, ist tot. Wie sein Sohn der „Los Angeles Times“ mitteilte, starb Mankiewicz am Samstag in seinem Haus im kalifornischen Monrovia an Herzversagen. Sein Skript für den Spielfilm „Lasst mich leben“ (1958) über eine Frau in der Todeszelle hatte eine Oscar-Nominierung erhalten.

Er schrieb auch die Drehbücher für Filme wie „Der Chapman-Report“ und „In der Falle des Lockvogels“ sowie für TV-Projekte, darunter die Krimiserie „Der Chef“. Sein Vater Herman J. Mankiewicz (1897 - 1953) hatte für das Drehbuch von „Citizen Kane“ den Oscar erhalten. Sein Onkel Joseph L. Mankiewicz (1909 - 1993) inszenierte Filmklassiker wie „Alles über Eva“, „Die barfüßige Gräfin“ und „Cleopatra“.

Crossing Europe: Preise und ein Rückblick

Mit der Preisverleihung ging gestern Abend das rundum gelungene elfte Crossing-Europe-Filmfestival in Linz zu Ende. Gewonnen haben „Autoportretul Unei Fete Cuminti“ („Selbstporträt einer pflichtbewussten Tochter“), „Varvari“ („Barbarians“) und „Flotel Europa“. Im Fokus stand auch heuer ein junges, kritisches Filmschaffen fernab des Mainstreams. Dabei zog sich das Thema Flucht und Migration leitmotivisch durch alle Programmschienen - als beklemmendes Spiegelbild aktueller Schlagzeilen vom Massensterben vor Lampedusa.

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Digitales Kino: Der neue Job der Filmvorführer

Sie sind so etwas wie die DJs des bewegten Bildes gewesen. Statt aufzulegen, legten sie die Filmrollen ein, passten den richtigen Moment ab und schärften händisch nach. Mit der Umstellung der Kinos auf die digitale Projektion hat sich ihr Beruf von Grund auf verändert. Was machen Filmvorführer eigentlich heute? ORF.at traf am Rande des Linzer Festivals Crossing Europe zwei von ihnen zum Gespräch.

Mehr dazu in news.ORF.at/crossingeurope