Ausland

UNO-Ermittler kreidet Moskau und Peking IS-Erstarken an

Der UNO-Sicherheitsrat hat durch Untätigkeit im Syrien-Konflikt nach Ansicht des UNO-Ermittlers Paulo Sergio Pinheiro zum Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beigetragen.

„Diese Untätigkeit hat es den Kriegsparteien erlaubt, straflos vorzugehen, und die Syrien zerstörende Gewalt noch angefacht. Davon profitiert vor allem IS“, sagte der Vorsitzende der Syrien-Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrates bei einer Sitzung des Rates heute in Genf.

Der Sicherheitsrat ist im Syrien-Konflikt blockiert, weil Russland und China Maßnahmen gegen Machthaber Baschar al-Assad ablehnen. Gräueltaten des IS und syrischer Regierungstruppen hätten Syrien in den „Wahnsinn“ gestürzt, sagte der Brasilianer. „Ich finde keine Worte mehr, um die Schwere der Verbrechen zu beschreiben, die in Syrien verübt werden“, sagte Pinheiro.

So setze IS „Kinder mit Absicht Gewalt aus“, indem sie an Hinrichtungen teilnehmen, indoktriniert und als Kindersoldaten missbraucht werden. Vor allem Regierungstruppen gingen gewaltsam gegen Zivilisten vor. Frauen und Männer verschwänden in Regierungsgefängnissen, würden gefoltert, vergewaltigt und getötet. Pinheiro sagte, er wolle keine neuen Opferzahlen nennen. „Ich glaube nicht mehr daran, dass es sie zum Handeln treibt, wenn ich die Tausenden Toten und Verschwundenen aufzähle.“

Ukraine räumt Regionen mehr Rechte ein

Im Ringen um Frieden in der Ostukraine hat das Parlament in Kiew ein Gesetz über den Sonderstatus der Konfliktregion und eine Amnestie für die Separatisten beschlossen. Damit sollen die Selbstverwaltungsrechte der Regionen Donezk und Lugansk gestärkt werden, teilte Präsident Petro Poroschenko heute mit.

Der prowestliche Staatschef hatte das Gesetz erst am Vormittag in der Obersten Rada eingebracht. Demnach sollen die an den bewaffneten Kämpfen Beteiligten straffrei bleiben. Nur besonders schwere Verbrechen sollen geahndet werden.

Gesetz gilt für drei Jahre

Das Gesetz über den Sonderstatus gilt für drei Jahre. Es verbrieft etwa das Recht auf die eigene Sprache für die russischsprachige Bevölkerung in den Regionen Donezk und Lugansk. Zudem soll die Selbstverwaltung eigener Gebiete gestärkt werden. Demnach ist auch eine enge Kooperationen mit angrenzenden russischen Gebieten geplant.

Das Gesetz gesteht den Regionen außerdem eigene Wahlen und die Gründung einer eigenen Volksmiliz in den bisher von prorussischen Separatisten kontrollierten Regionen zu. Die ersten Kommunalwahlen sollen am 7. Dezember stattfinden.

Im Gegenzug sollen die Aufständischen in den nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk auf ihre Forderung nach Unabhängigkeit verzichten. Einige Politiker in Kiew sehen in dem Gesetz die Gefahr einer schleichenden Abspaltung der Ostukraine. Die Separatisten äußerten sich skeptisch zu den Vorschlägen. Sie kündigten aber eine Prüfung von Poroschenkos Gesetz an.

Beschluss vor Ratifizierung des EU-Ukraine-Abkommens

Der Beschluss erfolgte kurz vor der symbolischen gleichzeitigen Ratifizierung des EU-Ukraine-Assoziierungsabkommens, die zu Mittag im Straßburger Europaparlament und der Obersten Rada geplant war.

Im Europaparlament wurde vor dem Beschluss scharfe Kritik an Russland geübt. Moskau müsse endlich zeigen, dass es zu den Verpflichtungen stehe, sagte EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle vor dem Plenum in Straßburg. Dazu gehöre, dass Moskau das Völkerrecht und die territoriale Souveränität seiner Nachbarn achte.

Russland habe bisher seine Zusagen nicht eingehalten, kritisierte auch der CDU-Abgeordnete Elmar Brok. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Gianni Pitella, warnte vor einem neuen Kalten Krieg in Europa. Gewalt und Sanktionen seien an die Stelle des Dialogs getreten, kritisierte der Italiener.

Eigentlich sollte das Abkommen bereits Ende vergangenen Jahres unterzeichnet werden, der damalige Staatschef Viktor Janukowitsch stoppte den Prozess aber und wandte sich stattdessen Russland zu. In der Folge gab es schwere Proteste, die in den aktuellen Konflikt mündeten.

Auf Ende 2015 verschoben wird die Umsetzung eines von Russland kritisierten Freihandelsabkommens. Damit ging Brüssel auf russische Bedenken ein. Einige EU-Abgeordnete vor allem aus osteuropäischen Ländern kritisierten den Aufschub. Die grüne Fraktionschefin Rebecca Harms äußerte die Befürchtung, dass der Text bis dahin abgeschwächt werden könnte. Füle wies diese Kritik zurück. Den Aufschub habe die Ukraine beantragt, weil sie wegen des Konflikts in der Ostukraine mehr Zeit benötige, etwa um sich auf die neuen Zolltarife vorzubereiten.

Neue Gefechte um Donezk

Bei neuen Gefechten in der ostukrainischen Rebellenhochburg Donezk und ihrer Umgebung wurden indes vier weitere Zivilisten getötet. Wie lokale Behörden heute angaben, wurden zudem mehrere weitere Menschen verletzt. Bereits am Sonntag waren sechs Zivilisten getötet worden. Die ukrainische Armee und die Separatisten liefern einander seit dem Wochenende wieder neue Gefechte um den Flughafen von Donezk.

Renzi: „Reformen sind letzte Chance Italiens“

Sieben Monate nach seinem Amtsantritt hat der italienische Premier Matteo Renzi heute einen eindringlichen Appell an das Parlament für eine rasche Umsetzung seines Regierungsprogramms gerichtet. Reformen seien für Italien die letzte Chance, sich zu retten.

„Italien hat seinen Sturz gestoppt, doch das genügt nicht. Wir müssen den Neubeginn schaffen und wieder wachsen“, sagte Renzi in einer Ansprache vor der Abgeordnetenkammer. Sein Programm will Renzi in einem Zeitraum von drei Jahren umsetzen. „1.000-Tage-Plan“ nennt der Sozialdemokrat den Plan, mit dem er das von Rezession und Deflation geplagte Italien bis Mai 2017 wieder auf Erfolgskurs bringen will. In diesem Zeitraum sollen vor allem Reformen, die der Premier zum Teil bereits in die Wege geleitet hat, umgesetzt werden.

Seit dem Amtsantritt Renzis im Februar hat sich das makroökonomische Szenario im In- und Ausland wesentlich verschlechtert. Nachdem ein von der Regierung eingeführter Steuerbonus für Arbeitnehmer von 80 Euro im Monat bisher die Konjunktur nicht in Schwung brachte, will sich die Regierung nun in erster Linie um Steuervereinfachung und Entbürokratisierung kümmern, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Debatte über Konsumbelebung

Renzi wies die Kritik zurück, dass der 80-Euro-Bonus bisher nicht dazu beigetragen habe, den rückgängigen Konsum in Italien anzukurbeln. Er versicherte, dass er sein Reformprogramm durchsetzen und dabei auch die Maastrichter Drei-Prozent-Defizitschwelle berücksichtigen werde.

Für die italienische Wirtschaft gibt es kaum Hoffnung auf Aufschwung in den kommenden Monaten. Sowohl die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als auch die Ratingagentur Standard & Poor’s rechnen damit, dass Italien bis Ende 2014 in der Rezession stecken wird. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im Gesamtjahr 2014 um 0,4 Prozent schrumpfen, nachdem es bereits 2013 um 1,8 Prozent zurückging. Im kommenden Jahr ist mit einem Wachstum von lediglich von 0,1 Prozent zu rechnen, wie aus den Berichten hervorgeht.

Sechs Polizisten bei Bombenanschlag auf Sinai getötet

Bei der Explosion einer Bombe im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel sind sechs Polizisten getötet worden. Die Sprengladung explodierte am Straßenrand, als gerade eine gemeinsame Patrouille von Armee und Polizei vorbeifuhr, wie das ägyptische Innenministerium heute mitteilte. Zwei weitere Polizisten seien bei dem Anschlag zwischen der Provinzhauptstadt al-Arisch und dem Grenzort Rafah verletzt worden.

Trotz starker Präsenz von Sicherheitskräften wird die Sinai-Halbinsel immer wieder Ziel von Bombenexplosionen. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi vor mehr als einem Jahr hat die Zahl der Anschläge in Ägypten stark zugenommen. Die Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis bekannte sich in der Vergangenheit zu mehreren Attentaten. Die Gruppe hat im Norden des Sinai ihre Hochburg.

Inland

Grenzkontrollen: Mikl-Leitner drängt auf EU-Regelung

Mit dem Verweis auf eine nötige EU-Regelung zur Aufteilung der Flüchtlinge hat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf die Forderung von Landeshauptleuten nach temporären Grenzkontrollen geantwortet. Solche seien „kein Szenario der nächsten Wochen“, sagte sie heute am Rande des Ministerrats.

Zuletzt hatte sich Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in der „Kronen Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe) für Kontrollen ausgesprochen. „Ich glaube, dass es an der Zeit ist, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem man Grenzkontrollen wieder einführt, und zwar im Bedarfsfall von einem Tag auf den anderen“, so Pröll.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Mikl-Leitners Priorität sind nach Aussagen der Ministerin Verhandlungen auf EU-Ebene, um die Flüchtlinge gerecht auf alle 28 Mitgliedsstaaten aufzuteilen: Wenn man Grenzkontrollen wünsche, gebe es bei Gefährdung der inneren Sicherheit einen EU-Mechanismus, der einzuleiten wäre. Damit habe es etwa beim Weltwirtschaftsforum schon temporäre Grenzkontrollen gegeben.

Sollte es in Österreich zu solchen kommen, kann die Innenministerin die Option nicht ausschließen, dass das Bundesheer zum Assistenzeinsatz zur Hilfe geholt wird. Prinzipiell wären Grenzkontrollen eine Aufgabe der Polizei, merkte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) an, aber sollte die Polizei es im Fall der Fälle nicht alleine schaffen, würde das Bundesheer selbstverständlich helfen.

Diakonie gegen Sterbehilfeverbot in Verfassung

Die Diakonie Österreich spricht sich gegen eine Verankerung des Verbots der Tötung auf Verlangen (Sterbehilfe) in der Verfassung aus. „Tötung auf Verlangen ist in Österreich strafrechtlich verboten, das ist ausreichend“, zitierte Direktor Michael Chalupka die Diakonie-Stellungnahme an die parlamentarische Enquetekommission „Würde am Ende des Lebens“, die morgen ihre erste Arbeitssitzung abhält.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Team Stronach will Armenhäuser wiederbeleben

Mit ungewöhnlichen Vorschlägen, um das „Ausnutzen unseres Sozialsystems“ zu verhindern, wartet der Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Christoph Hagen auf: Er will Armenhäuser und Lebensmittelmarken ins Auge fassen, wie er gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ (Dienstag-Ausgabe) sagte. Mit der Mindestsicherung würden die Menschen „zum Nichtstun erzogen“.

„Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“, so Hagen. „Warum braucht ein Alleinstehender eine Zweizimmerwohnung, die von der BH (Bezirkshauptmannschaft, Anm.) gestellt wird? Warum braucht ein Mindestsicherungsempfänger ein Handy, einen Fernseher oder einen Laptop?“, fragt sich der Abgeordnete.

„In Armenhäusern wird man versorgt“

Seiner Meinung nach hätte etwa das Wiederbeleben von Armenhäusern Sinn: „Wenn du da mal drinnen bist, dann bemühst du dich, wieder einen Job zu bekommen.“ Er wolle niemanden fallenlassen, „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, meinte Hagen.

„In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang.“ Ein kleines Einzelzimmer mit Bett solle die Privatsphäre garantieren.

Bei Familien müsse man natürlich schauen, dass „die Kinder nicht unter die Räder kommen“, nach Hagens Vorstellungen aber nicht in Form von rein finanziellen Zuschüssen, sondern gezielt über Lebensmittelmarken, die nicht gegen Zigaretten und Alkohol eingetauscht werden könnten.

NEOS „schockiert“

NEOS zeigte sich in einer Reaktion „schockiert“ über das „mittelalterliche Menschenbild“ des Teams Stronach (TS). „Die Forderung nach Armenhäusern und Lebensmittelmarken stellen jegliche Errungenschaft moderner Sozialstaaten infrage“, meinte Sozialsprecher Gerald Loacker in einer Aussendung.

Die Pläne von Hagen würden „zu einer Erniedrigung sozial bedürftiger und meist ohnehin schon stigmatisierter Menschen führen“, so Loacker. Im Bürgergeldmodell von NEOS zahle sich Erwerbstätigkeit aus, ein Zuverdienst neben einer Sozialleistung würde diese nur um einen Teil verringern, anstatt sie ganz wegfallen zu lassen, so Loacker.

Sport

Tennis: Erschöpfter Thiem reduziert Programm

Für das am Wochenende 4:1 gewonnene Davis-Cup-Duell mit Lettland ist Jungstar Dominic Thiem dem ÖTV nicht zur Verfügung gestanden. Dass er stattdessen eine Pause einlegte, brachte ihm einige Kritik ein. Aber die lange Saison hat den 21-Jährigen offenbar einiges an Kraft gekostet, denn nun hat er auch für das kommende Woche stattfindende Turnier in Kuala Lumpur abgesagt. Das Tennisjahr ist für Österreichs Nummer eins damit aber noch nicht vorbei.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Athen leiht sich erneut Geld

Das schuldengeplagte Griechenland hat sich heute erneut kurzfristig eine Milliarde Euro auf dem Kapitalmarkt besorgt. Für die dreimonatigen Papiere belief sich der Zinssatz auf 1,70 Prozent. Das ist leicht niedriger als im Vormonat (1,75 Prozent), wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte.

Analysten in Athen gingen davon aus, dass die Regierung angesichts einer neuen Prüfung der Geldgeberexperten Ende September „die Kassen voll“ haben will, um somit härter verhandeln zu können. Das aktuelle Hilfsprogramm für Griechenland läuft in seiner EU-Komponente Ende des Jahres ab. Nur der Internationale Währungsfonds (IWF) soll weitere Hilfen bis 2016 überweisen.

Anleihen im Monatstakt

Vor knapp einer Woche hatte das Land mit einer Tauschaktion von Wertpapieren insgesamt 1,62 Mrd. Euro an Schulden gestreckt. Dabei wurden Papiere mit einer nur drei- bis sechsmonatigen Laufzeit gegen neue Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit von drei bis fünf Jahren getauscht.

Griechenland hatte sich erstmals seit Ausbruch der Schuldenkrise im April und danach wieder im Juli Kapital auf dem Finanzmarkt besorgt. Im Juli sammelte das schuldengeplagte Land 1,5 Mrd. Euro mit einer dreijährigen Laufzeit und im April drei Mrd. Euro für eine fünfjährige Laufzeit ein.

Lufthansa fliegt wieder Normalbetrieb

Die AUA-Mutter Lufthansa ist nach dem kurzfristig abgesagten Pilotenstreik ohne Probleme in den heutigen Betrieb gestartet. „Wir fliegen den normalen Flugplan“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens in Frankfurt. Einzige Ausnahme seien sieben Interkontinentalflüge, die noch unter dem Eindruck der Streikdrohung auf den Morgen vorverlegt wurden.

Eine erneute Verlegung wäre für die bereits informierten Passagiere zu kompliziert geworden, begründete Lufthansa die Abweichung vom Normalbetrieb.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte gestern Abend überraschend den für heute geplanten achtstündigen Streik auf dem Frankfurter Flughafen abgesagt. Cockpit begründete die Streikabsage damit, neue Gespräche mit der Airline anzupeilen. Allerdings hatte Lufthansa vorher angekündigt, sämtliche vom Streik bedrohten Überseeflüge durchführen zu können. Die VC-Aktion wäre damit ins Leere gelaufen. In dem Tarifkonflikt geht es um Regelungen zum Vorruhestand der Piloten.

Pilotenvertretung sieht diskussionswürdiges Angebot

VC-Sprecher Jörg Handwerg sprach von einem „modifizierten Angebot“ der Lufthansa zum Vorruhestand der Piloten. Dieses sei „diskussionswürdig“. Die Tarifkommission der Pilotengewerkschaft habe für Donnerstag und Freitag neue Gesprächstermine angeboten. „Es gibt jetzt Gesprächsbedarf“, sagte der VC-Sprecher. Streiks kämen erst wieder infrage, wenn die Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis führten.

Lufthansa hatte nach eigener Darstellung ein „konkretisiertes“ Angebot insbesondere zu den Übergangsregeln in den Vorruhestand öffentlich vorgestellt. „Es ist kein neues Angebot“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher erneut. Von ihren grundsätzlichen Forderungen nach einem späteren individuellen Eintritt (60 statt 55 Jahre) sowie einer Anhebung des durchschnittlichen Eintrittsalters (von 58 auf 61 Jahre) wich die Lufthansa laut ihrer Mitteilung aber nicht ab.

Handwerg sprach hingegen von Verbesserungen. Es sei nun klar, dass auch jüngere, bereits eingestellte Kollegen im Einzelfall vor 60 in den Vorruhestand gehen könnten. Für Berufseinsteiger sei Lufthansa nun zu Verhandlungen bereit.

Airbus will Sicherheits- und Elektroniksparte verkaufen

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus verkauft große Teile seines Sicherheits- und Elektronikgeschäfts. Die Rüstungssparte Airbus Defence & Space kündigte heute an, sie werde sich von ihren Beteiligungen an Atlas Elektronik und der Firma ESG in Deutschland trennen sowie das Geschäft mit dem digitalen Behördenfunk und der kommerziellen Satellitenkommunikation veräußern.

„Wir reden über ein Geschäftsvolumen, das wir abgeben werden, inklusive aller Beteiligungen, in der Größenordnung von zwei Milliarden Euro“, sagte der Chef der Rüstungssparte Bernhard Gerwert gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Raumfahrtbereich, der Bau von Militärflugzeugen und die Herstellung von Lenkflugkörpern bei MBDA zählten dagegen mit dem zugehörigen Service zum Kerngeschäft und sollten ausgebaut werden.

Österreich bei offenen Stellen auf Rang fünf in EU

Bei der Zahl der offenen Stellen ist Österreich im Vergleich der 28 EU-Staaten im zweiten Quartal 2014 an fünfter Stelle gelegen. 1,6 Prozent der Arbeitsplätze waren hierzulande neu zu vergeben, wie die Statistikbehörde Eurostat heute bekanntgab. Damit liegt Österreich exakt im Schnitt der 28 EU-Mitglieder. Der Schnitt der 18 Euro-Mitglieder liegt mit 1,7 Prozent etwas höher.

Am besten positioniert war Deutschland bei der Quote der offenen Stellen an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze. Dort wurde mit 2,8 Prozent die größte Quote an offenen Stellen nach den nicht saisonal bereinigten Zahlen registriert.

Es folgen Belgien (2,4 Prozent), Großbritannien (2,3 Prozent) und Schweden (1,8 Prozent) vor Österreich. Die niedrigsten Quoten verzeichneten im zweiten Quartal des laufenden Jahres Lettland (0,4 Prozent) sowie Portugal und Spanien (je 0,6 Prozent). Aus Griechenland und Polen liegen keine Zahlen für das zweite Quartal vor.

Besonders stark war dabei der Rückgang in Industrie und Baugewerbe, wo die Quote der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,4 auf ein Prozent sank. Im Dienstleistungssektor fiel der Rückgang von 2,6 auf 2,4 Prozent hingegen moderater aus.

Chronik

Todesopfer bei neuen Überschwemmungen in Serbien

Vier Monate nach dem verheerenden Hochwasser auf dem Balkan ist die Region erneut von Überschwemmungen heimgesucht worden. In Serbien starb gestern eine Frau bei Überschwemmungen infolge heftiger Regenfälle, wie örtliche Medien berichteten.

Besonders betroffen war der Ort Tekija an der Donau, wo laut Polizeiangaben mehr als 300 der rund 1.000 Einwohner teils per Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden mussten. Auch in anderen Landesteilen kämpften die Menschen mit den Wassermassen, nachdem örtlich bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren.

Auch Kroatien betroffen

Nach einer Woche mit heftigen Regenfällen gab es auch in Kroatien Überschwemmungen. Dramatisch war die Situation vor allem in den Orten Karlovac und Sisac. Am Wochenende waren rund 2.000 Menschen aus der Gegend um Karlovac in Sicherheit gebracht worden. Etwas weniger kritisch war die Lage in Bosnien, wo lediglich die Stadt Cazin im äußersten Westen von Unwettern getroffen wurde.

Im Mai hatte es in Serbien und Bosnien ein Jahrhunderthochwasser gegeben, von dem knapp zwei Millionen Menschen betroffen waren. Der Schaden in beiden Ländern wird auf etwa drei Milliarden Euro geschätzt.

IT

Videodienst Netflix in Deutschland gestartet

Der US-Videodienst Netflix ist heute in Deutschland gestartet. Der Österreich-Start erfolgt ebenfalls in dieser Woche. Netflix bietet einen Videostreaming-Dienst an, bei dem Filme und Serien für eine monatliche Abogebühr direkt aus dem Internet abgespielt werden.

Exklusivserien sollen Kunden locken

In den USA ist Netflix sehr erfolgreich. In Deutschland trifft die kalifornische Firma auf mehrere etablierte Rivalen. Der Anbieter Maxdome aus dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 gilt als die Nummer eins mit rund 35 Prozent Marktanteil.

Netflix will unter anderem mit exklusiven Inhalten gegensteuern: So gibt es erstmals in Deutschland die vom Unternehmen selbst produzierte Serie „Orange is the New Black“ über ein Frauengefängnis zu sehen.

Ab acht Euro im Monat

Netflix setzt auf eine gestaffelte Preisstruktur. Für 7,99 Euro im Monat kann der Dienst auf einem Gerät in Standardauflösung genutzt werden. Für 8,99 Euro bekommt man Zugriff von zwei Geräten gleichzeitig sowie Inhalte in HD-Auflösung.

In der teuersten Variante für 11,99 Euro kann der Dienst von vier Geräten abgerufen werden, und der Kunde bekommt auch Sendungen in der aktuell besten Bildqualität Ultra-HD. Für Österreich sollen dieselben Preise gelten.

Microsoft stellt offenbar bald neues Windows vor

Der US-Softwareriese Microsoft enthüllt offenbar in zwei Wochen seine neue Windows-Version. Der Konzern verschickte nun eine Einladung zu einer Präsentation am 30. September. Darin heißt es: „Kommen Sie zu uns, um zu erfahren, was als Nächstes bei Windows und im Unternehmen ansteht.“

Der Termin in San Francisco richtet sich zunächst an Entwickler von Programmen für Computer mit dem Betriebssystem Windows und Unternehmen, die auf Microsoft-Programme angewiesen sind. Ende August hatten erste Gerüchte die Runde gemacht, Microsoft werde demnächst die Neuauflage seines weit verbreiteten Betriebssystems Windows vorstellen.

Betriebssystem geht über die „Schwelle“

Die auf IT-Nachrichten spezialisierte Website The Verge berichtete, das künftige Windows 9 firmiere vorerst unter dem Codenamen „Threshold“ (Schwelle). Spekuliert wurde über die Rückkehr des klassischen Startmenüs, das bei Windows 8 zum Leidwesen vieler Nutzer abgeschafft wurde. Die aktuelle Windows-Version 8 war Ende Oktober 2012 veröffentlicht worden - mit großen Kacheln als Benutzeroberfläche.

Microsoft hatte damit versucht, sich auf die Nutzungsbedingungen bei Tabletcomputern und Smartphones einzustellen. Allerdings stieß das Betriebssystem auf wenig Begeisterung. Bei klassischen PCs ist Windows als Betriebssystem immer noch weit verbreitet, doch bei Smartphones und Tablets sieht es ganz anders aus. Die meisten internetfähigen Handys laufen mit dem Betriebssystem Android von Google, dahinter rangiert weit abgeschlagen das Apple-Betriebssystem iOS für iPhones.

Alibaba-Börsengang wird noch größer

Alibabas riesiger Börsengang wird noch größer als erwartet. Der chinesische Internetriese hat das obere Ende der Preisspanne für seine Aktien wegen der großen Nachfrage der Anleger von 66 auf 68 Dollar angehoben. Das teilte das Unternehmen gestern (Ortszeit) der US-Börsenaufsicht SEC mit.

Damit könnte das Maximalvolumen des Börsengangs von 24,3 auf 25 Milliarden Dollar (19,3 Mrd. Euro) steigen. Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld von Investoren eingesammelt. Alibaba macht laut eigenen Angaben mehr Umsatz als Amazon und eBay zusammen. Die Geschäftsmodelle sind aber nur begrenzt vergleichbar.

Kultur

Science

Leute

Gaultier macht künftig kein Pret-a-porter mehr

Der französische Stardesigner Jean Paul Gaultier macht künftig keine Pret-a-porter-Mode mehr. Der 62-Jährige, der früher als Enfant terrible der Modewelt galt, will sich nur noch auf die Haute Couture, die Parfumsparte des Konzerns und andere Projekte konzentrieren, wie das Modemagazin „Women’s Wear Daily“ gestern berichtete.

Der Modekonzern bestätigte den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Gaultier sagte dem Modemagazin, die Entscheidung sei nach „eingehender Prüfung“ der Zukunft des Unternehmens gefallen, an dem der spanische Mode- und Parfumkonzern Puig Mehrheitsanteile hält.

„Wir sind mehrere Möglichkeiten hinsichtlich des aktuellen Stands der Firma durchgegangen und sind zu demselben Schluss gekommen“, sagte der Modeschöpfer. Die letzte Pret-a-porter-Schau ist am 27. September in Paris zu sehen.

Berlusconi muss weniger Alimente zahlen

Nach den zahlreichen Justizschwierigkeiten in den vergangenen Jahren hat Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi endlich einen Grund zum Feiern.

Ein Berufungsgericht in Mailand nahm seinen Antrag an und reduzierte den Unterhalt von drei Millionen Euro auf zwei Millionen, den der frühere italienische Regierungschef seiner Ex-Ehefrau Veronica Lario zahlen muss.

Die 58-jährige Lario, mit der Berlusconi 20 Jahre lang verheiratet war und drei erwachsene Kinder hat, wird auf 36 Mio. Euro der insgesamt 108 Mio. Euro verzichten müssen, die ihr Ex-Mann während der dreijährigen Trennungsphase bereits gezahlt hat, berichtete die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ heute.

Trennung 2009

Das Paar hatte sich im Mai 2009 getrennt. Lario hatte bei einem Mailänder Gericht eine Scheidungsklage eingereicht, in der sie die Untreue ihres Mannes für das Scheitern der Ehe verantwortlich machte. Berlusconi hatte sich zuletzt zum Opfer von „drei feministischen und kommunistischen Richterinnen“ erklärt, die ihn zur Zahlung des Rekordunterhalts für seine ehemalige Ehefrau verurteilt hatten.

Der 77-jährige Berlusconi lebt seit einigen Monaten mit der 29-jährigen Francesca Pascale zusammen. Die blonde Neapolitanerin betonte kürzlich, sie hoffe, Berlusconi bald zu heiraten, und kritisierte die hohen Unterhaltszahlungen, die der Mitte-rechts-Politiker seiner Ex-Frau zahlen muss.