Ausland

Nach Raketenangriffen: Israel bombardiert Gazastreifen

Als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee nach eigenen Angaben rund 25 Ziele in dem Palästinensergebiet bombardiert. Zuvor seien rund 30 Projektile aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden, teilte die Armee heute mit.

Die Lage im und am Gazastreifen hatte sich zuletzt wieder verschärft. Seit Ende März protestieren immer wieder Palästinenser an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel. Dabei versuchten Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee wiederholt, Soldaten an der Grenze anzugreifen oder auf israelisches Territorium vorzudringen.

Seit Beginn der Proteste tötete die israelische Armee nach palästinensischen Angaben mindestens 131 Palästinenser. Überdies flog die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben mehrfach Angriffe auf Ziele im Gazastreifen als Reaktion auf Beschuss aus dem Gebiet auf Israel.

Euro-Zone-Budget: Österreich sieht offene Fragen

Nach der Vereinbarung von Deutschland und Frankreich zur Errichtung eines Euro-Zonen-Budgets sieht Österreich noch offene Fragen. „Österreich begrüßt Vorstöße, die darauf abzielen die Stabilität der Euro-Zone zu stärken und den Euro krisenfester zu machen“, teilten Bundeskanzler Sebastian Kurz und Finanzminister Hartwig Löger (beide ÖVP) gestern in einer gemeinsamen Stellungnahme mit.

„Ohne detaillierteres Konzept insbesondere über Ziele, Kosten und Umsetzbarkeit können wir dazu noch nicht umfassend Stellung nehmen“, zeigten sich Kurz und Löger zurückhaltend. Es gebe „einige offene Fragen“ in Zusammenhang mit dem Mehrjährigen Finanzrahmen und den Vorschlägen in Zusammenhang mit der Fiskalkapazität, um eine endgültige Bewertung abgeben zu können. „Mehr Klarheit bringt hoffentlich das Finanzministertreffen in Luxemburg diesen Donnerstag und Freitag“, hieß es.

Merkel und Macron im Gleichschritt

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hatten sich am Dienstag gemeinsam für ein Euro-Zonen-Budget ausgesprochen. Damit sollen ab 2021 wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen den 19 Euro-Staaten mit Investitionen in strukturschwachen Regionen gemindert werden. Gespeist soll der Haushalt aus nationalen Beiträgen, Steuereinnahmen und EU-Ressourcen werden. Die Höhe ist noch offen.

Kanada legalisiert Cannabis

Als erstes führendes Industrieland der Welt hat Kanada den Anbau und Verkauf von Cannabis legalisiert. Der Senat des flächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde stimmte gestern Abend (Ortszeit) in letzter Lesung dem Gesetz zu. 52 Senatoren stimmten dafür, 29 dagegen. „Es war zu einfach für unsere Kinder, Marihuana zu bekommen - und für Kriminelle, die Profite davon einzusacken. Heute ändern wir das“, schrieb Kanadas liberaler Premierminister Justin Trudeau auf Twitter.

Zuvor war das Gesetz mehrfach zwischen Senat und Unterhaus hin und her gegangen. Die Legalisierung von Cannabis war 2015 ein Wahlkampfversprechen von Trudeau gewesen. Nach der Verabschiedung müssen Trudeau und sein Kabinett nun ein offizielles Startdatum innerhalb der kommenden acht bis zwölf Wochen festlegen. Ab dann dürfen Volljährige straffrei kleinere Mengen von Cannabis für den Privatgebrauch besitzen und die auch konsumieren.

2014 hatte Uruguay als weltweit erster Staat Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle erlaubt. Auch in einigen US-Bundesstaaten ist Cannabis legal. In einigen anderen Ländern wie den Niederlanden werden Anbau und Verkauf teils geduldet, in anderen wie beispielsweise Malaysia jedoch hart bestraft.

Iran-Atomdeal: Teheran kritisiert Europa

Der Iran hat die bisherigen europäischen Bemühungen zur Rettung des internationalen Atomabkommens als nicht ausreichend bezeichnet. „Wenn das so weitergeht, werden alle verlieren“, sagte der Chef der iranischen Behörde für Atomenergie, Ali Akbar Salehi, der Nachrichtenagentur Irna.

Salehi habe sich mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres getroffen und das Missfallen seines Landes deutlich gemacht. Die Mitunterzeichner Deutschland, Großbritannien und Frankreich bemühen sich nach dem Austritt der USA aus dem Abkommen darum, es zu erhalten.

US-Grenzen: Republikaner für gemeinsame Mutter-Kind-Haft

Im US-Senat formiert sich eine Mehrheit für ein Gesetz, das die gemeinsame Inhaftierung von illegal eingewanderten Müttern und ihrer Kinder erlauben soll. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, sagte gestern, er werde einen solchen Vorschlag unterstützen. Für alle anderen Senatoren seiner Partei gelte das gleiche.

Die Republikaner verfügen derzeit über eine Mehrheit von 51 der 100 Sitze. Allerdings brauchen sie insgesamt 60 und damit neun zusätzliche Stimmen der oppositionellen Demokraten, um das Gesetz schnell verabschieden zu können. Zuvor muss der Vorschlag das Repräsentantenhaus passieren.

Bundesstaat New York will gegen Trennungen klagen

Der Bundesstaat New York will die Regierung in Washington wegen der umstrittenen Trennung von Migranten-Familien verklagen. Das kündigte der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo an. Das Vorgehens der Regierung von Präsident Trump sei „ein moralisches Versagen und eine menschliche Tragödie“, erklärte er. Dass die Kinder an der Grenze von ihren Eltern getrennt würden, verstoße unter anderem gegen die Verfassung und Urteile des Obersten Gerichts.

Neben New York haben sich weitere drei US-Bundesstaaten sich gegen die umstrittenen Familientrennungen an der Grenze zu Mexiko gestellt und den Einsatz ihrer Nationalgardisten verweigert. Der republikanische Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, erklärte, er werde keine Nationalgardisten mehr an der Grenze stationieren, bis die „Politik der Trennung von Kindern und ihren Eltern“ aufhöre. Er habe eine vierköpfige Helikopter-Besatzung angewiesen, „sofort“ von der Grenze zurückzukehren. Ähnlich äußerten sich auch die Gouverneure von Colorado und Massachusetts.

Aufschrei um Trumps Asylpolitik

Die Trennung von illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika und deren Kindern hat zu einem Aufschrei geführt, der weit über die USA hinaus zu vernehmen ist. Laut US-Gesetzgebung ist es derzeit nicht möglich, Mütter und Kinder gemeinsam in einer Haftanstalt zu betreuen.

Die Trump-Administration betrachtet die illegale Einwanderung im Rahmen ihrer Null-Toleranz-Politik grundsätzlich als schwere Straftat. Noch scheint Trump aber von seinem harten Kurs nicht abweichen zu wollen.

Mehr dazu in „Affront gegen Anstand des Volkes“

SOS Mediterranee kritisiert Benetton-Foto von Flüchtlingen

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee hat mit scharfen Worten ein Benetton-Werbefoto von aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen angeprangert. „Die humanitäre Tragödie, die sich im Mittelmeer abspielt, darf niemals für kommerzielle Zwecke benutzt werden“, kritisierte die Organisation gestern im Kurzbotschaftendienst Twitter.

In der Werbung der italienischen Modefirma sind Flüchtlinge auf einem Boot zu sehen, die rote Rettungswesten tragen und vom Hilfsschiff „Aquarius“ geborgen werden. In der unteren rechten Ecke ist der Schriftzug „United Colors of Benetton“ zu lesen.

Kritik auch an Fotografen

SOS Mediterranee erklärte, sich „vollumfänglich“ von dieser Kampagne zu distanzieren. Das Foto war demnach bei dem Rettungseinsatz vor mehr als einer Woche aufgenommen worden. „SOS Mediterranee gibt niemals sein Einverständnis für eine kommerzielle Nutzung seiner Fotografien“, schrieb die Organisation. Sie kritisierte auch den Fotografen, der das Bild aufgenommen hatte.

Die „Aquarius“ hatte zuletzt den Streit um die EU-Asylpolitik neu entfacht, da Italien die Aufnahme der mehr als 600 Flüchtlinge auf dem Schiff verweigerte.

Benetton sorgt mit seinen Werbekampagnen immer wieder für Empörung. Unter anderem zeigte das Unternehmen in der Vergangenheit einen sterbenden Aidskranken sowie eine Fotomontage eines Kusses zwischen dem Papst und einem Imam.

Ungarisches Parlament stimmt über „Stop-Soros“-Gesetz ab

Das ungarische Parlament stimmt heute über ein Gesetz ab, das Flüchtlingshelfern und -helferinnen von Nichtregierungsorganisationen mit Gefängnisstrafen bedroht. Das unter Anspielung auf den ungarischstämmigen US-Milliardär George Soros auch als „Stop-Soros“-Gesetz bezeichnete Paket hatte die Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban bereits vor einigen Monaten angekündigt.

Begründet wird das Paket mit Sicherheitsinteressen. Die ungarische Regierung betrachtet Soros als Gegner. Dessen international tätige Stiftung unterstützt unter anderem mehrere Bürgerrechtsbewegungen in Ungarn.

Orban warf Soros vor, über seine Organisation „Masseneinwanderung“ in die EU zu steuern. Führende ungarische Flüchtlingshilfsorganisationen äußerten sich mit Blick auf die bevorstehende Verabschiedung des Gesetzes zutiefst besorgt. Sie fürchten eine „Kriminalisierung“ ihrer Arbeit.

Inland

MKÖ: Mehr rechtsextreme Aktivitäten von FPÖ-Politikern

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) kommt in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Zahl rechtsextremer Aktivitäten von FPÖ-Politikern zugenommen hat. Für die rund viereinhalb Jahre vor der Nationalratswahl wurden insgesamt 68 Einzelfälle dokumentiert, für das gute halbe Jahr seither waren es 38, hieß es in einer Aussendung gestern Abend.

Das MKÖ hat sich rechtsextreme Aktivitäten seit der Nationalratswahl im Oktober 2017 angesehen und in der Dokumentation „Einzelfälle und Serientäter“ veröffentlicht. Die Fälle sind dabei auf allen Ebenen der Freiheitlichen zu verzeichnen. Acht der 38 sind Mitglieder der Parteispitze bzw. Mitgliedern der Bundesregierung zuzuordnen, vier weitere engen Mitarbeitern von FPÖ-Ministern.

Kritik: Nur Konsequenzen, wenn Fälle öffentlich werden

14 neue „Einzelfälle“ haben antisemitische Bezüge, „darunter die Liederbuch-Affäre und die Übernahme der gegen George Soros gerichteten Verschwörungstheorie“ durch Johann Gudenus und Parteichef Heinz-Christian Strache. 15 Fälle haben nationalsozialistische oder neonazistische Bezüge, 19 haben Bezüge zu Flüchtlingen und Minderheiten.

Kritisiert wird, dass es nur dann Konsequenzen gebe, wenn die Fälle öffentlich werden und die Parteispitze Nachteile befürchtet. Beteuerungen der FPÖ-Spitze, sie dulde weder Neonazismus noch Antisemitismus, seien daher „völlig unglaubwürdig“. „Der Widerspruch zwischen der Selbstdarstellung der FPÖ und den belegten Fakten könnte nicht größer sein“, so MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi.

Hartinger-Klein versichert Beibehaltung der Unfallspitäler

Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat im Gesundheitsausschuss in der Debatte über die Krankenkassenreform die Beibehaltung der Unfallkrankenhäuser zugesichert. Es gehe um eine Strukturreform, um Leistungen effizienter zu gestalten, erklärte sie gestern laut einer Aussendung der Parlamentskorrespondenz.

Im Ausschuss thematisierte die SPÖ die Pläne der Gesundheitsministerin für die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), da sie eine Zerschlagung und daher negative Folgen befürchtet.

Die Ressortchefin erklärte dazu, dass das Leistungsspektrum der Unfallversicherungen angepasst, nicht reduziert werden soll. Die Unfallkrankenhäuser würden selbstverständlich weiterbestehen, so Hartinger-Klein.

SPÖ: Leistungsharmonisierung soll fortgesetzt werden

Ein weiteres Anliegen der SPÖ ist, dass der bereits 2017 begonnene Weg der Leistungsharmonisierung über alle Krankenversicherungen hinweg fortgesetzt wird. Beide Anträge wurden mit dem Hinweis, dass die Anliegen Teil der bereits laufenden Anstrengungen zu einer Reform des Gesundheitssystems sind, von ÖVP und FPÖ vertagt.

Aus Sicht von NEOS wäre es wichtig, auch die Krankenfürsorgeanstalten in die Reformpläne einzubeziehen - auch hier wurde mit der Ausschussmehrheit vertagt.

Krankenstandspläne: Große Verärgerung im Hauptverband

Die von der Regierung geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes erleichtert nicht nur den Zwölfstundenarbeitstag, sie sieht auch eine deutliche Verschärfung der Kontrolle von Krankenständen vor. Im Antrag ist nämlich eine Änderung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) zum elektronischen Aufspüren von Versicherungsmissbrauch durch Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer enthalten.

Die Krankenversicherungsträger zeigen sich verärgert - man sei weder gefragt noch eingebunden worden. In manchen Bundesländern sind elektronische Kontrollen bereits Usus.

Mehr dazu in „Überhaupt kein Grund“ für Änderungen

Wirtschaft

EU-Firmen beklagen unfairen Wettbewerb in China

Trotz Chinas Versprechen, die eigene Wirtschaft öffnen zu wollen, sehen sich europäische Firmen in der Volksrepublik weiter massiv benachteiligt. China bleibe „eine der restriktivsten Volkswirtschaften der Welt“, heißt es in einer heute vorgelegten Studie der Europäischen Handelskammer in Peking zur Stimmung der Mitglieder. 

Demnach gaben 62 Prozent der befragten Unternehmen an, sie hätten das Gefühl, dass chinesische Firmen in Europa besser behandelt würden als umgekehrt europäische Firmen in China. Neben weniger Beschränkungen hätten es chinesische Unternehmen zudem deutlich leichter, in Europa Übernahmen zu tätigen.

Die kontinuierliche Ungleichbehandlung sei auch deshalb alarmierend, da zugleich die technologische Aufholjagd der Chinesen voranschreite. 60 Prozent der befragten Firmen gaben demnach an, dass sie ihre chinesischen Konkurrenten mittlerweile als genauso innovativ oder sogar innovativer wahrnehmen würden.

Bayer schloss Finanzierung von Monsanto-Kauf ab

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat die Finanzierung der Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto nach einer weiteren Milliardenanleihe abgeschlossen. Mit der Ausgabe von Papieren an institutionelle Investoren seien fünf Milliarden Euro eingesammelt worden, teilte der DAX-Konzern gestern Abend in Leverkusen mit.

„Mit dieser Transaktion haben wir die Ausfinanzierung der Übernahme von Monsanto erfolgreich abgeschlossen“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Nickl.

Bereits in der Früh hatte Bayer die Emission von Anleihen im Wert von insgesamt 15 Milliarden US-Dollar (rund 12,9 Mrd. Euro) bekanntgegeben. Mit dem Geld soll ein Teil der Kredite für die Zwischenfinanzierung der rund 63 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme zurückgezahlt werden.

Frist für Bayer-Aktionäre läuft ab

Auch die Frist für die Bayer-Aktionäre sollte ablaufen, sich über Bezugsrechte an der Kapitalerhöhung des Konzerns zu beteiligen. Mit der Ausgabe neuer Aktien will Bayer einen weiteren Teil der Monsanto-Übernahme finanzieren. Die Nachfrage nach den neuen Bayer-Anleihen war hoch. Nach Unternehmensangaben war die Platzierung der Emissionen mehrfach überzeichnet.

Bayer hatte Monsanto samt übernommener Schulden für 63 Milliarden Dollar (rund 54 Mrd. Euro) erworben und will einen großen Teil des Kaufpreises mit Eigenkapital stemmen.

Es ist die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Mit dem Kauf von Monsanto steigt Bayer zum weltgrößten Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln auf.

Name „Monsanto“ soll verschwinden

Die Integration des US-Riesen in die eigenen Konzernstrukturen muss allerdings noch warten. Diese kann erst erfolgen, wenn der Verkauf wichtiger Geschäftsteile an den Rivalen BASF abgeschlossen ist - eine Auflage der Kartellbehörden.

So muss sich Bayer von seinem Gemüse- und Feldsaatgutgeschäft, von Aktivitäten bei „Digital Farming“ sowie vom weltweiten Geschäft mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Glufosinatammonium trennen. Insgesamt geht ein Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Euro an BASF. Der Rivale zahlt dafür rund 7,6 Milliarden Euro.

Der Name Monsanto soll künftig verschwinden. Das Image des US-Konzerns ist schwer angeschlagen - unter anderem wegen seines Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat, das Sammelkläger und einige Studien für krebserregend halten. Am Montag begann in San Francisco ein erster Prozess - viele weitere könnten folgen.

VW und Ford loten strategische Allianz aus

Der deutsche Autoriese Volkswagen will bei der Entwicklung von Nutzfahrzeugen und anderen Geschäften die Kräfte mit dem US-Rivalen Ford bündeln. Die Konzerne bestätigten gestern nach US-Börsenschluss, Möglichkeiten einer strategischen Allianz zu erkunden. Der VW-Aufsichtsrat hatte nach dpa-Informationen bereits am Montag seine Zustimmung zu Gesprächen mit Ford gegeben.

Die Unternehmen verkündeten, mögliche Projekte in einer Reihe von Geschäftsfeldern zu prüfen. „Die Markt- und Kundenanforderungen verändern sich mit einer rasanten Geschwindigkeit“, sagte Volkswagens Leiter der Konzernstrategie, Thomas Sedran, laut Pressemitteilung. Beide Unternehmen besäßen bereits starke und sich ergänzende Kompetenzen in verschiedenen Nutzfahrzeugbereichen.

VW und Ford machten klar, dass bei der möglichen Partnerschaft keine gegenseitigen Beteiligungen geplant seien. „Wir freuen uns darauf, zusammen mit dem Team von Volkswagen die Kooperationsmöglichkeiten auszuloten, um auf wandelnde Bedürfnisse von Nutzfahrzeugkunden und -kundinnen reagieren zu können und weitere Synergiepotenziale zu identifizieren“, teilte Ford-Manager Jim Farley mit.

Ziel: Entwicklungs- und Produktionskosten sparen

Ziel der Zusammenarbeit ist es vor allem, Kosten in der Entwicklung und Produktion zu sparen. Dies geschieht auch maßgeblich vor dem Hintergrund steigenden Regulierungsdrucks.

Denn neue EU-Regeln stellen Transporter-Hersteller in Europa vor große Herausforderungen: Ab 2020 gelten für sie schärfere Grenzwerte beim CO2-Ausstoß. Wenn Hersteller bei ihren verkauften Modellen im Schnitt über diesem Wert liegen, müssen sie Strafe zahlen. Im VW-Konzern muss jede der einzelnen Marken diese Vorgaben dem Vernehmen nach für sich schaffen.

Für Transportermodelle ist es aber allein schon wegen des Gewichts und des höheren Luftwiderstands schwierig, die Grenzen einzuhalten, so dass Strafzahlungen nur schwer zu vermeiden sind. Die drohenden Kosten müssen also anderswo eingespart werden. Über Fortschritte und Einzelheiten ihrer geplanten Zusammenarbeit wollen sich VW und Ford im Zuge der Gespräche äußern.

Britische Fake-Urlaubsreklamationen gehen zurück

Die Flut falscher Reklamationen britischer Urlauberinnen und Urlauber, mit denen in den letzten Jahren vor allem All-inclusive-Clubs in Mittelmeer-Ländern konfrontiert worden sind, geht zurück. Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ (Onlineausgabe) gestern berichtete, zahlten Hotels auf Mallorca allein im Jahr 2016 42 Mio. Pfund (48 Mio. Euro) für Reklamationen wegen angeblicher Darmerkrankungen aus.

Strand auf Mallorca

APA/AFP/Jaime Reina

Hotels hätten sich einer „Epidemie“ an Reklamationen wegen schlechten Essens gegenübergesehen. Das habe sie Hunderte Millionen Pfund gekostet und habe den All-inclusive-Urlaub bedroht, so der „Guardian“. Doch die Tourismusbranche habe dem Phänomen den Kampf angesagt, und das offenbar mit Erfolg.

500-prozentiger Anstieg

Zwischen 2013 und 2016 waren die britischen Reklamationen wegen gastrischer Erkrankungen um 500 Prozent gestiegen. Anbieter drohten daraufhin damit, auf dem britischen Markt gar keine All-inclusive-Pakete mehr anzubieten.

Hintergrund des rasanten Anstiegs war, dass eigene auf Konsumentenklagen spezialisierte Firmen Touristen und Touristinnen gezielt kontaktierten und in deren Namen Klagen einbrachten - angeblich teils auch ohne dass die Betroffenen davon wussten. Die Anwaltsfirmen wechselten auf dieses Modell, nachdem die britische Regierung einen anderen beliebten Klagsgrund - wegen Peitschenschlagsyndroms - gesetzlich unterbunden hatte.

Anwalt vs. Anwalt

Viele Hoteliers stimmten lieber einem Vergleich zu, als sich auf ein Verfahren einzulassen. Die britische Reisebranche ging nun ihrerseits rechtlich gegen die Klagen vor. Dabei zeigte sich laut der auf Versicherungsbetrug spezialisierten Anwaltskanzlei Horwich Farrelly, dass von 2.500 Klagen nur 60 Fälle berechtigt waren. Die meisten Personen seien „überhaupt nicht krank gewesen“. Und viele hätten „von den Klagen, die in ihrem Namen eingebracht wurden, gar nichts gewusst“.

Sport

Fußball-WM: Selbstfaller von Polen gegen Senegal

Unglücklicher hätte die Fußball-WM in Russland für Polen gestern nicht beginnen können. In ihrem Auftaktmatch gegen Senegal kassierte die Mannschaft um Stürmerstar Robert Lewandowski eine bittere und kuriose 1:2-Pleite. Ein Eigentor leitete den Fehlstart der insgesamt auch enttäuschenden Polen ein. Und beim zweiten Treffer der Senegalesen um Kapitän Sadio Mane wurde es dann richtig kurios. Polens Anschlusstreffer im Finish kam schließlich zu spät.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Japan besiegt bei Fußball-WM zehn Kolumbianer

Japan hat gestern bei der Fußball-WM in Russland die nächste Überraschung abgeliefert und das höher eingeschätzte Kolumbien mit 2:1 besiegt. Zum Auftakt der Gruppe G in der Mordowia-Arena von Saransk spielte auch der Matchverlauf den Japanern in die Karten.

Bereits nach wenigen Minuten lag Kolumbien durch einen Elfmeter nach dem ersten Ausschluss des Turniers mit 0:1 im Rückstand. Nach einem kuriosen Freistoßtreffer schöpfte Kolumbien nochmals Hoffnung, doch die Japaner nutzten ihre Überzahl optimal aus.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Mann fällt beim Kirschenpflücken aus Traktorschaufel

Bei einer ungewöhnlichen Art, Kirschen zu pflücken, hat sich gestern in Feldkirch-Tisis (Vorarlberg) ein 58-jähriger Mann schwer verletzt. Er stand in der Schaufel eines Traktors, als das Fahrzeug ins Rutschen geriet, umkippte und sich dabei überschlug, berichtete die Polizei.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

Frau beim Kirschenpflücken gestorben

Nach dem Sturz von einer Leiter beim Kirschenpflücken in ihrem Garten in Erl (Tirol) erlag eine 72-jährige Tirolerin in der Innsbrucker Klinik ihren schweren Verletzungen. Das teilte die Polizei mit. Die Pensionistin war über vier Meter tief auf einen gepflasterten Gehweg gestürzt und hatte schwere Kopfverletzungen erlitten.

Sie musste reanimiert werden. Die Frau hatte sich auf der auf einem Flachdach aufgestellten Leiter befunden, als diese plötzlich wegrutschte. Der Unfall hatte sich bereits am 9. Juni ereignet.

Popstar Maluma in Moskau während Fußball-WM bestohlen

Kolumbiens Popstar Maluma ist laut russischen Medien während der Fußball-WM in einem Moskauer Luxushotel bestohlen worden. Dem 24-jährigen Reggaeton-Sänger aus Medellin wurden Artikel im Gesamtwert von über 50 Mio. Rubel (680.000 Euro), darunter Taschen, Luxusuhren, Cartier-Schmuck sowie mehrere diamant- und perlenbesetzte Brillen entwendet. Maluma begleitet bei der WM das kolumbianische Team.

Fünf Verletzte nach Kurzschluss in Londoner U-Bahn

Fünf Menschen sind gestern Abend bei einem Kurzschluss in einer Londoner U-Bahn-Station verletzt worden. Drei von ihnen konnten vor Ort behandelt werden, zwei wurden ins Krankenhaus gebracht.

Es habe eine kleine Detonation in der Station Southgate im Norden der britischen Hauptstadt gegeben, teilte die Polizei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Niemand erlitt ernsthafte Verletzungen bei dem Vorfall.

„Die Untersuchung läuft, aber wir glauben nicht, dass ein Terrorzusammenhang besteht“, hieß es von der Polizei. Die Öffentlichkeit wurde angewiesen, das Gebiet zu meiden.

Gesundheit

WHO: Transsexualität keine psychische Erkrankung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Transsexualität von der Liste psychischer Erkrankungen streichen. „Wir glauben, dass dadurch das Stigmatisierung sinkt und die soziale Akzeptanz dieser Menschen steigen könnte“, sagte gestern Lale Say, die WHO-Koordinatorin für reproduktive Gesundheit.

Am Montag hatte die UNO-Organisation ihren überarbeiteten Krankheitenkatalog mit 55.000 Erkrankungen, Verletzungen und Todesursachen vorgelegt. Darin listete die WHO Transsexualität nicht mehr unter „psychischen, Verhaltens- und Entwicklungsstörungen“ auf, sondern in einem neuen Kapitel zur sexuellen Gesundheit.

Sie definiert „Geschlechtsinkongruenz“ als „deutliche und anhaltende mangelnde Übereinstimmung zwischen dem erlebten und dem zugewiesenen Geschlecht“.

Say: Zugang zur Gesundheitsfürsorge erleichtern

Dem neuen Katalog müssen die UNO-Mitgliedsstaaten noch zustimmen. Er soll ihnen im Mai 2019 vorgelegt werden und könnte am 1. Jänner 2022 in Kraft treten. Say rechnet mit einer Zustimmung der Länder, obwohl Transsexuelle weltweit diskriminiert werden.

Die WHO-Vertreterin sagte außerdem, die Streichung von der Liste psychischer Erkrankungen könne Betroffenen den Zugang zur Gesundheitsfürsorge erleichtern. Ärzte und Krankenversicherungen nutzten den Katalog schließlich auch, sagte sie.

In der jüngsten Überarbeitung des WHO-Katalogs wird außerdem die Videospielsucht als Krankheit anerkannt. Erstmals erweiterte die WHO ihren Katalog außerdem um ein Kapitel zu traditioneller Medizin, die Millionen Menschen weltweit anwenden. Zuletzt war der Katalog in den 1990er Jahren überarbeitet worden.

IT

Erneut Hackerangriff auf Krypto-Börse

Erneut ist eine Handelsplattform für Kryptowährungen Opfer eines Hackerangriffs geworden. Die südkoreanische Krypto-Börse Bithumb gab am Mittwoch den Diebstahl von virtuellen Währungen im Wert von 35 Milliarden Won (etwa 27,2 Millionen Euro) bekannt.

Der Angriff habe sich zwischen gestern Abend und heute früh (Ortszeit)ereignet, hieß es in einer Erklärung auf der Website der Börse. Man werde dies aus dem eigenen Währungsbestand kompensieren. Der Kurs der bekanntesten Cyberdevise Bitcoin lag zunächst etwa 1,5 Prozent im Minus bei 6.594 Dollar.

Südkorea ist eine Hochburg des weitgehend unregulierten Kryptowährungshandels. Vor einigen Tagen hatte dort die Krypto-Börse Coinrail eingeräumt, Hacker hätten rund 30 Prozent der gehandelten digitalen Münzen gestohlen. Bitcoin sackte anschließend um 13 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 6.650 Dollar ab.

Kultur

Nina Simones Elternhaus wird zum nationalen Kulturgut

Der National Trust for Historic Preservation (NTHP) in den USA hat das Elternhaus der Jazz- und Blues-Sängerin Nina Simone vergangene Woche zum nationalen Kulturgut ernannt. Das berichtete die „New York Times“ („NYT“) am Montag. Der NTHP wolle das baufällige Haus in Tryon, North Carolina, für 250.000 US-Dollar (216.000 Euro) sanieren.

Das Gebäude, in dem Simone als Kind gelebt hatte, sollte schon öfters renoviert werden. Frühere Investoren zogen ihre Angebote allerdings immer wieder zurück.

2016 wurde das Gebäude von vier afroamerikanischen Künstlern und Künstlerinnen gekauft. Sie starteten eine öffentlichkeitswirksame Kampagne, um Simones Erbe zu erhalten - mit Erfolg, denn so wurde auch der NTHP auf das Haus aufmerksam.

„Umgebung, die einst Simone zum Strahlen brachte“

Laut „NYT“ würden viele Unterstützer und Unterstützerinnen die Räumlichkeiten für die Nachbarschaft nutzen wollen, etwa im Rahmen eines Kunstprogramms „mit der Hoffnung, dass künftige Künstler und Künstlerinnen von derselben Umgebung inspiriert werden, die einst die junge Simone zum Strahlen gebracht hatte“, so die Zeitung.

Simone, die mit bürgerlichen Namen Eunice Kathleen Waymon hieß, wurde 1933 in Tryon geboren und starb 2003 in Frankreich. Ihr Erbe als Jazz- und Blues-Sängerin, Songwriterin und Pianistin wird weltweit hochgeschätzt. Außerdem war die Musikerin als Aktivistin in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung tätig. Simone selbst vermied den Begriff Jazz, sie nannte ihre Musikrichtung Black Classical Music.

Medien: Locarno-Chef wird neuer Berlinale-Direktor

Der künstlerische Leiter des Filmfests von Locarno, Carlo Chatrian, soll Nachfolger von Berlinale-Chef Dieter Kosslick werden. Das berichten die Zeitungen „B. Z.“ und „Bild“ unter Hinweis auf Kreise des zuständigen Aufsichtsrats. Der Sprecher der deutschen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wollte die Berichte von Montag Abend aber nicht kommentieren.

Die Berufung werde am Freitag vom Aufsichtsrat bekanntgeben, sagte er auf Anfrage. Kosslicks Vertrag endet im Mai 2019.

Chatrian, 1971 in Turin in Italien geboren, ist seit 2012 künstlerischer Leiter des Filmfests von Locarno im Tessin in der Schweiz. Dort sei ihm der Spagat zwischen Kunst und Kommerz gut gelungen, bescheinigen ihm Kritiker. Der Journalist und Autor gilt als echter Cineast und international bestens vernetzt.

Heftige Debatte um Nachbesetzung

In einem Interview der „Zeit“ hatte er noch im vergangenen Jahr gesagt: „Die Berlinale ist ein großartiges Festival mit viel Potenzial, aber ich glaube nicht, dass ich dafür geeignet bin, zumal ich ja kein Deutsch spreche.“

Um die Nachfolge für Kosslick hatte es eine heftige Debatte gegeben. Prominente Regisseure hatten in einem offenen Brief einen inhaltlichen Neustart für die Berlinale gefordert. Sie müsse weiter mit den großen Konkurrenten Cannes und Venedig mithalten können.