Ausland

Merkel sieht in USA keinen verlässlichen Partner mehr

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich nach dem enttäuschenden G-7-Gipfel nicht mehr auf die USA als Partner verlassen. „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt“, sagte Merkel heute in einer Bierzeltrede in München-Trudering.

„Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.“ Merkel bezog sich mit ihren Worten auf die neue US-Regierung von Donald Trump, sie bezog aber auch den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens mit ein. Es müsse natürlich bei der Freundschaft zu den USA und Großbritannien bleiben. „Aber wir müssen wissen, wir müssen selber für unser Schicksal kämpfen.“ Dabei gab sie einem guten Verhältnis zu Frankreich unter dem neuen Präsidenten Emmanuel Macron eine besondere Bedeutung.

Umfragen: Vorsprung der Torys bei britischer Wahl schmilzt

Eineinhalb Wochen vor der Unterhauswahl in Großbritannien ist der Vorsprung der regierenden Konservativen vor der Labour-Partei stark geschrumpft. Die Torys von Premierministerin Theresa May liegen nach einer heute veröffentlichten Umfrage des britischen ORB-Instituts lediglich sechs Prozentpunkte vor Labour. Die Konservativen kamen auf 44, Labour auf 38 Prozent.

Befragungen durch vier andere Meinungsforschungsinstitute ergaben zwar einen größeren Abstand von sieben bis 14 Prozentpunkten zwischen den großen Parteien. Im April waren die Konservativen aber noch mit über 20 Prozentpunkten vor der Arbeiterpartei von Jeremy Corbyn gelegen. Die Liberaldemokraten kamen in den Umfragen auf sieben bis neun Prozent, die EU-feindliche und rechtspopulistische UK Independence Party auf vier bis fünf. Alle Befragungen erfolgten nach dem Terroranschlag von Manchester.

Torys wollen bei Sozialleistungen sparen

Grund für die schlechten Umfragewerte der Konservativen dürften vor allem angekündigte Einsparungen bei den Sozialleistungen sein, die vor allem Ältere treffen. So soll eine Heizzulage nicht mehr allen Pensionisten gewährt werden. Streit gab es auch um Pflegekosten.

Die Umfragen haben aber Haken: May wird von vielen Briten für den besseren Premier gehalten; sie trauen das Amt dem Altlinken Corbyn nicht zu. Außerdem hat Großbritannien ein reines Mehrheitswahlrecht.

Indischer Bundesstaat wehrt sich gegen Kuhschlachtverbot

Der südindische Teilstaat Kerala will gegen das kürzlich von der Regierung in Neu Delhi verhängte De-facto-Schlachtverbot von Kühen vor das Oberste Gericht bringen. „Wir werden unsere Klage nächste Woche einreichen“, sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, V.S. Sunil Kumar, heute der Nachrichtenagentur AFP.

Das Umweltministerium in Neu Delhi hatte am Freitag eine Verordnung erlassen, wonach der Kauf und Verkauf von Kühen verboten ist, wenn das Tier geschlachtet werden soll. Kühe gelten den Hindus als heilig.

Schlachtverbot betrifft nicht nur Kühe

Regierungschef Narendra Modi von der hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) ist 2014 auch mit dem Ziel angetreten, die Kühe im Land besser zu schützen. In den meisten Teilstaaten ist die Schlachtung von Kühen sowie der Besitz und der Verzehr von Rindfleisch bereits verboten - Zuwiderhandlungen werden hart bestraft.

Kerala dagegen sowie einige andere Teilstaaten erlauben die Schlachtung von Kühen und den Verzehr von Rindfleisch, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung hinduistisch ist. Das Schlachtverbot betrifft nicht nur Kühe, sondern auch Büffel und Kamele. In Indien kommt es häufig zu Auseinandersetzungen wegen der Verehrung der Kuh: Mindestens ein dutzend Menschen, vor allem Muslime, sind bereits getötet worden, weil ihnen vorgeworfen worden war, sie hätten Rindfleisch gegessen oder eingeschmuggelt.

Neun Tote bei Selbstmordanschlag im Irak

Bei einem Selbstmordanschlag nördlich von Bagdad sind mindestens neun Zivilisten getötet worden. Zwölf Menschen seien heute bei der Explosion in der Stadt Bakuba verletzt worden, hieß es.

Ähnliche Anschläge gab es im Irak in den vergangenen Monaten immer wieder. Meist bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu der Gewalt. Der IS ist in dem Land stark unter Druck und steht in seiner letzten Hochburg Mossul vor einer Niederlage gegen die irakische Armee.

Brasilianische Polizei zerstörte Indigenendorf

Die Polizei in Brasilien hat ein Dorf des indigenen Volkes der Kariri Xoco mit Traktoren und Bulldozern niedergerissen und anschließend abgebrannt. Das berichtete der Indigenenmissionsrat der katholischen Kirche Cimi laut Kathpress.

Rund 170 Indigene wurden laut dem Bericht bei der Aktion im Teilstaat Bahia vertrieben. Die staatliche Indigenenbehörde FUNAI und die zuständige Staatsanwaltschaft kündigten juristische Schritte gegen die Räumung an.

Seit Jahren kämpfen die Kariri Xoco um die Rückkehr auf ihr traditionelles Gebiet am Ufer des Sao-Francisco-Flusses. Vor zwei Jahren besetzten sie ein rund zwei Hektar großes Gebiet nahe der Stadt Paulo Afonso. Es gehört einer staatlichen Behörde, die es seit 30 Jahren nicht nutzt und deshalb einer Überschreibung des Gebietes an die FUNAI zugestimmt hatte.

Gericht konnte Entscheid nicht veröffentlichen

Gleichzeitig erhebt auch ein Unternehmen Anspruch auf das Grundstück. Es hatte bereits eine Zwangsräumung des Dorfes erwirkt. Noch am Mittwoch entschied jedoch eine Richterin, die Zwangsräumung für 30 Tage auszusetzen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Allerdings musste das zuständige Gericht in der Hauptstadt Brasilia am Mittwochnachmittag geräumt werden, nachdem ein Protest gegen Staatspräsident Michel Temer in Gewalt umschlug und Demonstranten Regierungsgebäude angriffen und in Brand steckten. So konnte der Aufschiebungsentscheid nicht rechtzeitig veröffentlicht und damit nicht rechtskräftig werden.

Blatt: Bruder von Manchester-Attentäter plante Anschlag

Der jüngere Bruder des Attentäters von Manchester hat einer britischen Zeitung zufolge einen Terroranschlag auf den deutschen UNO-Libyen-Gesandten Martin Kobler geplant. Der für Anfang dieses Jahres vorgesehene Angriff auf einen Konvoi konnte rechtzeitig verhindert werden, wie der „Telegraph“ (Sonntag-Ausgabe) berichtete.

Am Dienstag festgenommen

Die Zeitung beruft sich auf Diplomatenkreise. Der 20-jährige Hashim Abedi sei ein wichtiges Mitglied einer Dschihadistengruppe. Libysche Sicherheitskräfte hätten diese Gruppe über Monate beobachtet. Der 20-Jährige war am Dienstag - einen Tag nach dem Anschlag seines Bruders Salman Abedi in Manchester - in der libyschen Hauptstadt Tripolis festgenommen worden. Auch der Vater wurde festgesetzt.

Hashim Abedi soll bei Vernehmungen angegeben haben, dass er und sein Bruder Salman die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützten. Über die Anschlagspläne seines Bruders sei er informiert gewesen, schreibt die Zeitung. Im Dezember soll Hashim in Deutschland gewesen sein.

Polizei veröffentlichte Bilder

Die Polizei in Manchester veröffentlichte unterdessen gestern Abend Bilder des Attentäters, die Salman Abedi kurz vor seinem Selbstmordanschlag auf ein Popkonzert zeigen. Auf den zwei Fotos von Videoüberwachungskameras trägt der 22-Jährige Brite libyscher Abstammung einen Rucksack. Gekleidet ist er in eine schwarze Daunenweste, Jeans und Turnschuhe; zudem trägt er eine Baseballkappe, eine Brille und Bart.

22 Tote bei Anschlag

Die Polizei bat die Bevölkerung um Hinweise zu einer Wohnung im Stadtzentrum, in der sich Abedi unmittelbar vor der Bluttat aufgehalten haben soll.

Bei dem Anschlag nach einem Popkonzert am Montagabend riss der Attentäter 22 Menschen mit in den Tod. Britische Ermittler gehen davon aus, dass ein Netzwerk hinter der Attacke steckt. In Großbritannien wurden elf Personen festgenommen, darunter auch ein älterer Bruder des Attentäters, der 24-jährige Ismail.

Berlin will bis Mitte Juni über Incirlik entscheiden

Die deutsche Regierung will spätestens in rund zwei Wochen über den möglichen Abzug der Bundeswehr vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entscheiden. „Wir sind zu Incirlik weiter mit der türkischen Seite im Gespräch und arbeiten an einer Entscheidung bis Mitte Juni“, hieß es heute im Auswärtigen Amt.

Damit wurde ein „Spiegel“-Bericht bestätigt, nach dem im Streit über Besuche von Bundestagsabgeordneten in Incirlik Gespräche mit der türkischen Regierung geführt werden sollen.

Merkel drohte mit Abzug

Vor gut einer Woche hatte die Türkei Bundestagsabgeordneten erneut die Reise zum Luftwaffenstützpunkt Incirlik verweigert. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kündigte am Donnerstag den Abzug der dort stationierten rund 250 Soldaten und der deutschen Tornado-Flieger an, sollte die Türkei in dieser Frage nicht einlenken.

In Incirlik sind Tornado-Aufklärungsjets sowie ein Tankflugzeug der Bundeswehr stationiert, die die internationale Koalition gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) unterstützen. Das Verteidigungsministerium erkundet seit einiger Zeit Möglichkeiten einer Verlegung. So könnten die Aufklärungsflüge etwa von Jordanien aus fortgesetzt werden.

Inland

Brandstetter drängt auf Sicherheitspaket

ÖVP-Vizekanzler Wolfgang Brandstetter appelliert an die Regierung im Scheidungskrieg, beim Ministerrat am kommenden Dienstag „wieder ausführlicher miteinander zu reden“. Als Erstes sollten dann gleich die „weitgehend unstrittigen“ Themen im Bereich Sicherheit und Fremdenrecht abgearbeitet werden, forderte Brandstetter.

Nur Formales auf Tagesordnung

Auf der Tagesordnung für die Regierungssitzung am Dienstag steht de facto nur Formales und kein großes Vorhaben. Vergangene Woche war der Ministerrat zum Unmut der ÖVP von roter Seite überhaupt abgesagt worden, stattdessen wurden bei einem Sechsparteiengespräch auf Einladung von Kanzler Christian Kern (SPÖ) parlamentarische Mehrheiten für Verfassungsmaterien ausgelotet.

Gespräche mit der Opposition über Zweidrittelmaterien sollten zwar parallel weitergeführt werden, findet Brandstetter, er plädiert aber nun für eine Fokussierung auf jene Themen, die allein mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP umsetzbar sind. „Die Bundesregierung braucht einen Fahrplan und klare Prioritäten.“ Ob Gesetzesinitiativen formal vom Ministerrat oder direkt vom Parlament ausgehen, sei ihm nicht so wichtig, meinte Brandstetter, es stehe „die pragmatische Sacharbeit“ im Vordergrund. „Es würde positiv auffallen, wenn sich die Regierung - möglichst frei von Emotionen - verstärkt und nach außen erkennbar um die Sachpolitik kümmert. Da ist noch mehr drin. Davon bin ich überzeugt.“

Sicherheitspaket im Fokus

Mit Verweis auf aktuelle Aussagen des Direktors des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling, forderte Brandstetter einmal mehr, die geplanten Sicherheitsmaßnahmen rasch umzusetzen.

Konkret geht es Brandstetter um die Reform der Strafprozessordnung mit einer Ausweitung der Überwachung von Internetkommunikation von Verdächtigen sowie ums Sicherheitspolizeigesetz, das eine Vernetzung von Überwachungskameras und die automatische Kennzeichenerfassung bringen soll. Umgesetzt werden solle außerdem das Fremdenrechtspaket.

Rendi-Wagner hofft auf Einigung zur Primärversorgung

Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) hofft, dass ihr Gesetz zur Primärversorgung noch vor der Wahl beschlossen wird. Morgen startet sie neue Gespräche mit Koalitionspartner, Sozialversicherung und Ärztekammer. Die Ärztekammer hatte sich zuletzt wieder quergelegt - und zwar wegen der Frage der Verträge und Honorierungssysteme, sagte Rendi-Wagner heute in der ORF-„Pressestunde“.

„Am Ende geht es immer ums Geld“

Bei den Primärversorgungszentren gilt es, die Ärztekammer zu überzeugen, die dem Entwurf anfangs zustimmte, in der Begutachtung aber dagegen auftrat. „Am Ende des Tages geht es immer ums Geld“, merkte Rendi-Wagner an - und führte den Meinungswandel auch auf die Änderung der „äußeren Rahmenbedingungen“, die Veränderungen auf Regierungsebene, zurück.

Die 365 Begutachtungsstellungnahmen wurden vergangene Woche analysiert. „Wichtige und vernünftige Punkte“ sollen in die Vorlage noch eingebaut werden. Die Ministerin hält eine Einigung für sehr wichtig. Die geplanten Primärversorgungszentren seien eine „maßgebliche Weichenstellung“, um die Gesundheitsversorgung für die Zukunft sicherzustellen.

Evaluierung des Ärztemangels

Denn bis 2025 gehen 60 Prozent der Hausärzte in Pension. Zur Frage, ob es ausreichend Ärzte gibt, habe Rendi-Wagner eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sollen im Juni vorliegen, anschließend werde man beurteilen, ob Österreich überhaupt an einem Ärztemangel leide. Dann werde man auch sehen, ob etwa dadurch ein Problem entsteht, dass der Großteil deutscher Medizinstudenten Österreich nach dem Abschluss wieder verlässt.

Prinzipiell sei die Ärztedichte in Österreich nämlich sehr hoch, „wir haben genug im Land, aber offenbar nicht an der richtigen Stelle“. Ein weiteres „ganz wichtiges Thema“ ist für die Ministerin, die Wartezeiten für Operationen zu verkürzen. Als Frauenministerin bekräftigte Rendi-Wagner ihre Unterstützung für das geplante „Frauenvolksbegehren 2.0“. Sie werde dieses unterschreiben, sicherte sie zu.

Gemischte Reaktionen bei Opposition

Teils enttäuscht, teils unterstützend fielen die Reaktionen der Opposition auf Rendi-Wagners Aussagen aus. Für FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein war der Auftritt Rendi-Wagners „eher nichtssagend und oberflächlich“. „Kaum eine Frage konnte konkret beantwortet werden, die Ministerin blieb die Antworten schuldig und verwies dabei lieber auf ‚die Zukunft‘“, beklagte sie in einer Aussendung.

„Ankündigungen alleine werden die Probleme nicht lösen“, merkte Ulla Weigerstorfer (Team Stronach) an - unter Hinweis darauf, dass sich das Gesundheitssystem auf der Intensivstation befinde, mit langen Wartezeiten, überfüllten Ambulanzen, Gangbetten und einem medizinisch ausgehungerten ländlichen Raum.

Die grüne Gesundheitssprecherin Eva Mückstein sicherte Rendi-Wagner Unterstützung beim Primärversorgungsgesetz zu. Die Primärversorgung sei „ein wesentliches Element der Gesundheitsreform und darf nicht in letzter Minute von der ÖVP auf Zuruf der Ärztekammer zu Fall gebracht werden“. Das Gesetz müsse noch verbessert und etabliert werden.

Grüne basteln an Listen für Nationalratswahl

Angesichts der vorgezogenen Nationalratswahl am 15. Oktober erstellen die Grünen nun in rascher Abfolge ihre Kandidatenlisten auf Wahlkreis- und Länderebene. Ausgerichtet ist alles auf den Bundeskongress am 25. Juni in Linz, bei dem die Reihungen bestätigt, die Bundeslistenplätze vergeben und Ulrike Lunacek zur Spitzenkandidatin gekürt werden. Zwei Länder werden diesen Plan nicht einhalten können.

Kärnten und Salzburg als Nachzügler

Konkret sind es Kärnten und Salzburg, deren Landesorganisationen ihre Listen erst am 1. Juli fertig haben werden. Ein Problem stellt das aber nicht dar, wie Bundesgeschäftsführer Robert Luschnik erläuterte. Wie schon bei der vorgezogenen Wahl 2008 sei beschlossen, in diesen beiden Fällen die Bestätigung durch den Erweiterten Bundesvorstand (EBV) vorzunehmen.

Ein Fotofinish bei der Kandidatenfindung liefern das Burgenland, Oberösterreich und die Steiermark: Sie erstellen ihre Landeslisten am 24. Juni, also nur einen Tag vor dem Bundeskongress. Am 21. Juni ist Vorarlberg an der Reihe, schon am 10. Juni Wien und Tirol. Bereits fertig ist die Liste in Niederösterreich, und zwar seit 5. März. Dieter Brosz ist dort Spitzenkandidat, Tanja Windbüchler-Souschill und Eva Mückstein kandidieren nicht mehr.

Bundeskongress am 25. Juni

Der Bundeskongress findet am 25. Juni im Design Center in Linz statt. Geht alles nach Plan, wird dort die bisherige EU-Mandatarin Ulrike Lunacek zur Nummer eins auf der Bundesliste und damit zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl gekürt. Auch die Plätze dahinter sind interessant: Peter Pilz etwa will auf diesem Weg erneut den Sprung in den Nationalrat schaffen.

Neben den Listen geht es in Linz auch um die wichtigste Parteifunktion: Ingrid Felipe stellt sich der Wahl zur Bundessprecherin. Gegenkandidaturen wären möglich, Felipe hat aber den Vorteil der einstimmigen Empfehlung des EBV. Daneben muss nach dem Ausscheiden von Eva Glawischnig auch ein neues Mitglied des Bundesvorstandes gefunden werden.

Hartz-IV-Studie: Wahlkampf wirft Schatten voraus

Der Wahlkampf für die vorgezogene Neuwahl im Herbst wirft seine Schatten voraus. Eine vom ÖVP-geführten Finanzministerium in Auftrag gegebene Studie zu den möglichen Auswirkungen einer Einführung des deutschen Hartz-IV-Modells in Österreich zog scharfe Kritik des Koalitionspartners nach sich.

SPÖ-Sozialminister Alois Stöger befürchtete gestern gar die „Zerstörung des Sozialsystems“. Der neue ÖVP-Chef Sebastian Kurz präsentierte unterdessen den Fahrplan für sein Wahlprogramm und jene Politikbereiche, in denen er Handlungsbedarf sieht - dabei gab es Seitenhiebe gegen die rot-grüne Wiener Stadtregierung.

Mehr dazu in Wechselseitige Vorwürfe

Sport

French Open: Rasches Aus für top gesetzte Kerber

Der Damen-Bewerb der French Open in Paris hat gleich in der ersten Runde seine Nummer eins verloren. Die Deutsche Angelique Kerber ging in ihrem Auftaktmatch gegen die Russin Jekaterina Makarowa sang- und klanglos in nur zwei Sätzen unter und musste damit als erste Weltranglistenerste der Profiära in Roland Garros gleich nach der ersten Runde die Koffer packen. Die 29-Jährige knüpfte zugleich nahtlos an ihre schwachen Leistungen in der bisherigen Saison an.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Motorsport: Alonso bläst in Indy zum Angriff

Nicht beim Grand Prix von Monaco, sondern bei den Indy 500 in Indianapolis steht Fernando Alonso im Mittelpunkt. Der Spanier, der für den US-Klassiker das Rennen in Monte Carlo auslässt, geht heute von Startplatz fünf aus ins Rennen und darf sich Chancen auf den Sieg ausrechnen. Aber nicht nur auf der Strecke bläst der wieder frisch motivierte 35-Jährige zum Angriff. Auch Kritik an der „einfachen“ Formel 1 ließ Alonso durchblicken.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Alitalia sagt wegen Streiks 200 Flüge ab

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia hat heute wegen eines Streiks 200 In- und Auslandsflüge abgesagt. Für 80 Prozent der betroffenen Fluggäste seien bereits Ausweichmöglichkeiten gefunden, teilte Alitalia am Vormittag mit. Das Personal streikt gegen einen Sanierungsplan für die defizitäre Fluggesellschaft, der die Streichung von 1.700 Stellen vorsieht.

Derzeit läuft eine zweieinhalbwöchige Frist, in der sich Kaufinteressenten für die Alitalia zu Wort melden sollen. Interessensbekundungen werden bis zum 5. Juni entgegengenommen. Möglich ist etwa eine Übernahme der Fluggesellschaft als Ganzes oder von Teilen, aber auch eine finanzielle oder wirtschaftliche Restrukturierung.

Mehrere Absagen

Der Rettungsvorschlag kann von einzelnen Unternehmen vorgelegt werden, aber auch von mehreren gemeinsam. Die Banken UniCredit und Intesa Sanpaolo, die an Alitalia beteiligt sind, lehnten bereits ab. 49 Prozent von Alitalia hält derzeit die Golf-Airline Etihad.

Die italienische Regierung favorisiert eine Komplettübernahme und hält mit einem Überbrückungskredit in Höhe von 600 Millionen Euro den Flugverkehr für insgesamt sechs Monate aufrecht. Die Fluggesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. Sie hat vor allem mit der harten Konkurrenz durch Billigflieger wie Ryanair und easyJet zu kämpfen.

Chronik

Mordserie schürt Angst vor Mafia-Krieg in Neapel

Nach einer Serie von sechs Morden binnen drei Tagen herrscht in Neapel Angst vor einem neuen Mafia-Krieg. Wie italienische Zeitungen heute berichteten, wurden von Donnerstag bis gestern sechs Männer zwischen 23 und 72 Jahren erschossen. Mehrere Opfer wurden mit zahlreichen Kugeln getötet, einige Taten ereigneten sich an belebten Orten.

Bei einer Tat wurden zwei Männer mitten auf einer belebten Straße mit einer Salve aus einer automatischen Waffe getötet, als sie gerade auf einem Motorroller unterwegs waren. In einem anderen Fall wurden zwei Opfer in einer Trafik vor Dutzenden Augenzeugen ermordet. Das Vorgehen sei typisch für die neapolitanische Mafia Camorra, betonten mehrere Zeitungen. So viele Morde in so kurzer Zeit habe es seit 2004 nicht gegeben.

Die Ermittlungsbehörden äußerten sich zunächst nicht zu etwaigen Zusammenhängen zwischen den Verbrechen. Aber alle Opfer schienen Verbindungen zu einem der verschiedenen Clans der Camorra zu haben. Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris warf der italienischen Regierung vor, seiner Stadt nicht genügend beim Kampf gegen das Verbrechen zu helfen.

D: Camperin vergewaltigt - Kritik an Polizei wegen Notrufs

Vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger einer jungen Camperin im deutschen Bonn sind Vorwürfe gegen die Polizei laut geworden. Nach Angaben der „Rheinischen Post“ hatte eine Beamtin der Bonner Polizeileitstelle den Notruf des Freundes der Frau zunächst als üblen Scherz abgetan.

„Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt“, soll der Anrufer geflüstert haben. Ein entsprechendes Protokoll aus der Notrufzentrale finde sich in den Akten zu dem Fall. Zwar soll der Freund auch die benutzte Machete angesprochen haben, daraufhin soll die Polizistin laut der Zeitung lediglich gefragt haben: „Sie wollen mich nicht verarschen, oder?“

Polizei: Beamtin reagierte „sprachlich unangemessen“

Sie habe nach dem kurzen Gespräch versprochen, die Kollegen zu schicken, aber keinerlei Hilfe am Telefon geleistet, sich mit „Danke, tschö“ verabschiedet und aufgelegt. Auch ein zweiter Anruf in der Notrufzentrale blieb demnach erfolglos. Der Freund des Opfers wurde lediglich an eine Nummer der Polizei in Siegburg verwiesen mit dem Hinweis: „Die können das richtig koordinieren.“

Gegenüber der „Rheinischen Post“ räumte Frank Piontek, der Sprecher der Bonner Polizei, aber ein, dass die „aufnehmende Beamtin in der Leitstelle nach unseren Feststellungen die Umstände des ersten Anrufs zunächst nicht richtig eingeordnet und sprachlich unangemessen reagiert hat“.

Nach fünf Tagen verhaftet

Dem mutmaßlichen Täter werden Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall sowie schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Der Mann aus Ghana soll die damals 23-Jährige aus Baden-Württemberg und ihren Freund in der Nacht auf den 2. April in der Bonner Siegaue überfallen und mit einer Astsäge bedroht haben. Dann soll er die Studentin vor dem Zelt vergewaltigt haben. Der Fall hatte in Deutschland für Entsetzen gesorgt. Der Mann wurde fünf Tage später festgenommen und ist seitdem in Untersuchungshaft.

Afghanistan: 15 Familienmitglieder bei Autounfall getötet

Bei einem Autounfall in Afghanistan sind 15 Mitglieder einer einzelnen Familie ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich nach Behördenangaben gestern im Bezirk Salang in der Provinz Parwan, wie die Behörden der Provinz mitteilten.

Unter den Toten waren laut Ahmadi sechs Frauen und sechs Kinder. Die Autobahn von Kabul nach Parwan wird viel genutzt. Auf der Verbindung gibt es immer wieder schwere Unfälle. Das liegt unter anderem am schlechten Zustand der Straße, an der mangelnden Durchsetzung der Verkehrsregeln und technischen Mängeln an den Fahrzeugen.

Mann in München von U-Bahn erfasst und getötet

Ein 21 Jahre alter Mann ist in einem Münchner U-Bahnhof von einem Zug mitgeschleift und getötet worden. Wie die Feuerwehr mitteilte, hatte der junge Mann, der heute Früh mit Freunden auf dem Bahnsteig gewartet hatte, in einem ausfahrenden Zug Bekannte entdeckt. Daraufhin lief er neben der U-Bahn her. Er stolperte jedoch und fiel in den Spalt zwischen U-Bahn und Bahnsteig.

Der 22-Jährige wurde mehrere Meter mitgeschleift. Eintreffende Rettungskräfte versuchten zwar noch, den Mann wiederzubeleben. Er starb jedoch an der Unfallstelle. Die Augenzeugen des tragischen Unglücks und die Freunde des Getöteten wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Paragleiter prallten gegen geparkte Autos

In St. Gilgen am Wolfgangsee (Salzburg) prallten am Freitag gleich zwei Paragleiter innerhalb weniger Minuten gegen geparkte Autos. Einer der Männer blieb unverletzt, der zweite wurde ins Salzburger Unfallkrankenhaus gebracht.

Mehr dazu in salzburg.ORF.at

In Schladming in der Steiermark stürzte ebenfalls ein Paragleiter ab. Beim Sturz aus fünf Metern Höhe wurde der 51-jährige Pilot aus Deutschland im Bereich der Wirbelsäule verletzt.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at

Kultur

US-Rockpionier Gregg Allman tot

Der US-Rockmusiker Gregg Allman ist tot. Der Gründer der Allman Brothers Band starb im Alter von 69 Jahren friedlich in seinem Haus in Savannah im US-Staat Georgia, wie das Musikmagazin „Billboard“ gestern unter Berufung auf eine Mitteilung auf der Website des Künstlers berichtete.

Gregg Allman

APA/AP/Invision/Charles Sykes

Zu Allmans berühmtesten Songs gehören Klassiker wie „Midnight Rider“ und „Melissa“. Er galt als einer der Hauptvertreter des Southern Rock, der Einflüsse von Country, Blues und Rock mit Improvisationen paart. Allman spielte auch Klavier und Gitarre. Sein Bruder Duane, mit dem er die Allman Brothers Band gegründet hatte, starb bereits 1971 im Alter von 24 Jahren bei einem Motorradunfall.

Die Band verkaufte nach Angaben des Musikmagazins „Billboard“ in den USA mehr als neun Millionen Alben. Allman hatte seit Jahren gesundheitliche Probleme. 2010 musste er sich etwa einer Lebertransplantation unterziehen. Der Kurzzeitehemann von Popikone Cher überwand aber seine Drogenabhängigkeit und familiären Probleme und war in den vergangenen Jahren als Altstar des Southern Rock viel beachtet.

Autor Safranski erhielt Ludwig-Börne-Preis

Der deutsche Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski ist mit dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet worden. Der 72-Jährige nahm die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung heute in der Paulskirche im deutschen Frankfurt entgegen.

Safranski sei ein standhafter Autor, der politischen Gegenwind gelassen ertrage, sagte Michael Gotthelf von der Ludwig-Börne-Stiftung. Die Auszeichnung für Essays und Reportagen gilt als eine der renommiertesten im deutschsprachigen Raum.

Kritiker von Merkel Flüchtlingspolitik

Bestsellerautor Safranski ist mit Biografien über Goethe, Nietzsche und Schopenhauer bekannt geworden. Als einer der wenigen der prominenten Intellektuellen äußerte er sich kritisch über die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel.

Man habe ihn deswegen in die Nähe der AfD gerückt und als Nazi beschimpft, sagte der Preisrichter, Schauspieler Christian Berkel. Dabei habe Safranski lediglich „die Motive der Willkommenskultur hinterfragt“. Als diesjähriger Preisrichter wählte Berkel allein den Gewinner aus.

Der Preis erinnert an den aus dem jüdischen Ghetto in Frankfurt stammenden Autor Ludwig Börne (1786 - 1837). Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa der Philosoph Peter Sloterdijk und Ex-Bundespräsident Joachim Gauck.

Religion

Panorama