Ausland

EU-Pläne für „Train Marshalls“

Nach der Attacke in einem Thalys-Zug will die Brüsseler EU-Kommission laut der Zeitung „Die Welt“ (Samstag-Ausgabe) einen Drei-Punkte-Plan für mehr Sicherheit vorlegen. Die Maßnahmen sollen beim Treffen europäischer Innen- und Verkehrsminister am Samstag in Paris präsentiert werden und für Hochgeschwindigkeitszüge wie den Thalys, ICE, TGV oder den Pendolino gelten.

„Wir werden eine Videoüberwachung in allen Hochgeschwindigkeitszügen, eine bessere Schulung des Zugpersonals für den Ernstfall und bei erhöhter Gefährdungslage auch den Einsatz von bewaffneten Zugsicherheitsbegleitern (Train Marshalls) vorschlagen“, hieß es laut „Welt“ in gut unterrichteten Kommissionskreisen. Außerdem sollen die Passagiere samt Gepäck vor der Zugfahrt von einem Metalldetektor überprüft werden. Vorstellbar sei in besonderen Fällen aber auch der Einsatz von Ganzkörperscannern („Nacktscanner“).

Ein 25 Jahre alter Angreifer hatte in der vergangenen Woche mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet im Zug von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und dabei zwei Menschen schwer verletzt. Der Mann war von mehreren Fahrgästen niedergerungen worden. Frankreichs Ermittler werten die Tat als Terroranschlag und gehen davon aus, dass der Marokkaner ein Blutbad anrichten wollte.

Türkei: Erdogan billigt Übergangsregierung

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat gestern das von Übergangsregierungschef Ahmet Davutoglu vorgeschlagene Kabinett gebilligt, das bis zur Parlamentsneuwahl am 1. November regieren soll. Wie Davutoglu erklärte, habe Erdogan nach einem einstündigen Treffen beider Politiker grünes Licht gegeben.

Der Interimsregierung gehören erstmals in der türkischen Geschichte auch zwei kurdische Minister an: Ali Haydar Konca für EU-Angelegenheiten und Muslum Dogan für Entwicklung. Beide sind Abgeordnete der Kurdenpartei HDP.

Die Minister der Übergangsregierung aus der bisherigen Regierungspartei AKP und der HDP, die laut Verfassung nicht vom Parlament bestätigt werden müssen, sollen am Wochenende ihre Posten übernehmen. Die säkularistische CHP und die nationalistische MHP lehnten eine Beteiligung an der Interimsregierung ab. Zuletzt war der gewaltsame Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) neu aufgeflammt.

Koalitionsbildung nach Wahl gescheitert

Die Neuwahl am 1. November war notwendig geworden, weil Davutoglu nach der Niederlage der AKP bei der regulären Parlamentswahl am 7. Juni mit der Bildung einer Regierungskoalition gescheitert war. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Erdogan die Koalitionssuche bewusst hintertrieb. Erdogan hoffe demnach, dass die AKP bei einer Neuwahl die im Juni verlorene Parlamentsmehrheit zurückerobern kann.

Das Fernziel des Staatschefs bleibt eine Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems. Von einer verfassungsändernden Mehrheit im Parlament ist die AKP laut Umfragen allerdings weit entfernt, nach einigen Befragungen steht die Partei vor weiteren Stimmenverlusten. Das regierungsnahe Institut ORC meldet einen Stimmanteil von 43,7 Prozent für die AKP, laut dem Institut Gezici sind es nur 38,9 Prozent.

Pentagon bestätigt Tötung von IS-Cyberaktivisten in Syrien

Das US-Verteidigungsministerium hat den Tod eines auf die Rekrutierung von westlichen Kämpfern spezialisierten Mitglieds der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bestätigt. Der Brite Junaid Hussain sei am Montag bei einem US-Angriff auf Rakka getötet worden, sagte der Sprecher des US-Militärkommandos Centcom, Patrick Ryder, gestern.

Hussain habe gezielt IS-Sympathisanten in westlichen Staaten für „Angriffe im ‚Einsamer Wolf‘-Stil“ angeworben. Zudem sei der IS-Kämpfer verantwortlich für die Veröffentlichung der persönlichen Daten von 1.300 US-Militärs und -Regierungsangestellten, sagte Ryder.

Mit Hussains Tod sei „ein wichtiger Verantwortlicher“ des IS ausgeschaltet. Dem Sprecher zufolge richtete sich der US-Angriff auf Rakka am Montag gezielt gegen Hussain. Es habe dabei keine weiteren Opfer gegeben. Ein US-Regierungsvertreter hatte Hussains mutmaßlichen Tod bereits am Vortag mitgeteilt, eine offizielle Bestätigung fehlte jedoch noch.

Mehr als 150 Kindersoldaten in Zentralafrika freigelassen

Kämpfer der christlichen Anti-Balaka-Miliz haben in der Zentralafrikanischen Republik nach Angaben der UNO 163 Kindersoldaten freigelassen, darunter fünf Mädchen. Mit der Freilassung im Westen des Landes sei die Zahl der freigelassenen Kindersoldaten seit der Unterzeichnung eines Abkommens mit dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF im Mai auf 645 gestiegen, erklärte UNICEF gestern.

Die Chefs von acht bewaffneten Gruppen in dem Land hatten sich im Mai verpflichtet, Tausende in ihren Reihen dienende Kindersoldaten freizulassen. Nach Schätzungen von UNICEF wurden seit Beginn der Kämpfe in Zentralafrika im Jahr 2013 bis zu 10.000 Kinder von den verschiedenen Konfliktparteien als Kämpfer, Sexsklaven, Köche und Spione missbraucht.

Zentralafrika war nach einem Putsch gegen Staatschef Francois Bozize im März 2013 in eine Spirale der Gewalt gestürzt. Bei Kämpfen zwischen christlichen und muslimischen Milizen wurden Tausende Menschen getötet und Hunderttausende in die Flucht getrieben. Im Zuge eines Transformationsprozesses sollen nun im Oktober Wahlen stattfinden.

D: Verdächtige nach Anschlag auf Asylbewerberheim gefasst

Nach dem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Salzhemmendorf bei Hameln in Deutschland sind drei Verdächtige festgenommen worden. Es handle sich um zwei Männer im Alter von 24 und 30 Jahren aus Salzhemmendorf sowie eine 23-jährige Frau aus dem Raum Hannover, erklärte die Polizei Hameln gestern Abend.

Sie seien nach Auswertung von Spuren, Zeugenaussagen sowie „aufgrund von Vorerkenntnissen der Polizei“ ermittelt worden.

Der 24-Jährige sei wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie politisch motivierten Taten bereits polizeibekannt, der 30-Jährige wegen Sachbeschädigung und Diebstahls, erklärte die Polizei. Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) sagte dem NDR, die drei Verdächtigen hätten Geständnisse abgelegt.

Molotow-Cocktail durch Fenster geworfen

Die Attentäter hatten in der Nacht auf gestern einen Molotow-Cocktail durch ein Fenster eines ehemaligen Schulgebäudes geworfen, in dem Flüchtlinge untergebracht sind. Durch den Brandsatz gerieten ein Teppich und eine Matratze in Brand. Eine in einem Nebenraum mit ihren drei Kindern schlafende Asylbewerberin aus Simbabwe bemerkte den Angriff und konnte sich und ihre Familie unverletzt in Sicherheit bringen. Laut Polizei befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa 40 Flüchtlinge in dem Gebäude.

Ministerpräsident Weil verurteilte den Anschlag als „versuchten Mord“, Niedersachsens Innen-Staatssekretär Stephan Manke (SPD) sprach von einer „feigen und widerwärtigen Tat“.

UNO-Flüchtlingsgipfel für Ende September einberufen

Nach den Tragödien im Mittelmeer und in Österreich hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon einen Flüchtlingsgipfel in New York einberufen. „Ich bin zuversichtlich, dass das Thema Priorität haben wird, wenn sich die Führer der Welt im nächsten Monat zur UNO-Vollversammlung treffen“, erklärte Ban gestern in New York.

Er werde ein spezielles Treffen „zu diesem globalen Problem“ für den 30. September organisieren. „Das ist eine menschliche Tragödie, die einer gemeinsamen politischen Antwort bedarf. Es ist eine Krise der Solidarität, nicht eine Krise der Zahl“ der Flüchtlinge.

„Wir müssen mehr tun“, sagte er. Syrien, der Irak und Afghanistan seien die Länder, in denen die Menschen „die beschwerlichen und gefährlichen Reisen“ beginnen würden.

„Es ist im Völkerrecht verankert und von den Staaten lang anerkannt, dass Flüchtlinge ein Recht auf Schutz und Asyl haben. Wenn das geprüft wird, können Staaten keinen Unterschied wegen Religion oder Identität machen.“ Und sie könnten auch nicht Menschen zur Rückkehr in ein Land zwingen, aus dem sie geflohen seien, wenn sie wohlbegründete Furcht vor Verfolgung oder Angriffen hätten. „Das ist nicht nur einen Frage des Völkerrechts, es ist auch eine menschliche Pflicht“, betonte Ban.

Er forderte auch die Regierungen, mehr Entschlossenheit bei der Behebung der Konflikte und Probleme, die die Menschen zu Flucht zwingen, zu zeigen. „Ohne dem wird sich die Zahl der Vertriebenen - mehr 40.000 pro Tag - nur erhöhen.“

Inland

Medien

„Krone“-Foto toter Flüchtlinge: Staatsanwaltschaft ermittelt

Für Kritik sorgt ein Foto in der „Kronen Zeitung“, das die Toten der Flüchtlingstragödie auf der A4 zeigt. Die Veröffentlichung wird auch ein Fall für den Presserat, im Laufe des gestrigen Tages langten bereits über 40 Beschwerden ein.

Laut Innenministerium sei man dabei festzustellen, woher das Foto stammt. Der burgenländische Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil erklärte in der ZIB2, dass bereits die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden sei. Ersten Erkenntnissen zu Folge handle es sich um ein Bild, das im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen angefertigt, und aus Polizeikreisen an die „Kronen Zeitung“ weitergeleitet worden sei. Er kündigte ein rigoroses Vorgehen an.

„Offensichtlich besteht hier eine Komplizenschaft zwischen den Sicherheitsbehörden und der ‚Krone‘. Diese Form der ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ ist widerwärtig“, so Presseratsmitglied Koller.

„Kronen Zeitung“ verteidigt Abdruck

Die „Kronen Zeitung“ verteidigte die Veröffentlichung des Fotos. „Das Foto zu bringen war eine gemeinsame Entscheidung der Chefredaktion“, sagte Krone-Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt der Tageszeitung „Der Standard“.

Schmitt, der auch als Berater von „Krone“-Herausgeber Christoph Dichand fungiert, wies diese zurück. „Die Gesichter der Todesopfer sind nicht zu sehen, die Identität somit geschützt. Bei einer Tragödie dieses Ausmaßes muss eine entsprechende Bebilderung möglich sein.“ Medien wie „Bild“ oder „Le Monde“ hätten darüber hinaus bereits um Übermittlung des Fotos ersucht, so Schmitt zum „Standard“.

Sport

Erste Liga: Spektakel vor leeren Rängen an Innsbruck

Das Duell zwischen Austria Salzburg und Wacker Innsbruck ist gestern als „Geisterspiel“ über die Bühne gegangen. Schade für die Fans, denn das Westderby wurde eine torreiche Angelegenheit. Am Ende setzte sich Wacker in der siebenten Runde der Ersten Liga gegen den Aufsteiger mit 4:3 durch und behielt die Tabellenführung.

Einen Kantersieg feierte Austria Klagenfurt gegen Kapfenberg. Karl Daxbacher musste sich indes mit St. Pölten seinem Ex-Club LASK knapp geschlagen geben. Wiener Neustadt verschärfte die FAC-Krise.

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Leichtathletik-WM: Europas neue Sprint-Königin

Die Niederländerin Dafne Schippers hat gestern bei der Leichtathletik-WM in Peking über 200 m die Goldmedaille gewonnen und dabei auch den 29 Jahre alten Europarekord gebrochen. „Das ist doch verrückt. Ich kann das gar nicht glauben“, jubelte die 23-Jährige, die in 21,63 Sekunden die viertschnellste Zeit der Geschichte erreichte.

Für Beate Schrott ging die WM unterdessen unglücklich zu Ende: Die 27-Jährige schied im Hürdensprint-Halbfinale verletzt aus.

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Europa League: Salzburg zahlt bitteres Lehrgeld

Der FC Salzburg ist am Donnerstag nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Dinamo Minsk bereits im Play-off der Europa League gescheitert. Die riesige Enttäuschung über das bittere Aus stand Fans, Spielern und Betreuern ins Gesicht geschrieben. Obwohl in beiden Partien spielerisch klar besser, konnte Salzburg das Ausscheiden nicht verhindern. Während Trainer Peter Zeidler die Schuld daran auch beim niederländischen Schiedsrichter sah, wussten die Spieler, dass sie ihre Aufstiegschancen bereits im Hinspiel vergeben hatten. Beide Partien zeigten auch: Die Mannschaft hat Talent, muss aber noch reifen.

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Wirtschaft

ESM-Chef will künftige Euro-Krisen ohne IWF stemmen

Der Chef des europäischen Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, will künftige Hilfsaktionen für Euro-Staaten ohne den Internationalen Währungsfonds (IWF) stemmen. „Die nächste Krise, die in den nächsten Jahrzehnten kommen wird, könnten die Europäer aus eigener Kraft bewältigen“, sagte Regling gegenüber dem „Spiegel“. Das Zusammenspiel von ESM, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) sei „eingeübt“: „Gemeinsam erfüllen sie die Aufgaben eines europäischen Währungsfonds.“

Der IWF war seit Beginn der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2010 bei den diversen Rettungsaktionen für verschuldete Mitglieder der Währungsunion mit an Bord. Ob der IWF sich auch dem gerade beschlossenen dritten Hilfsprogramm für Griechenland beteiligt, ist noch offen. Darüber will die Finanzinstitution erst nach einer ersten Bewertung zum Stand der geforderten Reformauflagen im Herbst entscheiden.

Die deutsche Bundesregierung hofft auf eine erneute Beteiligung des IWF - und auch Regling setzt darauf. Bei der Krise um Griechenland soll der IWF noch so lange an Bord bleiben, bis die gegenwärtigen Turbulenzen überstanden seien, sagte der deutsche ESM-Chef dem „Spiegel“ laut der Vorabmeldung auf die aktuelle Ausgabe des Magazins.

Wirtschaftsleistung in Brasilien bricht ein

Die tiefe Rezession in Brasilien ist nun auch offiziell bestätigt: Im zweiten Quartal brach die Wirtschaftsleistung der siebentgrößten Volkswirtschaft der Welt im Vergleich zum Vorquartal um 1,9 Prozent ein - nach einem Minus von 0,7 Prozent im ersten Vierteljahr. Das teilte die Statistikbehörde gestern mit.

Es war das schwächste zweite Quartal seit 1996 und der tiefste Einbruch seit 2009. Geht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei Quartalen nacheinander zurück, wird nach gängiger Definition von einer Rezession gesprochen. Auch zum Jahresende 2014 war die Entwicklung schon schwach: Im Schlussquartal hatte sich die Wirtschaftsleistung nicht verändert.

Das rohstoffreiche Land leidet unter dem niedrigen Ölpreis, einer Inflation von fast zehn Prozent, schwachem Konsum, steigender Arbeitslosigkeit, und die Unternehmen halten sich bei ihren Investitionen zurück. Hinzu kommt ein Korruptionsskandal, in den das größte Unternehmen Petrobras (Umsatz: rund 123 Mrd. Euro) involviert ist. Brasilien ist mit einem BIP von 2,1 Billionen Euro (2014) siebentgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Nestle wegen Beihilfe zur Sklaverei angezeigt

Nestle ist in den USA mit einer Klage konfrontiert. Dem Konzern wird vorgeworfen, der auf thailändischen Fischereischiffen grassierenden Sklaverei bewusst Vorschub zu leisten. Die dabei erwirtschafteten Produkte finden sich laut der Klageschrift vor allem im Katzenfuttersortiment des Lebensmittelmultis. Eine Anwaltskanzlei reichte eine entsprechende Sammelklage ein.

Die Klage wurde bei einem Bundesgericht in Kalifornien deponiert. Nestle importiere über den thailändischen Lieferanten Thai Union Frozen Products mehr als 12.000 Tonnen Tiernahrung auf der Basis von Meeresfrüchten für die großen in den USA verkauften Marken. Ein Teil dieser Meeresfrüchte werde unter Sklavereibedingungen gewonnen.

Nestle dementiert Vorwürfe

Männer und Buben aus ärmeren Ländern wie Myanmar und Kambodscha würden an Fischerkapitäne verkauft, heißt es in der Klage. Auf den Booten müssten sie für wenig oder gar kein Geld 20 Stunden am Tag unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Zudem würden sie misshandelt. Die Kanzlei ruft weitere Konsumenten auf, sich der Klage anzuschließen.

Nestle reagierte prompt: „Zwangsarbeit hat keinen Platz in unserer Lieferkette“, schrieb der Konzern in einer Stellungnahme. Die Konzernrichtlinien für Fisch und Meeresfrüchte würden alle Lieferanten verpflichten, die Menschenrechte zu beachten und sich an die Arbeitsgesetze zu halten. Nestle arbeite mit globalen und lokalen Anspruchsgruppen zusammen, um dieses ernste und komplexe Problem anzugehen.

Chronik

Mindestens 35 Tote durch Tropensturm „Erika“ in der Karibik

Auf der Karibikinsel Dominica sind laut Medienberichten mindestens 35 Menschen durch den Wirbelsturm „Erika“ ums Leben gekommen. Allein in der Ortschaft Petite Savanne im Südosten des Landes gab es 27 Opfer nach einer Schlammlawine, wie örtliche Medien gestern berichteten. Die Zahl der Toten könnte weiter steigen. „Erika“ hinterließ eine Spur der Verwüstung in dem Inselstaat in der östlichen Karibik. Laut dem Sender CNN überfluteten Hochwasser Straßen und Dörfer.

Gestern Abend traf „Erika“ in der Dominikanischen Republik erneut auf Land. Zuvor hatten die Behörden eine Sturmwarnung ausgegeben, Schulen wurden geschlossen, Rettungskräfte waren in Alarmbereitschaft. In der Dominikanischen Republik und Haiti, den benachbarten Turks- und Caicosinseln und Teilen der Bahamas wurden Sturzfluten und Erdrutsche erwartet. Am Montag soll „Erika“ auch in Florida an Land treffen.

Polens Vize-Kulturminister glaubt an Fund von Nazi-Zug

Der polnische Vize-Kulturminister Piotr Zuchowski ist sich „zu 99 Prozent“ sicher, dass in Polen ein gepanzerter Zug aus der Nazi-Zeit gefunden wurde. Er habe auf Geo-Radarfotos den über hundert Meter langen und unter Erde vergrabenen Zug gesehen, sagte Zuchowski gestern in Warschau. Er gehe davon aus, dass sich möglicherweise wertvolle Fracht in dem Zug befinde.

In Polen halten sich seit Jahrzehnten hartnäckig Gerüchte um einen verschwundenen Nazi-Zug voller Gold und Schmuck. Vor wenigen Tagen hatten polnische Behörden bestätigt, dass ein Pole und ein Deutscher die Entdeckung eines gepanzerten Nazi-Zugs in der Gegend von Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien gemeldet hätten.

Warnung vor „gefährlichen Gegenständen“

Vize-Kulturminister Zuchowski, der auch Polens oberster Denkmalschützer ist, sagte nun: „Die Tatsache, dass es ein gepanzerter Zug ist, legt nahe, dass es in seinem Inneren Objekte von Wert geben kann.“ In dem Zug könnten „Kostbarkeiten, Kunstwerke, sogar Archive sein, von deren Existenz wir wussten, ohne dass sie gefunden wurden“. In dem Zug könnten aber auch „gefährliche Gegenstände“ sein. Grabungen am Fundort müssten daher von Spezialisten vorgenommen werden, darunter auch Sprengmeister, falls der Zug vermint sei.

Zuchowski hob hervor, es gebe bislang keine „überprüfbaren“ Informationen zur Ladung des Zuges. Die Geschichtsexpertin Joanna Lamparska hatte zuvor der Nachrichtenagentur AFP gesagt, dass die zwei Entdecker des Zuges bei den polnischen Behörden angegeben hätten, in dem Zug befänden sich „Edelmetalle, Wertgegenstände und Industriematerialien“. Zudem habe der Zug Kanonen an Bord gehabt.

Angeblich Kanonen auf Bildern zu sehen

Laut Zuchowski sind auf den Geo-Radarbildern, die die Erde durchdringen können und den Zug sichtbar machen, tatsächlich Kanonen und Aufbauten zu sehen. Die Bilder seien von guter Qualität. Nach seiner Ansicht hatte seit dem Zweiten Weltkrieg „niemand Zugang“ zu dem Zug. Gefunden worden sei der Nazi-Zug nun, weil eine Person „auf dem Sterbebett“ Informationen zum Versteck des Zuges weitergegeben und dazu eine Skizze angefertigt habe.

Die polnischen Behörden halten den genauen Fundort des Zuges bisher geheim. Bekannt ist lediglich, dass er in der Gegend von Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien stehen soll. Dort gibt es eine Reihe unterirdischer Stollen, die die Nazis unter dem Codenamen „Riese“ hatten bauen lassen. Geschützt vor Luftangriffen der Alliierten sollten dort ursprünglich Waffen produziert werden. In der Gegend sollen aber am Ende des Zweiten Weltkriegs auch zwei Sonderzüge der Nazis verschwunden sein.

Den beiden Findern des Zuges stünden zehn Prozent Finderlohn zu, erklärte der Vize-Kulturminister. Sie wollen anonym bleiben.

Radioaktives Wasser in ukrainischem AKW ausgetreten

In einem Atomkraftwerk im Westen der Ukraine ist nach Behördenangaben radioaktives Wasser ausgetreten. Das Leck am für Reparaturarbeiten abgeschalteten Reaktor Nummer 1 im Kraftwerk von Chmelnizki, 275 Kilometer westlich von Kiew, sei gestern am frühen Morgen aufgetreten, erklärte das staatliche Unternehmen Energoatom.

Das Kühlwasser sei aufgefangen worden, sagte ein Sprecher des Kraftwerks. In der Umgebung sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Der Vorfall wurde auf die niedrigste Stufe der internationalen Skala für atomare Zwischenfälle eingestuft.

In der Ukraine ereignete sich im April 1986 die bisher schlimmste Atomkatastrophe, als ein Reaktor des Atomkraftwerks von Tschernobyl explodierte. Mehr als sechs Tage dauerte es, bis die brennende Ruine gelöscht war. Weite Regionen in Europa und in der damaligen Sowjetunion wurden verstrahlt.

Raketenreste stürzen auf Dorf in China

Nach dem Start eines Satelliten ins Weltall sind in China Reste der Trägerrakete auf ein Dorf gestürzt. Dabei sei das Haus eines Einwohners massiv beschädigt worden, berichteten die Polizei und mehrere örtliche Medien. Der Zwischenfall habe sich kurz nach dem Start ereignet, die Raketenteile seien mit einem lauten Knall auf die Erde gekracht.

Großes Loch im Dach

Der Vorfall ereignete sich in der nordchinesischen Provinz Shaanxi. Im Internet waren Fotos von einem Mann zu sehen, der neben einem Trümmerteil steht. Dieses ist genau so groß wie er selbst, offenbar handelt es sich um eine Raketendüse. Im Hintergrund sind eine zerstörte Mauer und Trümmerhaufen zu sehen. Ein anderes Foto zeigte ein großes Loch in einem Dach.

Der Einschlag in dem Dorf ereignete sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua neun Minuten nach dem Start einer Trägerrakete von der Nachbarprovinz Shanxi. Diese brachte einen Satelliten ins All, der unter anderem zur Landvermessung und Katastrophenvorbeugung genutzt werden soll.

Religion

Kroatischer Bischof will Referendum über Faschistengruß

Der Vorsitzende der kroatischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Zadar, Zelimir Puljic, hat ein Referendum über den Gruß der Faschisten im Zweiten Weltkrieg vorgeschlagen. Über die Wiedereinführung des Grußes „Fürs Vaterland bereit“ innerhalb der Armee des NATO- und EU-Landes solle in einer Volksabstimmung entschieden werden, schlug das geistliche Oberhaupt gestern vor.

Der Gruß war von den mit Hitler-Deutschland verbündeten kroatischen Ustascha-Faschisten genutzt worden und ist seitdem verboten. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hatte in dieser Woche die Initiative einer Gruppe von konservativen Politikern zur Wiedereinführung des faschistischen Grußes in der Armee abgelehnt. Bei Fußballspielen etwa wird er von Hooligans immer wieder skandiert. Internationale Sportverbände verhängten dafür zum Teil drastische Strafen.

IT

Chef von Ashley Madison nimmt nach Hack den Hut

Nach dem verheerenden Hackerangriff auf das Seitensprungportal Ashley Madison ist der unter Kritik geratene Firmenchef Noel Biderman zurückgetreten. Im Internet waren neben den Daten von Millionen Nutzern auch interne E-Mails veröffentlicht worden, die Biderman ins Zwielicht rückten.

Die E-Mails legten laut Medienberichten nahe, dass Biderman eine breit angelegte Erstellung gefälschter Frauenprofile unterstützt habe, mit denen Männer dann kostenpflichtige Nachrichten austauschten. Die Betreiberfirma Avid Life Media werde nach Bidermans Abgang zunächst vom restlichen Topmanagement weitergeführt, hieß es gestern. Das Flirtportal werde weiterhin weltweit online bleiben.

Die Betreiber von Ashley Madison waren nach dem Hackerangriff unter Druck geraten. Das Unternehmen bot auch die Option an, für 19 Dollar alle Daten löschen zu lassen. Die von Hackern veröffentlichten Profile zeigten jedoch, dass auch danach noch Informationen auf den Servern blieben. Biderman hatte in den vergangenen Jahren immer wieder versichert, Ashley Madison biete Mitgliedern volle Diskretion. Nach Veröffentlichung der Informationen zogen mehrere von ihnen vor Gericht.

Science

Lifestyle

Neuer Luftgitarren-Weltmeister kommt aus Russland

Kereel „Your Daddy“ Blumenkrants (24) ist neuer Luftgitarren-Weltmeister. Zum ersten Mal hat damit ein Russe den Kult-Wettbewerb für sich entschieden. „Kereel hatte heute Abend mehr Energie auf der Bühne als jeder andere“, sagte Jury-Mitglied Eric „Mean“ Melin, Weltmeister von 2013, der Deutschen Presse-Agentur nach der Entscheidung in der Nacht auf heute.

In mehreren Runden setzte sich der Russe im Finale gegen 15 Mitbewerber durch. „In der dritten Runde ist Kereel einfach explodiert“, sagte Melin. Mit seiner Interpretation des Songs „Electric Butt“ von der finnischen Band Wedding Crashers ließ er die internationale Konkurrenz hinter sich.

Fahrradtrends: Der E-Motor wird unsichtbar

E-Bikes haben längst ihr „unsportliches“ Image abgelegt - das beweist der rasant steigende Absatz. Und der Boom ist ungebrochen, wie die vielen E-Bike-Neuvorstellungen auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike zeigen.

Vor allem ist aber auch ihr Einsatz mittlerweile breiter - während der Elektroantrieb bei Trekking- und City-Fahrrädern schon lange den Siegeszug angetreten hat, lassen sich nun immer mehr Mountainbiker auf Offroad-Touren elektrisch unterstützen. Und weil sich das manch sportliche Radler vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick anmerken lassen möchte, lassen Hersteller die Motoren und Akkus immer unsichtbarer werden.

Mehr dazu in Immer kleiner, immer besser versteckt

Kultur

Steve Carell statt Bruce Willis in Woody-Allen-Film

Nach dem Absprung von Action-Star Bruce Willis (60) von dem nächsten Woody-Allen-Film steht ein Comedy-Star als Nachfolger bereit. Wie das Filmportal „Deadline.com“ gestern berichtete, wird Steve Carell (53, „Jungfrau (40), männlich, sucht .“) in dem noch titellosen Streifen mitspielen.

Die Dreharbeiten in Los Angeles und New York sind bereits angelaufen. Willis hatte die Rolle nach Angaben seines Sprechers wegen Terminkonflikten absagen müssen. Er steckt in den Vorbereitungen für sein Broadway-Debüt in der Adaption des Stephen-King-Romans „Misery“.

Regisseur Woody Allen (79) holt auch Parker Posey, Kristen Stewart, Blake Lively und Jesse Eisenberg vor die Kamera. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt. Carell spielte schon 2004 in Allens „Melinda und Melinda“ mit.

„Märchen der Märchen“: Deftige Kost in barockem Gewand

Ein lüsterner König, ein Floh in der Größe eines Bären und ein Fruchtbarkeitsritual mit Eingeweiden: Die Märchen des frühen Barock waren alles andere als kindgerecht.

Der Kinofilm „Das Märchen der Märchen“ erzählt drei dieser Geschichten und verzichtet dabei auf die übliche Extraportion Kitsch. Stattdessen zeigt der italienische Regisseur Matteo Garrone eine deftige Fantasiewelt, die sich stets zwischen schön und scheußlich bewegt.

Mehr dazu in Seeungeheuer zum Frühstück

Iran will Barenboim-Auftritt nicht zulassen

Der Iran will einen geplanten Auftritt des israelisch-argentinischen Stardirigenten Daniel Barenboim in Teheran nicht zulassen. „Der Iran erkennt das zionistische Regime (Israel) nicht an und wird auch nicht mit Künstlern dieses Regimes zusammenarbeiten“, sagte ein Sprecher des iranischen Kultusministeriums gestern.

Barenboim plante mit der Berliner Staatskapelle ein Konzert in Teheran. Der iranische Ministeriumssprecher Hussein Nuschabadi sagte, sobald das Ministerium erfahren habe, dass der Dirigent des geplanten Konzerts ein israelischer Staatsbürger sei, sei das Konzert vom Minister selbst abgesagt worden.

Zuvor hatte Israel Protest gegen die Konzertpläne angekündigt. Barenboim kritisierte immer wieder die israelische Siedlungspolitik und die Haltung der verschiedenen Regierungen gegenüber den Palästinensern.

Leute

Kalifornien: Strafe für Promis wegen Wasserverbrauch

Zu hoher Wasserverbrauch im dürregeplagten Kalifornien hat prominenten Anwohnern Geldstrafen eingebracht. Wie der „Hollywood Reporter“ gestern berichtete, sollen unter anderem TV-Sternchen Kylie Jenner (18) und der Rapper Tyga (25) als Wasserverschwender aufgefallen sein.

Der Wasserbezirk Las Virgenes, der die Promi-Wohnorte Calabasas und Hidden Hill umfasst, kann beim ersten Verstoß gegen die Auflagen eine Strafe von 100 Dollar verhängen, beim vierten Verstoß sind es schon 500 Dollar, berichtet das Branchenblatt. Anwohner dürfen in dem Bezirk nur zwei Mal pro Woche für 15 Minuten ihre Gärten bewässern.

Auch Hasselhoff gesteht „Versehen“

Dem Sender NBC4 zufolge ist auch Schauspieler David Hasselhoff (63) von der Behörde belangt worden. Sein Sprecher erklärte dem Sender, Hasselhoff habe versehentlich am falschen Tag bewässert, die Angelegenheit sei in Ordnung gebracht worden.

Wie der Leiter des Wasserbezirks, Dave Pedersen, dem Sender mitteilte, hat sich die Behörde speziell an Stars in dem Bezirk gewandt. „Ich habe persönlich Briefe geschrieben mit der Bitte, Wasser zu sparen.“ Kalifornien leidet seit Jahren unter einer schweren Dürre, der Staat schreibt neuerdings Wassereinsparungen vor.