Ausland

Putin zum Weltkriegsgedenken in Slowenien

Mitten in der Eiszeit zwischen dem Westen und Russland besucht Kremlchef Wladimir Putin heute Slowenien. In dem EU- und NATO-Land nimmt er an der Gedenkfeier für 300 russische Kriegsgefangene teil, die vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg am slowenischen Vrsic-Pass von einer Lawine getötet worden waren.

Daneben will der russische Präsident auf dem Zentralfriedhof von Ljubljana ein neues Soldatendenkmal einweihen. Slowenische Medien hofften im Vorfeld der Visite auf einen symbolischen Schritt in Richtung Aufhebung der EU-Handelssanktionen gegen Russland wegen der Krim-Annexion. Das größte Land der Erde ist der wichtigste slowenische Handelspartner außerhalb der EU.

Der kurze Besuch, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, wird wegen Straßensperren erhebliche Verkehrsstörungen auch in Österreich verursachen.

Brasilianische Justiz leitet Verfahren gegen Lula ein

Brasiliens früherer Präsident Luiz Inacio Lula da Silva muss sich wegen Behinderung der Justiz vor Gericht verantworten. Dem linken Politiker werde vorgeworfen, die Ermittlungen zur Korruptionsaffäre um den staatlichen Ölkonzern Petrobras behindert zu haben, sagte ein Sprecher des Justizministeriums gestern.

Der Skandal um den Ölkonzern erschüttert die brasilianische Politik seit Jahren. Neben Lulas Arbeiterpartei sind auch diverse andere Parteien verwickelt.

Justiz blockierte Ernennung zum Stabschef

Gegen Lula wird unter anderem wegen des Verdachts auf Begünstigung durch einen Baukonzern ermittelt. Als Präsidentin Dilma Rousseff im März ihren langjährigen Freund und Mentor als Stabschef der Regierung ernannte, wurde das von der Justiz blockiert, da der Posten ihm Immunität und damit Schutz vor einem drohenden Korruptionsverfahren verschafft hätte. Inzwischen wurde Rousseff selbst im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens als Präsidentin suspendiert und durch ihren Vize Michel Temer abgelöst.

In die Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras sind Geschäftsleute und Politiker verschiedener Parteien verwickelt. Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Petrobras wiederum zahlte ebenfalls Bestechungsgeld an Politiker. Allein Lulas Arbeiterpartei soll bis zu 200 Millionen Dollar erhalten haben.

Mehr als 3.400 Flüchtlinge im Mittelmeer geborgen

Internationale Einsatzkräfte haben innerhalb nur eines Tages mehr als 3.400 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer geborgen. Insgesamt mussten die Retter zu 34 Einsätzen ausrücken, wie die italienische Küstenwache gestern Abend mitteilte. Die Geretteten waren mit 28 Schlauchbooten und sechs weiteren kleinen Booten auf dem Weg über das Mittelmeer in Richtung Italien, als sie in Seenot gerieten.

Auch die privaten deutschen Rettungsmissionen „Sea Watch“, „Sea Eye“ und „Jugend Rettet“ waren nach Angaben der Küstenwache an den Einsätzen beteiligt. Auch englische und irische Marineschiffe brachten einige der Menschen in Sicherheit.

Eine Million Binnenflüchtlinge im Irak befürchtet

Angesichts heftiger Gefechte im Irak befürchtet das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, dass in dem Land in den kommenden Wochen bis zu eine Million Menschen vor Gewalt fliehen müssen. „Die Situation ist unvorhersehbar, und wir müssen uns für das Schlimmste wappnen“, erklärte Regionaldirektor Robert Mardini. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich insbesondere die Kämpfe in der Region um Mossul verschärften.

Mardini sagte, schon jetzt seien im Irak rund zehn Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Mehr als drei Millionen seien im Land vertrieben worden. Das Rote Kreuz bat angesichts der heiklen Lage um zusätzliche Spenden von gut 15 Millionen Euro.

Polizei in Eriwan löst Demo auf - 50 Festnahmen

Die Polizei in der armenischen Hauptstadt Eriwan hat gestern Abend eine Kundgebung von Oppositionellen gewaltsam aufgelöst und etwa 50 Menschen festgenommen. Die Demonstranten bekundeten ihre Solidarität mit einer Gruppe bewaffneter Regierungsgegner, die seit dem 17. Juli eine Polizeistation besetzt halten.

Dabei haben die Besetzer einen Polizisten getötet und vier Menschen verletzt. Sie halten ein Notarztteam als Geiseln fest. Politisch fordern sie die Freilassung eines inhaftierten Oppositionellen und den Rücktritt des Präsidenten der Südkaukasusrepublik, Sersch Sargsjan.

Sicherheitskräfte der Ex-Sowjetrepublik belagern die Polizeistation. Gestern gab es mehrere Schusswechsel, bei denen nach Angaben von Medizinern mindestens zwei Besetzer verletzt wurden.

Video von Rouen-Attentäter zu Hause - Mann angeklagt

Die französische Justiz hat ein Anklageverfahren gegen einen 19-Jährigen eröffnet, bei dem im Vorfeld des Anschlags auf die Kirche in Rouen ein Video mit einem der Attentäter gefunden worden war. Dem Mann werde Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP gestern unter Berufung auf Justizkreise.

Festnahme bereits am Montag

Der 19-Jährige war bereits am Montag im Zuge einer Untersuchung festgenommen worden. Auf einem Handy in seiner Wohnung war ein Video gefunden worden, auf dem sich Abdel-Malik Petitjean zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannte. Petitjean und ein weiterer Islamist - Adel Kermiche - hatten am Dienstag in einer Kirche bei Rouen Geiseln genommen und ermordeten den 85 Jahre alten Priester Jacques Hamel.

Im Zuge der Ermittlungen nach dem Anschlag gab es mehrere Festnahmen. Drei Personen saßen am Freitag noch zur weiteren Vernehmung in Polizeigewahrsam.

US-Demokraten Opfer eines weiteren Hackerangriffs

Die US-Demokraten sind Opfer eines weiteren Hackerangriffs geworden. Auch auf das Wahlkampfkomitee DCCC habe es eine Cyberattacke gegeben, berichtete eine Sprecherin gestern. Der Vorfall werde untersucht. Er weise Ähnlichkeiten zu dem Angriff auf den Parteivorstand auf, bei dem sich Hacker Zugriff zu fast 20.000 E-Mails verschafft hatten.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte die Mails vor einer Woche veröffentlicht. Die E-Mails legten parteiinterne Störmanöver gegen Hillary Clintons Rivalen Bernie Sanders offen. Das sorgte für einen Skandal, der am Montag schließlich zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz führte.

Clintons Wahlkampfteam und IT-Experten machten Russland für die Veröffentlichung verantwortlich. Moskau wies das zurück. Das FBI ermittelt in beiden Fällen. Das DCCC unterstützt demokratische Politiker, die sich um einen Sitz im Repräsentantenhaus bewerben, im Wahlkampf.

Geburtsklinik im Westen Syriens bombardiert

Eine stark frequentierte Geburtsklinik im Westen Syriens ist gestern von Bomben getroffen und schwer beschädigt worden. Das teilte die Hilfsorganisation Save the Children mit, die das Krankenhaus in Kafar Tacharim in der Provinz Idlib unterstützt. Es habe mehrere „Opfer“ gegeben, erklärte die Organisation, ohne jedoch nähere Angaben zu machen.

Bombardierte Geburtsklinik im Westen Syriens

APA/AFP/Save The Children

300 Geburten pro Monat

Unklar blieb, ob der Angriff von syrischen oder von russischen Kampfjets ausging. Bisher verzeichnete die Klinik in Kafar Tacharim laut Save the Children im Schnitt 300 Geburten pro Monat.

Nach Informationen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in England war das Krankenhaus nach dem Angriff „praktisch nicht mehr betriebsfähig“. Die Beobachtungsstelle sprach von mehreren Verletzten.

Inland

„Bin ruiniert“: Grasser kritisiert Staatsanwaltschaft

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) ist sich bei der Privatisierung der Bundeswohnungen und beim Linzer Terminal Tower keiner Schuld bewusst und wehrt sich gegen die Anklage wegen Korruptionsverdachts. „Die Staatsanwaltschaft hat schlecht gearbeitet, denn es gibt in dieser Anklage bezeichnenderweise weder einen Zeugen noch einen Beweis“, sagte Grasser zur „Kronen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe).

Der Ex-Finanzminister (2000 bis 2007) sieht sein späteres privatwirtschaftliches Berufsleben durch die siebenjährigen Ermittlungen stark beeinträchtigt: „Mein gesamtes wirtschaftliches System ist zusammengebrochen, ich bin ruiniert.“

Er habe „immer wieder versucht, irgendetwas aufzubauen, und es ist ein kleines Pflänzchen gewachsen - und dann sind halt die nächsten Schlagzeilen gekommen und die nächsten Einvernahmen und Beschuldigungen, und das Pflänzchen war wieder weg“. Von seinen Ersparnissen sei „ein bisschen noch übrig“, aber das hänge davon ab, wie das Steuerverfahren ausgehe.

Anklageschrift für Grasser „ein Kriminalroman“

„Da entsteht der Eindruck, dass sieben Jahre lang negative Energie in dieses Verfahren gesteckt wurde mit der Zielsetzung, mir etwas anzuhängen“, so der ehemalige Finanzminister in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zur Anklageentscheidung vergangene Woche.

Die Anklage sei bis zur Seite 390 von 825 Seiten „ein Kriminalroman“, den Rest habe er noch nicht lesen können. „Alle strafrechtlichen Vorwürfe gegen mich sind falsch. Da wird etwas konstruiert, was mit viel Phantasie eine theoretische Möglichkeit ist, mit der Wahrheit aber nichts zu tun hat“, kritisierte Grasser die Anklageschrift.

Kein kategorisches „Njet“ von Kern zu Studiengebühren

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat das Ansinnen von ÖVP-Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner, über Studiengebühren zu sprechen, gestern in Innsbruck nicht kategorisch vom Tisch gewischt.

Es gebe zwar keine sozialdemokratische Unterstützung dafür, betonte der SPÖ-Chef: „Ich bin aber auch der Meinung, dass man keine Tabus haben sollte und Dinge diskutieren muss.“ Der ÖVP-Chef hatte in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ (Freitag-Ausgabe) erklärt, dass er sich vorstellen kann, „dass die jetzt handelnden Personen“ in der SPÖ dem Thema einen anderen Stellenwert einräumen.

„Bin ein Produkt der Kreisky’schen Bildungspolitik“

Kern wollte dem Vizekanzler diesbezüglich kein „Njet“ ausrichten. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass der „Umstand, dass es keine Studiengebühren gibt, gut ist“. Er verstehe aber das Anliegen - umgekehrt: „Der Vizekanzler ist bei der Wertschöpfungsabgabe der Meinung, das braucht er nicht. Ich bin der Meinung, das brauchen wir schon“, so Kern.

„Ich bin ein Produkt der Kreisky’schen Bildungspolitik“, betonte der SPÖ-Chef am Rande seines Besuchs in Tirol. Dass es damals keine Studiengebühren gegeben habe, habe einen großen Beitrag geleistet. Gleichzeitig räumte der SPÖ-Chef ein, dass der Unibetrieb vor großen Herausforderungen stehe. Diese muss man sich konkret anschauen, evaluieren und Lösungen diskutieren.

„Dass es in einer Koalition Auseinandersetzung gibt, ist logisch“, so der Bundeskanzler, angesprochen auf das Koalitionsklima. Was gelte, sei das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit. Und mit dem zeigte sich Kern zufrieden. Die Schnittmenge für gemeinsame Themen mit der ÖVP bezeichnete der Bundeskanzler „als groß genug“, um bis zum Ende der Legislaturperiode zusammenzuarbeiten.

Arbeitskonflikt: Wiener Spitalsärzte gehen auf Barrikaden

„Überfallsartig“ habe der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) die Streichung von 40 Nachtdiensten und die Umstellung auf mehr 12,5-Stunden-Dienste für seine Spitalsärzte beschlossen: Das kritisiert Ärztekammer-Wien-Präsident Thomas Szekeres. Daher befragt die Ärztekammer erneut die Ärzte zu ihrer Streikbereitschaft. Die Fronten sind verhärtet. Für den KAV sind die Vorwürfe seitens der Ärztekammer ein „gröberes Missverständnis“.

Mehr dazu in KAV spricht von Falschmeldungen

Wirtschaft

Rumänien: Stellvertretender Notenbankchef festgenommen

Wegen Korruptionsverdacht haben die Behörden in Rumänien den stellvertretenden Zentralbankchef in Gewahrsam genommen. Bogdan Olteanu werde vorgeworfen, im Jahr 2008 eine Million Euro zur Beeinflussung der Regierung angenommen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit. Olteanus Anwalt sagte, sein Mandat weise jegliches Fehlverhalten zurück.

Der Beschuldigte werde jedoch am Montag seinen Rücktritt bekanntgeben. Olteanu ist seit 2009 Mitglied im neunköpfigen Zentralbankrat. Von 2006 bis 2008 war er Präsident der Abgeordnetenkammer. Rumänien zählt zu den korruptesten EU-Mitgliedsländern. Brüssel hat das Justizsystem des osteuropäischen Staates unter besondere Beobachtung gestellt.

Sport

Erste Liga: LASK siegt in hitzigem Derby

Der LASK hat heute Abend zum Abschluss der zweiten Runde der Ersten Liga das Linzer Derby gegen Blau Weiß gewonnen. Verteidiger Felix Luckeneder fixierte mit einem Doppelpack den Sieg im Prestigeduell.

Der LASK war im Paschinger Waldstadion über weite Strecken die klar dominierende Mannschaft. Dennoch war die Partie knapp, weil auch Blau Weiß in dem hitzigen Duell zu guten Chancen kam, sogar einen Elfmeter vergab und in der Schlussphase den Anschlusstreffer erzielte.

Mehr dazu in sport.ORF.at

ÖFB: Verband arbeitet EM-Pleite auf

Vor 37 Tagen verabschiedete sich das Nationalteam mit dem 1:2 gegen Island vorzeitig von der EM-Endrunde 2016 in Frankreich. Es war der passende Schlusspunkt eines verkorksten Turniers.

Nun präsentierte die ÖFB-Spitze rund um Teamchef Marcel Koller, Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner das Ergebnis ihrer Analyse. Das Fazit: Die in Sachen EM unerfahrene Mannschaft war der Erwartungshaltung nicht gewachsen. Dazu seien manche Spieler nicht in bester Verfassung gewesen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Religion

Chronik

IT

Erfolge für Europol bei Jagd auf „meistgesuchte Verbrecher“

Die europäische Polizeibehörde Europol hat dank einer neuen Internetplattform wichtige Erfolge bei der Jagd auf die „meistgesuchten Verbrecher“ Europas verzeichnet. Bei „mindestens acht Festnahmen“ habe es einen „direkten“ Zusammenhang zwischen der Lokalisierung der Verdächtigen und der neuen Website www.eumostwanted.eu gegeben, teilte Europol gestern mit.

14 Gesuchte, deren Fotos und Lebensläufe seit Jahresbeginn auf die Website gestellt wurden, seien inzwischen hinter Gittern. Die Website wurde den Angaben zufolge millionenfach angeklickt. Zu den Fahndungserfolgen zählte die Festnahme des 64-jährigen rumänischen „Yoga-Lehrers und geistigen Mentors“ Gregorian Bivolaru in Paris.

Er soll nach Rumänien ausgeliefert werden, wo ihm ein Prozess wegen Kindesmissbrauchs und Kinderpornografie bevorsteht. Auch der 46-jährige italienische Mafioso Ernesto Fazzalari wurde im Juni festgesetzt. Er soll sich wegen Mordes verantworten.

Aus Österreich Tibor Foco und Hime Lufaj auf Liste

Eine Europol-Sprecherin sagte, viele der Festgenommenen seien in anderen Ländern Europas gefasst worden als jenen, aus denen sie selber stammten. Das zeige den Nutzen der Kooperation. Festgenommen wurden auch der Paris-Attentäter Salah Abdeslam und der Terrorverdächtige Mohamed Abrini - in diesen Fällen bestand aber kein direkter Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung der Steckbriefe auf der Website und dem Fahndungserfolg.

Jede nationale Polizeibehörde von Europol kann jeweils zwei Gesuchte auf die „Most Wanted“-Liste stellen. Aus Österreich sind der seit mehr als 20 Jahren auf der Flucht befindliche Tibor Foco und Hime Lufaj, dem der versuchte Mord an einem Polizisten zur Last gelegt wird, aufgelistet.

Gegenwärtig sind dort auch zwei Frauen zu finden - die 29-jährige Zyprerin Efi Irodotou, die wegen Mordes gesucht wird, und die 30-jährige Finnin Cecilia Kettunen, der schwerer Betrug zur Last gelegt wird.

Science

Medien

Acht Bewerber für ORF-Generaldirektor

Insgesamt acht Personen haben sich um das Amt des ORF-Generaldirektors beworben. Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF-Finanzdirektor Richard Grasl gelten weiter als aussichtsreichste Kandidaten aus dem Bewerberfeld. Weitere Bewerber sind weitgehend unbekannt, es handelt sich um Georg Anton, David Küblböck, Karl Maihoroff und Günter Ofner.

Zusätzlich gab es zwei „vertrauliche Bewerbungen“. Nach dem Ende der Ausschreibungsfrist können ORF-Stiftungsräte noch bis Montagmittag Nachnominierungen einreichen. Die Wahl findet am 9. August statt, am Tag davor gibt es eine von ORF III übertragene öffentliche Präsentation mit allen Bewerbern.

Grasl will ZIBs verlängern

Bekannt sind die Eckpunkte der Präsentationen von Grasl und Wrabetz. Grasl möchte im Falle seiner Bestellung zum ORF-Generaldirektor die Fernsehinformation ausbauen. Er will die Zeit im Bild um 19.30 Uhr um fünf Minuten verlängern, rund um die ZIB2 ein fünfminütiges Regionalnachrichtenformat etablieren, neue Magazin- und Talk-Formate starten und einen digitalen 24-Stunden-ZIB-Kanal einrichten.

Auch ein neues großes Show-Event wie „Dancing Stars“ soll unter Grasl entwickelt werden. ORF eins soll eine weitere fixe Comedy-Leiste nach dem Vorbild der ZDF-„heute show“ bekommen. Daneben plant Grasl eine Talente- und Crowdfunding-Show. Zentraler Punkt in seinen Programmplänen: „Ich möchte die scharfe Trennung zwischen ORF2 und ORF eins aufweichen.“ Derzeit laufe viel qualitatives Programm in ORF2 erst in der Nacht. Teile davon könnte man in Zonen mit niedrigen Quoten in ORF eins senden und so die Seherzahlen steigern.

Neuorientierung der Radioflotte und Digitaldirektion

Auch über eine „Neuorientierung unserer Radioflotte“ will Grasl nachdenken. Finanzieren will der Kaufmännische Direktor seine Programmvorhaben durch Einsparungen in den Produktionsmethoden, Budgetumschichtungen und Synergien. In einer Digitaldirektion sollen laut Grasl die Onlineagenden, Start-ups und das Plattformmanagement gebündelt werden. Auch eine Integration der ORF.at-Tochtergesellschaft in den ORF sei denkbar.

Wrabetz will Social Media stärken

Wrabetz will den ORF in der nächsten Geschäftsführungsperiode zum Digital- und Social-Media-Haus weiterentwickeln. „Kern ist die Digitalstrategie. Die nächsten fünf Jahre entscheiden darüber, ob der ORF seine Leitmedienfunktion auch im digitalen Bereich, insbesondere im Social-Media-Bereich, halten kann“, sagte Wrabetz der APA.

Wrabetz plant im Falle seiner Wiederwahl die Installierung eines Chief Digital Officer in der Generaldirektion, quasi eine Art Onlinedirektor ohne Direktion. Dieser soll sich um die Onlinestrategie, neue Medien, Business-Development sowie die Entwicklung neuer digitaler und mobiler Kanäle sowie App-Angebote kümmern.

Neue Formate geplant

Für ORF eins plant der Generaldirektor eine Neupositionierung. US-amerikanische Kaufware soll reduziert, das Österreich-Programm ausgebaut werden. Zugleich sieht Wrabetz’ Konzept eine Stärkung der Infosäule von ORF eins vor. Mit ORF-eins-to-go soll zugleich ein non-lineares Angebot für die Mobile- und Social-Media-Nutzung entstehen.

In ORF Sport + würde Wrabetz gerne mehr Premiumsport zeigen. Die Bereiche Information und Unterhaltung sollen laut Wrabetz generell ausgebaut werden: Neue Diskussions- und Talk-Formate, die Erweiterung des Korrespondentennetzes nach Afrika sowie neue Comedy- und Satire-Entwicklungen werden im Konzept als Beispiele angeführt. Das Konzept beinhaltet insgesamt 62 neue Programmideen.

Ö1 soll mittels Relaunch weiterentwickelt werden. Strategisch will Wrabetz dem ORF eine Channel-Struktur verpassen. Neben Ö3, FM4 und ORF III sollen auch ORF eins, ORF2 und Ö1 eigene Channel-Manager bekommen.

Kultur

Harry-Potter-Bühnenstück feiert Premiere in London

Das neue Theaterstück über den Roman- und Filmhelden Harry Potter, „Harry Potter and the Cursed Child“ („Harry Potter und das verwunschene Kind“) feiert heute in London Premiere.

Zu der Matinee des zweiteiligen Bühnenwerks wird auch die Autorin J. K. Rowling im Londoner Palace Theatre erwartet. Das Stück schließt an die bisherigen sieben Potter-Romane an.

Harry Potters Sohn richtet Unheil an

Im Mittelpunkt steht inzwischen die nächste Generation: Harry Potters jüngster Sohn Albus Severus und sein bester Freund Scorpius Malfoy richten mit einer Zeitmaschine Unheil an.

Britische Zeitungen feierten das Bühnenwerk, das bereits seit Anfang Juni in Previews gezeigt wird, durchgehend als gelungen. In der Nacht von heute auf morgen wird das Theaterskript als Buch veröffentlicht. Deutschsprachige Potter-Fans müssen noch bis zum 24. September auf eine übersetzte Version warten.

Porträt von Elizabeth I. für über zwölf Mio. Euro versteigert

Ein berühmtes Porträt der englischen Königin Elizabeth I. ist für umgerechnet mehr als zwölf Millionen Euro versteigert worden - und bleibt dank mehr als 8.000 Spendern in Großbritannien. Wie das Auktionshaus Christie’s gestern mitteilte, ging das sogenannte „Armada Portrait“ eines unbekannten Meisters an die Royal Museums Greenwich, einen Zusammenschluss von vier Londoner Museen.

Portät von Queen Elizabeth I.

APA/AFP/Justin Tallis

Das lebensgroße Gemälde der Königin stammt von einem unbekannten Meister und dürfte etwa 1590 entstanden sein. Das „Armada Portrait“ soll künftig im Haus der Königin in Greenwich im Südosten Londons ausgestellt werden. Das Gemälde zählte über die Jahrhunderte zum Familienbesitz der Nachfahren von Sir Francis Drake.

Insgesamt drei Gemälde

Der Seefahrer Drake war 1588 maßgeblich am englischen Sieg gegen die spanische Kriegsflotte Armada beteiligt. Die Stiftung Art Fund hatte das nötige Geld gesammelt, um das Bild erwerben zu können, und damit dafür zu sorgen, dass es weiter in Großbritannien der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Von dem Motiv gibt es insgesamt drei Gemälde - eines hängt in der Londoner Portrait Gallery, ein weiteres in der Woburn-Abtei im südostenglischen Befordshire. Das nun versteigerte „Armada Portrait“ ist ein querformatiges Ölbild. Die Darstellung der sitzenden Tudor-Königin mit der Niederlage der Armada im Hintergrund prägte das Bild von Elizabeth I. über die Jahrhunderte.

One Drop Festival in Wiesen wird abgesagt

Die schlechten Nachrichten für Wiesen-Fans reißen im 40-Jahr-Jubiläum nicht ab: Nachdem bereits im Juni das Jazz Fest mangels verkaufter Tickets abgesagt werden musste, teilte Veranstalter Arcadia Live gestern mit, dass auch die Reggae-Veranstaltung „One Drop Festival“ entfällt. Nach reiflichen Überlegungen und schweren Herzens sehe man sich zu dem Schritt gezwungen.

Zu wenige Karten verkauft

Auch für das One Drop Festival, das am 26. und 27. August über die Bühne hätte gehen sollen, sei es „trotz enormen Energieaufwands und viel Leidenschaft für dieses Projekt nicht gelungen, das Feuer für das One Drop Festival auch bei unseren potenziellen BesucherInnen zu entfachen“.

Konkret wurden auch für die Veranstaltung mit Headlinern wie Bassrunner, Baba und Illbilly Hitec zu wenige Karten verkauft. Bereits gekaufte Tickets für das One Drop Festival werden an den Vorverkaufsstellen, wo sie erworben wurden, zum vollen Preis rückerstattet.

Panorama

Tiger Jai in Indien verzweifelt gesucht

Der westindische Bundesstaat Maharashtra hat eine großangelegte Fahndung nach einem seit drei Monaten vermissten beliebten Tiger eingeleitet. Ziel war, das sieben Jahre alte Tier namens Jai pünktlich zum internationalen Tag des Tigers gestern wiederzufinden, doch die Hoffnung zerschlug sich.

Tiger Jai

APA/AFP

„Wir wissen nicht einmal, ob er sich in den tiefen Wald zurückgezogen hat oder auf der Suche nach einer neuen Partnerin ist“, sagte der an der Suche beteiligte Experte M. S. Reddy. Jai ist der Liebling von Millionen Indern, seit er vor drei Jahren auf der Suche nach einer neuen Partnerin meilenweit durch Dörfer, Flüsse und über gefährliche Straßen gewandert war.

Regierung bot Belohnung für Informationen

Zuletzt wurde das 250 Kilogramm schwere Tier am 18. April im Reservat Umred Karhandla gesehen, wo es normalerweise lebt. Kurze Zeit später endete der Empfang seines elektronischen Halsbands.

Die Regierung von Maharashtra bot eine Belohnung von umgerechnet über 670 Euro für Informationen über den Verbleib des berühmten Tigers. Bewohner des Bezirks, in dem Umred Karhandla liegt, hielten eine Gebetszeremonie für das glückliche Ende der Suche ab.

Jai kurbelte Tourismus an

Zeitungen in ganz Indien spekulieren täglich über Jais Schicksal, doch alle Berichte über angebliche Sichtungen stellten sich als falsch heraus. Jai hat nicht nur geholfen, den Tourismus in Maharashtra massiv anzukurbeln. Nach Angaben des Artenschützers Rohit Karoo sorgte er zudem fleißig für Nachwuchs für die vom Aussterben bedrohten Großkatzen. „Er hat über 20 Nachkommen gezeugt“, sagte Karoo.

Der Tod eines „derart majestätischen Tigers wäre ein gewaltiger Verlust für Indien“, fügte er hinzu. Auf dem Subkontinent leben rund 2.200 Tiger, 70 Prozent der gesamten Tigerpopulation weltweit.