Ausland

Lieberman lehnt Eintritt in Netanjahus Regierung ab

Der ultrarechte israelische Politiker Avigdor Lieberman hat heute einen Eintritt in die neue Regierung des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu abgelehnt. Der Vorsitzende der Partei Israel Beitenu legte auch das Amt des amtierenden Außenministers nieder, das er noch bis zur Regierungsbildung ausfüllen sollte.

Lieberman begründete seinen Schritt unter anderem damit, dass Netanjahu nach seinen Informationen eine große Koalition mit dem Mitte-links-Bündnis anstrebe. Der Vorsitzende des Zionistischen Lagers, Jizchak Herzog, lehnt das allerdings bisher strikt ab.

Hauchdünne Mehrheit

Liebermans überraschender Schritt bedeutet, dass Netanjahu zunächst voraussichtlich nur eine schmale rechts-religiöse Koalition mit einer hauchdünnen Mehrheit von 61 von insgesamt 120 Sitzen im Parlament bilden kann. Lieberman galt in der Vergangenheit als Verbündeter Netanjahus, hat ihn allerdings wegen seines angeblich zu zögerlichen Vorgehens im jüngsten Gaza-Krieg scharf kritisiert.

Bisher hat Netanjahus Likud mit zwei Parteien Vereinbarungen unterzeichnet - der Mitte-rechts-Partei Kulanu, die mit zehn von 120 Mandaten im Parlament voraussichtlich der größte Koalitionspartner wird, sowie dem strengreligiösen Vereinigten Tora-Judentum (sechs Sitze).

Netanjahus rechtsorientierter Likud war bei der Wahl am 17. März mit 30 Sitzen stärkste Kraft in der Knesset geworden. Eine Frist zur Regierungsbildung läuft am Mittwoch um Mitternacht ab.

214 Frauen nach Geiselhaft bei Boko Haram schwanger

214 der jüngst in Nigeria aus der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram befreiten Frauen und Mädchen sind nach UNO-Angaben schwanger. Das sagte Babatunde Oshotimehin, der Direktor des UNO-Bevölkerungsprogramms (UNFPA), der nigerianischen Nachrichtenagentur NAN zufolge.

Die Streitkräfte des westafrikanischen Landes haben seit vergangener Woche knapp 700 Frauen und Mädchen aus den Händen der Dschihadistenmiliz befreit. Sie waren von Boko Haram im Nordosten des Landes als Sklavinnen gehalten oder zwangsverheiratet worden. 

Gesundheitscheck nach Befreiung

Die Frauen und Mädchen würden derzeit auf verschiedene Krankheiten getestet, darunter auch die Immunschwächekrankheit Aids, wie Oshotimehin gestern Abend vor Journalisten in Lagos sagte.

Dabei seien auch die Schwangerschaften festgestellt worden. "Manche sind sichtbar schwanger, bei anderen schlug nur der Test an", sagte er dem NAN-Bericht zufolge. Alle erhielten medizinische Unterstützung. 

Minsk deutet Zugeständnisse bei Menschenrechten an

Weißrussland ist offenbar zu Zugeständnissen im Bereich der Menschenrechte bereit. Außenminister Wladimir Makej antwortete heute diplomatisch auf die Journalistenfrage, ob Minsk willens sei, die Forderungen der EU nach Freilassung politischer Gefangener und einem Ende der Todesstrafe zu erfüllen: „Wir sind bereit, konkrete Schritte zu setzen.“

„Erwarten Gegenschritte der EU“

Weißrussland „erwartet aber auch Gegenschritte von der EU“, wie Makej bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) in Minsk sagte. Es sei nämlich „absurd, über eine Annäherung“ Weißrusslands an die EU „zu sprechen“, wenn gleichzeitig „über 200 Menschen unter Sanktionen stehen“, meinte der weißrussische Minister weiter und kritisierte, dass selbst für Syrien die EU-Sanktionsliste kürzer sei.

Wegen der Unterdrückung der Opposition hat die EU Präsident Alexander Lukaschenko und weitere 200 Personen mit einem Einreiseverbot bzw. Kontosperren belegt.

„Aufrichtige“ Gespräche

Makej gab zu, dass Weißrussland kein „idealer Staat“ sei. Es müsse noch „viel lernen“, so Makej, der sich für einen „offenen Dialog“ aussprach. Gespräche zwischen Kurz und ihm sowie Lukaschenko, die heute in Minsk stattfanden, bezeichnete Makej als „sehr ehrlich und aufrichtig“. „Ich hoffe, dass Herr Bundesminister unser Land mit einem vollständigeren Bild von Belarus wieder verlässt.“

Kurz: „Sehr offen“

Auch Kurz sprach von „sehr intensiven und sehr offenen Gesprächen“. Der Ukraine-Konflikt habe das „Blockdenken auf unseren Kontinent gebracht“, kritisierte er. Er wünsche sich, dass Weißrussland trotz der Partnerschaft mit Russland näher an Europa heranrücke. Statt einer „Entweder-oder-Politik“ in Sachen Russland plädierte er für eine „Sowohl-als-auch-Politik“.

Lukaschenko sieht „Erwärmung“

Lukaschenko hatte zuvor eine Verbesserung der Beziehungen seines Landes zum Westen geortet und wörtlich von einer „Erwärmung“ gesprochen. Er möchte, dass Österreich und der Westen allgemein „eine neue Sicht auf Weißrussland bekommen“, sagte er bei seinem Treffen mit Kurz. Den Besuch von Kurz nannte Lukaschenko einen „wichtigen Meilenstein“.

Flüchtlinge im Mittelmeer: Mehr Schiffe für Frontex

Nach der Rettung von Tausenden Bootsflüchtlingen im Mittelmeer will die EU-Grenzschutzagentur Frontex ihren Einsatz ausweiten.

„Wir arbeiten daran, die Zahl der Boote und Flugzeuge zu erhöhen“, sagte eine Frontex-Sprecherin heute in Warschau. Mehrere EU-Länder hätten bereits zugesagt, die angefragten zusätzlichen Einsatzkräfte zu schicken.

Nach der bisher größten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, bei der Ende April vor der libyschen Küste möglicherweise mehr als 800 Menschen gestorben waren, hatten die EU-Staats- und -Regierungschefs auf einem Sondergipfel beschlossen, die Mittel für den Überwachungseinsatz „Triton“ unter Leitung von Frontex zu verdreifachen. „Triton“ hat seitdem statt drei rund neun Millionen Euro pro Monat zur Verfügung.

Tausende Flüchtlinge landen in Italien

Insgesamt wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache am Wochenende mehr als 5.800 Flüchtlinge gerettet. Zehn Flüchtlinge konnten nur tot geborgen werden. Die ersten Geretteten wurden in der Nacht auf der italienischen Insel Lampedusa an Land gebracht, heute wurden fast 1.300 weitere Flüchtlinge nach Sizilien gebracht. Weitere 1.500 Flüchtlinge sollen heute in Italien an Land gebracht werden.

Der Bürgermeister der libyschen Hauptstadt Tripolis, Mahdi al-Harati, kritisierte unterdessen Überlegungen der EU, Boote von Menschenschmugglern vor der Küste seines Landes zu zerstören. „Jeder Plan Europas, Küstengegenden zu bombardieren, wäre kriminell“, sagte er in einem Interview der Zeitung „Times of Malta“. Die Migrationsfrage im Mittelmeer bedürfe einer zivilen und keiner militärischen Lösung.

Venezuela: Abspaltung bei Regierungspartei

Die parteiinterne Kritik an Staatschef Nicolas Maduro hat zu einer Spaltung der regierenden Sozialisten in Venezuela (PSUV) geführt.

Eine Gruppe mit dem Namen „Marea Socialista“ (Sozialistische Flut) kündigte gestern (Ortszeit) in der Hauptstadt Caracas an, mit eigenen Kandidaten bei der Parlamentswahl dieses Jahr antreten zu wollen. Die Zulassung als Partei seitens der nationalen Wahlbehörde steht aber noch aus. Der genaue Termin für die Wahl in dem erdölreichen Land ist noch unklar.

Vorwurf der mangelnden Kritikfähigkeit

Angeführt wird die Gruppe von Jorge Giordani und Hector Navarro, zwei ehemaligen Ministern des 2013 gestorbenen Präsidenten Hugo Chavez. Es ist die erste Abspaltung der 2008 von ihm gegründeten und von seinem Nachfolger Maduro geführten Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV).

Die neue Gruppierung wirft Maduro vor, das Erbe von Chavez verraten zu haben. Zudem lasse er keine parteiinterne Kritik zu und unternehme zu wenig gegen die Korruption.

Wegen des niedrigen Ölpreises leidet Venezuela derzeit unter einer schweren Wirtschaftskrise. Auch politisch ist die Lage angespannt. Mehrere prominente Regierungsgegner sitzen in Haft. Maduro wirft der konservativen Opposition vor, gemeinsam mit den USA eine Verschwörung gegen seine Regierung zu planen.

Frankreich und Katar fixieren Rafale-Rüstungsdeal

Der Verkauf von 24 französischen Rafale-Kampfjets an den Golfstaat Katar ist endgültig fix. Der 6,3 Milliarden Euro schwere Rüstungsdeal wurde heute in Doha im Beisein des französischen Präsidenten Francois Hollande unterzeichnet.

Der Chef des französischen Flugzeugkonzerns Dassault, Eric Trappier, sowie General Ahmed al-Malki als Vertreter der Streitkräfte Katars setzten ihre Unterschrift unter den Vertrag. Die Vereinbarung sieht nach Angaben von Dassault auch eine Kaufoption für zwölf weitere Kampfjets vor.

Verstärkte Nachfrage in den vergangenen Monaten

Frankreich hatte über Jahre keinen einzigen Vertrag zum Export der Rafale-Kampfflugzeuge vermelden können. Allein in den vergangenen drei Monaten kamen nun aber mehrere Vereinbarungen zustande: Ägypten bestellte im Februar 24 Rafale, danach folgte Indien Anfang April mit einer Bestellung von 36 Kampfflugzeugen. Frankreich hofft auf Verträge auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Malaysia.

Die 2004 von der französischen Luftwaffe in Betrieb genommenen Flugzeuge sind unter anderem für Aufgaben der Luftverteidigung, für strategische Bombardements und für Luftaufklärung ausgerüstet.

Ausschreitungen äthiopischer Juden: „Fehler gemacht“

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat Fehler im Umgang mit den äthiopischstämmigen Juden in Israel eingeräumt. „Wir haben Fehler gemacht“, sagte Rivlin heute. „Wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört.“ Die gewaltsamen Proteste der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es „im Herzen der israelischen Gesellschaft“ eine „offene Wunde“ gebe.

Gestern Abend war in Israel eine Demonstration von Juden aus Äthiopien gegen Rassismus und Polizeigewalt eskaliert. Drei Tage nach ähnlichen Ausschreitungen in Jerusalem lieferten Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv den Sicherheitskräften Straßenschlachten. 55 Polizisten und zwölf Demonstranten wurden laut Polizeiangaben verletzt, 43 Demonstranten wurden festgenommen.

Proteste gehen weiter

Die Proteste gingen heute weiter. Im Regierungsviertel in Jerusalem wurden zentrale Straßen gesperrt. Angesichts der vorherigen gewaltsamen Konfrontationen in Tel Aviv verstärkte die Polizei auch ihre Präsenz in Jerusalem. In Israel leben mehr als 135.000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen.

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. Für weitere Empörung sorgte ein Video, in dem Polizisten den äthiopischstämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

Inland

„Profil“ zieht Vorwürfe gegen Muslimische Jugend zurück

Auf einen unbedingten Vergleich haben sich das Nachrichtenmagazin „profil“ und die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) in einem Rechtsstreit geeinigt, den ein Ende Jänner erschienener Artikel ausgelöst hatte.

Das Magazin hatte sich darin kritisch mit der Jugendorganisation auseinandergesetzt und einige Vorwürfe erhoben, die nun als inhaltlich unrichtig zurückgezogen werden.

Nähe zu Muslimbrüdern unterstellt

Unter anderem hatte „profil“ behauptet, die MJÖ werde von „ausländischen Sponsoren“ unterstützt und sei Mitglied des europäischen Netzwerks muslimischer Jugend- und Studentenorganisationen (Femyso). Der Jugendorganisation wurde außerdem eine ideologische oder organisatorische Verbindung zur Muslimbruderschaft unterstellt.

50 Minuten, bevor die auf eine Gegendarstellung gerichtete Klage im Wiener Straflandesgericht behandelt hätte werden sollen, einigten sich nun die Rechtsvertreter der beiden Parteien auf eine außergerichtliche Streitbeilegung.

Richtigstellung in nächster Ausgabe

In der „profil“-Ausgabe am kommenden Montag wird eine Richtstellung erscheinen, mit der das Magazin einräumt, dass die inkriminierten Vorwürfe - so die wörtliche Formulierung - „nicht stimmen“. Darüber hinaus hat sich „profil“ zur Übernahme des Kostenersatzes und der Gerichtsgebühren sowie zur Zahlung einer Geldbuße von 1.000 Euro bereiterklärt.

Sport

Fußball: Barca für CL-Duell mit Bayern warmgeschossen

Am Mittwochabend steigt der Champions-League-Schlager zwischen dem FC Barcelona und Bayern München, die sportlichen Vorzeichen für das Halbfinal-Hinspiel sind völlig unterschiedlich.

Während Barca seit Wochen in Hochform agiert und in der spanischen Meisterschaft Kantersiege en suite feiert, kämpft der deutsche Meister mit Verletzungsproblemen. Nach dem bitteren Aus im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Dortmund setzte es am Wochenende auch in der Bundesliga eine Niederlage in Leverkusen. Allerdings schonten sich die Bayern bereits für das Match im Camp Nou.

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Boxen: Katerstimmung nach „Megakampf“

Die Erwartungen waren riesig, das Resultat dürftig. Zahlreiche Beobachter waren enttäuscht vom über Monate gehypten Boxduell zwischen Floyd Mayweather und seinem Herausforderer Manny Pacquiao. Geblieben sind hauptsächlich Ernüchterung und Enttäuschung. Überzeugen konnte keiner der beiden Superstars, die ihren Leistungshöhepunkt schon ein paar Jahre hinter sich haben. Das US-amerikanische Magazin „Sports Illustrated“ brachte es auf den Punkt: „Der Kampf des Jahrhunderts war ein bisschen ein Reinfall.“

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Chronik

Bus umgestürzt: Ein Toter, fünf Verletzte

Ein Menschenleben hat ein schwerer Verkehrsunfall heute Früh auf der Westautobahn (A1) in Oberösterreich gefordert. Ein Kleinbus mit sechs Insassen war umgestürzt, für eine Person kam jede Hilfe zu spät. Fünf weitere Insassen wurden teils schwer verletzt. Unfallursache dürfte ein Streit zwischen dem Lenker und einem Beifahrer gewesen sein.

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Auto 20 Meter durch die Luft geschleudert

Eine 56-jährige Autofahrerin überstand gestern Nachmittag einen schweren Unfall auf der Drautalstraße bei Töplitsch (Kärnten) unverletzt. Die Frau war mit ihrem Wagen von der Straße abgekommen, das Fahrzeug wurde 20 Meter durch die Luft geschleudert und landete auf dem Dach.

Mehr dazu in kaernten.ORF.at

Riskant überholt: Lenker im Spital

Bei einem Überholmanöver in Ternitz (Niederösterreich) geriet gestern Abend ein Autolenker mit seinem Wagen ins Schleudern und überschlug sich mehrfach. Der Fahrer des Wagens wurde schwer verletzt. Er war laut Polizei viel zu schnell unterwegs.

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Große Mengen Kokain in Bananenkisten in Berlin gefunden

Erneut sind große Mengen Kokain in Bananenkisten in Berliner Supermärkten entdeckt worden. Das sagte ein Polizeisprecher heute.

Funde gab es demnach in mehreren Aldi-Filialen in Berlin und Brandenburg. Die Gesamtmenge ist möglicherweise noch größer als im Jänner 2014, als 140 Kilogramm Kokain in mehreren Aldi-Filialen entdeckt wurden. Die Suche nach weiterem Rauschgift laufe aber noch, wie die Polizei erklärte.

Das Kokain wurde von Angestellten der Supermärkte entdeckt, als sie die Bananen auspackten. Die 140 Kilo Koks vom Jänner 2014 waren die zweitgrößte in Berlin beschlagnahmte Drogenmenge in den vergangenen 35 Jahren. Ein Kilogramm Kokain hat einen Marktwert von ungefähr 50.000 Euro.

Wirtschaft

Schwäche der chinesischen Industrie verschärft sich

Die Schwächephase in der chinesischen Industrie hat sich einer Umfrage zufolge im April verstärkt. Der von der Großbank HSBC und dem Institut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex für die Branche fiel auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Er sank auf 48,9 Punkte von 49,6 Zählern im März.

Damit entfernte er sich weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der das Barometer Wachstum signalisiert, und fiel noch schwächer aus als in erster Schätzung angenommen. Der Index für die Neuaufträge schrumpfte so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Trotz einer leichten Verbesserung bei den Exportaufträgen rechnen Experten nun mit weiteren Konjunkturhilfen von Staat und Notenbank.

Abkühlung stärker als von Peking gedacht?

Die Daten schüren die Furcht vor einer noch stärkeren Konjunkturabkühlung, als es die Regierung beim Umbau der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt einkalkuliert hat. Nach Jahren des Booms erwartet sie dieses Jahr nur noch ein Plus von rund sieben Prozent, nachdem die Wirtschaft im vergangenen Jahr mit 7,4 Prozent so gering gewachsen war wie seit rund einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Deutsche Lokführer starten heute mit Streik

Der Tarifkonflikt zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn (DB) eskaliert. Die GDL will den Schienenverkehr in Deutschland für fast eine Woche lahmlegen. Schon heute Nachmittag sollen keine Güterzüge mehr rollen. Der Personenverkehr soll ab morgen um 2.00 Uhr bis Sonntagfrüh deutschlandweit bestreikt werden.

Auch wenn die DB an einem Notfallfahrplan arbeitet, müssen sich Reisende auf sechs Tage voller Zugsausfälle und ungewisser Verbindungen einstellen. Es ist bereits der achte Streik in der seit Monaten laufenden Auseinandersetzung - und der bisher längste.

Neues Angebot zurückgewiesen

Die GDL hatte am Donnerstag das neue Tarifangebot der Bahn zurückgewiesen und einen weiteren, langen Arbeitskampf angekündigt. Die DB hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von 1.000 Euro bis zum 30. Juni.

Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Ein Knackpunkt für die GDL ist die Einstufung der Rangierlokführer im Tarifgefüge der DB.

Gewerkschaftsinterner Machtkampf

Der Konflikt ist auch deshalb so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Zudem will die GDL einen Erfolg erzielen, bevor das kommende Tarifeinheitsgesetz der schwarz-roten Bundesregierung die Macht kleiner Gewerkschaften beschränkt.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Streik. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung (Montag-Ausgabe). Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte in dem Blatt: „Der Tarifstreit bei der Bahn ist für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen.“

Science

IT

Zuckerberg will mehr Auswahl bei Internet.org

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will mehr Auswahl in seiner Initiative Internet.org, die günstigen Zugang zum Netz und zu Onlinediensten in Entwicklungsländern bieten soll. Zuckerberg kündigte heute den Start einer Plattform an, über die alle Anbieter Versionen ihrer Dienste für Internet.org einbringen könnten.

In den vergangenen Wochen hatte es vor allem in Indien heftige Kritik an dem bisherigen Konzept von Internet.org gegeben. Zuckerberg und Facebook wurde vorgeworfen, den Wettbewerb zwischen verschiedenen Onlinediensten zu verzerren, weil einige durch das Gratisangebot bevorzugt würden.

Jetzt soll es nur wenige Vorschriften für Anbieter geben, die bei Internet.org dabei sein wollen. Dazu gehöre, möglichst schlanke Dienste mit geringem Datenaufkommen zu entwickeln, schrieb Zuckerberg in einem Blogeintrag. Die Übermittlung von Fotos und Videos in hoher Qualität sowie Internettelefonie seien deshalb unerwünscht.

Kultur

„Avengers“ verdrängt „Fast & Furious 7“ von US-Chartspitze

Die Superhelden von „Avengers: Age of Ultron“ haben „Fast & Furious 7“ in den nordamerikanischen Kinos von seinem Spitzenplatz verdrängt. Vier Wochen lang hatte der Raserfilm den ersten Platz besetzt, am Wochenende musste er dem Spektakel um Iron Man, Hulk, Captain America und Thor weichen.

Die Fortsetzung von Marvels erfolgreicher Comicverfilmung „The Avengers“ ging nach Schätzungen von gestern in den USA und Kanada mit knapp 188 Millionen Dollar (rund 168 Mio. Euro) an den Start. Das blieb zwar hinter dem Rekorddebüt von „The Avengers“ mit 207 Millionen Dollar im Jahr 2012 zurück, setzte sich aber vor Marvels „Iron Man 3“, der 2013 mit 174 Millionen Dollar an den Start gegangen war.

Platz zwei für Science-Fiction-Romanze

Auf dem zweiten Platz der Filmcharts verdiente „Für immer Adaline“ an seinem zweiten Wochenende 6,3 Millionen Dollar dazu. Die Science-Fiction-Romanze mit Blake Lively in der Rolle einer jungen Frau, die einen schweren Unfall überlebt und seitdem nicht mehr altert, kommt im Juli in die deutschen Kinos.

„Fast & Furious 7“ musste sich bei den Einnahmen (Freitag bis gestern) von gut sechs Millionen Dollar mit dem dritten Rang begnügen. Immerhin schraubte der Film über illegale Straßenrennen damit seinen Verdienst in Nordamerika auf mehr als 330 Millionen Dollar hoch, weltweit sind es schon über 1,4 Milliarden Dollar.

„Kultur.montag“: Hubert Schmalix zeigt sein LA

„Ich bin ein Dekorateur“, sagt Hubert Schmalix und bricht damit ein Tabu, wonach zeitgenössische Kunst alles sein dürfe, nur nicht gefällig oder gar schön. Morgen eröffnet das Kunstforum Wien eine große Schau, die dem österreichischen Künstler gewidmet ist, der einst als „junger Wilder“ firmierte.

„Kultur.montag“ besuchte Schmalix in Los Angeles, wo er nicht nur ein Atelier hat, sondern auch asiatische Kunst sammelt und es schätzt, dass man in der Millionenmetropole mittlerweile sogar Brot und Kaffee genießen könne.

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