Ausland

EU-Sondergipfel in Brüssel zu Haushalt und Europawahl

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen heute zu ihrem ersten Gipfel in diesem Jahr zusammen. Zentrales Thema des Treffens ist die Finanzausstattung der EU im kommenden Jahrzehnt. Dabei geht es einerseits darum, wie die Lücke durch die wegfallenden Mitgliedsbeiträge Großbritanniens geschlossen werden soll. Sie wird auf bis zu 14 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Zudem wächst der Finanzbedarf durch neue Aufgaben der EU in den Bereichen Verteidigung, Grenzschutz, Migration und im Kampf gegen Terror. Daneben beraten die Staats- und Regierungschefs darüber, wie nach der Europawahl im Frühjahr 2019 der neue Präsident der EU-Kommission gewählt werden soll.

Die Parteien im EU-Parlament fordern, dass nur ihre „Spitzenkandidaten“ für den wichtigen Posten in Betracht gezogen werden dürfen. Die Staats- und Regierungschefs wollten bisher einen solchen Automatismus verhindern. Auch der zuletzt erkrankte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wird laut seinem Büro in Brüssel dabei sein. Es ist sein erster EU-Gipfel als Regierungschef.

Ermittlungen gegen griechische Ex-Politiker

Ein riesiger Korruptionsskandal droht griechische Politiker einzuholen. Gestern hat das Parlament in Athen Ermittlungen zu Bestechungsvorwürfen um den Schweizer Pharmariesen Novartis beschlossen. Dieser soll mit Schmiergeldzahlungen an Politiker und Ärzte versucht haben, höhere Preise für seine Medikamente durchzusetzen. Der Schaden soll drei Milliarden Euro betragen. Die von Regierungschef Alexis Tsipras eingeleiteten Untersuchungen waren auch der Startschuss für eine politische Schlammschlacht.

Mehr dazu in Politische Schlammschlacht

Zusätzliche Klage gegen Trumps Ex-Wahlkampfleiter

US-Sonderermittler Robert Mueller hat gegen Donald Trumps früheren Wahlkampfleiter Paul Manafort sowie dessen Geschäftspartner Rick Gates zusätzliche Anklagen vorgelegt. Die gestern in Washington veröffentlichte Anklageschrift umfasst 32 Punkte. Sie war erwartet worden. Manafort und Gates wird unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen, außerdem Geldwäsche in Höhe von 30 Millionen US-Dollar.

Manafort leitete von Juni bis August 2016 Trumps Wahlkampf. Die Klagepunkte gegen ihn haben aber nicht direkt mit Trumps Wahlkampf zu tun. Manafort wurde bereits im Oktober 2017 angeklagt, vor allem wegen krimineller Verschwörung gegen die USA, Falschaussage und Geldwäsche. Das soll mit seiner politischen Lobbytätigkeit in Osteuropa zu tun haben, unter anderem für die ukrainische Regierung.

Die Anklagen gegen die früheren Trump-Getreuen haben sich aus Muellers Ermittlungen ergeben, die der FBI-Sonderermittler wegen einer russischen Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl 2016 führt. Manafort hatte sich im Oktober nicht schuldig bekannt. Sein Anwalt hatte von „lächerlichen“ Vorwürfen gesprochen.

Trump droht Kalifornien mit Abzug von Bundesbeamten

US-Präsident Donald Trump hat im Streit um die Einwanderungspolitik Kalifornien mit dem Abzug von Bundesbeamten gedroht. Seine Regierung bekomme beim Vorgehen gegen kriminelle Immigrantengangs keine Hilfe von Kalifornien, klagte Trump gestern in Washington. Deswegen denke er darüber nach, Beamte der Einwanderungsbehörde ICE und des Grenzschutzes aus dem bevölkerungsreichsten US-Staat abzuziehen.

Wenn er aber Beamte aus Kalifornien abzöge, entstünde dort ein „Kriminalitätschaos“, wie es der Staat noch nie erlebt habe, warnte der Präsident. Kalifornien würde dann vom Verbrechen „überschwemmt“. Binnen zwei Monaten würde ihn die dortige Regierung „anflehen, dass wir zurückkommen“.

Kalifornien erklärte sich zum Zufluchtsstaat

Trump prangerte besonders den kalifornischen Kurs an, illegal ins Land gekommene Immigranten nicht an die Bundesbehörden auszuliefern. Kalifornien hat sich mit einem Gesetz, das zum Jahresbeginn in Kraft trat, zum „sanctuary state“ (Zufluchtsstaat) für „Illegale“ erklärt, von denen es in dem Staat fast drei Millionen gibt. Außerdem gibt es in Kalifornien mehr als 20 einzelne Gemeinden und Bezirke, die sich zu „sanctuary cities“ erklärt haben. Im ganzen Land sind es rund 300.

Das Verhalten dieser Orte sei eine „Schande“, sagte Trump bei einem Treffen im Weißen Haus, in dem es eigentlich um den Schutz von Schulen vor Schusswaffenangriffen ging. In diesen Orten würden „schreckliche Verbrecher“ geschützt.

Niederlande erkennen Völkermord an Armeniern an

Das niederländische Parlament hat den im Osmanischen Reich an Armeniern begangenen Massenmord als Völkermord anerkannt. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Abgeordneten gestern einem entsprechenden Antrag zu.

Das gilt allerdings nur für das Parlament. Die Regierung wird den Völkermord nicht anerkennen, will aber einen Vertreter zur Gedenkfeier in Eriwan am 24. April entsenden. Die Anerkennung als Genozid könnte die ohnehin angespannten Beziehungen der Niederlande zur Türkei weiter verschlechtern.

Schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier waren von 1915 an bei Massakern und Deportationen ums Leben gekommen. Die Türkei bedauert das, lehnt die Einstufung als Völkermord aber strikt ab.

Türkei verurteilt Entscheidung

Die Türkei hat den Entschluss des niederländischen Parlaments „aufs Schärfste“ verurteilt. Die Entscheidung habe „keine rechtliche Verbindlichkeit und Gültigkeit“, teilte das türkische Außenministerium mit. Die Türkei warf den Niederlanden zudem vor, das Massaker in Srebrenica 1995 an bosnischen Muslimen geduldet zu haben.

Das Massaker in Srebrenica hatten im Juli 1995 bosnisch-serbische Truppen verübt. Niederländische Blauhelmsoldaten der UNO hatten den Angreifern die Stadt zuvor allerdings kampflos überlassen. Bei dem Massaker handelte es sich um den schlimmsten Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

Inland

Köstinger zu Rauchverbot: „Volkswillen“ beachten

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) will in Sachen „Don’t Smoke“-Volksbegehren den „Volkswillen“ beachten - sie steht aber dennoch zum Koalitionsvertrag mit der FPÖ. „Ich glaube, dass man über den Volkswillen nicht hinweggehen kann und das auch nicht soll“, sagte Köstinger gestern dem „Kurier“, angesprochen auf das erfolgreiche Volksbegehren gegen die Regierungspläne.

Sie habe damit zum Ausdruck bringen wollen, dass das Volksbegehren im Parlament behandelt werden müsse wie jedes andere auch, konkretisierte sie die Aussage danach gegenüber der APA: „Wir stehen zu den Vereinbarungen, die wir im Koalitionsvertrag getroffen haben“, sagte Köstinger.

„Intensive Debatte“ angekündigt

Die Verantwortung für den Plan, das mit 1. Mai kommende Rauchverbot in der Gastronomie noch vor Inkrafttreten wieder aufzuheben, wies Köstinger dem Koalitionspartner zu. „Das war eine Kernforderung der FPÖ im Zuge der Koalitionsverhandlungen.“ Die ÖVP habe damit „keine Freude“. „Es wird da mit Sicherheit noch eine sehr intensive Debatte darüber erfolgen“, kündigte Köstinger an.

Das „Don’t Smoke“-Volksbegehren ist am Donnerstag in die zweite Woche der Unterstützungserklärungsphase gestartet und hat die nächste markante Zahl von 300.000 Unterschriften übersprungen. Am frühen Nachmittag hatten knapp 315.000 Personen unterzeichnet, berichtete die Ärztekammer Wien auf APA-Anfrage.

Kurz kündigt Besuch bei Putin an

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) reist am Dienstag zu einem Arbeitsbesuch nach Moskau. Er wird am Mittwoch von Präsident Wladimir Putin im Kreml empfangen, hieß es aus dem Bundeskanzleramt (BKA). Die EU sei über die Reise informiert. Der Kreml selbst will laut Diplomatenkreisen erst am Montag über den Besuch informieren.

Themen des Arbeitsgesprächs mit Putin werden laut BKA die bilateralen Beziehungen, das Verhältnis zwischen Russland und der EU, die Ukraine und Syrien sein. Kurz werde in Moskau die entsprechenden EU-Positionen vertreten, auch was die EU-Sanktionen und die Umsetzung der Minsker Friedensabkommen betrifft. Kurz bekennt sich zu den Sanktionen, hieß es aus dem BKA. „Zugleich brauchen wir aber ein Ende des Blockdenkens und eine Trendumkehr in unseren Beziehungen mit Russland.“

Russland-Politik der FPÖ „völlig einflusslos“

Gemäß Regierungsprogramm will sich die Bundesregierung dafür einsetzen, den Ukraine-Konflikt zu entschärfen und im Einklang mit den EU-Partnern die Sanktionen abzubauen. Kurz’ Regierungspartner FPÖ hat sich in der Vergangenheit immer wieder für eine Aufhebung der Sanktionen ausgesprochen, die die EU gegen Moskau wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Krim-Halbinsel und Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine verhängt hat.

Die Haltung Österreichs in der Sanktionenfrage werde von Moskau durchaus geschätzt, erklärte der Russland-Experte Gerhard Mangott im Gespräch mit der APA. Die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Russland bezeichnete er als sehr gut. Die FPÖ, die mit der Regierungspartei Geeintes Russland einen Kooperationsvertrag hat, spiele dabei keine bedeutende Rolle. Die prononcierte Russland-Politik der FPÖ sei „völlig einflusslos“, sagte er.

Erstes Reiseziel außerhalb der EU

Die Reise von Kurz nach Moskau ist die erste in seiner Funktion als Bundeskanzler, die ihn außerhalb der EU führt. Die Reise soll auch der Vorbereitung des österreichischen EU-Ratsvorsitzes ab Juli dieses Jahres dienen. „Russland ist für die EU ein wichtiger Gesprächspartner und Nachbar. Wir müssen daher im Dialog mit Russland bleiben“, betonte das BKA. „Frieden in Europa ist nur mit und nicht gegen Russland möglich.“

Kurz’ Besuch fällt übrigens mit dem dritten Jahrestag der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow zusammen. Nemzow war am 27. Februar 2015 auf einer Brücke über der Moskwa erschossen worden.

Sport

Europa League: Leipzig trotz Niederlage weiter

RB Leipzig steht trotz einer Heimniederlage gegen SSC Napoli im Achtelfinale der UEFA Europa League. Der deutsche Vizemeister verspielte gestern Abend beinahe ein 3:1 aus dem Hinspiel und erlebte nach dem 2:0 für Napoli durch Lorenzo Insigne noch bange Schlussminuten. Am Ende brachten die „Bullen“, bei denen Marcel Sabitzer in der Anfangsphase an der Latte gescheitert war, das Ergebnis über die Zeit.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Formel 1: Mercedes und Ferrari lüften Vorhang

Mercedes und Ferrari haben gestern den Vorhang gelüftet und ihre Boliden für die neue Formel-1-Saison vorgestellt. Zunächst präsentierte Weltmeister Lewis Hamilton den neuen Silberpfeil, den der Brite als „in jedem Aspekt besser“ als das Vorgängermodell beschrieb.

Der W09 trägt wie der neue Ferrari den vorgeschrieben Cockpitschutz Halo, nicht mehr erlaubt ist die Heckfinne. Ferrari will unterdessen mit einem fast fast komplett in Rot lackierten Boliden den nächsten Angriff auf die Weltmeisterschaft starten.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Olympia: Matt von Bronze völlig überrumpelt

Michael Matt hat im Slalom von Pyeongchang 2018 gestern eine Sternstunde erlebt, mit der so nicht mehr zu rechnen war. Der 24-Jährige war von der Bronzemedaille völlig überrumpelt worden, hatte nach seinem Lauf im Finale schon den Rucksack gepackt und hätte den Zielraum verlassen, wäre das nicht verboten. Das Warten sollte sich letztlich lohnen.

„Ich hab gedacht, ich dreh durch. Ich konnte am Schluss gar nicht mehr hinsehen“, sagte der Tiroler, dem mit Edelmetall als Olympiadebütant auf Anhieb gelang, worauf Bruder Mario Matt bis zum Ende seiner Karriere hatte warten müssen. „Wie Gold“ glänzte an diesem Tag daher auch Michael Matts Bronze.

Mehr dazu in sport.ORF.at/pyeongchang2018

Olympia: „Wir-Gefühl“ als Erfolgsrezept der Kombinierer

Österreichs Nordische Kombinierer haben gestern bei Olympischen Spielen bereits die fünfte Medaille im Team-Bewerb in Serie geholt. Wilhelm Denifl, Lukas Klapfer, Bernhard Gruber und Mario Seidl jubelten über Bronze.

Als Erfolgsrezept hob Routinier Denifl vor allem den Zusammenhalt, das „Wir-Gefühl“ hervor. „Mit dieser Mannschaft eine Medaille zu holen, das macht stolz“, sagte der 37-Jährige. Der Dank galt auch den Männern im Hintergrund.

Mehr dazu in sport.ORF.at/pyeongchang2018

Wirtschaft

Volkswagen legt vorläufige Zahlen vor

Der Autokonzern Volkswagen gewährt heute einen ersten Einblick in seine Bilanz für 2017 - ein Jahr, in dem VW mehr Autos verkauft hat als je zuvor. Die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Jahr dürften nach Analysteneinschätzung glänzend ausfallen.

Frank Schwope von der NordLB etwa erwartet einen Umsatz von 231,4 Mrd. Euro, einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 14,7 Mrd. Euro und einen Überschuss von 11,7 Mrd. Euro. Zugleich tagt der Volkswagen-Aufsichtsrat und wird vom Vorstand unter anderem über die umstrittenen Abgastests mit Affen informiert.

Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen 10,74 Millionen Fahrzeuge an Kunden in aller Welt, 4,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 2016 hatte der Umsatz der VW-Gruppe 217,3 Mrd. Euro betragen, unterm Strich standen 5,1 Mrd. Euro. Schwope sagte, die Dieselaffäre sei weitestgehend ausgestanden. Ende September hatte VW bekanntgegeben, dass die Bewältigung der Abgaskrise in den USA noch einmal teurer wird und die Rechnung auf über 25 Mrd. Euro steigt.

BMW-Tochter legte US-Klage gegen Millionenzahlung bei

Eine US-Tochter des deutschen Autobauers BMW zahlt zwei Millionen Dollar, um eine Klage der US-Regierung aus der Welt zu schaffen. Das Unternehmen BMW Financial Services habe Leasingverträge von 492 Angehörigen des US-Militärs nicht rechtmäßig zurückerstattet, teilte das US-Finanzministerium gestern mit.

Die Raten würden im Voraus fällig und hätten bei Nutzung eines Sonderkündigungsrechts wegen Einsatzbefehlen zurückgezahlt werden müssen. BMW Financial Services habe eng mit dem Ministerium kooperiert, um einen Vergleich schließen zu können, teilte das Unternehmen mit. Mit dem Geld sollen die betroffenen Militärangehörigen entschädigt werden.

Chronik

Obdachloser fand zwei volle Geldsäcke

Auf dem Pariser Flughafen hat ein Obdachloser im Dezember den Fund seines Lebens gemacht: Zwei Geldsäcke mit knapp 500.000 Euro ließ er mitgehen, bis ihn nun die Polizei schnappte. Allerdings - von dem Geld gibt es noch keine Spur. Gestern wurde der Mann dem Ermittlungsrichter vorgeführt und tischte eine abenteuerliche Geschichte über den Verbleib des Geldes auf.

„Ja, ich habe das Geld gestohlen, es gab ja genug davon“, sagte der Mann laut Ermittlerkreisen. Dann sei er aber außerhalb des Großraums Paris verschleppt und durch Schläge gezwungen worden, das Versteck der beiden Geldsäcke preiszugeben.

Untersuchungshaft wegen schweren Diebstahls

Zu seinen Entführern wollte der Obdachlose den Ermittlern zufolge keinerlei Angaben machen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft für den Mann wegen schweren Diebstahls.

In der Nacht auf vorgestern war der etwa 50 Jahre alte Mann bei einer Routinekontrolle in einem Wohnheim im Norden von Paris entdeckt worden. Er habe „nichts bei sich gehabt“, hieß es bei den Ermittlern.

Der Mann war am 8. Dezember hinter der nicht abgeschlossenen Tür einer Wechselstube auf dem Flughafen auf zwei Säcke voller Geld gestoßen und hatte diese kurzerhand mitgenommen.

Texas: Gouverneur wandelt Todesurteil um

Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas hat unmittelbar vor der geplanten Vollstreckung einer Todesstrafe das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. „Mr. Whitaker muss den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen als Strafe für sein abscheuliches Verbrechen“, erklärte Gouverneur Greg Abbott am Abend kurz vor der geplanten Hinrichtung.

Der 38-jährige Thomas Bartlett Whitaker war zum Tode verurteilt worden, weil er einen Auftragsmörder mit der Tötung seiner ganzen Familie beauftragt hatte. Bei der Tat im Jahr 2003 wurden Mutter und Bruder von Whitaker getötet. Sein Vater Kent Whitaker wurde verletzt, ebenso Thomas selbst. Erst sieben Monate nach der Tat kam heraus, dass es sich nicht um einen Raubüberfall handelte, sondern um einen Auftragsmord.

Kent Whitaker, ein gläubiger Christ, verzieh seinem Sohn und setzte sich jahrelang für eine Aufhebung des Todesurteils ein, um nicht auch noch sein letztes Familienmitglied zu verlieren. Am Dienstag hatte sich bereits die texanische Bewährungs- und Begnadigungskommission einstimmig für eine Haftumwandlung ausgesprochen.

Science

75. Todestag: Die Leuchtkraft der „Weißen Rose“

„Es fallen so viele Menschen für dieses Regime, es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt“, soll Sophie Scholl 1943 gesagt haben. Zwei Tage später wurde sie von der NS-Justiz verhaftet, vier Tage später gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und Christoph Probst zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Heute als „Weiße Rose“ bekannt, leisteten sie und andere Widerstand gegen die NS-Diktatur. Ihre Leuchtkraft bleibt bis heute ungebrochen. Gestern jährte sich der Tag der Ermordung zum 75. Mal.

Mehr dazu in „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“

Panorama

China sagt Begräbnis-Stripperinnen Kampf an

China versucht - nicht zum ersten Mal - eines eher bizarren Trends Herr zu werden: Erneut wurde eine Kampagne gestartet, die den Auftritt von Stripperinnen bei Begräbnissen verhindern soll.

Das Kulturministerium kündigte laut der Zeitung „Global Times“ an, eine Hotline einzurichten, bei der entsprechende Vorfälle gemeldet werden können. Besonders betroffen seien die ländlichen Provinzen Henan, Anhui, Jiangsu und Hebei.

Viele Teilnehmer als Ehrung der Verstorbenen

Viele Teilnehmer bei einem Begräbnis zu haben gilt in der chinesischen Kultur als besondere Ehrung der Verstorbenen und wird als Aufgabe für Kinder verstanden, den Eltern die letzte Ehre zu erweisen. Lange waren etwa Auftritte von Darstellern der Chinesischen Oper üblich. In den vergangenen Jahren kam es laut der Zeitung aber vermehrt dazu, Schaulustige mit anderen „Attraktionen“ anzulocken.

Zum Teil würden Kosten in Höhe mehrere Jahresgehälter ausgegeben, heißt es in der „Global Times“. Neben Schauspielern, Sängern und Komikern kämen auch immer öfter Stripperinnen zum Einsatz - besonders um das chinesische Neujahresfest, das heuer auf den 16. Februar fiel.

Nicht der erste Versuch

Schon 2006 gab es in der Provinz Jiangsu Festnahmen nach einem Begräbnis-Striptease, 2015 sagte das Kultministerium der „bizarren und immer populärer werdenden“ Praxis den Kampf an. Solche Einlagen seien „obszön“ und würden das „Zusammenleben vergiften“, hieß es damals. Allerdings schienen die damals beschlossenen Maßnahmen bisher kaum Früchte getragen zu haben.

Tristes Landleben

Die „Global Times“ sieht die Begräbnis-Stripperinnen auch als Teil eines größeren Problems: Viele ländliche Gebiete in China würden von vulgärer Kultur praktisch überschwemmt. In urbanen Gebieten würden Menschen ihre geistigen, spirituellen, intellektuellen und sonstigen Bedürfnisse ausleben können, auf dem Land gebe es diese Möglichkeiten kaum. Die Zeitung erinnert daran, dass die chinesische Regierung diesem Problem mit der Schaffung von 600.000 „ländlichen Buchhandlungen“ begegnen wollte.

Allerdings: Der Plan sei ein völliger Schlag ins Wasser gewesen und das Angebot von der Bevölkerung kaum angenommen worden - auch weil die Titelauswahl der Bücher nicht auf das Zielpublikum abgestimmt war, wie der stellvertretende Direktor der Nationalbibliothek, Chen Li, einräumt: So habe ein durchschnittlicher Bauer mit der „Philosophie von Firmenfestessen“ relativ wenig anfangen können.

Berliner Bierbikes dürfen bleiben

Der Streit um Bierbikes in Berlin ist vorerst vom Tisch: Die Riesenfahrräder mit bis zu 16 Sitzplätzen, Musikanlage und Bier vom Fass dürfen mit Einschränkungen weiter unterwegs sein.

Bier-Bike in Berlin

Jörg Sancho Pernas unter cc by sa 3.0

Der Betreiber zog gestern vor dem Berliner Verwaltungsgericht eine Klage zurück. Er hatte darin verlangt, einschränkende Bestimmungen, die das Berliner Bezirksamt Mitte auferlegt hatte, aufzuheben. Im Gegenzug sicherte ihm das Amt nun eine weitere Sondererlaubnis bis Februar 2019 zu.

Zudem dürfen künftig Touren samstags und sonntags ohne zeitliche Einschränkung angeboten werden. Jedoch bleiben wie bisher einige große Straßen tabu für die Gefährte. Das Gericht hatte den Vergleich in der Verhandlung angeregt.

Religion

Kultur

Song Contest: Michael Schulte singt für Deutschland

Michael Schulte singt für Deutschland beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon: Der 27 Jahre alte Schulte gewann gestern Abend in Berlin klar den deutschen Vorentscheid gegen fünf Konkurrenten. Er tritt nun mit dem Lied „You let me walk alone“ beim Song-Contest-Finale am 12. Mai an. Der Sänger erinnert optisch ein wenig, der Song relativ deutlich an den britischen Popstar Ed Sheeran.

Die ARD hatte nach dem enttäuschen Abschneiden Deutschlands in den vergangenen Jahren das Konzept des Vorentscheids überarbeitet. 2015 und 2016 belegte der deutsche Beitrag den letzten Platz, 2017 den vorletzten. Neben den Zuschauern entschieden eine internationale Jury und ein Panel aus Experten zu je einem Drittel. Der aus Buxtehude stammende Schulte gewann bei allen drei Gruppen die Abstimmung.

Karriere via YouTube und „Voice of Germany“

Schulte begann als 18-Jähriger, Coverversionen bekannter Songs auf YouTube zu laden, und hatte binnen kurzer Zeit eine riesige Gefolgschaft. Bei der Talenteshow „Voice of Germany“ erreichte er 2012 den dritten Platz. Sein Coach in der Sendung, Reamonn-Sänger Rea Garvey, nahm ihn auch nach der Show unter seine Fittiche. Mit der Single „Carry Me Home“ aus dem Album „Wide Awake“ erreichte er 2012 immerhin Platz acht der deutschen Charts.

Michael Schulte

APA/AFP/Jörg Carstensen

Konkurrenz deutlich geschlagen

Schulte setzte sich deutlich gegen fünf weitere Acts durch. Auf Rang zwei landete Xavier Darcy, dessen Song „Jonah“ durchaus Qualität zeigte, der seine Chancen aber durch sehr gewöhnungsbedürftige Tanzbewegungen verspielte. Platz drei belegte Ryk mit der dramatischen Klavierballade „You and I“, die im Stil Anleihen am portugiesischen Vorjahrssieger Salvador Sobral nahm. Außerdem im geschlagenen Feld: die renommierte Sängerin Ivy Quainoo, deren Song „House On Fire“ enttäuschte, die aus Tiflis stammende Natia Todua und voXXclub. Bei der volkstümliche Boygroup, die mit „I mog di“ und Lederhosen punkten wollte, ist auch ein Österreicher mit von der Partie.

Schauspielerin Schmidt-Schaller erhält Goldene Kamera

Petra Schmidt-Schaller hat die Goldene Kamera als beste Schauspielerin gewonnen. Für die 37-jährige Deutsche nahm ihr Vater, der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, die Auszeichnung gestern Abend in Hamburg entgegen. Sie selbst habe ebenso wegen Krankheit absagen müssen wie ihr Kollege Heino Ferch, der die Laudatio auf sie halten sollte, hieß es.

Petra Schmidt-Schaller wurde insbesondere für ihre Rollen in „Ich war eine glückliche Frau“ (Das Erste) und „Keine zweite Chance“ (Sat.1) ausgezeichnet. Die Ex-„Tatort“-Partnerin von Wotan Wilke Möhring setzte sich gegen ihre Kolleginnen Anja Kling und Karoline Eichhorn durch.

„Tatort“-Schauspielerin von 2013 bis 2015

Den ersten großen Erfolg feiert Schmidt-Schaller in der Literaturverfilmung „Ein fliehendes Pferd“ (2007), als Möhrings „Tatort“-Kollegin war sie von 2013 bis 2015 in sechs Filmen zu sehen. Im Drama „Ich war eine glückliche Frau“ spielte sie eine Ehefrau und Mutter, die erfährt, dass sie und ihr Ex-Mann über Jahre vom älteren Nachbarspaar beobachtet wurden. Im Thriller „Keine zweite Chance“ gab sie eine einsame, aber kämpferische Mutter.

Die Verleihung der Goldenen Kamera ging zum 53. Mal über die Bühne. Als Schauplatz für ihre Gala hatte die Funke Mediengruppe erneut das Messegelände der Hansestadt gewählt.