Ausland

Proteste nach Zerstörung eines Reliefs in St. Petersburg

Mehr als tausend Menschen haben heute im russischen St. Petersburg gegen die Zerstörung eines Mephistopheles-Reliefs protestiert. Die Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie „Hände weg von der Kunst“ und „Rettet unser St. Petersburg“. Aktivisten verurteilten den „unverschämten Akt des Vandalismus“.

Das Relief an einem Gebäude im Zentrum der Stadt war in der vergangenen Woche zerstört worden. Eine bislang unbekannte ultraorthodoxe Gruppe namens „Kosaken von St. Petersburg“ bekannte sich in einem Brief zu der Tat. Sie bezeichnete das Relief als eine „offene Anbetung des Teufels“, die im Widerspruch zu den Lehren der Kirche stehe. Die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Teile der Figur wurden in einem Müllsack gefunden. Das um 1910 an der Fassade eines Hauses angebrachte Kunstwerk erinnert Berichten zufolge an den legendären Opernsänger Feodor Schaljapin in seiner Rolle als Mephistopheles.

Die Orthodoxe Kirche verteidigte die Tat. „Mephistopheles verkörpert das Böse in dieser Welt“, sagte ein Kirchen-Sprecher der regierungstreuen Zeitung „Iswestja“. Daher sei es richtig gewesen, das Relief zu demolieren. Die Tat schürt die Sorge vor einer zunehmenden religiösen Intoleranz in Russland. Erst kürzlich hatten orthodoxe Aktivisten mehrere Ausstellungen in Moskau angegriffen, weil sie die Gefühle der Gläubigen durch die dort gezeigten Kunstwerke verletzt sahen.

SYRIZA kündigt vor Wahl Härte gegenüber Geldgebern an

Drei Wochen vor der vorgezogenen Wahl in Griechenland zeigt sich die Partei von Ex-Ministerpräsident Alexis Tsipras gegenüber den internationalen Geldgebern kämpferisch. In ihrem Parteiprogramm kündigte SYRIZA heute an, bei einem Wahlsieg in den noch offenen Fragen des neuen Hilfsprogramms Härte zu zeigen.

So solle in der „Grauzone“ von Privatisierungen sowie Arbeitsmarkt- und Pensionsreform intensiv verhandelt werden. Grundsätzlich würde SYRIZA zwar die bereits mit den Euro-Partnern vereinbarten Maßnahmen umsetzen.

Die Partei bemühe sich aber zugleich darum, die negativen Folgen abzumildern. SYRIZA bekräftigte zudem die Absicht, gegen Korruption und Steuerflucht vorzugehen und den Staat zu reformieren.

Versuch, Wähler zu besänftigen

Das Parteiprogramm signalisiert Unbehagen gegenüber der Vereinbarung mit den Gläubigern, die Tsipras als Regierungschef selbst getroffen und die SYRIZA tief gespalten hat. Mit der Kampfansage versucht SYRIZA vor den Wahlen am 20. September, enttäuschte Mitglieder zu besänftigen und unentschlossene Wähler für sich zu gewinnen.

Tsipras war im Jänner mit dem Versprechen angetreten, den bei vielen Griechen verhassten Sparkurs zu beenden. Unter dem Druck der drohenden Staatspleite vereinbarte er dann aber doch ein Hilfs- und Reformprogramm im Volumen von 86 Milliarden Euro. An dem Kurswechsel war seine Koalition zerbrochen, eine Gruppe von SYRIZA-Mitgliedern auf Anti-Reform-Kurs spaltete sich unter dem Namen Volkseinheit ab.

Tsipras trat zurück, um mit der vorgezogenen Wahl seine Position zu stärken. Doch der Vorsprung seiner SYRIZA schmilzt immer mehr zusammen: Sie liegt jüngsten Umfragen zufolge nur noch höchstens drei Prozentpunkte vor der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia.

Cameron wirbt in Spanien und Portugal für seine EU-Pläne

Großbritanniens konservativer Premierminister David Cameron will Ende der Woche zu Gesprächen über die künftige EU-Ausrichtung nach Spanien und Portugal reisen. Das bestätigte die Downing Street heute in London. Cameron will das britische Verhältnis zur Europäischen Union neu definieren und die EU in sich reformieren.

Unter anderem will Cameron Erschwernisse für EU-Ausländer in Großbritannien durchsetzen und das von vielen Volkswirtschaftlern geforderte stärkere politische Zusammenwachsen der EU-Länder verhindern. Zudem will Cameron größere Rechte für die EU-Länder heraushandeln, die nicht der Euro-Zone angehören.

Für den Herbst wird auch noch mit Besuchen des britischen Premierministers in den großen EU-Ländern Deutschland und Frankreich gerechnet. Am Freitag wird er zunächst mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho zusammentreffen, ehe er mit Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy spricht.

Zivilisten bei Luftschlag im Jemen getötet

Bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen sind heute nach Angaben von Ärzten mehr als 30 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern des Angriffs auf eine Fabrik seien 17 Zivilisten, teilten Ärzte und Augenzeugen mit. Ziel des Angriffs sei eine Wasserabfüllfabrik in der nördlichen Provinz Haddscha gewesen.

Auch eine nahe gelegene Rebellenstellung wurde laut den Angaben bei dem Angriff ins Visier genommen. Im Jemen kämpfen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi mit Unterstützung der arabischen Militärallianz seit Monaten gegen Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Armee-Einheiten.

Der seit Jahren schwelende Konflikt war im Jänner eskaliert, als die Aufständischen Huthi aus dem Norden des Landes die Hauptstadt Sanaa eroberten. Als sie Ende März auf die südliche Hafenstadt Aden vorrückten, floh Präsident Hadi nach Saudi-Arabien und bat das benachbarte Königreich um Hilfe.

Frauen in Saudi-Arabien erstmals an Wahl beteiligt

Zum ersten Mal in der Geschichte des erzkonservativen islamischen Königreichs Saudi-Arabien können sich Frauen als Kandidatinnen zur Wahl aufstellen lassen. Seit heute läuft landesweit die Registrierung für Bewerberinnen und Bewerber, die bei einer für Dezember geplanten Abstimmung einen Sitz in den Lokalräten gewinnen wollen.

Auch zur Stimmabgabe sind Frauen erstmals zugelassen. Der im Frühjahr verstorbene König Abdullah hatte vor vier Jahren einen entsprechenden Erlass herausgegeben. An der Neuerung gibt es allerdings scharfe Kritik.

Konservative Geistliche warnen vor einer „Vermischung von Männern und Frauen“ und „moralischem Übel“. Frauen spielen im politischen Leben des Königreichs bisher keine Rolle. Sie dürfen in dem konservativen Golfstaat etwa nicht einmal Auto fahren.

Massenproteste in Japan gegen neue Militärdoktrin

Bei einem der größten Massenproteste in Japan haben Zehntausende Menschen heute gegen die Sicherheitspolitik von Regierungschef Shinzo Abe demonstriert. Allein in Tokio zogen nach Angaben der Organisatoren rund 120.000 Menschen trotz Regens vor das nationale Parlament und forderten lautstark eine Rücknahme geplanter Sicherheitsgesetze.

Der Einsatz militärischer Gewalt ist durch die japanische Verfassung verboten. (iptv.ORF.at)

Die Gesetze sollen erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Entsendung japanischer Soldaten zu Kampfeinsätzen ins Ausland ermöglichen. Rufe nach einem sofortigen Rücktritt Abes wurden laut. Auch an rund 200 anderen Orten im ganzen Land kam es zu Massenprotesten gegen seine Politik.

Pazifismusdoktrin ausgehöhlt

Abe hatte im vergangenen Jahr die pazifistische Nachkriegsverfassung des Landes „uminterpretieren“ lassen, um nicht zuletzt mit Blick auf das erstarkende China Japans Militär zu stärken. Er will auf diese Weise Japan Militäreinsätze an der Seite des Sicherheitspartners USA im Ausland ermöglichen. Nachdem das mächtige Unterhaus die Reform kürzlich gebilligt hatte, werden die Gesetzesvorlagen derzeit im Oberhaus des Parlaments debattiert.

Viele Menschen sehen in der neuen Sicherheitsdoktrin eine Abkehr vom Pazifismus. Artikel 9 verbietet den Einsatz von Gewalt; Ausnahme ist die Selbstverteidigung gegen einen direkten Angriff auf Japan.

Inland

Alpbach im Zeichen der Flüchtlingsfrage

Die Eröffnung der Politischen Gespräche beim Europäischen Forum Alpbach ist heute im Zeichen des Umgangs mit der Flüchtlingsfrage gestanden. „Das ist keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise der Solidarität“, hob Forumspräsident Franz Fischler in seinen Eröffnungsworten hervor.

Fischer: „Moralische Verpflichtung“

Eine „Solidaritätskluft“ konstatierte später Bundespräsident Heinz Fischer. Es handle sich nicht „um das Leid von jemand anderem, das uns nichts angeht“.

Gerade die Europäer hätten jeden Grund, jenen zu helfen, die ihr Land infolge von Krieg unter den gefährlichsten Umständen verlassen hätten müssen. Es sei eine „moralische Verpflichtung“, Flüchtlinge mit Würde zu behandeln, unterstrich Fischer.

Sloweniens Präsident ortet „Bewährungsprobe“

Fischers slowenischer Amtskollege Borut Pahor sagte, die derzeitige Flüchtlingskrise sei auch eine Bewährungsprobe für Europas Identität. Die Lösung solle eine gemeinsame Politik sein anstatt einer Summe von 28 Einzellösungen.

Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic warnte davor, angesichts einer Konzentration auf Zahlen und Quoten tiefergehende Probleme aus den Augen zu verlieren. Sie fürchte, „die Zehntausenden Flüchtlinge derzeit sind nur der Anfang“.

Kurz sieht Scheitern des Dublin-Systems

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) betonte die Notwendigkeit einer „klaren europäischen Antwort“. Die Wahrheit sei, dass das Dublin-System nicht mehr funktioniere. „Kein Land kann diese schwierige Situation allein lösen.“ Eine faire Teilung der Lasten innerhalb der EU müsse sichergestellt werden. Ansonsten würden mehr und mehr Länder versuchen, ihre eigenen Lösungen zu finden.

Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) plädierte in seiner Rede für eine verbesserte Abstimmung zwischen Sicherheitspolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Kurzfristiges militärisches Krisenmanagement, mittelfristiger Wiederaufbau und langfristige Entwicklung müssten ineinandergreifen. Konkret ging Klug auf das Engagement des österreichischen Bundesheeres in Afrika ein, das auszuweiten dieses bereit sei.

Faymann befürwortet UNO-Mandat im Kampf gegen IS

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) befürwortet ein UNO-Mandat im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat, mit dem sich die EU dann aktiv in Syrien an der Bekämpfung des IS beteiligen könnte. „Dieser Wahnsinn in Syrien muss aufhören. Ich finde, man sollte ein UNO-Mandat im Kampf gegen den IS überlegen“, sagte Faymann im Interview mit „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe).

Eine österreichische Beteiligung kann sich Faymann „vor allem im humanitären Bereich“ vorstellen. Faymann meinte außerdem, dass die EU „die Flüchtlingsströme an der Außengrenze in den Griff bekommen“ müsse. „Es hat keinen Sinn, dass jetzt jedes Land Stacheldrähte, Mauern und Wachtürme aufbaut“, sagte er zu Maßnahmen wie dem Grenzzaun in Ungarn. Stattdessen brauche es EU-Zentren in Griechenland und Italien.

Von den Zentren ausgehend sollten Flüchtlinge europaweit verteilt werden, findet Faymann. Diese Quotenverteilung solle „so rasch wie möglich“ umgesetzt und an EU-Förderungen gekoppelt werden. Er stelle „außerdem den Anspruch, dass wir als Nettozahler die Projekte zum Beispiel in den baltischen Ländern nur noch dann mitfinanzieren, wenn es dort auch eine Bereitschaft zur ausreichenden Aufnahme von Asylwerbern gibt.“

Sport

Fußball: Nach Chelsea patzt auch ManUnited

Nach Meister Chelsea, das bereits am Samstag daheim gegen Crystal Palace die erste Saisonniederlage kassierte, erwischte es heute mit Manchester United auch den nächsten Titelanwärter. Die „Red Devils“ mussten sich bei Swansea City trotz Führung mit 1:2 geschlagen geben.

Während United schon fünf Punkte auf Spitzenreiter Manchester City fehlen, liegen vor allem bei Chelsea-Coach Jose Mourinho bei acht Zählern Rückstand auf den Leader bereits die Nerven blank.

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Motorrad: Rossi erobert WM-Führung zurück

Valentino Rossi hat heute in Silverstone seinen insgesamt vierten Saisonsieg gefeiert und damit im Kampf um die WM-Krone wieder die Führung übernommen. Während sein Yamaha-Teamkollege und Titelkonkurrent Jorge Lorenzo nicht über Rang vier hinauskam, trotzte „Il dottore“ den regnerischen Verhältnissen und eroberte mit Stil seinen insgesamt 112.

Sieg in einem WM-Rennen. Rossi profitierte allerdings auch von einem Sturz von Titelverteidiger Marc Marquez, mit dem er überlegen in Führung gelegen war.

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Wirtschaft

EU-Normierungsinstitute warnen vor TTIP

Die EU-Normierungsinstitute CEN und CENELEC warnen vor einer Destabilisierung des europäischen Standardisierungssystems durch das Freihandelsabkommen TTIP. Die vorgesehene Anerkennung von US-Normen als gleichwertig mit jenen der EU bedeute den Bruch des fundamentalen Prinzips „ein EU-Standard für alle Mitgliedsstaaten“. Dadurch würden nicht nur 30 Jahre erfolgreicher Entwicklung von europäischen Industriestandards aufs Spiel gesetzt, sondern auch US-Firmen gegenüber ihren europäischen Konkurrenten begünstigt, heißt es in einem Positionspapier.

Während europäische Firmen an die EU-Vorgaben gebunden seien, könnten sich Unternehmen aus den USA beim Export nach Europa alleine auf die US-Normen berufen. Den Marktzugang europäischer Firmen in den USA erleichtere diese wechselweise Anerkennung umgekehrt überhaupt nicht, konstatieren die beiden EU-Standardgremien.

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„Trend“: OMV klagte Türkei nach „Nabucco“-Aus

Der börsennotierte Ölkonzern OMV hat im Juni die Türkei und deren Premierminister Ahmet Davutoglu vor einem internationalen Schiedsgericht der Weltbank geklagt, berichtete das Wirtschaftsmagazin „trend“ heute vorab aus seiner aktuellen Ausgabe.

Es gehe um den Schaden, den das Unternehmen durch die Absage der mehr als zehn Jahre lang geplanten „Nabucco“-Gaspipeline zwischen Aserbaidschan und Österreich zu verbuchen hatte. Zumindest eine Teilschuld dafür gebe man offenbar der Türkei, die das Projekts zuerst unterstützt, letztlich aber mit Russland den Bau der alternativen „Turkstream“-Leitung vereinbart habe, so das Magazin.

OMV-Tochter wird liquidiert

Die für „Nabucco“ errichtete OMV-Tochter Nabucco Gas Pipeline International GmbH wird nun laut „trend“ jedenfalls liquidiert. Sie hinterlasse ihren Gesellschaftern einen abschließenden Bilanzverlust von 177,6 Mio. Euro, heißt es in der Vorabmeldung des Magazins. Rund 50 Mio. Euro würden an der OMV hängen bleiben.

Zwischen Österreich und der Türkei bestehen seit 1988 gegenseitige Investitionsschutzabkommen. Zu dem laufenden Verfahren vor dem Schiedsgericht (ICSID Case No. ARB/15/6) wollte die OMV gegenüber dem „trend“ keine Stellungnahme abgeben

Europa bekommt laut Studie Elektromüllproblem

Elektro- und Elektronikschrott wird in Europa einer neuen Studie zufolge immer mehr zum Problem. In den 28 EU-Ländern werde derzeit nur etwa ein Drittel der ausgemusterten Computer sowie von anderem Elektroschrott ordnungsgemäß und gemäß der Elektro- und Elektronik-Altgeräte-Richtlinie der EU entsorgt.

6,2 Mio. Tonnen nicht sachgerecht entsorgt

Der Rest - immerhin 6,2 Millionen Tonnen im Jahr 2012 - werde falsch recycelt, ins Ausland gebracht oder einfach weggeworfen, heißt es in der heute erschienenen Studie der Organisation CWIT (Countering WEEE Illegal Trade) zum Kampf gegen die Verschwendung von und den illegalen Handel mit Elektronikschrott.

1,3 Millionen Tonnen Elektroschrott und großteils noch funktionsfähige Computer haben 2012 die EU-Staaten in nicht angemeldeten Exporten verlassen. Innerhalb Europas sieht die Situation noch düsterer aus: 4,7 Millionen Tonnen Elektroschrott werden zwischen den EU-Ländern illegal hin und her geschoben. Das ist mehr als zehnmal so viel wie offiziell deklariert.

Bis zu 1,7 Mrd. Euro Schaden

Die Folgen seien nicht nur Umweltprobleme durch austretende Gifte wie Quecksilber und Blei, sondern auch wirtschaftliche Schäden, weil hochwertige Wertstoffe vergeudet würden. Insgesamt entstehe durch den nicht ordnungsgemäßen Umgang ein volkswirtschaftlicher Schaden zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro.

Die Studie war von mehreren Unterorganisationen der UNO sowie der internationalen Polizeiorganisation Interpol in Auftrag gegeben worden und wird von der Europäischen Union unterstützt.

Deutsche Autoindustrie rechnet mit weniger Umsatz in China

Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) hat angesichts nachlassender Autoverkäufe im Reich der Mitte seine Absatzprognose für China gesenkt. „China bleibt auf Kurs, schaltet jedoch einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent auf 19,1 Millionen Pkw“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Zu Jahresbeginn hatte der VDA für 2015 noch ein Plus von sechs Prozent erwartet. Bis Ende Juli hatte der weltgrößte Automarkt um 5,3 Prozent auf knapp 10,7 Millionen Neuwagen zugelegt.

Dudenhöffer rechnet mit Rückgang

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet angesichts des schwächeren Wachstums und der Börsenturbulenzen für 2016 sogar mit einem Rückgang des Autoabsatzes in China. Und es sei nicht auszuschließen, dass der chinesische Automarkt bereits in diesem Jahr schrumpfen werde.

Sollte das Minus in den kommenden Monaten überschaubar bleiben, könne noch ein minimales Plus herauskommen, meinte Dudenhöffer.

China ist inzwischen ein äußerst wichtiger Markt für die deutschen Hersteller. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY hat Volkswagen im zweiten Quartal dieses Jahres 36 Prozent seiner Autos in China verkauft, bei BMW waren es 20, bei Daimler 16 Prozent.

Geschäft in Westeuropa und USA übertrifft Erwartungen

Der deutsche Markt hingegen legt zu: Hier erhöhte der VDA die Wachstumsprognose von bisher zwei auf rund vier Prozent. Das entspreche einem Volumen von gut 3,1 Millionen Neuzulassungen. „Auch das Automobilgeschäft in Westeuropa entwickelt sich im laufenden Jahr besser als erwartet“, sagte Wissmann dem „Focus“.

Auch die USA überträfen die Erwartungen. „Der Markt für Pkw und Light Trucks wird 2015 um rund drei Prozent auf knapp 16,9 Millionen Neuwagen zulegen - das wäre der höchste Absatz seit zehn Jahren.“

Chronik

Sturm „Erika“: Flutwarnungen für Florida

Nach den Verwüstungen durch Wirbelsturm „Erika“ in der Karibik machen sich Einwohner im Süden des US-Staates Florida zum Wochenanfang auf Überschwemmungen gefasst.

Der Sturm hatte sich am Freitag bei seinem Zug über die bergigen Karibikinseln abgeschwächt, er war heute nur noch ein Tiefdruckgebiet - aber so intensiv, dass Meteorologen vor allem für den Südwesten Floridas bis zu zehn Zentimeter Niederschlag vorhersagten.

Warnung vor Springfluten

Für mehrere Bezirke zwischen Tampa und Naples wurden Flutwarnungen ausgegeben. In Miami an der südöstlichen Atlantikküste Floridas machten sich die Überbleibsel von „Erika“ bereits heute Vormittag (Ortszeit) mit heftigen Regenfällen bemerkbar.

Die Masse der Niederschläge wurde jedoch in Regionen auf der Westseite des Staates erwartet, beim Zug des Regengebiets nordwärts entlang der Küste am Golf von Mexiko.

Weil hier der Boden nach einem regenreichen Sommer bereits gesättigt ist, warnte die Nationale Wetterbehörde vor Springfluten und Überschwemmungen. 8.000 Nationalgardisten standen nach Angaben von Gouverneur Rick Scott für Notfalleinsätze bereit.

Sturm forderte mindestens 35 Menschenleben

Vor allem die Insel Dominica wurde von „Erika“ schwer verwüstet. Mindestens 35 Menschen kamen ums Leben. Premierminister Roosevelt Skerrit erklärte gestern Abend (Ortszeit) einige Regionen des Inselstaates zum Katastrophengebiet und bat um Spenden für die Bevölkerung und den Wiederaufbau.

An der westafrikanischen Küste bildete sich indessen nach Angaben des NHC der Tropensturm „Fred“, der über Kap Verde in Richtung Nordwesten zieht. Weiterhin beobachtet werden auch die beiden Wirbelstürme „Jimena“ und „Ignacio“, die sich im östlichen Pazifik Richtung Hawaii bewegten.

62-Jährige nach neun Tagen in Sierra Nevada gerettet

Nach neun Tagen ist eine in der kalifornischen Sierra Nevada verschollene Wanderin gerettet worden. Wie die Behörden des westlichen US-Bundesstaates heute mitteilten, wurde die 62-Jährige am Vortag in einer sehr abgelegenen Region des Gebirges verletzt an einem Bach entdeckt.

Sie war am 20. August vermisst gemeldet worden - und überlebte dank eines Wasserfilters, mit dem sie das Wasser aus dem Bach reinigte.

Mehrere Knochenbrüche erlitten

Tagelang hatten die Einsatzkräfte nach der Frau gesucht, wie Sheriff Margaret Mims berichtete. Der Rauch von Buschbränden behinderte die Sucharbeiten erheblich. Als sie die Vermisste schließlich im Bezirk Fresno aufspürten, stellten sie bei ihr mehrere Knochenbrüche fest. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht; ihre Genesungschancen galten als gut.

Rusty Hotchkiss von der Highway-Polizei sagte dem Sender CNN, aufgrund ihrer Verletzungen habe die Wanderin zwei Tage gebraucht, um den Bach zu erreichen. Eigentlich habe sie nur einen Tag wandern wollen und deshalb keinen Proviant dabei gehabt. „Am Bach konnte sie dann mit Hilfe des Wasserfilters trinken und auf diese Weise überleben.“

Religion

Papst spricht auf Petersplatz A4-Flüchtlingstragödie an

Mit direktem Bezug auf die 71 Todesopfer der Flüchtlingstragödie auf der burgenländischen A4 (Ostautobahn) hat Papst Franziskus heute auf dem Petersplatz zum stillen Gebet für all jene aufgefordert, „die auf ihren fürchterlichen Reisen“ sterben. Franziskus verwies dabei darauf, dass auch Kardinal Christoph Schönborn anwesend sei.

Die in einem Lkw erstickten Menschen, darunter vier Kinder, seien Opfer eines Verbrechens gegen die ganze Menschheitsfamilie, sagte Franziskus bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Er sei im Gebet für die Toten vereint mit der Kirche in Österreich.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche sagte, Gott möge „uns helfen, dabei zusammenzuarbeiten, diese Verbrechen zu verhindern, die die gesamte menschliche Familie beschämen“. Die internationale Gemeinschaft solle sich bemühen, Gewalt und Missbrauch ein Ende zu setzen.

Kultur

Feuer in Filmstudio Babelsberg - Kulissen abgebrannt

Bei Dreharbeiten ist ein Feuer im deutschen Filmstudio Babelsberg ausgebrochen und hat Kulissen zerstört. „Bei einem internationalen Filmprojekt sollten Spezialeffekte eingesetzt werden, dabei sind offensichtlich Funken übergesprungen“, sagte der Sprecher des Filmstudios, Eike Wolf, heute. Es sei niemand verletzt worden. Als das Feuer gestern Abend ausbrach, seien etwa 100 Menschen am Set in Potsdam gewesen.

Nach Informationen der dpa wurden Szenen für den Horrorfilm „A Cure for Wellness“ von US-Regisseur Gore Verbinski („Fluch der Karibik“) gedreht. Die Filmarbeiten erfolgten in neuen großen Hallen des Unternehmens in der Nähe von Kulissen wie der mittelalterlichen Siedlungsstraße, die für den Film „Anonymus“ von Roland Emmerich erbaut wurde.

Angaben zur Schadenshöhe lagen zunächst nicht vor. Nach Angaben von Studiosprecher Wolf wird der Brandort von Gutachtern untersucht - auch um versicherungstechnische Fragen zu klären. Aktuelle Produktionen seien durch den Brand nicht beeinträchtigt, betonte Wolf. In Babelsberg entsteht derzeit auch die fünfte Staffel der US-Serie „Homeland“.

New Yorker Musicalstar bei tragischem Sturz gestorben

Kyle Jean-Baptiste, Musicalstar und erster Schwarzer in der Hauptrolle von „Les Miserables“ am Broadway, ist tot. Der 21-jährige Schauspieler und Tänzer starb nach Angaben der „New York Times“ von heute am Freitag nach einem Sturz von der Feuerleiter seiner Wohnung.

Jean-Baptiste, ein gebürtiger New Yorker, galt als so etwas wie ein Wunderkind des Broadway. Die Rolle des Ex-Sträflings und guten Gewissens Jean Valjean in „Les Miserables“ war aber seine erste Hauptrolle.

Der Polizei zufolge war der 21-Jährige mit einer Freundin auf der Feuerleiter im dritten Stock gesessen - typisch im heißen Sommer New Yorks. Als er aufstand, sei er nach hinten gekippt und in die Tiefe gestürzt. Die Polizei geht von einem Unfall aus.

Lifestyle

Bayer gewann „Arschbomben“-WM in Deutschland

Bei der „Arschbomben“-Weltmeisterschaft hat Rainhard Riede aus dem bayerischen Waldkraiburg mit gewagten Sprüngen inklusive hoher Wasserfontänen den Titel gewonnen. Im Finale des Zehn-Meter-Springens setzte er sich heute in Sindelfingen in Baden-Württemberg gegen 13 Konkurrenten durch, darunter Österreicher, Kroaten und Finnen.

„Ein perfekter Tag, ich bin superglücklich - mit der dritten WM-Teilnahme hat es endlich geklappt“, sagte Riede. Eigentlich heißt die Sportart „Splashdiving“, doch selbst die Veranstalter sprechen von „Arschbomben“-WM, einer „Sportart mit Augenzwinkern“.

Splashdiving ist eine Art unkonventionelles Turmspringen, bei dem lautes Klatschen beim Aufkommen auf dem Wasser durchaus erwünscht ist. Es geht vor allem um Spaß, Preisgeld gibt es nicht. Die Akrobaten können zwischen verschiedenen Arten der „Arschbombe“ wählen, die Figuren heißen „Brett“ oder „Kartoffel“. Zudem zeigen sie beim Sprung Drehungen und Salti.

Leute

Putin stemmt fürs Image Gewichte

Der Kreml hat am Sonntag Bilder des russischen Präsidenten Wladimir Putin veröffentlicht, die ihn beim Gewichtestemmen mit Premierminister Dimitri Medwedew zeigen.

Mit einem weißen T-Shirt und einer Trainingshose bekleidet, trainiert der Staatschef an verschiedenen Kraftmaschinen, um seine Fitness unter Beweis zu stellen. An einigen Geräten wird er von seinem Regierungschef begleitet, danach nehmen die beiden ein gemütliches Frühstück ein.

Wladimir Putin beim Training

Reuters/Michael Klimentyev/RIA Novosti/Kremlin

Putin an der Kraftmaschine

In diesem Sommer wurden bereits mehrere Bilderserien veröffentlicht, die Putin als maskulinen Draufgänger in Szene setzen. So ritt er mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd, flog in einem Überschalljet und jagte einen Tiger. Solche Aufnahmen sollen sein Image als starker Staatsmann unterstreichen, das unter den schlechten Wirtschaftsdaten, fallender Währungskurse und den Sanktionen mit dem Weste stark zu leiden hatte.