Inland

Grünen-Kritik an Extremistengesetzen

Die Idee, österreichischen Dschihadisten die (Doppel-)Staatsbürgerschaft abzuerkennen, stößt beim grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz auf Kritik.

Das sei „Unsinn“ und die „dümmste Idee“ des gestern vorgestellten ÖVP-Pakets gegen islamistische Terrororganisationen, sagte er heute bei der grünen Klubklausur auf dem Wiener Kahlenberg.

„Der Justizminister macht einen Vorschlag für etwas, das es nicht gibt“, so Pilz, denn Dschihadisten mit Doppelstaatsbürgerschaft seien dem Innenministerium gar nicht bekannt. Greifen würde eine solche Maßnahme nur, wenn sie auch auf einfache Staatsbürger angewandt würde. Das sei aber abzulehnen, dränge sie Menschen doch in die Staatenlosigkeit und in die Illegalität. Richtig wäre es hingegen, massiv auf Integration zu setzen, so Pilz.

Brandstetter: Pilz-Kritik an falsche Adresse

ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter reagierte „verwundert“ über Pilz’ Kritik. Sie sei alleine sachlich nicht nachvollziehbar, da diese Materie nicht in die Zuständigkeit des Justizressorts falle, erklärte er in einer Aussendung. Die ÖVP hatte tags zuvor betont, die ÖVP-Sicherheitsminister hätten die entsprechenden Gesetzespläne gemeinsam entworfen.

Grenzkontrollen: Mikl-Leitner drängt auf EU-Regelung

Mit dem Verweis auf eine nötige EU-Regelung zur Aufteilung der Flüchtlinge hat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf die Forderung von Landeshauptleuten nach temporären Grenzkontrollen geantwortet. Solche seien „kein Szenario der nächsten Wochen“, sagte sie heute am Rande des Ministerrats.

Zuletzt hatte sich Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in der „Kronen Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe) für Kontrollen ausgesprochen. „Ich glaube, dass es an der Zeit ist, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem man Grenzkontrollen wieder einführt, und zwar im Bedarfsfall von einem Tag auf den anderen“, so Pröll.

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Mikl-Leitners Priorität sind nach Aussagen der Ministerin Verhandlungen auf EU-Ebene, um die Flüchtlinge gerecht auf alle 28 Mitgliedsstaaten aufzuteilen: Wenn man Grenzkontrollen wünsche, gebe es bei Gefährdung der inneren Sicherheit einen EU-Mechanismus, der einzuleiten wäre. Damit habe es etwa beim Weltwirtschaftsforum schon temporäre Grenzkontrollen gegeben.

Sollte es in Österreich zu solchen kommen, kann die Innenministerin die Option nicht ausschließen, dass das Bundesheer zum Assistenzeinsatz zur Hilfe geholt wird. Prinzipiell wären Grenzkontrollen eine Aufgabe der Polizei, merkte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) an, aber sollte die Polizei es im Fall der Fälle nicht alleine schaffen, würde das Bundesheer selbstverständlich helfen.

Team Stronach will Armenhäuser wiederbeleben

Mit ungewöhnlichen Vorschlägen, um das „Ausnutzen unseres Sozialsystems“ zu verhindern, wartet der Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Christoph Hagen auf: Er will Armenhäuser und Lebensmittelmarken ins Auge fassen, wie er gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ (Dienstag-Ausgabe) sagte. Mit der Mindestsicherung würden die Menschen „zum Nichtstun erzogen“.

„Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“, so Hagen. „Warum braucht ein Alleinstehender eine Zweizimmerwohnung, die von der BH (Bezirkshauptmannschaft, Anm.) gestellt wird? Warum braucht ein Mindestsicherungsempfänger ein Handy, einen Fernseher oder einen Laptop?“, fragt sich der Abgeordnete.

„In Armenhäusern wird man versorgt“

Seiner Meinung nach hätte etwa das Wiederbeleben von Armenhäusern Sinn: „Wenn du da mal drinnen bist, dann bemühst du dich, wieder einen Job zu bekommen.“ Er wolle niemanden fallenlassen, „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, meinte Hagen.

„In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang.“ Ein kleines Einzelzimmer mit Bett solle die Privatsphäre garantieren.

Bei Familien müsse man natürlich schauen, dass „die Kinder nicht unter die Räder kommen“, nach Hagens Vorstellungen aber nicht in Form von rein finanziellen Zuschüssen, sondern gezielt über Lebensmittelmarken, die nicht gegen Zigaretten und Alkohol eingetauscht werden könnten.

NEOS „schockiert“

NEOS zeigte sich in einer Reaktion „schockiert“ über das „mittelalterliche Menschenbild“ des Teams Stronach (TS). „Die Forderung nach Armenhäusern und Lebensmittelmarken stellen jegliche Errungenschaft moderner Sozialstaaten infrage“, meinte Sozialsprecher Gerald Loacker in einer Aussendung.

Die Pläne von Hagen würden „zu einer Erniedrigung sozial bedürftiger und meist ohnehin schon stigmatisierter Menschen führen“, so Loacker. Im Bürgergeldmodell von NEOS zahle sich Erwerbstätigkeit aus, ein Zuverdienst neben einer Sozialleistung würde diese nur um einen Teil verringern, anstatt sie ganz wegfallen zu lassen, so Loacker.

Ausland

Kreml-Partei sichert sich auf Krim 70 von 75 Mandaten

Bei der Kommunalwahl auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat die Kreml-Partei Geeintes Russland laut offiziellem Ergebnis 70 der 75 Parlamentssitze gewonnen. Wie die örtlichen Wahlbehörden heute mitteilten, gingen die verbleibenden fünf Mandate an die ultranationalistische Liberaldemokratische Partei (LDPR).

In der Hafenstadt Sewastopol, Stützpunkt der russischen Schwarzmeer-Flotte, errang Geeintes Russland 22 von 24 Sitzen, die LDPR die beiden übrigen. Alle weiteren Parteien scheiterten an der Fünfprozenthürde. Die Beteiligung an der Abstimmung vom Sonntag bezifferten die Wahlbehörden auf 53,61 Prozent.

Kritik von Unabhängigen verhallt ungehört

Anführer der Minderheit der Krimtataren hatten zum Boykott der Wahl aufgerufen, die Ukraine und der Westen bezeichneten die Abstimmung in dem annektierten Gebiet als illegal. Die russische Regierung wertete den Urnengang auf der Schwarzmeer-Halbinsel, die sich Moskau im März nach einem umstrittenen Referendum einverleibt hatte, ihrerseits als positiv.

Auch in allen 84 Regionen Russlands hatten am Sonntag Kommunalwahlen stattgefunden. In den meisten Regionen gewann Geeintes Russland die Abstimmungen über regionale Parlamente oder Gouverneure eindeutig. Auch bei der Wahl des neuen Stadtrats von Moskau trug die Kreml-Partei erwartungsgemäß einen klaren Sieg davon. Die liberale Opposition ging in der Hauptstadt leer aus. Aktivisten kritisierten, unabhängige Kandidaten seien zu der Wahl gar nicht zugelassen worden.

Irakisches Parlament lehnt Minister ab

Rund eine Woche nach seiner Amtsübernahme droht dem neuen irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi die erste Regierungskrise. Seine beiden Kandidaten für die Ämter des Innen- und des Verteidigungsministers erhielten heute im irakischen Parlament keine Mehrheit. Beiden Ämtern kommt bei der Bekämpfung der Terrormiliz IS besondere Bedeutung zu.

Parlamentspräsident Salim al-Dschaburi verschob die Parlamentssitzung daraufhin auf Donnerstag, wie die irakische Nachrichtenseite al-Sumaria News berichtete. Demnach erhielt der für das Amt des Verteidigungsministers vorgesehene sunnitische Politiker Dschabar al-Dschabari nur 118 von 251 Stimmen. Der Kandidat für den Posten des Innenministers, der Schiit Rijad Gharib, habe nur 117 Stimmen bekommen.

Abadi hatte sein Kabinett Anfang vergangener Woche gebildet. Wegen Streitigkeiten unter den Parteien blieben die beiden Posten des Innen- und des Verteidigungsministers zunächst jedoch unbesetzt. Abadi sagte zu, die Ämter innerhalb von einer Woche zu besetzen.

Brandstiftung in Brüsseler Synagoge

Unbekannte haben Feuer in einer Brüsseler Synagoge gelegt. Der Brand brach heute im zweiten Stock des Gebäudes im Stadtbezirk Anderlecht aus. Die Ermittler gingen von Brandstiftung aus. Die israelische Regierung hatte ihre Landsleute erst gestern vor Terrorgefahren in Europa gewarnt.

Anlässlich der bevorstehenden jüdischen Feiertage, die viele Israelis für Auslandsreisen nutzen, warnte das Büro zur Terrorabwehr des Nationalen Sicherheitsrats insbesondere vor Attentaten, die von Dschihadisten begangen werden könnten, die zuvor im Irak oder Syrien gekämpft haben und zurückkehren.

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Türkei bereit zur Aufnahme von Muslimbrüdern

Die Türkei ist laut türkischen Medienberichten bereit, führende ägyptische Muslimbrüder aus ihrem Exil im Golfemirat Katar aufzunehmen. „Wenn es keinen Hinderungsgrund gibt, können sie wie andere Ausländer auch als Gäste in unser Land einreisen“, zitierte die Zeitung „Cumhuriyet“ heute Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan sprach gestern Abend auf einem Rückflug von Doha mit türkischen Journalisten. Führende Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft hatten am Wochenende angekündigt, Katar zu verlassen. Sie gaben als Grund wachsenden Druck anderer arabischer Staaten wie Ägypten an.

In Ägypten ist die Muslimbruderschaft seit Dezember verboten. Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi in Ägypten im Juli 2013 flüchteten zahlreiche Muslimbrüder nach Katar. Die Türkei hatte den Sturz Mursis durch das Militär scharf verurteilt.

UNO-Ermittler kreidet Moskau und Peking IS-Erstarken an

Der UNO-Sicherheitsrat hat durch Untätigkeit im Syrien-Konflikt nach Ansicht des UNO-Ermittlers Paulo Sergio Pinheiro zum Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beigetragen.

„Diese Untätigkeit hat es den Kriegsparteien erlaubt, straflos vorzugehen, und die Syrien zerstörende Gewalt noch angefacht. Davon profitiert vor allem IS“, sagte der Vorsitzende der Syrien-Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrates bei einer Sitzung des Rates heute in Genf.

Der Sicherheitsrat ist im Syrien-Konflikt blockiert, weil Russland und China Maßnahmen gegen Machthaber Baschar al-Assad ablehnen. Gräueltaten des IS und syrischer Regierungstruppen hätten Syrien in den „Wahnsinn“ gestürzt, sagte der Brasilianer. „Ich finde keine Worte mehr, um die Schwere der Verbrechen zu beschreiben, die in Syrien verübt werden“, sagte Pinheiro.

So setze IS „Kinder mit Absicht Gewalt aus“, indem sie an Hinrichtungen teilnehmen, indoktriniert und als Kindersoldaten missbraucht werden. Vor allem Regierungstruppen gingen gewaltsam gegen Zivilisten vor. Frauen und Männer verschwänden in Regierungsgefängnissen, würden gefoltert, vergewaltigt und getötet. Pinheiro sagte, er wolle keine neuen Opferzahlen nennen. „Ich glaube nicht mehr daran, dass es sie zum Handeln treibt, wenn ich die Tausenden Toten und Verschwundenen aufzähle.“

Renzi: „Reformen sind letzte Chance Italiens“

Sieben Monate nach seinem Amtsantritt hat der italienische Premier Matteo Renzi heute einen eindringlichen Appell an das Parlament für eine rasche Umsetzung seines Regierungsprogramms gerichtet. Reformen seien für Italien die letzte Chance, sich zu retten.

„Italien hat seinen Sturz gestoppt, doch das genügt nicht. Wir müssen den Neubeginn schaffen und wieder wachsen“, sagte Renzi in einer Ansprache vor der Abgeordnetenkammer. Sein Programm will Renzi in einem Zeitraum von drei Jahren umsetzen. „1.000-Tage-Plan“ nennt der Sozialdemokrat den Plan, mit dem er das von Rezession und Deflation geplagte Italien bis Mai 2017 wieder auf Erfolgskurs bringen will. In diesem Zeitraum sollen vor allem Reformen, die der Premier zum Teil bereits in die Wege geleitet hat, umgesetzt werden.

Seit dem Amtsantritt Renzis im Februar hat sich das makroökonomische Szenario im In- und Ausland wesentlich verschlechtert. Nachdem ein von der Regierung eingeführter Steuerbonus für Arbeitnehmer von 80 Euro im Monat bisher die Konjunktur nicht in Schwung brachte, will sich die Regierung nun in erster Linie um Steuervereinfachung und Entbürokratisierung kümmern, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Debatte über Konsumbelebung

Renzi wies die Kritik zurück, dass der 80-Euro-Bonus bisher nicht dazu beigetragen habe, den rückgängigen Konsum in Italien anzukurbeln. Er versicherte, dass er sein Reformprogramm durchsetzen und dabei auch die Maastrichter Drei-Prozent-Defizitschwelle berücksichtigen werde.

Für die italienische Wirtschaft gibt es kaum Hoffnung auf Aufschwung in den kommenden Monaten. Sowohl die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als auch die Ratingagentur Standard & Poor’s rechnen damit, dass Italien bis Ende 2014 in der Rezession stecken wird. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im Gesamtjahr 2014 um 0,4 Prozent schrumpfen, nachdem es bereits 2013 um 1,8 Prozent zurückging. Im kommenden Jahr ist mit einem Wachstum von lediglich von 0,1 Prozent zu rechnen, wie aus den Berichten hervorgeht.

Sport

Fußball: Indien investiert in „Starliga“

Milliardäre, Kricketlegenden und Bollywood-Stars planen die Revolution im indischen Fußball. Im Schatten der unangefochtenen Nummer-eins-Sportart Kricket soll die am 12. Oktober startende Indian Super League (ISL) dem Kampf ums runde Leder zum Durchbruch verhelfen. Die erstmalige WM-Teilnahme 2026 ist das große Ziel. Vorerst sollen Altstars aus aller Welt den Fußball auf dem Subkontinent für 1,2 Milliarden potenzielle Fans attraktiver machen. Nicolas Anelka, Alessandro del Piero, Marco Materazzi und David Trezeguet sind nur vier davon. Mit insgesamt acht Clubs verfolgt man zudem ein im internationalen Fußball außergewöhnliches Kaderkonzept.

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Handball: ÖHB bewirbt sich für EM 2020

Der Österreichische Handballbund (ÖHB) hat vier Monate vor der WM 2015 in Katar bereits die Weichen bis ins Jahr 2020 gestellt. „Nicht allzu lange überlegen“ musste der isländische Erfolgstrainer Patrekur Johannesson, um seinen Vertrag als österreichischer Teamchef bis 2020 zu verlängern. Dann soll nämlich wieder eine Europameisterschaft in Österreich stattfinden. Bei der Bewerbung dafür hat sich der ÖHB mit seinen einstigen Konkurrenten verbündet und damit die Austragung so gut wie sicher.

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Tennis: Erschöpfter Thiem reduziert Programm

Für das am Wochenende 4:1 gewonnene Davis-Cup-Duell mit Lettland ist Jungstar Dominic Thiem dem ÖTV nicht zur Verfügung gestanden. Dass er stattdessen eine Pause einlegte, brachte ihm einige Kritik ein. Aber die lange Saison hat den 21-Jährigen offenbar einiges an Kraft gekostet, denn nun hat er auch für das kommende Woche stattfindende Turnier in Kuala Lumpur abgesagt. Das Tennisjahr ist für Österreichs Nummer eins damit aber noch nicht vorbei.

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Wirtschaft

Türkei droht Fitch und Moody’s

Nach kritischen Aussagen von Fitch und Moody’s hat die Türkei den beiden großen Ratingagenturen einem Medienbericht zufolge mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht.

„Wir haben die Beziehungen zu Standard & Poor’s beendet“, sagte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan laut einem Bericht der Zeitung „Hürriyet" von heute. "Wenn sie (Fitch und Moody’s) so weitermachen, kann ich dem Ministerpräsidenten sagen, dass er die Zusammenarbeit mit diesen beiden ebenfalls einstellt.“ So weit sei es jedoch noch nicht.

Erdogan warf den beiden Agenturen dem Blatt zufolge vor, Bewertungen auf politischer und nicht auf wirtschaftlicher Basis zu treffen. Die Ratingagentur Moody’s hatte vergangenen Monat vor einer möglichen wirtschaftlichen Instabilität in der Türkei gewarnt und schnellere Strukturreformen gefordert. Fitch äußerte unter anderem Besorgnis über die hohe Inflation im Land.

2012 hatte die Türkei nach einer schlechteren Einstufung durch Standard & Poor’s die Zusammenarbeit mit dieser Ratingagentur beendet. Standard & Poor’s bewertet die Türkei für ihre Kunden aber weiter. Damals war Erdogan Ministerpräsident. Sein Vertrauter Ahmet Davutoglu übernahm dieses Amt im vergangenen Monat.

Athen leiht sich erneut Geld

Das schuldengeplagte Griechenland hat sich heute erneut kurzfristig eine Milliarde Euro auf dem Kapitalmarkt besorgt. Für die dreimonatigen Papiere belief sich der Zinssatz auf 1,70 Prozent. Das ist leicht niedriger als im Vormonat (1,75 Prozent), wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte.

Analysten in Athen gingen davon aus, dass die Regierung angesichts einer neuen Prüfung der Geldgeberexperten Ende September „die Kassen voll“ haben will, um somit härter verhandeln zu können. Das aktuelle Hilfsprogramm für Griechenland läuft in seiner EU-Komponente Ende des Jahres ab. Nur der Internationale Währungsfonds (IWF) soll weitere Hilfen bis 2016 überweisen.

Anleihen im Monatstakt

Vor knapp einer Woche hatte das Land mit einer Tauschaktion von Wertpapieren insgesamt 1,62 Mrd. Euro an Schulden gestreckt. Dabei wurden Papiere mit einer nur drei- bis sechsmonatigen Laufzeit gegen neue Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit von drei bis fünf Jahren getauscht.

Griechenland hatte sich erstmals seit Ausbruch der Schuldenkrise im April und danach wieder im Juli Kapital auf dem Finanzmarkt besorgt. Im Juli sammelte das schuldengeplagte Land 1,5 Mrd. Euro mit einer dreijährigen Laufzeit und im April drei Mrd. Euro für eine fünfjährige Laufzeit ein.

Österreich bei offenen Stellen auf Rang fünf in EU

Bei der Zahl der offenen Stellen ist Österreich im Vergleich der 28 EU-Staaten im zweiten Quartal 2014 an fünfter Stelle gelegen. 1,6 Prozent der Arbeitsplätze waren hierzulande neu zu vergeben, wie die Statistikbehörde Eurostat heute bekanntgab. Damit liegt Österreich exakt im Schnitt der 28 EU-Mitglieder. Der Schnitt der 18 Euro-Mitglieder liegt mit 1,7 Prozent etwas höher.

Am besten positioniert war Deutschland bei der Quote der offenen Stellen an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze. Dort wurde mit 2,8 Prozent die größte Quote an offenen Stellen nach den nicht saisonal bereinigten Zahlen registriert.

Es folgen Belgien (2,4 Prozent), Großbritannien (2,3 Prozent) und Schweden (1,8 Prozent) vor Österreich. Die niedrigsten Quoten verzeichneten im zweiten Quartal des laufenden Jahres Lettland (0,4 Prozent) sowie Portugal und Spanien (je 0,6 Prozent). Aus Griechenland und Polen liegen keine Zahlen für das zweite Quartal vor.

Besonders stark war dabei der Rückgang in Industrie und Baugewerbe, wo die Quote der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,4 auf ein Prozent sank. Im Dienstleistungssektor fiel der Rückgang von 2,6 auf 2,4 Prozent hingegen moderater aus.

Religion

Irakischer Botschafter warnt vor IS-Anschlag auf Papst

Der irakische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Habib al-Sadr, hat den Vatikan aufgefordert, Drohungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen den Papst ernst zu nehmen. „Die öffentlichen Kampfparolen und die Verbrechen der IS-Terrormiliz gegen Christen sind Tatsachen. Ich kenne keine genauen operativen Pläne. Doch was die IS-Terroristen behauptet haben, ist klar: Sie wollen den Papst töten“, sagte der seit 2010 in Italien lebende Botschafter im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Quotidiano Nazionale“ heute. Der Vatikan hatte zuletzt dementiert, dass es konkrete Drohungen gegen Papst Franziskus gebe.

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Chronik

Anwalt in Kopenhagen im Gericht erschossen

Bei einem Familienstreit ist in einem Gericht in der Kopenhagener Innenstadt ein Anwalt erschossen worden. Sein Mandant - Vater eines Kleinkindes - wurde heute lebensgefährlich verletzt. Der Großvater des Kindes soll die Schüsse nach Polizeiangaben mit einem abgesägten Jagdgewehr abgefeuert haben.

Wenige Minuten später nahmen die Beamten ihn in unmittelbarer Nähe zum Tatort in der dänischen Hauptstadt fest. Der 67-Jährige habe sich „ohne Dramatik“ ergeben, sagte der Leiter der Abteilung für Gewaltverbrechen bei der Kopenhagener Polizei. Bei dem Gerichtstermin sei es um das Besuchsrecht für das dreijährige Kind gegangen. Ursprünglich hatte die Mutter selbst kommen sollen, ihrem Vater aber eine Vollmacht ausgestellt.

Tote bei Karambolage mit 150 Autos in Niederlanden

Bei einer Massenkarambolage mit 150 Fahrzeugen sind in den Niederlanden zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Der schwere Unfall auf der Autobahn 58 habe sich in dichtem Nebel nahe der Küste in Zeeland ereignet, teilten die Sicherheitsdienste mit.

Dutzende Rettungswagen waren an der Unglücksstelle zwischen Goes und Middelburg im Süden des Landes im Einsatz. Die Unfälle hatten sich im morgendlichen Berufsverkehr ereignet.

Die Rettungskräfte riefen die Insassen der beteiligten Fahrzeuge auf, in der Nähe ihrer Autos zu bleiben. Ein Bus wurde zum Unfallort etwa 150 Kilometer südwestlich von Amsterdam geschickt, um die Betroffenen in Sicherheit zu bringen. Die Polizei rief Touristen auf, die Unglücksstelle in der Küstenprovinz möglichst weiträumig zu umfahren.

Vier Kilo Kokain in Vatikan-Auto entdeckt

In einem Diplomatenwagen des Vatikans haben französische Zöllner vier Kilogramm Kokain entdeckt. Der Fahrer und der Beifahrer, zwei Italiener ohne Diplomatenausweis, wurden festgenommen, wie heute aus französischen Justizkreisen verlautete. Gefunden wurden die Drogen bereits am Sonntag bei einer Routinekontrolle nahe der Alpen-Stadt Chambery.

In dem Ford mit einem Diplomatenkennzeichen des Vatikans fanden die Zöllner neben dem Kokain auch 200 Gramm Cannabis. Für kirchliche Würdenträger waren die Drogen aber offenbar nicht bestimmt - und der Vatikan beeilte sich zu versichern, dass kein Vertreter des Kirchenstaates in den mutmaßlichen Drogenhandel verwickelt sei.

Auto gehört argentinischem Kardinal

Der Wagen gehört dem argentinischen Kardinal Jorge Maria Mejia, wie der Vatikan heute laut Angaben der Nachrichtenagentur I.Media bestätigte. Der 91-Jährige ist emeritierter Bibliothekar und Archivar am Heiligen Stuhl. Laut dem Radiosender RTL hatte sein Privatsekretär das Auto vor wenigen Tagen den beiden Italienern anvertraut, damit diese es einer technischen Kontrolle unterziehen lassen.

Die 30 und 41 Jahre alten Männer fuhren laut Medienberichten mit dem Wagen nach Spanien zum Drogenkauf - offenbar waren sie überzeugt, mit einem Diplomatenkennzeichen würden sie nicht kontrolliert. Ob sich die Sache tatsächlich so abspielte, muss noch geprüft werden, wie Justizkreise betonten. Die beiden Italiener befanden sich weiter in Polizeigewahrsam und sollen am Donnerstag wegen des Vorwurfs des Drogenschmuggels einem Richter vorgeführt werden.

Medien

Angebliche Putin-Geliebte wird Medienzarin

Die angebliche Geliebte des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die frühere Sportgymnastin Alina Kabajewa, übernimmt mit 31 Jahren den Chefsessel einer mächtigen, kremltreuen Mediengruppe. Kabajewa habe das Angebot der Eigentümer akzeptiert, die National Media Group (NMG) zu leiten, teilte eine Sprecherin des Unternehmens heute mit.

Kabajewa saß sieben Jahre für die Putin-Partei Geeintes Russland im Parlament, gestern hatte sie die Niederlegung ihres Mandats angekündigt.

Die Sportlerin hatte bei den Olympischen Spielen 2004 eine Goldmedaille in Rhythmischer Sportgymnastik gewonnen. Drei Jahre später beendete sie ihre Karriere und wurde in die Staatsduma gewählt. 2008 berichtete die Zeitung „Moskowski Korrespondent“ über eine angebliche Affäre Putins und Kabajewas, die von beiden Seiten empört zurückgewiesen wurde. Die Zeitung wurde kurz darauf eingestellt. Gestern legte Kabajewa ihr Abgeordnetenmandat nieder.

Talkshow-Leitung als einzige Referenz

Die Gerüchte über eine Affäre zwischen Putin und Kabajewa erhielten letztes Jahr neue Nahrung, als sich Putin und seine langjährige Frau Ludmilla scheiden ließen. Leise Kritik an Kabajewas Eignung für den Karrieresprung gibt es sogar in russischen Medien. Sie habe Abschlüsse in Sportmanagement und moderierte eine Fernsehtalkshow. „Andere Erfahrungen im Mediengeschäft hat sie nicht“, stellte die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ heute fest.

Auch ihr neuer Arbeitgeber ist alles andere als unumstritten. Die NMG entstand 2008 unter anderem aus einer Holding des Geschäftsmannes Juri Kowaltschuk, dem Vorsitzenden der Bank Rossija. Die Bank gehörte zu den ersten, die die EU wegen der Ukraine-Krise mit Sanktionen belegte, Kowaltschuk selbst erhielt ein Einreiseverbot. Der Mediengruppe NMG warf Brüssel im Juli vor, Sender zu kontrollieren, die „die russische Regierungspolitik der Destabilisierung der Ukraine aktiv unterstützen“.

Zum NMG-Imperium gehören unter anderem der Sender Ren TV, die Zeitungen „Iswestija“ und „Twoi Den“ sowie die Radiostation Russkaja Sluschba Nowostei. Anteile hält NMG auch am TV-Sender Perwy Kanal, einem der meistgesehenen Kanäle des Landes.

Gesundheit

Mediziner: Alzheimer könnte übertragbar sein

Bei Alzheimer-Demenz und Parkinson können Neuromediziner ein Übertragungsrisiko bei bestimmten medizinischen Eingriffen nicht gänzlich ausschließen. Aus Tierversuchen gebe es Hinweise auf eine Übertragung der Krankheiten, sagte der Münchner Neuropathologe Armin Giese heute bei der Eröffnung der Neurowoche in München.

Verklumpte Eiweiße aus dem Gehirn von Parkinson-Patienten seien Affen gespritzt worden, bei denen anschließend ähnliche Veränderungen im Gehirn beobachtet worden seien.

Keine Ansteckungsgefahr für Pfleger

Allerdings schränkte Giese ein: „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann.“ Mögliche Übertragungswege etwa bei Bluttransfusionen oder Hirnoperationen seien aber nicht vollständig geklärt.

Ausbreitung im Gehirn wie Infektion

Die Alzheimer-Demenz und Parkinson breiten sich im Gehirn offenbar wie eine Infektionskrankheit aus, wie Giese weiter berichtete. Die verklumpten Proteine lösen offensichtlich eine Kettenreaktion aus, die wie eine Lawine auf verschiedene Gehirnteile übergreift.

Die Neuromedizin befasse sich derzeit intensiv mit der Frage, wie diese Kettenreaktion gestoppt werden kann. „Wenn es gelänge, diese Prozesse aufzuhalten, könnte das ein wichtiger Schritt zur Behandlung dieser bisher unheilbar fortschreitenden Erkrankung sein.“

Kultur

Nachwuchsfilmpreis an österreichischen Film „Musik“

Bereits bei der Diagonale hat der Film überzeugt - jetzt hat er den renommierten deutschen Filmnachwuchspreis „First Steps Award“ in der Kategorie „Bester Film bis 60 Minuten“ gewonnen. Der Film wurde gestern Abend vor 1.700 Gästen in Berlin ausgezeichnet und vom Publikum begeistert aufgenommen.

Es geht in dem Streifen um einen korrupten Beamten, der nur raus will – aus Job, Routine und Abwärtsspirale. Er möchte etwas ganz anderes - so etwas wie Musik. Der Film ist, wie es vonseiten der Preisverleiher heißt, eine „heiter-tragische Gratwanderung zwischen Absurdität und Realismus eines liebenswerten Realitätsverweigerers, der ausgerechnet in der pubertierenden Freundin seiner Tochter eine glühende Bewunderin findet“.

Für Buch und Regie zeichnete Stefan Bohun verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist auch die schauspielerische Leistung von David Oberkogler in der Hauptrolle des Andreas. Er verkörpert den Verlierer, der auf eine typisch österreichische Weise „irgendwie mehr will“, glaubwürdig und packend. Auch Pia Sekerlioglu (Michaela), Anna Suk (Verena) und Lilo Hohenberger (Tamara) überzeugen als gleichzeitig rebellische und zu Tode gelangweilte Teenager.

Science

Leute

Reinhold Messner erhält Preis für soziales Engagement

Der Bergsteiger Reinhold Messner wird mit dem deutschen Courage-Preis für soziales Engagement ausgezeichnet. Das Komitee Courage in Bad Iburg bei Osnabrück würdigt Messner, der morgen 70 wird, für seine Verdienste für den natürlichen Erhalt von Hochgebirgsregionen.

Zudem werde der Bergsteiger für die Sicherung der Lebensgrundlagen der Völker in diesen Regionen ausgezeichnet, teilte das Komitee heute mit. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird am 26. September verliehen.

Das Komitee Courage ehrt nach eigenen Angaben Menschen, die sich um das Wohl der Gemeinschaft verdient gemacht haben. Zu früheren Preisträgern gehören Schwedens Königin Silvia, der Rocksänger Peter Maffay und Bundespräsident Joachim Gauck.