Ausland

Dutzende Tote bei Kämpfen mit Polizei in Mexiko

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bewaffneten und der Polizei sind heute im Westen Mexikos Dutzende Menschen getötet worden. Mindestens 37 bewaffnete Zivilisten und zwei Bundespolizisten seien Opfer der Zusammenstöße in der Gemeinde Tanhuato im Bundesstaat Michoacan geworden, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Angaben zur Zahl der Toten bezeichnete er als „vorläufig“.

Offizielle behördliche Stellungnahmen zu den Auseinandersetzungen lagen zunächst nicht vor. Örtlichen Medienberichten zufolge eröffneten die Bewaffneten das Feuer auf einen Polizeikonvoi und verschanzten sich auf einem Bauernhof.

Tanhuato liegt nahe der Stadt Yurecuaro, wo in der vergangenen Woche ein linksgerichteter Kandidat für das Bürgermeisteramt während einer Wahlkampfveranstaltung erschossen wurde. Der Mann war früher führendes Mitglied einer der Bürgerwehren gewesen, die Landwirte in Michoacan im Jahr 2013 gegründet hatten, um das Drogenkartell der Tempelritter zu vertreiben. Dieses gilt nach der Festnahme zweier Anführer als geschwächt.

Erdogans AKP könnte laut Umfragen Mehrheit einbüßen

Die türkischen Finanzmärkte haben nervös auf Meldungen reagiert, wonach die AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Wahl im Juni ihre Parlamentsmehrheit verlieren könnte. Der Erhebung des Instituts Konda zufolge, über die heute Zeitungen berichteten, käme die Partei auf 40,5 Prozent der Stimmen, nach 49,8 Prozent bei der letzten Wahl 2011.

Damit müsste sie eine Minderheitsregierung bilden oder einen Koalitionspartner finden. Bisher war erwartet worden, dass die AKP zwar leichte Einbußen erleiden dürfte, aber weiter allein regieren kann. Der türkische Leitindex gab 0,9 Prozent nach.

Erdogan strebt Zweidrittelmehrheit an

Das Institut Konda, das bei Wahlumfragen hoch angesehen ist, veröffentlichte die von der Privatwirtschaft in Auftrag gegebene Erhebung nicht. Allerdings berichteten türkische Zeitungen darüber. Banker bestätigten die Zahlen. Demnach käme die Oppositionspartei CHP auf knapp 29 (2011: 26,0) Prozent und die Nationalisten der MHP auf knapp 15 (13,0) Prozent. Die MHP erscheint vielen Experten als wahrscheinlicher Partner für die AKP, sollte sie keine absolute Mehrheit erringen. Gewählt wird am 7. Juni.

Staatspräsident Erdogan will jedoch für die Regierungspartei AKP eine Zweidrittelmehrheit holen, um die Verfassung im Alleingang ändern zu können. Das Land soll ein Präsidialsystem mit großen Machtbefugnissen für das Staatsoberhaupt erhalten. Das Gelingen dieses Projekts scheint nun allerdings fraglich, da keine der anderen Parteien, die Chancen auf einen Einzug ins Parlament haben, Erdogans Pläne unterstützt.

Teile von Hillary Clintons E-Mails veröffentlicht

Im Streit über die E-Mails von Hillary Clinton aus ihrer Zeit als US-Außenministerin hat das Außenamt in Washington heute einen ersten Teil des Schriftverkehrs veröffentlicht. Zunächst wurden 296 von insgesamt rund 55.000 Mails der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Darin geht es unter anderem um den Angriff auf das US-Konsulat im ostlibyschen Bengasi im Jahr 2012. Die Kommunikation darüber dürfte vor allem von Interesse sein. Vier US-Diplomaten kamen dabei ums Leben. Wie die Außenamtssprecherin Marie Harf mitteilte, ergäben sich aus den Mails aber keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Republikaner hatten Clinton wegen ihres damaligen Krisenmanagements scharf angegriffen.  

Anfang März war bekanntgeworden, dass Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin von 2009 bis 2013 kein offizielles E-Mail-Konto genutzt hatte, sondern weiterhin ihre private E-Mail-Adresse.

IS-Erfolge: McCain fordert 10.000 US-Soldaten im Irak

Nach den militärischen Erfolgen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat der einflussreiche US-Senator John McCain die Entsendung von US-Bodentruppen in den Irak gefordert. „Ich würde sagen: 10.000 Mann“, sagte er heute dem TV-Sender CNN.

Die Strategie von Präsident Barack Obama, lediglich Kampfjets einzusetzen, sei ein Fehlschlag. Ziel der Dschihadisten sei nicht nur die Kontrolle über den Irak oder Syrien, sondern auch Anschläge in Europa und den USA. „Das Ziel sind wir“, sagte McCain, der als Hardliner der Republikaner gilt.

Obama lehnt die Entsendung von Bodentruppen strikt ab. Das Pentagon kündigte bisher lediglich an, man werde 2.000 weitere Panzerabwehrraketen an den Irak liefern. Die Eroberung der irakischen Stadt Ramadi und der antiken Ruinenstadt Palmyra in Syrien durch IS-Kämpfer bezeichnete Obama lediglich als „taktischen Rückschlag“. „Ich glaube nicht, dass wir verlieren“, sagte er dem „Atlantic Magazine“. Allerdings betonte er, der Kampf gegen die Dschihadisten werde mehrere Jahre dauern.  

IS rückt im Irak Richtung Osten vor

Nach der Eroberung der westirakischen Stadt Ramadi rückte der IS indes weiter Richtung Osten vor. Die Dschihadisten kämpften Regierungstruppen sowie sunnitische Stämme nieder und nahmen den Ort Husaiba ein, wie ein Stammesführer sagte. Dort wehe die schwarze Fahne des IS auf den Verwaltungsgebäuden.

Husaiba liegt rund 100 Kilometer westlich von Bagdad. Den Informationen zufolge bereiteten die Extremisten mit Mörserbeschuss einen weiteren Vorstoß auf die Stadt al-Chalidija östlich von Husaiba vor. Der IS hatte Ramadi am Sonntag eingenommen und der irakischen Armee damit einen empfindlichen Schlag versetzt. Laut UNO sind 40.000 Menschen vor den Extremisten auf der Flucht.

In Mossul zerstörte der IS eine schiitische Moschee und ein jesidisches Heiligtum. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass Extremisten in der Stadt die Kreuze an der Außenfassade einer syrisch-orthodoxen Kirche abgeschlagen hätten, berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unter Berufung auf Informanten.

Auch in Syrien auf dem Vormarsch

Auch in Syrien ist der IS auf dem Vormarsch. Nach der Eroberung der historischen Wüstenstadt Palmyra in Zentralsyrien nahmen die Dschihadisten gestern den letzten noch von Regierungstruppen kontrollierten Grenzübergang zum Irak ein. Zudem wächst die Sorge um Palmyra, dessen Zerstörung laut UNESCO-Chefin Irina Bokowa ein „enormer Verlust für die Menschheit“ wäre.

Niederlande wollen Burkaverbot

Die niederländische Regierung will Burkas und ähnliche Kleider im staatlichen Bereich verbieten. An Schulen, in staatlichen Gebäuden, im öffentlichen Verkehr und in Krankenhäusern solle keine gesichtsbedeckende Kleidung mehr getragen werden dürfen, entschied die Regierung heute in Den Haag. Burkas werden von manchen fundamentalistischen Musliminnen getragen.

Bei einem Verstoß soll eine Geldstrafe von 400 Euro drohen. Das Verbot diene der Sicherheit und einer guten Kommunikation mit den Bürgern, erklärte die Regierung. Nach dem Gesetzesvorschlag sollen Burkas und gesichtsverhüllende Schleier auf der Straße erlaubt bleiben.

Das Verbot schränke die Religionsfreiheit nicht ein, sagte Innenminister Roland Plasterk. „In Schulen muss man einander in die Augen sehen können.“ Wann das Gesetz in Kraft tritt, ist unsicher. Zunächst müssen beide Kammern des Parlaments zustimmen. Zahlreiche Parteien hatten bereits heftige Kritik geübt.

Brüssel will offenbar 40.000 Flüchtlinge auf EU verteilen

Die EU-Kommission will in der kommenden Woche die Verteilung von 40.000 Flüchtlingen aus Griechenland und Italien in andere EU-Staaten vorschlagen. Das sagte heute eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Die EU-Kommission berufe sich dem Entwurf zufolge auf eine Notfallsituation in beiden Ländern, in denen die meisten Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien und aus Afrika ankommen. Die Verteilung ergänze das Quotensystem, das die Kommission Mitte Mai vorgestellt hatte. Die Pläne sollen am Mittwoch vorgelegt werden.

Zahlreiche Gegner

Zahlreiche EU-Staaten, darunter Spanien, Frankreich und viele osteuropäische Länder, wehren sich gegen die Festlegung von Quoten. Deutschland und Österreich, die vergleichsweise viele Flüchtlinge aufnehmen, begrüßen dagegen den Brüsseler Vorschlag zur Verteilung von Flüchtlingen.

Laut den bisherigen Plänen der EU-Kommission sollen zudem 20.000 Menschen, die vornehmlich in Flüchtlingslagern außerhalb der Union leben, über die EU verteilt werden.

600.000 Asylanträge 2014

Nach Angaben der Vereinten Nationen versuchten in diesem Jahr bisher 60.000 Migranten, in die EU zu gelangen, die Hälfte davon über Italien. Voriges Jahr stellten in der EU 600.000 Menschen Antrag auf Asyl. Beim Versuch, über das Mittelmeer in die EU zu gelangen, ertranken in den vergangenen Monaten über 1.000 Menschen. Die EU beschloss daraufhin einen Marineeinsatz im Mittelmeer, mit dem Migranten aus Seenot gerettet und Schleuserbanden bekämpft werden sollen.

Inland

Mystikerin soll für FPÖ-Klub gewirkt haben

Eine Mystikerin aus Niederösterreich soll vor einigen Jahren für den FPÖ-Parlamentsklub gewirkt haben, berichtet das Magazin „News“ in seiner morgen erscheinenden Ausgabe mit Verweis auf eine Leistungsaufstellung aus dem Jahr 2012. Bei den Freiheitlichen bestreitet man Zahlungen des Klubs dafür. Weiter wollte ein Sprecher die „unsinnigen Behauptungen“ nicht kommentieren.

Zum Sonderpreis von 6.000 Euro soll die Frau von April 2010 bis Juli 2012 „Schutz für In- und Ausland, Kraft, Energie, Schutzmantel bei Auftritten, diverse Utensilien“ geboten haben, geht aus einem Faksimile des angeblichen Schreibens hervor, das „News“ abdruckte. Dass dieses Geld tatsächlich geflossen ist, wurde in der Partei auf APA-Anfrage bestritten. „Ich kann ausschließen, dass vom Klub irgendetwas bezahlt wurde“, sagte ein Sprecher. Die Mystikerin war für Auskünfte vorerst nicht erreichbar.

Steiermark: Bankgeheimnis als Wahlkampfjoker

Die De-facto-Abschaffung des Bankgeheimnisses mit der Steuerreform hat bisher gemeinhin als nötiges innenpolitisches Übel gegolten. Nun, gut eine Woche vor der Landtagswahl, überraschte jedoch die steirische ÖVP mit einer Blockadeankündigung. Das Manöver scheint geglückt, denn die politische Konkurrenz ist unter Zugzwang: Die einen unterstreichen jetzt, dass ihnen das Bankgeheimnis noch mehr am Herzen liegt, die anderen werfen der steirischen ÖVP vor, auf Wählerstimmen von Steuerhinterziehern angewiesen zu sein. Die Bundes-ÖVP vermittelte den Eindruck, von der Wahlkampfvolte nicht sonderlich überrascht zu sein.

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US-Botschaft empört über Twitter-Bilder von Peter Pilz

Die US-Botschaft in Wien hat sich heute empört über Bilder des Grünen-Politikers Peter Pilz auf Sozialen Medien gezeigt, die eine angebliche „NSA-Baustelle“ bei den Räumen der US-Vertretung im IZD-Tower in Wien-Donaustadt zeigen sollen. Die Botschaft sei „beunruhigt“, dass der Abgeordnete Bilder eines Botschaftsangehörigen ohne dessen Zustimmung veröffentlicht habe, hieß es in einer Reaktion.

Pilz nahm heute über Facebook und Twitter auf mehrere Monate alte Vorwürfe Bezug, nach denen der US-Geheimdienst NSA in dem Hochhaus eine Lauschanlage betreiben soll. Im September vergangenen Jahres berichtete ORF.at, dass am Dach des 140 Meter hohen Gebäudes in einem vorgeblichen Wartungshäuschen Geräte zur Handyüberwachung untergebracht seien.

Innenministerium bemüht sich um Aufklärung

Der Grünen-Politiker postete mehrere Bilder, auf der Umbauarbeiten in dem Gebäude und angebliche Wächter des US-Innenministeriums sowie ein Arbeiter eines auf Geheimdiensttechnik spezialisierten Unternehmens zu sehen sein sollen. Die US-Botschaft antwortete direkt über Twitter und Facebook auf das Posting von Pilz und schrieb, der Politiker stelle „Staatsbürgerschaft und Beruf“ eines gezeigten Botschaftsangehörigen falsch dar.

Seit Ausbruch der NSA-Affäre durch die Enthüllungen des Ex-Mitarbeiters Edward Snowden hat es immer wieder Vorwürfe gegeben, der US-Geheimdienst sei auch in Österreich aktiv und betreibe in Wien Abhöranlagen. Diese sollen unter anderem die UNO-City und andere internationale Organisationen ausspähen. Ein Sprecher der Innenministeriums sagte der APA auf Anfrage, man bemühe sich um Aufklärung. Er verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Sport

Tennis: Thiem jubelt über Endspiel in Nizza

Dominic Thiem hat wenige Tage vor Beginn der French Open seine Hochform untermauert. Der 21-jährige Niederösterreicher setzte sich heute im Semifinale des ATP-Turniers von Nizza gegen den US-Amerikaner John Isner durch und fixierte damit sein zweites Endspiel auf ATP-Ebene nach Kitzbühel im Vorjahr. Damals hatte Thiem gegen den Belgier David Goffin den Kürzeren gezogen. Im Duell um seinen ersten Turniersieg trifft der ÖTV-Jungstar auf Leonardo Mayer, die Nummer vier des Turniers. Das Finale ist am Samstag ab 14.25 Uhr live in ORF Sport + und im Livestream zu sehen.

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Giro d’Italia: Massensturz kostet Contador Rosa

Ein Massensturz kurz vor der rettenden Drei-Kilometer-Marke hat Alberto Contador die Führung beim Giro d’Italia gekostet. Der 32-jährige Spanier wurde heute gegen Ende der verregneten 13. Etappe mit Ziel in Jesolo ebenso gestoppt wie der Australier Richie Porte, der wieder mehr als zwei Minuten verlor und seine Hoffnung auf den Gesamtsieg damit endgültig begraben musste. Contador war mit 40 Sekunden Rückstand auf Etappensieger Sacha Modolo noch gut bedient, das Rosa Trikot musste er dennoch ausziehen. Mehr Sorgen bereitete ihm aber eine erlittene Verletzung am Bein.

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Formel 1: Teams wollen zurück zur „Diktatur“

Zuschauerschwund und die prekäre Finanzlage einiger Rennställe haben in der Formel 1 die Alarmglocken läuten lassen. Eine Strategiegruppe sollte die Königsklasse deshalb zurück in die Erfolgsspur führen. Nach deren letzter Sitzung ohne Ergebnisse platzte einigen Teamchefs aber der Kragen. „Bernie und Jean sollten entscheiden, was wir zu tun haben“, forderte Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost. „Sie sollten die Teams erst gar nicht fragen, denn die werden sich nie einig sein.“ Mercedes-Sportchef Toto Wolff warnte indes vor einer Rückkehr zur Ecclestone-Diktatur.

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Song Contest

Königsdisziplin der Kameraführung

Wenn morgen 200 Millionen Menschen vor den TV-Geräten das Gefühl bekommen, hautnah beim großen Song-Contest-Finale dabei zu sein, dann ist es unter anderem ihr Verdienst. Die Rede ist von den Kameramännern mit ihren tragbaren Steadycams, die sich mit ihrem technischen Gerät frei bewegen. Körperliche Fitness und ein guter Assistent sind Voraussetzung für das perfekte Bild im Fernsehen.

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Wirtschaft

Gaslieferant für Westeuropa: Norwegen überholt Russland

Norwegen hat Russland als größten Gaslieferanten Westeuropas abgelöst. Damit kommt die EU mit ihrem Vorhaben voran, unabhängiger von russischer Energie zu werden, wie aus Daten des norwegischen Staatskonzerns Gassco und seines russischen Pendants Gasprom hervorgeht. Demnach exportierte Norwegen im Schlussquartal 2014 und im ersten Quartal dieses Jahres jeweils gut 29 Milliarden Kubikmeter Gas nach Westeuropa und Russland je 20 Milliarden.

Russland blieb zwar im vorigen Jahr größter Gaslieferant der gesamten EU einschließlich der osteuropäischen Mitglieder. Allerdings sank der Importanteil von russischem Gas von 43 auf 42 Prozent und das Importvolumen um mehr als zehn Prozent. Zugleich wuchs der Anteil Norwegens bei den EU-Gasimporten von 34 auf 38 Prozent.

Hauptgrund der EU-Pläne für eine größere Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen sind die abgekühlten Beziehungen zur Regierung in Moskau. Die EU wirft Russland vor, nach der Annexion der Krim die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Zudem haben Streitereien über den Gaspreis zwischen Moskau und Kiew in Westeuropa die Furcht vor Engpässen bei der Belieferung über Pipelines durch die Ukraine geschürt.

US-Notenbankchefin rechnet noch 2015 mit Zinswende

US-Notenbankchefin Janet Yellen ist Spekulationen entgegengetreten, die Federal Reserve könnte angesichts einer schwachen Konjunktur die Zinsen in diesem Jahr doch nicht erhöhen. Yellen sagte heute laut Redetext in Rhode Islands, sie gehe sehr wohl davon aus, dass die Notenbank 2015 die Zinswende einleiten werde.

Schließlich sei die US-Wirtschaft auf gutem Weg, das schwache erste Quartal abzuschütteln. Die US-Aktienmärkte reagierten zunächst mit leichten Zuwächsen auf Yellens Aussagen.

Essen wegwerfen: Paris plant Verbot

1,3 Milliarden Tonnen werden weltweit jährlich an Lebensmitteln weggeworfen - auch in Österreich landet jährlich eine Million Tonnen Essen im Müll. Frankreich will nun dieser Verschwendung den Kampf ansagen. Das Parlament in Paris beschloss in erster Lesung einstimmig ein Gesetz, das es Großhändlern und großen Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen. Politiker hatte vor allem empört, dass viele Supermärkte das weggeworfene Essen gezielt ungenießbar machen. Künftig müssen die großen Geschäfte alles nicht verkaufte Essbare spenden.

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Heta erstattet wegen Enthusa Anzeige

Die frühere Hypo Alpe Adria International, jetzt Abbaueinheit Heta, hat wegen der zypriotischen Finanzierungsgesellschaft Enthusa gestern Anzeige erstattet. „Wir bestätigen, dass wir bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eine Sachverhaltsdarstellung in der Causa Enthusa eingebracht haben“, zitiert die „Presse“ (Samstag-Ausgabe) einen Sprecher der Heta.

„Dem Vernehmen nach“ wurden Kreditkunden wegen Betrugs und schweren Betrugs angezeigt worden, schreibt die Zeitung. Außerdem sei bereits am 19. März von der Heta eine Meldung über den Verdacht der Geldwäsche „betreffend die genannte Gesellschaft selbst und natürliche Personen“, abgegeben worden, so die Staatsanwaltschaft Klagenfurt laut „Presse“.

Über die in Zypern registrierte Enthusa flossen zwischen 2006 und 2007 18,88 Mio. Euro zum Kauf von Liegenschaften nahe Belgrad, die später in Bauland umgewidmet werden sollten. Inklusive Zinsen belaufen sich die Schulden heute auf 26 Mio. Euro.

Ex-RBI-Chef Stepic involviert

Involviert waren nicht nur politisch einflussreiche Personen aus Serbien. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Bank International, Herbert Stepic, hielt bis 2012 indirekt 25 Prozent an Enthusa, Geschäftsführer war ein früherer Vorstand der Raiffeisen Investment AG.

„Stepic, der eigenen Angaben zufolge am 24. Juli 2012 aus dem Investment mit Verlust ausgestiegen ist, war nur Investor und allem Anschein nach nicht operativ tätig, weshalb er in der am Donnerstag eingebrachten Anzeige auch nicht als Verdächtiger geführt wird“, schreibt die „Presse“. Als Verdächtige angezeigt seien hingegen laut „Presse“-Informationen neben der Enthusa selbst auch der frühere Raiffeisen-Investment-AG-Mitarbeiter und vier Serben, die teils über eine Gesellschaft an der Enthusa beteiligt waren oder Geld aus den besagten Krediten auf ihr Privatkonto überwiesen bekommen haben.

Die Heta hat laut „Presse“ den Verdacht, dass nur 31 Prozent der Kreditmittel vertragsgemäß eingesetzt wurden. 47 Prozent seien nicht zum vereinbarten Zweck ausgegeben worden - so unter anderem zur Zurückzahlung eines Kredits von 805.000 Euro bei der Raiffeisenbank Belgrad. Bei 22 Prozent des Geldes sei die Verwendung nicht nachvollziehbar.

Bericht: OeNB holt Teil der Goldreserven zurück

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) „scheint drauf und dran zu sein“, einen Teil der Goldreserven nach Österreich zu transportieren, schreibt die „Kronen Zeitung“ (Onlineausgabe). OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny habe eine neue „Goldstrategie“ festgeschrieben, wonach zur Risikostreuung die Hälfte der Reserven in Österreich, 30 Prozent in London und 20 Prozent in der Schweiz liegen sollen.

Die Nationalbank besitzt 280 Tonnen Gold, wovon derzeit 80 Prozent in London, 17 Prozent im Inland und der Rest in der Schweiz liegen. Mit der Aufstockung der Inlandsbestände auf die Hälfte kommt die OeNB auch einer Kritik des Rechnungshofes nach. Dafür müssten 110 Tonnen nach Österreich transportiert werden. Die Vorbereitungen für ein entsprechend gesichertes Goldlager „dürften abgeschlossen sein“, schreibt die „Krone“.

Chronik

Bericht: Vierlinge von 65-Jähriger sind da

Die 65-jährige Berlinerin Annegret R. hat nach Informationen des Senders RTL die erwarteten Vierlinge geboren. Die drei Buben und das Mädchen seien bereits am Dienstag und in der 26. Schwangerschaftswoche in einem Berliner Krankenhaus auf die Welt gekommen, teilte RTL heute Abend mit. Der Kölner Privatsender hat die älteste in Deutschland bekannte Mutter exklusiv unter Vertrag. Das Bekanntwerden der Schwangerschaft von Annegret R. sorgte im April für Aufregung und auch Kritik.

Die Kinder seien noch nicht voll entwickelt, hätten aber nach Angaben der Ärzte gute Überlebenschancen, hieß es von RTL. Die Babys - zwischen 655 und 960 Gramm schwer und zwischen 30 und 35 Zentimeter groß - liegen demnach im Brutkasten.

IT

Millionen Nutzerdaten von Sexkontaktbörse aufgetaucht

Internetpiraten haben offenbar die weltgrößte Sexkontaktbörse Adult Friend Finder (AFF) geknackt und die Privatdaten von 3,9 Millionen Kunden teilweise im Darknet veröffentlicht. Die Betreiberfirma FriendFinder Networks räumte nach einem entsprechenden Medienbericht heute ein „mögliches Sicherheitsproblem“ ein. Die Behörden seien eingeschaltet und eine Ermittlung eingeleitet.

Für manche AFF-Kunden, die vermeintlich anonym Sexkontakte knüpften, könnte der Hackerangriff böse Folgen haben. Der britische Sender Channel 4 berichtete, im Darknet seien die Daten von Millionen Nutzern aufgetaucht: mit ihren sexuellen Orientierungen und Neigungen, ihren Nutzernamen, Internetadressen, Geburtsdaten und Postleitzahlen. Das Darknet ist ein Schatteninternet mit erschwertem Zugang.

Die Cyberspace-Expertin Bev Robb hatte die Daten schon vor einem Monat im Darknet gefunden. Erst heute wurde aber der Name der Seite AFF bekannt, von der die Daten stammten. Der Expertin zufolge könnten damit „abertausende Nutzer“ der Seite identifiziert werden. Die Daten könnten aber auch von dritten für Erpressungsversuche missbraucht werden.

Microsoft blitzt offenbar mit Mrd.-Angebot bei Salesforce ab

Microsoft ist einem Medienbericht zufolge mit einer 55 Milliarden Dollar (rund 49 Mrd. Euro) schweren Übernahmeofferte beim SAP-Rivalen Salesforce abgeblitzt. Microsoft und Salesforce hätten im Frühjahr fortgeschrittene Gespräche geführt, berichtete der TV-Sender CNBC heute unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die beiden amerikanischen Softwarehersteller hätten jedoch beim Kaufpreis keine Einigung erzielen können. Salesforce soll bis zu 70 Milliarden Dollar im Sinn gehabt haben.

Microsoft äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Eine Salesforce-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Nach Reuters-Informationen erwägt Microsoft gegenwärtig kein Gebot mehr für Salesforce.

Zuletzt wurde in Medien immer wieder berichtet, dass Salesforce ein Übernahmeangebot erhalten habe. Als mögliche Interessenten waren neben Microsoft auch Oracle und IBM im Gespräch. SAP hat ein eigenes Interesse verneint und hält den Konkurrenten wegen dessen hoher Bewertung an der Börse in New York ohnehin für unverkäuflich. Der Wert von Salesforce lag dort zuletzt bei fast 50 Milliarden Dollar.

Kultur

Moschee-Kunstprojekt auf Venedig-Biennale muss schließen

Nach wochenlangem Streit muss ein Moschee-Kunstprojekt in einer Kirche für die Biennale in Venedig schließen. Der Schweizer Künstler Christoph Büchel hatte für den isländischen Pavillon eine Moschee in der ehemaligen katholischen Kirche Santa Maria della Misericordia in der Lagunenstadt gebaut.

Die Stadt Venedig zog nun allerdings die Betriebserlaubnis zurück, da die Betreiber Vorgaben verletzt hätten. Sicherheitsvorgaben würden nicht eingehalten, hieß es in einer Mitteilung der Kommune und der Polizei. Heute wurde das Projekt geschlossen.

Für Gebete genutzt

Unmut gab es vor allem, weil Muslime den Ort für Gebete genutzt hatten - was laut Stadt gegen die Auflagen verstoße, das Gebäude nicht für religiöse Zwecke zu nutzen. Die Kuratoren können Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Das Icelandic Art Center, das mit hinter dem Kunstprojekt steht, wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Jedoch veröffentlichte das Zentrum einen offenen Brief auf seiner Website, in dem es die Absicht des Künstlers darlegt. Büchels Installation solle ein Licht auf institutionalisierte Ausgrenzung und Vorurteile in der Gesellschaft werfen - auch mit Blick auf das Thema Einwanderung.

Science