Inland

Breite Front gegen geplante Verländerung der Jugendhilfe

Die von der Regierung geplante „Kompetenzbereinigung“ zwischen Bund und Ländern ist in der Begutachtung auf scharfe Kritik gestoßen. Protest kommt vor allem von Vertretern der Kinder- und Jugendfürsorge, die seit Wochen gegen die „Verländerung“ der Jugendhilfe auftreten. Und die Länder fordern weiter verbindliche Mindeststandards - aber nicht per Gesetz.

Die Regierung sieht die geplante Verfassungsänderung als ersten Schritt zu einer größeren Kompetenzbereinigung zwischen Bund und Ländern. Konkret soll der Verfassungsartikel 12 abgeschafft werden, der für Themen wie Mindestsicherung, Krankenhäuser und Jugendämter eine zwischen Bund und Ländern geteilte Gesetzgebung vorsieht: Der Bund gibt die Grundsätze vor, die Länder erlassen Ausführungsgesetze und regeln die konkrete Vollziehung. In einem ersten Schritt soll diese Praxis nun im Bereich der Jugendhilfe abgeschafft werden.

Mindestvorgaben fallen weg

Der Plan von Regierung und Ländern sieht vor, dass die Jugendhilfe „verländert“ wird - die bisherigen Mindestvorgaben im bisherigen Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz würden also entfallen. Bleiben würde (neben Regeln für Amtshilfe- und Datenschutz) nur die Verpflichtung für Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser, die Jugendämter einzuschalten, wenn der Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung eines Kindes besteht.

Sowohl die Kinder- und Jugendanwälte als auch der Dachverband der Kinderhilfeeinrichtungen warnen davor, die einheitlichen Bundesvorgaben weitgehend zu streichen. Sie sehen die Bestandsgarantie für die Kinder- und Jugendanwaltschaften gefährdet, ebenso das erst 2013 - nach schweren Misshandlungsaffären („Fall Luca“) ins Bundesgesetz geschriebene - Vieraugenprinzip zur Gefährdungsabklärung.

Das Netzwerk Kinderrechte, ein Zusammenschluss von 42 Kinderrechtsorganisationen, befürchtet eine „weitere Ungleichbehandlung sowie eine massive Verschlechterung im Kinderschutz“. Die Organisation fordert „dringend die Rücknahme des gegenständlichen Entwurfs“.

Moser optimistisch, SPÖ skeptisch

ÖVP-Justiz- und Verfassungsminister Josef Moser weist die Kritik zurück - auch mit der geplanten Verländerung der Jugendhilfe würden nicht alle bundesweiten Vorgaben gestrichen. „Das heißt ja nicht, dass die gesamte Jugendhilfe zu den Ländern kommt“, sagte er.

Was die für die Reform nötige Zustimmung der SPÖ angeht, zeigt sich Moser zuversichtlich und verweist auf die einhellige Unterstützung der Landeshauptleute für den Plan. „Alle SPÖ-Landeshauptleute sind dafür, da gibt es ein Einvernehmen“, betonte Moser.

Die Zustimmung der SPÖ, sagte heute dagegen Parteichef Christian Kern, sei alles andere als fix. „Wir haben schwere Bedenken“, hieß es aus seinem Büro. „Von einer Einigung sind wir weit entfernt.“ Man betrachte eine Verländerung als „keine gut Idee“. Die Zustimmung der SPÖ sowohl im Nationalrat als auch im Bundesrat ist nötig, weil es sich um eine Verfassungsmaterie handelt.

Sobotka wünscht sich Zeichen der FPÖ Richtung Israel

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat im Rahmen seines Israel-Besuchs am Dienstag Verständnis dafür gezeigt, dass das Land den direkten Kontakt mit FPÖ-Ministern ablehnt. Gleichzeitig wünsche man sich eine „Normalisierung“, betonte Sobotka. Der Nationalratspräsident sieht die FPÖ gefordert, entsprechende „Zeichen“ zu setzen.

Die Beziehungen zwischen Israel und Österreich sind grundsätzlich gut, allerdings boykottiert Israel wegen wiederholter antisemitischer Vorfälle in den blauen Reihen den direkten Kontakt mit Regierungsmitgliedern der Freiheitlichen, also auch der von der FPÖ nominierten parteifreien Außenministerin Karin Kneissl.

Im Delegationsgespräch in der Knesset sei „die Thematik aufgeworfen“ worden, allerdings nur am Rande, sagte Sobotka auf Anfrage der APA. „Wir können das verstehen“, erklärte der Nationalratspräsident, fügte aber auch hinzu: „Wir bedauern es.“ Man wünsche sich eine „Normalisierung“ - das könne nur durch Dialog gelingen, was eben nicht von heute auf morgen gehe. „Das braucht seine Zeit.“

„Richtige Schritte“

„Jeder in diesem Dialog ist aufgefordert, die richtigen Schritte zu setzen“, sagte Sobotka. Ein wesentlicher Ansatz in der Frage sei das Verhältnis der FPÖ zur Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich, so der Nationalratspräsident.

Die Freiheitlichen hätten schon Schritte gesetzt, so der ÖVP-Politiker. Aber: „Es braucht von der FPÖ Zeichen“, so dass man die Distanzierung vom Antisemitismus „auch sehen kann“. Er könne die israelische Seite verstehen, sagte Sobotka, er selbst arbeite im Parlament aber „einwandfrei“ mit der FPÖ zusammen.

Einvernahme von Ex-Finanzminister Grasser geht weiter

Nach einer dreiwöchigen Pause wird heute im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) und andere weiterverhandelt. Im Zentrum steht am 44. Prozesstag wieder der Hauptangeklagte Grasser, der von Richterin Marion Hohenecker einvernommen wird. Grasser werden von der Staatsanwaltschaft Geschenkannahme, Beihilfe zur Untreue und Beweismittelfälschung vorgeworfen.

Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Der Hauptangeklagte weist die Vorwürfe der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zurück. Auch morgen und am Donnerstag wird am Wiener Straflandesgericht verhandelt. Letzter Prozesstag vor einer längeren Sommerpause ist der 1. August, danach geht es am 18. September wieder weiter. Start des Megaverfahrens war am 12. Dezember des Vorjahres.

Ausland

Pro-„Brexit“-Kampagne muss Strafe zahlen

Die führende Wahlkampfkampagne für den EU-Austritt in Großbritannien, „Vote Leave“, muss eine Strafe von 61.000 britischen Pfund (rund 69.000 Euro) zahlen. Das teilte die britische Wahlkommission heute mit. Sie soll das Ausgabenlimit vor dem „Brexit“-Referendum im Jahr 2016 um beinahe eine halbe Million britische Pfund überschritten haben. Nun soll die Polizei ermitteln, ob die Verantwortlichen auch strafrechtlich belangt werden können.

Für „Vote Leave“ engagierten sich unter anderen der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson und Umweltminister Michael Gove. Die beiden standen aber nicht im Fokus der Untersuchung.

Heikel ist, wohin die illegalen Ausgaben gingen. Die Wahlkommission kam zu dem Schluss, dass „Vote Leave“ auch hinter einer zweiten, als selbstständig deklarierten Kampagne namens „BeLeave“ stand, die ihr Budget fast vollkommen für die Dienste der kanadischen Datenanalysefirma Aggregate IQ ausgegeben hat.

Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica

Aggregate IQ arbeite nach Angaben des Whistleblowers Christopher Wylie eng mit Cambridge Analytica zusammen. Die inzwischen geschlossene Firma soll massenhaft unrechtmäßig erlangte Facebook-Daten verwendet haben, um US-Wähler vor der Präsidentschaftswahl 2016 gezielt mit teils unerlaubter Wahlwerbung ins Visier zu nehmen.

Hongkong will Unabhängigkeitspartei verbieten

Erstmals seit der Rückkehr Hongkongs unter chinesische Herrschaft vor 21 Jahren haben die Sicherheitsbehörden das Verbot einer politischen Partei beantragt. Die Polizei wirft der nach Unabhängigkeit strebenden Hong Kong National Party (HKNP) heutigen Angaben zufolge eine Gefährdung der nationalen Sicherheit vor. Der Sicherheitsminister der halbautonomen chinesischen Sonderverwaltungszone, John Lee, sagte eine Prüfung des Verbotsantrags zu. Er gab der HKNP 21 Tage Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Die HKNP ist eine bekannte, aber zahlenmäßig sehr kleine politische Splittergruppe. Ihr Kern besteht aus rund einem Dutzend Aktivisten, die die frühere britische Kronkolonie von China abspalten und zu einem unabhängigen Staat machen wollen. Peking geht seit einigen Jahren verstärkt gegen Gruppierungen in Hongkong vor, die mehr Eigenständigkeit von China verlangen.

Meinungsfreiheit „nicht ohne Einschränkungen“

Anders als im Rest der Volksrepublik gilt in Hongkong Meinungsfreiheit. Diese sei aber „nicht ohne Einschränkungen“, sagte Sicherheitsminister Lee auf einer Pressekonferenz. Zur Frage, auf welche Weise die HKNP die nationale Sicherheit gefährden könnte, wollte er sich nicht direkt äußern. Er verwies aber darauf, dass nationale Sicherheit nach Hongkonger Recht den Schutz der „territorialen Integrität der Volksrepublik China“ bedeute.

Die Menschenrechtsgruppierung Amnesty International kritisierte den Verbotsantrag als „beunruhigendes Signal“, dass die Behörden die Meinungs- und Versammlungsfreiheit weiter einschränken wollten. Die HKNP sprach von einem Versuch der „chinesischen Kolonisatoren und ihrer Marionetten in der Hongkonger Regierung“, sie zum Schweigen zu bringen.

Sukzessive Einschränkungen

Hongkong wird unter der Souveränität Chinas als eigenständiges Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger genießen weitgehende Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Doch wird befürchtet, dass Peking die politischen Freiheiten zunehmend beschränken will.

Russland muss Pussy Riot Entschädigung zahlen

Mit der Verurteilung von drei Mitgliedern der Protest-Punkband Pussy Riot nach einem Auftritt in einer Moskauer Kirche hat Russland deren Menschenrechte einem Urteil zufolge gleich mehrfach verletzt. Russland muss den Frauen nun Entschädigung zahlen, wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg heute urteilte. Sowohl Russland als auch die drei Beschwerdeführerinnen können innerhalb von drei Monaten gegen das Urteil vorgehen.

Wegen eines Auftritts in der Moskauer Erlöserkathedrale hatten russische Richter die Aktivistinnen im Jahr 2012 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Eine von ihnen kam jedoch bereits nach wenigen Monaten frei. Die Straßburger Richter halten die Strafen für unangemessen streng. Die Meinungsfreiheit sei damit verletzt worden, urteilten sie.

Demütigung im Prozess

Außerdem seien die Frauen während ihres Prozesses gedemütigt worden, indem sie in von Sicherheitsleuten abgeschirmten Glaskästen aussagen mussten. Russische Richter hätten zudem die fünf Monate lange Untersuchungshaft der Frauen unzureichend begründet.

Russland muss nun je 16.000 Euro Schmerzensgeld an zwei der Frauen zahlen, der anderen stehen 5.000 Euro zu. Außerdem haben die drei Aktivistinnen Anspruch auf 11.760 Euro Schadenersatz.

Verurteilung auch wegen Politkowskaja-Mordes

Außerdem wurde Russland wegen des Mordes an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja verurteilt. Zwar hätten die russischen Behörden eine Gruppe von Männern verurteilt, die im Jahr 2006 direkt an der Ermordung beteiligt gewesen seien, argumentieren die Straßburger Richter. Sie hätten aber nicht angemessen ermittelt, wer die Drahtzieher des Verbrechens waren.

Russland muss nun den Angehörigen der Journalistin insgesamt 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, die sich in Straßburg beschwert hatten. Sowohl Russland als auch die Beschwerdeführer können innerhalb von drei Monaten gegen das Urteil vorgehen.

Israel stoppt Lieferungen von Treibstoff nach Gaza

Israel hat die Lieferungen von Treibstoff in den Gazastreifen gestoppt. Hintergrund seien die anhaltenden Attacken der radikalislamischen Hamas, bestätigte heute das Verteidigungsministerium. Diese Regelung gelte bis Sonntag. Die Entscheidung sei in Absprache mit der Armee getroffen worden. Außerdem werde die Fischereizone weiter reduziert - auf drei Seemeilen (knapp sechs Kilometer).

Furcht vor neuem Krieg

Heftige Gefechte zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatten am Wochenende die Furcht vor einem neuen Krieg befeuert. Am Samstagabend verkündeten die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad einseitig eine Waffenruhe. Danach feuerten militante Palästinenser allerdings nach Angaben der Armee weitere Geschoße auf Israel.

Die Hamas verurteilte die aktuelle Entscheidung Israels als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und drohte mit „gefährlichen Auswirkungen für die israelische Besatzung“.

Seit Langem kritisieren Menschenrechtsorganisationen, die Lebensumstände der rund zwei Millionen Einwohner im Gazastreifen seien unerträglich. Unter anderem haben die Menschen nur rund sechs Stunden Strom pro Tag. Viele behelfen sich mit Generatoren, die mit Treibstoff betrieben werden.

Auch Warenhandel gestoppt

Bereits vor rund einer Woche hatte Israel den einzigen Grenzübergang für den Warenhandel in das Küstengebiet geschlossen. Der Grenzübergang Kerem Schalom bleibe lediglich für humanitäre Lieferungen wie Essen und Medizin geöffnet, teilte die Armee mit.

EU

Spanien neues Hauptziel für Flüchtlinge

Spanien ist nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) das neue Hauptziel von Flüchtlingen. Bis Mitte Juli seien dort 18.000 Männer, Frauen und Kinder über die westliche Mittelmeer-Route angekommen, hieß es heute in Genf. Zusätzlich hätten fast 3.000 Migranten versucht, über die in Nordafrika gelegenen spanischen Gebiete Melilla und Ceuta einzureisen.

Damit habe sich 2018 die Zahl der Flüchtlinge auf der westlichen Mittelmeer-Route im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdreifacht und übertreffe nun die Ankünfte in Italien und Griechenland, teilte die IOM mit. In Italien seien etwa 80 Prozent weniger Flüchtlinge angekommen als in den ersten sieben Monaten 2017. Konkret zählten die Behörden noch 17.800 Ankünfte. Italiens neue Populisten-Regierung fährt seit Wochen einen harten Kurs in der Flüchtlingspolitik.

Neuer Anstieg in Griechenland

In Griechenland steigt nach IOM-Angaben die Zahl der Migranten wieder und liegt nun bei 14.700. Insgesamt sind den Angaben zufolge bis Mitte Juli knapp 51.000 Menschen übers Mittelmeer nach Europa gekommen. 2017 waren es noch 110.000, 2016 gar 241.000. Die IOM schätzt die Zahl der in diesem Jahr bei der Überfahrt ertrunkenen Menschen auf knapp 1.500.

Österreich nimmt keine der Bootsflüchtlinge aus Italien

Österreich wird keine der jüngst in Italien gestrandeten 450 Geflüchteten aufnehmen. Das teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) seinem italienischen Amtskollegen Giuseppe Conte in einem Brief mit. Als Grund nannte Kurz, Österreich habe seit 2015 „gemessen an der Bevölkerungszahl“ mehr Asylanträge als „viele andere“ EU-Staaten angenommen.

Zwei Schiffe der italienischen Marine hatten am Samstag rund 450 Flüchtlinge aus prekärer Lage von einem Holzboot im Mittelmeer gerettet und in italienische Gewässer gebracht. Conte hatte daraufhin in einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der anderen 27 EU-Staaten „ein klares Zeichen“ für Solidarität in der EU gefordert und die Bereitschaft, „die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, einen Teil der rund 450 geretteten Personen in einem Hafen zu empfangen oder sie aufzunehmen“.

Deutschland, Frankreich, Malta, Portugal und Spanien hatten nach langen Verhandlungen zugesagt, je 50 Flüchtlinge zu übernehmen, Irland will weitere 20 aufnehmen.

Sport

Großspende: Mbappe löst WM-Versprechen ein

Bereits vor der Fußball-WM hat Frankreichs Jungstar Kylian Mbappe angekündigt, seine gesamte WM-Prämie zu spenden. Nach dem Finalsieg am Sonntag kam nun einiges an Geld zusammen - und der Fußballer hielt Wort.

Rund 432.000 Euro gehen an die Organisation „Premiers de Cordee“, berichete die französische Sportzeitung „L’Equipe“. Der Verein bietet kostenlosen Sportunterricht für kranke Kinder und Kinder mit Behinderung.

Wer für sein Heimatland spielt, sollte keine Bezahlung erhalten, hatte Mbappe seinen Schritt bereits im Vorfeld der WM begründet. Der Stürmer, der bei Paris Saint-Germain unter Vertrag steht, ist in Frankreich ein gefeierter Held: „Liberte, Egalite, Mbappe!“, münzten die französischen Fans den Wahlspruch der Republik bereits auf den 19-Jährigen um.

Fußball-WM: Paris liegt „Les Bleus“ zu Füßen

Der Mannschaft des neuen Fußballweltmeisters Frankreich ist gestern bei ihrer Rückkehr in die Heimat ein begeisterter Empfang bereitet worden. Die französische Hauptstadt Paris liegt „Les Bleus“, die am Sonntag ihren zweiten WM-Titel der Geschichte geholt hatten, sprichwörtlich zu Füßen. Mehrere hunderttausend Fans standen beim Triumphzug der Equipe von Teamchef Didier Deschamps zum Triumphbogen Spalier.

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Was von der Fußball-WM in Erinnerung bleibt

Mit Frankreich als verdientem Weltmeister haben die Titelkämpfe in Russland einen würdigen Abschluss und in Kylian Mbappe auch einen neuen Superstar gefunden. Auch sonst gab es viel Positives - von der fußballerischen Stärke Europas und in jeder Hinsicht überzeugenden Gastgebern bis hin zum Videobeweis, der seine Feuertaufe bestand. Allerdings gab es auch weniger Erfreuliches wie die Schauspielerei von Brasilien-Star Neymar - die Tops und Flops der Fußball-WM 2018.

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Wirtschaft

Iran klagt USA wegen Wiederverhängung von Sanktionen

Der Iran hat beim Internationalen Gerichtshof (IGH) Klage gegen die USA wegen der Wiederverhängung und Verschärfung von Strafmaßnahmen eingereicht. Wie das iranische Außenministerium heute mitteilte, ging die Klage am Vortag in Den Haag ein.

„Verachtung für Diplomatie“

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif schrieb auf Twitter, Ziel der Klage sei es, Washington für seine „illegale Wiederauferlegung einseitiger Sanktionen“ zur Rechenschaft zu ziehen. Im Gegensatz zu den USA und ihrer „Verachtung für Diplomatie und rechtliche Verpflichtungen“ sei der Iran „der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet“. Der „Gewohnheit“ der USA, gegen das Völkerrecht zu verstoßen, müsse entgegengetreten werden.

Mit der Klage reagiert Teheran auf die US-Entscheidung vom Mai, aus dem 2015 in Wien geschlossenen internationalen Atomabkommen auszusteigen und dem Iran noch härtere Strafmaßnahmen aufzuerlegen. Damit verstoßen die USA dem Iran zufolge gegen den Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern aus dem Jahr 1955.

Das Haager Gericht befasst sich am 8. Oktober bereits mit einer anderen Klage der Islamischen Republik Iran gegen die USA. Dabei geht es um das Einfrieren iranischen Vermögens in einer Höhe von zwei Milliarden Dollar (1,71 Mrd. Euro), das der Oberste Gerichtshof der USA im April für rechtens erklärt hatte.

Chronik

Haft für millionenschweren Sozialbetrug in OÖ

Die ehemalige Obfrau eines Sozialvereins und ihr Lebensgefährte sind heute im Landesgericht Linz wegen eines millionenschweren Förder- und Sozialbetrugsfalls zu vier Jahren unbedingter bzw. neun Monaten bedingter Haft verurteilt worden.

Die 40-Jährige soll mit manipulierten Abrechnungen 766.000 Euro zu viel an Förderung kassiert und zwei Vereine um 1,65 Mio. Euro gebracht haben.

Beweismittel gefälscht

Der 44-jährige Lebensgefährte habe ihr jahrelang blind vertraut, als der Fall aufzufliegen drohte, half er unter anderem, Beweismittel zu fälschen. Als Motiv für die Tat führte die Hauptangeklagte ihre Spielsucht an. Allerdings hatte sie mit den Vereinsgeldern auch mehrere Autos gekauft sowie einen Hausbau finanziert.

Sie sowie ihr Partner legten vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Im Fall der Hauptangeklagten kündigten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung an - somit nicht rechtskräftig. Das Urteil gegen ihren Lebensgefährten ist hingegen bereits rechtskräftig.

Nacktbad im Gardasee: Österreichern droht saftige Strafe

Ein Nacktbad im Gardasee hat einem 29 Jahre alten Österreicher und seiner gleichaltrigen Freundin Ärger eingebracht. Weil das Paar am Sonntagnachmittag mitten in einem Ort in unmittelbarer Nähe von Spaziergängern und Lokalen unbekleidet ins Wasser sprang, droht den beiden nun wegen Anstandsverletzung eine Geldstrafe zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Nach Angaben lokaler Medien hatte der 29-Jährige seiner Freundin unmittelbar zuvor einen Heiratsantrag gemacht. Und genau den wollten sie mit dem Bad im Gardasee feiern, wie sie der Polizei in Gargnano am Westufer des Sees sagten. Die Beamten waren rasch zur Stelle und nahmen das Paar mit ins Wachzimmer.

Touristenboot auf Hawaii von „Lavabombe“ getroffen

Auf einer „Lava-Tour“, bei der Interessierte von Booten aus fließende Lava beim Einfließen ins Meer beobachten können, sind auf Hawaii gestern 23 Menschen verletzt worden. 13 Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, zehn weitere wurden bei der Rückkehr in den Hafen medizinisch versorgt. Eine Frau erlitt bei dem Vorfall lebensgefährliche Verletzungen.

Das Boot war vor der Küste unterwegs, um den Touristen das spektakuläre Naturschauspiel zu zeigen, bei dem die heiße Lava aus dem Vulkan in den Pazifik fließt und eine Dampfwolke entsteht.

„Es war praktisch eine Explosion“

Nach Angaben der Feuerwehr durchschlug ein Brocken aus dem Vulkan das Dach des Bootes. „Es war praktisch eine Explosion“, sagte die Sprecherin des Bezirksbürgermeisters, Janet Snyder, der Zeitung „Tribune Herald“. Ein Teil habe ein Loch ins Dach des Bootes geschlagen. Das Boot sei „mit Lava bedeckt“ gewesen.

Lava im Wasser

APA/AFP

Der Kilauea im US-Bundesstaat Hawaii ist einer der aktivsten Vulkane der Welt und war am 3. Mai erneut ausgebrochen. Seither wurden Hunderte Häuser zerstört.

Urlauber auf Mallorca von Welle erfasst und gestorben

Ein deutscher Urlauber ist an der Südostküste von Mallorca tödlich verunglückt. Der 53-jährige Familienvater ertrank gestern Nachmittag, wie eine Sprecherin des Rettungsdienstes heute der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Laut einem Bericht der „Mallorca Zeitung“ wurden der Mann und seine beiden Kinder von einer Welle erfasst, als sie in der Gemeinde Santanyi nahe Cala Egos bei hohem Wellengang ein paar Stufen zum Wasser hinunterstiegen.

Kinder gerettet

Die beiden Kinder konnten gerettet werden. Laut „Mallorca Zeitung“ konnte die Mutter ihre Tochter in Sicherheit bringen. Anrainer hätten dann Vater und Sohn mit einem Kanu aus dem Wasser geholt. Für den Vater sei die Hilfe jedoch zu spät gekommen.

Rettungsschwimmer hätten vergeblich versucht, den Familienvater wiederzubeleben, bestätigte die Sprecherin des Rettungsdienstes der Balearen. Ihren Angaben zufolge ereignete sich das Unglück in einem felsigen Gebiet. Der Zeitung zufolge leitete die Polizei Ermittlungen ein. Eine Autopsie soll demnach die genaue Todesursache klären.

Kinder verkauft: Indien untersucht Mutter-Teresa-Heime

Indien hat die sofortige Untersuchung aller Kinderheime der Missionarinnen der Nächstenliebe angeordnet. Mitarbeiter eines Heims, das der von Mutter Teresa gegründete Orden betreibt, sollen Babys für die Adoption verkauft haben.

Die Einrichtung im indischen Bundesstaat Jharkhand wurde diesen Monat geschlossen, nachdem eine Nonne und eine dort angestellte Sozialarbeiterin verhaftet worden waren. Den beiden Frauen wird vorgeworfen, zumindest drei Babys an Adoptiveltern verkauft zu haben. Bei einem vierten Baby sollen sie es versucht haben.

Die Polizei begann in den Fall zu ermitteln, nachdem das örtliche Jugendamt gemeldet hatte, dass in dem Heim für alleinstehende Schwangere und Mütter ein Neugeborenes vermisst werde. Die Polizei fand nach eigenen Angaben Beweise, dass die beiden Frauen das Baby für umgerechnet rund 1.400 Euro an ein Paar im benachbarten Bundesstaat Uttar Pradesh verkaufen wollten.

Katholischer Bischof kritisiert Polizei

Laut der Polizei gestanden die beiden Frauen inzwischen, Kinder gegen Geld weitergegeben zu haben. Der Bischof von Ranchi, Jharkands Hauptstadt, sagte jedoch, das Geständnis sei unter Druck erpresst worden. Er beschuldigte die Polizei, sie „behandle die gesamte Mutter-Teresa-Organisation als eine kriminelle Bande“.

Auch die politische Führung in Westbengalen, wo der Orden seinen Hauptsitz hat, mutmaßte, dass der Fall Teil eines antichristlichen Vorgehens der nationalhinduistischen Regierungspartei BJP sei.

Science

Russland 100 Jahre nach Zarenmord im Romanow-Fieber

300 Jahre lang hat die Zarendynastie Romanow in Russland regiert, bis ihr die Februarrevolution 1917 ein Ende setzte. Im Juli 1918, genau vor 100 Jahren, wurde der letzte Zar, Nikolaus II., ermordet.

Mit Zerfall der Sowjetunion habe die Zarenfamilie wieder an Bedeutung gewonnen, sind sich Historiker im Gespräch mit ORF.at einig. Autor György Dalos ist überzeugt, dass die russische Regierung die nostalgische Stimmung seither nutze, um „ihre Macht zu zementieren“. Auch die Kirche trage zur Glorifizierung der Zarenfamilie bei.

Mehr dazu in Anforderungen der Zeit nicht gewachsen

Gesundheit

IT

„Prime Day“ zwang Amazon-Server in die Knie

Der Onlinehändler Amazon macht einen großen Teil seines Geschäfts inzwischen mit dem Vermieten von Serverspeicher. Doch ausgerechnet die Server der eigenen Seite gingen gestern zeitweise in die Knie.

Amazon rief zu Wochenbeginn den „Prime Day“ aus. Bis heute Mitternacht wirbt der Onlinehändler mit Schnäppchen für die Nutzerinnen und Nutzer des eigenen Premiumservices. Die Werbeaktion lockte von Beginn viele Kundinnen und Kunden auf die Amazon-Seite - bisweilen sogar zu viele.

„SORRY something went wrong“

Für viele war statt der Startseite nur eine Fehlermeldung zu sehen. Während in Europa oftmals ein Neuladen der Seite half, dürften sich die Ausfälle in den USA teilweise gravierender gestaltet haben. Anstatt Schnäppchen gab es vor allem für Nutzerinnen und Nutzer an der US-Westküste nur einen traurigen Hund zu sehen - und die Nachricht: „SORRY something went wrong on our end“. Inzwischen scheinen die Probleme weitestgehend behoben.

Der erste „Prime Day“ fand 2015 anlässlich des 20. Geburtstags des Onlineriesen statt. Die Werbeaktion wurde schnell zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor für das Unternehmen. Während des 30-stündigen Aktionszeitraums verzeichnet Amazon einen starken Anstieg an neuen Prime-Kundinnen und -Kunden. Außerdem werden rund 50 Prozent mehr Bestellungen getätigt als an einem durchschnittlichen Tag.

Kultur

Kassenflop: Chinas teuerster Film aus Kinos zurückgezogen

Nach einem desaströsen Eröffnungswochenende mit Einnahmen von unter sieben Millionen Euro ist der chinesische Fantasyfilm „Asura“ aus den Kinos in China genommen worden. Mit einem Budget von umgerechnet 96 Mio. Euro war der Film als bisher teuerste chinesische Kinoproduktion beworben worden.

Über den offiziellen Account des Films auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo entschuldigte sich das Produktionsteam bei allen Fans, die keine Möglichkeit hatten, den Film zu sehen, sowie bei allen „chinesischen und internationalen Mitwirkenden, die in den vergangenen sechs Jahren an der Produktion beteiligt waren“.

Im Buddhismus sind die Asura kriegerische Halbgötter. Der chinesische Nachwuchsstar Wu Lei spielt im Film die Reinkarnation eines Asura. An seiner Seite ist die bekannte chinesische Schauspielerin Zhang Yishang zu sehen.

Gänzlich aufgeben wollen die Studios hinter dem Projekt aber nicht. Ein Repräsentant der Produktionsfirma Zhenjian Film erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Sina, die Entscheidung, den Film zurückzuziehen, sei nicht nur aus finanziellen Gründen erfolgt. Man wolle einige Änderungen am Film vornehmen und ihn dann noch einmal veröffentlichen.

Lifestyle

Leute

Xavier Naidoo darf nicht Antisemit genannt werden

Der deutsche Sänger Xavier Naidoo darf nach einem Gerichtsurteil nicht Antisemit genannt werden. Das Landgericht Regensburg gab heute seiner Unterlassungsklage gegen eine Referentin der Amadeu-Antonio-Stiftung statt, die ihn auf einer Veranstaltung im vergangenen Jahr so bezeichnet hatte. Nach dem Urteil ist es ihr nun verboten, das zu wiederholen. Andernfalls drohen ihr Ordnungsgeld oder Ordnungshaft.

Das Gericht kam nach Angaben eines Sprechers zu dem Schluss, dass in diesem Fall das Persönlichkeitsrecht Naidoos stärker wiege als die Meinungsfreiheit. In dem Verfahren prüften die Richter auch umstrittene Passagen aus Liedern des Sängers. Dieser habe aus Sicht des Gerichts schlüssig dargelegt, dass die Texte andere Botschaften hätten, sagte der Sprecher. Naidoo war zum Auftakt des Prozesses selbst nach Regensburg gekommen.

Song-Contest-Teilnahme verwehrt

Der Sänger ist seit Jahren umstritten, ihm wurde in der Vergangenheit mehrfach Rechtspopulismus vorgeworfen. Die Debatten um seine Äußerungen kosteten ihn auch einen geplanten Auftritt beim Eurovision Song Contest im Jahr 2016. Im November 2015 zog der für den Wettbewerb in Deutschland verantwortliche NDR die vorherige Nominierung Naidoos wieder zurück. Der Sender begründete das mit der teils heftigen öffentlichen Kritik an dem Sänger.

Spendenkampagne sammelt Geld für Kylie Jenner

Reality-Star Kylie Jenner liegt auf Rang drei der weltweit bestbezahlten Promis, das hat gestern „Forbes“-Magazin berichtet. Bloß 100 Millionen US-Dollar (rund 85 Mio. Euro) würden ihr fehlen, um die jüngste Milliardärin aller Zeiten zu werden, die ihr Geld selbst verdient hat.

Der Instagram-Star Josh Ostrovsky erlaubte sich nun einen Scherz und startete eine als Satire gedachte Spendenkampagne „Let’s get Kylie Jenner to a billion“ auf dem Onlineportal GoFundMe. Die Aktion hat zum Ziel, die fehlenden 100 Millionen aus Spendengeldern für Jenner zu gewinnen.

Kylie Jenner

APA/AFP/Angela Weiss

Und über 140 Menschen spendeten tatsächlich - insgesamt bereits mehr als 1.900 US-Dollar (ca. 1.600 Euro). Die Kampagne wird allerdings nur umgesetzt, wenn auch das gesetzte Ziel - also 100 Mio. US-Dollar - erreicht wird.

Boxer Mayweather bestbezahlter Promi

Auf Platz eins der 100 bestbezahlten Promis liegt indes Boxsuperstar Floyd Mayweather (41) mit einem geschätzten Jahresverdienst von 285 Millionen US-Dollar (rund 243 Mio. Euro). Auf Rang zwei landete Hollywood-Star George Clooney (57) mit einem geschätzten Verdienst von 239 Millionen US-Dollar.

Die in Europa eher unbekannte Fernsehrichterin Judy Sheindlin (75) schaffte es auf den vierten Platz. In den Top Ten gibt es mit Dwayne Johnson (46) noch einen weiteren US-Schauspieler (Platz 5).

Von U2 bis Ronaldo

Aus der Musikbranche sind die Bands U2 (Platz 6) und Coldplay (Platz 7) sowie der britische Sänger Ed Sheeran (Platz 9) vertreten. Auch die Fußballsuperstars Lionel Messi (Platz 8) und Cristiano Ronaldo (Platz 10) werden weit vorn gelistet.

„Forbes“ schätzte nach eigenen Angaben die vorsteuerlichen Einnahmen der Berühmtheiten von Juni 2017 bis zum 1. Juni dieses Jahres, dazu zählen etwa auch Einnahmen aus Werbung und Merchandising. Die Liste gilt als zuverlässig.

Panorama

Kleinstes Schweizer Dorf wird zum Hotel

Aus Not ist das kleinste Schweizer Dorf Corippo im Verzascatal aktiv geworden: Um den Ort vor dem Aussterben zu bewahren, wird er zum Hotel. In Corippo gibt es Dutzende leerstehende Steinhäuser, nur noch zwölf Personen leben hier. Früher waren es mehr als 300.

Nun soll das Leben zurück ins Dorf, wenigstens im Sommer. Die Stiftung Corippo hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Dorf wiederzubeleben, und zwar als Tourismusprojekt.

Dorfplatz wird zur Lobby

Die Idee ist, das winzige Dorf in eine „verstreute Unterkunft“ umzuwandeln, mit einer Rezeption in der Osteria und etwa zehn über das Dorf verteilten Zimmern mit 20 bis 25 Betten. Die Stiftung Corippo hat in den letzten Jahren die Osteria und fünf Steinhäuser im Dorfkern sowie vier weitere am Dorfrand gekauft.

Für die erste Bauphase sind etwa 3,25 Millionen Franken (2,8 Mio. Euro) vorgesehen. Im Jahr 2020 wird Corippo dann Teil der neuen, aus sieben Ortschaften fusionierten Gemeinde Verzasca, die zusammen etwa 900 Einwohner haben wird.