Bei einer Kundgebung von Homosexuellen in Moskau sind insgesamt etwa 30 Teilnehmer und Gegner festgenommen worden. Der Chef des russischen Homosexuellenverbandes, Nikolai Alexejew, wurde ebenfalls abgeführt.
Alexejew muss mit einer Anklage wegen Organisation einer nicht genehmigten Versammlung rechnen. Das teilte die Polizei in Moskau heute mit. Auch ein Mann, der eine Demonstrantin geschlagen hatte, wurde festgenommen.
Demonstranten in Polizeibusse gedrängt
Einige Teilnehmer schwenkten im Zentrum Moskaus die Regenbogenfahne oder hielten Plakate mit der Aufschrift „Gegen Homophobie“ in die Höhe. Nach wenigen Minuten habe eine Sondereinheit die Demonstranten in Polizeibusse gedrängt, hieß es. Gegner hätten in der Nähe mit „lautem Beten“ gegen die Kundgebung protestiert.
Video dazu in iptv.ORF.at
Homosexualität ist in Russland straffrei. Die Behörden verbieten aber regelmäßig geplante Schwulenparaden. Das russische Parlament berät derzeit über ein umstrittenes Verbot von „Homosexuellenpropaganda“.
Aufmarsch auch in Kiew
Auch in Kiew gingen Homosexuelle auf die Straße. Unter starkem Polizeischutz haben sie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew erstmals für gleiche Rechte demonstriert. Etwa 100 Teilnehmer zeigten Plakate mit Aufschriften wie „Homosexualität ist keine Krankheit“, berichteten lokale Medien.
Mindestens zehn Störer, die auch eine Rauchbombe warfen, wurden festgenommen. Die Demonstration sei nach kurzer Zeit friedlich zu Ende gegangen. Ein Gericht hatte die ursprünglich geplante Route aus Sicherheitsgründen verboten. Die Organisatoren vereinbarten mit der Stadtverwaltung deshalb eine Alternativroute außerhalb des Zentrums.
Weitere Großdemo in Frankreich
Unterdessen ist in Paris für morgen eine weitere Großdemo gegen das neue Gesetz zur Ehe zwischen Homosexuellen angekündigt. Zwischen 150.000 und 200.000 Teilnehmer werden dazu erwartet. Etwa 4.500 Polizisten und Gendarmen sollen für Ordnung sorgen.
Im Vorfeld hat der französische Innenminister Manuel Valls vor der Beteiligung von Rechtsextremen an der Kundgebung gewarnt. Alle, die zu der Demonstration gehen wollten, seien aufgefordert, „nachzudenken und vorsichtig zu sein“, so der Minister. Die „rechtsextremen Gruppen“ seien in der Bewegung gegen die Ehe für alle „aufgeblüht“.
Das Gesetz, das homosexuellen Paaren nicht nur das Recht zur Ehe, sondern auch das Recht zur Adoption von Kindern gibt, wurde vor einer Woche von Frankreichs Präsident Francois Hollande unterzeichnet.