Ausland

US-Senat blockiert Obamas Geheimdienstreform

Der US-Senat hat der von Präsident Barack Obama angestrebten grundlegenden Geheimdienstreform eine Absage erteilt. Die Abgeordneten stimmten in der Nacht auf heute gegen ein Gesetz, das die massenhafte Sammlung von US-Telefonverbindungsdaten durch den Geheimdienst National Security Agency (NSA) beenden sollte. Der Gesetzesentwurf (USA Freedom Act) hatte das Repräsentantenhaus in der vergangenen Woche noch mit breiter Mehrheit passiert.

„Freedom“ nur auf USA bezogen

Mit der Reform sollte der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassenen Patriot Act überarbeitet werden, der den Geheimdiensten im Kampf gegen den Terrorismus weitreichende Befugnisse eingeräumt hatte. Vor allem sollte das systematische Abschöpfen von US-Telefonverbindungsdaten beendet werden. An den NSA-Spähaktivitäten im Ausland hätte sich durch den USA Freedom Act nichts geändert.

Der Kongress steht bei der Geheimdienstreform unter Zeitdruck, weil am 1. Juni die bisher geltenden Bestimmungen des Patriot Acts auslaufen. Der Senat begann unmittelbar nach der Abstimmung mit den Beratungen über eine zweimonatige Verlängerung bestimmter Anti-Terror-Gesetze.

Parteiinterne Kraftprobe für Tsipras wegen Sparpolitik

Der linke griechische Regierungschef Alexis Tsipras steht an diesem Wochenende vor einer neuen Kraftprobe: Er informiert das Zentralkomitee (ZK) seiner Linkspartei Syriza über den Werdegang der Verhandlungen mit den Gläubigern über die Abwendung einer Pleite Griechenlands.

Bereits gestern hatte sich Tsipras mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande getroffen. Diese hatten ihm zwar ihre Hilfe angeboten, aber verlangt, Athen müsse sich zuerst mit den Experten der Gläubiger vom Internationalen Währungsfonds (IWF), von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU auf Sparmaßnahmen einigen.

„Es wird Kritik hageln“

„Es wird Kritik hageln, aber Tsipras wird es schon schaffen“, sagte ein hoher Parteifunktionär der Syriza der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als ein Viertel der Mitglieder des ZK gehören dem linken Flügel an und laufen Sturm gegen weitere Sparmaßnahmen. Es geht unter anderem um eine Immobiliensteuer, die nicht abgeschafft wird, und das mögliche Einbehalten eines dreizehnten Pensionsbezugs. Außerdem soll der Mindestlohn vorerst nicht erhöht werden.

Vonseiten der Geldgeber stehen noch 7,2 Mrd. Euro für das pleitebedrohte Land zur Verfügung. Die Kassen in Athen sind leer. Im Juni müssen allein an den IWF gut 1,5 Milliarden Euro zurückgezahlt werden.

Atomwaffenkonferenz der UNO ergebnislos beendet

Nach rund vierwöchigen Diskussionen ist eine Atomwaffenkonferenz der Vereinten Nationen in New York ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Wegen Meinungsverschiedenheiten über die Schaffung einer nuklearwaffenfreien Zone im Nahen Osten endete die Konferenz gestern (Ortszeit) ohne die eigentlich anvisierte Unterzeichnung eines Abschlussdokuments.

Unter anderem forderte Ägypten einen festen Zeitplan für die Einrichtung einer solchen Zone, Israel und einige andere Länder stellten sich jedoch quer.

Schon zum Auftakt der Konferenz Ende April hatten Vertreter der Vereinten Nationen einen Stillstand bei der atomaren Abrüstung auf der Welt beklagt. Die Konferenz findet alle fünf Jahre statt und soll den Status des 1970 verabschiedeten Atomwaffensperrvertrags überprüfen.

Pentagon baut Raketenabwehrsysteme in Alaska aus

Die USA bauen ihre Raketenabwehrsysteme in Alaska aus. Ab 2020 solle eine neue Radaranlage mit großer Reichweite zur frühen Erfassung von Raketenangriffen in Betrieb gehen, erklärte das US-Verteidigungsministerium gestern.

Vermutlich werde sie m Luftwaffenstützpunkt Clear Air Force Station im Zentrum des nördlichsten US-Bundesstaates aufgebaut. Allerdings würden vor einer endgültigen Entscheidung noch Umwelt- und Sicherheitsprüfungen abgewartet.

Fast eine Mrd. Dollar Kosten

Das US-Militär hatte im März vor dem Kongress erklärt, die Anlage sei dringend notwendig, um Raketenangriffe aus dem Iran oder Nordkorea erfassen zu können. Die Kosten werden auf etwas weniger aus eine Mrd. Dollar (etwa 900 Mio. Euro) geschätzt. Um den Auftrag konkurrieren die Rüstungsunternehmen Raytheon, Boeing und Lockheed Martin.

Moskau warnt seine Bürger vor US-„Jagd“ auf Russen

Die russische Regierung warnt ihre Bürger vor Reisen ins Ausland, da sie dort von US-Behörden verschleppt oder festgenommen werden könnten. Russen seien in Drittstaaten vor amerikanischen Strafverfolgern oder Sondereinsatzkräften nicht sicher, erklärte gestern das Außenministerium in Moskau.

„Inakzeptable Praxis"==

"Die amerikanischen Behörden setzen die inakzeptable Praxis fort, in der ganzen Welt Jagd auf Russen zu machen.“ Dabei missachteten sie das Völkerrecht und setzten andere Staaten unter Druck. „Washington glaubt, dass es alles tun darf, was es will, und geht dabei soweit, unsere Bürger zu entführen“, hieß es.

Hintergrund der „Reisewarnung“ ist das wegen der Ukraine-Krise stark gespannte Verhältnis zwischen Moskau und Washington. Die USA hatten Russland mehrfach vorgeworfen, aktiv in der Ukraine militärisch einzugreifen.

21 Tote bei IS-Anschlag auf Moschee in Saudi-Arabien

Bei dem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee im Osten Saudi-Arabiens sind gestern 21 Menschen getötet worden. Weitere 81 wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Zwölf Verletzte schwebten noch in Lebensgefahr.

Das Attentat war während des Freitagsgebets in der Ali-Ibn-Abi-Taleb-Moschee in Kudeih in der Region Katif verübt worden. Zu dem Angriff bekannte sich die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Es war das erste Mal, dass sich die Extremistengruppe offiziell zu einem Anschlag in Saudi-Arabien bekannte.

Tote bei Zusammenstößen in Burundi

Gewaltsame Zusammenstöße und der Tod dreier Menschen durch Granaten haben gestern eine der größten Demonstrationen in Burundi seit dem Beginn der Proteste gegen Staatschef Pierre Nkurunziza überschattet. Wie ein AFP-Reporter aus der Hauptstadt Bujumbura berichtete, versuchten Tausende Demonstranten vom Stadtteil Cibitoke aus in das Nachbarviertel Ngagara zu gelangen.

Polizisten und Soldaten, die mit Steinen beworfen wurden, gaben Warnschüsse in die Luft ab. Unbekannte warfen gegen Abend im Stadtzentrum von Bujumbura zudem zwei Granaten, wodurch mindestens drei Menschen getötet wurden. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt, wie die Armee mitteilte. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des alten zentralen Markts von Bujumbura, wo zahlreiche Obst- und Gemüsehändler ihre Waren anbieten.

In Cibitoke spannten die Ordnungskräfte Stacheldraht quer über die Straße, um die Demonstranten aufzuhalten. Einige der Demonstranten plünderten derweil einen Bierlastwagen und verteilten Flaschen an die jubelnden Regierungsgegner. Die Proteste richten sich insbesondere gegen die Kandidatur des seit zehn Jahren amtierenden Staatspräsidenten für ein drittes Mandat. Die Regierungsgegner sehen darin einen Verstoß gegen die Verfassung, die lediglich zwei Amtszeiten für das Staatsoberhaupt vorsieht.

Inland

NEOS macht für Bankgeheimnis mobil

In der wieder aufgeflammten Debatte über das Bankgeheimnis macht NEOS gegen dessen Abschaffung mobil. Die wäre ein schockierender Höhepunkt „auf dem Weg zur willkürlichen und lückenlosen Überwachung“ ab, man werde dagegen „mit allem zu Gebote stehenden Mitteln antreten“, heißt es in einem der APA vorliegenden Antrag. NEOS fordert umgekehrt einen „gläsernen Staat“.

Der wolle künftig ohne jeglichen richterlichen Beschluss Einschau „in unser aller Konten“ halten, und zwar, so die NEOS mit einem kleinen Seitenhieb auf die Oppositionskollegen, „mit Hilfe der Grünen“. Im Gegenzug aber werde den Bürgern gegenüber mitnichten Rechenschaft abgelegt, „wie mit unserem Steuergeld umgegangen wird“. NEOS fordert, dass Konteneinsicht auch weiterhin „nur in Strafverfahren und auf Basis eines richterlichen Beschlusses zu erfolgen“ habe.

NEOS-Parteichef Matthias Strolz stellt das Thema auch in den Mittelpunkt einer Mitglieder-Versammlung am Wochenende. Und er bekommt Rückenwind aus der Regierung - von Justizminister Wolfgang Brandstetter, der auch seine Bedenken hat.

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Vorstoß der steirischen ÖVP

In der Debatte überraschte zuletzt die steirische ÖVP mit einer Blockadeankündigung. Im ZIB2-Interview betonte der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP), dass er für eine Korrektur des Begutachtungsentwurfs zur Steuerreform eintrete: „Ich möchte Änderungen, und ich bin überzeugt, dass es sie gibt.“ So wie der Entwurf vorliege, „findet er nicht die Zustimmung der steirischen ÖVP“. Allerdings könnten die steirischen Abgeordneten so entscheiden, wie sie wollen.

Steiermarks Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP) im ZIB2-Interview.

Mystikerin soll für FPÖ-Klub gewirkt haben

Eine Mystikerin aus Niederösterreich soll vor einigen Jahren für den FPÖ-Parlamentsklub gewirkt haben, berichtet das Magazin „News“ in seiner heute erscheinenden Ausgabe mit Verweis auf eine Leistungsaufstellung aus dem Jahr 2012. Bei den Freiheitlichen bestreitet man Zahlungen des Klubs dafür. Weiter wollte ein Sprecher die „unsinnigen Behauptungen“ nicht kommentieren.

Zum Sonderpreis von 6.000 Euro soll die Frau von April 2010 bis Juli 2012 „Schutz für In- und Ausland, Kraft, Energie, Schutzmantel bei Auftritten, diverse Utensilien“ geboten haben, geht aus einem Faksimile des angeblichen Schreibens hervor, das „News“ abdruckte. Dass dieses Geld tatsächlich geflossen ist, wurde in der Partei auf APA-Anfrage bestritten. „Ich kann ausschließen, dass vom Klub irgendetwas bezahlt wurde“, sagte ein Sprecher. Die Mystikerin war für Auskünfte vorerst nicht erreichbar.

US-Botschaft empört über Twitter-Bilder von Peter Pilz

Die US-Botschaft in Wien hat sich gestern empört über Bilder des Grünen-Politikers Peter Pilz auf Sozialen Medien gezeigt, die eine angebliche „NSA-Baustelle“ bei den Räumen der US-Vertretung im IZD-Tower in Wien-Donaustadt zeigen sollen. Die Botschaft sei „beunruhigt“, dass der Abgeordnete Bilder eines Botschaftsangehörigen ohne dessen Zustimmung veröffentlicht habe, hieß es in einer Reaktion.

Pilz nahm gestern über Facebook und Twitter auf mehrere Monate alte Vorwürfe Bezug, nach denen der US-Geheimdienst NSA in dem Hochhaus eine Lauschanlage betreiben soll. Im September vergangenen Jahres berichtete ORF.at, dass am Dach des 140 Meter hohen Gebäudes in einem vorgeblichen Wartungshäuschen Geräte zur Handyüberwachung untergebracht seien.

Innenministerium bemüht sich um Aufklärung

Der Grünen-Politiker postete mehrere Bilder, auf der Umbauarbeiten in dem Gebäude und angebliche Wächter des US-Innenministeriums sowie ein Arbeiter eines auf Geheimdiensttechnik spezialisierten Unternehmens zu sehen sein sollen. Die US-Botschaft antwortete direkt über Twitter und Facebook auf das Posting von Pilz und schrieb, der Politiker stelle „Staatsbürgerschaft und Beruf“ eines gezeigten Botschaftsangehörigen falsch dar.

Seit Ausbruch der NSA-Affäre durch die Enthüllungen des Ex-Mitarbeiters Edward Snowden hat es immer wieder Vorwürfe gegeben, der US-Geheimdienst sei auch in Österreich aktiv und betreibe in Wien Abhöranlagen. Diese sollen unter anderem die UNO-City und andere internationale Organisationen ausspähen. Ein Sprecher der Innenministeriums sagte der APA auf Anfrage, man bemühe sich um Aufklärung. Er verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Sport

Fußball: Packender Showdown in Europas Topligen

In den europäischen Topligen bleibt der Kampf um Champions League, Europa League und Klassenerhalt bis zuletzt spannend. In Deutschland, England, Spanien und Frankreich wird am Wochenende die jeweils letzte Runde gespielt, in Italien stehen noch zwei Spieltage auf dem Programm. In allen fünf Ländern ist der Meister bereits fix - auf den Europacup-Plätzen und im Tabellenkeller kündigen sich aber wahre Krimis für Clubs und Fans an.

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Tennis: Thiem jubelt über Endspiel in Nizza

Dominic Thiem hat wenige Tage vor Beginn der French Open seine Hochform untermauert. Der 21-jährige Niederösterreicher setzte sich gestern im Semifinale des ATP-Turniers von Nizza gegen den US-Amerikaner John Isner durch und fixierte damit sein zweites Endspiel auf ATP-Ebene nach Kitzbühel im Vorjahr. Damals hatte Thiem gegen den Belgier David Goffin den Kürzeren gezogen. Im Duell um seinen ersten Turniersieg trifft der ÖTV-Jungstar auf Leonardo Mayer, die Nummer vier des Turniers. Das Finale ist heute ab 14.25 Uhr live in ORF Sport + und im Livestream zu sehen.

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Giro d’Italia: Massensturz kostet Contador Rosa

Ein Massensturz kurz vor der rettenden Drei-Kilometer-Marke hat Alberto Contador die Führung beim Giro d’Italia gekostet. Der 32-jährige Spanier wurde gestern gegen Ende der verregneten 13. Etappe mit Ziel in Jesolo ebenso gestoppt wie der Australier Richie Porte, der wieder mehr als zwei Minuten verlor und seine Hoffnung auf den Gesamtsieg damit endgültig begraben musste. Contador war mit 40 Sekunden Rückstand auf Etappensieger Sacha Modolo noch gut bedient, das Rosa Trikot musste er dennoch ausziehen. Mehr Sorgen bereitete ihm aber eine erlittene Verletzung am Bein.

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Song Contest

Fliegende Conchita eröffnet das Finale

Heute findet in Wien die 60. Ausgabe des Eurovision Song Contest statt, und so viel kann schon jetzt verraten werden: Es wird eine Show der Superlative. Neben den 27 Musikacts, die um den Sieg singen, bietet die Show eine Reihe von musikalischen Highlights, mit denen sich Österreich als Musiknation der ganzen Welt präsentiert. Und Conchita Wurst verliert den Boden unter den Füßen.

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Wirtschaft

GM könnte wegen Zündschlossdefekts Riesenstrafe drohen

Im Skandal um fehlerhafte Zündschlösser droht dem US-Autokonzern General Motors (GM) einem Zeitungsbericht zufolge eine Rekordstrafe. Ermittler des US-Justizministeriums hätten Hinweise auf strafrechtlich relevante Tatbestände ausfindig gemacht, berichtete die „New York Times“ in der Nacht auf heute.

Zwischen dem Autobauer und dem Ministerium liefen Verhandlungen über eine Einigung, die bereits im Sommer abgeschlossen sein könnten. Zwar werde über die Höhe der damit verbundenen Strafzahlung noch diskutiert. Es werde jedoch erwartet, dass sie die 1,2 Mrd. Dollar (eta eine Mrd. Euro) übersteigt, die der japanische Konzern Toyota im vergangenen Jahr wegen eines Defekts zahlen musste.

Zahlreiche weitere Klagen

Sollte sich der Konzern tatsächlich mit dem Justizministerium einigen, wären seine juristischen Probleme in der Affäre dem Bericht zufolge noch nicht ausgestanden. Auch die Staatanwaltschaften einzelner Bundesstaaten haben Ermittlungen eingeleitet. Dazu kommen Klagen von Privatpersonen.

GM hatte erst 2014 etwa 2,6 Mio. Fahrzeuge wegen defekter Zündschlösser zurückgerufen, obwohl das Problem seit Jahren bekannt war. Bei den Wagen bestand die Gefahr, dass der Zündschlüssel unbeabsichtigt in die Aus-Position springt. Dadurch könnte während der Fahrt der Motor absterben und elektronische Systeme wie Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags abschalten. Mit dem Defekt werden Dutzende Todesfälle in Verbindung gebracht.

Brasilien zieht Budgetnotbremse

Brasiliens Regierung hat für das laufende Jahr Haushaltskürzungen in Höhe von rund 70 Mrd. Reais (20,8 Mrd. Euro) angekündigt. Einschnitte gibt es vor allem beim Konjunkturprogramm PAC, durch das auch wichtige Infrastrukturprojekte finanziert und beschleunigt werden, wie Planungs- und Haushaltsminister Nelson Barbosa gestern (Ortszeit) in Brasilia mitteilte.

Konjunkturflaute und hohe Inflation

Auch die Ministerien für Bildung sowie Gesundheit müssen Milliardenbeträge einsparen. Durch die Budgetbremse soll das Ziel eines Haushaltsüberschusses von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht werden.

Die siebentgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt in einer Krise. Die Regierung erwartet laut Barbosa 2015 einen BIP-Rückgang von 1,2 Prozent und das bei einer Inflation von über acht Prozent. Zur Budgetsanierung erwägt die brasilianische Regierung auch Abgabenerhöhungen. Zuletzt wurden ein Anhebung der Steuern auf Gewinne von Banken von 15 auf 20 Prozent angekündigt.

Gaslieferant für Westeuropa: Norwegen überholt Russland

Norwegen hat Russland als größten Gaslieferanten Westeuropas abgelöst. Damit kommt die EU mit ihrem Vorhaben voran, unabhängiger von russischer Energie zu werden, wie aus Daten des norwegischen Staatskonzerns Gassco und seines russischen Pendants Gasprom hervorgeht. Demnach exportierte Norwegen im Schlussquartal 2014 und im ersten Quartal dieses Jahres jeweils gut 29 Milliarden Kubikmeter Gas nach Westeuropa und Russland je 20 Milliarden.

Russland blieb zwar im vorigen Jahr größter Gaslieferant der gesamten EU einschließlich der osteuropäischen Mitglieder. Allerdings sank der Importanteil von russischem Gas von 43 auf 42 Prozent und das Importvolumen um mehr als zehn Prozent. Zugleich wuchs der Anteil Norwegens bei den EU-Gasimporten von 34 auf 38 Prozent.

Hauptgrund der EU-Pläne für eine größere Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen sind die abgekühlten Beziehungen zur Regierung in Moskau. Die EU wirft Russland vor, nach der Annexion der Krim die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Zudem haben Streitereien über den Gaspreis zwischen Moskau und Kiew in Westeuropa die Furcht vor Engpässen bei der Belieferung über Pipelines durch die Ukraine geschürt.

US-Notenbankchefin rechnet noch 2015 mit Zinswende

US-Notenbankchefin Janet Yellen ist Spekulationen entgegengetreten, die Federal Reserve könnte angesichts einer schwachen Konjunktur die Zinsen in diesem Jahr doch nicht erhöhen. Yellen sagte gestern laut Redetext in Rhode Islands, sie gehe sehr wohl davon aus, dass die Notenbank 2015 die Zinswende einleiten werde.

Schließlich sei die US-Wirtschaft auf gutem Weg, das schwache erste Quartal abzuschütteln. Die US-Aktienmärkte reagierten zunächst mit leichten Zuwächsen auf Yellens Aussagen.

Bericht: OeNB holt Teil der Goldreserven zurück

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) „scheint drauf und dran zu sein“, einen Teil der Goldreserven nach Österreich zu transportieren, schreibt die „Kronen Zeitung“ (Onlineausgabe). OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny habe eine neue „Goldstrategie“ festgeschrieben, wonach zur Risikostreuung die Hälfte der Reserven in Österreich, 30 Prozent in London und 20 Prozent in der Schweiz liegen sollen.

Die Nationalbank besitzt 280 Tonnen Gold, wovon derzeit 80 Prozent in London, 17 Prozent im Inland und der Rest in der Schweiz liegen. Mit der Aufstockung der Inlandsbestände auf die Hälfte kommt die OeNB auch einer Kritik des Rechnungshofes nach. Dafür müssten 110 Tonnen nach Österreich transportiert werden. Die Vorbereitungen für ein entsprechend gesichertes Goldlager „dürften abgeschlossen sein“, schreibt die „Krone“.

Chronik

Mehr als 40 Tote in mexikanischem Drogenkrieg

Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Mitgliedern von Drogenkartellen sind im Westen Mexikos mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Während des rund dreistündigen Feuergefechts nahe der Ortschaft Tanhuato im Bundesstaat Michoacan seien 42 Verdächtige und ein Polizist getötet worden, sagte der Nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido gestern Abend (Ortszeit).

Unterstützung aus der Luft

Die mexikanische Bundespolizei sei Hinweisen nachgegangen, nach denen eine kriminelle Organisation eine Farm besetzt habe. Als die Polizisten sich dem Anwesen näherten, wurden sie aus einem Auto heraus angegriffen, wie Rubido sagte. Danach verfolgten die Sicherheitskräfte die Verdächtigen auf dem 112 Hektar großen Gelände und wurden von immer mehr Angreifern beschossen. Die Polizei forderte einen Hubschrauber zur Luftunterstützung an und brachte die Farm nach drei Stunden schließlich unter Kontrolle.

Eines der mächtigsten Drogenkartelle

Bei dem Einsatz wurden drei Verdächtige festgenommen. Außerdem beschlagnahmte die Polizei zahlreiche Schusswaffen und einen Granatwerfer. Eine Lagerhalle und sechs Autos gingen bei dem Gefecht in Flammen auf.

Die Verdächtigen gehörten einer kriminellen Organisation an, die vor allem in Jalisco aktiv sei, sagte Rubido. Der Bundesstaat, der an Michoacan grenzt, ist die Hochburg des Drogenkartells Jalisco Nueva Generacion (CJNG). Das trat 2011 erstmals in Erscheinung und ist laut mexikanischen und US-Behörden mittlerweile eines der mächtigsten Verbrechersyndikate des Landes.

IT

Millionen Nutzerdaten von Sexkontaktbörse aufgetaucht

Internetpiraten haben offenbar die weltgrößte Sexkontaktbörse Adult Friend Finder (AFF) geknackt und die Privatdaten von 3,9 Millionen Kunden teilweise im Darknet veröffentlicht. Die Betreiberfirma FriendFinder Networks räumte nach einem entsprechenden Medienbericht heute ein „mögliches Sicherheitsproblem“ ein. Die Behörden seien eingeschaltet und eine Ermittlung eingeleitet.

Für manche AFF-Kunden, die vermeintlich anonym Sexkontakte knüpften, könnte der Hackerangriff böse Folgen haben. Der britische Sender Channel 4 berichtete, im Darknet seien die Daten von Millionen Nutzern aufgetaucht: mit ihren sexuellen Orientierungen und Neigungen, ihren Nutzernamen, Internetadressen, Geburtsdaten und Postleitzahlen. Das Darknet ist ein Schatteninternet mit erschwertem Zugang.

Die Cyberspace-Expertin Bev Robb hatte die Daten schon vor einem Monat im Darknet gefunden. Erst gestern wurde aber der Name der Seite AFF bekannt, von der die Daten stammten. Der Expertin zufolge könnten damit „abertausende Nutzer“ der Seite identifiziert werden. Die Daten könnten aber auch von dritten für Erpressungsversuche missbraucht werden.

Microsoft blitzt offenbar mit Mrd.-Angebot bei Salesforce ab

Microsoft ist einem Medienbericht zufolge mit einer 55 Milliarden Dollar (rund 49 Mrd. Euro) schweren Übernahmeofferte beim SAP-Rivalen Salesforce abgeblitzt. Microsoft und Salesforce hätten im Frühjahr fortgeschrittene Gespräche geführt, berichtete der TV-Sender CNBC gestern unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die beiden amerikanischen Softwarehersteller hätten jedoch beim Kaufpreis keine Einigung erzielen können. Salesforce soll bis zu 70 Milliarden Dollar im Sinn gehabt haben.

Microsoft äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Eine Salesforce-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Nach Reuters-Informationen erwägt Microsoft gegenwärtig kein Gebot mehr für Salesforce.

Zuletzt wurde in Medien immer wieder berichtet, dass Salesforce ein Übernahmeangebot erhalten habe. Als mögliche Interessenten waren neben Microsoft auch Oracle und IBM im Gespräch. SAP hat ein eigenes Interesse verneint und hält den Konkurrenten wegen dessen hoher Bewertung an der Börse in New York ohnehin für unverkäuflich. Der Wert von Salesforce lag dort zuletzt bei fast 50 Milliarden Dollar.

Kultur

Architektur- und Lyrikdoyen Achleitner 85

Sein Lebenswerk in Sachen Architektur hat er kurz nach seinem 80. Geburtstag vollendet. Seither hat sich Friedrich Achleitner, Doyen der österreichischen Architekturtheorie, wieder seinem zweiten Standbein zugewandt: der Literatur. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag. Flankiert wird der große Tag von Lesungen aus seinem aktuellen Buch „wortgesindel“.

Die mehrbändige Dokumentation „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ schloss der wortmächtige, architekturbesessene Publizist vor fünf Jahren mit Erscheinen des letzten von drei Wien-Bänden ab. Einzig Niederösterreich fehlt in dem seit 1980 erschienenen Oeuvre noch. Das müssten, so sagte er damals, andere übernehmen.

Bestandsaufnahme der Architektur Österreichs

„Der Achleitner“, wie die ausführliche Dokumentation unter Architekten heißt, machte den Architekturhistoriker zur kritischen Instanz. An seinem „Opus magnum“, der umfassenden aktuellen Bestandsaufnahme der heimischen Architektur, arbeitete er seit 1965. 1980 erschien im Residenz Verlag der erste Band, in dem Bauwerke in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg dokumentiert wurden.

Der zweite Teil (1983) umfasst Kärnten, die Steiermark und das Burgenland, während sich Band drei der Bundeshauptstadt widmen sollte. Aufgrund des Umfangs entschloss sich Achleitner aber dazu, Wien in drei eigene Abschnitte zu gliedern: 1990 kam die Beschreibung des ersten bis zwölften Bezirks heraus, 1995 folgten die Bezirke 13 bis 18. Im Herbst 2010 erschien schließlich 19 bis 23.

„Wortgesindel“ im Umgang mit der Sprache

In den vergangenen Jahren arbeitete Achleitner, ehedem Mitglied der Wiener Gruppe, wieder vermehrt als Literat. Schließlich sei er damals des Schreibens, nicht der Architektur wegen nach Wien gekommen, sagte er einmal. Im Zsolnay Verlag erschienen zuletzt „wiener linien“ (2004), „und oder oder und“ (2006), „der springende punkt“ (2009) und der Dialektgedichteband „iwahaubbd“ (2011). Zuletzt veröffentlichte er im März den Band „wortgesindel“: ein ironisches Aufzeigen des allgegenwärtigen sorglosen Umgangs mit der Sprache.

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Religion

Science

Leute

Depardieu lobt Putin bei Filmfestival in Cannes

Der französische Filmstar und Wahlrusse Gerard Depardieu hat beim Filmfestival in Cannes seine Liebe zu Russland und Staatschef Wladimir Putin bekräftigt. „Ich kenne Wladimir Putin, ich mag ihn sehr“, sagte Depardieu gestern vor Journalisten. „Ich fahre viel in die UdSSR, äh, nach Russland“, betonte der 66-Jährige, was bei den Journalisten für Erheiterung sorgte.

„Wenn die Krim amerikanisch gewesen wäre ....“

Zum Ukrainekonflikt sagte der Schauspieler, er sei „wie jeder schockiert über die Situation“. Niemand verstehe die dortige Lage. „Ich liebe das ukrainische Volk, aber Konflikte sind nicht mein Gebiet“, sagte Depardieu. „Ich hasse Krieg, ich hasse Konflikte, weil Menschen sterben.“

In einem Seitenhieb an die USA sagte Depardieu: „Wenn die Krim amerikanisch gewesen wäre, wäre das was anderes gewesen, denken Sie mal darüber nach.“ Um einem drohenden Spitzensteuersatz von 75 Prozent in Frankreich zu entkommen, war Depardieu Ende 2012 zunächst aus Frankreich nach Belgien umgezogen. 2013 nahm er außerdem die russische Staatsbürgerschaft an, die ihm Putin persönlich angeboten hatte.