Ausland

Amnesty: Hamas folterte im Gaza-Krieg

In den Wirren des Gaza-Krieges im vergangenen Sommer hat die im Gazastreifen herrschende Hamas laut Amnesty International Dutzende Palästinenser hingerichtet oder gefoltert.

Die radikalislamische Organisation habe den Konflikt „für eine schamlose Abrechnung“ mit ihren Gegnern ausgenutzt, kritisierte die Menschenrechtsorganisation heute.

Gefolterten wurde Zusammenarbeit mit Israel zur Last gelegt

Die Hamas habe den Konflikt mit der israelischen Armee genutzt, um sich ihrer Gegner im Gazastreifen zu entledigen, heißt es in dem Amnesty-Bericht. Sie habe mindestens 23 Palästinenser hingerichtet und Dutzende weitere gefoltert. Die Hamas habe „eine brutale Kampagne mit Entführungen, Folter und Verbrechen gegen Palästinenser“ geführt, denen Zusammenarbeit mit Israel zur Last gelegt worden sei.

Dem Bericht zufolge verschleppte, folterte und attackierte die Hamas unter anderen Mitglieder der im Westjordanland regierenden Fatah. Keines der Vergehen der Hamas gegen Palästinenser sei geahndet worden. Das deute darauf hin, „dass die Verbrechen von den Behörden entweder angeordnet oder gebilligt“ worden seien, schrieb Amnesty.

Beide Seiten der Kriegsverbrechen beschuldigt

Einige der Vergehen sind demnach als Kriegsverbrechen einzustufen. Die Hamas habe „die elementarsten Regeln der internationalen Menschenrechte missachtet“. Amnesty rief die Behörden im Westjordanland und die Hamas auf, zur Klärung der Fälle mit unabhängigen internationalen Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Im März hatte Amnesty bereits mehreren bewaffneten Palästinensergruppen Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die vom Gazastreifen während des Gaza-Krieges abgefeuerten Raketen töteten demnach mehr Palästinenser als Israelis.

Auch dem israelischen Staat legte die Menschenrechtsorganisation Kriegsverbrechen zur Last. Die Palästinenser wollen die Verantwortlichen in Israel in diesem Zusammenhang vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) bringen. Israel, das die Zuständigkeit des Tribunals nicht anerkennt, leitete selbst in mehreren Fällen Untersuchungen ein.

Neue Luftangriffe nach Raketenbeschuss

Nachdem am Dienstag aus dem Gazastreifen der dritte Raketenangriff auf Israel seit Ende des bewaffneten Konflikts im Sommer erfolgt war, reagierte die israelische Luftwaffe heute mit vier Angriffen in dem Palästinensergebiet. Laut Augenzeugenberichten wurden dabei militärische Ausbildungszentren getroffen. Über eventuelle Opfer lagen zunächst keine Angaben vor.

Bericht: EU will Zehntausende Flüchtlinge umsiedeln

Trotz heftigen Widerstands will die EU-Kommission laut einem Zeitungsbericht Zehntausende Flüchtlinge in Europa umsiedeln. Diesen Vorschlag wolle die Kommission heute in Brüssel vorstellen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“).

Um Italien und Griechenland zu entlasten, sollen laut dem Bericht von dort insgesamt 40.000 Menschen auf andere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verteilt werden.

Notfallmaßnahme Teil neuer Flüchtlingspolitik

Dabei handle es sich um eine „Notfallmaßnahme“, die angesichts stark steigender Flüchtlingszahlen in Italien und Griechenland nötig sei, heißt es laut „SZ“ in dem Entwurf. Es gehe vor allem um Menschen aus Syrien und Eritrea, die ihre Heimat verlassen haben und in Europa Zuflucht suchen.

Der Umsiedlungsvorschlag ist dem Bericht zufolge Teil der neuen Flüchtlingspolitik der EU-Kommission. Die Einwanderungsagenda sehe vor, mit Hilfe eines Schlüssels Flüchtlinge und Asylwerber den EU-Mitgliedsstaaten zuzuweisen.

Kriterien des Quotensystems sind die Bevölkerungszahl, die Wirtschaftsleistung und die Arbeitslosenrate. Der Gesetzesvorschlag der Behörde solle bis Ende des Jahres beschlossen und umgesetzt werden, schrieb die „SZ“. Zahlreiche Mitgliedsstaaten lehnen das Vorhaben allerdings ab, darunter Frankreich und Großbritannien.

Verteilung gemäß Quotensystem

Die „SZ“ berichtete, nach dem Willen der Kommission sollten 24.000 Flüchtlinge aus Italien und 16.000 aus Griechenland zunächst für 24 Monate gemäß dem Quotensystem verteilt werden. Deutschland müsste davon mit etwa 18 Prozent anteilig die meisten Flüchtlinge in der EU aufnehmen.

An zweiter Stelle stünde Frankreich mit 14 Prozent, gefolgt von Italien mit knapp zwölf Prozent. Zudem sollten 20.000 Menschen, die vornehmlich in Flüchtlingslagern außerhalb der EU leben, den Mitgliedsstaaten zugewiesen werden.

Bisher müssen Asylwerber in der EU in jenem Land bleiben, das sie zuerst betreten haben. Da in Griechenland und Italien besonders viele Bootsflüchtlinge ankommen, fühlen sich diese Staaten überfordert. Der „SZ“-Bericht weist darauf hin, dass die Regelung schon lange nicht mehr funktioniere, weil etwa die italienischen Behörden viele Flüchtlinge gar nicht erst registrierten. Diese tauchten dann häufig unter oder versuchten, nach Deutschland oder Schweden zu kommen.

US-Gericht bestätigt Stopp der Einwanderungsreform

Die Einwanderungsreform von US-Präsident Barack Obama hat erneut einen Rückschlag erlitten. Ein Berufungsgericht in New Orleans wies einen Antrag der Regierung ab, das Urteil eines Richters aus Texas aufzuheben, der im Februar mit einer einstweiligen Verfügung Obamas Anordnungen gestoppt hatte, die Millionen illegal Eingewanderter ein befristetes Aufenthalts- und Arbeitsrecht geben sollen.

Stattdessen bestätigte das für Texas zuständige Berufungsgericht gestern (Ortszeit) die Entscheidung von Richter Andrew Hanen vom Bundesgericht in Brownsville.

Gegner: Machtbefugnisse überschritten

Gegen Obamas im November angekündigte Neuausrichtung der Einwanderungspolitik hatten Texas und 25 andere Bundesstaaten Klage eingereicht. Sie werfen dem Präsidenten vor, mit den am Kongress vorbei erlassenen Exekutivanordnungen seine Machtbefugnisse überschritten zu haben. Außerdem beschweren sie sich über die Kosten, die ihnen durch die Reform entstehen.

Obamas Reform sieht vor, dass fast die Hälfte der mehr als elf Millionen illegal Eingewanderten in den USA ein vorläufiges Bleiberecht erhalten soll. Kern des Vorhabens ist, dass Eltern von Kindern mit US-Staatsbürgerschaft oder legalem Aufenthaltsstatus, die sich seit mindestens fünf Jahren in den USA aufhalten, unter bestimmten Voraussetzungen eine befristete Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung bekommen.

Vehementer Widerstand

Außerdem soll der Abschiebestopp für Einwanderer ohne gültige Papiere ausgeweitet werden, die als Kinder und Jugendliche auf illegalem Weg in die USA kamen. Seit Jahren bemüht sich Obama um eine Reform des Einwanderungswesens, die Initiativen seiner Demokraten im Kongress scheiterten aber am Widerstand der Republikaner.

Daher griff der Präsident im vergangenen Herbst zu dem umstrittenen Mittel der Exekutivanordnung, um eine Reform auf den Weg zu bringen. Die Republikaner, die seit Jahresbeginn über eine Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus verfügen, lehnen die Pläne als „Amnestie“ für illegal Eingewanderte vehement ab.

Frontex weitet Rettungseinsatz im Mittelmeer aus

Angesichts der Flüchtlingsdramen im Mittelmeer weitet die EU-Grenzschutzagentur Frontex ihr Einsatzgebiet vor der Küste Italiens deutlich aus. Die Schiffe und Flugzeuge würden in einem Gebiet von bis zu 138 Seemeilen (255 km) südlich von Sizilien nach Schiffbrüchigen suchen, hieß es in einer gestern auf der Frontex-Website veröffentlichten Erklärung. Bisher war das Einsatzgebiet auf 30 Seemeilen vor der italienischen Küste begrenzt.

Auch das Material wird aufgestockt: Während der Sommermonate würden nun drei Flugzeuge, 18 Boote, zwei Hubschrauber und 15 Expertenteams im Rahmen der „Triton“-Mission eingesetzt, teilte die in Warschau ansässige Agentur mit.

Fast 1.800 Tote in diesem Jahr

Auf dem EU-Flüchtlingsgipfel vor einem Monat hatten die Staats- und Regierungschefs bereits eine Verdreifachung der Mittel für den „Triton“-Einsatz beschlossen. Durch die nun umgesetzte Ausweitung der Mission werde den italienischen Behörden geholfen, „ihre Küsten zu kontrollieren und Leben zu retten“, sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri. „Zu viele wurden in diesem Jahr schon auf tragische Weise verloren.“

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bereits 1.770 Menschen bei dem Versuch ums Leben gekommen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen - 30-mal mehr als im Vorjahreszeitraum.

Angriff auf Diplomatenviertel in Kabul abgewehrt

Nach mehrstündigen Gefechten sind im Zentrum von Kabul vier Angreifer der Taliban getötet worden, die laut Regierungsangaben ein Hotel in einem Diplomatenviertel stürmen wollten.

Die vier Angreifer seien tot, teilte der afghanische Vizeinnenminister Mohammed Ayub Salangi über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Sie seien mit einer Panzerfaust, einem Granatwerfer und drei Sturmgewehren bewaffnet gewesen. Es habe keine weiteren Opfer gegeben.

Die Angreifer hatten laut Polizei das Heetal-Hotel im Viertel Wasir Akbar Khan ins Visier genommen, das der Familie von Außenminister Salahuddin Rabbani gehört. Der Angriff hatte gestern am späten Abend begonnen und bis zum Morgengrauen gedauert. Stundenlang waren immer wieder Schüsse und Explosionen zu hören. Zu dem Angriff bekannten sich die radikalislamischen Taliban.

Libyens Regierungschef entgeht Anschlag

Der libysche Regierungschef Abdullah al-Thinni ist gestern Abend in Tobruk nur knapp einem Anschlag entgangen.

Wie seine Regierung auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, hatten Unbekannte zunächst das Parlamentsgebäude während einer Sitzung der Abgeordneten beschossen. Als Thinni daraufhin das Gebäude verließ, verfolgten und beschossen die Bewaffneten den Fahrzeugkonvoi. Die Angreifer seien „Kriminelle in den Diensten einer der Parteien“ in libyschen Machtkampf, hieß es.

Thinni ist Ministerpräsident der international anerkannten Regierung Libyens. Seit dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen nicht zur Ruhe gekommen, wird von einem Bürgerkrieg rivalisierender Milizen zerrissen. Zudem konkurrieren zwei Abgeordnetenhäuser miteinander: Neben der Kammer in Tobruk hat sich ein Gegenparlament in Tripolis gebildet. Dieses wird von Islamisten dominiert.

Inland

Kontenöffnung wird zum Koalitionsstreit

Der ÖVP-interne Streit über die im Zuge der Steuerreform geplante Kontenöffnung sorgt nun auch für Verärgerung beim Koalitionspartner SPÖ. Diese stieß sich an ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka, der nach anhaltender Kritik seiner Partei versichert hatte, dass die Vorlage in der vorliegenden Fassung nicht umgesetzt werde.

SPÖ-Klubchef Andreas Schieder vermisste daraufhin Handschlagqualität des Koalitionspartners: „Man muss zu dem stehen, was ausverhandelt worden ist.“ Aber auch in den Reihen der SPÖ gibt es nun Bedenken bezüglich einer Kontenöffnung ohne Richter.

Mehr dazu in Schieder vermisst „Handschlagqualität“

Hochrangige Bankenaufseher vor Hypo-U-Ausschuss

Im Hypo-U-Ausschuss werden heute hochrangige Vertreter der Bankenaufsicht befragt. An der Reihe sind Nationalbank-Vizegouverneur Andreas Ittner und der Vorstand der Finanzmarktaufischt (FMA), Helmut Ettl. In Ittners Verantwortung fällt ein umstrittenes Gutachten zur Hypo 2008 - Stichwort: „not distressed“ - das der Skandalbank staatliches Partizipationskapital ermöglichte. Die OeNB verteidigt die Einschätzung bis heute.

„Keinesfalls weggeschaut“

Die Bankenaufseher dürften ihre Arbeit im Hinblick darauf verteidigen, dass die Möglichkeiten der Aufsicht sich praktisch erst kürzlich - nach der Finanzmarktkrise - verbessert haben. Es habe, als das Hypo-Desaster seinen Lauf nahm, noch keine ausreichenden rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben, um etwas im Vorhinein zu verhindern, wird argumentiert. Jedenfalls habe man keinesfalls weggeschaut und alles getan, was getan werden konnte, so Nationalbank und FMA.

Ittner war vor 2008, als er ins OeNB-Direktorium kam, Abteilungsleiter für die Bankenaufsicht in der Nationalbank. Im Direktorium war er für das Ressort Finanzmarktstabilität, Bankenaufsicht und Statistik zuständig. Dieselbe Verantwortung blieb Ittner, als er 2013 zum Vizegouverneur aufstieg. Ettl war ab 1995 in der OeNB und wurde 2001 stellvertretender Leiter der Abteilung für Bankenanalyse und -revision. 2003 übernahm er die Leitung der Abteilung. 2008 wurde er schließlich zum Vorstandsmitglied der FMA bestellt.

Spitalsärzte: Einigung am Wiener AKH

Am Wiener AKH gibt es in Sachen Umsetzung der neuen Arbeitszeitrichtlinien eine Einigung. Der Betriebsrat hat das Angebot des Rektorats der Medizinischen Universität Wien angenommen, wie Betriebsrat Martin Andreas gestern gegenüber der APA bestätigte. Dieses sieht unter anderem eine Einmalzahlung von 8.000 Euro pro Arzt vor. Der angedrohte Streik ist damit erst einmal vom Tisch.

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Sport

Formel 1: Aufwärtstrend bei Red Bull in Monte Carlo

Bisher hat es für Red Bull Racing in dieser Formel-1-Saison so gar nicht nach Wunsch funktioniert. Am Sonntag in Monte Carlo gaben die „Bullen“ aber ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Die Ränge vier und fünf von Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo waren das mit Abstand beste Ergebnis, das der Rennstall heuer einfahren konnte. Sogar ein Podestplatz schien nicht völlig außer Reichweite zu sein.

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Fußball: Gucher spielt sich in Serie-A-Rampenlicht

In Italiens höchster Liga wird in der kommenden Saison wieder ein Österreicher im Einsatz sein. Fast unter dem Radar der heimischen Fußballfans schaffte Robert Gucher mit seinem Club Frosinone den Durchmarsch in die Serie A und wurde danach von den Trainern der zweithöchsten Liga zum besten Mittelfeldspieler der abgelaufenen Saison gewählt.

Als Schlüsselspieler und Kapitän von Frosinone steht der 24-jährige Steirer schon einige Zeit in den Notizbüchern der italienischen Topclubs. Guchers nächster Traum ist aber ein Anruf von ÖFB-Teamchef Marcel Koller.

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Wirtschaft

Bankgeheimnis: Schweiz unterzeichnet Abkommen mit EU

Die Schweiz und die EU haben das Abkommen über den automatischen Informationsaustausch (AIA) in Steuersachen unterzeichnet. Damit sollen erstmals 2018 Steuerdaten ausgetauscht werden. Damit dieser Fahrplan jedoch eingehalten werden kann, musste das Abkommen noch im Mai unterzeichnet werden.

Heute war es schließlich so weit: Jacques de Watteville, Staatssekretär für internationale Finanzfragen, EU-Steuerkommissar Pierre Moscovici und der lettische Finanzminister Janis Reirs setzten in Brüssel ihre Unterschrift unter das Abkommen.

Somit kann die Ratifizierung in der Schweiz im ordentlichen Verfahren - inklusive eines möglichen Referendums - durchgeführt werden. Darauf hatte die Schweiz gegenüber der EU gepocht.

Datenstrom soll ab 2018 fließen

Konkret werden Schweizer Finanzinstitute ab 2017 Daten sammeln und den Schweizer Steuerbehörden übermitteln. Diese liefern die Informationen ab 2018 an die Steuerbehörden des entsprechenden EU-Landes. Die gleichen Verpflichtungen haben natürlich auch die 28 EU-Staaten gegenüber der Schweiz.

Mitte März dieses Jahres einigten sich die Schweiz und die EU, sodass am 19. März De Watteville und sein Verhandlungspartner bei der EU-Kommission, Heinz Zourek, das Abkommen zum Informationsaustausch paraphieren konnten.

EU verspricht 0,2 Prozent BIP für Entwicklungshilfe

Die ärmsten Länder der Welt sollen künftig einen festen Anteil der EU-Entwicklungshilfe bekommen. Bis 2030 wollen die Mitgliedsstaaten 0,2 Prozent ihrer gemeinsamen jährlichen Wirtschaftsleistung für die Least Developed Countries ausgeben. Als Zwischenziel ist eine Quote von 0,15 Prozent geplant, wie Diplomaten gestern Abend nach Beratungen der EU-Entwicklungsminister in Brüssel sagten.

Die Ressortchefs einigten sich auch darauf, darüber hinaus grundsätzlich am Gesamtziel für Entwicklungshilfeausgaben festzuhalten. Denn den UNO-Entwicklungszielen folgend wollten Österreich und andere EU-Staaten bereits bis zum Jahr 2015 den Anteil öffentlicher Mittel für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent erhöhen.

Theorie und Praxis weit auseinander

Jetzt ist die Post-2015-Agenda der „Horizont“. Der 15-Jahre-Plan der Vereinten Nationen soll bis 2030 laufen und in wichtigen Teilen im Juli in Addis Abeba vorbereitet werden.

Wie weit die Realität zuletzt von den Versprechungen entfernt war, zeigt sich nicht nur an Österreichs Beitrag von 0,26 Prozent des BIP im Jahr 2014. In der gesamten EU erreichen mit Schweden, Luxemburg, Dänemark und seit neuestem auch Großbritannien überhaupt nur vier Staaten das Ziel von 0,7 Prozent.

Chronik

Koffer mit Knochenmarkspende aus ICE gestohlen

Ein Koffer mit einer möglicherweise lebensrettenden Knochenmarkspende wurde in Deutschland aus einem ICE gestohlen - jetzt haben Putzleute ihn 350 Kilometer weiter nördlich wiedergefunden.

Die Reinigungskräfte übergaben den Koffer noch gestern Abend der Polizei, wie diese heute mitteilte. In Emden sei er in einem Waggon eines ICE gelegen. Der Koffer war laut Polizei noch funktionstüchtig, da er über eine eigenständige Kühlung verfügt.

Unbekannte hatten gestern beim Halt des ICE-Zuges die Mitarbeiter der Transplantationsgesellschaft abgelenkt, den Koffer gestohlen und unerkannt den Zug verlassen.

Zahlreiche Tote durch Unwetter in Mexiko und USA

Schwere Unwetter und Überschwemmungen in Mexiko und den USA haben insgesamt rund 30 Menschenleben gefordert. Während in Mexiko das Schlimmste vorüber scheint, steigt die Zahl Toten im Süden der USA rapide. US-Medien sprachen von mindestens 14 Opfern. Nach wie vor würde über ein Dutzend Menschen vermisst.

Unter den Toten seien viele Autofahrer, die sich leichtsinnig in Gefahr begeben hätten, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott. Das amerikanische Fernsehen zeigte aus Texas und Oklahoma Bilder der Zerstörung. Mit am stärksten ist die Region Wimberley in Texas betroffen, allein dort wurden 400 Gebäude von den Fluten zerstört, rund 1.000 beschädigt.

Die Behörden erklärten Teile von Texas und Oklahoma zu Katastrophengebieten. Südlich der texanischen Großstadt Austin spülten die Wassermassen ein Ferienhaus mit zwölf Menschen hinweg - das Haus prallte laut Polizei später gegen eine Brücke.

Song Contest

Österreich nun Vorletzter

Weiterhin null Punkte, aber doch nicht Letzter: Die österreichischen Vertreter beim 60. Song Contest in Wien, die Makemakes, sind gestern einen Platz im Ranking nach vorne geklettert. So sind die drei Burschen nun offiziell 26. des Feldes und nicht mehr auf dem letzten 27. Platz. Grund sind die Regeln der European Broadcasting Union (EBU).

Bei Punktegleichheit wird jenes Land vorgereiht, das einen früheren Starplatz im Tournament hatte. Die Makemakes waren Samstagabend mit Startnummer 14 ins Rennen gegangen, Ann Sophie aus Deutschland mit Starplatz 17. Dadurch hat die Deutsche nun in der offiziellen Rangliste das Nachsehen, ergatterte sie doch ebenfalls keinen Punkt.

Das Event in Bildern

Es ist nicht nur das große Finale ganz zum Schluss gewesen: Eine heiße Woche mit insgesamt neun Shows und zahlreichen Konzerten im Rahmenprogramm, eine Probenwoche in der Stadthalle und schließlich eine monatelange Vorbereitungszeit inklusive der heimischen Vorausscheidung lieferten jede Menge tolle Bilder. Die Fotografen von songcontest.ORF.at haben ihre besten Fotos noch einmal zusammengetragen.

Mehr dazu in songcontest.ORF.at

Gesundheit

Science

2,25 Mio. Preisgeld: „Architekten“ für Marshaus gesucht

Bereits 1992 hat der damalige US-Präsident George H. W. Bush einen bemannten Flug zum Mars zum nächsten großen Fernziel erklärt. Präsident Barack Obama will dieses nun bis in den 2030er Jahren umgesetzt wissen.

Eine Realisierung dieser Pläne steht zwar nicht zuletzt wegen horrender Kosten in den Sternen - die US-Weltraumbehörde NASA macht sich dennoch schon Gedanken über die mögliche Unterkunft der ersten Marsbesucher und setzt dabei auf Unterstützung von außen: Per Wettbewerb wird nun nach umsetzbaren Visionen gesucht. Und dass es der NASA durchaus ernst ist, beweisen wohl Preisgelder von insgesamt 2,25 Millionen Dollar.

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Forscher verbessern Prognose des Weltraumwetters

Das Wetter auf der Erde vorherzusagen funktioniert mittlerweile ziemlich gut. Im Weltraum ist alles noch viel komplizierter. Anfang 2014 etwa sollte ein gigantischer Sonnensturm auf die Erde treffen. Die Auswirkungen waren aber viel geringer als prognostiziert. Wie eine neue Studie zeigt, lag das daran, dass der Sonnensturm seine Richtung geändert hatte. Ursache dafür waren starke Magnetfelder, die den Sonnensturm von der Erde ablenkten.

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IT

Großangelegte Onlineattacke gegen US-Steuerbehörde

Bei einer großangelegten Onlineattacke auf ein Computersystem der US-Steuerbehörde IRS sind die Daten von rund 100.000 Steuerzahlern gestohlen worden. Unbekannte Angreifer hätten personenbezogene Daten außerhalb der Steuerbehörde erlangt und dazu benutzt, sich Zugang zu den Nutzerkonten der Betroffenen bei der IRS zu verschaffen, teilte die Steuerbehörde gestern in Washington mit.

Mit Hilfe der im Voraus gesammelten Informationen über die Steuerzahler konnten die Angreifer laut IRS einen mehrstufigen Authentifizierungsprozess durchlaufen. Dabei würden auch Fragen gestellt, „die normalerweise nur der Steuerzahler“ beantworten könne, erklärte die IRS.

Bei Hälfte der Angriffe erfolgreich

Die Angreifer versuchten den Angaben zufolge zwischen Februar und Mitte Mai, Zugang zu rund 200.000 Nutzerkonten zu bekommen. In rund der Hälfte der Fälle seien sie erfolgreich gewesen und hätten auf diese Weise persönliche Daten wie Geburtsdaten, Adressen und Sozialversicherungsnummern abgegriffen.

Außerdem hätten sie Zugang zu einem System namens „Get Transcript“ erlangt, bei dem Nutzer in all ihre Vorgänge bei der Steuerbehörde Einsicht nehmen können.

Kultur

US-Fotografin Mary Ellen Mark gestorben

Die renommierte US-Fotografin Mary Ellen Mark ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf ihren Agenten. Auch auf ihrer eigenen Website wurde ihr Tod bestätigt. Mark starb nach diesen Angaben Anfang der Woche in einem New Yorker Krankenhaus nach langer Krankheit.

Bekannt wurde sie durch einfühlsame Porträts unter anderem von Straßenkindern und Prostituierten. Auch Prominente und Politiker lichtete sie ab. Gedruckt wurden ihre Arbeiten unter anderem von Magazinen wie „Life“, „Vogue“, „Time“, „Rolling Stone“ und „Vanity Fair“. Außerdem veröffentlichte sie mehr als ein Dutzend Bücher.

B. B. King: Doch noch keine Mordermittlungen

Trotz der Vorwürfe, der Blues-Musiker B. B. King sei möglicherweise durch sein Management vergiftet worden, hat die Polizei von Las Vegas bisher keine Ermittlungen aufgenommen. In einer Mitteilung verwies die Polizei gestern auf eine Autopsie von Kings Leiche, die der Untersuchungsrichter im Bezirk Clark im US-Bundesstaat Nevada angeordnet hatte.

„Solange der Untersuchungsrichter des Bezirks Clark nicht zu dem Schluss kommt, dass Herr King nicht eines natürlichen Todes starb, leitet die Polizei von Las Vegas nicht irgendeine Ermittlung ein“, hieß es weiter. Ermittlungsrichter John Fudenberg erklärte, bisher gebe es keine Beweise, die die These eines Verbrechens belegten. Er nehme die Vorwürfe aber „sehr ernst“ und werde sie gründlich prüfen.

„Fremde Substanzen verabreicht“

Zwei Töchter von King, Karen Williams und Patty King, äußerten dem Internetportal Eonline zufolge den Verdacht, dass ihr Vater Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte. „Ich glaube, dass mein Vater vergiftet wurde und ihm fremde Substanzen verabreicht wurden, um seinen vorzeitigen Tod auszulösen“, schrieben die Töchter demnach in separaten, aber gleichlautenden eidesstattlichen Erklärungen. Den Gerichtsunterlagen zufolge wurde eine offizielle Ermittlung gefordert.

Streit um Pflege kurz vor Ableben

King war am 14. Mai im Alter von 89 Jahren in Las Vegas gestorben, wo er zwischen seinen ausgedehnten Tourneen wohnte. Noch bis ins hohe Alter war King auf Tour gegangen. Kings Gesundheitszustand hatte sich seit Ende vergangenen Jahres verschlechtert. Anfang Mai begab der Diabetiker sich in seinem Haus in Las Vegas in Hospizpflege. In den letzten Tagen vor Kings Tod soll es einen Streit zwischen seinen Angehörigen und seiner Managerin um seine Pflege gegeben haben.

Den Töchtern zufolge sollen Kings Managerin und Testamentsvollstreckerin Laverne Toney und deren persönlicher Assistent King vergiftet haben. Toney wies die Vorwürfe zurück.

Religion

Ja zu Homoehe für Vatikan „Niederlage für Menschheit“

Der Vatikan hat das irische Ja zur Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet. „Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken“, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gestern bei einer Veranstaltung in Rom.

„Familie verteidigen“

„Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“, zitierte ihn Radio Vatikan weiter. Das katholische Irland hatte in einem Referendum am Wochenende für die Ehe für homosexuelle Paare gestimmt. Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, so Parolin, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe.

Der Vatikan will auf einer Familiensynode im Oktober auch über in der katholischen Kirche heikle Themen wie den Umgang mit Homosexuellen diskutieren. Viele Gläubige erhoffen sich von Papst Franziskus eine vorsichtige Öffnung in diesen Fragen.

Leute

Omar Sharif an Alzheimer erkrankt

Leinwandlegende Omar Sharif ist an Alzheimer erkrankt. Entsprechende Berichte bestätigte der Agent des 83-Jährigen, Steve Kenis, gestern der Nachrichtenagentur AFP. Laut „Los Angeles Time“ ruht sich Sharif in seinem Haus in seinem Geburtsland Ägypten aus.

Als Sherif Ali im Film „Lawrence von Arabien“ wurde Sharif 1962 weltberühmt, als „Doktor Schiwago“ wurde er unsterblich. Für seine Rolle in „Monsieur Ibrahim“, der 2003 in die Kinos kam, wurde Sharif auf der Biennale in Venedig als bester Schauspieler ausgezeichnet und bekam einen Cesar, den französischen Filmpreis.