Ausland

Ägypten: Sisi baut Regierung kräftig um

Im Rahmen einer Regierungsumbildung hat Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi heute mehrere Minister entlassen. Unter anderem die Ressorts für Inneres, Tourismus und Altertümer sollen neu besetzt werden, berichteten ägyptische Medien unter Berufung auf Regierungsquellen. Ein Regierungsbeamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur zunächst, insgesamt würden acht Ministerposten neu besetzt.

Vor allem Innenminister Mohammed Ibrahim stand in der Vergangenheit in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Unter ihm sollen Polizisten immer wieder mit unverhältnismäßiger Brutalität gegen Demonstranten vorgegangen sein. Dutzende Oppositionspolitiker und Demokratieaktivisten wurden in den vergangenen Monaten verhaftet, ägyptische Zeitungen immer wieder zensiert.

Nemzow-Mord: Ermittler sichten Zeugenhinweise

Fast eine Woche nach dem Mord an dem russischen Oppositionellen Boris Nemzow werten die Ermittler russischen Medien zufolge zahlreiche Zeugenhinweise aus.

Die Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“ („KP“) berichtete heute, dass nach den Aussagen der Hauptzeugin Anna Durizkaja ein Phantombild vom möglichen Täter gezeichnet worden sei. Die Polizei veröffentlichte dieses aber nicht. Die Fahnder schweigen derzeit zum Stand der Ermittlungen.

Die „KP“ schrieb, dass Durizkaja den Mörder als etwa 1,70 bis 1,75 Meter großen Mann mit kurzen Haaren beschrieben habe. Durizkaja ging an der Seite Nemzows, als der Politiker am vergangenen Freitag in Kreml-Nähe von hinten erschossen wurde. Der Täter entkam unerkannt. Nemzow gehörte zu den schärfsten Kritikern von Präsident Wladimir Putin.

Bericht soll dennoch veröffentlicht werden

Die Opposition kündigte an, dass ein Bericht Nemzows über die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt ungeachtet der Bluttat erscheinen solle. Nemzow habe vor allem Beweise für die vom Kreml immer wieder bestrittene Anwesenheit russischer Soldaten im Kriegsgebiet Donbass gesammelt, sagte der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Nemzows Anhänger hatten vermutet, dass das Attentat die Veröffentlichung der Dokumente verhindern sollte.

Parlament in Kiew beschließt 250.000-Mann-Armee

Mit großer Mehrheit hat das ukrainische Parlament eine Vergrößerung der Armee um mehr als ein Drittel auf 250.000 Soldaten beschlossen. Für den Vorschlag von Präsident Petro Poroschenko stimmten heute in Kiew 270 von 422 Abgeordneten. Zuletzt war die Stärke der Streitkräfte auf 184.000 Soldaten beschränkt.

Wegen des Krieges gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine hatte die prowestliche Führung im Jänner mit einer Teilmobilmachung begonnen. Im Laufe des Jahres sollen dabei in drei Etappen mehr als 100.000 Reservisten bewaffnet werden. Parallel dazu werden im April turnusgemäß 40.000 Wehrpflichtige einberufen.

Russland startet Großmanöver bis auf die Krim

Das russische Militär startete unterdessen ein Großmanöver, in dem auch die von Moskau annektierte Krim einbezogen ist. Die Flugabwehrübungen mit mehr als 2.000 Soldaten würden bis zum 10. April andauern, teilte das Verteidigungsministerium heute in Moskau mit. Die Gefechtsübungen seien vor allem im Süden Russlands und im Nordkaukasus-Distrikt geplant. Eingebunden seien neben der Krim auch Stützpunkte in Armenien und Georgien.

Auch die NATO startete Manöver in der Nähe der Ukraine. Das westliche Militärbündnis sandte eine Flotte ins Schwarze Meer, die mit Schiffen der bulgarischen, rumänischen und türkischen Marine Übungen begann. Der regulär geplante Einsatz solle eine Botschaft der Beruhigung an die Verbündeten in der Region senden, sagte ein NATO-Sprecher. Geübt werden solle unter anderem die Abwehr von Angriffen aus der Luft sowie durch U-Boote oder kleine Schiffe.

Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sind wegen der Ukraine-Krise angespannt. Dort gilt seit Februar eine Waffenruhe, die jedoch brüchig ist. Russland wirft dem Westen vor, seinen Einflussbereich auch auf die Ukraine ausdehnen zu wollen, und warnt vor einer Mitgliedschaft des Landes in der NATO. Aus Sicht der EU und der USA stellt sich Russland dagegen gegen den Wunsch der Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung nach einer Westorientierung.

Aktivisten: 18 Tote bei Angriff mit Fassbombe auf Aleppo

Bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf die Stadt Aleppo im Norden des Landes sind nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mindestens 18 Menschen getötet worden. Ein Hubschrauber der Armee habe über einem Rebellenviertel eine Fassbombe abgeworfen, erklärte die Beobachtungsstelle heute. Die Zahl der Toten könne noch steigen, da es auch Schwerverletzte gebe.

Die Aktivisten warfen der Regierung ein „Massaker“ vor. Fassbomben sind mit Sprengstoff und Metallsplittern gefüllte Behälter, die wegen ihrer streuenden Wirkung besonders zerstörerisch sind.

Aleppo gehört zu den am stärksten umkämpften Regionen im syrischen Bürgerkrieg. Teile der Stadt stehen unter Kontrolle von Regimegegnern. Erst gestern starben bei einem Bombenattentat von Rebellen auf das Hauptquartier des Luftwaffengeheimdienstes in Aleppo mindestens 20 Menschen.

Chinas Präsident Xi: „Tigerjagd“ bleibt Machtvehikel

Vor zwei Jahren hat der chinesische Staatschef Xi Jinping der grassierenden Korruption den Krieg erklärt. Inszeniert wird ein schonungsloser Feldzug gegen korrumpierte Parteikader. Auch Parteibonzen bleiben nicht verschont - besonders wenn den Korruptionsjägern ein solcher „Tiger“ ins Netz geht, sind die Staatsmedien mit ausschweifenden Berichten zur Stelle. Eine große Bühne für die Kampagne bietet Xi auch der begonnene Volkskongress. Doch steht dieser auch im Zeichen anderer drängender Probleme.

Mehr dazu in Wirtschaft wartet auf Impulse aus Peking

Australier vor Exekution: Indonesien unerbittlich

Ungeachtet aller Appelle hält Indonesien an der geplanten Hinrichtung der beiden zum Tode verurteilten Australier fest. Die Regierung in Jakarta lehnte einen von der australischen Regierung vorgeschlagenen Gefangenenaustausch heute ab. Das Angebot der australischen Außenministerin Julie Bishop habe für Indonesien „keine Bedeutung“, sagte Generalstaatsanwalt Muhammad Prasetyo.

Um die Hinrichtungen noch abzuwenden, hatte sich Bishop zuvor erneut in den Fall eingeschaltet und den Austausch vorgeschlagen. Die beiden Australier Andrew Chan und Myuran Sukumaran waren 2006 in Indonesien wegen Heroinschmuggels zum Tod verurteilt worden. Gestern wurden sie aus dem Gefängnis in Bali abgeholt und auf die Insel Nusakambangan gebracht, wo sie hingerichtet werden sollen.

„Sehr angespanntes“ Telefongespräch

Ein Datum für die Exekution wurde zwar noch nicht genannt. Die Verlegung der beiden Männer deutet aber darauf hin, dass die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando unmittelbar bevorsteht. Die Regierung in Australien hatte in den vergangenen Wochen mehrfach versucht, die Hinrichtung noch zu verhindern. Außenministerin Bishop sagte heute, sie habe mit ihrer indonesischen Kollegin Retno Marsudi ein „sehr angespanntes“ Telefongespräch geführt.

Vor dem Parlament in der australischen Hauptstadt Canberra kamen heute zahlreiche Menschen zu einer Mahnwache für die beiden Australier zusammen. Auch Premierminister Tony Abbott und Oppositionsführer Bill Shorten nahmen daran teil. Abbott forderte Indonesien erneut zum Einlenken auf. Er habe um ein letztes Telefonat mit Präsident Widodo gebeten, sagte er. „Ich kann aber nicht garantieren, dass die Bitte erfüllt wird.“ Widodo ist ein erklärter Befürworter der Todesstrafe für Drogenhändler.

Inland

Marathonverhandlungen zu Steuerreform stehen bevor

Die Termine für das Steuerreform-Finale sind bereits reserviert: Am Sonntagnachmittag treffen sich die Verhandler um Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) im Kanzleramt. Am Wochenende darauf wird Samstag und Sonntag durchverhandelt. Zwei Tage später läuft die selbst gesetzte Deadline für die Präsentation ab.

Fix ist bereits seit längerem, dass der Eingangssteuersatz bei der Lohnsteuer ab 2016 von 36,5 auf 25 Prozent sinken soll. Die Ausweitung der Negativsteuer für Geringverdiener gilt ebenso als paktiert wie eine Anhebung der Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz.

Auf der Suche nach der Gegenfinanzierung

Zur Gegenfinanzierung im Gespräch sind unter anderem ein Betrugsbekämpfungspaket mit Registrierkassenpflicht bei Bargeldgeschäften, die Streichung von Steuerausnahmen (zum Beispiel bei der Mehrwertsteuer), Einsparungen bei Förderungen und eine „Kostenbremse“ in der öffentlichen Verwaltung.

Unklar ist noch, welche vermögensbezogenen Steuern die SPÖ durchsetzen kann. Von der klassischen Vermögensteuer hat sich die Partei bereits öffentlich verabschiedet. Die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer steht zwar noch auf der roten Wunschliste, die Zustimmung der ÖVP gilt hier aber als äußerst unwahrscheinlich.

Parteipräsidien müssen Resultat absegnen

Ob der Partei das Ergebnis genügt, wird SPÖ-Chef Faymann noch am 17. März erfahren: Für den frühen Nachmittag wurde der Parteivorstand einberufen, davor tagt das Präsidium. Der ÖVP-Vorstand wird dem Vernehmen nach ebenfalls noch mit dem Verhandlungsergebnis befasst. Einen offiziellen Termin gibt es noch nicht.

Parlamentsexperten warnen vor Budgetexplosion

Der Budgetdienst des Parlaments sieht auf das Unterrichtsministerium auch heuer wieder Finanzprobleme zukommen. In einer Anfragebeantwortung an das Team Stronach (TS) verweisen die Experten auf eine deutliche Unterdotierung der Ausgaben für Landeslehrer. Der unerwartet hohe Finanzbedarf der Hypo-„Bad Bank“ Heta könnte indessen das Defizit 2014 über die EU-Grenze steigen lassen.

Das TS hatte nach der Kritik Finanzminister Hans Jörg Schellings (ÖVP) an den „Wohlfühlzahlen“ in den Budgets seiner Vorgänger den Budgetdienst gebeten, Risikopositionen im Bundeshaushalt zu benennen. „Ein deutlich höherer Abschreibungsbedarf der HETA Vermögenswerte könnte für 2014 zu einer Überschreitung der Maastricht-Defizit-Grenze von 3 Prozent des BIP führen“, heißt es in der Anfragebeantwortung. Auch die Auswirkungen auf 2015 und die Folgejahre müssten neu bewertet werden.

Millionen an Mehrkosten für Landeslehrer

Weitere Probleme sieht der Budgetdienst auf das Unterrichtsministerium zukommen. Hier konnte Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) schon im Vorjahr nur deshalb mit dem ihr zugedachten Budget ausgekommen sein, weil Mietzahlungen bis 2016 gestundet und Rücklagen aufgelöst wurden. Das Problem aus Sicht des Budgetdienstes: Die Landeslehrer haben um 120 Mio. Euro mehr gekostet als erwartet.

Dabei weist der Budgetdienst darauf hin, dass die Ausgaben des Unterrichtsressorts an sich gut vorhersehbar wären - 94 Prozent sind Personalkosten und Mieten. Während der Anstieg der Mieten für 2015 eingepreist wurde, habe man bei den Personalkosten aber einen Rückgang eingeplant. „Dies betrifft insbesondere die Auszahlungen für die LandeslehrerInnen, die bereits 2014 zu niedrig budgetiert wurden. Im Bildungsbudget besteht somit 2015 das Risiko einer Budgetüberschreitung“, so der Budgetdienst.

„Gegenmaßnahmen erforderlich“

Damit bestätigt der Budgetdienst Warnungen Heinisch-Hoseks, die Schelling im Februar angesichts so gut wie aufgebrauchter Rücklagen um eine Budgetaufstockung gebeten hatte. Als weitere „Risikoposition“ wertet der Budgetdienst unter anderem die im Finanzrahmen noch mit 500 Mio. Euro ab 2016 eingestellte Finanztransaktionssteuer, angesichts der schleppenden Konjunktur schwache Steuereinnahmen und hohe Ausgaben für Arbeitslosigkeit sowie steigende Pensionskosten.

Auch das erst kürzlich beschlossene Sicherheitspaket ist naturgemäß noch nicht eingepreist. „Zur Erreichung des von der Bundesregierung angestrebten strukturellen Nulldefizits im Jahr 2016 (strukturelles Defizit von 0,45 % des BIP, Anm.) sind daher entsprechende Gegenmaßnahmen erforderlich“, heißt es in der Analyse. Näheres müsse der im April geplante neue Finanzrahmen regeln.

Wirtschaft

Schweizer Regierung will engere Abstimmung mit Notenbank

Die Schweizer Regierung will sich nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses in Fragen der Geld- und Wirtschaftspolitik enger mit der Notenbank (SNB) abstimmen. Dabei könnte auch eine neue Kursuntergrenze zur wichtigsten Handelswährung erwogen werden, wie aus einem von Finanz- und Wirtschaftsministerium erstellten Arbeitspapier hervorgeht, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Im Regierungsbeschluss von voriger Woche wird dieser Punkt nicht erwähnt. Am Vortag hatte die Regierung einen Medienbericht dementiert, wonach einzelne Minister eine erneute Anbindung des Frankens an den Euro fordern. Das Finanz- und das Wirtschaftsministerium „intensivieren den Informationsaustausch mit der SNB mit dem Ziel, die Geld-, Konjunktur- und allgemeine Wirtschaftspolitik inhaltlich und kommunikativ zu koordinieren“, heißt es im Beschluss der Regierung, den Reuters ebenfalls einsehen konnte.

Reaktion auf Aufhebung von Mindestkurs

Das vierseitige Beschlusspapier des Bundesrats widmet sich wirtschaftspolitischen Optionen angesichts der Franken-Stärke. Die Regierung lässt unter anderem prüfen, wie sich die von der Schweizerischen Nationalbank eingeführten Negativzinsen auf Finanzbranche und Pensionskassen auswirken und ob sie darauf reagieren muss.

Die SNB hatte den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken Mitte Jänner aufgegeben. Der starke Franken verteuert Exporte und erschwert die Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Firmen im Ausland. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,07 Franken bezahlt.

Deutschland: IFO-Chef rät Griechenland zum Konkurs

Der deutsche IFO-Chef Hans-Werner Sinn rät Griechenland zu einem Konkurs und dem Austritt aus der Euro-Zone. Nach Berechnungen seines Hauses seien die griechischen Zahlungsverpflichtungen gegenüber öffentlichen Institutionen im Ausland bis Ende Jänner auf 319 Mrd. Euro oder 173 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen, erklärte Sinn heute.

Wenn das Land im Euro bleibe, werde es um ein drittes Hilfspaket und immer neue Unterstützungen nicht herumkommen. „Besser wären ein formeller Konkurs mit einem Austritt und einer Abwertung, damit die Realwirtschaft wieder auf die Beine kommt“, folgerte er. Dem deutschen Staat und seiner Notenbank würde in einem solchen Fall ein Maximalverlust von 84,7 Mrd. Euro drohen.

Verluste für Deutschland und Frankreich

„Das Land ist konkursreif und wird doch immer weiter mit öffentlichen Mitteln finanziert“, beschrieb der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts IFO die Lage des Krisenlandes. Neben Deutschland wäre Frankreich im Falle eines Griechenland-Konkurses mit 64,6 Mrd. Euro mit dem höchsten Verlustrisiko behaftet, gefolgt von Italien mit 56,4 und Spanien mit 38,4 Mrd. Euro.

Im Falle einer Staatspleite, aber eines Verbleibs im Währungsraum wären die Verlustrisiken geringfügig höher. Sinn vertritt in der deutschen Expertenlandschaft keine Mehrheitsmeinung, steht aber auch nicht alleine da. Er hat Griechenland schon wiederholt einen Euro-Austritt nahegelegt.

Dr. Oetker kauft Coppenrath und Wiese

Der Nahrungsmittelkonzern Dr. Oetker kauft den Osnabrücker Tiefkühltortenbäcker Coppenrath und Wiese. Der Vertrag sei heute unterschrieben worden, teilte Oetker mit. Das Kartellamt muss dem Kauf noch zustimmen.

Dr. Oetker bestätigte auch eine mit dem Betriebsrat und den Alteigentümern geschlossene Beschäftigungsgarantie. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. In Osnabrück und im westfälischen Mettingen beschäftigt Coppenrath und Wiese in Deutschland rund 2.000 Mitarbeiter.

Dem Verkauf waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen. Nach dem Tod von Firmenmitgründer Aloys Coppenrath vor knapp zwei Jahren hatten die Erben im Sommer 2014 den Verkauf beschlossen. Oetker galt als Favorit für den Kauf.

Italien übernimmt vier Prozent von Monte dei Paschi

Der italienische Staat steigt bei der Krisenbank Monte dei Paschi ein. Mit einem vierprozentigen Aktienpaket sollen die im Juli anstehenden Zinszahlungen in Höhe von 243 Mio. Euro für Staatshilfen abgegolten werden, wie italienische Medien heute berichteten.

Der Staat hatte dem Institut 2013 Milliardenhilfen gewährt. Laut Vereinbarung muss die Bank die fälligen Zahlungen bei ausbleibendem Gewinn nicht in bar, sondern in neuen Aktien begleichen. Dieser Fall tritt nun ein.

Bank will Aktien um drei Milliarden Euro ausgeben

Am 14. April ist eine Aktionärsversammlung der Bank vorgesehen. Dabei soll die Bilanz der Bank mit Verlusten von 5,3 Mrd. Euro überprüft werden. Das Geldhaus will Aktien im Volumen von drei Mrd. Euro ausgeben, um seine Kapitaldecke aufzupolstern.

Die Aktionärsversammlung soll Verwaltungsratschef Alessandro Profumo und CEO Fabrizio Viola für ein weiteres dreijähriges Mandat im Amt bestätigen, berichteten italienische Medien.

Das Institut hat beim Stresstest der EZB so schlecht abgeschnitten wie keine andere Großbank. Das älteste Finanzhaus der Welt hatte sich mit der Übernahme des Rivalen Antonveneta sowie riskanten Derivategeschäften übernommen und war wiederholt auf staatliche Hilfen angewiesen.

America Movil greift bei A1 durch: Ottendorfer muss gehen

Der Aufsichtsrat der Telekom Austria hat heute Alejandro Plater (47) zum Chief Operating Officer (COO) ernannt. Im Gegenzug muss Vorstand Günther Ottendorfer mit sofortiger Wirkung gehen. Plater ist künftig für Technik, Einkauf und Marktbereiche zuständig, Insidern zufolge soll er auch für Mehrheitseigentümer America Movil ein Auge auf Vorstandschef Hannes Ametsreiter werfen.

„Alejandro Plater ist ein exzellenter Manager, der bereits in Mexiko eng mit uns zusammengearbeitet hat“, so Carlos Moreno, Vizeaufsichtsratschef und Finanzvorstand von America Movil, heute in einer Aussendung. Noch ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, der auch Aufsichtsratschef der Telekom Austria ist, streute Ottendorfer zum Abschied Rosen. Warum er eineinhalb Jahre vor Ablaufen seines Vertrages, der nun wohl ausgezahlt werden muss, mit sofortiger Wirkung gehen musste, teilte Kemler nicht mit.

Der Argentinier Plater blickt auf eine langjährige internationale Karriere in der Telekombranche zurück, er war viele Jahre für den schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson tätig. Er bildet nun mit Vorstandschef Ametsreiter und Finanzchef Siegfried Mayrhofer den Dreiervorstand des teilstaatlichen börsennotierten Unternehmens.

Sport

Ski alpin: Reichelt gibt weiter den Ton an

Nach seinem „Sweep“ in Garmisch mit zwei Trainingsbestzeiten und dem Sieg im Rennen hat Hannes Reichelt auch im ersten Training für die Herren-Abfahrt in Kvitjfell seine aktuelle Hochform unter Beweis gestellt.

Der Super-G-Weltmeister erzielte die klar schnellste Zeit und brachte sich für Samstag (12.00 Uhr, live in ORF eins) schon einmal in Position für seinen dritten Abfahrtssieg in dieser Saison. Lokalmatador Kjetil Jansrud belegte Rang sieben. Von den restlichen zehn ÖSV-Läufern konnte sich hingegen keiner im Spitzenfeld klassieren.

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Leichtathletik-EM: ÖLV-Team setzt auf Überraschungseffekt

Für Österreichs sieben Teilnehmer bei der Hallen-EM sind Medaillen kein Thema, dennoch wollen sie überraschen. Wobei ein Platz unter den besten zehn schon als Erfolg zu werten wäre. Gespannt ist man vor allem auf Jennifer Wenth (3.000 m) und Stabhochspringerin Kira Grünberg, die ihr Talent in Prag unter Beweis stellen wollen. Sprinter Markus Fuchs soll Erfahrung sammeln, Andreas Vojta gibt sein Debüt über 3.000 m im Rahmen von Titelkämpfen. 800-m-Routinier Andreas Rapatz will im fünften Versuch erstmals die EM-Vorrunde überstehen. Die längste Anreise hat jedenfalls der Wahlaustralier Brentan Rowe.

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Davis-Cup: Österreich gegen Schweden Favorit

Die Chancen stehen gut, dass Österreich das Davis-Cup-Duell der Europa-Afrika-Zone I am Wochenende gegen Schweden für sich entscheidet. Andreas Haider-Maurer, Jürgen und Gerald Melzer sind allesamt in der Weltrangliste vor den beiden schwedischen Einzel-Spielern zu finden.

Während Haider-Maurer auf seinem Karrierehoch ist, hatte Jürgen Melzer zuletzt allerdings Probleme. Der 33-Jährige gibt sich für den Länderkampf in Örebro aber zuversichtlich. „Es wird von Tag zu Tag besser“, sagte Melzer, der auch im Doppel zum Einsatz kommen dürfte.

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Chronik

Zwei Tote nach Unwettern in Italien

Schwere Unwetter mit heftigem Regen und starken Winden haben in Italien mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. Ein Autofahrer wurde in der Toskana von einem herabstürzenden Felsblock erschlagen, eine Frau in der Region Marken von einem umstürzenden Baum getroffen, wie die Nachrichtenagentur ANSA heute berichtete. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Besonders betroffen waren Mittel- und Süditalien, wo es seit gestern stark regnete und die Winde teilweise Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern erreichten. In der Toskana blieben zahlreiche Schulen geschlossen, in Florenz wurden die Menschen dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. In Neapel stürzte eine Mauer ein und begrub acht Autos, verletzt wurde niemand. In der Toskana mussten 150 Menschen nach dem Einsturz eines Gebäudes in Sicherheit gebracht werden.

Der Wind riss in zahlreichen Regionen Bäume um, viele Dächer wurden beschädigt. Auch der Verkehr wurde beeinträchtigt, so mussten laut ANSA in Florenz zahlreiche Flüge verschoben werden. Auch die Fährverbindungen zur Insel Elba wurden vorübergehend eingestellt. Zahlreiche Straßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt, auf Bahnstrecken und Autobahnen kam es vielerorts zu Behinderungen.

Nach Bruchlandung: Tausende sitzen in Kathmandu fest

Nach der Bruchlandung einer Passagiermaschine der Turkish Airlines in Nepal sind heute Tausende Menschen auf dem Flughafen der Hauptstadt Kathmandu festgesessen. Ausgerechnet zu Beginn der Reisesaison blieb der Airport nach dem glimpflich verlaufenen Unglück vom Vortag weiter geschlossen. Bis morgen Früh wurden alle Flüge gestrichen.

Die Maschine mit 224 Passagieren an Bord war gestern bei einem ersten Landeversuch über die Rollbahn hinausgeschossen, wie ein Flughafensprecher sagte. Beim zweiten Versuch sei sie dann von der Landebahn abgekommen und im Gras steckengeblieben. An Bord gab es keine Verletzten.

Indien hilft bei Bergung

Indien schickte Experten und Ausrüstung nach Nepal, um bei der Bergung der Unglücksmaschine zu helfen, wie der Chef der nepalesischen Flugsicherheitsbehörde, Ratish Chandra Lal Suman, sagte. Nach der Wiedereröffnung werde es einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb geben, um alle Flüge abzuarbeiten, kündigte er bei einer Pressekonferenz an.

Auf dem Flughafen strandeten Tausende ausländische Touristen und Wanderarbeiter. Eigentlich waren mindestens 80 internationale Flüge vorgesehen. „Das ist ein riesiges Problem für mich“, sagte Lita de la Cruz, eine philippinische Touristin auf dem Weg nach London. „Mein Arbeitgeber erwartet mich heute Abend zurück.“ Ein nepalesischer Arbeiter, Rajman Lodh, sorgte sich darum, seinen Job in Saudi-Arabien zu verlieren, den er gerade erst bekommen habe.

Fahrgestell zusammengebrochen

Die Turkish-Airlines-Maschine war auf dem Weg von Istanbul nach Kathmandu. Augenzeugen berichteten, die Passagiere seien in Panik von den Sitzen gesprungen, als Rauch in die Kabine gedrungen sei. Schließlich seien die Insassen über Rutschen in Sicherheit gebracht worden.

Nach Angaben der örtlichen Medien war das Fahrgestell zusammengebrochen. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigten das Flugzeug mit dem Bug auf dem Boden. Der Flughafensprecher sagte, es seien Ermittlungen eingeleitet worden. Es sei neblig gewesen, doch seien die Sichtverhältnisse in Ordnung gewesen.

Religion

Science

Gesundheit

Depressive Jugendliche werden schneller internetsüchtig

Depressive Jugendliche werden laut Untersuchungen von Psychiatern schneller internetsüchtig. „Erste Längsschnittdaten zeigen, dass Jugendliche mit emotionalen Problemen besonders gefährdet sind, im Verlauf eine ‚Internetsucht‘ zu entwickeln“, teilte heute die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit, die derzeit in München einen Kongress abhält.

„Diese Jugendlichen finden oftmals eine im realen Leben fehlende Bestätigung und Selbstwertsteigerung im Netz“, schrieben die Experten. Bisher sei vor allem die Sucht nach Onlinespielen wissenschaftlich untersucht worden, aber auch Soziale Netzwerke hätten laut neuer Daten „einen ähnlich suchterzeugenden Charakter“.

„Der exzessive Internet- und Medienkonsum ist das adoleszente Risikoverhalten des 21. Jahrhunderts“, so der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Kaess.

Kultur

Song Contest

Deutschland ohne Siegel und Raab aufgeschmissen?

Erst zwei Siege beim Song Contest hat Österreichs Lieblingsnachbar Deutschland auf dem Konto: 1982 siegte Nicole, 2010 Lena. Mit jeweils einem Sieg sind zwei Herren eng verwoben, die die deutsche Song-Contest-Geschichte maßgeblich beeinflusst haben: Ralph Siegel und Stefan Raab. Deutschland muss mittlerweile ohne die beiden auskommen - und tut sich doch ein bisschen schwer damit.

Mehr dazu in songcontest.ORF.at

Leute

US-Milliardär Allen fand Schlachtschiff-Legende

Sie war der Stolz der japanischen kaiserlichen Kriegsmarine: das Schlachtschiff „Musashi“. Es war gemeinsam mit seinem Schwesterschiff „Yamato“ das größte, am schwersten bewaffnete und gepanzerte Schlachtschiff der Geschichte. Sieben Jahrzehnte nach der Versenkung durch die US-Armee in philippinischen Gewässern fand US-Milliardär Paul Allen nun das Schiff im Zuge einer achtjährigen Suche.

Das Wrack liegt laut Allen in einem Kilometer Tiefe am Grund der Sibuyan-See - einer Meerenge zwischen den philippinischen Inseln. Der Mitbegründer des Computerriesen Microsoft und einer der reichsten Menschen der Welt, sprach von einem Meilenstein in der Seefahrtgeschichte. Er teilte eine Anzahl von Fotos, die das Wrack in gutem Zustand auf dem Meeresboden zeigen, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der 62-jährige Allen und sein Team setzten bei ihrer Suche Roboter-U-Boote und anderes Hightech-Equipment ein. Nach einer Untersuchung des Meeresbodens gelang es schließlich beim dritten Tauchgang des U-Boot-Roboters, das Schlachtschiff zu orten. Allen, dessen Vater im Militär gedient hatte, ist seit seiner Kindheit an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert.

Lifestyle

Kanada kämpft mit „Mr. Spock“-Dollars

Fans der Serie „Raumschiff Enterprise“ führen in Kanada derzeit eine Währungsreform der anderen Art durch: Zur Würdigung des kürzlich verstorbenen Spock-Darstellers Leonard Nimoy greift dort ein Phänomen um sich, das im Internet mit dem Schlagwort „Spocking Fives“ die Runde macht.

Das Porträt des früheren Premiers Wilfrid Laurier auf der kanadischen Fünf-Dollar-Note wird dabei mit ein paar Strichen zum Antlitz der Science-Fiction-Kultfigur. Immer mehr machen dabei mit. Dass die kanadische Notenbank inzwischen offiziell vor möglichen Folgen des „Verspockens“ von Geldscheinen warnt, scheint die Kreativität der Fans nur noch mehr anzustacheln.

Mehr dazu in Alter Vulkanier-Trick macht Furore

Studie: Diamanten werden in fünf Jahren knapp

Die wachsende Nachfrage nach Diamanten wird das Angebot des teuren Edelsteins laut einer Studie in wenigen Jahren übersteigen. „Die Diamantenförderung kann die steigende Nachfrage nur bis etwa 2019 befriedigen“, berichteten die Managementberatung Bain & Company und das Antwerp World Diamond Centre (AWDC) heute in München: „In fünf Jahren werden Diamanten knapp.“

Grund sei vor allem die steigende Nachfrage in den USA, wo Bain ein langfristiges Absatzwachstum von bis zu drei Prozent jährlich über die nächsten zehn Jahre prognostiziert. In dem Land habe die Branche 2013 rund ein Drittel ihres weltweiten Umsatzes mit Diamantschmuck erwirtschaftet. Zudem werde sich der Absatz in China dank wachsender Mittelschicht und Urbanisierung bis 2024 voraussichtlich verdoppeln.

Bis dahin wird nach der Prognose gleichzeitig das absehbare Fördervolumen von Rohdiamanten etwa wegen alternder Minen um bis zu zwei Prozent zurückgehen. Schon bis 2019 werde sich die Rohdiamantenproduktion auf rund 163 Millionen Karat belaufen - und damit unter den 177 Millionen Karat von 2005 liegen.