Liveticker

Hypo-Prozess: Verschwiegenheitspflicht „unklar“

Ein Euro für die Hypo?

Schilcher bekommt erst einmal Zeit, sich das Dokument durchzulesen. „Das wird schon so stimmen. Wenn das so war, dann war’s so“, lautet schließlich sein erstes Fazit.

Angerer beginnt daraufhin vorzulesen - und es wird klar, worauf die FPÖ hinauswill. Kranebitter habe ein Konzept präsentiert, wonach der Staat die Bank um einen Euro hätte übernehmen sollen.

Was die Reaktion der Republik darauf gewesen sei, will Angerer wissen. Schilcher kann sich nicht erinnern. „Die hat es auch nicht gegeben“, so Angerer.

Auch Angerer interssiert sich für eine mögliche Involvierung von Finanzprokuratur und Finanzministerium. Die seien in die Erstellung des Papiers nicht eingebunden gewesen, erklärt Schilcher.

Wie weit es Kontakte zwischen Eigentümern und der Republik gegeben habe, wisse er nicht, so Schilcher. Ob die Übernahme durch die Republik Teil des erarbeiteten Konzepts gewesen sei, fragt Angerer nach. Schilcher meint das eher ausschließen zu können. Daraufhin lässt Angerer ein Dokument vorlegen - das Protokoll der bereits angesprochenen Sitzung vom 7. Dezember.

Ausland

Türkei beendet Einsatz gegen PKK in Cizre

Die türkische Regierung hat eine zweimonatige Militäraktion gegen die Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der südostanatolischen Stadt Cizre für beendet erklärt.

Der Einsatz sei „sehr erfolgreich“ gewesen, sagte Innenminister Efkan Ala heute nach einem Bericht der offiziellen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Ausgangssperre in Cizre bleibe allerdings bis auf Weiteres in Kraft.

In Cizre hatten Soldaten und Polizisten seit Dezember PKK-Anhängern verbissene Häuserkämpfe geliefert. Dabei wurden auch schwere Waffen eingesetzt und ganze Straßenzüge zerstört.

HDP wirft Regierung Massaker vor

Die Kurdenpartei HDP wirft der Regierung vor, in Cizre ein Massaker an rund 60 Menschen verübt zu haben, die in einem Keller Schutz vor den Kämpfen suchten. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück. In anderen Städten des kurdischen Südostens wird weiter gekämpft.

Die Gefechte waren entflammt, nachdem die PKK in einigen Städten einseitig Autonomiegebiete ausgerufen und diese mit Straßengräben und Barrikaden gegen die Sicherheitskräfte verteidigt hatte. Laut HDP wurden allein in Cizre seit Mitte Dezember 80 Zivilisten getötet, die Gesamtbilanz für das Kurdengebiet liegt demnach bei 211 zivilen Opfern. Nach Angaben der Regierung wurden mehrere hundert PKK-Kämpfer bei den Gefechten getötet.

NATO-Marineverband wird sofort in Ägäis geschickt

Nach der Grundsatzentscheidung für einen Einsatz in der Flüchtlingskrise schickt die NATO sofort einen Marineverband in die Ägäis.

Die Schiffe unter deutscher Führung würden „jetzt“ in Bewegung gesetzt und sofort beginnen, Informationen über Schleppernetzwerke zu sammeln, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg heute in Brüssel. Aufgabe sei allein die Seeraumüberwachung. „Es geht nicht darum, Flüchtlingsboote zu stoppen und zurückzudrängen.“

Die NATO-Verteidigungsminister hatten zuvor grünes Licht für den Einsatz gegeben, der von Deutschland, Griechenland und der Türkei beantragt worden war. Konkret geht es um drei Schiffe. Stoltenberg sagte, „mehrere Alliierte“ hätten bereits zugesagt, weitere Schiffe bereitzustellen. Nach Angaben von Militärvertretern wären fünf bis sieben Schiffe ideal, um den Seeraum zu überwachen.

Seerettung nicht vorrangiges Ziel

Mit Griechenland und der Türkei sei vereinbart, dass griechische Boote nicht in türkischen Hoheitsgewässern tätig werden und türkische nicht in griechischen, so Stoltenberg weiter. Dem NATO-Generalsekretär zufolge besteht die Aufgabe in Aufklärung und Überwachung des Seegebiets vor der türkischen Küste.

Die Informationen würden dann an die nationalen Küstenwachen und die EU-Grenzschutzbehörde Frontex weitergegeben. Ein direktes Eingreifen ist nicht vorgesehen.

Auch eine Seenotrettung ist anders als bei einer ähnlichen EU-Mission vor Libyen nicht das Ziel. In Notfällen seien jedoch auch die NATO-Schiffe verpflichtet, Flüchtlinge zu retten, sagte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Es sei mit Ankara „fest verabredet“, dass diese Flüchtlinge dann „zurück in die Türkei gebracht werden“.

Deutschland leiht Irak über 500 Mio. für Wiederaufbau

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem Irak weitere Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes zugesagt.

Bei einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi heute in Berlin kündigte Merkel an, dass Deutschland einen ungebundenen 500-Millionen-Euro-Kredit zur Verfügung stellen wird.

Das Geld soll vor allem in Infrastrukturprojekte fließen. Ziel sei es, den Menschen im Irak Hoffnung zu geben, „damit sie ihr Land nicht verlassen müssen“.

Merkel gegen Abspaltung der Kurden

Eine Abspaltung der Kurdenregion im Irak lehnt Merkel strikt ab. Deutschland empfinde die kurdischen Gebiete als Teil des Staates und unterstütze diese als solche, sagte Merkel bei dem Treffen. Sie betonte, die territoriale Integrität des Irak müsse erhalten bleiben: „Das haben wir bei aller Unterstützung für die Peschmerga und die Kurden immer wieder deutlich gemacht.“

Rouhani: Iran soll „erneuert“ werden

Der iranische Präsident Hassan Rouhani sieht sein Land nach dem historischen Atomabkommen auf dem Weg zurück in die internationale Gemeinschaft, räumt allerdings auch Modernisierungsbedarf ein.

„Wir können als religiöses Land den Fundamentalismus behalten, müssen ihn aber reformieren und erneuern“, sagte Rouhani heute in einer Rede auf dem Teheraner Freiheitsplatz am 37. Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979.

Der Welt habe man mit dem Atomabkommen bewiesen, dass der Iran keine Bedrohung, sondern ein zuverlässiger Partner sei. „Jetzt brauchen wir aber auch ein ähnliches Abkommen für eine nationale Versöhnung“, sagte Rouhani mit Blick auf die Gräben zwischen konservativen Hardlinern und Reformern im Iran. Auch interne Differenzen zwischen den Fraktionen könnten wie im Rahmen der Atomverhandlungen mit den Weltmächten ausgeräumt werden.

Land „gehört nicht nur“ Hardlinern

„Das Land gehört allen Iranern, nicht nur einer bestimmten Fraktion“, sagte Rouhani und bezog sich damit auf die Hardliner im Land. Daher sei die Teilnahme an der Parlamentswahl am 26. Februar besonders wichtig. Wer abstimme, könne damit seiner Hoffnung auf Rationalität Ausdruck verleihen und Extremismus eine Abfuhr erteilen.

„Das Land gehört allen Iranern, nicht nur einer bestimmten Fraktion“, sagte Rouhani und bezog sich damit auf die Hardliner im Land. Daher sei die Teilnahme an der Parlamentswahl am 26. Februar besonders wichtig. Wer abstimme, könne damit seiner Hoffnung auf Rationalität Ausdruck verleihen und Extremismus eine Abfuhr erteilen.

Auschwitz-Prozess: Ehemaliger SS-Mann schweigt

In einem der letzten großen NS-Prozesse steht heute im deutschen Detmold ein früherer SS-Wachmann aus dem Konzentrationslager Auschwitz vor Gericht.

Der 94-jährige Reinhold Hanning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verantworten. Am ersten Verhandlungstag machte er keine Angaben zu den Vorwürfen. Neben Dutzenden Journalisten aus dem In- und Ausland verfolgten auch frühere KZ-Insassen den Prozessauftakt.

Hanning war in den Jahren 1943 und 1944 als Angehöriger des SS-Totenkopf-Sturmbanns Auschwitz im Stammlager eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe bei der „Ungarn-Aktion“ vor - der gut dokumentierten Deportation und Ermordung von Juden aus Ungarn 1944. Er habe die Tötungsmethoden im KZ gekannt und mit seinem Einsatz als Wachmann zum Funktionieren der Maschinerie beigetragen.

Beteiligung an Tötungshandlungen bestritten

Hanning schwieg zum Prozessauftakt und ließ von seinen Anwälten nur Angaben zu seiner Person verlesen. Er hatte bereits vor dem Prozess eingeräumt, in Auschwitz eingesetzt gewesen zu sein. Eine Beteiligung an Tötungshandlungen hat er aber bestritten. Die Verteidigung zweifelt den Wert dieser Aussage allerdings an. Staatsanwaltschaft und Polizei hätten ihn 2014 zu Hause überrascht und dann vernommen.

Ein Zeuge schilderte vor Gericht das unmenschliche Leid in Auschwitz. Wachleute hätten durch den Zaun geschossen. Gerade angekommene Gefangene hätten auf dem Weg zu den Gaskammern um Wasser gebettelt, ohne zu wissen, was passiere.

„Eine halbe Stunde später waren sie tot“, sagte der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum im Zeugenstand. Der 94-Jährige forderte Hanning in direkter Ansprache auf zu sagen, was damals passiert sei. Hanning reagierte darauf nicht.

Nordkorea: Südkoreaner sollen Kaesong verlassen

Als Vergeltung für die Entscheidung Südkoreas zur Schließung eines gemeinsamen Industrieparks hat Nordkorea alle verbliebenen Südkoreaner zum Verlassen der Sonderwirtschaftszone in Kaesong aufgerufen. Außerdem würden dort alle südkoreanischen Anlagen beschlagnahmt, berichteten Staatsmedien heute.

Beschlagnahmung südkoreanische Güter angekündigt

Alle südkoreanischen Arbeiter müssten das Gebiet sofort verlassen und dürften nur ihre persönlichen Gegenstände mitnehmen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA das Komitee für die friedliche Wiedervereinigung von Korea. Vermögen und Bestände südkoreanischer Firmen und Organisationen würden beschlagnahmt, darunter „Maschinen, Rohstoffe und Güter“, hieß es.

Die Schließung des Komplexes auf nordkoreanischem Boden hatte Südkorea gestern als Reaktion auf Nordkoreas jüngsten Raketenstart beschlossen. Tags darauf wurden nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums die ersten Mitarbeiter abgezogen. Nordkorea erklärte nun, der Süden werde einen „schmerzhaften Preis“ dafür zahlen. Seoul will das nordkoreanische Regime damit von einer wichtigen Devisenquelle abschneiden.

Inland

Sport

Bob und Skeleton: ÖBSV-Asse hoffen auf WM-Medaille

Janine Flock und Christine Hengster gehen als die großen österreichischen Hoffnungsträger auf eine Medaille in die morgen beginnenden Bob- und Skeletonweltmeisterschaften in Innsbruck-Igls. Weil die Bahn der Olympischen Spiele von 1976 kurz und flach ist, gilt ein guter Start als einzig probates Mittel zum Erfolg. Die deutschen Zweier- und Viererbob-Teams rechnen sich nicht zuletzt deshalb gute Chancen darauf aus, einen WM-Hattrick zu schaffen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Tennis: Schiedsrichter unter Manipulationsverdacht

Zwei Schiedsrichter sind bereits im Vorjahr ohne offizielle Mitteilung gesperrt worden, vier weitere sind vor Kurzem suspendiert worden. Was der Internationale Tennisverband (ITF) gerne still und heimlich über die Bühne gebracht hätte, ist nun öffentlich geworden: Die Schiedsrichter sollen mit Wettbetrügern zusammengearbeitet und ihnen mit manipulierten Livescores zu satten Gewinnen verholfen haben.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Eishockey: ÖEHV-Team testet vor WM den Ernstfall

Rund zweieinhalb Monate vor der B-WM in Katowice (Kattowitz) in Polen testet die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft von heute bis Samstag in Innsbruck den Ernstfall. Mit Slowenien, der Slowakei und Frankreich warten gleich drei starke Mannschaften auf die Auswahl von Teamchef Daniel Ratushny, der seinen WM-Stamm bereits gefunden hat. „Diese Mannschaft ist im Großen und Ganzen die, die auch nach Polen zur WM fährt“, so Ratushny.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

D: Erster Prozess zu Heta-Zahlungsstopp begonnen

Die Gläubiger der einstigen Krisenbank Hypo Alpe-Adria kämpfen nun auch in Deutschland vor Gericht um entgangene Gelder. Am Frankfurter Landgericht begann heute der erste Prozess, eine Entscheidung will die Kammer am 11. März verkünden.

Die FMS Wertmanagement, die „Bad Bank“ des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE/München), pocht auf Rückzahlung von Anleihen in Höhe von 200 Mio. Euro plus Zinsen. Bisher sind in dem Komplex neun Klagen anhängig, die Forderungen summieren sich auf 2,2 Milliarden Euro.

„Moratorium ist kein Verbotsgesetz“

Die Regierung in Wien hatte zum 1. März 2015 beschlossen, die Hypo-„Bad Bank“ Heta selbst abzuwickeln und sämtliche Schuldenzahlungen zu stoppen. Damit griffen Bürgschaften des finanziell angeschlagenen Bundeslandes Kärnten für Heta-Verbindlichkeiten nicht mehr.

Die Rückzahlung an die FMS am 6. März 2015 blieb aus, am 11. März 2015 reichte die FMS Klage ein. Insgesamt bangen deutsche Banken und Versicherungen nach früheren Angaben um gut sieben Mrd. Euro.

Die Heta-Anwälte argumentieren, die Heta sei an die österreichischen Gesetze gebunden. Daher seien ihr vom 1. März 2015 bis 31. Mai 2016 Zahlungen verboten. Es wäre „Untreue“, würde die Heta die Gelder dennoch überweisen, sagte Anwalt Stefan Rützel in der mündlichen Verhandlung: „Wir sind eine Aktiengesellschaft, wir müssen uns an Recht und Gesetz halten. Wir haben ja Geld ... Das Problem ist: Wir dürfen nicht zahlen.“

Umstritten ist, ob das Zahlungsmoratorium auch Zahlungen außerhalb Österreichs verbietet. „Das Moratorium ist eine Stundungsanordnung, kein Verbotsgesetz“, stellte das Gericht klar.

Heta: „Psychologische Kriegsführung“ um Angebot

Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny sieht im Augenblick eine „psychologische Kriegsführung“ um das Angebot an die Gläubiger in Sachen Heta/Hypo. „Ich kann nur sagen, aus rein ökonomischer Sicht ist sicherlich jeder gut beraten, dieses Angebot anzunehmen“, sagte Nowotny heute in Brüssel.

Es handle sich um ein „faires Angebot“, das auch wirtschaftlich adäquat sei. Anfang März laufe die Frist aus. Dann seien die nächsten Schritte zu unternehmen. „Aber man muss ganz nüchtern sagen, dass klarerweise alle Varianten vorschauend berücksichtigt werden, auch die Konkursvariante muss in dieses Worst-Case-Szenario mit hineinkommen“, so Nowotny.

Zur Bankensituation in Österreich generell meinte der Notenbank-Gouverneur, „unerwartet gut gelöst“ worden sei der Volksbankenbereich. Das werde auch von der EU-Kommission so gesehen. „Da ist tatsächlich ein Strukturwandel eingetreten mit einer massiven Restrukturierung des Sektors.“ Das sei auch ohne Panik erfolgt. „Das ist wichtig. Natürlich ist das ganze Thema Hypo/Heta jetzt da, und da ist jetzt die Phase der psychologischen Kriegsführung unterwegs.“

Republik sichert Exporte in Iran wieder ab

Österreich hat heute die Wiederaufnahme der staatlichen Exportfinanzierungsgarantien für Geschäfte österreichischer Unternehmen im Iran bekanntgegeben. Wegen der Sanktionen war die Neuvergabe solcher Absicherungen auch für kurzfristige Geschäfte seit Oktober 2012 eingestellt gewesen.

Unternehmen in den Startlöchern

Der Iran ist in der OECD-Länderkategorie als höchstes Risiko klassifiziert, also auf Stufe sieben der siebenteiligen internationalen Länderrisikoskala.

Viele internationale Unternehmen stehen bereits in den Startlöchern, die Geschäfte mit dem Iran nach dem Abbau der Sanktionen wiederaufzunehmen bzw. neu einzusteigen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass für Ausfuhren und Investitionen wieder Versicherungen übernommen werden.

Vorraussetzungen geklärt

In Wien hätten heute das Finanzministerium und die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) „die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Absicherung von Exportgeschäften und Auslandsinvestitionen in den Iran geklärt“, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung hieß.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Atomverhandlungen und der Aufhebung der Wirtschafts- und Finanzsanktionen am 16. Jänner stünden österreichischen Unternehmen die Instrumente der Exporthaftung damit wieder zur Verfügung.

Glencore produziert weniger Kupfer und Kohle

Der Schweizer Rohstoff- und Minenkonzern Glencore hat im Geschäftsjahr 2015 die Produktion von Kupfer, Kohle und Nickel zurückgefahren. Dem Konzern machen die tiefen Rohstoffkosten zu schaffen, weshalb er weniger produzieren und seine Schulden abbauen will.

Die Kupferproduktion von Glencore ging gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 1,5 Millionen Tonnen zurück. Dieser Rückgang spiegle die Aussetzung der Verarbeitungsaktivitäten in Katanga und eine deutliche Produktionsdrosselung bei Mopani, teilt das Unternehmen heute mit.

Die Kohleproduktion nahm um zehn Prozent auf 131,5 Mio. Tonnen ab. Grund dafür waren vor allem die Produktionskürzung als Reaktion auf die niedrigen Preise sowie die Einstellung des Betriebs des südafrikanischen Werks Optimum Coal. Rückläufig war auch die Nickelproduktion, nämlich um fünf Prozent.

Weniger Verschuldung angestrebt

Angezogen hat dagegen die Zinkproduktion, wo 1,44 Mio. Tonnen und damit vier Prozent mehr als im Jahr davor gefördert wurden. Aber auch in diesem Bereich will Glencore reduzieren. Die Produktion von eigenem Erdöl legte um 44 Prozent auf 10,6 Mio. Fass zu.

Der Konzern arbeitet weiter am Abbau seiner Verschuldung. Glencore hatte Anfang November den Schuldenabbau bekanntgegeben und nannte als Ziel eine Verschuldung im „tiefen 20-Milliarden-Dollar-Bereich“ bis Ende 2016. Den neuesten Plänen zufolge soll die Verschuldung bis zum genannten Zeitpunkt auf 18 bis 19 Mrd. Dollar (16 bis 17 Mrd. Euro) sinken. Die Liquidität des Unternehmens liege aktuell bei mehr als 14 Mrd. Dollar.

Arbeitslosenrate von Pflichtschulabsolventen steigt

Die Arbeitslosenrate von Personen nur mit Pflichtschulabschluss ist seit der Wirtschaftskrise 2008/09 in Österreich um zehn Prozentpunkte auf 26 Prozent nach oben geschnellt.

Die Krise habe Strukturveränderungen „eher beschleunigt“, kommentierte AMS-Chef Johannes Kopf im APA-Gespräch den Anstieg. Dramatisch ist die Lage in Wien mit einer Arbeitslosenrate von 39 Prozent bei Pflichtschulabsolventen.

Für dieses Problem sei das AMS „nicht stark genug“, verweist Kopf auf nötige Reformen im Bildungssystem. Die Jobs für niedrig ausgebildete Arbeitskräfte würden hierzulande immer mehr verschwinden. Der österreichische Arbeitsmarkt sei bestimmt von den „großen Trends“ Globalisierung, Technologisierung und Ökologisierung.

Firmen suchen „höhere Qualifizierung“

Die Unternehmen würden vor allem Arbeitskräfte mit „höherer Qualifizierung“ suchen. Das AMS ermöglicht derzeit rund 20.000 Arbeitslosen pro Jahr eine Höherqualifizierung mit Abschluss. Insgesamt waren im Jahr 2015 rund 354.000 Personen arbeitslos gemeldet (ohne Schulungsteilnehmer), ein Plus von 35.000 Arbeitslosen oder elf Prozent.

Besser sieht die Lage für Personen mit höheren Bildungsabschlüssen aus: Die Arbeitslosenrate für Personen mit Lehrabschluss lag im Jahr 2015 bei 7,8 Prozent, mit allgemeinbildender höherer Schule (AHS) bei 5,2 Prozent, mit berufsbildender höherer Schule (BHS) bei 4,7 Prozent, mit berufsbildender mittlerer Schule (BMS) bei 3,9 Prozent und mit Uni-, FH-, PH- oder Akademie-Abschluss bei 3,4 Prozent.

Ausbildungsgarantie als Chance

Knapp die Hälfte der arbeitslosen Personen hatte im vergangenen Jahr nur eine Pflichtschulbildung, drei von zehn Arbeitslosen verfügten über einen Lehrabschluss. Insgesamt wiesen damit fast 80 Prozent aller arbeitslosen Personen maximal eine Lehrausbildung auf, geht aus dem aktuellen „AMS-Spezialthema Arbeitsmarkt & Bildung“ hervor.

Als positiv hob der AMS-Vorstand die ab Herbst gelten sollende Ausbildungsgarantie bis 18 Jahre hervor. Damit könnte man den Anteil von Jugendlichen mit nur Pflichtschulabschluss von aktuell sieben Prozent auf womöglich drei Prozent senken, so Kopf. Österreich liege bei diesem Wert bereits im Spitzenfeld Europas. Für die Qualifizierung von Flüchtlingen kann sich der AMS-Chef die Schaffung von „Erwachsenenschulen“ vorstellen.

Chronik

Medien: 30 Tote bei Gefängnisrevolte in Mexiko

Einen Tag vor dem Papst-Besuch sind heute bei einer Gefängnisrevolte in Mexiko Dutzende Menschen getötet worden. Örtliche Medien berichteten über mindestens 30 Toten bei dem Aufstand im Gefängnis der nordmexikanischen Stadt Monterrey. Der Fernsehsender Milenio TV sprach sogar von 50 Todesopfern - Insassen und Wärter.

Angehörige von Insassen

APA/AFP/Julio Cesar Aguilar

Über dem Topo-Chico-Gefängnis war eine große Rauchwolke zu sehen. Bereitschaftspolizei und Krankenwagen näherten sich der Haftanstalt. Die mexikanischen Gefängnisse sind häufig überfüllt. Die Haftbedingungen sind oft schlecht. Papst Franziskus trifft morgen zu einem einwöchigen Besuch in Mexiko ein.

130 Schulen wegen Leopardenalarms in Indien geschlossen

Leopardenalarm in der indischen Stadt Bangalore: 130 Schulen mussten heute auf Anweisung der Behörden schließen, weil angeblich mindestens eine der Großkatzen in der Gegend gesichtet wurde.

Ein Leopard streune sechs Kilometer von einer Schule entfernt umher, wo am Sonntag mehrere Wildhüter von einem der Raubtiere attackiert wurden, bevor es eingefangen wurde. Einwohner wurden angewiesen, nicht durch die von Eukalyptusplantagen und Felsen geprägte Gegend zu streifen.

„Einer oder zwei Leoparden wurden in der Nachbarschaft gesichtet“, sagte ein Behördenvertreter. In den vergangenen Tagen hatten Forstmitarbeiter die Gegend durchsucht, ohne jedoch auf weitere Leoparden zu stoßen. Zwei Fallen wurden ihren Angaben zufolge aufgestellt.

In Indien leben 12.000 bis 14.000 Leoparden in freier Wildbahn. Angesichts ihres schrumpfenden Lebensraums dringen sie immer häufiger in Wohngebiete ein.

Todesopfer des Zugsunglücks in Bayern identifiziert

Nach dem schweren Zugsunglück in Bayern wurde heute das letzte Todesopfer identifiziert. Es handelt sich um einen 38-jährigen Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Die neun Toten, deren Identität bereits zuvor feststand, waren Männer im Alter zwischen 24 und 59 Jahren. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich derweil schwierig.

21 Schwerverletzte

Von den bei dem Unglück verletzten Passagieren gelten nach den jüngsten Angaben der Polizei 21 als schwer und 62 als leicht verletzt. Der Gesundheitszustand einiger Schwerverletzter sei nach wie vor ernst.

Zwei Regionalzüge mit etwa 150 Fahrgästen waren am Dienstagvormittag bei Bad Aibling in Oberbayern auf eingleisiger Strecke frontal zusammengeprallt und hatten sich ineinander verkeilt.

Insider: Kein technischer Fehler

Ermittler schließen einen technischen Fehler an beiden Triebwagen als Unfallursache zumindest vorerst aus. „Die Auswertung der beiden Blackboxes hat vorläufig ergeben, dass die Technik der beiden Züge in Ordnung war“, sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Offen blieb, ob ein Technikfehler an der Bahnstrecke oder menschliches Fehlverhalten als Ursache des Unglücks mit zehn Toten infrage kommt. Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich nicht zur möglichen Unfallursache.

Gesundheit

Religion

IT

Facebook-Chef weist Investor nach Entgleisung zurecht

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich in der Diskussion über das vor kurzem in Indien untersagte Gratisinternetservice des Sozialen Netzwerks von einem seiner wichtigsten Investoren distanziert.

Webbrowser-Pionier und Risikokapitalist Marc Andreessen hatte nach der Entscheidung in einem schnell wieder gelöschten polemischen Tweet geschrieben: „Anti-Kolonialismus war für das indische Volks über Jahrzehnte wirtschaftlich katastrophal.“ Vor allem dieser Satz löste neben weiteren Vorwürfen an die indische Regierung einen Sturm der Kritik aus.

Andreessen rudert zurück

Zuckerberg nannte Andreessens Äußerungen gestern „sehr bestürzend“ und betonte, sie entsprächen nicht den Ansichten von Facebook oder von ihm persönlich. Andreessen gehört dem einflussreichen Verwaltungsrat von Facebook an. Er entschuldigte sich via Twitter für seinen Kommentar uns versicherte, er sei „zu 100 Prozent gegen Kolonialismus“.

Indische Behörden hatten Facebooks Projekt für den Gratiszugang zu einigen Onlinediensten am Montag einen Riegel vorgeschoben. Die Regulierer untersagten Telekomanbietern grundsätzlich Ausnahmeregeln für einzelne Services. Davon ist auch Facebooks Angebot „Free Basics“ betroffen, das in erster Linie Zugang zum weltgrößten Sozialen Netzwerk bot.

Indiens Branchenaufsicht TRAI verwies auf eine strikte Umsetzung der Regeln zur Netzneutralität, laut denen alle Daten in den Netzen gleich behandelt werden müssen. Für Facebook war es eine schmerzhafte Niederlage - der US-Konzern hatte in den vergangenen Wochen angesichts des drohenden Verbots eine massive PR-Kampagne in dem Land organisiert.

Science

Böden verschlechtern sich weltweit stark

Die Böden auf etwa 30 Prozent der Landfläche weltweit verschlechtern sich einer Studie zufolge deutlich. Fruchtbarkeit und Produktivität verringerten sich in den vergangenen 30 Jahren auf Weide- und Ackerland ebenso wie auf Waldflächen, so die Studie

Betroffen seien arme wie reiche Länder, insgesamt der Lebensraum von 3,2 Milliarden Menschen. Der Trend sei „signifikant negativ“, sagte der Mitherausgeber der Studie, Joachim von Braun (Universität Bonn), heute in Berlin.

Die Kosten dieses Prozesses wurden auf 300 Milliarden Euro jährlich beziffert. Als eine der Ursachen nennen die Forscher nicht nachhaltige Landnutzung. Das internationale Team hatte etwa Satellitendaten ausgewertet und Länderstudien angefertigt. Um die Kosten zu berechnen, bezog es neben dem Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse auch Folgen für Wasser, Artenvielfalt und Klima ein.

Kultur

Diagonale ehrt Erni Mangold mit Großem Schauspielpreis

Erni Mangold wird zur Eröffnung der Diagonale 2016 mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet. Die 89-jährige Künstlerin wird die Auszeichnung bei der Gala am 8. März in der Grazer Helmut-List-Halle persönlich entgegennehmen, kündigte das Filmfestival heute an.

Die Auszeichnung wird heuer zum neunten Mal verliehen, wobei sich unter den bisher Geehrten Größen wie Senta Berger und Josef Hader finden. Die Preisskulptur besteht dabei aus einem Werk der jungen Wiener Künstlerin Anna Paul.

Mangold zählt heute mit ihrem trockenen Humor und ihrem ungeschönten Mundwerk zu den prägenden Charakterdarstellern der Bühne und der Leinwand. In bis dato über 80 Fernseh- und Kinofilmen wirkte die gebürtige Niederösterreicherin mit.

Paul McCartney macht „Erröten“ und „Flirten“ hörbar

Ex-Beatle Paul McCartney, Schöpfer unvergesslicher Songs, hat musikalisch neue Wege beschritten. Für den Onlinechatdienst Skype komponierte der 73-jährige Weltstar Miniaturmusikstücke, die Emojis - also Smiley-Gesichter - begleiten. Die Klanggebilde sind für Botschaften am kommenden Valentinstag gedacht.

„Zuerst dachte ich, hmm, komische Sache, soll ich da mitmachen? Und dann dachte ich, weißt du was, warum nicht? Irgendwie lustig, irgendwie nett und neu“, sagte der Brite in einem Video auf seiner Website.

Das Video zeigt McCartney in seinem Studio, wie er nur sekundenlange Musikstücke für 20 Emojis komponiert - von rauen Gitarrenriffen bis zu ätherischen Xylophonklängen.

Besonders schwierig sei es gewesen, „Erröten“ und „Flirten“ zu vertonen. „Es war wie Kreuzworträtseln“ und zugleich sei es Musizieren gewesen, „also war es eine großartige Übung im Studio für mich“, sagte McCartney, der selbst ein bekennender Emojis-Nutzer bei Mailkorrespondenzen ist.

Song Contest

Lifestyle

Minisuperheld „rettete“ Sydney vor Comic-Schurken Ultron

Auf Wunsch eines schwerkranken Buben hat sich Sydney heute in die Comicwelt des Superhelden Iron Man verwandelt. Unter den Augen Tausender Zuschauer zog der neunjährige Domenic Pace als Iron Man in den Kampf gegen den Schurken Ultron und seine Gefährten. Polizei und Bevölkerung spielten begeistert mit.

„Iron Boy“ musste Reporter retten

Für Domenics Ausflug in die Comicwelt war ein Jahr Vorbereitung nötig. Der Polizeichef von New South Wales sagte, der Bub habe in einem Park gespielt, als ihn ein Polizeihubschrauber zu einer Geheimmission abgeholt und zum Polizeihauptquartier geflogen habe. Denn die Behörden hätten dringend seine Hilfe gebraucht, weil Make-A-Wish-Reporter Hope Joy entführt worden sei.

Ein Neunjähriger Bub ist in Sydney als Comic-Superheld Iron Man verkleidet

APA/AFP

„Die Beamten haben bestätigt, dass Clark Island von Ultrons Bande eingenommen wurde und Hope Joy gefangen gehalten wird“, sagte Polizeichef Andrew Scipione in einer Videoaufnahme zu Pace. „Wenn ich einen Wunsch hätte, dann der, dass du uns hilfst, Iron Boy.“

Pace schlüpfte daraufhin in einen eigens angefertigten „Iron Man“-Anzug, während sein zwölfjähriger Bruder Joseph seinen Helfer Colonel James Rhodes spielte. In einem Schlauchboot wurden die Retter nach Clark Island gebracht, um den entführten Reporter zu befreien. Auf den Stiegen des weltberühmten Opernhauses von Sydney kam es schließlich zum Showdown mit dem martialischen Ultron.

Angefeuert von Robert Downey Jr.

Schauspieler Robert Downey Jr., der „Iron Man“ im Film verkörpert, feuerte Pace via Twitter an: „Ein außergewöhnlicher Bub auf geheimer Mission heute. Los, hol sie dir, Domenic“, schrieb der Star.

Organisiert hatte das Spektakel die Make-A-Wish-Stiftung, die schwerkranken Kindern ihre sehnlichsten Wünsche erfüllt. Der an der angeborenen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose leidende Domenic hatte sich gewünscht, als „Iron Man“ auf Verbrecherjagd zu gehen.