Ausland

EU-Gipfel gibt Auftrag für Sanktionen

Angesichts der Eskalation des Ukraine-Konflikts bereitet die Europäische Union neue Sanktionen gegen Russland vor. Die EU-Kommission solle binnen einer Woche Vorschläge für eine Verschärfung der Sanktionen machen, über die dann entschieden werden könne, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in der Nacht auf Sonntag nach einem EU-Gipfel in Brüssel. Die EU-Staats- und Regierungschefs seien „zutiefst besorgt“ über „die Präsenz und die Aktivitäten russischer bewaffneter Einheiten auf ukrainischem Boden“.

„Das ist eine neue Eskalationsstufe und damit müssen wir uns auseinandersetzen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Wenn der Zustand von heute anhält oder die Verschärfung so weiter geht, dann gibt es die Beratungen über neue Sanktionen.“ Es gehe dabei etwa um Finanzsanktionen und Strafmaßnahmen im Energiesektor. Die EU-Kommission sei gebeten worden, „uns sehr schnell Vorschläge zu machen, über die wir innerhalb einer Woche entscheiden können“, sagte Merkel.

US-Luftwaffe fliegt neue Angriffe im Nordirak

Die US-Luftwaffe ist gestern neue Angriffe auf die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak geflogen. Bei den Angriffen nahe dem strategisch wichtigen Mossul-Staudamm seien ein Fahrzeug, eine Stellung, ein Waffenlager und ein von der Gruppe genutztes Gebäude zerstört worden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Mit den Angriffen hätten die irakischen und kurdischen Truppen unterstützt, die US-Einrichtungen verteidigt und die Hilfsoperationen geschützt werden sollen. Insgesamt wurden laut dem Pentagon damit bisher 115 Luftangriffe im Irak geflogen.

Armee will Amerli-Belagerung durchbrechen

Die US-Luftwaffe unterstützt seit Anfang August die kurdischen Peschmerga-Milizen und die irakischen Regierungstruppen bei ihren Bemühungen, die Dschihadisten im Norden des Irak zurückzudrängen. Inzwischen starteten die Regierungstruppen gemeinsam mit kurdischen und schiitischen Milizen eine Offensive, um die seit zwei Monaten andauernde Belagerung der Stadt Amerli durch die Dschihadisten zu durchbrechen. Der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung der Stadt fehlt es an Nahrung und Wasser, bei einer Einnahme der Stadt durch die IS-Kämpfer droht ein Massaker.

IS-Video zeigt Enthauptung von libanesischem Soldaten

IS-Mitglieder enthaupteten offenbar einen libanesischen Soldaten vor laufender Kamera, um die Freilassung von Mitstreitern zu erzwingen. In einem gestern im Internet veröffentlichten Video war zu sehen, wie ein Extremist die Tötung eines am Boden liegenden und strampelnden Mannes mit verbundenen Augen und gefesselten Händen ankündigt. Dann wird dieser von einem anderen Extremisten enthauptet.

Bei dem Opfer soll es sich um einen sunnitischen Soldaten aus dem Norden des Libanon handeln. Er geriet zusammen mit 18 Kameraden in die Gewalt syrischer Islamisten, als diese Anfang August gemeinsam mit IS die libanesische Armee angriffen und für fünf Tage die Grenzstadt Arsal unter ihre Kontrolle brachten.

Weitere Soldaten festgehalten

IS fordert die Freilassung eines im Libanon einsitzenden Rebellenkommandeurs und mehrerer anderer Islamisten. Nur kurz nach dem Video, das die Enthauptung zeigt, veröffentlichten die Extremisten einen weiteren Film. Dieser zeigt neun Soldaten, die um ihr Leben betteln und ihre Familien aufrufen, sich für eine Freilassung der inhaftierten Islamisten einzusetzen.

IS hat in Teilen des Irak und des an den Libanon grenzenden Syrien ein Kalifat ausgerufen. Die Gruppe gilt als äußerst brutal und schreckt nicht davor zurück, Ausländer zu töten, um ihre Ziele durchzusetzen. Im August veröffentlichte sie auch ein Video, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigt.

Offenbar jesidische Frauen in Syrien verkauft

IS hat nach Angaben von Menschenrechtlern rund 300 jesidische Frauen und Mädchen aus dem Irak an ihre Kämpfer in Syrien verkauft. In mindestens 27 Fällen hätten IS-Anhänger die Frauen für 1.000 US-Dollar pro Person gekauft, um sie zu heiraten, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Opfer seien als „Beute aus dem Krieg mit den Ungläubigen“ bezeichnet worden. Die Terrormiliz hatte Anfang August im Norden des Irak große Gebiete eingenommen, in denen vor allem Jesiden leben. Radikale Muslime beschimpfen die Anhänger der monotheistischen Religion als „Teufelsanbeter“. Rund 200.000 Menschen flohen vor den Extremisten.

Mindestens 51 Dschihadisten aus Spanien nach Syrien und Irak

Mindestens 51 Islamisten aus Spanien sind in die Bürgerkriegsländer Syrien und Irak gereist, um dort als Dschihadisten zu kämpfen. Davon seien drei beim Versuch der Wiedereinreise nach Spanien festgenommen worden, sagte Innenminister Jorge Fernandez Diaz.

Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“) zufolge setzt IS immer häufiger radikale Islamisten aus Deutschland als Selbstmordattentäter und Kämpfer in Syrien und im Irak ein. Es gebe Hinweise, dass „einige Männer aus Nordrhein-Westfalen im Irak Selbstmordattentäter des Islamischen Staates geworden sind“, sagte der Leiter des Verfassungsschutzes in Düsseldorf, Burkhard Freier, der „FAS“.

Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete die Zeitung, dass der deutsche Konvertit Philip B. aus Nordrhein-Westfalen vor drei Wochen einen Selbstmordanschlag in der Nähe der irakischen Stadt Mossul begangen habe. Er habe ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in eine Stellung kurdischer Peschmerga gefahren und mindestens 20 Menschen getötet.

Wie sich die Terrormiliz finanziert

Seit Monaten terrorisiert die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) weite Teile des Irak und Syriens. Und auch wenn es die zahlreichen Propagandavideos nicht unbedingt vermitteln, IS ist ein weit verzweigtes und stabiles Wirtschaftssystem. Doch die Struktur dahinter änderte sich innerhalb der letzten Jahre: Während die Terrormiliz früher auf Spenden aus Ländern des Persischen Golfs angewiesen war, ist IS heute imstande, sich vollkommen selbst zu finanzieren. Entstanden ist eine der reichsten Terrororganisationen der Welt. Die Wege, an Geld zu kommen, sind dabei gleichermaßen vielseitig wie grausam. Überdies wird selbst mit Vertretern aus den Reihen der „Feinde“ reger Handel betrieben.

Mehr dazu in Ölhandel, Erpressung, Geiselnahmen

UNO: 32 Blauhelmsoldaten aus Kämpfen in Syrien befreit

UNO-Soldaten haben gestern auf den Golanhöhen 32 Kameraden aus Kämpfen mit radikalen syrischen Rebellen befreit. Die Blauhelmsoldaten der dort stationierten UNDOF-Mission seien von bewaffneten Extremisten angegriffen worden, teilten die Vereinten Nationen heute in New York mit. Eine Sondereinsatzgruppe der UNDOF-Mission habe sie daraufhin befreit.

Die Blauhelmsoldaten von den Philippinen waren seit Donnerstag an ihrem Standort eingekesselt gewesen. An einem anderen Standort, der ebenfalls von bewaffneten Extremisten angegriffen wurde, waren nach UNO-Angaben weiter Dutzende Blauhelmsoldaten eingekesselt.

Mindestens 41 Leichen vor tunesischer Küste geborgen

Tunesische Rettungskräfte haben gestern Dutzende Leichen aus dem Mittelmeer geborgen, bei denen es sich offenbar um die Opfer einer Flüchtlingstragödie handelt. Bisher seien mindestens 41 Leichen entdeckt worden, sagte der Bürgermeister der Stadt Ben Guerdane, Mustapha Abdelkebir. Es werde damit gerechnet, dass die Opferzahl weiter steige. Anfang der Woche war ein Flüchtlingsboot in der Region nach dem Start aus der libyschen Hafenstadt Zwara gekentert.

Im südlichen Mittelmeer ertrinken immer wieder Flüchtlinge, die mit wenig seetüchtigen Booten die gefährliche Überfahrt nach Europa wagen. Erst vergangene Woche wurden die Leichen von 170 Flüchtlingen aus einem verunglückten Schiff geborgen. Angesichts der instabilen politischen Lage im Land ist Libyen zu einer Drehscheibe des illegalen Menschenschmuggels Richtung Europa geworden. Experten befürchten, dass die Zahl der Flüchtlinge angesichts der Krise in Libyen weiter steigt.

Pakistans Regierungschef lehnt Rücktritt trotz Protesten ab

Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif denkt trotz wochenlanger Proteste nicht an einen Rücktritt. Er wolle an seinem Amt festhalten, sagte Sharif gestern Abend. In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hatten zuvor erneut mehr als 8.000 Demonstranten einen Rücktritt des Ministerpräsidenten gefordert. Die Polizei feuerte Tränengas auf die Menschenmenge.

Die Demonstrationen sind die bisher größte Herausforderung für Sharifs Regierung, die seit rund 15 Monaten im Amt ist. Sharifs Gegner werfen ihm vor, die Wahl im vergangenen Jahr manipuliert zu haben. Angeführt werden die Proteste vom Oppositionspolitiker und ehemaligen Kricketstar Imran Khan.

Mindestens 50 Verletzte bei Protesten

Bei den Zusammenstößen mit der Polizei wurden in Pakistan mindestens 50 Menschen verletzt. Die meisten Opfer hätten Verletzungen durch Gummimantelmunition, erklärte ein Krankenhaussprecher in Islamabad. Einige der seit zwei Wochen vor dem Parlament kampierenden Demonstranten hatten zuvor versucht, das Haus des Premierministers zu stürmen und mit Kränen Barrikaden entfernt.

Die Opposition wirft Sharif vor, die Parlamentswahl im Mai 2013 gefälscht zu haben, die seine Pakistanische Muslimliga mit breiter Mehrheit gewann. Die PTI war auf dem dritten Platz gelandet. Nach Angaben internationaler Beobachter war die Wahl frei und fair verlaufen. Nach Einschätzung von Politologen könnten die Proteste von der Armee koordiniert sein, um ihre Dominanz über die zivilen Behörden zurückzuerlangen.

Iran kritisiert neue US-Sanktionen

Die neuen Sanktionen der USA im Atomstreit mit dem Iran haben nach Angaben der Staatsführung in Teheran das Misstrauen zwischen beiden Ländern weiter verstärkt. „Das ist nicht vereinbar mit dem Klima der Verhandlungen“, sagte der iranische Präsident Hassan Rouhani gestern vor Journalisten. „Vertrauensbildende Maßnahmen“ würden damit untergraben.

Die US-Regierung hatte am Freitag zusätzliche Sanktionen gegen 25 Personen und Körperschaften verhängt, die an der Entwicklung der iranischen Raketen- und Atomprogramme, an Bemühungen zur Umgehung internationaler Sanktionen sowie an der „Unterstützung des Terrorismus in der Region“ beteiligt sein sollen. Betroffen sind unter anderem Reedereien, Ölfirmen, Banken und eine Fluggesellschaft.

Andere Sanktionen, die etwa Medikamente und Lebensmittel umfassten, bezeichnete Rouhani als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, gegen die sich sein Land mit aller Macht stemme. „Wir kämpfen und umgehen diese Sanktionen, und wir sind stolz darauf“, sagte er in Teheran. Ungeachtet dessen würden die Verhandlungen mit der 5+1-Gruppe jedoch weiterlaufen.

Rouhani stellt sich gegen Großajatollah

Im Streit über das von der Regierung gewünschte Hochgeschwindigkeitsinternet stellte sich Rouhani indes gegen einen einflussreichen Großajatollah. „Wissenschaftlicher Fortschritt hat für die Regierung höchste Priorität, dazu gehört auch der Zugang zum Hochgeschwindigkeitsinternet“, sagte Rouhani. Er widersprach damit Großajatollah Makarem Schirasi, der ein Hochgeschwindigkeitsinternet in der vergangenen Woche als unislamisch bezeichnet hatte und es verbieten will.

Dem Großajatollah zufolge könnte das von der Rouhani-Regierung geplante Projekt Jugendlichen einfacheren Zugang zu „verseuchten Websites“ ermöglichen. Das sei gegen die islamischen Vorschriften des Landes und sollte daher verboten werden. Kommunikationsminister Mahmud Waesi, der Initiator des Projekts, soll ins Parlament einbestellt werden, wo einige Abgeordnete für seine Entlassung sorgen wollen.

Liberia hebt Ebola-Quarantäne in riesigem Slum auf

Die Regierung Liberias hat nach fast zwei Wochen die umstrittene Isolierung eines riesigen Slums aufgehoben, der im Kampf gegen Ebola unter Quarantäne gestellt worden war. Hunderte der bis zu 75.000 Einwohner des Armenviertels West Point in der Hauptstadt Monrovia seien auf die Straßen gegangen, um die Entscheidung zu feiern. „Es war wie die Hölle“, beschrieb der Bewohner Tom Nyennoh (47) gestern die zehntägige Isolierung. Die von 20. bis 29. August geltende Quarantäne hatte zu heftigen Protesten geführt, weil Tausende Menschen keinen Zugang mehr zu Lebensmitteln und Trinkwasser hatten.

Dutzende Verletzte bei Zusammenstößen wegen Ebola in Guinea

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie wurden in Guinea Dutzende Menschen verletzt. Nach Angaben der Regionalregierung in der zweitgrößten Stadt N’Zerekore wurden mindestens 55 Menschen verletzt, als Händler gegen eine Desinfektionskampagne auf einem Markt protestierten. Es gebe zwei Lager, sagte Regionalgouverneur Lancei Conde: „Diejenigen, die an die Existenz von Ebola glauben und diejenigen, die meinen, die Epidemie werde eingeschleppt.“

Nach Angaben des Stadtpräfekten Aboubacar M’bop Camara griffen Demonstranten die Rettungsstelle des örtlichen Krankenhauses sowie Fahrzeuge der Hilfsorganisation Unicef und eines Arztes an.

Ärzte ohne Grenzen: UNO soll Einsatz gegen Ebola anführen

Angesichts steigender Opferzahlen und der sich immer schneller ausbreitenden Epidemie schlägt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm: Die UNO müsse sich einschalten, nur so könne der Seuche Einhalt geboten werden, sagte der Chef der französischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Mego Terzian.

Mit einer UNO-Resolution sollen Europa und die USA zum Handeln gezwungen werden, denn außer „zahlreichen Reden“ und finanziellen Versprechungen sei in den Industrieländern nichts passiert, so Terzian. Mittlerweile gibt es auch in Senegal das erste Todesopfer.

Mehr dazu in Scharfe Kritik an Industrieländern

Inland

ÖVP kürt neuen Finanzminister

Die ÖVP kürt heute Nachmittag bei einem Bundesparteivorstand in Linz einen neuen Finanzminister. Als Favorit gilt der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling. Als neuer Staatssekretär im Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium ist Harald Mahrer im Gespräch. Er ist derzeit Präsident der Julius Raab-Stiftung des Wirtschaftsbundes.

Schelling dürfte der Wunschkandidat von Parteichef Reinhold Mitterlehner sein, wogegen sich der ÖAAB eher für Gottfried Haber von der Donau Uni Krems erwärmen kann. Jochen Danninger soll aus seinem Amt als Staatssekretär im Finanzministerium ausscheiden. Selbiges dürfte die SPÖ mit Sonja Steßl vorhaben. Sie soll ins Bundeskanzleramt wechseln, wenn tatsächlich ein Experte das Finanzministerium übernimmt.

Islamische Glaubensgemeinschaft: Kein Einfluss auf Radikale

Der Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Fuat Sanac, hat eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber jungen, radikalisierten Muslimen eingeräumt.

In extremistischen Kreisen werde sein Wort nicht gehört, so Sanac im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“ (Montag-Ausgabe). Auch die Behörden könnten ohne konkrete Beweise oft nichts unternehmen.

So habe man im Falle des 19-jährigen Wieners mit tunesischen Wurzeln, nach dem auch Interpol wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung fahndet, „geahnt, was da passiert, und mit den Behörden gesprochen“, sagte Sanac. Diese hätten aber gesagt, sie könnten dagegen nichts tun. Ähnlich im Fall der beiden bosnischstämmigen, minderjährigen Mädchen, die nach eigenen Angaben nach Syrien reisten, um im Dschihad zu kämpfen: „Selbst die Polizei hat nichts unternommen“, so der IGGiÖ-Präsident.

„Sie reden nicht mit uns“

In radikalisierten Kreisen sei sein Einfluss jedenfalls begrenzt, gab Sanac zu. „Wir sind für sie Ungläubige. Sie reden nicht mit uns, sie grüßen uns nicht einmal, sie laden uns auch nicht ein, und wenn wir sie einladen, kommen sie nicht.“ Die IGGiÖ appelliere an ihre Mitglieder immer wieder, „vernünftig zu bleiben“. Aber: „Man verlangt unmögliche Dinge von uns.“ Er selbst sei keine Sicherheitsbehörde und könne Salafisten, die nach Österreich kommen, „nicht an der Grenze stoppen“, betonte Sanac.

Den Vormarsch der dschihadistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) müsse nach Ansicht des Vorsitzenden jedenfalls ernst genommen werden. „Niemand kann sagen, dieser Krieg gehe uns nichts an. Er kommt langsam auch zu uns. Das ist bedrohlich.“ Aus Österreich zogen bisher nach Schätzungen des Verfassungsschutzes rund 130 Personen in den „Heiligen Krieg“, um sich der Miliz IS, die Teile Syriens und des Irak kontrolliert, anzuschließen.

Wirtschaft

Schäuble arbeitet offenbar an Maut-Alternativen

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble lässt einem Medienbericht zufolge ein Alternativkonzept zu den Mautplänen von Verkehrsminister Alexander Dobrindt erarbeiten und geht damit auf Konfrontationskurs zu seinem Kabinettskollegen. Wie der „Spiegel“ gestern im Voraus berichtet, beziehen sich Schäubles Überlegungen aber auf die nächste Legislaturperiode.

Demnach will er nicht nur Ausländer stärker belasten, sondern alle Nutzer deutscher Autobahnen - was im aktuellen Koalitionsvertrag ausgeschlossen ist. Dem Bericht zufolge will Schäuble private Investoren dazu bewegen, sich stärker als bisher beim Bau und Betrieb von Straßen zu engagieren - im Rahmen von Public-Private-Partnerships. Im Gegenzug für ihre Investitionen sollen die privaten Unternehmen laut „Spiegel“ dann für einen bestimmten Zeitraum die Mauteinnahmen erhalten.

Dobrindt will eine Pkw-Maut auf allen Straßen in Deutschland einführen. Die Abgabe will er über ein Vignettensystem eintreiben, deutsche Halter sollen über einen Freibetrag in der Kfz-Steuer entlastet werden. Umstritten ist, ob eine einseitige Belastung ausländischer Fahrer europarechtlich zulässig ist. Zudem gibt es in der Union Streit darüber, ob eine Maut für sämtliche Straßen oder etwa nur für Autobahnen eingeführt werden soll.

EU plant Gipfel zu Wachstum und Beschäftigung

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen sich am 7. Oktober zu einem neuen Gipfel für Beschäftigung, Investitionen und Wachstum in Italien treffen. Dies geht aus dem Entwurf für den laufenden EU-Gipfel von gestern in Brüssel hervor.

Der Gipfel begrüße eine entsprechende Einladung der italienischen Regierung, heißt es in dem Entwurf. Zuvor hatte Frankreichs Präsident Francois Hollande von einem EU-Gipfel über Wachstum und Beschäftigung in Italien am 6. Oktober gesprochen.

as Gipfeltreffen für mehr Wachstum soll die marode Lage in vielen EU-Ländern verbessern. Die sozialdemokratischen EU-Regierungschefs versprechen sich davon mehr Investitionen.

Italien erstmals seit 1959 wieder in Deflation

Europas oberste Währungshüter finden weiter kein Rezept gegen fallende Preise und die damit befürchteten längerfristigen Folgen für die Wirtschaft - sinkende Löhne und die damit verbundenen Auswirkungen auf Konsum und Investitionen. Wie das EU-Statistikamt Eurostat gestern mitteilte, sank die Teuerungsrate im August auf 0,3 Prozent und näherte sich somit dem Schreckgespenst Deflation. Entspannung ist allein mit Blick auf Italien nicht in Sicht: Eine Deflation ist für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone laut jüngsten Zahlen des nationalen Statistikamtes Istat erstmals seit September 1959 schon Realität.

Mehr dazu in EZB-Ziele „in weiter Ferne“

Sport

Fußball-Bundesliga: Austria rutscht ans Tabellenende

Nach sieben Runden der Bundesliga ziert die Austria sensationell das Tabellenende. Die Wiener erlitten gestern eine 1:2-Niederlage bei der Admira, sind damit weiter sieglos und rutschten hinter die Südstädter und Wr. Neustadt, das mit einem Erfolg beim WAC überraschte, auf den letzten Platz ab. Keinen Sieger brachte die Partie zwischen Aufsteiger Altach und Ried.

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Fußball: Köln schlägt in Stuttgart eiskalt zu

Der 1. FC Köln hat am zweiten Spieltag der deutschen Bundesliga den ersten Saisonsieg gefeiert. Die Auswahl von Trainer Peter Stöger setzte sich mit Verteidiger Kevin Wimmer überraschend beim VfB Stuttgart mit den beiden Österreichern Florian Klein und Martin Harnik mit 2:0 durch.

Durchwachsen verlief dagegen das Comeback von Sebastian Prödl bei Werder Bremen. Die Hanseaten lagen daheim gegen Hoffenheim zurück, retteten aber noch ein Remis. Der Hamburger SV rannte indes gegen Aufsteiger Paderborn in ein Heimdebakel. Den ersten Punktgewinn gegen Bayern München seit fast vier Jahren durfte wiederum Schalke feiern.

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Tennis: Gedämpfte Freude bei Sieger Thiem

Für Dominic Thiem ist der Einzug in die dritte Runde der US Open eine erfreuliche Premiere gewesen, rundum glücklich war der Niederösterreicher aber nicht. Denn sein Erfolg kam ausgerechnet gegen seinen Trainingskollegen und Freund Ernests Gulbis aus Lettland zustande. „Es gibt 126 Spieler, gegen die ich nicht das geringste Problem habe zu spielen. Aber der eine, das ist halt schwierig“, sagte Thiem nach dem emotionalen Fünfsatzsieg.

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Chronik

Polizei: Tumorkranker britischer Bub in Spanien gefunden

Der tumorkranke britische Bub, der von seinen Eltern aus einer Klinik verschleppt worden war, ist in Spanien wiedergefunden worden. Die Eltern des fünfjährigen Kindes seien festgenommen worden, teilte die spanische Polizei gestern Abend mit. Ashya wurde demnach nahe der Stadt Velez Malaga im Süden Spaniens in einem Hotel gefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert. Die britische Polizei bestätigte, dass der Bub mit seinen Eltern in Spanien gefunden wurde.

Die Eltern hatten ihn am Donnerstag aus einem Krankenhaus in Southampton geholt und waren ohne Zustimmung der Ärzte mit ihm und seinen sechs Geschwistern nach Frankreich ausgereist. Seitdem fehlte von ihnen jede Spur. Der unter einem Hirntumor leidende Junge ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nicht sprechen und wird künstlich ernährt. Das batteriegetriebene System für die künstliche Ernährung kann nach Klinikangaben nur von geschultem Personal bedient werden.

Es wurde befürchtet, dass der Bub ohne angemessene ärztliche Betreuung stirbt. Er war erst vor sieben Tage zuletzt operiert worden. Die britischen Behörden stellten gestern einen europäischen Haftbefehl für den 51 Jahre alten Vater und die 45-jährige Mutter aus. Die Eltern gehören den Zeugen Jehovas an, die gegen Bluttransfusionen sind. Die Glaubensgemeinschaft wies darauf hin, dass sie dennoch für „die bestmögliche medizinische Behandlung“ eintrete.

Vulkan Bardarbunga löste Hunderte Erdbeben aus

In der Gegend um den Vulkan Bardarbunga auf Island rumort es weiter. Binnen sieben Stunden hätten rund 450 Erdbeben das Gebiet erschüttert, teilte das Meteorologische Institut gestern mit. Das heftigste davon hatte demnach eine Stärke von 5,4 und wurde im Krater des Berges registriert. Einschränkungen des Luftverkehrs seien aber nicht notwendig, erklärte der Zivilschutz

In der Nacht auf Freitag hatte der Vulkan wohl zum ersten Mal seit Beginn seismischer Aktivitäten vor zwei Wochen Lava ausgespuckt. Isländische Meteorologen entdeckten nördlich des Gletschers Vatnajökull einen 900 Meter langen Riss, an dem brodelnde Magma an die Oberfläche trat. Die Behörden hatten daraufhin Alarmstufe Rot ausgerufen und ein Flugverbot verhängt. Dieses konnte nach einigen Stunden aber wieder aufgehoben werden.

Für den Vulkan gilt derzeit die zweithöchste Alarmstufe Orange. Das bedeutet, dass der Bardarbunga eine erhöhte oder steigende Aktivität mit erhöhtem Eruptionspotenzial zeigt. Beim Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull 2010 waren so große Aschemengen in den Luftraum geschleudert worden, dass der Flugverkehr in weiten Teilen Europas mehrere Tage zum Erliegen kam.

Kultur

Zehntausende bei Science-Fiction-Festival in Atlanta

Science-Fiction, Comics und schrille Kostüme: Zehntausende Menschen sind in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zum alljährlichen „Dragon Con“-Festival zusammengekommen. Das viertägige Festival, bei dem es unter anderem Paraden und Diskussionsrunden gibt, zieht vor allem Fans von Comicbüchern und Science-Fiction-Serien an.

Auch einige Stars hatten sich angekündigt, darunter Patrick Stewart, der als Captain Jean-Luc Picard in der Serie „Raumschiff Enterprise“ bekannt geworden war. Die „Dragon Con“ findet in diesem Jahr bereits zum 28. Mal statt.

Lifestyle