Ausland

Köln stockt Sicherheitskräfte vor Pro-Erdogan-Demo auf

Vor der umstrittenen, für morgen geplanten Pro-Erdogan-Großkundgebung in Köln hat die Polizei die Anzahl der Sicherheitskräfte auf 2.700 aufgestockt. Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies kündigte an, „sofort und konsequent“ gegen Gewalt einzuschreiten. Angesichts der angekündigten Gegendemonstrationen wächst auch die Sorge vor Gewalttaten.

Der Polizeipräsident schloss auch ein Verbot der Demonstration nicht aus. Er lasse sich stündlich über die Entwicklung der Lage informieren und könnte auf dieser Grundlage eine entsprechende Entscheidung treffen, betonte Mathies. Nach bisherigem Kenntnisstand wolle der Sportminister der Türkei anreisen. Das sei in die bisherige Lagebewertung bereits eingeflossen.

Mahnende Worte von Politikern

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief die Teilnehmer zur Mäßigung auf: „Innenpolitische Spannungen aus der Türkei zu uns nach Deutschland zu tragen und Menschen mit anderen Überzeugungen einzuschüchtern, das geht nicht.“ Der SPD-Politiker betonte in der „Süddeutschen Zeitung“ („SD“, Samstag-Ausgabe), „das werden wir auch nicht zulassen“.

Der Grünen-Politiker Volker Beck warnte im „Handelsblatt“ die der türkischen Regierungspartei AKP nahestehende Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), dem Veranstalter der Pro-Erdogan-Kundgebung, ohne „Distanzierung von Erdogans willkürlichen Repressalien wird die Demonstration am Sonntag als Demonstration für eine Diktatur Erdogans in der Türkei verstanden werden“.

Erdogan will Beleidigungsklagen zurücknehmen

In einer Rede kündigte Erdogan gestern an, nach dem gescheiterten Militärputsch alle Beleidigungsklagen zurückzunehmen. Hintergrund sei das Gefühl, dass die Gesellschaft nach dem gescheiterten Putsch zusammenstehe. Somit handle es sich um eine einmalige Geste.

In Deutschland bleiben die Anklagen aber offenbar bestehen: Konkret geht es hierbei um die Klage gegen den Satiriker Jan Böhmermann, der Erdogan Ende März in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ in einer „Schmähkritik“ beleidigt hatte.

17 Journalisten in Untersuchungshaft

Die Justiz in Ankara ordnete indes für 17 türkische Journalisten eine Untersuchungshaft an. Den Betroffenen werde Mitgliedschaft in einer „terroristischen Vereinigung“ vorgeworfen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. 21 Reporter waren gestern einem Richter vorgeführt worden, vier von ihnen wurden wieder freigelassen.

Unter den Reportern, für die eine Untersuchungshaft angeordnet wurde, ist auch die bekannte Journalistin und frühere Abgeordnete Nazli Ilicak. Der frühere „Hürriyet“-Journalist Bülent Mumay kam hingegen wieder auf freien Fuß. Seit dem gescheiterten Umsturzversuch Mitte Juli wurden bereits mehr als 130 türkische Medien geschlossen und Dutzende Journalisten festgenommen.

Schotten demonstrieren für neues Unabhängigkeitsvotum

Mehrere tausend Schotten haben heute ein neues Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien gefordert. Die Demonstranten zogen durch das Zentrum von Glasgow, viele von ihnen schwenkten schottische Fahnen. Es war die erste derartige Demonstration seit dem Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

An der Kundgebung nahmen nach Schätzungen bis zu 4.000 Menschen teil. Bei der „Brexit“-Abstimmung am 23. Juni hatten sich 52 Prozent der britischen Wähler für den Austritt aus der EU ausgesprochen. In Schottland votierten allerdings 62 Prozent für den Verbleib in der EU. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon strebt deshalb nun ein neues Unabhängigkeitsreferendum an.

Die Schotten hatten sich im September 2014 in einem ersten Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent für den Verbleib in Großbritannien ausgesprochen. Nach dem Nein der Briten zur EU sieht Sturgeon aber eine vollständig neue Lage. Neben den Plänen für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum will sie auch Gespräche mit der EU führen, um in der Europäischen Union bleiben zu können.

Seehofer distanziert sich von Merkels „Wir schaffen das“

CSU-Chef Horst Seehofer setzt sich nach der jüngsten Attentatswelle in Deutschland in der Flüchtlingspolitik erneut von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel ab. Zu Merkels Satz „Wir schaffen das“ sagte Seehofer heute nach einer Kabinettsklausur der bayerischen Landesregierung am Tegernsee: „Ich kann mir diesen Satz auch beim besten Willen nicht zu eigen machen. Dafür ist die Problemlage zu groß.“

Auch die Lösungsansätze seien bis jetzt unbefriedigend. Seehofer forderte eine Begrenzung der Zuwanderung nach Deutschland. Diese sei „eine Voraussetzung für die Sicherheit in diesem Lande“. Seehofer beteuerte, er wolle keinen Streit und auch keine politische Auseinandersetzung. Er halte an dem in Potsdam zwischen CDU und CSU vereinbarten Parteifrieden fest.

Merkel hatte am Donnerstag in ihrer vorgezogenen großen Jahrespressekonferenz von einer „historischen Bewährungsaufgabe“ gesprochen, vor der Deutschland stehe. Mit Blick auf die Flüchtlingsbewegung bekräftigte sie ihren vielzitierten Satz: „Wir schaffen das.“ Man habe aber bereits viel geschafft, und werde auch diese Herausforderung meistern.

Geiselnahme in Eriwan: Dutzende Verletzte nach Protesten

Bei der gewaltsamen Auflösung einer Kundgebung in der armenischen Hauptstadt Eriwan sind nach Angaben von Ärzten etwa 60 Regierungsgegner verletzt worden. Die Polizei in der Südkaukasus-Republik nahm nach eigenen Angaben von heute über 160 Menschen vorläufig fest. Gegen 26 von ihnen wurde Haftbefehl erlassen.

Die Demonstranten sammelten sich nahe der besetzten Polizeistation. (iptv.ORF.at)

Die Behörden hatten am Vorabend die Demonstration von Oppositionellen aufgelöst. Menschenrechtler kritisierten das harte Vorgehen, das rechtlich nicht gedeckt sei. 15 Journalisten seien verprügelt oder durch Blendgranaten verletzt worden, meldete die Agentur Interfax.

Polizeistation seit 17. Juli besetzt

Die Demonstranten bekundeten ihre Solidarität mit bewaffneten Regierungsgegnern, die seit dem 17. Juli eine Polizeistation besetzt halten. Politisch fordern sie die Freilassung eines inhaftierten Oppositionellen und den Rücktritt von Präsident Sersch Sargsjan. Armenische Sicherheitskräfte belagern die Polizeistation.

Die Angreifer hatten zunächst acht Menschen als Geiseln genommen. Nach und nach hatten sie ihre ersten Geiseln wieder freigelassen, vergangenen Mittwoch aber zwei Ärzte und zwei Krankenschwestern als Geiseln genommen, die zur Behandlung von Verletzten entsandt worden waren.

Angeblich weitere Luftschläge bei Aleppo

Luftangriffe des syrischen Regimes und seiner Verbündeten in der Nähe von Aleppo sind nach Angaben von Beobachtern auch heute fortgesetzt worden. Bei mehreren Luftschlägen auf Dörfer im Umland der nordsyrischen Metropole seien dabei mindestens 30 Menschen verletzt oder getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Genaue Angaben zu Opfern und Schäden wurden zunächst nicht gemacht. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Humanitäre Katastrophe befürchtet

Die Rebellenviertel im Osten Aleppos sind derzeit von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem syrische Truppen und ihre Verbündeten vor zwei Wochen die letzte Versorgungsroute in die umkämpfte Stadt gekappt hatten. Internationale Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe.

Am Donnerstag hatte der syrische Machthaber Baschar al-Assad den Rebellen eine Amnestie angeboten, wenn diese ihre Waffen niederlegen würden. Ein Sprecher der Opposition in Aleppo wies heute Berichte zurück, wonach Aufständische die Stadt verlassen hätten.

Moskau vermeldet schweren Fall von Cyberspionage

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen großangelegten Fall von Cyberspionage aufgedeckt. Der Hackerangriff habe sich gegen etwa 20 russische Regierungsbehörden, Wissenschaftseinrichtungen, Militäranlagen und Rüstungsfirmen gerichtet, teilte der FSB heute in Moskau mit.

Die Mitteilung kommt wenige Tage nach Bekanntwerden schwerer Cyberangriffe gegen die Demokratische Partei in den USA, bei denen die Spuren nach Expertenansicht auf den russischen Geheimdienst deuten.

Die in die Computersysteme eingeschmuggelte Schadsoftware ähnle vom Stil derjenigen in anderen „aufsehenerregenden Fällen von Cyberspionage“ gegen Russland und andere Länder, erklärte der FSB. Der Geheimdienst habe in Zusammenarbeit mit anderen Behörden alle Opfer der Attacke aufgespürt, die Gefahr eingegrenzt und die Folgen minimiert. Weitere Details wurden nicht genannt.

Brüder in Belgien wegen Attentatsplänen verhaftet

Bei einem großflächigen Anti-Terror-Einsatz in Liege und Mons in der belgischen Wallonie sind in der Nacht zwei Männer verhaftet worden. Es handelt sich um ein Brüderpaar, berichtet die Zeitung „Derniere heure“ („DH“). Der 33-jährige Nourredine H. und sein Bruder Hamza würden heute einem Haftrichter vorgeführt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Insgesamt wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft sieben Hausdurchsuchungen durchgeführt. Waffen oder Sprengstoff wurden laut Angaben nicht gefunden. Nach ersten Untersuchungsergebnissen habe sich herausgestellt, dass die beiden konkrete Anschläge in Belgien geplant hätten, hieß es.

Zunächst wurde keine Verbindung des Brüderpaars mit den Terroranschlägen vom 22. März des Jahres auf den Flughafen Zaventem in Brüssel und auf die Metrostation Maelbeek entdeckt. In Belgien gilt derzeit die zweithöchste Sicherheitsalarmstufe.

Terrorwarnung auch für Amsterdam

Wegen einer unklaren Terrorwarnung haben heute zudem die niederländischen Behörden die Sicherheitsmaßnahmen am Amsterdamer Flughafen Schiphol sowie an den Zufahrtsstraßen verstärkt.

Am Airport seien zusätzliche Patrouillen im Einsatz und Grenzschützer kontrollierten die Insassen sämtlicher Fahrzeuge auf dem Weg dorthin, meldete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Dadurch hätten sich lange Staus gebildet, sodass sich etliche Passagiere entschlossen, zu Fuß zum Flughafen zu gehen, berichtete der Fernsehsender NOS.

Der Flugverkehr sei aber nicht eingeschränkt worden, erklärte ein Behördensprecher. Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen seien in Absprache mit dem Nationalen Koordinierungsbüro für Terrorismusbekämpfung getroffen worden. Es habe einen „Hinweis mit Bezug zum Flughafen“ gegeben. Einzelheiten nannten die Behörden dazu nicht.

Juncker: Trete nicht zurück und bin kein Alkoholiker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bekräftigt, dass er nicht zurücktreten werde. In „Le Soir“ (Samstag-Ausgabe) sagt Juncker, „ich bin ein freier Mann. Wenn ich aufhöre, werde ich aufhören, ohne jemanden zu fragen“. Allerdings habe er keineswegs diese Absicht, „vor allem nicht unter dem Druck“ kritischer Stimmen.

Er sei überrascht von Berichten, wonach einige seinen Rücktritt forderten und die EU-Kommission kritisierten. Selbst „Le Soir“ habe vergangene Woche geschrieben, dass „die Polen, die Tschechen, die Ungarn“ den Rücktritt verlangen, dass die Balten nicht zufrieden mit ihm seien, und die Deutschen auch nicht. Aber „niemals“ sei erklärt worden, warum, so Juncker.

Der Kommissionspräsident erklärte ferner, er „küsse nicht die ganze Welt und ich bin kein Alkoholiker“.

Inland

Oberhauser macht Rückschlag bei Erkrankung öffentlich

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) hat ihre vor eineinhalb Jahren entdeckte Krebserkrankung noch nicht ganz überwunden. Bei einer Operation am Donnerstag seien „auch wieder Krebszellen gefunden worden“. Somit sei eine „nächste Runde Chemotherapie“ nötig, teilte sie heute via Facebook mit.

„Ich werde mich da durchkämpfen und meine Aufgaben als Ministerin weiter erfüllen“, zeigte die SPÖ-Politikerin auch diesmal Kampfgeist und einen offenen Umgang mit ihrer Erkrankung. Im Februar 2015 hatte sie der Öffentlichkeit die Diagnose Unterleibskrebs mitgeteilt.

Im Mai 2015 kehrte sie nach OP und Chemotherapie in den Dienst zurück. Seit dem heurigen Mai ist Oberhauser nicht nur Gesundheits-, sondern auch Frauenministerin. Via Facebook bat sie jetzt, „mich auch diesmal wieder so zu unterstützen - ich werde es brauchen“.

Novelle soll aufgezwungenen Namen Garaus machen

Das österreichische Namensrecht könnte eine Änderung erfahren und das in einem ganz speziellen Fall. Eine Initiative der Grün-Abgeordneten Berivan Aslan sieht vor, dass Namen, die Personen nur als Folge der Unterdrückung (ihrer Volksgruppe) tragen, kostenlos geändert werden können. Profitieren davon würden wohl vor allem Vertreter türkischer Minderheiten wie Kurden, Armenier und Aramäer.

Der Antrag Aslans liegt seit Juli im Innenausschuss des Nationalrats, im Herbst wird mit den Koalitionsparteien auszuloten sein, ob diese eine entsprechende Novelle des Namensänderungsgesetzes befürworten. Schon bisher gibt es elf konkrete Gründe für die Zulässigkeit einer Namensänderung sowie eine allgemeine Klausel, durch die man die Behörden von der Notwendigkeit einer Namensänderung überzeugen kann.

Name von Regime aufgezwungen

Aslan, die selbst kurdenstämmig ist, hat als ersten Vornamen das türkische Aygül, verwendet jedoch bei öffentlichen Auftritten ihren zweiten Vornamen, das kurdische Berivan. Sie argumentiert damit, dass nach der Gründung der türkischen Republik in den 1920er Jahren sowohl Vor- als auch Familiennamen bei Angehörigen von Minderheiten fremdbestimmt und aufgezwungen waren.

Vormals türkische Staatsbürger, denen im Zuge der ethnischen Verfolgung in der Türkei ihre ursprünglichen Namen verboten und „türkische“ Namen aufgezwungen worden seien, wollten nun gerne ihre ursprünglichen Namen wieder führen, schreibt Aslan in der Begründung ihres Antrags. Dieser Wunsch sollte nach Meinung der Mandatarin als wichtiger Grund anerkannt und gebührenfrei abgewickelt werden.

Wirtschaft

Armani macht aus Firmenimperium Stiftung

Der italienische Modezar Giorgio Armani hat eine Stiftung gegründet, die seinen Namen trägt und die über die Zukunft seines Modehauses entscheiden soll. Damit will der 82-jährige Stardesigner seinem Unternehmen Kontinuität nach seinem Tod sichern. Der Nobelschneider hat weder Kinder noch Geschwister.

„Ich habe die Gründung der Stiftung Giorgio Armani beschlossen, um sozial nützliche Projekte zu konkretisieren. Zugleich wird die Stiftung dafür sorgen, dass die Führung der Armani-Gruppe weiterhin stabil bleibt und auf Prinzipien wie Autonomie, Innovation und Qualität basiert, die seit jeher Hauptanliegen der Gruppe sind“, hieß es in einer Presseaussendung.

Sparsamkeit soll weiter Credo bleiben

Mit der Stiftung will Armani dafür sorgen, dass dem Unternehmen mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden eine solide Managerstruktur garantiert werde, die die Gruppe weiterhin ausbaue, ohne sie jedoch zu stark zu verschulden. Ein umsichtiger Umgang mit den finanziellen Ressourcen ist seit jeher ein Hauptanliegen Armanis, dessen Unternehmen über eine Liquidität von 640 Millionen Euro verfügt und nie an die Börse gegangen ist.

Das Unternehmen zählt weltweit zwölf Produktionswerke und beschäftigt 10.500 Mitarbeiter. Armani, der am 11. Juli seinen 82. Geburtstag gefeiert hat, führt sein Modeimperium in Alleinregie und hat Eigenangaben zufolge keine Absicht, in Pension zu gehen.

Neuer ÖBB-Chef setzt Priorität im Güterverkehr

Der neue ÖBB-Chef Andeas Matthä will die Strategie nicht grundsätzlich ändern, aber „der Güterverkehr mit europaweit extrem harten Wettbewerb hat natürlich Priorität“, sagte er dem „Standard“ (Wochenend-Ausgabe). Der Schienengüterverkehr stehe unter enormem Druck. Österreich habe aber dank seiner Lage viele Vorteile. Für die Internationalisierung sei der Hafen Koper sehr wichtig.

Die ÖBB arbeiten an Logistiklösungen mit der Türkei, Bulgarien und Rumänien, aber die Wirtschaftsströme aus Polen, Russland und Tschechien Richtung Italien seien für die Geschäftsentwicklung auch relevant. Eine zusätzliche Förderung über 50 Mio. Euro, wie von Matthäs Vorgänger Christian Kern, inzwischen Bundeskanzler, gefordert, wird es nicht geben. „Die 50 Millionen müssen wir uns selbst erarbeiten“, so Matthä.

Auch ein Verkauf der Gütersparte steht nicht an: „Also, ich sehe keine Käuferschlangen. Wir sind die drittgrößte Güterbahn in Europa, und die Mitbewerber stehen selbst unter Druck. Wir haben eine starke Position, und aus der heraus müssen wir die Internationalisierung vorantreiben, nicht flächendeckend, aber entlang der Hauptachsen“, so der Bahnchef im Gespräch mit dem „Standard“.

GB: Erste „Brexit“-Auswirkungen auf Wirtschaft

Der Schock über das britische EU-Austrittsvotum belastet die Wirtschaft der Insel zusehends. Der Index für das Verbrauchervertrauen ist dramatisch gesunken, auch die Umfragen unter Unternehmern zeichnen ein ähnliches Bild. Und praktisch täglich vermelden Unternehmen pessimistischere Gewinnprognosen, eingedampfte Wachstumspläne und bereits erste Kündigungen.

Mehr dazu in Hiobsbotschaften mehren sich

Sport

Erste Liga: LASK siegt in hitzigem Derby

Der LASK hat heute Abend zum Abschluss der zweiten Runde der Ersten Liga das Linzer Derby gegen Blau Weiß gewonnen. Verteidiger Felix Luckeneder fixierte mit einem Doppelpack den Sieg im Prestigeduell.

Der LASK war im Paschinger Waldstadion über weite Strecken die klar dominierende Mannschaft. Dennoch war die Partie knapp, weil auch Blau Weiß in dem hitzigen Duell zu guten Chancen kam, sogar einen Elfmeter vergab und in der Schlussphase den Anschlusstreffer erzielte.

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ÖFB: Verband arbeitet EM-Pleite auf

Vor 37 Tagen verabschiedete sich das Nationalteam mit dem 1:2 gegen Island vorzeitig von der EM-Endrunde 2016 in Frankreich. Es war der passende Schlusspunkt eines verkorksten Turniers.

Nun präsentierte die ÖFB-Spitze rund um Teamchef Marcel Koller, Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner das Ergebnis ihrer Analyse. Das Fazit: Die in Sachen EM unerfahrene Mannschaft war der Erwartungshaltung nicht gewachsen. Dazu seien manche Spieler nicht in bester Verfassung gewesen.

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Chronik

IT

Tesla will Batteriefabriken auch in Europa und China bauen

Der Chef des Elektroautoherstellers Tesla, Elon Musk, will in der Zukunft riesige Batteriefabriken in Europa, China und anderen Teilen Asiens bauen. Auch Autos sollten ab dem zweiten Werk unter einem Dach mit den Batterien produziert werden, sagte Musk in der Nacht bei der „Einweihungsfeier“ für die erste „Gigafactory“ in der Wüste in Nevada. „Auf der einen Seite kommt Rohmaterial rein, auf der anderen Seite kommen fertige Autos raus.“

Diese Integration sei notwendig, um Autos erschwinglicher zu machen, als es heute mit der Arbeitsteilung zwischen vielen Zulieferern sei, wenn „jedes Molekül um die Welt reist“, sagte Musk. Die Tesla-Fabriken seien gedacht wie eine „Maschine, die Maschinen baut“. „Mindestens eine Fabrik auf jedem Kontinent macht Sinn“, so der Tesla-Chef. Sonst stiegen die Logistikkosten.

Tesla baut die große Batteriefabrik in Nevada seit rund zwei Jahren, und sie sei „zu 14 Prozent fertig“, sagte Musk. Kommendes Jahr sollen die ersten Batterien das Werk verlassen. Die „Gigafactory“ werde in wenigen Jahren genauso viel Kapazität an Lithium-Ionen-Batterien ausstoßen wie der gesamte Rest der Welt, so Musk. Tesla kooperiert bei der Fabrik unter anderem mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic.

Navi-Bredouille: Australien ändert Koordinaten

Australien ändert seine Längen- und Breitengrade. 1,5 Meter Unterschied gibt es mittlerweile zwischen den lokalen Werten der Längen- und Breitengrade und jenen der globalen Satellitennavigationssysteme, berichtete die BBC.

Das Problem: Weil selbstfahrende Autos mit Hilfe globaler Karten navigieren, laufen sie Gefahr, Unfälle zu bauen oder von Klippen zu fallen. Das Problem verschärft sich laufend, denn der australische Kontinent bewegt sich pro Jahr um sieben Zentimeter.

Mehr dazu in Update per Anfang Jänner

Religion

Polnischer „Selfie-Bischof“ erobert das Netz

Er knipst Selfies mit Papst, Papamobil und Pilgern, dabei grinst er stets bis über beide Ohren: Fleißig postet der polnische Bischof Marek Solarczyk bei Facebook Fotos vom Weltjugendtag in Krakau und erobert damit die Herzen der Polen.

„Wir grüßen den am breitesten lächelnden Bischof des Weltjugendtags“, schreiben Fans auf seiner Seite in dem Sozialen Netzwerk. Von denen hat der 49-jährige Hilfsbischof des Bistums Warschau-Praga inzwischen rund 24.000 und es werden immer mehr. Bei Twitter folgen Solarczyk etwa 2.800 Menschen.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Science

Kultur

„Seefeuer“: Zwei Welten auf Lampedusa

Der Alltag im Schatten der Tragödie: Der italienische Regisseur Gianfranco Rosi zeigt in seinem preisgekrönten Werk „Seefeuer“ das Leben auf der Mittelmeer-Insel Lampedusa, die zu einem zentralen Ort der Flüchtlingsbewegung wurde. Rosi erzählt zwei parallele Geschichten.

Einerseits begleitet er den naseweisen jungendlichen Inselbewohner Samuele, andererseits die Marine bei ihren Rettungseinsätzen auf hoher See. Der Filmemacher schreckt nicht davor zurück, dem Publikum drastische Aufnahmen zu zeigen - und hat keine Angst vor dem Einsatz von Bildern von unerlaubter Schönheit.

Mehr dazu in „Mein Film ist nicht politisch“

Bayreuther „Siegfried“ heftig ausgebuht

Buhkonzert bei den Bayreuther Festspielen: Der „Siegfried“ in der umstrittenen Inszenierung von Frank Castorf ist gestern Abend von weiten Teilen des Publikums heftig ausgebuht worden. Der Intendant der Volksbühne Berlin verlegt die Sage des jungen Mannes, der keine Furcht kennt, einen Drachen tötet und die Liebe findet, vor der Kulisse eines kommunistischen Mount Rushmore - Marx, Lenin, Stalin und Mao überdimensional in Stein gemeißelt.

Die andere Seite der massiven Drehbühne (Aleksandar Denic) ziert der Berliner Alexanderplatz, auf dem Plastikkrokodile umherkrabbeln - Ideen, die in Bayreuth längst nicht allen gefielen. Genau das Gegenteil galt für die Sänger. Das gesamte Ensemble wurde gefeiert, Stefan Vinke als Siegfried, Catherine Foster als Brünnhilde und John Lundgren als wandernder Wotan sogar frenetisch.

Auch Dirigent Marek Janowski, der Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in diesem Jahr von Kirill Petrenko übernommen hat, erntete einen Jubelsturm. Heute macht der „Ring“ eine Pause und überlässt dem „Fliegenden Holländer“ die Bühne. Morgen gibt es dann das große „Ring“-Finale mit der „Götterdämmerung“. Danach wird sich voraussichtlich auch Regisseur Castorf dem Publikum zeigen.

Gericht lehnt 29 vermeintliche Prince-Erben ab

Ein Gericht im US-Bundesstaat Minnesota hat die Forderungen von 29 vermeintlichen Erben des im April gestorbene US-Popstars Prince zurückgewiesen. Unter anderem behaupteten fünf Kläger, der Musiker sei ihr Vater, wie aus den gestern veröffentlichten Gerichtsdokumenten hervorging. Stichhaltige Beweise für ihre Behauptung konnten sie nach Ansicht von Richter Kevin Eide aber nicht liefern.

Ansprüche von 13 mutmaßlichen entfernten Verwandten auf das Millionenerbe des „Purple Rain“-Sängers lehnte der Richter ebenfalls ab, da der Verstorbene eine Schwester und Halbgeschwister hat, die das Erbe antreten können. Auch elf weitere Antragsteller, welche die Identität von Princes Vater anzweifelten, konnten Richter Eide nicht überzeugen. Sie stellten sich entweder selbst als Vater des Musikers oder als Kinder von Princes eigentlichem Vater dar.

In anderen Fällen Gentests angeordnet

Der Popstar war am 21. April in seinem Anwesen Paisley Park an einer Überdosis eines Schmerzmittels gestorben. Er hinterließ kein Testament und hatte keine anerkannten Kinder. Daher soll sein mehr als 300 Millionen Dollar umfassendes Vermögen unter seiner Schwester Tyka Nelson und Princes fünf Halbgeschwistern aufgeteilt werden, die bereits einen Nachlassverwalter engagierten.

Eine Entscheidung über die Forderungen des wenig bekannten Rappers Carlin Williams steht unterdessen noch aus. Der wegen Waffenbesitzes inhaftierte Musiker hatte ausgesagt, seine Mutter habe 1976 in einem Hotelzimmer Sex mit Prince gehabt. In zwei weiteren Fällen ordnete das Gericht in Minneapolis-Saint Paul Gentests an. Die Untersuchungen betreffen Brianna Nelson, die nach eigenen Angaben die Tochter von Princes verstorbenem Halbbruder Duane Nelson ist, sowie Victoria Nelson, die mutmaßliche Tochter von Duane Nelsons Sohn, der ebenfalls schon tot ist.

Leute

Alice Schwarzer fände Oma sein „ganz nett“

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer wäre manchmal gerne Oma. „Manchmal denke ich, Großmutter sein wäre eigentlich ganz nett. Die Kinder kommen dann und wann zu Besuch, sind goldig, und man ist gelassen“, sagte die 73-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Das Großmutterdasein sei ein „Bombenposten“.

Es stimme sie aber nicht wehmütig, selbst keine Kinder zu haben. „Ich habe ja ein ziemlich aufregendes und sehr erfülltes Leben gehabt.“ Ihre Zeitschrift „Emma“ hätte es mit Kindern nicht geben. „Es wäre zeitlich gar nicht gegangen. Es gab ja Phasen, in denen ich in der Redaktion übernachtet habe.“

Mit Kindern habe sie trotzdem ständig zu tun, so Schwarzer: „Ich habe seit über 30 Jahren ein Haus auf dem Land. Und wenn ich da ankomme, fliegt schon die Türe auf und die Nachbarskinder stürmen rein.“