Ausland

Erstmals seit Waffenruhe Angriff auf Israel von Gaza aus

Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung vor drei Wochen ist Israel nach Armeeangaben aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Eine vom Gazastreifen abgefeuerte Mörsergranate sei in Südisrael eingeschlagen, teilte ein Armeevertreter gestern über Twitter mit. Die Hamas wies jede Beteiligung an dem Angriff zurück.

Israel hatte Anfang Juli eine großangelegte Militäroffensive gestartet, um dauerhaft den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Bei dem Einsatz wurden zahlreiche Munitionslager, Abschussrampen und Stellungen der Hamas und der Organisation Islamischer Dschihad zerstört, aber auch Hunderte unbeteiligte Zivilisten getötet.

Insgesamt wurden in dem Konflikt mehr als 2.140 Palästinenser getötet, auf israelischer Seite starben 67 Soldaten und sechs Zivilisten. Nach wochenlangen Verhandlungen kam am 26. August unter ägyptischer Vermittlung schließlich ein unbegrenzter Waffenstillstand zustande.

Ukraine und EU schlossen Assoziierungsabkommen

In einem historischen Schritt hat das ukrainische Parlament das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union angenommen sowie ein Gesetz zur Stärkung der Autonomie der abtrünnigen Regionen im Osten verabschiedet.

Praktisch gleichzeitig stimmte gestern auch das EU-Parlament für das Abkommen, das im Zentrum des Streits mit Russland steht. Moskau kündigte an, seine Militärpräsenz auf der annektierten ukrainischen Krim-Halbinsel zu verstärken.

Abkommen als Mitauslöser von Ukraine-Krise

Eigentlich hatte das Abkommen bereits Ende 2013 unterzeichnet werden sollen, doch stoppte der damalige ukrainische Staatschef Viktor Janukowitsch den Prozess und wandte sich stattdessen Russland zu.

Die Entscheidung löste heftige Proteste in Kiew aus, die im Februar zum Sturz Janukowitschs führten. Dieser wiederum führte zur Annexion der Krim durch Moskau und zum Aufstand prorussischer Separatisten im Osten des Landes.

Zunächst nur politischer Teil

Russland sieht das Assoziierungsabkommen extrem kritisch. Um den Bedenken Moskaus zu begegnen, wurde am Freitag zwischen der EU, der Ukraine und Russland vereinbart, zunächst nur den politischen Teil umzusetzen.

Das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der Ukraine und der EU wurde auf Ende 2015 verschoben. Das stieß in der Ukraine auf scharfe Kritik und brachte dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gar den Vorwurf des Verrats ein.

Sonderstatus für Regionen in Ostukraine

Das ukrainische Parlament nahm gestern neben dem Assoziierungsabkommen auch ein Gesetz für mehr Autonomie der abtrünnigen Regionen im Osten der Ukraine an sowie ein Amnestiegesetz für Kämpfer beider Seiten.

Das Autonomiegesetz sieht für den 7. Dezember Kommunalwahlen in Teilen der umkämpften Regionen Donezk und Lugansk vor. Zudem garantiert es den Gebrauch des Russischen in allen staatlichen Institutionen.

Gratulation aus USA

Die USA haben der Ukraine zum Partnerschaftsabkommen mit der EU gratuliert und dessen Ratifizierung als historischen Schritt bezeichnet. Die Kiewer Regierung sei damit dem Willen der Ukrainer gefolgt, teilte das Außenministerium in Washington gestern mit. Zugleich lobten die USA das Gesetz über den Sonderstatus für die Separatisten in der Ostukraine.

Die neu beschlossenen Selbstverwaltungsrechte seien ein weiteres Zeichen dafür, dass Kiew den seit Monaten andauernden Konflikt friedlich beilegen wolle. Poroschenko wird morgen in Washington erwartet, wo er im Kongress eine Rede halten und anschließend mit US-Präsident Barack Obama zusammentreffen soll.

Neuer UNO-Gesandter soll Zypern-Gespräche in Gang bringen

Die Gespräche zur Wiedervereinigung der seit 40 Jahren geteilten Mittelmeer-Insel Zypern werden heute in der Hauptstadt Nikosia fortgesetzt. Erstmals wird der neue Sondergesandte der Vereinten Nationen, der frühere norwegische Außenminister Espen Eide, daran teilnehmen.

Die Verhandlungen zwischen den Führern der griechischen und türkischen Zyprioten, Nikos Anastasiades und Dervis Eroglu, waren im Juli in eine Sackgasse geraten. Diplomaten erwarteten auch jetzt keine schnellen Ergebnisse.

Die Republik Zypern, die seit 2004 EU-Mitglied ist, strebt eine Föderation mit einer starken Bundesregierung an. Die türkischen Zyprioten wollen dagegen eine Konföderation zweier Staaten mit einer schwachen Zentralregierung.

Ebola: Weltbank hilft mit 105 Mio. Dollar

Die Weltbank hat eine Hilfszahlung von 105 Millionen Dollar (77 Mio. Euro) für die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten Westafrikas beschlossen. Die Hälfte des Geldes soll Liberia erhalten, wo bisher die meisten Infektionen verzeichnet wurden, wie die Weltbank gestern mitteilte.

Sierra Leone bekommt demnach 28 Millionen Dollar, Guinea 25 Millionen Dollar. Das Geld wird den Gesundheitsbehörden der drei Länder zur Verfügung gestellt sowie für zusätzliches medizinisches Fachpersonal und Nahrungsmittelhilfen für die Quarantänegebiete.

UNO fordert Milliarde im Kampf gegen Ebola

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich inzwischen knapp 5.000 Menschen mit dem Virus angesteckt, mehr als 2.460 Menschen überlebten die Infektion nicht. Die Vereinten Nationen forderten von der internationalen Gemeinschaft eine Milliarde Dollar (774,53 Mio. Euro) für den Kampf gegen Ebola - und damit doppelt so viel, wie sie noch Ende August für ihr Maßnahmenpaket veranschlagt hatten.

In den von der Epidemie betroffenen Regionen Westafrikas leben nach UNO-Schätzungen 22,3 Millionen Menschen. Mit der schlimmsten Ebola-Krise aller Zeiten wird sich morgen auch der UNO-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen.

USA entsenden 3.000 Soldaten

Die USA wollen rund 3.000 Soldaten zum Kampf gegen Ebola nach Westafrika entsenden. Das ist Teil eines Notfallplans von US-Präsident Barack Obama zur Eindämmung der tödlichen Seuche.

Die Soldaten sollen beim raschen Aufbau von 17 Behandlungszentren helfen. Parallel dazu sollen lokale Pflegekräfte im Umgang mit Ebola geschult werden. Die Kommandozentrale des US-Hilfseinsatzes soll in Liberias Hauptstadt Monrovia eingerichtet werden.

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Inland

Grünen-Kritik an Extremistengesetzen

Die Idee, österreichischen Dschihadisten die (Doppel-)Staatsbürgerschaft abzuerkennen, stößt beim grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz auf Kritik.

Das sei „Unsinn“ und die „dümmste Idee“ des gestern vorgestellten ÖVP-Pakets gegen islamistische Terrororganisationen, sagte er gestern bei der grünen Klubklausur auf dem Wiener Kahlenberg.

„Der Justizminister macht einen Vorschlag für etwas, das es nicht gibt“, so Pilz, denn Dschihadisten mit Doppelstaatsbürgerschaft seien dem Innenministerium gar nicht bekannt. Greifen würde eine solche Maßnahme nur, wenn sie auch auf einfache Staatsbürger angewandt würde. Das sei aber abzulehnen, dränge sie Menschen doch in die Staatenlosigkeit und in die Illegalität. Richtig wäre es hingegen, massiv auf Integration zu setzen, so Pilz.

Brandstetter: Pilz-Kritik an falsche Adresse

ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter reagierte „verwundert“ über Pilz’ Kritik. Sie sei alleine sachlich nicht nachvollziehbar, da diese Materie nicht in die Zuständigkeit des Justizressorts falle, erklärte er in einer Aussendung. Die ÖVP hatte tags zuvor betont, die ÖVP-Sicherheitsminister hätten die entsprechenden Gesetzespläne gemeinsam entworfen.

Sport

Champions League: Torreicher Auftakt für Real Madrid

In der Meisterschaft hat Real Madrid mit nur einem Sieg in drei Runden einen Stotterstart hingelegt, den Auftakt in die Champions League gestaltete der Titelverteidiger indes sehr überzeugend. Im Auftaktspiel warf das „königliche“ Starensemble die Tormaschine an und setzte sich gestern im Bernabeu-Stadion gegen den FC Basel mit 5:1 durch.

In der Parallelpartie in Gruppe B vermied Liverpool in letzter Sekunde eine Heimblamage gegen CL-Debütant Ludogorez Rasgrad. Für Vorjahresfinalist Atletico Madrid gab es hingegen bei Olympiakos Piräus eine böse Überraschung.

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Erste Liga: Schlusslicht Hartberg überrascht Liefering

Am vergangenen Freitag hat der FC Liefering in Mattersburg nach einem 0:3-Rückstand noch 6:3 gewonnen, gestern ist dem Red-Bull-Zweitclub eine solche Aufholjagd in der zehnten Runde der Ersten Liga nicht gelungen. Schlusslicht Hartberg feierte beim Tabellenführer aus Salzburg in Grödig einen 3:0-Sieg. Der LASK verteidigte mit einem 1:1 in Kapfenberg den zweiten Platz, auch das Verfolgerduell zwischen Wacker Innsbruck und Mattersburg sah keinen Sieger.

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Formel 1: FIA macht bei Boxenfunk Ernst

Beim Grand Prix von Singapur am Sonntag (14.00 Uhr MESZ) werden erstmals die vom Internationalen Automobilverband (FIA) angekündigten Einschränkungen im Boxenfunk zum Tragen kommen. Wenige Tage davor hat die FIA diese nun genauer ausgeführt.

So ist es ab nun etwa verboten, Informationen über den Spritverbrauch an den Fahrer weiterzugeben. Dieser darf auch keine technischen Fragen mehr an die Renningenieure stellen. Einige Punkte - etwa Angaben über Reifen- und Bremsentemperatur - treten erst ab dem übernächsten Rennen in Japan in Kraft.

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Wirtschaft

USA wollen Einsatz von Kältemittel FKW verringern

Die USA wollen den Einsatz des klimaschädlichen Kältemittels Fluorkohlenwasserstoff (FKW) einschränken. Eine Gruppe aus 22 US-Unternehmen habe sich verpflichtet, die Produktion und den Verbrauch des synthetischen Gases zu verringern, wie die US-Umweltbehörde EPA gestern in Washington mitteilte.

Darunter seien etwa die Getränkehersteller PepsiCo, Coca-Cola und Red Bull sowie die Supermarktkette Kroger und der Handelsriese Target. Auch der Kältetechnikhersteller Carrier, der Chemieriese DuPont und der Kältemittelproduzent Honeywell seien mit dabei.

Stärkerer Effekt als CO2

FKW wird in Klimaanlagen und Kühlschränken eingesetzt. Die chemische Industrie entwickelte FKW als Ersatz für die die Ozonschicht schädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Das Kühlmittel trägt jedoch einige tausend Male stärker zum Treibhausgaseffekt bei als Kohlendioxid und gilt mittlerweile als eine Hauptursache für den Ausstoß von Treibhausgasen und der daraus folgenden Erderwärmung.

Die Fortschritte beim Wiederaufbau der Ozonschicht wären ohne die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft unmöglich, teilte EPA-Direktorin Gina McCarthy mit. Die beschlossenen Verpflichtungen leisteten einen Beitrag ähnlich fast 15 Millionen Autos, die für zehn Jahre aus dem Verkehr gezogen würden. Ohne diese Maßnahmen könne sich der FKW-Ausstoß bis 2030 verdreifachen.

US-Staat Virginia verklagt Deutsche Bank

Die Deutsche Bank muss sich in den USA abermals wegen umstrittener Hypothekengeschäfte verantworten. Das größte deutsche Geldhaus ist eines von 13 Instituten, die der US-Bundesstaat Virginia gestern auf insgesamt 1,15 Milliarden Dollar (887 Mio. Euro) Schadenersatz verklagt hat.

Der zuständige Bundesanwalt Mark Herring wirft den Banken in einer Mitteilung vor, dem staatlichen Pensionsfonds 2004 faule Wertpapiere untergeschoben zu haben, die mit stark ausfallbedrohten Immobilienkrediten abgesichert gewesen sein sollen. Unter den angeklagten Banken befinden sich unter anderem auch Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und HSBC.

Hausarrest für Oligarchen wegen Geldwäscheverdachts

Russland hat den Direktoriumschef des Mischkonzerns Sistema wegen Geldwäscheverdachts unter Hausarrest gestellt. Es gebe Hinweise, dass Wladimir Jewtuschenkow an der nachträglichen Legalisierung von widerrechtlich angeeignetem Besitz beteiligt gewesen sei, teilten die Ermittler gestern mit. Dabei gehe es um Kauf von Anteilen an dem Ölkonzern Baschneft.

Das Unternehmen, zu dem auch Russlands größter Mobilfunkanbieter MTS gehört, wies die Vorwürfe als grundlos zurück. Es werde Jewtuschenkow mit allen rechtlichen Mitteln verteidigen. Der Hausarrest dürfte auch den seit langem gehegten Plänen für einen Baschneft-Börsengang in London einen Rückschlag versetzen.

Rosneft-Interesse an Baschneft

Sistema hatte Baschneft 2009 gekauft. Seitdem gehört das Unternehmen dank moderner Technologie zu den russischen Ölfirmen mit dem größten Produktionswachstum. Im Juni hatte die Zeitung „Vedomosti“ von einem Interesse des russischen Marktführers Rosneft, der vom Putin-Vertrauten Igor Setschin geleitet wird, an Baschneft berichtet.

Der Oligarch Jewtuschenkow ist laut der Liste der reichsten Russen des „Forbes“-Magazins mit einem Vermögen von rund neun Milliarden Dollar an 15. Stelle.

Kommunalkredit: Moody’s verlängert Prüffrist

Die US-Ratingagentur Moody’s verlängert die Frist für die Prüfung der staatlichen Kommunalkredit Austria (KA). Grund ist der geplante Teilverkauf des Finanzinstituts, den der Bund im August eingeleitet hat. Der Kommunalkredit droht eine Herabstufung ihres Ratings für langfristige Schulden und Einlagen, die derzeit mit „Ba1“ bewertet sind.

Durch die Verlängerung der Review-Phase erhofft sich Moody’s nach Angaben gestern Abend Klarheit über die Strategie eines künftigen KA-Eigners sowie über die ausstehenden Schulden - sollte der Teilverkauf gelingen.

Liebscher: Erfreuliche Anzahl an Interessenten

Für das Vorhaben ist vergangene Woche eine erste Runde abgeschlossen worden. Laut dem Chef der staatlichen Bankenbeteiligungsgesellschaft FIMBAG, Klaus Liebscher, hat sich eine „erfreuliche Anzahl von Interessenten aus dem In- und Ausland“ gemeldet. Die eingereichten Unterlagen werden nun bis Mitte Oktober gesichtet. Dann bekommen die potenziellen Käufer ausführliche Infos über die Kommunalkredit und tiefere Einblicke in die Bankunterlagen.

Überprüfung am 20. Juni gestartet

Moody’s hat die Überprüfung des Kommunalkredit-Ratings am 20. Juni gestartet. Grund war das - zwischenzeitlich beschlossene - umstrittene Hypo-Sondergesetz zum Schuldenschnitt bei der Kärntner Krisenbank Hypo Alpe-Adria, mit dem die landesgarantierten Nachranganleihen per Gesetz wertlos wurden. Just am selben Tag (20. Juni) verkündete die Kommunalkredit, alle Ratings von Moody’s - bis auf eines - von sich aus „zurückgelegt“ zu haben. Der Schritt diente wohl dazu, um schlechteren Ratings zu entgehen. Begründet hat die Bank ihren Schritt mit der sinkenden Bereitschaft der Republik Österreich, Banken zu unterstützen, welche die US-Agentur wähne.

Gestern teilte Moody’s mit, sich im Zuge ihrer verlängerten Prüfung besonders auf die künftige staatliche Unterstützung der Kommunalkredit zu fokussieren.

Die Kommunalkredit war in der Krise 2008 zusammengebrochen und musste vom Steuerzahler aufgefangen werden. Die nicht verkäuflichen Assets sollen jetzt in der staatlichen „Bad Bank“ KA Finanz landen.

AUA-Betriebsversammlung: 15 Flüge fallen aus

Der AUA-Betriebsrat informiert heute die Mitarbeiter über Auswirkungen des EuGH-Urteils zum Kollektivvertrag. Auch wenn Betriebsratsobmann Karl Minhard betont, er wolle den Flugbetrieb möglichst wenig stören, fallen am Vormittag 15 Flüge aus.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Air-France-Streik dauert an

Folgenschwerer gestaltet sich der massive Streik der Piloten von Air France. Auch heute werden rund 60 Prozent der Flüge gestrichen, teilte das Unternehmen mit. Auch Österreich ist betroffen. Vier von sechs Verbindungen von Wien nach Paris und wieder retour werden nach derzeitigem Stand gecancelt, hieß es beim Flughafen Wien.

Der Streik der Gewerkschaften gegen Sparpläne von Air France mit Transavia, dem Billigflieger der Franzosen, droht zum folgenschwersten bei Air France seit dem Jahr 1998 zu werden. Er könnte noch bis Anfang nächster Woche dauern.

Chronik

Anwalt in Kopenhagen im Gericht erschossen

Bei einem Familienstreit ist in einem Gericht in der Kopenhagener Innenstadt ein Anwalt erschossen worden. Sein Mandant - Vater eines Kleinkindes - wurde gestern lebensgefährlich verletzt. Der Großvater des Kindes soll die Schüsse nach Polizeiangaben mit einem abgesägten Jagdgewehr abgefeuert haben.

Wenige Minuten später nahmen die Beamten ihn in unmittelbarer Nähe zum Tatort in der dänischen Hauptstadt fest. Der 67-Jährige habe sich „ohne Dramatik“ ergeben, sagte der Leiter der Abteilung für Gewaltverbrechen bei der Kopenhagener Polizei. Bei dem Gerichtstermin sei es um das Besuchsrecht für das dreijährige Kind gegangen. Ursprünglich hatte die Mutter selbst kommen sollen, ihrem Vater aber eine Vollmacht ausgestellt.

Gesundheit

Mediziner: Alzheimer könnte übertragbar sein

Bei Alzheimer-Demenz und Parkinson können Neuromediziner ein Übertragungsrisiko bei bestimmten medizinischen Eingriffen nicht gänzlich ausschließen. Aus Tierversuchen gebe es Hinweise auf eine Übertragung der Krankheiten, sagte der Münchner Neuropathologe Armin Giese gestern bei der Eröffnung der Neurowoche in München.

Verklumpte Eiweiße aus dem Gehirn von Parkinson-Patienten seien Affen gespritzt worden, bei denen anschließend ähnliche Veränderungen im Gehirn beobachtet worden seien.

Keine Ansteckungsgefahr für Pfleger

Allerdings schränkte Giese ein: „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann.“ Mögliche Übertragungswege etwa bei Bluttransfusionen oder Hirnoperationen seien aber nicht vollständig geklärt.

Ausbreitung im Gehirn wie Infektion

Die Alzheimer-Demenz und Parkinson breiten sich im Gehirn offenbar wie eine Infektionskrankheit aus, wie Giese weiter berichtete. Die verklumpten Proteine lösen offensichtlich eine Kettenreaktion aus, die wie eine Lawine auf verschiedene Gehirnteile übergreift.

Die Neuromedizin befasse sich derzeit intensiv mit der Frage, wie diese Kettenreaktion gestoppt werden kann. „Wenn es gelänge, diese Prozesse aufzuhalten, könnte das ein wichtiger Schritt zur Behandlung dieser bisher unheilbar fortschreitenden Erkrankung sein.“

IT

Adobe wächst nach radikalem Umbau

Der Software-Anbieter Adobe liegt bei seinem Umstieg auf ein Abomodell voll im Plan. Im vergangenen Geschäftsquartal kamen gut 500.000 Kunden für die Cloud-Dienste hinzu, wie die Firma (Photoshop, Acrobat) nach US-Börsenschluss gestern mitteilte. Mit diesem Tempo würde Adobe exakt das Ziel erreichen, bis Ende November 3,3 Millionen Abokunden zu haben.

Mit etwas über einer Milliarde Dollar (774,53 Mio. Euro) Umsatz in dem Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal gab es erneut ein leichtes Wachstum. Im Vierteljahr davor war Adobe das erste Umsatzplus seit Beginn des Umbaus vor über eineinhalb Jahren gelungen.

Adobe verkauft seine Programme jetzt als Mietsoftware im Abonnement statt der früheren Einmalzahlung. Das soll für ein stabileres Geschäft sorgen. Zunächst hatte die Änderung aber starken Druck auf die Einnahmen zur Folge. Inzwischen kommen 63 Prozent der Erlöse aus den neuen Geschäftsmodellen. Nach höheren Kosten unter anderem für Marketing und Verwaltung sank der Quartalsgewinn im Jahresvergleich allerdings um 46 Prozent auf 44,7 Millionen Dollar.

Kultur

Schweizer Schriftsteller Jürg Schubiger gestorben

Der Zürcher Autor und Psychologe Jürg Schubiger ist tot. Er starb Montagabend nach langer Krankheit, wie seine Frau Renate Bänninger Schubiger mitteilte. Er wäre im Oktober 78 Jahre alt geworden.

Schubiger war 2008 der erste Schweizer Schriftsteller, der den Hans-Christian-Andersen-Preis erhielt. Die Auszeichnung gilt als „Nobelpreis“ der Kinder- und Jugendliteratur.

Der Autor wurde am 14. Oktober 1936 in Zürich geboren und wuchs als Sohn eines Verlegers auf. Nach einer abgebrochenen Lehre und Gelegenheitsjobs als Gärtner, Holzarbeiter und Maurer studierte er Germanistik, Psychologie und Philosophie.

Nachwuchsfilmpreis an österreichischen Film „Musik“

Bereits bei der Diagonale hat der Film überzeugt - jetzt hat er den renommierten deutschen Filmnachwuchspreis „First Steps Award“ in der Kategorie „Bester Film bis 60 Minuten“ gewonnen. Der Film wurde am Montagabend vor 1.700 Gästen in Berlin ausgezeichnet und vom Publikum begeistert aufgenommen.

Es geht in dem Streifen um einen korrupten Beamten, der nur raus will – aus Job, Routine und Abwärtsspirale. Er möchte etwas ganz anderes - so etwas wie Musik. Der Film ist, wie es vonseiten der Preisverleiher heißt, eine „heiter-tragische Gratwanderung zwischen Absurdität und Realismus eines liebenswerten Realitätsverweigerers, der ausgerechnet in der pubertierenden Freundin seiner Tochter eine glühende Bewunderin findet“.

Für Buch und Regie zeichnete Stefan Bohun verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist auch die schauspielerische Leistung von David Oberkogler in der Hauptrolle des Andreas. Er verkörpert den Verlierer, der auf eine typisch österreichische Weise „irgendwie mehr will“, glaubwürdig und packend. Auch Pia Sekerlioglu (Michaela), Anna Suk (Verena) und Lilo Hohenberger (Tamara) überzeugen als gleichzeitig rebellische und zu Tode gelangweilte Teenager.

Science

Walfangkommission gibt Schutzmonopol auf

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat ihr Schutzmonopol für Wale und Delfine aufgegeben. In Zukunft sollen auch andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen sich mit diesem Schutz beschäftigen dürfen, beschloss die IWC-Konferenz gestern im slowenischen Portoroz.

Tierschützer lobten den von Monaco vorgeschlagenen Beschluss, weil damit besonders Kleinwale besser geschützt werden könnten. Denn die IWC habe sich bisher nur mit 17 Großwalarten beschäftigt, während weltweit 81 Wal- und Delfinarten existierten. Die alle zwei Jahre organisierte Vollversammlung der IWC, der fast 90 Staaten angehören, dauert noch bis morgen.

Hauptstreitpunkt ist die Ankündigung Japans, den Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken wieder aufzunehmen. Neuseeland hatte einen Antrag dagegen eingebracht. Damit soll erreicht werden, dass ein vor sechs Monaten gefälltes Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag umgesetzt wird, das ein ähnliches japanisches Programm für illegal erklärt hatte.