Ausland

Erdogan will Flüchtlingsdeal mit EU auf Prüfstand stellen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Beziehungen zur EU und dabei auch das Flüchtlingsabkommen auf den Prüfstand stellen.

Nach dem türkischen Referendum über mehr Machtbefugnisse für den Präsidenten am 16. April werde alles „von A bis Z“ auf den Tisch kommen, sagte er heute dem Sender CNN Türk. Die Wirtschaftsbeziehungen zur EU könnten bestehen bleiben. Aber Verbindungen auf politischer Ebene und im Verwaltungsbereich würden überprüft.

Wieder Vorwürfe gegen Deutschland

Erdogan dementierte Medienberichte, wonach er noch vor dem Referendum nach Deutschland reisen wolle. Das habe er nicht vor. Er warf Deutschland erneut vor, Terrorismus zu unterstützen. Seinen Ton will der türkische Präsident nicht mäßigen. „Ihr sollt die Freiheit haben, Erdogan einen Diktator zu nennen, aber Erdogan soll nicht die Freiheit haben, Euch Faschist oder Nazi zu nennen?“, sagte er in dem Liveinterview mit CNN Türk und Kanal D in Ankara.

Der seit Wochen anhaltende Streit um Auftritte türkischer Politiker in europäischen Ländern, bei denen diese um Unterstützung für das Referendum werben wollten, hat die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei schwer belastet. Erdogan hatte insbesondere Deutschland und die Niederlande mit Nazi-Vergleichen heftig kritisiert, nachdem dort Auftritte abgesagt oder verboten worden waren.

Flüchtlingsboote gekentert: 250 Tote vor Libyen befürchtet

Nach dem Auffinden zweier gekenterter Schlauchboote vor der libyschen Küste befürchtet die spanische Hilfsorganisation Pro-Activa Open Arms den Tod von etwa 250 Flüchtlingen aus Afrika. In der Nähe der Boote seien fünf Leichen aus dem Mittelmeer gezogen worden, sagte Laura Lanuza, eine Sprecherin der Organisation, heute.

Die Boote wurden rund 15 Meilen vor der Küste gefunden. „Wir glauben nicht, dass es eine andere Erklärung geben kann, als dass diese Schlauchboote voller Menschen waren“, sagte Lanuza. Üblicherweise würden auf diesem Bootstyp jeweils 120 bis 140 Migranten transportiert. Bei dem Versuch, von Afrika nach Italien überzusetzen, verloren bereits Tausende Flüchtlinge ihr Leben.

Präsident fürchtet „Unruhen“: Festnahmen in Weißrussland

Bei einer Festnahmewelle in Weißrussland sind nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens 26 Menschen in Gewahrsam genommen worden. Die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko befürchte „massive Unruhen“, die bei Demonstrationen am Wochenende ihren Höhepunkt finden könnten, hieß es.

Der staatliche Fernsehsender STV berichtete unter Berufung auf den Geheimdienst KGB, die jüngsten Festnahmen seien im Verlauf der Woche bei Razzien erfolgt, mit denen „Unruhen“ verhindert werden sollten. Zu den Festgenommenen zählt der Oppositionelle Smizer Daschkewitsch, der 2013 nach zweieinhalb Jahren Haft freigelassen worden war. Die damalige Haftstrafe wurde gegen ihn verhängt, weil er 2011 an einer Demonstration gegen die Wiederwahl Lukaschenkos teilgenommen hatte.

Lukaschenko will von Bewaffneten wissen

Lukaschenko hatte zu Wochenbeginn erklärt, Dutzende Menschen trainierten in Ausbildungslagern in Weißrussland und im Ausland zur Vorbereitung „bewaffneter Provokationen“. In den vergangenen Wochen waren Tausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen.

Sondersteuer gegen „Sozialparasitentum“

Sie protestierten gegen eine Sondersteuer für „Wenigarbeiter“ und forderten den Rücktritt Lukaschenkos, der das Land seit 1994 mit harter Hand regiert.

Lukaschenko hatte per Dekret verfügt, dass Menschen, die weniger als sechs Monate im Jahr arbeiten, eine Steuer von umgerechnet 189 Euro zahlen müssen. Damit solle „Sozialparasitentum“ verhindert werden, erklärte er. Angesichts der Proteste setzte er das Dekret vorläufig wieder außer Kraft.

USA vermuten WikiLeaks-Informanten im CIA-Umfeld

US-Strafverfolger suchen einem Insider zufolge beim US-Auslandsgeheimdienst CIA nach Informanten der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Dazu würden bestehende Ermittlungen in Sachen WikiLeaks ausgeweitet, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person laut Reuters.

Es gehe darum, herauszufinden, wer Informationen über Abhör- und Überwachungstechniken der CIA an WikiLeaks weitergegeben habe. Das US-Justizministerium wollte sich dazu ebenso wenig äußern wie die CIA, die die Echtheit der veröffentlichten Dokumente bisher nicht bestätigt hat. Dem „Wall Street Journal“ zufolge konzentriert sich die Suche nach dem Leck auf einen ehemaligen CIA-Vertragspartner.

Anleitungen für Hackerangriffe

WikiLeaks veröffentlichte zuletzt über 8.700 Dokumente, die aus dem CIA-Zentrum für Cyberaufklärung in Langley bei Washington stammen und über die Computer- und Internetspionage des US-Geheimdiensts Auskunft geben sollen. Die von WikiLeaks „Vault 7“ getaufte Datensammlung soll Dokumente aus den Jahren 2013 bis 2016 enthalten.

Den veröffentlichten Dokumenten zufolge, soll eine CIA-Hackertruppe auch im US-Konsulat in Frankfurt am Main sitzen. Das Konsulat diene als heimliche Basis für Spähaktionen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Die Mitarbeiter der „Hackerbasis“ seien den Angaben zufolge mit Diplomatenpässen ausgestattet.

Aus den Dokumenten geht laut WikiLeaks hervor, dass die CIA Schadsoftware zur Cyberspionage einsetzt. Damit greifen die US-Regierungshacker demnach etwa iPhones von Apple, Android-Geräte von Google, Software von Microsoft oder sogar Samsung-Fernseher an, um diese als Wanzen zu nutzen.

Explosion in Mossul: Laut Berichten über hundert Tote

Bei einer Explosion während der Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen der nordirakischen Großstadt Mossul sind mehreren Berichten zufolge mehr als hundert Zivilisten getötet worden.

Ein irakischer General sagte heute, unter Gebäudetrümmern im Viertel al-Dschadida seien 108 Leichen geborgen worden, darunter Frauen und Kinder. Ein Aktivist mit dem Decknamen „Mosul Eye“ meldete 130 Tote. Der kurdische TV-Sender Rudaw sprach sogar von 230 Opfern.

Mossul ist die letzte IS-Hochburg im Irak. Die Offensive auf die Stadt hatte im vergangenen Oktober begonnen. Im Jänner konnten die irakischen Sicherheitskräfte den Osten der einstigen Millionenmetropole einnehmen. Seit Februar läuft der Angriff auf den Westen der Stadt, der in vielen Teilen dicht bewohnt ist.

EU erwartet Einigung mit Griechen vor Rom-Gipfel

Nach Gesprächen auf Chefebene steigt die Hoffnung auf eine rechtzeitige Beilegung des Streits mit Griechenland über die EU-Erklärung von Rom. EU-Ratspräsident Donald Tusk und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sowie deren Berater hätten das Problem am Telefon erörtert, sagte ein EU-Vertreter heute der Nachrichtenagentur Reuters.

Deshalb sei man „relativ beruhigt“, dass Tsipras die Erklärung am Samstag anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge mit unterzeichne. Zuvor hatte es von EU-Diplomaten in Brüssel und Regierungsvertretern in Athen geheißen, dass die griechischen Vorbehalte noch nicht ausgeräumt seien. Die polnische Regierung blockiert die Erklärung laut Diplomaten dagegen nicht.

Streit über Reformen

Der Streit drohte das Jubiläum zu den Römischen Verträgen zu überschatten, die den Grundstein für die heutige EU gelegt haben. Die 27 EU-Staaten wollen in Rom ein Zeichen der Geschlossenheit nach der britischen Entscheidung zum Austritt aus der Gemeinschaft senden. Diplomaten zufolge wollte Griechenland die Rom-Erklärung erst dann absegnen, wenn es Zugeständnisse im anhaltenden Streit über Reformauflagen der internationalen Geldgeber erhalten hat.

Griechenland und die Institutionen von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB), Euro-Rettungsschirm ESM und Internationalem Währungsfonds (IWF) ringen derzeit um die Umsetzung einzelner Reformen. Die griechische Regierung will das Verbot von Massenentlassungen unangetastet lassen und zugleich Änderungen der Vorgängerregierung an Tarifverhandlungen rückgängig machen. Eine Vereinbarung über ein Reformpaket ist Voraussetzung dafür, dass die Euro-Gruppe dem schuldengeplagten Griechenland frisches Geld aus dem bis zu 86 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm überweist.

Dutzende Anwälte in Türkei festgenommen

Die Staatsanwaltschaft in Istanbul hat 35 Anwälte festnehmen lassen. Insgesamt wurde ein Haftbefehl gegen 80 Anwälte erlassen, wie der Fernsehsender CNN Türk heute berichtete.

Den Beschuldigten werde vorgeworfen, Verbindungen zu der Organisation von Fethullah Gülen zu haben. Die AKP-Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülens Bewegung wird in der Türkei als Terrororganisation eingestuft.

Nach dem Putschversuch hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan „Säuberungen“ im Staatsapparat angekündigt. Zehntausende Menschen haben seither ihren Job verloren oder wurden verhaftet.

EU bestellt türkischen Botschafter ein

Der Auswärtige Dienst der Europäischen Union bestellte unterdessen wegen Drohungen Erdogans den türkischen EU-Botschafter ein. Man hätte gerne Erklärungen für die Worte von Erdogan, sagte eine Sprecherin in Brüssel.

Erdogan hatte am Vortag gesagt: „Wenn ihr euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer, kein einziger Westler auch nur irgendwo auf der Welt sicher und beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen können.“

Inland

Innenministerium: Spekulationen über personelle Rochaden

Im Innenministerium zeichnen sich personelle Veränderungen ab. Bei den befristet besetzten Landespolizeidirektoren stehen zum Teil Neubesetzungen an. Interessant wird es vor allem in Niederösterreich, berichtet das Ö1-Morgenjournal vorab. Als Geheimfavorit für den Posten des Landespolizeidirektors gilt einer der höchstrangigen Beamten des Innenministeriums: der jetzige Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit Konrad Kogler. Er soll auf Franz Prucher folgen, der in Pension geht.

In Niederösterreich heißt es laut Ö1, es gebe drei Kandidaten: Pruchers Stellvertreter Franz Popp, Cobra-Chef Bernhard Treibenreif und eben Kogler. Die Besetzung des Landespolizeidirektors muss im Einvernehmen mit dem Landeshauptmann oder mit der Landeshauptfrau erfolgen: Kogler galt als enger Vertrauter der früheren Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die am Samstag die Nachfolge von Erwin Pröll antritt.

Ministerium dementiert

Das Innenministerium will die Rochaden nicht bestätigen: Pucher habe noch keine Erklärung über seinen Ruhestand vorgelegt, sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck auf APA-Anfrage. „Damit ist aktuell auch noch keine Grundlage für all diese Gerüchte gegeben.“ Unabhängig davon wäre ein Besetzungsverfahren erst nach Freiwerden einer Planstelle mit einer entsprechend öffentlichen Ausschreibung und einem darauf folgenden Vergabeverfahren möglich, meinte Grundböck.

Auch andere Posten offen

Auch der „Kurier“ berichtet, dass Kogler sich als aussichtsreichster Kandidat herauskristallisiert habe. Das wäre allerdings sehr ungewöhnlich, da es sich um einen Karriererückschritt handeln würde. Als möglicher Nachfolger in der Generaldirektion ist laut Ö1 der derzeitige Tiroler Landespolizeichef Helmut Tomac im Gespräch, der sich dazu noch nicht äußern wollte.

In der Steiermark ist der Abgang von Landespolizeidirektor Josef Klamminger fix, wie er selbst bestätigt. In Oberösterreich wird der amtierende Landespolizeichef Andreas Pilsl höchstwahrscheinlich verlängert.

Umsiedlung: Sobotka weist Kritik von Doskozil zurück

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat die Kritik von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) an Österreichs Teilnahme am EU-Umsiedlungsprogramm zurückgewiesen.

Sein Büro verwies darauf, dass der entsprechende Beschluss von den Innenministern der EU im Jahr 2015, also noch vor seiner Amtszeit, getroffen worden sei. Beschlüsse seien aber ungeachtet dessen eben dazu da, sich an diese zu halten.

Zudem hieß es aus dem Ministerbüro, dass auch Kanzler Christian Kern (SPÖ) im Vorjahr dreimal im Rahmen des europäischen Rats für das Programm gestimmt habe. Ohnehin gehe es bei dem Umsiedlungsprogramm nur um Personen mit sehr hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit, dabei oft um Kinder.

Doskozil gegen „legalen Weg für Asylwerber“

Doskozil hatte zuvor kritisiert, dass Österreich Flüchtlinge aus Italien aufehmen werde. „Ich bin derzeit dagegen, dass wir diesen legalen Weg für Asylwerber öffnen“, sagte der Verteidigungsminister. Solange die „unkontrollierte Zuwanderung“ weiter existiere, komme das nicht infrage.

Österreich zählt neben Ungarn und Polen zu den Staaten, die Italien und Griechenland bisher keine Flüchtlinge abgenommen haben.

Tamponsteuer: Debatte erreicht Österreich

Die Besteuerung von Damenhygieneprodukten wie Tampons und Binden wird seit Jahren weltweit diskutiert. Jetzt hat die Debatte auch Österreich erreicht. In einer Social-Media-Kampagne argumentiert die Plattform #aufstehn, dass Tampons in Österreich mit 20 Prozent derzeit genauso hoch besteuert werden wie Champagner und fordert Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP) auf, die Mehrwertsteuer auf den üblichen Satz für Produkte des täglichen Bedarfs zu senken.

„Während Frauen und Männer selbst entscheiden können, ob sie sich ein Glas Champagner leisten, haben Frauen bei ihrer Periode keine Wahl“, heißt es in der #aufstehn-Onlinepetition, die bis Donnerstag Nachmittag 4.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fand.

Tampons

APA/AFP/Loic Venance

Antrag der Grünen in Vorbereitung

Laut Informationen der „Presse“ hat die Grünen-Abgeordnete Berivan Aslan bereits einen Antrag zur Steuersenkung vorbereitet, der in den nächsten Wochen im Finanzausschuss eingebracht werden soll.

In anderen europäischen Ländern wurde die Steuer auf Tampons nach den Protesten schon herabgesetzt: In Frankreich von 20 auf 5,5 Prozent, in England auf fünf Prozent.

Laut Angaben des österreichischen Start-ups Erdbeerwoche, das Informationen rund um nachhaltige Frauenhygiene bietet und diese auch online vertreibt, gibt eine österreichische Frau in ihrem Leben zwischen 2.500 und 4.000 Euro für Damenhygieneprodukte aus, die für viele Frauen notwendigen Schmerzmittel nicht eingerechnet.

Wirtschaft

Merkel verteidigt Diesel-Autos als umweltfreundlich

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hat Dieselautos ausdrücklich als umweltfreundlich verteidigt. „Ich finde es perfide von den Grünen und zum Teil auch den Sozialdemokraten, dass jetzt so getan wird - weil ein Unternehmen sich nicht an die Regeln gehalten hat -, als wäre all das, was wir den Menschen gesagt haben, falsch“, sagte die CDU-Vorsitzende bei einer Wahlveranstaltung heute.

„Das ist nicht falsch“, sagte Merkel zu früheren Empfehlungen, dass man Dieselfahrzeuge wegen des geringeren Kohlendioxid-Ausstoßes als umweltfreundliche Alternative kaufen könne. Natürlich werde sich die Automobilproduktion ändern. „Aber für den Klimaschutz ist das Dieselauto heute genauso ein gutes Auto wie es das gestern und vorgestern war.“

Seit dem VW-Skandal mit manipulierten Abgaswerten ist der Absatz von Dieselfahrzeugen eingebrochen. Dazu gibt es in einigen Städten eine Debatte über Fahrverbote für Dieselautos. Das Kraftfahrtbundesamt hatte Anfang März mitgeteilt, dass der Dieselanteil im Februar bei neu zugelassenen Fahrzeugen um 3,8 Prozentpunkte auf 43,4 Prozent zurückgegangen war. Im Saarland finden am Sonntag Landtagswahlen statt.

Überraschend großer Andrang auf letzte EZB-Geldspritze

Banken im Euro-Raum haben eine vorerst letzte Gelegenheit, sich mit extrem günstigen Langfristkrediten zu versorgen, stark genutzt. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) heute mitteilte, erhielten die 474 interessierten Geldhäuser insgesamt 233,5 Mrd. Euro an EZB-Krediten.

Das liegt deutlich über den Markterwartungen von im Mittel 110 Mrd. Euro. Die Spanne der von Analysten erwarteten Summen war allerdings sehr groß.

Die jetzige Kreditrunde ist die mit Abstand größte seit Beginn des Programms im September 2014. Zeitweise war das Interesse der Banken an den Geldspritzen so gering, dass die Zuteilung sehr klein wurde.

24,4 Mrd. allein an UniCredit

Zur Verteilung der Kreditsumme auf die einzelnen Banken teilte die EZB wie üblich nichts mit. Allerdings gab die italienische Großbank UniCredit bekannt, dass sie alleine 24,4 Mrd. Euro, also mehr als zehn Prozent der insgesamt nachgefragten Kreditsumme, in Anspruch genommen habe.

15,5 Mrd. Euro erhalte die italienische Niederlassung, der Rest verteile sich auf die Niederlassungen in Deutschland, Österreich und Osteuropa.

Straffere Geldpolitik erwartet

Die jüngste Kreditrunde wurde unter Fachleuten mit Spannung erwartet. Denn nach einer weiteren geldpolitischen Lockerung durch die EZB sieht es zurzeit nicht aus. Im Gegenteil: Es mehren sich Stimmen unter den Notenbankern, die auf eine perspektivisch straffere Geldpolitik schließen lassen.

Deshalb dürften viele Banken die Langfristkredite als letzte Gelegenheit angesehen haben, sich für einen langen Zeitraum billiges Zentralbankgeld zu besorgen.

EU will Gebühren für Auslandsüberweisungen senken

Die EU-Kommission will Banken dazu verpflichten, die Gebühren für grenzüberschreitende Überweisungen in Nicht-Euro-Länder zu senken.

Für Verbraucher ungünstige „Gebührenpraktiken“ sollen abgeschafft werden, heißt es in einem „Aktionsplan zu Finanzdienstleistungen für Verbraucher“, den die EU-Kommission heute in Brüssel vorstellte.

Beispiele aus Osteuropa

In dem Papier sind zahlreiche Maßnahmen vorgesehen, die Verbrauchern die Nutzung von Finanzdienstleistungen in der EU erleichtern sollen. Teilweise würden bei Auslandsüberweisungen hohe Gebühren fällig, heißt es darin.

Banken in Rumänien und Bulgarien - beide Länder gehören nicht der Währungsgemeinschaft an - könnten zwischen 15 und 30 Euro Gebühren für eine grenzüberschreitende Überweisung im Wert von 100 Euro erheben. Diese Kosten müssten sinken, so die Kommission.

Euro-Überweisungen an Inlandsüberweisungen gebunden

Die Kosten für grenzüberschreitende Euro-Überweisungen sind bereits gesetzlich gedeckelt: Sie dürfen nicht mehr kosten als Inlandsüberweisungen. In Schweden, das den Euro noch nicht eingeführt hat, gilt derselbe Gebührensatz wie für Inlandsüberweisungen, ob in Euro oder in Kronen. Die Kommission will einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen - ein konkretes Datum nannte sie aber nicht.

Der Aktionsplan sieht zudem vor, die Wechselgebühren etwa von Onlineshops und Hotels transparenter zu machen. Die erhobenen Gebühren fallen oft höher aus als bei einer Abhebung in der Fremdwährung mit der Bankkarte. Einen echten Wettbewerb gebe es in der Branche nicht, bemängelte die EU-Behörde, da Verbrauchern die nötigen Informationen fehlten.

ZIB2

Autorin Erdogan über die Türkei und Präsident Erdogan

Die Schriftstellerin Asli Erdogan darf die Türkei nicht verlassen, ihr wird „Terrorpropaganda“ vorgeworfen. In der ZIB2 ein Schaltgespräch mit Asli Erdogan.

Nach dem Terroralarm ist vor dem Terroralarm

Die Terrormiliz Islamischer Staat bekennt sich zum Anschlag in London. Und in Belgien dürfte heute ein Attentat verhindert worden sein.

Die Bildungsministerin, Förderungen und Pleitefirmen

Die ZIB2 spricht mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) über ihre Tätigkeit bei der staatlichen Förderbank aws, über Förderkredite und Ermittlungen gegen sie.

Malaysias und Nordkoreas ambivalentes Verhältnis

Wirtschaftlich eng verbunden und doch ganz unterschiedlich. Nach dem Mord am Halbbruder von Nordkoreas Führer Kim Jong Un ist es noch schwieriger.

ZIB2 mit Tarek Leitner, 22.00 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Sport

Skifliegen: „Cooles“ Duell mit verdeckten Karten

Stefan Kraft kämpft beim Skifliegen in Planica von morgen bis Sonntag um seine erste Kristallkugel. Der Doppelweltmeister und Weltrekordler hat im Weltcup der Skispringer vor den letzten zwei Einzel-Bewerben 31 Punkte Vorsprung auf Kamil Stoch.

„Es wird auf jeden Fall sehr spannend, und ich freue mich sehr auf einen coolen Abschluss“, sagte Kraft, der ein „Duell auf Augenhöhe“ mit dem Polen erwartet. Heute hielten die beiden Rivalen ihre Karten noch verdeckt und verzichteten auf die Qualifikation.

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Formel 1: Mercedes droht Luxusproblem

Lewis Hamilton geht als Favorit in die am Sonntag mit dem Grand Prix von Australien (7.00 Uhr MESZ, live in ORF eins) beginnende Formel-1-Saison. Daher könnte man bei Mercedes den Dingen eigentlich recht entspannt entgegensehen. Doch die klare Nummer-eins-Position, die Hamilton nach dem Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg bei den Silberpfeilen innehat, könnte auch zu Problemen führen. Denn bei Mercedes stand bisher immer das Team an erster Stelle.

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Motorrad: KTM in MotoGP vor Lernprozess

Der österreichische Motorradhersteller KTM ist bei der Straßen-WM heuer erstmals in allen drei Klassen mit eigenem Werksteam am Start. In der MotoGP steht man vor einem langen Lernprozess.

„Wir sind Neulinge in dieser Klasse, es wird seine Zeit brauchen“, sagte Berater Heinz Kinigadner vor dem Saisonstart. WM-Punkte sind das Ziel für 2017. Später sollen auch Siege und der WM-Titel folgen. In vielen Bereichen geht das Unternehmen dabei eigene Wege.

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Chronik

Gesundheit

Kultur

Selfies mit Maos „Leichnam“

Der chinesische Ableger der Art Basel in Hongkong lockt derzeit mit einer makabren Attraktion: Besucherinnen und Besucher können vor einem Glassarkophag Selfies mit einer Nachbildung des toten Mao Zedong machen.

Die Wachskopie des Leichnams sieht täuschend echt aus und ist Teil der Installation „Summit“ des chinesischen Künstlers Shen Shaomin. Neben Mao sind auf der Kunstmesse auch die „Leichen“ anderer kommunistischer Staatsmänner aufgebahrt: Ho Chi Minh, Kim Il Sung, Fidel Castro und Wladimir Iljitsch Lenin.

Wachsfigur

APA/AFP/Anthony Wallace

Die toten Kommunisten stellen auch einen Kommentar zum Kunstmarkt in China dar: Die 242 an der Art Basel Hongkong teilnehmenden internationalen Galerien hatten sich im Vorfeld besorgt über zunehmende Finanzkontrollen der chinesischen Regierung gezeigt.

China ist derzeit der drittgrößte Kunstmarkt der Welt. Im letzten Jahr setzte die Regierung allerdings Maßnahmen, die den Chinesen Fremdwährungsgeschäfte - wie große Kunstkäufe - erschweren, wie die „New York Times“ berichtet. Ziel ist, Chinas eigene Währung, den Renminbi, zu stärken: Mao und Lenin dürften sich angesichts der Preise, die chinesische Sammler für westliche Kunst hinlegen, im Grabe umdrehen. Aber die liegen in Hongkong ja nun steif und wächsern unter Glas.

Medien

Trotz Serien-Aus: Reality-TV-Kandidaten blieben isoliert

Nach einem Jahr in völliger Isolation in Schottland sind die Kandidaten einer britischen Reality-TV-Serie nun in die Zivilisation zurückgekehrt. Nun mussten sie nicht nur von „Brexit“ und US-Präsident Donald Trump erfahren, sondern auch, dass ihre Sendung bereits vor Monaten eingestellt worden ist, berichten britische Medien.

Die 23 Kandidaten waren im Vorjahr auf der Halbinsel Ardnamurchan im Westen Schottlands ausgesetzt worden. Vier Folgen der Serie „Eden“ strahlte der Sender im Sommer des Vorjahres aus. Nach fallenden Einschaltquoten wurde die Ausstrahlung ausgesetzt, auch die begleitenden Social-Media-Kanäle wurden nicht mehr bespielt. Die Kandidaten wurden darüber allerdings nicht in Kenntnis gesetzt.

Sender: Wird noch ausgestrahlt

Die Show sei ein „richtiges Experiment“ gewesen, heißt es von Channel 4. Mit Beginn der Dreharbeiten habe man nicht gewusst, was das Ergebnis sein würde. Der Sender verlautete zudem, man wolle weitere Folgen im Laufe des Jahres ausstrahlen.

Kandidaten haben sich bisher nicht zu Wort gemeldet, immerhin sollen aber 13 schon im Laufe des Jahres aus dem Experiment ausgestiegen sein. Anrainer berichten zudem, so richtig isoliert seien die Kandidaten nicht gewesen: Einige hätten Essen und Alkohol in ihr Wohngebiet geschmuggelt. Einer sei bei einem Zahnarzt gesehen worden, nachdem er beim Verzehr von als Hühnerfutter gedachten Körnern gröbere Probleme bekommen hatte.

Science

Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdansk eröffnet

Nach monatelangem Streit mit Polens nationalkonservativer Regierung ist das Museum des Zweiten Weltkriegs heute in Gdansk (Danzig) eröffnet worden. Die Hauptausstellung des Hauses zeige die Besonderheiten der polnischen Erfahrung während des Krieges und schreibe sie in den europäischen und weltlichen Kontext ein, sagte Gründungsdirektor Pawel Machcewicz bei der Eröffnungsfeier.

Ausstellungsraum im Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdansk

AP/Czarek Sokolowski

„Wir bemühen uns so, ein möglichst vollständiges Bild des Krieges zu zeigen“, sagte Machcewicz bei dem Festakt in der nordpolnischen Hafenstadt, bei dem auch Kriegsveteranen anwesend waren.

Polens nationalkonservative Regierung hatte das von ihren Vorgängern vor rund acht Jahren ins Leben gerufene Projekt mehrfach kritisiert. Die polnische Perspektive werde in der Ausstellung zu wenig betont, bemängelten Warschauer Kulturpolitiker und trieben eine Übernahme der Einrichtung voran. Die in diesem Zusammenhang von der Regierungspartei PiS angestrebte Zusammenlegung des Hauses mit dem Westerplatte-Museum ist Inhalt eines laufenden Gerichtsverfahrens.

Lifestyle