Ausland

Bewohner von Ain al-Arab befürchten Massaker durch IS

Bewohner der kurdischen Stadt Ain al-Arab (kurdisch: Kobane) im Norden Syriens befürchten bei einer Eroberung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Massaker. Die Zahl der Luftangriffe in der Region sei zu gering und die Luftschläge seien zu weit weg von der Front, beklagen Augenzeugen, wie der US-Fernsehsender CNN in der Nacht auf heute berichtete.

„Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge“, sagte Idriss Nassan aus Kobane. Wenn es so bleibt, „werden wir ein Massaker sehen“. Er könne sich nicht vorstellen, was geschehen werde, wenn die Terrormiliz in Kobane einmarschiert.

Türkei verlegt Panzer an Grenze

Die Türkei weigerte sich über lange Zeit, die internationale Koalition gegen IS zu unterstützen. Doch da die Dschihadistenmiliz zunehmend an die Grenze heranrückt und den kurdischen Kämpfern in Syrien offenbar überlegen ist, leitete Präsident Recep Tayyip Erdogan einen Kurswechsel ein - nicht zuletzt auf Druck des Anti-IS-Bündnisses rund um die USA.

Auf den Einschlag von Mörsergranaten aus Syrien hin wurden gestern Panzer in die türkische Grenzstadt Mürsitpinar verlegt - die Rohre in Richtung Syrien gerichtet.

Mehr dazu in „Wir können uns nicht raushalten"

UNESCO prangert „Kulturelle Säuberung“ an

Die UNESCO prangerte unterdessen die Zerstörung von Kulturgütern in den von IS kontrollierten Gebieten im Irak an. Die Chefin der UNO-Organisation, Irina Bokowa, sprach gestern bei einem Expertentreffen in Paris von einer „kulturellen Säuberung“ durch die Islamisten.

Die Extremisten hätten Schreine, Kirchen und wertvolle Manuskripte in Mossul, Tikrit und anderen Städten und Regionen zerstört. Der IS vertritt eine radikal-sunnitische Islamauslegung. Die Verehrung von Monumenten wie Schreinen ist nach der Auffassung der Extremisten Götzendienst, ihre Zerstörung aus Sicht der Dschihadisten daher legitim. Im Juli sprengten IS-Kämpfer in Mossul den Schrein Nabi Yunus, der von Muslimen und Christen als Grab des Propheten Jonah verehrt wurde.

Der Direktor des Nationalmuseums in Bagdad, Kais Raschid, beklagte in Paris die Zerstörung von antiken Gebäuden, deren Bau bis in die Zeit der Assyrer zurückreiche. Gestohlene assyrische Kunstwerke tauchten zudem mitunter in Europa auf, so Raschid. Die internationale Mafia informiere den IS über verkaufbare Kunstschätze. IS finanziert sich unter anderem durch den Schwarzhandel mit Öl und Kunstschätzen.

Zeitung: Eindringlich ins Weiße Haus kam bis in East Room

Der Irak-Veteran, der jüngst ins Weiße Haus eingedrungen war, ist nach einem Bericht der „Washington Post“ bis in die Empfangsräume gelangt. Er sei damit weitaus tiefer in das Gebäude vorgedrungen, als bislang bekannt wurde.

Zunächst hatte es geheißen, der 42-Jährige sei am Freitag bereits am Eingangsbereich aufgehalten worden. Dagegen berichtete die „Washington Post“ gestern, der Mann habe es bis in den East Room geschafft, der oftmals für offizielle Empfänge oder Pressekonferenzen genutzt wird. Kommentatoren in Washington sprachen von einem Besorgnis erregenden Vorfall.

„Sicherheitsmaßnahmen haben versagt“

Bereits zuvor hatte es geheißen, mehrere Sicherheitsmaßnahmen hätten bei dem Vorfall versagt. Dem Eindringling sei es gelungen, den Zaun zu überwinden und bis zum Weißen Haus zu rennen. Weder sei der Eingang wie vorgesehen von einem Wachmann gesichert gewesen, noch seien die für den Ernstfall ausgebildeten Hunde eingesetzt worden.

Auch die Scharfschützen seien aus ungeklärten Gründen abwesend gewesen, hatte die „Washington Post“ am Wochenende berichtet. Nun soll eine internen Untersuchung klären, wie der Schutz von Präsident Barack Obama und seiner Familie verbessert werden kann.

57 Vermisste: Proteste gegen Polizeigewalt in Mexiko

Nach einem blutigen Einsatz der Sicherheitskräfte im Südwesten von Mexiko sind Tausende Studierende gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Sie zogen gestern durch die Provinzhauptstadt Chilpancingo und forderten Aufklärung über das Schicksal von 57 vermissten Kommilitonen. Seit den Auseinandersetzungen am Wochenende gibt es keine Hinweise auf den Verbleib der jungen Leute.

Bei einer Welle der Gewalt waren am Wochenende sechs Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt Iguala erschossen Polizisten zwei Studierende, als sie für eine Protestaktion mehrere Busse in ihre Gewalt bringen wollten. Kurz darauf eröffneten Unbekannte das Feuer auf Busse und Autos und töteten drei Menschen.

„Keine Rechtfertigung für Schusswaffen“

Die Polizisten hätten unverhältnismäßig Gewalt angewendet, als sie gegen die Studenten vorgingen, sagte der örtliche Staatsanwalt Inaky Blanco gestern. „Es gab keine Rechtfertigung dafür, Schusswaffen einzusetzen. Ich gehe davon aus, dass das strafrechtliche Konsequenzen haben wird.“

22 Polizisten wurden festgenommen und in die Hafenstadt Acapulco gebracht. Die Sicherheitsbehörden befürchteten, Angehörige könnten versuchen, sie zu befreien. Es gebe Hinweise, dass die Polizisten auch in das Verschwinden der 57 Studierenden verwickelt seien, sagte Blanco. Für die anderen Angriffe seien möglicherweise kriminelle Organisationen verantwortlich.

Trotz neuer Gewalt: Kiew glaubt an Waffenstillstand

Die ukrainische Regierung glaubt trotz der anhaltenden Gewalt in der Ostukraine an einen Waffenstillstand. Die Lage sei weiter schwierig und die bisherige Feuerpause „nicht nachhaltig“, er sei jedoch „vorsichtig, aber optimistisch“, dass ein richtiger Waffenstillstand zustande komme, sagte der ukrainische Außenminister gestern gegenüber der ZIB2.

Mindestens neun tote Soldaten

Die Gewalt in der Ostukraine ist knapp einen Monat nach Vereinbarung einer Waffenruhe wieder auf dem Vormarsch. Bei Kämpfen mit prorussischen Separatisten seien binnen 24 Stunden neun Soldaten getötet und 27 weitere verletzt worden, sagte ein Militärsprecher laut der Nachrichtenagentur AFP. Die Behörden meldeten zudem vier zivile Todesopfer.

Mit den prorussischen Separatisten will die Regierung in Kiew weiterhin nicht sprechen - zumindest nicht direkt, wie Klimkin sagte. „Wie können wir Leute anerkennen, die viele getötet und Geiseln entführt haben?“, fragte er. Es brauche einen politischen Prozess im Osten des Landes - so müssten auch im Donbass und in Lugansk Lokalwahlen abgehalten werden. „Die Leute sollen selbst wählen“, sagte Klimkin.

Die Beziehungen mit Russland sieht der Außenminister längerfristig als schwierig an, nicht zuletzt wegen der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau. „Ohne die Krim werden die Beziehungen nie zu einer Normalisierung kommen“, sagte Klimkin.

Netanjahu warnt vor atomar bewaffnetem Iran

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der UNO-Generaldebatte erneut eindringlich vor einem atomar bewaffneten Iran gewarnt. Atomwaffen im Besitz der Führung in Teheran wären „die schwerste Bedrohung für uns alle“, sagte Netanjahu gestern in New York. Derzeit versuche sich der Iran ein Abkommen „zu erschwindeln“. Die nuklearen Fähigkeiten Teherans müssten „vollständig“ zerstört werden, forderte er.

Iran größere Gefahr als IS

Netanjahu sagte, vom iranischen Atomprogramm gehe eine größere Gefahr aus als von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten zu besiegen, aber den Iran in Reichweite von Atomwaffen zu lassen, hieße, „die Schlacht zu gewinnen und den Krieg zu verlieren“, sagte er. Vor zwei Jahren hatte der israelische Regierungschef bei der UNO-Generaldebatte eine Schautafel mit einer Bombe hervorgeholt, um die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm zu verdeutlichen.

Teheran verhandelt mit den fünf UNO-Vetomächten USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland über ein langfristiges Abkommen zu seinem Atomprogramm. Ziel der sogenannten 5+1-Gruppe ist eine Einigung bis zum 24. November. Die Verhandlungsfrist war verlängert worden, nachdem die Differenzen nicht wie ursprünglich geplant bis Mitte Juli beigelegt werden konnten. Strittig ist vor allem, bis zu welchem Grad Teheran künftig Uran anreichern darf.

Zuletzt kaum Fortschritte

Die Verhandlungen hatten zuletzt kaum Fortschritte gemacht. Ein Treffen der 5+1-Gruppe auf Ebene der Außenminister kam am Rande der UNO-Generaldebatte nicht zustande. „Die verbleibende Zeit, eine Einigung zu erreichen, ist äußerst kurz“, warnte der iranische Präsident Hassan Rouhani in der vergangenen Woche in New York.

Missbrauchsgesetz soll Studierende in Kalifornien schützen

Studierende an Universitäten im US-Staat Kalifornien müssen den Partner vor dem Sex künftig ausdrücklich um Zustimmung bitten. Mit dem „Yes means Yes“-Gesetz, das Gouverneur Jerry Brown in der Nacht auf gestern in Kraft setzte, sollen sexuelle Übergriffe auf dem Campus verhindert werden. Sexualpartner müssen künftig vor dem Akt ihr Einverständnis kundtun, entweder mit Worten oder durch ein Nicken.

Dem Gesetz zufolge kann die verlangte Zustimmung nicht von jemandem gegeben werden, der schläft oder durch Alkohol, Drogen und Medikamente die Beherrschung über sich verloren hat. Dass sich jemand nicht ausreichend wehrt, kann nicht mehr als Einverständnis gewertet werden. Die Universität von Kalifornien begrüßte die schärferen Regeln. Die klare Definition der Einwilligung zum Sex sei „ein extrem wichtiger Faktor“ bei der Verfolgung von sexueller Gewalt auf dem Universitätsgelände, sagte eine Sprecherin.

Schätzungen zufolge wird in den Vereinigten Staaten jede fünfte Studentin Opfer eines sexuellen Übergriffs. „Von diesen Angriffen werden nur zwölf Prozent gemeldet“, sagte US-Präsident Barack Obama, als er vor einigen Wochen eine Kampagne gegen die „stillschweigende Duldung“ von sexueller Gewalt auf dem Campus startete.

Hahn zu Hearing vor EU-Parlament

Die Europaabgeordneten werden heute in Brüssel den bisherigen EU-Regionalkommissar und früheren ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn zu seiner künftigen Rolle als Chef der Portfolios Erweiterung und Nachbarschaftspolitik befragen. Weitere designierte Kommissare werden davor und danach befragt.

Mit Spannung wird etwa die Anhörung des als Innenkommissar nominierten Griechen Dimitris Avramopoulos erwartet. Der konservative Politiker dürfte zahlreiche Fragen zur Flüchtlingstragödie im Mittelmeer erhalten. Am Abend wird sich dann der designierte EU-Verkehrskommissar Maros Sefcovic aus der Slowakei den Parlamentariern stellen. Das Europarlament muss die neue Kommission von Präsident Jean-Claude Juncker noch billigen. Sie soll am 1. November ihre Arbeit aufnehmen.

Britischer EU-Austritt als Thema bei Hearing

Die künftige EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström will Folgen eines möglichen Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht diskutieren. Beim Hearing erklärte sie gestern auf eine entsprechende Frage eines britischen Abgeordneten nach einem allfälligen Handelskrieg, „es liegt nicht in der europäischen Tradition, Handelskriege auszufechten“.

Die EU „steht eher für friedliche Konfliktbeilegung“, so Malmström. Allerdings werde sie keinerlei Diskussion über mögliche Auswirkungen des von London angekündigten Referendums anzetteln. „Wir wissen ja gar nicht, ob das stattfindet.“ Sollten sich die Briten doch dafür entscheiden, bei einem Referendum für den Austritt Großbritanniens aus der EU zu sprechen, könnte immer noch über die Folgen für den Handel geredet werden.

Oettinger fordert Ausbau der Internetinfrastruktur

Der designierte EU-Kommissar für Digitalwirtschaft, Günther Oettinger, hat die EU-Staaten dringend zu einem Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) aufgerufen und den Beginn einer „Aufholjagd“ gefordert.

„Noch vor Straßenbau und noch vor Schienenwegebau ist nichts so sinnvoll wie die Modernisierung der Energie- und der ICT-Infrastruktur“, sagte Oettinger in Brüssel bei seiner Anhörung vor dem EU-Parlament. „Investitionen in die ICT-Infrastruktur sorgen für Wachstum und nicht nur für ein Strohfeuer für das Handwerk.“ Europa sei in diesem Bereich zurückgefallen, warnte Oettinger. „Wir müssen die Aufholjagd beginnen.“

Inland

Heinisch-Hosek weiter für Gesamtschule

Am Wochenende hat die Regierung ihr sechs Punkte umfassendes Programm zur Bildung präsentiert. Viele hatten unter dem neuen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner mit einem Kurswechsel in Sachen Bildung gerechnet, daher war die Überraschung groß, dass die Gesamtschule - erklärtes Ziel der SPÖ - darin mit keinem Wort erwähnt wird.

Während sich Mitterlehner erfreut zeigte, dass die Bildungsdebatte nun von einzelnen Begriffen wie der Gesamtschule „entkrampft“ sei, schlug Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestern im Ö1-Morgenjournal schon wieder andere Töne an: Die Gesamtschule sei „das bessere Modell“ und „nach wie vor Ziel der Sozialdemokratie“.

Mehr dazu in Kurswechsel der ÖVP blieb aus

Wirtschaft

Streit um Staatsschulden: US-Richter will Argentinien strafen

Der Streit mit US-Hedgefonds um alte Staatsschulden hat für Argentinien ein weiteres bitteres Nachspiel. Der zuständige New Yorker Bezirksrichter Thomas Griesa kündigte gestern (Ortszeit) Strafen an, weil er sein Urteil durch die Regierung in Buenos Aires missachtet sieht. „Das Gericht hat entschieden, dass Argentiniens Verhalten illegal ist“, sagte Griesa.

Der Richter hatte dem Land verboten, andere Gläubiger zu bedienen, solange es Forderungen von Hedgefonds, angeführt von der New Yorker Firma NML Capital, über mindestens 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro) nicht beglichen hat. Argentinien weigert sich aber. Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner bezeichnet die Fonds als „Aasgeier“.

Hedgefonds klagen gegen neues Gesetz

Der Rechtsstreit findet in den USA statt, weil die strittigen Anleihen einst unter amerikanischem Recht in Dollar aufgelegt wurden, um sie für internationale Anleger attraktiver zu machen. Doch nun kann US-Richter Griesa, die Zinszahlungen, die über die Bank of New York Mellon fließen, quasi direkt vor seiner Haustür blockieren.

Um die Staatspapiere unter heimisches Recht zu stellen, und sie so dem Zugriff von US-Richtern und Hedgefonds zu entziehen, hatte Argentinien zuletzt ein neues Gesetz verabschiedet. Die Regierung will Anleihehaltern anbieten, ihre Titel umzutauschen, um sie - am Arm der US-Justiz vorbei - in Buenos Aires bedienen zu können.

Gegen diesen Plan hatten die Hedgefonds geklagt. Richter Griesa schlug sich nun auf ihre Seite: „Die Absicht, die Vorgänge aus den USA heraus zu verlagern, um die verbotenen Zahlungen ausführen zu können, ist illegal.“

Argentinien will Geldstrafen nicht zahlen

Über Höhe und Art der Sanktionen solle erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Argentinien hatte im Vorfeld der Anhörung am Montag bereits deutlich gemacht, dass es die von den Hedgefonds geforderten Geldstrafen nicht zahlen würde. Das geht aus den beim Gericht eingereichten Unterlagen und einem Brief an US-Außenminister John Kerry hervor.

Die strittigen Schulden resultieren aus Argentiniens Staatspleite von Ende 2001. Die Hedgefonds hatten sich danach günstig mit ausfallbedrohten Anleihen eingedeckt und die folgenden Umschuldungen verweigert. Sie fordern volle Rückzahlung. Weil Argentinien sich beharrlich sträubt, gilt das Land nun als technisch zahlungsunfähig - es darf ausgerechnet diejenigen Gläubiger nicht bedienen, die anders als die Hedgefonds zum Forderungsverzicht bereit waren.

Ford gibt wegen teurer Rückrufe Gewinnwarnung aus

Eine Reihe von Rückrufen kommt Ford teuer zu stehen. Der zweitgrößte US-Autobauer erwartet in diesem Jahr einen geringeren Gewinn als zunächst angenommen. Der Konzern rechne nur noch mit einem Ergebnis vor Steuern von sechs Milliarden Dollar (4,71 Mrd. Euro), sagte Finanzchef Bob Shanks heute vor Investoren. Zuvor war das Unternehmen von sieben bis acht Milliarden Dollar ausgegangen.

Für 2015 kalkuliert der in Dearborn ansässige Konzern mit einem Vorsteuergewinn von 8,5 bis 9,5 Milliarden Dollar. An der Wall Street straften die Händler Ford ab. Die Aktie brach im späten Handel um 7,5 Prozent ein.

Reparaturen für vor allem in Nordamerika zurückgerufene Fahrzeuge dürften mit Kosten von einer Milliarde Dollar zu Buche schlagen, so Shanks. Zudem prognostizierte Ford einen höheren Verlust für Südamerika. Auch das Russland-Geschäft bereite Ford Probleme. Hier erwarte der Autobauer einen Fehlbetrag von 300 Millionen Dollar und damit mehr als zunächst vorhergesagt.

Sonnenenergie könnte bis 2050 wichtigste Stromquelle werden

Sonnenenergie könnte bis zum Jahr 2050 die weltweit wichtigste Stromquelle werden. Notwendig seien aber Anreize aus der Politik, heißt es in zwei gestern von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris vorgestellten Berichten. Solarzellen könnten in knapp 35 Jahren 16 Prozent des weltweit produzierten Stroms liefern, solarthermische Kraftwerke weitere elf Prozent. Dadurch ließe sich der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 um jährlich sechs Milliarden Tonnen senken.

„Das schnelle Absinken der Kosten für photovoltaische Module und Systeme in den vergangenen Jahren hat neue Perspektiven für die Nutzung der Solarenergie als bedeutende Stromquelle für die kommenden Jahre und Jahrzehnte eröffnet“, erklärte IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Laut IEA könnte der Preis für Strom aus Solarzellen bis 2020 um 25 Prozent sinken, bis 2030 um 45 Prozent und bis 2050 um 65 Prozent.

Die Technologien seien aber „sehr kapitalintensiv“, betonte van der Hoeven. Daher sei eine Senkung der Kapitalkosten von „herausragender Bedeutung“. Die IEA mahnte „klare, glaubwürdige und starke Signale“ aus der Politik an, um die Risiken für Investoren zu senken und Vertrauen zu schaffen.

Moskauer Importstopp: Brüssel stellt 165 Mio. Euro bereit

Als Reaktion auf die Moskauer Importbeschränkungen für viele Lebensmittel hat die EU-Kommission ein neues Hilfsprogramm für den europäischen Agrarsektor beschlossen. Sie will bis Ende des Jahres 165 Millionen Euro bereitstellen, um Erzeugern leicht verderblicher Obst- und Gemüsesorten zu helfen, wie die Brüsseler Behörde gestern Abend mitteilte.

Die EU-Kommission hatte ein früheres Hilfsprogramm im Umfang von 125 Millionen Euro ausgesetzt, weil es Anhaltspunkte für missbräuchliche Nutzung gab. Durch das Programm will Brüssel das Angebot auf dem europäischen Markt verringern und so einen Einbruch der Preise verhindern. Förderung gibt es etwa für die kostenlose Verteilung oder Kompostierung von Obst und Gemüse. Das Geld ist vor allem für jene zwölf Länder gedacht, die im Herbst und Winter (teils auch Frühling) 2011, 2012 und 2013 die größten Mengen nach Russland ausgeführt hatten.

Brüssel will Erzeugern von Äpfeln und Birnen, Zitrusfrüchten, Karotten, Gurken, Paprika, Tomaten, Kiwis, Zwetschken und Tafeltrauben helfen. „Diese Marktstützungsmaßnahmen werden eine kurzfristige Erleichterung bringen“, erklärte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos.

Zalando bestätigt Ausgabepreis mit 21,50 Euro je Aktie

Der Onlinemodehändler Zalando nimmt mit seinem Börsengang 605 Millionen Euro ein. Die Aktien würden zu je 21,50 Euro ausgegeben, teilte das deutsche Unternehmen gestern mit und bestätigte damit Informationen aus Finanzkreisen.

Für die 28,1 Millionen Papiere hätten den Angaben zufolge auch zum Höchstpreis von 22,50 Euro mehr als zehnmal so viele Aufträge vorgelegen wie Zalando erfüllen konnte. Den Preis dennoch nicht am oberen Ende der Preisspanne festzulegen sei eine „bewusste Entscheidung“ gewesen, sagte ein Sprecher.

Gesundheit

Erster MERS-Fall in Österreich

Der erste Fall einer Erkrankung durch das seit 2012 vor allem im Nahen Osten aufgetauchte MERS-Virus (Middle Eastern Respiratory Syndrome Coronavirus; MERS-CoV) in Österreich wurde gestern Abend bekannt. Eine betroffene Frau aus Saudi-Arabien befindet sich laut Gesundheitsministerium in einer auf Infektionserkrankungen spezialisierten Krankenhausabteilung in Wien in Behandlung.

Auf Isolierstation versorgt

Das Gesundheitsministerium sei von einem bestätigten Fall bei einer weiblichen Patientin mit einer MERS-CoV-Infektion informiert worden, erklärte eine Sprecherin gegenüber der APA. Es handle sich um eine saudi-arabische Staatsbürgerin, die vor wenigen Tagen nach Österreich eingereist sei. Sie werde derzeit in einer Isolierstation versorgt. Alle möglichen Kontaktpersonen würden derzeit identifiziert und weitere Maßnahmen eingeleitet.

Bisher sind bei dem Ausbruch des Virus, das im Nahen Osten offenbar vor allem durch den Kontakt mit Dromedaren übertragen worden ist, weltweit etwa 800 Menschen erkrankt. In der EU sind bisher zwölf „importierte“ Fälle aufgetreten. Bei entsprechenden Schutzmaßnahmen ist die Gefahr einer weiteren Übertragung von Mensch zu Mensch gering.

Sport

Fußball: Schöpf Matchwinner für Nürnberg

Alessandro Schöpf ist am gestern Abend der Matchwinner beim Heimsieg von Nürnberg gewesen. Der ÖFB-Legionär erzielte in der achten Runde der zweiten Deutschen Liga gegen Kaiserslautern einen Doppelpack und leistete einen Assist.

Trotz einer komfortablen 3:0-Führung der Hausherren wurde das Match in den letzten 30 Minuten noch einmal spannend. Die Gäste, bei denen Kevin Stöger durchspielte, holten zwei Tore auf und waren in der Schlussphase drückend überlegen.

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Fußball: Stoke feiert zweiten Saisonsieg

Stoke City hat gestern Abend gegen Newcastle United den zweiten Saisonsieg in der englischen Premier League gefeiert. Marko Arnautovic, der die Partie zunächst von der Bank aus verfolgte, kam nach der Verletzung seines Mannschaftskollegen Mame Diouf zum Zug.

Der Wiener wurde in der 23. Minute eingewechselt und fiel durch einen Stangenschuss und drei weitere Chancen auf - den Siegestreffer erzielte aber ein anderer.

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Champions League: Ibrahimovic fehlt PSG gegen Barca

Das mit Spannung erwartete Duell der Superstars zwischen Zlatan Ibrahimovic und Lionel Messi beim Champions-League-Schlager Paris Saint-Germain (PSG) gegen den FC Barcelona fällt aus.

Der schwedische PSG-Stürmer muss für das Match gegen seinen Ex-Club heute Abend wegen einer Fußverletzung passen und kann damit auch eine noch offene Rechnung mit den Katalanen vorerst nicht begleichen.

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Chronik

Südkoreanische Fähre mit 109 Menschen an Bord havariert

Die südkoreanische Küstenwache hat mehr als hundert Passagiere und Besatzungsmitglieder von einer auf Grund gelaufenen Fähre gerettet. Das Unglück ereignete sich heute Früh (Ortszeit) während einer Rundfahrt um die Insel Hongdo, wie ein Sprecher der Küstenwache sagte. Die Ursache sei noch unklar. Alle 109 Menschen an Bord seien gerettet worden, Verletzte habe es nicht gegeben.

Die Havarie ereignete sich etwa 70 Kilometer von jener Stelle entfernt, wo Mitte April die Fähre „Sewol“ mit 476 Menschen an Bord untergegangen war. Bei dem Unglück kamen mehr als 300 Menschen ums Leben.

Mann in Istanbuler U-Bahn von Eisenstange aufgespießt

Eine Eisenstange hat sich in der türkischen Millionenmetropole Istanbul in einen U-Bahn-Waggon gebohrt und bei voller Fahrt einen Passagier aufgespießt. Die Stange sei in die rechte Hüfte des 33-Jährigen eingedrungen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi gestern. Der Mann sei in ein Krankenhaus gekommen und werde operiert.

Der U-Bahn-Betrieb sei kurzzeitig eingestellt worden. Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete, die Eisenstange stamme vermutlich von einer Baustelle. Wie genau es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar. Die Behörden untersuchten den Hergang.

Auf türkischen Baustellen kommt es wegen mangelhafter Arbeitssicherheit immer wieder zu Unfällen. Zu Monatsbeginn waren in Istanbul beim Absturz eines Baustellenaufzuges aus dem 32. Stock zehn Bauarbeiter ums Leben gekommen.

Belgischer Sexualstraftäter darf sterben

Nach 30 Jahren Haft darf ein Sexualstraftäter in Belgien jetzt wie von ihm selbst beantragt sterben. Ein Berufungsgericht in Brüssel billigte gestern den Antrag des Häftlings auf Sterbehilfe endgültig.

Der 50 Jahre alte Frank van den Bleeken sitzt seit fast 30 Jahren im Gefängnis und leidet nach eigenen Angaben stark unter seinen sexuellen Wahnvorstellungen. Weil er nach eigenen Angaben nicht ausreichend therapiert wurde, will er sterben.

In Belgien ist seit 2002 die Sterbehilfe erlaubt - nicht nur für Todkranke, sondern auch für Menschen, die psychisch leiden.

Science

Mensch halbiert die Zahl der Wirbeltiere binnen 40 Jahren

Der Mensch hat in nur vier Jahrzehnten die Zahl der Wirbeltiere auf unserem Planeten um die Hälfte reduziert: Durch Jagen, Fischen oder einfach den Verlust von Lebensraum sei die Zahl von Land- und Meerestieren in 40 Jahren um 39 Prozent zurückgegangen, hieß es in einem heute veröffentlichten Bericht der Umweltgruppe WWF.

Die Zahl der Süßwassertiere ging sogar um 76 Prozent zurück. Die Zählung umfasste die Populationen von 3.200 repräsentativen Wirbeltierarten zwischen 1970 und 2010.

Der WWF beklagte, dass „die Zahl der Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische weltweit im Durchschnitt rund halb so groß ist wie vor 40 Jahren“. Dies sei ein „viel größerer Rückgang“ als bisher gedacht. Der Klimawandel werde den Druck auf die Tierarten noch verstärken.

„Mensch gefährdet eigene Zukunft“

„Wir gebrauchen die Geschenke der Natur als ob wir mehr als nur eine Erde zu unserer Verfügung hätten“, so WWF-Generaldirektor Marco Lambertini im Vorwort zu dem Bericht „Living Planet Report 2014“. So holze der Mensch Bäume schneller ab als sie wieder nachwachsen und überfische die Ozeane. Der Mensch gefährde seine eigene Zukunft.

Der WWF verwies dabei insbesondere auf das Problem der menschlichen Bevölkerungsexplosion - die Bevölkerung wuchs weltweit von 3,7 Milliarden im Jahr 1970 auf fast sieben Milliarden im Jahr 2010.

83 Prozent Rückgang in Lateinamerika

Der Bericht stützt sich auf Daten über 3.200 Wirbeltierarten - 1.562 Landtiere, 757 Süßwasserarten und 910 Meerestiere - von Elefanten über Haie und Schildkröten bis hin zu Albatrossen. Den drastischsten Rückgang vermeldete der WWF mit 83 Prozent aus Lateinamerika.

Die Auswirkungen durch Bewohner reicher Länder wie Kuwait, Katar, Dänemark, Belgien, die USA oder Singapur waren unter anderem wegen der Kohlendioxidemissionen besonders stark, während Menschen in ärmeren Ländern vor allem durch Land- und Waldnutzung zum Rückgang der Wirbeltiere beitrugen.

IT

Facebook dehnt sein Werbenetzwerk weiter aus

Facebook will seine Werbung künftig noch gezielter an den Nutzer bringen und diese dazu über mehrere Geräte hinweg identifizieren. Zu diesem Zweck stellte der voriges Jahr übernomme Dienst Atlas neue Funktionen vor.

Atlas soll es Facebook-Werbekunden ermöglichen, Nutzern mit Werbung durch das Netz zu folgen, egal ob diese auf Facebook-Websites aktiv sind oder anderswo. Das soll auch unabhängig vom Gerät möglich sein, heißt es auf der Atlas-Website, also auf Handys ebenso wie auf Computern.

Auch sollen Onlineaktivitäten mit Offlinekäufen - und umgekehrt - besser verknüpfbar werden. Basis dafür ist laut „Wall Street Journal“ der jeweilige Facebook-Account eines Nutzers. Die Identität des Nutzer soll dabei den Werbekunden nicht mitgeteilt werden.

Facebook versucht damit ein größeres Stück vom Werbekuchen zu bekommen, vor allem im mobilen Bereich, schreibt die IT-Website Cnet. 2013 lag Google mit einem Anteil von 32 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Facebook mit 5,8 Prozent. Im Bereich der schnell wachsenden mobilen Werbung soll Google heuer allerdings leicht zurückfallen, während Facebook um rund vier Prozent zulegen soll.

Kultur

Mexikanischer Landschaftsmaler Luis Nishizawa gestorben

mexikanische Künstler Luis Nishizawa ist tot. Er sei gestern im Alter von 96 Jahren gestorben, teilte der Nationalrat für Kultur und Kunst (Conaculta) mit.

Der Sohn eines Japaners und einer Mexikanerin galt als einer der wichtigsten Landschaftsmaler und Muralisten Mexikos. „Das Werk von Nishizawa hat die Landschaften und die Identität von Mexiko eingefangen und war eine Brücke der Freundschaft mit Japan“, schrieb der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto auf Twitter.

„In seinem Werk verschmelzen zwei Kulturen“

Noch Ende vergangenen Jahres war Nishizawa mit der „Medaille der Schönen Künste“ ausgezeichnet worden. „In seinem Werk verschmelzen zwei Kulturen“, sagte damals die Präsidentin des Nationalen Instituts der Schönen Künste, Maria Cristina Garcia Cepeda. „Die seiner Mutter, die mexikanische Kultur mit ihrer Freude und ihrer Farbe und die seines Vaters, die fernöstliche Kultur.“

Nishizawas Werke schmücken zahlreiche öffentliche Gebäude in Mexiko. Im Obersten Gerichtshof ist beispielsweise ein 250 Quadratmeter großes Wandbild des Künstlers zu sehen.