Ausland

IS aus Grenzstadt vertrieben: Türkei verstärkt Truppen

Kurdische Einheiten haben die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wieder aus der wichtigen Grenzstadt Tal Abjad in Nordsyrien vertrieben. Bei den Kämpfen seien mindestens vier Extremisten und drei Kurden getötet worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte heute.

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hatten Tal Abjad vor zwei Wochen vom IS befreit und der Terrormiliz eine schwere Niederlage zugefügt. Gestern gelang es den Dschihadisten jedoch erneut, Gebiete im Osten der Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden sie dabei von sunnitischen Kämpfern aus der Stadt unterstützt.

Mit der Niederlage in Tal Abjad verlor der IS seine wichtigste Nachschubroute in die Türkei. Die Kurden wiederum kontrollieren durch die Einnahme der Stadt ein Gebiet, das sich über rund 400 Kilometer an der Grenze zum Nachbarland erstreckt.

Türkei verstärkt Grenztruppen

Die Zeitung „Habertürk“ berichtete unterdessen, die türkische Armee habe ihre Truppen an der Grenze verstärkt. Unter anderem seien 32 Panzer und mehrere Busse mit Soldaten in die südtürkische Provinz Kilis verlegt worden. Die Zeitung „Cumhuriyet“ meldete, im weiter östlich gelegenen Karkamis habe die Armee Artillerie stationiert.

Die Türkei befürchtet, die Kurden in Syrien könnten einen eigenen Staat ausrufen und so die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land anheizen. Die YPG sind eng mit der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) verbunden. Türkische Medien hatten in dieser Woche über eine Intervention der Türkei in Syrien spekuliert.

Zehntausende fordern mehr Demokratie in Hongkong

Zum 18. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs von Großbritannien an China haben in der Sonderverwaltungszone heute Zehntausende Menschen für mehr Demokratie demonstriert. Die Kundgebung begann am Nachmittag im Victoria-Park. Viele Demonstranten trugen gelbe Schirme, das Symbol der Demokratiebewegung.

Die traditionelle Demonstration zum Jahrestag wurde in diesem Jahr mit besonderem Interesse beobachtet, denn seit knapp einem Jahr sorgt in Hongkong eine von Peking geplante Wahlrechtsreform für Unmut. Diese wurde zwar Mitte Juni vom Parlament in Hongkong abgelehnt. Bei der Abstimmung waren allerdings die Abgeordneten des pekingtreuen Lagers nicht anwesend.

Das Gesetz sollte den Bürgern Hongkongs zwar das Recht geben, im Jahr 2017 erstmals ihren Verwaltungschef selbst zu wählen - allerdings sollten die Kandidaten von Peking ausgesucht werden. Bei monatelangen Protesten waren in den vergangenen Monaten Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen und hatten mit ihren Protestcamps das öffentliche Leben in Hongkong lahmgelegt.

Auschwitz-Prozess: Angeklagter räumt Mitschuld ein

Im Auschwitz-Prozess im deutschen Lüneburg hat der frühere SS-Mann Oskar Gröning erneut seine Beteiligung und Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Durch seine Tätigkeit im KZ habe er dazu beigetragen, dass das System Auschwitz funktionierte, erklärte der 94-Jährige heute in einer schriftlichen Einlassung, die sein Verteidiger verlas.

Obwohl er seit seiner Ankunft in Auschwitz von der Judenvernichtung dort gewusst habe, hätten ihn im Gericht die Aussagen der Überlebenden über ihr Leiden bei der Deportation, im Lager und während ihres späteren Lebens sehr beeindruckt. Sein anerzogener Gehorsam habe verhindert, dass er gegen das Morden in Auschwitz rebelliert habe. Nach heutigen Maßstäben sei das nicht zu fassen.

Die Opfer habe er vor Gericht bewusst nicht um Vergebung gebeten. Das stehe ihm angesichts der Dimension des Leids nicht zu. „Um Vergebung kann ich nur meinen Herrgott bitten“, ließ Gröning seinen Anwalt verlesen.

Dem 94-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vorgeworfen. Er hatte eingeräumt, aus dem Gepäck von verschleppten Juden Geld gezählt und an die SS weitergeleitet zu haben. Wann die Plädoyers beginnen, ist noch offen.

NSA-BND-Affäre: Pilz plant Strafanzeige gegen Steinmeier

Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz hat in Zusammenhang mit der NSA-BND-Affäre Strafanzeige gegen zwei deutsche Regierungsmitglieder angekündigt: Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Innenminister Thomas de Maiziere.

Bei seiner Pressekonferenz in Berlin werde er heute „die nächsten Schritte auf der ‚NSA-Tour‘ durch Europa bekanntgeben“, hieß es in einer Aussendung.

Der aktuelle Außenminister Steinmeier sei von 7. Juli 1999 bis 22. November 2005 „als beamteter Staatssekretär Chef des deutschen Bundeskanzleramts“ gewesen, de Maiziere sei ihm als „Bundesminister für besondere Aufgaben“ von 22. November 2005 bis 28. Oktober 2009 gefolgt. „Beide waren damit die Chefs des BND - und von 2004 bis 2008 politisch und persönlich verantwortlich für die Spionageoperation Eikonal gegen 21 befreundete Staaten in der EU“, so Pilz.

Mit der Operation „Eikonal“ seien Millionen unverdächtiger Anrufer überwacht worden, sagte Pilz weiter. „Die Telefonate aus Wien, Amsterdam, Zürich, Paris, Oslo, Zagreb, Athen und Ankara wurden ‚zugeschaltet‘ und auf die Computer der NSA (National Security Agency der USA, Anm.) umgeleitet.“

„Steinmeier, de Maiziere und Konsorten stehen im Verdacht, gegen Staaten wie Österreich spioniert zu haben. Daher werden wir ihre Namen - wie zuvor die von drei Mitarbeitern der Deutschen Telekom und einem des BND (deutscher Bundesnachrichtendienst, Anm.) - der Staatsanwaltschaft Wien übergeben“, kündigte Pilz an.

Anschlagserie auf Sinai: Ägyptische Soldaten getötet

Bei einer Anschlagserie auf der Sinai-Halbinsel sind heute nach Angaben ägyptischer Behördenvertreter mindestens 15 Soldaten getötet worden. Es habe eine Reihe von gleichzeitig durchgeführten Anschlägen gegen die Armee in der Region gegeben, sagte ein Sicherheitsbeamter.

Bei einem der Angriffe sei eine Autobombe an einem Kontrollpunkt der Armee östlich der Ortschaft al-Arisch gezündet worden. Dabei seien mindestens 15 Soldaten getötet worden. Vier weitere Anschläge habe es gleichzeitig gegen von der Armee errichtete Straßensperren in der Gegend gegeben. Überdies habe es Zusammenstöße zwischen Soldaten und Angreifern gegeben.

Quellen aus Sicherheitskreisen sprachen sogar von mindestens 30 toten Soldaten, 50 Verletzten und einer Autobombe, die explodiert sei. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit einer Mitteilung im Internet.

Immer wieder Anschläge

Auf der Sinai-Halbinsel hatte die Gewalt nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli 2013 deutlich zugenommen. Seither sind verschiedene islamistische Gruppen in dem Gebiet zwischen Mittelmeer und Rotem Meer aktiv. Sie verüben immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte.

In dem Konflikt wurden bereits Hunderte ägyptische Soldaten und Polizisten getötet, vor allem im Norden des Sinai. Zu den meisten Anschlägen bekannte sich die Gruppe Ansar Bait al-Makdis, die im vergangenen November dem IS die Treue schwor.

Dänemark verschärft Regeln für Asylwerber

Dänemarks neue Regierung will die Zuwanderung von Flüchtlingen mit der Erschwerung der Bedingungen für Asylwerber bremsen. Mit den anderen bürgerlichen Parteien - Rechtspopulisten, Konservativen und der liberalen Allianz - einigte sich die liberale Regierungspartei heute darauf, die finanzielle Unterstützung der Flüchtlinge zu kürzen. Schon am Freitag soll ein Gesetzesentwurf vorliegen.

„Das wird bewirken, dass weniger Asylwerber nach Dänemark kommen“, sagte die neue Integrationsministerin Inger Stöjberg in Kopenhagen. „Das ist unser ganz klares Ziel.“ Wer schnell Dänisch lernt, soll nach Prüfung einen „Sprachbonus“ von 500 Kronen (rund 67 Euro) im Monat bekommen.

Die Neuregelung der Zuschüsse soll 400 Millionen Kronen (53 Mio. Euro) einsparen. Insgesamt will die Minderheitsregierung in der Ausländerpolitik eine Milliarde Kronen (134 Mio. Euro) weniger ausgeben.

Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DF), treibende Kraft hinter der strengen Einwanderungspolitik Dänemarks, begrüßte das Abkommen als „guten Anfang“. „Aber wir brauchen natürlich mehr“, sagte Martin Henriksen von der DF. Seit der Parlamentswahl am 18. Juni ist die DF nach den Sozialdemokraten zweitstärkste Fraktion.

Atomdeal: IAEA-Chef zu Gesprächen in Teheran

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bereitet mit Gesprächen in Teheran den Endspurt der Atomverhandlungen in Wien vor. IAEA-Chef Yukiya Amano werde morgen nach Teheran fliegen, um mit dem Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Ali Schamchani, über die Umsetzung eines Atomvertrags zu reden, bestätigte die UNO-Behörde heute in Wien.

Das Treffen gilt als ein Hinweis, dass eine Einigung im Atomstreit möglich ist. Die IAEA wird in diesem Fall die Vertragstreue des Iran überwachen und damit auch das grüne Licht für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen geben.

Unterdessen gehen die Verhandlungen in Wien weiter. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und sein US-Kollege John Kerry treffen einander am Nachmittag zur sechsten bilateralen Verhandlungsrunde seit Samstag. Neben politischen Gesprächen gibt es auch Expertenmeetings zu strittigen Sanktions- und Inspektionsfragen.

Diplomaten sehen Fortschritte

Die Beratungen würden Fortschritte machen, so ein westlicher Diplomat gegenüber der APA. „Ja, wir kommen langsam, aber doch voran. Stellen Sie sich vor, das Ganze ist der Bau einer Brücke. Die Pfosten und die Brücke stehen, das ist der Rahmen des Vertrags“, so der Experte.

Nur fahren könne man auf ihr noch nicht, denn sie sei nicht abgesichert, sagte er weiter. Ein iranischer Diplomat bestätigte ebenfalls „kleine Fortschritte“ und stellte klar, dass die Chancen auf einen endgültigen Deal nach wie vor intakt seien.

Die fünf UNO-Vetomächter USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland (5+1-Gruppe) wollen bis zum 7. Juli mit Teheran einen Vertrag schließen, der die ausschließlich friedliche Nutzung der Atomkraft im Iran sichert. Im Gegenzug sollen Sanktionen wie das Ölembargo der EU gegen Teheran aufgehoben werden.

Inland

Sozialministerium: Mehr Arbeitslose durch Asylwerber

Das Sozialministerium hat die bisher unter Verschluss gehaltene Studie über die Arbeitsmarktöffnung für Asylsuchende publiziert. Demnach würde eine Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges für Asylwerber zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen.

Angesichts steigender Asylanträge sprach sich Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) gegen die Öffnung des Arbeitsmarktes für Flüchtlinge aus.

Die Studie ging zum Zeitpunkt des Erstellens von 33.000 Anträgen im Jahr 2015 aus und rechnete mit diesen niedrigen Antragszahlen mit einer einmaligen Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials um bis zu 10.000 Personen. Kurzfristig würde sich die Arbeitslosigkeit um 0,23 Prozentpunkte erhöhen. Das Innenministerium rechnet nunmehr bereits mit 70.000 Asylanträgen - also mehr als doppelt so vielen Anträgen - im Jahr 2015.

Nur eingeschränkte Möglichkeiten

„Vor diesem Hintergrund und den heute veröffentlichen hohen Arbeitslosenzahlen im Land - 381.898 Menschen sind im Juni arbeitslos oder in Schulung gewesen - ist für mich eine Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber nicht vertretbar“, so Hundstorfer.

Bereits jetzt gebe es 17.122 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzbedürftige in Arbeitslosigkeit, das Hauptaugenmerk liege nun darauf, diese in den Arbeitsmarkt zu integrieren, so Hundstorfer.

In Österreich ist ein eingeschränkter Arbeitsmarktzugang für Asylwerber nach drei Monaten möglich. Asylwerber können nach Erhalt einer Bewilligung entweder einer befristeten Saisonbeschäftigung im Tourismus oder in der Landwirtschaft nachgehen.

Laut Grundversorgungsgesetz können Hilfstätigkeiten in den Betreuungseinrichtungen und Unterkünften und kurzfristige (maximal drei Wochen) oder anlassbezogene Hilfstätigkeiten mit gemeinnützigem Charakter bei Bund, Land oder Gemeinde ausgeübt werden. Diese gemeinnützige Tätigkeiten gelten allerdings nicht als Arbeitsverhältnis.

Hypo-U-Ausschuss: Ex-Minister Strasser wird geladen

Die Opposition lädt einen weiteren prominenten Zeugen in den Hypo-Untersuchungsausschuss: FPÖ, Grüne und Team Stronach wollen Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) in Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang (IPO) und der damit zusammenhängenden Wandelanleihe befragen, kündigten sie heute an.

Der ehemalige Pressesprecher des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (FPÖ/BZÖ), Stefan Petzner, habe als Auskunftsperson bestätigt, was man schon lange vermutet habe, so FPÖ-Fraktionsführer Elmar Podgorschek in einer Aussendung: Strasser sei in die Abwicklung der Pre-IPO-Umtauschanleihe (Wandelschuldverschreibung) verwickelt gewesen.

NEOS sieht „Ablenkungsmanöver der FPÖ“

Strasser sei von mehreren Zeugen für die Vorgänge rund um die Wandelanleihe genannt worden, „das bestätigt sich in den Akten und rechtfertigt deshalb die Ladung“, pflichtete Grünen-Frontmann Werner Kogler bei.

Die Vienna Capital Partners (VCP) begleiteten neben der Großbank HSBC früheren U-Ausschuss-Tagen zufolge die Wandelschuldverschreibung der Hypo. VCP-Teilhaber war laut FPÖ damals Strasser.

NEOS unterstützt die Ladung nicht, dessen Abgeordneter Rainer Hable sieht darin ein „Ablenkungsmanöver der FPÖ“. Denn es gehe eigentlich um die Frage, wer sonst noch an der illegalen Parteienfinanzierung in Kärnten beteiligt gewesen sei - es sei klar, dass es nicht die Kärntner ÖVP und deren damaliger Chef Josef Martinz alleine gewesen seien, es müsse Absprachen mit den Freiheitlichen gegeben haben, vermutet Hable.

Einbürgerungen: Österreich unter EU-Schlusslichtern

Österreich weist unter den 28 EU-Staaten die viertniedrigste Einbürgerungsquote auf. Mit nur 0,7 Prozent auf 100 ansässige Ausländer gibt es nur drei Staaten mit einer niedrigeren Rate. Die Slowakei liegt bei 0,3 Prozent, Dänemark und Tschechien weisen je 0,5 Prozent auf.

Gleichauf mit Österreich liegt Estland. Spitzenreiter ist Schweden mit 7,6 Prozent, gefolgt von Ungarn (6,5 Prozent), Portugal (5,9 Prozent) und Finnland (4,6 Prozent).

Rechnungshof sieht bei Ärzteausbildung vieles im Argen

Wenig Positives hat der Rechnungshof (RH) über den Zustand der Ärzteausbildung in Österreich zu vermelden. Für die jüngst beschlossene Reform fehlten Entscheidungsgrundlagen, Anerkennungen von Ausbildungsstätten wurden über Jahre nicht evaluiert, und die Ausbildungsverantwortung in den Spitälern wurde nicht ausreichend wahrgenommen, heißt es in einem aktuellen Bericht.

Irritiert zeigte sich der RH, dass seine im Begutachtungsverfahren geäußerten Bedenken nicht berücksichtigt wurden: etwa an der Regelung bestimmter Inhalte auf der Verordnungs- statt der Gesetzgebungsebene, den für den RH nicht nachvollziehbaren Grundlagen für die Neugestaltung (z. B. Verlängerung der Allgemeinmediziner-Ausbildung) und der mangelnden Evaluierung.

Zu viele Ärzte wandern ab

Wesentliche Daten bzw. Entscheidungsgrundlagen wären aus RH-Sicht etwa erforderlich, um nachhaltig geeignete Voraussetzungen für den Verbleib von Turnusärzten in Österreich zu schaffen. Es sei nicht klar nachvollziehbar, warum so viele Absolventen einen nicht ärztlichen Berufsweg wählen, ins Ausland abwandern oder als Allgemeinmediziner zu weniger als einem Drittel eine eigene Ordination eröffnen.

Bezüglich der Ausbildungsstätten kritisierte der RH die über Jahrzehnte gültigen Anerkennungen, ohne dass Evaluierungen vorgenommen worden wären. In den vergangenen fünf Jahren habe die Ärztekammer entgegen den gesetzlichen Vorgaben auch keine Überprüfungen der Ausbildungsqualität an Ort und STelle mehr durchgeführt. Dass das neue Gesetz eine siebenjährige Befristung der Anerkennung vorsieht, sieht der RH daher positiv.

RH kritisiert fehlende Verantwortung

Bei der Ausbildungsverantwortung sei das dreistufige System - Krankenanstaltenträger, ärztlicher Leiter, Klinik- bzw. Abteilungsleiter - in keiner der untersuchten Krankenanstalten (AKH Wien, LKH Innsbruck, LK St. Pölten/Lilienfeld, LK Gmünd/Waidhofen/Zwettl) ausreichend wahrgenommen worden. Es gab kaum Aufgaben- und Tätigkeitsprofile dafür, und die Ausbildungskonzepte reichten mangels Definition von reinen Auflistungen der Module bis zu umfassenden Regelungen, so der RH.

Die Höhe der Turnusärztegehälter war laut RH intransparent und konnte nur unter Zuhilfenahme von Modellrechnungen vergleichbar gemacht werden. Die Jahresgehälter lagen demnach 2014 zwischen 60.400 und 75.300 Euro.

Wirtschaft

Russland stellt Gaslieferungen an Ukraine ein

Russland hat die Gaslieferungen an die Ukraine mit sofortiger Wirkung gestoppt. Der russische Energiekonzern Gasprom teilte heute mit, seit 10.00 Uhr (Ortszeit) seien die Lieferungen eingestellt. „Die Ukraine hat für die Gaslieferungen im Juli nicht gezahlt“, hieß es weiter. Ohne Vorauszahlungen aus der Ukraine werde es keine Lieferungen mehr geben.

Gestern hatte die Ukraine angekündigt, sämtliche Erdgaskäufe in Russland auszusetzen. Damit reagierte Kiew auf das Scheitern der Preisverhandlungen am selben Tag in Wien, von denen sich die ukrainische Regierung eine Fortsetzung der Gaslieferungen für die kommenden drei bis sechs Monate erhofft hatte.

Das ukrainische Unternehmen Naftogas erklärte jedoch, dass es das russische Erdgas weiterhin durch die Ukraine an europäische Kunden leiten werde. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, sagte, die beiden Länder hätten versprochen, dass es keine Lieferunterbrechungen geben werde. Russland und die Ukraine bemühten sich weiter, eine Lösung des Streits zu finden.

Kanada: Grünes Licht für Verkauf von Cirque du Soleil

Die kanadische Regierung hat dem Verkauf des weltberühmten Cirque du Soleil an Investoren aus den USA und China zugestimmt. Der Verkauf sei für Kanada wirtschaftlich von Vorteil, sagte Industrieminister James Moore heute. Die neuen Eigentümer hätten zudem zugesichert, dass das Management des Zirkus weiterhin mehrheitlich aus Kanadiern bestehen solle.

Der Cirque du Soleil hatte sich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten im April zu dem Verkauf entschlossen. Das in Montreal ansässige Unternehmen geht für eine ungenannte Summe an ein Konsortium aus dem US-Risikokapitalfonds TPG Capital und dem chinesischen Investmentfonds Fosun Capital.

TGP will 60 Prozent und Fosun Capital 20 Prozent der Anteile übernehmen. Der Gründer Guy Laliberte behält einen Minderheitsanteil von zehn Prozent an dem Zirkus, den er 1984 ins Leben gerufen hatte. Die restlichen zehn Prozent hält die öffentliche Investitionsgesellschaft der Provinz Quebec.

Hunderte Jobs gestrichen

Der Zirkus, dessen Wert auf bis zu 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) geschätzt wird, hat acht feste Shows in Las Vegas, die für die Hälfte der Einnahmen sorgen. Finanzielle Schwierigkeiten machen vor allem die Tourneen mit 1.300 Künstlern durch Europa und Asien. Der Cirque du Soleil hatte erstmals 2012 keinen Gewinn mehr gemacht und in den vergangenen Jahren rund tausend der einstmals 5.000 Stellen gestrichen.

Toyota: US-Managerin nach Festnahme zurückgetreten

Nach ihrer Festnahme wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen Japans Betäubungsmittelgesetz ist Toyotas Kommunikationschefin Julie Hamp zurückgetreten. Das japanische Unternehmen habe das Rücktrittsgesuch der 55-jährigen US-Amerikanerin angenommen, teilte der weltgrößte Autokonzern heute mit.

Der Vorfall habe den Aktionären Sorgen bereitet und Unannehmlichkeiten verursacht. Hamp war Mitte Juni wegen des Verdachts festgenommen worden, illegal Schmerztabletten mit dem Narkotikum Oxycodon ins Land gebracht zu haben. Das Mittel ist in Japan verschreibungspflichtig.

Erst im April hatte Hamp als erste Frau im Topmanagement die Führung von Toyotas Kommunikationsabteilung übernommen. Sie habe nach eigenen Angaben nicht bewusst gegen das Gesetz verstoßen wollen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Polizei. Toyota wollte sich aufgrund der andauernden Ermittlungen nicht weiter zu dem Fall äußern.

Einigung im Tarifstreit bei Deutscher Bahn

Kurz vor Ferienbeginn ist der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn (DB) beendet worden. Das Unternehmen und die deutsche Lokführergewerkschaft GDL hätten sich geeinigt, wie der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Brandenburgs früherer Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) als Schlichter heute in Berlin mitteilten.

„Alles ist unterschrieben, der Tariffrieden ist hergestellt“, sagte Platzeck. „Wir haben am Ende einen Abschluss mit Vernunft und Augenmaß hinbekommen.“ Die Verträge seien bereits gestern unterschrieben worden.

Die eigentlich auf drei Wochen angelegte Schlichtung war zweimal verlängert worden. Platzeck sagte, zwischenzeitlich habe es auch einen Abbruch gegeben.

Konflikt dauerte ein Jahr

Das zentrale Thema seien weniger Belastungen gewesen, sagte Ramelow. Unter anderem sei der Abbau von Überstunden als Aufgabe für beide Seiten vereinbart worden. Es würden zusätzliche Zugsbegleiter und Lokführer eingestellt, kündigte Ramelow an. Es gebe für Arbeitnehmer künftig auch die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu senken.

Zudem gebe es einen „Bundesrahmentarifvertrag Zug“ - damit ist eine zentrale Forderung der GDL erfüllt. Nach Angaben der Schlichter wurden insgesamt 16 Verträge unterschrieben. Der Konflikt hatte ein Jahr gedauert, neunmal streikten die GDL-Mitglieder und brachten den Bahnverkehr in großten Teilen Deutschlands zum Erliegen.

Sport

Copa America: Argentinien zerlegt Paraguay

Das Finale der 44. Copa America in Chile steht fest. Einen Tag nach den Gastgebern stürmte in der Nacht auf Mittwoch Argentinien mit einem Schützenfest im Semifinale ins Endspiel. Lionel Messi und Co. zerlegten „Riesentöter“ Paraguay in Concepcion mit 6:1 und buchten damit das Ticket für den Showdown mit Chile. Auch ohne Tor von Messi, der sich diesmal auf die Rolle als Vorlagengeber beschränkte, waren die Argentinier Paraguay klar überlegen.

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Fußball-WM: US-Frauen reißen Deutsche aus Titeltraum

Der Traum des deutschen Frauen-Teams vom dritten WM-Titel ist geplatzt, jener der USA bei den Titelkämpfen in Kanada lebt hingegen weiter. Die Amerikanerinnen setzten sich in der Nacht auf heute in Montreal im Semifinale gegen die Deutschen klar mit 2:0 durch und kämpfen damit am Sonntag um Gold. In einer temporeichen Partie fiel die Vorentscheidung vom Elfmeterpunkt. Während der besten deutschen Torschützin die Nerven versagten, brachte ein umstrittener Penalty die USA auf die Siegerstraße.

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Tennis: Thiem Außenseiter in zweiter Wimbledon-Runde

Nach seinem Wimbledon-Premierensieg gegen den Israeli Dudi Sela bestreitet Dominic Thiem heute sein Zweitrundenmatch beim Tennis-Grand-Slam-Turnier in London. Gegen Fernando Verdasco gilt der 21-jährige Niederösterreicher als Außenseiter, hat der Spanier doch wesentlich mehr Routine auf Rasen. In Wimbledon hatte Verdasco vor zwei Jahren das Viertelfinale erreicht und dort dem späteren Sieger Andy Murray einen harten Kampf geliefert.

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Chronik

Zahlreiche Tote durch Erdrutsche in Indien

Nach heftigen Monsunregenfällen sind in Indien mindestens 21 Menschen durch Erdrutsche ums Leben gekommen. Besonders betroffen waren die Städte Mirik, Kalimpong und Darjeeling im Bundesstaat Westbengalen, wo die Polizei weitere Tote befürchtet, hieß es heute. Rettungskräfte suchten weiter nach Überlebenden, anhaltender Regen behinderte die Arbeiten jedoch.

In Mirik wurden 13 Leichen geborgen, in Kalimpong fünf und in Darjeeling drei, sagte der Polizeichef des Bezirks Darjeeling. Mindestens 15 weitere Menschen seien in Kalimpong vermisst. Berichten zufolge wurden mehr als 100 Häuser zerstört.

Die Darjeeling-Region ist ein beliebtes Touristenziel. Berühmt ist der Landstrich für seine großen Teeplantagen. Kolkata (Kalkutta) liegt rund 600 Kilometer nördlich. Derzeit ist Monsunsaison in Südasien.

Gesundheit

Bionisches Auge erstmals in Österreich implantiert

Erstmals ist in Österreich ein bionisches Auge, ein epiretinaler Augenchip, erfolgreich implantiert worden. Das Retinarprothesesystem hat seine erste Funktion bereits aufgenommen, die 55-Jährige Patientin kann erste Lichtreize wahrnehmen, sagte KAV-Sprecher Christoph Mierau heute.

Der Patientin stehe noch ein längerer Lernprozess sowie Justierungen der Systemsoftware bevor, sagte Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung in der Rudolfstiftung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV). Weltweit hat es erst rund 140 derartige Operationen gegeben, die zu den schwierigsten Eingriffen am Auge gehören.

Videokamera funkt Bilder an Chip auf Netzhaut

Das bionische Auge funktioniert vereinfacht so: In einer Spezialbrille ist eine Videokamera eingebaut, die Bilder zu dem auf der Netzhaut angebrachten Chip funkt. „Dieser Chip stimuliert die restlichen in der inneren Netzhautschicht intakten Nervenzellen des Auges, die dann die Reize über den Sehnerv ans Gehirn weiterleiten“, so Binder.

Ziel ist es, dass die Patienten künftig Schatten, Menschen-Silhouetten, Gehsteigkanten, etc. erkennen, damit sie sich auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung besser orientieren und bewegen können. Für diese OP kommen lediglich Menschen infrage, die sehend aufwuchsen, dann aber an einer Degeneration der äußeren Netzhaut erkrankten und erblindeten.

IT

Religion

Jerusalem: Familie findet antikes Ritualbad

Eine Familie in Jerusalem hat beim Renovieren ihres Wohnzimmers unter dem Fußboden ein etwa 2.000 Jahre altes jüdisches Ritualbad, eine Mikwa, gefunden. Das in Stein gehauene Bad sei 3,5 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,8 Meter tief, teilte die israelische Altertumsbehörde heute mit. Religiöse Juden benutzen ein solches Tauchbad regelmäßig, um rituelle Reinheit zu erlangen.

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Was Österreich gegen Dschihadismus tut

Mehr als 200 Personen aus Österreich sind in der jüngeren Vergangenheit als Dschihadisten nach Syrien gegangen. Was wird getan, um Jugendliche davor zu schützen, in den Sog von Extremisten zu geraten? Auf politischer Ebene gehört Präventionsarbeit gegen Extremismus längst zur Realität.

Auch verschiedene muslimische Organisationen widmen sich dem schwierigen Gebiet. Die Bekämpfung des Extremismus sei allerdings von Muslimen allein nicht zu schaffen, so Dudu Kücükgöl von der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) im Gespräch mit religion.ORF.at.

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Kultur

Erste schwarze Primaballerina an American Ballet Theater

Die Tänzerin Misty Copeland hat Geschichte geschrieben: Wie die „New York Times“ gestern berichtete, wurde die 32-jährige Afroamerikanerin zur Solotänzerin des seit 75 Jahren bestehenden American Ballet Theater (ABT) ernannt - als erste Ballerina mit dunkler Hautfarbe.

Beispiellose Karriere gegen viel Widerstand

Copeland, die mit 13 Jahren begann, Ballettunterricht zu nehmen, hat sich gegen viele Widerstände in die Position gekämpft. Zu klein, zu athletisch, zu viel Oberweite, viel zu alt: So lautete die Kritik, die sich die Tänzerin zu Beginn ihrer Karriere oft anhören musste. Zahlreiche Absagen von Ballettschulen und Kompagnien hielten sie nicht davon ab, ihren Traum zu verfolgen.

Balletttänzerin Misty Copeland

APA/AP/Mary Altaffer

Misty Copeland in „Schwanensee“ an der Metropolitan Opera

Seit 2007 ist Copeland Solotänzerin der renommierten New Yorker Institution. Sie war in den vergangenen Jahren in zahlreichen großen Rollen zu sehen, das Magazin „Time“ widmete ihr einen großen Artikel inklusive Cover, und über eine halbe Million Fans folgen ihrem Instagram-Account.

„Ich hatte Momente, in denen ich an mir gezweifelt habe und meine Karriere beenden wollte, weil ich glaubte, als Afroamerikanerin hätte ich keine Chance, auf dieses Level zu gelangen,“ sagte Copeland gestern in einer Pressekonferenz in der Metropolitan Opera. „Gleichzeitig hat es mich angespornt, mich durchzubeißen, für die nächste Generation. Ich stehe hier nicht alleine, sondern stellvertretend für alle, die vor mir kamen und mir den Weg bereitet haben.“

Autobiografien für Kinder und Erwachsene

Als eine von insgesamt nur drei schwarzen Künstlerinnen, der eine Solokarriere beim ABT gelang, hatte sie sich zuvor schon öfter über die Schwierigkeiten dunkelhäutiger Tänzer im klassischen Ballet geäußert.

Im vergangenen Jahr erschien ihre Autobiografie „Life in Motion: An Unlikely Ballerina“ sowie mit „Firebird“ ein Kinderbuch, in dem Copeland junge Mädchen und Buben mit ihrer Geschichte ermutigen will, ihre Träume zu leben. Beide Bücher wurden von Kritikern hochgelobte Bestseller.

Siri Hustvedt führt weiter ORF-Bestenliste an

Bereits zum zweiten Mal belegt Siri Hustvedt mit ihrem Roman „Die gleißende Welt“ den ersten Platz der ORF-Bestenliste. Platz zwei geht an den diesjährigen Gewinner des Man Booker International Prize, Laszlo Krasznahorkai, für seinen Erzählband „Die Welt voran“. Auf dem dritten Platz liegt John Williams, der mit seinem Western „Butcher’s Crossing“ bereits zum dritten Mal in der ORF-Bestenliste vertreten ist. 
 
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Leute

Lifestyle

Donna Karan hört als Chefdesignerin auf

Donna Karan (66) hat angekündigt, den Posten als Chefdesignerin ihrer Firma Donna Karan New York niederzulegen. Das teilte das Unternehmen gestern mit. „Es ist wirklich das Ende einer Ära, aber wir werden Donna Karan als Ikone immer verehren.“

Die 66-Jährige werde Beraterin des Unternehmens bleiben, den Fokus ihrer Arbeit allerdings auf ihre Stiftung Urban Zen richten. Die Stiftung unterstützt soziale und kulturelle Projekte, ein Schwerpunkt ist der Kampf gegen Armut und gegen Krankheiten wie Aids und Malaria.

Erfolg mit „seven easy pieces“

Den Grundstein für ihren Erfolg hatte die Designerin mit sieben simplen Kleidungsstücken gelegt: Die „seven easy pieces“ waren schwarz und aus bequemen Materialien. Stets neue Kombinationen waren möglich aus Bodysuit, Wickelrock, tailliertem Sakko, Kaschmirpulli, Mantel, Hose und kleinem Abendkleid - mehr brauche die Frau nicht, befand die Designerin.

Anfang der 1980er Jahre hatte sich Karan selbstständig gemacht. 2001 verkaufte sie ihr Unternehmen für 643 Millionen Dollar an den französischen Luxuskonzern Moët Hennessy - Louis Vuitton, blieb aber weiterhin verantwortlich für ihre Kreationen.