Ausland

Russland: Rund 8.500 Menschen verließen Aleppo

In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sollen russischen Angaben zufolge innerhalb von 24 Stunden rund 8.500 Menschen die Konfliktzone verlassen haben. Zudem hätten einige Kämpfer die Waffen niedergelegt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte gestern gesagt, die syrische Armee habe ihre Angriffe in Aleppo unterbrochen, um etwa 8.000 Zivilisten aus der Stadt zu bringen. Doch gingen die Kämpfe nach Angaben von Aktivisten weiter. Lawrow kündigte zudem ein Treffen russischer und US-amerikanischer Experten für morgen in Genf an. Sie sollten ein Abkommen mit einer Lösung für Ostaleppo erarbeiten.

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Kurz stellt sich in Hamburg als OSZE-Vorsitzender vor

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) stellt sich heute beim OSZE-Ministerrat in Hamburg als neuer Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vor.

Kurz präsentiert den 57 OSZE-Staaten zu Mittag das Arbeitsprogramm des am 1. Jänner beginnenden Vorsitzes Österreichs. Er will sich vor allem um mehr Vertrauen zwischen dem Westen und Russland bemühen.

Kurz übernimmt den Vorsitz vom deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der gestern von „stürmischen Zeiten“ gesprochen hatte.

Gespräche mit Parteien: Mattarella setzt Konsultationen fort

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella, der gestern Abend politische Konsultationen für eine Bewältigung der politischen Krise begonnen hat, setzt seine Gespräche heute fort. Vorgesehen sind Treffen mit den kleineren im Parlament vertretenen Parteien, darunter der Südtiroler Volkspartei (SVP), deren Delegation am Vormittag in Rom empfangen wird.

Laut italienischen Medienberichten will Mattarella versuchen, schon am Montag eine Übergangsregierung einzusetzen. Er wolle dafür sorgen, dass Italien mit einer neuen Regierung am EU-Gipfeltreffen am 15. Dezember teilnehmen kann.

Als mögliche Premierskandidaten werden Senatspräsident Pietro Grasso, der scheidende Außenminister Paolo Gentiloni und der scheidende Infrastrukturminister Graziano Delrio gehandelt.

Oppositionsparteien machen Druck

Ein kompakter Block aus Oppositionsparteien, die großen Widerstand gegen die Verfassungsreform geleistet haben, macht Druck auf Mattarella für sofortige Neuwahlen. Angeführt wird die Front der Neuwahlbefürworter von der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung.

Die „Grillini“, die Anhänger von Fünf-Sterne-Gründer und Starkomiker Beppe Grillo, haben bereits Onlinekonsultationen über ein Wahlprogramm und einen Premierskandidaten gestartet.

Clinton warnt vor Gefahr durch Falschmeldungen

Die unterlegene US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat vor der Verbreitung von Falschmeldungen im Internet gewarnt. Diese könnten „Konsequenzen in der realen Welt“ haben, sagte Clinton gestern in Washington.

Im Kampf gegen Falschmeldungen gehe es nicht um Politik oder Parteizugehörigkeit: „Menschenleben sind in Gefahr.“

„Demokratie beschützen“

Die Demokratin beklagte eine „Epidemie böswilliger Falschmeldungen und falscher Propaganda“, die in den vergangenen Monaten das Internet geflutet habe. Dem Phänomen müsse rasch die Stirn geboten werden, um „unsere Demokratie und unschuldige Leben zu beschützen“.

Ermittlungen auf eigene Faust

Clinton war im Wahlkampf von ihren Gegnern unter anderem als Chefin eines Pädophilenrings bezeichnet worden, der sich in einem beliebten Pizzarestaurant in Washington treffe.

Am Wochenende stürmte daraufhin ein 28-jähriger Bewaffneter das Restaurant und schoss um sich. Herbeigeeilten Polizisten sagte er, er sei eigens aus North Carolina gekommen, um selbst in dem vermeintlichen „Pizzagate“-Fall zu „ermitteln“.

EU feiert 25 Jahre Vertrag von Maastricht

Spitzenvertreter der Europäischen Union feiern heute den 25. Geburtstag des Vertrags von Maastricht. Mit dem im Dezember 1991 ausgehandelten Dokument wurde zwei Jahre später aus der Europäischen Gemeinschaft die Europäische Union in ihrer jetzigen Form.

Der Vertrag ermöglichte den Einstieg in eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine Zusammenarbeit in der Justiz- und Innenpolitik. Zudem wurde die Wirtschafts- und Währungsunion gegründet.

Hochrangige Gäste bei Feier

Zu der Feier in Maastricht werden neben anderen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Parlamentspräsident Martin Schulz und Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem erwartet. Auf dem Programm stehen neben Reden auch Diskussionsrunden.

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge soll im kommenden März in Italien gefeiert werden. Mit ihnen waren 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäischen Atomgemeinschaft (EAG oder Euratom) gegründet worden.

Mindestens 50.000 IS-Kämpfer laut Pentagon getötet

Die US-geführte Militärkoalition im Irak und in Syrien hat seit Beginn ihrer Einsätze vor zwei Jahren laut US-Angaben mindestens 50.000 Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet.

Das sei eine „vorsichtige Schätzung“, sagte ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums gestern in Washington. Diese Zahl habe eine „Auswirkung auf den Feind“. Er äußerte sich nicht dazu, wie viele Kämpfer die Miliz noch hat.

IS setzt zunehmend Jugendliche ein

Die Militärallianz ist derzeit an Großoffensiven in al-Rakka und Mossul, den beiden letzten IS-Hochburgen in Syrien und im Irak, beteiligt. Seit Ende 2014 fliegt sie massive Luftangriffe mit Flugzeugen und Drohnen gegen die Miliz. Insgesamt führte die Koalition laut Pentagon rund 16.000 Luftangriffe aus, zwei Drittel davon im Irak.

Der Sprecher der Militärkoalition, Oberst John Dorrian, hatte zuvor gesagt, dass der IS in Mossul zunehmend jugendliche Kämpfer einsetzen müsse, da es derart hohe Verluste unter seinen erfahrenen Milizionären gebe. „Mehrere hundert“ IS-Kämpfer seien beim Kampf um die Stadt getötet worden.

UNO: „Aushöhlung der Menschenrechte“

UNO-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein hat eine weltweite Aushöhlung der Menschenrechte beklagt und vor einer Zunahme von „faschistischer Rhetorik“ in Teilen Europas und der USA gewarnt.

2016 sei ein „katastrophales Jahr für die Menschenrechte“ gewesen, sagte Hussein. Sollte sich die Aushöhlung der Menschenrechte fortsetzen, „wird am Ende jeder darunter leiden“.

Hussein verwies auf Konflikte wie den Bürgerkrieg in Syrien, die „grauenvolle Gewalt“ durch Extremistengruppen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), den Klimawandel, Diskriminierung und enorme wirtschaftliche Ungleichgewichte.

Das Versagen vieler politischer Führer im Umgang mit diesen Problemen führe dazu, dass viele Menschen anfällig seien für Populisten, die Angst säten, Fehlinformationen und Zwiespalt verbreiteten und „Versprechungen machen, die sie nicht halten können“, beklagte der UNO-Menschenrechtskommissar.

In einigen Teilen Europas und in den USA breite sich eine boshafte und hasserfüllte ausländerfeindliche Rhetorik aus, warnte Hussein. Die politische Führung setze dieser häufig nichts entgegen. „Die Rhetorik des Faschismus ist nicht länger auf eine geheime Unterwelt von Faschisten beschränkt“, sondern werde zunehmend alltäglich. Hussein rief dazu auf, Hass und Gewalt energisch zurückzudrängen.

Inland

Sobotka zu Bayern: Kein Verständnis für Staus

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern zu einem „klärenden Gespräch“ zu den deutschen Grenzkontrollen zu Österreich getroffen.

Vor dem EU-Innenministerrat in Brüssel sagte Sobotka heute, es dürften keine zusätzlichen Staus produziert werden. „Das Problem ist lösbar mit einer guten Kooperation.“

Der deutsche Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) sagte indes: „Wirklich guten Herzens auf Grenzkontrollen zu verzichten geht erst, wenn Schengen wieder voll funktionsfähig ist oder erstmalig voll funktionsfähig ist, wenn man ehrlich ist. Es ist noch ein weiter Weg, bis wir auf diese Grenzkontrollen verzichten können.“

Länge der Kontrollen noch ungewiss

Wie lange die Kontrollen noch durchgeführt werden, lasse sich nicht sagen, das hänge vom EU-Außengrenzschutz und vom Funktionieren des europäischen Asylsystems ab, sagte Schröder. Österreich habe selber klare Grenzkontrollen in Richtung Ungarn und sei nicht nur „Opfer“ bayrischer Grenzkontrollen. Dass es ab März wieder Rückstellungen von Dublin-Asylwerbern nach Griechenland gebe, sei „ein ermutigendes Signal“.

Kein Verständnis für Staus

Sobotka sagte gegenüber der APA, er habe Verständnis dafür, dass Bayern Kontrollen aufziehe, die effizient seien und 24 Stunden gingen. Kein Verständnis gebe es, wenn durch diese Kontrollen riesige Staus produziert werden, noch dazu in der Tourismuszeit.

Auch für die Entwicklung der Wirtschaft sei eine funktionierende Zulieferindustrie wichtig. Das Verhältnis der österreichischen zur bayrischen Polizei sei sehr eng. Die Zusammenarbeit mit dem polizeilichen Kooperationszentrum in Passau laufe sehr gut.

Kurz: Mit Van der Bellen „ausgezeichnet zusammenarbeiten“

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) erwartet eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem künftigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und will diesen bei dessen Tätigkeit „bestmöglich unterstützen“. In der Frage der Rolle Österreichs in der EU betrage die Übereinstimmung „100 Prozent“, sagte Kurz im APA-Gespräch. Er positionierte sich auch gegen ein „Ostbündnis“ mit den Visegrad-Nachbarn.

„Wir werden mit dem Bundespräsidenten ausgezeichnet zusammenarbeiten, davon bin ich überzeugt“, sagte der ÖVP-Politiker. Er verwies diesbezüglich auf die Kooperation mit Bundespräsident Heinz Fischer, die „immer exzellent funktioniert“ habe.

Sebastian Kurz und Alexander Van der Bellen

APA/Dragan Tatic

„Mein Zugang ist es, nicht nur eine gute Zusammenarbeit zu suchen, sondern den Bundespräsidenten bei seiner Tätigkeit bestmöglich zu unterstützen und zu servicieren“, so Kurz. Es werde eine „enge Abstimmung“ geben, etwa bei Auslandsbesuchen. „Manchmal macht es Sinn, sich die Landkarte etwas aufzuteilen“, sagte Kurz auf die Frage, ob es auch eine Arbeitsteilung geben könnte.

Nicht näher bei Hofer

Der Außenminister hatte sich in den vergangenen Monaten mit pointierten Positionen in der Flüchtlingsfrage, der Forderung nach einem Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei und dem Drängen auf Reformen innerhalb der EU hervorgetan. Dass ihm Van der Bellens unterlegener Gegenkandidat Norbert Hofer (FPÖ) inhaltlich näher stehe, bestritt Kurz. Vielmehr wies er darauf hin, dass ihn beide Präsidentschaftskandidaten gelobt, aber auch kritisiert hätten.

„Ich lasse mich in keine Schublade stecken“, so Kurz. „Ich habe sehr klare Haltungen, ich habe sehr klare politische Zugänge, die sind auch öffentlich bekannt. (...) Sie werden Themen finden, da gibt’s Übereinstimmungen mit den Grünen, Sie werden Themen finden, da gibt’s Übereinstimmungen mit anderen Parteien.“

Gespräche schon nach erster Stichwahl

Kurz berichtete, dass er schon nach der später aufgehobenen Stichwahl im Mai ein Gespräch mit Van der Bellen über die österreichische Außenpolitik geführt und einen „ausgezeichneten Eindruck“ gewonnen habe.

„Ich weiß, dass er ein Interesse daran hat, dass Österreich eine starke Rolle in der Europäischen Union, aber auch in internationalen Organisationen, allen voran in der UNO, spielen soll. Ich glaube, hier stimmen wir zu 100 Prozent überein. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir gemeinsam gut zusammenarbeiten werden und Österreich im Ausland vertreten werden.“

Wirtschaft

Goldman-Sachs-Chef erwartet von Trump weniger Auflagen

Der Chef der US-Investmenbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, erwartet vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump einen schnellen Abbau von Auflagen für die Finanzbranche. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass einige Regeln wieder gelockert werden“, sagte Blankfein dem deutschen „Handelsblatt“ (Freitag-Ausgabe).

Nach der Finanzkrise seien viele Kontrollen aus einer „traumatischen Situation“ heraus beschlossen worden; das Pendel sei zu weit in eine Richtung ausgeschlagen, nötig sei eine neue Balance.

Volcker-Regel "ineffizient

„Das wäre wohl auch ohne Trump gekommen, aber mit ihm geht es wahrscheinlich schneller“, sagte Blankfein. Als besonders kompliziert und ineffizient kritisierte der Bankchef die Volcker-Regel, die den Banken verbietet, auf eigene Rechnung zu spekulieren.

Außerdem warnt er vor Vorschlägen, Gehaltsanteile von Bankmanagern auf lange Sicht zu sperren, um sie bei Fehlverhalten zurückfordern zu können. Auf diese Weise werde der Barwert der Bezüge stark gemindert. Er sieht darin einen Wettbewerbsnachteil für die betroffenen Banken.

Der Chef von Goldman Sachs fürchtet nach eigenen Worten nicht, dass eine Lockerung der Regeln zur nächsten Finanzkrise führt. „In einer Welt ohne Risiko will niemand leben, wir könnten den Planeten gar nicht ernähren“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Japan hält vorerst am Handelspakt TPP fest

Japan hält trotz der Absage des künftigen US-Präsidenten Donald Trump an der geplanten transpazifischen Freihandelszone (TPP) fest. Das nationale Parlament billigte heute das Handels- und Investitionsschutzabkommen, womit der Ratifizierungsprozess in Japan so gut wie abgeschlossen ist.

Ohne eine Ratifizierung durch die USA kann TPP jedoch nicht in Kraft treten. Trump hatte zu den Prioritäten seiner ersten 100 Amtstage angekündigt, die USA würden sich aus dem geplanten Handelspakt zurückziehen.

TPP war von zwölf Ländern rund um den Pazifik ausgehandelt worden. Sie repräsentieren 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung; China ist nicht dabei. Die USA allein machen rund 60 Prozent der Wirtschaftsleistung aller TPP-Unterzeichnerstaaten zusammen aus.

Wichtiger Teil der Handelspolitik

Obgleich es unklar sei, ob der Handelspakt zustande komme, sei es von großer Bedeutung, der Welt die strategische und wirtschaftliche Bedeutung einer fairen Wirtschaftszone deutlich zu machen, wurde der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe zitiert.

Der Handelspakt war bisher ein wichtiger Bestandteil seiner Handelspolitik gewesen. Abe will zwar vorerst weiter an dem Projekt festhalten, er hatte jedoch auch gesagt, dass der Handelspakt ohne die USA „bedeutungslos“ sei.

Sollte TPP letztlich scheitern, erwarten manche Beobachter, dass China künftig eine größere Rolle bei der Gestaltung der Regeln für den Handel in der Region Asien/Pazifik spielen wird.

Frühere PCB-Produktion: US-Bundesstaat klagt Monsanto

Das Bayer-Übernahmeziel Monsanto ist wegen der früheren Herstellung der giftigen Chemikalie PCB in den USA geklagt worden. Der US-Bundesstaat Washington verlangt Schadenersatz für Umweltverseuchung und die wirtschaftlichen Folgen.

Das Unternehmen aus St. Louis habe jahrzehntelang PCB produziert und dabei sein Wissen über die Gefahren des toxischen Stoffes für Mensch und Umwelt verheimlicht, sagte gestern Generalstaatsanwalt Bob Ferguson.

Monsanto sei von 1935 an der einzige PCB-Hersteller in den USA bis zum Verbot der krebserregenden Substanz in den Vereinigten Staaten 1979 gewesen.

Weitere Klagen durch US-Städte

Der Saatgut- und Herbizidproduzent bezeichnete die Klage als grundlos. Denn die Chemikalie sei damals zugelassen und nützlich gewesen und von Behörden und Unternehmen gerne eingesetzt worden.

Mindestens acht Städte an der US-Westküste gehen mit ähnlichen Klagen gegen Monsanto vor. PCB wurde früher häufig zu Isolierungen bei elektrischen Produkten und als Weichmacher bei Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen eingesetzt.

Kauf um 66 Milliarden geplant

Monsanto ist auch der Entwickler des Unkrautvernichters Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein, und auch wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte umstritten.

Bayer hatte sich im September nach monatelangem Ringen mit Monsanto auf ein Zusammengehen verständigt. Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern will das US-Unternehmen für 66 Milliarden Dollar kaufen.

Beweismittel weg: US-Behörde fordert Aufklärung von VW

Im „Dieselgate“-Rechtsstreit fordert die US-Handelsbehörde weitere Schritte, um das Verschwinden von Beweismitteln bei VW aufzuklären. Es gebe glaubhafte Hinweise, dass bei Volkswagen absichtlich belastendes Material zerstört worden sei, teilten Anwälte der Federal Trade Commission (FTC) gestern dem für zahlreiche US-Zivilklagen gegen VW zuständigen Gericht in San Francisco mit.

VW wies den Verdacht zurück. Die Behauptungen seien Teil eines seit Langem andauernden Konflikts um juristische Offenlegungspflichten, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Verschwundene Mobiltelefone

In dem FTC-Dokument ist unter anderem die Rede von 23 Mobiltelefonen, die „wichtigen Personen“ gehört hätten und die verschwunden oder deren Speicher gelöscht worden seien. Zudem will die Behörde, dass die Umstände der Kündigung eines Ex-Mitarbeiters von VW weiter aufgeklärt werden, der im März eine Whistleblower-Klage gegen den Konzern eingereicht hatte. Der Mann gab damals an, er habe im VW-Rechenzentrum in Michigan versucht zu verhindern, dass Daten gelöscht werden. Der Konzern bezeichnet die Klage als unbegründet.

Die VW-Anwälte vertraten Gerichtsunterlagen vom November zufolge die Auffassung, es sei nicht ungewöhnlich, dass Mobiltelefone verloren gingen oder ihre Daten versehentlich gelöscht würden. Daran sei nichts „bemerkenswert“.

EU startet Verfahren gegen deutsche Regierung

Indes eröffnete die EU-Kommission ein Verfahren gegen Deutschland. Die Brüsseler Behörde wirft der deutschen Regierung vor, nichts gegen Volkswagen unternommen zu haben, obwohl das Unternehmen mit Hilfe einer illegalen Software die Abgaswerte von Millionen Dieselautos fälschte. Zudem sollen sechs weitere EU-Staaten zur Verantwortung gezogen werden. Ein Vertragsverletzungsverfahren verläuft in mehreren Stufen und kann mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) sowie einer Geldbuße für das betroffene Mitgliedsland enden.

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Sport

Europa League: Austria wirft in Pilsen Aufstieg weg

Das Europacup-Abenteuer der Wiener Austria ist nach der Gruppenphase der Europa League für heuer zu Ende. Die Wiener mussten sich im entscheidenden Spiel der Gruppe E bei Viktoria Pilsen mit 2:3 (2:1) geschlagen geben und verpassten damit den Aufstieg ins Sechzehntelfinale. Die Austria warf das Ticket für die K.-o.-Phase im wahrsten Sinne des Wortes weg. Denn die Wiener führten gegen die Tschechen bereits mit 2:0, kassierten aber trotz numerischer Überlegenheit über 70 Minuten noch drei Treffer.

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Europa League: Salzburger Abschluss mit Prestigesieg

Red Bull Salzburg hat zum Abschluss der Gruppenphase der Europa League noch einen Prestigeerfolg gelandet. Die Mannschaft von Trainer Oscar Garcia setzte sich gestern Abend im Schlager gegen Schalke 04 mit 2:0 durch und fügte dem deutschen Traditionsclub im letzten Spiel die erste Niederlage zu. In einer unterhaltsamen Partie zeigten die Salzburger vor allem in der ersten Hälfte auf. Ein erst 19-Jähriger brachte die „Bullen“ auf Siegeskurs.

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Fußball: „XXL-WM“ rückt näher

Seit sich Gianni Infantino vor über einem Jahr für das Amt des FIFA-Präsidenten beworben hat, macht er Werbung für seine Idee einer Aufstockung der Weltmeisterschaft. Dieses Ziel verfolgt der 46-jährige Schweizer hartnäckig und er lässt sich dabei nicht beirren. Das Premiumprodukt des Fußballweltverbandes könnte zu einer „XXL-WM“ mit bis zu 48 Teilnehmern werden. Im Jänner soll eine Entscheidung fallen. Sein Expansionsplan stößt laut Infantino auf mehr und mehr Zustimmung.

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Chronik

Für 2016 wieder Rückgang bei Verkehrstoten erwartet

Das Jahr 2014 ist mit einer Gesamtbilanz von 430 Toten durch Verkehrsunfälle auf Österreichs Straßen als das Jahr mit der bisher niedrigsten Opferzahl in die Unfallstatistik eingegangen. Mit einem ähnlichen Wert rechnet das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) auch heuer. So werden 429 Getötete prognostiziert, sagte Othmar Thann, Direktor des KFV.

„Trotz einer Zunahme am Verkehrsaufkommen gehen die Zahlen der Getöteten und Verletzten kontinuierlich zurück“, sagte Thann. 2013 gilt mit 455 Verkehrstoten derzeit als zweitbestes Jahr. 2015 starben jedoch insgesamt 479 Menschen, trotzdem rangiert das Vorjahr immer noch auf dem dritten Platz.

Zwischenziel wird vermutlich erreicht

Bis Wochenbeginn am 4. Dezember starben heuer 402 Menschen bei Verkehrsunfällen auf den heimischen Straßen. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 450 und im besten Jahr 2014 insgesamt 411, geht aus der Statistik des Innenministeriums hervor.

Zurückzuführen sei der stetige Rückgang auch auf eine fortgeschrittene Bewusstseinsbildung. „Die Leute halten sich mehr an die Regeln“, erläuterte Thann. Das gelte etwa für Alkohol am Steuer.

Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm 2011 - 2020 sieht eine kontinuierliche Reduktion der Zahl der Verkehrstoten vor - bis auf maximal 311 Menschen im Jahr 2020. Das Zwischenziel für 2016 wäre insgesamt 435 Tote. Mit der heurigen Prognose von 429 wäre dieses „erreicht und sogar etwas besser“, sagte Thann.

US-Star Vergara im Namen eingefrorener Embryonen geklagt

Der kolumbianisch-US-amerikanische Fernsehstar Sofia Vergara ist Zielscheibe einer ungewöhnlichen Klage: Im US-Bundesstaat Louisiana wurde eine Klage im Namen zweier Embryonen eingereicht, in der das Recht der beiden auf Geburt eingefordert wird. Wie die „New York Post“ gestern berichtete, werden die beiden ungeborenen Klägerinnen in den Akten als „Emma“ und „Isabella“ bezeichnet.

Sofia Vergara

APA/AFP/Angela Weiss

In der offenbar von einer Stiftung im Namen der Embryonen eingereichten Klageschrift wird argumentiert, den Embryonen werde ihr Erbe vorenthalten, wenn sie nicht ausgetragen würden. In Louisiana werden auch Embryonen als Personen mit vollen Rechten angesehen.

Ex-Freund reichte Klage ein

Zuvor hatte sich Vergaras Ex-Freund Nick Loeb monatelang mit der Schauspielerin um die beiden im Reagenzglas gezeugten Embryonen gestritten. Er hatte das Sorgerecht für die befruchteten Eizellen gefordert und argumentiert, eine Frau könne ein Baby austragen, auch wenn der Vater dagegen sei. Im Gegenzug müsse auch ein Vater das Recht haben, seine ungeborenen Kinder austragen zu lassen, selbst wenn die Mutter dagegen sei.

Vor wenigen Tagen hatte Loeb angekündigt, er wolle die Klage gegen Vergara fallen lassen. Loeb und Vergara hatten vor der künstlichen Befruchtung 2013 eine Erklärung unterzeichnet, wonach über das weitere Schicksal der Embryonen nur im beiderseitigen Einvernehmen entschieden werden dürfe. Trotzdem reichte Loeb später Klage ein.

Fukushima-Unglück: Fast doppelt so hohe Kosten erwartet

Die Kosten der Fukushima-Reaktorkatastrophe dürften der japanischen Regierung zufolge fast doppelt so hoch liegen wie bisher erwartet. Inzwischen werde von 21,5 Billionen Yen (etwa 177 Mrd. Euro) ausgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium heute mit. Es hatte die Kosten 2013 noch mit elf Billionen Yen beziffert.

„Wegen neuer Entwicklungen und unvorhergesehener Faktoren besteht die Möglichkeit, dass sie noch weiter steigen“, sagte Wirtschaftsminister Hiroshige Seko. Die Regierung in Tokio hat Insidern zufolge ihre Kredithilfen für den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks, TEPCO, deutlich aufgestockt. Im März 2011 hatten ein Erdbeben und ein Tsunami die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl ausgelöst.

Religion

Neue Richtlinien für Priesterausbildung: Missbrauch im Fokus

Dem Thema Missbrauch müsse „größte Aufmerksamkeit“ gewidmet werden, heißt es in den neuen Richtlinien zur Priesterausbildung („Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis“), die der Vatikan gestern veröffentlicht hat. Der Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch soll künftig weltweit fester Bestandteil der Ausbildung katholischer Priester sein, heißt es in den vatikanischen Richtlinien.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Science

Panorama

Kanada: Zoo untersucht mysteriösen Tod von Pinguinen

Der mysteriöse Tod von sieben Pinguinen beschäftigt den Zoo im kanadischen Calgary. Alle sieben Vögel starben durch Ertrinken - obwohl Pinguine eigentlich hervorragende Schwimmer sind.

Humboldt-Pinguin

Reuters/Stefan Wermuth

Der Tod der sieben Humboldt-Pinguine sei eine „schreckliche Nachricht“, sagte gestern die Tierpflegerchefin des Zoos. Der Zoo habe Ermittlungen aufgenommen, um zu klären, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Die Tiere waren tot in ihrem Gehege gefunden worden. Eine Obduktion ergab Tod durch Ertrinken. Die übrigen 15 Mitglieder der Pinguinkolonie leben noch.

Leute

US-Astronaut John Glenn gestorben

Der US-Astronaut John Glenn, der als erster Amerikaner die Erde umkreiste, ist tot. Glenn sei gestern im Alter von 95 Jahren in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Ohio gestorben, berichtete die Zeitung „Columbus Dispatch“.

John Glenn

APA/AP/Jay Laprete

Ohios Gouverneur John Kasich bestätigte den Tod des Astronauten via Twitter und sprach von einem „Anlass zur Trauer für uns alle“. Der 1921 in Cambridge in Ohio geborene Glenn umrundete 1962 als erster US-Amerikaner in einem Raumschiff die Erde. Später wurde er US-Senator und 1998 zum ältesten Menschen im All.

Kultur