Ausland

Erneut heftige Kämpfe um Aleppo

Im syrischen Bürgerkrieg hat eine Islamistenallianz ihre größte Offensive seit drei Jahren gegen die strategisch wichtige Stadt Aleppo vorangetrieben. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte heute, die Aufständischen hätten im Westen der Metropole Erfolge erzielt und rückten nun auf das Zentrum vor.

Aus syrischen Militärkreisen verlautete dagegen, der Angriff sei abgewehrt worden. Die syrische Luftwaffe bombardierte Stellungen der Aufständischen. Im Staatsfernsehen wurden Dutzende Leichen von Kämpfern gezeigt und berichtet, mindestens 100 Rebellen seien bei einem Gegenangriff getötet worden, hieß es.

Zweigeteilte Stadt

Aleppo war vor dem Krieg die größte Stadt des Landes und ist heute zwischen Aufständischen und der Regierung geteilt. Die Allianz von Islamistengruppen wie der Al-Nusra-Front und Ahrar al-Scham haben ankündigt, die Stadt ganz zu erobern und dort die streng islamischen Regeln der Scharia einzuführen. Die Türkei verlegte zuletzt zusätzliche Soldaten, Ausrüstung wie auch Spezialkräfte an die Grenze zu Syrien.

Sollte Aleppo an die Rebellen fallen, wäre das ein schwerer Rückschlag für Syriens Präsident Baschar al-Assad. Syrien wäre faktisch geteilt: Im Westen hätte Assad das Sagen, das übrige Gebiet wäre unter Kontrolle verschiedener Rebellengruppen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert weite Teile Syriens und des benachbarten Irak.

Rakete von Sinai auf Israel abgefeuert

Von der ägyptischen Halbinsel Sinai wurde mindestens eine Rakete auf den Süden Israels abgefeuert. In der Negev-Wüste heulten heute die Sirenen. Eine Armeesprecherin bestätigte, dass dort eine Rakete gefunden wurde. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Am Mittwoch war auf der Sinai-Halbinsel heftig gekämpft worden: Bei einer Anschlagsserie militanter Islamisten starben mehr als 100 Menschen. Israel verstärkte daraufhin seine Militärpräsenz an der Grenze zu Ägypten und schloss eine wichtige Schnellstraße in der Gegend.

Unterdessen wies die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas Vorwürfe aus Israel zurück, die Angriffe des IS unterstützt zu haben. Das seien „dumme Anschuldigungen und Propaganda“, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Er reagierte auf Äußerungen eines israelischen Militärvertreters vom Vortag.

Iran-Gespräche: IAEA dämpft Hoffnung auf Durchbruch

Unklare Signale bei den Atomverhandlungen: Der Iran und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) haben nach Teheraner Angaben Fortschritte bei Verhandlungen strittiger Themen erzielt. IAEA-Chef Yukiya Amano zufolge steht ein Durchbruch aber noch aus.

"Beide Seiten haben nun besseres Verständnis

Amano hatte gestern in Teheran mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani über die heiklen Themen der Inspektionen von Militäranlagen und der Untersuchung angeblicher früherer Atomwaffenprogramme gesprochen. „Ich glaube, beide Seiten haben nun ein besseres Verständnis, wie es vorwärtsgehen könnte, aber wir haben noch mehr Arbeit vor uns“, sagte Amano.

Aus Teheran hieß es, der Iran und die IAEA hätten eine Verständigung über die lange strittige Inspektion von Militäranlagen erreicht. Nun wollten Experten beider Seiten einen Zeitrahmen für die Überprüfungen festlegen, sagte der Sprecher der iranischen Atomorganisation AEOI, Behrus Kamalwandi, der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Wie weitreichend die Übereinkunft tatsächlich ist, blieb aber unklar.

Rouhani schickt Vertrauten zu „Spezialmission“ nach Wien

Der Kabinettschef Rouhanis, Mohammed Nahawandian, ist unterdessen zu einer „Spezialmission“ nach Wien gekommen, um in den Endspurt der Atomverhandlungen Bewegung zu bringen. Zuvor postete der Spitzendiplomat das Foto eines Flugzeuges auf Instagram und bat die iranische Bevölkerung, für ihn zu beten.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA ist die Reise eine „Spezialmission“, bei der der Sondergesandte „die notwendigen Konsultationen“ mit der Delegation führen soll, um zu einem endgültigen Deal zu gelangen.

Verlängerte Frist bis Dienstag

Bei den seit Jahren laufenden Verhandlungen der UNO-Vetomächte USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland (5+1-Gruppe) mit dem Iran über dessen Atomprogramm läuft eine - verlängerte - Frist für eine Einigung am Dienstag aus.

Die Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt, die meisten Außenminister der 5+1-Gruppe wollen am Sonntag zum Verhandlungsort in Wien zurückkehren.

Die IAEA wird eine entscheidende Rolle bei der Überwachung eines Abkommens spielen. Als eine der weiteren letzten Hürden gilt die Frage, wie schnell und umfassend die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Der Atomstreit schwelt seit 2002. Strittig waren bisher unter anderem die Inspektion von Militäranlagen und die Prüfung von Berichten über Atomwaffenprojekte.

MH17-Absturz: Niederlande fordern UNO-Tribunal

Die Niederlande haben sich für die Einrichtung eines UNO-Tribunals zum Abschuss von Flug MH17 ausgesprochen. Ein solches Gericht biete die größte Chance, mögliche Täter strafrechtlich zu verfolgen, sagte Ministerpräsident Mark Rutte heute in Den Haag. Die Niederlande wollten sich dafür beim UNO-Sicherheitsrat in New York einsetzen.

„Von Anfang an war Gerechtigkeit für die Opfer unsere Priorität“, sagte Rutte. „Jetzt bitten wir die UNO um Unterstützung bei der Einrichtung eines internationalen Tribunals.“ Russland, das ein Vetorecht im UNO-Sicherheitsrat hat, hatte sich allerdings bereits kritisch geäußert.

Das Passagierflugzeug der Malaysia Airlines war vor knapp einem Jahr über umkämpftem Gebiet der Ostukraine abgestürzt. Es wurde vermutlich von einer Luftabwehrrakete abgeschossen. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet. Davon waren die meisten Niederländer.

Von US-Diensten abgehört: „Spiegel“ erstattet Anzeige

Das deutsche Nachrichtenmagazin „Spiegel“ geht davon aus, von US-Geheimdiensten abgehört worden zu sein.

Die Verantwortlichen des Magazins haben daher Strafanzeige beim Bundesverfassungsgerichtshof in Karlsruhe wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit und der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses erstattet. Das berichtet das Magazin in seiner morgen erscheinenden Ausgabe. Die Bundesanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeige heute.

CIA warnte Bundeskanzleramt

Das Magazin beruft sich auf Vorgänge aus dem Jahr 2011: Damals habe die CIA-Spitze den Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Günter Heiß, vor angeblichen Kontakten des „Spiegel“ in deutsche Regierungsstellen gewarnt.

Konkret sei Heiß’ Stellvertreter Hans Josef Vorbeck verdächtigt worden, Dienstliches weitergegeben zu haben. Die angebliche Kontakte Vorbecks zum Magazin würden in einem geheimen Vermerk des Kanzleramts ausdrücklich erwähnt, so das Magazin.

Vorfall wird im Bundestag untersucht

Vorbeck sei kurz darauf versetzt worden, juristische Konsequenzen habe der Verdacht nicht gehabt. Der Vorgang werde derzeit vom NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags untersucht.

Nigeria: Jugendliche Attentäterin tötete zwölf Gläubige

Im Nordosten Nigerias hat eine jugendliche Selbstmordattentäterin in einer Moschee zwölf Gläubige mit in den Tod gerissen. Die etwa 15 Jahre alte Attentäterin sei in die Moschee gerannt und habe sich dort in die Luft gesprengt, sagte der Milizchef Danlami Ajaokuta, der am Kampf gegen die Islamistengruppe Boko Haram beteiligt ist, heute der Nachrichtenagentur AFP.

Der Vorfall ereignete sich gestern im Dorf Malari, Augenzeugen hätten ihn bestätigt, so die AFP. Zu dem Selbstmordanschlag in Malari bekannte sich Boko Haram zunächst nicht, allerdings setzte die Gruppe schon wiederholt Jugendliche als Selbstmordattentäter ein.

Anschlagsserie von Boko Haram

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari verurteilte die jüngste Serie von Anschlägen als „inhuman und barbarisch“. Er forderte die Bildung einer „effizienteren internationalen Koalition gegen den Terrorismus“.

In der Nacht auf heute wurden in dem Dorf Miringa im Teilstaat Borno elf Männer erschossen, die aus dem Teilstaat Yobe dorthin geflohen waren, um einer Zwangsrekrutierung durch Boko Haram zu entgehen. Zwei Einwohner Miringas schilderten, wie Boko-Haram-Kämpfer in der Nacht 13 Männer auf einen Platz am Dorfrand geschleppt und auf sie geschossen hätten. Nur zwei Männern gelang demnach die Flucht.

Erst am Donnerstag waren zwei Überfälle bekanntgeworden, bei denen mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer im Nordosten des Landes mindestens 145 Menschen töteten.

Sanaa: Die Zerstörung eines historischen Juwels

Neben dem Irak und Syrien ist der Jemen mittlerweile das dritte Land im Nahen Osten, das im Bürgerkriegschaos versinkt. Die UNO erklärte nun den „humanitären Notstand“ - nur in drei weiteren Ländern der Welt ist die Lage damit ähnlich dramatisch. Dem Krieg zwischen Huthis, Al-Kaida, den Regierungstruppen und der von Saudi-Arabien geführten Allianz ist mittlerweile auch der historische Stadtkern von Sanaa, Postkartenmotiv und UNESCO-Weltkulturerbe, zum Opfer gefallen. Bilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

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China arbeitet mit Hochdruck an umstrittener Insel

Chinas Landepiste auf einer künstlich aufgeschütteten Insel im Südchinesischen Meer dürfte sich neuen Satellitenbildern zufolge der Fertigstellung nähern. Die Landebahn ist eines der umstrittenen Projekte, mit denen Peking im Dauerstreit um die territorial umstrittenen Spratly-Inseln seinen Anspruch zementieren will.

Die Landaufschüttungen sorgen für schwere diplomatische Verstimmungen zwischen China und seinen Nachbarstaaten sowie den USA. In seinem neuen Strategiebericht wirft das US-Militär China vor, mit seiner Territorialpolitik „Spannungen in der Asien-Pazifik-Region“ zu verursachen und sieht darin sogar eine Bedrohung für die nationalen Sicherheitsinteressen.

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Inland

Bildungsreform: Faymann weiterhin optimistisch

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat sich nach dem SPÖ-Vorstand neuerlich absolut zuversichtlich gezeigt, dass die Bildungsreform auch nach dem Absprung der Landeshauptleute Hans Niessl (SPÖ) und Erwin Pröll (ÖVP) zum Erfolg wird. Wie bei der Steuerreform werde auch hier rechtzeitig ein Ergebnis vorliegen.

Nicht das zentrale Thema sind für ihn „Verwaltungsfragen“ wie jene der von Niessl und Pröll bis dato vergeblich propagierten „Verländerung“ der derzeitigen Bundeslehrer. Diese Frage könne man am Schluss im Herbst klären.

Besonderes Augenmerk verdienten die Kinderbetreuungseinrichtungen schon vor Schuleintritt, Ganztagesschulen, verstärkte Schulautonomie und eine Ressourcenvergabe, die sich auch nach der sozialen Zusammensetzung in den einzelnen Regionen richte, so Faymann.

ÖVP entsendet Platter

Nach dem Rückzug von Erwin Pröll entsendet ÖVP-Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter in die Bildungsreformarbeitsgruppe der Regierung.

Österreich könne sich keinen Bildungsstillstand leisten. Die Verhandlungen müssten weitergehen, betonte Platter heute in einer Aussendung.

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Häupl: Lehrer sollen Länderkompetenz werden

Neben Platter ist auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) neues Mitglied in der Arbeitsgruppe zur Bildungsreform. Er übernahm den Platz Niessls. Auch er wolle alle Lehrer in die Kompetenz der Länder übertragen, die Bildungsprobleme lägen aber woanders, sagte Häupl im ORF-Interview.

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SPÖ: Schmid einstimmig neuer Bundesgeschäftsführer

Der SPÖ-Vorstand hat heute einstimmig Gerhard Schmid zum Bundesgeschäftsführer und damit zum Nachfolger des in die burgenländische Landesregierung wechselnden Norbert Darabos (SPÖ) bestellt. Drei Gegenstimmen in dem rund 100 Personen großen Gremium gab es für den neuen Kommunikationschef Matthias Euler-Rolle.

Bisher stellvertretender Kabinettchef

Schmid diente Parteichef Werner Faymann (SPÖ) bisher als stellvertretender Kabinettchef, Euler-Rolle als Pressesprecher. Nicht nur angesichts der großen Zustimmung im Vorstand für seine Vertrauensleute sieht sich der medial teils sogar schon als Ablösekandidat geschilderte Kanzler von seiner Partei gestärkt. Es habe im Vorstand ausschließlich Wortmeldungen gegeben, die den Parteivorsitzenden unterstützten, erklärte Faymann in einer Pressekonferenz im Anschluss.

Dass er Schmid, der seit 40 Jahren sein Mitstreiter ist, als Bundesgeschäftsführer ausgewählt hat, begründete der SPÖ-Chef damit, dass dieser ein guter Organisator sei und Ruhe und Überblick besitze. Schmid sei niemand, den man als Haxlbeißer bezeichnen würde.

Tirolerin folgt Leichtfried ins EU-Parlament

Schließlich beschloss der SPÖ-Vorstand auch formell, wer das Mandat des in die steirische Landesregierung gewechselten Delegationsleiters im EU-Parlament, Jörg Leichtfried, erhält. Gemäß der Listenreihung geht es an die Tirolerin Karoline Graswander-Hainz, die sich in Brüssel für ein „Europa der Fairness und der Chancengleichheit“ einsetzen will, wie sie bei der Pressekonferenz betonte.

Für Faymann angesichts der immer wieder aufflammenden innerparteilichen Quotendebatte besonders erfreulich ist, dass nun in der roten Europarlamentarier-Riege ein 60-prozentiger Frauenanteil erreicht ist. Dazu kommt, dass Eveyln Regner von Leichtfried die Delegationsleitung übernehmen wird.

17-jähriger IS-Heimkehrer ab 13. Juli vor Gericht

Am 13. Juli beginnt im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen einen 17-jährigen Burschen, der Mitte März von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückgekehrt ist und seither in U-Haft sitzt. Gerichtssprecherin Christina Salzborn bestätigte heute einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung „Kurier“.

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„Größte Bedrohung“ durch religiös motivierten Extremismus

Die größte Bedrohung für die Sicherheit Österreichs geht vom religiös motivierten Extremismus und Terrorismus aus: Das wurde heute bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichts 2014 im Innenministerium bekräftigt.

Auch Links- und Rechtsextremismus nahmen im Vorjahr zu. Eine akute Gefahr für die demokratische Grundordnung bestehe dadurch aber nicht, hieß es.

Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, sprach von einem anhaltend steigenden Trend im religiös motivierten Bereich und sah Anlass zur Sorge. Bisher wurden 233 Personen identifiziert, die ausgereist sind, um im „Dschihad“ zu kämpfen. Allein im ersten Halbjahr 2015 waren es laut Peter Gridling, Direktor des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), rund 60.

233 auf dem Weg in den „Dschihad“

Besonders junge Muslime aus zweiter und dritter Generation sowie Konvertiten fühlen sich laut Bericht angesprochen und tragen zur Bildung einer „Home-grown“-Szene in Österreich bei. Mehr als 70 dieser Personen sind nach Österreich zurückgekehrt, 39 wurden vermutlich im Krisengebiet getötet.

Insgesamt wurden 174 Strafverfahren nach den Terrorismusparagrafen des Strafrechts eingeleitet. Bisher gab es 14 Verurteilungen. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf eine unmittelbare Anschlagsdrohung in Österreich, betonte Gridling.

Anstieg bei Links- und Rechtsextremismus-Anzeigen

Im Bereich des Rechtsextremismus gab es erneut einen Anstieg (bedingt unter anderem durch steigende Hinweiszahlen bei der Meldestelle „NS-Wiederbetätigung“), und zwar von 1.186 Anzeigen 2013 auf 1.201 im Jahr 2014. Die Aufklärungsquote lag zuletzt bei 59,7 Prozent.

Die Zahlen für 2013 mussten nachkorrigiert werden, von 1.027 auf die nun genannten 1.186 Anzeigen. Grund dafür war, dass die Beschädigungen unter anderem von „Stolpersteinen“ zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust in Salzburg verspätet gemeldet wurden, so Gridling.

Zuwächse gab es auch beim Linksextremismus. 2014 wurden 545 Anzeigen (Aufklärungsquote: 25,3 Prozent) vermerkt nach 411 im Jahr zuvor. Allein 206 Anzeigen gemäß Strafgesetzbuch erfolgten dabei nach den gewalttätigen Protesten gegen den Akademikerball der FPÖ.

Die Attraktivität Österreichs für nachrichtendienstliche Aktivitäten sei ungebrochen hoch, hieß es. Die Möglichkeiten der österreichischen Behörden seien hier limitiert, sprach Gridling die jüngste Aufregung um Aufbauten auf Botschaftsgebäuden der USA und des Vereinigten Königreichs an. Diplomatische Einrichtungen seien exterritoriale Gebiete, betonte er. „Ohne Einladung des Staates wird hier keine Ermittlung möglich sein.“

Streit über Entwurf für Normengesetz

Das geplante Normengesetz, das die Normenflut eindämmen soll, lässt die Wogen weiterhin hochgehen. Das Normungsinstitut Austrian Standards warnte, dass das Gesetz nicht umsetzbar sei. Austrian-Standards-Vizepräsident Manfred Matzka sprach heute in einer Aussendung von „dilettantischer Legistik“. Das Wirtschaftsministerium müsse bei dem Entwurf einen neuen Anlauf machen.

Laut dem Vorstandschef des Deutschen Instituts für Normung (DIN), Torsten Bahke, hätte das Gesetz „erhebliche Konsequenzen“ für Austrian Standards, das frühere „Normungsinstitut“. Denn das DIN könnte bei einer Umsetzung des Normengesetzes deutsche Sprachfassungen Austrian Standards nicht mehr zur Verfügung stellen.

Konter der Ziviltechnikkammer

Bei der Ziviltechnikkammer kann man die Aufregung nicht verstehen. Die von DIN ins Treffen geführten möglichen rechtlichen Konsequenzen, welche insbesondere die deutschen Sprachfassungen europäischer und internationaler Normen betreffen würden, seien durch das neue Normengesetz nicht zu befürchten.

Die im Entwurf des Normengesetzes vorgesehene Bestimmung zum freien Zugang zu Normen regle nur die nationalen (österreichischen), nicht aber die CEN- und ISO-Normen. Dadurch berücksichtigt der Entwurf des Normengesetzes alle bilateralen europäischen und internationalen Verpflichtungen vollständig.

Wirtschaft

Tunesien: Neubuchungen heimischer Touristen eingebrochen

Nach dem Anschlag in Tunesien sind die Neubuchungen österreichischer Touristen komplett eingebrochen, hat ein APA-Rundruf unter Reiseveranstaltern ergeben.

Urlauber, die ihre Reise in das nordafrikanische Land bereits gebucht hatten, buchten auf ein anderes Land um - primär auf die Türkei. Manche warteten auch noch ab, ob sich die Lage verbessere, hieß es. Eine offizielle Reisewarnung des Außenministeriums gibt es nicht.

Gratisstorno möglich

Praktisch alle Reiseveranstalter - von TUI über Neckermann und Thomas Cook bis zum Verkehrsbüro - haben ihren Kunden kostenlose Storno- und Umbuchungsmöglichkeiten angeboten. Bei den meisten kann man bis 15. September umbuchen.

Tunesien sei aber insgesamt nicht so eine wichtige Destination für heimische Veranstalter, sagte der Präsident des Österreichischen Reiseverbandes (ÖRV), Josef Peterleithner, zur APA. Im Sommer fliegen die Österreicher am liebsten nach Griechenland, gefolgt von der Türkei, Spanien, Ägypten und Tunesien.

Während etwa 400.000 Österreicher jährlich nach Griechenland reisen, seien es nach Tunesien nur rund 30.000. Auch beim Verkehrsbüro spiele Tunesien eine untergeordnete Rolle, so Walter Krahl, Chef der Ruefa-Reisebüros.

Sport

Formel 1: Hamilton spürt Druck von Rosberg

In Silverstone steigt morgen das neunte von 19 Formel-1-Saisonrennen. Titelverteidiger Lewis Hamilton führt die WM-Wertung zwar seit dem Auftakt an, mit Siegen in allen drei bisherigen Europarennen ist ihm Nico Rosberg aber gefährlich nahe gerückt.

„Ich fühle mich wieder in der Form des letzten Sommers“, ließ der Deutsche seinen britischen Stallrivalen vor dessen Heim-GP wissen. Hamilton spürt den Druck offenbar - er verstieß gegen die Mercedes-Teamräson und gab zu, mit Siegen Rosbergs keine Freude zu haben.

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Tour de France: Vier Anwärter auf Gelbes Trikot

Ab morgen geht es für die besten Radfahrer der Welt wieder einmal quer durch Frankreich. Der Favoritenkreis bei der 102. Ausgabe der Tour de France beschränkt sich auf vier Profis. Der Italiener Vincenzo Nibali ist als Titelverteidiger der große Gejagte.

Doch ein starkes Trio scharrt bereits in den Startlöchern, um Nibali das Gelbe Trikot wieder abzujagen. Alberto Contador, Christopher Froome und Nairo Quintana sorgen dafür, dass die Tour zumindest von der Papierform her heuer ein heißes Rennen wird.

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Chronik

Arrest für 15-Jährige sorgt für Empörung

Der Fall eines 15-jährigen Mädchens, dem nach angeblich aggressivem Betteln von der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn eine Arreststrafe angedroht worden ist, sorgt in Vorarlberg für Aufregung. Jugendanwalt Michael Rauch sprach gegenüber dem ORF Vorarlberg von einer rechtlich unzulässigen Vorgangsweise. Die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn räumte einen Fehler ein.

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IT

Nach Protesten: Uber stoppt Dienste in Frankreich

Nach großen Taxiprotesten und der Anklage zweier Spitzenmanager wirft der Fahrdienstvermittler Uber in Frankreich vorerst das Handtuch. Der umstrittene Dienst UberPop werde ausgesetzt, teilte Uber heute mit.

Frankreich-Chef Thibaud Simphal begründete das in einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ in erster Linie mit der Sicherheit der Uber-Fahrer. „Sie waren in den letzten Tagen Opfer von Gewalttaten“, sagte er. Außerdem wolle Uber eine Entscheidung des Verfassungsgerichts zu dem Dienst abwarten.

Über UberPop können sich Privatleute mit ihren Autos als Fahrer anbieten, die keine Lizenz haben und keine Sozialabgaben zahlen. Das ist in Frankreich illegal, trotzdem waren bisher Wagen unterwegs. Uber hatte den Fahrern zugesagt, fällige Strafzahlungen zu übernehmen. Taxifahrer wehren sich in vielen Ländern gegen die Konkurrenz.

Kultur

Bachmann-Wettlesen: Schwitter überzeugte am Nachmittag

Nach einem dynamischen Vormittag ist mit Monique Schwitter und Ronja von Rönne heute der zweite Lesetag beim Bachmann-Wettlesen zu Ende gegangen: Schwitters Text wurde von den Juroren gelobt, von Rönne fiel mit ihrem Text durch.

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Neu in der Jury sind der Leiter des Grazer Literaturhauses, Klaus Kastberger, und der aus Bern stammende Stefan Gmünder, Literaturredakteur des „Standard“. Das heurige Jahr sei ein gutes Jahr, so Gmündner im Gespräch mit Ö1: „Sogar die Texte, mit denen man nicht zurechtkommt, haben für mich einen literarischen Wert.“

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Nach Finale: „Kunstjagd“ nach vermisstem Bild geht weiter

Im Rahmen des Projekts „Kunstjagd“ ist in den vergangenen sechs Wochen in Österreich, Deutschland und der Schweiz nach einem Gemälde gefahndet worden.

Es ging dabei aber nicht um den monetären Wert des Bildes von Otto Theodor Stein: 1938 wurde damit offenbar über Umwege ein KZ-Häftling freigekauft. Nun wollen die Nachfahren der ehemaligen Besitzer wissen, wo das Kunstwerk geblieben ist - und können womöglich schon bald mit einer Antwort rechnen.

Über 800 User via WhatsApp beteiligt

Die preisgekrönten Journalisten der Plattform Follow the Money leiten die Fahndung, an der zahlreiche Medien, darunter der ORF, und mehr als 800 User über WhatsApp beteiligt sind. Die als sechswöchiger Roadtrip geplante Suche ging zwar schon letzte Woche ins Finale, dank dem großen Interesse und nicht zuletzt wegen einer heißen Spur wird die „Kunstjagd“ aber online und via WhatsApp fortgesetzt.

Edward Engelberg vor einem Gemälde von Otto Theodor Stein

Follow the Money (FtM)

Edward Engelberg, Sohn des ehemaligen Besitzers, und ein zweites Bild von Otto Theodor Stein im Besitz seiner Familie

Neben dem Umfeld des Malers in Chemnitz wurde auch das Schweizer Visawesen beleuchtet, weil es wahrscheinlich ist, dass das Gemälde damals gegen Visa eingetauscht wurde, die dabei halfen, den KZ-Häftling freizubekommen. Zahlreiche Hinweise von Usern und Experten verhalfen dem „Kunstjagd“-Team zu immer neuen historischen Erkenntnissen, lange Zeit jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte über den Verbleib des gesuchten Gemäldes.

Heiße Spur kurz vor Projektende

Erst in quasi letzter Minute, zwei Tage vor Projektende, führte ein letzter Hinweise das Team nach München, wo man auf ein Bild stieß, das möglicherweise das gesuchte sein könnte. Ob die Suche nun also erfolgreich war oder nicht, das wird sich erst weisen, denn noch ist die Provenienz des Werks zwischen 1938 und den 1950ern völlig ungeklärt. Das Journalistenteam will nun versuchen, über Expertenkonsultationen und Archivarbeit die fehlenden Puzzlestücke aufspüren.

Die Nachfahren der damaligen Besitzer Jakob und Paula Engelberg, eine weit verzweigte Familie, sind heute über die ganzen USA verstreut. Sie alle sind der Überzeugung, dass sie ihr Leben dem Bild zu verdanken haben. Sohn Edward Engelberg will das Bild nicht zurückhaben - er hofft nur, die Geschichte des Gemäldes erfahren zu dürfen.

Auf Kunstjagd.com kann man die Story weiterverfolgen, das bisher Geschehene nachlesen und Podcasts von den Recherchen hören. Der ORF wird im Herbst eine Doku über die Ergebnisse senden.

Premiere für Verdis „Rigoletto“ in Klosterneuburg

Zum 22. Mal findet heuer das Sommerfestival operklosterneuburg statt - unter Opernfreunden eines der beliebtesten Festivals im Wiener Raum. Und eines der wenigen, das noch ohne tontechnische Verstärkung auskommt. Bei der morgen stattfindenden Premiere im Kaiserhof des Stiftes ist mit „Rigoletto“ erstmals eine Verdi-Oper zu hören - mit Daniela Fally, die als Gilda debütiert

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Religion

Asylquartiere: Katholische Kirche verstärkt Engagement

In einer österreichweit koordinierten Aktion bemüht sich die katholische Kirche, neue Quartiere für Asylwerber bereitzustellen und für deren Betreuung zu sorgen. Derzeit leben über 4.000 Personen in Grundversorgung in einem kirchlichen Quartier. Die Zahl der Unterbringungen soll nun laufend erweitert werden, gaben Vertreter von Orden, Caritas und Katholischer Aktion bekannt.

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Vatikan-Klimakonferenz: Lösungen statt Appelle

Die katholische Kirche will in der Klima- und Armutsdebatte weg von Appellen kommen und stattdessen das lösungsorientierte Handeln und Allianzen stärken: Das war der Tenor einer hochrangige Expertentagung, die die internationale Allianz der katholischen Hilfswerke (CIDSE) gemeinsam mit dem vatikanischen Friedensrat diese Woche in Rom veranstaltet hat. Im Zentrum der Debatten der rund 200 Wissenschaftler, Politiker, NGO- und Kirchenvertreter stand die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus und deren praktische Umsetzung.

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Science

Sonnenflieger schafft riskanten Flug über Pazifik

Der Schweizer Sonnenflieger „Solar Impulse 2“ ist heute Früh (Ortszeit) nach der längsten und risikoreichsten Etappe seiner Weltumrundung sicher auf der Pazifik-Inselgruppe Hawaii gelandet. Das Solarflugzeug war nach dem Start in Japan fünf Tage und fünf Nächte nonstop unterwegs.

Der von dem Piloten Andre Borschberg gesteuerte Solarflieger legte auf seiner achten Etappe fast 8.300 Kilometer zurück. Dabei stellte der Schweizer Rekorde für den längsten Soloflug und für die weiteste Distanz eines Solarflugzeugs auf.

Die einsitzige Karbonfaser-Maschine hat eine Spannweite von 72 Metern. Mehr als 17.000 Solarzellen auf den Flügeln zapfen die Energie für die vier Elektromotoren ab. Mit der Weltumrundung sollen die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufgezeigt werden. „Solar Impulse 2“ war Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi gestartet.

Lifestyle

Leute

Matt Damons Pferdeschwanz macht Schlagzeilen

Gewöhnlich trägt Matt Damon (44, „Good Will Hunting“) seine Haare klassisch kurz, doch nun macht der Oscar-Preisträger mit einer Pferdeschwanzfrisur Schlagzeilen. Das Internet überschlägt sich mit Kommentaren zu Damons „Man Bun“, den der Schauspieler bei einer Werbeaktion in China für seinen neuen Film „The Great Wall“ vorzeigte. Ob er das ungewöhnliche Styling für eine neue Rolle oder nur zum Spaß trage, rätselte die „Los Angeles Times“.

Matt Damon bei einer Pressekonferenz in Peking

APA/AP/Andy Wong

Matt Damon und Zhang Yimou

Vergleiche wurden laut mit Kollegen wie Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Chris Hemsworth, die den Männerpferdeschwanz schon vormachten. Von Damon hätte man den trendigen Look nicht erwartet, hieß es in Modekommentaren. Der US-Star spielt die Hauptrolle in dem Film „The Great Wall“ des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou. Das Werk über die Entstehung der monumentalen Chinesischen Mauer soll 2016 in die Kinos kommen.