Ausland

Hamas-Führer: Hamas will keinen neuen Krieg mit Israel

Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas will nach den Worten eines ranghohen Führers keinen neuen Krieg mit Israel. „Wir haben ein Interesse daran, für Ruhe zu sorgen“, sagte Ghasi Hamad heute dem israelischen Rundfunk. Hamad sprach während des ungewöhnlichen Interviews auf Hebräisch. Die Sprache hatte er während eines mehrjährigen Haftaufenthalts in Israel gelernt.

Die Lage im Gazastreifen sei ein Jahr nach dem letzten Krieg „sehr schlecht“, sagte Hamad, der de facto als „Vizeaußenminister“ der Hamas gilt. Es gebe nicht genug Baumaterialien für einen Wiederaufbau zerstörter Gebäude. Geberländer hätten Versprechen nicht eingelöst. Außerdem funktioniere die palästinensische Einheitsregierung aus Hamas und der gemäßigteren Fatah nicht.

Vereinzelt Raketenangriffe in letzten Wochen

Die Hamas wolle keinen neuen bewaffneten Konflikt mit Israel, könne jedoch die Besatzung nicht akzeptieren. „Wir wollen wie alle anderen Menschen auf der Welt leben“, sagte Hamad. „Aber wir leben in einem Gefängnis“, sagte er mit Hinblick auf die fortwährende Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten.

In den vergangenen Wochen hatte es vereinzelt wieder Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel gegeben. Israel reagierte darauf mit Luftangriffen in dem Küstenstreifen. Hamad sagte jedoch, insgesamt sei die Lage „unter Kontrolle“. „Wir wollen eine Beruhigung der Situation, damit es den Leuten besser geht“, sagte er. Israel wirft der Hamas hingegen vor, bereits für einen neuen Krieg zu trainieren und neue Tunnel im Grenzbereich zu graben.

Iran-Atomgespräche werden verlängert

Die Atomgespräche der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran werden vorerst bis Freitag verlängert. Das teilte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini heute in Wien mit.

Knackpunkt sei vor allem das Handelsverbot für konventionelle Waffen, wie der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte. Ungeklärt sind ferner Fragen zu den Zeiten für die Aufhebung weiterer Sanktionen. Auch Untersuchungen zur angeblichen früheren Atomwaffenforschung des Iran durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sind umstritten.

Besonders heikel dabei ist die Frage, ob der Iran den IAEA-Experten Zugang zu verdächtigen Militäranlagen und zu Atomforschern gewährt. Die UNO-Organisation kritisiert seit Langem, dass der Iran ihr nicht den nötigen Zugang gibt, um den Verdacht abschließend zu klären. Die iranische Führung hat die Inspektion von Militäranlagen und die Befragung iranischer Atomwissenschaftler durch ausländische Experten aber kategorisch ausgeschlossen.

Bei einem Besuch einer IAEA-Delegation in Teheran habe es aber Fortschritte in dieser Frage gegeben, berichteten iranische Medien. „Der Iran und die IAEA haben mit dem Erreichen einer allgemeinen Übereinkunft über einen Zeitplan für die Kooperation einen wichtigen Schritt zur Lösung der offenen Fragen gemacht“, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA den Sprecher der iranischen Atomenergieorganisation AEOI, Behrous Kamalwandi.

Jemen: Laut Rebellen 176 Tote an einem Tag

Im Jemen sind Angaben der schiitischen Huthi-Rebellen bei Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz allein gestern 176 Kämpfer getötet worden. Das berichteten von der aufständischen Huthi-Bewegung kontrollierte Medien sowie Bewohner heute.

Sollten sich die Angaben bestätigen, wären gestern so viele Menschen an einem Tag durch die Luftangriffe umgekommen wie noch nie seit Beginn des Einsatzes am 26. März. Es wäre zugleich ein Rückschlag für laufende Bemühungen um eine Waffenruhe.

Mehrere sunnitische Staaten beteiligen sich an den Angriffen auf die Huthi-Miliz, die vom Iran unterstützt wird. Ziel ist es, dem ins Exil geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi wieder zur Macht zu verhelfen. Die Huthis hatten im September die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und rückten rasch gen Süden vor.

South Carolina will Südstaaten-Flagge verbannen

Fast drei Wochen nach dem Massaker in einer Kirche in South Carolina hat der Senat des US-Bundesstaats dafür gestimmt, die umstrittene Konföderierten-Flagge vom Kapitol der Hauptstadt Columbia zu entfernen. Nun müsse auch das Abgeordnetenhaus dafür stimmen, berichtete die Zeitung „Charleston Post and Courier“.

Die republikanische Gouverneurin Nikki Haley hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, das rot-blaue Banner aus der Zeit des US-Bürgerkrieges entfernen zu lassen. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern erforderlich. Danach muss die Gouverneurin zustimmen.

Konföderierten-Flagge in South Carolina

Reuters/Tami Chappell

Die langjährige Debatte über die Flagge aus dem US-Bürgerkrieg (1861-1865) war nach dem Massaker an neun Menschen in der mehrheitlich von Schwarzen besuchten Emanuel-Methodistenkirche in Charleston neu entbrannt.

Die Fahne steht aus Sicht von Kritikern für die Bereitschaft der damals zusammengeschlossenen Südstaaten, in den Krieg gegen die nördlichen US-Bundesstaaten zu ziehen, um die Sklaverei beibehalten zu können. Befürworter sehen sie dagegen unter anderem als Symbol, um der Opfer ihrer Vorfahren in dem Krieg mit rund 620.000 Toten zu gedenken.

Kritik an Juncker wegen Handybenutzung in Parlament

Mitten in der Griechenland-Krise hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wegen der Benutzung seines Handys während einer Debatte im EU-Parlament Ärger mit einer rechtsextremen ungarischen EU-Parlamentarierin bekommen.

Krisztina Morvai beanstandete im Plenum, dass Juncker ständig in sein Handy tippe, anstatt sich den Problemen ärmerer EU-Staaten zu widmen. Juncker bezeichnete die Kritik als „dumme Rede“. „Ich habe meine Arbeit getan“ und „mit dem griechischen Ministerpräsidenten (Alexis Tsipras)“ per SMS kommuniziert, sagte Juncker, wie aus einem Video hervorgeht, auf das die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI heute hinwies. Morvai gehört zur Fraktion der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik, ist aber nicht Mitglied dieser Partei.

Mehrere Flüchtlinge in der Ägäis vermisst

Die griechische und die türkische Küstenwache haben heute 16 Flüchtlinge aus der Ägäis gerettet. Ihr Boot sei zwischen den griechischen Inseln Agathonisi und Farmakonisi gekentert. Weitere 17 Menschen wurden nach Angaben der griechischen Küstenwache vermisst.

Die Route Türkei - Ägäis ist eine der wichtigsten, über die Schleuser Tausende Migranten nach Europa bringen. Zunächst hatte die Küstenwache 26 Vermisste gemeldet.

Im ersten Quartal 2015 kamen laut Berichten der Küstenwache von heute 40.297 Migranten auf den Ägäis-Inseln an. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 6.500 gewesen. Die Lage ist laut Berichten örtlicher Medien dramatisch. Die Helfer der humanitären Organisationen seien erschöpft. Flüchtlinge müssen in vielen Fällen im Freien schlafen.

Zehn Jahre Anschläge: London gedachte der Opfer

Zehn Jahre nach den Terroranschlägen in London mit 56 Toten hat Großbritannien heute der Opfer gedacht. Premierminister David Cameron, Londons Bürgermeister Boris Johnson sowie Vertreter von Polizei und Feuerwehr legten im Londoner Hyde Park Kränze an einem Denkmal für die Anschläge nieder.

Im Gedenken an die Opfer legten Cameron und Johnson Kränze nieder. Die Attentäter hätten „ihr Ziel verfehlt“, so Johnson.

Die Terroristen hätten ihr Ziel nicht erreicht, hatte Johnson kurz zuvor gesagt. „Ich glaube, die meisten Leute würden sagen, dass London sogar noch weltoffener, sogar noch gastfreundlicher geworden ist.“

Vier aus Pakistan stammende Selbstmordattentäter hatten am 7. Juli 2005 in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus 52 Passagiere mit sich in den Tod gerissen. An den damals betroffenen U-Bahn-Stationen versammelten sich am Vormittag Überlebende und Angehörige der Opfer, um Blumen niederzulegen und schweigend der Opfer zu gedenken.

Inland

Nationalrat: Änderungen im Erbrecht fixiert

Änderungen im Erbrecht hat der Nationalrat heute Nachmittag mit den Stimmen von Koalition und Grünen beschlossen. Pflichtteile können künftig in Raten gezahlt oder gestundet werden. Der Pflichtteil für Eltern und Großeltern entfällt ganz. Die Pflege durch nahe Angehörige während der drei Jahre vor dem Tod wird durch ein gesetzliches „Vermächtnis“ abgegolten.

Altmodische Enterbungsgründe (wie „anstößige Lebensart“) werden gestrichen, dafür kann der Pflichtteil halbiert werden, wenn 20 Jahre kein familiärer Kontakt bestand. Neue Enterbungsgründe sind mit mehr als einjähriger Freiheitsstrafe bedrohte Straftaten gegen nahe Angehörige sowie grobe Verletzungen der Pflichten aus dem Eltern-Kind-Verhältnis.

Kritik vor Abstimmung über TTIP

Vor der morgigen Abstimmung im EU-Parlament über das umstrittene EU-USA-Freihandelsabkommen TTIP haben sich die Kritiker erneut zu Wort gemeldet. „Jetzt muss das Europäische Parlament die roten Linien klipp und klar vorgeben“, so Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske. Auch das Bündnis TTIP Stoppen warnte vor der Aufweichung von Umwelt- und Arbeitsrechtsstandards.

Das EU-Parlament hätte eigentlich schon im Juni über seine Position zu TTIP abstimmen sollen. Wegen eines Streits über den Investorenschutz ISDS hatte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) die Abstimmung verschoben. Kritiker von ISDS fürchten, dass künftig private Konzerne Staaten auf riesige Summen klagen können, wenn ihnen zum Beispiel wegen strengerer Umweltgesetze Gewinne entgehen - das alles vor privaten Schiedsgerichten.

AK: Öffentliche Dienstleistungen ausnehmen

„Das Europäische Parlament muss jedwede Schiedsgerichtsbarkeit für Investoren, egal wie sie heißt und wie sie ausgebildet ist, jedwede Senkung der Schutzstandards und jedwede Liberalisierung der öffentlichen Dienstleistungen ablehnen“, so Kaske in einer Aussendung.

Der AK-Präsident sprach sich außerdem für eine Sanktionierung von Verstößen gegen Mindestarbeitsrechte aus. Öffentliche Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit und Soziales sowie Wasserversorgung, Müllentsorgung, Energie und öffentlicher Verkehr will Kaske von dem Handelspakt ausgenommen wissen.

Gegen privilegierte Rechte für Konzerne

Das Bündnis TTIP Stoppen lehnt den Kompromissvorschlag, auf den sich europäische Sozialdemokraten und Konservative einigen wollen, ebenfalls ab. „Das Grundproblem privilegierter Rechte für Konzerne gegenüber Staaten wird damit nicht hinterfragt. Ein internationaler Gerichtshof, der Sonderklagerechte ausschließlich für Konzerne vorsieht, ist keine Option“, so die Aktivisten. Die vorhandenen Rechtssysteme der EU und der USA reichten völlig aus. Auch Greenpeace Österreich sprach von einem „faulen Kompromiss“.

SPÖ will nicht mitstimmen

Der österreichischen SPÖ-Delegation gehe diese Formulierung nicht weit genug, sie wird daher gegen die Resolution stimmen, sagte Delegationsleiterin Evelyn Regner vor Journalisten in Straßburg. „Wir fordern seit Monaten eine klare Ablehnung von ISDS. Wenn dieser Kompromiss jetzt nur irgendeine Hintertür dafür offen lässt, können wir dem nicht zustimmen“, so Regner.

Wahlen: Antreten in Wien viel teurer als in OÖ

Die Kandidatur bei den Landtags- bzw. Gemeinderatswahlen ist in Wien wesentlich teurer als in Oberösterreich - obwohl Wien nicht viele Wahlberechtigte mehr hat: Mindestens 1.800 Unterstützungserklärungen braucht eine Nicht-Gemeinderatspartei für eine wienweite Kandidatur, und alle Parteien müssen 1.308,06 Euro Kostenbeitrag berappen. In Oberösterreich reichen 400 Unterschriften und 140 Euro.

In Oberösterreich, das am 27. September wählt, beginnt das Unterschriftensammeln schon. Seit heute können die Gemeindewahlbehörden Unterstützungserklärungen bestätigen. Zeit haben die nicht im Landtag vertretenen Parteien bis 11. August um 12.00 Uhr. Für die gleichzeitig stattfindenden Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen ist noch etwas länger Zeit, nämlich bis 18. August. Dafür braucht jede Partei zwischen drei und 40 Unterstützungserklärungen je nach Größe der Gemeinde.

Wien: 100 Unterschriften pro Wahlkreis

Wien wählt seinen (mit dem Landtag identen) Gemeinderat sowie die Bezirksvertretungen am 11. Oktober. Dort dürfte der 11. August der Stichtag und damit der Auftakt zum Unterschriftensammeln werden. Eingereicht werden müssen alle Wahlvorschläge bis spätestens 4. September um 13.00 Uhr.

Gemeinderatsparteien können in Wien ohne jede Unterschrift antreten. Nationalratsparteien - wie NEOS und (falls es antritt) das Team Stronach - reichen für ihre Wiener Wahlvorschläge auch die Unterschriften von fünf Nationalratsabgeordneten.

Die anderen Parteien müssen für die Gemeinderatslisten 100 Unterschriften pro Wahlkreis sammeln. Bei 18 Wahlkreisen macht das mindestens 1.800 für die wienweite Kandidatur. Außerdem sind pro Wahlkreis 72,67 Euro und damit wienweit 1.308,06 Euro Kostenbeitrag fällig.

Bezirkswahl: 72,67 Euro pro Wahlvorschlag

Auch für die Bezirksvertretungswahlen brauchen bereits vertretene Parteien keine Unterstützungserklärungen, den Nationalratsparteien reichen fünf Abgeordnetenunterschriften. Neue Parteien müssen bis 4. September 50 Unterschriften pro Bezirk - bei 23 Bezirken in Summe 1.150 - zusammenbringen.

Und für diese Wahlen ist ein eigener Kostenbeitrag zu leisten: wiederum 72,67 Euro pro Wahlvorschlag, was bei wienweitem Antreten mit 1.671,41 Euro zu Buche schlägt.

TV-Hinweis

Sport

Ö-Rundfahrt: Erster Profisieg für Zabel-Sohn Rick

Rick Zabel hat heute ganz in der Manier seines berühmteren Vaters Erik seinen ersten Sieg als Radprofi gefeiert. Der 21-jährige Sohn des zwölffachen Tour-de-France-Etappensiegers gewann die dritte Etappe der Österreich-Rundfahrt im Massensprint souverän vor dem Spanier Angel Vicioso und dem Slowenen Jan Tratnik. Für die Österreicher dagegen gab es nach knapp 180 Kilometern beim Zielsprint im steirischen Gratwein nichts zu holen - als bester kam Stephan Rabitsch über Rang 27 nicht hinaus. Die Gesamtführung wechselte von Gerald Ciolek zu Vicioso.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Fußball: Kerschbaumer reif für die Insel

Der rasante Aufstieg von Konstantin Kerschbaumer hat in der Vorwoche mit dem Wechsel zum ambitionierten englischen Zweitligisten Brentford seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden. „Das war ein idealer Schritt für meine Karriere“, sagte der Mittelfeldmotor, der innerhalb eines Jahres den Sprung vom Erste-Liga-Club St. Pölten über den Bundesligisten Admira auf die Insel geschafft hat. „Ich habe am 1. Juli meinen 23. Geburtstag gefeiert. Der Wechsel zu Brentford war mein schönstes Geschenk“, so Kerschbaumer im ORF.at-Interview.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Fußball: USA und Mexiko gehen auf Gold Cup los

Als Titelverteidiger und Favorit - gemeinsam mit Mexiko - geht das US-Nationalteam unter Headcoach Jürgen Klinsmann und Assistent Andreas Herzog in den CONCACAF Gold Cup 2015. Auftaktgegner Honduras ist in der Nacht auf morgen (MESZ) zwar Gradmesser, darf aber kein Stolperstein werden. Auch für die Mexikaner zählt beim Turnier in den USA und Kanada nur der Titel. Die Kanadier holten den Titel im Jahr 2000 - als bisher einziges Team außer den USA und Mexiko.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Ikea-Mitarbeiter streiken erstmals in Italien

Zum ersten Mal treten die 6.000 Mitarbeiter Ikeas in Italien in den Streik. Der Protest des Personals der 21 italienischen Ikea-Möbelhäuser richtet sich gegen die Vorschläge für den neuen Arbeitsvertrag, die von den Gewerkschaften als „unannehmbar“ bezeichnet werden.

Die Arbeitnehmerverbände kritisieren, dass Ikea - seit 25 Jahren in Italien präsent - weniger für Arbeit am Sonntag und an Feiertagen zahlen wolle. Auch das neue Schichtensystem, das der schwedische Möbelgigant einführen wolle, bezeichneten die Gewerkschaften als inakzeptabel.

Ikea hat in den letzten Jahren die schwere Konsumkrise in Italien zu spüren bekommen. In den letzten drei Jahren meldete das Unternehmen Verluste von 53 Millionen Euro.

Höheres Grundgehalt für Europas Bankmanager

Weniger Boni, mehr Grundgehalt: Viele Banken in Europa reagieren einer Umfrage zufolge auf die verschärfte Regulierung mit einem höheren Fixanteil an der Gesamtvergütung.

Die Europäische Union (EU) deckelt die leistungsabhängigen Extrazahlungen seit diesem Jahr auf die Höhe des jährlichen Grundgehalts, mit Zustimmung der Aktionäre dürfen sie maximal das Doppelte erreichen.

Teil das Fünffache des Fixgehalts

In einigen Bereichen des Investmentbanking wie dem Handel erreichen die Boni bisher das Vier- oder Fünffache des festen Gehalts. 38 Prozent der Banken in Europa sichern ihren Führungskräften daher einen größeren Teil des Gehalts fest zu, wie aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Mercer hervorgeht, die heute veröffentlicht wurde.

Viele Institute haben Angst, ihre Leistungsträger an die US-Konkurrenz zu verlieren, wenn ihnen zu hohe finanzielle Einbußen drohen. Sie hatten vergeblich argumentiert, dass eine Begrenzung der Boni ihnen zu wenig Flexibilität gebe, auf schlechte Zeiten im Investmentbanking zu reagieren. Mercer-Vergütungsexperte Bernd Thomaszik kritisierte die Entwicklung: „Damit wird die Verbindung zwischen Vergütung und nachhaltiger Performance geschwächt.“

Boni nur noch für langfristige Erfolge

Zugleich versucht die Finanzbranche, ihren Mitarbeitern aber Anreize für ein langfristig erfolgreiches Handeln zu setzen, wie es in der Studie heißt: 86 Prozent der Banken und Versicherer zahlen Boni zum Teil erst mit drei oder vier Jahren Verzögerung aus, wenn sich die Folgen absehen lassen.

In den USA seien es nur 42 Prozent. Bei fast allen Banken und drei von vier Versicherern orientieren sich die Boni inzwischen nicht mehr nur an der Erfüllung finanzieller Ziele. „Dadurch wird der Fokus von einem kurzfristig gewinn- und damit auch oft risikoorientierten Handeln zu einem nachhaltigeren Geschäftsmodell bewegt“, sagte Thomaszik.

Chronik

Drei Touristen in Pamplona von Stieren aufgespießt

Beim traditionellen Stiertreiben im spanischen Pamplona haben heute zwei US-Touristen und ein Brite Verletzungen durch Stierhörner erlitten.

Ein 30-jähriger Brite wurde laut Angaben der Regionalverwaltung von einem Stier im Analbereich verletzt, ein 38-jähriger US-Urlauber erlitt eine Stichverletzung unter der Achsel, ein weiterer US-Bürger leichtere Verletzungen durch ein Stierhorn.

Drei Touristen trugen bei der Stierhatz Verletzungen durch Stierhörner davon. (iptv.ORF.at)

Acht weitere Teilnehmer erlitten Gehirnerschütterungen oder Prellungen. Tierschutzgruppen protestierten auch dieses Jahr gegen die weltberühmte Veranstaltung, die inzwischen auch in Spanien äußerst umstritten ist.

Hunderttausende Besucher erwartet

Das neuntägige San-Fermin-Fest zieht jedes Jahr Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an. Vor allem junge Männer, die sich mit Sangria und Wein Mut antrinken, suchen in den Straßen Pamplonas den Nervenkitzel.

Die Stierhatz mit sechs Stieren beginnt täglich um 8.00 Uhr und dauert nur wenige Minuten. Die Tiere werden dabei durch die engen Gassen der Stadt bis in die Arena getrieben, wo sie später von den Torreros getötet werden.

Im vergangenen Jahr besuchten fast 1,3 Millionen Menschen das Festival, mehr als die Hälfte davon aus dem Ausland. Rund ein Viertel der ausländischen Touristen kam aus den USA. Seit 1911 kamen bei dem Fest 15 Menschen ums Leben. Zuletzt erlitt ein 27-jähriger Spanier vor sechs Jahren tödliche Verletzungen, als ein Stier ihm die Hörner in Nacken, Herz und Lunge rammte. Das Festival ist unter anderem durch Ernest Hemingway in seinem Roman „Fiesta“ verewigt worden.

Russische Polizei gibt Tipps für sichere Selfies

Nach Dutzenden tödlichen Unfällen und zahlreichen Verletzten hat die Polizei in Russland heute eine Kampagne für sichere Handy-Selbstporträts gestartet. „Ein cooles Selfie kann Dich das Leben kosten“, schrieb das Innenministerium in einer neuen Broschüre.

Im Mai hatte sich eine 21-Jährige in Moskau versehentlich in den Kopf geschossen, als sie sich selbst mit einer Pistole in der Hand fotografierte. Sie überlebte den Unfall.

Tafel zeigt Sicherheitstipps für Selfieaufnahmen

Russian Ministry of Internal Affairs

Mit Handgranate in die Luft gesprengt

Im Jänner hatten sich zwei junge Männer im Ural in die Luft gesprengt, als sie für ein Selfie mit einer entsicherten Handgranate posierten. Ihr Handy überstand die Explosion und legte Zeugnis von dem Unglück ab. Im Mai starb ein Jugendlicher in der Region Rjasan, der für ein Selfie auf eine Eisenbahnbrücke geklettert war und dort ein Stromkabel berührte.

Hunderte Verletzte

Seit Jahresbeginn habe es rund hundert Fälle gegeben, bei denen sich Menschen bei Selbstporträts verletzt hätten, sagte Jelena Alexejewa vom Innenministerium in Moskau. Zudem habe es bereits Dutzende Todesfälle gegeben. Bevor jemand auf der Jagd nach möglichst vielen „Likes“ im Internet ein Selfie mache, solle er sich über die Konsequenzen im Klaren sein, sagte Alexejewa: „Sein letztes extremes Foto könnte sich als ein postum veröffentlichtes erweisen.“

Gesundheit

WHO: Teure Zigaretten effektiv gegen Rauchen

Ohne Maßnahmen gegen den Tabakkonsum werden im Jahr 2030 bereits acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. Davor hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute in ihrem neuen Welttabakbericht gewarnt. Derzeit sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen durch Tabakkonsum, berichtete die WHO. Das sind mehr Tote als durch HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Obwohl in vielen Ländern weniger geraucht wird, steigt die Zahl der Raucher weltweit durch das Bevölkerungswachstum. Hohe Steuern auf Tabak könnten laut WHO-Angaben Menschenleben retten. Viel zu wenige Länder nutzten diese effektive Maßnahme, um das Rauchen einzudämmen.

Appell für höhere Steuern

Weltweit erheben den Angaben zufolge nur 33 der 194 WHO-Länder so hohe Steuern auf Rauchwaren, dass das drei Viertel des Verkaufspreises ausmacht. Das ist die Höhe, welche die WHO für angemessen hält. „Die Steuern auf Tabakprodukte zu erhöhen ist eine der wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Methoden, den Konsum von tödlichen Produkten einzudämmen und deutlich höhere Steuereinkünfte zu erzielen“, teilte WHO-Direktorin Margaret Chan mit.

Die WHO zählt Rauchen zu den Risikofaktoren für weitverbreitete nicht ansteckende Krankheiten, darunter Krebserkrankungen, Herz- und Lungenleiden sowie Diabetes. Daran sterben nach WHO-Angaben 16 Millionen Menschen vorzeitig, das heißt, vor ihrem 70. Lebensjahr. 80 Prozent der weltweit rund eine Milliarde Raucher leben nach WHO-Angaben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen, hieß es bei der Vorstellung des Berichts in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Im Grunde sind die Aussagen der WHO zu den Tabak- bzw. Zigarettenpreisen die Bestätigung alter wissenschaftlicher Daten aus Österreich. Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze hatte bereits vor vielen Jahren den Zusammenhang zwischen Steuern auf Tabakprodukte und Zigarettenkonsum wissenschaftliche nachgewiesen. „Wir haben das bereits im Jahr 1984 belegen können“, sagte der Experte nun gegenüber der APA. In Österreich beträgt der Anteil der Steuern am Preis von Zigaretten rund 70 Prozent.

Science

Mikroorganismen auf Komet „Tschuri“?

Die bizarren Landschaften auf dem Kometen „67P/Tschurjumov-Gerasimenko“ („Tschuri“) könnten auf die Existenz von Mikroorganismen hinweisen. Das ist zumindest die Hypothese zweier Astronomen.

Nach „Rosetta“-Beobachtungen sei „Tschuri“ jedenfalls kein „tiefgefrorener, inaktiver Körper“, sondern geologisch aktiv, hob Max Willis von der Universität Cardiff kürzlich in einer Erklärung der Royal Astronomical Society (RAS) hervor. Der Komet biete womöglich mikroskopisch kleinen Lebensformen bessere Bedingungen „als die Arktis und die Antarkis auf der Erde“.

Mehr dazu in science.ORF.at

Religion

Papst in Ecuador: Einsatz für Menschen am Rand

Der Einsatz für die Menschen in der Peripherie sei eine Hauptaufgabe der Kirche, hat Papst Franziskus gestern in Ecuador gesagt. Jesus habe eine Schwäche dafür, den besten Wein mit denen zu trinken, die benachteiligt seien. „Gott nähert sich immer den Peripherien derer, die ohne Wein geblieben sind, die nur Mutlosigkeit zu trinken haben“, so der Papst am zweiten Tag seiner Südamerika-Reise bei einer Messe vor rund 600.000 Gläubigen in Ecuador.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Kultur

WJC protestiert gegen Gaskammer-Video in Krakau

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder, hat die Entfernung einer umstrittenen Videoinstallation in Krakau gefordert, die Nackte beim Fangenspiel in einer Gaskammer zeigt. Die Installation des polnischen Künstlers Artur Zmijewski ist Teil der seit Mitte Mai laufenden Ausstellung „Erfahrung Auschwitz“ im Krakauer Museum für Zeitgenössische Kunst.

„Wir sind schockiert, dass Sensationsmacherei im Gewand der künstlerischen Freiheit über Sensibilität und guten Willen triumphiert“ schrieb Lauder in einer heute veröffentlichten Stellungnahme. Gerade an einem Ort wie Krakau sollte Verständnis für die Holocaust-Überlebenden herrschen.

Video sorgte bereits für mehrere Proteste

Krakau, nur etwa 60 Kilometer vom ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau entfernt, war über Jahrhunderte hinweg eines der wichtigsten Zentren des polnischen Judentums.

Das Museum, in dem die Ausstellung gezeigt wird, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der einstigen Fabrik des deutschen Fabrikanten Oskar Schindler, dessen Einsatz zur Rettung seiner jüdischen Arbeiter in Steven Spielbergs oscarprämiertem Film „Schindlers Liste“ geschildert wurde.

Seit der Entstehung des Videos „Berek“ (Fangenspiel) im Jahr 1999 löst die Installation immer wieder Proteste aus.

O-Töne: Popstars mit Leselämpchen

Vor ein paar Jahren hat man bei Literaturlesungen noch an einen kleinen Kreis Verschworener gedacht. Heute sind es mitunter popkulturelle Großevents, die Massen anlocken - etwa beim alljährlichen O-Töne-Festival im Wiener MuseumsQuartier.

Im Gespräch mit ORF.at berichten die Autoren Arno Geiger und Martin Amanshauser darüber, was es bedeutet, vor einem Meer an Menschen die eigenen Geschichten vorzutragen. Und zur prickelnden Atmosphäre kommt noch der finanzielle Aspekt hinzu.

Mehr dazu in Von der Tiefe in die Breite

David Guetta droht Millionenklage

Der DJ und Produzent David Guetta sieht sich mit einer hohen Plagiatsklage konfrontiert. Der Musiker Andre Dubek wirft Guetta vor, seinen Song „Illumination“ aus den 1980er Jahren unerlaubt gecovert zu haben.

Die Rechte an dem Lied liefen zwar heuer aus, das inkriminierte Guetta-Cover „Dangerous“ erschien jedoch schon im Oktober 2014. Dubek verlangt sechs Millionen Dollar Schadenersatz und hat Guetta sowie dem Sänger Sam Martin und dem Label Warner Music untersagt, den Song weiter zu vertreiben.

„Dangerous“ ist in den USA auf Platz eins der Billboard-Charts eingestiegen und wurde vor allem durch die T-Mobile-Werbung bekannt. Das erklärt auch die hohe Summe, die Dubek fordert. Guetta selbst hat zu den Vorwürfen noch nicht Stellung genommen.