Ausland

Tunesien: Über 70 Bewerber kandidieren für Präsidentenamt

Über 70 Kandidaten haben sich für die erste freie Präsidentenwahl in Tunesien beworben. Die hohe Bewerberzahl sei ein internationaler Rekord, teilte ein Sprecher der Wahlkommission heute mit.

Allerdings sei noch nicht sicher, ob jeder Kandidat auch ausreichend qualifiziert sei. Allein über 40 Bewerber hätten sich gestern kurzfristig vor Ende der Registrierungsfrist bei der Wahlkommission in Tunis angemeldet.

Erste freie Wahl eines Staatsoberhaupts

Die Präsidentenwahl am 23. November soll die erste freie Wahl eines Staatsoberhaupts seit dem Sturz des Langzeitherrschers Zine el Abidine Ben Ali im Jahre 2011 werden. Gemeinsam mit der im Oktober stattfindenden Parlamentswahl soll sie den Übergang Tunesiens zur Demokratie vollenden.

Zur Wahl will unter anderem der Interimspräsident Moncef Marzouki antreten. Der säkulare Politiker war 2011 von der Verfassungsgebenden Versammlung gewählt worden.

Ex-Regierungschef unter Kandidaten

Zu seinen Herausforderern zählen der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung, Mustafa Ben Jaafar, und Ex-Regierungschef Beji Caid Essebsi. Auch drei frühere Minister der Regierung Ben Alis haben sich beworben. Die islamistische Ennahda-Partei hatte angekündigt, keinen Kandidaten aufzustellen.

Neue Friedensgespräche in Gaza-Konflikt in Sicht

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas will diese Woche einen neuen Zeitplan für Friedensverhandlungen mit Israel vorlegen. „Ich sage heute zu Ministerpräsident (Benjamin) Netanjahu: Beenden Sie die Besatzung, machen Sie Frieden!“, sagte Abbas gestern Abend (Ortszeit) in New York. Abbas soll am Freitag vor der UNO-Vollversammlung sprechen.

US-Außenminister John Kerry hatte lange zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt. Die Verhandlungen waren im April gescheitert.

Delegationen in Kairo eingetroffen

Eine israelische Delegation traf heute Früh zu neuen Gesprächen über eine langfristige Lösung des Gaza-Konflikts in Kairo ein. Das berichtete ein Sicherheitsbeamter der dpa. Vertreter der palästinensischen Fatah seien bereits gestern Abend angereist; auch die radikalislamische Hamas soll teilnehmen.

Es sind die ersten Gespräche nach einer vor knapp einem Monat von Ägypten vermittelten Waffenruhe des jüngsten Gaza-Krieges. Es soll um die Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen und die Freilassung von Häftlingen gehen. Täglich fahren rund 200 Lastwagen mit Hilfsgütern aus Israel in das Palästinensergebiet am Mittelmeer.

UNO-Büro sieht Gaza-Krieg als Fall für IGH

Die mutmaßlichen Kriegsverbrechen im blutigen Konflikt im Gazastreifen sollen nach einer Empfehlung des Büros des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte vor den Internationalen Strafgerichtshof (IGH) in Den Haag gebracht werden. Die stellvertretende Hochkommissarin Flavia Pansieri stellte in Genf einen Bericht vor, wonach Israel möglicherweise Kriegsverbrechen begangen habe, indem es zivile Ziele angegriffen habe.

In dem Bericht wurde auch die Sorge geäußert, dass bewaffnete palästinensische Gruppen mit willkürlichen Angriffen auf Israel gegen internationales Recht verstoßen hätten. So habe die radikalislamische Hamas militärisches Gerät in von Zivilisten bewohnten Gebieten stationiert und mutmaßliche Kollaborateure getötet.

Entführer dreier israelischer Jugendlicher tot

Mitauslöser für den Gaza-Krieg im Sommer war die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher Mitte Juni. Die mutmaßlichen Mörder sollen nun ums Leben gekommen sein. Der Sprecher der israelischen Armee, Peter Lerner, teilte heute Früh via Twitter mit, Marwan Kawasme und Amer Abu Aischa seien bei einem Schusswechsel mit der israelischen Armee getötet worden.

Die drei israelischen Jugendlichen waren Mitte Juni auf dem Heimweg von ihrer Talmud-Schule nahe der Stadt Hebron im Westjordanland verschwunden. Ihre Leichen waren Ende Juni gefunden worden.

Israel schießt syrischen Kampfjet ab

Israel hat ein syrisches Kampfflugzeug über den Golanhöhen abgeschossen. Die Maschine sei in von Israel kontrollierten Luftraum eingedrungen und dann von einer Abwehrrakete getroffen worden, teilte die Armee mit. In israelischen Medien war von einem Kampfjet vom Typ MiG-21 russischer Bauart die Rede.

Die Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg greifen immer wieder auf die Golanhöhen über, die Israel seit 1967 besetzt hält und die von Syrien beansprucht werden. Es ist der schwerste Zwischenfall in der Grenzregion seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges.

Mehr dazu in Hintergrund unklar

Grenzspannungen zwischen China und Indien dauern an

Die indische Heeresführung ist besorgt über die seit zwölf Tagen andauernden Spannungen an der indisch-chinesischen Grenze. Der Stabschef des Heeres, General Dalbir Singh Suhag, habe deswegen eine geplante Reise nach Bhutan abgesagt, berichtete die Zeitung „Times of India“ heute.

Demnach stehen einander jeweils rund 1.000 Soldaten beider Seiten in Ladakh weiter in Sichtweite gegenüber. An einer Stelle habe die indische Armee einen taktischen Rückzug antreten müssen, weswegen nun weitere Truppen in das abgelegene Hochland verlegt würden.

Chinas Staats- und Regierungschef Xi Jinping, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, war bis Freitag zu einem Besuch im Nachbarland gewesen. Der indische Premierminister Narendra Modi machte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz sehr deutlich, dass er über die Vorfälle an der Grenze besorgt sei.

Grenze umstritten

Teile der 3.500 Kilometer langen Grenze zwischen den asiatischen Großmächten sind umstritten. Nach indischer Lesart lagert die chinesische Armee derzeit auf indischem Gebiet. Nach Angaben des Innenministeriums in Delhi überschritten chinesische Soldaten in diesem Jahr schon mehr als 300-mal die Demarkationslinie.

Zu einem solch schweren Vorfall sei es aber zuletzt im Mai vergangenen Jahres gekommen, als Chinas Ministerpräsident Li Keqiang nach Indien gereist sei.

Klimagipfel: UNO hofft auf Richtungswechsel

Unter dem Eindruck der weltweiten Massendemonstrationen vom Wochenende findet heute in New York der UNO-Klimagipfel 2014 statt. Die Erwartungen sind groß: Bei der „größten Ansammlung an Staats- und Regierungschefs zum Thema Klima aller Zeiten“ sollen - nach vielen enttäuschenden Klimagipfeln - endlich Fortschritte erzielt werden.

Hollywood-Prominenz wird ebenso vertreten sein wie „die Menschen, die an den Hebeln der Weltwirtschaft sitzen“. Der Gipfel in New York soll laut UNO einen Kurswechsel bringen - Klimasekretärin Christiana Figueres warnt allerdings auch: „Uns läuft die Zeit davon.“

Mehr dazu in Obama, Cameron, DiCaprio

Inland

Kurz: Österreich beteiligt sich an Allianz gegen IS

Österreich beteiligt sich politisch an der Allianz gegen den Terror des Islamischen Staates (IS). Das sagte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vor dem Abflug zur UNO-Generalversammlung in New York.

Österreich werde sich politisch, aber nicht militärisch beteiligen, also beispielsweise humanitäre Hilfe für verfolgte Minderheiten wie die Jesiden bereitstellen.

An der Allianz seien 50 Länder beteiligt, darunter auch andere neutrale Staaten wie Schweden, Irland und Finnland sowie islamische Staaten wie Saudi-Arabien und die Türkei, sagte der Außenminister. Es sei wichtig, dass es keine religiösen Trennlinien gebe.

Neue Ärzteausbildung im Ministerrat beschlossen

Die Regierung hat heute im Ministerrat die neue Ärzteausbildung beschlossen. Mit der Novelle des Ärztegesetzes soll der Beruf wieder attraktiver gemacht werden.

Ziel der Novelle ist es, dass die Ausbildung auf Inhalte und nicht mehr auf Strukturen fokussiert, erklärte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ).

Neunmonatige Basisausbildung für alle

Vorgesehen ist unter anderem eine Verpflichtung zur Absolvierung einer neunmonatigen Basisausbildung nach dem Medizinstudium. Dabei sollen sie klinische Grundkompetenzen in den Fachgebieten Chirurgie und Innere Medizin erwerben. Erst danach kommt es zu einer Entscheidung, ob eine allgemeinärztliche oder fachärztliche Ausbildung angestrebt wird.

Entscheidet man sich für das Fachgebiet der Allgemeinmedizin, so kommt es zu einer Spitalspraxis von 27 Monaten (ähnlich der bisherigen Regelung) und anschließend - am Ende der Ausbildung - zu einer verpflichtenden Lehrpraxis in der Dauer von zumindest sechs Monaten.

Lehrpraxis soll Nachfolger aufbauen

„Das dient dazu, den angehenden Ärztinnen und Ärzten einen besseren Einblick in das spätere Aufgabengebiet des niedergelassenen Bereichs zu geben. Die Lehrpraxis in den Arztordinationen ist aber auch ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Strukturen am Land und zum Aufbau von Nachfolgerinnen bzw. Nachfolgern für die anstehenden Pensionierungen“, so Oberhauser. Insgesamt soll die Ausbildung zur Allgemeinärztin bzw. zum Allgemeinarzt künftig damit mindestens 42 Monate dauern.

Sechsjährige Facharztausbildung

Entscheidet man sich nach der Basisausbildung für eine Facharztkarriere, so geht es mit einer Grundausbildung weiter, die grundsätzlich 27 Monate dauert (Sonderfach-Grundausbildung), die Dauer ist allerdings abhängig von der Fachrichtung.

Danach folgt eine Schwerpunktausbildung (Sonderfach-Schwerpunktausbildung), die mindestens 27 Monate dauert. Insgesamt nimmt eine Facharztausbildung somit künftig mindestens 72 Monate in Anspruch (nach dem Studium).

Das Gesetz soll am 1. Jänner 2015 in Kraft treten. Ab 1. Juni 2015 kann mit der neuen Ausbildung begonnen werden.

Regierungsspitze glaubt an Steuerkompromiss

Das Volumen der geplanten Steuerreform soll bei der Regierungsklausur verhandelt werden. Das bekräftigte die Regierungsspitze heute beim Ministerrat. SPÖ-Chef Werner Faymann bestätigte seine Haltung, eine Entlastung von fünf, sechs Mrd. Euro anzustreben.

ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner gab sich etwas verwundert ob Faymanns Vorschlag, das ÖGB-AK-Modell zu übernehmen, glaubt aber an einen Kompromiss. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) wollte sich zu den SPÖ-Plänen nicht äußern. Das sei eine reine Frage der SPÖ. Das im Gewerkschaftspapier formulierte Volumen von knapp sechs Mrd. Euro wollte er ebenfalls nicht kommentieren.

Frage nach Finanzierung

Zum Volumen der Reform sagte Mitterlehner vor dem Ministerrat: „Wir werden bei der Regierungsklausur (26. und 27. September, Anm.) darüber diskutieren. Ich gehe da schon von einem Fortschritt aus.“ Die entscheidende Frage sei, wie man auf der Ausgabenseite eine Gegenfinanzierung sicherstellen kann, so Mitterlehner. „Das ist das Kunststück.“

Faymann sagte im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, „die Kleinigkeit, wo kommt das Geld her“, sei „in Wirklichkeit die Kernfrage“. „Die Gegenfinanzierung muss verlässlich, im Kompromiss aufgestellt werden“, so der Kanzler.

ÖVP-Nein zu Vermögenssteuern

Mitterlehner betonte, dass die ÖVP auf ihrer Linie bleibe (also ein Nein zu Vermögenssteuern, Erbschafts- und Schenkungssteuern zur Gegenfinanzierung). Es müsse die konjunkturelle Lage berücksichtigt werden, das Volumen der Entlastung müsse „realistisch“ sein.

Es dürfe jedenfalls nicht so sein, dass sich die Bürger die Entlastung über ein neues Sparpaket selbst finanzieren, sagte der Vizekanzler. Grundsätzlich verwies er auf den mit der SPÖ vereinbarten Fahrplan, also Expertengespräche bis Jahresende und anschließend eine politische Einigung.

ÖVP Vorarlberg begann Sondierungsgespräche

In Vorarlberg hat heute die ÖVP Sondierungsgespräche mit den anderen Parteien für eine mögliche Regierungszusammenarbeit aufgenommen. Erster Gesprächspartner war die FPÖ als zweitstärkste Gruppierung bei der Landtagswahl.

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Gebremster Aufstieg für NEOS

Im Vorfeld der Vorarlberg-Wahl war viel über das Abschneiden von NEOS spekuliert worden. Anlass für die neue Partei, an ein prozentreiches Debüt auf Landesebene im äußersten Westen zu glauben, gab vor allem das Ergebnis bei der Nationalratswahl, wo Vorarlberg, Heimatbundesland von Parteichef Matthias Stolz, so etwas wie eine Hochburg in Pink war. Auch bei der EU-Wahl konnte die Partei stark abschneiden.

Doch ausgerechnet in Vorarlberg blieb NEOS nun ein derartiger Wählerzuspruch verwehrt - auch eine Wählerwanderung aus dem Lager der ÖVP gab es nicht im erwarteten Ausmaß, auch wenn NEOS das Brechen der ÖVP-„Absoluten“ als eigene Errungenschaft sieht.

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TV-Hinweis

Sport

Fußball: Seltene Krankheit bremst Zulechner

Philipp Zulechner kämpft beim SC Freiburg seit längerer Zeit mit gesundheitlichen Problemen. Wie sein Trainer Christian Streich bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hoffenheim ausführte, leidet der im Jänner von Grödig gekommene Stürmer an einem Atemwegsinfekt. Dieser verursache bei Zulechner seltene Symptome an den Gelenken. An verschiedenen Stellen auftretende Schmerzen warfen den 24-Jährigen im Training immer wieder zurück.

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Fußball: Acht Topclubs suchen ihre Form

Europas stärkste Ligen haben die ersten Runden hinter sich gebracht. Einige Topclubs haben sich dabei ihren Saisonstart ganz anders vorgestellt. Einige hinken ihren Ansprüchen weit hinterher. Je höher das Ansehen und je teurer der Kader, desto ärger werden diese Clubs in die mediale Mangel genommen. Mit jedem weiteren Umfaller steigt der Druck.

Vor allem ManUnited steht nach der nächsten Blamage im Kreuzfeuer der Kritik. Vizemeister Liverpool ist aber nicht viel besser gestartet. Auch in Deutschland, Italien und Frankreich gibt es erfolgsverwöhnte Teams, die entweder außerhalb der Spur sind oder Konstanz vermissen lassen.

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Gesundheit

Schwerer Ausbruch von Dengue-Fieber in Südchina

Mit mehr als 6.000 Infektionen erlebt die südchinesische Provinz Guangdong den schwersten Ausbruch von Dengue-Fieber in der Region seit zehn Jahren.

Allein die Provinzhauptstadt Guangzhou (Kanton) zählte seit Mai 5.190 Erkrankungen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua heute berichtete. Zwei Patienten seien gestorben.

Auch die Nachbarstadt Foshan sowie Zhongshan, Jiangmen und Zhuhai seien besonders betroffen. Wegen starker Regenfälle und hoher Temperaturen in diesem Sommer habe sich die Population von Mücken, die das Virus übertragen, in diesem Jahr verfünffacht, berichteten die Behörden.

Letzte Studien gehen weltweit von 294 Millionen unentdeckten Fällen von Dengue-Fieber im Jahr 2010 aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der Infektionen bisher auf 50 bis 100 Millionen pro Jahr.

Wirtschaft

Alibaba-Gründer Jack Ma ist der reichste Mann Chinas

Der Gründer des Onlinehändlers Alibaba, Jack Ma, steht mit einem geschätzten Vermögen von 25 Mrd. Dollar (19,5 Mrd. Euro) nun an der Spitze der Superreichen im Land, wie aus dem heute vorgelegten Hurun-Bericht hervorgeht, einer chinesischen Version der „Forbes“-Listen.

Dem früheren Englischlehrer gelang vergangene Woche mit der Alibaba-Notierung in New York der größte Börsengang aller Zeiten, er selbst kassierte dabei fast 900 Mio. Dollar. Hurun zufolge stellen Milliardäre aus der Technologiebranche die Hälfte der zehn reichsten Menschen in der Volksrepublik.

China geht gegen Superreiche vor

Auch wenn die meisten der rund 1.100 reichsten Chinesen ihr Vermögen weiter vermehrt hätten, setze das Antikorruptionsprogramm von Präsident Xi Jinping die Elite des Landes unter Druck.

Dem Hurun-Bericht zufolge wird gegen fünf der aufgeführten Superreichen ermittelt, zwei wurden inhaftiert, zwei warten auf ein Urteil. Einer wurde zum Tode verurteilt, während ein weiterer als verschollen gilt.

Hurun zufolge spiegelt die aktuelle Liste den Stand von Mitte August wider. Zu dem Zeitpunkt war Alibaba noch nicht an der Börse. Welchen Wert Hurun für Mas Alibaba-Beteiligung angesetzt hat, ist nicht klar.

Griechische Beamte streiken gegen Entlassungen

Aus Protest gegen weitere Entlassungen haben griechische Staatsbedienstete heute die Arbeit niedergelegt. Ministerien und andere Behörden wie Finanzämter blieben geschlossen. In staatlichen Krankenhäusern wurden nur Notfälle behandelt.

Um die Mittagszeit versammelten sich vor dem Finanzministerium in Athen einige hundert Demonstranten und skandierten Parolen gegen weitere Entlassungen. In der zweitgrößten Stadt Thessaloniki gingen laut Medienberichten rund 3.000 Menschen auf die Straße.

Keine Auswirkungen auf Schulen und Verkehr

Ein Streikaufruf der Lehrergewerkschaft blieb dagegen weitgehend folgenlos. Auch auf den Verkehr und den Tourismus hatte der Ausstand keine nennenswerten Auswirkungen, wie die griechischen Medien übereinstimmend berichteten.

Enttäuscht über die geringe Beteiligung äußerte sich Nikos Sartis, ein Arbeiter bei der Athener Müllabfuhr. „Es sieht mehr nach einem Rückzugskampf aus“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Bewertung durch Experten

Die Staatsbediensteten protestieren gegen die geplante Entlassung von rund 6.500 Kollegen. Zudem befürchten sie einen Abbau weiterer Stellen. Die Regierung lässt zurzeit alle Staatsbediensteten und ihre Leistung durch Experten bewerten.

Einsparungen im öffentlichen Dienst in Griechenland sind Voraussetzung für weitere Finanzspritzen der internationalen Geldgeber. Bereits im Juli hatten Staatsbedienstete für einen Tag die Arbeit niedergelegt.

Kochef der Deutschen Bank angeklagt

Der Topbanker Jürgen Fitschen ist wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren angeklagt worden. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem amtierenden Kochef der Deutschen Bank sowie seinen Vorgängern Rolf Breuer und Josef Ackermann unrichtige Zeugenaussagen vor.

Auch ein weiterer Ex-Vorstand und Ex-Aufsichtsratschef, Clemens Börsig, wurde von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wie eine Gerichtssprecherin heute der Nachrichtenagentur dpa in München bestätigte.

Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Manager mit falschen Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch verhindern wollten. Da die Bank am Ende doch zahlte, geht es nur um versuchten Prozessbetrug. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die Deutsche Bank verwies auf Anfrage auf frühere Äußerungen, wonach sie davon überzeugt ist, dass sich der Verdacht gegen Fitschen als unbegründet erweisen werde. Fitschen führt die Deutsche Bank seit Juni 2012 gemeinsam mit Anshu Jain und gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftsbosse in Deutschland.

Anklage muss zugelassen werden

Nach der Erhebung der Anklage muss das Landgericht München im nächsten Schritt entscheiden, ob diese zugelassen wird und es somit zum Prozess kommt. Die Entscheidung könnte allerdings noch Monate dauern. Ein Prozess würde somit nicht vor dem kommenden Jahr beginnen. Als Angeklagte müssten Fitschen, Ackermann, Breuer und die anderen Beteiligten dann persönlich vor Gericht erscheinen.

Italiens Banken wollen 12.000 Jobs einsparen

Italiens Bankensystem will weiter sparen. Bis Ende 2016 sollen im Bankensektor 12.000 Jobs und 1.300 Filialen abgebaut werden, berichtete die italienische Bankenvereinigung ABI. Die Umstrukturierung soll vor allem mittelgroße Banken wie Monte dei Paschi, Banca Marche und Veneto Banca betreffen.

Die 309.000 Bankangestellten in Italien kosten mehr als im Rest Europas, und ihre Produktivität ist niedriger. Am 30. September läuft der Kollektivvertrag der Bankangestellten aus.

Seit 2007 bereits 28.000 Jobs abgebaut

Verhandlungen für die Erneuerung des Vertrags beginnen jetzt zwischen Gewerkschaften und Banken. Die Bankenvereinigung drängt angesichts der Rezession in Italien auf eine fünfmonatige Verschiebung des Verhandlungsbeginns.

Bankangestellte haben einen hohen Preis für die Krise in Italien gezahlt. In den vergangenen sechs Jahren gingen im Bankensektor 28.000 Jobs verloren, so die Gewerkschaften. Vor Beginn der Krise 2007 waren noch 338.000 Italiener im Bankwesen beschäftigt, derzeit sind es nur noch 309.000.

Mehr schnelle Züge zwischen Deutschland und Frankreich

Deutschland und Frankreich bauen ihre Bahn-Hochgeschwindigkeitsverbindungen aus und wollen dem Flugverkehr zwischen den Ländern Marktanteile abjagen.

Die Deutsche Bahn (DB) und die französische Staatsbahn SNCF verlängerten heute ihr Gemeinschaftsprojekt Aleo und kündigten mehr und schnellere Züge zwischen Paris, Straßburg, Stuttgart, Frankfurt und München an.

Derzeit 20 Verbindungen täglich

„Da der Luftverkehr so stark wächst, müssen wir uns zusammentun“, sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy. Seit dem Aleo-Start 2007 seien über zehn Millionen Reisende in den ICEs und französischen TGVs gezählt worden.

Die DB und SNCF hatten sich damals für eine Kooperation entschieden, statt einander Konkurrenz auf den Gleisen des jeweils anderen zu machen. Die zuletzt 20 täglichen Verbindungen kamen auf ein jährliches Passagierwachstum von durchschnittlich sieben Prozent.

Neue und kürzere Strecke

Ab 2016 soll das Angebot weiter ausgebaut werden: Zum einen verkürzt sich dann durch den Ausbau der Trasse auf französischer Seite beispielsweise die Strecke zwischen Frankfurt und Paris um 15 Minuten auf rund dreieinhalb Stunden, womit die Bahn gegenüber dem Flugzeug an Attraktivität gewinnt. Außerdem wird die Zahl der Verbindungen auf 24 pro Tag erhöht. So kommt ab 2016 auch die Strecke Frankfurt - Straßburg - Marseille dazu.

Neue BIP-Berechnung sorgt für Plus von 9,5 Milliarden

Neue EU-Standards bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöhen Österreichs Wirtschaftsleistung auf einen Schlag um 9,5 Mrd. Euro auf 322,6 Mrd. Euro im Jahr 2013.

Unter anderem werden nun auch Ausgaben für Forschung und Entwicklung von der Statistik Austria als Investitionen einberechnet. Mit der Revision wurden alle BIP-Daten bis 1995 neu berechnet.

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Chronik

Im Jemen entführtes deutsches Paar und sein Sohn sind tot

Ein seit fünf Jahren im Jemen vermisstes deutsches Ehepaar und sein kleiner Sohn sind tot. Darüber habe das deutsche Auswärtige Amt die Angehörigen informiert, sagte heute Pastor Reinhard Pötschke als Sprecher der Familie. Pötschke bestätigte damit einen Bericht des evangelischen Magazins „Idea Spektrum“ (Onlineausgabe).

Dem Pastor zufolge heißt es in dem Schreiben des Auswärtigen Amtes: „Gemäß hier vorliegendem zuverlässigen nachrichtendienstlichen Aufkommen wurden Johannes, Sabine und Simon Hentschel im Verlauf ihrer Entführung im Jemen getötet bzw. verstarben.“

Geiselnehmer hatten die fünfköpfige Familie 2009 im Jemen verschleppt. Die Eltern hatten in dem Land für eine kleine christliche Hilfsorganisation gearbeitet. Die Töchter Lydia und Anna - heute zehn und acht Jahre alt - kamen im Mai 2010 frei und kehrten nach Deutschland zurück. Von den Eltern und dem damals knapp einjährigen Sohn fehlte lange jede Spur.

Medien

ORF stellt ganz auf HD um

Mit dem 25. Oktober stellt der ORF sein Programm gänzlich auf HD um: An diesem Tag startet die Ausstrahlung der Bundesländer-Programme und der Spartenkanäle ORF III und ORF Sport + in High Definition.

Aus diesem Anlass setzt der ORF am Vorabend des Nationalfeiertags einen Regionalschwerpunkt, wie heute bei einem Pressegespräch im niederösterreichischen Retz erläutert wurde.

Laut ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ist es „höchst an der Zeit“, die „Bundesland heute“-Sendungen auf HD umzustellen, womit diese „am letzten Stand der Technik zu sehen“ sein werden. „Hochwertige regionale Berichterstattung in Bildqualität auf höchstem Niveau wird die Erfolgsgeschichte der ‚Bundesland heute‘-Sendungen fortschreiben“, sagte Karlheinz Papst, Sprecher der ORF-Landesdirektoren.

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IT

Google baut Rechenzentrum in den Niederlanden

Der US-Internetkonzern Google investiert in den Niederlanden 600 Millionen Euro in den Bau eines Rechenzentrums. Die Anlage an der Ems-Mündung in Eemshaven soll mehreren zehntausend Servern etwa für die Google-Suchmaschine und den E-Mail-Dienst Platz bieten und bis 2016 in Betrieb gehen, kündigten das Unternehmen und das niederländische Wirtschaftsministerium heute an.

Das Zentrum entsteht auf einer Fläche von 40 Fußballfeldern und soll mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigen. Google betreibt bereits ein Datenzentrum an dem Hafenstandort unweit der deutschen Grenze. Dort erreicht das transatlantische Glasfasernetz Europa, und mehrere Kraftwerke sorgen für die große Menge benötigten Stroms.

EU-Kommission droht Google

Die EU-Kommission drohte Google unterdessen in dem jahrelangen Wettbewerbsverfahren mit einem härteren Vorgehen. Der US-Konzern müsse seine Vorschläge nachbessern, um den Streit mit Brüssel um seine Suchergebnisse beizulegen, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia im Europaparlament in Brüssel. Das habe er Google Anfang September mitgeteilt.

„Wir werden jetzt sehen, ob Google diese Dinge angeht und unsere Bedenken zerstreuen kann.“ Sollte das nicht der Fall sein, werde die EU-Kommission einen Warnbrief an den Suchmaschinengiganten schicken. Das ist der nächste Schritt in einem Verfahren wegen Verstößen gegen EU-Recht. Letztlich droht eine milliardenschwere Strafe.

Googles Suchmaschine soll Konkurrenz benachteiligen

Das Verfahren dreht sich um Vorwürfe von Medienunternehmen und konkurrierenden Onlinediensten, Google benachteilige sie in seiner Suchmaschine. Dabei geht es um Suchanzeigen in spezialisierten Bereichen wie dem Kartendienst Maps, Preisvergleiche und die Suche nach Hotels und Restaurants. Google hat in den EU-Ländern zum Teil über 90 Prozent Marktanteil bei der Internetsuche.

Almunia hatte im Februar eine vorläufige Einigung mit Google erzielt. Google hatte unter anderem zugesagt, Ergebnissen aus konkurrierenden Onlinediensten mehr Platz einzuräumen und eigene Angebote klarer zu kennzeichnen.

Den Beschwerdeführern ging das aber nicht weit genug. Almunia sprach von 20 vorliegenden Beschwerden - deshalb wurde er wieder aktiv. Sollte es bis zum Amtsende der EU-Kommission Ende Oktober keine Einigung geben, werde die neue Kommission den Fall weiterverfolgen, kündigte Almunia an.

Kultur

Novelle zur Filmförderung beschlossen

Die an neue EU-Vorgaben angepasste Filmförderung hat heute den Ministerrat passiert. Damit ist zulässig, dass heimische Filme mit 50 Prozent oder bei kleineren und schwierigen Projekten mit bis zu 80 Prozent ihrer Kosten gefördert werden.

„Diese Unterscheidung zum amerikanischen Filmmarkt ist für den europäischen Film eine Überlebensfrage“, sagte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ).

Kommerzielle Produktionen rücken in Hintergrund

Die Novellierung bestätigt im Rahmen der EU-Gruppenfreistellungsverordnung damit grundsätzlich die Zulässigkeit von staatlichen Beihilfen, bedeutet gleichzeitig aber auch eine deutliche Fokussierung auf kulturelle statt auf wirtschaftlich orientierte Filme.

Schließlich würden bei kommerziell ausgerichteten Produktionen künftig bis zu 50 Prozent an eigenem Finanzierungsanteil anfallen - was aktuell für kaum eine österreichische Produktion erschwinglich ist.

„Kleine und schwierige Filme“ bevorzugt

Während bei „schwierigen“ Filmen bis zu 80 Prozent der Produktion gefördert sein dürfen, kann „in Ausnahmefällen, also bei Filmprojekten von besonderem kulturellen Interesse“, wie es heißt, auch ein höherer Anteil gefördert sein.

Eine Definition von „kleinen und schwierigen“ Filmen bzw. Filmprojekten von „besonderem kulturellen Interesse“ soll ebenso mit der Novelle einhergehen wie die Formulierung von Zielen der „nationalen und regionalen Vielfalt“.

In Europa hat sich die Anzahl der jährlich produzierten Filme seit 2004 auf 1.500 Werke knapp verdoppelt, selbige Entwicklung gilt für Österreich mit inzwischen knapp 60 Filmen im Jahr. In den Lichtspielhäusern dominiert dennoch nach wie vor das US-Kino, das rund ein Drittel der durchschnittlich 400 Filme pro Jahr stellt und damit etwa zwei Drittel aller Besucher erreicht.

Nach Muti-Abgang droht Roms Oper die Schließung

Nachdem Riccardo Muti die Trennung vom Opernhaus in Rom angekündigt hat, droht dem Theater die Schließung.

Unter dem Druck von Verlusten in Höhe von zwölf Millionen Euro und ohne einen namhaften Dirigenten wie Muti sei die Zukunft des Theaters mehr denn je gefährdet, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“.

Suche nach neuem Stardirigenten

Der Intendant der Opera di Roma, Carlo Fuortes, plant in den kommenden Tagen ein Treffen mit dem römischen Bürgermeister Ignazio Marino, um die Situation des Opernhauses zu diskutieren. Fuortes muss einen Ersatz für Muti finden, der die in dieser Saison geplanten Opern „Aida“ und „Le Nozze di Figaro“ nicht dirigieren wird.

Unterschriftenliste für Verbleib Mutis

Muti, der Ehrendirigent auf Lebenszeit in Rom ist, hätte am 27. November die Saison mit Verdis „Aida“ eröffnen sollen. Am 24. Mai 2015 stand er mit „Figaros Hochzeit“ auf dem Programm.

Einige Chor- und Orchestermitglieder wollen jetzt eine Unterschriftensammlung starten, um Muti zum Verbleib zu bewegen. „Wir hoffen, dass Muti seinen Beschluss überdenkt. Der Maestro hat in diesen Jahren mit seinem Beitrag dem Theater internationales Prestige verliehen“, teilten Gewerkschaftssprecher der Opernmitarbeiter mit.

Keine Ruhe, um zu arbeiten

Die Situation im Opernhaus erlaube ihm nicht, mit jener Ruhe zu arbeiten, die für gute Aufführungen notwendig sei, hatte Muti in einem Brief an Fuortes geschrieben. Er werde sich künftig mehr um das Jugendorchester „Luigi Cherubini“ kümmern, das er gegründet habe, schrieb Muti.

Lifestyle

Amerikanerin ließ sich dritte Brust implantieren

Eine junge Frau hat sich in den USA nach eigenen Angaben eine dritte Brust implantieren lassen. Sie träume von ihrer eigenen Reality-Show im Fernsehen, sagte die 21-Jährige aus dem Staat Florida gestern dem Sender Real Radio 104.1.

Es sei ihr aber nicht nur um Ruhm und Reichtum gegangen: „Ich wollte mich für Männer unattraktiv machen. Ich möchte keine Dates mehr haben.“ Den Grund dafür wollte sie aber nicht erläutern.

Lange Suche nach Chirurgen

Die junge Frau nennt sich Jasmine Tridevil und arbeitet nach eigenen Angaben als Masseurin. Ihre wahre Identität verriet sie nicht. Sie habe 50 oder 60 Ärzte kontaktieren müssen, bevor einer zu der Operation bereit gewesen sei. Die anderen hätten ethische Bedenken gehabt. Für den Eingriff habe sie 20.000 Dollar (fast 16.000 Euro) bezahlt.

„Ich habe zwei Jahre gespart und jeden Penny investiert“, sagte sie dem Radiosender weiter. Seitdem sie ihren Eltern von der Operation erzählt habe, spreche ihre Mutter nicht mehr mit ihr. Auf der Fotoplattform Instagram und auf Facebook veröffentlichte sie Bilder in selbst geschneiderten Tops.

Die dritte Brust in der Mitte des Brustkorbes bestehe aus Silikon und verpflanzter Haut, hieß es. Medien verglichen Tridevil mit der dreibusigen Frau aus dem Science-Fiction-Klassiker „Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger aus dem Jahr 1990.