Ausland

UNO-Sicherheitsrat lehnt russische Syrien-Resolution ab

Ein russischer Resolutionsentwurf, mit dem ein Verbot aller gegen die Souveränität Syriens gerichteten Handlungen erreicht werden sollte, ist im UNO-Sicherheitsrat durchgefallen. Das Papier erhielt gestern (Ortszeit) bei einer auf Drängen Russlands einberufenen Sondersitzung hinter verschlossenen Türen in New York nicht genügend Unterstützung.

Unter anderem die Vetomächte Frankreich und USA lehnten den Entwurf ab, der dazu auffordert „die Souveränität Syriens voll zu respektieren" und jegliche Beschießungen und Grenzübertretungen, sowie Pläne für Bodentruppen sofort aufzugeben“. Russland hatte den Entwurf vor dem Hintergrund türkischer Angriffe auf kurdische Einheiten in Syrien vorgelegt.

„Die kurze Antwort ist: Nein“

„Anstelle die Welt mit dieser Resolution abzulenken, wäre es wirklich gut, wenn Russland die Resolution, der wir alle bereits zugestimmt haben, implementieren würde“, sagte US-Botschafterin Samantha Power unter Bezug auf ein vor einigen Monaten verabschiedetes Papier, das einen Plan zum Ende der Krise unterstützt. „Die kurze Antwort ist: "Nein"“, sagt Frankreichs UN-Botschafter Francois Delattre auf die Frage von Journalisten, ob sein Land den russischen Resolutionsentwurf unterstütze.

Kerry: „Viel Arbeit“ vor Waffenruhe

Bis zu einer Waffenruhe in Syrien gibt es unterdessen nach den Worten von US-Außenminister John Kerry „noch viel Arbeit“. Kerry erklärte in London, die Verhandlungen zwischen den USA und Russland in Genf über eine Feuerpause seien „ernsthaft und soweit konstruktiv“ gewesen, doch blieben noch „einige schwierige Fragen zu lösen“.

Verbunden mit der Lieferung von Hilfsgütern könne durch eine Feuerpause an Ort und Stelle viel erreicht werden.

Kurdische TAK bekennt sich zu Ankara-Anschlag

Die militante Gruppierung „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) hat sich zum Anschlag auf einen Militärkonvoi in der türkischen Hauptstadt Ankara bekannt, bei dem am Mittwoch 28 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Der Anschlag sei eine „Antwort auf (Präsident Recep Tayyip, Anm.) Erdogans Politik“, wie Reuters aus einem im Internet veröffentlichen Bekennerschreiben zitierte.

Die türkischen Behörden sprachen gestern von „fast“ abgeschlossenen Ermittlungen - die Zahl der Festgenommenen sei zuletzt auf 17 gestiegen, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte. Erdogan bekräftigte, für ihn gebe es an der Täterschaft syrischer Kurden „keinen Zweifel“.

Als Haupttäter des Anschlags galt nach den Erkenntnissen der türkischen Behörden bisher ein 23-jähriges Mitglied der „syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) aus Syrien. Die YPG ist der bewaffnete syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Auch TAK steht dieser nahe und gilt aus Sicht der türkischen Regierung als Terrorarm der PKK.

US-Luftangriff auf IS in Libyen

Die US-Streitkräfte haben mehrere Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen geflogen. Ziel seien ein IS-Trainingscamp und ein Haus in der Stadt Sabrata gewesen, in dem sich ein mutmaßlicher Terrordrahtzieher aufgehalten haben soll, wie Medien unter Berufung auf das US-Militär berichteten.

Allein bei dem Angriff in Sabrata seien rund 40 Menschen getötet worden. Der Luftangriff wurde vom Pentagon bestätigt. Im Kampf gegen den IS rückte das nordafrikanische Land zuletzt in den Fokus.

Mehr dazu in Vorhut für großangelegten Einsatz?

NATO startet Beobachtungseinsatz in Ägäis

NATO-Schiffe sind zu dem geplanten Anti-Schleuser-Einsatz im Seegebiet zwischen Griechenland und der Türkei eingetroffen. Der unter deutscher Führung stehende Marineverband beobachte dort bereits Schiffs- und Bootsbewegungen, sagte ein Bündnissprecher gestern in Brüssel.

Mit ihrem Einsatz in der Ägäis will die NATO in den nächsten Monaten zu einer Eindämmung der unkontrollierten Migration in Richtung Westeuropa beitragen. Die von dem Marineverband gesammelten Informationen über den Seeverkehr in dem Gebiet sollen dazu an die Behörden in der Türkei und in Griechenland weitergeleitet werden.

Vor allem die türkische Küstenwache könnte so in die Lage versetzt werden, kriminelle Schleuserbanden effektiver zu verfolgen. Die genaue Einsatzplanung soll spätestens bis zum nächsten Mittwoch abgeschlossen sein. Ob die Schiffe bereits jetzt die wichtigsten Schleuserrouten beobachten können, blieb zunächst unklar. Nach NATO-Angaben sind sie derzeit nur in internationalen Gewässern unterwegs.

Inland

SPÖ fordert von ÖVP „klares Bekenntnis“ zur Koalition

In der rot-schwarzen Regierung gibt es wieder einen handfesten Krach: SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid zweifelt nach Aussagen von Reinhold Lopatka und Christoph Leitl (beide ÖVP) am Koalitionswillen der Schwarzen. Schmid forderte von Vizekanzler und ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner gestern Abend „ein klares Bekenntnis“ zur Koalition.

Appell an Mitterlehner

„Nach den ständigen Provokationen von Klubobmann Lopatka und dessen unverhohlenem Liebäugeln mit Schwarz-Blau spricht sich Wirtschaftskammer-Präsident Leitl nun sogar für ein Ende der Koalition aus“, kritisierte Schmid. Mitterlehner sei dringend gefordert, das Chaos in seiner Partei zu beenden, sich klar zur Arbeit der österreichischen Bundesregierung, den im Regierungsprogramm festgelegten Zielen und somit zur „Zusammenarbeit für Österreich“ zu bekennen.

Leitl: SPÖ reformunwillig

Leitl hatte im „Kurier“ (Samstag-Ausgabe) abermals ein Ende der Koalition gefordert. Statt einer weiteren Zusammenarbeit mit der „reformunwilligen SPÖ“ solle die ÖVP eine Minderheitsregierung versuchen. „Wenn eine Arbeitsgemeinschaft nichts weiterbringt, ist es besser, sie löst sich auf, und jeder stellt sich dem freien Wettbewerb der Ideen - samt Suche nach parlamentarischen Mehrheiten“, so Leitl. Dafür komme auch die FPÖ infrage.

Leitl hatte schon vergangene Woche im Rahmen seiner Aschermittwoch-Rede gemeint, dass die ÖVP „in den Schlafwagen eskortiert“ worden sei und „in einen ICE umsteigen“ sollte.

Planungen für Assistenzeinsatz auf Brenner bestätigt

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat gestern Planungen für einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres bei den angekündigten Grenzkontrollen auf dem Brenner bestätigt. Es gebe „konkrete Vorstellungen und Planungen“, die mit der Tiroler Landespolizeidirektion erarbeitet würden, sagte Doskozil bei einer Pressekonferenz mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in Innsbruck.

Man sei gemeinsam mit der Landespolizeidirektion bereit, den „Fokus auf die wesentlichen Grenzübergänge“ zu legen, erklärte der Verteidigungsminister. Diesbezüglich gebe es jedenfalls einen Plan des Tiroler Militärkommandos in Absprache mit der 6. Jägerbrigade, der Gebirgsbrigade des Bundesheeres.

„Lage in Spielfeld zuerst beurteilen“

Für Aussagen darüber, welche Mannstärke das Bundesheer in Tirol aufbieten werde, sei es noch zu früh, meinte Doskozil. „Jetzt gilt es zunächst zu beurteilen, wie sich die Situation in Spielfeld entwickelt“, nahm der Minister Bezug auf die sogenannte Obergrenze von 80 Asylanträgen pro Tag, die dort seit gestern im Rahmen des Grenzmanagements an der Südgrenze gilt.

Zudem bleibe abzuwarten, wie sich die Maßnahme auf die Flüchtlingsroute auf dem Balkan auswirke und in welchem Ausmaß Flüchtlinge in Spielfeld versuchen würden, die grüne Grenze zu passieren.

Wirtschaft

Sport

Bundesliga: Grödiger „Kampfspiel“ beim WAC

Für Schlusslicht WAC steht heute in der 23. Runde der Bundesliga ein echtes Sechspunktespiel auf dem Programm. Verlieren die Wolfsberger im Kellerderby gegen Grödig, würde der Rückstand auf die Salzburger auf sieben Punkte anwachsen.

„Wir wissen, worum es geht. Für uns ist jedes Spiel das wichtigste Spiel der Saison“, so WAC-Stürmer Christopher Wernitznig. Gästecoach Peter Schöttel spricht bereits von einem „Kampfspiel“ in der Lavanttal-Arena.

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Formel 1: Ferrari enthüllt neue „rote Göttin“

Ferrari hat gestern in seinem Hauptquartier in Maranello den neuen Boliden für die kommende Formel-1-Saison präsentiert. Die mit dem schlichten Kürzel SF16-H neue „rote Göttin“ soll der „Scuderia“ den WM-Titel bringen.

Offiziell geben sich die Italiener freilich zurückhaltend. „Ich habe kein spezifisches Ziel“, sagte etwa Teamchef Maurizio Arrivabene und ergänzte: „Wir müssen einfach nur immer besser werden.“

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Ski alpin: Hütter in La-Thuile-Abfahrt Zweite

Die Schweizerin Lara Gut hat die Abfahrt in La Thuile für sich entschieden und damit auch die Führung im Gesamtweltcup übernommen. Die 24-Jährige verwies gestern die Steirerin Cornelia Hütter, die über ihren sechsten Podestplatz in dieser Saison jubelte, um mehr als eine Sekunde auf den zweiten Platz vor der Italienerin Nadia Fanchini. US-Favoritin Lindsey Vonn stürzte und vergab damit ihren ersten „Matchball“ im Kampf um die kleine Kristallkugel.

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Chronik

Unter falschem Namen Kind gezeugt: Mann gesucht

Die Polizei sucht einen Mann, der wegen mehrfachen Betrugs und fehlender Unterhaltszahlungen für ein Kind gesucht wird. Der Verdächtige soll unter falschem Namen ein Kind gezeugt haben.

Demjenigen, dessen Identität gestohlen wurde, flatterten Jahre später Schreiben ins Haus, in denen er aufgefordert wurde, Unterhaltsvorschüsse für sein vermeintliches Kind zurückzuzahlen.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Zugsunglück in Bayern: Ermittlungen wegen Funkloch

Wegen der Spekulationen über ein Funkloch in Zusammenhang mit dem Zugsunglück beim bayerischen Bad Aibling hat die Staatsanwaltschaft Traunstein die Ermittlungen zur Aufklärung der Unglücksursache auf diesen Aspekt ausgeweitet. Das teilte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern Abend mit. Telekommunikationsspezialisten würden in den nächsten Tagen Messungen durchführen.

Zusammenstoß trotz Notrufs

Bei dem Unglück auf der eingleisigen Strecke starben am Dienstag vergangener Woche elf Menschen, 85 wurden verletzt. Ein Fahrdienstleiter, gegen den wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, soll mit einem Sondersignal einen verspäteten Zug auf die eingleisige Strecke geschickt haben, obwohl er das nach Überzeugung der Ermittler nicht hätte tun dürfen. Als der Mann seinen Fehler bemerkte, habe er den Notruf abgesetzt. Die beiden Züge stießen dennoch zusammen.

Nach einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ gibt es auf einem Abschnitt der Unglücksstrecke ein großes Funkloch. Dadurch seien schnelle Notrufe erschwert. Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht vom Freitag auf interne Unterlagen aus einer für das Schienennetz zuständigen Abteilung der Deutschen Bundesbahnen (DB).

Kultur

„Wer die Nachtigall stört“: Autorin Harper Lee ist tot

Die amerikanische Pulitzerpreis-Trägerin Harper Lee ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das bestätigte die Stadtverwaltung von Monroeville, Lees Heimatstadt im US-Bundesstaat Alabama, gestern.

Harper Lee

AP/Rob Carr

Mit ihren Roman „Wer die Nachtigall stört“ wurde Harper Lee 1961 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und weltberühmt. Die Geschichte über Rassismus in den US-Südstaaten während der 1930er Jahre wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mehr als 40 Millionen Mal verkauft. Hollywood verfilmte den Roman 1962 mit Gregory Peck in der Hauptrolle, der dafür einen Oscar bekam. Lee hatte danach mehr als 50 Jahre lang kein weiteres Buch mehr veröffentlicht und lebte zuletzt von der Öffentlichkeit abgeschirmt in einem Pflegeheim in Monroeville.

Zweiter Roman im Vorjahr erschienen

Erst im Juli des Vorjahres wurde mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ ein zweiter Roman der Autorin veröffentlicht, den sie allerdings schon vor „Wer die Nachtigall stört“ geschrieben haben soll. Der Roman dominierte für Wochen die Bestsellerlisten und in den USA eines der am meisten verkauften Bücher des Jahres.

Das bereits Mitte der 50er Jahre fertiggestellte Manuskript wurde nach Angaben des Verlags HarperCollins in einem Schließfach entdeckt, die Umstände sind unklar. Befürchtungen wurden laut, dass die zuletzt schwerhörige und blinde Lee manipuliert worden sein könnte, um ihre Zustimmung zur Veröffentlichung des Buches zu erhalten.

Manuskripte von „Der Pate“-Autor Mario Puzo versteigert

Durch seine Buchvorlage für das Mafia-Epos „Der Pate“ wurde der amerikanische Autor Mario Puzo (1920-1999) weltberühmt. Nun wurden zahlreiche Schriften des Oscar-Preisträgers, darunter Drehbücher und Manuskripte, teuer versteigert.

Wie das Auktionshaus RR Auction gestern mitteilte, brachte das Puzo-Archiv bei der Versteigerung in Boston 625.000 Dollar (über 560.000 Euro) ein. Der Schätzpreis lag bei 400.000 Dollar. Über den Käufer wurde nichts bekannt.

Zu den Highlights der Sammlung zählten ein frühes Manuskript mit dem Titel „Mafia“, Drehbücher mit handschriftlichen Notizen und ein Briefwechsel zwischen Puzo und „Der Pate“-Regisseur Francis Ford Coppola. Der legendäre Mafia-Roman „The Godfather“ war in den USA 1969 erschienen. Puzo hatte in den 1970er Jahren für die Drehbücher zum ersten und zweiten Teil des „Paten“ zusammen mit Coppola jeweils einen Oscar erhalten.

IT

Streit mit Apple: US-Regierung zieht erneut vor Gericht

Die US-Regierung hat sich erneut an die Justiz gewandt, um von Apple einen Zugang zum iPhone des Attentäters von San Bernardino zu erlangen. Das Justizministerium in Washington wandte sich gestern an ein Bundesgericht, da sich das kalifornische Technologiezentrum einer gerichtlichen Anordnung widersetzt, der Bundespolizei FBI bei der Entschlüsselung des Handys des San-Bernardino-Attentäters Syed Farook zu helfen.

Cook wehrt sich vehement

Die Richterin Sheri Pym hatte den Konzern am Dienstag angewiesen, den Ermittlern Zugang zu den auf dem iPhone gespeicherten Daten zu verschaffen. Apple-Chef Tim Cook kritisierte, dass sein Konzern „eine Hintertür für das iPhone“ bauen solle. Eine solche Software zu entwickeln sei aber „zu gefährlich“. Gerate sie in „falsche Hände“, könnte damit jedes iPhone entschlüsselt werden.

Washington spricht von „Marketingsorgen“

Das Justizministerium erklärte nun, die gerichtliche Anordnung verlange von Apple nicht, wie von dem Konzern behauptet, eine Hintertür für jedes iPhone zu öffnen. Zudem scheine es, dass Apple vor allem „Marketingsorgen“ umtrieben. Die Firma werde aber nicht aufgefordert, sensible Software zu übergeben, die von Hackern benutzt werden könnte. Eine Gerichtsanhörung ist für den 22. März angesetzt.

Bei dem islamistischen Anschlag im kalifornischen San Bernardino Anfang Dezember hatte ein Ehepaar 14 Menschen erschossen, ehe es von der Polizei bei einem Schusswechsel getötet wurde. Den Ermittlern ist es bisher nicht gelungen, die Sperre des iPhones von Farook auszuhebeln. Der Fall führte in den USA zu einer neuen Debatte über Verschlüsselung und Sicherheit.

Trump ruft zu Apple-Boykott auf

Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump rief in der Auseinandersetzung bei einem Auftritt in South Carolina zum Boykott von Apple auf. „Das ist mir gerade durch den Kopf gegangen“, fügte der Republikaner zu seinem offenbar aus dem Stegreif gefassten Aufruf hinzu. Kurz darauf erklärte er zudem, er werde sein iPhone so lange nicht nutzen und stattdessen auf ein Samsung-Gerät zurückgreifen, bis Apple mit der US-Regierung kooperiere. Eine Sprecherin von Trump hatte kurz zuvor noch gesagt, Trump selbst nutze kein iPhone.

Google: Elf Mrd. Euro gingen durch Steuerschlupflöcher

Google hat nach eigenen Angaben vor zwei Jahren rund elf Milliarden Euro durch legale Steuerschlupflöcher aus Europa geschleust. Das US-Internetunternehmen transferierte diese Summe über die Niederlande auf die Bermudas, wo für Unternehmen keine Einkommensteuer anfällt, wie aus Bilanzdaten der Google Netherlands Holdings BV hervorgeht.

Das geschah über ein komplexes Firmengeflecht, dank dem der Großteil des im Ausland verdienten Gewinns steuerfrei blieb. Google erklärte dazu, das Unternehmen halte sich in allen Ländern, in denen es tätig ist, an die Steuergesetze.

Im Kern geht es dabei um eine Struktur, die unter Experten als „Double Irish, Dutch Sandwich“ bekannt ist. Dabei spielen zwei irische Gesellschaften und eine Holding in den Niederlanden eine Rolle. Die niederländische Google-Tochter transferierte fast alle ihre Einnahmen auf die Google Ireland Holding, die auf den Bermudas ihren Steuersitz hat, allerdings als Unternehmen in Irland registriert ist.

Gängiges Prozedere

Diese Einnahmen stammten wiederum vorwiegend aus Lizenzgebühren eines irischen Ablegers, über den der Großteil der Umsätze außerhalb des US-Geschäfts läuft. Dank dieser seit einem Jahrzehnt bestehenden Struktur zahlte die Google-Mutter Alphabet zuletzt nur eine effektive Steuerrate von sechs Prozent auf ihren Gewinn außerhalb der USA. Das ist rund ein Viertel weniger als die durchschnittliche Steuerrate in ihren Auslandsmärkten.

Zahlreiche international tätige Konzerne stehen wegen solcher Steuertricks in der Kritik. Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) hat im vorigen Jahr eine Initiative gestartet, um diese umstrittenen Schlupflöcher zur Steuervermeidung zu schließen.

Science