Ausland

Erstmals seit Waffenruhe Angriff auf Israel von Gaza aus

Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung vor drei Wochen ist Israel nach Armeeangaben aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Eine vom Gazastreifen abgefeuerte Mörsergranate sei in Südisrael eingeschlagen, teilte ein Armeevertreter heute über Twitter mit. Die Hamas wies jede Beteiligung an dem Angriff zurück.

Israel hatte Anfang Juli eine großangelegte Militäroffensive gestartet, um dauerhaft den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Bei dem Einsatz wurden zahlreiche Munitionslager, Abschussrampen und Stellungen der Hamas und der Organisation Islamischer Dschihad zerstört, aber auch Hunderte unbeteiligte Zivilisten getötet.

Insgesamt wurden in dem Konflikt mehr als 2.140 Palästinenser getötet, auf israelischer Seite starben 67 Soldaten und sechs Zivilisten. Nach wochenlangen Verhandlungen kam am 26. August unter ägyptischer Vermittlung schließlich ein unbegrenzter Waffenstillstand zustande.

Ukraine und EU schließen Assoziierungsabkommen

In einem historischen Schritt hat das ukrainische Parlament das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union angenommen sowie ein Gesetz zur Stärkung der Autonomie der abtrünnigen Regionen im Osten verabschiedet.

Praktisch gleichzeitig stimmte heute auch das EU-Parlament für das Abkommen, das im Zentrum des Streits mit Russland steht. Moskau kündigte an, seine Militärpräsenz auf der annektierten ukrainischen Krim-Halbinsel zu verstärken.

Abkommen als Mitauslöser von Ukraine-Krise

Eigentlich hatte das Abkommen bereits Ende 2013 unterzeichnet werden sollen, doch stoppte der damalige ukrainische Staatschef Viktor Janukowitsch den Prozess und wandte sich stattdessen Russland zu.

Die Entscheidung löste heftige Proteste in Kiew aus, die im Februar zum Sturz Janukowitschs führten. Dieser wiederum führte zur Annexion der Krim durch Moskau und zum Aufstand prorussischer Separatisten im Osten des Landes.

Zunächst nur politischer Teil

Russland sieht das Assoziierungsabkommen extrem kritisch. Um den Bedenken Moskaus zu begegnen, wurde am Freitag zwischen der EU, der Ukraine und Russland vereinbart, zunächst nur den politischen Teil umzusetzen.

Das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der Ukraine und der EU wurde auf Ende 2015 verschoben. Das stieß in der Ukraine auf scharfe Kritik und brachte dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gar den Vorwurf des Verrats ein.

Sonderstatus für Regionen in Ostukraine

Das ukrainische Parlament nahm heute neben dem Assoziierungsabkommen auch ein Gesetz für mehr Autonomie der abtrünnigen Regionen im Osten der Ukraine an sowie ein Amnestiegesetz für Kämpfer beider Seiten.

Das Autonomiegesetz sieht für den 7. Dezember Kommunalwahlen in Teilen der umkämpften Regionen Donezk und Lugansk vor. Zudem garantiert es den Gebrauch des Russischen in allen staatlichen Institutionen.

Gratulation aus USA

Die USA haben der Ukraine zum Partnerschaftsabkommen mit der EU gratuliert und dessen Ratifizierung als historischen Schritt bezeichnet. Die Kiewer Regierung sei damit dem Willen der Ukrainer gefolgt, teilte das Außenministerium in Washington heute mit. Zugleich lobten die USA das Gesetz über den Sonderstatus für die Separatisten in der Ostukraine.

Die neu beschlossenen Selbstverwaltungsrechte seien ein weiteres Zeichen dafür, dass Kiew den seit Monaten andauernden Konflikt friedlich beilegen wolle. Poroschenko wird am Donnerstag in Washington erwartet, wo er im Kongress eine Rede halten und anschließend mit US-Präsident Barack Obama zusammentreffen soll.

Italienische Regierung gibt Zahlung von Lösegeld zu

Der italienische Vizeaußenminister Lapo Pistelli hat implizit eingestanden, dass Italien in einigen Fällen für die Freilassung entführter Bürger Lösegeld gezahlt hat. Das Vorgehen variiere von Fall zu Fall, sagte Pistelli heute im italienischen Rundfunk.

In der „Mehrheit der Fälle“, bei denen die Freilassung der Geiseln erreicht wurde, sei kein Geld geflossen. Die Regierung habe bisher nie militärisch eingegriffen, doch bedeute das auch nicht, dass sie stets Geld gezahlt habe. Das Prinzip, grundsätzlich kein Lösegeld zu zahlen, nannte Pistelli „ein wenig mechanisch“.

Die englischsprachige Presse wirft Italien immer wieder vor, für die Freilassung entführter Bürger Lösegeld zu zahlen. Washington lehnt das strikt ab, um die Entführer nicht zu weiteren Geiselnahmen zu ermutigen. Derzeit befinden sich weltweit sechs Italiener in Geiselhaft: drei in Syrien, zwei in Libyen und einer in Pakistan.

Neuer UNO-Gesandter soll Zypern-Gespräche in Gang bringen

Die Gespräche zur Wiedervereinigung der seit 40 Jahren geteilten Mittelmeer-Insel Zypern werden morgen in der Hauptstadt Nikosia fortgesetzt. Erstmals wird der neue Sondergesandte der Vereinten Nationen, der frühere norwegische Außenminister Espen Eide, daran teilnehmen.

Die Verhandlungen zwischen den Führern der griechischen und türkischen Zyprioten, Nikos Anastasiades und Dervis Eroglu, waren im Juli in eine Sackgasse geraten. Diplomaten erwarteten auch jetzt keine schnellen Ergebnisse.

Die Republik Zypern, die seit 2004 EU-Mitglied ist, strebt eine Föderation mit einer starken Bundesregierung an. Die türkischen Zyprioten wollen dagegen eine Konföderation zweier Staaten mit einer schwachen Zentralregierung.

Ebola: Weltbank hilft mit 105 Mio. Dollar

Die Weltbank hat eine Hilfszahlung von 105 Millionen Dollar (77 Mio. Euro) für die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten Westafrikas beschlossen. Die Hälfte des Geldes soll Liberia erhalten, wo bisher die meisten Infektionen verzeichnet wurden, wie die Weltbank heute mitteilte.

Sierra Leone bekommt demnach 28 Millionen Dollar, Guinea 25 Millionen Dollar. Das Geld wird den Gesundheitsbehörden der drei Länder zur Verfügung gestellt sowie für zusätzliches medizinisches Fachpersonal und Nahrungsmittelhilfen für die Quarantänegebiete.

UNO fordert Milliarde im Kampf gegen Ebola

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich inzwischen knapp 5.000 Menschen mit dem Virus angesteckt, mehr als 2.460 Menschen überlebten die Infektion nicht. Die Vereinten Nationen forderten von der internationalen Gemeinschaft eine Milliarde Dollar (774,53 Mio. Euro) für den Kampf gegen Ebola - und damit doppelt so viel, wie sie noch Ende August für ihr Maßnahmenpaket veranschlagt hatten.

In den von der Epidemie betroffenen Regionen Westafrikas leben nach UNO-Schätzungen 22,3 Millionen Menschen. Mit der schlimmsten Ebola-Krise aller Zeiten wird sich am Donnerstag auch der UNO-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen.

USA entsenden 3.000 Soldaten

Die USA wollen rund 3.000 Soldaten zum Kampf gegen Ebola nach Westafrika entsenden. Das ist Teil eines Notfallplans von US-Präsident Barack Obama zur Eindämmung der tödlichen Seuche.

Die Soldaten sollen beim raschen Aufbau von 17 Behandlungszentren helfen. Parallel dazu sollen lokale Pflegekräfte im Umgang mit Ebola geschult werden. Die Kommandozentrale des US-Hilfseinsatzes soll in Liberias Hauptstadt Monrovia eingerichtet werden.

Mehr dazu in 17 Behandlungszentren

Fidschi wählt acht Jahre nach Militärputsch Parlament

Auf den pazifischen Fidschi-Inseln wird fast acht Jahre nach einem Militärputsch erstmals wieder ein Parlament gewählt. Putschführer Voreqe Frank Bainimarama bewirbt sich bei der Abstimmung morgen selbst um ein Mandat. Knapp 600.000 Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Der bisherige Oberbefehlshaber des Militärs ist nach Umfragen vor allem auf dem Land populär. Er hat in dem von ethnischen Spannungen zerrissenen Land, das seit 1987 vier Umstürze erlebte, für Stabilität gesorgt. Er schaffte das Schulgeld ab und verbesserte die Infrastruktur.

Kritiker werfen ihm vor, er habe das Militär zu mächtig gemacht und sich persönlich bereichert. Gewerkschaftsführer, Journalisten und Aktivisten sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch unter seiner Herrschaft willkürlich verhaftet worden.

Inland

Grünen-Kritik an Extremistengesetzen

Die Idee, österreichischen Dschihadisten die (Doppel-)Staatsbürgerschaft abzuerkennen, stößt beim grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz auf Kritik.

Das sei „Unsinn“ und die „dümmste Idee“ des gestern vorgestellten ÖVP-Pakets gegen islamistische Terrororganisationen, sagte er heute bei der grünen Klubklausur auf dem Wiener Kahlenberg.

„Der Justizminister macht einen Vorschlag für etwas, das es nicht gibt“, so Pilz, denn Dschihadisten mit Doppelstaatsbürgerschaft seien dem Innenministerium gar nicht bekannt. Greifen würde eine solche Maßnahme nur, wenn sie auch auf einfache Staatsbürger angewandt würde. Das sei aber abzulehnen, dränge sie Menschen doch in die Staatenlosigkeit und in die Illegalität. Richtig wäre es hingegen, massiv auf Integration zu setzen, so Pilz.

Brandstetter: Pilz-Kritik an falsche Adresse

ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter reagierte „verwundert“ über Pilz’ Kritik. Sie sei alleine sachlich nicht nachvollziehbar, da diese Materie nicht in die Zuständigkeit des Justizressorts falle, erklärte er in einer Aussendung. Die ÖVP hatte tags zuvor betont, die ÖVP-Sicherheitsminister hätten die entsprechenden Gesetzespläne gemeinsam entworfen.

Team Stronach will Armenhäuser wiederbeleben

Mit ungewöhnlichen Vorschlägen, um das „Ausnutzen unseres Sozialsystems“ zu verhindern, wartet der Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Christoph Hagen auf: Er will Armenhäuser und Lebensmittelmarken ins Auge fassen, wie er gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ (Dienstag-Ausgabe) sagte. Mit der Mindestsicherung würden die Menschen „zum Nichtstun erzogen“.

„Es muss sich wieder lohnen zu arbeiten. Viele Leute nützen den Staat nur aus. Man muss sie so erziehen, dass sie wieder arbeiten gehen“, so Hagen. „Warum braucht ein Alleinstehender eine Zweizimmerwohnung, die von der BH (Bezirkshauptmannschaft, Anm.) gestellt wird? Warum braucht ein Mindestsicherungsempfänger ein Handy, einen Fernseher oder einen Laptop?“, fragt sich der Abgeordnete.

„In Armenhäusern wird man versorgt“

Seiner Meinung nach hätte etwa das Wiederbeleben von Armenhäusern Sinn: „Wenn du da mal drinnen bist, dann bemühst du dich, wieder einen Job zu bekommen.“ Er wolle niemanden fallenlassen, „aber es muss nicht jeder einen Luxusstandard haben“, meinte Hagen.

„In Armenhäusern wird man versorgt. Die Leute können gemeinnützig arbeiten und Taschengeld verdienen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher sowie Dusche und WC am Gang.“ Ein kleines Einzelzimmer mit Bett solle die Privatsphäre garantieren.

Bei Familien müsse man natürlich schauen, dass „die Kinder nicht unter die Räder kommen“, nach Hagens Vorstellungen aber nicht in Form von rein finanziellen Zuschüssen, sondern gezielt über Lebensmittelmarken, die nicht gegen Zigaretten und Alkohol eingetauscht werden könnten.

NEOS „schockiert“

NEOS zeigte sich in einer Reaktion „schockiert“ über das „mittelalterliche Menschenbild“ des Teams Stronach (TS). „Die Forderung nach Armenhäusern und Lebensmittelmarken stellen jegliche Errungenschaft moderner Sozialstaaten infrage“, meinte Sozialsprecher Gerald Loacker in einer Aussendung.

Die Pläne von Hagen würden „zu einer Erniedrigung sozial bedürftiger und meist ohnehin schon stigmatisierter Menschen führen“, so Loacker. Im Bürgergeldmodell von NEOS zahle sich Erwerbstätigkeit aus, ein Zuverdienst neben einer Sozialleistung würde diese nur um einen Teil verringern, anstatt sie ganz wegfallen zu lassen, so Loacker.

Sport

Champions League: Torreicher Auftakt für Real Madrid

In der Meisterschaft hat Real Madrid mit nur einem Sieg in drei Runden einen Stotterstart hingelegt, den Auftakt in die Champions League gestaltete der Titelverteidiger indes sehr überzeugend. Im Auftaktspiel warf das „königliche“ Starensemble die Tormaschine an und setzte sich heute im Bernabeu-Stadion gegen Basel mit 5:1 durch.

In der Parallelpartie in Gruppe B vermied Liverpool in letzter Sekunde eine Heimblamage gegen CL-Debütant Ludogorez. Für Vorjahresfinalist Atletico Madrid gab es hingegen bei Piräus eine böse Überraschung.

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Erste Liga: Schlusslicht Hartberg überrascht Liefering

Am vergangenen Freitag hat der FC Liefering in Mattersburg nach einem 0:3-Rückstand noch 6:3 gewonnen, heute gelang dem Red-Bull-Zweitclub eine solche Aufholjagd in der zehnten Runde der Ersten Liga nicht. Schlusslicht Hartberg feierte beim Tabellenführer aus Salzburg in Grödig einen 3:0-Sieg. Der LASK verteidigte mit einem 1:1 in Kapfenberg den zweiten Platz, auch das Verfolgerduell zwischen Wacker Innsbruck und Mattersburg sah keinen Sieger.

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Formel 1: FIA macht bei Boxenfunk Ernst

Beim Grand Prix von Singapur am Sonntag (14.00 Uhr MESZ) werden erstmals die vom Internationalen Automobilverband (FIA) angekündigten Einschränkungen im Boxenfunk zum Tragen kommen. Wenige Tage davor hat die FIA diese nun genauer ausgeführt.

So ist es ab nun etwa verboten, Informationen über den Spritverbrauch an den Fahrer weiterzugeben. Dieser darf auch keine technischen Fragen mehr an die Renningenieure stellen. Einige Punkte - etwa Angaben über Reifen- und Bremsentemperatur - treten erst ab dem übernächsten Rennen in Japan in Kraft.

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Fußball: Indien investiert in „Starliga“

Milliardäre, Kricketlegenden und Bollywood-Stars planen die Revolution im indischen Fußball. Im Schatten der unangefochtenen Nummer-eins-Sportart Kricket soll die am 12. Oktober startende Indian Super League (ISL) dem Kampf ums runde Leder zum Durchbruch verhelfen. Die erstmalige WM-Teilnahme 2026 ist das große Ziel. Vorerst sollen Altstars aus aller Welt den Fußball auf dem Subkontinent für 1,2 Milliarden potenzielle Fans attraktiver machen. Nicolas Anelka, Alessandro del Piero, Marco Materazzi und David Trezeguet sind nur vier davon. Mit insgesamt acht Clubs verfolgt man zudem ein im internationalen Fußball außergewöhnliches Kaderkonzept.

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ZIB24

Kampf gegen Ebola: USA schicken Soldaten

Ebola und keine Ende. Noch immer ist das Virus in Westafrika nicht unter Kontrolle. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, wird jetzt US-Präsident Obama aktiv. Er verspricht, heute 3.000 Soldaten nach Westafrika zu schicken. Sie sollen helfen, zusätzliche Kliniken in Liberia, Sierra Leone und Guinea aufzubauen. Die Behörden sind mit dem Kampf gegen die Epidemie offenbar völlig überfordert. Einer der Gründe: Das Virus ist ein stark mutierter Erreger, der Mediziner an die Grenzen ihrer Behandlungsmöglichkeiten bringt. In der ZIB24 schätzt Tropenmediziner Heinrich Stemberger im Gespräch mit Lisa Gadenstätter die Situation in Westafrika ein.

Schwedenbomben als Fettnapf

Familienministerin Sophie Karmasin hat mit einem Werbefilm über sich selbst wohl mehr Aufmerksamkeit erzeugt als gewünscht. Der Grund: In dem Video spricht sie unter anderem darüber, wie gern sie Schwedenbomben isst. Die Ministerin ist dann auch zu sehen, wie sie ihre Lieblingssüßigkeit verspeist. Brisant ist das, weil Karmasins Ehemann Geschäftsführer des Schwedenbomben-Herstellers ist. So schief die Optik sein mag, so sehr hüllt sich die Ministerin in Schweigen.

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Unfassbare Szenen müssen sich auf jenen Flüchtlingsbooten abgespielt haben, welche im Mittelmeer von Schleppern versenkt worden sind. Das berichten die zehn Überlebenden, welche die Rettungskräfte bergen konnten. So sollen sich auf einem der beiden Boote Hunderte Kinder befunden haben. Die Politik schweigt mal wieder. Und Experten kritisieren einmal mehr die europäischen Asylgesetze.

ZIB24 mit Lisa Gadenstätter, 23.45 Uhr, ORF eins

Mail an die ZIB24

Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

US-Staat Virginia verklagt Deutsche Bank

Die Deutsche Bank muss sich in den USA abermals wegen umstrittener Hypothekengeschäfte verantworten. Das größte deutsche Geldhaus ist eines von 13 Instituten, die der US-Bundesstaat Virginia heute auf insgesamt 1,15 Milliarden Dollar (887 Mio. Euro) Schadenersatz verklagt hat.

Der zuständige Bundesanwalt Mark Herring wirft den Banken in einer Mitteilung vor, dem staatlichen Pensionsfonds 2004 faule Wertpapiere untergeschoben zu haben, die mit stark ausfallbedrohten Immobilienkrediten abgesichert gewesen sein sollen. Unter den angeklagten Banken befinden sich unter anderem auch Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und HSBC.

Hausarrest für Oligarchen wegen Geldwäscheverdachts

Russland hat den Direktoriumschef des Mischkonzerns Sistema wegen Geldwäscheverdachts unter Hausarrest gestellt. Es gebe Hinweise, dass Wladimir Jewtuschenkow an der nachträglichen Legalisierung von widerrechtlich angeeignetem Besitz beteiligt gewesen sei, teilten die Ermittler heute mit. Dabei gehe es um Kauf von Anteilen an dem Ölkonzern Baschneft.

Das Unternehmen, zu dem auch Russlands größter Mobilfunkanbieter MTS gehört, wies die Vorwürfe als grundlos zurück. Es werde Jewtuschenkow mit allen rechtlichen Mitteln verteidigen. Der Hausarrest dürfte auch den seit langem gehegten Plänen für einen Baschneft-Börsengang in London einen Rückschlag versetzen.

Rosneft-Interesse an Baschneft

Sistema hatte Baschneft 2009 gekauft. Seitdem gehört das Unternehmen dank moderner Technologie zu den russischen Ölfirmen mit dem größten Produktionswachstum. Im Juni hatte die Zeitung „Vedomosti“ von einem Interesse des russischen Marktführers Rosneft, der vom Putin-Vertrauten Igor Setschin geleitet wird, an Baschneft berichtet.

Der Oligarch Jewtuschenkow ist laut der Liste der reichsten Russen des „Forbes“-Magazins mit einem Vermögen von rund neun Milliarden Dollar an 15. Stelle.

Kommunalkredit: Moody’s verlängert Prüffrist

Die US-Ratingagentur Moody’s verlängert die Frist für die Prüfung der staatlichen Kommunalkredit Austria (KA). Grund ist der geplante Teilverkauf des Finanzinstituts, den der Bund im August eingeleitet hat. Der Kommunalkredit droht eine Herabstufung ihres Ratings für langfristige Schulden und Einlagen, die derzeit mit „Ba1“ bewertet sind.

Durch die Verlängerung der Review-Phase erhofft sich Moody’s nach Angaben heute Abend Klarheit über die Strategie eines künftigen KA-Eigners sowie über die ausstehenden Schulden - sollte der Teilverkauf gelingen.

Liebscher: Erfreuliche Anzahl an Interessenten

Für das Vorhaben ist vergangene Woche eine erste Runde abgeschlossen worden. Laut dem Chef der staatlichen Bankenbeteiligungsgesellschaft FIMBAG, Klaus Liebscher, hat sich eine „erfreuliche Anzahl von Interessenten aus dem In- und Ausland“ gemeldet. Die eingereichten Unterlagen werden nun bis Mitte Oktober gesichtet. Dann bekommen die potenziellen Käufer ausführliche Infos über die Kommunalkredit und tiefere Einblicke in die Bankunterlagen.

Überprüfung am 20. Juni gestartet

Moody’s hat die Überprüfung des Kommunalkredit-Ratings am 20. Juni gestartet. Grund war das - zwischenzeitlich beschlossene - umstrittene Hypo-Sondergesetz zum Schuldenschnitt bei der Kärntner Krisenbank Hypo Alpe-Adria, mit dem die landesgarantierten Nachranganleihen per Gesetz wertlos wurden. Just am selben Tag (20. Juni) verkündete die Kommunalkredit, alle Ratings von Moody’s - bis auf eines - von sich aus „zurückgelegt“ zu haben. Der Schritt diente wohl dazu, um schlechteren Ratings zu entgehen. Begründet hat die Bank ihren Schritt mit der sinkenden Bereitschaft der Republik Österreich, Banken zu unterstützen, welche die US-Agentur wähne.

Heute teilte Moody’s mit, sich im Zuge ihrer verlängerten Prüfung besonders auf die künftige staatliche Unterstützung der Kommunalkredit zu fokussieren.

Die Kommunalkredit war in der Krise 2008 zusammengebrochen und musste vom Steuerzahler aufgefangen werden. Die nicht verkäuflichen Assets sollen jetzt in der staatlichen „Bad Bank“ KA Finanz landen.

Schlechte Kaffee-Ernte in Brasilien

In Brasilien, dem größten Kaffee-Exporteur der Welt, fällt die Ernte in diesem Jahr schlecht aus. Der Ertrag werde acht Prozent unter dem des Vorjahres liegen, teilte heute die Landwirtschaftsbehörde CONAB mit. Grund sei die Dürre zu Beginn des Jahres und der Frost in den Anbauregionen im Bundesstaat Parana im Süden des Landes im vergangenen Jahr.

Brasilien werde in diesem Jahr rund 45 Millionen 60-Kilogramm-Säcke Kaffee produzieren. Das seien rund acht Prozent weniger als bei der letzten Ernte, so die Behörde. Unter den ungünstigen Wetterbedingungen litt demnach besonders die Sorte Arabica - sie ist die am meisten angebaute Sorte in Brasilien. Die Sorte Robusta vertrug Kälte und Trockenheit besser. Der brasilianische Kaffeeverband hatte bereits im Frühjahr gewarnt, dass die Ernte in diesem Jahr unter dem Durchschnitt liegen werde.

AUA-Betriebsversammlung: 15 Flüge fallen aus

Der AUA-Betriebsrat informiert morgen die Mitarbeiter über Auswirkungen des EuGH-Urteils zum Kollektivvertrag. Auch wenn Betriebsratsobmann Karl Minhard betont, er wolle den Flugbetrieb möglichst wenig stören, fallen am Vormittag 15 Flüge aus.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Air-France-Streik dauert an

Folgenschwerer gestaltet sich der massive Streik der Piloten von Air France. Auch morgen werden rund 60 Prozent der Flüge gestrichen, teilte das Unternehmen mit. Auch Österreich ist betroffen. Vier von sechs Verbindungen von Wien nach Paris und wieder retour werden nach derzeitigem Stand gecancelt, hieß es beim Flughafen Wien.

Der Streik der Gewerkschaften gegen Sparpläne von Air France mit Transavia, dem Billigflieger der Franzosen, droht zum folgenschwersten bei Air France seit dem Jahr 1998 zu werden. Er könnte noch bis Anfang nächster Woche dauern.

Chronik

Anwalt in Kopenhagen im Gericht erschossen

Bei einem Familienstreit ist in einem Gericht in der Kopenhagener Innenstadt ein Anwalt erschossen worden. Sein Mandant - Vater eines Kleinkindes - wurde heute lebensgefährlich verletzt. Der Großvater des Kindes soll die Schüsse nach Polizeiangaben mit einem abgesägten Jagdgewehr abgefeuert haben.

Wenige Minuten später nahmen die Beamten ihn in unmittelbarer Nähe zum Tatort in der dänischen Hauptstadt fest. Der 67-Jährige habe sich „ohne Dramatik“ ergeben, sagte der Leiter der Abteilung für Gewaltverbrechen bei der Kopenhagener Polizei. Bei dem Gerichtstermin sei es um das Besuchsrecht für das dreijährige Kind gegangen. Ursprünglich hatte die Mutter selbst kommen sollen, ihrem Vater aber eine Vollmacht ausgestellt.

Gesundheit

Mediziner: Alzheimer könnte übertragbar sein

Bei Alzheimer-Demenz und Parkinson können Neuromediziner ein Übertragungsrisiko bei bestimmten medizinischen Eingriffen nicht gänzlich ausschließen. Aus Tierversuchen gebe es Hinweise auf eine Übertragung der Krankheiten, sagte der Münchner Neuropathologe Armin Giese heute bei der Eröffnung der Neurowoche in München.

Verklumpte Eiweiße aus dem Gehirn von Parkinson-Patienten seien Affen gespritzt worden, bei denen anschließend ähnliche Veränderungen im Gehirn beobachtet worden seien.

Keine Ansteckungsgefahr für Pfleger

Allerdings schränkte Giese ein: „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann.“ Mögliche Übertragungswege etwa bei Bluttransfusionen oder Hirnoperationen seien aber nicht vollständig geklärt.

Ausbreitung im Gehirn wie Infektion

Die Alzheimer-Demenz und Parkinson breiten sich im Gehirn offenbar wie eine Infektionskrankheit aus, wie Giese weiter berichtete. Die verklumpten Proteine lösen offensichtlich eine Kettenreaktion aus, die wie eine Lawine auf verschiedene Gehirnteile übergreift.

Die Neuromedizin befasse sich derzeit intensiv mit der Frage, wie diese Kettenreaktion gestoppt werden kann. „Wenn es gelänge, diese Prozesse aufzuhalten, könnte das ein wichtiger Schritt zur Behandlung dieser bisher unheilbar fortschreitenden Erkrankung sein.“

Kultur

Schweizer Schriftsteller Jürg Schubiger gestorben

Der Zürcher Autor und Psychologe Jürg Schubiger ist tot. Er starb gestern Abend nach langer Krankheit, wie seine Frau Renate Bänninger Schubiger mitteilte. Er wäre im Oktober 78 Jahre alt geworden.

Schubiger war 2008 der erste Schweizer Schriftsteller, der den Hans-Christian-Andersen-Preis erhielt. Die Auszeichnung gilt als „Nobelpreis“ der Kinder- und Jugendliteratur.

Der Autor wurde am 14. Oktober 1936 in Zürich geboren und wuchs als Sohn eines Verlegers auf. Nach einer abgebrochenen Lehre und Gelegenheitsjobs als Gärtner, Holzarbeiter und Maurer studierte er Germanistik, Psychologie und Philosophie.

Nachwuchsfilmpreis an österreichischen Film „Musik“

Bereits bei der Diagonale hat der Film überzeugt - jetzt hat er den renommierten deutschen Filmnachwuchspreis „First Steps Award“ in der Kategorie „Bester Film bis 60 Minuten“ gewonnen. Der Film wurde gestern Abend vor 1.700 Gästen in Berlin ausgezeichnet und vom Publikum begeistert aufgenommen.

Es geht in dem Streifen um einen korrupten Beamten, der nur raus will – aus Job, Routine und Abwärtsspirale. Er möchte etwas ganz anderes - so etwas wie Musik. Der Film ist, wie es vonseiten der Preisverleiher heißt, eine „heiter-tragische Gratwanderung zwischen Absurdität und Realismus eines liebenswerten Realitätsverweigerers, der ausgerechnet in der pubertierenden Freundin seiner Tochter eine glühende Bewunderin findet“.

Für Buch und Regie zeichnete Stefan Bohun verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist auch die schauspielerische Leistung von David Oberkogler in der Hauptrolle des Andreas. Er verkörpert den Verlierer, der auf eine typisch österreichische Weise „irgendwie mehr will“, glaubwürdig und packend. Auch Pia Sekerlioglu (Michaela), Anna Suk (Verena) und Lilo Hohenberger (Tamara) überzeugen als gleichzeitig rebellische und zu Tode gelangweilte Teenager.

Science

Walfangkommission gibt Schutzmonopol auf

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat ihr Schutzmonopol für Wale und Delfine aufgegeben. In Zukunft sollen auch andere internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen sich mit diesem Schutz beschäftigen dürfen, beschloss die IWC-Konferenz heute im slowenischen Portoroz.

Tierschützer lobten den von Monaco vorgeschlagenen Beschluss, weil damit besonders Kleinwale besser geschützt werden könnten. Denn die IWC habe sich bisher nur mit 17 Großwalarten beschäftigt, während weltweit 81 Wal- und Delfinarten existierten. Die alle zwei Jahre organisierte Vollversammlung der IWC, der fast 90 Staaten angehören, dauert noch bis Donnerstag.

Hauptstreitpunkt ist die Ankündigung Japans, den Walfang zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken wieder aufzunehmen. Neuseeland hatte einen Antrag dagegen eingebracht. Damit soll erreicht werden, dass ein vor sechs Monaten gefälltes Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag umgesetzt wird, das ein ähnliches japanisches Programm für illegal erklärt hatte.