Ausland

Nigeria: Rund 150 Tote bei Attacken von Boko Haram

Bei mutmaßlichen Überfällen der Islamistengruppe Boko Haram sind im Nordosten Nigerias nach Schilderungen von Augenzeugen insgesamt rund 150 Menschen getötet worden.

Zunächst war bekanntgeworden, dass eine Gruppe von Angreifern gestern Abend in Moscheen in der Ortschaft Kukawa eindrangen. Sie erschossen nach dem Bericht eines Einwohners Gläubige in den Moscheen und Frauen, die sich in ihren Häusern aufhielten. Insgesamt wurden laut übereinstimmenden Augenzeugenberichten dort mindestens 97 Tote gezählt.

Karte zeigt Kukawa in Nigeria

APA/ORF.at

Die Angriffe auf Moscheen ereigneten sich in Kukawa im Nordosten Nigerias

Kurz darauf seien in zwei Dörfern des Bundesstaates Borno rund 48 Gläubige erschossen worden, sagten Augenzeugen und ein nigerianischer Abgeordneter.

Der Abgeordnete Mohammed Tahir machte für die zuletzt bekanntgewordenen Angriffe auf zwei Nachbardörfer direkt die Gruppe Boko Haram verantwortlich. „Die Bewaffneten von Boko Haram haben 48 Männer getötet und elf weitere verletzt“, sagte Tahir über die Attacke in der Nähe der Stadt Monguno.

Fortschritte bei Iran-Gesprächen

Die Atomgespräche mit dem Iran kommen voran. Die Experten hätten die Arbeit an einem Vertragsentwurf praktisch beendet, erklärte der iranische Vizeaußenminister Madschid Tachte Rawanchi.

„Wir machen Fortschritte sowohl in politischen wie in technischen Fragen“, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte zugleich: „Ich weiß einfach, dass die letzten Schritte die schwersten sind.“

Die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) will mit dem Iran bis spätestens 7. Juli einen Vertrag über dessen künftiges Atomprogramm schließen. Es geht darum, dass der Iran keine Atombombe bauen kann. Zugleich sollen die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen die Islamische Republik aufgehoben werden.

Außenminister in Wien

Zu den Verhandlungen waren heute bis auf den russischen Außenminister Sergej Lawrow alle Außenminister der beteiligten Länder für einige Stunden in Wien. Sie wollen - ebenso wie Mogherini - am Sonntag oder Montag wieder zurückkehrkehren.

Medienandrang vor dem Palais Coburg

ORF.at

Großes Medieninteresse an den Verhandlungen in Wien

Der französische Außenminister Laurent Fabius traf vor seinem Abflug nach Paris noch mit Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) zusammen. Nach Angaben eines Sprechers erörterten sie nicht nur den Stand der Atomgespräche mit dem Iran. Auch die Griechenland-Krise und die Flüchtlingsproblematik wurden besprochen.

IAEA-Chef in Teheran

Unterdessen hatte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, in Teheran Gespräche mit der politischen Führung. Dort traf er den Chef des iranischen Sicherheitsrats, Ali Schamchani. Für den Nachmittag war eine Begegnung mit Präsident Hassan Rouhani angesetzt.

Strittig ist vor allem die Frage von Inspektionen in iranischen Militäreinrichtungen. Die IAEA wird eine entscheidende Rolle bei der Überwachung eines Abkommens spielen.

Als eine der letzten Hürden gilt die Frage, wie schnell und umfassend die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Der Atomstreit schwelt seit 2002. Damals tauchten Hinweise auf ein geheimes Atomprogramm des Irans auf. Teheran hat jegliche Absicht zum Bau einer Nuklearwaffe stets verneint.

NSA-Affäre: Verstimmung zwischen Deutschland und USA

Die neuen Enthüllungen über Abhöraktionen des US-Geheimdiensts NSA gegen Mitglieder der deutschen Bundesregierung verschärfen die Spannungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) zitierte heute US-Botschafter John B. Emerson ins Kanzleramt.

Scharfer Protest der Regierung

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am Abend, Altmaier habe deutlich gemacht, dass die Einhaltung deutschen Rechts unabdingbar sei und festgestellte Verstöße verfolgt würden. Seibert sprach von einer Belastung der Geheimdienstzusammenarbeit.

Offiziell hieß es, Altmaier habe Emerson „zu einer Unterredung empfangen“. Inoffiziell verlautete, das sei als Einbestellung zu verstehen. Eine Einbestellung gilt als scharfer Protest einer Regierung.

Abgeordnete fordern Konsequenzen

Die Abgeordneten im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages forderten Konsequenzen. SPD-Obmann Christian Flisek rief Merkel auf, persönlich mit der US-Regierung über die neuen Vorwürfe zu reden. Die Linke-Obfrau Martina Renner mahnte, die Regierung müsse sofort wichtige NSA-Unterlagen offenlegen und dürfe nicht länger auf ein Einverständnis der USA warten. Der Grünen-Obmann Konstantin von Notz forderte, der Generalbundesanwalt müsse Ermittlungen einleiten.

Spähangriff zog sich über Jahre

Nach Informationen der Enthüllungsplattform WikiLeaks soll die NSA nicht nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern jahrelang weite Teile der Regierung ausgespäht haben - darunter Spitzenbeamte und Minister aus dem Wirtschafts-, dem Finanz- und dem Argraressort. Die Ausforschung soll mindestens bis in die 1990er Jahre zurückreichen.

Kein Kommentar von US-Regierung

Aus US-Regierungskreisen hieß es indes auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass „derartige Anschuldigungen“ bereits in der Vergangenheit kommentiert worden seien und diese Erklärungen weiter Gültigkeit hätten. „Zugleich bekräftigen wir unsere starke bilaterale Beziehung mit Deutschland“, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter in Washington.

EU-Militäreinsatz gegen Schlepper hat begonnen

Im Mittelmeer hat die europäische Militäroperation gegen libysche Schlepperbanden begonnen. Der zuständige italienische Konteradmiral Andrea Gueglio übernahm nach Angaben aus Brüsseler Militärkreisen Mitte der Woche den Befehl über die ersten von EU-Staaten zur Verfügung gestellten Einsatzkräfte.

Zusammen haben EU-Staaten für den maritimen Einsatzverband rund 1.000 Soldaten und zwei Dutzend Schiffe, Flugzeuge, U-Boote und Drohnen zugesagt.

In der ersten Phase des Einsatzes sollen die Soldaten mit Hilfe von technischen Aufklärungsmitteln wie Radaranlagen möglichst genaue Informationen über die Aktivitäten von Menschenschmugglern sammeln. Danach ist in den Phasen zwei und drei geplant, Schlepperschiffe zu beschlagnahmen und zu zerstören.

EU-Kommission hält an Asylquoten fest

Nachdem die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag zu fixen Aufteilungsquoten von Asylwerbern bei zwei EU-Gipfeln nicht durchgekommen ist, will sie nun im Juli weitere „konkrete Vorschläge“ erarbeiten. „Ich habe noch keinen gesehen, der mit einem besseren Vorschlag gekommen ist“, sagte EU-Kommissionsvize Frans Timmermans nach einem Treffen mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) heute in Wien.

Er wolle „unbedingt, dass die Kommission ihren Vorschlag aufrechterhält“. Der Rückzug auf nationalstaatliche Grenzen sei „keine Lösung“. Timmermans will auch eine "bessere Grenzüberwachung und die Rückführung von nicht asylberechtigten Personen. Asylanträge von Staatsbürgern aus EU-Beitrittskandidaten hätten keinen Sinn. Personen aus Kriegsgebieten wie Syrien und Eritrea hätten „ein Recht auf Asyl, viele hätten aber kein Recht auf Asyl“, betonte der EU-Kommissionsvize.

EU-Parlament stimmt kommende Woche über TTIP ab

Das Europaparlament wird kommende Woche über seine Position zu dem umstrittenen EU-US-Handelspakt TTIP abstimmen. Das entschieden die Fraktionschefs heute in Brüssel. Die Debatte über TTIP soll am Dienstag geführt werden, abgestimmt werden soll am Mittwoch.

Wegen eines Streits über den Investorenschutz hatte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Abstimmung im Juni verschoben. Die Kritiker fordern eine Schlichtung durch unabhängige Richter mit öffentlichen Anhörungen.

Kritik an Schiedsgerichten

Der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon warf Schulz etwa vor, „mit einem fadenscheinigen Kompromiss“ die Schiedsgerichte für Investoren im geplanten Handelsabkommen retten zu wollen. Zwar sei vorgesehen, die Schiedsgerichte für Investoren (ISDS) zu ersetzen, doch sei unklar, was mit einem „neuen System“ gemeint sei.

SPÖ-Delegationsleiterin Evelyn Regner bekräftigte erneut, die roten Linien der SPÖ-Europaabgeordneten würden aufrecht bleiben. Diese würden „private ISDS-Geheimdeals“ ablehnen und forderten stattdessen ordentliche Gerichte, Transparenz und Berufungsinstanzen sowie professionelle und unabhängige Richter.

Zweitens dürfen Lobbyisten kein Recht erhalten, demokratisch legitimierte Parlamente mittels regulatorischer Kooperation einzuschränken. „Und drittens setzen wir uns statt der gefährlichen Negativliste für die Liberalisierung von Dienstleistungen für eine Positivliste ein“, um eine Senkung von Qualitätsstandards sowie Lohn- und Sozialdumping zu verhindern, sagte Regner.

Streit mit Tochter: Rechtspopulist Le Pen siegt vor Gericht

Im erbitterten Streit mit seiner Tochter Marine hat der Gründer der rechtsextremen Partei Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, einen juristischen Sieg errungen.

Ein Gericht in Nanterre nahe Paris erklärte die Suspendierung der FN-Parteimitgliedschaft des 87-Jährigen wegen eines Formfehlers für nicht rechtens. Die von seiner eigenen Tochter durchgesetzte Strafmaßnahme gegen den Parteigründer wurde aufgehoben.

Bruch wegen antisemitischer Sager

FN-Chefin Marine Le Pen hatte im April mit ihrem Vater gebrochen, nachdem dieser mit neuen antisemitischen Provokationen für Aufregung gesorgt hatte. Im Mai setzte die FN-Spitze die Parteimitgliedschaft des 87-Jährigen aus. Auch der Titel des FN-Ehrenpräsidenten soll ihm entzogen werden.

NS-Gaskammer „Detail“ der Geschichte

Grund für die parteiinternen Strafen waren antisemitische Äußerungen des Parteigründers. Unter anderem bezeichnete er - zum wiederholten Male - die NS-Gaskammern als „Detail“ der Geschichte. Er torpedierte damit den Kurs seiner Tochter, der FN mit einer Abkehr von seinen offen rassistischen und antisemitischen Parolen ein respektableres Ansehen zu verschaffen und so neue Wähler zu gewinnen.

Inland

OECD-Studie: Integration in Österreich mittelmäßig

Österreich und Deutschland sind in Sachen Integration unter den Industrieländern nur Mittelmaß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Vergleichsstudie der Europäischen Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute in Berlin präsentiert wurde.

Zu Österreich heißt es, dass sich die Beschäftigungssituation von Zuwanderern seit 2007 zwar verbessert habe, dass Kinder von Migranten aber noch starken Aufholbedarf gegenüber Jugendlichen ohne Migrationshintergrund hätten. In Österreich sei jeder vierte Jugendliche, dessen Eltern im Ausland geboren wurden, weder in Ausbildung noch in Beschäftigung.

Gute Noten für Kanada und Australien

Laut der Studie ist es für Zuwanderer in Kanada, Neuseeland, Australien und Israel besonders leicht „anzukommen“. Relativ gute Integrationsergebnisse stellten die Forscher in Großbritannien, der Schweiz, Luxemburg und den USA fest.

Besonders schlechte Integrationsnoten gab es für Griechenland, Italien und andere südeuropäische Staaten, die von der Finanzkrise betroffen sind.

Kontrast zur FPÖ: Grüne positionieren sich vor Wahlen

Die Grünen haben heute ihre Plakatkampagne „für Menschlichkeit“ vorgestellt. In einer Rede im von der Caritas betriebenen Hotel magdas in Wien forderte Bundessprecherin Eva Glawischnig Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Lage von Flüchtlingen in Österreich. Scharfe Kritik übte sie an der Annäherung von SPÖ und ÖVP an die Freiheitlichen.

In ihrer als „Erklärung zur Lage der Nation“ betitelten Rede ging Glawischnig auf die FPÖ ein. Diese sei korruptionsfreudig, regierungsunfähig, europafeindlich und rassistisch. „Es gibt kein Problem auf dieser Erde, für das die FPÖ nicht die Ausländer verantwortlich macht.“

Scharfe Kritik an SPÖ und ÖVP

SPÖ und ÖVP agierten dabei als „Straches Wahlhelfer“, kritisierte sie - etwa wenn der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) die Freiheitlichen mit einer Regierungsbeteiligung adle, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Zelte für Asylwerber neben leeren Bundesgebäuden aufstelle, Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) die wenigen Elemente einer europäischen Sozialunion abschaffen und Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) die Grenzen dichtmachen wolle.

Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nahm sie nicht aus, denn der schaue weg, während die Regierung das Geschäft der FPÖ betreibe. In Wien habe Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zwar den Kampf gegen Blau ausgerufen, die Frage sei aber: „Was passiert nach Michael Häupl?“

Einladung an enttäuschte SPÖ-Wähler

Die Grünen seien die einzige Partei, die die inhaltliche Abgrenzung von der FPÖ ernst nehme. Enttäuschte SPÖ-Wähler lud Glawischnig ein, „jetzt ein Stück des Weges mit uns zu gehen“. An Sofortmaßnahmen in Sachen Flüchtlingsbetreuung wollen die Grünen eine Aufstockung der Mittel zur Unterbringung und Versorgung.

Auch eine Valorisierung der Tagsätze, mehr Deutschkurse, schnellere Ausbildungsanerkennungen, einen rascheren Beginn der Arbeitsmarktintegration und eine professionelle Koordinierung durch einen unabhängigen Regierungsbeauftragten fordern sie.

Vorbereitung auf Wahlkampf in Wien und Oberösterreich

Zu Wort meldete sich auch die wahlkämpfende Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. „Rot-Grün in Wien ist das Gegenstück zur Hetze der FPÖ“, sagte sie. Man werde dafür sorgen, dass die Bundeshauptstadt auch in den nächsten Jahren „Hauptstadt des Respekts, der Solidarität und der Menschlichkeit“ bleibe.

Gleichzeitig mit Wien wurde die Kampagne der Grünen auch in Oberösterreich bei einer Kundgebung auf dem Linzer Pfarrplatz präsentiert. Landesrat Rudi Anschober meinte, er verstehe die Aktion als einen Aufruf gegen die „derzeitige politische Stimmung der Angst“. Denn in den Gemeinden, so sein Eindruck, gebe es die „gelebte Solidarität“ mit den Kriegsflüchtlingen. Daher bilde das Thema Mitmenschlichkeit den Schwerpunkt der Kampagne.

Opposition kritisiert Verschiebung von Arbeitsmarktgipfel

Die Oppositionsparteien sind über die heute bekanntgewordene Verschiebung des Arbeitsmarktgipfels auf September tief verärgert und haben die Arbeitsmarktpolitik der Regierung scharf kritisiert.

Die Bundesregierung hatte Anfang Mai angesichts der Rekordarbeitslosigkeit zunächst einen Jobgipfel für Juni angekündigt und dann Juli anvisiert.

FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl betonte in einer Aussendung, dass die „Regierung nicht in der Lage und vor allem nicht willens“ sei, das Arbeitsmarktproblem „rasch zu lösen“ und innerhalb eines Monats einen Arbeitsmarktgipfel zu organisieren.

Forderung nach weiteren Maßnahmen

Die grüne Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz plädierte für einen Standort- und Arbeitsmarktgipfel. „Man kann sich den Arbeitsmarkt nicht ohne die wirtschaftspolitische Entwicklung ansehen“, so Schatz zur APA. Beim Gipfel sollten auch Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis dabei sein.

NEOS forderte angesichts der „schockierenden Arbeitslosenzahlen“ Maßnahmen zur Gegensteuerung. „Wie man angesichts von Rekordarbeitslosenzahlen weiterhin im politischen Wachkoma liegen bleiben kann, ist unerklärlich“, so NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker.

„Die Verschiebung des Arbeitsmarktgipfels auf September ist unsozial und eine Frechheit“, kritisierte die Team-Stronach-Klubobfrau und Sozialsprecherin Waltraud Dietrich. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) habe „die Pflicht, umgehend ein Programm zur Konjunkturbelebung und zum Kampf gegen die explodierende Arbeitslosigkeit zu entwickeln“.

Wirtschaft

Devisenskandal in Brasilien: Auch Deutsche Bank im Visier

Die brasilianische Wettbewerbsbehörde nimmt 15 globale Banken wegen des Verdachts auf Manipulationen auf dem Devisenmarkt ins Visier. Darunter soll sich auch die Deutsche Bank befinden.

Die Aufsichtsbehörde CADE warf den Geldhäusern heute vor, die Wechselkurse zu ihren Gunsten beeinflusst und von 2007 bis mindestens 2013 Wettbewerber von Transaktionen abgehalten zu haben.

Händler, die sich selbst als „Das Kartell“ oder „Die Mafia“ bezeichnet hätten, nutzten nach Erkenntnissen der Ermittler einen nicht öffentlichen Chatroom, um an den Devisenkursen zu schrauben.

Die brasilianische Behörde prüft nach eigenen Angaben neben der Deutschen Bank derzeit Standard Bank, Tokyo-Mitsubishi UFJ, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, HSBC, JPMorgan, Bank of America Morgan Stanley, Nomura, Royal Bank of Canada, Royal Bank of Scotland, Standard Chartered und UBS. Zudem liefen Ermittlungen gegen 30 Einzelpersonen, deren Namen nicht genannt wurden.

„Deepwater Horizon“: BP zahlt 18,7 Mrd. Dollar

Der Energiekonzern BP hat sich auf Schadenersatzzahlungen von 18,7 Milliarden Dollar (rund 16,8 Mrd. Euro) wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aus dem Jahr 2010 geeinigt. Das US-Justizministerium erklärte heute, das könnte die höchste jemals in den USA gezahlte Summe sein.

Nach BP-Angaben umfasst die Einigung auch Ansprüche und Klagen der US-Bundesstaaten Alabama, Florida, Louisiana, Mississippi und Texas sowie von 400 kommunalen Verwaltungen. Die in London notierten BP-Aktien stiegen um 4,4 Prozent.

Bei der Explosion der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf vom Mexiko kamen im April 2010 elf Arbeiter ums Leben. Die anschließende Ölpest hinterließ schwere Schäden in der Natur sowie für Fischerei und Tourismus. Neben der Strafe wegen des Verstoßes gegen das Gesetz zum Gewässerschutz könnten weitere Zahlungen auf BP zukommen.

Aufseher geben grünes Licht für ÖVAG-Abwicklung

Die EU-Kommission gab heute grünes Licht zur Abspaltung der nicht lebensfähigen Teile der Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) in eine „Bad Bank“. Damit sei eine Sanierung des Volksbanken-Sektors ohne weitere Staatshilfen möglich, teilten die Wettbewerbshüter in Brüssel mit.

Einen Teil der erhaltenen Staatshilfe von insgesamt 1,35 Milliarden Euro muss der Bankenverbund jedoch zurückbezahlen: Bis Ende 2023 sollen 300 Millionen Euro in mehreren Tranchen an Österreich gehen.

Offizielle EZB-Entscheidung steht noch aus

Auch die EZB als oberste Bankenaufseherin hat nach Angaben von drei mit der Situation vertrauten Personen ihr grundsätzliches Einverständnis zu dem Abbauplan signalisiert. Eine formelle Entscheidung der Zentralbank stehe jedoch noch aus, sagte eine ÖVAG-Sprecherin.

Die EZB hat seit vergangenem Jahr die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone. Sie wollte sich dazu nicht äußern.

Im Herbst durch Stresstest gefallen

Die ÖVAG ist das Spitzeninstitut des Volksbanken-Sektors und hatte sich mit einer rasanten Expansion am Balkan verspekuliert. Sie musste gleich mehrmals vom Staat gerettet werden. Im Herbst fiel die Bank durch den Stresstest der EZB - woraufhin die Eigentümer ihre Abwicklung beschlossen.

Die lebensfähigen Teile und zentrale Steuerungsaufgaben für den Sektor übernimmt die Volksbank Wien-Baden. Der Rest des Instituts wird mit Hilfe der „Bad Bank“ Immigon abgebaut.

Sport

Tour de France: Armstrong-Auftritt erhitzt Gemüter

Lance Armstrong kehrt nach Frankreich zur Tour de France zurück und bringt damit den Präsidenten des Radsportverbandes UCI Brian Cookson auf die Palme. Der frühere Superstar, dem wegen Dopings all seine sieben Tour-de-France-Siege aberkannt wurden, bestreitet am 16. und 17. Juli zwei Tour-Etappen für ein Charity-Rennen zugunsten Leukämiekranker. Cookson findet das Antreten Armstrongs „respektlos und völlig unangemessen“.

Mehr dazu in sport.ORF.at

IT

EU-Ministerrat demontiert Datenschutzverordnung

Während die Aufregung über den Coup von EU-Ministerrat und Kommission zur Regelung des digitalen Binnenmarkts anhält, läuft bereits der nächste sogenannte Trilog. Beobachter in Brüssel haben wenig Zweifel, dass die Parlamentsversion der Datenschutzverordnung in diesen informellen Dreierrunden gerade ebenso demontiert wird wie jene zum Binnenmarkt in der Nacht auf Dienstag. Das Prozedere war in beiden Fällen bis jetzt fast dasselbe, auch dieselbe Deadline wurde gesetzt.

Auch in der neuesten Version der Datenschutzverordnung, die von der britischen Bürgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlicht wurde, zeigt sich dasselbe Bild. Unmissverständliche und präzise Formulierungen im Parlamentstext werden in der Ratsversion durch neue vage, nicht näher definierte Formulierungen ersetzt. Aus Muss-Bestimmungen wurden Soll-Bestimmungen, wenn sie nicht überhaupt gestrichen werden. Auch hier zeigt sich dasselbe Muster: Rat und Kommission demontieren gemeinsam die Version des Parlaments.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

Holocaust-Überlebende protestieren gegen Google-Spiel

Vertreter der Überlebenden des Holocaust und die KZ-Gedenkstätte Dachau haben gegen das Smartphone-Spiel „Ingress“ der Google-Tochter Niantic Labs protestiert. Sie stören sich daran, dass KZ-Gedenkstätten in Deutschland und Polen als Spielfelder für „Ingress“ benutzt wurden.

Eroberung von Portalen

Über die Verwendung der Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Gedenkzeichen als Spielorte in dem Augmented-Reality-Game hatte die deutsche „Zeit“ berichtet. Bei „Ingress“, das weltweit von Millionen Nutzern auf Smartphones und Tablet-Computern gespielt wird, geht es um eine Eroberungsschlacht in einer virtuellen Welt.

Die Spieler müssen sich dabei an bestimmte Orte in der realen Welt begeben, um dort in der virtuellen Welt Portale zu erobern und zu zerstören. Nach Recherchen der „Zeit“ wurden solche Portale auch an Holocaust-Gedenkstätten und auf dem Gelände ehemaliger Konzentrationslager errichtet. Die Standorte der Portale werden von den Spielern vorgeschlagen und dann von Niantic Labs freigeschaltet.

„Demütigung der Opfer“

Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, sagte, der Friedhof sei für die Hinterbliebenen ein wichtiger Ort der Trauer. „Dass er von Google für ein Unterhaltungsspiel benutzt wird, ist eine Demütigung der Opfer und der Angehörigen.“ Google müsse selbst dafür sorgen, dass keine Gedenkstätten des Holocaust zu Spielzwecken missbraucht werden.

Die „Zeit“ berichtete, Google habe inzwischen die Portale in Dachau entfernt. Der Häftlingsfriedhof, der ebenfalls zur Gedenkstätte gehöre, sei jedoch immer noch Spielzone.

Chronik

Brücke eingestürzt: Tote bei Zugsunglück in Pakistan

Bei einem Zugsunglück in Pakistan sind nach Militärangaben mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Vier Waggons stürzten heute in einen Kanal in der Provinz Punjab, nachdem eine Brücke eingestürzt war. Nach Angaben des Verkehrsministers Saad Rafique war die Ursache dafür noch unklar.

Sabotage sei nicht ausgeschlossen, da die Brücke in gutem Zustand gewesen sei. An Bord des Zuges waren Soldaten. Wie ein Sprecher des Militärs sagte, konnten 80 Menschen gerettet werden. Insgesamt sollen 200 Menschen im Zug gewesen sein.

Entwarnung nach Berichten über Schüsse auf US-Marinebasis

Eine Marinebasis in der US-Hauptstadt Washington ist heute vorübergehend abgeriegelt worden. Fernsehbilder zeigten ein großes Aufgebot an Einsatzfahrzeugen in der Gegend rund um den Navy Yard.

Viele Straßen wurden abgesperrt. Medienberichte über Schüsse bewahrheiteten sich aber nicht. Nach mehr als zwei Stunden gaben die Behörden Entwarnung.

13 Tote bei Schießerei vor zwei Jahren

Bei einem Massaker auf dem Navy Yard in der US-Bundeshauptstadt waren vor knapp zwei Jahren 13 Menschen ums Leben gekommen. Ein 34 Jahre alter, psychisch kranker Schütze hatte damals in einem Kommandozentrum der Navy mit einer Schrotflinte um sich geschossen.

Er hatte sich damals mit dem Ausweis eines Ex-Mitarbeiters Zugang zu dem schwer bewachten Gebäude verschafft. Seitdem wurden die Sicherheitsmaßnahmen für die Anlage deutlich verschärft.

Medien

Weniger TV-Geräte: BBC streicht über 1.000 Stellen

Der Umstieg vieler Briten vom Fernsehen aufs Internet führt bei der BBC zu großen Stellenstreichungen. Mehr als 1.000 Arbeitsplätze müssten wegfallen, weil die Lizenzgebühren im kommenden Finanzjahr um 150 Millionen Pfund (etwa 211 Mio. Euro) niedriger ausfallen dürften als 2011 vorhergesagt, erklärte die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt heute.

Immer weniger Menschen besäßen einen Fernseher, weil sie die Programme übers Internet und Mobiltelefone schauen. Dazu gehöre auch der BBC-Onlinedienst iPlayer. In Großbritannien muss nur derjenige die jährliche Rundfunkgebühr von umgerechnet 205 Euro bezahlen, der tatsächlich einen Fernseher besitzt. Die BBC fordert eine Neugestaltung des Zahlungssystems.

Vor allem Verwaltungsjobs betroffen

Die Kürzungen sollen vor allem Mitarbeiter in Verwaltungsjobs betreffen. Sie sollen Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Pfund einbringen. „Eine einfachere und schlankere BBC ist der richtige Weg, und es kann uns auch helfen, die finanziellen Herausforderungen zu stemmen, vor denen wir stehen,“ sagte BBC-Intendant Tony Hall . Die britische Regierung hatte der BBC verboten, vor 2016 die TV-Gebühren zu erhöhen.

Die BBC hatte sich bereits vor Jahren ein striktes Sparprogramm verordnet, mit dem sie jährlich 700 Millionen Pfund aus dem Budget herauskürzte. Die jetzt angekündigten Kürzungen kommen hinzu. Experten erwarten, dass weitere Stellenstreichungen notwendig sein werden, um die finanziellen Ziele zu verwirklichen.

Science

Gesundheit

Liberia: Hundefleisch mögliche Ursache für neue Ebola-Fälle

Der erneute Ausbruch von Ebola in Liberia könnte Experten zufolge auf den Verzehr von Hundefleisch zurückgehen. Die inzwischen drei Fälle aus dem Dorf Nedowein etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Monrovia entfernt seien alle einem Zeitfenster zugeordnet worden, erklärte heute der Leiter der Anti-Ebola-Einheit des Landes, Moses Massaquoi.

„Sie haben in der Vergangenheit zusammen Hundefleisch gegessen“, sagte er, eine in Liberia durchaus gängige Mahlzeit. Dorfbewohner berichteten ihrerseits, die drei hätten einen toten Hund ausgegraben und gegessen. Einer der Infizierten, ein 17-jähriger Bursche, ist verstorben. Vizegesundheitsminister Tolbert Nyenswah zufolge stehen 175 Personen unter Beobachtung.

Liberia im Mai für Ebola-frei erklärt

Eigentlich war Liberia am 9. Mai für frei von Ebola erklärt worden, während es in den Nachbarstaaten Sierra Leone und Guinea noch immer neue Infektionen gibt. Nedowein liegt allerdings weit von den Landesgrenzen entfernt. Es ist auch nicht bekannt, dass die drei Erkrankten ins Ausland gereist wären.

Massaquoi zufolge wird daher untersucht, ob das Virus sich bei Tieren eingenistet haben könnte. Es sind Fälle nach dem Verzehr von Affenfleisch aufgetreten. Andere Experten erklärten, es könne in abgelegeneren Teilen des Landes noch infizierte Menschen geben. An der Epidemie in Westafrika sind etwa 11.220 Menschen gestorben, mehr als 4.800 davon in Liberia.

Kultur

Rihanna verstört mit blutigem Video

Mit einem blutigen Video hat Rihanna für Wirbel gesorgt und verstörte Zuschauer hinterlassen. Das sieben Minuten lange Filmchen zu „Bitch Better Have My Money“, das heute veröffentlicht wurde, besteht zum größten Teil aus schwerem Verbrechen: Eine junge Frau wird entführt, misshandelt, unter Alkohol und Drogen gesetzt.

Schließlich kommt Rihanna zu deren Ehemann, den „Auftraggeber“ der Entführung. Sie sagt ihm die Titelzeile. Das Video lässt darauf schließen, dass sie den wehrlosen Mann tötet.

„Rihannas neues Video ist brillant, furchteinflößend und kompliziert“, schrieb die Huffington Post. „Cosmopolitan“ fand es „irre“. „People“ beschreibt es als „verrückt, blutig und vulgär“. Und „Time“ fand, dass „Rihannas Blutbad jeden Mafia-Boss stolz gemacht hätte“. Das Video sei „nichts für schwache Herzen (oder Ihren Computer im Büro)“.

Bachmann-Wettbewerb: Fritsch Favoritin am ersten Lesetag

Der Text von Valerie Fritsch hat heute beim Auftakt der 39. Tage der deutschsprachigen Literatur für Gefallen bei der Jury gesorgt. Auch Nora Gomringer bekam positives Feedback. Andere Autoren sorgten für gemischte Reaktionen.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Bachmann-Freund Hamm im Interview

Einer, der die Namensgeberin des Kärntner Literaturpreises noch persönlich kannte, ist Peter Hamm. 1937 geboren, ist er seit Anfang der 1950er Jahre ein fixer Bestandteil des Literaturbetriebs: Schriftsteller, Kritiker, Filmemacher. Er ist und war für viele berühmte Menschen ein Gesprächspartner auf Augenhöhe und - wie bei Ingeborg Bachmann oder Paul Celan - ein Freund.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Niemann-Schau im MAK: Pointierte Striche ohne Provokation

Als einziger Deutscher gestaltet er regelmäßig die Covers für den „New Yorker“ und die „New York Times“, er schafft Google-Doodles, schreibt Kinderbücher und produziert Apps. Christoph Niemann zählt zu den gefragtesten Grafikern und Zeichnern der Welt. In seiner Heimat Deutschland kennen nur wenige den Mann hinter den pointierten Strichen, ebenso in Österreich. Die Ausstellung „Christoph Niemann. Unterm Strich“ im Wiener MAK zeigt nun eine Fülle von Arbeiten des vielbeschäftigten Künstlers, der stets ironisch, oft politisch, aber niemals provokant daherkommt.

Mehr dazu in Zwischen Google-Doodle und Gummibären

Leute