Inland

Angeklagter darf bei BUWOG-Prozess nicht fehlen

Der dritte Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und 13 weitere Angeklagte hat heute begonnen. Zu Beginn stellte der Verteidiger Amir Ahmed den Antrag, seinem Mandanten die Abwesenheit vom laufenden Gerichtsverfahren zu erlauben. Der Antrag wurde vom Schöffensenat nach kurzer Beratung abgewiesen.

Dem Senat seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheidung bewusst, erläuterte Richterin Marion Hohenecker den Beschluss. Im Beweisverfahren werde mit der Abtrennung von Verfahrensteilen darauf Rücksicht genommen, kündigte sie an.

Anwalt sieht „finanzielle Existenz“ gefährdet

Der Angeklagte „steht mit beiden Beinen im Berufsleben“, hatte der Anwalt argumentiert. Er müsse arbeiten, um seinen und den Unterhalt der Familie zu bestreiten. „Die weitere Teilnahme würde seine berufliche und finanzielle Existenz gefährden.“ Sein Mandant sei schließlich nicht wegen eines Verbrechens angeklagt.

Der betreffende Mandant ist der Zehntangeklagte und wegen Beitragstäterschaft zum Vergehen der Untreue und der Bestechung in der Causa Linzer Terminal Tower angeklagt. Dabei soll Schmiergeld in Höhe von 200.000 Euro an Grasser und seine Vertrauten für dessen Zustimmung zur Einmietung der Finanzbehörde in den Büroturm geflossen sein. Der Betreffende war früher für die Terminal Tower Immobilien Gesellschaft und die Erste Leasing tätig.

ÖVP und FPÖ wollen laut Berichten einheitliche Herbstferien

ÖVP und FPÖ haben sich offenbar auf die Einführung einheitlicher Herbstferien verständigt. Diese sollen laut Berichten mehrerer Tageszeitungen jeweils zwischen 26. Oktober und 2. November stattfinden.

Noch nicht fixiert sei, ob die schulautonomen Tage in den neuen Ferien aufgehen oder die Sommerferien dafür verkürzt werden sollen, hieß es gestern Abend.

Ausland

Israel schließt Grenze zum Gazastreifen

Israel hat als Reaktion auf wiederholten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen die beiden Grenzübergänge zu dem Palästinensergebiet geschlossen. Wie lange die Übergänge gesperrt bleiben sollen, teilte das Militär heute nicht mit. In der Nacht waren erneut Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel abgeschossen worden.

Zwei Flugkörper wurden vom Raketenabwehrsystem „Eiserne Kuppel“ abgefangen, eine Rakete schlug auf unbewohntem Gelände ein. Die israelische Luftwaffe flog daraufhin nach eigenen Angaben Angriffe auf drei Einrichtungen der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas.

Es seien Trainings- und Waffenlager der Hamas getroffen worden. Menschen kamen bei den Angriffen beiderseits der Grenze nach bisherigen Informationen nicht zu Schaden.

US-Entscheidung verschärfte Situation

Seit der umstrittenen Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump am 6. Dezember wurden 15 Raketen aus dem Palästinensergebiet auf Israel abgefeuert. Keine richtete größeren Schaden an. Die Hamas hatte nach Trumps Entscheidung zu einem neuen gewaltsamen Aufstand aufgerufen.

Die Palästinenser betrachten das seit dem Sechstagekrieg 1967 von Israel besetzte Ostjerusalem als Hauptstadt eines künftigen Staates.

Gestern erklärte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) als Reaktion auf Trumps Entscheidung Ostjerusalem zur Hauptstadt eines Palästinenserstaates. Zudem riefen die über 50 in der OIC zusammengeschlossenen Staaten alle anderen Länder auf, „den Palästinenserstaat und Ostjerusalem als seine besetzte Hauptstadt“ anzuerkennen.

Pence verschiebt Nahost-Besuch

Inmitten der Jerusalem-Krise hat der US-Vizepräsident Mike Pence seinen geplanten Besuch im Nahen Osten verschoben. Pences für Montag angesetzte Rede im israelischen Parlament sei um ein paar Tage verschoben worden, sagte ein Sprecher der Knesset heute.

Die „Jerusalem Post“ schrieb, Hintergrund der Verschiebung sei das Ringen um die Steuerreform im US-Kongress. Pence sollte nach Medienberichten von Sonntag bis Dienstag unter anderem nach Israel reisen.

Mehrere Treffen abgesagt

Zuvor hatten mehrere Gesprächspartner ihre Treffen mit Pence wegen der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump abgelehnt. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas sagte, die USA könnten kein Vermittler in dem Konflikt mehr sein.

Auch Vertreter der Kopten und der Großimam der Al-Ashar-Universität in Kairo sagten Treffen mit Pence ab. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) erkannte als Reaktion auf Trump demonstrativ Ostjerusalem als Hauptstadt eines Staates Palästina an.

Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt. Die Palästinenser wollen in Ostjerusalem die Hauptstadt ihres Staates ausrufen.

Selbstmordanschlag auf Polizeischule in Somalia

In Somalias Hauptstadt Mogadischu hat sich heute ein Selbstmordattentäter in der größten Polizeischule des Landes in die Luft gesprengt und mindestens 15 Beamte getötet. Viele Menschen wurden laut Polizei verletzt.

Augenzeugen zufolge hatten sich die Polizisten zu einer morgendlichen Parade auf einem Platz der Schule versammelt, als sich der Attentäter in die Luft sprengte. Der Angreifer war nach Polizeiangaben als Polizist verkleidet.

Al-Schabab bekannte sich zu Anschlag

Die islamistische Terrormiliz al-Schabab bekannte sich in einer Radiobotschaft zu dem Anschlag. Die mit Al-Kaida verbundene Terrorgruppe greift immer wieder Ziele in Mogadischu an, häufig auch staatliche Einrichtungen.

Die Dschihadisten wollen in dem Land am Horn von Afrika einen „Gottesstaat“ mit strikter Auslegung des islamischen Rechts errichten.

6.700 Rohingya laut NGO in einem Monat getötet

Mindestens 6.700 Rohingya sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) allein im ersten Monat des gewaltsamen Vorgehens der Armee in Myanmar getötet worden.

„Mindestens 6.700 Rohingya sind nach den zurückhaltendsten Schätzungen getötet worden, darunter mindestens 730 Kinder unter fünf Jahren“, teilte MSF heute mit. Die Organisation beruft sich auf Zahlen, die auf eigenen Untersuchungen basieren.

Hunderttausende geflohen

Die Rohingya werden in Myanmar seit Jahren systematisch verfolgt. Der Konflikt war Ende August eskaliert, nachdem zunächst Rohingya-Rebellen im Bundesstaat Rakhine Soldaten und Polizisten angegriffen und Dutzende Sicherheitskräfte getötet hatten.

Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Seit Ende August flüchteten rund 620.000 Angehörige der muslimischen Minderheit ins Nachbarland Bangladesch.

Australische Missbrauchskommission legt Bericht vor

Nach fünfjähriger Arbeit hat eine offizielle Ermittlungskommission zum sexuellen Missbrauch von Kindern in Australien ihren Abschlussbericht fertiggestellt.

Der Leiter der Kommission, Peter McClellan, sprach heute von einer „nationalen Tragödie“ über Jahrzehnte hinweg. Dem Bericht zufolge wurden Zehntausende Kinder in mehr als 4.000 Einrichtungen missbraucht, viele davon aus dem Bereich der katholischen Kirche.

2012 von Regierung eingerichtet

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind bereits seit längerer Zeit bekannt. Die Kommission war 2012 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingerichtet worden. McClellan forderte, dass der Bericht konkrete Folgen haben müsse. „Es muss Veränderungen geben: in der Kultur, in der Struktur und in der Führungspraxis vieler Einrichtungen.“

Offiziell wird der Bericht morgen vorgestellt. Die Kosten der Untersuchung werden auf insgesamt etwa 500 Millionen australische Dollar (mehr als 320 Mio. Euro) geschätzt. Insgesamt wurden mehr als 1,2 Millionen Dokumente gesichtet. Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen könnten.

Bericht über tote Zivilisten bei US-Luftangriff in Syrien

Bei Luftangriffen auf ein von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliertes Dorf im Osten Syriens sind gestern nach Angaben von Aktivisten 23 Zivilisten getötet worden.

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mitteilte, gehörten alle Opfer derselben Familie an. Sie hätten sich in einem Haus versteckt, nachdem sie vor Kämpfen in einem Nachbardorf geflohen seien.

Die Luftangriffe seien von der US-geführten Koalition geflogen worden, die eine Offensive der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) unterstütze.

Kinder unter Toten

Bombardiert worden sei ein Dorf am Ostufer des Euphrat in der Provinz Deir al-Sor im Osten Syriens. Unter den Opfern seien acht Kinder und sechs Frauen, so die Beobachtungsstelle. Sie stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen. Von der US-geführten Koalition lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Die Provinz Deir al-Sor wird überwiegend von der syrischen Regierung kontrolliert. Neben den von Russland unterstützten Regierungstruppen, die den IS weitgehend aus der Provinz vertrieben, kämpfen die SDF gegen die Dschihadisten.

Landminen töteten im Vorjahr über 2.000 Menschen

Durch Landminen sind im vergangenen Jahr mindestens 2.089 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 6.500 Männer, Frauen und Kinder seien durch die heimtückischen Sprengkörper verletzt worden, teilte die Internationale Kampagne gegen Landminen in ihrem diesjährigen Bericht heute mit.

Die meisten Opfer gab es 2016 in Afghanistan, Libyen, der Ukraine und im Jemen. Noch nie seien so viele Kinder unter den Verletzten und Getöteten gewesen. 42 Prozent aller zivilen Opfer waren nach Angaben der Organisation minderjährig.

Myanmar soll Grenze zu Bangladesch vermint haben

Durch die Konflikte in Syrien und Myanmar seien in den vergangenen Jahren neue Krisenherde entstanden, wo Landminen eine traurige Rolle spielten. Seit 2012 setzten zum Beispiel syrische Regierungstruppen auf Antipersonenminen. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe solche oft tödlichen Fallen genutzt.

Myanmar soll nach Berichten Minen vermehrt entlang der Grenze gelegt haben, um die nach Bangladesch geflohenen Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingya von einer Rückkehr abzuhalten.

Gute Nachricht aus Kolumbien

Erstmals seit Beginn der Überwachung durch die Organisation im Jahr 1999 gab es aber nach dem Ende des Konflikts in Kolumbien im Vorjahr dort keinen dokumentierten Einsatz von Landminen mehr.

Vor 20 Jahren wurde die Ottawa-Konvention unterzeichnet, die sich dem Kampf gegen Landminen widmet. Der internationale Vertrag verbietet den Einsatz, die Produktion, Lagerung und Weitergabe von Landminen. 162 Staaten haben ihn bisher unterzeichnet.

Sport

Ski alpin: Die Saslong feiert Jubiläum

Die Saslong steht in diesen Tagen wieder einmal im Mittelpunkt des Herren-Skizirkus. Auf der legendären Piste im Grödner Tal stehen morgen und am Samstag ein Super-G und eine Abfahrt (jeweils 12.15 Uhr, live in ORF eins) auf dem Programm.

Das traditionelle Wintersportgebiet geht heuer in seine 50. Saison als Veranstalter von Rennen im Weltcup. Hier könne man „Geschichte aufsaugen“, sagte Kristian Ghedina und brachte damit die Besonderheit der Strecke auf den Punkt.

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Biathlon: Österreicher müssen ins Schwarze treffen

Nach dem verpatzten Auftritt in Hochfilzen bietet sich Österreichs Biathlon-Team ab heute beim Weltcup in Le Grand-Bornand in Frankreich die Chance zur Rehabilitierung. Knackpunkt für die mäßigen Ergebnisse bei den Heimspielen waren vor allem die dürftigen Leistungen auf dem Schießstand.

Cheftrainer Reinhard Gösweiner glaubt deshalb an eine Trendwende. „Unser Ziel ist es, mit einem guten Sprintergebnis möglichst viele Athleten in der Verfolgung dabei zu haben“, sagte Gösweiner.

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Fußball: Schalke Zweiter nach turbulentem Sieg

Schalke hat gestern in der deutschen Bundesliga mit einem turbulenten Heimsieg über Augsburg wieder den zweiten Rang übernommen. Die „Königsblauen“ lagen auch dank eines Treffers von Guido Burgstaller schon 2:0 voran, die Gäste steckten aber nicht auf und glichen durch ein Elfmetertor von Michael Gregoritsch kurz vor Schluss aus. Vier Minuten später sorgte aber ein weiterer Strafstoß für die Entscheidung.

Souveräner Spitzenreiter bleibt der FC Bayern, der sich zu einem Heimsieg über Schlusslicht Köln mühte.

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Wirtschaft

ÖBB planen raschen Glyphosat-Ausstieg

Die ÖBB planen einen raschen Ausstieg aus der Anwendung von Glyphosat. Das berichtete die „Kronen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe). „Wir werden möglichst schnell und deutlich vor Ablauf der EU-Frist von fünf Jahren aus Glyphosat aussteigen“, sagte ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä. Gemeinsam mit Global 2000 werde intensiv nach einer Alternative zu dem Unkrautvernichtungsmittel gesucht.

Bereits seit einigen Jahren seien die ÖBB dazu in engem Austausch mit NGOs wie Global 2000 und Greenpeace, wodurch man in den vergangenen drei Jahren dem Ausstieg bereits ein großes Stück näher gekommen sei. „Wir haben die verwendeten Mengen innerhalb dieser Zeit beinahe halbiert - von 9,5 Tonnen (2014) auf 4,7 Tonnen (2017)“, hieß es in einem der APA vorliegenden Statement.

Derzeit werde das Mittel nur noch punktuell im unmittelbaren Gleisbereich verwendet, um einen sicheren Bahnbetrieb zu gewährleisten. Die eingesetzten Mengen des Herbizids würden die ÖBB bis zum kompletten Ausstieg innerhalb der nächsten Jahre weiter reduzieren, „um auch künftig unseren gesetzlichen Verpflichtungen sowie der Aufrechterhaltung eines sicheren Bahnbetriebes nachzukommen“.

Großstreik in Griechenland gegen Sparpolitik

Im Zuge des Protests gegen die harte Sparpolitik haben heute in Griechenland umfangreiche Streiks begonnen. Das Motto der Proteste lautet: „Armut, Steuern, Arbeitslosigkeit - ihr (die Regierung) habt jede Grenze überschritten“. Auswirkungen gibt es hauptsächlich im Verkehr und in den staatlichen Institutionen.

Im Rundfunk und Fernsehen gab es keine Nachrichten, nachdem die Journalisten um Mitternacht für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt hatten. Die Fähren und die Bahnen wurden bestreikt. Die Fahrer der U-Bahnen, Busse und Trams von Athen legten zur morgendlichen Stoßzeit die Arbeit nieder.

Einige Inlandsflüge wurden verschoben, weil die Techniker der zivilen Luftfahrt die Arbeit für vier Stunden niederlegen wollten. Bei Auslandsflügen soll es dagegen keine Einschränkungen geben, wie die Fluggesellschaften mitteilten.

Schulen und Behörden geschlossen

Staatliche Schulen und die meisten Behörden blieben geschlossen. Ärzte staatlicher Krankenhäuser behandeln nur Notfälle. Um die Mittagszeit sind Demonstrationen in Athen und anderen Städten geplant. Zu den Streiks hatten die beiden größten Gewerkschaften des staatlichen und privaten Sektors, ADEDY und GSEE, aufgerufen.

Die griechischen Arbeitnehmer haben in den vergangenen sieben Jahren mehr als ein Viertel ihres Einkommens verloren. Die Arbeitslosigkeit geht nur langsam zurück. Sie beträgt zurzeit gut 20 Prozent und ist damit die höchste in Europa. Mehr als 18.000 Ärzte sind ausgewandert.

Einkommen weltweit zunehmend ungleich verteilt

Die Schere zwischen Reichen und Menschen mit wenig Einkommen ist einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren weltweit fast überall auseinandergegangen.

Seit 1980 hat das reichste eine Prozent der Weltbevölkerung seine Einkünfte mehr als verdoppelt, wie aus einer Untersuchung von Forschern um den bekannten französischen Ökonomen Thomas Piketty hervorgeht. Die Mittelklasse habe dagegen kaum profitiert, auch wenn das Wachstum statistisch allen Menschen zugutegekommen sei.

Gefälle in Europa am flachsten

Regional gibt es allerdings Unterschiede. Am geringsten ist das Gefälle laut der Studie in Europa. Dort verfügten 2016 die oberen zehn Prozent über 37 Prozent des nationalen Einkommens, in Nordamerika waren es 47 Prozent, im Nahen Osten den Angaben zufolge sogar 61 Prozent.

„Seit 1980 ist die Einkommensungleichheit in Nordamerika, China, Indien und Russland rasant gestiegen. In Europa verlief der Anstieg moderat“, heißt es in der Studie. Ausgewertet wurden unter anderem Einkommensteuerdaten.

Kritik an Privatisierungen

Hauptursache der ökonomische Ungleichgewichte ist den Autoren zufolge die ungleiche Verteilung von Kapital in privater und in öffentlicher Hand. Seit 1980 seien in fast allen Ländern riesige Mengen öffentlichen Vermögens privatisiert worden. „Dadurch verringert sich der Spielraum der Regierungen, der Ungleichheit entgegenzuwirken“, argumentieren die Wissenschaftler.

Das internationale Forscherteam um Piketty, Autor des kapitalismuskritischen Bestsellers „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, empfiehlt zur Bekämpfung der Ungleichheit unter anderem die Einführung eines globalen Finanzregisters, um Geldwäsche und Steuerflucht zu erschweren.

Kindern aus ärmeren Familien müsse der Zugang zu Bildung erleichtert werden. Weitere Instrumente seien progressive Steuersätze, die mit dem Einkommen steigen, sowie eine Verbesserung der betrieblichen Mitbestimmung und angemessene Mindestlöhne.

Nach Fed hebt auch Chinas Notenbank Leitzins

Nach der US-Notenbank hat auch die Zentralbank in China die Zinsen angehoben. Die kurz- und mittelfristigen Sätze wurden heute allerdings nur um jeweils fünf Basispunkte angehoben. Analysten hatten nicht mit dem Schritt gerechnet, verwiesen allerdings auf die nur sehr geringe Anhebung. Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank den Zins im März angehoben.

Die US-Notenbank hatte am Vortag gegen Ende der Ägide ihrer Chefin Janet Yellen die Zinsen ein drittes Mal in diesem Jahr angehoben und will die Zügel unter ihrem Nachfolger Jerome Powell weiter straffen.

Die Fed setzte den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt hinauf - auf die neue Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent. 2018 sollen drei weitere Anhebungen folgen. Die mächtigste Notenbank der Welt reagiert damit auf die florierende Wirtschaft in den USA.

Chronik

Vergewaltigungsvorwürfe gegen US-Plattenboss Simmons

Weitere Frauen werfen dem bekannten US-Plattenboss Russell Simmons (60) sexuelle Übergriffe vor. In Interviews, die gestern von der „New York Times“ veröffentlicht wurden, sagen drei Frauen, sie seien von dem Mitbegründer des Hip-Hop-Labels Def Jam vergewaltigt worden.

Die namentlich genannten Frauen, darunter eine Ex-Mitarbeiterin von Simmons und eine Musikjournalistin, schilderten Vorfälle. Sie sollen zwischen 1988 und 2014 passiert sein. In einer Stellungnahme wies Simmons die Vorwürfe zurück. Diese Anschuldigungen hätten ihn „zutiefst erschüttert“, teilte der Hip-Hop-Produzent der Zeitung mit. Alle seine Beziehungen seien einvernehmlich gewesen.

Erste Vorwürfe im November

Im November hatte die Drehbuchautorin Jenny Lumet (50, „Rachels Hochzeit“) angebliche Übergriffe des Musikproduzenten beschrieben. Als 24-Jährige sei sie von ihm in New York sexuell belästigt worden. Zuvor war er von einem Model wegen Übergriffen im Jahr 1991 beschuldigt worden. Die Frau schilderte in der „Los Angeles Times“ angebliche Vorfälle, als sie 17 gewesen sei.

Simmons reagierte damals auf die Veröffentlichung mit einem Statement auf Twitter, in dem er Anschuldigungen von nicht einvernehmlichem Sex energisch zurückwies.

Rückzug aus Unternehmen

Ende November gab er die Leitung seiner Firmen ab. Er werde sich aus seinen Unternehmen zurückziehen, so Simmons in einer Mitteilung. Darin entschuldigt er sich für „gedankenloses und unsensibles“ Verhalten in einigen seiner Beziehungen. Er sei aber nie gewalttätig geworden, führte er weiter aus.

Das bekräftigte er nun erneut: Er werde unermüdlich gegen jedweden „Rufmord“ ankämpfen, der ihn als gewalttätigen Mann darstelle, sagte er der „New York Times“. Def Jam gehört mit Künstlern wie Kanye West und Q-Tip zu den wichtigsten Hip-Hop-Labeln Amerikas.

Salma Hayek schildert Erfahrungen mit „Monster“ Weinstein

Die Vorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein reißen nicht ab: In einem gestern in der „New York Times“ veröffentlichten Artikel schildert die Schauspielerin Salma Hayek, wie Weinstein sie immer wieder sexuell belästigte, erniedrigte und sogar mit dem Tod bedrohte. „Er war jahrelang mein Monster“, schreibt die 51-Jährige. Weinstein bestritt die Vorwürfe.

Vor allem die Arbeit an dem 2002 erschienenen Erfolgsfilm „Frida“, in dem Hayek die mexikanische Malerin Frida Kahlo spielte, erlebte die Schauspielerin als Qual. Sie habe immer wieder Nein sagen müssen: „Nein, ihm zu jeder nächtlichen Stunde die Tür zu öffnen, Hotel für Hotel, Drehort für Drehort. Nein, mit ihm zu duschen. Nein, dass er mir beim Duschen zuschaut. Nein, dass er mich massiert. Nein, dass er mir Oralsex macht. Nein, dass ich mich zusammen mit einer anderen Frau vor ihm ausziehe.“

Auf Annäherungen folgte „machiavellistische Wut“

In dem von Weinstein produzierten Film fungierte Hayek auch als Koproduzentin und hielt die Rechte am Drehbuch. Um den Film nicht zu gefährden, ließ sie nach eigener Darstellung Weinsteins Verhalten über sich ergehen, wie sie in dem Artikel schildert. Er habe zwischenzeitlich gedroht, einer anderen Frau die Hauptrolle zu geben, wogegen sie sich mit Hilfe von Anwälten gewehrt habe.

Auf jede Ablehnung habe Weinstein mit seiner „macchiavellistischen Wut“ reagiert, berichtet Hayek. Er habe ihr einmal mit dem Tod gedroht und gesagt: „Ich bringe dich um, glaube nicht, dass ich dazu nicht fähig bin.“ Als die Dreharbeiten begannen, hätten die sexuellen Belästigungen aufgehört. Stattdessen habe aber „die Wut“ zugenommen.

Sexszene eingefordert

Weinstein habe ihre schauspielerische Darbietung kritisiert und gesagt, der Film werde nur zu Ende gedreht, wenn sie einer expliziten Sexszene mit einer Frau zustimme. Als die Szene gedreht wurde, habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten, berichtete Hayek. Sie habe Beruhigungsmittel genommen.

Als der Film fertig war, habe Weinstein gesagt, er sei zu schlecht für das Kino und werde nur als Video veröffentlicht. Der Film kam dennoch in die Kinos und wurde ein voller Erfolg. Er gewann zwei Oscars und brachte Hayek eine Oscar-Nominierung ein.

Weinstein dementiert sexuelle Anschuldigungen

Weinstein ließ die Angaben der Schauspielerin dementieren. Alle von Hayek vorgebrachten sexuellen Anschuldigungen seien falsch, ließ er über einen Sprecher mitteilen. „Andere Zeugen der Ereignisse stellen die Vorgänge anders dar.“

Weinsteins Äußerungen über den fertigen Film seien überdies seiner Enttäuschung über den Schnitt geschuldet gewesen. Das sei der Grund dafür gewesen, dass er „gemeinsam mit der sehr talentierten Regisseurin Julie Taymor“ dem Filmschnitt den letzten Schliff gegeben habe.

Britischer Chirurg hinterließ Initialen auf Organen

Ein britischer Chirurg hat gestanden, bei zwei Lebertransplantationen seine Initialen auf den eingesetzten Organen hinterlassen zu haben. Der 53-Jährige bekannte sich gestern vor einem Gericht in Birmingham der Körperverletzung schuldig. Die Staatsanwaltschaft warf dem Arzt vor, gezielt unter Narkose stehende Patienten verletzt zu haben. Das sei nicht nur unethisch, sondern auch kriminell.

Der Angeklagte Simon Bramhall hatte bei den Eingriffen im Queen-Elizabeth-Krankenhaus in Birmingham seine Initialen mit einem Argon-Laser in die Lebern eingraviert. Dieses Instrument wird bei Operationen vor allem verwendet, um Blutungen zu verhindern. Laut britischen Medienberichten fiel die Gravur „SB“ bei einem der beiden Opfer bei einer Nachfolgeoperation auf.

Staatsanwalt Tony Badenoch sagte, ein solches Vergehen habe es „im Strafrecht noch nie gegeben“. Das Vorgehen des Arztes habe einiges an Fähigkeiten und Konzentration erfordert. Der Angeklagte habe nicht nur einmal gehandelt, sondern seine Tat wiederholt. Dem Staatsanwalt zufolge handelte Bramhall im Beisein von Kollegen. Das Urteil soll am 12. Jänner fallen, der Arzt befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß.

Medien

Disney vor Übernahme großer Teile des Fox-Konzerns

Walt Disney steht einem Insider zufolge vor dem Kauf von Großteilen des Konzerns Twenty First Century Fox des Medienunternehmers Rupert Murdoch für 75 Milliarden Dollar (63,9 Mrd. Euro). Disney werde das Film- und TV-Geschäft von Fox sowie dessen internationale Aktivitäten übernehmen, sagte eine mit der Sache vertraute Person gestern.

Fox werde sich künftig auf die Bereiche Nachrichten und Sport konzentrieren. Das Vorhaben solle heute angekündigt werden. Über die Pläne war bereits länger spekuliert worden. Auch Comcast hatte Interesse an Fox-Bereichen. Der US-Kabelnetzbetreiber hatte am Montag aber gesagt, von einem Angebot Abstand zu nehmen.

Zugriff auf Streaming-Dienst

Mit einer Übernahme der Fox-Bereiche sichert sich Disney auch Zugriff auf Filme des Hollywood-Studios. Zudem kauft Disney den Fox-Anteil an dem Videostreaming-Dienst Hulu und erhält damit eine Kontrollmehrheit an dem Netflix-Rivalen.

Netflix und auch Amazon geben im Moment viel Geld aus, um Abonnenten mehr Serien und Filme anbieten zu können. Bereits im Herbst war bekanntgeworden, dass Disney einen eigenen Streaming-Dienst anbieten will.

Bei den Anlegerinnen hielt sich die Freude über die kolportierte Übernahme offenbar in Grenzen. Gestern bei Börsenschluss notierte die Fox-Aktie knapp vier Prozent im Minus bei 32,75 Dollar. Der Kurs der Disney-Aktie dagegen stieg leicht um 0,17 Prozent auf 107,61 Dollar.

Kultur

„Meine schöne innere Sonne“: Binoche sucht die Liebe

Eine französische Komödie über eine Frau um die 50, die die Liebe sucht: Diese Beschreibung allein klingt nicht aufsehenerregend. Dass es aber auch und vor allem die körperliche Liebe ist, um die es der Heldin geht, zeichnet „Meine schöne innere Sonne“ („Un beau soleil interieur“) dann doch aus.

Juliette Binoche

Polyfilm

Isabelle ist Künstlerin und wird gespielt von Juliette Binoche, die einen Großteil der Handlung in Minirock und hochhackigen Overknee-Stiefeln bestreitet - wenn sie nicht gerade nackt ist wie in der mutigen Bettszene zu Beginn des Films.

Regie führte eine der bedeutendsten zeitgenössischen Regisseurinnen, Claire Denis („Beau Travaille“, „Nenette et Boni“), deren ästhetischem Einfühlungsvermögen es wohl zu verdanken ist, dass Binoche im Film einiges wagt.

Verfilmung eines philosophischen Traktats

Die Handlung von „Meine schöne innere Sonne“ bleibt stets fragmentarisch, springt quer durch Zeiten und Orte, Denis beobachtet Isabelle im Umgang mit ihren Liebhabern: einem überheblichen Banker (Xavier Beauvois), einem Schauspieler (Nicolas Duvauchelle), einem sensiblen Künstler (Alex Descas) und einem Arbeiter (Paul Blain).

Diese Sprunghaftigkeit schuldet sich auch der ungewöhnlichen Vorlage des Films, dem 1977 erschienenen Essayband des französischen Philosophen Roland Barthes, „Fragmente einer Sprache der Liebe“.

Wie schon für ihren Film „L’intrus“ aus dem Jahr 2004 verwendet Denis auch hier ein philosophisches Werk, aus dessen Gedankengebäude sie die filmische Erzählung zimmert: ein ungewöhnliches Vorgehen, das im Fall von „L’intrus“ atmosphärisch wunderbar funktionierte.

Überraschendes Cameo

In „Meine schöne innere Sonne“ ist das Ergebnis nicht ganz so überzeugend. Oft wirkt es, als würde Binoche absurde Theatermonologe rezitieren, Haltungen ausprobieren wie auf einer Bühne, was daran liegen mag, dass der Film mit geringem Budget in nur fünf Wochen abgedreht wurde. Ein spannendes Experiment bleibt er allemal und wartet gegen Ende mit einem reichlich bizarren Gastauftritt eines Starschauspielers auf.

Turrini mit Kärntner Kulturpreis ausgezeichnet

Im Klagenfurter Stadttheater ist gestern Abend der Kulturpreis des Landes Kärnten für Literatur an Peter Turrini vergeben worden. Überschattet wurde die Feier von einem Zwist: Das Kulturgremium hatte Josef Winkler auszeichnen wollen, Kulturreferent Christian Benger (ÖVP) bevorzugte aber Turrini. Dieser hielt bei der Veranstaltung eine mahnende Rede über die Gesellschaft und ihre Wahrnehmung.

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Science

Drei Raumfahrer zurück von ISS

Nach rund fünf Monaten im All haben sich drei Raumfahrer auf den Weg zurück zur Erde gemacht. Der Russe Sergej Rjasanski, der US-Amerikaner Randy Bresnik und der Italiener Paolo Nespoli legte heute Früh planmäßig mit einer Sojus-Kapsel von der Internationalen Raumstation (ISS) ab, wie die Flugleitzentrale bei Moskau mitteilte.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA zeigte im Internet Bilder, wie sich das Raumschiff langsam von der ISS entfernte. Die Landung erfolgte gut drei Stunden später in der Steppe etwa 150 Kilometer südöstlich der Stadt Scheskasgan im zentralasiatischen Kasachstan.

Schnell ins Warme

Dort erwartete sie eisiges Winterwetter. Wegen Temperaturen von rund minus 20 Grad Celsius kündigte das Bergungsteam an, die übliche Fotosession und das Gespräch mit Journalisten direkt nach der Landung auf ein Minimum zu reduzieren und die Raumfahrer möglichst schnell ins Warme zu bringen.

Gewöhnlich werden Rückkehrer nach der Bergung aus der Kapsel erst eine Weile an der frischen Luft versorgt. Nach mehreren Monaten in der Schwerelosigkeit brauchen sie zunächst Hilfe, da sich der Körper wieder an die Erdanziehung gewöhnen muss.

Derzeit halten noch ein Russe und zwei Amerikaner die Stellung auf der Raumstation. Doch schon in wenigen Tagen wird Verstärkung erwartet. Am Sonntag starten der Russe Anton Schkaplerow, der Amerikaner Scott Tingle und der Japaner Norishige Kanai zur ISS.

Religion

Panorama