Ausland

Ägyptens Ex-Präsidenten Mursi droht Todesstrafe

Im Prozess gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi könnte heute ein Todesurteil fallen. Dem ersten frei gewählten Staatschef Ägyptens wird zur Last gelegt, im Dezember 2012 als Präsident die Tötung von Demonstranten veranlasst zu haben.

Gegen den im Juli 2013 vom Militär gestürzten Mursi sind noch weitere Verfahren anhängig, die mit einer Verurteilung zum Tode enden könnten.

So werden dem Islamisten Spionage für feindliche Mächte und der Ausbruch aus dem Gefängnis während der Revolte gegen seinen Vorgänger Hosni Mubarak im Jahr 2011 vorgeworfen. Die Urteile für letztere Verfahren werden Mitte Mai erwartet.

USA schicken Flugzeugträger Richtung Jemen

Die USA haben zwei weitere Kriegsschiffe in Richtung Jemen entsandt. Der Flugzeugträger „USS Theodore Roosevelt“ und sein Begleitkreuzer, die „USS Normandy“, würden vom Golf ins Arabische Meer verlegt, teilte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums gestern mit.

Die Marine erklärte, Ziel sei, „sicherzustellen, dass wichtige Schifffahrtsrouten in der Region offen und sicher bleiben“. In Regierungskreisen hieß es, die Anwesenheit der Kriegsschiffe eröffne der US-Politik zusätzliche Optionen für den Fall, dass sich die Lage im Jemen verschlechtere.

In den Gewässern vor dem Jemen kreuzen bereits sieben andere US-Kriegsschiffe. Im Jemen herrscht derzeit Bürgerkrieg. Schiitische Milizen haben den von den USA unterstützten Präsidenten vertrieben. Eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz versucht mit Luftangriffen, die Milizen zurückzudrängen. Zuletzt kamen bei einem saudischen Angriff auf ein Militärlager in Saana zahlreiche Zivilisten ums Leben.

Ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis bombardiert seit fast vier Wochen Stellungen und Waffenlager der schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden. (iptv.ORF.at)

Genozid-Debatte: Ankara spricht nun von „Deportation“

Die Türkei ist im Streit um die Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs einen Schritt auf Armenien zugegangen. In einer gestern veröffentlichten Erklärung des türkischen Regierungschefs Ahmet Davutoglu, heißt es aus Anlass des 100. Jahrestags des Beginn der Tragödie am 24. April: „Wir teilen den Schmerz der Kinder und Enkelkinder der Armenier, die ihr Leben bei Deportationen 1915 verloren.“ Der Forderung der Armenier, ihre Verfolgung im Osmanischen Reich als „Völkermord“ anzuerkennen, verschloss sich die türkische Regierung aber erneut.

„Alles auf ein einziges Wort zu reduzieren“ und die Verantwortung pauschal „nur auf die türkische Nation“ abzuwälzen, sei „rechtlich und moralisch problematisch“, erklärte Davutoglu. Doch der vergleichsweise versöhnliche Ton der Erklärung hebt sich ab von Ankaras scharfer Reaktion auf Papst Franziskus, der in seiner Messe im Petersdom zum 100. Jahrestag des Massenmords die Armenier als Opfer des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte.

Nach Darstellung der Armenier starben bis zu 1,5 Millionen Armenier im Zuge einer gezielten Vernichtungskampagne des Osmanischen Reiches. Die Türkei bestreitet dagegen, dass es sich um einen Völkermord handelte und spricht von einigen hunderttausend Toten infolge von Kämpfen und Hungersnöten während des Krieges. Das Europaparlament bezeichnet die Ereignisse schon seit 1987 offiziell als „Völkermord“, die EU-Kommission vermeidet dagegen den Begriff.

Dagestan: Russische Elitesoldaten töten Rebellenführer

Der islamistische Rebellenführer Aliaschab Kebekow ist im Nordkaukasus bei einem Einsatz russischer Spezialkräfte getötet worden. Das russische Anti-Terror-Komitee teilte gestern mit, Kebekow sei bei dem Einsatz in der Teilrepublik Dagestan „neutralisiert“ worden.

Bei der Operation in Buinaksk seien vier weitere Menschen, darunter zwei regionale Rebellenführer, getötet worden. Die Website Kavkaz Center, die von den Rebellen zur Veröffentlichung ihrer Erklärung verwendet wird, bestätigte den Tod des Kommandeurs der Extremistengruppe Kaukasus Emirat.

Kebekow war der Nachfolger des tschetschenischen Islamisten Doku Umarow. In den USA wurde er als „globaler Terrorist“ geführt. Russland machte ihn mitverantwortlich für die Anschläge von Wolgograd, bei denen 2013 34 Menschen getötet wurden. Die Gruppe Kaukasus Emirat wurde 2007 gegründet und hat sich zu einer Reihe tödlicher Angriffe bekannt. Die Aktivitäten der Rebellen gingen zuletzt zurück, da sich viele Kämpfer den Dschihadisten im Irak und Syrien anschlossen.

Athen greift per Dekret nach Finanzreserven

Die griechische Regierung hat öffentliche Einrichtungen und örtliche Behörden gestern per Dekret aufgefordert, ihre Finanzreserven an die Zentralbank des Landes zu transferieren. Damit hoffe die Regierung, dringend benötigte Geldmittel für die Zahlung von drei Milliarden Euro für die kommenden zwei Wochen zu generieren, heißt es in dem Dekret.

Demnach entfallen 1,1 Mrd. Euro auf Gehälter, 850 Millionen Euro auf Sozialversicherungsleistungen, 200 Mio. Euro auf Schuldzinsen und am 12. Mai 746 Mio. Euro Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Das Dekret, dem zufolge die Zahlungen obligatorisch sind, muss noch vom Parlament gebilligt werden. Die Regierung von Alexis Tsipras rief angesichts eines drohenden Staatsbankrotts die öffentlichen Einrichtungen bereits im März zum Transfer der Geldmittel auf freiwilliger Basis auf. An die staatliche Krankenversicherung erging der Appell, 50 Mio. Euro herauszugeben. Die Arbeitsagentur OAED und die Region Athen überwiesen bereits Dutzende Millionen Euro.

Das Geld soll zu einem Zinssatz von 2,5 Prozent auf einem Sonderkonto der Bank von Griechenland deponiert werden. Bei Bedarf kann es in bestimmten Sicherheiten angelegt werden. Die Kredite haben in der Regel eine sehr kurze Laufzeit und dienen dazu, Haushaltsengpässe zu vermeiden, solange sich die Regierung in Verhandlungen mit den internationalen Kreditgebern von IWF, Europäischer Zentralbank und Europäischer Kommission befindet.

Südkorea: Premier bietet Rücktritt an

Angesichts von Korruptionsvorwürfen hat Südkoreas Ministerpräsident Lee Wan Koo seinen Rücktritt angeboten. Lee habe Präsidentin Park Geun Hye, die Südamerika besucht, von seiner Absicht informiert, teilte eine Sprecherin des Präsidentenamts in Seoul mit.

Lee ist erst seit Februar im Amt. Der frühere Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei steht im Verdacht, Schmiergelder von einem Unternehmer angenommen zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Park muss dem Rücktritt noch zustimmen. Das Staatsoberhaupt trifft im Präsidialsystem Südkoreas fast alle wichtigen Entscheidungen. Es ernennt auch den Ministerpräsidenten.

Anschlag auf Ölpipeline: Stadt in Kolumbien ohne Wasser

Nach einem Anschlag auf eine Ölpipeline in Kolumbien ist eine ganze Stadt ohne Wasser geblieben. Die Behörden von Arauca hatten gestern die Wasserversorgung aus dem gleichnamigen Fluss unterbrochen, um eine Verseuchung des Trinkwassers mit ausgelaufenem Erdöl zu verhindern, wie die Zeitung „El Tiempo“ berichtete.

Insgesamt seien 14.000 Wohnungen betroffen. Die knapp 800 Kilometer lange Pipeline Limon - Covenas sei am Sonntag von Rebellen nahe der Ortschaft Toledo im Grenzgebiet zu Venezuela gesprengt worden.

Das Heereskommando machte Kämpfer der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) für den Anschlag verantwortlich. Das Erdöl habe die Quellen des Cubugon-Flusses erreicht, der 150 Kilometer westlich von Arauca in den Arauca-Fluss fließt. Der Erdöltransport über die Pipeline mit einer Kapazität von 210.000 Barrel pro Tag musste ebenfalls unterbrochen werden. Es handelte sich um den vierten Bombenanschlag in diesem Jahr auf die zweitgrößte Pipeline Kolumbiens.

Die ELN ist mit rund 2.500 Kämpfern die zweitgrößte Rebellengruppe in Kolumbien. Sie hat sich bereiterklärt, wie die FARC Friedensgespräche mit der Regierung zu führen. Bisher wurden jedoch nur Sondierungskontakte aufgenommen.

Inland

Regierung beschließt Finanzrahmen ihrer Ressorts

Die Regierung beschließt heute den neuen Finanzrahmen. Damit werden die Ausgabenobergrenzen für die Ressorts festgelegt. Als fix gelten die Einsparung von 1,1 Milliarden Euro - als Teil der Gegenfinanzierung der Steuerreform. Auch die Hypo-Kosten und der Einnahmenausfall aus der nicht realisierten Finanztransaktionssteuer müssen eingeplant werden. Ziel bleibt das strukturelle Nulldefizit 2016.

Bereits im Vorfeld des Beschlusses haben durchgesickerte Sparideen, etwa Einschnitte bei den Beamten und insbesondere bei der Lehrerschaft, gehörig Staub aufgewirbelt. Dabei wird mit dem Finanzrahmen (der nun für die Jahre 2016 bis 2019 festgelegt wird) noch gar nicht beschlossen, wo inhaltlich gespart wird - sondern nur, wie viel.

Wie diese Vorgaben erreicht werden sollen, wird erst bis zur Erstellung des Budgets im Herbst fixiert. Die 1,1 Mrd. Euro sollen jedenfalls zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden (700 Mio. Bund, 400 Mio. Länder). Beim Bund dürften allein 500 Mio. auf die Verwaltung entfallen. Weitere 200 Millionen sollen laut bisherigen Informationen bei den Förderungen eingespart werden.

ÖVP gibt sich neues Parteiprogramm

Gestern hat der ÖVP-Vorstand jenes Parteiprogramm abgesegnet, das an einem „Reformparteitag“ im Mai formell beschlossen werden und das bisherige, 20 Jahre alte ablösen soll. „Jünger, weiblicher, moderner“ will die Volkspartei mit den neuen Grundsätzen laut eigener Aussage werden. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten: Gerade bei intern umstrittenen Themen, etwa Bildung und Selbstbehalten im Sozialbereich, bleibt das Parteiprogramm vage. Bei anderen Themenfeldern scheint es, als wäre die Parteiführung von den - zum Entwurf befragten - Parteimitgliedern gehörig in ihrem Reformeifer gebremst worden.

Mehr dazu in „Weit offener als vorher“

Sprecher verteidigt Dienstwagennutzung von Klug

Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) hat vergangene Woche Dienstwagen samt Chauffeur in die Schweiz kommen lassen, um einen Privatbesuch in Frankreich zu absolvieren. Ein Sprecher des Ministers bestätigte gestern Abend laut APA entsprechende Berichte der „Kleinen Zeitung“ und der „Tiroler Tageszeitung“. Das sei rechtlich gedeckt, der Minister bezahle eine Pauschale für die private Nutzung, wurde betont.

Nach einem per Flugzeug angetretenen Arbeitsbesuch bei seinem Schweizer Amtskollegen Ueli Maurer ließ Klug das Auto nach Zürich kommen. Dies deshalb, um die Reaktionsfähigkeit für den Fall zu behalten, dass der Minister zu einer Verhandlungsrunde über den Finanzrahmen nach Wien gerufen worden wäre. Das sei nicht geschehen, daher habe man ein Flugticket von Zürich nach Wien storniert. Klug sei im Auto zurückgefahren.

Der Sprecher wies darauf hin, dass Klug monatlich rund 590 Euro für die Privatnutzung des Dienst-BMWs bezahlt. Die Pauschale umfasse die Nutzung des Dienstfahrzeugs samt Fahrer, und zwar im In- und Ausland.

Sport

Champions League: Ibrahimovic als letzte PSG-Hoffnung

Der FC Barcelona steht nach dem 3:1-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel bei Paris Saint-Germain (PSG) mit einem Bein im Semifinale der Champions League. Die Franzosen klammern sich aber noch an ihre geringe Chance.

Hoffnung auf ein Wunder gibt PSG die Rückkehr von Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic. Zudem agierte die Abwehr von Barca zuletzt nicht immer in Topform. Dafür war der Traumsturm der Katalanen in jüngster Zeit nur schwer zu stoppen.

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Bundesliga: Austria für Ogris „nicht bissig genug“

Die Heimpremiere auf der Bank der Wiener Austria ist für Interimscoach Andreas Ogris enttäuschend verlaufen. Die Violetten mussten sich gestern gegen den WAC mit einem 1:1 begnügen, vor allem die Offensivleistung der Hausherren ließ sehr zu wünschen übrig. „Wir waren nicht bissig genug, um den Torerfolg zu erzwingen“, sagte Ogris, der sogar von „Angsthasenfußball“ sprach.

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Wirtschaft

GE will offenbar 74-Milliarden-Sparte verkaufen

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) verhandelt einem Pressebericht zufolge mit der Großbank Wells Fargo über den Verkauf seines Kreditgeschäfts mit mittleren US-Unternehmen. Für die Sparte mit einem Volumen von 74 Milliarden US-Dollar (69 Mrd. Euro) gebe es aber noch mehr Bieter, wie das „Wall Street Journal“ gestern unter Berufung auf eingeweihte Kreise berichtete. Unklar sei zudem, ob das Geschäftsfeld ganz oder in Teilen veräußert werden soll.

Vor rund einer Woche hatte der Siemens-Rivale angekündigt, sein über 200 Mrd. Dollar (185 Mrd. Euro) schweres Finanzgeschäft weiter einschrumpfen zu wollen - und zwar massiv. Die Tochter GE Capital soll in den nächsten 24 Monaten nahezu komplett verkauft werden.

Ein riesiger Immobiliendeal über 26,5 Mrd. Dollar (25 Mrd. Euro), bei dem Wells Fargo ebenfalls zu den Käufern zählt, wurde bereits festgezurrt. Nach schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise will sich GE auf sein Industriegeschäft konzentrieren.

Berichte über EU-Wettbewerbsklage gegen Gasprom

Die Wettbewerbshüter der EU werden informierten Kreisen zufolge noch diese Woche Klage gegen den russischen Gaskonzern Gasprom einreichen. Dem staatlich kontrollierten Unternehmen werde vorgeworfen, in Osteuropa zu hohe Preise verlangt und den Wettbewerb behindert zu haben, sagten zwei EU-Vertreter heute. Eine Liste der Vorwürfe dürfte morgen übergeben werden, ergänzte einer von ihnen.

Weder ein Sprecher der EU-Kommission noch Gasprom-Vertreter nahmen zunächst zu den Informationen Stellung. Die Brüsseler Behörde untersucht seit September 2012 die Geschäftspraktiken von Gasprom.

Im Februar kündigte die Kommission an, in den folgenden Wochen das weitere Vorgehen bekanntzugeben. Die Brüsseler Behörde drohte Gasprom mit einem Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes, der bei rund 100 Milliarden Dollar (derzeit 92,5 Mrd. Euro) liegt. Der russische Konzern deckt etwa 30 Prozent des europäischen Gasbedarfs.

Gasprom hatte voriges Jahr einen Gewinneinbruch erlitten. Der Verfall des Rubel und Russlands Schuldenstreit mit der Ukraine setzten dem Weltmarktführer zu.

Bieterkampf um Casinos Austria

Um die teilstaatlichen Casinos Austria bahnt sich laut „Presse“ ein Bieterkampf an. Eine österreichisch-tschechische Investorengruppe hat demnach Interesse an jenem 67-Prozent-Anteil, den auch der Staat haben will. Mit an Bord sollen unter anderem der Wiener Finanzinvestor Peter Goldscheider und sein Sohn Daniel sein. Letzterer betreibt das SMS-Spiel Lottelo.

Daniel Goldscheider hatte sich 2011 für die österreichische Lotterielizenz beworben, ging aber leer aus. Sein Geschäftsmodell geriet ins Visier des Finanzministeriums, die Beamten werteten Lottelo als illegales Glücksspiel. Zur Investorengruppe gehören laut „Presse“ weiters die beiden tschechischen Milliardäre Jiri Smejc und Karel Komarek.

Auf Lotterien spezialisierte Investoren

Smejc zählt laut „Forbes“ zu den zehn reichsten Tschechen, er ist bereits in Griechenland im Glücksspiel engagiert. 2013 übernahm er den ehemals staatlichen Lotterie- und Sportwettenkonzern OPAP, an dem er nunmehr zwei Drittel hält. Zu Komareks Vermögen - reich wurde er mit Öl - zählt die tschechische Lotteriegesellschaft Sazka. Die Casinos Austria sind zu 33 Prozent in Staatsbesitz, die Anteile werden von der neuen Staatsholding Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) gehalten.

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) möchte laut „Presse“ den Glücksspielkonzern zu 100 Prozent in die ÖBIB einbringen, sogar von einem späteren Börsengang war die Rede. Es geht dabei um die Anteile von Raiffeisen, der Privatstiftung von Maria Theresia Bablik und der früheren Kirchenbank Schelhammer & Schattera (jetzt GraWe). Laut einem Gutachten im Auftrag der Nationalbank (OeNB) sind die Casinos knapp 450 Mio. Euro wert.

Chronik

Solarflugzeug ist wieder unterwegs

Das allein mit der Kraft der Sonne betriebene Flugzeug „Solar Impulse 2“ ist in China zur nächsten Etappe seiner geplanten Erdumrundung aufgebrochen. Der Schweizer Pilot Bertrand Piccard startete aus der südchinesischen Stadt Chongqing und wollte 20 Stunden später in der 1.190 Kilometer östlich gelegenen Stadt Nanjing landen.

Die „Solar Impulse 2“ war bereits am 31. März in Chongqing gelandet und sollte nach einem kurzen Zwischenstopp weiterfliegen. Der Start musste aber wegen ungünstiger Wetterbedingungen und Sicherheitsbedenken mehrfach verschoben werden.

Der sonnenbetriebene Einsitzer war Anfang März in Abu Dhabi gestartet. Über Oman ging es weiter nach Indien und Myanmar. Von China aus soll das Flugzeug über den Pazifik fliegen und die USA überqueren. In insgesamt zwölf Etappen wollen Piccard und sein Landsmann Andre Boschberg die Erde ganz ohne Treibstoff umrunden. Angetrieben wird der nur 2,5 Tonnen schwere Flieger von mehr als 17.000 Solarzellen.

Einer der Piloten durch Migräne gehandicapt

Boschberg wurde zuletzt allerdings durch heftige Migräne außer Gefecht gesetzt. Er kehrte in die Schweiz zurück, um sich dort behandeln zu lassen. Es sei nötig gewesen, „eine Pause einzulegen, um die Zukunft des Projekts zu sichern“, schrieb Boschberg dazu im Kurznachrichtendienst Twitter.

Der ehemalige Militärpilot Boschberg und Piccard, der aus einer Schweizer Forscher- und Abenteurerfamilie stammt, lösen sich eigentlich bei den Etappen ab. Die beiden Flugpioniere werden von 130 Mitarbeitern unterwegs sowie von ihrer Kontrollzentrale in Monaco unterstützt.

Vorarlberg: Abgängiger Bub unversehrt aufgefunden

Der abgängige neunjährige Bub in Vorarlberg ist im Zuge der Suchaktion in den Abendstunden in Götzis unversehrt aufgefunden worden. Das teilte die Polizei Vorarlberg in der Nacht in einer Presseaussendung mit. Weitere Informationen lagen zunächst nicht vor.

Die Öffentlichkeitsfahndung wurde damit widerrufen. Das Kind hatte in der Früh das Haus der Mutter in Götzis (Bezirk Feldkirch) verlassen, seitdem fehlte von ihm jede Spur. Nach dem Kind wurde in ganz Vorarlberg gefahndet.

OÖ: Einweisung nach Messerattacke auf Postler

Eine 43-jährige Frau ist gestern vom Landesgericht Linz in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Sie hat im November des Vorjahres im Bezirk Urfahr-Umgebung einen Briefträger mit einem Messer attackiert und schwer verletzt.

Das Gericht folgte der Meinung der psychiatrischen Gutachterin, wonach die Betroffene zu diesem Zeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. Andernfalls hätte sie laut dem Spruch einen Mordversuch verübt, wie die Geschworenen fünf zu drei entschieden.

Medien

Pulitzer-Preis für Artikel über ungeklärte Todesfälle

Eine Reportage über ungeklärte Todesfälle von Frauen in South Carolina hat den diesjährigen Pulitzer-Preis bekommen. Die Zeitung „The Post and Courier“ bekam gestern in New York den Preis für „Dienst an der Öffentlichkeit“ für ihren Artikel „Bis dass der Tod uns scheidet“ zugesprochen. Er hinterfragt die Tode von mehr als 300 Frauen innerhalb von zehn Jahren, die nicht oder nur halbherzig untersucht worden seien.

Die Preise für investigativen Journalismus gingen an das „Wall Street Journal“ für einen Beitrag über Patientendaten bei Krankenversicherungen und an die „New York Times“ („NYT“), die die Macht von Lobbyisten im Kongress in Washington beschrieben hat. Die „NYT“-Redaktion wurde zudem kollektiv für ihre Berichterstattung über die tödliche Ebola-Epidemie in Westafrika geehrt. Zudem wurde der freie Fotograf Daniel Berehulak für seine Fotos zur Ebola-Epidemie ausgezeichnet.

Den Pulitzer-Preis für Nachrichtenfotos erhielten die Fotografen der Zeitung „St. Louis Post-Dispatch“ für ihre Abdeckung der Unruhen in Ferguson. Die „Los Angeles Times“ erhielt ihrerseits zwei Preise für Features und Kommentare.

Auszeichnung für US-Autor Anthony Doerr

Der diesjährige Pulitzer-Preis für Literatur bekommt Anthony Doerr für seinen Weltkriegsroman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ über die Begegnung eines französischen Mädchens und eines deutschen Buben während der Nazi-Zeit. Der Amerikaner Doerr werde für seinen „einfallsreichen und komplexen Roman, der von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs inspiriert ist“ gewürdigt, hieß es vom Preiskomitee in New York.

Der Preis für die beste Lyrik ging an Gregory Pardlo, der Preis für das beste Sachbuch an Elizabeth Kolbert über das Massensterben von Arten. Den Pulitzer-Preis für das beste Geschichtsbuch erhält Elizabeth A. Fenn für ein Werk über die Mandan-Indianer. Der Pulitzer-Preis wurde heuer zum 99. Mal vergeben. Derzeit gibt es ihn in 21 Sparten, 14 davon sind für journalistische Arbeiten.

IT

IBM: Schwindende Umsätze abseits von Cloud-Diensten

Der Computerkonzern IBM hat mit Umsatzrückgängen in den meisten seiner Geschäftsbereiche zu kämpfen. Im vergangenen Quartal sackten die Erlöse im Jahresvergleich um 11,9 Prozent auf rund 20 Milliarden Dollar (18 Mrd. Euro) ab. Besonders deutlich war der Rückgang im Hardware-Geschäft mit mehr als 22 Prozent.

Bei den zukunftsträchtigen Cloud-Diensten gab es dagegen ein Plus von 60 Prozent. Das stützte den Gewinn, der um 2,4 Prozent auf 2,3 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. Euro) sank, wie IBM gestern nach US-Börsenschluss mitteilte. Das Ergebnis übertraf die Markterwartungen. Die Aktie drehte dennoch ins Minus, nachdem sie nachbörslich zunächst mehr als zwei Prozent zugelegt hatte.

Nokia will angeblich zurück ins Handygeschäft

Der einstige Handyweltmarktführer Nokia plant laut einem Medienbericht die Rückkehr ins Geschäft mit Mobiltelefonen. Ein möglicher Termin sei Anfang kommenden Jahres, schrieb das gewöhnlich gut informierte US-Technologieblog Recode gestern unter Berufung auf Insider. Dann dürfe Nokia gemäß den Verträgen mit Microsoft wieder Handys unter eigenem Namen verkaufen.

Nokia hatte vor rund einem Jahr den Verkauf seiner Mobilfunksparte an Microsoft abgeschlossen. Der Windows-Konzern zahlte 3,8 Milliarden Euro als Kaufpreis plus 1,65 Milliarden Dollar für Patentlizenzen auf zehn Jahre. Inzwischen verkauft Microsoft Smartphones unter dem eigenen Markennamen.

Nokia konzentrierte sich seitdem auf das Geschäft als Netzwerkausrüster - und nimmt in diesem Bereich mit der geplanten Übernahme des Konkurrenten Alcatel-Lucent die Weltspitze ins Visier. Ins Verbrauchergeschäft kehrten die Finnen bereits vorsichtig mit dem Android-Tablet Nokia N1 zurück. Es wurde von Nokia entwickelt und das Design an einen anderen Hersteller lizenziert.

Bei den Mobiltelefonen würde Nokia wohl ähnlich verfahren, hieß es bei Recode. Der Konzern hatte seine Fertigung an Microsoft abgetreten und wolle keine neue aufbauen.

Science

Gesundheit

Ebola: WHO stellt sich desaströses Zeugnis aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesteht gravierende Versäumnisse bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika ein. In ungewöhnlich deutlichen Worten sagte WHO-Chefin Margaret Chan gestern, dass die anfängliche Reaktion der UNO-Sonderorganisation zu langsam und unzureichend erfolgt war. Man habe „Lektionen der Demut“ gelernt und wolle die Organisation grundlegend reformieren, um beim nächsten großen Ausbruch besser vorbereitet zu sein. Denn kommen werde er bestimmt, so Chan.

Mehr dazu in WHO gibt sich demütig

Kultur

Budapest: Burg-Schauspieler sorgt für Eklat bei Festival

Burg-Schauspieler Martin Reinke hat bei einem Theaterfestival in Budapest einen Eklat ausgelöst. Er verlas am Ende eines Gastspiels des Wiener Burgtheaters überraschend im ungarischen Nationaltheater eine Erklärung, in der er die rechtsnationale ungarische Regierung kritisierte. Gestern verlangte der Direktor des Nationaltheaters, Attila Vidnyanszky, für diesen Vorgang eine Erklärung von Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann.

Das Burgtheater ist ebenso wie das Hamburger Thalia Theater und andere Bühnen Europas bei dem Festival MITEM zu Gast, das vom Nationaltheater organisiert wird. Zum Programm gehörte die Burgtheater-Aufführung von Anton Tschechows „Die Möwe“ mit Reinke in der Rolle des Jewgeni Sergejewitsch Dorn.

Reinke wies auf „schwere Situation“ hin

Am Ende der Vorstellung gestern Abend äußerte Reinke Sorgen um die „schwere Situation“ des ungarischen Volkes und der Kultur und beklagte, dass sich das Land unter Ministerpräsident Viktor Orban „immer mehr vom Geist der Demokratie und von Europa entfernt“.

Vonseiten des Burgtheaters hieß es gegenüber der APA, dass man ursprünglich im Rahmen eines Publikumsgesprächs mit Jan Bosse mit den Besuchern in Dialog treten wollte. Nachdem Bosse nicht anreiste, sei es den Schauspielerin wichtig gewesen, ihre Besorgnis betreffend der aktuellen Entwicklung anderweitig auszudrücken.

Von Orban eingesetzter Theaterdirektor

Vidnyanszky ist ein offener Verteidiger von Orbans Politik. Er brachte das 2013 auch in einer Inszenierung von Paul Claudels „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ zum Ausdruck. Darin gab es Anspielungen, mit denen Kritik der EU an Orbans Politik lächerlich gemacht wurde.

Vidnyanszky übernahm das Budapester Nationaltheater im Sommer 2013 auf Druck der Regierung. Er löste Robert Alföldi ab, der wegen seiner liberalen Anschauungen und wegen seiner Homosexualität der Regierung ein Dorn im Auge war.

Leute

Whitney Houstons Tochter: Irreversible Gehirnschäden

Whitney Houstons Tochter, Bobbi Kristina Brown, hat nach Angaben ihrer Großmutter Cissy Houston einen schweren Gehirnschaden erlitten. In einer von den Promiportalen „TMZ.com“ und „People.com“ veröffentlichten Mitteilung gibt Houston an, ihre Enkelin gerade im Krankenhaus besucht zu haben. Sie befinde sich nicht mehr in einem künstlichen Koma. Die 22-jährige zeige aber keine Reaktionen und nach Auskunft der Ärzte habe sie „irreversible“ Gehirnschäden erlitten. Sie könnten nur noch auf ein Wunder hoffen, heisst es in der Mitteilung.  

Brown war am 31. Januar von ihrem Freund Nick Gordon reglos in einer Badewanne in ihrem Haus im US-Staat Atlanta gefunden worden. Die Umstände des Vorfalls sind noch ungeklärt. Sie wurde an lebenserhaltende Apparate angeschlossen.

Bobbi Kristina ist das einzige Kind von Popstar Whitney Houston und R&B-Sänger Bobby Brown. Whitney Houston war im Februar 2012 im Alter von 48 Jahren tot in einem Hotelzimmer in Los Angeles aufgefunden worden. Die Sängerin hatte Kokain genommen und war in einer Badewanne ertrunken. Ihr Tod wurde als Unfall eingestuft. 

AC/DC-Schlagzeuger Rudd wegen Morddrohung vor Gericht

Wegen einer Morddrohung muss sich der AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd heute im neuseeländischen Tauranga vor Gericht verantworten. Der Prozess gegen den 60 Jahre alten Drummer der legendären Hardrockband dauert wahrscheinlich nur einen Tag. Bei einer Verurteilung drohen ihm sieben Jahre Haft. Der Musiker ist auch wegen Drogenbesitzes angeklagt.

Rudd hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, er habe im September einen Handwerker angerufen, der für ihn gearbeitet hatte, und ihm gedroht, ihn und seine Tochter umzubringen. AC/DC ist zurzeit ohne Rudd auf Tournee. Stattdessen sitzt Chris Slade am Schlagzeug.