Ausland

Untersuchungshaft für 17 türkische Journalisten

Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei hat die Justiz des Landes in der Nacht für 17 Journalisten eine Untersuchungshaft angeordnet. Den Betroffenen werde Mitgliedschaft in einer „terroristischen Vereinigung“ vorgeworfen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. 21 Reporter waren gestern einem Richter vorgeführt worden, vier von ihnen wurden wieder freigelassen.

Unter den Reportern, für die eine Untersuchungshaft angeordnet wurde, ist auch die bekannte Journalistin und frühere Abgeordnete Nazli Ilicak. Der frühere „Hürriyet“-Journalist Bülent Mumay kam hingegen wieder auf freien Fuß.

Seit dem gescheiterten Umsturzversuch Mitte Juli wurden bereits mehr als 130 türkische Medien geschlossen und dutzende Journalisten festgenommen. Ihnen werden Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nachgesagt, den Ankara als Drahtzieher des Putschversuchs verdächtigt. Dieser weist das zurück.

Schotten trotz „Brexit“ gegen Unabhängigkeit

Die meisten Schotten lehnen einer Umfrage zufolge trotz des „Brexit“-Votums eine Loslösung von Großbritannien ab. Wie eine heute veröffentlichte Erhebung des Institutes YouGov ergab, wollen 53 Prozent Teil des Königreiches bleiben, während 47 Prozent dagegen sind. Noch deutlicher ist der Abstand, wenn man zwischen einem Verbleib in Großbritannien (46 Prozent) und einem unabhängigen Schottland bei gleichzeitiger EU-Mitgliedschaft (37 Prozent) wählen müsste.

Bei dem Referendum am 23. Juni hatten die Schotten anders als Engländer und Waliser für einen Verbleib in der EU gestimmt. Die nationalistische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat deswegen erneut eine Unabhängigkeit ins Gespräch gebracht. Den Schritt hatten die Schotten im Jahr 2014 mit einer Mehrheit von 55 Prozent abgelehnt.

Die neue Premierministerin Theresa May will die seit über 300 Jahren bestehende Union zwischen England und Schottland auf jeden Fall erhalten. Der Austrittsantrag soll in Brüssel erst gestellt werden, wenn über die Verhandlungspositionen auch mit den einzelnen Regionen des Königreiches Einvernehmen besteht. Ein Knackpunkt in den Scheidungsgesprächen mit der EU dürfte der Verbleib im Europäischen Wirtschaftsraum werden.

Putin zum Weltkriegsgedenken in Slowenien

Mitten in der Eiszeit zwischen dem Westen und Russland besucht Kremlchef Wladimir Putin heute Slowenien. In dem EU- und NATO-Land nimmt er an der Gedenkfeier für 300 russische Kriegsgefangene teil, die vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg am slowenischen Vrsic-Pass von einer Lawine getötet worden waren.

Daneben will der russische Präsident auf dem Zentralfriedhof von Ljubljana ein neues Soldatendenkmal einweihen. Slowenische Medien hofften im Vorfeld der Visite auf einen symbolischen Schritt in Richtung Aufhebung der EU-Handelssanktionen gegen Russland wegen der Krim-Annexion. Das größte Land der Erde ist der wichtigste slowenische Handelspartner außerhalb der EU.

Der kurze Besuch, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, wird wegen Straßensperren erhebliche Verkehrsstörungen auch in Österreich verursachen.

Brasilianische Justiz leitet Verfahren gegen Lula ein

Brasiliens früherer Präsident Luiz Inacio Lula da Silva muss sich wegen Behinderung der Justiz vor Gericht verantworten. Dem linken Politiker werde vorgeworfen, die Ermittlungen zur Korruptionsaffäre um den staatlichen Ölkonzern Petrobras behindert zu haben, sagte ein Sprecher des Justizministeriums gestern.

Der Skandal um den Ölkonzern erschüttert die brasilianische Politik seit Jahren. Neben Lulas Arbeiterpartei sind auch diverse andere Parteien verwickelt.

Justiz blockierte Ernennung zum Stabschef

Gegen Lula wird unter anderem wegen des Verdachts auf Begünstigung durch einen Baukonzern ermittelt. Als Präsidentin Dilma Rousseff im März ihren langjährigen Freund und Mentor als Stabschef der Regierung ernannte, wurde das von der Justiz blockiert, da der Posten ihm Immunität und damit Schutz vor einem drohenden Korruptionsverfahren verschafft hätte. Inzwischen wurde Rousseff selbst im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens als Präsidentin suspendiert und durch ihren Vize Michel Temer abgelöst.

In die Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras sind Geschäftsleute und Politiker verschiedener Parteien verwickelt. Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Petrobras wiederum zahlte ebenfalls Bestechungsgeld an Politiker. Allein Lulas Arbeiterpartei soll bis zu 200 Millionen Dollar erhalten haben.

Mehr als 3.400 Flüchtlinge im Mittelmeer geborgen

Internationale Einsatzkräfte haben innerhalb nur eines Tages mehr als 3.400 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer geborgen. Insgesamt mussten die Retter zu 34 Einsätzen ausrücken, wie die italienische Küstenwache gestern Abend mitteilte. Die Geretteten waren mit 28 Schlauchbooten und sechs weiteren kleinen Booten auf dem Weg über das Mittelmeer in Richtung Italien, als sie in Seenot gerieten.

Auch die privaten deutschen Rettungsmissionen „Sea Watch“, „Sea Eye“ und „Jugend Rettet“ waren nach Angaben der Küstenwache an den Einsätzen beteiligt. Auch englische und irische Marineschiffe brachten einige der Menschen in Sicherheit.

Eine Million Binnenflüchtlinge im Irak befürchtet

Angesichts heftiger Gefechte im Irak befürchtet das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, dass in dem Land in den kommenden Wochen bis zu eine Million Menschen vor Gewalt fliehen müssen. „Die Situation ist unvorhersehbar, und wir müssen uns für das Schlimmste wappnen“, erklärte Regionaldirektor Robert Mardini. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich insbesondere die Kämpfe in der Region um Mossul verschärften.

Mardini sagte, schon jetzt seien im Irak rund zehn Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Mehr als drei Millionen seien im Land vertrieben worden. Das Rote Kreuz bat angesichts der heiklen Lage um zusätzliche Spenden von gut 15 Millionen Euro.

US-Demokraten Opfer eines weiteren Hackerangriffs

Die US-Demokraten sind Opfer eines weiteren Hackerangriffs geworden. Auch auf das Wahlkampfkomitee DCCC habe es eine Cyberattacke gegeben, berichtete eine Sprecherin gestern. Der Vorfall werde untersucht. Er weise Ähnlichkeiten zu dem Angriff auf den Parteivorstand auf, bei dem sich Hacker Zugriff zu fast 20.000 E-Mails verschafft hatten.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte die Mails vor einer Woche veröffentlicht. Die E-Mails legten parteiinterne Störmanöver gegen Hillary Clintons Rivalen Bernie Sanders offen. Das sorgte für einen Skandal, der am Montag schließlich zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz führte.

Clintons Wahlkampfteam und IT-Experten machten Russland für die Veröffentlichung verantwortlich. Moskau wies das zurück. Das FBI ermittelt in beiden Fällen. Das DCCC unterstützt demokratische Politiker, die sich um einen Sitz im Repräsentantenhaus bewerben, im Wahlkampf.

Inland

Novelle soll aufgezwungenen Namen Garaus machen

Das österreichische Namensrecht könnte eine Änderung erfahren und das in einem ganz speziellen Fall. Eine Initiative der Grün-Abgeordneten Berivan Aslan sieht vor, dass Namen, die Personen nur als Folge der Unterdrückung (ihrer Volksgruppe) tragen, kostenlos geändert werden können. Profitieren davon würden wohl vor allem Vertreter türkischer Minderheiten wie Kurden, Armenier und Aramäer.

Der Antrag Aslans liegt seit Juli im Innenausschuss des Nationalrats, im Herbst wird mit den Koalitionsparteien auszuloten sein, ob diese eine entsprechende Novelle des Namensänderungsgesetzes befürworten. Schon bisher gibt es elf konkrete Gründe für die Zulässigkeit einer Namensänderung sowie eine allgemeine Klausel, durch die man die Behörden von der Notwendigkeit einer Namensänderung überzeugen kann.

Name von Regime aufgenötigt

Aslan, die selbst kurdenstämmig ist, hat als ersten Vornamen das türkische Aygül, verwendet jedoch bei öffentlichen Auftritten ihren zweiten Vornamen, das kurdische Berivan. Sie argumentiert damit, dass nach der Gründung der türkischen Republik in den 1920er-Jahren sowohl Vor- als auch Familiennamen bei Angehörigen von Minderheiten fremdbestimmt und aufgezwungen waren.

Vormals türkische Staatsbürger, denen im Zuge der ethnischen Verfolgung in der Türkei ihre ursprünglichen Namen verboten und „türkische“ Namen aufgezwungen worden seien, wollten nun gerne ihre ursprünglichen Namen wieder führen, schreibt Aslan in der Begründung ihres Antrags. Dieser Wunsch sollte nach Meinung der Mandatarin als wichtiger Grund anerkannt und gebührenfrei abgewickelt werden.

„Bin ruiniert“: Grasser kritisiert Staatsanwaltschaft

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos) ist sich bei der Privatisierung der Bundeswohnungen und beim Linzer Terminal Tower keiner Schuld bewusst und wehrt sich gegen die Anklage wegen Korruptionsverdachts. „Die Staatsanwaltschaft hat schlecht gearbeitet, denn es gibt in dieser Anklage bezeichnenderweise weder einen Zeugen noch einen Beweis“, sagte Grasser zur „Kronen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe).

Der Ex-Finanzminister (2000 bis 2007) sieht sein späteres privatwirtschaftliches Berufsleben durch die siebenjährigen Ermittlungen stark beeinträchtigt: „Mein gesamtes wirtschaftliches System ist zusammengebrochen, ich bin ruiniert.“

Er habe „immer wieder versucht, irgendetwas aufzubauen, und es ist ein kleines Pflänzchen gewachsen - und dann sind halt die nächsten Schlagzeilen gekommen und die nächsten Einvernahmen und Beschuldigungen, und das Pflänzchen war wieder weg“. Von seinen Ersparnissen sei „ein bisschen noch übrig“, aber das hänge davon ab, wie das Steuerverfahren ausgehe.

Anklageschrift für Grasser „ein Kriminalroman“

„Da entsteht der Eindruck, dass sieben Jahre lang negative Energie in dieses Verfahren gesteckt wurde mit der Zielsetzung, mir etwas anzuhängen“, so der ehemalige Finanzminister in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zur Anklageentscheidung vergangene Woche.

Die Anklage sei bis zur Seite 390 von 825 Seiten „ein Kriminalroman“, den Rest habe er noch nicht lesen können. „Alle strafrechtlichen Vorwürfe gegen mich sind falsch. Da wird etwas konstruiert, was mit viel Phantasie eine theoretische Möglichkeit ist, mit der Wahrheit aber nichts zu tun hat“, kritisierte Grasser die Anklageschrift.

Arbeitskonflikt: Wiener Spitalsärzte gehen auf Barrikaden

„Überfallsartig“ habe der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) die Streichung von 40 Nachtdiensten und die Umstellung auf mehr 12,5-Stunden-Dienste für seine Spitalsärzte beschlossen: Das kritisiert Ärztekammer-Wien-Präsident Thomas Szekeres. Daher befragt die Ärztekammer erneut die Ärzte zu ihrer Streikbereitschaft. Die Fronten sind verhärtet. Für den KAV sind die Vorwürfe seitens der Ärztekammer ein „gröberes Missverständnis“.

Mehr dazu in KAV spricht von Falschmeldungen

Wirtschaft

Neuer ÖBB-Chef setzt Priorität im Güterverkehr

Der neue ÖBB-Chef Andeas Matthä will die Strategie nicht grundsätzlich ändern, aber „der Güterverkehr mit europaweit extrem harten Wettbewerb hat natürlich Priorität“, sagte er dem „Standard“ (Wochenend-Ausgabe). Der Schienengüterverkehr stehe unter enormem Druck. Österreich habe aber dank seiner Lage viele Vorteile. Für die Internationalisierung sei der Hafen Koper sehr wichtig.

Die ÖBB arbeiten an Logistiklösungen mit der Türkei, Bulgarien, Rumänien aber die Wirtschaftsströme aus Polen, Russland und Tschechien Richtung Italien seien für die Geschäftsentwicklung auch relevant. Eine zusätzliche Förderung über 50 Mio. Euro, wie von Matthäs Vorgänger Christian Kern, inzwischen Bundeskanzler, gefordert, wird es nicht geben. „Die 50 Millionen müssen wir uns selbst erarbeiten“, so Matthä.

Auch ein Verkauf der Gütersparte steht nicht an: „Also, ich sehe keine Käuferschlangen. Wir sind die drittgrößte Güterbahn in Europa, und die Mitbewerber stehen selbst unter Druck. Wir haben eine starke Position, und aus der heraus müssen wir die Internationalisierung vorantreiben, nicht flächendeckend, aber entlang der Hauptachsen“, so der Bahnchef im Gespräch mit dem „Standard“.

GB: Erste „Brexit“-Auswirkungen auf Wirtschaft

Der Schock des britischen EU-Austrittsvotums belastet die Wirtschaft der Insel zusehends. Der Index für das Verbrauchervertrauen ist dramatisch gesunken, auch die Umfragen unter Unternehmern zeichnen ein ähnliches Bild. Und praktisch täglich vermelden Unternehmen pessimistischere Gewinnprognosen, eingedampfte Wachstumspläne und bereits erste Kündigungen.

Mehr dazu in Hiobsbotschaften mehren sich

Rumänien: Stellvertretender Notenbankchef festgenommen

Wegen Korruptionsverdacht haben die Behörden in Rumänien den stellvertretenden Zentralbankchef in Gewahrsam genommen. Bogdan Olteanu werde vorgeworfen, im Jahr 2008 eine Million Euro zur Beeinflussung der Regierung angenommen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit. Olteanus Anwalt sagte, sein Mandat weise jegliches Fehlverhalten zurück.

Der Beschuldigte werde jedoch am Montag seinen Rücktritt bekanntgeben. Olteanu ist seit 2009 Mitglied im neunköpfigen Zentralbankrat. Von 2006 bis 2008 war er Präsident der Abgeordnetenkammer. Rumänien zählt zu den korruptesten EU-Mitgliedsländern. Brüssel hat das Justizsystem des osteuropäischen Staates unter besondere Beobachtung gestellt.

Sport

Erste Liga: LASK siegt in hitzigem Derby

Der LASK hat heute Abend zum Abschluss der zweiten Runde der Ersten Liga das Linzer Derby gegen Blau Weiß gewonnen. Verteidiger Felix Luckeneder fixierte mit einem Doppelpack den Sieg im Prestigeduell.

Der LASK war im Paschinger Waldstadion über weite Strecken die klar dominierende Mannschaft. Dennoch war die Partie knapp, weil auch Blau Weiß in dem hitzigen Duell zu guten Chancen kam, sogar einen Elfmeter vergab und in der Schlussphase den Anschlusstreffer erzielte.

Mehr dazu in sport.ORF.at

ÖFB: Verband arbeitet EM-Pleite auf

Vor 37 Tagen verabschiedete sich das Nationalteam mit dem 1:2 gegen Island vorzeitig von der EM-Endrunde 2016 in Frankreich. Es war der passende Schlusspunkt eines verkorksten Turniers.

Nun präsentierte die ÖFB-Spitze rund um Teamchef Marcel Koller, Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner das Ergebnis ihrer Analyse. Das Fazit: Die in Sachen EM unerfahrene Mannschaft war der Erwartungshaltung nicht gewachsen. Dazu seien manche Spieler nicht in bester Verfassung gewesen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Stau in Kärnten schon seit den Morgenstunden

In Kärnten ist es heute bereits in den frühen Morgenstunden zu Staus vor dem Karawankentunnel gekommen. Offensichtlich wollten zahlreiche Urlauber noch in der Früh durch den Tunnel, der ab 11.00 Uhr gesperrt wird. Laut ASFINAG war der Stau auf der Karawankenautobahn (A11) zehn Kilometer lang, die Wartezeit wurde mit eineinhalb Stunden angegeben.

Der Stau wird durch umfangreiche Straßensperren wegen eines Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Slowenien ausgelöst. Dort ist unter anderem die Autobahn zwischen Ljubljana und der österreichischen Staatsgrenze gesperrt, weshalb auch der Karawankentunnel zwischen Kärnten und Slowenien geschlossen wird.

Absolute Sperre seit 9.00 Uhr

Auf Kärntner Seite war vorgesehen, die Karawankenautobahn ab 9.00 Uhr ab dem Knoten Villach zu sperren - damit will man verhindern, dass Urlauber noch auf die A11 gelangen und dann vor dem gesperrten Tunnel warten müssen. Die Tunnelsperre soll nämlich erst um 18.00 Uhr wieder aufgehoben werden.

Besonders auf der Tauernautobahn (A10) vor dem Knoten Villach erwartete die ASFINAG umfangreiche Staus. Ausweichen können Urlauber auf dem Weg in Richtung Slowenien oder Kroatien über die Südautobahn (A2) über Arnoldstein, Udine und Triest. Die zweite Ausweichroute führt über die A2 in Richtung Graz und dann über die Pyhrnautobahn (A9) zum Grenzübergang Spielfeld.

IT

Erfolge für Europol bei Jagd auf „meistgesuchte Verbrecher“

Die europäische Polizeibehörde Europol hat dank einer neuen Internetplattform wichtige Erfolge bei der Jagd auf die „meistgesuchten Verbrecher“ Europas verzeichnet. Bei „mindestens acht Festnahmen“ habe es einen „direkten“ Zusammenhang zwischen der Lokalisierung der Verdächtigen und der neuen Website www.eumostwanted.eu gegeben, teilte Europol gestern mit.

14 Gesuchte, deren Fotos und Lebensläufe seit Jahresbeginn auf die Website gestellt wurden, seien inzwischen hinter Gittern. Die Website wurde den Angaben zufolge millionenfach angeklickt. Zu den Fahndungserfolgen zählte die Festnahme des 64-jährigen rumänischen „Yoga-Lehrers und geistigen Mentors“ Gregorian Bivolaru in Paris.

Er soll nach Rumänien ausgeliefert werden, wo ihm ein Prozess wegen Kindesmissbrauchs und Kinderpornografie bevorsteht. Auch der 46-jährige italienische Mafioso Ernesto Fazzalari wurde im Juni festgesetzt. Er soll sich wegen Mordes verantworten.

Aus Österreich Tibor Foco und Hime Lufaj auf Liste

Eine Europol-Sprecherin sagte, viele der Festgenommenen seien in anderen Ländern Europas gefasst worden als jenen, aus denen sie selber stammten. Das zeige den Nutzen der Kooperation. Festgenommen wurden auch der Paris-Attentäter Salah Abdeslam und der Terrorverdächtige Mohamed Abrini - in diesen Fällen bestand aber kein direkter Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung der Steckbriefe auf der Website und dem Fahndungserfolg.

Jede nationale Polizeibehörde von Europol kann jeweils zwei Gesuchte auf die „Most Wanted“-Liste stellen. Aus Österreich sind der seit mehr als 20 Jahren auf der Flucht befindliche Tibor Foco und Hime Lufaj, dem der versuchte Mord an einem Polizisten zur Last gelegt wird, aufgelistet.

Gegenwärtig sind dort auch zwei Frauen zu finden - die 29-jährige Zyprerin Efi Irodotou, die wegen Mordes gesucht wird, und die 30-jährige Finnin Cecilia Kettunen, der schwerer Betrug zur Last gelegt wird.

Religion

Science

Kultur

Harry-Potter-Bühnenstück feiert Premiere in London

Das neue Theaterstück über den Roman- und Filmhelden Harry Potter, „Harry Potter and the Cursed Child“ („Harry Potter und das verwunschene Kind“) feiert heute in London Premiere.

Zu der Matinee des zweiteiligen Bühnenwerks wird auch die Autorin J. K. Rowling im Londoner Palace Theatre erwartet. Das Stück schließt an die bisherigen sieben Potter-Romane an.

Harry Potters Sohn richtet Unheil an

Im Mittelpunkt steht inzwischen die nächste Generation: Harry Potters jüngster Sohn Albus Severus und sein bester Freund Scorpius Malfoy richten mit einer Zeitmaschine Unheil an.

Britische Zeitungen feierten das Bühnenwerk, das bereits seit Anfang Juni in Previews gezeigt wird, durchgehend als gelungen. In der Nacht von heute auf morgen wird das Theaterskript als Buch veröffentlicht. Deutschsprachige Potter-Fans müssen noch bis zum 24. September auf eine übersetzte Version warten.

Porträt von Elizabeth I. für über zwölf Mio. Euro versteigert

Ein berühmtes Porträt der englischen Königin Elizabeth I. ist für umgerechnet mehr als zwölf Millionen Euro versteigert worden - und bleibt dank mehr als 8.000 Spendern in Großbritannien. Wie das Auktionshaus Christie’s gestern mitteilte, ging das sogenannte „Armada Portrait“ eines unbekannten Meisters an die Royal Museums Greenwich, einen Zusammenschluss von vier Londoner Museen.

Portät von Queen Elizabeth I.

APA/AFP/Justin Tallis

Das lebensgroße Gemälde der Königin stammt von einem unbekannten Meister und dürfte etwa 1590 entstanden sein. Das „Armada Portrait“ soll künftig im Haus der Königin in Greenwich im Südosten Londons ausgestellt werden. Das Gemälde zählte über die Jahrhunderte zum Familienbesitz der Nachfahren von Sir Francis Drake.

Insgesamt drei Gemälde

Der Seefahrer Drake war 1588 maßgeblich am englischen Sieg gegen die spanische Kriegsflotte Armada beteiligt. Die Stiftung Art Fund hatte das nötige Geld gesammelt, um das Bild erwerben zu können, und damit dafür zu sorgen, dass es weiter in Großbritannien der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Von dem Motiv gibt es insgesamt drei Gemälde - eines hängt in der Londoner Portrait Gallery, ein weiteres in der Woburn-Abtei im südostenglischen Befordshire. Das nun versteigerte „Armada Portrait“ ist ein querformatiges Ölbild. Die Darstellung der sitzenden Tudor-Königin mit der Niederlage der Armada im Hintergrund prägte das Bild von Elizabeth I. über die Jahrhunderte.

Bayreuther „Siegfried“ heftig ausgebuht

Buh-Konzert bei den Bayreuther Festspielen: Der „Siegfried“ in der umstrittenen Inszenierung von Frank Castorf ist gestern Abend von weiten Teilen des Publikums heftig ausgebuht worden. Der Intendant der Volksbühne Berlin verlegt die Sage vom jungen Mann, der keine Furcht kennt, einen Drachen tötet und die Liebe findet, vor der Kulisse eines kommunistischen Mount Rushmore - Marx, Lenin, Stalin und Mao überdimensional in Stein gemeißelt.

Die andere Seite der massiven Drehbühne (Aleksandar Denic) ziert der Berliner Alexanderplatz, auf dem Plastikkrokodile umherkrabbeln - Ideen, die in Bayreuth längst nicht allen gefielen. Genau das Gegenteil galt für die Sänger. Das gesamte Ensemble wurde gefeiert, Stefan Vinke als Siegfried, Catherine Foster als Brünnhilde und John Lundgren als wandernder Wotan sogar frenetisch.

Auch Dirigent Marek Janowski, der Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in diesem Jahr von Kirill Petrenko übernommen hat, erntete einen Jubelsturm. Heute macht der „Ring“ eine Pause und überlasst dem „Fliegenden Holländer“ die Bühne. Morgen gibt es dann das große „Ring“-Finale mit der „Götterdämmerung“. Danach wird sich voraussichtlich auch Regisseur Castorf dem Publikum zeigen.