Inland

Grenzkontrollen: Mitterlehner sieht „Hilfeschrei“

ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner sieht im Vorschlag mehrerer Landeshauptleute, angesichts des starken Flüchtlingsstromes temporäre Grenzkontrollen als letzte Konsequenz einzuführen, einen „Hilfeschrei“.

Eine solche Maßnahme wäre „eigentlich sehr problematisch“, sagte er heute bei einer Pressekonferenz nach dem Parteivorstand. Letztlich könnten Verfahren gegen Österreich drohen.

„Der Assistenzeinsatz ist wirklich das letzte Mittel“, räumte Mitterlehner zum Thema Grenzkontrollen ein. Das würden auch jene Landeshauptleute so sehen, die einen solchen angedacht hatten. Letztlich würden Grenzkontrollen auch der internationalen Reputation Österreichs schaden.

Der ÖVP-Chef interpretiert die Aussagen allerdings ohnehin als „Hilfeschrei, um auf die Problematik einer Quotenregelung aufmerksam zu machen“. Auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sieht die derzeit geführte Diskussion ähnlich. Kein Mensch wolle die „Grenzen hochziehen“, sagte sie am Rande des Parteivorstandes. Wichtig sei nun eine faire europäische Regelung zu den Quoten.

Debatte über Sozialindex für Schulen

Die FPÖ hat sich vehement gegen eine Finanzierung von Schulen anhand eines Sozialindex ausgesprochen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) „verwechselt das Unterrichts- mit dem Sozialministerium“, kritisierte FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz heute in einer Aussendung. Die Arbeiterkammer (AK) drängt dagegen auf eine rasche Umsetzung der neuen Schulfinanzierung.

„Fataler Fehler“ versus „wichtiger Schritt“

Mit einer Schulfinanzierung nach sozialen Gesichtspunkten bei der Zusammensetzung der Schüler begehe die Ministerin „den fatalen Fehler, Schulen zu Sozialeinrichtungen zu machen. In erster Linie sind Schulen jedoch Bildungseinrichtungen und erst in zweiter Linie Sozialeinrichtungen“, so Rosenkranz.

AK-Präsident Rudolf Kaske hält einen solchen Sozialindex dagegen für „einen wichtigen Schritt Richtung Chancengerechtigkeit“. „Österreich bekommt Jahr für Jahr ungleiche Chancen im Bildungssystem nachgewiesen. Dagegen müssen wir etwas tun“, meinte Kaske. Schulen sollten umso mehr Mittel bekommen, je mehr sozial benachteiligte Schüler sie haben.

ÖVP-Spitze gegen Lopatkas Idee zu mehr Schulden

ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka hat für seinen Überlegung in einem „Standard“-Interview von heute, eine Steuerreform allenfalls auch durch höhere Schulden zu finanzieren, in der Parteispitze durchwegs Absagen geerntet. Parteichef Reinhold Mitterlehner stellte vor dem ÖVP-Vorstand klar, dass das nicht Parteilinie ist.

Lopatka hatte im Zeitungsinterview gesagt: „Wenn eine Steuerreform der Wunsch der Regierung ist, dann muss man kurzfristig für ein oder zwei Budgets ein höheres Defizit in Kauf nehmen. Man muss aber die gesamte Legislaturperiode sehen.“ Es könne jedenfalls nicht darum gehen, neue Steuern zu erfinden. Entscheidend sei die Ausgabenseite, so Lopatka.

Mitterlehner: Idee ergibt „keinen Sinn“

Mitterlehner betonte vor dem Parteivorstand gegenüber Journalisten, dass es sich bei Lopatkas Vorschlag nicht um die Linie der Gesamtpartei handle. Laut Mitterlehner ergibt ein höheres Defizit zugunsten einer Steuerreform „keinen Sinn“ und: „Das ist eine Idee, die nicht eine Idee der Steuerreformgruppe ist.“

Kurz angebunden, wenn auch sehr direkt kommentierte der neue Finanzminister Hans Jörg Schelling Lopatkas Überlegungen. Auch er sprach von einer „individuellen Meinung“, ehe er zur Vorstandssitzung ging.

Wirtschaftsbund pocht auf Reformen

Auch im ÖVP-Wirtschaftsbund zeigte man sich gar nicht erfreut über die Aussagen des ÖVP-Klubobmannes. „Davon halte ich gar nichts“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsbundes, Christoph Leitl. Auf der Basis neuer Schulden könne man keine Entlastungen machen.

Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner stieß ins gleiche Horn: Es sei ganz klar, dass man eine Steuerreform nur aufgrund von Ausgabenreformen finanzieren könne. Alles andere sei Lopatkas persönliche Meinung.

Ausland

Faymann telefonierte mit Putin wegen Ukraine-Krise

Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Russlands Präsident Wladimir Putin haben sich gestern in einem 20-minütigem Telefonat „für eine ehebaldigste Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und der EU“ ausgesprochen.

Putin würdigte dabei auch die Bedeutung Wiens als Ort internationaler Verhandlungen. Von konkreten Friedensverhandlungen war dabei aber nicht die Rede. Das stellte das Bundeskanzleramt nun in einer Reaktion auf Medienberichte klar, wonach Putin Friedensgespräche in Wien vorgeschlagen habe.

Allgemeine Wertschätzung

Vielmehr habe Russlands Präsident eher allgemein seine Wertschätzung für die traditionelle Vermittlerrolle Österreichs zum Ausdruck gebracht, hieß es aus dem Büro Faymanns. Putin habe erwähnt, dass ihm Wien als „Ort für Friedensverhandlungen“ bekannt sei. Weiter wurde das Thema aber nicht besprochen.

Faymann bekräftigte in diesem Gespräch die Position der EU: Es dürfe keine russischen Soldaten in der Ukraine geben, und es sei selbstverständlich, dass die Souveränität und Integrität der Ukraine gewahrt werden müssen. Die Grenzen müssten überwacht und respektiert werden, und Russland müsse den Friedensprozess in der Ukraine unterstützen.

Putin sieht positive Schritte

Putin sagte, dass es eine schrittweise positive Entwicklung der Situation in der Ukraine gebe und er den Beitrag Österreichs zu einer friedlichen, diplomatischen Lösung zu schätzen wisse.

Faymann, der auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel über sein Gespräch mit Putin informierte, will im Zuge weiterer Konsultationen auch mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem bisherigen polnischen Regierungschef und künftigen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk über den Konflikt sprechen.

OSZE will Ukraine-Wahl mit 700 Beobachtern überwachen

Fast 700 OSZE-Wahlbeobachter werden am 26. Oktober den ordnungsgemäßen Ablauf der ukrainischen Parlamentswahl überwachen. Das teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) heute bei der Eröffnung ihres eigens für diese Mission eingerichteten Büros in Kiew mit.

Die Beobachter sollen demnach kontrollieren, „ob die internationalen Standards für demokratische Wahlen und die nationalen Gesetze eingehalten werden“.

Auch der Wahlkampf, die Medienberichterstattung und der Umgang mit Beschwerden werden den Angaben zufolge überwacht. Neben 16 OSZE-Experten in Kiew sollen 80 Langzeitbeobachter im ganzen Land stationiert werden, die am Wahltag Unterstützung von weiteren 600 Kollegen bekommen.

Keine US-Zusage für Waffenlieferungen an Ukraine

Die USA bleiben unterdessen trotz eindringlicher Bitten des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko hart und werden vorerst keine Waffen an die Ukraine liefern. Nach einem Treffen mit Poroschenko im Weißen Haus machte Präsident Barack Obama keine Zusagen für solche Lieferungen, sondern verwies lediglich auf Unterstützung zur „Sicherheit der Ukraine“.

USA setzen auf Diplomatie

Washington hatte Kiew bereits Hilfe in Höhe von 60 Millionen Dollar (46,4 Mio. Euro) zugesagt, unter anderem für Lebensmittel, Schutzwesten und Nachtsichtgeräte. Dieses Geld soll nun um weitere 46 Millionen Dollar (36,6 Mio. Euro) aufgestockt werden, wie das Weiße Haus gestern mitteilte.

Sieben Millionen Dollar seien außerdem für humanitäre Hilfe in der Ukraine gedacht. Nach Ansicht des Weißen Hauses sei der beste Weg, den Konflikt zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten durch Diplomatie zu lösen.

Ungarn erhöht Druck auf vom Ausland geförderte Vereine

Ungarns rechtsnationale Regierung verschärft den Druck auf Vereine, die Gelder aus dem Fonds Norway Grants (EEA) verwalten. Wie heute bekanntwurde, hat das Regierungskontrollamt beantragt, dass die Steuernummern aller vier entsprechenden Stiftungen vorübergehend suspendiert werden. Ohne Steuernummer kann eine Stiftung nicht arbeiten.

Über den Fonds EEA fördern die Nicht-EU-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein staatliche Institutionen und Vereine in Osteuropa. Die Führung hat dabei als größter Einzahler Norwegen. In Ungarn fördert EEA vor allem Projekte zum Kampf für Menschenrechte.

„Bezahlte politische Aktivisten“

Ministerpräsident Viktor Orban will, wie er sagte, gegen aus dem Ausland finanzierte Vereine vorgehen, da es sich dabei um „bezahlte politische Aktivisten“ handle, die in Ungarn „ausländischen Interessen“ dienten. Die Regierung argwöhnt zudem, dass die Stiftungen mit diesen Geldern ungarische Oppositionsparteien finanzieren.

Norwegen hat stets betont, dass der ungarische Staat nicht befugt sei, die Verwendung der Gelder aus dem EEA-Fonds zu kontrollieren, da es sich nicht um ungarische Steuergelder handle. 

Designierter EU-Kommissionsvize in Bankendeal verwickelt

Der frühere lettische Premier und designierte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis soll unter dubiosen Umständen in den Verkauf der Citadele-Bank an eine US-Finanzholding involviert sein.

Laut der Tageszeitung „Diena“ bestätigte Dombrovskis, dass er eine „Urlaubsreise“ mehrerer Politiker und an dem Deal beteiligter Geschäftsleute nach Georgien aus eigener Tasche bezahlt habe.

Notverstaatlichte Bank an US-Unternehmen verkauft

Diese Reise habe aber nichts mit dem geplanten Verkauf der aus der im Jahr 2008 notverstaatlichten Parex-Bank hervorgegangenen Citadele-Bank an das US-Unternehmen Ripplewood Holdings zu tun, so der ehemalige Regierungschef laut „Diena“ (Freitag-Ausgabe). Die Regierung in Riga segnete den mit 92 Mio. Euro bezifferten Deal gestern ab.

Die Bank soll zu 25 Prozent direkt von der US-Holding übernommen werden, 25 Prozent übernimmt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), und 50 Prozent gehen an unbekannte Investoren. Das Geschäft ist in Lettland unter anderem umstritten, weil es angeblich wesentlich höhere Angebote gegeben hat.

Preisdeals im Urlaub?

„Diena“ berichtete weiter, mehrere Regierungspolitiker, darunter Vertreter von Dombrovskis’ Wirtschaftskonservativer „Einheit“-Partei hätten vergangenen Sommer just zu jenem Zeitpunkt gemeinsam in Georgien Urlaub gemacht, als der Preis für den Verkauf der ehemaligen Pleitebank ausgehandelt worden sei.

Sowohl Dombrovskis als auch der Fraktionschef der „Einheit“, Dzintars Zakis, betonten, die Reise sei privater Natur gewesen. Sie hätte daher auch nicht der Öffentlichmachung bedurft, so Zakis.

Neue Runde der Atomverhandlungen mit dem Iran

In New York kommen heute der Iran und die fünf UNO-Vetomächte plus Deutschland (5+1) zu einer weiteren Verhandlungsrunde zum Atomprogramm des Iran zusammen. Die Gespräche finden am Rande der UNO-Generalversammlung statt. Es wird erwartet, dass sich auch US-Außenminister John Kerry und seine Amtskollegen in die Verhandlungen einschalten werden.

Streit über Anzahl der Zentrifugen

Im Vorfeld der neuen Verhandlungsrunde hatte US-Chefverhandlerin Wendy Sherman nach amerikanischen Medienberichten erklärt, beide Seiten seien in Schlüsselfragen weit voneinander entfernt, darunter auch in der Frage nach dem Zweck und dem Umfang der iranischen Urananreicherungskapazität.

Teheran besteht zumindest auf einer Beibehaltung der Anzahl der Zentrifugen zur Urananreicherung (19.000), die allein friedlichen Zwecken diene. Das will der Westen, allen voran die USA, aber nicht akzeptieren und fordert eine starke Reduzierung der Zentrifugenzahl. Die Anreicherung von spaltbarem Uran-235 bildet die Voraussetzung zum Betrieb von Atomkraftwerken aber auch zum Bau von Kernwaffen.

Deadline in zwei Monaten

Im elf Jahre andauernden Konflikt rund um die iranische Urananreicherung soll bis zur Deadline am 24. November eine endgültige Einigung gefunden werden. Bei Verhandlungen in Wien war in grundlegenden Fragen keine Annäherung erzielt worden, daher hatte man sich auf einer Verlängerung der ursprünglich bis 20. Juli befristeten Gespräche geeinigt.

Wegen der UNO-Generalversammlung halten sich US-Präsident Barack Obama und der iranische Präsident Hassan Rouhani in New York auf. Ein Treffen ist laut US-Regierungsvertretern nicht geplant. US-Außenminister Kerry dürfte aber seinen iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif treffen.

Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) werden jedenfalls am Rande der Generalversammlung mit Rouhani und Sarif zusammentreffen.

Sport

Formel 1: FIA rudert bei Funkverbot zurück

Auch in der Formel 1 wird offenbar nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Nachdem die neuen Regeln zum Boxenfunk, die schon beim Grand Prix von Singapur am Sonntag (14.00 Uhr, live in ORF eins) in Kraft treten sollten, für einige Aufregung gesorgt hatten, wurden sie nun von der FIA wieder gelockert. Wie der Verband heute mitteilte, betreffen die Verbote nun nur Durchsagen zum Verhalten der Fahrer, nicht aber zur Leistung des Autos. Die komplette Verbotsliste soll erst ab der kommenden Saison gelten.

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Europa League: Salzburg auf hartem Weg zurück

Der spielerische Glanz ist verblasst, leicht geht bei Salzburg derzeit gar nichts - im Gegenteil: Der Erfolgstrainer ist in Deutschland, auch ein wichtiger Spieler ergriff die „Flucht“. Das Selbstvertrauen und die Motivation sind nach dem neuerlichen Verpassen der Champions League schwer beschädigt, die Gegner wissen, wie sie Salzburg knacken können.

Das 2:2 gestern zum Auftakt der Europa League gegen den schottischen Meister Celtic Glasgow war deshalb nach zweimaligem Rückstand zumindest für Spieler und Trainer ein Schritt zurück in die Erfolgsspur - auch wenn mancher Fan anderer Meinung war.

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Tennis: Chinas „Pionierin“ Li Na hört auf

Nach zahlreichen Verletzungen hat Li Na heute ihren Rücktritt aus dem Spitzensport bekanntgegeben. Die 32-Jährige, die ihre Karriere als Sechste der Weltrangliste beendet, ist nicht nur die erste Chinesin, die ein Grand-Slam-Turnier gewann, sondern vor allem ein Vorbild für viele ihrer Landsleute. Die Paris- und Melbourne-Siegerin ließ sich nie von der Politik in ihrer Heimat instrumentalisieren und blickt dennoch oder gerade deshalb auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück. „Sie ist eine Pionierin“, würdigte WTA-Chefin Stacey Allaster Lis Verdienste.

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Neuer Tiefenweltrekord im Gerätetauchen

Mit einem Tauchgang in mehr als 332 Meter Tiefe hat der Ägypter Ahmed Gamal Gabr den Weltrekord im Gerätetauchen gebrochen. Der Kampfschwimmer, der zu einer Spezialeinheit des Militärs gehört, übertraf im Roten Meer den bisherigen Rekordhalter Nuno Gomez aus Südafrika, wie das Guinness-„Buch der Rekorde“ heute mitteilte. Gomez hatte im Jahr 2005 eine Tiefe von 318,35 Metern geschafft.

Gabr sank am Vortag im Taucherparadies Dahab binnen zwölf Minuten exakt 332,35 Meter in die Tiefe. Es dauerte allerdings 15 Stunden, bis der 41-Jährige wieder auftauchte - wegen der Gefahr von Verletzungen durch den starken Wasserdruck auf den Körper ließ sich der Froschmann so lange Zeit.

Per Seil mit Gas versorgt

Bis in hundert Meter Tiefe wurde Gabr von anderen Tauchern begleitet - ab dann war er in der Kälte und Dunkelheit des Meeres auf sich gestellt. Um den Taucher am Leben zu halten, versorgten Ärzte und Tauchexperten ihn mit mehr als 60 Gasflaschen, die an einem Seil befestigt waren. In ihnen waren unterschiedliche Gasmischungen enthalten.

Nach Angaben der Organisatoren hatte sich Gabr, der auch Triathlet ist, monatelang minuziös auf den Ablauf des Tauchgangs vorbereitet. Demnach musste er sich jede seiner Bewegungen Sekunde für Sekunde merken - wie ein Rennfahrer, der sich Kurven einprägen muss.

Er musste lernen, seine Atmung auf das Mindeste zu beschränken und den Rhythmus seines Herzschlags zu verlangsamen. Das habe er vor allem von Yogalehrern gelernt, hieß es aus seinem Umfeld.

Wirtschaft

Russischer Stahlriese Ewras will an US-Börse

Russlands größter Stahlkonzern Ewras erwägt ungeachtet der westlichen Sanktionen einen Börsengang in New York. Das Unternehmen hat zwar nach Angaben von heute bisher keine entsprechenden Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht, werde das aber in absehbarer Zeit tun.

Nicht von Sanktionen betroffen

Ewras wird teilweise von dem Milliardär Roman Abramowitsch kontrolliert, der unter anderem durch den Kauf des Londoner Fußballclubs Chelsea bekannt ist. Geplant sei, die US-Geschäftsteile, deren Wert auf mehr als zwei Mrd. Dollar (1,55 Mrd. Euro) geschätzt wird, an die Börse zu bringen.

Der Stahlkonzern ist nicht von den Russland-Sanktionen der EU und der USA im Zuge des Ukraine-Konflikts betroffen. Im Gegensatz zu vielen anderen russischen Konzernen könnte sich Ewras deshalb problemlos Kapital im Westen beschaffen. Erst im vergangenen Monat borgte sich das Unternehmen von der Deutschen Bank und anderen Instituten 425 Mio. Dollar.

Frankreichs Höchstgericht kippt „Red-Bull-Steuer“

Das französische Verfassungsgericht hat die „Red-Bull-Steuer“ gekippt. Der Aufschlag für Energy-Drinks sei derzeit nicht verfassungskonform, urteilte der Verfassungsrat in einer heute veröffentlichten Entscheidung.

Die Richter bemängelten eine Ungleichbehandlung gegenüber koffeinhaltigen Getränken, die nicht als Energy-Drinks ausgezeichnet und dann nicht extra besteuert werden.

Der Gesetzgeber kann die Regelung bis Ende des Jahres anpassen. Per „Red-Bull-Steuer“ wird eine 0,25-Liter-Dose um etwa 25 Cent teurer. Paris will 60 Millionen Euro pro Jahr damit einnehmen. Begründet wurde das Projekt mit Gesundheitsrisiken, die von diesen Getränken ausgehen könnten.

Nach Benko-Übernahme: Tarifgespräche bei Karstadt

Erstmals seit der Übernahme der deutschen Warenhausgruppe Karstadt durch den Tiroler Investor Rene Benko haben sich Vertreter der Arbeitnehmer und des Unternehmens zu Tarifverhandlungen getroffen.

Die Gewerkschaft ver.di will bei den Gesprächen in Göttingen eine Rückkehr in die Tarifbindung für die rund 17.000 Karstadt-Beschäftigten durchsetzen.

Ver.di kündigt harte Linie an

Bereits vor dem Treffen hatte die Gewerkschaft eine harte Linie bei den Verhandlungen angekündigt. Die Beschäftigten seien zu keinem weiteren Verzicht bereit, hieß es im Vorfeld des Treffens.

Notwendig seien auch ein schlüssiges Gesamtkonzept für das Unternehmen und eine tarifliche Absicherung der Arbeitsplätze. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche die Weichen für einen strikten Sparkurs gestellt.

Chronik

Mann schießt auf Schüler in Frankreich - drei Verletzte

Mit einem Jagdgewehr hat ein 49-Jähriger im französischen Ort Vezelay zwischen Paris und Lyon drei Schüler verletzt. Eines der Opfer erlitt dabei nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Auxerre schwere Verletzungen, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Der als psychisch krank beschriebene Mann feuerte in eine Gruppe von rund 30 Schülern aus Paris, die sich auf einem Ausflug in den für seine Basilika Sainte-Marie-Madeleine bekannten Ort befand. Der Schütze habe die Opfer nicht gekannt und zufällig geschossen, hieß es.

Philippinen: Zehntausende flüchten vor Tropensturm

Schwere Überschwemmungen nach einem heftigen Tropensturm haben auf den Philippinen heute Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Ein zweijähriges Mädchen ertrank in der Hauptstadt Manila, als seine Eltern ihre Habseligkeit vor einer Überschwemmung retten wollten, berichtete der Zivilschutz.

30.000 Menschen mussten fliehen

Allein im Großraum Manila mussten sich fast 30.000 Menschen in Sicherheit bringen, weil Flüsse anschwollen und über die Ufer traten. In einigen Straßen stand das Wasser eineinhalb Meter hoch, berichtete das Wetterbüro.

In Manila und 15 Provinzen blieben Verwaltungen und Schulen geschlossen. In der Hauptstadt wurden 40 Flüge gestrichen. Tropensturm „Fung-Wong“ zog über die gesamten nördlichen Philippinen.

Video dazu in iptv.ORF.at

IT

Microsoft schließt Forschungslabor im Silicon Valley

Microsoft schließt im Zuge seines radikalen Umbaus auch ein Forschungslabor im Silicon Valley. In dem Labor in Mountain View arbeiteten zuletzt 75 teils renommierte Forscher zum Beispiel an Lösungen für das verteilte Rechnen und zum Schutz der Privatsphäre und der IT-Sicherheit.

Die Niederlassung solle bereits heute geschlossen werden, teilte Microsoft-Mitarbeiter Derek Murray auf Twitter mit. Laut Medienberichten sind 50 der Forschungsstellen von den Streichungen betroffen.

Microsoft: Kein Rückzug aus Forschung

Insgesamt arbeiten mehr als 1.000 Mitarbeiter bei Microsoft Research in rund einem Dutzend Labors. Wie die „Seattle Times“ berichtete, soll in Mountain View die Forschungsgruppe für Cybersecurity und Datensicherheit aufgespalten werden und Mitarbeiter zum Teil in andere Unternehmensbereiche wechseln.

Mit dem Schritt wolle sich Microsoft nicht aus der Forschung zurückziehen, betonte ein Sprecher gegenüber der IT-Fachwebsite ZDnet. Es werde vielmehr eine „Konsolidierung der Labors an der Westküste“ der USA angestrebt.

Die geplanten Streichungen sind Teil eines umfangreichen Jobabbaus, den der neue Chef Satya Nadella einleitete. Nach den Plänen sollen 18.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

US-Dragqueens wehren sich gegen Facebook-Klarnamen

Nach der vorübergehenden Sperrung Hunderter Facebook-Konten wehrt sich eine Gruppe von Dragqueens in San Francisco gegen den Klarnamen-Zwang bei dem Sozialen Netzwerk. Da Facebook keine Pseudonyme oder Fantasienamen duldet, müssen sie ihre oft über Jahre aufgebaute Identität auf der Plattform ablegen und ihre offiziellen Namen verwenden.

Ein Treffen mit Vertretern des Netzwerks verlief nach Aussage von Sister Roma, die weitere Betroffene vertritt, enttäuschend. „Sie wollen uns nicht zuhören“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Ein Facebook-Sprecher teilte mit, das Netzwerk halte an seiner Regelung fest. Ein nächstes Treffen mit den Betroffenen soll Ende September stattfinden.

Science

Lifestyle

Religion

Kultur

Bisher unveröffentlichtes Karl-May-Fragment erschienen

Weit über hundert Jahre hat das Romanfragment „Der verlorene Sohn“ von Karl May unentdeckt im Archiv geschlummert. Nun wurde der Textanfang, der nach 20 Seiten mitten im Satz abbricht, im 90. Band der „Gesammelten Werke“, „Verschwörung in Wien“, erstmals veröffentlicht, wie der Karl-May-Verlag heute mitteilte.

Bei dem Fragment handle es sich um den wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre entstandenen Auftakt einer erzgebirgischen Dorfgeschichte. „Auch wenn die Erzählung leider unvollendet blieb, zeigt sich darin doch wieder einmal Mays großes Talent, auf nur wenigen Seiten eine spannende und geheimnisvolle Situation zu inszenieren“, heißt es im Pressetext.