Ausland

Missbrauch: Britischer Ex-Premier in Ermittlungen genannt

Die Polizei in der südenglischen Grafschaft Wiltshire hat in den 90er Jahren möglicherweise Ermittlungen nach Hinweisen auf Kindesmissbrauchs eingestellt, weil der ehemalige Premier Edward Heath involviert gewesen sein soll. Die britische Polizeibeschwerdestelle (IPCC) leitete heute eine Untersuchung des Falles ein. Der Hinweis sei von einem pensionierten Polizeibeamten gekommen. Demnach hätten die Behörden damals einen Fall ad acta gelegt, weil ein Verdächtiger den Hinweis gegeben hatte, Heath sei ebenfalls in die Sache verwickelt. Heath starb bereits 2005, er war von 1970 bis 1974 konservativer Premier Großbritanniens.

Seit Monaten arbeiten eigens eingerichtete Taskforces der englischen Polizei an der Aufklärung von Missbrauchsfällen, in die höchste Kreise verstrickt gewesen sein sollen. In den 1970er und 1980er Jahren soll ein Pädophilenring systematisch Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Auch Politiker werden als Täter vermutet, sogar von Mordfällen ist die Rede. Die Aufarbeitung gestaltet sich aber mehr als schwierig, zahlreiche Akten und Dossiers aus den 70er und 80er Jahren gelten aus verschollen.

Huthis verlieren größte Militärbasis im Jemen

Im Jemen haben regierungstreue Truppen nach eigenen Angaben mit der Einnahme des Militärstützpunktes al-Anad ihren zweiten bedeutenden Sieg über die Huthi-Rebellen errungen. Nach heftigen Kämpfen sei die Eroberung des größten militärischen Komplexes im Land abgeschlossen, teilte Brigadegeneral Fadel Hassan heute mit.

Seine Soldaten würden das 40 Quadratkilometer große Areal nach versprengten Rebellen durchkämmen. Die Aufständischen seien zu Hunderten aus dem Stützpunkt nördlich der Hafenstadt Aden geflohen.

Der Stützpunkt al-Anad ist von strategischer Bedeutung. Im März fiel die Basis in die Hand der vorrückenden Huthis, woraufhin die US-Armee den Stützpunkt räumen musste. Die US-Soldaten hatten von al-Anad aus den Drohnenkrieg gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida im Jemen überwacht.

Russland lädt Hamas-Führung nach Moskau ein

Russland hat die Führung der radikalislamischen Hamas nach deren Angaben offiziell zu einem Besuch in Moskau eingeladen. Außenminister Sergej Lawrow habe Hamas-Chef Chaled Meschaal heute in Katar getroffen und die Einladung ausgesprochen, erklärte ein Hamas-Vertreter in Gaza.

Ein Termin stehe noch nicht fest. Eine Einladung aus Moskau könnte als diplomatische Aufwertung der Hamas interpretiert werden. Meschaal war zuletzt 2010 in Moskau.

Hamas kein Gesprächspartner bei Friedensprozess

Russland ist neben den USA, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen Mitglied des Nahost-Quartetts, das im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt.

Die im Gaza-Streifen herrschende Hamas erkennt das Existenzrecht Israels nicht an, ebenso wenig wie die bisher zwischen Palästinensern und Israel abgeschlossenen Zwischenabkommen. In ihrer Charta ruft die Gruppe zur Vernichtung Israels auf, weshalb sie für die westlichen Partner im Quartett kein Gesprächspartner ist.

Nach Protest: Saudischer König hat genug von Cannes

Nur acht Tage hat der Urlaub des saudi-arabischen Königs Salman an der französischen Cote d’Azur gedauert. Dann packte seine 1.000-köpfige Entourage wieder die Koffer und verließ das Land Richtung Marokko. Der Grund dürften protestierende Bürger gewesen sein, die gegen die für die betuchte Klientel abgesperrten Strände auf die Barrikaden gingen. 150.000 Unterschriften sollten am Dienstag den Behörden von Cannes übergeben werden. Fraglich bleibt, ob die übereilte Abreise diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Mehr dazu in Urlaub nach einer Woche abgebrochen

Hausverbot für 25 Abgeordnete in Indiens Parlament

25 indische Abgeordnete haben wegen anhaltenden Herumbrüllens im Sitzungssaal eine Woche lang Hausverbot im Parlamentsgebäude in Neu-Delhi. Seit dem Beginn der Sitzungsperiode vor zwei Wochen konnte das Unterhaus nicht arbeiten, weil Oppositionspolitiker die Sitzungen durch Rufe, Herumgehen und das Hochhalten von Plakaten störten.

Die Abgeordneten fordern damit den Rücktritt von Regierungsmitgliedern, die wegen zwei Skandalen in der Kritik stehen. Heute hatte Parlamentspräsidentin Sumitra Mahajan genug und warf 25 der Politiker wegen „massiver Störung“ hinaus.

„Schwarzer Tag für die Demokratie“

Chaotische Szenen kommen im indischen Parlament häufig vor. Der Ausschluss so vieler Parlamentarier aber ist ungewöhnlich. Kongresspartei-Chefin Sonia Gandhi sprach von einem „schwarzen Tag für die Demokratie“. Abgeordnete der Partei Trinamol-Kongress und der Partei des kleinen Mannes (Aam Aadmi Party, AAP) nehmen aus Solidarität ebenfalls fünf Tage lang nicht an den Sitzungen teil.

Als die jetzige Regierungspartei BJP in der Opposition saß, nutzte sie die gleiche Taktik, um die Regierung an der Arbeit zu hindern. Die zuletzt von 2004 bis 2014 regierende Kongresspartei versuchte damals, in Allparteientreffen oder durch Ansprachen des Premierministers, die Wogen zu glätten. Nun waren es Mitglieder der Kongresspartei, die sich die Stimmen heiser schrien.

Ukraine: Mindestens vier Soldaten bei Kämpfen getötet

Bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten in der Ostukraine sind mindestens vier Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. Die Aufständischen hätten mehrfach schwere Artillerie eingesetzt, teilte Präsidialamtssprecher Andrej Lyssenko heute in Kiew mit. Die Separatisten warfen ihrerseits der Armee den Beschuss der Stadt Horliwka vor.

Vertreter Kiews und der Aufständischen wollten am Montag bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk über Friedensschritte beraten. Den Separatisten zufolge seien unter anderem die Wasserversorgung und die Wiederherstellung des Bankensystems der von Kiew abtrünnigen Gebiete Thema. Kiew sei zudem an der Lieferung von Kohle für Wärmekraftwerke interessiert.

Präsident Petro Poroschenko hatte zudem zuvor angekündigt, dass bis zum heutigen 3. August ein weiteres Abkommen über den Abzug von Kriegsgerät von der Front unterzeichnet werden solle. Ob es in Minsk dazu kommen würde, war zunächst offen. An der Kontaktgruppe ist neben der Ukraine und Russland auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beteiligt. Bereits im Februar hatten die Konfliktparteien in Minsk einen Friedensplan unterzeichnet.

14 Islamisten im Nordkaukasus getötet

Spezialeinheiten des russischen Geheimdienstes FSB haben laut amtlichen Angaben 14 Islamisten im Nordkaukasus getötet. Das nationale Komitee für Terrorabwehr teilte heute mit, am Vortag seien in Inguschetien acht Aufständische getötet worden, die in „terroristische Verbrechen“ verwickelt gewesen seien.

Dazu zählten die Ermordung von Vertretern des Sicherheitsapparats und Schutzgelderpressung. Unter den Getöteten sei Adam Tagilow, der für die Kämpfe in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny verantwortlich sei, bei denen im Dezember 2014 über 20 Soldaten und Polizisten getötet worden seien.

Radikale Islamisten haben im vorwiegend muslimischen Nordkaukasus ein „Kalifat“ ausgerufen. Die Zentralregierung in Moskau bekämpft die Dschihadisten mit aller Härte

Inland

Ministerium: Asylvertrag mit Gabcikovo bleibt aufrecht

Das Votum in der slowakischen Stadt Gabcikovo ist mehr als eindeutig ausgefallen. 97 Prozent sprachen sich gegen die Unterbringung von Flüchtlingen aus. 500 Menschen, die derzeit in Traiskirchen sind, sollen in der Stadt versorgt werden. Das österreichische und das slowakische Innenministerium stellen klar, dass sich daran trotz des Referendums nichts ändern wird.

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Laut slowakischer Regierung verständlich

Innenpolitisch fuhr die Regierung in Bratislava freilich eine andere Kommunikationsstrategie. Man könne das Ergebnis der Volksabstimmung in der südslowakischen Gemeinde verstehen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Innenministeriums. Es spiegle „Befürchtungen wieder, die die ganze Slowakei teilt“.

Daher habe sich die Regierung auch gegen eine verpflichtende Quote auf EU-Ebene gewehrt und lediglich der freiwilligen Aufnahme von 100 „Christen“ aus Syrien über UNO-Resettlementprogramme zugestimmt. Zudem werde man vor Ankunft der Asylwerber aus Österreich „umfassende Sicherheitsmaßnahmen“ vorbereiten, die der Bevölkerung von Gabcikovo klar und deutlich erklärt werden würden.

Kritik kam von der slowakischen Opposition: Die Ergebnisse des Referendums zu ignorieren sei „unerhört“, sagte Richard Sulik, Parteichef der neoliberalen Freiheit und Solidarität (SaS). Er schlug stattdessen vor, die Asylwerber in leerstehenden, früheren Kasernen außerhalb von Ortschaften unterzubringen, wo man diese auch besser bewachen könnte. Das Innenministerium wies Suliks Äußerungen umgehend zurück.

Vier Bundesländer erfüllen Asylquote

Drei der neun Bundesländer erfüllen derzeit die Quote bei der Unterbringung von Asylwerbern: Wien, Niederösterreich und Vorarlberg nehmen weiterhin mehr Flüchtlinge auf als mit dem Innenministerium vereinbart (Stichtag 3. August). Dazu gesellt sich das Land Salzburg, das die Quote nach eigenen Angaben erfüllt, jedoch noch nicht in der offiziellen Statistik enthalten ist.

Schlusslicht ist das Burgenland. Dort sind derzeit 180 Flüchtlinge weniger untergebracht als mit dem Innenministerium vereinbart. Die Quotenerfüllung beträgt dort lediglich 88,33 Prozent. Kärnten hält bei 91,61 Prozent oder 250 Asylwerbern zu wenig. Die Steiermark liegt bei 91,85 Prozent, was 530 fehlenden Plätzen entspricht.

Oberösterreich erfüllt nur zu 93,2 Prozent das Soll, dort sind es 519 Asylwerber weniger als ausgemacht. Etwas besser sieht es in Tirol aus, wo aber die Quote mit 95,68 Prozent (167 fehlende Plätze) auch nicht erfüllt wird.

NÖ, Wien, Vorarlberg und Salzburg

In Niederösterreich mit dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen sind derzeit 1.569 Flüchtlinge mehr als vereinbart untergebracht, die Quotenerfüllung beträgt 118,02 Prozent. Wien beherbergt derzeit 249 Asylwerber mehr, als es eigentlich müsste, und erfüllt damit die Quote zu 102,64 Prozent. Leicht im Plus liegt nun auch Vorarlberg: 100,26 Prozent oder fünf Flüchtlinge mehr als vereinbart.

Salzburgs grüne Landesrätin Martina Berthold teilte mit, man habe über das Wochenende noch 178 zusätzliche Plätze geschaffen. Damit beherberge man derzeit genau 2.861 Flüchtlinge und damit einen mehr als vereinbart. In der offiziellen Statistik waren die 178 zusätzlich geschaffenen Plätze noch nicht ersichtlich, und die Quotenerfüllung lag noch bei 93,8 Prozent. Es dürfte sich um Übernahmen handeln, die noch nicht wirksam sind.

Die der APA vorliegenden Daten aus den Bundesländern umfassen auch die fixen Einrichtungen des Bundes sowie die Zeltlager für Asylwerber und jene in Gebäuden der Polizei. Im überfüllten Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen befanden sich am Montag exakt 4.000 Flüchtlinge, ein großer Teil davon ist weiterhin obdachlos.

Asyl: SPÖ in OÖ und NÖ begrüßen Bundesdurchgriff

Die Landesparteichefs der SPÖ in Ober- und Niederösterreich, Reinhold Entholzer und Matthias Stadler, stellen sich hinter den geplanten Bundesdurchgriff bei Asylquartieren samt Quoten für die Gemeinden.

Noch hätten im Land sehr viele Gemeinden keinen einzigen Flüchtling untergebracht, kritisierte Entholzer. „Da muss man halt vernünftig handeln“, und das gehe nur über ein ähnliches Gesetz, wie es auch das Land Oberösterreich vor Kurzem geschaffen habe. Auch das geplante Durchgriffsrecht bei Widmungen verteidigte er.

Ähnlich sah das Stadler. Die derzeitige Situation sei „mehr als unwürdig“. Man müsse eben handeln, „wenn es im Guten nicht geht“. Er begrüßte auch die geplante Sondersitzung des Nationalrats, denn die Witterungslage im Herbst und Winter lasse ein weiteres Zögern nicht zu.

Der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger nannte Oberösterreich als Vorbild, denn hier könne bei geplanten Quartieren mit mehr als 100 Personen die Gemeinden sehr wohl noch mitreden. Über die andere Quote sei er „sehr froh“. Die Gemeindeautonomie aufzulösen gehe allerdings nicht. Alle drei redeten kleinen Unterbringungseinheiten das Wort, denn dadurch sei die Akzeptanz in der Bevölkerung höher.

Sport

Tennis: Newcomer Novak überrascht in Kitz

In seinem zweiten Spiel auf der ATP-Tour hat Dennis Novak heute in Kitzbühel seinen ersten Sieg gefeiert. Der 21-jährige Niederösterreicher schlug in der ersten Runde den ebenfalls ungesetzten, aber doch favorisierten Briten Aljaz Bedene (Weltranglisten-57.) in drei Sätzen. Im Achtelfinale des Sandplatz-Traditionsturniers in Tirol trifft der ÖTV-Newcomer nun auf den als Nummer drei gesetzten Fabio Fognini.

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Motorsport: Dicke Luft in DTM nach Funkspruch

Ein Funkspruch aus der Audi-Box hat beim Rennen des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) in Spielberg gestern für viel Ärger gesorgt. Unmittelbar nach den Worten „Timo, schieb ihn raus“ bugsierte Audi-Pilot Timo Scheider die vor ihm liegenden Mercedes von Robert Wickens und Pascal Wehrlein in der letzten Runde von der Strecke.

Bei Mercedes fordert man nun harte Strafen gegen die Übeltäter. Einer davon ist Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich, von dem der verhängnisvolle Funkspruch kam. Ullrich beteuert aber, keine böse Absicht gehabt zu haben.

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Wirtschaft

Fiat Chrysler ruft Hunderttausende Autos zurück

Der Autohersteller Fiat Chrysler beordert in Nordamerika etwa 322.000 Fahrzeuge wegen technischer Mängel in die Werkstätten. Der Rückruf betrifft Dodge-Charger-Limousinen aus den Modelljahren 2011 bis 2014, bei denen die Airbags unbeabsichtigt aufgehen können, wenn die Türen zugeschlagen werden.

Das italienisch-amerikanische Unternehmen teilte am Wochenende mit, von drei kleineren Verletzungen zu wissen, die im Zusammenhang mit dem Defekt stehen könnten. Wegen des Problems seien im Juli bereits etwa 844.000 Pick-up-Trucks der Marke Ram in Nordamerika zurückgerufen worden.

14 Jahre Haft für Hauptverdächtigen in LIBOR-Skandal

Der frühere Investmentbanker Tom Hayes ist heute in London als Hauptverdächtiger im sogenannten LIBOR-Skandal wegen Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der heute 36-Jährige soll in den Jahren 2006 bis 2010 als Starinvestmentbanker der Schweizer Großbank UBS den wichtigen Referenzzins massiv beeinflusst haben. Er hatte die Vorwürfe zunächst eingeräumt, sie dann aber vor einem Londoner Gericht wieder bestritten.

Die Jury am Southwark Crown Court wertete die Vernehmung bei der Polizei als glaubwürdig. Sie sah pure Gier als Motiv. Hayes hatte unter anderem auch erklärt, die Manipulationen seien ein branchenweites Phänomen gewesen und kein Einzelfall. Der LIBOR-Zinssatz regelt die Kosten, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Er ist Grundlage etwa für Immobilienkredite.

Hayes, der nach der UBS auch bei der Citigroup tätig war, ist der erste von zahlreichen Verdächtigen im LIBOR-Skandal, der verurteilt wurde. Er gilt aus Sicht der Ermittler als Kopf eines weltweiten Manipulationsringes. Ein Strafmaß gab das Gericht noch nicht bekannt. Zahlreiche Banken hatten empfindliche Strafzahlungen an Behörden in London, Washington und Brüssel zahlen müssen - darunter die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und die US-amerikanische Citgroup.

Gewerkschaftsjugend fordert Standards für Praktika

Die Gewerkschaftsjugend der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) fordert Standards für Pflichtpraktika. Gerade in der Ferienzeit würden sich die Anfragen wegen ausbleibender Bezahlung und fehlender Ausbildung häufen, erklärte die Jugendsekretärin der GPA-djp, Barbara Kasper, heute in einer Aussendung. Rund 280.000 junge Menschen in Österreich absolvieren jährlich ein Praktikum.

Oft würden dabei die arbeitsrechtlichen Standards verletzt. Berufseinsteigern auf der Suche nach einem Job werde oft viel versprochen, aber wenig oder gar keine Entlohnung angeboten. In vielen Unternehmen seien die Praktika eigentlich normale Arbeitsverhältnisse, würden aber nicht dementsprechend bezahlt.

Sozialversicherung entgeht jährlich fast 70 Mio. Euro

Die Arbeitgeber ersparen sich durch unter- oder unbezahlte Pflichtpraktika Steuern und Abgaben, der Sozialversicherung entsteht dadurch jährlich ein Verlust von rund 69 Mio. Euro, kritisiert die Gewerkschaftsjugend. Den Pflichtpraktikanten entgehe ein Entgelt von rund 174 Mio. Euro.

Mit öffentlichen Aktionen in Wien will die Gewerkschaft die Ausbeutung der Praktikanten eindämmen. Auf einer eigenen Onlineplattform wird über die Rechte informiert. Die Berichte von Betroffenen werden ausgewertet und anonym der zuständigen Gebietskrankenkasse weitergeleitet, um die Situation zu prüfen und eventuell ausstehende Entlohnung einfordern zu können.

Kroatien erwägt Einführung von Autobahnvignette

Der kroatische Verkehrsminister Sinisa Hajdas Doncic hat heute mitgeteilt, dass er sich die Einführung eines Vignettensystems anstelle der bisherigen kilometerabhängigen Autobahnmaut vorstellen kann, wenn das finanziell sinnvoll sei.

Hajdas Doncic reagierte auf einen Vorstoß des früheren Wirtschaftsministers Goranko Fizulic, der in einem offenen Brief ein Vignettensystem nach dem Vorbild Sloweniens und Österreichs gefordert hatte. Er verspricht sich davon mehr Verkehrssicherheit und ein Ende der kilometerlangen Staus vor den Mautstationen.

Vorbild Slowenien

Dem umstrittenen slowenischen Vorbild folgen will Fizulic auch, was die Preisgestaltung betrifft. Nach seinem Willen soll die Jahresvignette 72 Euro kosten, die Wochenvignette 30 Euro. Urlauber, die länger als sieben Tage am Meer bleiben, müssten somit insgesamt 90 Euro für jeweils zwei Kurzzeitvignetten in Slowenien und Kroatien ausgeben.

In einer Internetumfrage der Tageszeitung „Vecernji list“ unterstützten drei Viertel der gut 6.000 Befragungsteilnehmer das Vignettensystem. Hajdas Doncic zeigte sich offen für den Plan. Er verwies auf die geplante Teilprivatisierung der Autobahngesellschaft.

Das künftige Mautsystem werde so gewählt, dass der höchstmögliche Erlös erzielt werde. Sollte das mit der Vignette oder einem Chipsystem der Fall sein, „werden wir dieses Modell wählen“, betonte der Minister.

Chronik

„Rote Glut“ ängstigt Badegäste in Niederlanden

Nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen ist an drei Stränden der holländischen Küste das Baden zeitweise verboten gewesen. Die bedrohlich leuchtenden Schwärme von Mikroorganismen - die Medien nannten sie „Rode Gloed“ („Rote Glut“) - zogen sich jedoch bis heute Nachmittag wieder zurück.

Rot glühende Algen im Meer

APA/EPA/Polce Helicopter/Depolitieheli

In Scheveningen, Wassenaar und Katwijk (Provinz Südholland) holten Rettungsschwimmer ihre roten Warnflaggen daraufhin wieder ein. Die wahrscheinlich Millionen von winzigen Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) waren am Vortag vor den Küsten unweit von Den Haag aufgetaucht.

Hautreizungen durch Mikroorganismen

Die rötlich leuchtenden Mikroorganismen seien zwar nicht giftig, könnten aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen, warnte ein Sprecher der zum Umweltministerium gehörenden Wasserbehörde Rijkswaterstaat. „Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.“ An den Stränden fuhren Autos mit Warnschildern entlang: „Zee gevaarlijk“ (Gefahr im Meer).

Die meisten Badegästen hielten sich an die Warnung, manche waren verängstigt. Allerdings gab es etliche, die trotzdem ins Wasser gingen. Ein Sprecher des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) erklärte später, das Badeverbot sei vielleicht eine zu starke Reaktion auf das Auftauchen der Meeresleuchttierchen gewesen.

Bei den Tieren handelt es sich um Einzeller, die sich vor allen von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Die Mikroorganismen treten an der niederländischen ebenso wie an der deutschen Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit.

180 Tote nach Starkregen in Indien, Myanmar und Vietnam

Unwetter und Monsunregen haben in den vergangenen Tagen in Südasien und Südostasien etwa 180 Menschen in den Tod gerissen. Von den Überschwemmungen seien allein im Nordosten Indiens vier Millionen Menschen betroffen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Delhi heute.

Überschwemmungen in Indien

AP/Rajesh Kumar Singh

Besonders hart getroffen wurde Westbengalen in Indien, wo 48 Menschen starben. Große Teile der Landeshauptstadt Kolkata (früher Kalkutta) standen unter Wasser. Im Bundesstaat Manipur kamen 20 Menschen bei einem Erdrutsch ums Leben. Im Wüstenstaat Rajasthan wurden 28 Tote gemeldet, im Bundesstaat Odisha fünf Tote.

60 Tote in Myanmar, 22 Tote in Vietnam

In Myanmar stieg die Zahl der Toten auf 60. Das Rote Kreuz und die UNO-Behörde für humanitäre Angelegenheiten fürchten, dass die Zahl der Toten noch beträchtlich steigen könnte. Lokale Medien berichteten von 200.000 Menschen, die mit den Fluten zu kämpfen hatten.

In Myanmar wurden mehr als 200.000 Hektar Ackerfläche überschwemmt. (iptv.ORF.at)

In Vietnam regnete es so viel wie seit 40 Jahren nicht mehr. Es starben 22 Menschen. Der Gesamtschaden in dem südostasiatischen Land wurde auf 100 Millionen Dollar (etwa 91 Mio. Euro) beziffert.

Baukräne umgestürzt: Viele Verletzte in Niederlanden

Zwei umstürzende Baukräne haben in der niederländischen Stadt Alphen am Rhein im Westen des Landes am Montag etwa 20 Menschen verletzt. Wie die örtliche Feuerwehr mitteilte, waren die Kräne bei Renovierungsarbeiten an einer Klappbrücke eingesetzt und transportierten zum Zeitpunkt des Unglücks „ein Stück Straße“ durch die Luft, das dort eingesetzt werden sollte. Zunächst sei ein Kran umgestürzt, daraufhin der zweite.

Fünf Häuser seien bei dem Unglück in einer Einkaufsstraße beschädigt worden. Unter anderem seien auch zwei Geschäfte betroffen gewesen. Am Unglücksort waren Krankenwagen und Rettungshubschrauber im Einsatz.

Zur Schwere der Verletzungen der etwa 20 Betroffenen lagen keine Angaben vor. Die Kräne standen nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP auf zwei Lastkähnen auf dem Fluss.

Science

Gletscherschwund erreicht Rekordwert

Die Gletscher weltweit schmelzen seit Beginn des 21. Jahrhunderts in Rekordtempo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des „World Glacier Monitoring Service“ mit Sitz an der Universität Zürich. „Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert“, sagt Studienautor Michael Zemp. Allerdings gibt es Ausnahmen. Manche Gletscher – etwa jene in Norwegen - sind zwischenzeitlich sogar gewachsen.

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Religion

Kultur

Diethard Leopold aus Vorstand der Stiftung ausgeschieden

Bis zum Rechnungsabschluss zu Sommerbeginn fanden sich im Vorstand der Privatstiftung Leopold, die das Leopold Museum im MuseumsQuartier betreibt, noch drei Vertreter der Familie: Sammlerwitwe Elisabeth Leopold, ihr Sohn Diethard und der Rechtsanwalt Andreas Nödl. Die beiden Letzteren sind nach Ablauf der fünfjährigen Funktionsperiode nun ausgeschieden, berichtet der „Kurier“ (Dienstag-Ausgabe).

Die 89-jährige Elisabeth Leopold ist somit die einzige Familienvertreterin im nunmehr fünfköpfigen Vorstand, bestätigte man der APA. Die restlichen Mitglieder sind Carl Aigner und Wolfgang Nolz, nominiert vom Finanzministerium, sowie Werner Muhm und Helmut Moser, bestellt vom Kanzleramt.

Im Leopold Museum zeigt man sich angesichts der Entwicklung entspannt, sei diese doch schließlich von Haus aus so festgelegt worden. Das Tagesgeschäft laufe jedenfalls ganz normal weiter. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass ein Familienmitglied eine Rolle im Rahmen der Stiftung spiele - etwa als Kurator, Gastkurator oder Leihgeber.

„Kultur.montag“: 70 Jahre Hiroshima und Nagasaki

Vor 70 Jahren sind die beiden Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki gefallen - ein gewaltiger Tabubruch in der Kriegsgeschichte. Gleichwohl hält sich hartnäckig der Mythos, die Nuklearschläge seien unabdingbar gewesen, Japan zur Kapitulation zu zwingen und so den Zweiten Weltkrieg zu beenden.

Der deutsche Journalist Klaus Scherer hat jahrelang recherchiert und mit Dutzenden Überlebenden der Katastrophe gesprochen. In seinem Buch „Nagasaki – Der Mythos der entscheidenden Bombe“ meldet er Zweifel an dieser Lesart an. „Kultur.montag“ bittet Scherer zum Interview.

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