Ausland

Türkei: Erdogan billigt Übergangsregierung

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat heute das von Übergangsregierungschef Ahmet Davutoglu vorgeschlagene Kabinett gebilligt, das bis zur Parlamentsneuwahl am 1. November regieren soll. Wie Davutoglu erklärte, habe Erdogan nach einem einstündigen Treffen beider Politiker grünes Licht gegeben.

Der Interimsregierung gehören erstmals in der türkischen Geschichte auch zwei kurdische Minister an: Ali Haydar Konca für EU-Angelegenheiten und Muslum Dogan für Entwicklung. Beide sind Abgeordnete der Kurdenpartei HDP.

Die Minister der Übergangsregierung aus der bisherigen Regierungspartei AKP und der HDP, die laut Verfassung nicht vom Parlament bestätigt werden müssen, sollen am Wochenende ihre Posten übernehmen. Die säkularistische CHP und die nationalistische MHP lehnten eine Beteiligung an der Interimsregierung ab. Zuletzt war der gewaltsame Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) neu aufgeflammt.

Koalitionsbildung nach Wahl gescheitert

Die Neuwahl am 1. November war notwendig geworden, weil Davutoglu nach der Niederlage der AKP bei der regulären Parlamentswahl am 7. Juni mit der Bildung einer Regierungskoalition gescheitert war. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Erdogan die Koalitionssuche bewusst hintertrieb. Erdogan hoffe demnach, dass die AKP bei einer Neuwahl die im Juni verlorene Parlamentsmehrheit zurückerobern kann.

Das Fernziel des Staatschefs bleibt eine Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems. Von einer verfassungsändernden Mehrheit im Parlament ist die AKP laut Umfragen allerdings weit entfernt, nach einigen Befragungen steht die Partei vor weiteren Stimmenverlusten. Das regierungsnahe Institut ORC meldet einen Stimmanteil von 43,7 Prozent für die AKP, laut dem Institut Gezici sind es nur 38,9 Prozent.

USA fordern EU zu härterem Vorgehen gegen Schlepper auf

Angesichts der Flüchtlingskrise haben die USA die Europäische Union zu einem schärferen Vorgehen gegen Schlepperbanden aufgefordert. Es müsse sichergestellt werden, dass die Menschenrechte aller Flüchtlinge geschützt werden, sagte Präsidialamt-Sprecher Josh Earnest heute. Die Entwicklungen zeigten, dass die Folgen der Unruhen im Nahen Osten weit über die Region hinaus spürbar seien.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor in einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel insbesondere ihre Entscheidung gewürdigt, andere EU-Staaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien zu entlasten.

Ungarn will Flüchtlinge an der Grenze internieren

Die rechtskonservative ungarische Regierung plant, Tausende Flüchtlinge direkt an der Grenze zu Serbien zu internieren. Asylbewerber, die Ungarn über die Balkan-Route erreichen, sollen in einer 60 Meter breiten Zone entlang der Grenze festgehalten werden, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Das sieht der Entwurf eines Gesetzespaketes vor, der heute im Parlament eingereicht wurde.

Das Paket beinhaltet darüber hinaus weitreichende Durchgriffsrechte gegenüber Flüchtlingen. So kann die Regierung ab einer bestimmten täglichen Flüchtlingszahl einen „Masseneinwanderungsnotstand“ verkünden, der zu besonderen Maßnahmen ermächtigt, wie etwa der Internierung in den sogenannten Transitzonen an der Grenze. Aber auch die Armee soll künftig gegen Flüchtlinge eingesetzt werden.

Das Überwinden des fast fertiggestellten Zauns an der Grenze zu Serbien soll ein Straftatbestand werden, für den bis zu drei Jahre Gefängnis drohen. Wird der Zaun dabei beschädigt, können ein bis fünf Jahre verhängt werden. Das Gesetzespaket könnte Ende nächster Woche vom Parlament verabschiedet werden und soll nach Vorstellung der Regierung Mitte September in Kraft treten.

Mehr als 150 Kindersoldaten in Zentralafrika freigelassen

Kämpfer der christlichen Anti-Balaka-Miliz haben in der Zentralafrikanischen Republik nach Angaben der UNO 163 Kindersoldaten freigelassen, darunter fünf Mädchen. Mit der Freilassung im Westen des Landes sei die Zahl der freigelassenen Kindersoldaten seit der Unterzeichnung eines Abkommens mit dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF im Mai auf 645 gestiegen, erklärte UNICEF heute.

Die Chefs von acht bewaffneten Gruppen in dem Land hatten sich im Mai verpflichtet, Tausende in ihren Reihen dienende Kindersoldaten freizulassen. Nach Schätzungen von UNICEF wurden seit Beginn der Kämpfe in Zentralafrika im Jahr 2013 bis zu 10.000 Kinder von den verschiedenen Konfliktparteien als Kämpfer, Sexsklaven, Köche und Spione missbraucht.

Zentralafrika war nach einem Putsch gegen Staatschef Francois Bozize im März 2013 in eine Spirale der Gewalt gestürzt. Bei Kämpfen zwischen christlichen und muslimischen Milizen wurden Tausende Menschen getötet und Hunderttausende in die Flucht getrieben. Im Zuge eines Transformationsprozesses sollen nun im Oktober Wahlen stattfinden.

Islamisten vor Einnahme von Militärflughafen in Syrien

Eine Allianz islamistischer Kämpfer, darunter auch Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida, sind Aktivisten zufolge heute auf einen syrischen Militärflughafen im Nordwesten des Landes vorgerückt, der die letzte Bastion der syrischen Regierung in der Provinz Idlib ist.

Die mit Al-Kaida verbundene Al-Nusra-Front sowie andere Milizen hätten die Zufahrt zum Flughafen Abu al-Duhur erobert, berichtete die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Im Zuge der Offensive hätten Al-Nusra-Kämpfer auf Motorrädern mehrere Selbstmordanschläge verübt, hieß es weiter.

Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten an Ort und Stelle, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar. Die islamistischen Kämpfer würden bereits die Gegend nördlich des Militärflughafens kontrollieren. Dort bombardiere die syrische Armee intensiv, hieß es weiter.

Vor „Assads Haustüre“

Syrische Militärkreise bestätigten die Offensive der Islamisten gegen den Flughafen. Die Allianz islamistischer Kämpfer hatte Ende März die Stadt Idlib und danach eine andere wichtige Gemeinde sowie eine Militärbasis in der gleichnamigen Provinz erobert. Die Provinz liegt direkt neben der Küstenprovinz Latakia, der Hochburg des Clans des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

In Moskau wurde unterdessen der neue US-Gesandte für Syrien, Michael Ratney, zu Gesprächen empfangen. Er sprach insbesondere mit dem russischen Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt. In den vergangenen Wochen waren die diplomatischen Aktivitäten für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts auch von Moskau wieder verstärkt worden.

Mord an russischer Politikerin: 17 Jahre Haft für Drahtzieher

Knapp 17 Jahre nach dem Mord an der liberalen russischen Abgeordneten Galina Starowojtowa hat ein Gericht in St. Petersburg einen Drahtzieher der Tat zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Laut der Entscheidung von heute muss Michail Gluschtschenko, früherer ultranationalistischer Duma-Kollege Starowojtowas, 17 Jahre in einem Straflager absitzen.

Gluschtschenko und ein nicht identifizierter Mittäter hätten den Mord an Starowojtowa geplant, „um ihre politische Tätigkeit zu beenden“, hieß es in einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft zu der Gerichtsentscheidung.

Erst 2009 festgenommen

Die populäre Abgeordnete war im November 1998 im Kugelhagel im Stiegenhaus ihres Wohngebäudes in St. Petersburg gestorben. Das Attentat auf die wegen ihrer politischen Standfestigkeit hoch geachtete Politikerin überschattete die Wahlen zum Stadtrat der westrussischen Metropole im Dezember 1998.

Im Jahr 2005 wurden die beiden Auftragsmörder zu langen Haftstrafen verurteilt, nach den Auftraggebern wurde aber noch gesucht. Gluschtschenko war bereits im Jahr 2004 vorgeworfen worden, einer der Hintermänner gewesen zu sein. Erst im Juni 2009 wurde er festgenommen.

Al-Kaida-Ableger lässt im Jemen Männer auspeitschen

Die radikale Islamistenorganisation Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat im Jemen zehn Männer öffentlich auspeitschen lassen.

Der Vorfall ereignete sich nach offiziellen Angaben von heute in der Küstenstadt Al-Schihr in der Provinz Hadramaut. Die Vorwürfe gegen die zehn Männer lauteten auf Gotteslästerung sowie Konsum von Drogen und Alkohol.

Vor Dutzenden Zusehern

Bei der öffentlichen Auspeitschung gab es Dutzende Augenzeugen. Den Männern wurden zwischen 80 und 100 Peitschenhiebe zugefügt. Der Al-Kaida-Zweig AQAP kontrolliert große Teile des Hadramaut. Im April nahm er auch die Provinzhauptstadt Mukalla ein.

Das öffentliche Auspeitschen von schuldig Gesprochenen erfolgt im Namen des islamischen Schariarechts. Zugleich wollen die Islamisten damit ihren Herrschaftsanspruch demonstrieren.

Klitschko führt ukrainische Präsidentenpartei in Wahlen

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko ist knapp acht Wochen vor den Kommunalwahlen in der Ukraine zum Chef der Präsidentenpartei Solidarnist (Solidarität) bestimmt worden.

„Wir schaffen eine vereinte politische Kraft, die sich ihrer Verantwortung für effektive Reformen und reale Veränderungen bewusst ist“, sagte der 44-jährige Ex-Boxer heute auf dem Vereinigungsparteitag seiner Partei Udar (Schlag) mit Solidarnist von Präsident Petro Poroschenko. Es gab keinen Gegenkandidaten. Poroschenko rief auf dem Kongress andere Parteien dazu auf, sich dem neuen Bündnis anzuschließen. „Vereinigung ist das, was die Ukraine braucht“, betonte der 49-Jährige.

Inland

ZIB2

Burgenländischer Polizeidirektor zur Flüchtlingstragödie

Nach der schrecklichen Tragödie auf der A4 mit 71 toten Flüchtlingen in einem Kühl-Lkw hat die Polizei relativ rasch die mutmaßlichen Schlepper ausgeforscht. Die Ermittlungen am Wagen sind psychisch sehr belastend. Zu Gast im ZIB2-Studio ist der burgenländische Polizeidirektor Hans Peter Doskozil.

Flüchtlingskrise: Druck auf Politik wächst

Nach dem schrecklichen Fund auf der A4 fordern nun zahlreiche Politiker in Europa rasche Entscheidungen in der Flüchtlingskrise. Dazu in der ZIB2 Liveschaltungen zu Korrespondenten in Brüssel, Rom und Berlin. Außerdem ist die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek von den Grünen, zu Gast im Studio.

Der Fluch des billigen Öls

Billiges Öl ist für viele Autofahrer ein Segen. Aber in den Schwellenländern und im arabischen Raum könnten die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen dramatisch sein.

Rätselhafter Zug in Polen gefunden

In Polen wurde offenbar ein von den Nationalsozialisten versteckter Zug gefunden - angeblich mit Unmengen an Gold beladen.

ZIB2 mit Lou-Lorenz Dittlbacher, 22.00 Uhr, ORF2.

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Textfassung: Zeit im Bild

Sport

Leichtathletik-WM: Europas neue Sprint-Königin

Die Niederländerin Dafne Schippers hat heute bei der Leichtathletik-WM in Peking über 200 m die Goldmedaille gewonnen und dabei auch den 29 Jahre alten Europarekord gebrochen. „Das ist doch verrückt. Ich kann das gar nicht glauben“, jubelte die 23-Jährige, die in 21,63 Sekunden die viertschnellste Zeit der Geschichte erreichte.

Für Beate Schrott ging die WM unterdessen unglücklich zu Ende: Die 27-Jährige schied im Hürdensprint-Halbfinale verletzt aus.

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Europa League: Salzburg zahlt bitteres Lehrgeld

Der FC Salzburg ist gestern nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Dinamo Minsk bereits im Play-off der Europa League gescheitert. Die riesige Enttäuschung über das bittere Aus stand Fans, Spielern und Betreuern ins Gesicht geschrieben. Obwohl in beiden Partien spielerisch klar besser, konnte Salzburg das Ausscheiden nicht verhindern. Während Trainer Peter Zeidler die Schuld daran auch beim niederländischen Schiedsrichter sah, wussten die Spieler, dass sie ihre Aufstiegschancen bereits im Hinspiel vergeben hatten. Beide Partien zeigten auch: Die Mannschaft hat Talent, muss aber noch reifen.

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Wirtschaft

Zeitungen: BauMax-Verkauf an Obi und Supernova fix

Der Verkauf der angeschlagenen Baumarktkette bauMax an den deutschen Heimwerkerkonzern Obi und den Grazer Immobilienentwickler Supernova ist heute unter Dach und Fach gebracht worden. Das berichten der „Kurier“ und die „Kronen Zeitung“ (Samstag-Ausgaben).

Die deutsche Heimwerkerkette Obi wird demnach 70 der 106 bauMax-Standorte als Obi-Märkte weiterführen. Der Deal soll fünf bauMax-Filialen in Tschechien, 14 Märkte in der Slowakei, zwei in Slowenien und 49 Standorte in Österreich umfassen. 2.800 der 3.500 in Österreich beschäftigten bauMax-Mitarbeiter sollen von Obi übernommen werden.

Als Partner im Boot hat Obi den Grazer Immobilienentwickler und Fachmarktbetreiber Supernova. Supernova kauft fast 40 bauMax-Immobilien und vermietet sie an Obi weiter. Der Deal habe, so der „Kurier“, ein Volumen von knapp 200 Mio. Euro.

ESM-Chef will künftige Euro-Krisen ohne IWF stemmen

Der Chef des europäischen Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, will künftige Hilfsaktionen für Euro-Staaten ohne den Internationalen Währungsfonds (IWF) stemmen. „Die nächste Krise, die in den nächsten Jahrzehnten kommen wird, könnten die Europäer aus eigener Kraft bewältigen“, sagte Regling gegenüber dem „Spiegel“. Das Zusammenspiel von ESM, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) sei „eingeübt“: „Gemeinsam erfüllen sie die Aufgaben eines europäischen Währungsfonds.“

Der IWF war seit Beginn der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2010 bei den diversen Rettungsaktionen für verschuldete Mitglieder der Währungsunion mit an Bord. Ob der IWF sich auch dem gerade beschlossenen dritten Hilfsprogramm für Griechenland beteiligt, ist noch offen. Darüber will die Finanzinstitution erst nach einer ersten Bewertung zum Stand der geforderten Reformauflagen im Herbst entscheiden.

Die deutsche Bundesregierung hofft auf eine erneute Beteiligung des IWF - und auch Regling setzt darauf. Bei der Krise um Griechenland soll der IWF noch so lange an Bord bleiben, bis die gegenwärtigen Turbulenzen überstanden seien, sagte der deutsche ESM-Chef dem „Spiegel“ laut der Vorabmeldung auf die aktuelle Ausgabe des Magazins.

Wirtschaftsleistung in Brasilien bricht ein

Die tiefe Rezession in Brasilien ist nun auch offiziell bestätigt: Im zweiten Quartal brach die Wirtschaftsleistung der siebentgrößten Volkswirtschaft der Welt im Vergleich zum Vorquartal um 1,9 Prozent ein - nach einem Minus von 0,7 Prozent im ersten Vierteljahr. Das teilte die Statistikbehörde heute mit.

Es war das schwächste zweite Quartal seit 1996 und der tiefste Einbruch seit 2009. Geht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei Quartalen nacheinander zurück, wird nach gängiger Definition von einer Rezession gesprochen. Auch zum Jahresende 2014 war die Entwicklung schon schwach: Im Schlussquartal hatte sich die Wirtschaftsleistung nicht verändert.

Das rohstoffreiche Land leidet unter dem niedrigen Ölpreis, einer Inflation von fast zehn Prozent, schwachem Konsum, steigender Arbeitslosigkeit, und die Unternehmen halten sich bei ihren Investitionen zurück. Hinzu kommt ein Korruptionsskandal, in den das größte Unternehmen Petrobras (Umsatz: rund 123 Mrd. Euro) involviert ist. Brasilien ist mit einem BIP von 2,1 Billionen Euro (2014) siebentgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Nestle wegen Beihilfe zur Sklaverei angezeigt

Nestle ist in den USA mit einer Klage konfrontiert. Dem Konzern wird vorgeworfen, der auf thailändischen Fischereischiffen grassierenden Sklaverei bewusst Vorschub zu leisten. Die dabei erwirtschafteten Produkte finden sich laut der Klageschrift vor allem im Katzenfuttersortiment des Lebensmittelmultis. Eine Anwaltskanzlei reichte eine entsprechende Sammelklage ein.

Die Klage wurde bei einem Bundesgericht in Kalifornien deponiert. Nestle importiere über den thailändischen Lieferanten Thai Union Frozen Products mehr als 12.000 Tonnen Tiernahrung auf der Basis von Meeresfrüchten für die großen in den USA verkauften Marken. Ein Teil dieser Meeresfrüchte werde unter Sklavereibedingungen gewonnen.

Nestle dementiert Vorwürfe

Männer und Buben aus ärmeren Ländern wie Myanmar und Kambodscha würden an Fischerkapitäne verkauft, heißt es in der Klage. Auf den Booten müssten sie für wenig oder gar kein Geld 20 Stunden am Tag unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Zudem würden sie misshandelt. Die Kanzlei ruft weitere Konsumenten auf, sich der Klage anzuschließen.

Nestle reagierte prompt: „Zwangsarbeit hat keinen Platz in unserer Lieferkette“, schrieb der Konzern in einer Stellungnahme. Die Konzernrichtlinien für Fisch und Meeresfrüchte würden alle Lieferanten verpflichten, die Menschenrechte zu beachten und sich an die Arbeitsgesetze zu halten. Nestle arbeite mit globalen und lokalen Anspruchsgruppen zusammen, um dieses ernste und komplexe Problem anzugehen.

Österreichs BIP wuchs im zweiten Quartal mehr als vorher

Die österreichische Wirtschaftsleistung ist im ersten Halbjahr leicht gestiegen, und dabei hat sich das Wachstum im zweiten Quartal etwas beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag von April bis Juni um 0,3 Prozent über dem Vorquartal, bestätigte das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) heute seine erste Schätzung von Ende Juli. Im ersten Quartal hatte das Plus nur 0,2 Prozent betragen.

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Chronik

Radioaktives Wasser in ukrainischem AKW ausgetreten

In einem Atomkraftwerk im Westen der Ukraine ist nach Behördenangaben radioaktives Wasser ausgetreten. Das Leck am für Reparaturarbeiten abgeschalteten Reaktor Nummer 1 im Kraftwerk von Chmelnizki, 275 Kilometer westlich von Kiew, sei heute am frühen Morgen aufgetreten, erklärte das staatliche Unternehmen Energoatom.

Das Kühlwasser sei aufgefangen worden, sagte ein Sprecher des Kraftwerks. In der Umgebung sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Der Vorfall wurde auf die niedrigste Stufe der internationalen Skala für atomare Zwischenfälle eingestuft.

In der Ukraine ereignete sich im April 1986 die bisher schlimmste Atomkatastrophe, als ein Reaktor des Atomkraftwerks von Tschernobyl explodierte. Mehr als sechs Tage dauerte es, bis die brennende Ruine gelöscht war. Weite Regionen in Europa und in der damaligen Sowjetunion wurden verstrahlt.

Raketenreste stürzen auf Dorf in China

Nach dem Start eines Satelliten ins Weltall sind in China Reste der Trägerrakete auf ein Dorf gestürzt. Dabei sei das Haus eines Einwohners massiv beschädigt worden, berichteten die Polizei und mehrere örtliche Medien. Der Zwischenfall habe sich kurz nach dem Start ereignet, die Raketenteile seien mit einem lauten Knall auf die Erde gekracht.

Großes Loch im Dach

Der Vorfall ereignete sich in der nordchinesischen Provinz Shaanxi. Im Internet waren Fotos von einem Mann zu sehen, der neben einem Trümmerteil steht. Dieses ist genau so groß wie er selbst, offenbar handelt es sich um eine Raketendüse. Im Hintergrund sind eine zerstörte Mauer und Trümmerhaufen zu sehen. Ein anderes Foto zeigte ein großes Loch in einem Dach.

Der Einschlag in dem Dorf ereignete sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua neun Minuten nach dem Start einer Trägerrakete von der Nachbarprovinz Shanxi. Diese brachte einen Satelliten ins All, der unter anderem zur Landvermessung und Katastrophenvorbeugung genutzt werden soll.

Kultur

„Märchen der Märchen“: Deftige Kost in barockem Gewand

Ein lüsterner König, ein Floh in der Größe eines Bären und ein Fruchtbarkeitsritual mit Eingeweiden: Die Märchen des frühen Barock waren alles andere als kindgerecht. Der Kinofilm „Das Märchen der Märchen“ erzählt drei dieser Geschichten und verzichtet dabei auf die übliche Extraportion Kitsch. Stattdessen zeigt der italienische Regisseur Matteo Garrone eine deftige Fantasiewelt, die sich stets zwischen schön und scheußlich bewegt.

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Iran will Barenboim-Auftritt nicht zulassen

Der Iran will einen geplanten Auftritt des israelisch-argentinischen Stardirigenten Daniel Barenboim in Teheran nicht zulassen. „Der Iran erkennt das zionistische Regime (Israel) nicht an und wird auch nicht mit Künstlern dieses Regimes zusammenarbeiten“, sagte ein Sprecher des iranischen Kultusministeriums heute.

Barenboim plante mit der Berliner Staatskapelle ein Konzert in Teheran. Der iranische Ministeriumssprecher Hussein Nuschabadi sagte, sobald das Ministerium erfahren habe, dass der Dirigent des geplanten Konzerts ein israelischer Staatsbürger sei, sei das Konzert vom Minister selbst abgesagt worden.

Zuvor hatte Israel Protest gegen die Konzertpläne angekündigt. Barenboim kritisierte immer wieder die israelische Siedlungspolitik und die Haltung der verschiedenen Regierungen gegenüber den Palästinensern.

Salzburger Festspiele: Mehr Einnahmen, höhere Auslastung

Die Salzburger Festspiele haben heute eine positive wirtschaftliche Bilanz 2015 gezogen: Zwar kamen etwas weniger Besucher zu deutlich weniger Veranstaltungen - doch sowohl die Einnahmen als auch die Auslastung stiegen.

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99 Prozent Auslastung in Innsbruck

Die 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zogen ebenfalls eine positive Bilanz über die abgelaufene Spielzeit. Demnach waren die Veranstaltungen zu 99 Prozent ausgelastet, auch das Interesse der Medien war enorm.

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Medien

Leute

Celine Dion bittet um Lieder für neue Alben

Die kanadische Sängerin Celine Dion sucht nach Liedern für ihre beiden nächsten Alben - und hat quasi eine öffentliche Ausschreibung gestartet. „Wir bekommen gerade die ersten Lieder, jeder kann mitmachen“, sagte die 47-Jährige heute dem französischen Sender RTL. „Jeder Autor oder Komponist kann mir seine Kunst zuschicken.“

Die Sängerin, die unter anderem mit dem Titanic-Song „My Heart Will Go On“ einen Megahit landete, will im kommenden Jahr ein neues Album mit französischen Liedern veröffentlichen, 2017 dann eines mit englischen Stücken.

„Es können Lieder sein, die mir erlauben, neue Ziele zu erreichen, mich weiterzuentwickeln, oder einen schönen Augenblick zu erleben, begeistert zu sein, denn ich will wirklich weiter vorankommen“, sagte die Sängerin. Die Kanadierin startet gerade eine neue Konzertreihe in Las Vegas. Vor einem Jahr hatte sie eine Pause eingelegt, um mehr Zeit an der Seite ihres krebskranken Ehemannes zu verbringen.

Religion

Kroatischer Bischof will Referendum über Faschistengruß

Der Vorsitzende der kroatischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Zadar, Zelimir Puljic, hat ein Referendum über den Gruß der Faschisten im Zweiten Weltkrieg vorgeschlagen. Über die Wiedereinführung des Grußes „Fürs Vaterland bereit“ innerhalb der Armee des NATO- und EU-Landes solle in einer Volksabstimmung entschieden werden, schlug das geistliche Oberhaupt heute vor.

Der Gruß war von den mit Hitler-Deutschland verbündeten kroatischen Ustascha-Faschisten genutzt worden und ist seitdem verboten. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hatte in dieser Woche die Initiative einer Gruppe von konservativen Politikern zur Wiedereinführung des faschistischen Grußes in der Armee abgelehnt. Bei Fußballspielen etwa wird er von Hooligans immer wieder skandiert. Internationale Sportverbände verhängten dafür zum Teil drastische Strafen.

IT

Chef von Ashley Madison nimmt nach Hack den Hut

Nach dem verheerenden Hackerangriff auf das Seitensprungportal Ashley Madison ist der unter Kritik geratene Firmenchef Noel Biderman zurückgetreten. Im Internet waren neben den Daten von Millionen Nutzern auch interne E-Mails veröffentlicht worden, die Biderman ins Zwielicht rückten.

Die E-Mails legten laut Medienberichten nahe, dass Biderman eine breit angelegte Erstellung gefälschter Frauenprofile unterstützt habe, mit denen Männer dann kostenpflichtige Nachrichten austauschten. Die Betreiberfirma Avid Life Media werde nach Bidermans Abgang zunächst vom restlichen Topmanagement weitergeführt, hieß es heute. Das Flirtportal werde weiterhin weltweit online bleiben.

Die Betreiber von Ashley Madison waren nach dem Hackerangriff unter Druck geraten. Das Unternehmen bot auch die Option an, für 19 Dollar alle Daten löschen zu lassen. Die von Hackern veröffentlichten Profile zeigten jedoch, dass auch danach noch Informationen auf den Servern blieben. Biderman hatte in den vergangenen Jahren immer wieder versichert, Ashley Madison biete Mitgliedern volle Diskretion. Nach Veröffentlichung der Informationen zogen mehrere von ihnen vor Gericht.

Science

Lifestyle

Fahrradtrends: Der E-Motor wird unsichtbar

E-Bikes haben längst ihr „unsportliches“ Image abgelegt - das beweist der rasant steigende Absatz. Und der Boom ist ungebrochen, wie die vielen E-Bike-Neuvorstellungen auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike zeigen. Vor allem ist aber auch ihr Einsatz mittlerweile breiter - während der Elektroantrieb bei Trekking- und City-Fahrrädern schon lange den Siegeszug angetreten hat, lassen sich nun immer mehr Mountainbiker auf Offroad-Touren elektrisch unterstützen. Und weil sich das manch sportliche Radler vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick anmerken lassen möchte, lassen Hersteller die Motoren und Akkus immer unsichtbarer werden.

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