Inland

Lopatka verteidigt ÖVP-Zuwachs aus Team Stronach

ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka hat gestern Abend in der ZIB2 den Zuwachs in seiner Partei aus den Team-Stronach-Reihen verteidigt. Erst am Samstag war ja bekanntgeworden, dass die beiden ehemaligen TS-Mandatare Kathtrin Nachbaur und Rouven Ertlschweiger den Klub wechseln. „Im Sinne der Steuerzahler“ sei es sicher das Beste, wenn Abgeordnete, die in ihrer Partei keine Zukunft mehr sähen, anstatt als wilde Abgeordnete im Parlament zu sitzen, ihre Chance bei einer anderen Partei nutzten. So könne ihre Arbeit fortgesetzt werden.

Gespräch mit Reinhold Lopatka

Reinhold Lopatka nimmt zu den Überläufern und zum möglichen Koalitionswechsel Stellung.

Dafür, was Frank Stronach (als TS-Parteigründer) hinterlassen habe, sei er jedenfalls nicht verantwortlich. Dem Hinweis, dass Stronach-Wähler aber wohl eher nicht die ÖVP wählen würden, stimmte er jedoch zu. Angesprochen darauf, dass das TS gegen einen Großteil der von der ÖVP beschlossenen Gesetze gestimmt hat, meinte Lopatka sinngemäß, dass kritische Stimmen in der Partei willkommen seien. Allerdings müsse jeder, der wechselt, zu 100 Prozent das Grundsatzprogramm der ÖVP mittragen - ein Kandidat, der dafür auch die Voraussetzungen erfüllen würde, ist aus seiner Sicht NEOS-Parteichef Matthias Strolz.

ÖVP-FPÖ-Dementi zu Koalitionsplänen

Dass Nachbaur und Ertlschweiger zur ÖVP gewechselt sind, hat die Gerüchte über einen fliegenden Koalitionswechsel zu Schwarz-Blau befeuert. Der wird allerdings von beiden beteiligten Parteien dementiert. Nach Lopatka wies auch Parteichef Reinhold Mitterlehner solche Pläne ins Reich der „Sommerspekulationen“.

Auch FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl lehnt einen „fliegenden Wechsel“ der Mehrheiten „kategorisch“ ab. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Die ÖVP lehnt Neuwahlszenarien ab, die FPÖ drängt darauf.

Mehr dazu in Lugar soll neuer TS-Klubchef werden

Aufnahmestopp-Bescheid für Traiskirchen zugestellt

Der Bescheid für den Aufnahmestopp in Traiskirchen ist gestern zugestellt worden. Das berichteten mehrere Zeitungen in ihren Dienstag-Ausgaben. Basis ist die gesundheitsbehördliche Überprüfung vergangene Woche, nach der Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) die Aufnahmesperre angekündigt hatte.

Konkret ging der Bescheid an die zuständige Betreuungsfirma sowie das Innenministerium. Letzteres prüft ihn rechtlich. Die Sperre werde voraussichtlich Mittwoch in Kraft treten, hatte es bereits Ende vergangener Woche geheißen.

Ministerium: Asylvertrag mit Gabcikovo bleibt aufrecht

Unterdessen stellten das österreichische und das slowakische Innenministerium klar, dass man an den Plänen festhält, Asylwerber in der Slowakei unterzubringen. In der dafür vorgesehenen Stadt Gabcikovo hatten sich bei einer Abstimmung 97 Prozent gegen dieses Vorhaben ausgesprochen. 500 Menschen, die derzeit in Traiskirchen sind, sollen in der Stadt versorgt werden.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Laut slowakischer Regierung verständlich

Innenpolitisch fuhr die Regierung in Bratislava freilich eine andere Kommunikationsstrategie. Man könne das Ergebnis der Volksabstimmung in der südslowakischen Gemeinde verstehen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Innenministeriums. Es spiegle „Befürchtungen wieder, die die ganze Slowakei teilt“.

Daher habe sich die Regierung auch gegen eine verpflichtende Quote auf EU-Ebene gewehrt und lediglich der freiwilligen Aufnahme von 100 „Christen“ aus Syrien über UNO-Resettlement-Programme zugestimmt. Zudem werde man vor Ankunft der Asylwerber aus Österreich „umfassende Sicherheitsmaßnahmen“ vorbereiten, die der Bevölkerung von Gabcikovo klar und deutlich erklärt würden.

Vier Bundesländer erfüllen Asylquote

In Österreich selbst erfüllen nur drei der neun Bundesländer derzeit die Quote bei der Unterbringung von Asylwerbern: Wien, Niederösterreich und Vorarlberg nehmen weiterhin mehr Flüchtlinge auf als mit dem Innenministerium vereinbart (Stichtag 3. August). Dazu gesellt sich das Land Salzburg, das die Quote nach eigenen Angaben erfüllt, jedoch noch nicht in der offiziellen Statistik enthalten ist.

Schlusslicht ist das Burgenland. Dort sind derzeit 180 Flüchtlinge weniger untergebracht als mit dem Innenministerium vereinbart. Die Quotenerfüllung beträgt dort lediglich 88,33 Prozent. Kärnten hält bei 91,61 Prozent oder 250 Asylwerbern zu wenig. Die Steiermark liegt bei 91,85 Prozent, was 530 fehlenden Plätzen entspricht.

Oberösterreich erfüllt nur zu 93,2 Prozent das Soll, dort sind es 519 Asylwerber weniger als ausgemacht. Etwas besser sieht es in Tirol aus, wo aber die Quote mit 95,68 Prozent (167 fehlende Plätze) auch nicht erfüllt wird.

NÖ, Wien, Vorarlberg und Salzburg

In Niederösterreich mit dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen sind derzeit 1.569 Flüchtlinge mehr als vereinbart untergebracht, die Quotenerfüllung beträgt 118,02 Prozent. Wien beherbergt derzeit 249 Asylwerber mehr, als es eigentlich müsste, und erfüllt damit die Quote zu 102,64 Prozent. Leicht im Plus liegt nun auch Vorarlberg: 100,26 Prozent oder fünf Flüchtlinge mehr als vereinbart.

Salzburgs grüne Landesrätin Martina Berthold teilte mit, man habe über das Wochenende noch 178 zusätzliche Plätze geschaffen. Damit beherberge man derzeit genau 2.861 Flüchtlinge und damit einen mehr als vereinbart. In der offiziellen Statistik waren die 178 zusätzlich geschaffenen Plätze noch nicht ersichtlich, und die Quotenerfüllung lag noch bei 93,8 Prozent. Es dürfte sich um Übernahmen handeln, die noch nicht wirksam sind.

Die der APA vorliegenden Daten aus den Bundesländern umfassen auch die fixen Einrichtungen des Bundes sowie die Zeltlager für Asylwerber und jene in Gebäuden der Polizei. Im überfüllten Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen befanden sich am Montag exakt 4.000 Flüchtlinge, ein großer Teil davon ist weiterhin obdachlos.

Ausland

Kosovo macht Weg für Sondertribunal frei

Das Parlament im Kosovo hat sich internationalem Druck gebeugt und mit einer Verfassungsänderung den Weg für ein Sondertribunal geebnet. Das Gericht soll Gräueltaten von Albanern an Serben im Kosovo-Krieg Ende der 1990er Jahre ahnden. 85 Parlamentarier stimmten gestern für die Vorlage, fünf votierten dagegen.

Die Opposition im Parlament mit 120 Sitzen boykottierte die Abstimmung. Es soll um Morde, Verschleppungen, Vertreibungen, sexuelle Gewalt und die Zerstörung von Kirchen gehen.

Die Verbrechen sollen Rebellen der inzwischen aufgelösten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) in der Zeit von 1998 bis Ende 2000 begangen haben. UCK-Veteranen protestierten vor dem Parlament gegen das Tribunal und riefen „Verräter“. Das Tribunal gilt als Teil des Normalisierungsprozesses zwischen Serbien und dem Kosovo, um den sich die Europäische Union bemüht. Ziel der EU ist es, die serbische Minderheit in dem fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovo in diesen Staat zu integrieren.

Palästinenserkind getötet: Jüdischer Ultranationalist gefasst

Drei Tage nach dem Tod eines anderthalbjährigen Palästinenserbuben bei einem Brandanschlag im israelisch besetzten Westjordanland hat es gestern die erste Festnahme gegeben. Wie ein Sprecher des israelischen Inlandsgeheimdiensts Shin Beth mitteilte, wurde in Safed im Norden Israels der Chef einer ultranationalistischen jüdischen Gruppe gefasst.

Eine Polizeisprecherin sagte, der um die 20 Jahre alte Meir Ettinger werde „nationalistischer Verbrechen“ verdächtigt. Er soll tags darauf zu einer Haftanhörung vor Gericht erscheinen. Ettingers Großvater ist der rechtsextreme Rabbiner Meir Kahane, der 1968 die Jüdische Verteidigungsliga (JDL) gründete. Er rief auch die Kach-Bewegung ins Leben, die sich für die Vertreibung aller Araber aus Israel einsetzt. 1990 wurde er bei einem Attentat in New York getötet.

Israelische Medien beschrieben Ettinger als Drahtzieher eines Brandanschlags auf die römisch-katholische Brotvermehrungskirche am 18. Juni. Die von deutschen Mönchen verwaltete Pilgerstätte im nordisraelischen Tabgha am See Genezareth war dabei schwer beschädigt worden. Sie gilt gläubigen Christen als der Ort, an dem Jesus Christus bei der Speisung der Fünftausend eines seiner größten Wunder vollbrachte, indem er fünf Brotlaibe und zwei Fische vermehrte, um Tausende Gläubige zu versorgen.

Russland weist schwedischen Diplomaten aus

Als Reaktion auf die kürzliche Ausweisung eines russischen Diplomaten aus Schweden hat Moskau einen schwedischen Diplomaten des Landes verwiesen. Wie das Außenministerium in Stockholm gestern mitteilte, wurde der russische Diplomat vor Kurzem ausgewiesen, weil er sich nicht an Regeln der Wiener Konvention, die international das diplomatische Geschäft regelt, gehalten habe.

Darauf habe Moskau nun regiert. Weitere Angaben machte die schwedische Regierung nicht, auch die Namen der beiden Diplomaten wurden nicht veröffentlicht. Politiker in Skandinavien und im Baltikum hatten sich in jüngster Zeit über russische Militärmanöver beschwert. Schweden ist zwar wie Finnland nicht Mitglied der NATO, beteiligte sich zuletzt aber verstärkt an Übungen der westlichen Militärallianz.

Missbrauch: Britischer Ex-Premier in Ermittlungen genannt

Die Polizei in der südenglischen Grafschaft Wiltshire hat in den 90er Jahren möglicherweise Ermittlungen nach Hinweisen auf Kindesmissbrauchs eingestellt, weil der ehemalige Premier Edward Heath involviert gewesen sein soll. Die britische Polizeibeschwerdestelle (IPCC) leitete gestern eine Untersuchung des Falles ein. Der Hinweis sei von einem pensionierten Polizeibeamten gekommen. Demnach hätten die Behörden damals einen Fall ad acta gelegt, weil ein Verdächtiger den Hinweis gegeben hatte, Heath sei ebenfalls in die Sache verwickelt. Heath starb bereits 2005, er war von 1970 bis 1974 konservativer Premier Großbritanniens.

Seit Monaten arbeiten eigens eingerichtete Taskforces der englischen Polizei an der Aufklärung von Missbrauchsfällen, in die höchste Kreise verstrickt gewesen sein sollen. In den 1970er und 1980er Jahren soll ein Pädophilenring systematisch Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Auch Politiker werden als Täter vermutet, sogar von Mordfällen ist die Rede. Die Aufarbeitung gestaltet sich aber mehr als schwierig, zahlreiche Akten und Dossiers aus den 70er und 80er Jahren gelten aus verschollen.

Huthis verlieren größte Militärbasis im Jemen

Im Jemen haben regierungstreue Truppen nach eigenen Angaben mit der Einnahme des Militärstützpunktes al-Anad ihren zweiten bedeutenden Sieg über die Huthi-Rebellen errungen. Nach heftigen Kämpfen sei die Eroberung des größten militärischen Komplexes im Land abgeschlossen, teilte Brigadegeneral Fadel Hassan gestern mit.

Seine Soldaten würden das 40 Quadratkilometer große Areal nach versprengten Rebellen durchkämmen. Die Aufständischen seien zu Hunderten aus dem Stützpunkt nördlich der Hafenstadt Aden geflohen.

Der Stützpunkt al-Anad ist von strategischer Bedeutung. Im März fiel die Basis in die Hand der vorrückenden Huthis, woraufhin die US-Armee den Stützpunkt räumen musste. Die US-Soldaten hatten von al-Anad aus den Drohnenkrieg gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida im Jemen überwacht.

Russland lädt Hamas-Führung nach Moskau ein

Russland hat die Führung der radikalislamischen Hamas nach deren Angaben offiziell zu einem Besuch in Moskau eingeladen. Außenminister Sergej Lawrow habe Hamas-Chef Chaled Meschaal gestern in Katar getroffen und die Einladung ausgesprochen, erklärte ein Hamas-Vertreter in Gaza.

Ein Termin stehe noch nicht fest. Eine Einladung aus Moskau könnte als diplomatische Aufwertung der Hamas interpretiert werden. Meschaal war zuletzt 2010 in Moskau.

Hamas kein Gesprächspartner bei Friedensprozess

Russland ist neben den USA, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen Mitglied des Nahost-Quartetts, das im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt.

Die im Gaza-Streifen herrschende Hamas erkennt das Existenzrecht Israels nicht an, ebenso wenig wie die bisher zwischen Palästinensern und Israel abgeschlossenen Zwischenabkommen. In ihrer Charta ruft die Gruppe zur Vernichtung Israels auf, weshalb sie für die westlichen Partner im Quartett kein Gesprächspartner ist.

Sport

Erste Liga: LASK stürzt Leader Innsbruck

Aufstiegsfavorit LASK hat sich gestern mit einem Auswärtssieg bei Wacker Innsbruck an die Erste-Liga-Tabellenspitze gesetzt. Die Tiroler, die davor ex aequo mit Austria Klagenfurt Platz eins belegt hatten, kassierten in der dritten Runde die erste Niederlage. Bereits heute Abend haben die Klagenfurter Gelegenheit, mit einem Sieg zu Hause gegen den FAC die Führung zurückzuholen.

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Tennis: Newcomer Novak überrascht in Kitz

In seinem zweiten Spiel auf der ATP-Tour hat Dennis Novak gestern in Kitzbühel seinen ersten Sieg gefeiert. Der 21-jährige Niederösterreicher schlug in der ersten Runde den ebenfalls ungesetzten, aber doch favorisierten Briten Aljaz Bedene (Weltranglisten-57.) in drei Sätzen. Im Achtelfinale des Sandplatz-Traditionsturniers in Tirol trifft der ÖTV-Newcomer nun auf den als Nummer drei gesetzten Fabio Fognini.

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Wirtschaft

Puerto Rico bedient Anleihe nicht - in Zahlungsverzug

Das hoch verschuldete Puerto Rico ist in Zahlungsverzug geraten. Eine öffentliche Anleihe der staatlichen Public Finance Corporation (PFC) über insgesamt 58 Millionen Dollar (53 Mio Euro) sei nur mit 628 000 Dollar bedient worden, teilte die Entwicklungsbank von Puerto Rico gestern mit. Die nötigen Mittel seien nicht vorhanden, hieß es in einer Stellungnahme.

Die Ratingagentur Moody’s erklärte daraufhin laut US-Medien den Zahlungsausfall. Puerto Rico ist als selbstverwaltetes Außengebiet zwar US-Territorium, aber kein US-Bundesstaat. Es kann deshalb nur begrenzt auf Hilfe aus Washington hoffen. Das Land hat insgesamt einen Schuldenberg von rund 72 Milliarden Dollar (66 Mrd Euro). Dass Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, kommt nicht überraschend.

Puerto Ricos Gouverneur Alejandro García Padilla hatte bereits Ende Juni Zahlungsausfälle angekündigt, sollten die Gläubiger keine Zugeständnisse machen: „Ziel ist ein Moratorium, um die Begleichung der Schulden einige Jahre zurückzustellen.“ Bereits Anfang Juli konnte nur knapp verhindert werden, dass der staatliche Energieversorger Prepa in Zahlungsverzug gerät.

Ratingagentur S&P senkt Ausblick für die EU auf negativ

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den Ausblick für die Europäische Union auf negativ gesenkt. Die Bonitätsnote bleibe bei „AA+“, teilte Standard & Poor’s (S&P) gestern mit. Damit erhöht sich für die EU die Gefahr einer Herunterstufung innerhalb der nächsten zwei Jahre. Bisher war der Ausblick stabil. Insgesamt seien die Risiken für die Finanzlage der EU gestiegen, hieß es zur Begründung.

Dazu gehörten die neuen Hilfen für Griechenland, hieß es in der Mitteilung von S&P. Zudem droht Großbritannien, dem zweitgrößten Beitragszahler, der Entzug der Spitzenbonitätsnote. S&P senkte erst vor Kurzem für Großbritannien ebenfalls den Ausblick auf negativ.

Ein weiterer Faktor ist den Angaben zufolge der milliardenschwere Investitionsplan von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Dafür soll ein neuer Europäischer Fonds für strategische Investitionen (EFSI) aufgesetzt werden, der über drei Jahre insgesamt 315 Milliarden Euro mobilisieren soll. S&P geht davon aus, dass die EU im Zusammenhang mit der Finanzierung das Erstrisiko tragen könnte.

14 Jahre Haft für Hauptverdächtigen in LIBOR-Skandal

Der frühere Investmentbanker Tom Hayes ist gestern in London als Hauptverdächtiger im sogenannten LIBOR-Skandal wegen Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der heute 36-Jährige soll in den Jahren 2006 bis 2010 als Starinvestmentbanker der Schweizer Großbank UBS den wichtigen Referenzzins massiv beeinflusst haben. Er hatte die Vorwürfe zunächst eingeräumt, sie dann aber vor einem Londoner Gericht wieder bestritten.

Die Jury am Southwark Crown Court wertete die Vernehmung bei der Polizei als glaubwürdig. Sie sah pure Gier als Motiv. Hayes hatte unter anderem auch erklärt, die Manipulationen seien ein branchenweites Phänomen gewesen und kein Einzelfall. Der LIBOR-Zinssatz regelt die Kosten, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Er ist Grundlage etwa für Immobilienkredite.

Hayes, der nach der UBS auch bei der Citigroup tätig war, ist der erste von zahlreichen Verdächtigen im LIBOR-Skandal, der verurteilt wurde. Er gilt aus Sicht der Ermittler als Kopf eines weltweiten Manipulationsringes. Ein Strafmaß gab das Gericht noch nicht bekannt. Zahlreiche Banken hatten empfindliche Strafzahlungen an Behörden in London, Washington und Brüssel zahlen müssen - darunter die Deutsche Bank, die Schweizer UBS und die US-amerikanische Citgroup.

Gewerkschaftsjugend fordert Standards für Praktika

Die Gewerkschaftsjugend der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) fordert Standards für Pflichtpraktika. Gerade in der Ferienzeit würden sich die Anfragen wegen ausbleibender Bezahlung und fehlender Ausbildung häufen, erklärte die Jugendsekretärin der GPA-djp, Barbara Kasper, gestern in einer Aussendung. Rund 280.000 junge Menschen in Österreich absolvieren jährlich ein Praktikum.

Oft würden dabei die arbeitsrechtlichen Standards verletzt. Berufseinsteigern auf der Suche nach einem Job werde oft viel versprochen, aber wenig oder gar keine Entlohnung angeboten. In vielen Unternehmen seien die Praktika eigentlich normale Arbeitsverhältnisse, würden aber nicht dementsprechend bezahlt.

Sozialversicherung entgeht jährlich fast 70 Mio. Euro

Die Arbeitgeber ersparen sich durch unter- oder unbezahlte Pflichtpraktika Steuern und Abgaben, der Sozialversicherung entsteht dadurch jährlich ein Verlust von rund 69 Mio. Euro, kritisiert die Gewerkschaftsjugend. Den Pflichtpraktikanten entgehe ein Entgelt von rund 174 Mio. Euro.

Mit öffentlichen Aktionen in Wien will die Gewerkschaft die Ausbeutung der Praktikanten eindämmen. Auf einer eigenen Onlineplattform wird über die Rechte informiert. Die Berichte von Betroffenen werden ausgewertet und anonym der zuständigen Gebietskrankenkasse weitergeleitet, um die Situation zu prüfen und eventuell ausstehende Entlohnung einfordern zu können.

Chronik

„Rote Glut“ ängstigt Badegäste in Niederlanden

Nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen ist an drei Stränden der holländischen Küste das Baden zeitweise verboten gewesen. Die bedrohlich leuchtenden Schwärme von Mikroorganismen - die Medien nannten sie „Rode Gloed“ („Rote Glut“) - zogen sich jedoch bis gestern Nachmittag wieder zurück.

Rot glühende Algen im Meer

APA/EPA/Polce Helicopter/Depolitieheli

In Scheveningen, Wassenaar und Katwijk (Provinz Südholland) holten Rettungsschwimmer ihre roten Warnflaggen daraufhin wieder ein. Die wahrscheinlich Millionen von winzigen Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) waren am Vortag vor den Küsten unweit von Den Haag aufgetaucht.

Hautreizungen durch Mikroorganismen

Die rötlich leuchtenden Mikroorganismen seien zwar nicht giftig, könnten aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen, warnte ein Sprecher der zum Umweltministerium gehörenden Wasserbehörde Rijkswaterstaat. „Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.“ An den Stränden fuhren Autos mit Warnschildern entlang: „Zee gevaarlijk“ (Gefahr im Meer).

Die meisten Badegästen hielten sich an die Warnung, manche waren verängstigt. Allerdings gab es etliche, die trotzdem ins Wasser gingen. Ein Sprecher des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) erklärte später, das Badeverbot sei vielleicht eine zu starke Reaktion auf das Auftauchen der Meeresleuchttierchen gewesen.

Bei den Tieren handelt es sich um Einzeller, die sich vor allen von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Die Mikroorganismen treten an der niederländischen ebenso wie an der deutschen Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit.

Baukräne umgestürzt: Viele Verletzte in Niederlanden

Zwei umstürzende Baukräne haben in der niederländischen Stadt Alphen am Rhein im Westen des Landes gestern etwa 20 Menschen verletzt. Wie die örtliche Feuerwehr mitteilte, waren die Kräne bei Renovierungsarbeiten an einer Klappbrücke eingesetzt und transportierten zum Zeitpunkt des Unglücks „ein Stück Straße“ durch die Luft, das dort eingesetzt werden sollte. Zunächst sei ein Kran umgestürzt, daraufhin der zweite.

Fünf Häuser seien bei dem Unglück in einer Einkaufsstraße beschädigt worden. Unter anderem seien auch zwei Geschäfte betroffen gewesen. Am Unglücksort waren Krankenwagen und Rettungshubschrauber im Einsatz.

Zur Schwere der Verletzungen der etwa 20 Betroffenen lagen keine Angaben vor. Die Kräne standen nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP auf zwei Lastkähnen auf dem Fluss.

Kino-Mörder von Aurora droht weiter Todesstrafe

Dem Kino-Mörder von Aurora droht weiter die Todesstrafe. Die Geschworenen im Prozess gegen James Holmes entschieden gestern, dass mildernde Umstände gegen den 27-Jährigen nicht überwiegen und deshalb ein Todesurteil möglich sein kann.

Jetzt müssen die Geschworenen noch einmal in Beratung gehen, an deren Ende ein Todesurteil oder eine lange Haftstrafe stehen kann. Holmes hatte vor drei Jahren bei der Premiere eines „Batman“-Filmes zwölf Menschen erschossen. Die Verteidigung forderte die Einweisung in die Psychiatrie, weil der Täter krank sei.

F: Randalierende Kinder richten Chaos in Kindergarten an

Umgestürzte Regale, zerschmetterte Fensterscheiben, Schmierereien auf den Wänden: Eine randalierende Kinderbande hat in einem Kindergarten in einer Gemeinde bei Paris ein ziemliches Chaos angerichtet. Es sei wohl eine Art „Gruppeneffekt“ gewesen, der die Lage aus dem Ruder geraten ließ, teilte gestern die Polizei mit. Das Bürgermeisteramt der Kommune Melun reichte Klage ein.

Die 22 Missetäter im Alter von fünf bis 13 Jahren waren nach Angaben aus dem Bürgermeisteramt am Samstag in die Kindertagesstätte eingedrungen und hatten mehrere Klassenräume verwüstet. Ein Anwohner rief die Polizei. Diese nahm einige Rabauken fest, als sie das Gebäude verlassen wollten oder noch in der Tagesstätte am Werk waren. Den Angaben zufolge stammten einige Kinder aus einem als sozialer Brennpunkt geltenden Viertel.

Die Kinder wurden nun in Anhörungen vernommen, nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen ihnen lediglich „erzieherische Maßnahmen“, weil alle noch minderjährig sind. Ihre Eltern müssten sich jedoch darauf gefasst machen, die Schäden zu bezahlen.

Religion

Dutzende christliche Gräber in Ostfrankreich beschädigt

Auf einem christlichen Friedhof im Osten Frankreichs sind Dutzende Gräber von Unbekannten beschädigt worden. Auf etwa 40 Gräbern des Friedhofs von Labry im Departement Meurthe-et-Moselle seien Kruzifixe umgedreht oder zerstört sowie eine Grabplatte beschädigt worden, teilte das Innenministerium gestern Abend in Paris mit. Es sei bereits das fünfte Mal seit Jahresbeginn, dass in der Region Gräber entweiht würden.

Das Ministerium bezeichnete die Taten als „inakzeptabel“ und kündigte harte Strafen für die Verantwortlichen an. Nach den Urhebern werde gefahndet. Labry liegt etwa 30 Kilometer westlich von Metz in Ostfrankreich.

Kultur

Science

Lifestyle

Finn statt Franz: Die neuen Kindermodenamen

Wer einen Franz, Josef oder Wolfgang kennt, wird damit kaum die Bekanntschaft mit einem kleinen Kind verbinden. Aus einem einfachen Grund: Kinder heißen in Österreich so nicht mehr. Auch nicht: Monika, Birgit, Doris. Die neue Hitliste heimischer Vornamen zeigt an der Spitze einmal mehr die Dominanz von Lukas, Anna und anderen bekannten Größen.

Im breiten Mittefeld tummeln sich Namen, die man vor 20 Jahren nicht auf der Rechnung - und damit in der Statistik - hatte. Finn, Ben, Luis, Tim, Annika, Emily, Lea, Valentina - so heißen kleine Kinder in Österreich in der Gegenwart. Auch Jennifer und Kevin gehören nun der Vergangenheit an.

Mehr dazu in Und was wurde aus Kevin?