Ausland

Französische Wähler ungewöhnlich unentschlossen

In Frankreich sind einen Monat vor der Präsidentschaftswahl einer Umfrage zufolge ungewöhnlich viele Wähler noch unentschlossen. 43 Prozent der Wahlberechtigten wissen noch nicht, für wen sie stimmen wollen, wie aus einer heute veröffentlichten Odoxa-Umfrage für den Radiosender Franceinfo hervorgeht.

„Das Niveau der Unschlüssigkeit bei den Wählern ist sehr außergewöhnlich“, schrieben die Umfrageexperten.

Le-Pen-Wähler vergleichsweise sicher

Vergleichsweise sicher sind sich die Wähler der rechtsextremen Marine Le Pen und des konservativen Francois Fillon: Von den Anhängern Le Pens gaben 60 Prozent an, sie ganz sicher wählen zu wollen, bei den Unterstützern Fillons waren es 57 Prozent.

Der Unabhängige Emmanuel Macron kam dagegen lediglich auf 47 Prozent, die Kandidaten der Sozialisten und der Linken auf noch weniger.

Umfragen zufolgen liegen Macron und Le Pen für die erste Runde der Wahl am 23. April vorne. Bei der Stichwahl am 7. Mai dürfte sich dann der ehemalige Wirtschaftsminister klar gegen die Kandidatin der rechtsextremen Front National durchsetzen.

Fillon beschuldigt Hollande der Verschwörung

Fillon erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den sozialistischen Amtsinhaber Francois Hollande. Der wegen der Beschäftigung seiner Ehefrau unter Druck geratene Politiker beschuldigte Hollande gestern, in eine Verschwörung gegen ihn verstrickt zu sein.

„Mache den Präsidenten dafür verantwortlich“

Hollande persönlich habe zugestimmt, dass den Medien Informationen über seine Finanzangelegenheiten gesteckt werden, sagte Fillon in einem Fernsehinterview. Er wird beschuldigt, seine Frau jahrelang zum Schein beschäftigt und dafür Hunderttausende Euro Steuergelder kassiert zu haben. Fillon weist dies zurück. Seine Wahlchancen sind stark gesunken.

„Es gibt heutzutage Zeitungen, die 48 Stunden nach der Durchsuchung beispielsweise meines Büros in der Nationalversammlung beschlagnahmte Unterlagen zugespielt bekommen“, sagte Fillon. „Wer gibt ihnen diese Dokumente? Die Regierung.“ Auf die Frage, ob dies mit Zustimmung von Politikern oder der Justiz geschehe, erklärte er: „Ich gehe viel weiter, ich mache den Präsidenten der Republik dafür verantwortlich.“

Hongkongs Ex-Verwaltungschefin appelliert an Europäer

Die langjährige Hongkonger Verwaltungschefin Anson Chan hat die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien und andere Länder wie Deutschland aufgefordert, stärker für freiheitliche Grundrechte in der früheren britischen Kronkolonie einzutreten.

Der Pekinger Führung warf die frühere Nummer zwei der Sonderverwaltungsregion Chinas „unverhohlene Einmischung“ vor.

Kritik an Wahlkomitee

Scharfe Kritik übte die 77-jährige „Eiserne Lady Hongkongs“ heute an dem pekingfreundlichen Wahlkomitee, das am Sonntag voraussichtlich die 59-jährige Carrie Lam zur neuen Regierungschefin bestimmen wird.

„Sie haben mehr als deutlich gemacht, wer ihr bevorzugter Kandidat ist - und das ist Carrie Lam“, sagte Chan der dpa. Sie beklagte wachsenden Einfluss Pekings und eine Aushöhlung der Unabhängigkeit der Justiz und der Pressefreiheit.

„Moralische Verpflichtung“

Aus Rücksicht auf Wirtschaftsinteressen in China schweige selbst Großbritannien. „Sie haben eine moralische und rechtliche Verpflichtung, ‚Ein Land, zwei Systeme‘ zu verteidigen“, sagte Chan zu dem Autonomiegrundsatz für die Rückgabe 1997.

Auch die Europäer müssten gegenüber Peking für freiheitliche Rechte eintreten. „Wer ihnen erlaubt, mit ihrem Mobbing davonzukommen, erntet nicht den Respekt der chinesischen Führung.“

Chan war ab 1993 letzte Verwaltungschefin Hongkongs unter britische Kolonialverwaltung. Auch nach der Rückgabe Hongkongs an China blieb sie vorerst im Amt. Nach Spannungen mit der Zentralregierung in Peking legte sie 2001 ihre Funktionen zurück. Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt sie sich für den Demokratisierungsprozess in Hongkong ein.

Sechs russische Soldaten in Tschetschenien getötet

Sechs russische Nationalgardisten sind bei einem Angriff auf ihre Kaserne in der Unruheregion Tschetschenien im Nordkaukasus getötet worden. In dem Schusswechsel seien auch sechs der unbekannten Bewaffneten getötet worden, teilte die Nationalgarde heute in Moskau mit.

Die Kaserne liege bei dem Ort Naurskaja etwa 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Grosny, meldete die staatliche Nachrichtenagentur RIA.

Russland hat die Teilrepublik Tschetschenien, die sich abspalten wollte, in zwei Kriegen wieder unter seine Kontrolle gebracht. Trotzdem gibt es dort noch immer einen aktiven islamistischen Untergrund. Präsident Wladimir Putin hatte die etwa 400.000 Mann starke Nationalgarde 2016 aus den bisherigen Truppen des russischen Innenministeriums gebildet.

Bericht: US-Regierung erschwert Visaprozess erheblich

Die US-Regierung erschwert laut einem Bericht der „New York Times“ für Millionen Besucher aus aller Welt den Zugang in die USA. Unter Berufung auf interne Mitteilungen von Außenminister Rex Tillerson an alle US-Botschaften weltweit heißt es, mit Ausnahme von 38 Ländern - darunter Österreich, Deutschland und fast der ganze Rest Europas - würden die Sicherheitschecks für Visa nun erheblich ausgeweitet.

ESTA bleibt unverändert bestehen

Europäische Besucher können weiterhin unter dem Visa-Waiver-Programm (ESTA) einreisen, für sie ändert sich nichts. Ausnahmen gelten unter anderem auch für Australien, Japan und Südkorea. Die „New York Times“ schreibt, mit den neuen Richtlinien folge Tillerson einem Memorandum von Präsident Donald Trump vom 6. März. Darin hält der US-Präsident das Außenministerium und andere Behörden zu Maßnahmen an, die den Visaprozess intensivieren. Sie umfassen eine Überprüfung des persönlichen Hintergrundes und zum Teil auch des Social-Media-Profils.

Umsetzung unklar

Die Verantwortung für die viel intensivere Überprüfung liegt bei den Botschaftsmitarbeitern. Laut dem Zeitungsbericht schlägt das Memo vor, dass Antragsteller künftig neben zurückliegenden Reisen und ihren Arbeitgebern der vergangenen 15 Jahre auch sämtliche E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Social-Media-Nutzernamen offenlegen müssen. Es ist aber noch nicht klar, ob und wie das umgesetzt werden soll.

Die „New York Times“ zitiert Konsularbeamte und Anwälte mit den Worten, sie hielten ein Ansteigen von Ablehnungen Einreisewilliger für sehr wahrscheinlich. Der Visaprozess werde sich deutlich verlangsamen. 2016 vergaben die USA weltweit etwa zehn Millionen Visa.

Merkel erwartet keine weiteren EU-Austritte

Nach der „Brexit“-Entscheidung der Briten erwartet die deutsche Kanzlerin Angela Merkel keine weiteren EU-Austritte.

„Einzelne Mitgliedsstaaten haben natürlich unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie wir die Zukunft gestalten, aber der Weg insgesamt ist klar: mehr Zusammenarbeit bei der Verteidigungspolitik, beim Schutz der Außengrenzen, bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und bei allem, was uns wirtschaftlich erfolgreich sein lässt und die Arbeitsplätze unserer Kinder und Enkel sichert“, sagte Merkel der „Passauer Neuen Presse“ und dem „Donaukurier“ (Freitag-Ausgabe).

60. Jahrestag der Römischen Verträge

Morgen feiern 27 EU-Staats- und -Regierungschefs die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren, die zur Grundlage für die Europäische Union wurden. Für Mittwoch hat Großbritannien die Zustellung des „Brexit“-Gesuchs angekündigt.

Die Arbeit in den nächsten Jahren wird laut Merkel in zwei Richtungen verlaufen: „Da sind zum einen die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien und zum anderen die Bemühungen, die EU der künftig 27 Mitgliedsstaaten fit für die gemeinsame Zukunft zu machen.“

Europa sei ein Friedensprojekt, sagte Merkel. „Wer so eng auf allen Gebieten zusammenarbeitet, wer eine gemeinsame Währung hat, der führt keine Kriege gegeneinander.“ Wer Europas Geschichte kenne, wisse: „Frieden ist nicht selbstverständlich.“ Mit Blick auf die Globalisierung, auf Länder wie China und Indien mit jeweils rund 1,3 Milliarden Einwohnern, sei es gut, dass Europa mit seinen rund 500 Millionen Einwohnern zusammenhalte.

Siedlerbefürworter wird US-Botschafter in Israel

Der rechtsgerichtete Hardliner David Friedman wird US-Botschafter in Israel. Der Senat in Washington stimmte gestern der Nominierung des jüdischen Rechtsanwalts zu. Für ihn stimmten 52 Senatoren, 46 votierten gegen ihn.

Kritik von vielen Seiten

Der von US-Präsident Donald Trump ernannte Friedman steht mit seinen Positionen zum Nahost-Konflikt der israelischen Rechten nahe. Er wird nicht nur von den oppositionellen US-Demokraten, sondern auch von linksgerichteten jüdischen Gruppierungen in den Vereinigen Staaten heftig kritisiert.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich hingegen erfreut über die Bestätigung von Friedmans Nominierung. Dieser werde als „enger Freund Israels“ herzlich empfangen werden, schrieb Netanjahu im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Für Verlegung der US-Botschaft

Friedman befürwortet die Ausweitung der jüdischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten sowie die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Siedlungsfrage sowie der Status von Jerusalem gehören zu den strittigsten Fragen des Nahost-Konflikts. Während Israel Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt betrachtet, wollen die Palästinenser Ostjerusalem zur Hauptstadt ihres künftigen Staates machen.

Friedman hat jedoch auch das Ziel eines Palästinenserstaates infrage gestellt. Er wirkte als Berater für Trumps Wahlkampagne und hat die Positionen des heutigen Präsidenten offenbar stark beeinflusst.

Trump sieht kein Muss in Zweistaatenlösung

So distanzierte sich Trump Mitte Februar bei einem Treffen mit Netanjahu von der Zweistaatenlösung als unentbehrlicher Grundlage des Friedensprozesses. Damit ist das Ziel der friedlichen Koexistenz des israelischen Staates mit einem künftigen Palästinenserstaat gemeint. Der US-Präsident sagte, diese Lösung sei nicht die einzige Möglichkeit für einen Friedensschluss.

Während des Wahlkampfs hatte Trump auch für die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem plädiert. Diese Position hat er seit dem Amtsantritt allerdings relativiert. Die Entscheidung über den Sitz der Botschaft sei „nicht leicht“, sagte er während eines Netanjahu-Besuchs in Washington.

Flüchtlingsboote gekentert: 250 Tote vor Libyen befürchtet

Nach dem Auffinden zweier gekenterter Schlauchboote vor der libyschen Küste befürchtet das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), dass bis zu 250 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. „Eine Tragödie, ein kollektives Scheitern“, so UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami gestern Abend.

Leichen aus dem Meer geborgen

Zuvor hatte die spanische Hilfsorganisation Pro-Activa Open Arms Befürchtungen in diese Richtung geäußert. In der Nähe der Boote seien mehrere Leichen aus dem Mittelmeer geborgen worden, sagte Laura Lanuza, eine Sprecherin der Organisation.

Die Boote wurden einige Kilometer vor der Küste Libyens gefunden. „Wir glauben nicht, dass es eine andere Erklärung geben kann, als dass diese Schlauchboote voller Menschen waren“, sagte Lanuza. Üblicherweise würden auf diesem Bootstyp jeweils 120 bis 140 Migranten transportiert. Bei dem Versuch, von Afrika nach Italien überzusetzen, verloren bereits Tausende Flüchtlinge ihr Leben.

US-Außenminister Tillerson „wollte diesen Job nicht“

Die Nominierung des damals noch im Chefsessel des Erdölkonzern ExxonMobil sitzenden Rex Tillerson zum US-Außenminister hat zu Beginn der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump für reichlich Aufsehen gesorgt. Tillerson hat nun auch selbst eingestanden, dass er gänzlich andere Zukunftspläne hegte: „Ich wollte diesen Job nicht, ich habe ihn nicht gesucht.“ Seine Frau habe ihn schließlich überredet, Trumps Angebot anzunehmen, und „sie hatte recht“.

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Inland

Frühere Wahl für Van der Bellen „nicht das große Drama“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist offen für eine Verschiebung der Nationalratswahl, um ihr Zusammenfallen mit dem EU-Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2018 zu vermeiden.

Das sei zwar „Entscheidung der Mehrheit im Parlament bzw. der Bundesregierung, aber ob wir jetzt ein paar Monate früher oder später wählen, ist nicht das große Drama“, sagte Van der Bellen im Interview mit der APA.

Ratsvorsitz „ein Argument“

Die Bevölkerung erwarte aber, dass die Regierung bis dahin intensiv an konkreten Lösungen arbeite, fügte der Bundespräsident hinzu. „Es hat schon Länder gegeben, die den Ratsvorsitz hatten und gleichzeitig nationale Wahlen, und die Welt ist nicht zusammengebrochen, aber dass das schwierig werden wird, das ist auch unbestreitbar.“

Der Ratsvorsitz sei „ein Argument, nicht zur gleichen Zeit Wahlen abzuhalten. Wie stark das Argument ist, kann ich nicht wirklich abschließend beurteilen“, so Van der Bellen. Aus der Regierung höre er diesbezüglich „unterschiedliche Ansichten“.

Kritik an britischer Regierung

Scharfe Kritik übte Van der Bellen am „Brexit“-Kurs der britischen Regierung. Die Regierung der britischen Premierministerin Theresa May stolpere „da in einem Sumpf von derzeit 100.000 offenen Fragen“. Der Bundespräsident sprach das Personenrecht an, etwa Pensionsansprüche von britischen Bürgern, die in der EU leben.

Das „Brexit“-Votum bezeichnete er als „tragische Fehlentscheidung der Mehrheit der Abstimmenden im Vereinigten Königreich“, das aber zu akzeptieren sei . Ausgelöst worden sei es durch ein „skrupelloses Vabanquespiel der politischen Elite“.

Gefahr für EU „nicht gebannt“

Van der Bellen äußerte sich anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften. Der „Brexit“ sei zwar ein „Weckruf“ gewesen, die Gefahr eines Zerfalls der EU sei aber „nicht gebannt“. Es könne passieren, „dass wir eines Tages aufwachen und sagen: Wir hatten ein vereintes Europa, aber leider zu wenige Europäer, die an den Sinn eines vereinten Europas glauben.“

Die nationalistische Rhetorik von Geert Wilders und Marine Le Pen sei „vollkommen realitätsfern“, sagte Van der Bellen. „Da vertraue ich auf die Jugend, die sich diesen Freiheitsraum Europa nicht stehlen lassen will durch altvaterisches Geschwafel.“

Wirtschaft

BMW inzwischen drittgrößter E-Auto-Hersteller

Der deutsche Automobilhersteller BMW ist laut einem Bericht der deutschen „Wirtschaftswoche“ inzwischen weltweit der drittgrößte Hersteller von Elektroautos.

Das Unternehmen lag 2016 mit einem Marktanteil von sieben Prozent direkt hinter dem US-Mitbewerber Tesla (neun Prozent), berichtete das Blatt unter Berufung auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Weltmarktführer sei der chinesische Hersteller BYD mit einem Anteil von 13 Prozent.

VW überholt

BMW konnte sich der Studie zufolge vom sechsten auf den dritten Platz verbessern. Dagegen verzeichnete VW einen Rückgang der Verkaufszahlen und sackte mit einem Marktanteil von nur noch fünf Prozent auf den sechsten Platz ab. Daimler schaffte es bei E-Autos nicht unter die Top Ten, sondern erreichte nur den 15. Platz.

Weltweit wuchs der Markt für E-Autos und Plug-in-Hybride der Studie zufolge 2016 um 37 Prozent. Die stärkste Marktdurchdringung verzeichnet laut den Angaben Norwegen, wo 2016 rund 24 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge über einen Elektroantrieb verfügten.

Bei den absoluten Verkaufszahlen lag China mit 352.000 Fahrzeugen vorn, eine Steigerung um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich gebe es dort die größte Modellvielfalt, hieß es.

Nordamerikas Cannabisindustrie floriert weiter

In Nordamerika wächst der legale Handel mit Marihuana weiter rasant. Im vergangenen Jahr legte der Markt um 34 Prozent zu, so das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Studie des Analysehauses Arcview Market Research. Verbraucher gaben 2016 über 6,7 Milliarden Dollar (6,2 Mrd. Euro) für Cannabisprodukte aus. Im Vorjahr war die Wachstumsrate bei 17 Prozent gelegen.

In gut der Hälfte der Bundesstaaten legal

Mehr als die Hälfte der US-Bundesstaaten lässt inzwischen den Gebrauch von Marihuana zu medizinischen Zwecken oder ganz zu. Das florierende Geschäft zieht Investoren und Unternehmer an und hat eine Vielzahl von Produkten rund um Cannabis hervorgebracht.

Die „Edibles“ reichen von Gebäck und Drinks über Tinkturen, Lotionen und Entspannungspillen bis zu Beruhigungsmitteln und Appetitmachern - sogar für Haustiere. In Colorado, der US-Hochburg der Branche, wo Marihuana schon länger nicht nur als Medikament erlaubt ist, entfallen laut Arcview inzwischen nur noch 56 Prozent des Cannabisgeschäfts auf den klassischen Verkauf von „Gras“.

Regierungswechsel bringt Unsicherheit für Branche

Unsicherheit für die Branche bringt allerdings der Regierungswechsel in den USA. Nach Bundesgesetz ist Marihuana weiter verboten, die Regierung von Barack Obama hielt sich aber zurück und überließ die Regulierung den Bundesstaaten. Das könnte sich unter US-Präsident Donald Trump ändern. Vor allem sein Justizminister Jeff Sessions hatte sich in der Vergangenheit kritisch zu Marihuana geäußert.

Hohe Wachstumsraten

Der Arcview-Analyse nach hält sich die Gefahr jedoch in Grenzen. Umfragen zeigten, dass 80 Prozent der US-Bürger legales Marihuana befürworteten und sich 60 Prozent für eine komplette Erlaubnis der Droge für Erwachsene aussprächen. Auch sonst kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Trump-Regierung die Branche nicht ausbremsen könnte. Die Forscher sagen jährliche Wachstumsraten von 27 Prozent und ein Marktvolumen von 22,6 Milliarden Dollar bis 2021 voraus.

Brasilien-Fleischskandal: EU will Aussetzen von Importen

Die Europäische Union fordert von Brasilien eine freiwillige Aussetzung der Fleischeinfuhren in EU-Mitgliedsländer. Hintergrund ist der Gammelfleischskandal in dem südamerikanischen Land.

EU-Diplomaten sagten gestern in Brasilia der Nachrichtenagentur Reuters, mit einem freiwilligen Verzicht könne Brasilien ein Importverbot verhindern.

Einfuhr von Produkten aus vier Betrieben untersagt

Die EU-Kommission hatte in dieser Woche bereits die Einfuhr von Produkten aus vier brasilianischen Fleischverarbeitungsanlagen untersagt. EU-Experten treffen sich heute in Brüssel, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Die brasilianische Polizei wirft einigen Konzernen nach einer Razzia am Wochenende vor, vergammelte und überalterte Fleischprodukte auf den Markt gebracht zu haben. Die Regierung sprach daraufhin von Einzelfällen und betonte, die Qualität des Fleisches aus heimischer Produktion stehe nicht grundsätzlich in Zweifel.

Das Land ist mit einem jährlichen Ausfuhrvolumen von umgerechnet mehr als elf Milliarden Euro der größte Rindfleischexporteur der Welt. Die Fleischbranche ist einer der wenigen florierenden Wirtschaftssektoren im rezessionsgeplagten Brasilien.

Dritte Flughafenpiste reißt alte Gräben auf

Der jahrelange Streit über eine dritte Start- und Landebahn auf dem Flughafen Wien-Schwechat ist mit dem Bauverbot durch das Bundesverwaltungsgericht von Anfang Februar nicht beendet - im Gegenteil: Der Flughafen und das Land Niederösterreich legten gestern Einspruch ein. Sogar eine Verfassungsänderung wurde von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ins Spiel gebracht. Die umstrittene Piste lässt damit einen alten Konflikt neu aufkochen: Sind Jobs oder die Umwelt wichtiger?

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Adidas vs. Nike: Wende im Turnschuhduell

Im ewigen Wettrennen der beiden Sportschuhhersteller Nike und adidas zeichnet sich eine Trendwende ab: Marktführer Nike scheint mit der rasanten Entwicklung des Athleisure-Trends nicht mehr ganz Schritt halten zu können.

Zwar fuhr das US-Unternehmen auch im vergangenen Quartal einen Millardengewinn ein. Doch die Zahlen sind nicht so gut wie erwartet. Adidas und der schnell wachsende junge Sportbekleidungshersteller Under Armour holen auf - und kratzen am Selbstbewusstsein der Marke, die nach der griechischen Siegesgöttin benannt ist.

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Sport

WM-Qualifikation: Moldawien will Nadelstiche setzen

Auch wenn Moldawien in der WM-Qualifikation in der Österreich-Gruppe D nur an letzter Stelle liegt, so ist der Weltranglisten-162. heute (20.45 Uhr, live in ORF eins) in Wien doch kein leichter Gegner.

Das österreichische Nationalteam hat sich in den bisherigen Duellen stets schwergetan. In vier Partien erzielten die Österreicher nur fünf Tore. Das Team von Igor Dobrowolskij setzt nicht nur auf eine kompakte Defensive, sondern will auch nach vorne spielen und Nadelstiche setzen.

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WM-Qualifikation: Messi-Elfer lässt Argentinien hoffen

Dank Lionel Messi sind Argentiniens Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Fußball-WM 2018 in Russland deutlich gestiegen. Der Barcelona-Superstar sorgte per Elfmeter für einen 1:0-Heimsieg gegen Chile.

Durch den Erfolg gegen den „Angstgegner“, dem der Vizeweltmeister zuletzt zweimal im Finale der Copa America unterlegen war, schob sich die „Albiceleste“ vom fünften auf den dritten Tabellenrang der Südamerika-Qualifikation vor. Das Ticket praktisch in der Tasche hat Rekordweltmeister Brasilien.

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Skifliegen: „Cooles“ Duell mit verdeckten Karten

Stefan Kraft kämpft beim Skifliegen in Planica ab heute bis Sonntag um seine erste Kristallkugel. Der Doppelweltmeister und Weltrekordler hat im Weltcup der Skispringer vor den letzten zwei Einzel-Bewerben 31 Punkte Vorsprung auf Kamil Stoch.

„Es wird auf jeden Fall sehr spannend, und ich freue mich sehr auf einen coolen Abschluss“, sagte Kraft, der ein „Duell auf Augenhöhe“ mit dem Polen erwartet. Heute hielten die beiden Rivalen ihre Karten noch verdeckt und verzichteten auf die Qualifikation.

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Chronik

„Sewol“-Bergung in Südkorea macht Fortschritte

Gut drei Jahre nach dem „Sewol“-Fährunglück vor Südkorea mit mehr als 300 Toten haben Spezialisten bei der Bergung des Wracks weitere Fortschritte erzielt. Heute sei eine herunterhängende Rampe am Heck entfernt worden, die eine weitere Hebung des Schiffs behindert habe, teilte das Meeres- und Fischereiministerium mit.

Wrack wird auf Bergungsschiff geladen

Der seitlich liegende Schiffskörper sei bis zu zwölf Meter über die Wasseroberfläche gehoben worden. Ziel war es, das Schiff, das zuvor mehr als 40 Meter unter Wasser lag, zunächst bis zu 13 Meter über das Wasser zu ziehen. Dann kann das Wrack auf ein Bergungsschiff geladen werden.

Luftaufnahme von geborgenem Schiff

APA/AFP/Lee Myung-Ik

Die „Sewol“ soll danach zur Küstenstadt Mokpo geschleppt werden. Die Behörden hoffen, im Schiffsinnern die Körper von neun vermissten Passagieren finden zu können. Nach einer Probehebung war erst am Mittwochabend beschlossen worden, die Bergung in vollem Umfang zu starten.

Die „Sewol“ war am 16. April 2014 vor der Südwestküste gesunken. Nur 172 Menschen hatten sich retten können, darunter die leitenden Besatzungsmitglieder. Aus dem Schiffsinnern und der Umgebung wurden 295 Leichen geborgen. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug.

Wie Ermittler später herausfanden, war das 146 Meter lange Schiff überladen gewesen. Unzureichende Rettungsmaßnahmen werden für das Ausmaß der Katastrophe mitverantwortlich gemacht.

Mexiko: 29 Häftlinge brachen über Tunnel aus Gefängnis aus

Über einen Tunnel unter einem Gefängnis im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas sind mindestens 29 Häftlinge entwischt. Wie die örtliche Regierung gestern (Ortszeit) mitteilte, gruben die Gefangenen der Haftanstalt von Ciudad Victoria heimlich einen 40 Meter langen Tunnel.

Ein Sprecher des Staates gestand im Radio ein, dass der Tunnel in einem Bereich des Gefängnisses gegraben wurde, der de facto „seit Langem“ unter der Kontrolle der Insassen steht. Nach Angaben der Behörden töteten einige der Fliehenden anschließend einen Autofahrer und stahlen sein Fahrzeug, mit dem sie sich davonmachten. Insgesamt entkamen mindestens 29 Häftlinge.

In Tamaulipas sind mehrere Drogenkartelle aktiv, die dort einen blutigen Krieg um Schmuggelrouten führen. Der Ausbruch geschah eine Woche, nachdem es fünf Mitgliedern des mächtigen Drogenkartells Sinaloa gelungen war, aus einem Gefängnis im Nordwesten von Mexiko auszubrechen.

Gesundheit

Kultur

Amy Schumer wird doch nicht „Barbie“

US-Komikerin Amy Schumer (35) wird nun doch nicht für einen geplanten Film über die Spielzeugpuppe Barbie zur Verfügung stehen.

„Leider kann ich mich wegen Konflikten in meinem Terminplan nicht länger Barbie verpflichten“, schrieb Schumer in einem Statement, aus dem gestern US-Medien zitierten. „Ich bin am Boden zerstört, freue mich aber darauf, Barbie auf der großen Leinwand zu sehen.“

Aus Spielzeugland verbannt

Die Schauspielerin („Dating Queen“) sollte in dem teilweise animierten Streifen die Figur der Kultpuppe spielen, die nach ihrem Rauswurf aus Barbieland in der wahren Welt landet. Dort kommt sie dem Branchenblatt „Deadline“ zufolge zu dem Schluss, dass Perfektion aus dem Inneren komme.

Es soll den Machern zufolge um Schönheit, Feminismus und Identität gehen. Der Film sollte ursprünglich schon in diesem Jahr in die Kinos kommen, wurde aber auf Sommer 2018 verschoben.

„Dass etwas mit unserer Kultur nicht stimmt“

Als Schumer im vergangenen Dezember für die Rolle ausgesucht worden war, hatte es im Internet auch kritische Kommentare gegeben. Die Figur der 35-Jährigen würde nicht zu den perfekten Maßen der Spielzeugpuppe passen.

„Es ist diese Art von Reaktion, die dir klarmacht, dass etwas mit unserer Kultur nicht stimmt“, schrieb Schumer damals auf Instagram. „Wenn ich in den Spiegel schaue, weiß ich, wer ich bin. Ich bin eine tolle Freundin, Schwester, Tochter und Partnerin.“

Disney-Chef verrät Details von künftigen „Star Wars“-Filmen

Erst Mitte Dezember kommt „Star Wars: Die letzten Jedi“ in die Kinos, doch Disney-Vorstandschef Bob Iger hat jetzt schon einige Details über „Episode VIII“ preisgegeben.

Der plötzliche Tod von Darstellerin Carrie Fisher im vergangenen Dezember werde zu keinen Änderungen bei dem Film führen, versicherte Iger gestern im kalifornischen Santa Monica. Ihre Darstellung würde man so beibehalten. Es werde keine digitale Version von Fisher geben, die in den „Star Wars“-Filmen die Rolle der Prinzessin Leia gespielt hatte, berichteten die US-Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“.

Zu dem geplanten „Star Wars“-Ableger über Han Solo, der im Mai 2018 in die Kinos kommen soll, sagte Iger, er werde das Leben des späteren Rebellenkämpfers im Alter von 18 bis 24 Jahren beleuchten. Han, gespielt von Alden Ehrenreich, werde auf das Raumschiff „Millennium Falcon“ und auf den Wookiee Chewbacca stoßen. Woody Harrelson, Donald Glover und Emilia Clarke spielen ebenfalls mit.

Autorin Asli Erdogan: „Türkei verspottet eigene Gesetze“

Sie gilt als Symbolfigur des politischen Widerstands in der Türkei. Der bis Ende Dezember inhaftierten Autorin Asli Erdogan droht wegen ihrer Arbeit für die inzwischen geschlossene prokurdische Zeitung „Özgür Gündem“ lebenslange Haft. Sie darf deshalb die Türkei nicht verlassen und musste auch den geplanten Auftritt bei der Leipziger Buchmesse absagen.

Inzwischen seien mehr als 150 Journalisten, Autoren und Verleger sowie Tausende Richter, Staatsanwälte und Lehrer inhaftiert, sagte sie im Exklusivinterview mit der ZIB2 von heute: „Viele Menschen haben Angst. Wenn man nur einen falschen Satz am falschen Ort zur falschen Zeit sagt, dann ist man schon im Gefängnis.“

Asli Erdogan weiter: „Das Ganze ist so unglaublich und eindeutig ein politischer Fall. Die Türkei verspottet ihre eigenen Gesetze, indem sie uns vor Gericht bringt. Wir sprechen nicht über Gesetze, sondern über Politik, die Befehle kommen von ganz oben: ‚Nehmt sie fest‘, ‚sperrt sie ins Gefängnis ein‘, ‚Lasst sie frei‘, also kann ich nicht abschätzen, was ihre nächsten Schritte sein werden. Ich nenne das Ganze ‚Operation des Hasses‘.“

Science

Schwarzes Loch aus Galaxie geschleudert

Ein gigantischer Gravitationswellentsunami hat ein supermassereiches Schwarzes Loch aus dem Herz seiner Heimatgalaxie geschleudert. Das schließen Astronomen zumindest aus Beobachtungen mit dem „Hubble“-Weltraumteleskop.

Das Schwarze Loch mit einer Masse von mehr als einer Milliarde Sonnen schießt laut den Wissenchaftlern mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Millionen Kilometern pro Stunde aus seiner Heimatgalaxie heraus.

Die Astronomen um Marco Chiaberge vom Space Telescope Science Institute in Baltimore hatten mit dem Weltraumteleskop eine rund acht Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie untersucht. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.