Inland

Nationalrat wählt Bures zur Präsidentin

Doris Bures (SPÖ) wird heute zur neuen Nationalratspräsidentin gewählt. Die bisherige Infrastrukturministerin übernimmt den Posten der im August verstorbenen Barbara Prammer, der zu Beginn des Plenums eine Gedenkminute gewidmet wird.

Zuvor trifft sich die Regierung erstmals in neuer Zusammensetzung zum Ministerrat, Reinhold Mitterlehner bestreitet als ÖVP-Vizekanzler gemeinsam mit Kanzler Werner Faymann (SPÖ) das Pressefoyer. Die durch Bures’ Avancement und den Rücktritt von Michael Spindelegger (ÖVP) ausgelöste Regierungsumbildung beschäftigt dann auch den Nationalrat im Anschluss an die Wahl der neuen Präsidentin.

Neue Minister stellen sich vor

Im Laufe einer gut dreistündigen Debatte erhalten Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) die Gelegenheit, sich den Abgeordneten als Regierungsmitglieder vorzustellen. Alois Stöger (SPÖ) wird sich in neuer Rolle als Infrastrukturminister präsentieren.

In den Abgeordnetenreihen gibt es zwei Wechsel. Bures erhält Oberhausers Mandat, und Walter Schopf übernimmt den Sitz Prammers. Letzteres hatte in der SPÖ für einigen Ärger gesorgt, hatte die Frauenorganisation doch darauf gedrängt, das Mandat Sonja Ablinger zu überlassen, um die Frauenquote im Klub stabil zu halten.

Oberhauser für absolutes Rauchverbot

Die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) tritt für ein völliges Rauchverbot in der Gastronomie ein. Sie wolle nun Gespräche mit der Wirtschaft führen, in den nächsten fünf Jahren wolle sie ein absolutes Rauchverbot haben, sagte Oberhauser gestern in der ZIB2.

Für eine Freigabe von Cannabis sei momentan „nicht der richtige Zeitpunkt“. Süchte sollten aber mit Therapie, nicht mit Strafe bekämpft werden.

Bei den Sozialversicherungen plant Oberhauser keine Zusammenlegung. An der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) will sie festhalten, wichtig sei, dass sie anwendergerecht, patienten- und datensicher sei.

Steuerabkommen mit Schweiz brachte nur 738,3 Mio. Euro

Das Steuerabkommen mit der Schweiz hat Österreich 738,3 Millionen Euro eingebracht. Ursprünglich sollten die Zahlungen Mitte 2014 auslaufen, doch kamen im Juli und August des Jahres noch 3,6 Millionen zu den bis Ende Juni angelaufenen knapp 735 Millionen Euro hinzu. Das geht aus den gestern von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) vorgelegten Zahlen hervor.

Eine Milliarde budgetiert

Die Einnahmen aus dem Steuerabkommen liegen somit unter den Erwartungen der österreichischen Regierung. Diese hatte bereits für 2013 eine „Schwarzgeldmilliarde“ aus der Schweiz ins Budget eingestellt. Die damalige Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hatte im Detail eine Milliarde Euro als Abschlagszahlung für vergangene Fälle budgetiert, weitere 50 Millionen wurden in der Folge an laufenden jährlichen Einnahmen erwartet.

Sollten in den kommenden Monaten weitere Gelder an die Schweizer Steuerverwaltung übermittelt werden, werden diese Beträge an Österreich weitergeleitet, hieß es.

Mikl-Leitner wird ÖVP-Koordinatorin in Regierung

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wird nach Angaben der ÖVP neue Regierungskoordinatorin der Partei. Gemeinsam mit ihrem SPÖ-Gegenüber Kanzleramtsminister Josef Ostermayer wird sie damit unter anderen für die politische Vorbereitung der wöchentlichen Regierungssitzungen zuständig sein. Bisher hatte diese Funktion der aus der Regierung ausgeschiedene Finanzstaatssekretär Jochen Danninger.

Ausland

UNO beschließt Untersuchung von IS-Verbrechen

Der UNO-Menschenrechtsrat hat die Entsendung einer Ermittlungsmission zur Untersuchung der durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verübten Gräueltaten beschlossen. Die 47 Mitglieder des Rates verabschiedeten gestern einstimmig eine entsprechende Resolution. Elf UNO-Ermittler sollten nach Möglichkeit in den kommenden Wochen in den Irak entsandt werden, sagte ein Sprecher des UNO-Hochkommissariats.

Dem Menschrechtsrat vorliegenden Berichten zufolge hätten IS-Kämpfe Taten verübt, „deren Ausmaß an Unmenschlichkeit unvorstellbar ist“, sagte die stellvertretende UNO-Menschenrechtskommissarin Flavia Pansieri. Dazu gehörten Morde, Zwangskonversionen, Entführungen, Versklavung, Folter und systematische Verfolgung aus religiösen oder ethnischen Gründen.

London will Anti-Terror-Gesetze verschärfen

Großbritannien kündigte unterdessen an, sich mit verschärften Anti-Terror-Gesetzen gegen Angriffe radikaler Islamisten mit britischem Pass zu schützen. Fluggesellschaften sollen künftig ihre Passagierlisten offenlegen, damit ihre Flugzeuge in Großbritannien landen dürfen, so Premierminister David Cameron gestern in London.

Polizisten sollen zudem künftig Briten an den Landesgrenzen vorübergehend den Pass abnehmen dürfen, die möglicherweise im Ausland für Terrorgruppen kämpfen wollen. Die Regierung arbeitet laut Cameron überdies an Plänen, Bürgern unter gewissen Umständen die Rückkehr ins Vereinigte Königreich zu verwehren. Zudem sollen die Auflagen für Terrorverdächtige im Inland verschärft werden, indem sie sich etwa im Land nur eingeschränkt bewegen dürfen.

Nach Angaben der Londoner Regierung kämpfen rund 500 Briten für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien. Der IS-Kämpfer, der im August den US-Journalisten James Foley enthauptet hat, soll aus London kommen. Am Freitag hatten die Briten erstmals seit 2011 ihre Terrorwarnstufe angehoben. Es gilt nun die zweithöchste Warnstufe „ernst“ auf der fünfstufigen Skala.

Modellautoaffäre in Bayern: Haderthauer erklärt Rücktritt

Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) hat wegen der sogenannten Modellautoaffäre ihren Rücktritt erklärt. Das gab die CSU-Politikerin gestern Abend bei einem kurzfristig anberaumten Pressetermin in München bekannt. Sie habe Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) diesen Entschluss bei einem Gespräch zuvor mitgeteilt.

Zur Begründung sagte Haderthauer, es gelte weiterhin, dass allein wegen der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens kein Rücktritt notwendig sei. Es erfordere aber Kraft und Konzentration, um die vielen im Raum stehenden Fragen zu beantworten. Das habe für sie absolute Priorität.

Haderthauer stürzte über die seit Wochen schwelende Affäre um das Unternehmen Sapor Modelltechnik. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen die CSU-Politikerin. Hintergrund ist eine Anzeige, die der frühere Mitgesellschafter von Sapor Modelltechnik eingereicht hatte. Darin wirft der französische Geschäftsmann Roger Ponton dem Ehepaar Hubert und Christine Haderthauer vor, ihn um mehrere 10.000 Euro geprellt zu haben. Die Firma verkaufte Modellautos, die von Straftätern in der Psychiatrie hergestellt wurden.

Seehofer zollt Haderthauer „Respekt“

Seehofer nahm den Rücktritt seiner Staatskanzleichefin „mit Respekt“ zur Kenntnis. „Christine Haderthauer hat als Sozialministerin und Staatskanzleiministerin hervorragende Dienste für den Freistaat Bayern geleistet und ihre Ämter stets korrekt geführt“, so der CSU-Chef. Er bedauere es persönlich, „mit ihrem Rücktritt ein meinungsstarkes und couragiertes Kabinettsmitglied verloren zu haben“.

In Nordkorea gefangene US-Bürger gaben Interview

Drei in Nordkorea inhaftierte US-Bürger haben die Regierung in Washington im US-Fernsehen um Hilfe gebeten. „Ich bitte die US-Regierung, so schnell wie möglich einen Gesandten zu schicken“, sagte Kenneth Bae gestern in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN.

Das sei derzeit seine einzige Hoffnung, sagte Bae, der im November 2012 in Nordkorea verhaftet und später wegen Umsturzvorwürfen zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Ebenfalls in dem Interview zu sehen waren die zwei US-Bürger Jeffrey Fowle and Matthew Miller.

Das sehr ungewöhnliche Interview mit den US-Häftlingen kam nach Angaben von CNN ungeplant zustande, als ein offiziell eingereistes CNN-Team darum gebeten wurde. Die CNN-Reporter hätten die Häftlinge in einem Hotel in der Hauptstadt Pjöngjang getroffen.

Clinton oder Bush als mögliche Vermittler

Der im Frühjahr festgenommene Fowle sagte, er warte „verzweifelt“ auf Hilfe. Fowle schlug die Ex-Präsidenten Bill Clinton oder George Bush als Vermittler vor. Miller sagte: „Ich denke, dieses Interview ist meine letzte Chance, die US-Regierung dazu zu bewegen, dass sie mir hilft.“

Die nordkoreanischen Behörden hatten im Juli angekündigt, Miller und Fowle wegen nicht näher genannter „feindlich gesinnter Taten“ den Prozess zu machen. Die Umstände ihrer Festnahmen sind bei allen drei Gefangenen unklar. Die drei Männer sagten, sie würden zwar anständig behandelt, litten aber unter körperlichen Beschwerden und der Isolation.

Das US-Außenministerium erklärte, es bemühe sich um eine Freilassung der Männer. Der Direktor für Asien-Studien an der US-Universität Georgetown, Victor Cha, äußerte die Vermutung, Pjöngjang signalisiere mit dem Zulassen des Interviews seine Bereitschaft zu Verhandlungen mit einem hochrangigen US-Gesandten.

200 Boko-Haram-Kämpfer überfielen Stadt in Nigeria

Rund 200 schwer bewaffnete Kämpfer der radikalislamischen Sekte Boko Haram haben Medienberichten zufolge eine der wichtigsten Städte Nigerias überfallen. Wie die Zeitung „Punch“ berichtete, sind die Männer gestern in einem Konvoi aus Militärfahrzeugen in Bama im nordöstlichen Bundesstaat Borno aufgetaucht.

Die nigerianische Armee habe sich ihnen entgegengestellt und mindestens 59 Männer getötet. Rund 30 Kämpfer seien verletzt worden. Die Boko Haram hatte vor einer Woche erklärt, in Gwoza rund 50 Kilometer von Bama entfernt, ein Kalifat errichtet zu haben. Die Gruppe kämpft für einen Gottesstaat und verübt seit 2009 immer wieder Anschläge. Tausende Menschen sind bereits ums Leben gekommen.

Weltkriegsgedenken: Tusk sieht Parallelen zur Gegenwart

Spielt der Zweite Weltkrieg symbolisch in Ereignisse der Gegenwart hinein? Am Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren auf der Westerplatte bei Gdansk (Danzig) hat der polnische Premier Donald Tusk bewusst auf momentane Entwicklungen Bezug genommen.

„Wenn wir heute auf die Tragödie der Ukrainer blicken, auf den Krieg im Osten unseres Kontinents, dann wissen wir, dass sich der September 1939 nicht wiederholen darf“, so Tusk. Es sei nicht die Zeit für schöne Worte oder naiven Optimismus, sondern gebe Anlass, Lehren aus 1939 zu ziehen. Das Schlagwort „Nie wieder Krieg“ dürfe kein Manifest der Schwachen sein, so Tusk.

Mehr dazu in „Keine Zeit für schöne Worte“

Merkel rechtfertigt Waffenlieferungen in den Irak

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel begründet die geplanten Waffenlieferungen in den Irak auch mit einer Bedrohung von Deutschlands Sicherheit. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) müsse aufgehalten werden, sagte Merkel gestern vor dem deutschen Bundestag. Zugleich warnte sie vor einer „humanitären Katastrophe“ in der gesamten Region.

Nach einer Debatte über Merkels Regierungserklärung gab es für die Entscheidung der schwarz-roten Regierung eine klare Mehrheit. Die Links-Fraktion und auch eine Mehrheit der Grünen-Abgeordneten waren dagegen. Die Abstimmung hatte allerdings nur symbolischen Wert. Ein echtes Mitspracherecht - wie etwa bei Auslandseinsätzen der deutschen Bundeswehr - hatte das Parlament in diesem Fall nicht.

Die westliche Militärhilfe für Kurden im Kampf gegen IS könnte dabei helfen, den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen - und dafür ein neues Problem zu schaffen, nämlich Geburtshilfe für einen kurdischen Staat zu leisten. Das sagt just Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der die deutschen Waffenlieferungen an die nordirakichen Kurden mitzuverantworten hat.

Mehr dazu in Minister will „Waffenlager“ vermeiden

„Welt“: IS erbeutet deutsche Raketen

Die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ berichtete unterdessen unter Berufung auf ein im Internet kursierendes Video, dass IS in Syrien Raketen aus deutscher Produktion erbeutet habe. In dem Video ist zu sehen, wie IS-Aktivisten neben Raketen mit der Aufschrift „Lenkflugkörper DM 72 - Panzerabwehr“ posieren.

Bei diesem Raketentyp handle es sich um Panzerabwehrwaffen vom Typ Hot des ehemaligen deutsch-französischen Herstellers Euromissile, heißt es in dem Bericht. Diese Raketen seien 1981 nach Syrien geliefert worden, wo sie für die Ausstattung von Kampfhubschraubern des Typs Gazelle verwendet worden seien.

In dem IS-Video werden Waffen und Material vorgeführt, die der Dschihadistengruppe nach der Einnahme der syrischen Militärbasis Takba nahe der Stadt Rakka in der vergangenen Woche in die Hände fielen.

Wirtschaft

ÖBB-Aufsichtsratsspitze wird nachbesetzt

Nach Alois Stögers (SPÖ) Wechsel vom Gesundheits- ins Infrastrukturministerium steht im Bahnbereich nun eine Personalentscheidung an. Nach dem Tod des langjährigen ÖBB-Aufsichtsratspräsidenten Horst Pöchhacker muss die Funktion nachbesetzt werden. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass die ehemalige Siemens-Direktorin Brigitte Ederer höchstwahrscheinlich den Vorsitz bekommen wird.

Ederer sitzt seit März 2014 im ÖBB-Aufsichtsgremium. Aufsichtsratsvizepräsidenten der ÖBB Holding sind derzeit Ludwig Scharinger und Herbert Kasser sowie der Konzernbetriebsratsvorsitzende Roman Hebenstreit. Für den 11. September ist der nächste Holding-Aufsichtsrat angesetzt.

Die ehemalige Europa-Staatssekretärin und Wiener Finanz-und Wirtschaftsstadträtin Ederer (SPÖ) war im Herbst 2013 vorzeitig aus dem Siemens-Vorstand ausgeschieden. Derzeit ist sie Aufsichtsrätin bei der ÖIAG, bei Infineon Österreich, bei Boehringer Ingelheim in Wien und bei Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment. Bei der Wien Holding ist Ederer Aufsichtsratsvorsitzende.

Heißer Herbst für die EU-Freihandelsabkommen

Im Schatten der außenpolitischen Krisen sind die Ausschüsse des EU-Parlaments heute nach der Sommerpause erstmals wieder zusammengetreten. Neben den Krisenherden stehen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas ganz oben auf der Brüsseler Agenda. Die Hoffnung auf positive Impulse für die Stimmung der Wirtschaft durch die Freihandelsabkommen TTIP, TISA und CETA hat sich bis jetzt nicht erfüllt.

Ob das fertig verhandelte Freihandelsabkommen CETA mit Kanada wie geplant am 25. September unterzeichnet wird, steht zudem plötzlich wieder infrage, nachdem bekanntwurde, dass CETA auch ein umfangreiches Kapitel zum heftig umstrittenen Investorenschutz (ISDS) enthält. Eine noch knapp vor der Sommerpause eilig verfasste EU-Verordnung zum Investorenschutz tritt am 17. September in Kraft.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

„Stresstest“ wird kritisch: „Bad Bank“ für ÖVAG angedacht

Die teilstaatliche Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) wird den Steuerzahler noch Geld kosten. Dass die Bank beim europäischen „Stresstest“ heuer durchfällt, wenn nicht vorher gegengesteuert wird, gilt als fix. Das sollen mittlerweile auch Berechnungen der Bank zeigen.

Um das Kapitalloch zu füllen, sind neben weiterer Bundeshilfe Geldspritzen von Eigentümern/Genossen im Gespräch, aber auch „Bad Bank“-Varianten.

Laut APA-Informationen kamen zuletzt wieder Ideen auf den Tisch, die ÖVAG könnte ihren vorgegebenen Abbau stark beschleunigen, wenn sie faule Kredite und Assets an die gerade entstehende Abbaugesellschaft der notverstaatlichten Hypo Alpe-Adria auslagern würde. Das wäre eine Totalverstaatlichung der betreffenden Assets.

Zahlungen durch Genossenschafter?

Seit längerem ventiliert wird, dass die neuen EU-Regeln für Bankensanierungen/Abwicklungen um ein bis zwei Jahre vorgezogen werden - namentlich der Teil der Eigentümerbeteiligung. Das hieße, dass bei einer neuerlichen ÖVAG-Hilfe nicht nur die Mehrheitseigentümer (Volksbanken Primärstufe), sondern auch deren Eigentümer - die Genossen - mitzahlen müssten.

Bisher kann Genossenschaftsmitgliedern ein Nachschuss erst im Fall einer Liquidation abverlangt werden, sie könnten also erst im Insolvenzfall solcherart haftbar gemacht werden. Wie im Fall der ÖVAG-Gruppe Genossenschafter-Nachschüsse ohne vorheriges Sondergesetz bewerkstelligt würden, ist nicht bekannt.

Seit Monaten wird für die ÖVAG rund um den „Stresstest“ der europäischen Aufseher ein neues tiefes Kapitalloch erwartet. War bisher von 500 Millionen bis zu einer Milliarde die Rede, so sollen es nach jüngeren Notenbankberechnungen jetzt 600 bis 800 Mio. Euro sein. Für das erste Halbjahr hat die ÖVAG - wieder primär durch Belastungen der Rumänien-Tochter - ihren Verlust auf 203 Mio. Euro verdreifacht.

Sport

Tennis: Thiem sagt für Davis-Cup ab

Österreichs Team muss im Davis-Cup-Duell gegen Lettland in zwei Wochen ohne Dominic Thiem auskommen. Der ÖTV-Shootingstar will nach den US Open in New York, wo er mit dem Achtelfinal-Einzug für Aufsehen sorgte, einen Gang zurückschalten. „Es tut mir extrem leid, aber mein Körper braucht eine Pause“, sagte der Niederösterreicher, der als letztes großes Saisonziel das Turnier in der Wiener Statthalle anpeilt. Coach Günther Bresnik ist jedoch überzeugt, dass Österreich auch ohne Thiems Hilfe einen Auswärtssieg gegen Lettland schafft.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Bundesliga: Austria sucht Ausweg aus Sumpf

Die Wiener Austria steckt tief im Sumpf. Nur ein Jahr nach dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League zieren die „Veilchen“ das Tabellenende. Am Verteilerkreis schrillen aber nicht erst seit dem 1:2 bei der Admira in der siebenten Runde die Alarmglocken.

„Peinlich, ich schäme mich“, findet nicht nur Finanzvorstand Markus Kraetschmer. Die Ratlosigkeit bei Trainer Gerald Baumgartner und seinen Spielern ist groß. Kraetschmer kündigte Veränderungen in der Transferperiode an. Nur die Ablöse von Trainer Baumgartner ist offiziell weiter kein Thema.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Warnstreik legte deutschen Bahnverkehr lahm

Ein Warnstreik bei der Deutschen Bahn hat gestern Abend Tausende Berufspendler und Fernreisende getroffen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte heute ein neues Tarifangebot der Bahn abgelehnt und ihre Mitglieder zu einem deutschlandweiten dreistündigen Warnstreik im Personen- und Güterverkehr aufgerufen.

GDL-Sprecher Stefan Musiol sprach in Frankfurt von erheblichen Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Neben Lokführern waren auch Zugsbegleiter und Lokrangierführer zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Weitere Streiks können folgen

Anzeigetafeln in den Bahnhöfen kündigten schon kurz nach Streikbeginn um 18.00 Uhr Zugsausfälle und Verspätungen im Fernverkehr und auf Regionalstrecken an. In Berlin etwa ging es um angekündigte Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Im Berliner Hauptbahnhof wurde es schlagartig ruhig. Streikposten verteilten Flugblätter. Vom Warnstreik Betroffene könnten sich ihre Fahrscheine kostenlos erstatten lassen, hieß es in einer Mitteilung der Bahn.

Die Lokführergewerkschaft will dem ersten Warnstreik ein oder zwei weitere folgen lassen, wenn die Deutsche Bahn kein Angebot für kürzere Arbeitszeiten für das gesamte Zugspersonal vorlegt.

Rätselhaftes Fischsterben in Mexiko

Nach dem Tod Hunderttausender Fische in einem See im Westen Mexikos suchen Experten nach einer Erklärung für das mysteriöse Massensterben. „Bisher haben wir 54 Tonnen Fischkadaver geborgen“, sagte die Chefin der Umweltschutzbehörde im Bundesstaat Jalisco, Magdalena Ruiz Mejia, gestern im Fernsehsender Milenio TV. Die Fische seien vermutlich an Sauerstoffmangel gestorben.

Rund 50 Fischer waren mit ihren Booten auf dem See Cajititln unterwegs, um das Wasser von den toten Fischen zu reinigen. Im Fernsehen war zu sehen, wie Helfer die Kadaver am Ufer mit Baggern und Schubkarren wegschafften. Bei den Fischen handelt es sich um Popoche-Barsche, die in der Region nicht kommerziell gefangen werden.

Natürliche Ursache unwahrscheinlich

Möglicherweise entsorgten örtliche Kläranlagen ihre Abwässer in dem See, sagte Mejia. Dorfbewohner sollen der Behörde gesagt haben, dass die Betreiber der Anlagen nicht ordnungsgemäß arbeiteten.

Eine natürliche Ursache für das Fischsterben sei unwahrscheinlich. In diesem Jahr sei es bereits viermal zu ähnlichen Ereignissen gekommen. Nun seien Wasser- und Gewebeproben genommen und zur Analyse an ein forensisches Institut geschickt worden, sagte Mejia.

Lebensgefährtin 50-mal geschlagen: Haftstrafe

Wegen fortgesetzter Gewaltausübung, Freiheitsentziehung und weiterer Delikte ist gestern ein 41-Jähriger bei einem Prozess in Salzburg schuldig gesprochen worden. Er erhielt eine teilbedingte Strafe von 21 Monaten, davon drei Monate unbedingt. Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin mindestens 50-mal innerhalb von zweieinhalb Jahren geschlagen haben.

Der Beschuldigte hat laut Anklage zudem die Frau und ihre Familie mit dem Umbringen bedroht. Zu Prozessbeginn bekannte er sich nicht schuldig. Gegen Verhandlungsende zeigte er sich teilweise geständig. „Das Urteil ist nicht rechtskräftig“, sagte die Sprecherin des Landesgerichtes Salzburg, Richterin Christina Rott, zur APA. Die Staatsanwältin hatte keine Erklärung abgegeben. Der Verteidiger verzichtete auf Rechtsmittel.

Gesundheit

Ebola: Zwei mit ZMapp behandelte Ärzte offenbar geheilt

Zwei mit dem experimentellen Ebola-Medikament ZMapp behandelte Ärzte sind in Liberia als geheilt entlassen worden. Beide hätten ihre Ebola-Infektion überstanden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gestern mit. Ein dritter in Liberia mit ZMapp behandelter Mediziner war vor einigen Tagen gestorben.

Zuvor waren zwei US-Amerikaner und ein Spanier mit dem Mittel behandelt worden. Die US-Helfer überlebten, der an Vorerkrankungen leidende Spanier starb. Inzwischen erhielt außerdem ein britischer Helfer den Wirkstoff, von ihm wurde noch nicht bekannt, ob er als geheilt gelten kann.

ZMapp war vor diesen Noteinsätzen nur an wenigen Makaken und Rhesusaffen getestet worden. Es gibt außerdem nur eine experimentelle Produktion des Gemischs aus monoklonalen Antikörpern in Pflanzen im Laborausmaß.

IT

Nach Prominacktfotos: Apple prüft Sicherheit

Nachdem Dutzende Nacktfotos von Prominenten wie Jennifer Lawrence im Internet aufgetaucht sind, prüft Apple Spekulationen über eine Hackerattacke auf seinen Onlinespeicherdienst iCloud als Quelle.

„Wir nehmen die Privatsphäre der Nutzer sehr ernst und untersuchen aktiv diesen Bericht“, sagte eine Apple-Sprecherin dem Technologieblog Recode gestern. Zusammen mit den Bildern hatten Unbekannte in Internetforen auch die Darstellung gestreut, die Fotos seien aus iCloud erbeutet worden. Nähere Hinweise dazu gab es nicht.

Fingierte E-Mails als Ursache?

Apple betonte stets, die Informationen in iCloud würden verschlüsselt gespeichert. Wahrscheinlicher als ein Knacken der Verschlüsselung wäre zum Beispiel, dass die Täter über Wege wie fingierte E-Mails und Nachrichten an die Passwörter herangekommen sein könnten.

Zugleich wurde im Netz über eine inzwischen geschlossene Lücke spekuliert, die Angreifern erlaubt habe, eine uneingeschränkte Zahl von Passwörtern durchzuprobieren und so mit einem speziellen Programm eventuell die richtige Kombination zu erraten.

IPhone soll zur Kreditkarte werden

Während sich Tech-Freaks und die Konkurrenz gefragt haben, ob das nächste iPhone ein paar Gramm leichter oder ein paar Millimeter schmäler sein könnte, war Apple offenbar an einer ganz anderen Baustelle tätig: Wie nun bekanntwurde, soll der IT-Riese mit einem mobilen Bezahldienst starten, der das Telefon zur Kreditkarte macht.

Alle großen Kartenfirmen sind mit an Bord. Der Unterschied zu bisherigen „Brieftaschen-Apps“ soll sein, dass die Bezahlung nur über den Fingerabdrucksensor des Telefons funktionieren soll und damit konkurrenzlos einfach wäre. Unklar ist aber noch, ob Apple selbst sich das - Stichwort Sicherheit - von Anfang an traut.

Mehr dazu in Kunden sollen Fingerabdruck hinterlassen

Netflix: Abo in Österreich soll 7,99 Euro kosten

Während der Termin für den Start des Onlinevideodienstes Netflix in Österreich näherrückt, dürften nun die Abopreise durchgesickert sein: Wie das Tech-Blog Engadget.de berichtet, wird man hierzulande und in Deutschland 7,99 Euro pro Monat für das Streaming von Filmen und Serien zahlen müssen. Eine Bestätigung des US-Unternehmens steht allerdings noch aus.

Seitens der PR-Agentur, die den Launch von Netflix in Deutschland und Österreich betreut, verweist man auf APA-Anfrage auf die für 16. und 17. September geplanten Events in Berlin und Wien. Erst dann soll es nähere Informationen zu den unterschiedlichen Abomodellen und dem inhaltlichen Angebot geben.

Regionale Inhalte geplant

Netflix-Chef Reed Hastings hat gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ immerhin bereits angekündigt, für Deutschland auch regionalen Content produzieren zu wollen.

Die Abopreise für Netflix sind aufgrund eines Leaks an die Öffentlichkeit geraten. So konnten Nutzer in Deutschland, die über VPN einen US-Account für Netflix besitzen, die Abomodalitäten sehen. Neben dem Basisangebot um 7,99 Euro für ein Gerät in Standardauflösung gibt es um 8,99 Euro die Möglichkeit, das Angebot auf zwei Geräten in HD zu nutzen. 11,99 Euro werden fällig, wenn Netflix auf vier Geräten in Ultra-HD laufen soll.

Kultur

Claudio Magris erhält FIL-Preis für Literatur

Der italienische Schriftsteller Claudio Magris (75) wird mit dem FIL-Preis für Literatur in romanischer Sprache ausgezeichnet. „Ich bin sehr glücklich, denn ich bin mir sicher, mein Werk wurde in keiner Sprache so gut angenommen wie im Spanischen“, sagte er gestern am Telefon, nach der Bekanntgabe des Preisträgers.

Der mit 150.000 US-Dollar (rund 110.000 Euro) dotierte Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der lateinamerikanischen Literatur und wird Ende des Jahres auf der Internationalen Buchmesse im mexikanischen Guadalajara verliehen.

Der Germanist Magris erhielt 2009 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Werke des früheren Professors für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Triest wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Als sein bekanntestes Buch gilt „Danubio“, eine literarische Reise entlang der Donau.

Wurm und Tesar sind neue Mitglieder im Kunstsenat

Der Architekt Heinz Tesar und der bildende Künstler Erwin Wurm werden neue Mitglieder des Österreichischen Kunstsenats. Sie folgen damit den im Frühjahr verstorbenen Künstlern Hans Hollein und Maria Lassnig nach, wie Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) gestern bekanntgab.

Zu Tesars prominentesten Bauten zählen das 1987 errichtete Schömer-Haus, das 1999 eröffnete Essl-Museum in Klosterneuburg, die 2000 eingeweihte Kirche in der Donaucity in Wien, das 1993 bis 1995 in ein Haus aus dem 17. Jahrhundert integrierte Keltenmuseum in Hallein und der Hörsaal des I.S.T. Austria in Maria Gugging.

Wurms Werk umfasst Materialskulpturen, Aktionen, Videos, Fotos, Zeichnungen und Bücher. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen die „One Minute Sculptures“, das „Fat Car Convertible“ und das 2011 bei der Biennale in Venedig vorgestellte „Narrow House“.

21 Künstlerpersönlichkeiten

Der Österreichische Kunstsenat ist eine Gemeinschaft von 21 Künstlerpersönlichkeiten aus den Bereichen Architektur, bildende Kunst, Literatur und Musik. Seine Aufgabe besteht darin, die Anliegen der Kunst in der Öffentlichkeit zu vertreten und die öffentlichen Stellen in wichtigen Fragen der Kunst zu beraten. In die Kompetenz des Kunstsenats fällt auch das Vorschlagsrecht für den Großen Österreichischen Staatspreis und für die Berufung der Staatspreisträger in den Kunstsenat.

Die derzeitigen Mitglieder des Kunstsenats sind damit Tesar, Wurm, Josef Winkler, HK Gruber, Brigitte Kowanz, Ilse Aichinger, Siegfried Anzinger, Christian Ludwig Attersee, Joannis Avramidis, Günter Brus, Friedrich Cerha, Georg Friedrich Haas, Peter Handke, Wilhelm Holzbauer, Friederike Mayröcker, Gustav Peichl, Wolf D. Prix, Arnulf Rainer, Gerhard Rühm, Kurt Schwertsik und Peter Waterhouse.

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