Inland

Ministerrat beschloss Finanzrahmen bis 2019

Der Ministerrat hat heute den Finanzrahmen 2016 bis 2019 beschlossen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zeigten sich im Pressefoyer zufrieden mit der Planung bis 2019.

Faymann sprach angesichts des jährlich eingeplanten strukturellen Nulldefizits von „stabilen Finanzen“. Auch Mitterlehner sagte, er sehe die Budgetsituation positiv.

Laut dem vorgelegten Zahlenwerk wird 2015 und 2016 das strukturelle Defizit bei 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen und damit laut EU-Kriterien bereits ein „strukturelles Nulldefizit“ darstellen. Auch 2014 hatte Österreich dieses Ziel bereits erreicht. In den Jahren 2017 bis 2019 soll das strukturelle Defizit dann weiter dezent sinken (auf 0,49 Prozent, 0,47 bzw. 0,44 Prozent des BIP).

Auch das Maastricht-Defizit des Gesamtstaates reduziert sich laut Finanzrahmen kontinuierlich: Im Jahr 2015 ist ein Defizit von 2,17 Prozent des BIP eingestellt, im Jahr 2019 soll es 0,49 Prozent betragen.

„Dämpfungspfad“ statt Sparprogramm

Für Faymann zeigt der Finanzrahmen, dass Österreich über „stabile Finanzen“ verfüge, was er auch daran festmachte, dass bereits im Vorjahr laut EU-Regeln das „strukturelle Nulldefizit“ erreicht wurde. Zugleich sagte der Kanzler, dass der Finanzrahmen nur die budgetären Rahmen der Ressorts, aber keine inhaltlichen Details, wie diese zu erreichen sind, vorgibt.

Mitterlehner sagte, es gehe um eine „konkrete Umsetzung des Dämpfungspfades“ bei der Verwaltungsreform, die ja 1,1 Mrd. Euro zur Gegenfinanzierung der Steuerreform einbringen soll. „Im Klartext: Das, was wir machen, ist kein Sparprogramm, sondern ein Dämpfungspfad.“ Das bedeute „keine Leistungskürzung, sondern eine Dämpfung“, man wolle mit den Mitteln, die man habe, „effizienter umgehen“.

Grüne für „Mare Nostrum II“ mit Österreich-Beitrag

Als Konsequenz aus der Flüchtlingstragödie mit Hunderten Toten im Mittelmeer fordern die Grünen die Wiedereinführung der Seenotrettungsmission „Mare Nostrum“. Bundessprecherin Eva Glawischnig kündigte heute in einer Pressekonferenz einen Antrag für „Mare Nostrum II“ als europäische Seenotrettung mit finanzieller Beteiligung Österreichs an.

Kosten bei 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr

Glawischnig wünscht sich, dass sich alle 28 EU-Staaten daran beteiligen. Dann wären ihrer Ansicht nach auch die Kosten von 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr kein großes Problem.

Einen entsprechenden Antrag wollen die Grünen bei den beiden Parlamentssitzungen diese Woche und auch in einem allfälligen Hauptausschuss einbringen, sollte ein solcher vor dem EU-Sondergipfel am Donnerstag stattfinden. Von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wünscht sich Glawischnig, dass er einerseits bei dem Gipfel „sehr laut“ seine Stimme erhebt und andererseits auch tatsächlich seine Politik ändert.

Sicherer Meereskorridor gefordert

Außerdem verlangen die Grünen einen sicheren Meereskorridor. Eine Seestrecke sollte überwacht werden, auf der Flüchtlingsboote sicher die Überfahrt bewältigen könnten. Nachdenken sollte man nach Ansicht Glawischnigs auch darüber, den Flüchtlingen sichere Boote zur Verfügung zu stellen, um den Schleppern den Boden zu entziehen.

Die grüne Bundessprecherin fordert auch die Wiedereinführung der Asylbotschaftsverfahren, womit Asylanträge wieder an ausländischen Botschaften gestellt werden könnten. Für den Fall, dass die betreffende Person wahrscheinlich Asyl zuerkannt bekommen wird, könnte sie dann legal einreisen.

Österreichs Asylpolitik „zynisch“

Mittelfristig treten die Grünen auch für ein neues Asylverfahrensrecht in allen EU-Ländern ein. Die Verteilung der Flüchtlinge sollte in Europa nach einem Schlüssel erfolgen, der sich an der Einwohnerzahl und am Wohlstandsniveau orientiert.

Heftige Kritik übte Glawschnig sowohl an der europäischen als auch an der österreichischen Asylpolitik. Sie bezeichnete es als „zynisch“, einerseits Asyl jedem zu versprechen, der es brauche, andererseits aber alles zu tun, damit kein Flüchtling seinen Fuß auf europäischen Boden setzen könne. Der einzige legale Weg nach Österreich sei, „vom Himmel zu fallen“, sagte die grüne Bundessprecherin.

Mikl-Leitner-Vorschläge „absurd“

Sie hielt sowohl der EU als auch Österreich vor, das Schleppersystem damit zu befeuern. Die Vorschläge von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) für UNHCR-Flüchtlingslager in Nordafrika sind für Glawischnig „absurd“. Dass man in Libyen für die Sicherheit von Flüchtlingen garantieren könne, ist für sie unvorstellbar.

Mikl-Leitner wirbt weiter für Vorratsdaten neu

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) lässt bezüglich der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung in Österreich nicht locker. Im Ministerrat präsentierte sie heute die Leitlinien des deutschen Justizressorts zur dortigen Regierungseinigung. Von SPÖ-Seite kam erneut Ablehnung.

Deutscher Neustart als Vorlage

Sie wolle einen Prozess für eine Nachfolgeregelung des vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) gekippten Gesetzes starten, betonte die Ministerin vor der Regierungssitzung. Experten aus Justiz und Exekutive forderten eine solche, sagte Mikl-Leitner.

Angesprochen auf die in Deutschland nun viel knapper gefassten Speicherpflichten betonte sie, dass sie „klar“ kompromissbereit sei. Wichtig sei das „klare sicherheitspolitische Bekenntnis“.

Stöger verweist auf Datenschutz

Auf SPÖ-Seite will man davon dennoch nichts wissen. Infrastrukturminister Alois Stöger verwies auf die VfGH-Entscheidung und die Aufhebung der EU-Richtlinie durch den Europäischen Gerichtshof. Grundrechtsschutz sei wichtig, Datenschutz sei da ganz entscheidend. „Ich glaube daher, dass in Österreich diese Vorratsdatenspeicherung nicht wieder eingeführt werden kann“, sagte er.

Ausland

Tote bei Anschlag auf Restaurant in Mogadischu

Bei einem Anschlag auf ein Restaurant im Zentrum der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mindestens drei Menschen getötet worden. Sechs weitere wurden verletzt, als eine Autobombe vor dem Lokal explodierte, wie ein Polizeivertreter heute sagte.

Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand, doch die islamistische Al-Schabab-Miliz verübte in der Vergangenheit immer wieder ähnliche Anschläge.

Erst gestern Bombenanschlag

Der UNO-Vertreter für Somalia, Nick Kay, verurteilte den jüngsten Angriff und schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter von einer „neuen Gräueltat“. Erst gestern waren bei einem Bombenanschlag vier Mitarbeiter der Vereinten Nationen sowie zwei somalische Wächter getötet worden. Sie starben nach Polizeiangaben bei der Explosion eines Kleinbusses in Garowe, der Hauptstadt der halbautonomen Region Puntland im Nordosten des Landes.

Polen kauft „Patriot“-Raketen und Hubschrauber „Caracal“

Polen wird künftig von US-amerikanischen „Patriot“-Raketen beschützt, und polnische Soldaten werden von französischen Hubschraubern „Caracal“ transportiert. Das berichtete heute die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“, die von den Schlüsselentscheidungen in den wichtigsten Rüstungsausschreibungen im Wert von rund 35 Milliarden Zloty (8,77 Mrd. Euro) erfuhr.

Für Beobachter ist eine so schnelle Entscheidung über die wichtigsten Militäraufträge zum Modernisierungsprogramm der polnischen Streitkräfte bis 2022 eine Überraschung. Es war erwartet worden, dass sie bis nach den Präsidentschaftswahlen aufgeschoben würden, um keine politischen Kontroversen hervorzurufen.

NATO-Manöver im Juni

Im Juni werden zum ersten Mal in Polen Übungen der schnellen NATO-Eingreiftruppe (Very High Readiness Joint Task Force - VJTF) veranstaltet. Die „Noble Jump 2“-Manöver sollen mit einer massiven Versetzung von Soldaten aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Norwegen und der Tschechischen Republik beginnen, berichtete die Zeitung „Rzeczpospolita“.

Laut Artur Golawski vom Generalkommando der polnischen Streitkräfte sollen die Manöver eine Demonstration der Fähigkeit des Bündnisses sein, auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen zu reagieren und zu zeigen, dass der in Wales vereinbarte Plan (Readiness Action Plan) umgesetzt wird. Die Gründung der schnellen Eingreiftruppe war eine Antwort der NATO auf die Politik Russlands in der Ukraine-Krise, unter anderem die Besetzung der Krim.

EU hegt „tiefe Besorgnis“ wegen Mazedonien

Die EU hat „tiefe Besorgnis“ wegen der Entwicklung in Mazedonien geäußert. Die Europaminister kritisierten heute in Luxemburg eine Verschlechterung der Situation in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Medienfreiheit. Im Interesse der Bürger, der Demokratie und der politischen Stabilität müsse Mazedonien diese Bedenken rasch angehen.

Der EU-Ministerrat rief die Politiker aller Lager auf, sich konstruktiv für einen Dialog einzusetzen und das Vertrauen der Institutionen wiederherzustellen. Anschuldigungen von Fehlverhalten müssten von den betreffenden Stellen untersucht werden. Die EU will in den nächsten Monaten auf Mazedonien zurückkommen.

Die frühere jugoslawische Teilrepublik ist seit 2005 EU-Kandidatenland. Das Land hat von Brüssel aber bisher keinen Termin für den Beginn der Beitrittsgespräche erhalten. Ein Haupthindernis ist seit Jahren der ungelöste Namensstreit mit Griechenland. Mazedonien firmiert in internationalen Gremien als „Former Yugoslav Republic of Macedonia/FYROM“.

Bericht: Deutscher in Afghanistan vermisst

Ein deutscher Entwicklungshelfer in Afghanistan ist in der nordafghanischen Stadt Kunduz verschwunden.

Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise, der Mann arbeite für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Im deutschen Auswärtigen Amt in Berlin hieß es heute, ein Krisenstab befasse sich mit dem Fall. Eine Entführung des Deutschen wird nicht ausgeschlossen. Laut „Bild“ soll bereits ein Verhandlungsteam auf dem Weg sein. Die Polizei in Kunduz wollte zunächst weder einen Entführungs- noch einen Vermisstenfall bestätigen.

Sport

Ski nordisch: Karrieresprung für Kombinierer Bieler

Am 15. April hat der Nordische Kombinierer Christoph Bieler seinen Rücktritt als aktiver Sportler bekanntgegeben, nicht einmal eine Woche später hat er schon ein neues Betätigungsfeld gefunden. Der Tiroler wird Sprungtrainer der österreichischen Nationalmannschaft. Das gab der Österreichische Skiverband (ÖSV) heute bekannt. Auch im Langlaufbereich bekommen die heimischen Kombinierer einen neuen Coach.

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Formel 1: Räikkönen kommt wieder auf Touren

Kimi Räikkönen ist am Sonntag in Bahrain erstmals seit Oktober 2013 wieder auf das Podest in einem Formel-1-Grand-Prix gefahren. „Kimi ist unter Druck neu geboren“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“, denn Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hatte im Vorfeld in Bezug auf die mögliche Vertragsverlängerung gemeint: „Er muss pushen. Und das weiß er.“ Das brachte den „Iceman“, der schon bald das eine Treppchen auf dem Siegerpodest noch höher steigen will, anscheinend wieder auf Touren.

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Wirtschaft

Fisch aus Thailand droht Importstopp in die EU

Wegen Verstößen gegen internationales Fischereirecht droht Fisch aus Thailands Fischerei ein Importstopp in die EU. Der WWF begrüßte die heute von der Europäischen Kommission in Form einer „Gelben Karte“ verhängte Warnung an Thailand, das nur unzureichend gegen die illegale, nicht dokumentierte und nicht regulierte Fischerei (IUU-Fischerei) vorgeht.

Kritisiert werden auch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Trotz mehrmonatiger bilateraler Verhandlungen mit der EU habe Thailand seine Defizite bei der Bekämpfung der IUU-Fischerei noch immer nicht in ausreichendem Maße behoben und steht im Verdacht, gegen internationales Fischereirecht zu verstoßen.

Thailand ist weltweit der drittgrößte Exporteur für Fischereierzeugnisse. 2013 importierte die EU Fischereierzeugnisse im Wert von 736 Millionen Euro aus Thailand. Obwohl nur Fisch mit Fangzertifikat aus Drittländern in die EU eingeführt werden darf, gelangen laut Studien jährlich etwa 500.000 Tonnen illegal gefangener Fisch mit einem Wert von 1,1 Milliarden Euro auf den europäischen Markt.

„Thailand muss nun entsprechende Maßnahmen ergreifen und mit der EU zusammenarbeiten, damit die Verwarnung zurückgenommen werden kann“, sagte Georg Scattolin, Fischereiexperte des WWF.

Reguläre Jobs werden in Deutschland seltener

In Teilzeit, als Leiharbeiter, befristet oder in einem Minijob: Mehr und mehr Arbeitnehmer in Deutschland verdienen ihr Geld mit einer atypischen Beschäftigung. Die Zahl der Betroffenen stieg innerhalb von 20 Jahren um mehr als 72 Prozent von 4,4 auf 7,6 Millionen, wie aus einer heute veröffentlichten Antwort der Berliner Regierung auf eine Anfrage der Linkenfraktion hervorgeht.

Die Zahl der klassischen Arbeitsverhältnisse ging zurück. Während 1993 fast 77 Prozent der Erwerbstätigen zu den „Normalarbeitnehmern“ gehörten und in Vollzeit oder in Teilzeit mit mindestens 21 Stunden pro Woche unbefristet angestellt waren, waren es 2013 nur noch 67,5 Prozent, wie aus einer Aufstellung des deutschen Arbeitsministeriums hervorgeht.

Mehr als jeder Fünfte ging 2013 einer atypischen Beschäftigung nach - ihr Anteil an den Erwerbstätigen stieg innerhalb von 20 Jahren von 13,1 auf 21,4 Prozent.

Deutlich mehr Leiharbeiter

Deutlich gestiegen sei auch die Zahl der Leiharbeiter, die sich zwischen 1995 und 2013 mehr als vervierfacht habe, teilte die Linkenfraktion in ihrer Auswertung der Regierungsantwort mit.

Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sei um 277 Prozent von 649.000 auf 2,44 Millionen gestiegen. Befristet arbeiteten 2013 insgesamt 2,5 Millionen Menschen, während es 20 Jahre zuvor noch 1,8 Millionen gewesen waren. Einer Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 20 Wochenstunden gingen fünf Millionen Menschen nach - ein Anstieg um 80 Prozent verglichen mit 1993.

Verschuldung der Euro-Zone stieg 2014 auf 91,9 Prozent

Die Verschuldung der Euro-Zone ist 2014 auf 91,9 Prozent gestiegen. 2013 waren es noch 90,9 Prozent. Wie das EU-Statistikamt Eurostat heute mitteilte, gingen die Defizite im Euro-Raum im Vorjahr im Durchschnitt auf 2,4 Prozent zurück. Österreichs Defizit erhöhte sich wegen des Hypo-Desasters ebenfalls auf 2,4 Prozent, die Verschuldung stieg 2014 auf 84,5 Prozent (2013: 80,9 Prozent).

Das öffentliche Defizit verringerte sich in absoluten Zahlen sowohl im Euro-Raum als auch in der EU im Vergleich zum Vorjahr. 2013 betrug das öffentliche Defizit in der Währungsunion noch 2,9 Prozent. In der EU ging das Defizit im selben Zeitraum von 3,2 Prozent auf 2,9 Prozent zurück. In der gesamten EU stieg der Schuldenstand von 85,5 Prozent im Jahr 2013 auf 86,8 Prozent im Jahr 2014.

Schulden in Griechenland, Italien, Portugal am höchsten

16 EU-Staaten, darunter Österreich, verzeichneten 2014 eine Schuldenquote von über 60 Prozent des BIP, dem nach den Maastricht-Kriterien zulässigen Schwellenwert. Am höchsten ist die öffentliche Verschuldung in Griechenland (177,1 Prozent), Italien (132,1 Prozent), Portugal (130,2 Prozent), Irland (109,7 Prozent), Zypern (107,5 Prozent) und Belgien (106,5 Prozent).

Die niedrigsten Schuldenquoten hatten 2014 Estland (10,6 Prozent), Luxemburg (23,6 Prozent), Bulgarien (27,6 Prozent), Rumänien (39,8 Prozent) und Lettland (40,0 Prozent).

Nur Dänemark (plus 1,2 Prozent), Deutschland (plus 0,7 Prozent), Estland und Luxemburg (je plus 0,6 Prozent) verzeichneten 2014 einen öffentlichen Budgetüberschuss. Die niedrigsten Defizite verzeichneten Litauen (0,7 Prozent), Lettland (1,4 Prozent) und Rumänien (1,5 Prozent).

Staatsausgaben geringfügig verringert

Zwölf EU-Staaten wiesen ein Defizit von mehr als drei Prozent der Wirtschaftsleistung - der zulässigen Maastricht-Obergrenze - auf. Das höchste Defizit hatte Zypern (8,8 Prozent), gefolgt von Spanien (5,8 Prozent), Kroatien und Großbritannien (je 5,7 Prozent), Slowenien (4,9 Prozent), Portugal (4,5 Prozent), Irland (4,1 Prozent), Frankreich (4,0 Prozent), Griechenland (3,5 Prozent) sowie Belgien, Polen und Finnland (je 3,2 Prozent).

Die Staatsausgaben verringerten sich in der Euro-Zone geringfügig gegenüber 2013 von 49,4 auf 49 Prozent. In der gesamten EU gingen sie im selben Zeitraum von 48,6 auf 48,1 Prozent zurück. In Österreich stiegen die Ausgaben des Staates von 50,9 Prozent im Jahr 2013 auf 52,3 Prozent 2014 an.

Russische Wirtschaft um zwei Prozent geschrumpft

Infolge des niedrigen Ölpreises und der westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise ist die russische Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres um zwei Prozent geschrumpft.

Der Rückgang sei der erste in einem ersten Quartal seit 2009. „Die negativen Tendenzen setzen sich dieses Jahr fort“, sagte Ministerpräsident Dimitri Medwedew heute vor Parlamentsabgeordneten. Allerdings sei die derzeitige Entwicklung nicht so schlimm wie Anfang 2009.

Rückgang um drei Prozent für Gesamtjahr erwartet

Für das ganze Jahr erwartet die russische Regierung einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um drei Prozent. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte Ende Jänner eine Inflationsrate von zwölf Prozent vorausgesagt. Die Kapitalflucht wird laut Regierungsprognose bei 115 Milliarden Dollar liegen.

Russland leidet besonders unter dem starken Einbruch des Ölpreises seit vergangenem Sommer. Hinzu kommen die infolge des Ukraine-Konflikts verhängten westlichen Wirtschaftssanktionen.

895.000 Euro: Gericht legt Kaution für Middelhoff fest

Das Landgericht im deutschen Essen hat eine Kaution von 895.000 Euro für die Freilassung des früheren deutschen Topmanagers Thomas Middelhoff festgesetzt. Außerdem müsse er seine Reisepässe abgeben, teilte das Gericht heute mit.

Das Gericht gehe davon aus, dass einer möglichen Fluchtgefahr mit diesen Auflagen begegnet werden könne, hieß es. Das Landgericht hatte zuvor Fluchtgefahr angenommen, da der 61-Jährige nach seiner Festnahme zunächst die Existenz eines zweiten Reisepasses mit einem gültigen Visum für China verschwiegen habe.

Reisen im Charterjet auf Konzernkosten

Middelhoff, der Ende März Privatinsolvenz beantragt hatte, war am 14. November 2014 vom Landgericht Essen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er unter anderem Privatflüge mit Charterjets und Hubschraubern über Arcandor abgerechnet und seinem ehemaligen Arbeitgeber insgesamt einen Schaden von rund einer halben Million Euro zugefügt hat.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Middelhoffs Anwälte haben Berufung eingelegt, der Fall wird wohl vor dem deutschen Bundesgerichtshof landen. Die Pleite des Kartstadt-Mutterkonzerns Arcandor im Jahr 2009 hatte eine Reihe von Ermittlungen und Prozessen ausgelöst.

Chronik

Aus Österreich stammende Nonne in Südafrika getötet

Eine aus Niederösterreich stammende Nonne ist am Wochenende in Südafrika getötet worden. Die Polizei der Provinz KwaZulu-Natal im Osten des Landes geht davon aus, dass die 86 Jahre alte Frau Opfer eines Raubmordes wurde. Nach Angaben eines Polizeisprechers ist vermutlich Geld in ausländischer Währung aus dem Zimmer des Opfers verschwunden.

Die Frau gehörte nach Informationen von Polizeisprecher Thulani Zwane dem Herz-Jesu-Orden an und lebte in Ixopo. Der Polizeichef von KwaZulu-Natal, Mmamonnye Ngobeni, sprach von einem „barbarischen Mord“ und versicherte, dass die Kriminalbeamten mit Nachdruck an der Ausforschung der Täter arbeiten. Bei der Diözese St. Pölten zeigte man sich erschüttert.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

„Koffermord“: Junges US-Paar auf Bali verurteilt

Wegen Mordes hat ein Gericht auf der indonesischen Ferieninsel Bali ein junges Paar aus den USA zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Die 19-Jährige und ihr 21 Jahre alter Freund wurden heute für schuldig befunden, die 62 Jahre alte Mutter der Frau im vergangenen August nach einem Streit mit einem Aschenbecher und einer Obstschale in einem Luxusresort erschlagen zu haben.

Leiche in Taxi zurückgelassen

Beide waren im August letzten Jahres gefasst worden, nachdem sie einen Koffer in einem Taxi zurückgelassen hatten. Darin befand sich die Leiche der Mutter. Während der Mann 18 Jahre hinter Gitter muss, erhielt seine Freundin zehn Jahre.

Der Täter hatte vor Gericht ausgesagt, er habe nur seine schwangere Freundin vor der rabiaten Mutter beschützen wollen, aber keine Tötungsabsicht gehabt. Seine Freundin habe ihn im Hotel zu Hilfe gerufen. Die Frau habe ihre Tochter attackiert, weil sie ihn als Freund nicht gemocht und die Schwangerschaft nicht akzeptiert habe.

Laut Hotelangestellten soll der Grund der Aueinandersetzung allerdings Streit um Geld gewesen sein. „Ich habe die Rechnung für die Flüge übernommen“, soll die Mutter im Hotel ihrer Tochter erklärt haben. „Du musst wenigstens das Zimmer bezahlen.“

Gesundheit

Meditationstherapie hilft bei Depressionen

Eine Art Meditation schützt Patienten vor einem Rückfall in eine Depression so gut wie herkömmliche Medikamente. Zu diesem Schluss kommt eine großangelegte Vergleichsstudie mit 424 Teilnehmern, die heute im britischen Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Während des zweijährigen Versuchs bekam die eine Hälfte der Probanden, die in der Vergangenheit unter Depressionen gelitten hatten, Antidepressiva. Die andere Hälfte wurde mit der Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness-Based Cognitive Therapy) behandelt

Gruppensitzungen und Übungen zu Hause

Dabei werden Patienten darin geschult, negative Gedanken und Gefühle zu erkennen, zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen, anstatt in neue Depressionen abzugleiten. Bei dem Versuch nahmen die Teilnehmer in Großbritannien an acht Gruppensitzungen teil und mussten zudem jeden Tag Übungen zu Hause machen. Außerdem wurden in den folgenden Monaten vier weitere Sitzungen angeboten. Über zwei Jahre wurden alle Versuchsteilnehmer regelmäßig befragt, um ihren Gemütszustand zu erfahren.

Der Studie zufolge gab es bei den Patienten, die sich der meditativen Therapie unterzogen hatten, eine Rückfallsrate von 44 Prozent. Bei den mit Antidepressiva behandelten Versuchsteilnehmern lag die Rückfallsrate bei 47 Prozent.

Wirksame Alternative zu Medikamenten

Die Therapie sei eine „neue Alternative für Millionen von Menschen“, sagte Studienleiter Willem Kuyken von der Universität Oxford. Seinen Angaben zufolge werden ohne jede Behandlung vier von fünf Depressionspatienten rückfällig.

Science

15,4 Millionen lernen Deutsch als Fremdsprache

Deutsch wird außerhalb des deutschen Sprachraums wieder mehr gelernt. Weltweit sind derzeit etwa 15,4 Millionen Menschen an Schulen, Universitäten oder in Goethe-Instituten im Deutsch-Unterricht, wie aus einer Erhebung des deutschen Außenministeriums hervorgeht, die heute in Berlin veröffentlicht wird.

Insgesamt sind das etwa eine halbe Million Menschen mehr als noch vor fünf Jahren. Im Jahr 2000 lag die Zahl noch bei 20 Millionen.

Größtes INteresse in Polen

Das größte Interesse gibt es aktuell in Polen, wo etwa 2,3 Millionen Menschen Deutsch lernen. Deutlich mehr Deutsch-Schüler als bei der vorigen Erhebung 2010 gibt es auch in Ländern wie der Türkei, Serbien und Bosnien-Herzegowina.

In EU-Krisenländern wie Griechenland und Portugal stiegen die Zahlen ebenfalls. Dagegen setzte sich in Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion der Abwärtstrend fort.

Experte sieht keinen Zusammenhang mit Ukrainekonflikt

In Russland ging die Zahl der Deutsch-Lernenden um annähernd 800.000 auf jetzt nur noch 1,55 Millionen zurück. Der Generalsekretär des deutschen Goethe-Instituts, Johannes Ebert, führte dies auf eine insgesamt sinkende Bevölkerungszahl und Änderungen im Bildungssystem zurück. „Das hat nichts mit der politischen Situation zu tun“, sagte er.

90 Millionen Deutsch-Muttersprachler

Die Zahlen sind nicht vollständig, weil alleinige Anstrengungen um Deutsch-Kenntnisse oder private Sprachkurse in der Erhebung nicht erfasst werden. Es gibt auch keine zuverlässige Zahlen, wie viele Menschen über die mehr als 90 Millionen Muttersprachler hinaus weltweit Deutsch sprechen. Nach Schätzungen sind es allein innerhalb der Europäischen Union etwa 60 Millionen.

Staubfontäne auf „Tschuri“

Für manche wissenschaftliche Entdeckungen braucht man auch ein Quäntchen Glück. So jüngst geschehen an Bord von „Rosetta“: Die Kamera der Forschungssonde zeichnete zufällig eine Staubfontäne auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ auf.

Ungewöhnlich daran ist, dass die Staubfontäne auf der Schattenseite von „Tschuri“ entstand, berichtet das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS). Auf der Tagseite des Kometen strömen hingegen ständig Staubfontänen ins All.

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IT

Twitter ermöglicht Direktnachrichten von jedem

Der Kurzmitteilungsdienst Twitter ändert eine wichtige Regel: Ab sofort kann man als Twitter-Nutzer von allen anderen Anwendern persönliche Nachrichten erhalten. Bisher mussten die Nutzer einander folgen, um Direktnachrichten austauschen zu können.

Mit der Neuerung wolle man dafür sorgen, dass Nutzer unkomplizierter miteinander kommunizieren können, ohne dass dies alle anderen mitbekommen, schrieb Nhu Vuong aus Twitters Entwicklerteam im Unternehmensblog. Für die Neuerung ist eine Zustimmung in den Einstellungen des Kontos notwendig.

Religion

Bischöfe gedenken des Genozids an den Armeniern

Die österreichischen Bischöfe gedenken der Opfer des Genozids an den Armeniern und den Christen syrischer Tradition vor 100 Jahren im Osmanischen Reich. Was sich damals in Anatolien und anderen Teilen des Osmanischen Reichs ereignete, „war eine der größten Katastrophen der Christenheit in ihrer ganzen Geschichte“, heißt es in einer offiziellen Erklärung der Bischofskonferenz.

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Kultur

Song Contest

Leute

Shatner plant Wasserpipeline gegen Dürre in Kalifornien

„Raumschiff Enterprise“-Star William Shatner (84) macht mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zur Bekämpfung der Dürre in Kalifornien Schlagzeilen. Mit einer riesigen Pipeline will er Wasser aus dem regenreichen Norden der USA in den trockenen Westküstenstaat transportieren.

30 Mrd. Dollar via Kickstarter benötigt

In einem Interview mit „Yahoo Tech“ sagte der „Captain Kirk“-Darsteller, er wolle über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com versuchen, 30 Milliarden Dollar für ein entsprechendes Bauvorhaben zu mobilisieren.

Vergleichbar mit der Ölpipeline in Alaska könne damit Wasser, etwa aus dem regenreichen Seattle, durch ein großes, oberirdisches Rohr nach Kalifornien fließen. Seit vier Jahren leidet der bevölkerungsreichste US-Staat unter einer Dürre. Nach Anordnung der Regierung müssen Städte und Gemeinden ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent reduzieren.

„Wenn es im nächsten Jahr nicht regnet, was können 20 Millionen Menschen in der Kornkammer der Welt dann tun?“, sagte Shatner. Falls er das Geld selbst nicht zusammenbekomme, wolle er den gespendeten Betrag Politikern geben, die das Pipelineprojekt angehen würden.