Inland

Arbeitslose: Zumutbarkeit laut Hundstorfer kein Problem

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) sieht in den Zumutbarkeitsbestimmungen für das Arbeitslosengeld kein zentrales Problem. Diese seien zwar „permanent Thema, auch im Verwaltungsrat des AMS“, hieß es heute aus seinem Büro zur APA.

Änderungen bei den Zumutbarkeitsbestimmungen, was die Bezahlung betrifft, werde der SPÖ-Minister aber nicht akzeptieren, hieß es weiters. Eine „Unterentlohnung“ komme nicht infrage. Hundstorfer wies auch die Kritik von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) zurück, dass die Arbeitsmarktmaßnahmen nicht treffsicher genug seien. Es gebe sehr wohl Erfolge.

Bis zu 2,5 Stunden Wegzeit möglich

Was die zuletzt von Schelling angesprochene Wegzeit betreffe, würden ohnehin schon bis zu zweieinhalb Stunden gelten. Im Gesetz stehen zwar maximal zwei Stunden an zumutbarer Hin- und Rückfahrt, doch sind in bestimmten Fällen auch längere Wegzeiten möglich, verwies man im Ministerium auf die geltende Rechtslage. Auch eine Beschäftigung außerhalb des Wohnortes sei zumutbar, wenn etwa am Arbeitsplatz eine Unterkunft bereitsteht.

Das „Drehen“ an diesen Bestimmungen sei also ein ständiger Prozess, „löst aber kein wirkliches Problem“. Das bestehe nämlich im schwachen Wirtschaftswachstum und der mangelhaften Qualifikation der Arbeitssuchenden. Rund die Hälfte von ihnen habe keinen höheren Abschluss als die Pflichtschule vorzuweisen.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid kritisierte in einer Aussendung das „Schlechtreden von Arbeitslosengeld und Mindestsicherung“. Die ÖVP führe hier eine „unwürdige Neiddebatte“, was „Menschen in Notsituationen“ verunsichere.

Scharfe SPÖ-Kritik an Mikl-Leitners Asylpolitik

SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim hat - wie eine Woche zuvor die SPÖ Burgenland - den Umgang von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit dem Flüchtlingsproblem kritisiert.

Seit Wochen gelinge es nicht, das Problem zu lösen, das „erinnert nahezu an professionelle Inkompetenz“, so Jarolim. Er sah heute im APA-Gespräch „die Unerträglichkeit schon lange erreicht“.

Jarolim „empfiehlt“ Mikl-Leitner Änderungen in ihrem Umfeld, „um gute Beratung sicherzustellen“. Es sei nicht akzeptabel, dass das Ministerium Anregungen der Caritas und ähnlicher Organisationen - die Lösungskonzepte hätten - ignoriere.

Wenn man „endlich Beratung zulässt“, könnte wie in anderen Ländern die Flüchtlingsunterbringung zügig gelöst werden - zumal das Problem „bei Weitem nicht so groß ist, wie es nach außen vermittelt wird“.

ÖVP Niederösterreich weist Kritik zurück

Ansetzen sollte Mikl-Leitner in Niederösterreich, werde sie doch immer wieder als mögliche Nachfolgerin von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) gehandelt. Die Ministerin könnte sicherstellen, dass ihr Heimatland „als Vorbild voranschreitet“.

Derzeit weise es nämlich - abgesehen von der völlig überfüllten Bundesbetreuungsstelle Traiskirchen - die mit Abstand schlechtesten Unterbringungszahlen aus.

Die niederösterreichische ÖVP wies die Kritik zurück. Landesgeschäftsführer Gerhard Karner bestritt in einer Aussendung Versäumnisse in seinem Bundesland - und ortete im Gegenzug eine „Geschichte des sozialdemokratischen und grünen Versagens“.

Blümel: „Unsinnige und populistische Phrasen“

ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel lehnte „ständige Anschüttereien politischer Verantwortungsträger“ ab. Anstatt „unsinnige und populistische Phrasen von sich zu geben“, solle sich der SPÖ-Politiker lieber ein Stück Ausdauer und Durchsetzungskraft von der Ministerin abschauen.

„Sommergespräch“: Strolz beklagt Versagen in Asylpolitik

NEOS-Chef Matthias Strolz hat sich gestern als erster Parteichef im Wiener Ringturm den Fragen im ORF-„Sommergespräch“ mit Hans Bürger gestellt. Einen bedeutenden Platz nahm dabei das Asylthema ein: Strolz beklagte ein „Managementversagen“ der Politik und ordnete den Landeshauptleuten eine „ganz ungute Rolle“ zu.

Doch es gab auch andere Themen: Besprochen wurden die wechselhafte Präsenz seiner Partei und seine persönliche Rolle - sowie die spezielle Bedeutung einer John-F.-Kennedy-Statue.

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FPÖ Tirol lässt Wahlkampfabrechnung prüfen

Die Causa um Vorwürfe der angeblichen illegalen Parteienfinanzierung gegen die FPÖ erreicht nun auch die Tiroler Freiheitlichen. Landesparteiobmann Markus Abwerzger will die gesamten Abrechnungen der Landespartei aus dem Landtagswahlkampf 2013 prüfen lassen.

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Dubiose FPÖ-Geldflüsse über „Zunkunftskonto“

Unterdessen wurden heute neue Details in der Causa bekannt: So sollen Gelder für die Partei auf einem „Zukunftskonto“ geparkt worden sein, angemeldet auf einen Mitarbeiter des früheren FPÖ-Politikers Uwe Scheuch.

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Ausland

Grenzstreit: Slowenien beschickt Schiedsgericht neu

Slowenien hält am Schiedsverfahren zur Lösung des slowenisch-kroatischen Grenzstreits fest, obwohl Kroatien seinen Rückzug aus dem Verfahren angekündigt hat. Die Regierung in Ljubljana bestellte heute den Präsidenten des Internationalen Gerichtshofes (IGH) in Den Haag, Ronny Abraham, zu seinem neuen, national bestimmten Richter im fünfköpfigen Schiedsgericht.

„Alle Hürden wurden beseitigt, damit das Schiedsgericht ungestört weiterarbeiten kann“, sagte der slowenische Regierungschef Miro Cerar laut Medienberichten. Der französische Völkerrechtsexperte Abraham ersetzt den bisherigen slowenischen Vertreter Jernej Sekolec. Dieser war vergangene Woche nach einem Abhörskandal um seine Indiskretionen gegenüber der slowenischen Seite zurückgetreten.

Kroatien will aussteigen

Der bisherige slowenische Richter wurde in abgehörten Telefonaten dabei ertappt, wie er der slowenischen Seite geheime Informationen aus dem Schlichtungsverfahren preisgab. Kroatien wirft deshalb Slowenien vor, dass es das Schiedsverfahren beeinflussen wollte.

Kroatien will den Skandal nutzen, um aus dem Schiedsverfahren auszusteigen. Die kroatische Regierung kündigte an, das im Jahr 2009 vereinbarte Abkommen mit Slowenien zum Schiedsverfahren auflösen zu wollen: Der Prozess sei durch den Skandal „vergiftet“ worden. Eine Entscheidung soll diese Woche fallen. Slowenien vertritt die Position, dass ein Ausstieg aus dem Schiedsverfahren gar nicht möglich sei.

UNO verurteilt Todesstrafe für Gaddafi-Sohn

UNO-Organisationen haben die Todesstrafe eines libyschen Gerichts gegen den Sohn des 2011 gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi kritisiert. In dem Prozess gegen Saif al-Islam al-Gaddafi und weitere Angeklagte seien anerkannte Rechtsnormen verletzt worden, erklärte die Sprecherin des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte in Genf, Ravina Shamdasani.

Das Gericht in Tripolis habe die individuelle Schuld der Angeklagten nicht hinreichend nachgewiesen. Zudem habe es ernsthafte Probleme hinsichtlich des Zugangs zu Verteidigern gegeben.

Auch die Verfolgung von mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfe nur durch faire Strafverfahren und Prozesse geschehen, in denen die Rechte der Angeklagten respektiert werden, sagte Shamdasani. Ähnlich äußerte sich der Leiter der Menschenrechtsabteilung der UNO-Unterstützungsmission in Libyen (UNSMIL), Claudio Cordone.

Prozessteilnahme per Videoschaltung

Saif al-Islam erschien aus Sicherheitsgründen niemals persönlich vor den Richtern, sondern nahm zeitweise per Videoschaltung an den Verhandlungen teil. Er wird seit seiner Gefangennahme Ende 2011 in der westlibyschen Stadt al-Sintan festgehalten. Kurz zuvor war sein Vater mit 69 Jahren in seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen erschossen worden.

Neben Saif al-Islam wurden auch Gaddafis letzter Ministerpräsident Al-Baghdadi al-Mahmudi sowie der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi zum Tode verurteilt. Alle drei sollen 2011 zur Tötung friedlicher Demonstranten aufgerufen haben. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Saif al-Islam al-Gaddafi hatte ab den 1990er Jahren teilweise in Österreich gelebt und in Wien studiert. Er unterhielt unter anderem enge Beziehungen zum damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und zu FPÖ-Funktionären.

Le Pen setzt sich juristisch erneut gegen Tochter durch

Im Streit um Mitgliedschaft und Ehrenvorsitz von Jean-Marie Le Pen in der rechtsextremen französischen Front National (FN) hat der Parteigründer einen weiteren Erfolg vor Gericht erzielt.

Ein Berufungsgericht in Nanterre bestätigte heute die Aussetzung eines von der FN-Spitze beschlossenen Mitgliederentscheids, wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete. Wie die Erstinstanz verlangte das Gericht demnach einen Parteitag, bei dem sich der 87-jährige Le Pen verteidigen kann.

Die FN-Spitze um seine Tochter Marine Le Pen hatte im Mai nach wiederholten antisemitischen Äußerungen Le Pens dessen Mitgliedschaft ausgesetzt und die Ehrenmitgliedschaft infrage gestellt. Die rund 51.000 Mitglieder sollten bis zum 10. Juli per Briefwahl über neue Parteistatuten abstimmen, in denen die Funktion des Ehrenvorsitzenden nicht mehr vorgesehen ist.

Auch in einem anderen Verfahren hatte Vater Le Pen einen Erfolg vor Gericht erzielt. Danach durfte die Partei seine Mitgliedschaft nicht weiter ruhen lassen. Auch dagegen legte die Partei Berufung ein.

WHO: Fast 4.000 Tote in Jemen-Konflikt seit März

Seit dem Beginn der Luftangriffe auf das Bürgerkriegsland Jemen Ende März sind laut UNO-Angaben fast 4.000 Menschen gestorben.

Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute mitteilte, waren mit 1.859 Getöteten knapp die Hälfte der 3.984 Opfer Zivilisten. Zudem seien etwa 19.300 Menschen bei den Kämpfen auf dem Boden und den Luftschlägen verletzt worden.

Im Jemen hatten schiitische Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten weite Teile des Landes erobert und Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi im März zur Flucht nach Saudi-Arabien gezwungen. Seitdem bombardiert ein saudisch geführtes Militärbündnis Huthi-Stellungen. Gegner der Aufständischen drängten diese zuletzt im Süden des Landes zurück.

Obama: Weltgemeinschaft muss Einstellung zu Afrika ändern

US-Präsident Barack Obama hat die Weltgemeinschaft zu einer neuen Einstellung gegenüber Afrika aufgefordert. Weil sich Afrika verändere, müsse auch die Welt „ihre Einstellung zu Afrika ändern“, sagte Obama heute in einer Rede am Sitz der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba.

Ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit vieler afrikanischer Länder sei es „längst überfällig, alte Vorurteile von einem Afrika, das für immer in Armut und Konflikten feststeckt, beiseitezulegen.“ Die Welt müsse vielmehr die „außerordentliche Entwicklung Afrikas anerkennen“. Gleichzeitig müsse Afrika aber auch den „Krebs der Korruption“ bekämpfen, so Obama.

Kritik an machthungrigen Politikern

Kritik übte Obama auch an machthungrigen afrikanischen Präsidenten. Wenn Präsidenten nach dem Ende ihrer Amtszeit nicht abtreten wollten, bringe das „die demokratische Entwicklung Afrikas in Gefahr“. „Niemand sollte Präsident auf Lebenszeit sein“, so Obama. Er selbst freue sich sogar darauf, die Macht an seinen Nachfolger abzugeben.

Obama hielt zum Abschluss seines Besuchs in Äthiopien als erster US-Präsident eine Rede am Sitz der AU. Die Präsidentin der AU-Kommission, Nkosazana Dlamini-Zuma, würdigte den „historischen Besuch“ Obamas als einen „konkreten Schritt, um die Beziehungen zwischen der AU und den USA auszuweiten und zu vertiefen“. Obama war am Sonntag als erster US-Präsident zu einem Besuch in Äthiopien eingetroffen.

Wirtschaft

Großbritannien will kein Schwarzgeld in Immobilienmarkt

Großbritannien will Geldwäschern und Kriminellen den Weg zum Immobilienmarkt versperren. Sie sollen sich künftig nicht mehr hinter einer Strohfirma mit Sitz im Ausland verstecken können, wenn sie ein Haus in London kaufen, wie Premierminister David Cameron heute ankündigte.

„Wir wissen, dass einige Luxusimmobilien, besonders in London, von Ausländern über anonyme Strohfirmen erworben wurden, einige davon mit gestohlenem oder gewaschenen Geld“, sagte Cameron bei einem Besuch in Singapur. „Es gibt keinen Platz für Schwarzgeld in Großbritannien.“

Firmen sollen in Register erfasst werden

Nach Camerons Angaben gehören Immobilien im Wert von 122 Milliarden Pfund ausländischen Firmenhüllen. Nun soll ein Register mit Details zu diesen Firmen aufgebaut werden. Die Antikorruptionsorganisation Global Witness begrüßte das Vorhaben. Eine höhere Transparenz könnte Kriminelle davon abhalten, ihr Geld in Großbritannien zu verstecken, sagte Global-Witness-Experte Robert Palmer.

Häuser und Wohnungen in London gehören zu den teuersten weltweit, zudem können Ausländer vergleichsweise einfach Wohnimmobilien erwerben. Das macht Londoner Häuser zu einem beliebten Objekt, um Schwarzgeld wertstabil verstecken zu können.

Deutsch-französische Rüstungsfusion vor Abschluss

Der deutsche Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und sein französischer Konkurrent Nexter Systems wollen morgen nach langer Planung ihre Fusion besiegeln.

Im Verteidigungsministerium in Paris sollen in Anwesenheit von Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und des Parlamentarischen Staatssekretärs des deutschen Verteidigungsministeriums, Markus Grübel, die Verträge unterzeichnet werden. KMW ist vor allem bekannt durch den Kampfpanzer „Leopard“.

Gemeinsam zwei Mrd. Euro Umsatz

Mit dem Zusammenschluss soll eine zunächst als „Newco“ bezeichnete Holding niederländischen Rechts entstehen. Sie soll sämtliche Anteile der beiden Firmen halten. Für KMW steht die Eigentümerfamilie Bode, bei Nexter ist der französische Staat alleiniger Herrscher. Ihre grundsätzlichen Pläne hatten die beiden Firmen bereits im vergangenen Jahr angekündigt.

Es ist die spektakulärste Rüstungsfusion seit vielen Jahren. Zusammen kommen die Partner aus München und Paris auf etwa zwei Mrd. Euro Umsatz und rund 6.000 Mitarbeiter. Durch ihr Zusammengehen wollen sie ihre Position mit Blick auf den globalen Wettbewerb bei schrumpfenden nationalen Verteidigungsbudgets verbessern. Die Zustimmung der Kartellbehörden müssen sie dafür noch einholen.

Insider: Athen wartet auf EZB-Okay für Börsenöffnung

Griechenland hat der Europäischen Zentralbank (EZB) Insidern zufolge zwei Vorschläge zur möglichst baldigen Öffnung der Athener Börse vorgelegt.

„Ob wir morgen oder an einem anderen Tag öffnen, hängt davon ab, wann wir eine Antwort der EZB erhalten“, sagte eine der Personen aus dem Umfeld der Aufsichtsbehörden heute zu Reuters.

Ein bei der EZB eingereichter Plan sehe vor, einen uneingeschränkten Handel zuzulassen. Alternativ habe man vorgeschlagen, für griechische Investoren Auflagen zu erlassen, um eine Kapitalflucht zu verhindern.

Kein Handel seit Ende Juni

An der Börse in Athen wird seit Ende Juni nicht mehr gehandelt. Zuvor hatte die Regierung bereits die Banken geschlossen und Kapitalkontrollen in Kraft gesetzt, um einen Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems zu verhindern. Die Banken sind inzwischen wieder geöffnet, nachdem die EZB ihre Hilfskredite aufgestockt hat.

Italien will Strafen gegen „Agro-Mafia“ verschärfen

Italien will die Strafen gegen die in der Landwirtschaft und auf dem Ernährungssektor tätige „Agro-Mafia“ verschärfen. In das italienische Strafbuch soll erstmals das Vergehen der „Agro-Piraterie“ aufgenommen werden. Die Strafen für Personen, die Lebensmittel „verramschen“, werden verschärft.

Damit sollen die Produktion von Plagiaten im Lebensmittelbereich, falsche Etikettierungen, Pantschereien sowie Betrug mit Lebensmitteln garantierter Herkunft strenger bestraft und die Gesundheit der Verbraucher besser geschützt werden, geht aus dem Plan des Landwirtschaftsministerium hervor. Ziel sei es, die „Agro-Mafia“ aktiver zu bekämpfen, die laut dem Agrarverband Coldiretti jährlich einen Umsatz von 15,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Geschäft mit Lebensmittelplagiaten floriert

Im Italien floriert das illegale Geschäft mit Lebensmittelplagiaten. Vor allem nachgemachte Markenprodukte boomen, sowohl in Italien als auch im Ausland. Die legale italienische Nahrungsmittelindustrie erwirtschaftet jährlich 24 Milliarden Euro.

Laut Coldiretti wächst die Macht der Mafia auch in der Gastronomie. In Italien sind schätzungsweise rund 5.000 Lokale und Restaurants in der Hand des organisierten Verbrechens, überwiegend über Strohmänner.

Der Verband der Lebensmittelindustrie, Federalimentare, drängt auf die Einrichtung eines Fonds mit Hilfe der Regierung, um Unternehmer beim rechtlichen Schutz ihrer Marken im Ausland zu unterstützen. Viele Kleinbetriebe hätten wegen bürokratischer Hürden Schwierigkeiten, sich im Ausland zu verteidigen. Sie seien machtlos gegen die Plagiate. Gegen die zunehmende Produktpiraterie fordert Italien auch die Hilfe der EU.

Neues Normengesetz laut Jurist „krass verfassungswidrig“

Das von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) geplante neue Normengesetz sei „krass verfassungswidrig“, sagt der Verfassungsjurist Heinz Mayer. „Das hat jemand geschrieben, so als gäb’s keine Verfassung“, so Mayer bei einem Pressegespräch in Wien.

Austrian Standards, das frühere Normungsinstitut, lehnte den Entwurf für das neue Normengesetz von Anfang an als „nicht umsetzbar“ ab und untermauerte diese Position nun durch ein Gutachten des Verfassungsexperten. Der Entwurf zeige „ein erschreckendes Gesamtbild“, sagte die Direktorin von Austrian Standards, Elisabeth Stampfl-Blaha. „Daher ist unser Plädoyer: zurück an den Start.“

„Groteske Bestimmung“

Der Entwurf enthalte etwa in Paragraf 4 die „groteske Bestimmung“, wonach das Leitungsorgan des Vereins (Austrian Standards) in seiner Satzung vorsehen müsse, dass ein Vertreter des Bundes und einer der Länder Mitglied zu sein habe und dass die wichtigen Beschlüsse einstimmig zu fassen seien.

Das bedeute, dass der Vertreter des Ministeriums oder der Länder jeden Beschluss blockieren kann, so Mayer. Der Verein als verfassungsrechtliches Konstrukt würde damit zerstört.

Außerdem müsse ein Verein in Rahmen seiner Privatautonomie auch befugt sein, für seine Leistungen ein Entgelt zu verlangen. Es sei „krass verfassungswidrig“, das zu verbieten. Der Entwurf sei „so, wie wenn ein Volksschüler sich hinsetzt und einen Roman schreibt“, bewertete Mayer die Qualität des Gesetzesentwurfs.

Für Stampfl-Blaha „atmet dieser ganze Entwurf ein Obrigkeitsdenken, das erschütternd ist. Man will uns mit einem verstaubten Retro-Gesetz fesseln.“

Ministerium verteidigt Gesetz

Das Wirtschaftsministerium wies die Kritik zurück. Das Gesetz solle die Transparenz und Steuerung des nationalen Normenwesens verbessern, um die von Wirtschaftstreibenden beklagte Normenflut einzudämmen. Daher sei das Aufsichtsrecht gestärkt worden, in die Vereinsfreiheit habe man nicht eingegriffen.

Der Entwurf sei unter anderem mit dem Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt rechtlich abgestimmt worden, so das Ministerium in einer Aussendung. Das neue Gesetz solle unter anderem eine kostenlose Teilnahme an der Normung ermöglichen. Weiters werde eine Normung in Zukunft nur noch auf Antrag mit konkreten Begründungen erfolgen.

Die nationale Stellungnahmefrist für das Gesetz geht am 3. August zu Ende, am 24. September die europäische. Das neue Normengesetz soll am 1. Jänner 2016 in Kraft treten.

7.600 Einzelhändler sperrten seit 2004 zu

Die Verkaufsflächen im Einzelhandel sinken dramatisch. Zum einen wandert Geschäft ins Internet ab, zum anderen gibt es eine Verschiebung der traditionellen Standorte hin zu Einkaufs- und Fachmarktzentren. Abgesehen vom Lebensmitteleinzelhandel gingen die Verkaufsflächen im Vorjahr in allen Branchen zurück.

Im Zeitraum 2004 bis 2014 sperrten in Österreich 7.600 Einzelhändler zu, ein Rückgang von 16 Prozent, ergab eine heute präsentierte Analyse der KMU Forschung Austria. Es gab laut der Studie im Vorjahr 39.900 Einzelhandelsgeschäfte. Ein Stopp dieser Entwicklung sei nicht zu erwarten. Österreich liege bei der Verkaufsfläche je Einwohner weltweit im Spitzenfeld.

Schmuckhandel besonders betroffen

Besonders betroffen war laut der Studie der Uhren- und Schmuckhandel, wo die Flächen im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 70.000 Quadratmeter einbrachen. Die meisten Flächen beansprucht der Lebensmittelhandel - dort gab es 2014 ein leichtes Plus von einem Prozent auf 3,27 Millionen Quadratmeter.

Hohe Rückgänge gab es auch bei Geschäften, die Fotoartikel bzw. optische Artikel (minus vier Prozent auf 120.000 Quadratmeter) verkaufen, bei Sportartikelhändlern (minus vier Prozent auf 730.000), in den Bereichen Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte (minus drei Prozent auf 300.000), im Schuh- und Lederwareneinzelhandel (minus drei Prozent auf 410.000) sowie im Bau- und Heimwerkerhandel (minus drei Prozent auf 2,85 Millionen Quadratmeter).

Erstmals seit 2010 leichtes Umsatzplus

Zugleich gab die KMU Forschung Austria bekannt, dass der österreichische Einzelhandel heuer erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2010 wieder reale Umsatzzuwächse erzielte. In den ersten sechs Monaten 2015 zogen die Erlöse inflationsbereinigt um 0,5 Prozent an.

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Sport

Formel 1: Vettel macht es wieder spannend

Mit seinem ersten Sieg auf dem Hungaroring hat Sebastian Vettel nicht nur seine persönliche Erfolgsbilanz aufgebessert, sondern auch der Formel-1-WM wieder mehr Brisanz verliehen.

Während das bisher so souveräne Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Ungarn schwächelte, zeigte Vettel eine fehlerlose Vorstellung. Damit kann er der zweiten Saisonhälfte nach der Sommerpause durchaus zuversichtlich entgegensehen.

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Tour de France: Zweifler trüben Froomes Freude

Christopher Froome hat am Sonntag zum zweiten Mal in seiner Karriere in überzeugender Manier die Tour de France für sich entschieden. Zu der Freude über den Triumph mischte sich bei dem 30-jährigen Briten aber auch Ärger über alle Kritiker, die die „Sauberkeit“ des Siegers anzweifeln. „Ich werde das Trikot nicht entehren“, betonte Froome bei der Siegerehrung daher noch einmal. Der jüngste Erfolgslauf der britischen Radfahrer wird trotzdem kritisch beäugt.

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Chronik

Konsequenzen nach Vorfällen in Kaserne Zeltweg

Drogen, gefährliche Drohung und versuchte Vergewaltigung - der fertige Untersuchungsbericht des Bundesheeres zu den im Mai aufgeflogenen Vorkommnissen in der steirischen Kaserne Zeltweg hat nun zu umfangreichen Konsequenzen geführt: Ein 47-jähriger Unteroffizier wurde des Dienstes enthoben und ein 20-jähriger ehemaliger Grundwehrdiener bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

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Religion

Opferfest in Nepal künftig ohne Massenschlachtungen

Aufgrund des wachsenden Protests von Tierschützern wollen die Behörden in Nepal ein jahrhundertealtes Opferfest beenden, bei dem alle fünf Jahre Tausende Büffel, Ziegen, Geflügel und Nagetiere geschlachtet werden.

„Wir haben beschlossen, den Brauch komplett zu stoppen“, sagte heute der Sekretär der Verwaltung des Gadhimai-Tempels, Motilai Prasad. Beim jüngsten Opferfest für Gadhimai, die hinduistische Göttin der Macht, waren im vergangenen November rund 200.000 Tiere geköpft worden.

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Klostergärten laden zu „Langen Nächten“

Die Vereinigung Klösterreich lädt wieder zu den „Langen Nächten der Klostergärten“ ein: Viele Klostergärten und Parkanlagen können im Sommer im Mondschein besucht werden.

So bietet das Stift Seitenstetten etwa „Harfen- und Klarinettenmusik im historischen Hofgarten sowie ein Picknick inklusive Rosensekt“ an, Stift Zwettl lädt im Kreuzgang zu einem Konzert mit mittelalterlicher Musik und gregorianischen Gesängen. Wissenswertes über Kräuter- und Apothekergärten kann man sich in den Stiften Altenburg und Geras erzählen lassen.

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Gesundheit

West-Nil-Fieber soll meldepflichtig werden

Laborbestätigte Erkrankungs- und Todesfälle am West-Nil-Fieber werden künftig meldepflichtig. Das soll eine von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) heute in Begutachtung geschickte Verordnung sicherstellen.

Demnach müssen Labors bestätigte Fälle in Zukunft automatisch an die Bezirksverwaltungsbehörden melden. Die Verordnung soll noch im Sommer in Kraft treten.

Das West-Nil-Fieber wird vom West-Nil-Virus ausgelöst und über Gelsen übertragen. Infiziert werden können Menschen sowie verschiedenste Vogelarten und Säugetiere. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist äußerst selten. In Österreich wurde 2014 ein humaner WNV-Fall verzeichnet, Virusnachweise aus Blutproben gab es aber auch schon vorher.

Meist keine Krankheitszeichen

80 Prozent der infizierten Menschen zeigen keine Krankheitszeichen, sind jedoch Träger des Virus. Bei 20 Prozent der Infektionen zeigt sich ein symptomatischer Verlauf, meist in Form eines grippalen Infekts. Weniger als ein Prozent der Ansteckungen laufen unter Beteiligung des zentralen Nervensystems ab, dann können Meningitis, Enzephalitis und Lähmungen auftreten.

Bei schweren Verläufen ist meist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus mit Infusionen, Beatmungsunterstützung und Pflege erforderlich. Die Letalität bei Patienten mit einem solchen neuroinvasiven Krankheitsbild liegt zwischen vier und 14 Prozent, bei über 70-Jährigen kann sie 15 bis 29 Prozent betragen.

Science

Eisverlust in Arktis bringt Sibirien mehr Schnee

Der Verlust von Meereis in der Arktis führt zu größeren Schneefällen im südlichen Sibirien. Denn das eisfreie Wasser erwärmt sich und nimmt vermehrt Feuchtigkeit auf, was in der Atmosphäre die Bildung von Stürmen begünstigt. In Sibirien gehen diese im Herbst und Winter als Schnee nieder.

Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen der Eisbedeckung in der Barents- und der Karasee und den Schneehöhen in Russland, heißt es im Fachjournal „Environmental Research Letters“ von den Wissenschaftlern um Martin Wegmann und Stefan Brönnimann vom Oeschger Zentrum für Klimaforschung der Schweizer Universität Bern. Sie untersuchten Daten von 820 Messstationen in Russland seit den 1970er Jahren.

Eis beeinflusst Klima direkt

In Jahren mit wenig Meereis kam es laut den Daten zu größeren Schneefällen und Schneestürmen in Südsibirien. Die Wissenschaftler konnten auch nachweisen, dass zumindest ein Teil der Feuchtigkeit hierzu aus offenen arktischen Gewässern stammte. Auf einen schneereichen Herbst folgte den Resultaten zufolge im Winter eine kalte Hochdrucklage in Eurasien.

„Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig das arktische Klima für die südlicheren Breiten ist“, schreiben die Autoren. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1980 hat die Ausdehnung des Meereises im Sommer in der Arktis um zehn Prozent abgenommen.

Extrem seltenes Nördliches Breitmaulnashorn verendet

Eines der letzten Nördlichen Breitmaulnashörner der Welt ist in einem tschechischen Zoo verendet. „Es ist ein schwer zu beschreibender Verlust“, sagte der Leiter des Tierparks in Dvur Kralove, Premysl Rabas, heute.

Nördliches Breitmaulnashorn im Zoo von San Diego

Public Domain

Die Nashornkuh Nabire sei im Alter von 31 Jahren an einer geplatzten Zyste verendet. Damit gebe es weltweit nur noch vier Tiere dieser Unterart. Drei von ihnen leben im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia und eines im Zoo von San Diego.

Das Nördliche Breitmaulnashorn gilt als seltenstes Großsäugetier der Welt und als unmittelbar vom Aussterben bedroht. Es war ursprünglich in einem Gebiet vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad verbreitet. Der Bestand des Südlichen Breitmaulnashorns ist hingegen nach Angaben der Umweltorganisation WWF nach Schutzmaßnahmen inzwischen wieder auf über 20.400 Tiere gewachsen.

IT

Warnung vor Sicherheitslücke bei Android

Die US-Sicherheitsfirma Zimperium warnt vor einer Sicherheitslücke bei Googles Smartphone-Betriebssystem Android: Hacker könnten die Daten einfach per MMS stehlen, teilte Zimperium gestern mit. Sie brauchten dafür nur die Mobilfunknummer. Allerdings habe offenbar bisher niemand die Sicherheitslücke ausgenutzt.

Die Sicherheitslücke verberge sich im Mediaplayer von Android namens Stagefright (übersetzt: Bühnenangst), so Zimperium. Er lädt automatisch an eine Textnachricht angehängte Videos, damit der Nutzer nicht lange warten muss, wenn er sich das Video anschauen will.

Hacker können laut Zimperium über die Videodatei in das Smartphone eindringen - auch wenn der Nutzer die Nachricht gar nicht öffnet und liest.

Fast jeder Nutzer eines Smartphones mit Android sei betroffen, erklärte Zimperium - 95 Prozent oder 950 Millionen Geräte könnten so gehackt werden. Zimperium habe Google das Problem gemeldet und ein Update geliefert, um den Datendiebstahl unmöglich zu machen. Google habe sofort reagiert und das Update an die Gerätehersteller verteilt.

Kultur

Erfinder des modernen Schlagzeugstocks tot

Der Erfinder moderner Schlagzeugstöcke, Vic Firth, ist tot. Wie die nach ihm benannte Firma gestern in den USA mitteilte, starb er im Alter von 85 Jahren. Seine „grenzenlose Leidenschaft für die Musik beeinflusste alle seine Entscheidungen“, hieß es in einer Erklärung.

Everett "Vic" Firth, 2002

APA/AP/The Boston Globe/Lane Turner

Firth stammte aus dem US-Bundesstaat Massachusetts und spielte als Perkussionist beim Boston Symphony Orchestra. Weil er mit den damals verwendeten Trommelstöcken und Schlägeln nicht zufrieden war, baute er kurzerhand seine eigenen.

„Es war nicht nur die Qualität der Schlagzeugstöcke, es war die fehlende Auswahl“, erinnerte er sich später. Für die Klangqualität sei die Form der Stöcke aber enorm wichtig. Schon kleinste Veränderungen im Herstellungsprozess könnten das Ergebnis stark beeinflussen.

1963 gründete Firth seine eigene Firma. Die von ihm produzierten Stöcke und Schlägel werden mittlerweile von Musikern auf der ganzen Welt genutzt. 2010 fusionierte das Unternehmen mit dem Beckenhersteller Zildjian.

„Gefühlt Mitte Zwanzig“: Ben Stiller in der Krise

Soll man Kinder haben oder nicht? Was hat man bereits erreicht im Leben und was könnte man noch erreichen? Wie steht es um die eigene Selbstverwirklichung? Mit fundamentalen Fragen des Daseins wird im Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein Paar Mitte 40 in New York konfrontiert. Daraus hat der aus Brooklyn stammende Regisseur Noah Baumbach, bekannt durch Filme wie „Greenberg“ und „Frances Ha“ eine anregende Komödie gemacht. In den Hauptrollen sind Ben Stiller und Naomi Watts zu sehen.

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Große Kunst: Rieseninstallationen mitten in der Natur

Seit neun Jahren verwandelt sich die Gegend um Sancy im französischen Bergmassiv Monts Dore in ein gigantisches Freiluftmuseum. Im Rahmen des Festivals Horizons Arts Nature werden jedes Jahr aus Hunderten Einsendungen elf Künstler ausgewählt, deren Werke den ganzen Sommer lang zu bestaunen sind. Heuer wurden etwa ein Feld mit 30 überdimensionalen Löwenzahnblumen aus Plastikmilchflaschen, eine Flugzeugcrashskulptur in Originalgröße und ein geheimnisvoller Riesenoktopus mitten im Wald realisiert.

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