Ausland

UNO-Sicherheitsrat stimmt über Waffenruhe in Syrien ab

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will heute über eine Resolution für eine 30-tägige Waffenruhe in Syrien abstimmen. Damit sollen dringend benötigte Hilfslieferungen für die Bevölkerung in umkämpften Gebieten in dem Bürgerkriegsland ermöglicht werden, wie die kuwaitische Ratspräsidentschaft mitteilte.

Der Resolutionsentwurf wurde von Schweden und Kuwait eingebracht. Unklar war, wie die UNO-Vetomacht Russland abstimmen wird, die in dem Bürgerkrieg den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Russland hatte zuvor Änderungen an dem Entwurf gefordert.

UNO-Koordinator forderte Feuerpause

Der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien im UNO-Sicherheitsrat hatte zuvor eine Feuerpause in der eingekesselten Rebellenenklave Ostghuta gefordert, die seit Tagen unter heftigem Dauerfeuer steht.

Wenn die in den vergangenen 72 Stunden veröffentlichten Bilder den Rat nicht von der Notwendigkeit überzeugten, „dann wissen wir ehrlich gesagt nicht, was sie überzeugen würde“, sagte Panos Moumtzis. In der Region seien mindestens 370 Menschen getötet und 1.500 verletzt worden. Die Bewohner hätten weder Lebensmittel, Strom noch Wasser.

Spitäler in Ostghuta unter Beschuss

Das Leiden der Menschen in Ostghuta geht unterdessen unvermindert weiter. Auch gestern wurde das Gebiet östlich der Hauptstadt Damaskus bombardiert. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) werden auch Angriffe auf Krankenhäuser geflogen. 13 Einrichtungen, in denen ihre Mitarbeiter tätig sind, seien „beschädigt oder zerstört“ worden.

Mehr dazu in „Opferzahl steigt von Stunde zu Stunde“

Geberkonferenz in Brüssel: EU erhöht Hilfe für Sahel-Region

Die EU will die fünf Sahel-Staaten im Kampf gegen Terrorismus und illegale Migration stärker unterstützen. In Brüssel begann heute eine Geber-Konferenz, die sowohl die Finanzierung der gemeinsamen Eingreiftruppe von Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Burkina Faso stärken als auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region fördern soll.

Die EU wird ihre Unterstützung für die neue Truppe zur Terror-und Schleuserbekämpfung in der Sahelzone von 50 auf 100 Millionen Euro verdoppeln.

Mogherini: Wichtige Arbeit auch für Europa

Die von den Länder Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad aufgestellte Einheit leiste nicht nur für die Menschen in der Region, sondern auch für Europa eine wichtige Arbeit, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zum Auftakt der Geberkonferenz.

An der Konferenz nehmen rund 50 Staaten teil, darunter auch die USA, Saudi-Arabien und Japan sowie fast alle EU-Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wird erst beim informellen EU-Gipfel in Brüssel erwartet.

Die G-5-Sahel-Länder hatten einen Finanzbedarf von 400 Millionen Euro allein für die Eingreiftruppe angemeldet. Frankreich ist die führende Militärmacht in der Region, aber auch die deutsche Bundeswehr ist in Mali stationiert. Deutschland engagiert sich zudem finanziell erheblich in der Region. Die deutsche Bundesregierung plant für die Jahre 2017 bis 2020 für die Bereiche Sicherheit, Stabilität und Entwicklung in den Sahel-Ländern rund 1,7 Milliarden Euro ein.

Bericht: Neue US-Sanktionen gegen Nordkorea

US-Präsident Donald Trump will nach Angaben eines Insiders heute weitere Sanktionen gegen Nordkorea bekanntgeben. Es handle sich um das bisher größte Sanktionspaket, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

Details wurden zunächst nicht bekannt. Mit den Sanktionen will die US-Regierung Druck auf das isolierte kommunistische Land ausüben, sein Atom- und Raketenprogramm aufzugeben. Auch die Vereinten Nationen haben Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.

Syrien: Angriff auf Afrin - Türkei bestreitet zivile Opfer

Türkische Truppen haben die syrische Stadt Afrin gestern Nacht mit Artillerie beschossen und dabei nach kurdischen Angaben auch auf einen Menschenkonvoi gezielt. Dutzende Granaten seien in Afrin gelandet, sagte Suleiman Dschafar von der örtlichen Verwaltung. Ersten Berichten zufolge sei mindestens ein Mensch getötet worden. Acht weitere wurden verletzt.

Bei dem Konvoi habe es sich um Menschen aus verschiedenen Teilen Nordsyriens gehandelt, die zur Unterstützung der Bevölkerung in die Stadt gekommen seien. Die Türkei hatte am 20. Jänner eine Offensive gegen die kurdische YPG in der nordsyrischen Region Afrin gestartet.

Ein Sprecher der YPG in der syrischen Stadt Aleppo teilte mit, dass Kämpfer seiner Gruppe ihre Posten verlassen hätten, um die Miliz in Afrin bei der Abwehr des türkischen Angriffs zu unterstützen. „Weil alle Weltmächte zu den barbarischen Angriffen schweigen, sind alle YPG-Truppen aus Aleppo nach Afrin gezogen, um die Region zu verteidigen. Deshalb sind die Bezirke östlich von Aleppo unter die Kontrolle der (syrischen) Regimetruppen gekommen“, sagte Furat Chalil in einer Stellungnahme.

Türkei widerspricht Angaben zu getöteten Zivilisten

Die türkische Regierung hatte zuvor Angaben zu getöteten Zivilisten bei der Offensive in Nordsyrien widersprochen. „Bei den Operationen der türkischen Streitkräfte gab es bis heute keinen einzigen Zivilisten in der Region, dem auch nur die Nase geblutet hat, geschweige denn, der ums Leben gekommen ist“, sagte Vizeministerpräsident Bekir Bozdag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei werde die Offensive in Afrin fortsetzen, bis sie die Region von „den Terrororganisationen und ihren Terroristen gesäubert hat“.

Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien sind bei der türkischen Offensive gegen die YPG in der Region Afrin bisher 112 Zivilisten getötet worden, darunter 23 Kinder.

Australischer Vizepremier legt Amt nach Affären nieder

Australiens stellvertretender Premierminister Barnaby Joyce tritt nach einer Serie von Affären zurück. Der Vorsitzende der konservativen National Party kündigte am Freitag an, sein Amt in der kommenden Woche niederzulegen. Auch als Parteichef will er zurücktreten.

Der 50-Jährige war durch ein Verhältnis mit einer ehemaligen Mitarbeiterin in die Schlagzeilen geraten. Hinzu kamen nun auch Vorwürfe wegen sexueller Belästigung.

Australiens stellvertretender Premierminister Barnaby Joyce

APA/AP/Australia Broadcasting Corporation

„Entsetzlicher Einschätzungsfehler“

Für die rechtsliberale Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull bedeutet der Rücktritt eine erhebliche Belastung. Turnbull hatte das Verhalten seines Stellvertreters, der auch Parteichef seines Koalitionspartners ist, als „entsetzlichen Einschätzungsfehler“ bezeichnet. In den vergangenen Tagen schwand auch der Rückhalt in der eigenen Partei.

Joyce hatte die Regierung bereits vergangenes Jahr in Schwierigkeiten gebracht, weil er verschwiegen hatte, dass er auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt. Wegen der doppelten Staatsbürgerschaft musste er auf seinen Parlamentssitz verzichten, sodass die Koalition keine Mehrheit mehr hatte. In der fälligen Nachwahl eroberte er den Sitz aber zurück.

Niederlande erkennen Völkermord an Armeniern an

Das niederländische Parlament hat den im Osmanischen Reich an Armeniern begangenen Massenmord als Völkermord anerkannt. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Abgeordneten gestern einem entsprechenden Antrag zu.

Das gilt allerdings nur für das Parlament. Die Regierung wird den Völkermord nicht anerkennen, will aber einen Vertreter zur Gedenkfeier in Eriwan am 24. April entsenden. Die Anerkennung als Genozid könnte die ohnehin angespannten Beziehungen der Niederlande zur Türkei weiter verschlechtern.

Schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier waren von 1915 an bei Massakern und Deportationen ums Leben gekommen. Die Türkei bedauert das, lehnt die Einstufung als Völkermord aber strikt ab.

Türkei verurteilt Entscheidung

Die Türkei hat den Entschluss des niederländischen Parlaments „aufs Schärfste“ verurteilt. Die Entscheidung habe „keine rechtliche Verbindlichkeit und Gültigkeit“, teilte das türkische Außenministerium mit. Die Türkei warf den Niederlanden zudem vor, das Massaker in Srebrenica 1995 an bosnischen Muslimen geduldet zu haben.

Das Massaker in Srebrenica hatten im Juli 1995 bosnisch-serbische Truppen verübt. Niederländische Blauhelmsoldaten der UNO hatten den Angreifern die Stadt zuvor allerdings kampflos überlassen. Bei dem Massaker handelte es sich um den schlimmsten Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

Inland

„Falter“: Weiteres NS-Liederbuch gefunden

In den Räumen der schlagenden Burschenschaft Bruna Sudetia soll ein weiteres, bisher unbekanntes Liederbuch mit antisemitischen Texten gefunden worden sein.

Das berichtete die Wochenzeitung „Falter“ heute. Zudem dürften die Ermittler auch „altes Zeug aus der Nazizeit“ bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmt haben. Um Hakenkreuzfahnen oder verbotene Abzeichen soll es sich dabei aber nicht handeln.

Götschober will interne Aufarbeitung

Der Obmann der Burschenschaft, Herwig Götschober, kündigte eine interne Aufarbeitung an. Bereits gestern fand eine Hausdurchsuchung statt, bei der mehrere Kisten mit unbekanntem Material beschlagnahmt wurden.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Fluggastdaten: Österreich bei Speicherung „übereifrig“

Vor rund einem Monat hat das Innenministerium einen Gesetzesentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur Fluggastdatenspeicherung in Begutachtung geschickt. Gestern ging die Begutachtungsfrist zu Ende.

Im Ö1-Morgenjournal sagte der Präsident der Rechtsanwaltskammer, Rupert Wolff, dass es eine notwendige Maßnahme sei, jedoch: „Österreich ist übereifrig“, denn „die Richtlinie selbst regelt nur die Übermittlung von Fluggastdatensätzen von Drittstaatsflügen durch Fluggesellschaften, aber nicht von EU-Innenflügen.“

Kritik auch von Datenschutzbehörde

Der Gesetzesentwurf lasse jedoch darauf schließen, dass auch Daten von Flügen innerhalb der EU gesammelt werden sollen, kritisierte die Datenschutzbehörde. „Der von einem Eingriff in das Grundrecht auf Datenschutz erfasste Personenkreis wird dadurch jedoch erheblich erweitert. Eine nähere Begründung dafür ist den Erläuterungen nicht zu entnehmen“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde.

Heftige Kritik kam von der Organisation epicenter.works. Schon die EU-Richtlinie, die mit dem Entwurf umgesetzt werden soll, sei „unions- und grundrechtswidrig“. Die „anlasslose und verdachtsunabhängige Speicherung von personenbezogenen Daten aller per Luftweg aus oder nach Österreich reisenden Personen“ sei „unverhältnismäßig und eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens und des Rechts auf Schutz personenbezogener Daten“.

Die Organisation bemängelte auch, dass die österreichische Regierung die Richtlinie „offenbar sogar überschießend erfüllen“ wolle, etwa durch die Ausdehnung auf Flüge innerhalb der EU. Der in dem Entwurf vorgesehene Datenschutz wurde als unzureichend erachtet.

Richtlinie verpflichtet zu Übermittlung von Daten

Das Ziel des Gesetzes ist „die Vorbeugung, Verhinderung und Aufklärung von terroristischen und bestimmten anderen Straftaten“. Die EU-Richtlinie verpflichtet Fluggesellschaften zur Übermittlung der von ihnen bereits aktuell für die Abwicklung der Reise erhobenen Fluggastdaten (Name, Anschrift, Sitzplatznummer, Mitreisende etc.) an die nationale Fluggastdatenzentralstelle. Eine solche hat jeder Mitgliedsstaat einzurichten, dieser obliegt die Verarbeitung der Daten.

Finanzminister Löger will Bitcoin regeln

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) will boomende Kryptowährungen wie Bitcoin strenger regeln. Der Handel damit soll „ähnlich wie der Handel mit Gold und Derivaten“ behandelt werden. Dazu gehören Meldungen an die Geldwäschestelle des Bundeskriminalamts bei Transaktionen über 10.000 Euro. Die Geldwäschemeldestelle soll die Eigentümer von virtuellen Währungen identifizieren können.

Aufsicht von Handelsplattformen durch FMA

Handelsplattformen für Kryptowährungen müssten der Aufsicht durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) unterworfen werden, so Löger, Vertriebsmodelle müssten überwacht werden. Gerade erst ist die Bitcoin-Vertriebsplattform Optioment in den Verdacht geraten, als Pyramidenspiel Zehntausende Menschen um ihr Geld gebracht zu haben. Die FMA hat Optioment zwar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, hat aber keine Aufsicht darüber.

Im Laufe des März soll ein „Fintech-Regulierungsrat“ entstehen, in dem Experten Regulierungsansätze überlegen und die Positionen verschiedener Institutionen koordinieren. Europäische Initiativen dazu sollen unterstützt und mit den nationalen Maßnahmen „in Einklang gebracht“ werden. Denn auch auf EU-Ebene ist Bewegung in das Thema gekommen.

Besuch bei Euro-Gruppe-Chef Centeno

So wird es bei Lögers Besuch bei Euro-Gruppe-Chef Mario Centeno unter anderem um die Regulierung des Handels mit Kryptowährungen gehen. Kommende Woche hält die EU-Kommission dazu eine Sitzung ab, Anfang März soll es aus Brüssel einen Aktionsplan geben. Österreich unterstützt auch Änderungen der Europäischen Geldwäscherichtlinie.

„Die Kryptowährungen sind im Begriff, die Reputation des Finanzmarkts massiv zu beeinträchtigen und den Ruf einer noch jungen, aber für den Finanzmarkt der Zukunft sehr wichtigen Branche zu gefährden“, sagt Löger. Sosehr daher eine Regulierung nötig sei, so sehr dürften Wachstum und Zukunftschancen nicht behindert werden.

Opposition knöpft sich „Sicherheitspaket“ vor

Die Regierung hat am Mittwoch ihr länger geplantes „Sicherheitspaket“ auf den Weg gebracht, nun ist die Kritik der Opposition gefolgt. SPÖ, NEOS und Liste Pilz sprachen gestern von Einschnitten in die Grundrechte. Vor allem aber kritisierten sie, dass das Gesetzespaket ohne Begutachtung beschlossen werden soll.

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder warf zudem der FPÖ vor, umgefallen zu sein: Als Oppositionspartei habe sie sich gegen diese Pläne noch verwehrt. FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz wies das vehement zurück.

Mehr dazu in FPÖ kontert Vorwürfe

Sport

Olympia: Biathlon-Staffel rechnet sich viel aus

Silber in Vancouver 2010, Bronze in Sotschi 2014: In Pyeongchang peilt die rot-weiß-rote Herren-Staffel erneut eine Olympiamedaille an. Simon Eder, Dominik Landertinger und Julian sowie Tobias Eberhard, der sich in der internen Qualifikation den vierten Startplatz sicherte, sind für das Rennen heute (12.15 Uhr, live in ORF eins) zuversichtlich. Der Kreis der Anwärter auf Edelmetall ist groß. „Wir sind sicher zu den Favoriten zu zählen, ich bin positiv“, sagte Eder.

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Olympia: Kein Happy End für Österreicherinnen im Skicross

Für Andrea Limbacher und Katrin Ofner hat es bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Skicross eine herbe Enttäuschung gegeben. Beide hatten sich nach guten „Seeding Runs“ Chancen ausgerechnet, schieden aber heute schon im Viertelfinale aus und hatten so mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun. Im großen Finale gab es schließlich einen kanadischen Doppelsieg.

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Eishockey: Grabner wechselt in NHL Uferseite

Michael Grabner erhält für die letzten Monate der Saison der National Hockey League (NHL) einen neuen Arbeitgeber. Statt für die New York Rangers geht der 30-jährige Stürmer ab sofort für die New Jersey Devils auf Torjagd. Grabner machte heuer mit 25 Toren Werbung in eigener Sache und wurde damit zu einer heißen Tauschaktie für die in der Tabelle abgeschlagenen Rangers. Das Geschäft der beiden Erzrivalen an den gegenüberliegenden Ufern des Hudson Rivers darf getrost als historisch bezeichnet werden.

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Wirtschaft

Parlamentsexperten rechnen mit geringerem Defizit

Das unerwartet starke Wirtschaftswachstum und die niedrigen Zinsen haben die Staatsfinanzen im Vorjahr entlastet. Der Budgetdienst des Parlaments rechnet in seiner Analyse der vorläufigen Jahresbilanz mit einem deutlich niedrigeren Defizit. Weniger als erwartet kosteten 2017 u. a. die Pensionen, mehr Geld als geplant floss für den Finanzausgleich und die notverstaatlichten „Bad Banks“.

Ursprünglich erwartete der damalige ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling für 2017 ein gesamtstaatliches Defizit von 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die genaue Abrechnung wird die Statistik Austria zwar erst im März veröffentlichen.

„Es ist jedoch zu erwarten, dass das Maastricht-Defizit deutlich unter dem Planwert liegen wird“, schreibt der Budgetdienst in seiner Analyse der bisher vorliegenden Zahlen und rechnet mit einem Minus von deutlich unter einem Prozent der Wirtschaftsleistung.

Sinkendes Defizit wegen EU-Budgetregeln

Dennoch überstiegen die Ausgaben des Bundes (80,7 Mrd. Euro) die Einnahmen (73,8 Mrd. Euro) im Vorjahr deutlich. Zusätzliche Ausgaben fielen unter anderem für den neuen Finanzausgleich mit Ländern und Gemeinden an (431 Mio. Euro). Die von der neuen Regierung gestoppte Beschäftigungsaktion 20.000 kostete im Vorjahr zwölf Mio. Euro.

Besonders schwer wogen allerdings die milliardenschweren Zahlungen an die staatlichen „Bad Banks“: Die KA Finanz kostete 3,4 Mrd. Euro, der Rückkauf von Schulden der Kärntner Hypo-„Bad Bank“ Heta weitere 1,3 Mrd. Euro.

Dass das Defizit trotzdem sank, lag an einer Besonderheit der EU-Budgetregeln: Die Zahlungen an die notverstaatlichten Banken werden als Überweisung innerhalb des Staates gewertet, sind also „defizitneutral“. Ihre Schulden wurden bereits 2014/15 den Staatsschulden hinzugerechnet. Werden die „Bad Banks“ nun abgebaut, sinken auch die Staatsschulden wieder. Genaue Zahlen dazu liefert ebenfalls die Statistik Austria bis Ende März.

Überschuss im deutschen Staatshaushalt auf Rekordniveau

Der Rekordüberschuss im deutschen Staatshaushalt ist 2017 etwas kleiner ausgefallen als zunächst angenommen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 36,6 Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte.

„Höchster Überschuss seit Wiedervereinigung“

Das sind rund 1,8 Milliarden Euro weniger als im Jänner geschätzt. „Das ist absolut gesehen der höchste Überschuss, den der Staat seit der deutschen Wiedervereinigung erzielte“, sagten die Statistiker dazu. Die Summe entspricht 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der deutsche Staat schreibt damit bereits das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen.

Experten rechnen mit anhaltenden Überschüssen. Die Ratingagentur Scope erwartet bis 2020 jeweils ein Plus von knapp einem Prozent. Das dürfte dazu führen, dass die Staatsverschuldung 2019 erstmals seit vielen Jahren wieder unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen dürfte.

Grund für die positive Entwicklung im abgelaufenen Jahr ist die gute Konjunktur mit Rekordbeschäftigung und steigenden Löhnen, die das Steuer- und Beitragsaufkommen steigerten. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2017 mit 2,2 Prozent bereits das achte Jahr in Folge.

Airbnb will Geschäft mit Hotels und Luxus ausbauen

Der US-Apartmentvermittler Airbnb will sein Geschäft mit Hotelangeboten und Luxusreisen ausbauen. Damit wird das Start-up großen Onlinebuchungsportalen wie Expedia und Booking ähnlicher. Airbnb-Chef und -Mitbegründer Brian Chesky gab bei der Vorstellung der Pläne gestern in San Francisco das Ziel aus, bis 2028 auf eine Milliarde Übernachtungen pro Jahr zu kommen.

Für zahlungskräftigere Reisende soll es im Frühjahr die neue Rubrik „Beyond by Airbnb“ geben, in der Luxusunterkünfte wie Villen und Penthousewohnungen zu mieten sein werden. Bei „Airbnb Plus“ wird die Qualität der Unterkünfte durch den Besuch eines Prüfers der Firma garantiert. Das Angebot startet mit rund 2.000 überprüften Standorten.

Eigene Rubrik für Hotelzimmer

Zudem soll eine eigene Rubrik für Boutiquehotels geschaffen werden, die nicht zu großen Ketten gehören. Airbnb gilt bisher vor allem als Konkurrent der Hotelbranche, weil die Angebote auf der Plattform oft eine günstigere Alternative zu ihren Zimmern bieten. Zugleich lassen aber auch Hotels Zimmer über Airbnb vermitteln - unter anderem, weil dort die Gebühren für sie laut Experten deutlich niedriger sind als bei Expedia und Booking.

Airbnb sammelte seit dem Start 2008 gut drei Mrd. Dollar bei Investoren ein. Dabei wurde die Firma zuletzt laut Medienberichten insgesamt mit mehr als 30 Mrd. Dollar (24,4 Mrd. Euro) bewertet - und wäre damit das zweitteuerste US-Start-up nach dem Fahrdienstvermittler Uber mit rund 70 Mrd. Dollar. Zuletzt soll es von den Geldgebern mehr Druck gegeben haben, Airbnb an die Börse zu bringen und profitabler zu agieren.

Wanzen aus Japan: Neuseeland sorgt sich um Kiwis

Wegen einer schädlichen Baumwanze aus Asien macht sich Neuseeland Sorgen um seine Landwirtschaft - insbesondere um seine Kiwis.

Das Forschungsinstitut New Zealand Institute of Economic Research (NZIER) warnte heute davor, dass die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) Schäden in Milliardenhöhe anrichten könnte. In Italien hat der Schädling in den vergangenen Jahren bereits große Teile der Kiwi- und Birnenernte vernichtet.

Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys)

Plautia Stali unter cc by sa 4.0

Von der übelriechenden Wanze - umgangssprachlich auch als Stinkkäfer bekannt - waren kürzlich zahlreiche Exemplare auf drei Schiffen entdeckt worden, die Autos aus Japan nach Neuseeland brachten. Die Schiffe mit mehr als 10.000 Fahrzeugen wurden daraufhin wieder zurückgeschickt. Die Wanze ist eigentlich in Ostasien zu Hause, tritt seit einigen Jahren aber auch in Europa und den USA auf. Betroffen von den Schädlingen sind die verschiedensten Arten von Obst und Gemüse.

Das NZIER warnte davor, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den nächsten beiden Jahrzehnten durch den Schädling um mindestens 3,6 Milliarden Neuseeland-Dollar (mehr als 2,1 Mrd. Euro) sinkt. Zudem könnte das Volumen landwirtschaftlicher Exporte um umgerechnet etwa 2,5 Milliarden Euro zurückgehen.

Kylie Jenner twittert - Snapchat-Aktie stürzt ab

Mit der Nachricht, Snapchat nach einem Update nicht mehr zu nutzen, hat Kylie Jenner - die Halbschwester von Kim Kardashian - gestern erheblich zum Absturz der Aktie der App-Betreiberfirma Snap beigetragen.

Der Kurs sank zeitweise um fast acht Prozent, was in Börsenwert etwa 1,7 Milliarden Dollar entspricht. Am Ende schloss die Aktie gut sechs Prozent schwächer.

Jenner hatte sich im Kurznachrichtendienst Twitter erkundigt, ob sie die Einzige sei, die die Snapchat-App nicht mehr öffne. Damit setzte das wegen ihrer vielen Follower „Snapchat Queen“ genannte US-Model den Kontroversen über die Neugestaltung der App jedoch die Krone auf.

Petition gegen Update mit über einer Million Unterzeichnern

Gegen das umstrittene Update, das Snapchat bedienerfreundlicher machen soll, war am Vortag eine Petition im Netz gestartet worden, der sich zuletzt bereits über 1,2 Millionen Nutzer angeschlossen hatten. Analysten der Citigroup rieten wegen des Ärgers über die Neugestaltung der App dazu, die Aktie zu verkaufen.

Snap-Chef Evan Spiegel verdiente 2017 dank des Börsengangs enorme 638 Millionen Dollar, wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorging. Auch Jenner zeigte sich in einem weiteren Tweet später versöhnlich und schrieb: „Liebe dich aber immer noch, Snap ... meine erste Liebe.“

Chronik

Weinstein rudert nach Streep-Kritik zurück

Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein hat sich gestern dafür entschuldigt, die Namen der Schauspielerinnen Meryl Streep und Jennifer Lawrence in einem juridischen Verfahren benutzt zu haben. Er habe seine Anwälte angewiesen, künftig keine konkreten Namen von früheren Kontakten zu verwenden, hieß es in einer Mitteilung seines Sprecherteams.

Anwälte sehen Anschuldigungen als übertrieben an

Am Dienstag hatten Weinsteins Anwälte versucht, ein Gericht in New York davon zu überzeugen, dass eine Klage von sechs Frauen gegen den mutmaßlichen Sexualstraftäter abzulehnen sei. Die Anschuldigungen seien übertrieben, da die Klage impliziere, dass jede Frau, mit der Weinstein beruflich zu tun hatte, von ihm belästigt worden sei.

Einige Schauspielerinnen hätten jedoch gesagt, dass Weinstein sie nicht belästigt habe, schrieben die Anwälte. Sie beriefen sich dabei unter anderem auf frühere Äußerungen von Streep und Lawrence, dass sie persönlich von Weinstein respektvoll behandelt worden seien.

Streep und Lawrence empört über Verteidigung

Streep stellte am Mittwoch klar, sie wolle nicht für die Verteidigung Weinsteins herhalten. Ihre Aussage, dass Weinstein sie immer respektvoll behandelt habe, könne nicht als Beweis für seine Unschuld herangezogen werden - das sei „erbärmlich und ausbeuterisch“, hieß es in einer Stellungnahme, die Streeps Management laut US-Medien verbreitete.

Auch Lawrence reagierte empört. Ihre Bemerkungen seien von Weinstein aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stehe voll hinter den Frauen, die von Weinstein missbraucht worden seien. Der Produzent müsse zur Rechenschaft gezogen werden, teilte sie laut „People“ (Onlineausgabe) mit.

Texas: Gouverneur wandelt Todesurteil um

Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas hat unmittelbar vor der geplanten Vollstreckung einer Todesstrafe das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. „Mr. Whitaker muss den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen als Strafe für sein abscheuliches Verbrechen“, sagte Gouverneur Greg Abbott am Abend kurz vor der geplanten Hinrichtung.

Der 38-jährige Thomas Bartlett Whitaker war zum Tode verurteilt worden, weil er einen Auftragsmörder mit der Tötung seiner ganzen Familie beauftragt hatte. Bei der Tat im Jahr 2003 wurden Mutter und Bruder von Whitaker getötet. Sein Vater Kent Whitaker wurde verletzt, ebenso Thomas selbst. Erst sieben Monate nach der Tat kam heraus, dass es sich nicht um einen Raubüberfall handelte, sondern um einen Auftragsmord.

Kent Whitaker, ein gläubiger Christ, verzieh seinem Sohn und setzte sich jahrelang für eine Aufhebung des Todesurteils ein, um nicht auch noch sein letztes Familienmitglied zu verlieren. Am Dienstag hatte sich bereits die texanische Bewährungs- und Begnadigungskommission einstimmig für eine Haftumwandlung ausgesprochen.

Science

75. Todestag: Die Leuchtkraft der „Weißen Rose“

„Es fallen so viele Menschen für dieses Regime, es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt“, soll Sophie Scholl 1943 gesagt haben. Zwei Tage später wurde sie von der NS-Justiz verhaftet, vier Tage später gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und Christoph Probst zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Heute als „Weiße Rose“ bekannt, leisteten sie und andere Widerstand gegen die NS-Diktatur. Ihre Leuchtkraft bleibt bis heute ungebrochen. Gestern jährte sich der Tag der Ermordung zum 75. Mal.

Mehr dazu in „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“

Kultur

Song Contest: Michael Schulte singt für Deutschland

Michael Schulte singt für Deutschland beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon: Der 27 Jahre alte Schulte gewann gestern Abend in Berlin klar den deutschen Vorentscheid gegen fünf Konkurrenten. Er tritt nun mit dem Lied „You let me walk alone“ beim Song-Contest-Finale am 12. Mai an. Der Sänger erinnert optisch ein wenig, der Song relativ deutlich an den britischen Popstar Ed Sheeran.

Die ARD hatte nach dem enttäuschen Abschneiden Deutschlands in den vergangenen Jahren das Konzept des Vorentscheids überarbeitet. 2015 und 2016 belegte der deutsche Beitrag den letzten Platz, 2017 den vorletzten. Neben den Zuschauern entschieden eine internationale Jury und ein Panel aus Experten zu je einem Drittel. Der aus Buxtehude stammende Schulte gewann bei allen drei Gruppen die Abstimmung.

Karriere via YouTube und „Voice of Germany“

Schulte begann als 18-Jähriger, Coverversionen bekannter Songs auf YouTube zu laden, und hatte binnen kurzer Zeit eine riesige Gefolgschaft. Bei der Talenteshow „Voice of Germany“ erreichte er 2012 den dritten Platz. Sein Coach in der Sendung, Reamonn-Sänger Rea Garvey, nahm ihn auch nach der Show unter seine Fittiche. Mit der Single „Carry Me Home“ aus dem Album „Wide Awake“ erreichte er 2012 immerhin Platz acht der deutschen Charts.

Michael Schulte

APA/AFP/Jörg Carstensen

Konkurrenz deutlich geschlagen

Schulte setzte sich deutlich gegen fünf weitere Acts durch. Auf Rang zwei landete Xavier Darcy, dessen Song „Jonah“ durchaus Qualität zeigte, der seine Chancen aber durch sehr gewöhnungsbedürftige Tanzbewegungen verspielte. Platz drei belegte Ryk mit der dramatischen Klavierballade „You and I“, die im Stil Anleihen am portugiesischen Vorjahrssieger Salvador Sobral nahm. Außerdem im geschlagenen Feld: die renommierte Sängerin Ivy Quainoo, deren Song „House On Fire“ enttäuschte, die aus Tiflis stammende Natia Todua und voXXclub. Bei der volkstümliche Boygroup, die mit „I mog di“ und Lederhosen punkten wollte, ist auch ein Österreicher mit von der Partie.

Schauspielerin Schmidt-Schaller erhält Goldene Kamera

Petra Schmidt-Schaller hat die Goldene Kamera als beste Schauspielerin gewonnen. Für die 37-jährige Deutsche nahm ihr Vater, der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, die Auszeichnung gestern Abend in Hamburg entgegen. Sie selbst habe ebenso wegen Krankheit absagen müssen wie ihr Kollege Heino Ferch, der die Laudatio auf sie halten sollte, hieß es.

Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller

APA/AFP/Christian Charisius

Petra Schmidt-Schaller wurde insbesondere für ihre Rollen in „Ich war eine glückliche Frau“ (Das Erste) und „Keine zweite Chance“ (Sat.1) ausgezeichnet. Die Ex-„Tatort“-Partnerin von Wotan Wilke Möhring setzte sich gegen ihre Kolleginnen Anja Kling und Karoline Eichhorn durch.

„Tatort“-Schauspielerin von 2013 bis 2015

Den ersten großen Erfolg feierte Schmidt-Schaller in der Literaturverfilmung „Ein fliehendes Pferd“ (2007), als Möhrings „Tatort“-Kollegin war sie von 2013 bis 2015 in sechs Filmen zu sehen. Im Drama „Ich war eine glückliche Frau“ spielte sie eine Ehefrau und Mutter, die erfährt, dass sie und ihr Ex-Mann über Jahre vom älteren Nachbarspaar beobachtet wurden. Im Thriller „Keine zweite Chance“ gab sie eine einsame, aber kämpferische Mutter.

Die Verleihung der Goldenen Kamera ging zum 53. Mal über die Bühne. Als Schauplatz für ihre Gala hatte die Funke Mediengruppe erneut das Messegelände der Hansestadt gewählt.