Ausland

Syrien: Moskau warnt vor Entsendung von Bodentruppen

Russland hat die US-geführte Koalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eindringlich vor der Entsendung von Bodentruppen nach Syrien gewarnt. Alle Seiten müssten „gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen“, sagte Ministerpräsident Dimitri Medwedew dem „Handelsblatt“ (Freitag-Ausgabe).

Russland unterstützt Regierungstruppen

Medwedew wird am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Moskau bombardiert seit September in Syrien die Gegner von Staatschef Baschar al-Assad und unterstützt massiv den Vormarsch der Regierungstruppen auf Aleppo. Die Assad-Gegner Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate boten zuletzt an, unter US-Führung Soldaten nach Syrien zu schicken.

„Alle gegen alle“

Dazu sagte Medwedew dem „Handelsblatt“: „Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?“ Ein schneller Sieg sei nicht möglich, „besonders in der arabischen Welt - dort kämpfen alle gegen alle“, zitierte ihn die Zeitung weiter. Stattdessen müssten die USA und Russland Druck auf alle Kriegsparteien ausüben, um eine Verhandlungslösung in Syrien zu erreichen.

Gericht: Clinton muss restliche E-Mails veröffentlichen

Die restlichen E-Mails, die Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin über einen privaten Server verschickt hat, müssen bis Ende des Monats veröffentlicht werden. Das verfügte ein Gericht in Washington heute. Die nächste Tranche ist demnach bis Samstag fällig, weitere müssen bis zum 19., 26. und 29. Februar folgen.

Als Außenministerin (2009-2013) hatte Clinton ihren dienstlichen Schriftwechsel über einen privaten Server laufen lassen. Dafür steht sie massiv in der Kritik. Im Dezember 2014 übergab Clinton rund 30.000 E-Mails an das State Department und die Bundespolizei FBI. Insgesamt umfasst das E-Mail-Archiv etwa 55.000 Seiten. Mit der Veröffentlichung der Dokumente begann das Außenministerium im vergangenen Mai. Das FBI ermittelt, ob sie auf dem Server auch vertrauliche Informationen verschickte oder empfing.

Clinton hatte die Nutzung des privaten Servers als Fehler bezeichnet. Die republikanischen Präsidentschaftsbewerber griffen sie dafür massiv im Wahlkampf an.

Polen: Reform des Höchstgerichts „verfassungswidrig“

Der polnische Generalstaatsanwalt hat Bedenken gegen die im Dezember beschlossene Reform des Verfassungsgerichts. In einer Stellungnahme für das Verfassungstribunal, das sich auf Antrag der Oppositionsparteien mit der umstrittenen Reform der nationalkonservativen Regierung befassen soll, führte Andrzej Seremet 16 „verfassungswidrige“ Punkte an.

Als verfassungswidrig bewertete er unter anderem die Änderung, die eine Zweidrittelmehrheit der Richter für ein gültiges Urteil vorschreibt. Auch gegen die Neuregelung, Fälle nach dem Datum des Eingangs statt nach ihrer Bedeutung abzuarbeiten, hatte der Generalstaatsanwalt Bedenken.

„Im System der Gewaltenteilung darf keine Gewalt eine andere lähmen oder auch nur bremsen“, schrieb Seremet in seiner mehr als 100 Seiten langen Stellungnahme. Er warf den Gesetzgebern eine wesentliche Schwächung des Verfassungsgerichts durch die Gesetzesreform vor. Auch die „ungewöhnliche Eile“, in der das Gesetz verabschiedet worden sei, widerspreche den Standards, die durch die Verfassung gesetzt seien.

Anfang der Woche hatten Rechtsexperten des Europarats in Warschau Gespräche über die umstrittene Reform geführt. Die EU-Kommission hat zudem ein Prüfverfahren zur Rechtsstaatlichkeit in Polen eingeleitet.

Athen könnte Türkei als sicheren Drittstaat einstufen

Griechenland will die Türkei möglicherweise zu einem sicheren Drittstaat erklären, um auf den griechischen Inseln ankommende Flüchtlinge direkt wieder in das Nachbarland zurückschicken zu können. Wie heute aus Regierungskreisen in Athen verlautete, wird eine solche Einstufung von der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras „geprüft“.

Noch keine Bestätigung

Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden. Innenminister Panayotis Kouroublis hatte bereits letzten Freitag nach einem Treffen mit dem deutschen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und seinem französischen Kollegen Bernard Cazeneuve angedeutet, dass Griechenland die Türkei zum sicheren Drittstaat erklären könnte, um Flüchtlinge schneller dorthin abschieben zu können. In griechischen Regierungskreisen gab es danach jedoch keine Bestätigung für das Vorhaben.

NATO-Truppen in der Ägäis

Dass sich die griechische Regierung nun offenbar dafür entschied, könnte mit dem NATO-Beschluss für eine Marinemission zur Seeüberwachung in der Ägäis zusammenhängen. Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos hatte die Entscheidung begrüßt. Der Beschluss stelle sicher, dass die NATO-Truppen in der Ägäis und an der Seegrenze zur Türkei „alle festgenommenen Migranten direkt in die Türkei zurückbringen“, sagte er nach einem NATO-Treffen in Brüssel.

Ex-Premier Ayrault neuer französischer Außenminister

Frankreichs früherer Premierminister Jean-Marc Ayrault wird neuer Außenminister der Landes. Der 66-Jährige folgt auf Laurent Fabius, wie der Elysee-Palast heute mitteilte. Ayrault war von 2012 bis 2014 Regierungschef und musste nach Wahlniederlagen der Sozialisten dem aktuellen Amtsinhaber Manuel Valls weichen.

Jean-Marc Ayrault

APA/AFP/Kenzo Tribouillard

Fabius soll nach dem Willen von Präsident Francois Hollande Präsident des französischen Verfassungsrates werden. Valls bleibt Premierminister, Michel Sapin Finanzminister und Emmanuel Macron Wirtschaftsminister.

Royal bleibt Umweltministerin

Segolene Royal bleibt Umweltministerin mit einem neu zugeschnittenen Ressort. Die frühere Lebensgefährtin Hollandes galt lange Zeit als Favoritin für das Außenministerium. Zudem holte Hollande mit Emmanuelle Cosse eine Grüne als Wohnungsbauministerin in die Regierung.

Neue Kulturministerin wird Audrey Azoulay. Die bisherige Beraterin löst die glücklos agierende Fleur Pellerin ab. Der zur Linken zählende Jean-Michel Baylet übernimmt das Ministerium für ländliche Entwicklung. Der Grünen-Politiker Jean-Vincent Place wird als Staatssekretär für Staatsreformen zuständig sein.

Südafrika: Proteste gegen Präsident Zuma eskalieren

Bei Protesten gegen Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist es heute zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. In der Nähe des Parlaments in Kapstadt, wo Zuma am Abend seine jährliche Rede zur Lage der Nation halten sollte, setzte die Polizei Blendgranaten gegen Anhänger der linken Oppositionspartei Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (EFF) ein. Die Polizei sperrte mehrere Straßen zum Parlament mit Stacheldraht ab.

Parlamentarier der EFF hatten angekündigt, Zumas Rede stören zu wollen. Bereits vor einem Jahr hatten die EFF-Abgeordneten eine Unterbrechung von Zumas Rede erzwungen.

Antworten zu „Nkandla-Gate“ gefordert

Die Abgeordneten der Partei des ehemaligen ANC-Jugendführers Julius Malema hatten damals von Zuma verlangt, endlich Antworten auf ihre Fragen zum Skandal um die teure Renovierung seines Privathauses in Nkandla zu bekommen, der als „Nkandla-Gate“ bekanntgeworden ist.

Die mit orangefarbenen Overalls und Helmen bekleideten EFF-Abgeordneten waren im vergangenen Jahr wegen der Störungen aus dem Sitzungssaal geführt worden, wobei es zu einem Handgemenge mit den Sicherheitsleuten gekommen war. Aus Protest verließen daraufhin auch die Abgeordnete der Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) den Saal. Zuma hielt damals seine Rede schließlich mit einer Stunde Verspätung - nur vor den Abgeordneten der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC).

Inland

Vertrauliches und Querelen im Hypo-U-Ausschuss

Der Hypo-U-Ausschuss ist heute zwischen Landespolitik und Bankberatung gependelt. Den Anfang machte der niederösterreichische Finanzlandesreferent Wolfgang Sobotka (ÖVP), der politisch für die Hypo Niederösterreich zuständig war. Nicht jeder Mandatar konnte sich seine Ladung erklären, was bisweilen zu heftigen Wortgefechten führte. Ruhiger ging es bei Gerhard Schilcher zu, der die Hypo als Finanzexperte vor der Verstaatlichung Ende 2009 beraten hatte. Beiden Befragungen war gemein, dass Teile davon wegen vertraulicher Dokumente unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit stattfanden.

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Lugner-Kandidatur: „Der Kasperl gewinnt immer“

Nachdem Österreichs wohl berühmtester Ex-Baumeister Richard Lugner gestern seine Kandidatur für die Bundespräsidentschaftswahl bekanntgegeben hatte, hat er heute in seinem Einkaufszentrum Lugner City in Wien die inhaltlichen Schwerpunkte vorgestellt. Das Land brauche einen unabhängigen, wirtschaftlich orientierten Bundespräsidenten, so Lugners Credo. Andere Kandidaten ließ er nicht als unabhängig gelten.

Der Bundespräsident solle dafür sorgen, dass die Regierung „spurt“. Ansonsten gehöre sie entlassen. Lugner gab sich siegesgewiss: „Ich übernehme die Rolle des Kasperls.“ Denn: „Der Kasperl gewinnt immer.“

Mehr dazu in „Es muss anders werden“

Sport

Bob und Skeleton: ÖBSV-Asse hoffen auf WM-Medaille

Janine Flock und Christine Hengster gehen als die großen österreichischen Hoffnungsträger auf eine Medaille in die morgen beginnenden Bob- und Skeletonweltmeisterschaften in Innsbruck-Igls. Weil die Bahn der Olympischen Spiele von 1976 kurz und flach ist, gilt ein guter Start als einzig probates Mittel zum Erfolg. Die deutschen Zweier- und Viererbob-Teams rechnen sich nicht zuletzt deshalb gute Chancen darauf aus, einen WM-Hattrick zu schaffen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Bericht: OPEC-Staaten könnten Ölförderung drosseln

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist einem Medienbericht zufolge zu einer Zusammenarbeit zur abgestimmten Kürzung der Förderung bereit. Das „Wall Street Journal“ zitierte heute eine entsprechende Aussage des Ölministers der Vereinten Arabischen Emirate, Suhail bin Mohammed al-Masruei.

Die gegenwärtig niedrigen Preise zwängen bereits die Produzenten außerhalb der Organisation, ihre Förderung zu deckeln, sagte er. Noch kurz zuvor war der Preis für US-Öl auf ein Zwölfjahrestief gefallen.

Nach der Veröffentlichung des Berichts grenzten die US-Börsen und der Ölpreis ihre Verluste ein. Der vergleichsweise niedrige Ölpreis hält gegenwärtig die Weltwirtschaft in Atem.

Börsen gehen erneut weltweit auf Talfahrt

Nach einer kurzen Atempause sind die internationalen Finanzmärkte heute wieder auf Talfahrt gegangen. Grund für den Ausverkauf an den Börsen waren erneut Sorgen um den Ölpreis, die Banken und die weltweite Konjunktur. Hinzu kamen pessimistische Äußerungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen. Zu den großen Verlierern gehörten erneut die Bankaktien.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank schloss 6,14 Prozent im Minus. Gestern hatte der Aktienkurs nach Spekulationen über einen möglichen Schuldenrückkauf durch die Deutsche Bank noch mit zehn Prozent im Plus geschlossen und damit die seit Wochenbeginn aufgelaufenen Verluste fast wieder gutgemacht.

Die französische Societe Generale verlor mehr als zwölf Prozent. In London lag der Kurs der Barclays Bank 7,01 Prozent im Minus, der von Standard Chartered 5,09 Prozent. Auch in Italien und Spanien zogen vor allem die Bankenwerte den Index nach unten.

Moskauer Börse schließt tiefrot

Der Pessimismus an den europäischen Börsen steckte auch die New Yorker Wall Street an. Dort startete der Leitindex Dow Jones mit einem Minus von 0,9 Prozent und fiel bis Börsenschluss in Europa um 2,2 Prozent.

Im Einklang mit dem internationalen Umfeld beendete auch die Moskauer Börse den Handel tiefrot. Der RTS-Interfax-Index in Moskau rutschte um 3,63 Prozent auf 671,34 Punkte ab.

Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem versuchte die Sorge um die Banken zu zerstreuen. Sie seien strukturell in einer „deutlich besseren Situation“ als noch vor ein paar Jahren, sagte Dijsselbloem in Brüssel.

Bauernproteste in Griechenland erreichen Hauptstadt

Die seit mehr als zwei Wochen andauernden Proteste der griechischen Landwirte erreichen nun die Hauptstadt Athen: Die Bauern wollen morgen gegen eine geplante Renten- und Steuerreform mit ihren Traktoren vor dem Parlament demonstrieren. Sie wollen dort mindestens zwei Tage bleiben, wie ihre Verbände mitteilten.

Die Regierung in Athen kündigte an, sie werde nicht erlauben, dass der Verkehr im Zentrum der Hauptstadt zusammenbricht. Die Polizei plant nach Medienberichten, mehrere Zufahrtsstraßen für Traktoren zu sperren.

Die Bauern sperren im ganzen Land bereits an mindestens 130 Stellen die Fahrbahnen wichtiger Straßen mit ihren Traktoren und lassen nur Notfälle durch. Die Landwirte sollen, wie auch viele Freischaffende, mit höheren Steuern und Abgaben zur Sanierung der schwer defizitären Rentenkassen und der Finanzen des Landes beitragen.

Industrieverband warnt Regierung

Griechenlands Industrielle haben unterdessen die Regierung in Athen aufgerufen, rasch die Verhandlungen mit den Gläubigern abzuschließen. Andernfalls drohe die Zahlungsunfähigkeit und die weitere Verarmung des griechischen Volkes, hieß es in einem Bericht des griechischen Industrieverbands SEB.

Zuvor hatte bereits Zentralbankchef Giannis Stournaras Premier Alexis Tsipras zur umgehenden Umsetzung des Reformprogramms aufgefordert. „Jede Stunde, die ohne Einigung mit den Gläubigern vergeht, belastet das Wirtschaftsklima“, erklärte Stournaras.

Überprüfung durch EU noch vor Ostern

Die EU-Kommission hält indes den Abschluss der ersten Überprüfung des dritten Hilfspakets der Euro-Zone bis Ende März für möglich. Es sei machbar, die Prüfungen vor Ostern abzuschließen, sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Euro-Gruppe-Chef Jeroen Dijsselbloem rief die griechische Regierung auf, mehr Anstrengungen bei der Rentenreform zu unternehmen. Bei den Gesprächen mit den Prüfinstitutionen würden zwar Fortschritte gemacht, aber es müsse mehr getan werden, sagte Dijsselbloem. Neben der Rentenreform nannte er den Aufbau eines Privatisierungsfonds sowie Haushaltsmaßnahmen als offene Punkte.

Spanien verpasste 2015 sein Defizitziel

Spanien hat im vergangenen Jahr bei der Reduzierung der Neuverschuldung das mit der Europäischen Union vereinbarte Defizitziel verfehlt. Wie Ministerpräsident Mariano Rajoy heute in Madrid mitteilte, lag das Defizit 2015 bei 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 0,3 Prozentpunkte mehr als das gesetzte Ziel von 4,2 Prozent.

EU und IWF warnten im Vorfeld

In diesem Jahr soll Spanien sein Haushaltsdefizit auf 2,8 Prozent senken. Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten mehrfach davor gewarnt, dass das frühere Euro-Krisenland seine Defizitziele in den Jahren 2015 und 2016 nicht erreichen werde. Die konservative Regierung hatte diese Befürchtungen bisher stets zurückgewiesen.

Regionen gaben zu viel Geld aus

Rajoy betonte, Spanien habe in der abgelaufenen Legislaturperiode (von 2011 bis 2015) große Anstrengungen unternommen und das Defizit in dieser Zeit von 9,1 auf 4,5 Prozent gesenkt. Das Verpassen des Ziels im Jahr 2015 wird in Medienberichten vor allem darauf zurückgeführt, dass die Regierungen der Regionen zu viel Geld ausgaben. Nach den EU-Bestimmungen gilt für die Neuverschuldung eine Obergrenze von 3,0 Prozent des BIP.

US-Bank Morgan Stanley zahlt 3,2 Milliarden Dollar

Die US-Großbank Morgan Stanley hat im Streit mit der Regierung um riskante Hypothekenanleihen, die mit als Auslöser der Finanzkrise 2008 gelten, einen Vergleich erzielt. Die Bank zahle 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro), wie der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneidermann mitteilte. In dem langjährigen Streit geht es um Anleihen, die mit riskanten Immobilienkrediten abgesichert waren.

Morgan Stanley habe eingeräumt, dass die Risiken der Papiere geringer dargestellt wurden, als sie tatsächlich waren, teilte Schneidermann heute mit. Das Personal der Bank habe sehr wohl gewusst, dass die Immobilienkredite nicht zur Absicherung der Anleihen ausreichten. Das belegten interne Schriftwechsel. Die Bank erklärte heute, Morgan Stanley habe die Qualität der fraglichen Finanzprodukte falsch präsentiert.

Andere Vergleiche stehen noch aus

Das Geldinstitut und die US-Behörden hatten sich zunächst auf eine Zahlung von 2,6 Milliarden Dollar geeinigt. Nun willigte die Bank ein, 550 Millionen Dollar draufzulegen, die dem Staate New York zufließen. Mit insgesamt 400 Millionen Dollar sollen Anleger entschädigt werden, die mit den riskanten Anleihen schwere Verluste machten.

Vergleiche mit mehreren Großbanken stehen noch aus - unter anderem mit Goldman Sachs und der Deutschen Bank, wie aus Verhandlungskreisen verlautete. Ermittelt wird demnach noch gegen die UBS und die Credit Suisse aus der Schweiz und die RBS aus Großbritannien.

Drei große US-Banken - JP Morgan Chase, Bank of America und Citigroup - willigten bereits ein, insgesamt 37 Milliarden Dollar zu zahlen, um im Gegenzug von Verfahren wegen des Verkaufs riskanter Subprime-Anleihen verschont zu bleiben.

Mitterlehner besetzt E-Control-Vorstände neu

Die Energieregulierungsbehörde des Bundes, die E-Control, bekommt überraschend neue Chefs. Die Verträge von Walter Boltz und Martin Graf werden beide von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) nicht verlängert, bestätigte ein Sprecher des Ministers auf APA-Anfrage eine Meldung der „Presse“ (Onlineausgabe).

Neue Vorstände der weisungsfreien Regulierungsbehörde werden Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer. Urbantschitsch (47) ist seit 2001 bei der E-Control als Jurist tätig. Eigenbauer(50) ist seit 2011 Leiter der Magistratsdirektion Strategische Energieangelegenheiten und Energiebeauftragter der Stadt Wien.

Ärger mit Bauern und Stromwirtschaft

Mitterlehner wollte „einen neuen Boden legen“, hieß es zur Begründung für die Nicht-Verlängerung. Die momentanen Vorstände hatten mit ihrer Kritik an der hohen Ökostromförderung immer wieder den Ärger der Bauern auf sich gezogen.

Die Strombranche wiederum ärgerte sich über eine von der E-Control gestartete Whistleblower-Plattform, auf der der Behörde anonym Fälle von vermutetem Insiderhandel, Marktmanipulation und Wettbewerbsverstoß bei Strom und Gas gemeldet werden können.

Chronik

Elftes Todesopfer nach Zugsunglück von Bad Aibling

Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling in Bayern ist die Zahl der Toten gestern auf elf gestiegen. Ein 47 Jahre alter Mann aus dem Landkreis München sei in einer Klinik seinen Verletzungen erlegen, wie die Polizei mitteilte. Nach Polizeiangaben galten heute noch 20 Menschen als schwer verletzt. Der Gesundheitszustand einiger dieser Verletzten sei nach wie vor ernst.

Innenminister dankt österreichischen Helfern

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bedankte sich unterdessen bei den österreichischen Rettungskräften, die nach dem Zugsunglück nach Bad Aibling geeilt waren. „Die Hilfe aus unserem Nachbarland Österreich kam rasch. Sie war tatkräftig und unkonventionell“, so Herrmann. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Hilfskräften sei reibungslos gelaufen.

Todesopfer identifiziert

Der Polizei gelang heute auch die Klärung des letzten noch nicht identifizierten Todesfalls. Bei dem Verstorbenen habe es sich um einen 38-jährigen Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg gehandelt. Die neun Toten, deren Identität bereits zuvor feststand, waren Männer im Alter zwischen 24 und 59 Jahren aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein.

Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle gingen heute weiter. Dabei müsse vorsichtig vorgegangen werden, weil die ineinander verkeilten Züge unter hoher Spannung stünden und Einsatzkräfte durch umherfliegende Teile gefährdet werden könnten, erklärte die Polizei. Die Bergung der Zugsteile wird nach Angaben der Deutschen Bahn noch mindestens bis morgen andauern.

Zwölf Kinder in Peru nach Fledermausbissen gestorben

In Peru sind mindestens zwölf Kinder nach Bissen von Fledermäusen an Tollwut gestorben. Die Opfer im Alter von acht bis 15 Jahren starben im Zeitraum von September bis Februar in der abgelegenen Amazonasregion Loreto, wie die Behörden heute bekanntgaben. In ihrem Volksstamm wurden die Todesfälle zunächst auf Hexerei zurückgeführt, deswegen holte man nicht rechtzeitig Hilfe.

„Anhand der Symptome und medizinischen Berichte wurde festgestellt, dass die zwölf Kinder vom Volksstamm der Achuar an einem Tollwutausbruch gestorben sind“, sagte der Gesundheitsbeamte Hermann Silva. „Die Opfer wurden im Dschungel von blutsaugenden Fledermäusen gebissen.“ Die Region liegt 1.100 Kilometer von der Hauptstadt Lima entfernt und grenzt an Ecuador.

Gesundheitsnotstand ausgerufen

Das jüngste Opfer starb gestern. Ein Neunjähriger und eine 22-Jährige erholen sich derzeit von der gefährlichen Krankheit. Gesundheitsminister Anibal Velasquez teilte mit, für das Gebiet sei der Gesundheitsnotstand ausgerufen worden, damit schnell Hilfe dorthin gelange. Impfteams seien schon unterwegs.

IT

Time kauft MySpace-Nachfolger

MySpace gehört wieder einem Medienriesen: Der Time-Verlag schluckte beim Kauf einer Werbefirma auch die Nachfolgeversion des einstigen Pioniers bei Onlinenetzwerken. Unter dem Namen MySpace ist inzwischen eine vor allem auf Musik fokussierte Website aktiv. Sie gehörte zuletzt dem auf Werbetechnologien spezialisierten Unternehmen Viant, das für einen nicht genannten Betrag an Time geht, wie heute mitgeteilt wurde.

MySpace war einst das dominierende Onlinenetzwerk. Im Jahr 2005 hatte Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. MySpace für rund 580 Mio. Dollar (515,2 Mio. Euro) gekauft. Doch in den folgenden Jahren wurde der Dienst von Facebook überholt und stieg in die Bedeutungslosigkeit ab. News Corp. wurde die Website 2011 wieder los, laut Medienberichten für nur noch 35 Mio. Dollar.

Medien

Russia TV streut Fehlinformationen über Syrien

Seit dem Eingreifen Russlands in den Syrien-Krieg ist die Berichterstattung des Staatssenders Russia TV (RT) in den Kriegsmodus übergegangen. Der Krieg selbst verschwand dabei immer mehr aus der aktuellen Berichterstattung, das Flächenbombardement von Aleppo und die folgende Massenflucht von Zigtausenden Einwohnern ist in RT einfach nicht passiert.

Das Krisentreffen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in der Türkei am Montag schaffte es gerade noch in die Kurzmeldungen. Der Zusammenhang mit den Bombardements wurde völlig ausgeblendet.

Ein einfacher Faktencheck von ORF.at zeigt, wie Abfolge und Gewichtung der Nachrichten manipuliert werden.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

Gesundheit

Kultur

66. Berlinale mit umjubelten Stars eröffnet

Zur Eröffnung der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin haben sich heute Abend rund 1.600 Promis und Filmfans im Berlinale-Palast auf dem Potsdamer Platz versammelt. Umjubelte Stars auf dem roten Teppich waren unter anderen Hollywood-Star George Clooney und seine Ehefrau Amal. Clooney nahm sich viel Zeit, um Autogramme zu schreiben und in Handykameras zu lächeln.

Clooney gehört zu den Hauptdarstellern des Berlinale-Eröffnungsfilms „Hail, Caesar!“ der US-Regisseure Joel und Ethan Coen. Die Brüder brachten auch ihre Darsteller Channing Tatum und Josh Brolin mit nach Berlin.

Amal und George Clooney

Reuters/Fabrizio Bensch

Die dreifache Oscar-Preisträgerin Meryl Streep im Schlangenhaut-Print-Kleid, Vorsitzende der diesjährigen Berlinale-Jury, wurde von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ebenfalls bei der Gala begrüßt. Auf dem roten Teppich außerdem gesichtet: der chinesische Künstler Ai Weiwei.

Anke Engelke moderiert

Auch die deutsche Filmprominenz zog die Blicke auf sich, darunter Heike Makatsch, Elyas M’Barek, Iris Berben, Senta Berger, Sebastian Koch und Florian David Fitz. Moderatorin der Eröffnungsgala ist Comedystar Anke Engelke.

Die Komödie „Hail, Caesar!“ spielt Anfang der 50er Jahre und erzählt von den Skandalen hinter den Kulissen eines großen Hollywood-Studios. Bis zum 21. Februar zeigt die Berlinale in verschiedenen Festivalreihen mehr als 400 Filme. Ins Bären-Rennen gehen 18 Regiearbeiten.

Bruce Springsteen veröffentlicht Autobiografie

Rockstar Bruce Springsteen veröffentlicht seine Autobiografie. Das Buch „Born to Run“, das nach dem Erfolgsalbum von 1975 benannt ist, kommt am 27. September weltweit in den Buchhandel, wie der US-Verlag Simon & Schuster heute mitteilte. Springsteen arbeitete demnach sieben Jahre lang an dem Buch.

In „Born to Run“ beschreibt Springsteen nach Angaben des Verlags seine Jugend in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Jersey. „Poesie, Gefahr und Dunkelheit“ hätten schon damals seine Fantasie angeregt. Springsteen erinnert außerdem an seine Anfänge als Musiker und den Aufstieg seiner legendären E Street Band.

„Entwaffnende Offenheit“

Mit „entwaffnender Offenheit“ erzähle der heute 66-Jährige außerdem zum ersten Mal von seinen „persönlichen Problemen“, die ihn zu seinen besten Werken inspiriert hätten, so der Verlag. „Über sich selbst zu schreiben, ist witzig“, schreibt Springsteen selbst in dem Buch. „Aber bei solch einem Projekt gibt der Autor auch ein Versprechen - dem Leser seine Gedanken zu offenbaren. Das habe ich auf diesen Seiten versucht.“

Bruce Springsteen

APA/AP/Invision/Greg Allen

Wie die „New York Times“ berichtete, erhielt Springsteen von seinem Verlag einen Vorschuss von mehr als zehn Mio. Dollar (rund 8,8 Mio. Euro). Simon & Schuster wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Der US-Verlag bringt das Buch in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Indien auf den Markt. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt wird es den Angaben zufolge bei Heyne erscheinen.

Springsteen, der mit Songs wie „Born in the USA“ und „Dancing in the Dark“ bekannt wurde, hatte 1973 sein Debütalbum „Greetings from Asbury Park, N. J.“ veröffentlicht. Zwei Jahre später gelang dem Musiker mit „Born to Run“ der Durchbruch.

„Säulenheiliger“ Ernst Litfaß feiert Jubiläum

Was heute das Internet leistet, hat einst der Gang zur Litfaßsäule erledigt. Ernst Litfaß, der heute 200 Jahre alt geworden wäre, bot auf seinen Säulen wichtige aktuelle Meldungen und hielt so auch jene informiert, die sich keine Zeitung leisten konnten. Dabei war Litfaß, der sich geschickt zu inszenieren verstand und so den Beinamen „Säulenheiliger“ erhielt, vor allem ein gewiefter Geschäftsmann, der auf die Innovationen seiner Zeit schwor und dem Ideologie Mittel zum Zweck war.

Mehr dazu in Erfinder eines Millionengeschäfts

Song Contest

Lifestyle

New York Fashion Week startete mit Zukunftsdebatte

Mit Diskussionen über das künftige Format der New York Fashion Week (NYFW) ist die größte Modenschau der USA in die neue Saison gestartet. Nachdem die Marken Burberry und Tom Ford angekündigt hatten, ihre neuen Kollektionen künftig direkt zum Verkauf anzubieten und die üblichen sechs Monate Wartezeit zu umgehen, richten sich mehr Unternehmen unmittelbar an die Kunden.

YSL geht eigene Wege

Gestern hatte das französische Luxuslabel Yves Saint Laurent (YSL) bereits für Gesprächsstoff gesorgt, als es mit seiner Schau aus dem üblichen Jahreskalender der Modenschauen ausbrach. Dass die Marke im Palladium in Los Angeles gezeigt wurde und nicht wie seit Jahrzehnten üblich in Paris, gilt im Modezirkus als Sensation.

Stardesigner Hedi Slimane gilt als einer der herausragenden Designer der Branche. Er lebt seit 2008 in Los Angeles, sein YSL-Atelier ist hier seit 2012. Unter den Gästen waren Lady Gaga, Justin Bieber, Demi Moore, Lenny Kravitz, Sam Smith, Jane Fonda und Sylvester Stallone.

Europäische Luxushäuser kommen nicht

Europäische Luxushäuser wie Chanel, Versace und Armani bleiben der NYFW traditionell fern und zeigen ihre neuen Kollektionen stattdessen in London, Mailand und Paris. Zu bekannteren Namen zählen in New York Tommy Hilfiger, Ralph Lauren und Michael Kors. Nach Angaben des Branchenverbands CFDA zählen die beiden New-York-Schauen im Februar und September zusammen mehr als 230.000 Besucher. Die NYFW läuft bis kommenden Donnerstag.

Leute

George Clooney will Angela Merkel treffen

Hollywood-Star George Clooney (54) will sich nach eigenen Angaben morgen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Er wolle mit ihr auch über Flüchtlinge sprechen, sagte der Schauspieler heute bei der Berlinale.

Er wolle schauen, „was wir tun können“. Bei dem Festival ist Clooney als einer der Stars des Eröffnungsfilms „Hail, Caesar!“ zu Gast.

„Wir können immer nur reparieren“

Derzeit gehe vieles in der Welt falsch, sagte Clooney. „Ich will auch schon seit Längerem einen Film über den Sudan machen.“ Er habe aber noch nicht den richtigen Weg gefunden. „Ich will nicht etwas Schlechtes machen.“

Clooney sieht in der Flüchtlingskrise allerdings nicht unbedingt ein Thema für Hollywood. „Wir können immer nur reagieren“, sagte er. Daher dauere es immer ein paar Jahre, bis aktuelle Themen es auf die Kinoleinwände schafften.

„Das (die Flüchtlingskrise, Anm.) ist eine Geschichte, die jetzt am besten in den Nachrichtenmedien erzählt wird.“ Allerdings werde sie gerade in den USA nicht ausreichend erzählt. Clooney engagiert sich seit Jahren für gute Zwecke und wurde schon mehrfach für sein soziales und humanitäres Engagement ausgezeichnet.