Ausland

470 Leichen aus IS-Massengräbern in Tikrit geborgen

Aus mehreren Massengräbern in der zentralirakischen Stadt Tikrit sind laut Behördenangaben die sterblichen Überreste von 470 Menschen geborgen worden. Dabei handle es sich um „Märtyrer“ eines Massakers durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im vergangenen Sommer, sagte die irakische Gesundheitsministerin Adila Hammud heute in Bagdad.

Namensliste kommende Woche veröffentlicht

Der Chefarzt des größten Leichenhauses von Bagdad, Siad Ali Abbas, sagte, die Leichen seien aus vier Gräbern geborgen worden. In dem größten davon hätten sich allein rund 400 Leichen befunden. Die Leichen werden nun mit Hilfe internationaler Experten untersucht, darunter Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Erste Namenslisten der Opfer sollen kommende Woche veröffentlicht werden.

Nahe der Militärbasis Camp Speicher waren im vergangenen Sommer bis zu 1.700 zumeist schiitische Armeerekruten verschleppt worden, nachdem die Dschihadisten im Zuge einer Blitzoffensive weite Gebiete im Norden und im Zentrum des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die IS-Miliz hatte anschließend im Internet Bilder und Videos veröffentlicht, die die Ermordung der Männer zeigen sollten.

Bangladesch: Sondergerichte für Menschenschmuggler

Bangladesch will Menschenschmugglern künftig vor Sondergerichten den Prozess machen. Die Gerichte würden vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise in Südostasien in allen sieben Provinzen des Landes eingerichtet, teilte Justizminister Anisul Huq heute mit. Wann die Sondergerichte ihre Arbeit aufnehmen sollen, ist noch unklar.

In den vergangenen Wochen waren mehr als 3.500 Flüchtlinge der Rohingya-Minderheit aus Burma und Armutsflüchtlinge aus Bangladesch nach Indonesien, Malaysia und Thailand geflohen, viele weitere befinden sich teils seit Wochen in völlig überfüllten Booten auf See.

Flüchtlinge noch immer auf offener See

Eine „bedeutende Zahl“ von Bootsflüchtlingen treibt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) noch immer auf offener See im Golf von Bengalen. Rund 3.600 Migranten seien aber inzwischen in Indonesien und Malaysia an Land gegangen, sagte IOM-Direktor William Lacy Swing heute in Bangkok.

Dort beginnt morgen eine außerordentliche Konferenz zur Lösung der Flüchtlingskrise. „Die erste Priorität ist, Leben zu retten“, sagte Swing weiter. Ursprünglich sollen sich bis zu 8.000 Menschen auf See befunden haben.

US-Atomverhandlerin Sherman soll Außenamt verlassen

Die US-Chefunterhändlerin im Atomstreit mit dem Iran, Wendy Sherman, verlässt laut mehreren Medienberichten Ende Juni das US-Außenamt. Nach dem Ende der Deadline im Konflikt um die iranische Urananreicherung will die Spitzendiplomatin ihren Platz räumen. Vorher soll aber noch ein Konsens im Streit gefunden werden.

Sherman gab ihre Rücktrittsabsichten laut „New York Times“ kurz vor ihrem Abflug Richtung Österreich ab, wo sie ab heute an den Verhandlungen mit dem iranischen Chefunterhändler Abbas Araktschi und der EU-Spitzendiplomatin Helga Schmid teilnimmt.

Eine Frau unter Männern

„Es waren zwei lange Jahre“, wird Sherman in Anspielung auf ihre Rolle als Verhandlerin bei den Gesprächen von der Zeitung zitiert. Die als durchsetzungsfähige Spitzendiplomatin geltende Unterstaatssekretärin für politische Angelegenheiten im US-Außenamt stach bei den Iran-Gesprächen als eine der wenigen Frauen inmitten einer großen Männerschar hervor.

Derzeit versuchen die 5+1-Gruppe (die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland) und der Iran einen Vertragstext für einen endgültigen Deal im zwölf Jahre andauernden Konflikt auszuformulieren. Dabei geht es darum, dass der Iran der internationalen Staatengemeinschaft glaubwürdige und überprüfbare Garantien dafür abgibt, dass sein Nuklearprogramm ausschließlich friedlich ist. Im Gegenzug will der Westen die für Teheran schmerzhaften Wirtschaftssanktionen aussetzen.

Deutschland: Keine Anklage wegen SS-Massakers

In Deutschland wird es keine Anklage wegen des SS-Massakers im italienischen Sant’Anna di Stazzema mit 560 Toten während des Zweiten Weltkriegs mehr geben, wie die Hamburger Staatsanwaltschaft heute mitteilte.

Sie stellte ihre Ermittlungen gegen einen 93-jährigen ehemaligen Kompaniechef der verantwortlichen Einheit aus gesundheitlichen Gründen ein. Der Beschuldigte leide laut fachärztlichen Gutachten so schwer an Demenz, dass er verhandlungsunfähig sei, so die Staatsanwaltschaft.

Letzte Ermittlungen

Die in Hamburg anhängigen Ermittlungen waren die letzten, die in Deutschland noch betrieben wurden. Die anfangs für die rechtliche Aufarbeitung verantwortliche Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich gegen acht noch lebende SS-Angehörige ermittelt, diese Verfahren aber 2012 eingestellt, weil diesen ihrer Auffassung nach eine noch nicht verjährte strafbare Beteiligung nicht sicher nachzuweisen war.

Auf Betreiben eines Überlebenden des Massakers ordnete das Oberlandesgericht Karlsruhe im vergangenen Jahr in einem Klageerzwingungsverfahren jedoch die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen den 93-Jährigen aus Hamburg an, weil es zumindest in diesem Fall doch einen hinreichenden Tatverdacht sah.

Sarkozy lässt über neuen Parteinamen abstimmen

Die Konservativen in Frankreich stimmen über einen neuen Namen ab. Seit heute können die rund 210.000 Mitglieder der bisherigen Partei UMP entscheiden, ob sie den von Ex-Präsident und Parteichef Nicolas Sarkozy gewünschten Namen „Die Republikaner“ übernehmen wollen.

Der 60-Jährige hatte den Entscheid angesetzt, nachdem es auch parteiintern Bedenken gegen den neuen Namen gegeben hatte. Die Abstimmung im Internet und in Parteibüros endet morgen Abend, am Samstag soll ein Parteitag die Neugründung absegnen. Die in den vergangenen Jahren von Führungsstreitigkeiten und zahlreichen Skandalen erschütterten Konservativen wollen sich damit rechtzeitig vor der Präsidentschaftswahl 2017 neu aufstellen.

Linke läuft Sturm

Die Linke läuft gegen die Namenspläne schon seit Wochen Sturm: Die Republik ist in Frankreich quer über die Parteigrenzen ein wichtiger politischer Bezugspunkt und ein Symbol der nationalen Einheit.

Finnischer U-Boot-Verdacht nicht bestätigt

Die finnische Marine hat Ende April offenbar aufgrund eines falschen Alarms Warnschüsse abgegeben. Die Küstenwache in Helsinki teilte heute in einer Aussendung mit, die technische Analyse des Vorfalls habe ergeben, dass der U-Boot-Verdacht „nicht bestätigt“ werden konnte.

Dennoch könne nicht endgültig ausgeschlossen werden, dass damals irgendeine Form von „Unterwasseraktivität“ inklusive der Präsenz eines U-Bootes stattgefunden habe. Die finnische Marine hatte am 27. April auf Verdacht zur Warnung mehrere Wasserbomben gegen ein vermutetes U-Boot in den Gewässern vor der Hauptstadt Helsinki abgeworfen. In den folgenden Wochen wurden mehrere weitere Beobachtungen gemacht, die als mögliche fremde Unterwasseraktivität interpretiert wurden.

Inland

Ärztekammer gegen Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz

Die Ärztekammer hat heute ihre Ablehnung des in Begutachtung befindlichen Sozialbetrugsbekämpfungsgesetzes bekräftigt. Vizepräsident Johannes Steinhart sagte, die geplanten Ausweiskontrollen und das „Mystery-Shopping“ seien „auf das Schärfste abzulehnen“. Er befürchtet ein „staatliches Bespitzelungswesen“ und eine Störung des Arzt-Patienten-Verhältnisses.

Gegen E-Card-Missbrauch

Mit dem Gesetz als Teil der Gegenfinanzierung der Steuerreform soll gegen E-Card-Missbrauch in Spitälern die Identität des Patienten jedenfalls mittels Ausweiskontrolle geprüft werden. Im niedergelassenen Bereich ist die Identitätsüberprüfung dann vorzunehmen, wenn der Patient dem behandelnden Arzt nicht persönlich bekannt ist.

Beim „Mystery-Shopping“ sollen Testpatienten von den Krankenkassen in die Ordinationen geschickt werden, um zu überprüfen, ob nicht berechtigte Krankenstände ausgestellt oder Leistungen von Ärzten abgerechnet werden, die nicht oder nicht im angegebenen Ausmaß erbracht wurden.

Foto auf der E-Card

Der Ärztekammer-Vizepräsident schlägt als Alternative zum Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz die Anbringung eines Fotos auf der E-Card vor. Eine Abgeltung für den durch die Regierungspläne bei den Ärzten zu erwartenden Mehraufwand könne man zwar überlegen, wichtiger wäre es nach Ansicht Steinharts aber, die Bürokratie vor vornherein gar nicht erst ausufern zu lassen und stattdessen das Geld in zusätzliche Leistungen für die Patienten zu investieren.

Wahlkampffinish im Burgenland und der Steiermark

In drei Tagen wird in der Steiermark und im Burgenland gewählt. Der Wahlkampf ist in beiden Ländern im Wesentlichen gelaufen. Bevor die Parteien noch einmal kurz verschnaufen können, steigen heute und morgen aber noch die großen und kleinen Schlussveranstaltungen, wobei vor allem in der Steiermark der traditionelle Wahlkampfabschluss zum Auslaufmodell wird.

Im Burgenland wiederum hielten SPÖ und ÖVP traditionelle Schlussveranstaltungen ab - und setzten dann umso intensiver den Wahlkampf fort.

Mehr dazu in steiermark.ORF.at und burgenland.ORF.at

Antisemitischer Song-Contest-Vorfall nur einer von vielen

Ein antisemitischer Vorfall in Wien-Leopoldstadt sorgt weiter für Aufregung: Ein Mieter mit Sympathien für den israelischen Song-Contest-Kandidaten musste eine israelische Fahne vom Fenster entfernen, weil er von seinem Vermieter andernfalls mit Rauswurf bedroht wurde. Die Israelitische Kultusgemeinde weist darauf hin, dass das bei weitem kein Einzelfall ist: Der Antisemitismus in Wien nehme stark zu.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Sport

Fußball: HSV kämpft gegen historischen Abstieg

Der Hamburger SV startet heute Abend mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC in den Kampf um den letzten freien Platz in der deutschen Bundesliga. Die Hanseaten wollen sich in der Relegation gegen den Zweitligadritten KSC eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Montag verschaffen.

Für den HSV steht alles auf dem Spiel. Sowohl finanziell als auch der Nimbus der Einzigartigkeit: Denn die Elf von Bruno Labbadia ist als einziger deutscher Bundesligist in 52 Jahren noch nie aus der deutschen Eliteliga abgestiegen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Österreich holt Gold zurück

Österreich will künftig einen größeren Teil seiner 280 Tonnen umfassenden Goldreserven im Inland lagern. Bis 2020 solle sich die Hälfte des Bestands in Österreich, 30 Prozent in London und weitere 20 Prozent in der Schweiz befinden, teilte die Nationalbank heute mit.

80 Prozent in London

Derzeit sind 80 Prozent des Goldes in Großbritannien. Die Nationalbank hatte das damit begründet, dass London ein wichtiger Handelsplatz für Metalle sei. Daher sei es sinnvoll, das Edelmetall dort aufzubewahren, wo es bei Bedarf auch verkauft werden könne.

Gewinn gestiegen

Die Nationalbank meldete unterdessen für 2014 ihr zweitbestes Ergebnis seit 2006. Der Gewinn stieg um 14 Prozent von 298 auf 341 Mio. Euro. Der Bund erhält davon 315 Mio. Euro. Im Vorjahr waren es 256 Mio. Euro.

Das erwirtschaftete Ergebnis des Vorjahres konnte um fast ein Viertel übertroffen werden und machte 811 Mio. Euro aus. OeNB-Präsident Claus Raidl sprach bei der Jahresbilanzpressekonferenz von einem respektablen Ergebnis, das trotz des sehr niedrigen Zinsumfeldes erwirtschaftet werden konnte.

Airbus erwägt, A320-Produktion stärker auszuweiten

Der Flugzeughersteller Airbus wird die Produktion seines Kassenschlagers A320 womöglich noch stärker hochfahren als ohnehin schon geplant. Vertriebschef John Leahy sagte heute, die erwartete Nachfrage der Airlines übersteige bereits jetzt das Produktionsziel von 50 Jets pro Monat.

Eine Anpassung nach oben werde dementsprechend erwogen. Die Entscheidung dazu werde wohl im Laufe des Jahres gefällt.

Momentan fertigt der europäische Boeing-Rivale monatlich 42 Maschinen des Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs. Anfang 2017 sollen es 50 A320 sein. Die Nachfrage auf dem Markt könnte auch mehr als 60 pro Monat rechtfertigen, sagte Leahy. Vor 2018 sei das aber nicht in die Tat umzusetzen, ergänzte Tom Williams, der bei Airbus für das operative Geschäft zuständig ist.

Spanische Wirtschaft wächst im ersten Quartal

Das Wachstum der spanischen Wirtschaft hat im ersten Quartal weiter angezogen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Jänner bis März um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie die nationale Statistikbehörde heute bestätigte.

Im letzten Quartal 2014 war die Wirtschaft um 0,7 Prozent gewachsen. Im Vorjahresvergleich erhöhte sich das BIP um 2,7 Prozent.

Erholung nach langer Rezession

Verantwortlich für das Wirtschaftswachstum war vor allem die Binnennachfrage, die nach Angaben der Statistiker um drei Prozent stieg - nach 2,7 Prozent im Vorquartal. Nicht nur die privaten Haushalte konsumierten wieder mehr, auch die Unternehmen investierten wieder, nachdem Spanien im vergangenen Jahr eine sechsjährige Phase der Stagnation und Rezession hinter sich gelassen hatte.

Auch die Bauwirtschaft, die durch das Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 in eine tiefe Krise geraten war, befindet sich laut Statistikamt seit dem dritten Quartal 2014 auf dem Weg der Erholung. Die Investitionen in diesem Sektor stiegen im ersten Quartal 2015 um 4,9 Prozent.

Neuer Tarifvertrag bei Deutscher Bahn steht

Der neue Tarifvertrag für die 100.000 Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bei der Deutschen Bahn kann fristgerecht am 1. Juli in Kraft treten. Die EVG teilte heute mit, dass man dem Tarifabschluss gestern Abend einstimmig zugestimmt habe.

Somit haben EVG und Deutsche Bahn ihren seit fast einem Jahr währenden Tarifkonflikt beigelegt. Die Kollegen seien vor allem erfreut, „dass wir durchsetzen konnten, dass alle am Ende mindestens 120 Euro monatlich mehr in der Tasche haben werden“, sagte die EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba.

Auch dass die EVG in den Verhandlungen keinerlei Abweichungen bei einzelnen Berufsgruppen zugelassen habe, finde große Zustimmung.

Lohnerhöhung um 5,1 Prozent

Die Tarifpartner einigten sich auf eine Lohnerhöhung um insgesamt 5,1 Prozent. Die Löhne steigen zum 1. Juli um 3,5 Prozent, mindestens aber um 80 Euro, und zum 1. Mai 2016 um weitere 1,6 Prozent oder mindestens 40 Euro. Darüber hinaus erhält jeder Mitarbeiter für die Zeit der Verhandlungen eine Einmalzahlung von 1.100 Euro - also 100 Euro pro Monat.

Deutsche Wirtschaft warnt vor Euphorie

Noch heben die Volkswirte ihre Prognosen an - doch es gibt Anzeichen, dass der Aufschwung in Deutschland nicht von Dauer sein könnte. Die deutsche Wirtschaft tritt trotz robuster Konjunkturzahlen auf die Euphoriebremse.

Der Spitzenverband DIHK, der sein Ohr nah am Mittelstand hat, warnte aber, die guten Zahlen beruhten fast ausschließlich auf Sondereffekten wie dem billigen Öl, den Niedrigzinsen und dem schwachen Euro: „Das ist ein gedopter und geliehener Aufschwung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, heute in Berlin.

„Gedopter Aufschwung“

Der niedrige Euro im Vergleich zum US-Dollar, der Exporte außerhalb des Euro-Raums günstiger macht, habe einen Wachstumsschub von etwa einem Prozent gebracht. Der Verfall des Ölpreises - der inzwischen wieder anzieht - habe für ein Plus von geschätzt 0,7 Prozent gesorgt. Dazu trieben die Minizinsen die Bau- und Immobilienwirtschaft an.

Im Kern sei die deutsche Wirtschaft gar nicht so wettbewerbsfähig aufgestellt, wie es derzeit den Anschein habe, mahnte Wansleben. Der Aufschwung werde in erster Linie von den konsumfreudigen Verbrauchern getragen, die wegen höherer Löhne und sicherer Jobs reichlich Geld ausgeben.

Ein Rückfall in eine „Dümpel-Konjunktur“ mit einem Wachstum unter 0,5 Prozent sei für die Zukunft keineswegs ausgeschlossen: „Zu jedem Hoch gibt’s irgendwann auch mal ein Ab. Dann reiben wir uns die Augen.“

Einigung auf Junckers Investitionsplan

Die Rechtsgrundlage für den milliardenschweren Investitionsplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker steht.

In einer nächtlichen Verhandlungsrunde einigten sich Kommission, Mitgliedsstaaten und Europaparlament heute Früh auf einen Kompromisstext, der nun in Gesetzesform gegossen werden kann, wie die EU-Kommission mitteilte. „Dies bedeutet, dass der Fonds einsatzfähig wird und am Ende des Sommers mit der Finanzierung von Projekten beginnen wird.“

Kommission zeigte sich zuversichtlich

Juncker will mit dem Plan Investitionen von mindestens 315 Milliarden Euro ermöglichen, um die Konjunktur in Europa anzukurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit in vielen EU-Staaten zu bekämpfen.

Die Kommission zeigte sich zuversichtlich, dass die EU-Finanzminister bei ihrer kommenden Sitzung am 19. Juni endgültig zustimmen und das EU-Parlament am 25. Juni. Die lettische EU-Ratspräsidentschaft sprach von einer „vorläufigen Einigung“. Es seien noch „weitere technische Arbeiten“ nötig.

Bei den Verhandlungen seien letzte offene Fragen geklärt worden, darunter insbesondere die Art der Finanzierung des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) aus dem EU-Haushalt, erklärte ihrerseits die Kommission. Kritik hatte es daran gegeben, dass ein Teil der Gelder für Kreditgarantien des Fonds aus dem Forschungshaushalt genommen wurde. Das EU-Parlament erklärte nun, seinen Verhandlungsführern sei es gelungen, „die Einschnitte“ im EU-Forschungsprogramm „Horizon 2020“ und beim Förderprogramm für Energie-, Verkehrs- und digitale Netzen (CEF) zu verringern.

Chronik

200.000 Haifischflossen in Ecuador beschlagnahmt

Die Behörden in Ecuador haben bei Razzien in der Hafenstadt Manta rund 200.000 Haifischflossen beschlagnahmt und drei mutmaßliche Schmuggler festgenommen.

Der ecuadorianische Innenminister Jose Serrano verkündete den Schlag gegen den verbotenen Handel gestern im Internetdienst Twitter und stellte mehrere Bilder der dunklen Flossen dazu. Die Haijagd und der Handel mit den Tieren sind in Ecuador verboten.

Begehrte Speise

Die Flossen sind aber vor allem in der asiatischen Küche sehr begehrt und werden dort auch in der traditionellen Medizin verwendet. Nach Angaben der ecuadorianischen Behörden sollen die drei festgenommenen Schwarzhändler mindestens 300.000 Haie getötet haben. Damit handle es sich um eines der schlimmsten Umweltverbrechen der vergangenen Jahre.

Religion

Flugzeug: Vatikan weist Erdogan-Darstellung zurück

Der Vatikan hat die Darstellung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurückgewiesen, wonach Papst Franziskus über eigene Flugzeuge verfüge. Vatikan-Sprecher Ciro Benedettini sagte heute laut Presseberichten, der Papst nutze bei Auslandsreisen Charterflüge der italienischen Gesellschaft Alitalia.

Erdogan hatte die Forderung, der Chef des türkischen Religionsamtes solle künftig mit Regierungsflugzeugen reisen können, mit Hinweis auf den Papst begründet.

Mehr dazu in religion.ORF.at

IT

Google plant neues Bezahlsystem für Android

Google will laut einem Zeitungsbericht ein neues Bezahlsystem für Android-Geräte vorstellen. Mit dem Service Android Pay sollen Händler Kreditkartenzahlungen über Apps annehmen und Kundenbindungsprogramme einbinden können, berichtete die „New York Times“. Der Internetkonzern wolle die Plattform bei der Entwicklerkonferenz Google I/O heute Abend europäischer Zeit präsentieren.

Außerdem sollen einander Verbraucher über die digitale Brieftasche Google Wallet Geld schicken können, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Google-Manager Sundar Pichai hatte die Arbeit an einem Android-Bezahlsystem erstmals Anfang März bekanntgegeben.

Apps für das Auto

Ein Schwerpunkt ist auch dem Thema Auto gewidmet: Erst am Dienstag hatte Hyundai angekündigt, das erste Auto mit Googles Autobetriebssystem auszurüsten, nun will Google die Entwickler offenbar auch dazu bringen, dafür entsprechende Apps zu entwickeln, die die Fahrer unter anderem nicht zu stark ablenken sollen. Spannend dürfte zudem der Vortrag über Design für Virtuelle Realität werden.

Auch in Sachen Wearables wie Smartwatches hat Google viel Neues versprochen – entsprechend viele Gerüchte gibt es über mögliche neue Geräte, die Google vorstellen könnte. Auch Neues zur Zukunft von Google Glass könnte gezeigt werden. Weitere Themen sind Fitness-Apps, Spiele und Kartenanwendungen. Für Googles schwach laufendes Projekt Google+ wird ebenfalls ein Neustart erwartet.

Die zweitägige jährliche Google I/O ist das zentrale Event, bei dem der Internetriese Neues zum Mobilbetriebssystem Android und seinen anderen Produkten und Diensten vorstellt.

Science

Great Barrier Reef: Welterbestatus gefährdet

Der Korallenbestand am Great Barrier Reef ist
in den vergangen 30 Jaren um 50 Prozent geschrumpft. Die UNESCO zog nun die Reißleine: Sie drohte, das größte Korallenriff auf die Liste der bedrohten Welterbestätten zu setzen. Womöglich noch diese Woche gibt die UNESCO ihre Empfehlung für die Entscheidung ab, die bei der Sitzung des Welterbekomitees Ende Juni fallen soll.

Mehr dazu in science.ORF.at

Kultur

„Literarisches Quartett“ kehrt zurück

Das „Literarische Quartett“ im ZDF kommt Anfang Oktober zurück - mit „Spiegel“-Literaturchef Volker Weidermann statt früher Marcel Reich-Ranicki.

Das ZDF will an die unterhaltsamen Sendungen mit dem 2013 gestorbenen Publizisten anknüpfen. „Ziel ist beste literarische Unterhaltung, Kritik und Leidenschaft ganz in der Tradition des legendären ‚Literarischen Quartetts‘ mit Marcel Reich-Ranicki“, teilte der Leiter Kultur im ZDF, Peter Arens, heute mit.

Außer Weidermann sind Moderatorin und Autorin Christine Westermann („Zimmer frei!“) sowie Autor und Kolumnist Maxim Biller („Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“) gesetzt. Weidermann sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, er fühle sich „supermulmig“.

„Recht haben will ich auch“

Reich-Ranicki will Weidermann nicht kopieren: „Die Leute kriegen jetzt erst einmal mich“, sagte er. „Recht haben will ich auch. Aber am wichtigsten wird es doch sein, die Zuschauer zu reizen, sie auch für schwierige Bücher zu interessieren.“

Das „Literarische Quartett“ soll freitags um 23.00 Uhr gesendet werden und wird im Berliner Ensemble aufgezeichnet. Als Vierter kommt in jeder der sechs Sendungen pro Jahr ein Kritiker hinzu. Die Sendung lief schon zwischen 1988 und 2001, zunächst mit Reich-Ranicki, Sigrid Löffler, Hellmut Karasek und Jürgen Busche. „Das blaue Sofa“ mit Wolfgang Herles entfällt mit der Neuauflage.

Castellucci: Moses und der Teilchengenerator

Wenn der Blitz der spirituellen Erleuchtung in die Einstürzenden Neubauten einschlüge, könnte so etwas wie das Wirkungsszenario der Theaterarbeit von Romeo Castellucci 2015 herauskommen. Reinigung und Rätsel liegen eng nebeneinander, wenn in einer eineinviertelstündigen Installation die Geburt von Moses und die Unsicherheit seiner Mission zu einer hybriden Collage mit viel Lärm verdichtet wird. Das Publikum bei den Festwochen, unter ihnen viele Castellucci-Fans, reagierte höflich.

Mehr dazu in news.ORF.at/festwochen