Ausland

Merkel: EU für „verantwortliche Kürzung“ der Türkei-Hilfen

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will die EU-Zahlungen an die Türkei zurückschrauben - das bekräftigte sie heute in einer Pressekonferenz nach dem ersten Gipfeltag in Brüssel. Der Gipfel bitte die Kommission um eine „verantwortliche Kürzung“ der Vorbeitrittshilfen - das EU-Organ sei beauftragt, dies umzusetzen, sagte Merkel. Die Hilfen werden üblicherweise EU-Beitrittskandidaten gezahlt. Die Verhandlungen mit der Türkei darüber liegen derzeit allerdings auf Eis.

Einigkeit unterstützt „Dynamisierung“

Er werde zunehmend klar, „dass es eine Neuordnung der Beziehungen braucht“, sagte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in der Nacht auf heute. Aus österreichischer Sicht sei dies ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir haben ganz intensiv die Frage der Beziehungen zur Türkei diskutiert. Es war eine sehr gute Diskussion“, sagte Kern. Dass sich Österreich und Deutschland einig seien, unterstütze eine „Dynamisierung“ in der Diskussion, so Kern.

Wichtigkeit des Flüchtlingsdeals betont

Merkel führte wie bereits zuletzt die Verhaftungen vieler deutscher Staatsbürger ins Treffen, weswegen sich der gesamte Rechtsstaat in die falsche Richtung bewege. Trotz des Streits betont Merkel die Wichtigkeit des EU-Flüchtlingsabkommens mit Ankara. Nach den ersten Hilfen von bis zu drei Mrd. Euro solle dieselbe Summe noch einmal fließen, sagte sie bereits zum Auftakt des EU-Gipfels. „Hier leistet die Türkei Herausragendes.“

Dieser Umstand ist gleichzeitig der Grund für die zögerliche bzw. ausbleibende Unterstützung für einen Bruch mit Ankara - das Land gilt einfach als zu wichtiger Partner in der Flüchtlingskrise.

„Gespräche dürfen nicht abgebrochen werden“

Entsprechend meldeten sich auch Fürsprecher zu Wort: die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite etwa mahnte die EU-Partner zu Zurückhaltung mit der Türkei. „Wir müssen Lösungen finden“, sagte Grybauskaite. „Die Türkei ist wichtig“, betonte die Litauerin. „Sie ist unser NATO-Partner, ein wichtiger Partner für Europa, ein wichtiger Partner für das Management der Migrationsbewegungen.“ Die Europäer müssten deshalb „vorsichtiger sein und offener für Diskussionen über die Zukunft der Türkei“.

Auch Bulgarien warnte vor einem Abbruch der Beitrittsverhandlungen: „Das gesamte Verteidigungskonzept Bulgariens und der EU wird einstürzen, sollte dies beschlossen werden“, sagte Regierungschef Boiko Borissow einem Bericht der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA zufolge. Das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei dürfe nicht angetastet werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan halte es strikt ein. „Die EU-Beitrittsgespräche dürfen nicht abgebrochen werden“, sagte Borissow.

70 Mio. Euro für Ankara in letzten drei Monaten

Allein in den vergangenen drei Monaten erhielt die Türkei neue EU-Heranführungshilfen in Höhe von knapp 70 Mio. Euro. Bestätigt wurde vonseiten der EU-Kommission zudem ein Anstieg der ausgezahlten Summe von 190,2 Mio. auf 258,4 Mio. Euro. Der Betrag der für konkrete Projekte bereitstehenden Mittel erhöhte sich von Mitte Juli bis Mitte Oktober von 235,4 auf 368,3 Mrd. Euro.

Die EU-Kommission betonte zuletzt stets, dass die Finanzhilfen solange gezahlt werden müssten, wie die Beitrittsverhandlungen liefen. Die Möglichkeit, die Gelder verstärkt in Projekte für die Demokratieentwicklung, Rechtsstaatlichkeit oder Zivilgesellschaft zu leiten, werde bereits genutzt, heißt es. Insgesamt hat die EU der Türkei für den Zeitraum 2014 bis 2020 rund 4,45 Mrd. Euro zugesagt.

May bittet in Brüssel um vorzeigbare „Brexit“-Ergebnisse

Die britische Premierministerin Theresa May hat die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Brüssel um rasche und vorzeigbare Fortschritte bei den „Brexit“-Gesprächen gebeten. Alle Seiten müssten sich für ein Ergebnis einsetzen, „hinter dem wir stehen können und das wir vor unseren Leuten rechtfertigen können“, sagte May Regierungsangaben zufolge gestern Abend bei einem Abendessen ihm Rahmen des Gipfels.

„Dringende Notwendigkeit“

May habe eine eindringliche Bitte an ihre Kollegen gerichtet: „Es besteht die klare und dringende Notwendigkeit, dass die Dynamik, die Sie schaffen, uns gemeinsam voranbringt.“ Die Premierministerin verwies auf ihre Grundsatzrede in Florenz, wo sie selbst die Initiative ergriffen und damit für einen „neuen Geist“ in der „Brexit“-Debatte gesorgt habe. „Ich habe die Schwierigkeiten erkannt, in denen der Prozess steckte“, sagte sie.

Bei dem Appell hatte May nach Angaben aus britischen Regierungskreisen auch innenpolitische Zwänge im Auge. In ihrer Konservativen Partei erhalten radikale Austrittsbefürworter immer mehr Zulauf - sie plädieren für einen „harten Brexit“ - also ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Einigung mit der EU-Seite.

Kein grünes Licht

Anders als zunächst von London erhofft, wird der Gipfel noch nicht grünes Licht für den Übergang in die zweite Verhandlungsphase zu den künftigen Beziehungen geben. Hauptgrund für die Verzögerung sind fehlende Fortschritte in den Gesprächen über die Finanzforderungen der EU an Großbritannien. Heute will sich der Gipfel hauptsächlich dem „Brexit“ widmen - allerdings in großen Teilen in Mays Abwesenheit.

Malta: Journalistendemo nach Mord an Kollegin

Drei Tage nach der Ermordung der maltesischen Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia haben Hunderte Journalisten vor dem Parlament in Valletta demonstriert. Sie hielten gestern Plakate und „blutbefleckte“ Zeitungstitelseiten in die Höhe, auf denen es hieß, sie würden sich nicht einschüchtern lassen. Die drei Söhne der Ermordeten forderten unterdessen den maltesischen Regierungschef Joseph Muscat zum Rücktritt auf.

Vom Parlament zogen die Journalisten mit einer „blutbefleckten“ Malta-Fahne zum Justizpalast. Dort hinterließen sie einen Antrag, bei den Ermittlungen zu dem Mord die Quellen der Journalistin zu schützen.

„Der Stift besiegt die Angst“

Am Sonntag werden in Malta alle Zeitungen, Radio- und Fernsehsender sowie Onlinemedien mit demselben Aufmacher zur Verteidigung der Pressefreiheit erscheinen. „Wir haben eine nationale Kampagne beschlossen unter dem Motto ‚Der Stift besiegt die Angst‘“, sagte die Vorsitzende des maltesischen Journalismus-Instituts, Norma Saliba, der Nachrichtenagentur AFP.

Ebenfalls für Sonntag riefen Journalisten zu einer weiteren landesweiten Demonstration für Gerechtigkeit und gegen Einschüchterung der Medien auf. Der Polizeichef Lawrence Cutajar hielt unterdessen eine Pressekonferenz ab, auf der er die Autopsie des Leichnams ankündigte. Unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen sagte er sonst kaum etwas.

Söhne fordern Rücktritt des Regierungschefs

Die drei Söhne lehnten einen Vorschlag Muscats ab, mit einer hohen Belohnung die Fahndung nach den mutmaßlichen Attentätern zu forcieren. Sie zeigten sich „nicht an einer strafrechtlichen Verurteilung interessiert“, die nur denen in der Regierung nutze, die von dem „Mord an unserer Mutter profitieren“ und die dann sagen wollten, „der Gerechtigkeit wurde Genüge getan“.

Die Söhne forderten den Rücktritt Muscats und warfen ihm vor, ihre Mutter „finanziell kaputt gemacht und so brutal und wirksam entmenschlicht“ zu haben, dass sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe. Tatsächlich hatte Muscat die Journalistin erst jüngst in der italienischen Zeitung „La Repubblica“ erneut als seine „größte Gegnerin“ bezeichnet. Caruana Galizia habe ihn seit seiner Zeit als Oppositionsführer „angegriffen“.

Die 53-jährige Journalistin war am Montag durch eine unter ihrem Auto befestigte Bombe getötet worden. Caruana Galizia hatte mehrere Korruptionsaffären aufgedeckt. Die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Panama-Papers richteten sich unter anderem gegen Muscats Frau und andere Vertraute des Regierungschefs.

Letzte Frist in Katalonien-Krise

Der Konflikt über die Loslösung Kataloniens von Spanien hat gestern einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont das von der spanischen Zentralregierung gesetzte Ultimatum verstreichen ließ, ohne die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region zu widerrufen, reagierte Madrid umgehend. Es wurden Zwangsmaßnahmen gegen die Region angedroht, Artikel 155, der zur Entmachtung der Regierung in Barcelona führt, soll zur Anwendung kommen. Schon morgen könnten die Minister ihre Zustimmung dazu geben.

Mehr dazu in Zentralregierung zieht Konsequenzen

Griechenland plant Milliardenzahlung an Arme

Die griechische Regierung plant eine Milliardenhilfe für arme Bevölkerungsgruppen. Ein Regierungssprecher gab gestern bekannt, der erwartete Einnahmenüberschuss in diesem Jahr solle an die Menschen verteilt werden, die am stärksten unter der jahrelangen Finanzkrise gelitten hätten.

Der Verteilungsspielraum liege nahe einer Milliarde Euro, sagte der Sprecher. Das genaue Volumen der „Sozialdividende“ und die Modalitäten der Verteilung würden im November auf Basis der dann vorliegenden Budgetzahlen für das laufende Jahr festgelegt.

Wirtschaftswachstum von fast zwei Prozent erwartet

Die Regierung in Athen erwartet für dieses Jahr nach Jahren der Rezession ein Wirtschaftswachstum von fast zwei Prozent und einen Primärüberschuss von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das mit den Gläubigerstaaten ausgehandelte Ziel hatte bei 1,75 Prozent gelegen. Beim Primärüberschuss werden die Kosten für Altschulden nicht berücksichtigt.

Mit einer Quote von 21 Prozent ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland so hoch wie in keinem anderen Euro-Land. Im August 2018 läuft das dritte Hilfspaket im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro aus.

Inland

Kurz erhält Auftrag zur Regierungsbildung

Bundespräsident Alexander Van der Bellen erteilt ÖVP-Obmann Sebastian Kurz heute den Auftrag zur Regierungsbildung. Danach will der Chef der Volkspartei Gespräche mit allen Parlamentsparteien führen, ehe es in konkrete Koalitionsverhandlungen geht.

Präferenzen bezüglich des künftigen Regierungspartners äußerte Kurz bisher nicht. Erwartet wird jedoch, dass er sich in Koalitionsgespräche mit den Freiheitlichen begeben wird. Für Verfassungsmaterien bräuchten ÖVP und FPÖ freilich Unterstützung von SPÖ oder NEOS, weshalb auch die Gespräche mit den beiden Parteien von Bedeutung sind.

Strache bestätigte Privattreffen mit Kurz

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bestätigte unterdessen in einem Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ und oe24.tv, dass ÖVP-Chef Kurz am Mittwoch für ein „privates“ Treffen in seiner Wohnung in Klosterneuburg war. In diesem „sehr offenen, sympathischen, freundlichen“ Gespräch sei man sich „menschlich nähergekommen“.

Es sei, so Strache, sein erstes Vieraugengespräch mit Kurz gewesen. Dass der ÖVP-Chef Kanzler wird, ist für Strache „der demokratiepolitische Auftrag“ aus der Wahl. Christian Kern von der SPÖ sei - „meiner Meinung nach ja“ - abgewählt worden. Die FPÖ werde, wenn Kurz sie zu Koalitionsverhandlungen einlädt, keine Parallelverhandlungen mit einer anderen Partei führen, versicherte der FPÖ-Chef.

Kurz bei Juncker

Kurz selbst absolvierte seinen ersten EU-Auftritt nach dem Wahlsieg. Empfangen wurde er gestern von Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, auch die FPÖ sei „natürlich“ ein Thema gewesen, so Kurz. Erneut bekannte sich der ÖVP-Chef im Vorfeld einer möglichen Koalitionsbildung zu einer proeuropäischen Linie: Er werde „immer Proeuropäer bleiben“.

Mehr dazu in „Treffen Entscheidung schon in Österreich“

Van der Bellen empfing Pilz und Strolz in der Hofburg

Als letzten Parteichef hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen gestern noch seinen früheren Parteikollegen Peter Pilz empfangen. Der Rauswurf der Grünen aus dem Parlament war dabei auch „kurz“ Thema, sagte Pilz danach vor Journalisten.

Pilz: „Wir kennen uns ja schon lang“

Pilz, der bei der Nationalratswahl erfolgreich mit einer eigenen Liste angetreten ist, hatte Van der Bellen einst als Wirtschaftsprofessor für die Grünen entdeckt - als Bundespräsident hat dieser seine Parteimitgliedschaft dann ruhend gestellt. Dementsprechend habe es sich auch nicht um ein Kennenlernen gehandelt, sagte Pilz: „Wir kennen uns ja schon eine Zeit lang.“

Gefragt, ob bei dem gut 45-minütigen Gespräch auch die Grünen Thema waren, meinte Pilz: „Das hamma kurz besprochen.“ Entschuldigt habe er sich aber nicht, sei doch „jede Partei für sich selbst verantwortlich“, befand er. „Ich bedaure das Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat“, betonte er dennoch.

Übernahme einzelner Mitarbeiter der Grünen möglich

Möglicherweise will Pilz auch „in Einzelfällen“ Personal des Grünen Klubs übernehmen, um dessen Kompetenz fürs Parlament weiter zu nutzen. Man habe aber noch keinen Personalplan erstellt.

Generell habe er dem Bundespräsidenten berichtet, was er im Parlament vorhabe. „Mit der Regierungsbildung habe ich nichts zu tun“, so Pilz. Bei den anstehenden Landtagswahlen will Pilz keine eigenen Listen gründen, aber gegebenenfalls autonome Bewegungen unterstützen, etwa in Niederösterreich.

Zuvor Gespräch mit Strolz

Kurz davor traf Van der Bellen NEOS-Chef Matthias Strolz. NEOS könnte sowohl bei einer schwarz-blauen als auch bei einer schwarz-roten Regierung der „Zweidrittelhebel“ für Mehrheiten sein, sagte Strolz nach dem Gespräch, das eine gute Dreiviertelstunde dauerte. „Wir wissen, dass das eine große Verantwortung ist.“

Strolz und seine Mitstreiterin Irmgard Griss, die ihn zum Präsidenten begleitet hatte, betonten, dass es ein „neues Regieren“ geben müsse. Man werde ÖVP-Chef Sebastian Kurz, der den Regierungsbildungsauftrag erhalten wird, drängen, auch mit allen Oppositionsparteien Gespräche „im Detail“ zu führen. Es solle auch mit der Opposition punktuelle Arbeitsübereinkommen geben, bekräftigte Strolz.

Sport

Fußball: ÖFB-Frauen-Team verliert Nebelschlacht

Die erhoffte Überraschung von Österreichs Frauen-Nationalteam ist ausgeblieben. Die EM-Halbfinalistinnen unterlagen gestern im Testspiel gegen Europameister Niederlande mit 0:2. Das Spiel in der St. Pöltner NV-Arena war ein undurchsichtiges - jedoch mehr in meteorologischer denn sportlicher Hinsicht. Hartnäckiger Nebel machte die Partie zweitweise zu einem Blindflug. Umso bemerkenswerter, dass die Österreicherinnen gleich mehrfach am Aluminium scheiterten.

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Tennis: Thiem fühlt sich „frisch“ für Wien

Dominic Thiem hat die mit drei Auftaktniederlagen verpatzte Asientournee bereits abgehakt und blickt mit Zuversicht dem ATP-Turnier kommende Woche in der Wiener Stadthalle entgegen. Bei einem Sponsorentermin in Wien fand der Niederösterreicher sogar einen positiven Aspekt an seiner früheren Heimreise, nämlich die längere Vorbereitung auf sein Heimturnier. Nun fühle er sich „frisch“ und wolle „einfach wieder gut Tennis spielen“.

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Chronik

US-Polizei ermittelt gegen Weinstein wegen Vergewaltigung

Nach den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein hat die Polizei von Los Angeles Ermittlungen eingeleitet. Die Polizei habe ein mutmaßliches Opfer einer Vergewaltigung befragt, an der Weinstein beteiligt gewesen sein solle, sagte der Polizeisprecher Drake Madison gestern.

Den Namen des Opfers nannte er nicht, mehreren Medienberichten zufolge soll es sich um eine italienische Schauspielerin handeln. Demnach soll die Frau angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills sexuell missbraucht worden zu sein. Die Frau wird von dem US-Anwalt Dave Ring in Los Angeles vertreten.

Mehr als 40 Frauen haben sich in den letzten Tagen mit Vorwürfen von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Hollywood-Mogul Weinstein (65) zu Wort gemeldet. Auch die Polizeibehörden in New York und London kündigten bereits an, Ermittlungen gegen Weinstein aufnehmen zu wollen. Die New Yorker Polizei wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen, hieß es.

Stein fiel aus Kirchendecke in Florenz - Tourist erschlagen

Ein Teil eines Kapitells ist gestern in der Basilika Santa Croce in Florenz aus 30 Meter Höhe in die Kirche gefallen und hat einen spanischen Touristen erschlagen. Der Stein, der den Spanier am Kopf getroffen hatte, sei etwa 30 Zentimeter groß gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur ANSA. Der 50-jährige Mann war in Begleitung seiner Frau, im Spital konnte sein Leben nicht mehr gerettet werden.

Kirche in Florenz

APA/AP/Maurizio Degl'Innocenti

Feuerwehrleute prüften die Stabilität des Gebäudes, berichteten italienische Medien. Die Basilika wurde geschlossen.

Santa Croce ist eine Franziskanerkirche. Die Grundsteinlegung im Jahr 1294 soll einer Legende zufolge von Franz von Assisi selbst vorgenommen worden sein. Hier befinden sich die Grabmäler von Machiavelli, Michelangelo, Galileo Galilei und Gioachino Rossini. Darüber hinaus ist die Kirche für ihre Fresken, unter anderem von Giotto, bekannt.

Drei Tote in Tiefgarage in Baden-Württemberg entdeckt

In einer Tiefgarage im deutschen Eislingen sind drei Leichen in einem Auto gefunden worden. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt, teilte das Polizeipräsidium Ulm gestern mit. Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um eine Beziehungstat.

Die Opfer starben „durch erhebliche Gewalteinwirkung“, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Geprüft wird, ob der Fall ein erweiterter Suizid ist.

Polizei: „Ganz klar Familientragödie“

Die Leichen waren zur Mittagszeit von Benutzern der Tiefgarage entdeckt worden. „So wie das hier aussieht, geht es ganz klar um eine Familientragödie“, sagte ein Polizist am Ort des Geschehens.

Bei den Toten handelt es sich um eine 56-jährige Frau und ihren gleichaltrigen Mann sowie einen 26-Jährigen. Wie die Menschen starben, wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen. Personen aus dem Umfeld wurden vernommen.

Wirtschaft

Unternehmen zahlt Tansania 300 Mio. Dollar für Goldabbau

Nach Vorwürfen des illegalen Abbaus von Gold in Tansania will ein kanadisches Bergbauunternehmen der Regierung Tansanias 300 Millionen Dollar (255 Millionen Euro) zahlen. Das sei ein Zeichen des guten Willens für eine verbesserte Zusammenarbeit in Zukunft, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende von Barrick Gold, John Thornton.

Zudem soll die Regierung die Hälfte der Einnahmen der drei Goldminen der Firma in Tansania sowie einen Anteil von 16 Prozent an den Minen erhalten. Mit der Vereinbarung solle sichergestellt werden, dass Tansania und die Bevölkerung mehr von den Bodenschätzen profitierten, sagte der Justizminister des Landes, Palamagamba Kabudi.

Der Vorstand und die Aktionäre von Barrick Gold müssten der Vereinbarung noch zustimmen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Regierung warf dem Unternehmen im Juni vor, Gold illegal abzubauen - die Firma wies die Vorwürfe zurück.

OECD rät EZB zu geldpolitischer Trendwende

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rät der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer vorsichtigen Trendwende in der Geldpolitik. „Die EZB hat Spielraum, etwas vom geldpolitischen Gaspedal zu gehen, und sie kann den Expansionsgrad ein wenig herunterfahren“, sagte OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann der „Börsen-Zeitung“ (Freitag-Ausgabe).

Die wirtschaftlichen Daten im Euro-Raum seien zuletzt etwas stärker gewesen als erwartet. Die Notenbank solle die aktuell gute Konjunkturlage nutzen, um einen Einstieg in den Ausstieg aus den Anleihekäufen zu starten. Die OECD habe vorgeschlagen, „dass die Anleihekäufe Anfang 2018 reduziert werden und Ende 2018 beendet sein sollten“, sagte Mann.

Inflationsrate von zwei Prozent angestrebt

Die EZB kauft derzeit monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank bei der nächsten Zinssitzung am 26. Oktober beschließen wird, ihre Käufe ab Jänner zu reduzieren. Die Käufe wurden im Kampf gegen die aus Sicht der EZB zu niedrige Inflation ergriffen. Die Notenbank strebt eine Rate von knapp zwei Prozent an.

Science

Emirate richten Ministerium für künstliche Intelligenz ein

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen ein Ministerium für künstliche Intelligenz einrichten. „Die nächste globale Welle ist die künstliche Intelligenz. Wir wollen das Land sein, das darauf am besten vorbereitet ist“, schrieb Ministerpräsident Muhammad bin Raschid Al Maktum gestern auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der erst 27-Jährige Omar bin Sultan al-Olama soll das neue Ressort leiten.

Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, solche Aufgaben zu lösen, die Intelligenz erfordern, wenn sie von einem menschlichen Wesen gelöst werden.

Zudem kündigte der Premier zwei neue weibliche Staatsminister für Nahrungsmittelsicherheit und fortgeschrittene Wissenschaft an. Letztere, die 30-Jährige Sara al-Amiri, soll sich damit auch um die Marsmission der VAE kümmern. Der ölreiche Golfstaat hatte vor einigen Monaten angekündigt, mit einem unbemannten Raumfahrzeug im Jahr 2021 zu dem Planeten fliegen zu wollen.

IT

Kaspersky-Gründer wehrt sich gegen US-Vorwürfe

Der Gründer der russischen IT-Sicherheitsfirma Kaspersky sieht sein Unternehmen nach Spionagevorwürfen in den USA als Opfer einer „Hexenjagd“. Er persönlich trage die Verantwortung dafür, dass die Programme und Updates des Antivirenspezialisten keine heimlichen Überwachungsfunktionen enthielten, schrieb Eugene Kaspersky in einem am Mittwoch veröffentlichten Blogeintrag.

„Und ich erkläre persönlich, dass alle Vorwürfe der Ausspähung (amerikanischer) Nutzer bestenfalls beweisfreie Paranoia sind“, versicherte der 52-Jährige in dem auf Russisch veröffentlichten Text.

In den vergangenen Wochen hieß es in mehreren US-Medienberichten, russische Geheimdienste hätten von Kaspersky-Installationen auf amerikanischen Computern profitiert, um geheime Angriffswerkzeuge des US-Auslandsgeheimdienstes NSA zu finden und zu stehlen.

Kultur

„Vielfalt statt Einfalt“: Viennale mit Gala eröffnet

Mit politischen Appellen und vor allem dem Gedenken an den verstorbenen Langzeitdirektor Hans Hurch ist gestern Abend die Viennale in ihre 55. Ausgabe gestartet. Bei der offiziellen Eröffnungsgala im Gartenbaukino widmeten die Redner vor dem Auftaktfilm „Lucky“ die heurige Ausgabe ganz dem im Juli überraschend verstorbenen Impresario.

„Du hast nie auf dein Herz gehört, wenn es dich gewarnt hat“, bedauerte Interimsdirektor Franz Schwartz in Erinnerung an den in Rom an Herzversagen verstorbenen Hurch. Der 64-Jährige fehle schrecklich, auch und gerade an diesem wichtigen Abend. Wichtig sei nun, sein Erbe auch für die Zukunft nach Hurch zu bewahren - unmittelbar nach dem heurigen Festival soll die Neuausschreibung der Festivalleitung ab 2018 erfolgen.

Viennale zeigt "weltoffenes Wien

Mit den Tränen hatte Viennale-Geschäftsführerin Eva Rotter zu kämpfen, als sie ihrem Team für die große Leistung dankte. Aus gesundheitlichen Gründen lediglich seine brieflichen Grüße konnte Viennale-Präsident Eric Pleskow übermitteln. Er bedauere angesichts des Ausgangs der Wahl in Österreich, mit seinem alten Freund nicht politische Gedanken austauschen zu können. Zugleich zeigte sich der Exilant, der Wien einst wegen der Nazis verlassen musste, aus politischer Sicht altersmilde: „Aus der Perspektive von Donald Trumps Amerika aus gesehen, wirkt die Situation weit weniger dramatisch.“

Die politische Bedeutung der Viennale sei immens, betonte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Das Festival stehe für eine weltoffene Stadt, mache einem weltoffenen Publikum die Fenster auf. Das Motto müsse denn auch in Zukunft lauten: „Vielfalt statt Einfalt“.

Eröffnungsfilm mit kultigem Kauz

Beim diesjährigen Eröffnungsfilm beweist die Viennale wieder einmal Gespür für leise Töne, die in stürmischen Zeiten ans Herz gehen. „Lucky“, das Regiedebüt des Schauspielers John Carroll Lynch, ist eine Ode an das, was im Leben am Ende zählt, und eine ebenso vergnügliche wie feinsinnige Hommage an den kürzlich verstorbenen Charakterdarsteller Harry Dean Stanton.

Leute

Prinz Harry offenbar mit Freundin zum Tee bei der Queen

Der 33-jährige Prinz Harry und seine Freundin Meghan Markle sollen gemeinsam mit Königin Elizabeth II. ganz privat Tee getrunken haben. Das Paar sei bereits vor einer Woche um 17 Uhr mit einem abgedunkelten Fahrzeug am Buckingham-Palast in London vorgefahren, zitiert die Zeitung „Daily Mail“ gestern einen nicht näher genannten Insider.

Britische Medien werteten das als mögliches Zeichen, dass Harry die Zustimmung seiner Großmutter für eine Hochzeit mit der 36-jährigen Schauspielerin aus den USA suche. Nach Angaben der Nachrichtenagentur PA nehmen viele Buchmacher keine Wetten mehr an, ob das Paar sich noch in diesem Jahr verlobt. Man könne nur noch auf den Monat setzen, in dem der Prinz und die Schauspielerin im nächsten Jahr ihre Verlobung bekanntgeben könnten.

Prinz Harry und seine Freundin Meghan Markle

Reuters/Mark Blinch

Prinz Harry und Markle kennen sich seit etwa eineinhalb Jahren. Im vergangenen September zeigten sie sich erstmals turtelnd in der Öffentlichkeit. Das Paar hatte gemeinsam in Kanada die Invictus Games, einen Sportwettkampf für verwundete Soldaten und Veteranen, besucht. In Großbritannien übte es bisher größte Zurückhaltung. Markle war aber schon im Londoner Kensington-Palast zu Besuch, in dem Prinz Harry und sein Bruder William mit Familie wohnen.