Inland

Plan für Prämie für gerechte Aufteilung von Elternpflichten

Damit sich Väter künftig stärker an der Kinderbetreuung beteiligen, denkt ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin an eine Prämie: Die Kindergeldreform soll einen „Partnerschaftsbonus“ für eine gleichmäßige Aufteilung in der Höhe von insgesamt 1.000 Euro bringen, kündigte Karmasin gegenüber der APA an. Die Verhandlungen der Regierung über das neue Kindergeld befänden sich am Pfad zur Einigung.

In Sachen Partnerschaftsbonus sei man sich bereits „in den Grundzügen“ einig, betonte Karmasin. Ihrer Vorstellung nach sollen Paare, die sich den Kindergeld-Bezug in einem Verhältnis von mindestens 60:40 aufteilen, einmal pro Person 500 Euro extra kassieren. Die Kinderbetreuung liegt weiterhin überwiegend bei den Müttern, die man so auch anspornen wolle, früher wieder in das Berufsleben zurückzukehren. Eine gleichmäßige Aufteilung sei aber „zum Wohle aller“, ist die Ministerin überzeugt.

Das zweite verpflichtende Gratis-Kindergartenjahr, das Karmasin ebenfalls in Aussicht gestellt hatte, kommt aber nun doch nicht - zumindest vorerst: Karmasin hat sich laut eigener Aussage stattdessen mit den Ländern darauf geeinigt, jene Eltern, deren vierjährige Sprösslinge nicht in Betreuung sind, zu verpflichtenden Beratungsgesprächen zu laden. Dieser Weg sei „zielführender“, meinte die Ministerin und meinte zugleich, alle Studien zeigten: Je länger die Kinder im Kindergarten, desto besser die Schulleistung.

Hypo-U-Ausschuss startet wieder

Der Hypo-U-Ausschuss kehrt aus der Sommerpause zurück und beschäftigt sich in den kommenden Monaten mit dem BayernLB-Einstieg und der Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria. Bis Weihnachten sind 25 Termine angesetzt. Am Mittwoch startet der Ausschuss mit der Befragung des ehemaligen Kärntner Finanzlandesrats Harald Dobernig und des Ex-Hypo-Aufsichtsrats Klaus Bussfeld.

Diese Befragungen widmen sich noch einmal der „Kärntner Zeit“ bis zum Jahr 2007. Dobernig war Anfang Juli bereits im U-Ausschuss, um diesen gleich wieder zu verlassen. Grund dafür war, dass Dobernigs Anwalt und Vertrauensperson, Franz Großmann, auf Initiative der Grünen vom U-Ausschuss nicht akzeptiert wurde. Bussfeld war bei seiner Erstladung im Juni aus familiären Gründen verhindert.

Bures lässt erstmals einen Tag aus

Am Donnerstag sind dann der Wirtschaftsprüfer Ernst Malegg (09.00 Uhr), der Steuerberater Bernhard Vanas (13.00 Uhr) und der Hypo-Kapitalanleger Veit Schalle als Auskunftspersonen im Ausschuss geladen. Eine Premiere bietet die kommende Ausschusswoche außerdem dadurch, dass sich Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) erstmals als Vorsitzende vertreten lassen wird.

Zwar kommt Bures wegen der Nationalrats-Sondersitzung am Dienstag früher als ursprünglich geplant von ihrer Dienstreise in New York zurück, dennoch bleibt es dabei, dass der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf am Mittwoch an ihrer Stelle den U-Ausschuss leiten wird. Am Donnerstag übernimmt wieder Bures selbst, wie es auf APA-Anfrage aus ihrem Büro hieß.

Gewerkschaft „fuchsteufelswild“ wegen Asyleinsatz von Heer

Harsche Kritik an dem geplanten Einsatz des Bundesheers in Asylangelegenheiten hat die Bundesheer-Gewerkschaft geübt. Angesichts des „jahrelangen, systematischen Kaputtsparens“ sei das Bundesheer „am Rande des totalen Fähigkeitsverlustes“. Dass die Regierung auch noch einen neuerlicher Grenzeinsatz nicht ausschließe, komme einer „Verhöhnung“ gleich. „Ich bin fuchsteufelswild“, empörte sich Heeresgewerkschafter Peter Schrottwieser (GÖD) gegenüber der APA.

Verteidigungsminister Gerald Klug und sein „glückloser Vorgänger“ Norbert Darabos (beide SPÖ), hätten „das Bundesheer in den vergangenen Jahren systematisch kaputtgespart“. Nun schicke man großzügig das Bundesheer aus, um Asylwerber zu transportieren, Container aufzubauen und Verpflegung auszugeben. „Aufgaben, die eigentlich in der Versorgungsverantwortlichkeit des Bundes und der Länder lägen“, so Schrottwieser.

Gerade die Transport-Fähigkeiten des Bundesheeres hätten die beiden SPÖ Politiker mit „Husch-Pfusch-Abverkäufen“ und „Spritspar-Erlässen“ heruntergefahren bis zum „annähernden Mobilitätsverlust“, sagte der Gewerkschafter. „Kriege produzieren unkontrollierte Flüchtlingsströme und Österreich ist - wie schon so oft in der Vergangenheit - überrascht von globalen Entwicklungen, die sich bereits Monate, wenn nicht gar Jahre zuvor abgezeichnet haben.“

Nickelsdorf bereitet sich auf Flüchtlinge vor

An der Grenze bei Nickelsdorf bereiten sich die Einsatzkräfte und das Rote Kreuz auf die Ankunft von mehreren Tausend Flüchtlingen vor. Die Flüchtlinge reisten vor mehreren Tagen von Serbien nach Ungarn ein und man rechnet, dass der Großteil von ihnen demnächst in Österreich eintreffen wird.

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Bis zu 7.000 Menschen werden an der Grenze zu Ungarn erwartet. Wann genau sie das Burgenland erreichen, ist ungewiss.

Ausland

Netanjahu warnt vor Terror-Finanzierung durch Iran

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seine Kritik an dem internationalen Atomabkommen erneuert. Die geplante Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik im Gegenzug zur Einschränkung ihres Atomprogramms berge große Gefahren, sagte Netanjahu gestern bei einem Besuch im italienischen Florenz.

„Der Iran wird Hunderte Milliarden Dollar durch die Lockerung der Sanktionen und Investitionen erhalten, um seine Aggression und seinen Terrorismus im Nahen Osten und Nordafrika und darüber hinaus zu befeuern“, warnte er. Netanjahu fügte hinzu, der Iran sei gefährlicher als die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Es gebe eine „viel ernsthaftere Gefahr (...) durch einen anderen islamischen Staat, den Islamischen Staat Iran, und insbesondere sein Trachten nach Atomwaffen“.

Atomrüstungsgefahr nicht gebannt?

Israel spreche dem Iran nicht das Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomkraft ab, sagte Netanjahu. Das internationale Atomabkommen erlaube es Teheran aber, „eine ausgezeichnete Infrastruktur zu behalten und auszubauen, die völlig unnötig für zivile Atomaktivitäten ist, aber vollkommen notwendig für die Produktion von Atomwaffen“, warnte der israelische Regierungschef.

Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland hatten sich nach jahrelangen Verhandlungen am 14. Juli in Wien mit dem Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Die iranische Regierung verpflichtet sich darin zu tiefgreifenden Einschnitten bei der Urananreicherung und akzeptiert umfassende internationale Kontrollen. Im Gegenzug sollen die Sanktionen gegen das Land Schritt für Schritt aufgehoben werden.

Zehntausende Libanesen protestieren gegen Regierung

Angesichts der weiter schwelenden Müllkrise im Land haben in der libanesischen Hauptstadt Beirut gestern zehntausende Menschen gegen die Regierung und korrupte Machenschaften von Politikern demonstriert. Unter dem Motto „Ihr stinkt“ versammelten sich im Stadtzentrum am Abend Männer, Frauen und Kinder. Die Organisatoren der Kundgebung erwarteten bis zu 50.000 Teilnehmer. Bei Protesten am vergangenen Wochenende hatte es gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei gegeben.

Demonstration in Beirut

APA/EPA/Nabil Mounzer

Seit dem Auslaufen der Verträge zur Müllentsorgung im Juli türmen sich in den libanesischen Städten die Abfälle. Kritiker werfen der Regierung vor, die neuen Aufträge zu überhöhten Preisen an Firmen mit Verbindungen in die Politik vergeben zu wollen.

Die Proteste richten sich auch gegen die Korruption und Misswirtschaft der Verwaltung und die politische Blockade, die seit einem Jahr die Wahl eines Präsidenten verhindert. Allgemeine Unzufriedenheit herrscht über die schlechte Wirtschaftslage und die Lähmung des politischen Systems.

Nordirische Gemeinschaftsregierung bröckelt

In einem Streit über den Fortbestand der paramilitärischen Gruppe Provisional IRA hat am Samstag die pro-britische Partei UUP die Gemeinschaftsregierung in Nordirland verlassen. Der einzige Minister der kleinen Partei werde in der nächsten Woche die Regionalregierung verlassen, kündigte Parteichef Mike Nesbitt nach der Entscheidung des Parteirats gestern an. 

Hintergrund ist der Mord an einem ehemaligen IRA-Mann in Belfast. In einem Polizeibericht hatten die Strafverfolgungsbehörden daraufhin festgestellt, dass noch immer Führungsstrukturen der in Großbritannien als Terrororganisation eingestuften Provisional IRA existierten.

Die links-katholische und pro-irische Sinn-Fein-Partei, neben der pro-britischen DUP einer von zwei großen Partnern in der Regierung, hatte dies lange verneint. Damit sei das Vertrauen in Sinn Fein erschüttert, argumentiert die UUP.

Die Regionalregierung in Nordirland setzt sich seit dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1998 aus allen fünf politischen Strömungen zusammen, darunter mit Sinn Fein auch der einst politische Arm der IRA.

Sowohl Sinn Fein als auch die DUP haben angekündigt, dass sie die Gemeinschaftsregierung trotz des Austretens der UUP weiterführen wollen, die DUP fordert jedoch eine Bestrafung von Sinn Fein. Die kleineren Koalitionspartner, die sozialdemokratische SDLP und die Alliance Party bezeichneten den Schritt der UUP als "unreif". 

Ungarn stellte Sperranlage an Grenze zu Serbien fertig

Die ungarische Regierung hat die Fertigstellung einer vorläufigen Stacheldrahtbarriere an der Grenze zu Serbien gemeldet, die Flüchtlinge von der illegalen Einreise in das Land abhalten soll.

Die aus drei Rollen Stacheldraht bestehende Sperranlage entlang der 175 Kilometer langen Grenze sei vollständig errichtet, teilte das Verteidigungsministerium in Budapest gestern mit. An einem vier Meter hohen festen Zaun wird noch gebaut. In den vergangenen Tagen hatte sich allerdings gezeigt, dass die Stacheldrahtbarriere viele Flüchtlinge nicht von der Einreise abhält.

Ungarn will mit den Sperren den wachsenden Zustrom illegaler Flüchtlinge stoppen, die über Serbien ins Land kommen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, dem Kosovo und afrikanischen Staaten. Sie wollen in der Regel in reichere EU-Staaten wie Österreich oder Deutschland weiterreisen. Serbien gehört nicht zum Schengen-Raum, das EU-Mitglied Ungarn schon.

Das ungarische Parlament hatte vor kurzem die Asylgesetze verschärft, kurz darauf begannen die Behörden, Flüchtlinge in Zeltlager in die Randgebiete zu verbannen. An der Grenze zu Serbien sind derzeit rund tausend Sicherheitskräfte im Einsatz, im September soll ihre Zahl auf etwa 3.000 ansteigen. Allein in diesem Jahr fing Ungarn bereits rund 140.000 Flüchtlinge aus Serbien ab.

17-jähriger Flüchtling vor griechischer Küste getötet

Bei einer Auseinandersetzung zwischen der griechischen Hafenpolizei und mutmaßlichen Schleppern ist ein 17-jähriger Flüchtling vermutlich durch einen Schuss getötet worden. Als ein Schiff mit etwa 70 Migranten von der türkischen Westküste illegal in griechische Gewässer habe eindringen wollen, habe es einen „ernsthaften Zwischenfall“ gegeben, teilte das griechische Handelsmarineministerium am Abend in Athen in einer Erklärung mit.

Die griechische Hafenpolizei und Beamte der EU-Grenzschutzbehörde Frontex hatten demnach das Boot angehalten und seien an Bord gegangen. Während eines Handgemenges zwischen der Polizei und drei mutmaßlichen türkischen Schleppern seien Schüsse gefallen. Wahrscheinlich dadurch sei ein 17-Jähriger an Bord getötet worden, sagte ein Arzt des Gesundheitszentrums der südöstlichen Insel Symi der Ministeriumserklärung zufolge. Zur Herkunft des Todesopfers wurden keine Angaben gemacht. Es wurden Ermittlungen eingeleitet.

Die drei mutmaßlichen Schlepper wurden den Angaben zufolge allesamt festgenommen. Einer habe zugegeben, dass er einen Polizisten verletzt habe, nachdem er sich die Waffe des Beamten gegriffen habe.

Handelsmarineminister Christos Zois brachte seine Trauer über den Tod des jugendlichen Flüchtlings zum Ausdruck. Zugleich lobte er die Polizei für ihren „täglichen Kampf unter schwierigen Umständen, um Migranten zu helfen“.

Griechenland sieht zurzeit mit einem massiven Andrang von Flüchtlingen, insbesondere aus dem Nahen Osten und Asien, konfrontiert. Seit Jahresbeginn landeten schon mehr als 160.000 Flüchtlinge an der griechischen Küste. Die griechischen Behörden wurden wiederholt wegen ihres Umgangs mit der Flüchtlingskrise kritisiert.

Sport

Bundesliga: Austria stoppt Admiras Erfolgslauf

Die Austria hat gestern Admira Wacker Mödling die erste Niederlage in dieser Saison zugefügt. Die Wiener setzten sich in der siebenten Bundesliga-Runde mit 1:0 durch und verdrängten damit das Überraschungsteam vom zweiten Tabellenrang.

Die Austria tat sich lange Zeit schwer und wurde erst nach einer Stunde durch einen Elfmeter von Alexander Gorgon erlöst. Die Admira war diesmal nicht so effizient wie in den letzten Spielen und vergab in der Nachspielzeit die große Ausgleichschance.

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Fußball: Hosiner feiert Traumdebüt bei Köln

Philipp Hosiner hat gestern ein Traumdebüt beim 1. FC Köln gefeiert. Der 26-jährige ÖFB-Stürmer kam gegen den HSV beim Stand von 0:1 auf den Platz, traf zehn Minuten nach seiner Einwechslung zum Ausgleich und hatte auch seine Beine beim entscheidenden Elfmeterpfiff mit im Spiel. Während die Kölner mit Coach Peter Stöger damit den besten Erstliga-Start seit 19 Jahren fixierten, lief der VfB Stuttgart mit Martin Harnik gegen Frankfurt in die nächste Pleite.

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US Open: Williams auf Grand-Slam-Kurs

Serena Williams ist seit 28 Major-Spielen ungeschlagen und hat sich bei den US Open des Vorjahres sowie heuer in Melbourne, Paris und Wimbledon jeweils den Titel geholt. Setzt die US-Amerikanerin ihre Siegesserie bei den morgen beginnenden US Open 2015 fort, winkt ihr ein großer Erfolg: Sie wäre die erste Spielerin seit Steffi Graf 1988, die alle vier Grand-Slam-Titel eines Jahres in Händen hält. Aber auch in einer anderen Bilanz könnte sie mit der Deutschen gleichziehen.

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Wirtschaft

Fed hält sich Tür für Zinserhöhung weiter offen

Die US-Notenbank Fed hält sich die Tür für eine Zinserhöhung im September weiter offen. Vizepräsident Stanley Fischer sagte gestern in Jackson Hole (Wyoming) laut einem von der Fed übermittelten Redemanuskript, es sei nicht unwahrscheinlich, dass sich die Auslöser der derzeit niedrigen Inflation langsam auflösten.

Wichtige Geldpolitiker aus der ganzen Welt sind seit Donnerstag zu ihrem jährlichen, informellen Treffen in Jackson Hole zusammen. Das Treffen endete am Wochenende.

Fischer sagte, es gebe gute Gründe für eine wieder - über zwei Prozent - steigende Inflation. So begännen sich zum Beispiel einige Effekte für einen starken Dollar und den Absturz des Ölpreises allmählich aufzulösen. Beides seien Schlüsselfaktoren für eine niedrige Inflation.

Spannung vor Sitzung im September

Politik und Märkte warten mit großer Spannung, ob die Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 16. und 17. September eine Zinswende einleiten wird. Sie galt seit Monaten als praktisch ausgemacht, aber zuletzt äußerten sich führende Vertreter der Notenbank, Investoren und Analysten wieder zurückhaltender.

In Jackson Hole sprachen die Notenbanker auch über die Folgen des Einbruchs des chinesischen Aktienmarktes und die jüngsten, schweren Turbulenzen an den Finanzmärkten. Fischer sagte, die Fed beobachte die Geschehnisse in China andauernd.

Lagarde: Kein Schuldenschnitt für Griechenland nötig

In der Griechenland-Krise sind Schuldenerleichterungen nach Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde ausreichend, um das Euro-Land wieder auf die Beine zu bringen. „Wir sprechen nicht über den Erlass von Schulden“, sagte Lagarde in einem Interview der Schweizer Zeitung „Le Temps“ von gestern.

Verhandelt werde vielmehr über eine Verlängerung von Kreditlaufzeiten, eine Senkung von Darlehenszinsen sowie die Stundung von Zahlungen. Eine solche Umstrukturierung der Verbindlichkeiten sollte reichen, damit die Griechen ihre derzeit nicht tragbaren Schulden in den Griff bekommen.

IWF-Beteiligung noch offen

Lagarde äußerte sich nicht zu der Frage, ob sich der Internationale Währungsfonds (IWF) auch am dritten Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro beteiligt. Diese Entscheidung hatte Lagarde in früheren Äußerungen für Oktober angekündigt.

Der Fonds hatte sich in der Griechenland-Debatte für Schuldenerleichterungen eingesetzt. Griechenlands Geldgeber aus der Euro-Zone wie vor allem die deutsche Bundesregierung hatten jedoch einen Schuldenschnitt ausgeschlossen.

Keine Debatte über Schuldenschnitt

Lagarde erklärte in dem Interview, eine Debatte über einen Schuldenschnitt sei nie eröffnet worden. „Ich denke nicht, dass es nötig ist, sie zu anzufangen, wenn die Sache gut läuft.“

Unlängst hatte auch der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, erklärt, ein Schuldenschnitt scheide als Option aus. Regling sagte zudem, er rechne mit einer IWF-Beteiligung am neuen Rettungspaket.

Rekordsommer für Italiens Badeorte

Nach mehreren Krisenjahren und dem schlechten Wetter im vergangenen Jahr können sich die italienischen Badeorte über einen Rekordsommer freuen. Die Bäder an der 8.000 Kilometer langen Küste Italiens meldeten zwischen Juni und August ein Besucherplus von 20 Prozent, wie der Verband der Betreiber italienischer Badeanstalten CNA gestern berichtete.

Die Misere des vergangenen Jahres, als das schlechte Wetter für riesige Verluste gesorgt hatte, ist vergessen. Die bei österreichischen Urlaubern beliebten Strände in Friaul-Julisch Venetien und im Veneto meldeten ein Plus von 15 Prozent. Einen Besucheransturm gab es auch in der Toskana, auf Sizilien und in Kalabrien.

Auch für September Plus erwartet

Eine Reihe positiver Faktoren, darunter die Hitzewelle der letzten Wochen, brachte mehr Touristen an die italienischen Strände. Nach den Anschlägen in Tunesien entschieden sich viele Ausländer für Italien als Destination für ihren Strandurlaub. Die ungewisse Wirtschaftslage in Italien selbst treibt außerdem die meisten Italiener an die nahe gelegenen heimischen Strände.

Die Touristikbranche rechnet mit einem weiteren Boom im September. Vor allem Sardinien, Sizilien und Apulien seien für einen Urlaub im September beliebt. In diesem Monat wird mit einem Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet.

Chronik

Mindestens vier Tote bei Brand in russischem Gefängnis

Bei einem Brand in einem russischen Untersuchungsgefängnis sind mindestens vier Häftlinge ums Leben gekommen. Acht Menschen seien verletzt worden, zwei von ihnen befänden sich in einem kritischen Zustand, sagte ein Sprecher der Strafvollzugsbehörden der Agentur Interfax zufolge gestern Abend.

Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Uljanowsk rund 700 Kilometer östlich von Moskau. Örtliche Medien berichteten von einem Aufruhr von Häftlingen und Brandstiftung als möglicher Ursache. Demnach sollen mehrere Gefangene während des Brandes geflohen sein. Die Behörden dementierten dies und leiteten Ermittlungen ein.

Swasiland: 38 Mädchen bei Unfall auf Weg zu König getötet

Bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg zu einer traditionellen Zeremonie, bei der sich der König von Swasiland eine neue Ehefrau aussuchen kann, sind 38 Mädchen ums Leben gekommen und 20 weitere schwer verletzt worden.

Wie Demokratieaktivisten gestern mitteilten, befanden sie sich auf der Ladefläche eines offenen Lastwagens, der am späten Freitag auf ein stehendes Fahrzeug auffuhr. Demnach ereignete sich der Unfall zwischen Mbabane und Manzini, den beiden größten Städten des kleinen Königreichs zwischen Südafrika und Mosamik.

Der traditionelle Schilfrohrtanz zieht in Swasiland jedes Jahr zehntausende junge Frauen an, die sich König Mswati III. barbusig präsentieren. Der polygame Monarch, der seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1982 über Swasiland herrscht, kann sich dabei eine weitere Ehefrau aussuchen.

Seine 14. Frau erwählte er im Jahr 2014. Demokratieaktivisten kritisieren das Ritual, das morgen stattfinden soll. Nach dem Unfall sprach Mswati III. den Familien der Todesopfer am Rande einer Handelsmesse in Manzini sein Beileid aus und sagte Unterstützung zu.

Religion

Zehntausende Hindus nahmen Bad in Godavari

Zehntausende gläubige Hindus haben gestern beim Kumbh-Mela-Fest ein heiliges Bad genommen. Geheiligte Männer - Sadhus genannt - tanzten und sangen, bevor sie in der Nähe der Stadt Nashik im westlichen indischen Bundesstaat Maharashtra ins Wasser tauchten.

Auch zahlreiche Pilger sprangen am ersten von drei Hauptbadetagen in den heiligen Fluss Godavari. Für das Ritual hatten die Gläubigen jeweils nur wenige Sekunden Zeit, bevor sie von Sicherheitskräften angehalten wurden, Platz für die nächsten zu machen.

Tausende Inder nehmen Bad im Fluss Godavari

Reuters/Danish Siddiqui

Drei Hauptbadetage alle drei Jahre

Das zwei Monate dauernde Kumbh-Mela-Fest findet alle drei Jahre statt und rotiert zwischen vier heiligen Stätten. Dieses Jahr ist Nashik an der Reihe. Die Eröffnungszeremonie fand am 14. Juli statt. An den drei Hauptbadetagen werden Millionen von Hindus erwartet. Nach gestern sind die beiden anderen wichtigsten Badetage der 13. und der 18. September.

Ein kurzes Bad an bestimmten Stellen des Ganges oder anderen heiligen Gewässern und bei einer bestimmten Konstellation der Gestirne erlaubt nach der hinduistischen Glaubenslehre die Reinigung von allen Sünden und die Erlösung vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt.

Tödliche Massenpanik vor zwölf Jahren

Bei religiösen Festen in Indien kommt es immer wieder zu Massenpaniken. Auch in Nashik hatte es vor zwölf Jahren eine tödliche Massenpanik gegeben, als dort zum bisher letzten Mal die Kumbh Mela stattfand. Damals starben dort 39 Menschen.

Um ähnliche Unglücke dieses Mal zu verhindern, änderten die Organisatoren die Zugangswege zum Flussufer, um steile Stellen und Gedränge zu vermeiden. In der Nähe des Flusses wurde zudem eine mobile Intensivstation für mögliche Notfälle errichtet.

Science

Forscher simulieren auf Hawaii Marsmission

Zur Vorbereitung einer Mission zu und auf fremden Planeten hat auf Hawaii ein einjähriges Experiment begonnen: Sechs junge Wissenschaftler wollen zwölf Monate in einem geschlossenen System aushalten, ohne direkten Kontakt zur Außenwelt. „Ein letzter Blick zur Erde“, twitterte eine Teilnehmerin gestern - und fotografierte die Fußmatte der Station.

Ein Jahr lang wollen die Wissenschaftler nur elektronischen Kontakt zur Außenwelt halten. (iptv.ORF.at)

Die Anlage ist hermetisch abgeriegelt, verlassen können die Forscher sie nur kurzzeitig und in Raumanzügen. Sie ist nicht allzu weit entfernt vom Berg Mauna Kea, der mit seinen Weltraumteleskopen für Astronomen zu den begehrtesten Orten der Welt gehört. Der Kontakt zur Außenwelt beschränkt sich auf Elektronik - und selbst da gibt es Grenzen.

Gruppendynamik auf dem Prüfstand

Das Projekt „Hawaii Space Exploration Analog and Simulation“ (HI-SEAS) wird von der Weltraumagentur NASA und der Universität von Hawaii betrieben. Mit dem Projekt, dem vierten und mit Abstand längsten dieser Art auf Hawaii, soll erforscht werden, ob Leben in der Isolation möglich ist.

Wichtig sind dabei nicht nur die biologischen und ökologischen Faktoren, sondern auch die sozialen: Ist Streit vorprogrammiert, übernimmt ein Einzelner die Führung, bilden sich Gruppen? Für einen langen Marsflug oder das Leben auf einer abgeschlossenen Station könnten diese Fragen ähnlich existenziell sein wie Luftversorgung und Nahrung.

Kultur

Diva und Rollenmodell: Ingrid Bergman wäre 100

Zu ihrer Zeit hat keine Schauspielerin so polarisiert wie Ingrid Bergman. Sie spielte in Filmen wie „Casablanca“ und „Stromboli“, drehte mit Regisseuren wie Alfred Hitchcock, Roberto Rosselini, Jean Renoir und Ingmar Bergman. Es waren aber nicht ihre eigenwillig und selbstbewusst interpretierten Frauenrollen, die regelrechte Hetzkampagnen auslösten, sondern die Art und Weise, wie sie ihre eigene Rolle als Frau anlegte: als karrierebewusste Diva, die Mann und Kind verließ, als Symbol der „freien Liebe“ lange vor den Hippies. Bergman wäre gestern 100 Jahre alt geworden.

Mehr dazu in „Ich wollte immer frei sein“

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