"Vorsichtig formuliert gehen wir davon aus, dass der Inhalt der Predigt Auslöser der Tat war", sagte LVT-Leiter Werner Autericky am Montag bei einer Pressekonferenz in der Polizeidirektion. Bei der Schießerei und dem anschließenden Tumult wurde etwa ein Dutzend weitere Menschen verletzt. Sechs mutmaßliche Angreifer wurden gefasst.
LVT: Kontakt, aber keine Hinweise auf Bedrohung
Autericky wies neuerlich Meldungen zurück, wonach es im Vorfeld der Predigt, zu der der Obmann des Gebetshauses die beiden späteren Opfer eingeladen hatte, Hinweise auf Bedrohungen gegeben habe - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Es habe zwei Kontaktaufnahmen seitens des Vereins gegeben, einige Tage zuvor und unmittelbar vor der Veranstaltung, sagte der LVT-Leiter. Der Obmann habe erklärt, dass es keinerlei Gefährdungspotenzial gebe.
Kurz vor dem Gebet am Sonntag sei die Polizei darauf aufmerksam gemacht worden, dass viel mehr Besucher als erwartet anwesend seien. Deshalb seien mehrere Polizeifahrzeuge zu dem Gebetshaus geschickt worden. Die Beamten trafen kurz nach der Schießerei ein und wurden Zeugen des folgenden Tumults, in dessen Rahmen Messer, Mikrofonständer und sogar eine Pfanne als Waffen eingesetzt wurden.
Bisher "ausgesprochen friedlich"
Die Frage, ob es vor der Schießerei Hinweise auf Spannungen innerhalb der Religionsgemeinschaft gegeben habe, ist laut Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) nun zwar Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Fekter wies in der ZIB2 allerdings darauf hin, dass die Sikhs bisher "ausgesprochen friedlich" in Österreich gelebt hätten und "in keinster Weise Gefahrenpotenziale bekannt waren oder gemeldet wurden".
In Österreich seien Religions- und Meinungsfreiheit verfassungsrechtlich geschützt. Und so sei es auch "nicht üblich, dass ein verstärktes Polizeiaufgebot bei Religionsausübung auftritt", betonte Fekter.
Schock sitzt tief
Im Tempel in der Pelzgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus sitzt der Schock tief: "Wir haben Angst, die ganze Familie hat Angst", berichtete Kumar Balvinder, Vizepräsident des Tempels.
Als Motiv für den Angriff vermutet der Vizepräsident, dass andere Sikhs wollten, dass auch seine niedrigere Kaste die strengeren Gesetze befolge.
Balvinder blieb auch dabei, dass man die Polizei über Befürchtungen informiert habe. Der Obmann des Gebetshauses habe sich an die Polizeiinspektion Tannengasse gewandt. Die Exekutive hat jedoch mehrfach dementiert, dass man über irgendwelche Bedrohungsszenarien informiert worden sei.
Schwierige Einvernahme
Zwei der mutmaßlichen Attentäter waren durch Kopfschüsse verletzt worden. Vorläufig sei es noch schwer, mit Gewissheit zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden, sagte Autericky. Die Einvernahmen haben seinen Angaben zufolge bisher keine entscheidenden Erkenntnisse gebracht.
Von den sechs Festgenommenen sind drei identifiziert, zwei von ihnen sind indische Asylwerber. Die Einvernahmen werden mit Hilfe von Dolmetschern geführt.
Bei den Strukturermittlungen in Bezug auf die Glaubensgemeinschaft der Sikhs in Österreich stehe man noch ganz am Anfang, sagte Autericky. Beim LVT rechnet man nun mit Unterstützungs- bzw. Solidaritätsaktionen für den verletzten Guru Sant Niranjan Dass (68), der so wie die anderen verletzten Opfer im Spital bewacht wird.
Tatwaffen sichergestellt
Parallel zu den Verfassungsschützern ermitteln auch Kriminalbeamte. Sie vernehmen Zeugen und sichern Spuren am Tatort.
Diese Arbeit werde noch einige Tage in Anspruch nehmen, sagte Wolfgang Haupt vom Landeskriminalamt. Als Tatwaffen seien mehrere Messer - keine traditionellen Dolche - und eine Pistole sichergestellt worden, deren Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei.
Die Tatortgruppen arbeiteten sich penibel durch das Gebetshaus, aus dem die Besucher in Panik geflüchtet waren. "Ähnlich wie auf einem Schlachtfeld" habe es ausgesehen, sagte WEGA-Kommandant Ernst Albrecht, der die Lage mit einer Amoksituation verglich.
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