Die Kongressabgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota legte als eine der erbittertsten Gegnerinnen der Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama einen beachtlichen Aufstieg hin. Schon jetzt gilt sie als neue Hoffnung der Republikaner.
Mobilmachung gegen Obamas Politik
In Szene gesetzt hat sich Bachmann bei "Tea Partys" der Konservativen: Demonstrationen in Anlehnung an die "Boston Tea Party" von 1773 gegen die Gesundheitsreform, Konjunkturpakete und Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Obama habe sozialistische Ideen, meint Bachmann und schloss sich Palins Formulierung an, die angesichts der "bösen" Pläne für die Gesundheitsreform von einem "Todesgremium" sprach. Nach einigen lokalen Demonstrationen fand schließlich Anfang November vor dem Kongress eine von Bachmann organisierte Kundgebung gegen die Reform statt.
"Wir wollen Michele"
Nicht die viel prominenteren Abgeordneten John Boehner und Eric Cantor wollten die Teilnehmer dort hören: "Wir wollen Michele", skandierten sie. Am Rande der Demonstration kam es zu Handgreiflichkeiten mit zwölf Verhaftungen. Bachmann musste sich danach für ein Schild eines Teilnehmers entschuldigen, der mit dem Slogan "Nationalsozialistisches Gesundheitswesen" und einem Bild aus dem KZ Dachau gegen die Reform auftrat.
Schon vor der Kundgebung war Bachmann das Liebkind der konservativen Medien, allen voran des Fernsehsenders Fox mit den beiden Starmoderatoren Sean Hannity und Glenn Beck, die vehemente Attacken gegen Obama reiten. Bachmann tingelt nun von einem Interview zum nächsten.
Neues Gesicht für Republikaner
Ähnlich wie Palin gibt Bachmann den US-Konservativen ein völlig neues Gesicht: Frauen aus der Mittelschicht, die noch dazu sich und ihre Großfamilien durch harte Zeiten bringen. Wie Palin hat Bachmann fünf Kinder, sie versorgte weiters nicht weniger als 23 Pflegekinder.
Auch auf anderen Ebenen ist die "weibliche Seite" der US-Konservativen spürbar im Aufwind, dazu gehören etwa die Fox-Moderatorin Michelle Malkin und die Publizistin Ann Coulter, die beide gegen "Liberale" wettern. In das Bild passt der mediale Wirbel um die gefallene Ex-Schönheitskönigin Carrie Prejean, die gegen die Homosexuellenehe eintritt und glühende Verehrerin von Palin und Bachmann ist.
"Bewaffnet gegen Klimapolitik"
Kritiker sprechen von einer durchaus gefährlichen Entwicklung. Radikale Politik werde von nett lächelnden, hübschen Frauen unter das Volk gebracht. Palin charakterisierte sich selbst als "Pitbull mit Lippenstift".
Im März sagte Bachmann, gegen eine Energiesteuer sollten die Bürger kämpfen, und dafür müsste man gefährlich und bewaffnet sein. Erst auf Nachfrage meinte sie, das sei metaphorisch gemeint gewesen, man müsse mit Wissen bewaffnet sein. Und wie viele andere Ultrakonservative berief sie sich auf die Aussage von US-Gründervater Thomas Jefferson, es sei eine gute Sache, hin und wieder eine Revolution zu haben.
"CO2 harmlos"
Dabei war Bachmann früher - ähnlich wie Palin - eher mit obskuren Aussagen aufgefallen: CO2 sei nicht gefährlich, meinte sie etwa. Das Gas sei natürlich und daher harmlos. Ihre Initiative zur Wahlfreiheit bei Glühbirnen gegen deren Abschaffung brachte ihr in den USA eher Kopfschütteln ein.
2008 forderte sie eine Untersuchung gegen anti-amerikanische Aktivitäten im Kongress und wollte dabei Obama durchleuchtet wissen. Den Präsidenten verdächtigte sie, Jugendliche indoktrinieren und gar in Umerziehungslager stecken zu wollen, indem er AmeriCorps, ein freiwilliges Programm ähnlich dem Zivildienst, ausbaut.
US-Gesellschaft gespalten
Shaun Bowler, Politikwissenschaftler von der University of California in Riverside, sieht die US-Gesellschaft bei der Wirkung, die Bachmann sowie Palin erzielen, tief gespalten. Liberale Bürger würden sich über die sonderbaren Kommentare, die dann in den Late-Night-Talkshows durch den Kakao gezogen werden, amüsieren.
Die Anhänger würden das freilich anders sehen: Bachmann und Palin sind bei ihnen die Opfer der "liberalen" Medien. Die Politikerinnen würden attackiert, weil sie eben die Wahrheit sagen, so das Gedankenbild der Konservativen, sagt Bowler gegenüber dem britischen "Guardian".
Wie geht es weiter?
Wie erfolgreich Bachmann noch werden wird, bleibt abzuwarten. Schon jetzt rätseln aber einzelne Kommentatoren, ob sie vielleicht ins nächste Rennen um das Weiße Haus einsteigt. "Wenn ich fühle, dass es das ist, wofür Gott mich vorgesehen hat, würde ich es tun", sagte sie selbst dazu.
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