„Brexit“-Votum

Chef der „Brexit“-Kampagne will mit EU verhandeln

Großbritannien sollte nach Ansicht des Chefs der „Brexit“-Kampagne vor einem offiziellen Austrittsschreiben an die EU informelle Verhandlungen über die künftigen Beziehungen führen. Dazu gehörten die britischen Beiträge ebenso wie der Zugang zum Binnenmarkt, Auslieferungsabkommen und der EU-Pass für Finanzinstitute, sagte Matthew Elliott heute in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Dieser ermöglicht britischen Finanzinstituten den ungehinderten Zugang zu den EU-Kapitalmärkten. Er sehe keinen Grund, warum nicht eine Lösung gefunden werden könnte, den EU-Pass fortzuführen. Elliott betonte zugleich, dass der Austritt aus der EU eine Entscheidung des britischen Volkes gewesen sei, die auf jeden Fall umgesetzt werde.

„Staub über Sommer legen“

„Am besten ist es, wenn sich der Staub den Sommer über legen kann und während dieser Zeit informelle Verhandlungen mit anderen Ländern stattfinden. Wir glauben nicht, dass es die Notwendigkeit gibt, sich schnell auf Artikel 50 zu berufen.“ Artikel 50 des Lissaboner Vertrags regelt den Austritt eines Mitgliedslandes.

Nach der historischen Entscheidung drängen die EU-Mitgliedstaaten auf ein schnelles Ausscheiden Großbritanniens. Sie sehen sich unter Zeitdruck für eine Neuordnung, da in mehreren Ländern nach dem „Brexit“-Votum Befürworter eines EU-Austritts Aufwind erhalten.

Gleichwohl gibt es unterschiedliche Signale. Während EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Großbritannien aufforderte, umgehend die Verhandlungen über den Austritt aufzunehmen, äußerte sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zurückhaltender.

Macron für Referendum über neues Europaprojekt

Nach dem „Brexit“-Votum der Briten hat Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron den Entwurf eines neuen „Europaprojekts“ und die Abstimmung darüber in einem Referendum vorgeschlagen. Die Wähler in der Europäischen Union müssten stärker einbezogen und nach ihrer Meinung befragt werden, sagte Macron heute.

„Wir würden zuerst dieses neue Projekt zusammen mit den europäischen Völkern erstellen und dann diesen neuen Fahrplan, dieses neue Projekt, zum Volksentscheid vorlegen“, sagte der sozialistische Politiker.

Britischer EU-Kommissar Hill tritt zurück

Der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill tritt zurück. Diesen Schritt gab er heute bekannt als Folge des „Brexit“-Votums: „Ich glaube nicht, dass es richtig ist, dass ich weiterhin britischer Kommissar bin, als ob nichts geschehen wäre.“ Der bisher für Finanzmärkte und Finanzdienstleistungen zuständige Kommissar zeigte sich enttäuscht über den Ausgang des Referendums. Er habe daher EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seinen Rücktritt angeboten.

Seine Agenden übernimmt vorerst der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis. Nach den Regeln des EU-Vertrags muss London nun einen neuen Vertreter für das Brüsseler Spitzengremium benennen. Juncker stellte klar, dass er bereit sei, ein neues britisches Mitglied in der Kommission aufzunehmen.

Umstrittener Labour-Chef Corbyn bleibt im Amt

Der nach dem „Brexit“-Referendum der Briten unter Druck geratene Labour-Chef Jeremy Corbyn will als Oppositionsführer weitermachen. „Ja, ich bin hier“, sagte er heute in London. Für die Labour-Partei gehe es jetzt darum, die Errungenschaften der Vergangenheit nicht verloren zu geben.

„Wir können den Konservativen nicht erlauben, das einfach zu überrennen, was wir hart erkämpft haben“, sagte Corbyn. Bei Umweltschutz, Menschenrechten und Arbeitnehmerschutz dürften keine Abstriche hingenommen werden, wenn europäische Richtlinien nicht mehr gelten.

Gegen Nothaushalt wegen „Brexit“

Den von Finanzminister George Osborne ins Spiel gebrachten Nothaushalt zur finanziellen Abfederung der „Brexit“-Folgen wolle er nicht zulassen. Der „Brexit“ dürfe nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden.

Corbyn war unter Druck geraten, weil beim „Brexit“-Referendum auch viele Wähler in Labour-Hochburgen für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU gestimmt hatten. Zuvor hatte Labour bereits in Schottland erhebliche Einbußen hinnehmen müssen.

Kritiker in den eigenen Reihen werfen dem Parteichef vor, sich im Wahlkampf nicht nachdrücklich genug für einen Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt zu haben. Bei Labour rumort es, auch vor dem Hintergrund einer möglichen Neuwahl des Parlamentes im Herbst.

Warnungen vor „Brexit“-Sogwirkungen

In Griechenland kommt die Befürchtung auf, das Nein der Briten zur EU könnte die Diskussion über einen „Grexit“ neu entfachen. Auslöser der Debatte über einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone in den Medien des Landes heute waren Äußerungen eines griechischen Ministers in der englischen Zeitung „The Guardian“ (Freitag-Ausgabe).

Der Politiker, der anonym bleiben wollte, soll dem Bericht zufolge gesagt haben, die Wahrscheinlichkeit eines „Grexits“ sei nun höher. Griechenlands Vizeaußenminister Dimitris Mardas wiegelte umgehend ab. „Es gibt nicht den kleinsten Zusammenhang zwischen ,Brexit’ und ,Grexit’“, sagte er heute im Fernsehsender Skai.

Italiens Außenminister warnt vor Dominoeffekt

Italiens Außenminister Paolo Gentiloni drängt zu einer Erneuerung der EU gegen einen Dominoeffekt nach dem „Brexit“-Referendum in Großbritannien. „Nach dem Referendum müssen wir an die Zukunft denken und uns eine neue EU-Architektur vorstellen“, so Gentiloni im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Messaggero“.

Laut dem Minister darf man die „Ansteckungsgefahr“, also die Möglichkeit, dass weitere EU-Länder Großbritanniens Beispiel folgen könnten, nicht unterschätzen. „Diese Gefahr ist so konkret, dass wir ein starkes Signal für den Neustart des EU-Projekts geben müssen“, so Gentiloni.

Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi warnte vor der Gefahr, dass der Stabilitätspakt in die Brüche gehen könnte. Große Hoffnungen setzte er auf die morgen in Berlin geplanten Gespräche über die Konsequenzen aus der britischen Entscheidung zum Ausstieg aus der Europäischen Union. „Ich vertraue darauf, dass in Berlin das neue Europa entstehen kann. Ansonsten geht Europa zu Ende“, so Prodi im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“.

Slowakische Partei kündigt Bürgerbegehren für EU-Austritt an

Die rechtsgerichtete slowakische Volkspartei kündigte indes ein Bürgerbegehren für ein Referendum zum EU-Verbleib an. „Die Bürger von Großbritannien haben sich entschieden, das Diktat aus Brüssel zurückzuweisen. Es ist höchste Zeit, dass die Slowakei die sinkende europäische ‚Titanic‘ ebenso verlässt“, hieß es auf der Website der Partei. Nach slowakischem Recht kann eine Volksabstimmung durchgesetzt werden, wenn das 350.000 Wahlberechtigte in dem Land mit 5,4 Millionen Einwohnern fordern.

EU-Mandatar: GB-EU-Ratspräsidentschaft 2017 unmöglich

Nach dem „Brexit“-Votum der Briten hält der deutsche Europaabgeordnete Jo Leinen (SPD) es für ausgeschlossen, dass Großbritannien noch die EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr übernimmt. „Es ist sonnenklar, dass Großbritannien nicht die Präsidentschaft der EU im zweiten Halbjahr 2017 übernehmen kann“, sagte Leinen heute dem Fernsehsender Phoenix. Auch im Parlament und auf Arbeitsebene werde es Konsequenzen geben.

„Ich kann mir auch vorstellen, dass verantwortliche britische Personen nicht mehr Dossiers betreuen, die Großbritannien gar nicht mehr betreffen“, sagte der SPD-Politiker.

Konsequenzen für Bankenaufsicht EBA?

Die europäische Bankenaufsicht EBA muss nach dem Willen konservativer Europaparlamentarier als Konsequenz aus der „Brexit“-Entscheidung ihren Sitz aus London verlegen. „London geht raus aus der EU. Da ist es logisch, dass Großbritannien künftig keine EU-Agenturen und Dienststellen der EU mehr beherbergen kann“, sagte der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber. „Beispielsweise die EBA muss dann wegverlagert werden von London.“

Die Modalitäten seien Teil der Austrittsverhandlungen, die nun mit Großbritannien geführt werden müssten. Auch der Chef der Behörde, der Italiener Andrea Enria, hatte vor dem Referendum angekündigt, dass die EBA London nach einem Votum für den EU-Austritt verlassen werde. Die EBA ist für die Aufsicht der Banken in allen 28 EU-Staaten zuständig.

Inland

NEOS-Parteitag: Einstimmen auf kommende Wahlen

Zeitgleich mit der SPÖ hat heute auch NEOS seinen Parteitag abgehalten. Obmann und Gründer Matthias Strolz schwor seine Anhänger dabei auf künftige Wahlen ein und versuchte, seine Partei wieder verstärkt als Bürgerbewegung zu positionieren. Als Gastrednerin im Europahaus Wien trat die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss auf, die ein Plädoyer für eine neue Politik hielt.

„Damit gewinnen wir keinen Blumentopf“

„Ich will Wahlen gewinnen“, lautete die Kernbotschaft von Strolz, der neuerlich den Geist der von ihm gestarteten pinken „Bürgerbewegung“ beschwor. Im „Batman“-Shirt hatte sich der Parteichef auf die Bühne geschwungen, um vor etwas mehr als 200 Mitgliedern eine Motivationsrede zu halten.

„Das Warum, das ist so aufrecht wie vor vier Jahren, das hat sich nicht geändert“, sagte Strolz und versuchte dabei, den Geist der Gründertage von NEOS wiederzubeleben. Dass man im Parlament gute Arbeit leiste, sei zwar unbestritten. „Wir wissen aber auch, damit gewinnen wir keinen Blumentopf“, so Strolz.

Attacken auf Koalition

Auch am Willen zur Zusammenarbeit mit den anderen Parteien hielt Strolz weiterhin fest, auch wenn sich der NEOS-Chef bereits ein wenig angriffiger als in Gründertagen gab. So habe der neue Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zwar gut begonnen, „aber ich weiß, ein Gockel allein macht noch keinen Bauernhof“.

Auch der Koalition selbst sprach er weiterhin die Überlebenschancen ab: „Also, das Einzige, was geht, in dieser Regierung sind die Minister.“ Und bei ein paar Parteien tut sich Strolz laut eigener Aussage generell schwer, Lob zu finden.

Griss: Es wird gegen jemanden gestimmt

In philosophischerem Ton hatte sich zuvor Griss an die NEOS-Mitglieder gewandt. Sie zitierte aus einer fiktiven Parlamentsrede des Schweizer Schriftstellers Peter Bieri, die den Umgang miteinander thematisiert. „Politik wird in Österreich vorwiegend als Parteipolitik wahrgenommen“, knüpfte sie anschließend an heimische Verhältnisse an. Es gehe weniger darum, wirklich gemeinsam Vorhaben durchzusetzen. Griss: „Wahlen sind immer stärker Protestwahlen. Es wird nicht für jemanden gestimmt, sondern gegen jemanden. Man will einfach ein Zeichen setzen.“

Die ehemalige Höchstrichterin, die im Präsidentschaftswahlkampf auch von Mitgliedern der NEOS unterstützt worden war, wandte sich auch erneut gegen jede Form des Populismus. „Angst macht empfänglich für Botschaften, die verlockend klingen - auch wenn sie keine Lösungen bieten“, meinte sie.

„Von Fesseln alter Parteien befreien“

Verabschiedet wurde bei der Bundesmitgliederversammlung auch ein mit Emoticons gespickter Leitantrag, der ein Update Marke NEOS darstellte. „Was wir wollen - unsere Vision für Österreich“ wird in der kurzen Präambel zusammengefasst. Die Selbstdefinition der NEOS lautet entsprechend: „Wir sind eine in der Mitte der Gesellschaft verwurzelte BürgerInnenbewegung. Uns verbindet das Ziel, unser Land von den Fesseln der alten Parteien und ihrer Strukturen zu befreien.“

Ausland

Indische Polizisten von Kaschmir-Rebellen getötet

Bei einem Überfall mutmaßlicher Separatisten auf eine Polizeieinheit im indischen Teil Kaschmirs sind heute acht Sicherheitskräfte und zwei Angreifer getötet worden. Die Kämpfer hätten einen Bus der paramilitärischen Polizeieinheit CRPF unter Feuer genommen, teilte ein indischer Offizier mit. 21 Polizisten wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

In den vergangenen Tagen hatte die Gewalt in der Region wieder zugenommen. Seit Mittwoch wurden mindestens zehn Separatisten bei Feuergefechten getötet.

Indien wirft dem Nachbarn Pakistan vor, die Aufständischen zu unterstützen und sie ungehindert die Grenze überqueren zu lassen. Pakistan weist das zurück. Zwischen beiden Atommächten hat es in der Vergangenheit zwei Kriege um die Himalaya-Region gegeben, die beide Länder für sich beanspruchen. Militante Gruppen kämpfen für eine Unabhängigkeit Kaschmirs.

Aktivisten: Dutzende Tote bei Luftangriffen in Syrien

Bei russischen und syrischen Luftangriffen im Osten Syriens hat es nach Angaben von Aktivisten heute mindestens 31 Tote gegeben. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mitteilte, wurden Dutzende Menschen verletzt.

Die Angriffe galten der von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Stadt al-Kurijah in der ölreichen Provinz Deir Essor. Die Beobachtungsstelle steht den bewaffneten Gegnern des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad nahe.

Islamisten greifen Hotel in Mogadischu an

Die radikalislamische al-Schabaab-Miliz hat in Somalias Hauptstadt Mogadischu einen Selbstmordanschlag auf ein Hotel verübt. „Danach haben sie das Gebäude in der Innenstadt gestürmt“, sagte ein Polizeisprecher heute.

Gewehrfeuer sei zu hören gewesen. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Die al-Schabaab-Miliz hat bereits mehrere Hotels in Mogadischu angegriffen. Sie will die westlich orientierte Regierung stürzen.

Zwei Terrorverdächtige in Belgien festgenommen

In Belgien sind erneut zwei Männer unter Terrorverdacht festgenommen worden. Die Polizei habe die beiden Männer bei Razzien in der Stadt Verviers nahe der deutschen und in Tournai nahe der französischen Grenze festgenommen, teilte ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft heute mit. Es sei „zu früh, um über einen Terroranschlag zu sprechen“. Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass eine Extremistengruppe einen Angriff auf Fans der Fußball-EM in Frankreich plante.

Wegen einer „unmittelbaren Bedrohung“ hatte es am vergangenen Wochenende einen landesweiten Anti-Terror-Einsatz gegeben. Dabei wurden drei Männer wegen „versuchten terroristischen Mordes“ in Haft genommen. Einem Medienbericht zufolge hatte es einen Hinweis gegeben, dass während des EM-Spiels Belgien - Irland am vergangenen Samstag Anschläge verübt werden sollten. Die Attentäter wollten womöglich Fanzonen in Belgien attackieren.

Kongos Präsident Kabila verspricht noch heuer Wahl

Kongos Staatschef Joseph Kabila hat eine planmäßige Präsidentenwahl noch in diesem Jahr versprochen. Die Vorbereitungen für die Abstimmung im November würden im Juli beginnen, sagte Kabila örtlichen Medienberichten von heute zufolge. Zuvor hatten führende Mitglieder seiner Partei eine Verschiebung der Wahl ins Spiel gebracht, um Kabila eine Verlängerung seiner Amtszeit zu ermöglichen.

Der Präsident darf sich laut Verfassung nicht um ein drittes Mandat bewerben. Kabila hat bisher Gerüchte, wonach er wieder kandidieren will, nicht zurückgewiesen. Der führende Oppositionskandidat Moise Katumbi wurde kürzlich wegen eines Immobiliengeschäfts zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Prozess wurde weithin als politisch eingestuft.

Die internationale Gemeinschaft hat Kabila wiederholt aufgefordert, noch in diesem Jahr wählen zu lassen. In den vergangenen Wochen ist es immer wieder zu heftigen Protesten gekommen. Die USA erließen am Donnerstag erstmals Sanktionen gegen einen Weggefährten Kabilas.

Fischer in Südtirol: Brenner-Frage „entschärft“

Bundespräsident Heinz Fischer und der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher haben sich erfreut über die „Entschärfung“ im Konflikt um die Brenner-Grenze gezeigt. „Es zeigt sich hier, dass europäische Kooperation die beste Form ist, gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen“, sagte Kompatscher heute in Bozen. „Wir haben wieder festeren Boden unter den Füßen“, sagte Fischer.

Die Lage am Brenner stelle sich „zurzeit sehr ruhig und positiv dar“, so Kompatscher bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Fischer im Bozner Landhaus. „Dass sich das Brenner-Grenzproblem entschärft hat, nehme ich mit großer Freude zur Kenntnis“, sagte Fischer. „Es wäre wirklich etwas sehr, sehr Unangenehmes gewesen, wenn es zu einer De-facto-Dichtmachung des Brenners gekommen wäre.“

„Entscheidungen manchmal in letzter Minute“

Die österreichischen Pläne zur Abwehr von Flüchtlingen am Brenner hatten zu einer Belastung der Beziehungen mit Italien geführt. Südtirol befürchtete, zum Auffanglager für abgewiesene Flüchtlinge zu werden. Fischer war bemüht, dem Konflikt die Schärfe zu nehmen, etwa bei einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella im Mai.

In Bozen ließ Fischer durchblicken, dass die Lage dramatischer war, als es den Anschein hatte. „Die Situation war nicht einfach, und die Entscheidungen, die da getroffen worden sind, sind manchmal erst in letzter Minute getroffen worden.“ Er selbst hätte sich eine Abriegelung des Brenners „nicht vorstellen können“, sagte der scheidende Bundespräsident.

Wirtschaft

Moskau und Peking wollen mehr kooperieren

Russland und China wollen mit einer ganze Reihe gemeinsamer Projekte ihr Bündnis vertiefen. Anlässlich eines Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Peking unterzeichneten beide Staaten heute mehr als 30 Abkommen in Bereichen wie Infrastruktur, Handel, Technologie und Innovation. Das berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Zuvor war Putin mit seinem Amtskollegen Xi Jinping und Regierungschef Li Keqiang zusammengekommen. Putin lobte die Beziehungen zum Nachbarn als eine „allumfassende und strategische Partnerschaft“. Xi sagte, dass beide Länder die Idee förderten, „Freunde für immer zu sein“.

Sport

Fußball-EM: Was von der Vorrunde hängen bleibt

Die Gruppenphase der Europameisterschaft 2016 ist Geschichte. Die bisherigen 36 Spiele der ersten Endrunde mit 24 Teams zeigte eines: Mehr Spiele bedeutet nicht mehr Tore. Denn der Torschnitt ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Fielen Tore, dann meistens sehr spät. Während ein klarer Titelfavorit bisher noch nicht zu erkennen ist, zeigten die Debütanten durchwegs auf.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Auf heißen Kohlen gehen: Verletzte bei Seminar

Dutzende Menschen in den USA haben sich verletzt, als sie bei einem Seminar des Motivationstrainers Tony Robbins über heiße Kohlen gingen.

Mindestens 30 Teilnehmer hätten leichte Verbrennungen erlitten und fünf seien ins Krankenhaus gebracht worden, berichteten unter anderem der Sender CNN und die „Washington Post“ heute unter Berufung auf einen Feuerwehrsprecher in der texanischen Stadt Dallas.

Robbins hat ein Konzept zur Persönlichkeitsentwicklung entworfen und hält dazu Seminare unter dem Motto „Setze deine Kraft frei“ ab. Er hat auch mehrere Bücher geschrieben. Seiner Website zufolge hat der Gang auf Kohlen („fire walk“ ) das Ziel, den Menschen zu helfen, ihre Ängste zu besiegen.

„Heiße Stellen nicht unüblich“

Den Berichten zufolge nahmen an der Veranstaltung am Donnerstag (Ortszeit) 7.000 Menschen teil. Es sei stets das Ziel, dass sich kein Gast nach dem „fire walk“ unwohl fühle, wurde Jennifer Connelly, eine Sprecherin von Robbins, zitiert. „Aber es ist nicht unüblich, dass weniger als ein Prozent der Teilnehmer ‚heiße Stellen‘ bekommen, die einem Sonnenbrand ähneln und mit Aloe behandelt werden können.“

Religion

Kultur

Bayerische Museen verkauften bis in 1990er NS-Raubkunst

Bayerische Museen haben laut einem Zeitungsbericht bis in die 1990er Jahre NS-Raubkunst zugunsten der öffentlichen Kassen verkauft. Unter den veräußerten Kunstwerken hätten sich auch Werke befunden, die jüdischen Sammlern geraubt oder abgepresst wurden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“, Wochenendausgabe) unter Berufung auf Recherchen der Londoner Commission for Looted Art in Europe (CLAE).

Laut Bericht waren die Kunstwerke nach Kriegsende von der US-Armee konfisziert und den deutschen Behörden treuhänderisch übergeben worden. Doch statt die Bilder ihren früheren jüdischen Eigentümern zurückzugeben, hätten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Bilder teilweise wieder an die Familien früherer NS-Größen verkauft, berichtete die Zeitung.

So habe 1963 Henriette Hoffmann, Tochter von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hoffmann und geschiedene Ehefrau des Wiener Reichsstatthalters Baldur von Schirach, ein Bild erworben, das einer jüdischen Familie in Wien gehörte. Später verkaufte sie dieses gewinnbringend weiter. Heute hängt das Bild laut „SZ“ im Dombauverein in Xanten, der das Bild weiterhin nicht restituiert hat.

Lifestyle

Panorama

Sweepee Rambo zum hässlichsten Hund der Welt gekürt

Die blinden Augen starren seitwärts ins Nichts, aus der teerfarbenen Haut stehen dornige weiße Haare ab, die Zunge hängt zur Seite raus: Schön anzusehen ist Sweepee Rambo wirklich nicht. Doch gerade das zeichnet die Mischung aus einem chinesischen Schopfhund und einem Chihuahua aus. Nun hat der 17 Jahre alte Sweepee Rambo den Titel als „hässlichster Hund der Welt“ abgeräumt.

Hässlichster Hund der Welt 2016, Sweepee Rambo

APA/AFP/Getty Images/Justin Sullivan

Rastahaare, ohne Zähne, mit irrem Blick

Wie jedes Jahr sind es äußerst zwielichtig aussehende Vierbeiner, die im skurrilen Hässlichkeitswettbewerb im kalifornischen Petaluma gegeneinander antreten. Scamp mit den krausen Rastahaaren etwa oder Rascal Deux, ein nacktes, teils zahnloses Vieh mit schiefem Gesicht und ziemlich irrem Blick. Oder Zsa-Zsa, eine Englische Bulldogge mit zu hoch gewachsenem Kiefer, stark abstehenden Zähnen und schlaffer, seitlich hängender Zunge.

Besonderen Wirbel macht dieses Jahr Himisaboo, dessen karge Haarpracht so manchen Betrachter an die Föhnfrisur des US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump erinnert: Die schräge Mischung aus Dackel und Mexikanischem Nackthund hat kaum Haare am wurstigen Körper, dafür aber eine wehende blonde Mähne auf dem Kopf.

Nachfolger von Quasi Modo

Persönlichkeit, Auftritt und die Reaktion des Publikums sind in der seit 28 Jahren ausgetragenen Veranstaltung auf einem Jahrmarkt entscheidend. Die Tiere dürfen für den Wettbewerb äußerlich in keiner Weise verändert werden. Wurtz und sein hässlicher Hund können sich nun über ein Preisgeld von 1.500 Dollar (1.350 Euro) und eine große Trophäe freuen.

Sweepee Rambo tritt in die Fußstapfen von Quasi Modo: Der Pitbull-Schäferhund-Mix hatte vergangenes Jahr den „Ugliest Dog Contest“ gewonnen und erinnerte mit seinem verformten Rücken eher an eine Hyäne.