Inland

Vassilakou rechnet mit mehr Flüchtlingen

Die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) rechnet mit mehr Flüchtlingen, die nach Österreich kommen. Der Türkei-Deal funktioniere „kaum“, und die Zäune auf dem Balkan hielten die Flüchtlinge nicht auf, sagte Vassilakou der Tageszeitung „Die Presse“ (Dienstag-Ausgabe). „Man sollte sich darauf vorbereiten, jene zu betreuen, die in den nächsten Monaten an unseren Grenzen stehen werden.“

„Weder nimmt die Türkei die Leute wieder auf, wie ursprünglich vereinbart, noch schaffen es die Zäune auf dem Balkan, jemanden aufzuhalten. Sie schaffen nur menschenunwürdige Zustände“, beklagte Vassilakou.

„Zugang zu Arbeitsmarkt erleichtern“

Während „nahezu täglich“ Menschen im Mittelmeer ertränken, blieben die meisten in Griechenland gestrandeten Flüchtlinge dort, statt von der Türkei zurückgenommen zu werden. „Mit dem Ergebnis, dass man dort völlig unzumutbare Zustände und steigende Aggression, von beiden Seiten, hat“, sagte die gebürtige Griechin. Es könne nicht sein, dass man eine Politik nach dem Prinzip „Den Letzten beißen die Hunde“ betreibe.

Im Interview mit dem „Standard“ (Dienstag-Ausgabe) wirft Vassilakou dem ÖVP-geführten Innenministerium Säumigkeit bei Zahlungen für die Flüchtlingshilfe vor. „Es geht nicht, den Notstand herbeizurufen und eigene Aufgaben nicht zu erfüllen.“ Mit mehr Mitteln könnte man die Betreuung verstärken. Es müsse aber auch der Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erleichtert werden.

Hofburg-Wahl: Sechs unter 16-Jährige wählten in NÖ

Acht Tage nach der Bundespräsidentenstichwahl ist eine weitere Panne bekanntgeworden. In Miesenbach in Niederösterreich dürften einige Jugendliche gewählt haben, die das gesetzliche Wahlalter von 16 Jahren noch nicht erreicht hatten. Das berichteten gestern das Ö1-Abendjournal sowie die „Kleine Zeitung“ vorab aus ihrer Dienstag-Ausgabe.

Der Wahlleiter im Innenministerium, Robert Stein, bestätigte den Fall auf APA-Anfrage. Demnach sei in der Gemeinde Miesenbach die Wählerevidenz mit dem Wählerverzeichnis verwechselt worden. Dadurch seien 14 noch nicht 16-jährige Jugendliche als wahlberechtigt geführt worden, von denen sechs an der Wahl teilgenommen hätten, so Stein. Seinen Angaben zufolge waren fünf „knapp 16“ und einer „knapp 15“, also 15- bzw. 14-jährig.

Strafanzeige angekündigt

Stein kündigte gegenüber der APA eine Strafanzeige an. Fraglich sei, ob sich auch die jugendlichen Wähler strafbar gemacht haben, denn strafmündig seien sei ja bereits, sagte Stein.

Auf den Ausgang der Wahl hatten diese sechs Stimmen von zu jungen Wählern freilich keinen Einfluss. Laut dem vorläufigen Endergebnis inklusive Briefwahlstimmen beträgt der Abstand zwischen Wahlsieger Alexander Van der Bellen (Grüne) und Wahlverlierer Norbert Hofer (FPÖ) 31.026 Stimmen. In Miesenbach gab es 380 gültige Stimmen, davon 258 für Hofer und 122 für Van der Bellen - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Innenministerium glaubt nicht an Wiederholung

Das Innenministerium geht trotz einiger Probleme bei der Briefwahlauszählung derzeit dennoch nicht davon aus, dass es zu einer Wiederholung der Bundespräsidentenstichwahl kommt. Seines Wissens stehe das nicht im Raum, sagte Ressortchef Wolfgang Sobotka (ÖVP) gestern bei einer Pressekonferenz. Letztlich müssten aber die Gerichte entscheiden, ob das Ergebnis beeinflusst worden sei.

Bisher hat das Innenministerium in fünf Fällen Anzeige erstattet, weil die Wahlkarten zu früh ausgezählt worden sein dürften. Es handelt sich dabei um vier Kärntner und einen steirischen Wahlbezirk. Laut Stein geht es um 16.000 bis 17.000 Stimmen.

Ungültige Stimmzettel zerrissen

Der Abstand zwischen Van der Bellen und Hofer betrug aber rund 31.000 Stimmen. So verwies Stein dann auch darauf, dass für eine erfolgreiche Wahlanfechtung nicht nur die Rechtswidrigkeit, sondern auch der entscheidende Einfluss auf das Ergebnis von Bedeutung sei. Derzeit sehe es nicht so aus, als wäre der gegeben.

Das wird wohl auch nicht dadurch geändert, dass sich das Ministerium eine weitere Anzeige vorbehält, nämlich in der oberösterreichischen Gemeinde Helfenberg, wo drei quasi überzählige ungültige Stimmzettel einfach zerrissen wurden - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Anders ist das in den Kärntner Gemeinden und im Bezirk Südoststeiermark. Sobotka zeigte sich über das Vorgehen der örtlichen Behörden sehr verärgert. Gesetzeswidrig zu handeln und das auch noch zu dokumentieren zeige eine gehörige Portion Unverfrorenheit.

IV-Präsident: Sozialpartnerschaft „hat sich überlebt“

Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Kapsch, springt auf die Sozialpartner-Kritik von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) auf. „In der Form, wie sie derzeit gelebt wird, hat sie sich überlebt. Sie hat zur Verkrustung der Strukturen im Land massiv beigetragen“, sagte der Interessenvertreter im „Kurier“ (Dienstag-Ausgabe).

„In so manchem dringend reformbedürftigen Bereich wie Pensionen, Arbeitsrecht, Gesundheit und Sozialversicherung gab und gibt es bis heute auch keine übereinstimmende Position“, so Kapsch. Es gebe Situationen, in denen man sich „über Partikularinteressen einzelner Interessensvertretungen hinwegsetzen können muss“, sagte Kapsch in Richtung Regierung.

Mitterlehner hatte die Sozialpartner am Wochenende zur „Umorientierung“ aufgerufen. Die IV gehört im Gegensatz zu Arbeiterkammer, ÖGB, Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer nicht zu den vier Sozialpartnern.

Ausland

Vier Terrorverdächtige in Antwerpen festgenommen

Die belgische Polizei hat im Rahmen von acht Hausdurchsuchungen in Antwerpen vier Terrorverdächtige festgenommen, berichtete heute die Zeitung „DH“. Gegen alle vier wurde ein Strafverfahren wegen Beteiligung an Aktivitäten einer terroristischen Gruppe eingeleitet.

Laut Angaben der Staatsanwaltschaft hätten einige von ihnen sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ anschließen oder andere dafür rekrutieren wollen. Einer der Männer wurde in Untersuchungshaft genommen, ein zweiter erhielt eine elektronische Fußfessel und die beiden anderen wurden unter Auflagen freigelassen.

Keine Verbindung zu Anschlägen vom März

Nach den ersten vorläufigen Ergebnissen der Untersuchung, bei der keine Waffen gefunden wurden, schien sich zu bestätigen, dass es Attentatsziele in Belgien gegeben haben könnte. Allerdings gebe es bisher keine Verbindung zu den jüngsten Terroranschlägen vom 22. März des Jahres auf den Flughafen Zaventem in Brüssel und die Metrostation Maelbeek. Aus Sicherheitsgründen machte die Staatsanwaltschaft laut „DH“ keine weiteren Angaben.

Hollande will sich Protesten gegen Reform nicht beugen

Der französische Präsident Francois Hollande will sich den Massenprotesten gegen seine geplante Arbeitsmarktreform nicht beugen. „Das Gesetz wird nicht zurückgezogen“, sagte der sozialistische Politiker in einem gestern am späten Abend veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Sud Ouest“.

Auch an dem besonders umstrittenen Vorhaben, Arbeitgebern eine größere Freiheit beim Aushandeln von Arbeitszeiten und Löhnen zu geben, werde nicht gerüttelt, sagte Hollande weiter. Der entsprechende Passus im Gesetz werde im Kern beibehalten, bekräftigte der Präsident.

Gegen die Reform, die Hollandes sozialistische Regierung in erster Lesung ohne Abstimmung durch das Parlament gebracht hatte, demonstrieren seit Wochen Hunderttausende in Frankreich. Zeitweise gab es Engpässe bei der Versorgung beispielsweise mit Benzin. Vielerorts lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Das Gesetzesvorhaben muss als nächstes den Senat passieren und anschließend von der Nationalversammlung verabschiedet werden.

Brasiliens Übergangsregierung verlor weiteren Minister

Die brasilianische Übergangsregierung hat binnen einer Woche den zweiten Minister wegen der Petrobras-Korruptionsaffäre verloren. Der Minister für Transparenz, Fabiano Silveira, trat gestern nach der Veröffentlichung eines Telefonmitschnitts zurück, in der er die Ermittlungen wegen der Affäre kritisierte.

Vor einer Woche war Romero Juca, Planungsminister unter dem seit Mitte Mai amtierenden Übergangspräsidenten Michel Temer, wegen ähnlicher Vorwürfe zurückgetreten.

Juca selbst verdächtigt

Im Falle Jucas hatte eine Zeitung ein kompromittierendes Telefongespräch mit dem Politiker und ehemaligen Chef der Ölgesellschaft Transpetro, Sergio Machado, veröffentlicht. Darin sprach sich Senator Juca von der rechtsliberalen Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) dafür aus, einen „Pakt“ zur Amtsenthebung der Staatspräsidentin Dilma Rousseff von der gemäßigt linken Arbeiterpartei (PT) zu schließen.

Dadurch ließen sich auch die Ermittlungen zum Petrobras-Skandal beenden, sagte Juca darin. Sowohl er als auch Machado werden in der Affäre verdächtigt. Juca hatte kürzlich von Temer den PMDB-Vorsitz übernommen. Die Partei war Juniorpartner in der PT-geführten Koalitionsregierung, bis Temer mit aller Macht den Sturz der Präsidentin betrieb und diese am 12. Mai vom Senat tatsächlich vorläufig ihres Amtes enthoben wurde.

Netanjahu bereit zu Gesprächen über Friedensinitiative

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zu neuen Verhandlungen über einen Friedensplan arabischer Staaten bereit erklärt. Netanyahu sagte gestern Abend in Jerusalem, die Friedensinitiative von 2002 enthalte positive Elemente, die dabei helfen könnten, die Verhandlungen mit den Palästinensern über eine Zweistaaten-Lösung wiederzubeleben.

„Wir sind bereit, mit den arabischen Staaten Revisionen an der Initiative zu besprechen, damit sie die dramatischen Veränderungen in der Region seit 2002 widerspiegelt, aber zugleich das Ziel von zwei Staaten für zwei Völker aufrecht erhält“, sagte Netanjahu.

Netanjahu reagierte damit auf eine Rede des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi, der Israel in der vergangenen Woche engere Beziehungen für den Fall in Aussicht gestellt hatte, dass die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern wieder aufgenommen würden.

Lieberman vereidigt

Unmittelbar vor Netanyahus Rede war der Ultranationalist Avigdor Lieberman als neuer israelischer Verteidigungsminister vereidigt worden. Beobachter vermuteten, Netanjahu wolle mit seinem Verhandlungsangebot die Sorge zahlreicher Verbündeter zerstreuen, die neue - weiter nach rechts gerückte - Regierung sei nicht an einem Dialog mit den Palästinensern interessiert.

In den vergangenen Monaten hatten sich zahlreiche einflussreiche Koalitionspolitiker von der Zweistaaten-Politik abgewandt. Netanjahu hatte sich stets dazu bekannt, jedoch, ebenso wie die Palästinenserführung, keine konkreten Schritte zu einer Wiederbelebung von Verhandlungen unternommen.

AfD: Gauland rechtfertigt sich für Boateng-Äußerungen

Nach der Kritik an seinen Äußerungen über den deutschen Fußballnationalspieler Jerome Boateng hat AfD-Vize Alexander Gauland sich in einem Schreiben an die Mitglieder seiner Partei verteidigt. Seine Äußerungen gegenüber zwei Redakteuren der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“) seien „ein als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch“ gewesen, legte Gauland in einem Schreiben an die Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) dar, das der Nachrichtenagentur AFP gestern Abend vorlag.

„Nicht als Nachbarn“

Leider hätten sich die Redakteure „nicht an die Abmachungen gehalten“ und ihm vor der Veröffentlichung auch keine Zitate zur Autorisierung vorgelegt, kritisierte Gauland. Die „FAS“ hatte ihn am Wochenende mit den Worten zitiert, die Leute fänden den farbigen Innenverteidiger Boateng „als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Im Mittelpunkt des Gesprächs waren nach Angaben des AfD-Vize Auseinandersetzungen im Bundesvorstand seiner Partei „sowie der ungebremste Zustrom raum- und kulturfremder Menschen nach Deutschland“ gestanden. Er könne nicht mehr sagen, wer zuerst den Namen Boateng genannt habe - „ich bilde mir ein, es war einer der beiden ‚FAZ‘-Redakteure, da mir der Name wie auch der Fußballsport weitgehend fremd sind“.

„Überschrift nicht gedeckt“

„Dabei mag das Zitat gefallen sein“, fügte Gauland hinzu. Er habe dem aber „keine Bedeutung beigemessen, da das Gespräch nicht zur Veröffentlichung bestimmt war“.

Gauland kritisierte in seinem Schreiben überdies, dass ein dritter Redakteur der Zeitung den Titel „Gauland beleidigt Boateng“ gewählt habe. Diese Überschrift sei „durch keinen Satz im Text gedeckt“. Er habe „an keiner Stelle ein Werturteil über Jerome Boateng abgegeben, den ich bis dato gar nicht kannte“, schrieb Gauland.

„Erst durch diese Überschrift haben die ansonsten richtigen Aussagen den Dreh ins Fremdenfeindliche, Rassistische bekommen“, monierte der AfD-Politiker. Ihm sei es „nur um eine Beschreibung von Gefühlen“ gegangen, „die wir alle überall in unserer Nachbarschaft wahrnehmen und die sich nicht dadurch vermindern, dass wir sie heuchlerisch nicht zur Kenntnis nehmen“. Streng genommen habe er nicht Boateng beleidigt, „sondern diejenigen, die vielleicht nicht in seiner Nachbarschaft leben wollen, wenn er nicht ein berühmter Fußballstar wäre“.

Schwere Kritik von Merkel

Ein AfD-Sprecher hatte bereits mitgeteilt, die Bundespartei prüfe, mit der Forderung nach Unterlassung gegen die Überschrift in der „FAS“ vorzugehen.

Gauland gilt als Vertreter des rechten Flügels der AfD. Seine Zitate in der „FAS“ hatten ihm auch scharfe Kritik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eingebracht.

Mehr dazu in „Team reagierte wunderbar“

Neuer Raketentest Nordkoreas offenbar gescheitert

In Nordkorea ist offenbar erneut ein Raketentest gescheitert. Dies teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium heute in Seoul mit. Angaben zum Typ der demnach nahe der östlichen Hafenstadt Wonsan abgefeuerten Rakete machte es nicht. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap handelte es sich um eine Mittelstreckenrakete vom Typ Musudan.

Im April waren bereits drei Tests mit diesem Raketentyp fehlgeschlagen. Bei einer Reichweite der Raketen von 2.500 Kilometern könnten Südkorea und Japan getroffen werden, bei 4.000 Kilometern können die Raketen theoretisch den US-Militärstützpunkt auf der Pazifikinsel Guam erreichen, ein Außengebiet der USA.

Nordkorea hatte im Jänner seinen vierten Atomwaffentest seit dem Jahr 2006 und einen Monat später den Start einer ballistischen Rakete bekannt gegeben. Seither folgten weitere Raketentests, die ebenfalls gegen UNO-Resolutionen verstießen. Der UNO-Sicherheitsrat beschloss Anfang März die bisher schärfsten Strafmaßnahmen gegen das Land.

Hochrangiger Politiker aus Nordkorea in Peking

Einer der hochrangigsten Politiker Nordkoreas traf indes zu einem Besuch in China ein. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, landete Ri Su Yong, ein stellvertretender Vorsitzender von Nordkoreas Arbeiterpartei und ehemaliger Außenminister des Landes, heute in Peking.

Es ist der erste Besuch eines wichtigen Vertreters aus Pjöngjang, seit Nordkorea im Jänner seinen vierten Atomtest durchgeführt hatte und auch Peking damit verärgerte. China gilt zwar traditionell als Verbündeter des Regimes in Pjöngjang. Seit dort der junge Machthaber Kim Jong-un an der Macht ist, haben sich die Beziehungen beider Länder jedoch zunehmend abgekühlt.

Panama-Papers

Argentiniens Staatschef will Geld von Bahamas holen

Der durch die Panama-Papers in Bedrängnis geratene argentinische Präsident Mauricio Macri will sein auf den Bahamas geparktes Geld nun in Staatsanleihen in der Heimat investieren.

Er habe den Verwalter des Kontos angewiesen, die 1,2 Millionen US-Dollar (gut eine Million Euro) aus der Karibik nach Argentinien zu überweisen, sagte Macri gestern vor Journalisten in Buenos Aires.

Das Geld werde er dann in argentinischen Staatsanleihen anlegen, sagte der Präsident. Macri hatte vergangene Woche eingestanden, das Konto auf den Bahamas zu haben. Zugleich schlug er eine Amnestie für Bürger vor, die ihr Geld aus dem Ausland zurückholen. Sie sollten es bis zum 1. Jänner im Inland zu einem geringeren Satz versteuern können und damit straffrei ausgehen.

Sport

Fußball-EM: Frankreich gewinnt Test gegen Kamerun

Frankreich hat gestern Abend in Nantes dank einem Last-Minute-Tor von Freistoßspezialist Dimitri Payet einen Sieg gegen Kamerun gefeiert. Der Mittelfeldspieler verwertete in der 90. Minute einen Freistoß.

Während Gastgeber Frankreich im vorletzten Testspiel vor der Heim-EM damit einen Ausrutscher verhinderte, kam Schweden ohne seinen Superstar Zlatan Ibrahimovic in Malmö nicht über ein Remis gegen Slowenien hinaus. Der 34-Jährige kam wegen Wadenproblemen nicht zum Einsatz.

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Fußball: Malta-Abwehrriegel fordert ÖFB-Team

Das ÖFB-Team geht heute (20.30 Uhr, live ORF eins und im Livestream) in Klagenfurt als klarer Favorit ins Testspiel gegen Malta. Die Malteser hatten am Freitag den ersten Test ihres Trainingslagers in Österreich gegen Tschechien mit 0:6 verloren. Gegen die Elf von Teamchef Marcel Koller soll der Abwehrriegel aber besser halten.

„Ich hoffe, dass wir uns steigern können“, sagte Maltas Teamchef Pietro Ghedin, der Österreich bei der EM in Frankreich einiges zutraut: „Sie haben eine starke Qualifikation gespielt und werden sich gut schlagen.“

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Formel 1: Ricciardo nach Boxenpanne sauer

Ungewohnt wütend hat sich Daniel Ricciardo nach dem Grand Prix von Monaco am Sonntag gezeigt. Der sonst stets gut gelaunte Red-Bull-Pilot ärgerte sich über einen total verpatzten Boxenstopp seines Teams, der ihn letztlich um den Sieg brachte.

„Alle sind herumgelaufen wie kopflose Hühner“, tobte der Australier, der aus der Polepostion gestartet war. „Zwei Wochenenden in Folge hat man mich beschissen. Das stinkt“, spielte Ricciardo auch auf die Benachteiligung beim Rennen in Barcelona eine Woche zuvor an. Red Bull erklärte das Chaos mit fehlerhafter Kommunikation.

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Wirtschaft

Mieten in fünf Jahren deutlich gestiegen

Was subjektiv schon seit Jahren bemerkbar ist, wird nun von der Statistik Austria belegt: Die Mietpreise legen ungebremst zu, in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 15 Prozent inklusive Betriebskosten. Am teuersten kommen privat angemietete Wohnungen zu stehen, doch auch im geförderten und im sozialen Wohnbau sind die Mieten gestiegen. Vor allem armutsgefährdete Personen in Ballungsräumen bekommen die stetigen Teuerungen zu spüren.

Mehr dazu in Vor allem privates Wohnen immer teurer

Bericht: 2015 Rekord an Betrugshinweisen in EU

Europas Fahnder haben im Kampf gegen Betrug und Korruption zulasten des EU-Haushalts im vergangenen Jahr eine Rekordzahl an Hinweisen bekommen. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe) unter Berufung auf das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), das heute die genauen Zahlen veröffentlichen will.

Der größte Teil der Fälle bezieht sich auf Betrug bei der Auszahlung europäischer Regional- und Strukturfördergelder. Das Amt konzentrierte sich zudem auf den Schmuggel von Zigaretten- und Kosmetika sowie die Bereiche Zoll und Handel.

Untersuchungen gegen VW

OLAF-Chef Giovanni Kessler sagte der Zeitung, die Zahlen seien nicht gleichbedeutend mit einem Anstieg an Betrügereien: „Wir arbeiten einfach effizienter.“ Die im vergangenen Jahr eingeleitete OLAF-Untersuchung gegen Volkswagen in der Abgasaffäre läuft weiter.

Dabei geht es um die Frage, ob der Autobauer verbilligte Darlehen der Europäischen Investitionsbank EIB zweckentfremdet hat. „Sollte VW mit den Krediten keine umweltfreundlichen Motoren entwickelt haben, wäre dies Betrug“, betonte Kessler. „Wir hoffen, den VW-Fall bis zum Jahresende abzuschließen.“

Chronik

Zwei Festnahmen nach Gruppenvergewaltigung in Brasilien

Bei ihren Ermittlungen zur Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen hat die brasilianische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Nach weiteren vier Verdächtigen werde gesucht, teilte die Polizei gestern in Rio de Janeiro mit. Chefermittlerin in dem Fall ist seit Sonntag Cristiana Bento, nachdem ihr Vorgänger mit umstrittenen Äußerungen Kritik erregt hatte.

Nach einem Bericht des Fernsehsenders Globo wurde der mutmaßliche Freund des Opfers, ein 20-jähriger Fußballspieler, gestern in einem Restaurant festgenommen. Ein 22-Jähriger, der zugegeben hatte, das im Internet veröffentlichte Video der Gruppenvergewaltigung gedreht zu haben, stellte sich selbst der Polizei und wurde festgenommen. Unter den weiteren Gesuchten ist auch ein örtlicher Drogendealer.

Missbrauch durch 33 Bewaffnete

Bentos Vorgänger Alessandro Thiers hatte unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die Gruppenvergewaltigung möglicherweise „mit Einwilligung“ des Opfers erfolgt sein könnte, ob sie „unter Drogen“ gestanden habe und ob sich alles wirklich so zugetragen habe, wie von der jungen Frau geschildert. Außerdem soll Thiers in einer Vernehmung das Opfer gefragt haben, ob sie häufiger „aus Gewohnheit an Orgien teilnehme“.

Die Jugendliche hatte bei der Polizei ausgesagt, sie sei von 33 Bewaffneten in dem Armenviertel sexuell missbraucht worden. Bento sagte, es stehe außer Frage, dass es eine Vergewaltigung gegeben habe. „Was ich beweisen will, ist das Ausmaß des Verbrechens, und wie viele teilgenommen haben.“ Die Jugendliche hatte sich nach Angaben der Ermittlerin erst an die Polizei gewandt, nachdem das Handy-Video im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlicht worden war.

Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo

Die Tötung eines Gorillas im Zoo der amerikanischen Stadt Cincinnati hat über die USA hinaus Hunderttausende Tierliebhaber auf den Plan gebracht.

Zoobedienstete hatten den 17-jährigen „Harambe“ am Samstag erschossen, nachdem ein kleiner Bub über das Schutzgeländer geklettert, in einen Wassergraben um die Gorilla-Anlage gefallen und dann von dem Silberrücken durch das Wasser gezogen worden war. Der Vierjährige wurde danach gerettet und kam mit dem Schrecken davon.

Protest gegen Zoo und Eltern

Der Proteststurm via Internet und ein Medienwirbel in den USA, der sogar den Präsidentschaftswahlkampf in den Hintergrund rückte, zwang die Zooleitung gestern dazu, ihr Vorgehen erneut zu verteidigen. Der Zorn richtete sich indessen nicht nur gegen den Zoo, der nach Ansicht der Kritiker zu radikal vorging, sondern auch gegen die Eltern.

Bis gestern Abend (Ortszeit) unterzeichneten rund 200.000 Menschen dem Sender NBC zufolge eine Internetpetition, in der ihre Bestrafung gefordert wurde. Sie hätten ihr Kind nicht genügend beaufsichtigt und dadurch den Tod des Gorillas herbeigeführt, hieß es zur Begründung.

Auch eine Facebook-Seite mit dem Namen „Justice for Harambe“ (Gerechtigkeit für Harambe) erntete schon binnen weniger Stunden Zehntausende „Likes“. „Ein vom Aussterben bedrohtes Tier zu töten ist schlimmer als Mord“, zitierte die „Washington Post“ beispielsweise einen Kommentar aus Dänemark.

Zoo: Betäubung keine Option

Zoodirektor Thane Maynard bekräftigte, dass der Tod von „Harambe“ ein schwerer Verlust sei, es aber keine andere Wahl gegeben habe. Der Gorilla sei durch den Sturz des Kindes aufgeregt, desorientiert und unberechenbar geworden, mit seinen knapp 200 Kilo Gewicht habe er eine unmittelbare Gefahr für das Kind dargestellt. Das Tier mit einem Betäubungsmittel lahmzulegen, sei keine Option gewesen. Das hätte zu lange gedauert, sagte Maynard: „Wir stehen zu unserer Entscheidung, und wir würden heute genauso verfahren.“

Die Eltern bedankten sich unterdessen in einer schriftlichen Erklärung für die „rasche Reaktion“ der Zoomitarbeiter und erkannten zugleich an, dass der Zoo einen schweren Verlust erlitten habe. Ihrem Buben gehe es gut, hieß es weiter.

Urteil gegen „Costa“-Kapitän Schettino möglich

Im Berufungsprozess gegen „Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino könnte heute das Urteil fallen. Das Gericht im italienischen Florenz muss entscheiden, ob der Kapitän die Schuld am Tod von 32 Menschen trägt. Sie starben vor mehr als vier Jahren, als das voll besetzte Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen rammte und kenterte.

Die Verteidigung plädiert auf Freispruch, die Staatsanwälte haben 27 Jahre und drei Monate Haft für Schettino gefordert.

Wird Erstinstanzurteil aufgehoben?

Der 55-Jährige war in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden, unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Das Gericht in Grosseto hatte entschieden, Schettino trage Verantwortung für das Unglück, bei dem 32 Menschen ums Leben gekommen waren. Schettino hatte das Schiff in einem Rettungsboot verlassen, obwohl noch Menschen an Bord waren. Er begründete das damit, dass er in das Boot gefallen sei.

Gesundheit

Schuppenflechte: Kampagne will Betroffene zum Arzt bringen

Rund 250.000 Österreicher leiden an Schuppenflechte, einer immunvermittelten Hautkrankheit. Neben physischen Schmerzen beeinträchtigen die mit der Erkrankung einhergehenden psychischen Belastungen die Lebensqualität der Patienten massiv. Mit einer österreichweiten Aufklärungskampagne will das Pharmaunternehmen Novartis Betroffene zum Arztbesuch motivieren.

Psoriasis, auch bekannt als Schuppenflechte, ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Ursache ist eine Fehlsteuerung im Immunsystem, die zu einer beschleunigten Hauterneuerung führt. Die Folgen sind sichtbare Rötungen, Hautverdickung und die Bildung von typisch silbrig-weißen Schuppen.

Besonders in Sommermonaten belastend

Psoriasis ist nicht nur eine Erkrankung der Haut, sondern wird auch als systemische Erkrankung gesehen: Bis zu 40 Prozent der Betroffenen entwickeln neben den genannten Symptomen zusätzlich eine Arthritis (Entzündung der Gelenke), die wiederum zu Gelenkschmerzen führt.

Besonders belastend ist die Krankheit in den Sommermonaten, da die Symptome für das Umfeld sichtbar werden. Dabei kann mit passenden Therapien den Betroffenen meist geholfen werden. Deshalb startet Novartis am 1. Juni mit Unterstützung des Selbsthilfevereins für Psoriatiker, PSO Austria, die Aufklärungskampagne unter dem Motto „Zeigen Sie wieder Haut!“.

„Ziel ist es, möglichst viele Betroffene zum Besuch beim Hautarzt zu motivieren. Psoriasis ist zwar nicht heilbar, jedoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Symptome der Krankheit zu verbessern oder sogar komplett zurückzudrängen“, hieß es in einer Aussendung des Unternehmens.

Science

Hitler hatte laut Dokumenten in Braunau jüngeren Bruder

Adolf Hitler hatte in seiner Geburtsstadt Braunau am Inn in Oberösterreich einen jüngeren Bruder. Das fand der Braunauer Historiker Florian Kotanko bei der Sichtung von Unterlagen im Archiv der Stadtpfarre heraus, wie die „Oberösterreichischen Nachrichten“ (Dienstag-Ausgabe) berichten. Demnach hätten etliche Hitler-Biografen immer wieder von der ersten, aber falschen Quelle abgeschrieben.

Bisher hieß es, Adolf Hitler sei am 20. April 1889 in Braunau als viertes von sechs Kindern geboren worden. Demnach lautete die Geschwisterfolge Gustav, Ida, Otto, Adolf, Edmund, Paula.

Bruder litt an „Wasserkopf“

Laut Kotanko wurde Gustav am 17. Mai 1885 und Ida am 23. September 1886 geboren. Sie lebten nur bis zum 9. Dezember 1887 beziehungsweise 22. Jänner 1888. Danach folgte Adolf nicht als viertes, sondern als drittes Kind. Otto kam erst am 17. Juni 1892 zur Welt. Er starb kurz danach am 23. Juni 1892, als Adolf mehr als drei Jahre alt war. Als „Krankheit oder Todesart“ wird im Archiv der Pfarre Braunau „Hydrozephalus“ angegeben.

Für Kotanko stellen sich nun mehrere Fragen: „Wie wurde der dreijährige Adolf mit Geburt und Tod eines Bruders konfrontiert? Hat er den sogenannten Wasserkopf des Bruders bewusst miterlebt? Und hat sich diese Beobachtung auf seine spätere Einstellung zu Menschen mit Behinderung ausgewirkt?“ Kurz nach dem Begräbnis von Otto übersiedelte die Familie Hitler nach Passau. Nicht in Braunau geboren wurden die Geschwister Edmund Hitler (24. März 1894 - 2. Februar 1900) und Paula Hitler (21. Jänner 1896 - 1. Juni 1960).

Nur aus Erzählungen gekannt

Die bisher bekannte Geschwisterfolge beruht auf den Angaben von Paula. Sie wurde kurz nach Kriegsende 1945 in Bayern von US-Militärs befragt. Dabei berichtete sie über die Braunauer Tage ihrer Familie, die sie als später Geborene nur aus Erzählungen kennen konnte.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Medien

Vorhofer- und Hochner-Preis an Toth und Schnabl

Barbara Toth und Susanne Schnabl-Wunderlich sind gestern mit zwei der renommiertesten heimischen Journalismuspreise ausgezeichnet worden. „Falter“-Redakteurin Toth erhielt den Kurt-Vorhofer-Preis für Printjournalismus, ORF-„Report“-Moderatorin Schnabl-Wunderlich den Robert-Hochner-Preis für Fernsehen bzw. Radio.

Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, appellierte bei der Preisverleihung in der Präsidentschaftskanzlei der Wiener Hofburg an Journalisten und Medien, Gräben nicht weiter aufzureißen und nicht dafür zu sorgen, dass vielleicht tatsächlich eine Spaltung in diesem Land stattfindet. Journalismus lebe von der Zuspitzung, und eine differenzierte Berichterstattung erreiche sicher nicht die Breite wie Boulevardmedien. „Wenn es um das politische Klima geht, ist das aber höchst gefährlich“, so Bauer.

„Guter Journalismus“ für Fischer „so wichtig“

Bundespräsident Heinz Fischer betonte in seiner Begrüßung, dass er den Vorhofer-Preis seit 21 Jahren aus „großer innerer Überzeugung“ begleitet habe, zunächst als Nationalratspräsident, danach als Bundespräsident. Medien könnten zwar nicht politische Linien zeichnen, sie könnten aber politische Tendenzen enorm stärken. „Daher ist guter Journalismus so wichtig“, meinte Fischer.

Jeweils mit 7.500 Euro dotiert

Kurt-Vorhofer- sowie Robert-Hochner-Preis werden von der Journalistengewerkschaft in Kooperation mit der „Kleinen Zeitung“ und dem Energiekonzern Verbund für Printmedien bzw. elektronische Medien vergeben. Beide Auszeichnungen heben herausragende publizistische Leistungen im Bereich der politischen Berichterstattung hervor und sind jeweils mit 7.500 Euro dotiert. Der Vorhofer-Preis wird im Andenken an den langjährigen Leiter der Wien-Redaktion der „Kleinen Zeitung“ vergeben, der Hochner-Preis ist nach dem 2001 verstorbenen legendären ORF-Anchorman benannt.

Toth erhielt die Auszeichnung laut Jury-Begründung für das Setzen „journalistischer Glanzpunkte“ bei wichtigen politischen Themen wie etwa der Migration. „Hintergründige Analyse, gepaart mit sprachlicher Brillanz, die soziale Verantwortung immer im Blickfeld, zeichnen die Arbeiten aus. In einer oft hysterisch aufgeheizten Debatte war sie eine wohltuende Stimme journalistischer Vernunft“, so die Jury über Toth.

Wesentlicher Beitrag für Glaubwürdigkeit

Schnabl habe wiederum mit ihrem Fachwissen, ihrer Konsequenz, Unaufgeregtheit, Umsicht und Souveränität einen wesentlichen Beitrag für Glaubwürdigkeit und Stellenwert des Qualitätsjournalismus in Österreich geleistet. Aufwendige Vorbereitung auf Interviews und sorgfältiger Umgang mit der Sprache zählten laut Jury zu den journalistischen Tugenden der „Report“-Moderatorin.

Kultur

Deutsches Gericht urteilt über „Sampling“ im Hip-Hop

Vor dem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Urheberschutz in Hip-Hop und Rap warnt der Bundesverband Musikindustrie vor einer Aufweichung branchenüblicher Standards.

"Sollte durch die Entscheidung der Eindruck entstehen „Kunstfreiheit sticht immer", könnte das Folgen haben, die über den konkreten Streit weit hinausreichen“, sagte Geschäftsführer Florian Drücke gegenüber der dpa in Karlsruhe. „Das wäre Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, im Internet soll alles erlaubt sein.“

Kraftwerk vs. Moses Pelham

Die Karlsruher Richter entscheiden heute in einem jahrelangen Streit zwischen den Elektropop-Pionieren Kraftwerk und dem Produzenten und Komponisten Moses Pelham. Dieser hatte 1997 ohne zu fragen eine zweisekündige Rhythmussequenz aus dem Kraftwerk-Titel „Metall auf Metall“ von 1977 kopiert. Den Beat legte er in Endlosschleife („Loop“) unter das mit Sängerin Sabrina Setlur aufgenommene Lied „Nur mir“. So etwas nennt man Sampling.

Kraftwerk-Gründungsmitglied Ralf Hütter wirft Pelham Diebstahl geistigen Eigentums vor. Unter Kollegen hätte es sich gehört, vorher anzurufen, hatte er im November in der Verhandlung in Karlsruhe gesagt. Vor dem Bundesgerichtshof erreichte er 2012 in letzter Instanz, dass der Setlur-Song nicht mehr vertrieben werden darf.

Verfassungsbeschwerde mehrerer Musiker

Dagegen haben Pelham und Setlur Verfassungsbeschwerde eingelegt. Etliche Produzenten und Musiker haben sich angeschlossen, darunter die Sängerin Sarah Connor, der Rapper Bushido und der Reggae-Musiker Gentleman. Sie wollen erreichen, dass die Interpretation fremder Beats in neuem musikalischen Kontext ohne Genehmigung möglich bleibt. Sonst sei Hip-Hop nicht mehr möglich.

Aus Sicht des Branchenverbands, der nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent des deutschen Musikmarktes vertritt, ist ein solcher Streit aber die absolute Ausnahme. In aller Regel gebe es eine Einigung zwischen den betroffenen Künstlern, und zwar vor dem Sampling. „Jetzt wird daraus leider eine Grundsatzdiskussion gemacht, die in die falsche Richtung führen kann“, sagte Drücke. Er befürchtet eine Entwertung des kreativen Schaffens, sollte sich Pelham durchsetzen.