Ausland

Charlotte-Polizei veröffentlicht Videos

Die Polizei in der US-Stadt Charlotte hat bekräftigt, dass der am Dienstag von einem Beamten erschossene Schwarze Keith Lamont Scott bewaffnet gewesen sei und eine Bedrohung dargestellt habe. Nach fünftägigen, teils gewaltsamen Protesten veröffentlichte sie am Samstag Fotos, die unter anderem eine auf dem Boden liegende kleine Handfeuerwaffe und ein Knöchelholster zeigen.

Beides sei nach dem Vorfall sichergestellt worden, hieß es in einer ausführlichen schriftlichen Mitteilung. Zur selben Zeit wurden zwei Videos von dem Vorfall veröffentlicht, die von einer Polizei-Körperkamera und einer Kamera auf dem Armaturenbrett eines Streifenwagens stammen. Auf einem scheint Scott nach ersten Experteneinschätzungen etwas in der Hand zu halten, aber was, ist nicht eindeutig zu erkennen.

Nach Polizeiangaben hatten Beamte Scott am Dienstag zunächst mit einer Marihuana-Zigarette in seinem Auto sitzen gesehen, kurz danach mit einer Waffe in der Hand. Als er schließlich nach wiederholter Aufforderung ausgestiegen sei, habe er sich geweigert, seine Waffe niederzulegen. Tatsächlich sind in einem der Videos mehrere Rufe zu hören: „Put your gun down.“

Scotts Familie beharrt darauf, dass der Mann keine Bedrohung darstellte. Eines der Videos zeige, dass er sich zum Zeitpunkt der Schüsse von den Polizisten wegbewegt habe, argumentierte sie am Samstag auf einer Pressekonferenz. Am selben Tag waren in Charlotte (US-Staat North Carolina) wieder Hunderte Menschen aus Protest gegen die Schüsse auf die Straße gegangen.

18 Tote bei IS-Anschlägen im Irak

Extremisten haben bei Angriffen nördlich der irakischen Stadt Tikrit 18 Menschen getötet. Die Attentäter hätten gestern einen Kontrollposten der Polizei beschossen und zwei Bomben gezündet, verlautete aus Polizei- und Sicherheitskreisen. 21 Menschen seien verletzt worden.

Es waren die ersten Angriffe dieser Art seit der Rückeroberung der Stadt von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im April 2015. Laut Agentur AMAQ bekannte sich später der IS zu der Tat.

Die Streitkräfte hatten diese Woche den 100 Kilometer nördlich von Tikrit gelegenen Bezirk Shirkat wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Das Militär bereitet sich derzeit auf die Erstürmung der Millionenmetropole Mossul im Norden des Landes vor, der letzten Bastion des IS im Irak.

US-Wahlkampf: „New York Times“ unterstützt Clinton

Unterstützung für Hillary Clinton: Die Zeitung „New York Times“ hat sich rund sechs Wochen vor der US-Wahl für die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten ausgesprochen. Die ehemalige Außenministerin sei mit Blick auf die Herausforderungen für die USA qualifizierter als ihr republikanischer Gegner Donald Trump, begründete das Blatt gestern seine Empfehlung.

Clinton sei „eine der beharrlichsten Politikerinnen ihrer Generation“. Am Montag kommt es an der Hofstra University in Hempstead auf Long Island im US-Staat New York zum ersten TV-Duell zwischen Clinton und Trump. In der letzten veröffentlichten Reuters/Ipsos-Erhebung führt die ehemalige First Lady mit 41 Prozent vor Trump mit 37 Prozent.

Schweiz entscheidet über Abhörbefugnis für Geheimdienst

In der Schweiz sind heute rund fünf Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über eine Ausweitung der Befugnisse des Geheimdienstes zu entscheiden. Zur Abstimmung steht ein vom Parlament bereits gebilligtes Gesetz, das es dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) erlaubt, in begründeten Einzelfällen zur Terrorabwehr Telefonate abzuhören, Wohnungen zu verwanzen und Computer anzuzapfen.

Laut einer Umfrage der Mediengruppe Tamedia wollen 58 Prozent der Referendumsteilnehmer dafür stimmen. Meinungsforscher erklärten, nach den Anschlägen in Paris und Brüssel sowie in den deutschen Städten Würzburg und Ansbach sei die Zustimmung zu dem Gesetz gewachsen.

Gegner warnen vor „Schnüffelstaat“

Gegner warnten vor der Entstehung eines „Schnüffelstaates“. Hingegen erklärten Befürworter des Gesetzes, es seien strenge Regeln für Überwachungen vorgesehen. Bewilligungen dafür müssten jeweils bei der Regierung und beim höchsten Verwaltungsgericht beantragt werden.

Abgestimmt wird in der Schweiz auch über zwei Volksinitiativen: Die Gewerkschaften wollen erreichen, dass die gesetzliche Rente um zehn Prozent angehoben wird. Die Grüne Partei hat ein Programm für einen ökologischen Umbau der Volkswirtschaft vorgelegt. Ziel ist eine allumfassende Kreislaufwirtschaft, die auf langlebige Produkte setzt und Abfälle weitestgehend als Rohstoffe wiederverwendet.

Zehntausende bei Demo gegen Polens Regierung

Zehntausende Menschen haben gestern in Warschau gegen eine Aufweichung des Rechtsstaats durch die rechtskonservative Regierung demonstriert. Nach Angaben der Stadtverwaltung folgten zwischen 25.000 und 30.000 Menschen einem Aufruf des Komitees zur Verteidigung der Demokratie (KOD).

Sie warfen der Regierung vor, die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichte zu gefährden und eine weitere Verschärfung des bereits strikten polnischen Abtreibungsrechts anzustreben.

Proteste für Rechtsstaat

Vor Beginn des Protestmarschs warnte der ehemalige polnische Dissident und Publizist Adam Michnik die Regierung vor möglichen Verfassungsverletzungen. Das KOD wolle die Regierung nicht stürzen, es wolle lediglich, dass sie „das Recht und die Verfassung respektiert“, sagte Michnik.

Sollte sie das nicht tun, habe die Gesellschaft die Pflicht", die Regierung auf dem Weg demokratischer Wahlen abzusetzen. „Wir können keine Politik hinnehmen, die zur Isolierung Polens und zu Konflikten mit seinen Nachbarn führt“, fügte er hinzu.

Vor der Kundgebung hatten bereits rund 6000 Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger sowie medizinisch-technische Assistenten in der polnischen Hauptstadt für eine deutliche Erhöhung der Gesundheitsausgaben demonstriert. Sie kritisierten vor allem die miserablen Löhne im Gesundheitswesen, die viele Ärzte und Fachkräfte ins Ausland trieben.

Hollande will Calais-Flüchtlinge auf Frankreich verteilen

Frankreichs Präsident Francois Hollande will die Flüchtlinge aus dem umstrittenen Lager in Calais auf das ganze Land verteilen. In „Ankunfts- und Orientierungszentren“ würden etwa 9.000 Plätze geschaffen, sagte Hollande gestern dem Sender i-Tele. Die Flüchtlinge würden in Gruppen von bis 50 Personen für eine Dauer von bis zu vier Monaten in die Zentren verlegt.

Wer die Asylbedingungen erfülle, dürfe in Frankreich bleiben, alle anderen würden abgeschoben. „Es sollte in Frankreich keine Lager geben“, sagte Hollande, der Anfang nächster Woche Calais besuchen will.

Kein Zeitplan für Räumung von „Dschungel“

Die Regierung hat im Februar und März etwa die Hälfte des dortigen Lagers abreißen lassen und angekündigt, auch den Rest räumen zu lassen. Einen Zeitrahmen dafür hat sie aber nicht genannt.

In dem auch als „Dschungel“ bekannten Camp leben Hilfsorganisationen zufolge fast 9.000 Menschen. Es ist in Frankreich zum Symbol für die Flüchtlingskrise geworden, die eine zentrale Rolle im bevorstehenden Wahlkampf spielen dürfte.

Präsidentenwahl in Estland erneut gescheitert

In Estland ist die Entscheidung über den neuen Präsidenten erneut vertagt worden. Auch im fünften Wahlgang ist es einem speziellen Wahlgremium gestern nicht gelungen, das höchste Staatsamt des baltischen EU- und NATO-Landes zu besetzen.

Bei der Abstimmung votierten 138 der 332 abstimmenden Wahlmänner für Ex-EU-Kommissar Siim Kallas von der regierenden Reformpartei. Der parteilose Jurist Allar Joks kam auf 134 Stimmen. Damit verfehlten beide die notwendige absolute Mehrheit in dem aus 101 Abgeordneten und 234 Kommunalpolitikern bestehenden Wahlgremium. Nun muss das Parlament in Tallinn binnen zwei Wochen einen weiteren Anlauf nehmen.

Mutmaßliches IS-Mitglied in Düsseldorf festgenommen

Auf dem Flughafen im deutschen Düsseldorf ist am Freitag ein 22-jähriges mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei seiner Rückkehr aus der Türkei festgenommen worden.

Es handle sich bei ihm um den deutschen Staatsangehörigen Anil O., wie die Bundesanwaltschaft gestern in Karlsruhe mitteilte. Die Festnahme erfolgte wegen „des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft“ beim IS.

In Syrien zum Kampf ausgebildet

Der Mann soll im August 2015 von Deutschland über die Türkei nach Syrien gereist sein. Dort angekommen, soll er sich dem IS angeschlossen haben und in einem Ausbildungslager im Umgang mit Waffen unterwiesen worden sein. Anschließend soll er mindestens ein Schnellfeuergewehr vom Typ Kalaschnikow und mehrere Handgranaten erhalten haben, wie die Bundesanwaltschaft weiter mitteilte. Er habe sich für den bewaffneten Kampf bereitgehalten.

Außerdem habe der Terrorverdächtige weitere Menschen in Deutschland aufgefordert, ebenfalls in das Gebiet des IS zu reisen und dort dauerhaft zu leben. Ende Dezember 2015 reiste der Beschuldigte aus Syrien aus und gelangte Mitte Jänner in die Türkei. Der Festgenommene kam in Untersuchungshaft.

Inland

Kern sieht ÖVP-Kritik an Koalition als „Wahltaktik“

Die Stimmung in der Koalition bleibt weiter kühl: Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sieht in der ÖVP-Kritik an seinem FAZ-Essay über die europäische Wirtschafts- und Sozialpolitik „mehr Wahltaktik als Inhalt“, sagte er gegenüber „Österreich“. „Ich kann nur jedem in dieser Regierung raten, an den eigenen Erfolgen zu arbeiten, statt nur daran, Erfolge der anderen verhindern zu wollen.“

„Die ÖVP muss sich entscheiden, ob sie mit uns für das Land arbeiten will“, meinte Kern laut Vorabmeldung heute Abend. Die SPÖ sei bereit, bis 2018 ernsthaft zu arbeiten. „Die letzten Wochen waren von völlig falschen Diskussionen geprägt und nicht gut. So funktioniert es nicht“, betonte der Kanzler.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der der Koalition noch bis Ende des Jahres Zeit geben will, um Reformen umzusetzen, erwidert der SPÖ-Chef: „Mein wichtigstes Ziel ist es, die Wirtschaft zu stimulieren und die Kaufkraft zu erhöhen. Wenn er das ernst meint: bitte, wir sind dabei.“

Haslauer einstimmig als Salzburger ÖVP-Chef bestätigt

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer ist gestern beim 39. ordentlichen Landesparteitag der ÖVP Salzburg mit 100 Prozent der Stimmen zum vierten Mal als Landesparteiobmann bestätigt worden.

In seiner Rede sprach sich Haslauer für eine bürgerliche Politik und den Kampf um die politische Mitte aus. Wie schon vor vier Jahren wurde Haslauer von den Delegierten einstimmig bestätigt. Hohe Zustimmung gab es auch für Haslauers vier Stellvertreter.

Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf erreichte bei ihrem ersten Antreten 98,7 Prozent, Landesrat Josef Schwaiger 98,5 Prozent. Landeshauptmannstellvertreter Christian Stöckl erhielt 98 Prozent (nach 96,9 Prozent 2012), der Salzburger Gemeindebundpräsident und frühere Bürgermeister von Hallwang, Helmut Mödlhammer, wurde mit 98,2 Prozent bestätigt. 393 Delegierte gaben ihre Stimme ab.

SPÖ-Politik unter Kern eine „Ohrfeige“

In seiner Rede „Für Salzburg alles geben“ stellte Haslauer vor rund 450 Parteimitgliedern und Delegierten „bürgerliche Politik“ und das, was er darunter versteht, in den Mittelpunkt. Es habe eine „wirklich massive Änderung der Gesellschaft“ gegeben, mehr denn je brauche es die ÖVP als eine Partei der politischen Mitte, so Haslauer.

Der SPÖ warf er unter Bundeskanzler Christian Kern einen Linksruck vor, der für die ÖVP eine Ohrfeige sei, „weil sie genau wissen, dass wir da nicht mitgehen können“. Wenn sich diese Politik auch in Salzburg zeige, werde es mit einer Zusammenarbeit schwer. Und der neuen Salzburger FPÖ-Chefin Marlene Svazek warf Haslauer mangelnde Bescheidenheit vor. Diese lasse plakatieren, „weil sie die Beste ist“. „Ich würde mich das nie trauen“, sagte Haslauer.

Sport

Tennis: Thiem greift nach Titel in Metz

Dominic Thiem steht erstmals seit seinem ersten Rasentitel in Stuttgart Mitte Juni im Endspiel eines ATP-Turniers. Der 23-jährige Niederösterreicher erreichte gestern in Metz durch einen hart erkämpften Dreisatzerfolg über Lokalmatador Gilles Simon sein erstes ATP-Finale in der Halle bzw. das insgesamt zehnte seiner Karriere. Im Kampf um seinen fünften Titel in diesem Jahr bekommt er es nun mit dem nächsten Franzosen zu tun.

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Fußball: Werder schafft ersten Sieg

Werder Bremen hat gestern in der fünften Runde der deutschen Bundesliga mit einem Last-Minute-Sieg gegen Wolfsburg die ersten Punkte in der neuen Spielzeit geschafft. Vor 40.000 Zuschauer waren die Bremer nach dem schlechtesten Saisonstart der Clubgeschichte beim 2:1 das bessere Team, belohnten sich aber erst in den Schlussminuten für die gute Leistung. Bayern München behielt im Duel mit dem Hamburger SV seine weiße Liga-Weste auch nur aufgrund eines späten Treffers von Joshua Kimmich.

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Bundesliga: St. Pölten nimmt Rapid Punkte weg

St. Pölten bleibt für Rapid in der Bundesliga kein guter Boden. In elf Spielen gelang dem Rekordmeister erst ein Sieg in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Auch gestern zum Auftakt der neunten Bundesligarunde spielten die Hütteldorfer auswärts gegen den Aufsteiger nur 1:1.

Es war bereits das vierte Unentschieden der Grün-Weißen in dieser Saison, die in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch einen umstrittenen Elfmeter sogar in Führung gegangen waren.

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Fußball: ManUnited überrollt hilflosen Champion

Titelverteidiger Leicester City hat zum Auftakt der sechsten Runde der englischen Premier League von Rekordmeister Manchester United mit 1:4 eine kräftige Ohrfeige kassiert. Der Club von Ex-ÖFB-Kapitän Christian Fuchs wurde im Old Trafford vor allem in der Schlussphase der ersten Hälfte regelrecht überrollt. Mit drei Gegentreffern in nur fünf Minuten gingen die „Foxes“ früh k. o. An der Spitze einsam seine Kreise zieht unterdessen Manchester City.

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Wirtschaft

Ex-Mitarbeiter streben Sammelklage gegen Wells Fargo an

Der US-Bank Wells Fargo droht weiteres Ungemach: Zwei ehemalige Mitarbeiter streben eine milliardenschwere Sammelklage gegen das Geldhaus an. Die Ex-Angestellten behaupten, von dem Institut abgestraft worden zu sein, weil sie nicht die vorgegebenen ehrgeizigen Verkaufsquoten erreichten. Sie seien deswegen zurückgestuft oder entlassen worden.

Im Gegensatz zu anderen Arbeitskollegen haben sie sich nach eigenen Angaben stets an die Regeln gehalten. Die Kläger fordern mindestens 2,6 Mrd. Dollar (2,32 Mrd. Euro) von dem kalifornischen Institut. Ein Sprecher der Bank wollte sich nicht dazu äußern.

Die Bank wird derzeit von einem Skandal erschüttert. Berater sollen Kunden zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder angefordert noch gebraucht haben. Insgesamt richteten sie mehr als zwei Millionen falscher Konten ein. Die Bank hatte sich jüngst mit mehreren US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt und zahlt nun eine Strafe von 185 Mio. Dollar. Wegen unangemessen Verhaltens hat die Bank bereits 5.300 Mitarbeiter entlassen.

Bosch und VW wollen Herausgabe von US-Akten verhindern

Bosch und Automobilhersteller Volkswagen (VW) sträuben sich im Abgasskandal gegen die Nutzung von US-Ermittlungsakten im Ausland. Der riesige Berg an Daten und Dokumenten dürfe nicht Klägern in europäischen Rechtsstreitigkeiten zugänglich gemacht werden, appellierten Anwälte des Autozulieferers sowie von VW - inklusive der Konzerntöchter Audi und Porsche - in Anträgen, die in der Nacht auf gestern beim zuständigen US-Gericht in San Francisco eingingen.

20 Mio. Seiten in den USA zusammengetragen

Die Unternehmen wollen damit verhindern, dass das bereits mehr als 20 Mio. Seiten umfassende Material, das von Ermittlern im US-Rechtsstreit zusammengetragen wurde, etwa auch für die am Landgericht Braunschweig gebündelten Anlegerklagen verwendet werden kann. „Eine Partei in einem deutschen Zivilrechtsstreit unterliegt keiner generellen Pflicht, alle relevanten Fakten und Beweismittel umfassend offenzulegen“, sagte dazu ein Audi-Vertreter.

Klägeranwälte, die auch in Europa Schadenersatz erstreiten wollen, versuchen schon lange, an die Dokumente heranzukommen. VW lehnt das unter anderem mit der Begründung ab, dass dieses Material speziell für Verfahren unter US-Recht gesammelt worden und die Relevanz für Ermittlungen im Ausland nicht ausreichend belegt sei.

Bosch „in Schlüsselrolle“ bei Abgasskandal

Bosch hatte Software an VW geliefert, die von dem Autobauer auch für dessen massenhaften Abgasbetrug genutzt wurde. In den USA werfen Behörden, Staatsanwälte und geschädigte Dieselbesitzer dem Stuttgarter Unternehmen eine Schlüsselrolle in der Affäre vor. Es gebe keinen Zweifel daran, dass Bosch ein aktiver Mittäter sei und volle Kenntnis von VW-Tricksereien gehabt hätte.

Während VW frühzeitig ein Schuldgeständnis abgegeben und bereits einen bis zu 15,3 Mrd. Dollar teuren Vergleich mit US-Klägern ausgehandelt hat, steht eine Einigung bei Bosch bisher aus.

Chronik

Fünf Tote bei Angriff in US-Einkaufszentrum: Täter flüchtig

Nach den tödlichen Schüssen in einem Einkaufszentrum im US-Staat Washington sucht die Polizei nach wie vor nach dem Schützen. Der etwa 20-jährige dunkelhaarige Mann hatte am Vorabend (Ortszeit) in der Cascade Mall in Burlington das Feuer eröffnet und vier Frauen sowie einen Mann getötet. Danach floh er laut Augenzeugenberichten zu Fuß in Richtung der Autobahn Interstate 5.

Polizei vor dem Einkaufszentrum

APA/AP/The Seattle Times/Dean Rutz

Die Behörden veröffentlichten ein Bild vom mutmaßlichen Schützen, das von einer Sicherheitskamera aufgenommen wurde. Sie konnten den Mann aber zunächst nicht identifizieren, wie Chris Cammock von der örtlichen Polizei auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Ein Vertreter der Bundespolizei FBI sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf eine Terrorismus-Verbindung.

Haus in Rom eingestürzt - Bewohner rechtzeitig evakuiert

Kurz vor dem Einsturz eines vierstöckigen Wohnhauses in Rom sind etwa 110 Menschen gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Die Bewohner hatten die Feuerwehr alarmiert, nachdem sie Risse in den Wänden und verdächtige Geräusche wahrgenommen hatten, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa gestern.

Nur Teil evakuiert

Als das Gebäude im Norden der italienischen Hauptstadt in der Nacht auf heute einstürzte, kam daher niemand zu Schaden. Dennoch machten die Bewohner den Rettungskräften Vorwürfe, weil sie zunächst nur einen Teil des Gebäudes hätten evakuieren lassen. Die anderen Bewohner brachten sich schließlich selbst in Sicherheit und verhinderten damit Schlimmeres.

Die Ursache für die Einsturz war zunächst unklar, spekuliert wurde über das Eindringen von Wasser. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Bürgermeisterin Virginia Raggi besuchte den Unglücksort und sicherte den Menschen Hilfe zu.

IT

Rekorddatenhack: Yahoo mit ersten Klagen konfrontiert

Kurz nach Bekanntwerden des Diebstahls der Daten von mindestens einer halben Milliarde Nutzern bei Yahoo gibt es bereits die ersten Klagen in den USA. In den Bundesstaaten Kalifornien und Illinois zogen Kunden vor Gericht, die dem Internetkonzern vorwerfen, nicht genug auf die Datensicherheit geachtet und die Nutzer zu spät informiert zu haben. Yahoo hatte den Hackerangriff von Ende 2014 am späten Donnerstag bekanntgegeben. Wer hinter dem womöglich bisher größten Datendiebstahl steckt, ist weiter Gegenstand von Spekulationen.

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Kultur

Steirischer herbst: Nino mit ursteirischem Album

Natalie Ofenböck und Der Nino aus Wien haben für den steirischen herbst die Steiermark bereist und ihre Eindrücke in Form eines Albums verarbeitet. „Das grüne Album” erscheint Ende September und erzählt Geschichten von Mariazell bis runter an die slowenisch-ungarische Grenze und beschreibt das Bundesland musikalisch von heiter bis sehr rau. Dafür hat es auch eine instrumentale Annäherung an die Volkmusik gegeben, wie die beiden ORF.at erzählten.

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San Sebastian: Goldene Muschel an Chinesisches Drama

Das chinesische Drama „I am not Madame Bovary“ hat gestern Abend die Goldene Muschel auf dem 64. Internationalen Filmfestival von San Sebastian gewonnen. Der chinesische Starregisseur Feng Xiaogang erzählt darin die skurrile Geschichte von Li Xuelian, einer Cafe-Besitzerin, und ihrem Ehemann Qin Yuhe, einem Lastwagenfahrer.

Für ihre Darstellung von Li Xuelian wurde Fan Binbing mit der Silbernen Muschel als Beste Schauspielerin geehrt. Unterdessen erhielt Eduard Fernandez für seine beeindruckende Interpretation des Spions Francisco Paesa in dem spanischen Festivalbeitrag „El hombre de las mil caras“ („Smoke and Mirrors“) die Auszeichnung als Bester Schauspieler.

Regiepreis an Hong Sang-soo

Der diesjährige Regiepreis ging an den bekannten südkoreanischen Filmemacher Hong Sang-soo für sein Drama „Yourself and yours“. Im „New Directors“-Wettbewerb setzte sich Sofia Exarchou mit ihrem griechisch-türkischen Festivalbeitrag „Park“ über die deprimierende Hinterlassenschaft der Olympischen Spiele 2004 in Athen durch.

Der diesjährige Jury-Preis wurde gemeinsam an den argentinischen Gaucho-Film „The Winter“ und die schwedische Produktion „The Giant“ vergeben. Zum Besten Drehbuch wurde die Arbeit von Isabel Pena und Rodrigo Sorogoyen für den spanischen Krimi „Que Dios nos perdone“ („Gott vergebe uns“) gekürt.

„Toni Erdmann“ ging leer aus

Die deutsch-österreichische Produktion „Toni Erdmann“ von Maren Ade, die zum Festivalbeginn mit dem internationalen Fipresci-Filmkritikerpreis als Bester Film des Jahres ausgezeichnet wurde, ging im Rennen um den beliebten Publikumspreis allerdings leer aus. Hollywood-Star Richard Gere verlieh die Auszeichnung an „I, Daniel Blake“ von Ken Loach, Gewinner der letzten Goldenen Palme in Cannes.

San Sebastian im spanischen Baskenland gehört mit Berlin, Cannes und Venedig zu den wichtigsten und größten Internationalen Filmfestivals der Welt.

Obama eröffnete Museum für afroamerikanische Geschichte

US-Präsident Barack Obama hat seine Landsleute beschworen, sich als eine Nation zu verstehen und das Land gemeinsam zu verbessern. „Wir alle sind Amerikaner. Auch ich bin Amerikaner“, sagte der erste schwarze Präsident der USA gestern bei der Eröffnung eines Museums für afroamerikanische Geschichte und Kultur in Washington.

Museum of African American History

APA/AP/Pablo Martinez Monsivais

Obama betonte, dass die Einrichtung nicht nur die Geschichte der Schwarzen schildere - es sei die Geschichte aller Amerikaner, ihrer Sünden, ihrer Triumphe. „Es erzählt eine Geschichte darüber, wer wir sind“, sagte der scheidende Staatschef.

Bronze-Museum in der Nähe des Weißen Hauses

Das Erdgeschoß des Gebäudes, das mit einer filigranen Bronzefassade umhüllt ist und in unmittelbarer Nachbarschaft des Weißen Hauses liegt, zeichnet die geschichtliche Entwicklung in Richtung Gleichberechtigung nach. Das obere Geschoß präsentiert die Bereiche Sport, Musik, Unterhaltung und Ernährung. Insgesamt werden in dem Gebäude 34.000 geschichtsträchtige Objekte präsentiert. An der Eröffnungszeremonie nahmen neben tausenden Schaulustigen auch Stars wie Oprah Winfrey und Stevie Wonder teil.

Das Museum ist das erste nationale Museum, das die Unterdrückung und Ausbeutung der schwarzen Bevölkerung dokumentiert sowie ihren Beitrag zur Kultur und Gesellschaft des Landes würdigt.

Leute

Polizei untersucht Hacker-Angriff auf Pippa Middleton

Nach Berichten über einen Hacker-Angriff auf tausende private Fotos der Schwägerin von Prinz William hat die Londoner Polizei Ermittlungen aufgenommen. Die Polizei sei am Freitag über einen Angriff auf ein privates iCloud-Konto informiert worden, seitdem ermittelten ihre Experten, erklärte Scotland Yard gestern.

Laut den Zeitungen „The Sun“ und „Daily Mail“ waren Unbekannte in das iCloud-Konto von Pippa Middleton eingedrungen, hatten rund 3.000 Fotos gestohlen und sie zu verkaufen versucht.

Auch Fotos von Prinz William und Familie betroffen

Den Zeitungsberichten zufolge waren unter den Fotos auch Aufnahmen von Pippas älterer Schwester Kate, der Frau von Prinz William, sowie von deren beiden Kindern, George und Charlotte. Laut „Sun“ hatten die Hacker für die Fotos umgerechnet rund 58.000 Euro gefordert.

Middleton ist durch ihre Rolle als Brautjungfer bei der Hochzeit von William und Kate im April 2011 in der Öffentlichkeit berühmt geworden. Die 33-Jährige will voraussichtlich im nächsten Jahr den Hedgefonds-Manager James Matthews heiraten. Den Berichten zufolge sollen einige der gestohlenen Fotos auch Vorbereitungen für die Hochzeit zeigen.

Truman Capotes Asche für 40.000 Euro versteigert

Die Asche des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote („Kaltblütig“) ist gestern in Los Angeles für 40.000 Euro (45.000 Dollar) versteigert worden. Wer das Holzkästchen mit den Überresten des berühmten Buch- und Drehbuchautoren erwarb, wurde nicht bekannt.

Darren Julien, Gründer und Präsident des nach ihm benannten Auktionshauses, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Käufer fast das Zehnfache des Schätzpreises bot.  

Capote war 1984 knapp 60-jährig im Haus seiner Vertrauten Joanne Carson in Los Angeles gestorben. Carson, Ex-Frau des Fernseh-Entertainers Johnny Carson, behielt Capotes Asche und weitere Hinterlassenschaften bis zu ihrem Tod 2015. Kurz zuvor sagte sie Julien nach dessen Angaben, dass Capote mit der Versteigerung seiner Asche einverstanden war. „Truman wollte nicht, dass sie auf einem Regal verstaubt“, zitierte Julien Joanne Carson.

Julien’s Auktionshaus ist bekannt für ungewöhnliche Lose und hatte schon einen Nierenstein des kanadischen Schauspielers William Shatner („Star Wars“) zu Geld gemacht. Der Erlös der Live- und Online-Versteigerungen fließt häufig wohltätigen Organisationen zu.