Ausland

Türkei: U-Haft über „Welt“-Korrespondenten verhängt

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in der Türkei hat ein Haftrichter in Istanbul gestern Abend Untersuchungshaft gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel erlassen. Das berichtete die „Welt“, für die Yücel als Türkei-Korrespondent arbeitet.

Dem 43-jährigen Korrespondenten würden „Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung“ vorgeworfen. Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt.

Merkel: „Unverhältnismäßig hart“

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die verhängte Untersuchungshaft als „bitter und enttäuschend“. „Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart, zumal Deniz Yücel sich der türkischen Justiz freiwillig gestellt und für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt hat“, sagte Merkel gestern Abend in Berlin.

Die Bundesregierung erwarte, „dass die türkische Justiz in ihrer Behandlung des Falles Yücel den hohen Wert der Pressefreiheit für jede demokratische Gesellschaft berücksichtigt“, sagte Merkel weiter. „Wir werden uns weiter nachdrücklich für eine faire und rechtsstaatliche Behandlung Deniz Yücels einsetzen und hoffen, dass er bald seine Freiheit zurückerlangt.“

Gabriel sieht Beziehungen belastet

Auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte die Entscheidung scharf kritisiert. „Das ist eine viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung“, teilte Gabriel mit. „Sie berücksichtigt weder das demokratische hohe Gut der Presse- und Meinungsfreiheit noch, dass Deniz Yücel sich freiwillig der türkischen Justiz gestellt und sich bereiterklärt hat, für das Ermittlungsverfahren voll zur Verfügung zu stehen.“ Gabriel sprach von „schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen“.

UNO-Sicherheitsrat will über Syrien-Sanktionen abstimmen

Der UNO-Sicherheitsrat will morgen über Sanktionen gegen die syrische Regierung wegen Chemiewaffeneinsätzen abstimmen. „Das Ziel: Einigkeit des Sicherheitsrats“, hieß es von der französischen UNO-Vertretung tags davor beim Kurznachrichtendienst Twitter. Frankreich hatte die Resolution gemeinsam mit den USA und Großbritannien entworfen, nachdem mehrere Untersuchungen der syrischen Regierung den Einsatz von Chemiewaffen vorgeworfen hatten.

Russland hatte allerdings schon in der vergangenen Woche deutlich gemacht, das es sein Veto dagegen einlegen würde. Damit wäre die Resolution vom Tisch. Das mit Syrien verbündete Russland hat seit Beginn des Konflikts bereits sechs damit verbundene Resolutionen per Veto zunichte gemacht. Die UNO-Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien unterstützten in Syrien die bewaffnete Opposition, die die Regierung mit Sitz in der UNO stürzen will.

Kritik nach Angriff Le Pens gegen Ermittler

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat mit einem Frontalangriff gegen die Ermittlungsbehörden scharfe Kritik ausgelöst. „Ich werde es niemals akzeptieren, dass man in unserer Republik die Beamten unter dem Vorwand beschuldigt, dass sie das Gesetz anwenden“, sagte Staatspräsident Francois Hollande gestern.

Die Unabhängigkeit der Justiz und die Unparteilichkeit des Staates seien wichtige Werte, betonte der Sozialist, ohne explizit auf die Präsidentschaftskandidatin Le Pen zu verweisen.

„Krumme Schachzüge“

Die Front-National-Chefin hatte tags davor bei einer Wahlkampfkundgebung erneut behauptet, dass ihre politischen Gegner versuchten, den Staatsapparat gegen sie einzusetzen. Hintergrund sind Ermittlungen der Justiz zur Beschäftigung von Mitarbeitern durch Europaabgeordnete der Front National. Le Pen warnte die Staatsbeamten vor einer Beteiligung an „krummen Schachzügen“, da sie nach einem Machtwechsel „die Verantwortung für diese illegalen Methoden“ übernehmen müssten. Ermittlungsrichter seien nicht dazu da, „den Willen des Volkes zu durchkreuzen“.

Die Polizeigewerkschaft Alliance wertete Le Pens Aussagen als Drohungen. Le Pen hatte vergangene Woche eine Befragung durch die Polizei in der Affäre verweigert; sie will erst nach den Wahlen mit den Ermittlern sprechen. Auch die Medien hatte Le Pen bei der Kundgebung am Sonntag scharf attackiert.

Jean-Marie Le Pen wegen Roma-Äußerungen verurteilt

Marine Le Pens Vater, der Gründer der Partei, wurde unterdessen erneut für diskriminierende Äußerungen über Roma verurteilt. Der 88-Jährige Jean-Marie Le Pen muss wegen Anstiftung zum Hass und zur Diskriminierung 5.000 Euro Strafe zahlen, wie das Berufungsgericht in Aix-en-Provence nach Angaben eines Sprechers entschied.

Das Gericht bestätigte damit ein Urteil vom vergangenen April, das Le Pen angefochten hatte. Le Pen hatte 2013 bei einer Pressekonferenz in Nizza die Anwesenheit von Roma in der Stadt am Geruch festgemacht. Drei französische Menschenrechtsorganisationen hatten daraufhin gegen ihn geklagt.

UNHCR: Abschottung Europas bringt Flüchtende in Gefahr

Die Schließung der Balkan-Route und verschärfte europäische Grenzkontrollen haben Flüchtende nach UNO-Angaben in neue Gefahren gestürzt. Viele Menschen, die sich in ihrer Not an Schlepper wandten, hätten sich damit in teils gefährliche Situationen gebracht, berichtete das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR gestern in Genf.

Von Schleppern gefoltert, festgehalten und erpresst

Es gebe alarmierende Berichte von Flüchtlingen, die nach eigenen Angaben verschleppt und gegen ihren Willen festgehalten, missbraucht, gefoltert und erpresst wurden.

Schlepper im Norden Mazedoniens und teils auch aus der serbischen Hauptstadt Belgrad, in Pristina (Kosovo) und in Sofia (Bulgarien) setzten „routinemäßig“ Menschen fest und erpressten sie, gaben Betroffene an. Personen, die die Dienste der Schleuser nicht in Anspruch nahmen, berichteten von Entführungen. Einige Kriminelle sollen den Berichten zufolge auch sexuelle Gewalt und Folter eingesetzt und Menschen über Tage hinweg festgehalten haben, um höhere Zahlungen als vereinbart zu erpressen.

Insgesamt seien Zehntausende Menschen an den Grenzen in Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Serbien, Spanien und Mazedonien zurückgedrängt worden, teils gewalttätig, um andere abzuschrecken. „Dieser Bericht zeigt, dass viele Flüchtlinge und Migranten ohne sichere Fluchtrouten große Risiken auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen“, meinte der Direktor des UNHCR-Europa-Büros, Vincent Cochetel.

Beratungen zu „Brexit“: Rückschlag für May möglich

Bei der Debatte im britischen Oberhaus über den Gesetzesentwurf zum Start der „Brexit“-Verhandlungen mit der Europäischen Union zeichnet sich Widerstand in zwei Punkten ab. So wollen die Lords nach Angaben aus der Labour-Partei Garantien dafür, dass die derzeit rund drei Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger bleiben dürfen. Darüber könnte bereits am Mittwoch abgestimmt werden.

Im Gegensatz zum Unterhaus, das das Gesetz am 9. Februar verabschiedete, hat die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May im Oberhaus keine Mehrheit. Die Lords wollen auch per Gesetz festlegen, dass das Parlament über den endgültigen Austrittsvertrag abstimmen muss. Konservative wie der ehemalige Minister Michael Heseltine haben bereits erklärt, dafür gemeinsam mit Liberaldemokraten und Labour-Vertretern im Oberhaus stimmen zu wollen.

Weitere Runde würde Zeitplan durcheinanderbringen

Falls das Oberhaus Änderungen erzwingt, muss die Vorlage wieder zurück ins Unterhaus. Das würde womöglich den Zeitplan von Regierungschefin May durcheinanderbringen, die spätestens Ende März offiziell den Austritt aus der EU erklären will. Danach beginnen auf zwei Jahre befristete Austrittsverhandlungen zwischen beiden Seiten.

Die Debatte im Oberhaus hatte in der vergangenen Woche begonnen. Sie wird in dieser Woche fortgesetzt. Die endgültige Lesung im Oberhaus ist für den 7. März vorgesehen.

Bei einem Volksentscheid im vergangenen Juni hatten 52 Prozent der britischen Wähler für einen Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Großbritanniens Oberstes Gericht hatte im Januar entschieden, dass die Regierung die Verhandlungen mit Brüssel über einen EU-Austritt nur mit Zustimmung des Parlaments in London einleiten darf.

Visazwang für Georgier in der EU aufgehoben

Die EU-Mitgliedsstaaten haben gestern endgültig beschlossen, den Visazwang für Reisende aus Georgien aufzuheben. Der EU-Einwanderungskommissar Dimitris Avramopoulos sprach von einem „historischen Tag für Georgien und seine Bürger“.

Der Vereinbarung zufolge können georgische Staatsangehörige künftig mit einem biometrischen Pass für bis zu 90 Tage ohne Visum in den Schengen-Raum einreisen.

Ausgenommen sind Großbritannien und Irland, die nicht Teil des Schengen-Raumes sind. Diesem gehören neben den restlichen EU-Staaten auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz an. Die Visaliberalisierung tritt 20 Tage nach Veröffentlichung des Beschlusses im EU-Amtsblatt in Kraft - voraussichtlich in der zweiten März-Hälfte.

Gleichzeitig „Visanotbremse“

Die Vereinbarung wird begleitet von neuen Regeln der EU zur schnellen Wiedereinführung von Reisebeschränkungen. Diese „Visanotbremse“ war auf Druck Deutschlands und Frankreichs im vergangenen Jahr vereinbart worden. Die deutsche Bundesregierung hatte dabei auch auf Anstiege bei Ladendiebstählen und Wohnungseinbrüchen um rund ein Drittel verwiesen, für die georgische Tatverdächtige verantwortlich seien.

Durch die Neuregelung kann bei Verstößen gegen das EU-Aufenthaltsrecht oder bei steigender Kriminalität eine Wiedereinführung der Visapflicht für bestimmte Gruppen von Bürgern für zunächst neun Monate beschlossen werden. Bleiben die Mängel bestehen, kann die Visafreiheit auch für alle Staatsbürger des betroffenen Landes ausgesetzt werden.

Türkei noch immer offen

Die EU hat bereits mehr als 50 Staaten Visafreiheit gewährt. Damit können Hunderte Millionen Menschen ohne Visum bis zu 90 Tage in die EU einreisen. Auch die Ukraine, der Kosovo und die Türkei haben die Visaliberalisierung beantragt. Während bei der Ukraine mit dem Fall des Visazwangs im Sommer gerechnet wird, erfüllen die Türkei und das Kosovo die Voraussetzungen dafür nach EU-Angaben noch nicht.

Terrorangst in D: Der verbarrikadierte Karneval

In Deutschland herrscht während des Karnevals regelmäßig Ausnahmezustand - heuer nicht nur im sprichwörtlichen Sinn. Die Faschingsfeiern, die in Städten wie Köln Hunderttausende Menschen auf die Straßen locken, finden unter rigiden Sicherheitsmaßnahmen statt.

Grund sind Terroranschläge wie in Berlin und Nizza, auch die Kölner Silvesternacht 2015 ist noch in Erinnerung. Aus Angst vor Attentaten wurden Betonblockaden errichtet, schwere Lkws und Bauschuttmulden dienen als improvisierte Barrikaden.

Mehr dazu in Berlin-Attentat noch deutlich in Erinnerung

Etwas weniger Besucher beim Karneval von Nizza

In Nizza verzeichnete der berühmte Karneval sieben Monate nach dem Terroranschlag in der Stadt am Mittelmeer einen leichten Besucherrückgang. Nach Angaben des für Tourismus zuständigen Beigeordneten des Bürgermeisters, Rudy Salles, kamen etwa zehn Prozent zahlende Besucher weniger als im Vorjahr.

Da man zu Beginn des Kartenverkaufs mehr als 40 Prozent im Rückstand war, sei das verkraftbar, sagte der Politiker heute dem Radiosender France Bleu Azur. Endgültige Zahlen gebe es aber noch nicht.

Die Behörden hatten auch hier die zweiwöchigen Karnevalsfeiern streng abgesichert. Die Umzüge fuhren nicht mehr über die Strandpromenade, Zuschauer mussten Sicherheitskontrollen passieren. Am 14. Juli 2016 war ein 31-Jähriger auf der Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen getötet.

Inland

Fremdenrechtspaket im Ministerrat

Die Koalition beschließt heute im Ministerrat ihr Fremdenrechtspaket, das unter anderem eine Ausweitung der Schubhaft und höhere Strafen bei verweigerter Ausreise oder Falschangaben im Asylverfahren bringt. Ein letztes Detailgespräch tags davor brachte keine größeren Änderungen mehr, wurde sowohl aus SPÖ als auch ÖVP bestätigt.

Entschädigung für gemeinnützige Arbeit offen

Noch offengeblieben war vor dem Wochenende, wer die Höhe der Entschädigungen für Asylwerber, die gemeinnützige Jobs leisten, festlegen soll. Herausgekommen ist nun, dass eine entsprechende Verordnung vom Innenminister im Dialog mit den Ländern festgelegt wird.

Nicht in das schon im vergangenen Herbst in seinen Grundzügen festgelegte Paket integriert wurden vorerst jene Punkte, auf die sich die Koalition mittlerweile im erneuerten Regierungspaket verständigt hat. Allerdings wurde zuletzt nicht ausgeschlossen, dass im Zuge der parlamentarischen Behandlung der nunmehrigen Vorlage noch die eine oder andere Maßnahme ergänzt werden könnte.

Warnung vor vermehrter Obdachlosigkeit

Flüchtlingskoordinator Peter Hacker befürchtet, dass durch das neue Gesetzespaket Tausende Flüchtlinge mit negativem Asylbescheid obdachlos werden könnten. Denn es sieht vor, dass rechtskräftig abgelehnte Asylwerber ohne Grundversorgung auskommen müssen.

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„Kurier“: Heeresnachrichtenamt enttarnte Cyberterroristen

Massive Computerattacken seit dem Vorjahr auf die Server des Flughafens Wien, auf das Parlament, die Nationalbank sowie das Verteidigungs- und das Außenministerium sind laut der Tageszeitung „Kurier“ geklärt. Als mutmaßlichen Haupttäter habe das Heeresnachrichtenamt, der Auslandsnachrichtendienst der Republik, einen im US-Staat Kentucky lebenden Türken enttarnen können, meldet die Zeitung in einer Vorausmeldung.

Arslan A. alias Osman T. alias General Osman habe einen militärischen Hintergrund in der Türkei, so der „Kurier“. Er habe Fotos gepostet, die ihn in der Uniform eines türkischen Fallschirmjägers mit Sturmgewehr auf einem türkischen Truppenübungsplatz zeigten. Beruflich gebe er sich als Cybersicherheitsfachmann aus.

Arslan A. verwendete für seine Angriffe laut „Kurier“ ein Botnet mit 600 infizierten Servern aus 150 Ländern. Angegriffen worden seien Länder und Einrichtungen, denen von ihm und seinen Sympathisanten „Türkeifeindlichkeit“ nachgesagt werde.

Sport

Formel 1: Hamilton bei erstem Test Schnellster

Das Weltmeisterteam Mercedes hat gestern zum Auftakt der Formel-1-Testfahrten in Barcelona die Tagesbestzeit erzielt. Lewis Hamilton, der im Gegensatz zu seinem neuen Teamkollegen Valtteri Bottas am Nachmittag mit Heckfinne am Silberpfeil unterwegs war, verwies Sebastian Vettel auf Rang zwei. Während die Tests bei Mercedes und Ferrari reibungslos verliefen, hatten Red Bull, McLaren und Force India mit Problemen zu kämpfen.

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Ski alpin: Shiffrin „muss fokusiert bleiben“

Mit dem Sieg bei der Kombination in Crans-Montana hat Mikaela Shiffrin am Sonntag einen weiteren Schritt zur großen Kristallkugel gemacht. Der 21-jährige US-Star beteuerte danach, trotz des beachtlichen Vorsprungs im Gesamtweltcup weiter „fokussiert“ bleiben zu müssen. Statt nun daheim für die kommenden Technikrennen in den USA zu trainieren, legt sie aber einen überraschenden Zwischenstopp am anderen Ende der Welt ein.

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Fußball: Torlinientechnik überführt PSV-Goalie

Eine nicht alltägliche Szene hat Feyenoord Rotterdam im Schlager gegen PSV Eindhoven einen wichtigen Sieg im Kampf um den Titel in der niederländischen Ehrendivision beschert.

PSV-Goalie Jeroen Zoet parierte wenige Minuten vor Spielschluss einen Kopfball bravourös, sorgte aber mit der nachfolgenden Aktion für ein kurioses Eigentor. Überführt wurde Zoet von der Torlinientechnik, die bewies, dass der Ball einen einzigen Millimeter hinter der Linie war.

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Nordische WM: Medaillen nehmen Druck von ÖSV-Team

Nach elf von 21 Bewerben bei der nordischen Ski-WM in Lahti kann der Österreichische Skiverband (ÖSV) zur Halbzeit sehr zufrieden Bilanz ziehen. Mit einem kompletten Medaillensatz in Gold, Silber und Bronze wurde die auf dreimal Edelmetall lautende Vorgabe von Präsident Peter Schröcksnadel bereits erfüllt.

Stefan Kraft und Co. können entsprechend befreit in die zweite WM-Woche gehen. Der Medaillenhunger von ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori ist dennoch noch nicht gestillt.

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Wirtschaft

WTO-Chef warnt Trump vor Handelskrieg

Der Chef der Welthandelsorganisation WTO, Roberto Azevedo, hat US-Präsident Donald Trump vor einem Handelskrieg gewarnt. „Ohne Handel wird Amerika niemals ‚great again‘“, sagte Azevedo der „Bild“-Zeitung in Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan „Make America great again“. „Wenn wir einen Handelskrieg erleben, wäre das katastrophal“, sagte der WTO-Präsident. Strafzölle und neue Handelsbarrieren hätten vor allem Folgen auch für die deutsche Wirtschaft. „Speziell für das Exportland Deutschland wäre das eine Katastrophe“, sagte Azevedo.

Der WTO-Chef kritisierte zudem die weltweit zunehmende Skepsis gegenüber dem Freihandel: „Das Problem ist ein irrationaler Umgang mit diesem Thema.“ Es gebe einen „Mangel an Informationen“ und „ein Bedürfnis nach einfachen und schnellen Antworten“. Die Leute würden „vielen Fehlwahrnehmungen und Missverständnissen“ aufsitzen. „Da sind zu viele Gefühle und zu wenig Fakten im Spiel.“

Statt durch Strafzölle US-Unternehmen zu schützen, solle Trump die eigene Wirtschaft durch Bildungs-Investitionen langfristig stärken, forderte Azevedo: „Sie können doch als Politiker nicht bloß andere Länder und böse Kräfte von außen dafür verantwortlich machen“, sagte der WTO-Chef an den US-Präsidenten gerichtet.

Trump hat einen protektionistischen Wirtschaftskurs angekündigt. Er drohte Strafzölle auf Waren aus dem Ausland an und erwähnte in diesem Zusammenhang ausdrücklich deutsche Autobauer. Zudem besiegelte er den Ausstieg der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP und will das Nafta-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu aushandeln. International löste Trump die Sorge vor einer Ära internationaler Handelsschranken aus.

Markenstreit: Ungarn und Slowakei schalten EU ein

Ungarn und die Slowakei fühlen sich von großen internationalen Nahrungsmittelherstellern hintergangen und schalten deswegen jetzt die Europäische Union ein. Wie das ungarische Landwirtschaftsministerium gestern mitteilte, wird der EU-Ministerrat das Thema im März auf Antrag von Budapest und Bratislava erörtern.

Ungarn hatte vor einer Woche einen Bericht veröffentlicht, wonach zahlreiche in Ungarn verkaufte Markenprodukte schlechter seien als diejenigen mit derselben Verpackung in Österreich oder Deutschland.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die slowakische Lebensmittelbehörde. Die Europäische Union müsse rechtliche Lösungen für das Problem finden, heißt es in der Mitteilung. Gegenwärtig sehe die EU-Gesetzgebung keine Handhabe gegen die Tricks der Nahrungsmittelmultis vor.

Weitere Untersuchungen

In dem Bericht der ungarischen Lebensmittelbehörde hatte es geheißen, die von Nahrungsmittelriesen wie Unilever oder Nestle in Österreich angebotenen Waren seien „cremiger“, geschmacklich besser oder reichhaltiger als in Ungarn. In einigen Fällen sei auch einfach der Packungsinhalt größer. Die Behörde kündigte zugleich eine weitere Untersuchung an. Sie will 100 Produkte vergleichen, die in gleicher Aufmachung in Ungarn und im Ausland verkauft werden.

Gläubigervertreter wieder in Athen

Nach monatelangem Streit über Reformen im hoch verschuldeten Griechenland kehren nach Angaben des Finanzministeriums heute Vertreter der Gläubiger nach Athen zurück. Die Abgesandten der EU-Kommission, des Rettungsfonds ESM, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank würden mit Regierungsvertretern über Reformen in der Energiebranche, Haushaltsfragen und Privatisierungen sprechen, verlautete aus dem Ministerium.

Die Experten sollen den Stand der Reformen überprüfen, von denen die weitere Auszahlung von Krediten abhängt. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die Überprüfung bis zum 20. März abgeschlossen sein soll. Griechenland braucht allerdings erst im dritten Quartal weitere Milliarden.

Insgesamt hat das Hilfspaket ein Volumen bis zu 86 Milliarden Euro. Noch unklar ist, ob sich der IWF beteiligt. Sollte er sich dagegen entscheiden, müsste sich nach Ansicht des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble der Bundestag erneut mit den Finanzhilfen befassen.

Geldwäsche in Ukraine? Ermittlungen gegen Meinl Bank

Die Staatsanwaltschaft Wien hat das Bundeskriminalamt mit Ermittlungen gegen die Meinl Bank im Zusammenhang mit Geldwäsche beauftragt. Das berichtet „Der Standard“ (Dienstag-Ausgabe).

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gebe es einen Anfangsverdacht gegen aktive und frühere Verantwortliche der Meinl Bank betreffend Geldwäsche im Zusammenhang mit der Ukraine, heißt es in dem Bericht.

Die Meinl Bank bestreitet, dass in der Ukraine Ermittlungen gegen das Institut oder ihre Organe geführt werden. Von den Verfahren in Österreich seien die meisten bereits eingestellt worden, da sich „keinerlei Anhaltspunkte für rechtswidrige Handlungen“ ergeben hätten.

Chronik

Flusspferd in Zoo von Angreifern zu Tode misshandelt

Ein Flusspferd im Zoo von El Salvador ist von Angreifern so schwer misshandelt worden, dass es seinen Verletzungen erlag. Flusspferd Gustavito sei am Sonntagabend gestorben, teilte das salvadorianische Kulturministerium gestern mit. Das Tier war am vergangenen Mittwoch von Unbekannten mit Stichwaffen verletzt und geschlagen worden.

„Wir sind empört und traurig über die Tötung des Flusspferds“, sagte Kulturministerin Silvia Regalado. Auch die Zoologische Stiftung von El Salvador verurteilte die Tat. „Wir können nicht verstehen, wie jemand einem schutzlosen Tier so etwas antun konnte“, sagte ihr Sprecher Mauricio Velasquez der Zeitung „La Prensa Grafica“.

Die Polizei fahndete nach den Tätern. Das Motiv für den Angriff war zunächst unklar. Die Sicherheitsvorkehrungen in dem Zoo sollten nun verstärkt werden, teilte Kulturministerin Regalado mit.

Kindesmissbrauch auf Bestellung: Däne vor Gericht

In Dänemark steht heute ein Pensionist vor Gericht, weil er über Jahre hinweg Vergewaltigungen an Kindern auf den Philippinen über das Internet bestellt haben soll. Die Taten, die sich zwischen 2011 und 2016 abgespielt haben sollen, konnte der 70-Jährige laut Anklage über einen Livestream verfolgen.

Bei den „Vergewaltigungen auf Bestellung“ habe er Männern von seinem Computer aus Anweisungen geben können, was passieren solle. Seit der Festnahme im Februar 2016 sitzt der Mann aus einem Kopenhagener Vorort in Untersuchungshaft. Er ist in Glostrup wegen Beteiligung an sexuellem Missbrauch und Vergewaltigungen in 346 Fällen angeklagt.

Zwischenfall in bayrischem AKW Gundremmingen

Wegen eines Zwischenfalls an einem Ventil ist Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen in Bayern gestern abgeschaltet worden. Nach Angaben der Betreiber waren zum Abschluss der Revision Prüfungen unter anderem an Sicherheits- und Entlastungsventilen durchgeführt worden. Im nuklearen Bereich habe eines der elf Ventile, die sich innerhalb des geschlossenen Sicherheitsbehälters befinden, zur Prüfung korrekt geöffnet, aber nicht wieder verschlossen werden können.

Kühltürme des AKW Gundremmingen

APA/AFP/Christof Stache

Der ausgetretene radioaktive Dampf sei in dem geschlossenen Sicherheitsbehälter verblieben, betonte ein Sprecher. Block B sei ordnungsgemäß per Hand abgeschaltet worden. Derzeit werde der Vorfall untersucht. Nach vorläufiger Einschätzung sei das Vorkommnis als meldepflichtiges Ereignis in die Kategorie „Normal“ einzustufen. Personal, die Anlage und ihre Umgebung seien nicht gefährdet gewesen.

USA: Kleinflugzeug stürzt in Wohngebiet

Mindestens ein Mensch ist beim Absturz eines Kleinflugzeugs in einem Wohngebiet in Kalifornien ums Leben gekommen. Weitere vier Personen wurden bei dem Unglück in Riverside verletzt, berichteten US-Medien. Zwei Häuser gingen in Flammen auf.

Die mit vier Personen besetzte zweimotorige Maschine war wenige Augenblicke zuvor am Flughafen von Riverside gestartet. Über die Unglücksursache lagen zunächst keine Angaben vor. Riverside liegt knapp 90 Kilometer südöstlich von Los Angeles.

Kultur

Falscher bester Film: Oscar-Panne durch doppeltes Kuvert

Von einem „Instant-Klassiker“ der Oscar-Geschichte ist die Rede. Dass ausgerechnet am Höhepunkt der Show zuerst „La La Land“ als bester Film gefeiert und der Irrtum dann chaotisch auf offener Bühne mit dem Preis für „Moonlight“ richtiggestellt wurde, lag offenbar an einem doppelt ausgeteilten Kuvert.

Dass alle Preiskuverts zweifach existieren, hat seinen Grund in der Dramaturgie der Show. Der Star des Moments war nach Meinung vieler Präsentator Jimmy Kimmel, der die Situation mit kühlem Kopf und Schlagfertigkeit einigermaßen retten konnte.

Mehr dazu in Beatty hoffte vergeblich auf gute Faye

Deutscher Schauspieler Martin Lüttge gestorben

Der Schauspieler Martin Lüttge ist tot. Er sei am Mittwoch im Alter von 73 Jahren in Schleswig-Holstein gestorben, bestätigte seine Hamburger Agentur Reuter gestern entsprechende Medienberichte. Der gebürtige Hamburger war Anfang der Neunzigerjahre als „Tatort“-Kommissar Bernd Flemming einem breiten Fernsehpublikum bekannt geworden.

Schauspieler Martin Lüttge 2011

picturedesk.com/SZ-Photo

Für Rolle als „Tatort“-Kommissar gelobt

Lüttges Rolle des eher bodenständigen, leicht verschrobenen Kommissars - gepaart mit Humor - wurde von Kritikern hoch gelobt. Doch trotz des großen Erfolgs verabschiedete sich Lüttge nach nur 15 Folgen, um sich wieder mehr dem Theater zu widmen.

Bereits 1978 gehörte er zu den Gründern eines Theaters auf einem Bauernhof in der Nähe von Burghausen in Bayern, der als Theaterhof Priessenthal bekannt wurde.

Gesundheit

WHO: Die zwölf gefährlichsten „Killerkeime“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Liste von zwölf „Killerkeimen“ veröffentlicht, gegen die herkömmliche Medikamente keinen ausreichenden Schutz bieten können. Die Liste solle als Richtschnur für die weitere Forschung und für die Entwicklung neuer Antibiotika dienen, teilte die WHO gestern mit.

Wenn es nur den Marktgesetzmäßigkeiten überlassen bleibe, würden die neuen Antibiotika „nicht rechtzeitig“ entwickelt, sagte Vize-WHO-Direktorin Marie-Paule Kieny.

Im Jänner war in den USA eine Patientin an einer Infektion gestorben, nachdem alle 26 zugelassenen Antibiotika keine Wirkung gezeigt hatten. Ein besonders gravierendes Problem sind die nosokomialen oder auch behandlungsassoziierten Infektionen. Es handelt sich um Infektionen, die Patienten sich im Rahmen einer medizinischen Behandlung zuziehen können.

Science

Religion

Lifestyle

Paris zeigt Wintermode

Die Pret-a-Porter-Schauen der Damenkollektionen für Herbst/Winter 2017/18 gehen heute in Paris an den Start. Nach den Schauen in New York, London und Mailand dreht sich nun acht Tage lang in der französischen Hauptstadt das Modekarussell.

Mehr als 80 Defilees internationaler Designermarken stehen auf dem Programm, darunter große Namen wie Saint Laurent, Chanel oder Dior. Daneben gibt es noch zahlreiche „Off“-Präsentationen wie etwa die des deutschen Modeduos Talbot Runhof am Samstag.