Ausland

Parlament in Venezuela offiziell entmachtet

Das von der Opposition dominierte Parlament in Venezuela ist offiziell entmachtet worden. Es hat damit keine Entscheidungsgewalt mehr. Die neue verfassungsgebende Versammlung nahm heute ein Dekret an, mit dem das Gremium die Aufgaben der Nationalversammlung übernimmt. Die Versammlung wird von Dutzenden Staaten nicht anerkannt.

Dem sozialistischen Staatschef Nicolas Maduro wird der Umbau zur Diktatur vorgeworfen. Die neue Versammlung ist allen anderen Staatsgewalten übergeordnet. Die Wahl der 545, fast ausschließlich linientreuen Mitglieder Ende Juli wurde von massiven Betrugsvorwürfen überschattet und von der Opposition boykottiert.

Oppositionspolikern droht Haft

Als Nächstes kann die rasche Aufhebung der Immunität von Oppositionspolitikern drohen. Das würde eine Strafverfolgung etwa wegen der Proteste gegen Maduro erleichtern. Führenden Politikern der Opposition drohen lange Haftstrafen. Gegen den Präsidenten und den Vizepräsidenten des Parlaments, Julio Borges und Freddy Guevara, wurden Ermittlungen eingeleitet.

Im Dezember 2015 hatte ein Bündnis aus rund 20 Parteien bei der Parlamentswahl eine Zweidrittelmehrheit gewonnen. Dieses Volksvotum wird nun nicht beachtet. In dem beschlossenen Dekret wird betont, die Maßnahme diene der „Sicherung des Friedens, der Unabhängigkeit und der Stabilisierung des sozioökonomischen- und des Finanzsystems“.

Kritik an Erdogan nach Boykottaufruf bei deutscher Wahl

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat mit seinem gegen deutsche Parteien gerichteten Aufruf zur deutschen Bundestagswahl massive Kritik ausgelöst. „Das ist ein bislang einmaliger Akt des Eingriffs in die Souveränität unseres Landes“, sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel heute dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Merkel: „Verbitten uns Einmischung“

Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verbat sich jegliche türkische Einmischung. Alle deutschen Staatsbürger, auch die Deutsch-Türken hätten ein freies Wahlrecht, sagte Merkel am Abend bei einer CDU-Wahlveranstaltung in Herford. „Wir verbitten uns jede Art von Einmischung“, so Merkel.

Vertreter türkischer und kurdischer Gruppierungen wandten sich ebenfalls empört gegen den Appell des türkischen Staatsoberhaupts. Erdogan hatte sich zuvor an die in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft gewandt: „Ich rufe alle meine Landsleute in Deutschland auf: Die Christdemokraten, die SPD, die Grünen sind alle Feinde der Türkei.“

„Erdogan möchte Gesellschaft spalten“

Gabriel appellierte an die Deutschen türkischer Herkunft, an der Bundestagswahl teilzunehmen. Erdogan warf er vor, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zerstören zu wollen. Der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Atila Karabörklü, sagte dem RND: „Erdogan möchte die deutsche Gesellschaft spalten.“

Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Cahit Basar, warf Erdogan vor, offensichtlich die seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Menschen instrumentalisieren zu wollen. Er warnte, dass der Erdogan unterstehende türkische Moscheeverband DITIB versuchen werde, Erdogans Wahlanweisungen umzusetzen.

Die Deutsch-Türken sollten am 24. September für Parteien stimmen, die die aktuelle antitürkische Politik nicht mittragen. Für die Spannungen mit der Türkei sei allein Deutschland verantwortlich, so Erdogan laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die SPD und die CDU machten Stimmung gegen die Türkei, um bei der Wahl Stimmen zu gewinnen.

Trumps Rat der Künste löst sich aus Protest auf

Nach Donald Trumps Gleichsetzung von Rassisten und Gegendemonstranten geht der Exodus seiner Berater weiter. Heute erklärten die verbleibenden Mitglieder des präsidentiellen Rats der Künste und Geisteswissenschaften ihren Rückzug. Sie verbanden das mit scharfer Kritik an Trump.

„Anders als Ihre Berater im West Wing können wir nicht untätig herumsitzen, ohne gegen Ihre Worte und Handlungen die Stimme zu erheben“, heißt es in einem Brief an den Präsidenten. Unter den 16 Unterzeichnern und Unterzeichnerinnen sind die Schriftstellerin Jhumpa Lahiri und der Maler Chuck Close.

Unter Reagan gegründet

„Rassismus, Diskriminierung und Hass sind keine amerikanischen Werte“, hieß es weiter. „Ihre Werte sind keine amerikanischen Werte. Wir müssen besser sein als das. Wir können besser sein als das. Wenn Ihnen das nicht klar ist, fordern wir Sie zum Rücktritt auf.“

Der Rat wurde 1982 unter Ronald Reagan gegründet, um den Präsidenten in kulturellen Belangen zu beraten. Einige seiner Mitglieder hatten sich bereits nach Trumps Wahl zurückgezogen. Trump hat in dieser Woche bereits zwei Wirtschaftsräte beendet, er kam damit ihrer Selbstauflösung zuvor.

Rechtsextreme beenden Aktion im Mittelmeer

Ein Zusammenschluss von Rechtsextremen aus mehreren europäischen Ländern hat die Aktion mit dem Ziel, die Rettung von Menschen im Mittelmeer durch Hilfsorganisationen zu blockieren, für beendet erklärt.

Die Mission „Defend Europe“ (Europa verteidigen) sei ein Erfolg gewesen, so die rechtsextremen Identitären, „neue Initiativen“ würden bald folgen. Die für die Aktion eingesetzte „C-Star“ lag heute im Mittelmeer östlich von Malta vor Anker.

Israel: Gericht stoppt nachträgliche Siedlungslegalisierung

Der Oberste Gerichtshof Israels hat die nachträgliche Legalisierung jüdischer Siedlungen auf dem Land von Palästinensern gestoppt. Der Richter Neal Hendel setzte eine gesetzliche Neuregelung vom Februar aus, wie aus Dokumenten hervorgeht, die gestern ausgefertigt wurden. Mit der Anordnung des Richters wird die Anwendung des Gesetzes auf unbestimmte Zeit verhindert.

Die Annahme des Gesetzes am 6. Februar hatte international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Neuregelung ist eine drastische Verschärfung der bisherigen Siedlungspolitik, weil sie es ermöglicht, im israelischen Rechtsrahmen auch solche Siedlungen für legal zu erklären, die von der israelischen Regierung selbst bisher als illegal eingestuft wurden. Nach den Regelungen des Völkerrechts werden die jüdischen Siedlungen auf Palästinensergebiet ohnehin als illegal betrachtet.

Strafverfolgung durch IGH könnte drohen

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs erfolgte als Antwort auf einen Antrag von 17 palästinensischen Kommunalräten, palästinensischer und israelischer Menschenrechtsorganisationen. Richter Hendel wies darauf hin, dass Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit ihm die Entscheidung aufgetragen habe.

Mandelblit hatte die Regierung gewarnt, dass das Gesetz gegen die Verfassung verstoßen und Israel eine Strafverfolgung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag drohen könnte. Der Oberste Gerichtshof forderte das israelische Parlament zu einer Stellungnahme bis zum 10. September auf. Mandelblit soll seinerseits bis zum 16. Oktober darauf antworten.

80 tote Zivilisten bei Luftangriffen in Syrien

Bei Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition auf die nordsyrische IS-Hochburg al-Rakka sind Aktivisten zufolge seit Wochenanfang mehr als 80 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern seien fast 30 Kinder und 16 Frauen, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte heute. Wegen der vielen Schwerverletzten könnte die Zahl der Toten weiter steigen.

Ein von Kurden angeführtes Bündnis kämpft in al-Rakka mit Hilfe der Anti-IS-Koalition gegen die Extremisten. Die Angreifer haben mittlerweile rund die Hälfte des Stadtgebietes eingenommen. Al-Rakka gilt als Hauptstadt des Islamischen Staates (IS) in dem Bürgerkriegsland. Nach UNO-Schätzung sind in der umkämpften Stadt noch rund 25.000 Zivilisten eingeschlossen.

IS in Wüste umzingelt

Die syrische Armee hat indes Stellungen des IS in der Wüste im Zentrum des Landes praktisch vollständig umzingelt. Wie die Beobachtungsstelle und die amtliche Nachrichtenagentur SANA heute mitteilten, kreisten die Regierungstruppen die an der Grenze der Provinzen Homs und Hama gelegene Ortschaft Okairbat und die 44 umliegenden Siedlungen ein.

Laut der Nachrichtenagentur SANA brachte die Armee neben Okairbat auch vier Gasfelder unter ihre Kontrolle, darunter das wichtige Gasfeld Twinan. Die Beobachtungsstelle erklärte, für die Armee sei nun der Weg frei, auch die letzten verbleibenden IS-Stellungen in der Wüste zu belagern.

Nach der Vertreibung der Dschihadisten aus den Provinzen Homs und Hama können sich die Regierungstruppen an die Rückeroberung von Deir al-Sor machen, der letzten Provinz unter Kontrolle des IS. Die sunnitische Extremistengruppe steht seit Monaten stark unter Druck und hat in Syrien und im Irak den Großteil ihrer Gebiete verloren.

Inland

Kindergarten bis Uni: Hammerschmid für einziges Ressort

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) fordert die Bündelung der Zuständigkeit für Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Uni unter dem Dach eines Ressorts. Die Schnittstellen im System zu verbessern, sei das Gebot der Stunde, sagte Hammerschmid heute.

Durch die Bildungsreform sei die Kommunikation zwischen Kindergarten und Schulen bereits verbessert worden, jedoch fehle noch ein einheitlicher Qualitätsrahmen für Kindergärten, die derzeit ganz unterschiedlich arbeiten würden.

Zudem solle jedes Kind Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr und das zweite Gratiskindergartenjahr haben. Das würde besonders Alleinerziehenden helfen und die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung verbessern, so Hammerschmid.

Sport

Fußball: Real auch in neuer Saison „hungrig“

Nach einer Rekordsaison mit dem Triumph in der Meisterschaft sowie der erfolgreichen Titelverteidigung in Champions League und Supercup ist man bei Real Madrid hungrig nach mehr. „Wenn wir hart weiterarbeiten, können wir noch viel mehr erreichen“, sagte Trainer Zinedine Zidane und gab damit das Motto für die heute beginnende La Liga aus.

Hauptkonkurrenten der „Königlichen“ sind auch diesmal Barcelona und Atletico, die jedoch mit scheinbar schlechteren Karten in die neue Saison starten.

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Fußball: Alaba hat zwei Titel im Visier

Heute wird in der Münchner Allianz Arena mit dem Duell zwischen Titelverteidiger Bayern München und Bayer Leverkusen die 55. Saison der deutschen Bundesliga eingeläutet. David Alaba und Co. gehen dabei auf den sechsten Meistertitel in Folge los.

„Unser Ziel ist es natürlich, am Ende wieder ganz oben zu stehen“, so der Wiener, der darauf verwies, dass es auch diesmal kein Selbstläufer wird. Doch die Meisterschale ist nicht das einzige Ziel. Alaba hat noch einen zweiten Titel im Visier.

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Radsport: Froome jagt bei Vuelta rares Double

Ab morgen steht mit der 72. Ausgabe der Vuelta a Espana die nach dem Giro d’Italia und der Tour de France letzte der drei großen Rundfahrten auf dem Programm. Tour-Sieger Christopher Froome jagt dabei ein seltenes Double.

Als erster Fahrer seit dem Franzosen Bernard Hinault vor 39 Jahren will der Brite nach dem Triumph in Frankreich auch in Spanien zuschlagen. „Es wäre unglaublich“, so Froome, der neben starker internationaler Konkurrenz auch von einem rot-weiß-roten Trio gefordert wird.

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Europa League: Austria stößt Tür zur Gruppenphase auf

Mit einem 2:1 im Play-off-Hinspiel gegen NK Osijek hat die Austria einen großen Schritt in Richtung Europa-League-Gruppenphase gemacht. „Die Tür ist aufgestoßen“, sagte Trainer Thorsten Fink nach dem wichtigen Auswärtssieg der Wiener in Kroatien. „Vom Fußballerischen bin ich sehr zufrieden, ein paar Dinge müssen wir aber noch abstellen“, sagte der Deutsche, der damit auf die Probleme in der Defensive anspielte. Für das Rückspiel am kommenden Donnerstag gaben sich die „Veilchen“ jedenfalls vorsichtig optimistisch.

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Wirtschaft

Im Pleitefall: Staatliche Hilfe für Niki zugesichert

Österreich würde der Air-Berlin-Tochter Niki mit staatlichen Mitteln zu Hilfe eilen, sollte Niki dem Schicksal der deutschen Mutter folgen und insolvent werden. Das wurde gestern in Spitzengesprächen in Wien vereinbart. Österreich habe eine „jederzeitige Unterstützung im Bedarfsfall zugesichert“, sagte Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) heute. Ein solcher Bedarf zeichne sich zurzeit aber nicht ab.

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Air Berlin verhandelt mit Lufthansa

Unterdessen haben heute konkrete Verhandlungen über die Aufteilung von Air Berlin begonnen. Der deutsche Marktführer Lufthansa, Konzernmutter der AUA, will sich einen großen Teil der Flugzeuge von Air Berlin sichern. Der Übernahmekandidat wollte keine Stellung zum aktuellen Stand der Dinge nehmen.

Bei den Gesprächen mit Lufthansa könne es um rund 90 der 144 von Air Berlin geleasten Flugzeuge gehen, hieß es in Unternehmenskreisen. Im Eigentum von Air Berlin ist keine Maschine ihrer Flotte mehr. Dementsprechend müssen auch die Leasingfirmen in eine Vereinbarung eingebunden werden.

Schweiz verhängt Zulassungsstopp für Porsche Cayenne

Die Behörden in der Schweiz haben einen Zulassungsstopp für bestimmte Modelle des Porsche Cayenne verhängt. Wie das Bundesamt für Straßen heute mitteilte, handelt es sich um Modelle der Euro-6-Norm. Die Weisung sei aus „Gründen des Umweltschutzes“ ergangen, erklärte das Bundesamt vor dem Hintergrund der Dieselabgasaffäre.

Die Weisung gilt nicht für Modelle, die in der Schweiz bereits zugelassen sind - diese Autos müssen aber nachgerüstet werden. Wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA berichtete, will Porsche Schweiz im Herbst eine Rückrufaktion starten, von der gut 560 Fahrzeuge betroffen sein sollen.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Ende Juli mitgeteilt, dass Porsche in 22.000 Fahrzeuge des Modells Cayenne eine illegale Software zur Senkung der Abgaswerte eingebaut habe. Der Konzern muss die Wagen zurückrufen.

Fipronil: Weiterer Giftstoff in Desinfektionsmittel entdeckt

Im Skandal um mit Fipronil verseuchte Hühnereier ist einem Bericht zufolge von belgischen Behörden ein weiterer gefährlicher Wirkstoff in der Desinfektionslösung Dega 16 gefunden worden. Es handle sich um das Pestizid Amitraz, berichtete das Magazin „Der Spiegel“ heute unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Die Behörden stießen bei der Untersuchung von sichergestellten Kanistern mit dem Desinfektionsmittel Dega 16 auf Amitraz-Spuren. Den Fund meldeten die Belgier dem „Spiegel“ zufolge bereits im Juli über das europäische Lebensmittel-Schnellwarnsystem an die übrigen EU-Staaten.

Seit 2008 nicht mehr zugelassen

Amitraz ist ein Gift, das zum Beispiel bei Hunden gegen Insekten und Milben eingesetzt wird. Als Pflanzenschutzmittel ist es seit 2008 EU-weit nicht mehr zugelassen, bei Menschen kann Amitraz zu Sprachstörungen, niedrigem Blutdruck und Desorientierung führen. Ob und inwieweit das Gift in die Eier gelangte, werde derzeit offenbar noch geprüft, berichtet der „Spiegel“.

Die belgische Lebensmittelaufsicht bestätigte laut „Spiegel“ Amitraz-Funde in zwei Proben der Desinfektionslösung. Für Konsumenten habe jedoch „zu keinem Moment eine Gefährdung“ bestanden, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde dem „Spiegel“.

Nach Angaben des BVL nehme die niederländische Verbraucherschutzbehörde NVWA entsprechende Untersuchungen vor, habe aber „bis jetzt nichts gefunden“, berichtete das Magazin weiter. Die NVWA ließ eine Anfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet. In Deutschland gab es offenbar noch keine größere Überprüfung auf Amitraz.

ZIB2

Liveschaltungen nach Barcelona und zu Terrorexperten

„Wir haben keine Angst“, haben die Menschen heute in Barcelona nach der Schweigeminute skandiert. Wie die Stimmung in Barcelona am Tag danach noch ist, dazu eine Schaltung zu Josef Manola in Barcelona.

Die katalanische Polizei vermutet, dass die Attentäter von Barcelona einen noch weit größeren Anschlag geplant hätten. Doch nach der Explosion ihrer Bombenwerkstatt dürften sie sich entschlossen haben, rasch zu handeln. Müssen wir also mit Anschlägen dieser Art leben lernen? Dazu eine Liveschaltung zu dem renommierten Terrorismusforscher Peter Neumann vom King’s College in London.

Zehn Parteien

Heute ist die Frist zum Sammeln von Unterstützungserklärungen abgelaufen. Zehn Parteien und Listen werden bei der Nationalratswahl am 15. Oktober in ganz Österreich auf dem Stimmzettel stehen. Zu den Hoffnungen und Chancen der Parteien ist Christoph Hofinger, ORF-Wahlforscher im Studio

Bannon geht

Donald Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon verlässt das Weiße Haus. Dazu eine Liveschaltung nach Washington.

ZIB2 mit Rainer Hazivar, 22.10 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Chronik

Zwei Tote bei Messerattacke in Finnland

Bei einer Messerattacke in der finnischen Stadt Turku sind nach Polizeiangaben heute zwei Menschen getötet worden. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei über Twitter mit. Zuvor hatte ein Krankenhaus erklärt, es gebe einen Toten und acht Verletzte.

Feuerwehreinsatzkräfte am Tatort

Reuters/Lehtikuva/Roni Lehti

Laut Polizeiangaben hatte der Angreifer am Nachmittag im Zentrum der südwestfinnischen Stadt mehrere Menschen niedergestochen. Die Polizei schoss dem Tatverdächtigen in die Beine und nahm ihn fest. Nach möglichen weiteren Verdächtigen werde gesucht, hieß es.

Motiv unklar

Der Hintergrund der Tat ist laut Polizei weiter unklar. Auch die Identität des Mannes ist nicht bekannt. Der Mann ist im Krankenhaus und im Polizeigewahrsam. Ob es eine Verbindung zu anderen Terrorattacken gibt, sei offen, so die Polizei.

Bilder des staatlichen Fernsehsenders Yle zeigten eine abgesperrte Innenstadt mit geschlossenen Geschäften. Augenzeugen berichteten, sie hätten Menschen auf dem Boden liegen gesehen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich nicht ins Zentrum von Turku zu begeben.

Sierra Leone: Schon über 400 Tote nach Erdrutsch

Nach der Hochwasserkatastrophe im westafrikanischen Sierra Leone ist die Zahl der Toten auf über 400 angestiegen. Weitere 600 Menschen würden noch vermisst, sagte der Generalsekretär der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IRFC), Elhadsch As Sy, heute in Genf. As Sy rief die internationale Gemeinschaft eindringlich auf, ihre Hilfe für den westafrikanischen Staat aufzustocken.

Das bitterarme Land sei nicht in der Lage, mit der Krise allein fertig zu werden, sagte As Sy. So gebe es in der Hauptstadt Freetown nicht genügend Unterkünfte für die Überlebenden der Katastrophe. Auch nach vier Tagen müssten sie unter freiem Himmel schlafen, berichtete er. Nun gehe es auch darum, einen Ausbruch von Durchfallerkrankungen und Cholera zu verhindern.

Gestern begann in dem bei Freetown gelegenen Ort Waterloo die Bestattung der ersten Opfer. An ihr nahmen neben Staatschef Ernest Bai Koroma auch die Präsidentin des benachbarten Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, teil.

Kopf in Hamburg gefunden: Frau identifiziert

Der am Dienstag entdeckte Frauenkopf in Hamburg gehört zur Leiche einer getöteten 48 Jahre alten Frau. Das habe ein DNA-Test ergeben, sagte ein Polizeisprecher heute. Das Opfer ist laut Polizei eine Frau aus Äquatorialguinea, die in Hamburg als Prostituierte gearbeitet haben soll.

Bereits zuvor war davon ausgegangen worden, dass es sich um die Frau handeln dürfte. Taucher hatten den Kopf aus einem Kanal geborgen. Insgesamt sind in der Hansestadt seit Anfang August zwölf Leichenteile gefunden worden.

Kultur

Frequency: 40.000 Besucher, Punkrock und wenige Frauen

Das Frequency 2017 zählte 40.000 Besucherinnen und Besucher pro Tag, dazu 400 Securitys, 430 Sanitäter und zahlreiche Polizisten. Die Sonnenstunden der letzten Tage lassen sich nicht beziffern, dafür die Anzahl der gefallenen Regentropfen: null.

Allgemein ließ sich am Frequency Festival dieses Jahr beobachten, dass Punkrock aus den 90er Jahren für Tausende Menschen nichts von seiner Energie eingebüßt hat. Der Frauenanteil unter den Artists muss dringend drastisch erhöht werden, und der Weekender Stage wären auch bei den noch nicht so bekannten Acts ein paar mehr Neugierige zu wünschen.

Mit Auftritten von Mumford & Sons, Wanda und Wiz Khalifa ging das FM4 Frequency Festival Donnerstagabend in St. Pölten zu Ende.

Und: Das im letzten Jahr eingeführte Cashless-System an den Bars und Essensständen hat noch seine Tücken, denn die eingesparte Zeit beim Bierkauf holt man beim Aufladen der Karte locker wieder rein.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

„Lulu“: Unsafe Sex mit Nervensägen

Die Figur der freizügigen Lulu ist in der Geschichte der Literatur vielleicht der flagranteste Vorstoß gegen bürgerliche Moralkonventionen und männliche Machtphantasmen. Wer sich als Mann mit ihr ins Bett legt, muss am Ende nicht selten das Leben lassen - auch weil Männer nun einmal Männer sind und die eigene Freizügigkeit nicht gern mit dem Nebenbuhler teilen. Aus Frank Wedekinds unbeugsamer Verführerin, die sich am Ende prostituiert und auf Jack the Ripper trifft, macht die griechische Filmregisseurin Athina Rachel Tsingari auf der Pernerinsel in Hallein ein schrilles Kücken. Gleich drei Frauen sind parallel die Lulu. Das ist gewagt, durchsichtig - und sehr nervtötend.

Mehr dazu in ORF.at/salzburgerfestspiele17

Spekulation über „Star Wars“-Spin-off über Obi-Wan Kenobi

Die seit Jahren anhaltenden Gerüchte über die Hauptperson im dritten geplanten Spin-off zur eigentlichen „Star Wars“-Saga konkretisieren sich: Nach Informationen des „Hollywood Reporter“ soll es im letzten Ableger zum „Krieg der Sterne“ um den Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi gehen.

Disney führe bereits erste Gespräche mit dem dreifach Oscar-nominierten Regisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“, „The Hours“, „The Reader“), berichtete das Branchenmagazin.

Laut dem Magazin gibt es noch kein Drehbuch, und auch der Hauptdarsteller steht noch nicht fest. Nach dem verstorbenen Obi-Wan aus der Originaltrilogie, Alec Guinness, wurde die Rolle von Ewan McGregor übernommen. Im April sagte der 46-jährige Schotte „Entertainment Weekly“, er wäre sehr gerne nochmals Jedi, doch sei die Produktionsfirma Lucasfilm bisher noch nicht an ihn herangetreten.

Auch Yoda und Boba Fett im Gespräch

Neben einer weiteren „Star Wars“-Trilogie, deren erster Teil „Das Erwachen der Macht“ Ende 2015 in die Kinos kam, sind drei Ableger der Saga geplant: Auf „The Rogue One“, der Ende 2016 startete, sollte im kommenden Jahr ein Film über den intergalaktischen Schmuggler Han Solo folgen.

Für den dritten Teil waren gerüchteweise auch der Jedi-Meister Yoda sowie der Kopfgeldjäger Boba Fett im Gespräch. Weder Disney als Mutter von Lucasfilm noch Daldrys Agent waren zunächst für eine Stellungnahme zu den Informationen von „Hollywood Reporter“ zu erreichen.

Kunstmuseum Bern restauriert Gurlitt-Nachlass öffentlich

Bei der Restaurierung von Kunstwerken aus der Gurlitt-Sammlung erlaubt das Kunstmuseum Bern jetzt einen Blick hinter die Kulissen. Seit heute können Besucher in der Schweizer Hauptstadt Restauratorinnen durch ein Fenster in der eigens gebauten Werkstatt über die Schulter schauen. Das Museum bietet auch Führungen direkt in die Werkstatt an.

Cornelius Gurlitt, Sohn eines der Kunsthändler von Adolf Hitler, hortete Jahrzehnte lang eine umfangreiche Sammlung, darunter Raubkunst und Werke, die die Nazis als „entartet“ gebrandmarkt hatten. Die zufällige Entdeckung war 2012 eine Sensation. Gurlitt starb 2014 und vermachte den Nachlass dem Kunstmuseum Bern.

Zelt mit „Quarantänecharakter“

Die Wiederherstellung der unter anderem durch Staub, Schimmel, Kleberückstände und Knickstellen beschädigten Werke erfordert höchste Sicherheitsmaßnahmen. Ein Teil des Ateliers ist mit Plastikfolien abgeklebt. „Das Zelt hat Quarantänecharakter“, sagt Nathalie Bäschlin, Leiterin der Konservierung und Restaurierung. Dort wird mit feinen Düsen oder Lösungsmitteln Schimmel beseitigt. Das Museum will verhindern, dass Sporen in die vorhandene Sammlung gelangen.

Das Kunstmuseum hat zunächst 200 Werke in der Werkstatt, die im November ausgestellt werden sollen. Darunter sind Arbeiten von Macke, Dix, Nolde, Kirchner und Liebermann, überwiegend auf Papier. Schwerpunkt ist das Thema „entartete Kunst“. Zeitgleich zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn 250 Werke aus der teilweise mit NS-Raubkunstverdacht behafteten Sammlung.

Science

Leute

Yoko Ono erzwingt Namensänderung von Hamburger Bar

Wegen einer Klage der John-Lennon-Witwe Yoko Ono muss die Hamburger Bar „Yoko Mono Bar“ nach 17 Jahren ihren Namen ändern. Die Künstlerin und Witwe des Beatles-Sängers hatte zuvor über eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei gegen den Namen geklagt - er sei ihrem eigenen zu ähnlich, sagte ein Gerichtssprecher heute in Hamburg.

Das Hamburger Landgericht gab ihr recht und stellte am 12. Juli eine einstweilige Verfügung aus, inklusive Strafandrohung über 250.000 Euro. Zuvor hatte das „Hamburger Abendblatt“ berichtet.

„Yoko“ überklebt

Jens Kristian Peichl, der Anwalt des Barbesitzers Nima Garous-Pour, hält die Entscheidung des Gerichts für falsch - von einer Verwechslungsgefahr könne keine Rede sein. Er kündigte deshalb an, Widerspruch einzulegen. Vorerst habe man sich jedoch an das Verbot gehalten und den Namen „Yoko“ überklebt.

Ob der Widerspruch erfolgreich sein wird oder nicht, eine Zukunft gibt es für die nunmehr „Mono Bar“ nicht: Seit dem vergangenen Wochenende ist sie geschlossen, bestätigte Peichl. Grund hierfür sei nicht Yoko Ono, sondern ein jahrelanger Streit zwischen Garous-Pour und dem Vermieter, in dessen Folge der Mietvertrag gekündigt wurde.

Panorama