Ausland

TTIP-Papiere: USA reagieren gelassen

Das Weiße Haus hat gelassen auf die Enthüllungen über den Poker mit der EU um das Freihandelsabkommen TTIP reagiert. Er sei „nicht besonders beunruhigt über diese angeblichen Enthüllungen“, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest, am Montag in Washington. Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, bekräftigte, die USA gingen „weiter davon aus, dass es möglich ist“, das Abkommen noch in der Amtszeit Obamas abzuschließen.

Es gebe „Skepsis“ auf beiden Seiten des Atlantiks, sagte Kirby, aber die Globalisierung sei nun einmal Realität. Zuvor hatte ein Sprecher des US-Handelsbeauftragten Michael Froman die Enthüllungen als „irreführend“ bezeichnet. TTIP werde Standards zum Schutz der Verbraucher, der Gesundheit der Bürger sowie der Umwelt „erhalten und nicht abschwächen“. Froman führt die Verhandlungen mit der EU-Kommission.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte am Montag unter ttip-leaks.org 13 sogenannte konsolidierte Texte ins Internet gestellt, in denen die Verhandlungspositionen der USA und Europas zu unterschiedlichen Fragen zu erkennen sind. Mehrere Medien, die zuvor die Dokumente vorliegen hatten, veröffentlichten ihre Analysen dazu.

Demnach kämpfen die USA mit härteren Bandagen als bisher bekannt. So hebt sich Washington Zugeständnisse bei Exporterleichterungen für die europäische Autoindustrie für die „Endphase“ der Verhandlungen auf - laut „Süddeutscher Zeitung“, damit sich die EU bei Zöllen auf Agrarprodukte bewegt. Die Dokumente offenbaren demnach auch, dass sich die USA dem europäischen Wunsch verweigern, die umstrittenen privaten Schiedsgerichte für Konzernklagen durch ein öffentliches Modell zu ersetzen.

In den Unterlagen seien Schlagworte wie Chlorhühnchen oder Gentechnik nicht zu finden, dafür aber „haufenweise Vorschläge“ der USA, wie europäische Schutzmaßnahmen aufgelöst werden sollen, kritisierte Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch in Berlin. Sollte sich der US-Ansatz durchsetzen, wäre es in Europa mit dem Vorsorgeprinzip vorbei. Dieses sei aber im Vertrag von Lissabon verankert.

US-Vorwahlen gehen mit Indiana in die Zielgerade

Die Vorwahlen im Präsidentschaftswahlkampf der USA gehen in die Zielgerade. Heute wird im US-Staat Indiana gewählt.

Donald Trump, der bei den Republikanern deutlich vorne liegt, würde mit einem Sieg seiner Nominierung einen entscheidenden Schritt näher kommen. Sie könnte dann zwar nicht heute, aber noch vor dem entscheidenden Parteitag im Juli feststehen. Letzte Umfragen sahen Trump deutlich vor Ted Cruz und John Kasich, dem Senator von Texas und dem Gouverneur von Ohio.

Bei den Demokraten lag Hillary Clinton in Umfragen vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders, allerdings nur mit durchschnittlich fünf Punkten. Nach dem monatelangen Abstimmungsmarathon gibt es nach Indiana nur noch acht Wahltage in US-Staaten, Außengebieten und der Hauptstadt Washington.

Spanien: König Felipe ruft Neuwahl für Juni aus

König Felipe VI. wird heute in Spanien das Parlament auflösen und für den 26. Juni eine Neuwahl ansetzen. Der Monarch werde das Dekret in der Königsresidenz Palacio de la Zarzuela nordwestlich von Madrid unterzeichnen, teilte ein Parlamentssprecher mit.

Nach der Parlamentswahl vom 20. Dezember hatte keine der vier meistgewählten Parteien eine regierungsfähige Koalition bilden können. Die Frist zur Wahl einer Regierung lief gestern ab. Es handelt sich um die erste vorgezogene Wahl in der Geschichte Spaniens.

Im Dezember hatte die konservative Volkspartei (PP) des seitdem geschäftsführenden Ministerpräsident Mariano Rajoy mit 28,7 Prozent zwar die meisten Stimmen gewonnen, die absolute Mehrheit aber verloren. Rajoy fand danach keinen Bündnispartner.

Auch der Chef der Sozialisten (PSOE), Pedro Sanchez, scheiterte mit dem Versuch einer Koalitionsbildung. Mit den liberalen Ciudadanos (Bürger) konnte er zwar einen Regierungspakt schließen, die nötige Unterstützung der linken Protestpartei Podemos (Wir können) bekam er aber nicht.

Flüchtlingslager mitten in Paris geräumt

Französische Behörden haben zum wiederholten Mal ein ungenehmigtes Flüchtlingslager unter einer Hochbahnlinie in Paris geräumt. Nach Angaben der Regionalpräfektur wurden gestern 1.615 Menschen in Obhut genommen.

Viele hatten an der Metrostation Stalingrad im Nordosten der Hauptstadt unter der Gleisbrücke campiert, es soll sich vor allem um Sudanesen und Afghanen handeln. Sie würden nun untergebracht und könnten Asyl beantragen, sagte Präfekt Jean-Francois Carenco dem TV-Sender BFMTV.

Am gleichen Ort waren schon im März zweimal solche Lagerplätze geräumt worden. Ähnliche Camps mit teils dramatischen Hygienebedingungen entstehen in Paris immer wieder. Seit vergangenem Juni brachten die Behörden nach eigenen Angaben bei 19 Räumungsaktionen mehr als 8.000 Menschen in Unterkünfte.

Streit über Immunität: Schlägerei im türkischen Parlament

In der Verfassungskommission im türkischen Parlament ist im Streit über die Aufhebung der Immunität bestimmter Abgeordneter erneut eine Schlägerei ausgebrochen. Parlamentarier der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP und der prokurdischen HDP seien gestern mit Fäusten aufeinander losgegangen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Einige Parlamentarier seien verletzt worden. Im Fernsehen war zu sehen, wie Abgeordnete wie von Sinnen aufeinander einprügelten und sich mit Gegenständen bewarfen. Die Sitzung wurde unterbrochen. In derselben Kommission war es zuletzt am Donnerstag zu Schlägereien gekommen. Am Vortag waren Abgeordnete im Plenum aufeinander losgegangen.

Umstrittene Verfassungsänderung

Die Verfassungskommission debattiert über eine umstrittene Verfassungsänderung, mit der die Immunität Abgeordneter aufgehoben würde, bei denen die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Antrag gestellt hat.

Nach einem Beschluss der Kommission muss das Parlament der Verfassungsänderung mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Sollte ein Gericht danach die Abgeordneten wegen der jeweiligen Anschuldigungen verurteilen, würden nicht nur sie, sondern auch ihre Parteien die Sitze im Parlament verlieren.

Die Verfassungsänderung soll nach Angaben aus der HDP einen Monat gelten und nicht vom Verfassungsgericht angefochten werden können. Am schwersten von dem Schritt betroffen wäre die HDP, der Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vorwirft, der parlamentarische Arm der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu sein. Angaben aus der HDP zufolge droht 49 ihrer 59 Abgeordneten die Aufhebung der Immunität.

USA und Russland pochen auf Waffenruhe in Syrien

Die USA und Russland dringen gemeinsam auf eine Einhaltung der Waffenruhe in Syrien. Die Außenminister John Kerry und Sergej Lawrow riefen in einem Telefonat sämtliche Konfliktparteien auf, die Feuerpause zu beachten, wie das Außenministerium in Moskau gestern mitteilte.

Parallel forderte der Syrien-Vermittler der Vereinten Nationen (UNO), Staffan de Mistura, in einer in Genf herausgegeben Erklärung angesichts der zunehmenden Kämpfe in dem Bürgerkriegsland die USA und Russland auf, die Waffenruhe vor dem Scheitern zu bewahren und zu erneuern.

„Regime der Ruhe“ verlängert

Russland ist der wichtigste Verbündete der Führung in Damaskus, die USA unterstützen die Rebellen. Auf Initiative der beiden Staaten war die Waffenruhe vereinbart worden, die Ende Februar in Kraft trat. Sie erweist sich aber als zunehmend brüchig. In den vergangenen Tagen wurden zusätzliche, lokal begrenzte Feuerpausen ausgerufen.

Für den Bereich Damaskus wurde nach russischen Angaben ein solches „Regime der Ruhe“ um 48 Stunden verlängert. Eine Ausweitung auf die besonders heftig umkämpfte Stadt Aleppo gelang jedoch zunächst nicht.

Mord an Umweltschützerin in Honduras: Verdächtige gefasst

Nach dem Mord an der prominenten honduranischen Umweltschützerin Berta Caceres sind vier Verdächtige festgenommen worden. Die Männer seien gestern bei Razzien in verschiedenen Städten des mittelamerikanischen Landes gefasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Caceres war Anfang März in ihrem Haus erschossen worden. Die Aktivistin setzte sich jahrelang für die Rechte der Lenca-Indianer ein und kämpfte gegen Staudämme und Bergwerke in deren Siedlungsgebieten. Am Bau des umstrittenen Wasserkraftwerks Agua Zarca ist auch die deutsche Firma Voith beteiligt.

Medienberichten zufolge sind unter den Festgenommenen ein aktiver Soldat, ein Ex-Militär und ein Mitarbeiter des Unternehmens Desa, das den Staudamm Agua Zarca baut. Angehörige und Kollegen von Caceres hatten zuvor die Firma für den Anschlag auf die Umweltschützerin verantwortlich gemacht.

1,85 Millionen Venezolaner für Referendum gegen Maduro

Venezuelas Opposition hat binnen weniger Tage fast zwei Millionen Stimmen für ein Referendum gegen Präsident Nicolas Maduro zusammenbekommen. 1,85 Millionen Unterschriften für ein Referendum zur Abwahl des sozialistischen Präsidenten seien dem nationalen Wahlrat übergeben worden, teilte der Generalsekretär des Oppositionsbündnisses MUD, Jesus Torrealba, gestern mit.

Nötig gewesen wären knapp 200.000 Stimmen und damit ein Prozent der wahlberechtigten Bürger. Die konservative Opposition versucht seit Monaten, Maduro abzusetzen, den sie für die schwere Wirtschafts- und Stromkrise des Landes verantwortlich macht. Gestern hatte das Bündnis verkündet, binnen zwei Tagen 2,5 Millionen Stimmen für ein Referendum gesammelt zu haben.

Referendum noch vor Jahresende?

Die Bürger hatten sich massenweise an Sammelpunkten versammelt, um die Petition zu unterschreiben. Vor der Übergabe an den Wahlrat wurden die Unterschriften jedoch nochmals nachgezählt, und die Zahl wurde nach unten korrigiert.

Die Wahlbehörde muss den formalen Antrag nochmals überprüfen. Gibt sie grünes Licht, muss die Opposition nochmals binnen drei Tagen vier Millionen Stimmen einholen, um das Referendum endgültig durchzusetzen. Sie hofft, es noch vor Jahresende abhalten zu können. Die Sorge ist allerdings groß, dass der den regierenden Sozialisten nahestehende Wahlrat den Prüfprozess hinauszögern könnte.

Inland

Griss will nicht Rechnungshof-Präsidentin werden

Die frühere OGH-Präsidentin und gescheiterte Hofburg-Kandidatin Irmgard Griss hat gestern im Ö1-Abendjournal klargestellt, das Amt der Rechnungshof-Präsidentin nicht anzustreben: „Ich bewerbe mich nicht um das Amt.“ ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka habe ihr Unterstützung für eine Kandidatur angeboten, sie habe das Ansinnen aber abgelehnt, so Griss.

Das Angebot hatte Griss, die als parteifreie Kandidatin den Einzug in die Bundespräsidentschaftsstichwahl knapp verpasst hatte, bereits vergangenen Montag erhalten. Sie habe sich Bedenkzeit erbeten, so eine Sprecherin Lopatkas. In Griss’ Büro wurde Letzteres jedoch bestritten.

„Auf jeden Fall weitermachen“

„Mir ging es bei meiner Kandidatur um Inhalte und darum, etwas zu verändern und zu gestalten - diesen Weg will ich mit meinem Team fortsetzen“, hieß es von Griss zuvor am Nachmittag. In einer zweitägigen Klausur in der Steiermark habe sie mit ihrem 27-köpfigen Team diskutiert, wie es nach ihrem „Erfolg bei der Wahl am 24. April“ weitergehen könne.

Das Ergebnis: „Wir haben uns dazu entschlossen, dass wir auf jeden Fall weitermachen. Ich spüre eine Verantwortung gegenüber meinen Wählerinnen, Wählern und den vielen Unterstützern. Diesen Auftrag möchte ich wahrnehmen und einen Beitrag zu einer positiven Entwicklung in Österreich leisten.“ In welcher Form das geschehen soll, sei noch offen. „Das muss genau überlegt werden und braucht seine Zeit“, so Griss. Zum jetzigen Zeitpunkt sei nichts auszuschließen. „Wir denken in alle Richtungen.“

Von der Leyen in Wien: Fokus auf Außengrenze in Italien

Der österreichische Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) und seine deutsche Amtskollegin Ursula von der Leyen haben gestern nach einem Arbeitstreffen in Wien versucht, Einigkeit in der Flüchtlingskrise zu demonstrieren. Mit einer Bewertung der geplanten Grenzmaßnahmen auf dem Brenner hielt sich von der Leyen zurück - man müsse alle Kraft auf die italienische EU-Außengrenze richten.

Von der Leyen ist zum ersten Mal für bilaterale Gespräche mit ihrem österreichischen Amtskollegen zu Gast in Wien. Doskozil traf bereits Mitte April in Berlin zu informellen Gesprächen mit der Ministerin zusammen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich hatten im Zuge der Flüchtlingskrise zwischenzeitlich gelitten.

Van der Leyen dankt für Offenheit

Man sei einer Meinung, wenn man europäisch denke, müsse es eine gemeinsame Außengrenzensicherung geben, betonte Doskozil gestern nach dem Arbeitstreffen bei einer Pressekonferenz. Wichtig sei, dass man sich gegenseitig respektiere und auch die Handlungsweisen der Staaten gegenseitig respektiere.

Es sei entscheidend, „dass wir die Gesprächsbasis nicht verlieren zwischen den einzelnen Staaten“. Man müsse die Schritte koordinieren. Er sei „guter Hoffnung, dass wir, wenn wir diesen Zugang wählen, kein zweites Jahr wie 2015 erleben werden“. Der deutschen Ministerin dankte Doskozil für die Offenheit, über das Thema zu reden.

„Blick in den Süden“

Von der Leyen wiederum dankte dem „lieben Kollegen Doskozil“ für den „warmen Empfang“. Es sei ihr ein Anliegen, „dass wir eine gemeinsame europäische Antwort finden auf die Probleme, die wir haben“, sagte von der Leyen zum Thema Migration. Sie glaube, dass man nun in Europa weiter sei als vor einem Jahr.

Die entscheidende Frage sei, wie die Außengrenzen gemeinsam geschützt würden. Wenn Europa gemeinsam Lösungen suche, finde es auch welche, meinte die Ministerin mit Verweis auf Griechenland. „Jetzt wendet sich unser Blick in den Süden“, es sei wichtig, gemeinsam mit Italien Lösungen zu finden, um dort die EU-Außengrenze zu schützen.

Interner Länderstreit über Gelder aus Finanzausgleich

Die Länder sind sich in den Verhandlungen über den Finanzausgleich sichtlich uneinig. Die Konfliktlinie soll laut Informationen der „Tiroler Tageszeitung“ („TT“, Montag-Ausgabe) zwischen Vorarlberg und Tirol auf der einen Seite sowie Niederösterreich und Oberösterreich auf der anderen Seite verlaufen. Letztere sollen eine Änderung des Berechnungssystems beim Fixanteil gefordert haben, in dem die Bevölkerungszahl mitberücksichtigt werde.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kritisierte gestern das Infragestellen von "bestehenden und einstimmig beschlossenen Vereinbarungen“. Das „plötzlich“ zu tun sei „wenig dienlich". Es sei notwendig, dass die Verhandlungen mit dem Finanzminister durch eine „gemeinsame Position von Bundesländern und Gemeinden effizient geführt werden können“, so Platter weiter.

Wallner pocht auf Leistungsprinzip

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) lehnt eine Änderung ebenfalls ab, er sieht „Diskussionsbedarf“. In seinen Augen gilt es, die offenen Fragen rasch am Verhandlungstisch zu klären und anschließend in einer geschlossenen Länderposition auf Augenhöhe mit dem Bund zu verhandeln.

Laut Wallner werden die den Ländern zustehenden Mittel derzeit so aufgeteilt: 77 Prozent der Gelder werden entsprechend der Bevölkerungszahl verteilt, 23 Prozent nach einem Fixschlüssel, der auch andere Komponenten wie etwa das Steueraufkommen eines Bundeslands berücksichtigt. Eine noch stärkere Verlagerung hin zur Bevölkerungszahl sei der falsche Weg.

„Wir wollen das Leistungsprinzip berücksichtigt wissen, es kann nicht nur Geld umgeschichtet werden“, sagte er. Der Fixschlüssel sei zudem einstimmig beschlossen worden. Neben Tirol und Vorarlberg würden laut Wallner auch Salzburg und Wien verlieren. Er plädierte ebenfalls für einen Schulterschluss der Länder gegenüber dem Bund.

Pühringer will „keine Verletzungen“

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), einer der Verhandler für einen neuen Finanzausgleich, will ebenfalls, dass die Länder gemeinsam einen „guten Finanzausgleich“ mit dem Bund aushandeln. Bei der Aufteilung der Gelder sollten aber historische Ungerechtigkeiten in der horizontalen Verteilung beseitigt werden, teilte er auf APA-Anfrage mit. „Dabei soll keine Verletzung passieren“, sagte er.

Laut „TT“ würden Oberösterreich und Niederösterreich von dem neuen System mit 50 bzw. 70 Millionen profitieren, Tirol und Vorarlberg jedoch mehr als 25 Millionen Euro verlieren. Wallner bestätigte die 25 Millionen Euro Verlust. Bei den Gesprächen der Länder soll es laut „TT“-Bericht teils hitzig hergegangen sein, Platter soll eine Sitzung vorzeitig verlassen haben.

Rechtsextremismus nimmt stark zu

Rechtsextremistisch motivierte Straftaten haben in Österreich im Vorjahr stark zugenommen. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Verfassungsschutzbericht hervor.

Die größte Bedrohung für die innere Sicherheit in Österreich geht laut Bericht zwar „vom religiös motivierten islamistischen Extremismus und Terrorismus aus“. Doch mit einem Plus von 54,1 Prozent wurde im Bereich Rechtsextremismus ein „absoluter Höchststand“ verzeichnet.

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Wirtschaft

Nissan ruft 3,5 Mio. Autos wegen Airbag-Mängeln zurück

Der japanische Autohersteller Nissan ruft weltweit mehr als drei Millionen Autos wegen Problemen mit den Airbags zurück. Wegen einer Fehlfunktion kann es dazu kommen, dass der Beifahrer-Airbag bei Unfällen nicht auslöst. Das teilte die US-Verkehrsaufsicht NHTSA gestern per E-Mail mit.

Der überwiegende Teil der Rückrufaktion betrifft mit 3,18 Millionen Autos den US-Markt. Weltweit müssten bis zu 3,5 Fahrzeuge repariert werden, sagte ein Nissan-Sprecher.

Konkreter Rückrufplan bis Ende Mai

Es gehe um diverse Modelle der Baujahre 2013 bis 2017, darunter auch einige Autos der Marke Chevrolet, die Nissan für General Motors gefertigt hatte. In einigen Fällen reiche eine Softwareanpassung, bei anderen müssten Teile ausgetauscht werden.

Nissan werde bis Ende Mai einen konkreten Rückrufplan erstellen und die Autobesitzer in den nächsten 60 Tagen informieren. Beschwerden über den Defekt gibt es schon seit über zwei Jahren, Nissan hatte zuvor bereits mehrere Rückrufe durchgeführt.

Sport

Fußball: Werder Bremen gewinnt packendes Kellerduell

Bremen hat gestern einen Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt in der deutschen Bundesliga gelandet. Werder entschied ein packendes Kellerduell gegen Stuttgart mit 6:2 für sich und verdrängte den VfB damit zwei Runden vor Schluss vom rettenden 15. Tabellenrang.

Während Zlatko Junuzovic zwei Bremen-Treffer vorbereitete, erlebte sein ÖFB-Teamkollege Martin Harnik auf der Gegenseite einen bitteren Abend.

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Fußball: Grödig verschärft Bundesliga-Abstiegskampf

Eigentlich hat Rapid um den Meistertitel mitreden wollen. Stattdessen sprachen die Wiener ein Wort im Abstiegskampf mit, denn durch die 0:2-Pleite bei Grödig kamen die Salzburger unverhofft zu drei Punkten und machten den Abstiegskampf in der Bundesliga wieder spannend. Das Schlusslicht liegt drei Runden vor Saisonende nur noch fünf Punkte hinter Altach. Doch auch Mattersburg und Ried müssen noch zittern.

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Formel 1: Sabotagegerüchte um Mercedes

Der Grand Prix von Russland ist am Sonntag so zu Ende gegangen wie die sechs Rennen davor: Nico Rosberg durfte sich über einen deutlichen Sieg freuen. Obwohl sein Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton vom zehnten Startplatz auf Rang zwei fuhr, werden immer mehr Gerüchte um eine Bevorzugung des WM-Leaders gegenüber dem Weltmeister laut.

Bei Mercedes will man davon freilich nichts wissen. Man setze für Hamilton „Himmel und Hölle“ in Bewegung, so Motorsportchef Toto Wolff.

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Chronik

Kultur

Sotheby’s versteigert Fotos und Briefe von Proust

Seltene Briefe an den Vater, zum Teil unveröffentlichte Manuskripte und sehr persönliche Fotos aus dem Besitz des französischen Schriftstellers Marcel Proust kommen am 31. Mai in Paris unter den Hammer.

Das Auktionshaus Sotheby’s versteigert insgesamt mehr als 120 Fotografien, Zeichnungen, Bücher, Manuskripte und Briefe des Verfassers, der mit seinem Hauptwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Weltruhm erlangte.

Gesamtwert auf 520.000 bis 740.000 Euro

Die Sammlung, deren Gesamtwert auf 520.000 bis 740.000 Euro geschätzt wird, wird von einer Urgroßnichte des Schriftstellers, Patricia Mante-Proust, verkauft. Sie gibt einen Einblick in sein Schaffen, seinen Freundeskreis und seine Liebschaften. Unter den zahlreichen Fotos sind Aufnahmen von Proust selbst, Familienporträts, aber auch Bilder seiner Liebhaber, des Schriftstellers Lucien Daudet und des Pianisten Reynaldo Hahn.

Versteigert wird auch eine Originalausgabe von „In Swanns Welt“, dem ersten, 1913 veröffentlichten Band von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Ihr Wert wird auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt.

Briefe an den Vater

Auch ein bisher unbekanntes Manuskript des zweiten Bandes, „Im Schatten junger Mädchenblüte“, kommt unter den Hammer. Das Buch hätte eigentlich 1914 veröffentlicht werden sollen - die Verzögerungen durch den Krieg nutzte Proust, um den Text gründlich zu überarbeiten. 1919 erhielt er dafür den Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis.

Zu den bewegendsten Hinterlassenschaften gehören zwei Briefe Prousts an seinen Vater, der von der Schriftstellerei als Beruf nichts hielt, und mehrere Liebesbriefe an Daudet und Hahn, der „wirklich der Mensch ist, den ich neben Mama am meisten liebe auf der Welt“.

Ausstellung von Turner-Preisträger Tillmans in Berlin

Berühmt geworden ist er mit eindrücklichen Fotos der Londoner Rave- und Schwulenszene. Der deutsche Fotokünstler Wolfgang Tillmans gehört zu den großen Lifestyle-Fotografen der 1990er Jahre. Bis heute wirken seine Sujets und Motive stilprägend. Im Jahr 2000 erhielt Tillmans als erster Fotograf den renommierten Turner-Preis. Derzeit sind seine Werke in Berlin zu sehen.

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Schauspieler und Synchronsprecher Friedrichsen tot

Der Schauspieler und Synchronsprecher Uwe Friedrichsen ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 81 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus, bestätigten die Witwe Ute Friedrichsen und seine Künstleragentur heute. Der gebürtige Hamburger galt als einer der bekanntesten Schauspieler in Deutschland.

Schauspieler Uwe Friedrichsen

APA/dpa/Angelika Warmuth

Gustaf Gründgens hatte Friedrichsen 1956 für seine legendäre „Faust“-Inszenierung ans Schauspielhaus geholt, dessen Ensemble er bis 1968 angehörte. Danach war Friedrichsen in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen, darunter in der Wirtschaftskrimiserie „Schwarz-Rot-Gold“ und der „Sesamstraße“ neben Lilo Pulver und Horst Janson.

Friedrichsen war auch ein gefragter Hörbuch- und Synchronsprecher und lieh unter anderem seinen amerikanischen Kollegen Peter Falk und Donald Sutherland seine prägnante Stimme. Auch in zahlreichen „Tatort“-, „Derrick“- und „Der Alte“-Folgen war Friedrichsen ein gern gesehener Gast.

IT

Australier outet sich als Bitcoin-Erfinder

Seit Jahren wird darüber gerätselt, wer hinter der Digitalwährung Bitcoin und damit hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto steckt. Nachdem die Spur zuletzt zum australischen Unternehmer Craig Wright führte, hat sich dieser nun als Bitcoin-Erfinder geoutet. „Ich wollte keine Öffentlichkeit, aber ich will jetzt, dass die Sache ein für alle Mal geklärt ist“, sagte Wright laut dem britischen „Economist“. Wright untermauerte seine Behauptung mit offenbar stichfesten Beweisen. „Satoshi ist tot“, schrieb er zudem in seinem Blog: „Aber das ist erst der Anfang.“

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„Sache ein für alle Mal klären“

WhatsApp in Brasilien für drei Tage blockiert

Der in Brasilien von Dutzenden Millionen Menschen genutzte Internetdienst WhatsApp wurde gestern Nachmittag landesweit für 72 Stunden blockiert. Eine entsprechende Richterentscheidung sei zuvor den fünf führenden Telefonanbietern des fünftgrößten Landes der Welt übermittelt worden, berichtete das Portal Folha de S. Paulo.

Der drastische Schritt wurde von Richter Marcel Montalvao angeordnet, der auch die kurzzeitige Festnahme des Vizepräsidenten von Facebook Lateinamerika, Diego Dzodan, Anfang März verfügt hatte. Damals ging es darum, dass Dzodan sich einer richterlichen Anordnung widersetzt habe, Gesprächsprotokolle mutmaßlicher Drogenhändler an die Ermittler weiterzugeben.

Im Falle einer Weigerung zur Blockade drohen den Mobilfunkanbietern Strafen von rund 500.000 Reais (127.000 Euro) pro Tag, hieß es. Brasiliens Justiz macht immer wieder Druck, um an Chatprotokolle über mögliche kriminelle Handlungen heranzukommen, im Dezember war WhatsApp für rund einen Tag blockiert worden. Laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg nutzen 100 Mio. Menschen WhatsApp in Brasilien.

Science

Forscher wollen Wrack der „Endeavour“ geortet haben

Wissenschaftler wollen das Wrack der „Endeavour“ des berühmten britischen Entdeckers James Cook geortet haben. Das Rhode-Island-Projekt für Meeresarchäologie (Rimap) teilte auf seiner Website mit, in der Bucht von Newport im US-Bundesstaat Rhode Island seien neun Stellen identifiziert worden, an denen sich Reste von 13 Schiffen befänden, die während des Unabhängigkeitskrieges in den Tagen vor der Schlacht von Rhode Island versenkt worden waren.

An einer Stelle sei ein Beiboot der 1778 gesunkenen „Lord Sandwich“ gefunden worden - die „Endeavour“ war nach ihrer Rückkehr aus dem Pazifik verkauft und in „Lord Sandwich“ umbenannt worden. In der Nähe des Beibootes lägen insgesamt fünf Wracks, und das Projekt für Meeresarchäologie vermute, dass die „Endeavour“ darunter sei.

Bevor die Untersuchungen fortgesetzt werden könnten, solle aber Geld für den Bau eines Hangars gesammelt werden, um die Fundobjekte zu lagern, erklärte Rimap. Mit der „Endeavour“ hatte James Cook von 1768 bis 1771 seine erste Entdeckungsreise unternommen und den südwestlichen Pazifik erforscht.

Wie Europa in der Steinzeit besiedelt wurde

Vor rund 45.000 Jahren besiedelten die modernen Menschen Europa. Die Begegnung mit Neandertalern dürfte ihnen aber nicht gutgetan haben. Denn laut einer neuen Studie gibt es im Erbgut heutiger Europäer keine direkte Spur mehr von den allerersten Siedlern. Bei der bisher einzigartigen Untersuchung von 51 urzeitlichen Genomen aus ganz Europa wurde das „genetische Geschichtsbuch der Steinzeit aufgeschlagen“.

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Leute

Cate Blanchett zur UNHCR-Botschafterin ernannt

Die australische Schauspielerin Cate Blanchett wird sich künftig als Botschafterin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) für die Belange der Flüchtlinge einsetzen. Sie sei sehr stolz auf ihre neue Rolle, erklärte die 46-Jährige nach ihrer gestrigen Ernennung.

Noch nie sei es wichtiger gewesen, sich an die Seite der Flüchtlinge zu stellen. Vor Blanchett hatte Angelina Jolie jahrelang die Botschafterrolle des UNHCR inne.

Die Welt durchlebe derzeit eine „noch nie dagewesene Krise“ und müsse diese gemeinsam schultern, fuhr Blanchett fort. Doch fühle es sich so an, „als stünden wir vor einem Scheideweg: Schlagen wir den Weg des Mitgefühls ein oder den der Intoleranz?“ Als Mutter wolle sie, dass sich ihre Kinder für das Mitgefühl entschieden. Blanchett hatte sich früher schon für Flüchtlinge und Zwangsvertriebene engagiert.