Ausland

Nigeria-Wahl: Ex-Militärdiktator Buhari knapp in Führung

Nach der Präsidentenwahl in Nigeria liegt der muslimische Oppositionskandidat Muhammadu Buhari ersten Auszählungsergebnissen zufolge knapp in Führung. Der frühere Militärdiktator gewann zehn der ausgezählten Bundesstaaten, der christliche Amtsinhaber Goodluck Jonathan nur sechs, wie die staatliche Wahlkommission gestern Abend mitteilte.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Insgesamt gibt es in Nigeria 36 Bundesstaaten. Die Bekanntgabe des Endergebnisses schien sich daher auf heute zu verzögern. Beobachter rechneten mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Sollte der 72 Jahre alte frühere Militärdiktator Buhari den 57 Jahre alten Jonathan ablösen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Landes zur Demokratie im Jahr 1999.

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren in Afrikas bevölkerungsreichstem Land am Samstag zur Abstimmung aufgerufen.

Berichte über Manipulationen

Die Wahl verlief nach Ansicht verschiedener Beobachter im Großen und Ganzen ordnungsgemäß. Eine Gruppe warnte jedoch vor Manipulationen bei der Auszählung der Stimmen. Es gebe aus mehreren Bundesstaaten besorgniserregende Berichte über Manipulationen und den Einsatz von Sicherheitskräften zur Beeinflussung von Auszählungen, teilte die renommierte Organisation Nigeria Civil Society Situation Room mit. Sie wird finanziell auch von der US-Regierung unterstützt.

Auch US-Außenminister John Kerry warnte in einer Stellungnahme vor „vorsätzlicher politischer Einmischung“. In einigen Landesteilen, vor allem im Süden, kam es zu Protesten gegen den Ablauf der Wahl. Im Bundesstaat Rivers setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein, die gegen angebliche Wahlmanipulationen protestierten.

Kerry: Noch „schwierige Punkte“ bei Atomgesprächen

Bei den Gesprächen über das iranische Atomprogramm hat sich kurz vor dem Ende der Frist heute Mitternacht noch kein Durchbruch abgezeichnet. US-Außenminister John Kerry sagte gestern Abend in Lausanne dem TV-Sender CNN, es gebe „noch immer schwierige Punkte“.

Laut Kerry zeichnete sich eine lange Sitzung der Verhandlungsparteien ab. „Wir arbeiten sehr hart, um sie zu lösen, wir werden (...) arbeiten mit dem Ziel, etwas zu erreichen“, so Kerry gestern. Jeder wisse, welche Bedeutung der heutige Tag für Verhandlungen habe.

„Kritische Phase“

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, die Verhandlungen seien in einer „kritischen Phase“, sie würden „jedoch mit großer Intensität fortgeführt“.

Die Außenminister der 5+1-Gruppe aus den UNO-Vetomächten und Deutschland sowie ihr iranischer Kollege Mohammed Dschawad Sarif tagten in Lausanne zunächst in großer Runde. Anwesend waren Steinmeier, Kerry, Laurent Fabius aus Frankreich, Philip Hammond aus Großbritannien, Sergej Lawrow aus Russland, Wang Yi aus China und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Später wurde dann zunächst auf Expertenebene weiterdiskutiert.

Gespräche könnten auch nach Fristablauf fortgesetzt werden

Die USA halten sich unterdessen die Möglichkeit einer Verlängerung der Atomgespräche auch über die selbst gesetzte Frist hinaus offen. Die Frist müsse zwar „etwas bedeuten“, sagte US-Außenamtssprecherin Marie Harf. Zugleich ließ sie aber die Tür für eine Fortsetzung der Gespräche auch ohne Abkommen offen: „Wenn wir (...) zu keiner Übereinkunft kommen, werden wir den Weg vorwärts prüfen und sehen müssen, wo wir stehen. Und dann werden wir Entscheidungen treffen.“

Tsipras will „ehrenhaften Kompromiss“ mit Geldgebern

Der linke griechische Regierungschef Alexis Tsipras will in der Schuldenkrise einen „ehrenhaften Kompromiss“ mit den Geldgebern erreichen. Zugleich bekräftigte er gestern im Parlament in Athen, die Sparprogramme würden wie im Wahlkampf versprochen beendet. Das sei notwendig, damit die Wirtschaft wieder wachsen könne. Die Regierung in Athen sei entschlossen, Reformen durchzusetzen. Diese dürften aber nicht zu „Massenentlassungen, Lohnkürzungen sowie Schließungen von Krankenhäusern und Universitäten“ führen, sagte Tsipras.

Kritik von Samaras

Der Chef der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) und frühere Regierungschef Antonis Samaras entgegnete, seine Regierung habe das Land bis zur Wahlniederlage am 25. Jänner auf Kurs gebracht. Griechenland hätte eigentlich jetzt schon wieder auf die Finanzmärkte zurückkehren können, wenn er an der Regierung geblieben wäre, sagte Samaras. Tsipras warf er Tatenlosigkeit vor: „Sie haben noch nicht einmal die Reformliste offiziell veröffentlicht, die Sie den Geldgebern vorgelegt haben.“

Argentinien kritisiert britisches Militär auf Falklands

Argentinien hat die geplante Ausweitung der britischen Militärpräsenz auf den Falklandinseln kritisiert. In einem Schreiben an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Außenminister Hector Timerman die „britische Militarisierung des Südatlantiks“ als Ursache „unnötiger Spannung“.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon hatte angekündigt, zwei große Transporthubschrauber auf die Inselgruppe zu entsenden, um die Reaktionsfähigkeit der dort stationierten Truppen zu erhöhen. Er begründete das mit einer Bedrohung des britischen Überseegebiets durch Argentinien.

„Versuch der Rechtfertigung“

Die von Fallon erwähnte Gefahr sei nicht glaubhaft, schrieb Timerman. Es sei ein Versuch der Rechtfertigung der Militärpräsenz einer Kolonialmacht. Argentinien habe seit Wiederherstellung der Demokratie eine Politik des Dialogs und friedlicher Verhandlungen verfolgt, um die Kontroverse über den Status der Inseln zu lösen. Der Außenminister bat Ban, London zu Verhandlungen aufzufordern.

Die Falklandinseln liegen rund 400 Kilometer vor Argentinien. Sie waren 1833 nach längerem Streit britisch geworden, Argentinien hat seinen Anspruch aber nicht aufgegeben. 1982 waren sie während des Falklandkrieges zehn Wochen lang von Argentinien besetzt. 2013 hatten sich die Bewohner für den Verbleib bei Großbritannien ausgesprochen.

Geberkonferenz für Syrien will Milliarden sammeln

Vertreter von Staaten und Hilfsorganisationen kommen heute in Kuwait-Stadt zur dritten internationalen Geberkonferenz für Syrien zusammen. Die Vereinten Nationen (UNO) hoffen auf Zusagen in Höhe von 8,4 Milliarden Dollar (7,7 Mrd. Euro), damit in dem Bürgerkriegsland eine humanitäre Katastrophe verhindert werden kann.

Nach Angaben der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sind 9,8 Millionen Syrer dringend auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Die von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon geleitete Syrien-Geberkonferenz findet zum dritten Mal statt, Gastgeber war auch 2013 und 2014 Kuwait. Damals waren der notleidenden syrischen Bevölkerung 1,5 Milliarden beziehungsweise 2,4 Milliarden Euro zugesichert worden. Nach UNO-Angaben wurden die Zusagen jedoch teilweise nicht eingehalten.

Toter nach Schüssen vor NSA-Gebäude

Zwei mutmaßliche Eindringlinge haben die Sicherheitskräfte am Hauptquartier des US-Geheimdienstes NSA gestern in Alarmbereitschaft versetzt. US-Medien zufolge versuchten die beiden Männer, mit ihrem Auto die Absperrung an der Zufahrt des Stützpunktes Fort Meade im Washingtoner Umland zu rammen. Die „Washington Post“ und mehrere TV-Sender berichteten, dass Polizisten das Feuer eröffnet hätten. Einer der Männer sei getötet, der andere Mann verletzt worden.

Offenbar kein terroristischer Hintergrund

Auf Fernsehbildern war ein beschädigtes Polizeiauto und ein ebenfalls beschädigter schwarzer Sportgeländewagen zu sehen. Die Hintergründe waren zunächst unklar. „Wir glauben nicht, dass es einen terroristischen Zusammenhang gibt“, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei FBI. Nach Informationen der „Washington Post“ waren die beiden Männer als Frauen verkleidet.

Obama über Vorfall unterrichtet

Das Weiße Haus teilte mit, dass Präsident Barack Obama über den Vorfall unterrichtet worden sei. Die NSA wollte sich zunächst nicht äußern, kündigte aber eine Erklärung an. Der Geheimdienst war wegen seiner Programme zur massiven Überwachung der weltweiten Internet- und Handykommunikation in die Kritik geraten. In Fort Meade hat auch das US-Militärkommando für Cybersicherheit seinen Sitz. Nach Angaben der US-Armee arbeiten auf dem Stützpunkt 11.000 Soldaten und 29.000 Zivilisten.

Video dazu in iptv.ORF.at

Inland

Causa Alijew: Ex-Justizbeamter im Zwielicht

Dass einer der einst mächtigsten Beamten im Justizministerium in der Causa Alijew für den Wiener Anwalt Gabriel Lansky tätig gewesen ist, sorgt in Justizkreisen für anhaltenden Gesprächsstoff. Der ehemalige Sektionschef Roland Miklau, der Ende 2006 in den Ruhestand getreten war, hatte 2011 damit begonnen, sich für Lanskys Anliegen starkzumachen - und das offenbar mit Erfolg.

Lansky vertritt seit 2009 für den kasachischen Verein Tagydr unter anderem die Interessen der Witwen zweier kasachischer Banker, hinter deren Entführung und Ermordung der ehemalige kasachische Botschafter in Wien, Rachat Alijew, gesteckt haben soll.

Weil die österreichische Justiz die Auslieferung des in Kasachstan in Abwesenheit verurteilten Alijew ablehnte, selbst aber zunächst nicht mit Nachdruck gegen diesen vorging, versuchte Lansky ihr Beine zu machen. Dabei war ihm unter anderen Miklau behilflich.

Gespräche mit Pilnacek

Wie der APA vorliegende schriftliche Unterlagen belegen, sprach Miklau, der fast 30 Jahre lang die Sektion für Strafrechtsgesetzgebung geleitet hatte, im Mai und im September 2011 bei seinem Nachfolger Christian Pilnacek vor. Über den Inhalt der Gespräche legte Miklau, der von der Kanzlei Lansky einige Zeit als Mitarbeiter geführt und bezahlt wurde, umfangreiche Dossiers an.

Miklau regte bei Pilnacek die Erlassung eines Europäischen Haftbefehls gegen Alijew an. Pilnacek habe einen solchen als „eine Option“ bezeichnet, ließ Miklau Lansky wissen. Auch Pilnaceks Einschätzung zu Auslieferungsfragen und möglichen weiteren Verfahrensschritten hatte Miklau in Erfahrung gebracht. Dieses Wissen leitete er an Lansky weiter.

Haftbefehl blieb aus

Wenige Wochen später wurde von der Staatsanwaltschaft Wien ein Inlandsverfahren gegen Alijew wegen des Verdachts auf Doppelmord und erpresserischer Entführung eingeleitet. Der Haftbefehl gegen Alijew blieb allerdings aus, weshalb Miklau am 16. September 2011 neuerlich bei Pilnacek erschien.

Dieses Gespräch „war leider ein Misserfolg“, so Miklau im Anschluss in seinem Bericht an Lansky. Als er auf das Thema Haft zu sprechen gekommen sei, habe sich Pilnaceks Miene „verhärtet“. Pilnacek habe das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts „entschieden bestritten“.

Eine „rationale Diskussion zur Sache“ sei „nicht möglich“ gewesen, weshalb Miklau zu Folgendem riet: „Meine Empfehlung für das weitere Vorgehen geht dahin, bis auf weiteres nicht auf der Ebene des BMJ zu agieren, sondern die Kontakte mit der das Verfahren führenden Staatsanwältin fortzusetzen, auf diese aber keinen übermäßigen Druck auszuüben und sie nicht dem Risiko auszusetzen, sich durch Schriftsätze, Anträge und dergleichen überfordert zu fühlen.“

„Habe nicht interveniert“

Für Miklau gibt es keinen Grund, sein damaliges Vorgehen kritisch zu hinterfragen oder bedenklich zu finden. „Ich habe nicht interveniert“, betonte er im Gespräch mit der APA. Er sei Lansky seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden und habe aus dieser Freundschaft heraus Pilnacek aufgesucht: „Es ging um die Frage, ob Alijew ausgeliefert werden kann oder nicht.“

Er habe von Pilnacek keine geheimen, dem Amtsgeheimnis unterliegende Informationen bekommen. Er habe auch nicht den Eindruck erweckt, an solchen interessiert zu sein, versicherte Miklau der APA. Für seinen Freundschaftsdienst habe er von Lansky kein Geld bekommen, bekräftigte Miklau. Finanziell honoriert sei er lediglich worden, „weil ich eine Tagung für eine Konferenz im albanischen Teil von Mazedonien vorbereit habe“.

Heta lässt Defizit kräftig steigen

Die Kärntner Hypo und ihre „Bad Bank“ Heta könnten für ihre Gläubiger noch teuer werden, für die Republik sind sie das bereits: Laut dem von der Statistik Austria gestern präsentierten Bericht „Öffentliche Finanzen 2014“ stieg das Budgetdefizit im letzten Jahr auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder fast acht Mrd. Euro.

Ohne Heta hätte die Neuverschuldung nur 1,0 Prozent ausgemacht. Auf den Gesamtschuldenstand der Republik hätten sich die Hypo-Spätfolgen im Vorjahr mit 13,4 Mrd. Euro niedergeschlagen, heißt es von der Statistik Austria. Dass auch die Einnahmen des Fiskus - vor allem aus Steuern - stiegen, ist angesichts dieser Zahlen ein eher schwacher Trost.

Mehr dazu in Schuldenstand kletterte auf 278 Mrd. Euro

Wirtschaft

GM: 77 Todesfälle wegen defekter Zündschlösser

Im Skandal um den verspäteten Rückruf von Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern hat der US-Autohersteller General Motors (GM) mittlerweile 77 Todesfälle eingeräumt. Das teilte gestern der Anwalt Kenneth Feinberg mit, der einen von GM eingerichteten Entschädigungsfonds verwaltet. Derzeit würden noch 89 Schadenersatzforderungen wegen Todesfällen geprüft. Ursprünglich hatte der Konzern von lediglich 13 Todesfällen gesprochen.

GM zahlt für jedes Todesopfer mindestens eine Million Dollar, für hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte sollen je 300.000 Dollar fließen. Dazu kommen weitere Entschädigungszahlungen für Verletzungen. Nach Ablauf der Antragsfrist am 31. Januar hatte Feinberg erklärte, dass seit August mehr als 4.000 Forderungen nach Schadenersatz bei dem Fonds eingegangen seien. Mehr als 1.200 Anträge werden den aktuellen Angaben zufolge noch geprüft.

General Motors hatte vor rund einem Jahr 2,6 Millionen Autos zurückrufen müssen, weil die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position springen und so neben dem Motor auch die Elektronik ausschalten können. Dies kann dazu führen, dass Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker ausfallen.

Fed-Vize schlägt Stresstests für Schattenbanken vor

Zur Regulierung der Schattenbanken könnten nach Ansicht des stellvertretenden Chefs der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, Kapitalregeln eingeführt werden. Auch Stresstests könnten ein Instrument sein, sagte Fischer gestern. Als Vorbild nannte Fischer die britische Notenbank und ihr Komitee zur Finanzstabilität. „Die Bank of England macht das sehr gut. Die Fed könnte in diese Richtung tendieren“, sagte Fischer.

Zu den Schattenbanken zählen Hedge- und Geldmarktfonds, spezielle Börsenhändler und andere Investmentvehikel wie Stiftungen. Sie gelten als riskant für das finanzielle Gleichgewicht weltweit, wenn sie wie klassische Banken Geld einsammeln und Kredite vergeben. Sie sind anders als Kreditinstitute allerdings nicht reguliert. Die internationalen Finanzaufseher hatten im vergangenen Jahr von Großbanken dickere Kapitalpuffer gefordert.

Erste islamische Bank in Deutschland gestartet

In Deutschland nimmt mit der Kuveyt Türk (KT) Bank AG die erste islamische Bank ihren Betrieb auf. Nachdem sie einige Jahre lediglich als Finanzdienstleister in Mannheim tätig war, hat sie nun auch die Vollbanklizenz für das Firmen- und Privatkundengeschäft erhalten.

Die Zielgruppe des neuen Bankhauses mit Sitz in Frankfurt, das von Juli an auch Filialen in Mannheim und Berlin betreibt, sind nicht nur die rund vier Millionen Muslime in Deutschland. „Auch für Christen und Juden und für alle, die unsere Maßstäbe teilen, ist unser Angebot interessant“, erklärt der Generalbevollmächtigte der Bank mit 70 Mitarbeitern, Ugurlu Soylu.

Zins- und Spekulationsverbot

Mutterbank ist die KT Katilim Bankasi in Istanbul mit einer Bilanzsumme von rund 31 Milliarden Euro (Ende 2014). Deren Chef Ufuk Uyan spricht von einem überragenden internationalen Wachstum des „islamic banking“. In der Eurozone sei die KT Bank ebenfalls das erste Institut seiner Art.

Kennzeichen islamischer Banken ist neben dem Zinsverbot die Einschränkung der Geschäftsfelder: So stehen Rüstung, Alkohol, Glücksspiel, Tabakwaren oder Prostitution auf einer „schwarzen Liste“ für Investitionen. Auch spekulative Geschäfte etwa mit wettähnlichen Derivaten sind untersagt.

Chefs träumen von loyalen Jobhoppern

Der Lebenslauf eines 30-Jährigen, in dem drei Jobwechsel aufgelistet sind, schreckt keinen Personalchef mehr. Die Vorstellung vom Job fürs Leben ist längst obsolet. Das gilt besonders für die „Generation Y“ - jene selbstbewussten, jungen Erwachsenen, deren Handlungsmaximen Unabhängigkeit und Flexibilität heißen. Loyalität spielt für die „Jahrtausender“ eine untergeordnete Rolle, und damit tun sich viele Firmen schwer. Dass manche dabei die Grenze zwischen superflexiblem Arbeitnehmer und notorischem Jobhopper überschreiten, ist aber nicht immer deren eigene Schuld.

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Sport

Ski alpin: Hirscher legt Sonderschichten ein

Der angekündigte Schneefall lässt bei Weltcup-Gesamtsieger Marcel Hirscher das Herz schneller schlagen. Bei perfekten Bedingungen können deshalb noch wichtige Ski- und Materialtests für die nächste Saison gemacht werden.

Eine Karrierepause nach dem historischen vierten Gesamtsieg in Serie schloss Hirscher bei einem Termin seines Sponsors in Wien kategorisch aus, eher werde er noch ein paar Jahre „gescheit fahren und lieber früher aufhören“, als zwischendurch eine Pause einzulegen. Sein Vertrag mit Raiffeisen dürfte jedenfalls weitergehen. Ob der von Anna Fenninger verlängert wird, ist dagegen offen.

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Formel 1: Mercedes überdenkt Strategie

Nach dem Sieg von Ferrari-Pilot Sebastian Vettel am Sonntag beim Grand Prix von Malaysia ist klar: Bei Mercedes muss man nach nur zwei Saisonläufen schon reagieren. Denn die Titelverteidigung wird offenbar doch nicht so einfach, wie allgemein erwartet wurde. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff kündigte daher schon einen möglichen Strategiewechsel an: Bisher sei man vielleicht zu sehr dem Fairplay-Gedanken zwischen den beiden Fahrern nachgehangen. „Vielleicht müssen wir umdenken“, sagte der Wiener. Für teaminterne Spannung bei Mercedes scheint somit wieder gesorgt zu sein.

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EM-Qualifikation: UEFA-Verfahren nach Abbruchpartie

Nach dem Abbruch des EM-Qualifikationsspiels in Podgorica am Freitag hat die UEFA gestern ein Disziplinarverfahren gegen die Verbände von Montenegro und Russland eingeleitet. Momir Djurdjevac, Generalsekretär des montenegrinischen Verbands, rechnet mit erheblichen Konsequenzen: „Wir werden eine saftige Geldstrafe zahlen und uns von einem großen Turnier verabschieden müssen“, sagte er nach dem Skandalspiel.

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Chronik

Bluttat in Gibraltar: Vierköpfige Familie tot aufgefunden

Der gewaltsame Tod einer vierköpfigen Familie mit zwei kleinen Kindern in Gibraltar hat die Bewohner des britischen Überseegebiets erschüttert. Ein Ehepaar, seine vierjährige Tochter und ein Baby im Alter von sechs Wochen waren gestern in einer Wohnung tot aufgefunden worden. Die Toten wiesen nach Angaben der Polizei Stichverletzungen auf.

Familiendrama vermutet

Wie der lokale Radio- und Fernsehsender GBC berichtete, war die Wohnung von innen verriegelt und musste von den Beamten aufgebrochen werden. „Derzeit wird im Zusammenhang mit der Bluttat nach keinem Verdächtigen gefahndet“, teilte ein Polizeisprecher mit. Medienberichten zufolge könnte es sich bei der Tat um ein Familiendrama gehandelt haben.

„Wie alle anderen Bewohner Gibraltars war ich total schockiert, als ich von dem furchtbaren Verbrechen erfuhr“, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo. Das Parlament legte eine Schweigeminute ein und brach seine Sitzung ab.

Wie die Polizei mitteilte, handelte es sich bei den Toten um einen 31-jährigen Briten, dessen 37 Jahre alte spanische Ehefrau und zwei Töchter des Ehepaars. Laut spanischen Medienberichten hatte die Familie längere Zeit in Spanien gelebt und war erst kürzlich nach Gibraltar umgezogen.

IT

Facebook in Gehry-Komplex umgezogen

Das US-Unternehmen Facebook mit Sitz im Staat Kalifornien ist umgezogen und ab sofort in einem Megakomplex von Architekt Frank Gehry zu finden. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erklärte gestern in dem sozialen Netzwerk, bei dem neuen Büro handle es sich um den „größten offenen Raum der Welt“. Demnach besteht der Hauptsitz nun aus nur einem riesigen Raum, in dem Tausende Menschen gemeinsam arbeiten können.

Auf dem Dach befindet sich nach Zuckerbergs Angaben ein mehr als dreieinhalb Hektar großer Park - trotzdem bezeichnete er den Komplex als „ziemlich einfach“ und „nicht ausgefallen“. Das sei Absicht. „Wir möchten, dass sich unser Raum wie Arbeit im Prozess anfühlt.“ Wer in das neue Büro trete, solle spüren, wie viel noch zu tun sei, um die Mission von Facebook, Menschen weltweit zu vernetzen, zu vollenden.

Der neue Hauptsitz befindet sich direkt neben dem alten Gebäude in Menlo Park. Facebook hatte Gehry 2012 angeheuert. Der US-kanadische Architekt ist für seine schwungvollen Formen bekannt - kastenförmige Bauten lehnt er ab. Weltberühmt wurde er unter anderem mit dem Guggenheim-Museum im nordspanischen Bilbao.

Agenten sollen Bitcoins bei Silk Road gestohlen haben

Die Saga um den ehemaligen Internet-Schwarzmarkt Silk Road wird um ein bizarres Kapitel erweitert: Nach einem Zeitungsbericht stehen zwei Ex-Agenten im Verdacht, sich bei den Ermittlungen die Taschen mit der Digitalwährung Bitcoin gefüllt zu haben. Den damaligen Mitarbeitern der Drogenpolizei DEA und des Geheimdienstes Secret Service werde Geldwäsche und Betrug vorgeworfen, berichtete die „New York Times“ gestern. Aus Ermittlungsakten gehe hervor, dass der DEA-Agent zudem wegen Diebstahls von Regierungseigentum und Interessenkonflikten bei seinem Einsatz beschuldigt werde.

Der 46-Jährige, der etwa 15 Jahre als Sonderermittler der DEA angestellt gewesen sei, habe sich an Bitcoins persönlich bereichert, anstatt sie an die Regierung zu übergeben. Die digitale Währung war bei Geschäften auf Silk Road das Hauptzahlungsmittel. Der Mann sei am Freitag in Baltimore verhaftet worden. Der andere Verdächtigte, ein 32-Jähriger, der sechs Jahre für den Secret Service ermittelt haben soll, habe sich in San Francisco gestellt. Beide hätten gekündigt, nachdem sie von den Ermittlungen gegen sich erfuhren.

Silk-Road-Betreiber in Haft

Geldwäsche und Betrug zählen auch zu den Verbrechen, wegen derer der mutmaßliche Betreiber von Silk Road, Ross Ulbricht, Anfang Februar vor einem New Yorker Gericht verurteilt wurde. Ulbricht soll Kopf einer Verschwörung zum Drogenhandel im Internet gewesen sein, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Silk Road war im Oktober 2013 ausgehoben worden - zumindest die Ursprungsversion, danach gingen wiederholt Nachahmerseiten ans Netz. Über mehr als zweieinhalb Jahre lang sollen tausende Drogendealer insgesamt 213 Millionen Dollar an Umsatz auf der Plattform gemacht haben.

Kultur

„Schtonk“-Regisseur Helmut Dietl tot

Mit „Schtonk“, „Rossini“ und „Monaco Franze“ hat er seine wohl größten Erfolge gefeiert - gestern ist der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl nach langer Krankheit verstorben. 2013 machte der Filmemacher in einem „Zeit“-Interview publik, an Krebs erkrankt zu sein.

Dietl, der im Vorjahr seinen 70. Geburtstag feierte, wurde mit etlichen Preisen ausgezeichnet - zuletzt 2014 mit dem deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk. Nun hat das Land - so der Bayerische Rundfunk - seinen „melankomischsten“ Regisseur verloren.

Mehr dazu in „Großer des deutschen Filmschaffens“

Gesundheit

Science

„Solar Impulse 2“: Sonnenflugzeug in China gelandet

Trotz unerwartet starken Gegenwindes hat das Schweizer Sonnenflugzeug „Solar Impulse 2“ die bisher schwierigste Etappe seiner Weltumrundung bewältigt. Nach mehr als 20 Stunden landete das Solarflugzeug gestern verspätet weit nach Mitternacht Ortszeit sicher auf dem Flughafen der südwestchinesischen Metropole Chongqing. Im Cockpit saß diesmal der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard.

Starker Gegenwind

Der 57-Jährige Pilot und sein Kollege Andre Boschberg (62) wollen mit der ersten Erdumrundung eines Solarflugzeugs für den Einsatz und die Möglichkeiten von Sonnenenergie werben. Zunächst verzögerte der starke Gegenwind den Anflug auf Chongqing. Später hieß es zudem, die Landung habe auch noch wegen des dichten Flugverkehrs auf dem stark frequentierten Flughafen verschoben werden müssen.

Wegen schlechten Wetters musste die zunächst schon für heute geplante nächste Etappe nach Nanjing in Ostchina wieder abgesagt werden. „Wir haben uns für den sicheren Weg entschieden, den Flug zu verschieben“, sagte Flugdirektor Raymond Clerc.

„Bin immer zuversichtlich“

Die Verzögerung verursache Probleme für die Organisation des weiteren Fluges, aber Sicherheit gehe vor, betonte der Flugdirektor. Wie viele Tage gewartet werden müsse, sei unklar. „Wir müssen einfach eine neue Lösung für Nanjing finden“, sagte Clerc. „Ich bin immer zuversichtlich, sonst gehörte ich nicht zu diesem Team.“

Medien

Trevor Noah soll Jon Stuart bei „The Daily Show“ beerben

Nicht der erwartete Promi, sondern ein südafrikanischer Komiker soll neuer Gastgeber der Sendung „The Daily Show“ werden. Trevor Noah (31) werde demnächst Jon Stewart als Moderator der Kultsendung nachfolgen, meldete die „New York Times“ gestern. Das habe Noah der Zeitung selbst bestätigt. Vom Sender gab es vorerst keinen Kommentar.

Stewart hatte die Sendung 16 Jahre lang geprägt und von einer Nischenshow zum Aushängeschild des kleinen Senders Comedy Central gemacht. Im Februar hatte er seinen Abschied angekündigt, wenige Monate nach Abgang von Stephen Colbert. Der andere Quotenbringer des Senders wird Nachfolger von David Letterman beim großen Sender CBS.

Trevor Noah ist in Südafrika ein Star, in den USA kennt man ihn kaum. Allerdings hatte er schon zwei Auftritte in der „Daily Show“. Er wurde als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters geboren - damals war das illegal in Südafrika. Noah ist für sein loses Mundwerk bekannt. Nach der Kritik an der amerikanischen Polizei, sie sei oft rassistisch, sagte er: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in Amerika mehr Angst vor der Polizei haben würde als in Südafrika. Da werde ich so nostalgisch und denke an alte Zeiten zu Hause.“

Leute

Jay Z will mit Staraufgebot Streaming-Markt aufmischen

Mit einem Großaufgebot an Stars im Rücken greift der Rapper Jay Z Streaming-Dienste wie Spotify und andere Musik-Flatrates an. In der Nacht auf heute stellte er in New York erstmals konkrete Pläne für seinen Flatrate-Musik-Dienst Tidal vor. Jay Z gelang es, für das Projekt diverse Stars mit ins Boot zu holen - von Coldplay, Madonna, Kanye West und Rihanna über Daft Punk und Alicia Keys bis hin zu Usher, Nicki Minaj oder Arcade Fire. Auch Beyonce, die Ehefrau von Jay Z, ist dabei.

„Tidal ist die Zukunft der Musik“, sagte Managerin Vania Schlogel von der schwedischen Unternehmensmutter Aspiro bei der Vorstellung des Musiker-Bündnisses in New York. Jay Z hatte sich bereits im Jänner um Aspiro bemüht, erst im März gelang es ihm jedoch, die Firma für 56 Millionen Dollar zu kaufen. Jetzt wurde das künftige Konzept präsentiert.

„Unsere Mission geht über Kommerz und Technologie hinaus“, sagte Sängerin Alicia Keys. Sie kündigte den ersten Streaming-Dienst an, bei dem allein die Musik im Vordergrund stehe und die Künstler zugleich Eigentümer seien. Dann unterzeichneten alle Musiker auf der Bühne eine entsprechende Erklärung. Allerdings traf der vermeintliche Idealismus der Superstars im Netz zunächst auf viel Skepsis.