Ausland

Ton zwischen Indien und Pakistan verschärft sich deutlich

Der Ton zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan hat sich innerhalb weniger Tage merkbar verschärft. Heute bezeichnete Pakistan es als einen „Akt des Krieges“, dass Indien das 56 Jahre alte Indus-Wasserabkommen über die Nutzung von Flüssen zwischen den beiden Ländern brechen könnte.

Kurz darauf sagte die indische Regierung ihre Teilnahme am für November geplanten Gipfeltreffen der südasiatischen SAARC-Länder in Pakistan ab, dem ersten Treffen dieser Art seit mehr als zwei Jahren.

Kontrolle über den Indus

Zuvor hatte der indische Ministerpräsident Narendra Modi auf einem Treffen mit Beamten des Wasser- und des Außenministeriums eine härtere Gangart gegenüber Pakistan angekündigt. „Blut und Wasser können nicht zusammen fließen“, sagte Modi. Indien wolle das Indus-Wasserabkommen zwar nicht kündigen, aber den Dialog mit Pakistan aussetzen und seine Wasserentnahme maximieren. Das Abkommen regelt die Nutzung des Flusses Indus und seiner Nebenarme. Teil des Abkommens ist, dass Indien das stromabwärts liegende Pakistan nicht von dessen Nutzung abschneidet.

Streit um Kaschmir als Hintergrund

Auslöser der verschärften Gangart zwischen den beiden Ländern war ein Angriff auf eine indische Militärbasis in der Unruheregion Kaschmir am 18. September, bei der 18 Soldaten ums Leben kamen. Kaschmir ist zwischen den beiden Nachbarländern (und China) aufgeteilt. Jede der beiden Atommächte beansprucht den jeweils vom anderen Land kontrollierten Teil. Indien wirft Pakistan vor, auf seinem Staatsgebiet gezielt Terrorismus und damit auch Anschläge auf indischem Boden zu fördern.

Zahl der Ertrunkenen vor Ägypten steigt auf über 200

Die Zahl der vor der ägyptischen Küste ertrunkenen Passagiere eines gekenterten Flüchtlingsbootes hat sich auf 202 erhöht. Heute seien 32 weitere Leichen geborgen worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Wie viele Menschen sich genau an Bord des Bootes befanden, war zunächst weiter unklar.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) geht von mindestens 450 aus. Bergungshelfer und Fischer konnten nach eigenen Angaben mindestens 169 Menschen retten.

Vier Mitglieder der Besatzung verhaftet

Den Behörden zufolge sollte das Schiff vergangene Woche neben Ägyptern vor allem Sudanesen, Eritreer sowie Somalier nach Italien bringen. Vier Mitglieder der Besatzung seien verhaftet worden. Nach Angaben der IOM sind in diesem Jahr 3.200 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Knapp 300.000 hätten die südeuropäischen Küsten erreicht.

Denkmalzerstörung: Erstmals Islamist in Den Haag verurteilt

Der Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi ist vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag schuldig gesprochen worden, Kulturdenkmäler in der malischen Stadt Timbuktu zerstört zu haben. Das Strafmaß beträgt neun Jahre. Es ist der erste Schuldspruch in Den Haag wegen der Zerstörung von Monumenten als Kriegsverbrechen. In Mali hatten 2012 nach der Eroberung von Timbuktu Islamisten mit Äxten, Werkzeug und Schusswaffen mindestens neun von 16 historischen Mausoleen islamischer Gelehrter zerstört.

Mehr dazu in Welterbestätten zerstört

Flüchtlingskrise: EU-Kommission präsentiert Zwischenbilanz

In der Flüchtlingskrise zieht die EU-Kommission eine Zwischenbilanz zur Zusammenarbeit mit der Türkei. Die Brüsseler Behörde will morgen dazu ihren dritten Zwischenbericht vorlegen. Die Türkei erwartet dafür die baldige Aufhebung der Visumpflicht für ihre Bürger und hat wiederholt den Oktober als Zieldatum genannt. Die EU sieht bisher aber nicht alle Bedingungen als erfüllt an.

Bericht zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen

EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos und der Vizepräsident der Behörde, Frans Timmermans, wollen sich zudem dazu äußern, ob andere EU-Staaten Flüchtlinge nach Griechenland zurückschicken können. Nach einem Grundsatzurteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs im Jahr 2011 hat etwa Deutschland solche Abschiebungen eingestellt.

Die EU-Kommission will auch einen Bericht zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen im eigentlich reisefreien Schengen-Raum im Rahmen der Flüchtlingskrise vorlegen. Die Brüsseler Behörde hat die Losung ausgegeben, dass die Kontrollen bis Jahresende beendet werden sollten.

Schweizer Parlament stimmte knapp für Burkaverbot

In der Schweiz soll nach dem Willen einer knappen Parlamentsmehrheit ein landesweites Burkaverbot verhängt werden. Für eine entsprechende Initiative der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) votierten heute 88 Abgeordnete des Nationalrats. 87 Mitglieder dieser großen Kammer des Parlaments stimmten dagegen, zehn enthielten sich der Stimme.

Mit dem Vorstoß muss sich nun der Ständerat befassen, die kleine Parlamentskammer mit den Vertretern der 26 Schweizer Kantone. Bisher hat nur der Kanton Tessin die Vollverschleierung untersagt. Dass der Ständerat einem nationalen Verhüllungsverbot zustimmt, gilt als wenig wahrscheinlich.

Verhüllungen aus religiösen Gründen äußerst selten

Anfang des Jahres hatte sich dessen staatspolitische Kommission mit großer Mehrheit dagegen ausgesprochen. Verhüllungen aus religiösen Gründen seien in der Schweiz äußerst selten und stellten kein echtes Problem dar, argumentierte die Kommission.

Allerdings werden derzeit Unterschriften für die Volksinitiative „Ja zum Verhüllungsverbot“ gesammelt. Die SVP-nahen Initiatoren haben bis zum 15. September 2017 Zeit, die erforderlichen 100.000 Unterschriften zusammenzubringen. Laut Umfragen würden heute rund 60 Prozent der wahlberechtigten Schweizer dafür stimmen.

Mehrheit der Kolumbianer befürwortet Frieden mit FARC

Die Mehrheit der Kolumbianer unterstützt den Friedensvertrag zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation FARC. Nach mehreren heute veröffentlichten Umfragen dürfte das Abkommen bei dem Referendum am kommenden Sonntag gebilligt werden. Mit Ja wollen zwischen 66 und 55 Prozent der Befragten stimmen, die Gegner des Vertrags kommen auf 38 bis 34 Prozent.

Gegner kritisieren milde Strafen

Gestern unterzeichneten Präsident Juan Manuel Santos und FARC-Chef Rodrigo „Timochenko“ Londono das Friedensabkommen. Der Vertrag sieht eine Landreform, neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer vor. Die Rebellen wollen künftig politisch für ihre Ziele eintreten.

Auch schwere Verbrechen werden nur mit einer Höchststrafe von acht Jahren geahndet. Die Gegner des Abkommens kritisieren vor allem die garantierten Abgeordnetenmandate für die Guerilla und die relativ milden Strafen.

Panama-Papers: EU-U-Ausschuss holt Rat bei Journalisten

Nein, von heute auf morgen werde der Panama-Ausschuss des EU-Parlaments die Welt nicht verändern, sagt Ausschussvorsitzender Werner Langen (EVP). Aber er und seine parlamentarischen Kollegen wollten Druck auf die zuständigen politischen Stellen ausüben und sich dabei weder von Kommission noch Rat oder sonst jemandem behindern lassen.

Auch die eben erst im Zuge der Bahama-Leaks in die Kritik geratene ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes würden die Abgeordneten „ziemlich sicher“ in den Ausschuss laden, so Langen. Denn Kroes „hat das Parlament belogen“.

„Spitze des Eisbergs“

Kämpferische Worte – allerdings bewegte sich der U-Ausschusses in seiner ersten öffentlichen Sitzung noch auf sehr sicherem Grund: Rede und Antwort standen fünf jener Journalisten, welche die Geschäfte mit Briefkastenfirmen um die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca vor rund einem halben Jahr ans Licht gebracht hatten.

Die Daten belegen, wie Privatpersonen und Konzerne Vermögen in teils kompliziert strukturierten Scheinfirmen versteckten. Die 11,5 Millionen Dokumente seien „nur die Spitze des Eisbergs“, sagte der belgische Jorunalist Kristof Clerix. Wie auch sein deutscher Kollege Jan Strozyk wies er daraufhin, dass die Panama-Papers auch keine weit entfernte Angelegenheit seien.

Banken und Anwälte als Mittelsmänner

„Die wirklich spannenden Geschichten, die Gesetzesbrüche“, passierten in Europa, so Strozyk. Mossack Fonseca sei über Mittelsmänner zu seinen Kunden gekommen – eine Rolle, die sehr oft Banken übernommen hätten. Bei ihren Recherchen in den geleakten Dokumenten seien die Journalisten auf das „Who is who“ der Bankenwelt gestoßen. Weltweit seien 13 der 20 größten Banken in Offshore-Geschäfte verwickelt.

In der Schweiz wiederum, so Oliver Zihlmann von der Schweizer „Sonntagszeitung“, sei das Geschäft zunehmend von Anwälten übernommen worden, was damit zu tun habe, dass diese in der Schweiz deutlich weniger strengen Regeln als Banken unterliegen würden.

Mehr Schutz für Whistleblower

Was muss sich also ändern? Diese Frage zog sich als roter Faden, durch die Wortmeldungen der Abgeordneten. Die Journalisten mahnten vor allem mehr Transparenz und eine bessere Durchsetzung der geltenden Gesetze an. Diese seien innerhalb der EU ohnehin bereits ziemlich streng, so Zihlmann. Sie müssten allerdings auch verfolgt werden.

Was sich laut den Journalisten rechtlich tatsächlich ändern muss, ist der Schutz für Whistleblower, also Personen, die geheime Informationen weitergeben. Julia Stein vom NDR wies auf den Fall zweier Journalisten und eines Informanten hin, die in Luxemburg vor Gericht gestellt wurden. Damals sei bereits klar gewesen, dass die Aufdeckung im öffentlichen Interesse gestanden sei.

Den Fall bezeichnete auch der Koberichterstatter und dänische sozialdemokratische EU-Abgeordnete Jeppe Kofod als „Schande“. Allerdings seien der EU Grenzen gesetzt, so Koford. Die EU könne nur die Rahmenbedingungen erarbeiten, umsetzen müssten sie dann die Mitgliedsstaaten.

Grüne mit eigener Plattform für Informanten

Ihren eigenen Weg hinsichtlich Informanten wollen zwölf grüne Europaabgeordnete gehen, darunter der österreichische Abgeordnete Michel Reimon. Sie haben eine Plattform für Whistleblower gestartet, auf der anonyme Hinweise einlangen sollen. Sie präsentierten das Projekt direkt im Anschluss an die ersten Sitzung des Pananama-U-Ausschusses.

Zwar versprach der grüne Kofraktionsvorsitzende Philippe Lamberts, dass die Inforamtionen nicht politisch ausgenutzt werden würden. Andere Fraktionen wollen die grünen Abgoerdneten zurzeit aber bewusst nicht dabeihaben. So solle sichergestellt werden, dass das Material nicht zum Schaden „des europäischen Projekts“ genutzt werde, so Giegolt. (mars, ORF.at)

Inland

Länder fordern 500 Millionen Euro mehr vom Bund

Die Landesfinanzreferenten fordern vom Bund 500 Millionen Euro jährlich im neuen Finanzausgleich. „Das ist angesichts der bundesgesetzlichen Mehrbelastungen keine überbordende Forderung“, sagte der Vorsitzende, der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ), heute nach dem Treffen in Graz. Für die Flüchtlingsbetreuungskosten könnte man nicht abgerufene Mittel aus dem EU-Kohäsionsfonds holen.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Pensionen: Stöger legte schmale Reform vor

Geht es nach Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), könnte die Ende Februar koalitionär vereinbarte Pensionsreform nun in Begutachtung gehen. Ein Entwurf, der an die ÖVP weitergeleitet wurde, enthält im Wesentlichen die damals vereinbarten Punkte. Was allerdings fehlt, ist der Zusatzbonus für jene, die über das Pensionsalter hinausarbeiten.

Das Papier, von dem zunächst die „Presse“ berichtete und das nun auch der APA vorliegt, bringt etwa den Rechtsanspruch auf Rehabilitation.

Dieser soll dann gebühren, wenn aufgrund des Gesundheitszustandes einer Person anzunehmen ist, dass sie die Voraussetzungen für die Invaliditäts-, Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitspension (in absehbarer Zeit) erfüllen wird oder sogar schon aktuell erfüllt und darüber hinaus wahrscheinlich ist, dass durch die Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation Invalidität vermieden bzw. beseitigt werden kann. Eine Qualifizierung „nach unten“ ist nur mit Zustimmung des Betroffenen möglich.

Pensionssplitting wird ausgeweitet

Verbesserungen vorgesehen sind für die Bezieher von Mindestpensionen (Ausgleichszulage). Liegen 30 Beitragsjahre vor, erhielten gemäß den Plänen Alleinstehende mindestens 1.000 Euro und Paare 1.500 Euro. Derzeit liegt die Ausgleichszulage bei 882,78 Euro für Alleinstehende und 1.323,58 Euro für Paare. Von der Aufstockung profitieren dürften vor allem Personen, die in ihrer Erwerbskarriere viele Teilzeitperioden aufweisen.

Ausgeweitet werden soll das Pensionssplitting. Derzeit ist es nur bis zum vierten Lebensjahr des Kindes (bei Mehrlingen bis zum sechsten) möglich, bis zu 50 Prozent der eigenen Pensionsansprüche dem daheim bleibenden Elternteil zu überlassen. Diese Möglichkeit soll künftig bis zum siebenten Lebensjahr bestehen. Der Antrag auf Übertragung soll bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres des Kindes, also drei Jahre länger als nach dem geltenden Recht, gestellt werden können.

Opposition kritisiert Pensionsreform

Die neue Pensionsdebatte in der Koalition ärgert die Opposition. Werner Neubauer (FPÖ) bemängelt, dass echte Reformen fehlten, die die Pensionen nachhaltig absicherten.
„Dringend notwendige Maßnahmen wie die Zusammenlegung der 22 Sozialversicherungsträger und die Reduzierung auf ein Pensionssystem nach ASVG samt Abbau sämtlicher Privilegien fehlen nach wie vor“, so der freiheitliche Seniorensprecher in einer ersten Stellungnahme.

Während NEOS Stöger hauptverantwortlich für ein „Versagen auf voller Linie“ macht, schieben die Grünen der ÖVP den schwarzen Peter zu.

Die Volkspartei entwickle sich zur politischen Dauerblockade und bringe die Republik zum Stillstand, meinte die grüne Sozialsprecherin Judith Schwentner in einer Aussendung. Das Zelebrieren des regierungsinternen Konflikts falle etwa Menschen mit niedrigen Pensionen und Frauen mit vor 2005 geborenen Kindern auf den Kopf.

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker wiederum zeigte sich über den Stöger-Entwurf mehr als enttäuscht: „Von der ohnehin schon mickrigen Einigung zwischen SPÖ und ÖVP ist überhaupt nichts mehr übrig. Das Einzige, was vom Pensionsgipfelchen bleibt, sind höhere Kosten.“

Sport

WM-Qualifikation: Koller hat keine Zeit für Experimente

Wie auf Schienen fährt Cheftrainer Marcel Koller seinen Kurs mit dem Nationalteam auch in der WM-Qualifikation weiter. In den luftigen Höhen der Skylounge des ÖFB-Partners Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) gab der Schweizer heute seinen Kader für das Heimspiel gegen Wales und das Match in Serbien (6. und 9. Oktober) bekannt.

Wie gewohnt verzichtete Koller auf neue Gesichter, weil vom Stammpersonal niemand ausfällt. „Dafür haben wir im Moment keine Zeit“, sagte er und erteilte damit personellen Experimenten eine Absage. „Mit den Fans im Rücken wollen wir den Walisern richtig einheizen“, so Koller, der sich schon auf den EM-Semifinalisten freut.

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Biathlon: Schockdiagnose für Landertinger

Bei einer MRI-Untersuchung wegen starker Rückenschmerzen ist bei dem Biathleten Dominik Landertinger ein Bandscheibenvorfall festgestellt worden. Der 28-jährige Tiroler muss vorerst zwar nicht operiert werden, eine Zwangspause ist aber unumgänglich.

Wenige Monate vor der Heim-WM in Hochfilzen steht der Olympiazweite demnach vor einer großen Herausforderung. „Es ist alles andere als optimal“, sagte Landertinger, der allerdings bereits einen „Schlachtplan“ hat.

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Fußball: Schwere Vorwürfe gegen Englands Teamchef

Heimliche Filmaufnahmen sollen belegen, dass Englands Teamchef Sam Allardyce Tipps zur Umgehung von Transferregeln gegeben hat. Wie die britische Zeitung „The Daily Telegraph“ heute berichtete, erklärte Allardyce kurz nach seiner Berufung zum Nationalcoach verdeckten Reportern, wie die Regeln des nationalen Fußballverbandes FA zum Besitz der Transferrechte umgangen werden können.

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ZIB2

Streitfall Hofburg-Wahl: Verfassungsrichter im Studio

Der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH), die Bundespräsidentenstichwahl zu wiederholen, ist unter Verfassungsjuristen nach wie vor umstritten. Manche sprechen gar von einem krassen Fehlurteil. Zu den Vorwürfen nimmt live im Studio der Verfassungsrichter Johannes Schnizer Stellung. Er verteidigt die Aufhebung der Stichwahl.

Clinton vs. Trump: Was beim TV-Duell zum Vorschein kam

Eineinhalb Stunden lieferten sich die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump gestern einen harten Schlagabtausch. Meinungsumfragen sehen Clinton als Siegerin dieses ersten Fernsehduells, das mehr als 100 Millionen Zuseher mitverfolgten. Doch hat Clinton damit den Wahlsieg schon in der Tasche? Dazu live aus Washington der US-Politikexperte Michael Werz.

Flüchtlingskoordinator Christian Konrad zieht Resümee

Christian Konrads Mandat als Flüchtlingskoordinator endet am kommenden Freitag. Von NGOs wird der ehemalige Raiffeisen-Generalanwalt hochgelobt, in der Regierung allerdings nicht von allen geliebt. Heute Abend zieht Konrad im Management Club erstmals selbst Bilanz über seine mehr als einjährige Tätigkeit als Flüchtlingskoordinator.

ZIB2 mit Armin Wolf, 22.00 Uhr, ORF2
Mail an die ZIB2
Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

Niederländische Modeketten zahlen in Indien Hungerlöhne

Niederländische Modeketten wie C&A zahlen einer Studie zufolge in indischen Textilfabriken so niedrige Löhne, dass sich viele Arbeiter verschulden müssen. Die überwiegend weibliche Belegschaft von zehn Produktionsanlagen in und um die Stadt Bangalore sei zu 70 Prozent verschuldet, heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht von vier Nichtregierungsorganisationen.

Die befragten Mitarbeiterinnen bekommen laut Angaben durchschnittlich 90 Euro pro Monat. Das ist rund ein Drittel dessen, was eine der Organisationen als Existenzminimum in Indien definiert. Die Löhne reichten deshalb nicht für einen angemessenen Lebensunterhalt von Familien.

Eine Stunde zu Fuß, um Busticket zu sparen

Eine Arbeiterin sagte den Autoren, sie laufe täglich den einstündigen Weg zur Arbeit und zurück nach Hause, um das Geld für ein Busticket zu sparen. „Diese Frauen arbeiten sehr hart für einen Hungerlohn“, sagte Tara Scally von der Clean Clothes Campaign, die zu den Initiatoren der Studie gehört.

Die untersuchten Produktionsanlagen beliefern auch die Modefirmen G-Star, Scotch & Soda, MEXX Europe, Coolcat, The Sting, McGregor Fashions, Suitsupply und WE Fashion. Die Unternehmen erklärten, ein Existenzminimum sei wichtig. Sie arbeiteten daran, die Herausforderungen rund um Löhne und Arbeitsbedingungen zu bewältigen.

Uber plant massive Expansion im Essensliefergeschäft

Der US-Fahrdienst Uber steht vor einer massiven Expansion im Geschäft mit Essenslieferungen. Das bereits in sechs Ländern auch als Lieferdienst für Mahlzeiten vertretene Unternehmen will sein Angebot Uber Eats auf mindestens 22 weitere Staaten ausweiten, wie aus Stellenanzeigen des US-Konzerns hervorgeht.

Das Vorhaben unterstreicht die Ambitionen des Unternehmens, über sein ursprüngliches Geschäft hinaus zu wachsen. Uber vermittelt Fahrgäste per Smartphone-App an private Chauffeure. Der Essenslieferservice werde von der Bekanntheit des Fahrdienstes profitieren, sagte Uber-Eats-Chef Jambu Palaniappan heute zu Reuters.

Bis Ende des Jahres in Dubai und Johannesburg

Dem Manager zufolge soll der Service bis Ende des Jahres unter anderem in Johannesburg und in Dubai angeboten werden. In den Stellenanzeigen werden unter anderen Manager, Verkäufer und Fahrradkuriere gesucht. In Amsterdam startet Uber Eats bereits am Donnerstag - zeitgleich mit dem Börsengang des niederländischen Marktführers, der Lieferando-Muttergesellschaft Takeaway.com.

Neben den Niederländern beherrschen bisher JustEat aus Großbritannien und Delivery Hero der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet den internationalen Markt für die Vermittlung von Essenslieferungen. Zuletzt stieg der Internetriese Amazon auch in London in den hart umkämpften Markt ein. Am Hauptsitz Seattle ist er bereits aktiv.

Lufthansa vor Übernahme von Teilen der Air Berlin

Infolge des geplanten Deals zwischen Lufthansa und Air Berlin könnten Flugtickets für bestimmte Ziele teurer werden. Diese Einschätzung äußerte der Wettbewerbsexperte Justus Haucap von der Universität Düsseldorf heute.

„Die Erfahrung zeigt: Wenn man auf einer Strecke die Reduktion von zwei auf einen Anbieter hat, muss man schon sehr gutgläubig sein, wenn man denkt, dass die Preise dort nicht steigen“, sagte der Ökonom. „Zehn bis 20 Prozent höhere Preise halte ich für realistisch.“

Vertrag muss endgültig ausgehandelt werden

Die für den Winterflugplan geplante Übernahme von 40 Air-Berlin-Jets durch die Lufthansa-Tochter Eurowings wird morgen im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns diskutiert. Das Kontrollgremium wird sich nach dpa-Informationen mit dem umfangreichen Leasinggeschäft formal befassen und nicht nur vom Vorstand informiert.

Voraussichtlich wird ein Zwischenstand präsentiert, weil der Vertrag mit dem federführenden Air-Berlin-Eigner Etihad noch endgültig ausgearbeitet werden muss, was einige Wochen dauern kann.

Ebenfalls auf der Agenda steht die mögliche Komplettübernahme der bisherigen 45-Prozent-Beteiligung an der belgischen Brussels Airlines, die ebenfalls in die Eurowings eingegliedert werden könnte.

Mit fast einer Milliarde verschuldet

Hintergrund des Air-Berlin-Geschäfts ist die desolate finanzielle Lage der mit fast einer Milliarde Euro verschuldeten Fluggesellschaft. Eigner Etihad hält Air Berlin seit Jahren mit immer neuen Millionenspritzen am Leben. Um die Kosten einzudämmen, will Etihad laut Medienberichten über das Eurowings-Geschäft hinaus die Tochter Niki und 14 von TUIfly geleaste Jets in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Touristikkonzern Tui überführen. Die heutige Air-Berlin-Flotte von rund 140 Fliegern würde so nahezu halbiert.

Chronik

Über 30 Tote wegen gepanschten Alkohols in der Ukraine

Wegen gepanschten Alkohols sind in der Ukraine nach Angaben der Behörde in den vergangenen Tagen mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen.

Allein im Gebiet Charkiw starben 23 Menschen, im Gebiet Donezk weitere fünf, wie der Staatliche Dienst für Lebensmittelsicherheit in der Ex-Sowjetrepublik mitteilte.

Alkoholsteuern stark angehoben

Innerhalb der vergangenen Woche wurden außerdem sieben Todesfälle in den Gebieten Luhansk und Mykolajiw registriert. In der Ukraine sind die Alkoholsteuern seit 2014 massiv angehoben worden. Aufgrund der Wirtschaftskrise greifen die Menschen vermehrt auf selbstgebrannten Alkohol sowie auf Billigangebote aus dem Internet zurück.

IT

Science

Baby hat dank neuer Technik Erbgut von drei Menschen

Mediziner haben erstmals mittels speziellen Zellkerntransfers ein Baby mit drei genetischen Eltern erzeugt. Das berichtete die britische Zeitschrift „New Scientist“ heute. Laut Angaben erprobte ein Team von Forschern aus den USA, Mexiko und Großbritannien eine spezielle Keimbahntherapie bei einem Paar aus Jordanien. Die Frau hatte bereits mehrere Kinder verloren, weil sie unter einer mitochondrialen Erbkrankheit leidet, die bei Kindern zum Leigh-Syndrom führen.

Das Team der New Hope Fertility Clinic in New York nutzte ein neues Verfahren: Die Forscher entfernten den Zellkern einer Eizelle der Mutter und setzen ihn in eine Eizelle einer anderen Frau ein, deren Zellkern zuvor entfernt worden war. Diese Zelle enthielt aber noch Mitochondrien, das sind Zellkraftwerke, die ebenfalls Erbmaterial besitzen. Danach wurde die Zelle mit dem Samen des Vaters befruchtet.

Behandlung in USA nicht erlaubt

Vor fünfeinhalb Monaten sei nun ein gesunder Bub auf die Welt gekommen, berichtet das britische Magazin „New Scientist“. Die Behandlung ist in den USA nicht erlaubt, deswegen fand sie in Mexiko statt.

Es ist nicht das erste Baby mit drei genetischen Eltern. Bekannt geworden war zum Beispiel Alana Saarinen, die ebenfalls Gene von ihrem Vater und von zwei Frauen trägt, allerdings wurde damals eine andere Technik verwendet. Dabei wurden die Mitochondrien nachträglich in die befruchtete Eizelle gegeben (Zytoplasmatransfer). Die Technik ist nach Sicherheits- und Ethikbedenken 2002 in den USA verboten worden.

Gesundheit

Masern in Amerika für ausgerottet erklärt

Auf dem amerikanischen Kontinent sind die Masern offiziell ausgerottet. Die Region sei die erste weltweit, in der die hochansteckende Virusinfektion, die schwere Nebenwirkungen wie Blindheit und Lungenentzündung haben kann, nicht mehr vorkomme, verkündete die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO/WHO) heute in Washington.

Das sei das Ergebnis umfassender Impfaktionen gegen Masern, Röteln und Mumps, die in Nord- und Südamerika sowie der Karibik seit 22 Jahren durchgeführt worden seien, hieß es. Der letzte endemische Fall sei 2002 gemeldet worden, danach habe es nur noch importierte Fälle gegeben.

Österreich auf Platz zwei in Europa

Anders ist die Situation in Österreich: 2015 ist die Zahl der Erkrankungen auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. In Europa hat Österreich (309 Erkrankungen im Jahr 2015) die zweitgrößte Anzahl an Masernfällen pro Million Einwohner, zeigte eine im Mai veröffentlichte Bilanz der Experten des Departements für Virologie der MedUni Wien. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) hat Anfang September ihre Unzufriedenheit mit der Maserndurchimpfungsrate ausgedrückt.

Kultur

Bob Dylan veröffentlicht 36-CD-Box-Set

Bob Dylan veröffentlicht am 11. November das 36-CD-Box-Set „The 1966 Live Recordings“. Darauf enthalten sind Mitschnitte von Shows, die Dylan rund um das Erscheinen seines Albums „Blonde on Blonde“ in den USA, Europa und Australien gab. Zusätzlich kommen wenig später separat eine Doppel-LP und eine Doppel-CD des „Real Royal Albert Hall 1966 Concert“ in den Handel, berichtet der „Rolling Stone“.

Die Idee zur Veröffentlichung der Mitschnitte entstand während der Archivarbeiten für Dylans im Vorjahr erschienenes Box-Set „The Cutting Edge 1965-1966“, das im Rahmen der „Bootleg Series“ Lieder aus den Studiosessions zu den Alben „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“ enthielt.

Legendärer „Judas“-Schrei in Manchester

„Die Intensität von Bobs Liveperformances und der fantastische Vortrag dieser Songs in den Konzerten fügen eine weitere aufschlussreiche Komponente zum Verständnis und zur Wertschätzung der musikalischen Revolution hinzu, die Dylan vor 50 Jahren entzündet hat“, so der Präsident von Legacy Recordings, Adam Block.

„The Real Royal Albert Hall 1966 Concert“ ist dabei der erste jener Auftritte, die damals tatsächlich in der Londoner Halle stattfanden. Ein 1998 veröffentlichtes offizielles Bootleg unter dem Titel „The Royal Albert Hall Concert“ war nämlich tatsächlich in Manchester entstanden und enthielt den legendären „Judas“-Schrei, mit dem ein Zuhörer gegen den „elektrischen“ Auftritt des damaligen Folk-Publikumslieblings protestierte.

Beyonce und Bieber Favoriten bei MTV Europe Music Awards

Mit jeweils fünf Nominierungen sind Beyonce und Justin Bieber die Favoriten für die MTV Europe Music Awards. Wie der Sender MTV heute bekanntgab, ist die US-Sängerin unter anderem für das Video zu ihrem Song „Formation“ für einen Preis vorgeschlagen. Der kanadische Teenie-Schwarm Bieber ist unter anderem für seinen Hit „Sorry“ nominiert.

Auszeichnungen werden in Rotterdam verliehen

Die dänische Newcomer-Band Lukas Graham geht mit vier Nominierungen ins Rennen um die Auszeichnung, die am 6. November in Rotterdam verliehen wird. Die Band aus Kopenhagen hat mit sozial angehauchten Liedern wie „7 Years“ und „Mama Said“ in kurzer Zeit eine weltweite Fangemeinde gefunden.

Auch die britische Sängerin Adele, die britische Rockband Coldplay und der kanadische Sänger Shawn Mendes wurden viermal nominiert. MTV kündigte die Nominierungen in einem Medley-Video an, in dem der spanische Cover-Sänger Leroy Sanchez die Vorschläge aus der Kategorie „Bester Song“ zum Besten gibt.

Panorama

Nudisten sollen Freiluftzone in Paris bekommen

Für Nudisten soll es in Paris erstmalig einen reservierten Bereich unter freiem Himmel geben. Einen entsprechenden Antrag der Pariser Grünen habe der Stadtrat gestern Abend angenommen, teilte ein Sprecher des Rathauses auf Anfrage mit.

Der Vizepräsident der Pariser Grünen, David Belliard, sagte der Tageszeitung „Le Figaro“, mit einem offiziellen Ort solle „wilder Naturismus“ vermieden werden.

Keine Absperrungen oder Zäune

Als Standort kämen die Parks von Vincennes oder Boulogne am Pariser Stadtrand in Betracht. Der Bereich solle klar gekennzeichnet werden - allerdings ohne Absperrungen oder Zäune.

Frankreich ist laut Belliard das weltweit beliebteste Land der Nudisten. In Paris gibt es aber für Anhänger der Freikörperkultur bisher nur ein Schwimmbad im Osten der Stadt. Mit einem Bereich unter freiem Himmel folgt Paris einem Großstadttrend: Auch in München, Berlin und Barcelona gibt es Treffs für Freunde der Freikörperkultur.

Leute

Berlusconi: Fühle mich auf einmal wie ein 80-Jähriger

Der dreimalige italienische Premier Silvio Berlusconi, der am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert, fühlt sich nach einer schweren Herzoperation im Juni stark gealtert. „Mit der Krankheit ist mir mein Alter bewusst geworden“, sagte er im Interview mit dem morgen erscheinenden Klatschmagazin „Chi“.

„In meinem Leben habe ich nie ans Altern gedacht. Ich habe immer gelebt als wäre ich 40, weil ich mich so fühlte: voller Neugierde und Tatendrang. Dann ist plötzlich die Krankheit gekommen und mit der Operation das Bewusstsein, dass ich ein 80 Jahre alter Mann bin“, so der TV-Zar.

„Blicke mit Ungewissheit in meine Zukunft“

Seinen runden Geburtstag werde er im engen Kreise seiner Familie feiern. „Ich werde jetzt mehr Zeit mit den Menschen, die ich liebe, verbringen, wie ich es in diesem Sommer getan habe. Und es ist richtig so: Mit fünf Kindern und zehn Enkelkindern bin ich ein Patriarch und so fühle ich mich auch“, sagte der Mailänder Unternehmer.

Große Pläne hegt Berlusconi nicht. „Ich blicke mit Ungewissheit in meine Zukunft“, gab der Medienzar zu. Dankbar sei er für seine Eltern, die ihn stets unterstützt hätten, auch wenn sie seine Pläne oft als zu kühn betrachteten. Seit dem Tod seiner Mutter Rosa sei seine älteste Tochter Marina die für ihn wichtigste Person. „Marina ist heute für mich Mutter, Schwester und Tochter“, so Berlusconi.