Chomeini-Tochter: Chamenei soll „Diktatur“ verhindern
Die Tochter des verstorbenen iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ruhollah Chomenei, Sahra Mostafawi, schaltet sich mit einer Warnung vor „diktatorischen Tendenzen“ erneut in die Debatte über die bevorstehende Präsidentschaftswahl am 14. Juni ein.
In einem Brief und mittels einer Stellungnahme an den obersten geistlichen Führer Ali Chamenei kritisierte sie den Wächterrat für die Disqualifizierung von Ex-Präsident Ajatollah Ali Akbar Haschemi Rafsandschani scharf.
„Kann man nicht schlechter regieren“
Rafsandschani, der sich bisher nicht öffentlich zur Entscheidung äußerte, kritisierte diese heute offenbar scharf. Laut der den Reformern nahestehenden Website Jaheshnews.ir sagte er: „Ich glaube, es ist nicht möglich, das Land noch schlechter zu regieren.“
Erinnert Chamenei an Worte Chomeinis
Mittels „schwesterlicher Warnung“ wies Mostafawi dagegen in ihrem Brief darauf hin, dass die Entscheidung des Rates zu einer schwerwiegenden Entfremdung zwischen Rafsandschani und Chamenei führen würde, und forderte eine Revidierung der Entscheidung, da die Politik des Landes sonst Gefahr laufe, wegen der Auswahl des Wächterrates diktatorische Tendenzen anzunehmen. Chamenei hat in allen Belangen das letzte Wort und kann die Entscheidungen des Wächterrates revidieren.
„Am selben Tag, als ich Imam Chomeinis Bestätigung von Ihnen als oberster Führer vernahm, hörte ich auch den Namen von Ajatollah Rafsandschani, der gleich nach Ihnen von meinem Vater genannt wurde. Mein Vater sagte immer, dass diese beiden Männer gut wären, solange sie miteinander wären. Daher sehe ich mit der unglücklichen Entscheidung des Wächterrates, Ajatollah Rafsandschani nicht zuzulassen, einen fatalen Effekt für die Revolution und die Islamische Republik“, so Mostafawi weiter.
Tiefer Riss in Führung
Der Ausschluss Rafsandschanis sorgt im Iran für einen tiefen Riss innerhalb der Führungsriege. Einige Mitglieder des Expertenrates, jenes Gremiums, das Chamenei kontrolliert und auch absetzen kann, und mehrere Parlamentsabgeordnete kamen gestern und heute in das Büro Rafsandschanis und zollten ihm Respekt. Indes setzte die Führung mehrere Krisensitzungen an. Ajatollah Chamenei hat sich zur Disqualifizierung Rafsandschanis noch immer nicht geäußert.
