Inland

EU-Parlamentspräsident Schulz zu Besuch bei Kern

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, ist gestern Abend in Wien mit dem neuen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zusammengetroffen.

Themen des Gesprächs waren soziale Fragen in Europa, Integration und der Kampf gegen Steuervermeidung, die durch Umschichtung von Gewinnen in andere Länder erzielt wird, teilte eine Sprecherin Kerns der APA mit.

Bundeskanzler Christian Kern spricht mit dem Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz

BKA/Andy Wenzel

Laut dem „Kurier“ (Donnerstag-Ausgabe) wollten Schulz und Kern bei ihrer Unterredung am Ballhausplatz auch die Beziehung zwischen dem EU-Parlament und der Bundesregierung diskutieren sowie die Kooperation auf Ebene der europäischen Sozialdemokratie abstecken.

Wahl Van der Bellens „Niederlage für Euro-Skeptiker“

Wie der „Kurier“ weiter schrieb, sei Schulz aber auch mit einer Botschaft nach Wien gekommen: Die Wahl von Alexander Van der Bellen zum neuen Bundespräsidenten zeige, „dass man mit klarer pro-europäischer Haltung Wahlen gewinnen kann. Es ist eine Niederlage für Euro-Skeptiker.“

Das sollte auch andere ermuntern, mit pro-europäischen Argumenten zu werben - auch in der Flüchtlingspolitik - und nicht Populisten und Rechten hinterherzulaufen, so Schulz.

Vor dem Treffen mit Kern wollte der EU-Parlamentspräsident als ersten Termin in Wien aus „persönlicher Freundschaft“ zu einem Frühstück mit dem ehemaligen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) zusammenkommen.

Rom kritisiert Soldatenentsendung an Brenner

Italiens Regierung hat erneut die von Österreich angekündigte Entsendung von 80 zusätzlichen Sicherheitskräften an die Brenner-Grenze kritisiert. „Es ist traurig, dass eine der vom historischen, symbolischen und wirtschaftlichen Standpunkt wichtigsten Grenzen Europas wochenlang zu internen politischen Zwecken genutzt worden ist“, sagte Außenminister Paolo Gentiloni.

Im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ (Donnerstag-Ausgabe) äußerte Gentiloni die Hoffnung, dass nach dem Ende der Präsidentschaftswahl in Österreich der Dialog mit der Regierung in Wien in puncto Flüchtlinge einfacher werde. Das Wahlergebnis bezeuge, dass der Populismus auch in EU-Ländern ohne große soziale Spannungen wie Österreich zunehme, sagte der Außenminister.

Brenner-Schließung wäre „Infarkt“

Das Wahlergebnis beweise auch, dass traditionelle Parteien, die sich für populistische Positionen entscheiden, besiegt würden. „In Europa gibt es zwar eine populistische Welle, sie ist jedoch kein Tsunami. Sie kann besiegt werden. Man muss diejenigen besiegen, die Angst schüren. Es die Pflicht zu regieren, ohne Ängste und Spaltungen zu nähren“, sagte Gentiloni.

Der neu gewählte Präsident des italienischen Industriellenverbands Confindustria, Vincenzo Boccia, warnte indes in seiner Amtsantrittsansprache vor den dramatischen Folgen einer Brenner-Schließung. „Die Brenner-Schließung würde einen Infarkt verursachen. Es ist, als würde man eine Ader blockieren“, warnte Boccia in Rom gestern.

Europa müsse seiner Berufung treu bleiben. „Vor weniger als 30 Jahren haben wir Europäer Mauern abgerissen, die jetzt nicht wieder errichten werden sollen“, sagte Boccia. Europa müsse wieder eine offene Gesellschaft sein, die sich für Werte wie Frieden, Wohlstand und Stabilität einsetzt.

Ausland

Zusammenstöße rund um Proteste in Chile

Bei Protesten gegen die Bildungspolitik der chilenischen Regierung haben sich gestern maskierte Demonstranten und die Polizei gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert.

Die Sicherheitskräfte setzten dabei in Santiago de Chile Tränengas und Wasserwerfer ein, zugleich wurden sie von der Gegenseite mit Steinen angegriffen. Insgesamt nahmen an der Demonstration in der chilenischen Hauptstadt mehrere tausend Studenten teil.

Fortschritte bei Bildungsreform gefordert

Die Demonstranten forderten unter anderem freien und kostenlosen Zugang zu den Universitäten des Landes. Sie prangerten Verzögerungen bei der schon lange versprochenen Bildungsreform an und erklärten auf einem Spruchband: „Wir haben genug vom Warten“.

In Chile gibt es bereits seit 2011 Studentenproteste, die immer wieder in Gewalt ausarten. Die Modernisierung des noch unter Diktator Augusto Pinochet eingerichteten Bildungssystems zählt zu den zentralen Versprechen von Staatschefin Michelle Bachelet.

Zwar sind Teile der Reform bereits in Kraft getreten. Vielen Studierenden gehen die Änderungen aber nicht weit genug und zu langsam voran.

Britische Regierung prüft islamische Schiedsgerichte

Die britische Regierung lässt die Rechtsprechung der informellen islamischen Schiedsgerichte prüfen. Es bestehe der Verdacht, dass Frauen von den religiösen Räten bei der Anwendung des islamischen Rechts der Scharia diskriminiert worden seien, erklärte die britische Innenministerin Theresa May gestern.

Dies sei eine ernste Sorge. Es gebe „nur einen Rechtsstaat“, der allen Bürgern Rechte und Garantien gebe, betonte die Ministerin.

Sprüche rechtlich nicht bindend

In England und Wales gibt es rund 30 informelle islamische Schiedsgerichte, die vorwiegend unter Anwendung der Scharia in Familienfragen vermitteln. Ihre Entscheidungen sind rechtlich nicht bindend und werden offiziell nicht anerkannt.

Die nun eingeleitete Prüfung unter Leitung der Professorin Mona Siddiqui soll den Verdacht klären, dass gewisse Schiedsgerichte Zwangsehen legitimieren oder Scheidungen zum Nachteil der Frauen fällen.

Putin zu Besuch in Griechenland

Der russische Präsident Wladimir Putin reist heute zu politischen Gesprächen nach Griechenland. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Regierungschef Alexis Tsipras stehen die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Energiethemen sowie die Lage im östlichen Mittelmeer, hieße es aus Regierungskreisen in Athen.

Putin und Tsipras hatten 2015 eine Kooperation bei der geplanten Erdgasleitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer vereinbart, das aber wegen eines politischen Konflikts zwischen Russland und der Türkei stockt. Russland ist auch an Privatisierungen in Griechenland interessiert.

Besuch auf Berg Athos

Am zweiten Tag des Besuches wird der Kremlchef auch zur Autonomen Mönchsrepublik Berg Athos reisen. Sie gilt als Hochburg des orthodoxen Christentums. Putin werde das überwiegend von Russen bewohnte Kloster von Agios Panteleimon besuchen, hieß es.

Auf dem Berg Athos auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki leben schätzungsweise mehr als 2300 Mönche aus allen orthodoxen Staaten. Die Mönchsrepublik besteht seit über 1000 Jahren.

Sie hat einen autonomen Status, ist aber Teil Griechenlands. In den 20 Klöstern werden Ikonen und kirchliche Gegenstände unschätzbaren Wertes verwahrt. Frauen ist der Zugang nicht erlaubt.

EU untersucht Diskriminierung von Roma-Kindern in Ungarn

Die EU-Kommission hat sich offiziell besorgt über die Diskriminierung von Roma-Kindern in ungarischen Schulen gezeigt.

Es sei eine förmliche Untersuchung zu diesen Vorwürfen eingeleitet worden, teilte die Kommission gestern in Brüssel mit. Die ungarische Regierung habe nun zwei Monate Zeit, um auf die Vorwürfe zu antworten.

Kinder würden „abgesondert“

Konkret gehe es „um Gesetzgebung und bürokratische Praxis in Ungarn, die zu einer Diskriminierung von Roma-Kindern im Bildungsbereich“ führten, sagte EU-Kommissionssprecher Christian Wigand.

Beispielsweise seien „überproportional viele“ Kinder der Minderheit der Roma in Sonderschulen für geistig Behinderte untergebracht. Außerdem würden in regulären Schulen Roma-Kinder „abgesondert“.

Ungarn wies Vorwürfe zurück

Die ungarische Regierung wies die Vorwürfe umgehend zurück. Diese seien „absurd“, weil weder Budapest noch Brüssel genaue Zahlen hätten, sagte der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orban.

Die ethnische Identität von Schulkindern werde grundsätzlich nicht erfasst, „weil es gegen das Gesetz wäre“, fügte Janos Lazar hinzu.

Streiks gegen Arbeitsmarktreform zermürben Frankreich

Die Streiks gegen die französische Arbeitsmarktreform haben voll auf den französischen Alltag durchgeschlagen: Benzin an den Tankstellen ist Mangelware, auch bei der Elektrizitätsversorgung drohen Engpässe.

Die Regierung, die bisher eisern an den durchgepeitschten Gesetzen mit gelockerten Arbeitnehmerschutzvorschriften festgehalten hat, zeigt erste Signale des Einlenkens, scheint dabei jedoch uneins. Auf der Gegenseite, bei den Gewerkschaften, suchen aber ebenso einige schon nach der Notbremse für die Proteste, da die Lage zu kippen droht.

Mehr dazu in Angeblich alle AKW-Arbeiter streikbereit

Vorsichtiger Optimismus nach Bonner Klimakonferenz

„Tut mehr, tut mehr, tut mehr“ - mit dieser Botschaft hat die scheidende UNO-Klimachefin Christiana Figueres gestern in Bonn die erste Klimakonferenz seit dem Pariser Klimaabkommen abgeschlossen. Der „Geist von Paris“ sei in Bonn deutlich spürbar gewesen, teilte das UNO-Klimasekretariat mit.

Die elftägige Konferenz habe deutliche Fortschritte dabei gemacht, die Beschlüsse des Klimaabkommens in ein konkretes „Regelbuch“ zu übersetzen. Allen sei aber klar, dass deutlich mehr als bisher geschehen müsse, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

„Geist einer neuen Zeit“

Auch Umweltschützer zogen eine vorsichtig positive Bilanz. „Die erste Klimakonferenz nach Paris atmet den Geist einer neuen Zeit“, sagte der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser.

Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam sagte: „Insgesamt waren die Verhandlungen von konstruktiver und arbeitsamer Stimmung geprägt - allerdings auch deswegen, weil die schwierigen politischen Themen nicht auf der Tagesordnung standen.“

Mitte Dezember hatten sich in Paris erstmals nahezu alle Staaten der Erde auf einen verbindlichen Weltklimavertrag geeinigt. Zentrales Ziel ist es, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Die nächste UNO-Klimakonferenz ist im November in Marrakesch in Marokko.

Gefahr für Weltkulturerbe

Die Vereinten Nationen (UNO) warnten unterdessen, dass der Kilmawandel zahlreiche Weltkulturerbe bedrohe. Insgesamt führte die UNO 31 Welterbestätten auf, die durch den steigenden Meeresspiegel, Stürme, Dürren und andere Auswirkungen der Erderwärmung gefährdet sind. Demnach bekommen alle untersuchten Stätten bereits die Folgen der Klimaveränderung zu spüren.

Untersucht hatten Forscher der Union of Concerned Scientists (UCS) gemeinsam mit der UNO-Kulturorganisation UNESCO und dem UNO-Umweltprogramm UNEP die Folgen für 31 Stätten in 29 Ländern. Darunter waren Korallenriffe, Regenwälder, Wüsten und archäologische Stätten. „Klimawandel wird rasch zu einer bedeutenden Bedrohung für die Welterbestätten“, erklärten die Forscher nun.

Sport

Champions League: Simeone verkörpert Atletico-Geist

Zum zweiten Mal nach 2014 hat Diego Simeone mit Atletico Madrid das Finale der Champions League erreicht. Wieder geht es gegen den großen Stadtrivalen Real, und wieder ist der argentinische Trainer mit seiner Mannschaft der Außenseiter. Vor zwei Jahren setzten sich die „Königlichen“ durch - nach einem intensiven Duell mit dem Arbeiterclub Atletico, dessen Geist von Simeone hundertprozentig verkörpert wird. Harte Arbeit, Kampfkraft und Disziplin sind für den 46-Jährigen die wichtigsten Tugenden eines Fußballers. Als Trainer übertritt „El Cholo“ ebenfalls gerne Grenzen.

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French Open: Thiem nimmt nächste Hürde locker

ÖTV-Jungstar Dominic Thiem hat gestern bei den French Open in Paris souverän den Einzug in die dritte Runde geschafft. Nach einem veritablen Fehlstart mit neun verlorenen Punkten in Serie kämpfte sich der erst 22-jährige Niederösterreicher gegen den spanischen Sandplatzspezialisten Guillermo Garcia-Lopez ins Match zurück und feierte letztlich noch einen ungefährdeten Dreisatz-Sieg, den er mit dem zweiten Matchball besiegelte. Im Kampf um den Einzug in das Achtelfinale bekommt es Thiem erneut mit dem Deutschen Alexander Zverev zu tun.

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Formel 1: Red Bull markiert Bestzeit in Monaco

Red Bull hat nach dem ersten Saisonsieg durch Max Verstappen in Spanien den Aufwärtstrend auch in Monte Carlo unter Beweis gestellt. Der Australier Daniel Ricciardo sorgte gestern im ersten Freien Training für den Grand Prix von Monaco für die klare Tagesbestzeit vor Weltmeister Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg. Schon auf Rang vier reihte sich Spanien-Sieger Max Verstappen im zweiten Red Bull ein.

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Wirtschaft

Philips brachte Börsengang der Leuchtsparte 750 Mio. Euro

Der niederländische Elektrokonzern Philips hat beim Börsengang seiner Lichtsparte 750 Mio. Euro eingestrichen. Die 37,5 Mio. Aktien seien zu einem Stückpreis von 20 Euro verkauft worden, teilte das Unternehmen gestern Abend mit. Die Preisspanne hatte bei 18,50 bis 22,50 Euro gelegen.

Insidern zufolge hatte Philips sie zuletzt allerdings auf 19 bis 20 Euro eingeengt. Erster Handelstag an der Amsterdamer Börse ist heute.

Börsengang als Teil des Konzernumbaus

Bei dem Börsengang bringt Philips zunächst ein Viertel seiner Tochter in den Handel. Die Lichtsparte wird dabei mit 3 Mrd. Euro bewertet.

Die Trennung vom Lichtgeschäft mit LEDs und Autolicht-Bauteilen gehört zum Umbau des Konzerns. Konzernchef Frans van Houten will Philips vor allem auf das Geschäft mit Technik für den Medizinbereich ausrichten.

Auch Erzrivale Osram steckt mitten im Umbau und will das klassische Lampengeschäft angesichts des Wandels weg von der Glühbirne und hin zur LED-Technik verkaufen.

Bericht: Amazon liefert bald frische Lebensmittel in Berlin

Der lange erwartete Vorstoß Amazons in den deutschen Lebensmittelhandel steht einem Medienbericht zufolge nun bevor. Der US-Internetkonzern werde voraussichtlich ab Herbst mit 15 Partnern seinen Dienst Amazon Fresh starten, berichtete das „Manager Magazin“ gestern vorab unter Berufung auf Insider.

Der Onlinehändler werde sich aber mit der Lieferung von frischen Lebensmitteln wie Fleisch und Gemüse vorerst auf Berlin konzentrieren. Von den großen Lebensmittelhändlern soll keiner kooperieren. Amazon wollte sich dazu nicht äußern.

Lebensmittelbranche bereitet sich vor

Bereits seit Jahren erwartet die deutsche Lebensmittelbranche einen Angriff Amazons. Rewe beschäftigt dem Bericht zufolge allein gut 400 Mitarbeiter, die den Einzelhändler aus Köln auf einen möglichen Start des US-Konzerns vorbereiten sollen. Das Unternehmen liefert heute schon genauso wie Amazon bereits abgepackte Ware an Kunden aus.

Mit der Auslieferung von frischen Lebensmitteln gehe Amazon nun einen Schritt weiter, schreibt das Magazin. Die Amerikaner wollten die Ware mit anderen Produkten im Bündel anbieten, so dass sich die Offerte auf Dauer auch rechne. Wer also etwa eine Zahnbürste ordere, solle seine Steaks gleich mitbestellen können. Amazon lässt seit 2007 frische Lebensmittel in den USA liefern, allerdings nur in wenigen großen Städten.

Griechische National Bank schreibt wieder Gewinn

Die griechische National Bank ist in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Die Belastung durch faule Kredite verringerte sich im ersten Quartal deutlich, wie das zweitgrößte Geldhaus des Landes gestern mitteilte.

Der Nettogewinn belief sich auf 87 Millionen Euro nach einem Verlust von 1,9 Milliarden Euro im vierten Quartal 2015.

Vom Überschuss ausgenommen sind zum Verkauf bestimmte Geschäftsteile sowie Aktivitäten, die eingestellt wurden. Für Problemdarlehen musste das Geldhaus noch 134 Millionen Euro zurückstellen nach 671 Millionen Euro im vierten Quartal.

Von Staat aufgefangen

Die Bank gehört zu 40 Prozent dem staatlichen Rettungsfonds, der sie vergangenes Jahr mit Kapitalspritzen stützte. Wie die gesamte Branche leidet das Institut unter der langjährigen Wirtschaftsmisere in dem hoch verschuldeten Land.

Auch die heimische Rivalin Eurobank hatte nach jahrelangen Verlusten im ersten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Die Piraeus Bank hatte ihren Verlust zum Jahresauftakt deutlich reduziert. Unter dem Strich lag der Fehlbetrag im ersten Quartal bei 37 Millionen Euro nach einem Minus von 1,24 Milliarden Ende 2015. Sie peilt für 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone an.

IT

Google gewinnt Milliardenstreit gegen Oracle

Google geht als Sieger aus dem jahrelangen und milliardenschweren Urheberrechtsstreit mit Oracle über sein Handy-Betriebssystem Android hervor.

Die Geschworenen des Bundesbezirksgerichts in San Francisco sahen es gestern als erwiesen an, dass der Suchmaschinenbetreiber nicht Oracles Rechte an der Programmiersprache Java verletzte, als er sie für Android benutzte.

Oracle hatte neun Milliarden Dollar Entschädigung gefordert. Der Ausgang der Klage war in der Branche mit Spannung erwartet worden. Einige Software-Entwickler hatten befürchtet, dass es bei einem Sieg Oracles zu einem sprunghaften Anstieg von Urheberrechtsklagen kommen könnte.

Klage nach Übernahme von Sun Microsystems

Oracle hatte die Rechte an Java 2010 im Zuge der Übernahme von Sun Microsystems erworben. Noch im selben Jahr verklagte das Unternehmen Google. Es machte dabei unter anderem geltend, dass die Verwendung gewisser Programmierschnittstellen von Java - von Fachleuten APIs genannt - eine Verletzung seiner Rechte darstelle.

Google erklärte dagegen, die Verwendung falle unter die Klausel für faire Nutzung (eng. „fair use“) amerikanischen US-Urheberrecht, weil Android als Ganzes auf umfangreiche eigene Innovationen beruhe. Um diesen Punkt ging es in dem jetzigen Verfahren. Eine Stellungnahme der beiden Konzerne lag zunächst nicht vor.

Microsoft und Facebook bauen neues Transatlantikkabel

Microsoft und Facebook bauen gemeinsam ein neues Transatlantikdatenkabel. Das Projekt mit dem Namen „Marea“ solle im August in Angriff genommen und im Oktober 2017 fertiggestellt werden, teilten die beiden US-Technologie-Unternehmen gestern mit.

Über die 6.600 Kilometer lange Verbindung werde eine Geschwindigkeit von 160 Terabit pro Sekunde (Tbps) erreicht werden. Die Leitung soll als erste die USA mit Südeuropa verbinden.

Betreiber wird die Telefonica-Tochter Telxius. Google hatte vor fast zwei Jahren mit asiatischen Firmen den Bau eines Pazifik-Kabels für etwa 300 Millionen Dollar vereinbart.

EU öffnet Grenzen für Streamingdienste

Kunden von Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon Prime oder MaxDome werden in Zukunft auch beim Urlaub in anderen EU-Ländern ihre Video-Abos nutzen können. Die Mitgliedsstaaten stimmten gestern einem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission zu, der noch vom Europäischen Parlament bestätigt werden muss.

Bisher sorgt das sogenannte Geoblocking dafür, dass der Internet-Zugriff auf die Server im eigenen Land selbst von anderen EU-Staaten aus eingeschränkt ist.

Einführung 2017 angepeilt

Nun soll dies für eine gewisse Zeit möglich sein. Eine konkrete Angabe zur Dauer wurde nicht gemacht. Die Kommission peilt eine Einführung 2017 an. Im selben Jahr fallen die Roaming-Gebühren beim Mobilfunk innerhalb der EU weg.

Die Lockerung des Geoblockings gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, mit denen die EU-Kommission den digitalen Binnenmarkt vorantreiben will. Zudem sollen Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime dazu zu verpflichten werden, mindestens 20 Prozent ihres Programms europäischen Produktionen vorzubehalten.

Chronik

Hunderte bei Trauerfeier für EgyptAir-Absturzopfer

Hunderte Menschen haben in Kairo an die Insassen der abgestürzten EgyptAir-Maschine erinnert. Mit Kerzen und Blumen in der Hand gedachten sie gestern Abend der 66 Todesopfer, deren Flugzeug vor einer Woche unter ungeklärten Umständen ins Mittelmeer gestürzt war. Unter den rund 500 Teilnehmern waren laut dem Bericht eines AFP-Journalisten auch mehrere Stewardessen in EgyptAir-Uniform.

Viele Teilnehmer der Gedenkfeier hatten ägyptische Fahnen mitgebracht. Unter anderem wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Unter den 66 Insassen waren 30 Ägypter und 15 Franzosen. Flug MS804 von Paris nach Kairo war in der Nacht zu Donnerstag vergangener Woche über dem Mittelmeer von den Radarschirmen verschwunden.

Die Absturzursache ist noch immer unklar. Die ägyptischen Behörden hatten einen Anschlag zunächst als wahrscheinlichste Ursache genannt, waren dann aber zurückgerudert. Derzeit wird im Mittelmeer nach den Flugdatenschreibern der Maschine gesucht, von denen sich die Behörden Aufschluss über die Gründe des Unglücks erhoffen.

US-Ankläger in Lewinsky-Affäre in Sexskandal verwickelt

Der einstige Ankläger in der Lewinsky-Affäre, Kenneth Starr, ist nun selbst in einen Sexskandal verwickelt: Der frühere Staatsanwalt, der in den 90er Jahren unnachgiebig das Verfahren gegen den damaligen US-Präsident Bill Clinton geleitet hatte, wurde wegen einer Affäre um die Football-Mannschaft der baptistischen Privatuniversität Baylor von seinem Posten als Präsident der Uni im Bundesstaat Texas entlassen.

Eine Untersuchung war 2015 zu dem Schluss gekommen, dass die Leitung der Universität nicht angemessen auf die seit Jahren bestehenden Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch Mitglieder der Football-Mannschaft von Baylor reagiert habe. Neben Starr, der seit 2010 die Präsidentschaft der konservativen Universität inne hatte, wurde nach Angaben des Verwaltungsrates von gestern auch der Trainer der Mannschaft entlassen.

Kenneth Starr war in den 90er Jahren weltweit bekannt geworden als ermittelnder Staatsanwalt in dem Verfahren gegen Clinton wegen dessen außerehelichen Beziehung mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Sein Abschlussbericht, in dem er dem Präsidenten Meineid vorwarf, öffnete den Weg für das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton, das letztlich aber 1999 im Senat scheiterte.

Science

Test von aufblasbarem Wohnmodul an ISS fehlgeschlagen

Ein Experiment mit einem aufblasbaren Wohnraum-Modul an der Internationalen Raumstation ISS ist fehlgeschlagen. Das neuartige Modul mit dem Namen „Beam“, das an die Raumstation angekoppelt ist, blies sich gestern nicht zur vollen Größe auf, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte.

Der Versuch wurde nach mehreren Stunden abgebrochen, der nächste soll aber möglicherweise schon heute folgen. „Beam“ wurde vom Privatunternehmen Bigelow Aerospace im Auftrag der NASA zu einem Preis von 18 Millionen Dollar (rund 16 Millionen Euro) entwickelt und wird nun erstmals im All getestet.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollten erstmals am kommenden Donnerstag Astronauten in das rechteckige Modul hineinschweben. Während des nun erfolgten Tests blies sich das Modul nach Angaben der NASA jedoch gerade einmal ein paar Zentimeter in Länge wie Breite auf. Bei voller Größe ist „Beam“ vier Meter lang und 3,23 Meter breit.

Zukünftige Unterkünfte auf Mars oder Mond

Aufblasbare Module sollen nach den Plänen der NASA und von Bigelow Aerospace in künftigen Jahrzehnten als Wohnräume für Astronauten auf dem Mond oder Mars dienen. Ihr großer Vorteil besteht darin, dass sie beim Transport nur wenig Raum verschlingen.

Allerdings ist noch ungeklärt, ob ein Modul wie „Beam“ die Astronauten ausreichend gegen die hochintensive Sonnenstrahlung und die extremen Temperaturschwankungen im All sowie gegen herumfliegenden Weltraumschrott schützen könnte.

Im Inneren von „Beam“ sind Sensoren installiert, die die Strahlung messen. Diese Messdaten sollen regelmäßig von den ISS-Astronauten eingesammelt werden.

Kultur

Festwochen: Russland als groteske Schlagerrevue

„Ein idealer Gatte“ - das Klassiker-Mashup des lettischen Regisseurs Konstantin Bogomolov gehört zu den meist gehypten Produktionen der Wiener Festwochen. Zu Recht: Vor allem der Auftakt dieser Superreichenrevue ist furios. Zwar hat das Vierstundenstück, das Anleihen bei Wilde, Goethe, Shakespeare und Tschechow nimmt, seine Längen - doch die macht es mit jeder Menge Pop-Sexappeal wieder wett.

Mehr dazu in news.ORF.at/festwochen16

Anwalt droht Netflix wegen geplanter Serie über „El Chapo“

Der US-Streaming-Anbieter Netflix plant nach eigenen Angaben eine Serie über den berüchtigten mexikanischen Drogenboss Joaquin „El Chapo“ Guzman. Der inhaftierte Drogenhändler scheint dies allerdings kritisch zu sehen: Einer seiner Anwälte drohte bereits mit einer Klage.

„Sie werden das Leben von Joaquin zeigen und das ist ein Eingriff in die Intimsphäre“, erklärte Andres Granados gestern in einem Radiointerview. Sein Mandant sei nicht tot. Die Macher müssten zuerst eine Vollmacht bekommen, damit sie Guzmans Namen benutzen können, argumentierte er.

Netflix veröffentlichte in dieser Woche einen Trailer über die Serie „El Chapo“, auf dem das Konterfei des mächtigen Chefs des Sinaloa-Kartells zu sehen ist. „‚El Chapo‘ ist auf dem Weg“, heißt es in der Reklame.

Auslieferung in USA geplant

Guzman wird im echten Leben tatsächlich in den USA erwartet - dem Drogenboss soll dort der Prozess unter anderem wegen Mordes, Drogenhandels und Geldwäsche gemacht werden. Mexikos Außenministerium genehmigte in der vergangenen Woche Guzmans Auslieferung.

Das Verfahren kann allerdings wegen möglicher Einsprüche gegen die Entscheidung noch Monate dauern. In Mexiko ist „El Chapo“ bereits zweimal die Flucht aus Hochsicherheitsgefängnissen gelungen.

Wann „El Chapo“ also in die USA kommt, ist noch ungewiss. Der Start der Fernsehserie auf jeden Fall ist für 2017 angekündigt. Es ist eine Netflix-Produktion in Zusammenarbeit mit dem spanischsprachigen US-Fernsehsender Univision.