Ausland

US-Regierung verteidigt Familientrennungen an Grenze

Trotz zunehmenden Drucks aus dem In- und Ausland hält die US-Regierung an den umstrittenen Familientrennungen an der Grenze zu Mexiko fest. Justizminister Jeff Sessions und Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen verteidigten das Vorgehen gestern mit der Begründung, Menschen mit Kindern seien nicht vor Strafverfolgung geschützt.

Es gebe „keine Politik der Trennung von Familien an der Grenze“, sagte Nielsen in Washington. Sie warnte aber zugleich, dass jeder, der die Grenze illegal übertrete, mit Strafverfolgung rechnen müsse. Das habe zur Folge, dass den Menschen ihre Kinder weggenommen würden.

Sessions setzt auf Grenzmauer

Sessions sagte: „Wir können und werden Menschen nicht ermutigen, Kinder mitzubringen, und ihnen eine weitgehende Immunität angesichts unserer Gesetze geben.“ Wenn eine Grenzmauer gebaut werde, müsse die Regierung keine „schrecklichen Entscheidungen“ mehr treffen.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump gesagt, er werde nicht zulassen, dass die USA zu einem „Einwandererlager“ und einer „Aufnahmestelle für Flüchtlinge“ würden. In seinem Land dürfe nicht das Gleiche geschehen wie in Europa. Kurz zuvor hatte er via Twitter erneut besonders die Einwanderungspolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel angeprangert.

ProPublica: Tonaufnahmen von weinenden Kindern

Unterdessen veröffentlichte die Plattform ProPublica eine Tonaufnahme, auf der heftig weinende Kinder zu hören sind, die von ihren Eltern getrennt wurden. Die auf der Aufnahme zu hörenden Kinder stammen laut ProPublica mehrheitlich aus El Salvador und Guatemala - beides von Gewalt geplagte Länder in Mittelamerika.

Auf der Aufnahme ist zu einem Zeitpunkt ein US-Grenzbeamter zu hören, der vor dem Hintergrund lauten Kinderschluchzens auf Spanisch sagt: „Also, wir haben hier ein richtiges Orchester. Das Einzige, was fehlt, ist ein Dirigent.“

First Ladies bieten Trump die Stirn

Die Familientrennungen an der Grenze zu Mexiko werden scharf kritisiert - zuletzt auch von Trumps Ehefrau Melania. Diese forderte am Wochenende, die USA sollen „mit Herz“ regiert werden. Auch die ehemalige First Lady Laura Bush schaltete sich in die Debatte ein. Sie bezeichnet die „Null Toleranz“-Politik als „grausam“. Kritik kommt nicht nur aus den eigenen Reihen, auch die UNO forderte die USA zum Handeln auf.

Mehr dazu in Härte an der Grenze spaltet Republikaner

Le Pen muss 300.000 Euro an EU-Parlament zurückzahlen

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen muss rund 300.000 Euro an das EU-Parlament zurückzahlen, wie heute bekanntwurde. Der Europäische Gerichtshof wies in einem Urteil die Klage von Le Pen gegen einen Rückforderungsbeschluss des EU-Parlaments zurück. Es geht um den Vorwurf der Scheinbeschäftigung von Assistenten von Le Pen.

Konkret wird Le Pen verurteilt, einen Betrag von 298.497,87 Euro an das Europaparlament zurückzuerstatten. Le Pen war von 2009 bis 2017 EU-Abgeordnete. Bei der Rückzahlung handelt es sich um Beträge, für die in dieser Zeit von Le Pen eingestellte Mitarbeiterin. Das Europaparlament hatte Le Pen vorgeworfen, keinen Nachweis dafür erbracht zu haben, dass die von der örtlichen Assistentin ausgeübte Tätigkeit effektiv, unmittelbar und ausschließlich an ihr Mandat geknüpft war.

Le Pen hatte beim EuGH Nichtigkeitsbeschwerde gegen den gegen sie ergangenen Beschluss des EU-Parlaments eingelegt. Der EuGH wies die Klage von Le Pen ab und bestätigte den Rückforderungsbeschluss des Europaparlaments.

UNO: Rekordzahl von 68,5 Mio. Flüchtlingen 2017

Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt gab es weltweit 68,5 Millionen Vertriebene nach 65,5 Millionen im Jahr davor, wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) heute berichtete.

Der Eindruck, die reichen Länder seien durch Flucht- und Migrationsbewegungen besonders betroffen, ist nach den Worten von UNHCR-Chef Filippo Grandi falsch. 85 Prozent der Geflüchteten hätten nahe ihrer Heimat in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen Zuflucht gefunden.

Anträge in Österreich stark gesunken

Drei von fünf Vertriebenen fanden im eigenen Land fern der Konfliktzone Zuflucht. Von denen, die über Grenzen flohen, stammten nach Angaben des UNHCR fast 70 Prozent aus nur fünf Ländern. „Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken“, sagte Grandi. Es handelt sich dabei um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia.

In Österreich ist die Zahl der Asylsuchenden von 39.905 Asylerstanträgen im Jahr 2016 auf 22.471 Asylerstanträge im Jahr 2017 gesunken, heißt es weiter. Der „Global Trends“-Bericht wird jährlich weltweit zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht. Der Bericht informiert über den neuesten Stand der internationalen Fluchtsituation, basierend auf Daten von UNHCR, nationalen Regierungen und weiteren Partnerorganisationen.

US-Senat will Kampfjetverkauf an Türkei blockieren

Der US-Senat hat gestern einen Gesetzesentwurf verabschiedet, mit dem der Verkauf von rund 100 Kampfflugzeugen vom Typ F-35 an den NATO-Partner Türkei blockiert werden könnte. Grund dafür sind die zuletzt angespannten Beziehungen Washingtons zur Türkei, unter anderem wegen der Festnahme eines US-amerikanischen Pastors.

Republikanische wie auch demokratische Senatoren haben sich zudem besorgt über die türkischen Pläne zum Kauf russischer Waffensysteme geäußert.

Erste Hinrichtung in Thailand seit neun Jahren

In Thailand ist zum ersten Mal seit knapp neun Jahren die Todesstrafe vollstreckt worden. Der 26-jährige Theerasak Longji sei per Giftspritze hingerichtet worden, teilte die thailändische Strafvollzugsbehörde heute mit.

Der Mann war wegen Mordes an einem 17-Jährigen im Jahr 2012 zum Tode verurteilt worden. Zuletzt waren im August 2009 zwei Männer hingerichtet worden. Amnesty International protestierte gegen die Vollstreckung.

Nach Angaben von Behördenchef Naras Savestanan war es die siebente Hinrichtung per Giftspritze, seit diese Methode in Thailand 2003 eingeführt worden war. Zuvor waren zum Tode Verurteilte von einem Erschießungskommando exekutiert worden.

„Wir hoffen, dass diese Hinrichtung all denen, die schwere Verbrechen planen, als Exempel dient“, sagte Savestanan. „Das ist eine bedauerliche Verletzung des Rechts auf Leben“, sagte die Thailand-Vertreterin von Amnesty, Katherine Gerson, und kündigte Proteste an.

Jemen: Flughafen von Rebellenhochburg gestürmt

Im Kampf um die jemenitische Rebellenhochburg Hodeidah hat die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz der Armee und Anwohnern zufolge den Flughafen der Stadt gestürmt. Nach schweren Gefechten mit den Houthi-Rebellen seien die Truppen heute auf das Gelände eingedrungen, hieß es in Militärkreisen.

Anrainer berichteten von Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. Wenige Stunden zuvor sei der Airport aus der Luft beschossen worden. Die vollständige Rückeroberung des Flughafens wäre ein schwerer Schlag für die Aufständischen.

Aauch Hafen soll eingenommen werden

Die arabischen Staaten erklärten, Ziel sei es, sowohl den Flughafen als auch den Hafen einzunehmen. Kämpfe auf den Straßen im Zentrum der Stadt mit 600.000 Einwohnern sollten dagegen vermieden werden. Den Vereinigten Arabischen Emiraten zufolge soll den Houthi-Rebellen eine Rückzugsmöglichkeit in ihre Bastion in der Hauptstadt Sanaa ermöglicht werden.

Die Schlacht um die für die Versorgung der Bevölkerung wichtige Hafenstadt ist die größte ihrer Art seit Beginn des Kriegs zwischen der Militärallianz und den Houthi-Rebellen.

Behinderung für Hilfsorganisationen

Die vor einer Woche gestartete Offensive behindert massiv die Arbeit von Hilfsorganisationen. Über die Stadt am Roten Meer werden fast alle Hilfsgüter in das Land geliefert, in dem 8,4 Millionen Menschen zu verhungern drohen.

Seit Jahren haben weder Saudi-Arabien und seine Verbündeten noch die Rebellen entscheidende militärische Fortschritte erzielt. Der schiitische Iran unterstützt die Houthis. Er ringt mit dem sunnitischen Saudi-Arabien um die Vormachtstellung am Persischen Golf.

Inland

Flüchtlinge: Kickl erwartet Maßnahmen auf Westbalkan

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) erwartet von einem Treffen mit EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos und den Innenministern der Westbalkan-Staaten heute konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Migration auf dem Balkan. In einem der APA vorliegenden Brief an Avramopoulos weist Kickl einmal mehr auf die angespannte Flüchtlingssituation im Süden Europas hin.

„Die Entwicklungen in Südosteuropa bzw. entlang der Balkanroute im Bereich Migration geben Anlass zur Sorge. Das betrifft etwa die griechisch-türkische Landgrenze oder die sogenannte Küstenroute über Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Ich bin daher der Ansicht, dass die Lage am Westbalkan unsere vermehrte Aufmerksamkeit verlangt, damit es nicht abermals zu einer ähnlichen Situation wie in den Jahren 2015/2016 kommt“, schreibt der Innenminister.

Keine konkreten Zahlen genannt

Die Lage in Griechenland sei nach wie vor „äußerst angespannt, der Druck auf die Inseln sehr groß“. Seit einiger Zeit ist laut Kickl auch wieder ein Anstieg der Migrationsbewegungen über den Westbalkan zu beobachten.

„In den ersten vier Monaten des Jahres 2018 nahmen die illegalen Grenzübertritte auf dem Landweg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2017 um ein Vielfaches zu. Besonders betroffen ist beispielsweise Bosnien-Herzegowina“, schreibt Kickl. Konkrete Zahlen nannte der Innenminister in dem Schreiben an den EU-Kommissar nicht. Kritiker und Experten wiesen die Darstellung der Situation auf dem Balkan zuletzt zurück. Man sei weit von einer Situation wie 2015 entfernt, hieß es.

Für „intensive Kooperation“

Der Innenminister sieht das anders. „Um die Situation nachhaltig unter Kontrolle zu bekommen, müssen dringend alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft werden.“ Kickl spricht sich für eine „intensive politische, strategische und operative Kooperation zur Bekämpfung der illegalen Migration“ aus und wünscht sich auch „verstärkte Maßnahmen im Bereich der Rückführung“. Ein weiterer Schlüsselfaktor im Kampf gegen die illegale Migration sei zudem die Schaffung eines effizienten Außengrenzschutzes.

Mit seinen Innenministerkollegen aus Griechenland, Slowenien, Kroatien, Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Mazedonien und Serbien sprach Kickl bereits Anfang Juni über eine gemeinsame Vorgehensweise.

Treffen von Ermittlern

„Wir haben etwa die Einrichtung eines Mechanismus zur unmittelbaren Beobachtung von illegalen Migrationsbewegungen und Schlepperei angeregt, um aktuelle Situationsbilder zur Verfügung zu haben. Weiters wurde die Schaffung einer Taskforce zur verstärkten Bekämpfung der Schlepperkriminalität mit Ermittlern aus Österreich und südosteuropäischen Ländern vereinbart“, so Kickl.

Ein erstes Treffen dazu findet derzeit in Wien statt. Bei Avramopoulos regt Kickl an, „dass die Kommission ein Assessment auf der Route durchführt und die erforderlichen Maßnahmen in der Folge ergriffen werden“. Zugleich informierte der Innenminister über die in Österreich am 26. Juni geplante Einsatzübung am Grenzübergang Spielfeld.

„Das Ziel dieser Übung ist es, die Bewältigung eines plötzlich ansteigenden Zustroms irregulärer Migranten durch die österreichische Bundespolizei zu testen. Zu der Übung werden internationale Beobachter auf Expertenebene eingeladen.“

Van der Bellen über BVT-Affäre „irritiert“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat gestern Abend in der ZIB2 Fragen zur Affäre rund um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) beantwortet.

Auch er sei „irritiert“ gewesen, als die Razzia im BVT bekanntwurde, so Van der Bellen. Inzwischen seien aber in einigen wesentlichen Punkten Entscheidungen gefallen, etwa die Rücknahme der Suspendierung von BVT-Chef Peter Gridling. „Das ist ein gutes Zeichen für den österreichischen Rechtsstaat“, so Van der Bellen.

Angesprochen auf Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), sagte der Bundespräsident: „Alle Mitglieder der Regierung haben mein Vertrauen, aber ich kann nicht im Vorhinein für alle Zukunft für jeden die Hand ins Feuer legen.“ Wenn der Innenminister glaube, das BVT müsse reformiert werden, müsse man sich die Pläne anschauen.

„Lassen uns nicht ausspionieren“

Auch die Spionageaffäre um den deutschen Nachrichtendienst BND war Thema. Am Samstag hatte Van der Bellen zusammen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) „volle Aufklärung“ von Deutschland gefordert. Neu sei nicht die Tatsache, dass der deutsche Dienst in Österreich jahrelang mitlauschte, neu sei aber, dass rund 2.000 konkrete Überwachungspunkte bekannt geworden seien, so der Bundespräsident in der ZIB2. „Wir lassen uns von keinem befreundeten Land beziehungsweise dessen Nachrichtendienst ausspionieren. Was soll das?“, so Van der Bellen.

Zum innerdeutschen Streit über die Asylpolitik zwischen CDU und CSU sagte der Bundespräsident: Deutschland sei „nicht irgendein Land“, breche wegen der Uneinigkeit zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer nun eine echte Regierungskrise aus, wäre das eine Herausforderung für die EU-Ratspräsidentschaft, so der Bundespräsident. „Aber ich gehe davon aus, Frau Merkel wird das schon irgendwie hinkriegen.“

Sport

Kolumbien setzt bei Fußball-WM erneut auf Rodriguez

Vor vier Jahren, als für Kolumbien im WM-Viertelfinale gegen Gastgeber Brasilien Endstation war, ist der Stern von James Rodriguez aufgegangen. Der 26-Jährige, der damals mit sechs Treffern bester WM-Torschütze war, soll es nun auch in Russland richten.

Vor dem Auftakt heute gegen Japan (14.00 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) hofft der Angreifer auf eine „spektakuläre und einzigartige WM“. Unterstützung wird er diesmal auch von einem anderen Großen des kolumbianischen Fußballs bekommen.

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Belgien erfüllt Pflicht bei WM souverän

Geheimfavorit Belgien hat bei der Fußball-WM in Russland zum Auftakt der Gruppe G seine Pflicht erfüllt. Die „Roten Teufel“ setzten sich gestern in Sotschi gegen WM-Debütant Panama klar mit 3:0 durch. Allerdings hatte der Favorit mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, denn der Außenseiter aus Mittelamerika hielt die Partie in der ersten Hälfte offen. Ein sehenswerter Schuss kurz nach der Pause ebnete Belgien allerdings den Weg zum Sieg.

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Tennis: Thiem gelingt Umstieg auf Rasen

Dominic Thiem hat ein erfolgreiches Saisondebüt auf Rasen gefeiert. Acht Tage nach seiner Finalniederlage bei den French Open in Paris gegen Rafael Nadal setzte sich der 24-jährige Niederösterreicher gestern beim ATP-Tennisturnier in Halle in der ersten Runde gegen den Russen Michail Juschni in zwei Sätzen durch. Im Achtelfinale bekommt es Thiem nun mit Yuichi Sugita zu tun. Der Japaner rang Lokalmatador Maximilian Marterer nieder.

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Wirtschaft

Bayer begibt 15-Mrd.Dollar-Anleihen für Monsanto-Deal

Der deutsche Bayer-Konzern hat sich für die Finanzierung der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto weitere Mittel gesichert.

Bayer begab neue Anleihen über 15 Milliarden Dollar (rund 12,9 Mrd. Euro), wie das Unternehmen heute im deutschen Leverkusen mitteilte. Bei internationalen institutionellen Investoren seien acht Tranchen mit Laufzeiten von drei bis 30 Jahren platziert worden. Die Nachfrage nach den neuen Bayer-Anleihen war hoch.

Nach Unternehmensangaben war die Platzierung rund dreifach überzeichnet. Bayer hatte Monsanto samt übernommener Schulden für 63 Milliarden Dollar (rund 54 Mrd. Euro) erworben und will einen großen Teil des Kaufpreises mit Eigenkapital stemmen.

Semperit stoppt Produktion in Werk in China

Der mitten in der Umstrukturierung steckende Gummikonzern Semperit legt eines seiner drei Werke in China still. „Die Produktion in Shandong wird sofort gestoppt“, teilte der Konzern heute Früh mit. 120 Mitarbeiter sind von der Maßnahme betroffen. Am Sempertrans-Produktionsstandort Best (ShanDong) Belting Co. Ltd. in der Provinz Shandong sind Textil- und Stahlseilgurte hergestellt worden.

Nach eingehender Analyse habe der Vorstand der Semperit AG Holding mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die Produktion in der Provinz Shandong an der chinesischen Ostküste zu beenden. Für die Arbeitnehmer würden „entsprechende Sozialmaßnahmen“ vorbereitet.

Konzern in Restrukturierungsprozess

Die Werksstilllegung ist den Angaben zufolge Teil des laufenden Restrukturierungs- und Transformationsprozesses und wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der Unternehmensgruppe heuer aus jetziger Sicht um rund zehn Mio. Euro schmälern.

Darin sollen neben Rückstellungsbildungen auch Abschreibungen und andere Wertberichtigungen enthalten sein. Das chinesische Sempertrans-Werk erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von rund 15 Mio. Euro.

Andere Standorte wiesen perspektivisch höhere Margen auf, so das Management. Die beiden weiteren chinesischen Semperit-Werke in Schanghai laufen weiter: „Die sind gesichert“, sagte Konzernsprecherin Monika Riedel zur APA. Die zwei Standorte gehören zu anderen Unternehmenssegmenten - Semperform und Semperflex. Dort werden unter anderem Profile und Handläufe bzw. Schläuche produziert.

Die Gesellschaft in Shandong ist ein Joint Venture, das die Semperit AG Holding den Angaben zufolge 2010 mit dem staatsnahen chinesischen Energieunternehmen Wang Chao Coal & Electricity Group gegründet hat. Der chinesische Partner hält derzeit 16,1 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen.

149.800 Dollar-Millionäre laut Studie in Österreich

Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Vermögen der Dollar-Millionäre die Marke von 70 Billionen Dollar (rund 60 Billionen Euro) überschritten. In Österreich stieg 2017 die Zahl der Reichen um 13 Prozent von 132.600 auf 149.800, geht aus dem heute vom Beratungsunternehmen Capgemini veröffentlichten „World Wealth Report 2018“ (WWR) hervor. Die Berechnung berücksichtigt aber keine Schulden.

Ein wichtiger Grund für den Anstieg ist nach Angaben der Studie die gute wirtschaftliche Entwicklung weltweit. Die Millionäre profitierten von deutlich steigenden Immobilienpreisen und Aktienkursen. Das Gesamtvermögen stieg zum sechsten Mal in Folge.

Das Vermögensplus betrug 2017 rund elf Prozent, der zweithöchste Zuwachs seit 2011. Im vergangenen Jahr kamen weltweit rund zwei Drittel der Millionäre aus den größten Volkswirtschaften USA, Japan, Deutschland und China.

Laut „World Wealth Report 2018“ steigt das Interesse von Millionären an Kryptowährungen. Kryptowährungen haben derzeit aber noch keinen großen Anteil am Portfolio der extrem Wohlhabenden.

Bericht: Tesla kämpft mit Sabotage durch Mitarbeiter

Neben dem holprigen Produktionsstart des Hoffnungsträgers Model 3 macht dem US-Elektroautohersteller Tesla laut Firmenchef Elon Musk nun auch noch ein Feind im eigenen Hause zu schaffen.

Ein Mitarbeiter habe „umfassende und schädliche Sabotage“ begangen, schrieb Musk den Tesla-Angestellten am Sonntagabend in einer E-Mail, die der US-Sender CNBC gestern (Ortszeit) veröffentlichte. Das volle Ausmaß sei noch nicht klar, doch was der Mitarbeiter bisher zugegeben habe, sei schon „ziemlich schlecht“. Ein offizielles Statement des Unternehmens gab es zunächst nicht.

„Die wollen, dass Tesla stirbt“

Der Angestellte hat laut Musk unter falschen Nutzernamen direkte Änderungen an Teslas Produktionssystem vorgenommen und große Mengen hochsensibler Daten an Dritte herausgegeben. Sein Motiv sei eine gewünschte Beförderung gewesen, die ihm versagt wurde.

Es könnte aber noch weit mehr dahinterstecken, deshalb werde die Untersuchung diese Woche in aller Tiefe fortgeführt. „Wie Ihr wisst, gibt es eine lange Liste von Organisationen, die wollen, dass Tesla stirbt“, warnte Musk die Mitarbeiter mit Verweis auf die Öl- und Gasindustrie sowie auf Wall-Street-Spekulanten, die gegen die Aktie der Firma wetten.

„Merkwürdiger Zwischenfall“

In einer zweiten, ebenfalls von CNBC veröffentlichten E-Mail offenbarte Musk, dass die Produktion des Model 3 durch einen Brand gestört wurde. „Letzte Nacht hatten wir einen weiteren merkwürdigen Zwischenfall, der schwer zu erklären ist“, heißt es darin. Es sei zu „einem kleinen Feuer“ gekommen, durch das der Karosseriebau für einige Stunden gestoppt werden musste.

Auch hier deutete Musk einen Sabotageakt an. Es könne sich zwar durchaus um Zufall handeln, doch: „Nur die Paranoiden überleben.“ Die Mitarbeiter sollten auf alles achten, das „nicht im besten Interesse unseres Unternehmens ist“.

„Radikale Verbesserungen“ gefordert

Tesla kämpft indes weiter mit Anlaufproblemen bei der Massenfertigung seines ersten günstigeren E-Autos, des Model 3. Musks Firma liegt bereits ein halbes Jahr hinter ihrem ursprünglichen Zeitplan und will die Marke von 5.000 Fahrzeugen pro Woche nun bis Ende Juni erreichen.

Am Freitag gratulierte Musk den Mitarbeitern zwar zu den bereits gemachten Fortschritten, forderte aber zugleich „radikale Verbesserungen“. Vor rund zwei Wochen hatte sich der Tesla-Chef beim Aktionärstreffen optimistisch für das Erreichen des Ziels gezeigt und die wöchentliche Produktionsrate mit rund 3.500 Model 3 angegeben.

Trump droht China mit weiteren Strafzöllen

US-Präsident Donald Trump plant weitere Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar.

„Weiteres Handeln ist nötig, um China dazu zu ermutigen, seine unfairen Praktiken zu ändern, seinen Markt für US-Güter zu öffnen und eine ausgeglichenere Handelsbeziehung mit den USA zu akzeptieren“, sagte Trump in einer vom Weißen Haus verbreiteten Stellungnahme.

China kündigt Gegenmaßnahmen an

China hat den USA nach der Ankündigung neuer milliardenschwerer Strafzölle mit Vergeltung gedroht. „Die Vereinigten Staaten initiieren einen Handelskrieg und verletzten die Gesetze des Marktes“, sagte ein Sprecher des Pekinger Handelsministeriums. Verhielten sich die USA weiterhin „irrational“, würden „entschlossene Gegenmaßnahmen folgen“. Chinas Antwort bestehe darin, die Interessen des Landes und seiner Bürger zu wahren und zu schützen.

Die USA hatten erst in der vergangenen Woche Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 50 Milliarden Dollar verhängt, woraufhin China ebenfalls Gegenmaßnahmen im gleichen Umfang ankündigte.

Chronik

Geschätzte 85 Prozent aller Handfeuerwaffen in Privatbesitz

85 Prozent der laut einer Schätzung mehr als eine Milliarde Handfeuerwaffen weltweit sind im Besitz der Zivilbevölkerung. Lediglich 13 Prozent gehörten nach der Studie „Small Arms Survey 2017“ zu Arsenalen von Militärs, weitere zwei Prozent wurden von Strafverfolgungsbehörden genutzt.

Vor allem wegen des zivilen Besitzes sei der weltweite Bestand an Handfeuerwaffen im vergangenen Jahrzehnt gewachsen, hieß es in der gestern veröffentlichten Studie, die vor allem auf Schätzungen beruht. Nur etwa 100 Millionen der weltweit 857 Millionen Handfeuerwaffen von Zivilisten waren registriert.

USA gefolgt von Jemen

Die meisten Handfeuerwaffen pro Kopf in Zivilbesitz - 120 Stück pro 100 Einwohner - gibt es der Studie zufolge in den USA. Danach folgen der Jemen (53 Stück pro 100 Einwohner), Montenegro (39) und Serbien (39) sowie Kanada (34,7) und Uruguay (34,7). Frankreich, Deutschland und der Irak landen auf dem 20. Platz (knapp 20 Stück pro 100 Einwohner).

Im europäischen Vergleich besitzen im Schnitt unter anderem Bürger in Zypern (34), Finnland (32,4), Island (31,7) und Österreich (30) mehr Waffen als Deutsche, Franzosen und Iraker. Auf den letzten Plätzen landen unter anderem Zivilisten in Indonesien, Japan und Malawi.

Die offiziellen Zahlen für Österreich

Neben den Schätzungen der unabhängigen NGO Small Arms Survey mit Sitz in Genf gibt es hierzulande auch offizielle Zahlen: Mit Stichtag 1. Jänner 2018 waren in Österreich 1.023.037 Pistolen, Revolver, Büchsen und Flinten im Zentralen Waffenregister (ZWR) vermerkt. Diese verteilen sich laut Innenministerium auf 301.420 Besitzer.

Die meisten registrierten Waffen waren Büchsen (Kategorie C). 528.936 dieser Gewehre mit gezogenem Lauf werden damit legal in Österreich besessen. Danach folgen 414.656 Faustfeuerwaffen, halbautomatische Schusswaffen und Repetierflinten (Kategorie B) und 72.637 Flinten (Kategorie D), also Gewehre mit glatten Läufen.

Von den mittlerweile zum Kauf nicht mehr zugelassenen Waffen und Kriegsmaterial (Kategorie A) sind noch 6.808 registriert, etwa 100 weniger als vor einem Jahr. Angesichts einer aktuellen Bevölkerung von rund 8,8 Millionen ergibt das eine Zahl von etwa 11,6 registrierten Handfeuerwaffen pro 100 Österreicher und Österreicherinnen - im Gegensatz zu den von der Organisation geschätzten 30.

Zwei Tote und vier Verletzte durch Schüsse in Malmö

Zwei Menschen sind bei einer Schießerei im südschwedischen Malmö gestern Abend getötet worden. Ein 18-Jähriger und ein 29-Jähriger starben kurz nach ihrer Einlieferung in ein Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen, wie örtliche Medien berichteten.

Vier weitere Menschen wurden bei dem Zwischenfall verletzt, berichtigte die Polizei ursprüngliche Opferzahlen. Über den Verletzungsgrad der Überlebenden gab es keine Angaben. Ein Polizeisprecher sagte der Zeitung „Svenska Dagbladet“, jemand habe - möglicherweise aus einem Auto - auf Leute geschossen, die vor einem Internetcafe standen. Als Tatwaffe wurde eine Schrotflinte eingesetzt, hieß es bei „Aftonbladet“.

Suche nach Wagen

Zunächst gab es keine Verdächtigen, die Suche nach dem Wagen dauerte in den Morgenstunden an. Die Ermittler baten die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung.

Polizistinnen am Tatort

APA/AFP/TT News Agency/Johan Nilsson

Es bestehe aber kein Grund für Unruhe in der Bevölkerung, sagte der Sprecher. Nach Polizeiangaben gibt es „keine Anzeichen für einen terroristischen Hintergrund“. Es könnte sich um eine Schießerei zwischen Kriminellen handeln.

Die Polizei sperrte nicht nur den Tatort ab, sondern bewachte auch das Krankenhaus, in dem die Verletzten behandelt wurden. Nach Informationen der Zeitung „Sydsvenskan“ sind mehrere der Opfer polizeilich bekannt. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

US-Rapper XXXTentacion ermordet

Der US-Rapper XXXTentacion ist gestern in Florida auf offener Straße erschossen worden. Nach Angaben der Polizei habe der Rapper, dessen richtiger Name Jahseh Onfroy lautet, in Deerfield Beach im Broward County das Geschäft eines Motorradhändlers verlassen, als er von zwei Unbekannten niedergeschossen wurde.

Ermittler am Tatort

AP/John McCall

„Mindestens einer der Verdächtigen hat auf ihn geschossen“, hieß es in einer Mitteilung aus dem Büro des Sheriffs. Der 20-jährige XXXTentacion sei umgehend ins Krankenhaus gebracht worden, wo die Ärzte nur seinen Tod feststellen konnten. Die Polizei geht bei der Tat von einem möglichen Raub aus und hat eine Belohnung von 3.000 Dollar ausgesetzt.

„Danke, dass du existiert hast“

Der Rapper war erstmals 2014 in der Soundcloud-Szene bekannt geworden, aus der Künstler wie Lil Peep und Playboi Carti hervorgegangen waren. Seinem Erstlingsalbum „17" folgte wenig später "?“, mit dem er an die Spitze der Billboard-Charts gelangte. Im vergangenen Jahr nahm er ein Duett mit der Schwester von Miley Cyrus, Noah, auf.

Prominente und Fans drückten im Internet ihre Trauer aus: "Ich habe dir nie gesagt, wie sehr du mich inspiriert hast, als du hier warst", schrieb Rap-Ikone Kanye West auf Twitter: "Danke, dass du existiert hast." Auch viele Fans reagierten bestürzt.

Mehrfach Probleme mit Polizei

Privat hatte XXXTentacion laut US-Medien mehrfach Ärger mit der Polizei. 2016 wurde er kurzzeitig festgenommen, weil er seine damalige Freundin geschlagen haben soll. Danach soll er sie bedroht haben, damit sie nicht gegen ihn aussagt. Im März ordnete ein Richter an, den Hausarrest gegen den Rapper aufzuheben, damit dieser auf Tour gehen kann.

Kultur

„Black Panther“ räumt bei MTV Awards ab

Der schwarze Superheldenhit „Black Panther“ hat den Hauptpreis bei den MTV Movie & TV Awards gewonnen und drei weitere Auszeichnungen abgeräumt. Schauspieler Chadwick Boseman, der in dem Film die Rolle des gleichnamigen Superhelden spielt, gewann gestern die Trophäen als bester Held sowie für die beste schauspielerische Leistung in einem Film.

Sein Kollege Michael B. Jorden, der in „Black Panther“ die Figur Killmonger spielt, gewann den Preis als bester Bösewicht. Der Marvel-Hit war mit sieben Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen.

Vier Preise für „Stranger Things“

Die Show im kalifornischen Santa Monica, bei der Fans die Gewinner per Abstimmung wählen, stand ganz im Zeichen von Vielfalt: Als erste schwarze Frau führte Komikerin Tiffany Haddish durch die Verleihung, die dieses Jahr zum 27. Mal stattfand.

Die Serie „Stranger Things“ war mit vier Preisen - darunter als beste Serie und für die beste schauspielerische Leistung in einer Serie von Hauptdarstellerin Millie Bobby Brown - ebenfalls stark vertreten.

Science

Mexiko hat wieder mehr Jaguare

In Mexiko gibt es wieder mehr Exemplare der stark bedrohten Jaguare (Panthera onca). Derzeit gebe es rund 4.800 der Tiere in den lateinamerikanischen Land, sagte die Umweltorganisation WWF gestern (Ortszeit) in einer Mitteilung. Damit sei die Zahl der Tiere in den vergangenen acht Jahren um 20 Prozent gestiegen, wie aus einer Zählung des WWF in Mexiko und der Universität UNAM hervorging.

Die starke Zunahme der Population der Großkatzen sei ein großer Erfolg für Mexikos Naturschutz, so der WWF.

Wiederaufforstung und Schutzprogramm

Als Gründe für den Zuwachs nannte die Organisation die Wiederaufforstung zerstörter Wälder und ein Schutzprogramm, dass Mexiko 2005 eingeführt hatte. Auch die Methodik der Zählung hatte laut WWF zu dem Anstieg der Zahl beigetragen. Für die Zählung mussten mehrere tausend Kamerafallen ausgewertet werden.

Durch ihre individuelle Fellzeichnung ließen sich die einzelnen Tier unterscheiden, sagte die Umweltorganisation. Jaguare gelten als gute Indikatoren für ein intaktes Ökosystem, so der WWF weiter. Die Organisation zählte die Tiere in Mexiko bereits zum zweiten Mal. Der erste Jaguar-Zensus fand 2010 statt.

Religion

Einigung auf Erhalt von Asylquartier St. Gabriel

Im Fall der drohenden Schließung des Flüchtlingsheims St. Gabriel in Niederösterreich wurde gestern eine Einigung zwischen der Caritas und dem Land erreicht. Die Caritas bestätigte, dass die humanitären Härtefälle vorerst in St. Gabriel bleiben können. Die Schließung des Hauses scheine „vorerst vom Tisch zu sein“, ließ die kirchliche Hilfsorganisation wissen. Doch laut Caritas bestehen noch einige Unklarheiten.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Panorama

„Nenn’ mich Präsident“: Macron weist Burschen zurecht

Wenig Verständnis hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für einen jugendlichen Fan am Rande eines offiziellen Auftritts in Paris gezeigt. Als Macron Studentinnen und Studenten die Hände schüttelte, sprach ihn einer mit dem Spitznamen „Manu“ an.

„Wie gehts, Manu?“, fragte der Jugendliche den vorbeigehenden Macron. Dieser blieb stehen und belehrte ihn: „Nein, nein. Das kannst du nicht sagen.“ Der Student entschuldigte sich umgehend.

Doch dann fuhr Macron fort: „Du bist hier bei einer offiziellen Feier und du solltest dich benehmen. Du kannst einen Narren spielen, aber heute ist es die Marseilleise und das Partisanenlied. Da nennst du mich: ‚Herr Präsident‘ oder ‚Monsieur‘, okay? So macht man das.“

Und Macron, der besonders viele junge Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen konnte, setzte nach: „Und mach es in der richtigen Reihenfolge: Wenn du eine Revolution beginnen willst, dann studier zuerst, um ein Diplom zu bekommen und dich selbst ernähren zu können. Okay? Und dann kannst du andere belehren.“

Ältester Orang-Utan der Welt stirbt mit 62

Im Alter von 62 Jahren ist der älteste Orang-Utan der Welt verendet. Das Affenweibchen Puan - indonesisch für Dame - starb gestern im Zoo der australischen Stadt Perth, wie die Zooverwaltung heute mitteilte. Puan hatte elf Kinder und 54 Nachkommen in zweiter und dritter Generation.

Puan hinterlasse „ein unglaubliches Erbe“, sagte die Chefin der Primatenabteilung im Zoo Perth, Holly Thompson. Dank eines Zuchtprogramms seien Puans Gene in knapp zehn Prozent der weltweiten Zoo-Orang-Utan-Population vertreten. Ihre Nachkommen leben in Tierparks in Europa, den USA, Asien sowie in freier Wildbahn auf Sumatra. Ihr Ur-Urenkel Nyaru wurde kürzlich ausgewildert.

Geschenk Malaysias

Geboren wurde Puan im Jahr 1956. Vom Guinness-Buch der Rekorde wurde sie als ältester Orang-Utan der Welt geführt. In freier Wildbahn werden weibliche Orang-Utans selten älter als 50 Jahre. In den Zoo von Perth gelangte sie 1968 als Geschenk Malaysias.

Thompson beschrieb Puan als zurückhaltende und unabhängige Persönlichkeit: „Bei Puan wusste man immer, woran man war. Wenn ihr irgendwas nicht passte, stampfte sie mit dem Fuß auf.“