„Brexit“-Votum

Schulz beharrt auf Austrittsantrag am Dienstag

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat Großbritannien aufgefordert, bereits beim Gipfel am Dienstag den Austritt aus der Europäischen Union zu beantragen. „Ein Zögern, nur um der Parteitaktik der britischen Konservativen entgegenzukommen, schadet allen“, sagte Schulz der „Bild am Sonntag“.

„Eine lange Hängepartie führt zu noch mehr Verunsicherung und gefährdet dadurch Jobs. Deshalb erwarten wir, dass die britische Regierung jetzt liefert. Der Gipfel am kommenden Dienstag ist hierfür der geeignete Zeitpunkt,“ so Schulz.

EVP für zügigen Austritt

Der Chef der Brexit-Kampagne, Matthew Elliott, hat sich jedoch gegen ein schnelles Austrittsschreiben ausgesprochen und auch der Brexit-Befürworter Boris Johnson, der als möglicher Nachfolger von Premierminister David Cameron gehandelt wird, signalisierte am Freitag, keine Eile mit der Abwicklung der EU-Mitgliedschaft habe.

Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, der auch die ÖVP angehört, Manfred Weber, kritisierte das Verhalten der britischen Regierung. „Die beginnende Verzögerungstaktik in London ist inakzeptabel“, sagte Weber der Zeitung und plädierte für einen schnellen Austritt „innerhalb der geplanten Frist von zwei Jahren, besser sogar innerhalb eines Jahres“.

Zentralbanken wollen Finanzmärkte zusammen stützen

Die großen Zentralbanken der Welt stehen nach dem „Brexit“-Votum bereit, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Die Notenbanker hätten bei ihrem Treffen in der Schweiz die Notfallmaßnahmen der Bank of England befürwortet und ihre Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert, teilte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gestern mit. Es sei eine enge Kooperation vereinbart worden.

Knapp 52 Prozent der britischen Wähler hatten am Donnerstag für einen EU-Austritt gestimmt, etwas über 48 Prozent für einen Verbleib in der Gemeinschaft. An den Börsen löste das Votum am Freitag heftige Kursverluste aus, auch das Pfund verlor drastisch an Wert und fiel zeitweise auf das Niveau von 1985.

Irischer Außenminister gegen zügiges Einheits-Referendum

Der irische Außenminister Charlie Flanagan hat einem Referendum für ein vereinigtes Irland während der Austrittsverhandlungen der Briten aus der EU eine Absage erteilt. Die Wiedervereinigung mit dem zu Großbritannien gehörenden Norden der Insel sei zwar zu einem späteren Zeitpunkt im besten Interesse der Bürger, sagte Flanagan gestern im Sender RTE.

Dies setze aber die Zustimmung der Mehrheit in Nordirland voraus. Jedes weitere Referendum in nächster Zeit würde aber die Teilung eher weiter vorantreiben und wäre daher nicht hilfreich, so Flanagan. Ein Referendum für ein vereinigtes Irland wäre niemals erfolgreich, hatte Nordirlands Regierungschefin Arlene Foster am Tag nach dem „Brexit“-Votum betont. Auch der irische Ministerpräsident Enda Kenny lehnte bereits entsprechende Forderungen ab.

Erneute Forderung nach „Brexit“-Votum

Der stellvertretende Erste Minister Nordirlands, Martin McGuinness, hatte nach dem Votum der Briten für einen EU-Austritt eine Abstimmung über eine Wiedervereinigung mit dem EU-Mitgliedsland Irland gefordert. Der Politiker gehört der Partei Sinn Fein an, die hauptsächlich von katholischen Nationalisten unterstützt wird und Nordirland wieder mit Irland vereinen möchte.

Ein 1998 geschlossener Friedensvertrag sieht vor, dass der britische Minister für Nordirland ein Referendum abhalten kann, wenn sich eine Mehrheit für ein vereinigtes Irland abzeichnet. Pro-irische Katholiken und pro-britische Protestanten hatten sich zuvor 30 Jahre lang einen Bürgerkrieg geliefert, in dem Hunderte Menschen ums Leben kamen.

Belgischer Diplomat wird EU-Verhandler für „Brexit“

Der belgische Diplomat Didier Seeuws soll im Auftrag der EU die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien führen. Seeuws sei zum Leiter der „Brexit Task Force“ ernannt worden, sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk gestern der Nachrichtenagentur AFP. Er bereite sich bereits darauf vor.

Der belgische Diplomat Didier Seeuws

APA/AFP/Dirk Waem

Didier Seeuws, 2009

Der 50-jährige Belgier leitet derzeit das Ressort für Verkehr, Telekommunikation und Energie im Europäischen Rat. Zuvor war er Sprecher des ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt sowie langjähriger Mitarbeiter des ehemaligen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy.

Chef der „Brexit“-Kampagne spielt auf Zeit

Großbritannien sollte nach Ansicht des Chefs der „Brexit“-Kampagne vor einem offiziellen Austrittsschreiben an die EU informelle Verhandlungen über die künftigen Beziehungen führen. Dazu gehörten die britischen Beiträge ebenso wie der Zugang zum Binnenmarkt, Auslieferungsabkommen und der EU-Pass für Finanzinstitute, sagte Matthew Elliott in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Dieser ermöglicht britischen Finanzinstituten den ungehinderten Zugang zu den EU-Kapitalmärkten. Er sehe keinen Grund, warum nicht eine Lösung gefunden werden könnte, den EU-Pass fortzuführen. Elliott betonte zugleich, dass der Austritt aus der EU eine Entscheidung des britischen Volkes gewesen sei, die auf jeden Fall umgesetzt werde.

„Staub über Sommer legen“

„Am besten ist es, wenn sich der Staub den Sommer über legen kann und während dieser Zeit informelle Verhandlungen mit anderen Ländern stattfinden. Wir glauben nicht, dass es die Notwendigkeit gibt, sich schnell auf Artikel 50 zu berufen.“ Artikel 50 des Lissaboner Vertrags regelt den Austritt eines Mitgliedslandes.

Nach der historischen Entscheidung drängen die EU-Mitgliedstaaten auf ein schnelles Ausscheiden Großbritanniens. Sie sehen sich unter Zeitdruck für eine Neuordnung, da in mehreren Ländern nach dem „Brexit“-Votum Befürworter eines EU-Austritts Aufwind erhalten.

Gleichwohl gibt es unterschiedliche Signale. Während EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Großbritannien aufforderte, umgehend die Verhandlungen über den Austritt aufzunehmen, äußerte sich die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zurückhaltender.

Umstrittener Labour-Chef Corbyn bleibt im Amt

Der nach dem „Brexit“-Referendum der Briten unter Druck geratene Labour-Chef Jeremy Corbyn will als Oppositionsführer weitermachen. „Ja, ich bin hier“, sagte er gestern in London. Für die Labour-Partei gehe es jetzt darum, die Errungenschaften der Vergangenheit nicht verloren zu geben.

„Wir können den Konservativen nicht erlauben, das einfach zu überrennen, was wir hart erkämpft haben“, sagte Corbyn. Bei Umweltschutz, Menschenrechten und Arbeitnehmerschutz dürften keine Abstriche hingenommen werden, wenn europäische Richtlinien nicht mehr gelten.

Gegen Nothaushalt wegen „Brexit“

Den von Finanzminister George Osborne ins Spiel gebrachten Nothaushalt zur finanziellen Abfederung der „Brexit“-Folgen wolle er nicht zulassen. Der „Brexit“ dürfe nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden.

Corbyn war unter Druck geraten, weil beim „Brexit“-Referendum auch viele Wähler in Labour-Hochburgen für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU gestimmt hatten. Zuvor hatte Labour bereits in Schottland erhebliche Einbußen hinnehmen müssen.

Kritiker in den eigenen Reihen werfen dem Parteichef vor, sich im Wahlkampf nicht nachdrücklich genug für einen Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt zu haben. Bei Labour rumort es, auch vor dem Hintergrund einer möglichen Neuwahl des Parlamentes im Herbst.

Ausland

Spanier erneut zur Wahl des Parlaments aufgerufen

Mehr als 36 Millionen Spanier sind heute aufgerufen, zum zweiten Mal binnen sechs Monaten ein neues Parlament zu wählen. Die Neuwahl mussten angesetzt werden, weil es die Parteien monatelang nicht schafften, eine Regierungskoalition zu bilden.

Die Umfragen sagen allerdings ähnliche Ergebnisse wie im Dezember voraus: Demnach bliebe die konservative Volkspartei (PP) des amtierenden Ministerpräsidenten Mariano Rajoy stärkste Kraft.

Auf den zweiten Platz könnte diesmal jedoch das neue Linksbündnis Unidos Podemos unter dem Spitzenkandidaten Pablo Iglesias kommen, gefolgt von der sozialistischen PSOE und der liberalen Partei Ciudadanos. Mit ihrem starken Abschneiden hatten Podemos und Ciudadanos im Dezember das traditionelle Zwei-Parteien-System zum Einsturz gebracht. Unklar war, welchen Einfluss das „Brexit“-Votum haben wird.

Tote bei Selbstmordanschlag auf Hotel in Mogadischu

Bei dem Selbstmordanschlag auf ein Hotel in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind gestern mindestens 15 Menschen getötet worden. Vorher war von sechs Toten die Rede.

Das Hotel war bei Geschäftsleuten und Ausländern beliebt. (iptv.ORF.at)

Zunächst zündeten islamistische Angreifer vor dem Eingang eine Autobombe, dann stürmten Bewaffnete das bei Geschäftsleuten und Ausländern beliebte Hotel Nasa-Nablood, sagte ein Polizeisprecher. Zehn Personen wurden verletzt.

Gezielte Angriffe auf Hotels

Die radikalislamistische Terrororganisation al-Shabaab hat in der Vergangenheit bereits mehrere Hotels in Mogadischu angegriffen, bekannte sich jedoch zunächst nicht zu der Tat. Die Extremisten wollen seit Jahren einen Gottesstaat in dem Land am Horn von Afrika errichten.

Sie greifen immer wieder Hotels in der Hauptstadt an, um damit gezielt Ausländer und Regierungsvertreter zu treffen. Zuletzt waren bei einem Angriff auf das Hotel Ambassador Anfang Juni mindestens 20 Menschen getötet und 60 weitere verletzt worden. Im Februar waren bei einem Anschlag auf das Hotel Syl ebenfalls mehr als 20 Menschen getötet worden.

Aktivisten: Dutzende Tote bei Luftangriffen in Syrien

Bei russischen und syrischen Luftangriffen im Osten Syriens hat es nach Angaben von Aktivisten gestern mindestens 47 Tote gegeben, darunter 31 Zivilisten. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien mitteilte, wurden Dutzende Menschen verletzt.

Die Angriffe galten der von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Stadt al-Kurijah in der ölreichen Provinz Deir Essor. Die Beobachtungsstelle steht den bewaffneten Gegnern des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad nahe.

Zwei Terrorverdächtige in Belgien festgenommen

In Belgien sind erneut zwei Männer unter Terrorverdacht festgenommen worden. Die Polizei habe die beiden Männer bei Razzien in der Stadt Verviers nahe der deutschen und in Tournai nahe der französischen Grenze festgenommen, teilte ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft gestern mit. Es sei „zu früh, um über einen Terroranschlag zu sprechen“. Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass eine Extremistengruppe einen Angriff auf Fans der Fußball-EM in Frankreich plante.

Wegen einer „unmittelbaren Bedrohung“ hatte es am vergangenen Wochenende einen landesweiten Anti-Terror-Einsatz gegeben. Dabei wurden drei Männer wegen „versuchten terroristischen Mordes“ in Haft genommen. Einem Medienbericht zufolge hatte es einen Hinweis gegeben, dass während des EM-Spiels Belgien - Irland am vergangenen Samstag Anschläge verübt werden sollten. Die Attentäter wollten womöglich Fanzonen in Belgien attackieren.

Jugoslawien: Der Untergang eines Vielvölkermodells

Wann begann der Zerfall der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien? Manche behaupten mit dem Tod von Josip Broz Tito. Andere sehen die Ereignisse im Frühsommer 1991 als den Auftakt für das Endspiel einer Föderation, die mehr auf dem Papier bestand und nationalen Alleingängen ausgeliefert war. Als Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 nach demokratischen Wahlen und Unabhängigkeitsreferenden ihre Unabhängigkeit erklärten, übte der Westen große Zurückhaltung.

Österreich sollte durch das Eingreifen der Jugoslawischen Volksarmee einen blutigen Konflikt direkt vor der Grenze erleben. Und in der Regierung einige Streitereien, ob die neuen Republiken bald anzuerkennen wären. Während die Auseinandersetzungen um Slowenien kurz andauerten, stand die große Konfrontation zwischen Serbien und Kroatien noch aus.

Mehr dazu in Ein Lehrstück - und viele Mythen

Inland

NEOS-Parteitag: Einstimmen auf kommende Wahlen

Zeitgleich mit der SPÖ hat gestern auch NEOS seinen Parteitag abgehalten. Obmann und Gründer Matthias Strolz schwor seine Anhänger dabei auf künftige Wahlen ein und versuchte, seine Partei wieder verstärkt als Bürgerbewegung zu positionieren. Als Gastrednerin im Europahaus Wien trat die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss auf, die ein Plädoyer für eine neue Politik hielt.

„Damit gewinnen wir keinen Blumentopf“

„Ich will Wahlen gewinnen“, lautete die Kernbotschaft von Strolz, der neuerlich den Geist der von ihm gestarteten pinken „Bürgerbewegung“ beschwor. Im „Batman“-Shirt hatte sich der Parteichef auf die Bühne geschwungen, um vor etwas mehr als 200 Mitgliedern eine Motivationsrede zu halten.

„Das Warum, das ist so aufrecht wie vor vier Jahren, das hat sich nicht geändert“, sagte Strolz und versuchte dabei, den Geist der Gründertage von NEOS wiederzubeleben. Dass man im Parlament gute Arbeit leiste, sei zwar unbestritten. „Wir wissen aber auch, damit gewinnen wir keinen Blumentopf“, so Strolz.

Attacken auf Koalition

Auch am Willen zur Zusammenarbeit mit den anderen Parteien hielt Strolz weiterhin fest, auch wenn sich der NEOS-Chef bereits ein wenig angriffiger als in Gründertagen gab. So habe der neue Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zwar gut begonnen, „aber ich weiß, ein Gockel allein macht noch keinen Bauernhof“.

Auch der Koalition selbst sprach er weiterhin die Überlebenschancen ab: „Also, das Einzige, was geht, in dieser Regierung sind die Minister.“ Und bei ein paar Parteien tut sich Strolz laut eigener Aussage generell schwer, Lob zu finden.

Griss: Es wird gegen jemanden gestimmt

In philosophischerem Ton hatte sich zuvor Griss an die NEOS-Mitglieder gewandt. Sie zitierte aus einer fiktiven Parlamentsrede des Schweizer Schriftstellers Peter Bieri, die den Umgang miteinander thematisiert. „Politik wird in Österreich vorwiegend als Parteipolitik wahrgenommen“, knüpfte sie anschließend an heimische Verhältnisse an. Es gehe weniger darum, wirklich gemeinsam Vorhaben durchzusetzen. Griss: „Wahlen sind immer stärker Protestwahlen. Es wird nicht für jemanden gestimmt, sondern gegen jemanden. Man will einfach ein Zeichen setzen.“

Die ehemalige Höchstrichterin, die im Präsidentschaftswahlkampf auch von Mitgliedern der NEOS unterstützt worden war, wandte sich auch erneut gegen jede Form des Populismus. „Angst macht empfänglich für Botschaften, die verlockend klingen - auch wenn sie keine Lösungen bieten“, meinte sie.

„Von Fesseln alter Parteien befreien“

Verabschiedet wurde bei der Bundesmitgliederversammlung auch ein mit Emoticons gespickter Leitantrag, der ein Update Marke NEOS darstellte. „Was wir wollen - unsere Vision für Österreich“ wird in der kurzen Präambel zusammengefasst. Die Selbstdefinition der NEOS lautet entsprechend: „Wir sind eine in der Mitte der Gesellschaft verwurzelte BürgerInnenbewegung. Uns verbindet das Ziel, unser Land von den Fesseln der alten Parteien und ihrer Strukturen zu befreien.“

Wirtschaft

Panama eröffnet erweiterten Kanal

Nach neun Jahren Bauzeit eröffnet Panama den erweiterten Kanal zwischen Atlantik und Pazifik. Als erstes Schiff soll heute der Frachter „Cosco Shipping Panama“ die ausgebaute Wasserstraße passieren.

Zu der Zeremonie wurden zahlreiche Präsidenten aus der Region, Vertreter der Schifffahrtsindustrie und Tausende Schaulustige erwartet. Der Ausbau war nötig geworden, weil immer größere Schiffe gebaut werden. Das Megaprojekt hat mindestens 5,25 Milliarden US-Dollar (4,27 Mrd. Euro) gekostet.

Künftig können auch Frachter der sogenannten Postpanamax-Klasse mit bis zu 14.000 Containern den Kanal befahren. Bislang wurden nur Schiffe mit maximal 4.400 Containern geschleust. Auch Tanker beispielsweise für Flüssiggas können nun die kosten- und zeitsparende Route wählen. Die Kanalverwaltung rechnet mit einer Verdoppelung des Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr auf 600 Millionen Tonnen.

Moskau und Peking wollen mehr kooperieren

Russland und China wollen mit einer ganze Reihe gemeinsamer Projekte ihr Bündnis vertiefen. Anlässlich eines Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Peking unterzeichneten beide Staaten gestern mehr als 30 Abkommen in Bereichen wie Infrastruktur, Handel, Technologie und Innovation. Das berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Zuvor war Putin mit seinem Amtskollegen Xi Jinping und Regierungschef Li Keqiang zusammengekommen. Putin lobte die Beziehungen zum Nachbarn als eine „allumfassende und strategische Partnerschaft“. Xi sagte, dass beide Länder die Idee förderten, „Freunde für immer zu sein“.

Gemeinsamer Konkurrent für Boeing und Airbus

Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS unterzeichneten beide Seiten unter anderem Verträge zur Entwicklung eines gemeinsamen Langstreckenflugzeugs als Konkurrenz zu Airbus und Boeing. Über die Zusammenarbeit war mehr als zwei Jahre verhandelt worden. Über den Bau einer Hochgeschwindigkeitszugstrecke von Moskau ins 700 Kilometer östlich der russischen Hauptstadt gelegene Kasan solle bis Ende des Jahres eine Einigung erzielt werden.

Um nicht mehr so abhängig von Europa zu sein, besiegelte Moskau mit Peking bereits vor zwei Jahren Gaslieferung in einem Umfang von 400 Milliarden US-Dollar über eine Leitung, die bis 2018 fertiggestellt sein soll. Beide Länder hatten seitdem über eine Vielzahl neuer Kooperationen diskutiert, allerdings sind chinesische Investoren misstrauisch wegen der politischen Lage in Russland.

Sport

Fußball-EM: Polen nach Nervenschlacht weiter

Polen hat bei der EM in Frankreich gestern als erstes Team das Ticket für das Viertelfinale gelöst. Die Polen setzten sich in einer wahren Nervenschlacht gegen die Schweiz nach 1:1 nach Verlängerung knapp im Elfmeterschießen durch und bleiben damit weiter im Rennen um den Titel. Die Schweizer retteten sich zwar durch ein Traumtor von Xherdan Shaqiri in die Verlängerung, vom Elfmeterpunkt versagten jedoch einem Eidgenossen die Nerven.

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Wimbledon: Williams kämpft mit Rekordtrauma

Seit knapp einem Jahr läuft Serena Williams der Einstellung einer historischen Bestmarke hinterher. Mit einem 22. Grand-Slam-Sieg könnte der US-Star mit der Deutschen Steffi Graf gleichziehen und sich endgültig in den Tennisolymp hieven.

Nach drei vergeblichen Versuchen nimmt die bald 35-Jährige in Wimbledon den nächsten Anlauf. Allerdings wird die Jagd auf den Major-Rekord langsam zum Trauma, auch weil die Nerven bei Williams mittlerweile nicht immer ganz mitspielen.

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Eishockey: Neo-ÖEHV-Präsident setzt auf Nachwuchs

Nach 40 Jahren, davon die letzten 20 Jahre als Präsident, ist gestern die Ära von Dieter Kalt beim Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) zu Ende gegangen.

Der 74-Jährige übergab das Zepter im Rahmen einer Generalversammlung an Gernot Mittendorfer, der den Verband mit „kreativen Ideen“ weiter voranbringen will. Hauptaugenmerk des 52-jährigen neuen Präsidenten ist der Ausbau der Nachwuchsarbeit.

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Chronik

Geldtransporter überfallen: Ex-RAF-Terroristen im Verdacht

Mehrere Täter haben im deutschen Bundesland Niedersachsen einen Geldtransporter überfallen und eine unbekannte Menge Bargeld erbeutet. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung sollen Ermittler davon ausgehen, dass es sich bei den Tätern um die Ex-RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette handelt.

Ein Sprecher der Polizei sagte gestern Abend, der Tathergang weise Ähnlichkeiten zu Überfallen des Trios auf. Ein möglicher Zusammenhang werde geprüft. Zwei maskierte Täter - eine Frau und ein Mann - hätten den Fahrer in einem Gewerbegebiet in Cremlingen bei Braunschweig mit einer Panzerfaust und einem Automatikgewehr bedroht. Es sei auch gegen den Wagen und in die Luft geschossen worden.

Transporter eingekeilt

Zuvor hatten zwei Autos den Transporter am Nachmittag eingekeilt, nachdem der Beifahrer ausgestiegen war, um die Tageseinnahmen eines Geschäfts abzuholen. Ein dritter Täter habe in dem Laden Geld gefordert und dort in die Decke geschossen.

Anfang Juni hatten das Landeskriminalamt und die ermittelnde Staatsanwaltschaft Verden mitgeteilt, dass Staub, Garweg und Klette seit 2011 mindestens acht Raubüberfälle verübt haben, sieben davon in Niedersachsen. Dabei fielen ihnen bis zu 400.000 Euro in die Hände.

Überschwemmungen und Brände fordern Tote in den USA

Bei Überschwemmungen im US-Staat West Virginia sind mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete der Sender CNN gestern unter Berufung auf Behördenangaben. Gouverneur Earl Ray Tomblin rief in 44 Bezirken den Notstand aus. Zuvor war von 26 Toten die Rede.

Die Wassermassen rissen Menschen mit sich und spülten Häuser fort. Hinzu kamen Erdrutsche und Schlammlawinen. Neben vielen Häusern seien auch Straßen und Bahngleise zerstört worden, schilderte der Gouverneur. Zehntausende Menschen waren ohne Strom. Nach Angaben von Meteorologen erreichte der Pegel des Elkview River den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 125 Jahren.

800 Feuerwehrleute im Einsatz

Unterdessen wüteten in Kalifornien Waldbrände. Mindestens zwei Menschen starben, Hunderte mussten aus ihren Häusern fliehen. In Lake Isabella waren etwa 800 Feuerwehrleute im Einsatz, um die sich schon auf gut 12.000 Hektar ausbreitenden Flammen einzudämmen.

Etwa 100 Gebäude in dem rund 175 Kilometer nördlich von Los Angeles gelegen Brandgebiet wurden zerstört, weitere 1.500 waren nach Angaben der Feuerwehr gefährdet.

Toter bei Schießerei im Leipziger Rockermilieu

Bei einer Schießerei im Rockermilieu sind im Leipziger Osten gestern ein Mensch tödlich und drei weitere schwer verletzt worden. Es habe mehrere Festnahmen gegeben, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Beteiligten gehörten nach Polizeiangaben den verfeindeten Rockergruppen Hells Angels und United Tribunes an.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Wie viele Beamte am Ort waren, wollte die Sprecherin nicht sagen. Die Straße wurde abgesperrt. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung sollen etwa 20 Mitglieder der Hells Angels am Nachmittag versucht haben, in ein Lokal in der Eisenbahnstraße zu gelangen, die von den United Tribunes kontrolliert wird. Passanten hätten die Polizei alarmiert.

Der Leipziger Osten gilt als sozialer Brennpunkt und Drogenumschlagplatz in der Messestadt. Immer wieder ist er Schauplatz von Schlägereien und Messerstechereien zwischen rivalisierenden Gruppen. Erst vor gut zwei Wochen war die Polizei mit etwa 200 Beamten ausgerückt, um eine Massenschlägerei zu unterbinden.

Fleischproduzent entschuldigt sich für Werbevideo

Der Geflügelfleischproduzent Wiesenhof und der deutsche Comedian Atze Schröder haben sich für ein heftig kritisiertes Werbevideo entschuldigt. Vor dem Hintergrund der Berichterstattung um Gina-Lisa Lohfink hätte der Spot so definitiv nicht veröffentlicht werden dürfen, teilte der Marketing-Geschäftsführer von Wiesenhof, Ingo Stryck, mit.

„Dafür möchten wir uns in aller Form entschuldigen und haben das Video sofort aus dem Netz genommen.“ Die frühere „Germany’s Next Top Model“-Kandidatin Lohfink wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf, zwei Männer zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt zu haben.

In dem gut anderthalb Minuten langen Clip hält Schröder eine lange Bratwurst in die Kamera und sagt unter anderem: „Danach müssen Gina und Lisa erstmal in die Traumatherapie.“ Das Video sei bereits im vergangenen Jahr gedreht worden, schrieb Stryck. Auch Atze Schröder entschuldigte sich auf seiner Facebook-Seite.

Science

China schickte neue Trägerrakete ins All

China hat gestern erfolgreich eine neue Trägerrakete ins All geschickt. Die Rakete „Langer Marsch-7“ startete von einem neuen Raumfahrtzentrum in Wenchang, einer Stadt in der südchinesischen Provinz Hainan, wie staatliche Medien berichteten.

Die Trägerrakete soll 13 Mal die Erde umkreisen und heute in einer Wüste der Inneren Mongolei wieder landen. Die zweistufige Trägerrakete soll die Hauptträgerrakete in Chinas Satellitenprogramm werden. Sie kann bis zu 13,5 Tonnen transportieren und damit anderthalbmal so viel wie alte Raketen.

Erste Start für neues Raumfahrtzentrum

Für das 2014 fertig gestellte Raumfahrtzentrum in Wengchang war es der erste Raketenstart. Es ist das vierte in ganz China. Von dort soll noch in diesem Jahr die wichtigste chinesische Rakete, „Langer Marsch-5“, ins All starten, wie ein Vertreter der Raumfahrtagentur sagte.

Peking verfolgt seit Jahren ein extrem ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Bis 2020 ist der Aufbau einer dauerhaften chinesischen Weltraumstation geplant. Für die Staatsführung ist das Raumfahrtprogramm ein Symbol für das wachsende internationale Gewicht des Landes und für die wissenschaftliche und technische Aufholjagd gegenüber dem Westen und Russland.

Religion

Papst ruft Armenien und Türkei zur Versöhnung auf

Papst Franziskus hat die zerstrittenen Nachbarn Armenien und Türkei zur Versöhnung aufgerufen und hofft auch auf Frieden im Konfliktgebiet Kaukasus.

„Gott segne eure Zukunft und gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde und der Frieden auch in Berg-Karabach entstehen möge“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt gestern Abend bei einer ökumenischen Begegnung in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Er rief auch gezielt junge Menschen dazu auf, „Friedensstifter“ zu sein.

Der Besuch des Papstes in Armenien war mit großer Spannung erwartet worden. Zum Auftakt hatte Franziskus Freitag die Verfolgung der christlichen Minderheit der Armenier im Osmanischen Reich vor 101 Jahren als „Völkermord“ verurteilt und damit seine Worte aus dem vergangenen Jahr bekräftigt.

Die Türkei lehnt das Wort Genozid vehement ab. Armenien liegt zudem seit Jahrzehnten mit Aserbaidschan im Streit um das Gebiet Berg-Karabach. Dieses gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Die proarmenische Führung in Berg-Karabach hat sich aber von Baku losgesagt. Im Herbst wird Franziskus im muslimisch geprägten Aserbaidschan und anschließend in Georgien erwartet.

Kultur

Leute

Kanye West sieht sich als „laufende Performance-Kunst“

US-Rapper und Produzent Kanye West (39) betrachtet sein Leben mit seiner Frau Kim Kardashian (35) als eigenständiges Kunstwerk. „Unser Leben ist laufende Performance-Kunst“, sagte West dem Magazin „Vanity Fair“.

Das Geheimnis seiner Ehe sei, dass sich keiner von beiden verstellen müsse. Er selbst sage viel, was andere Frauen nicht erlauben würden, gestand West ein. Kardashian stelle zugleich aber auch Fotos von sich ins Internet, die andere Männer nicht gutheißen würden. „Einer der Schlüssel unseres Eheglücks ist, dass wir wir selbst sein können.“