Ausland

Türkische Regierung kündigt Arbeit an neuer Verfassung an

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat angekündigt, mit der Opposition an einer neuen Verfassung zu arbeiten. „Alle wichtigsten Parteien sind bereit, an einer neuen Verfassung zu arbeiten“, sagte Yildirim gestern in Ankara.

Das sei bei einem Treffen zwischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und den Vorsitzenden der beiden Oppositionsparteien CHP und MDP vereinbart worden. Die CHP hatte bisher eine Kooperation in dieser Frage abgelehnt.

Erdogan will Präsidentenamt stärken

Die türkische Verfassung stammt aus der Zeit nach dem Militärputsch vom 12. September 1980. Es wird seit Langem in der Türkei angestrebt, eine neue Verfassung auszuarbeiten.

Erdogans Plan, in diesem Zuge die Rechte des Präsidenten zu stärken, stößt aber auf Widerstand. Bisher hatte der Präsident eine vorwiegend repräsentative Funktion, doch wurde auf Initiative Erdogans bereits eingeführt, dass er direkt vom Volk gewählt wird, statt wie bisher vom Parlament.

Bosporus-Brücke wird „Brücke der Märtyrer des 15. Juli“

Yildirim kündigte auch an, die älteste Bosporus-Brücke in Istanbul zu Ehren der Toten des Putschversuchs „Brücke der Märtyrer des 15. Juli“ zu nennen. Die 1973 eröffnete Brücke zwischen Europa und Asien war bisher einfach als Bosporus-Brücke bekannt

Sie war einer der Brennpunkte des versuchten Militärputsches. Die Brücke war am Freitagabend von Soldaten gesperrt worden, später gab es dort blutige Zusammenstöße mit regierungstreuen Demonstranten.

Haftbefehle gegen Journalisten

Die „Säuberungen“ im Land gehen unterdessen weiter. Die Behörden erließen Haftbefehl gegen 42 Journalisten - darunter die prominente Regierungskritikerin Nazli Ilicak. Berichten zufolge gab es bereits erste Festnahmen. Zudem seien bei Razzien auch 31 Akademiker festgenommen worden, darunter Professoren. Indes bestätigte der türkische Finanzminister Mehmet Simsek, dass die „schwarzen Listen“ von Regierungskritikern schon lange vor dem Umsturzversuch erstellt wurden.

Mehr dazu in Bereits erste Festnahmen

Führung der US-Demokraten entschuldigt sich bei Sanders

Die Parteiführung der US-Demokraten hat sich im Zuge einer Aufsehen erregenden E-Mail-Affäre offiziell bei dem benachteiligten Bewerber Bernie Sanders entschuldigt.

„Im Namen aller im Nationalen Komitee der Demokraten möchten wir eine tiefgreifende und aufrichtige Entschuldigung anbieten, an Bernie Sanders, seine Anhänger und die gesamte demokratische Partei, für die unentschuldbaren Bemerkungen in E-Mails“, heißt es in einem Statement der Parteiführung, das gestern vor Beginn des Parteitags der Demokraten in Philadelphia veröffentlicht wurde.

Wütende Anhänger von Sanders

Im Zuge der E-Mail-Affäre hatte Parteichefin Debbie Wasserman Schultz ihren Rücktritt angekündigt. Obwohl Sanders selbst zur Ruhe und zur Unterstützung Hillary Clintons aufrief, versetzte die E-Mail-Affäre seine Anhänger und einen Teil der über 4.700 Delegierten in Philadelphia in Rage.

Der Aufruf von Versammlungsleiterin Marcia Fudge, Clinton zur nächsten Präsidentin der Vereinigen Staaten zu wählen, erstickte beinahe in wütenden „Bernie, Bernie“-Sprechchören. Buhrufe ertönten etwa aus den Blöcken der Delegierten von Utah und Indiana, als der Name Clintons fiel.

FBI untersucht Hacking-Vorfall

Unterdessen teilte die Bundespolizei FBI mit, den Hacking-Vorfall bei den US-Demokraten zu untersuchen. „Wir arbeiten daran, die Art und das Ausmaß festzustellen“, hieß es in einer schriftlichen Mitteilung. „Ein Eingriff dieser Art ist etwas, das wir sehr ernst nehmen.“

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte am Freitag fast 20.000 gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstands veröffentlicht. Sie zeigen, dass das Gremium im Vorwahlkampf zugunsten von Clinton voreingenommen war und es anscheinend sogar Bestrebungen gab, die Kampagne des Clinton-Rivalen Sanders zu unterlaufen.

87 tote Flüchtlinge an libyschem Strand gefunden

An einem Strand in Libyen sind die Leichen von 87 Flüchtlingen gefunden worden, die offenbar bei einem Schiffsunglück auf der Überfahrt nach Europa ums Leben kamen. Seit Freitag habe eine Gruppe Freiwilliger 87 Leichen von einem Strand der Küstenstadt Sabrata geborgen, sagte ein Sprecher der örtlichen Stadtverwaltung gestern der Nachrichtenagentur AFP.

Die Leichen würden zur Entnahme von DNA-Proben zur Gerichtsmedizin gebracht, bevor sie registriert und dann beerdigt würden, sagte der Sprecher. Sabrata liegt rund 70 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis und ist ein häufiger Abfahrtsort für Flüchtlinge.

Anrainer sollen Behörden informieren

Die Stadtverwaltung stellte kürzlich eine Gruppe Freiwilliger auf, um die Leichen ertrunkener Flüchtlinge an der Küste aufzusammeln. Anrainer wurden aufgerufen, die Behörden über Tote zu informieren. Die Stadtverwaltung äußerte die Befürchtung, dass Sabrata zu einem „Zentrum für den Menschenhandel und die illegale Einwanderung“ wird.

Wegen des ruhigen Wetters machen sich in den Sommermonaten besonders viele Flüchtlinge auf die gefährliche Überfahrt nach Europa. Dabei gibt es immer wieder tödliche Bootsunglücke. Viele der von den Schleppern eingesetzten Boote sind nicht seetauglich und völlig überladen.

Seit 2014 starben laut dem UNO-Flüchtlingskommissariats mehr als 10.000 Flüchtlinge bei der Überfahrt über das Mittelmeer - der Großteil zwischen Libyen und Italien.

Sicherheitsrat für wöchentliche Feuerpause in Aleppo

Der UNO-Sicherheitsrat hat sich hinter eine Forderung nach wöchentlichen Feuerpausen in der belagerten syrischen Großstadt Aleppo gestellt. Die Idee des Leiters der UNO-Hilfseinsätze, Stephen O’Brien, sei auf „sehr breite Unterstützung“ bei den 15 Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats gestoßen, sagte der amtierende Ratsvorsitzende, der japanische UNO-Botschafter Koro Bessho, gestern.

Allerdings wurde keine offizielle Erklärung herausgegeben, wie von den USA, Großbritannien und Frankreich gefordert. O’Brien hatte sich für eine wöchentliche 48-stündige humanitäre Waffenruhe in Aleppo ausgesprochen, um eine „mittelalterliche“ Belagerung der Stadt zu verhindern.

„Die internationale Gemeinschaft kann nicht einfach akzeptieren, dass der Osten Aleppos zum nächsten und bei weitem größten belagerten Gebiet wird“, sagte O’Brien. Die von den Rebellen kontrollierten Viertel Aleppos sind seit dem 7. Juli von den Regierungstruppen vollständig abgeriegelt.

Vergleich mit bosnischem Bürgerkrieg

Frankreichs UNO-Botschafter Francois Delattre verglich die Lage in Aleppo mit der in Sarajevo, das im bosnischen Bürgerkrieg in den 90er Jahren jahrelang belagert worden war. Der UNO-Sicherheitsrat dürfe nicht zulassen, dass sich derartige „Kriegsverbrechen“ wiederholen, sagte Delattre.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten wollten Aleppo so lange belagern, aushungern und bombardieren, bis ihr militärisches Ziel erreicht sei: die Vernichtung der Opposition, so Delattre. „Genug ist genug“, sagte der britische UNO-Botschafter Matthew Rycroft.

Russlands Botschafter Witali Tschurkin verteidigte die Belagerung, gestand aber ein, dass es „notwendig ist, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“. Die russische Luftwaffe unterstützt die syrische Armee seit September mit Luftangriffen.

Nizza ehrt drei „Helden“ vom 14. Juli

Die Stadt Nizza hat drei Männer für ihre Zivilcourage beim Anschlag vom 14. Juli ausgezeichnet. Franck, Gwenael und Alexandre werden von französischen Medien als „Helden“ von Nizza gefeiert - gestern ehrten Regionspräsident Christian Estrosi und Bürgermeister Philippe Pradal sie mit der Medaille der Stadt.

Ein 31-jähriger Tunesier hatte am französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gelenkt und 84 Menschen getötet, bevor die Polizei ihn erschoss.

Attentäter zu stoppen versucht

Alexandre und Franck gelangten nach Angaben der Regionalzeitung „Nice Matin“ beide an die Tür des Lastwagens und versuchten, die Todesfahrt zu stoppen. Franck holte den 19-Tonner demnach mit seinem Motorroller ein und schlug auf den Fahrer ein.

Gwenael schließlich habe sich, als die Polizei das Feuer auf den Attentäter eröffnete, auf einen Passanten geworfen, um ihn vor einem Querschläger zu schützen.

Kern zu Antrittsbesuch in Budapest

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) stattet dem Nachbarland Ungarn heute einen Antrittsbesuch ab. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Premier Viktor Orban in Budapest wird das Flüchtlingsthema stehen.

Dabei soll vor allem über die gemeinsame Sicherung der EU-Außengrenzen gesprochen werden. Ein weiterer Punkt könnte die Rücknahme von Flüchtlingen sein, die Ungarn bisher verweigert.

20 Polizisten an ungarisch-serbische Grenze

Österreich soll bis August 20 Polizisten an die ungarisch-serbische Grenze entsenden, um die dortigen Behörden zu unterstützen. Auch über einen Einsatz des Bundesheeres laufen Gespräche.

Ungarn lässt derzeit täglich nur insgesamt 30 Asylbewerber in die „Transitzonen“ an der Grenze. Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) warten derzeit auf serbischer Seite rund 1.400 Personen auf Einlass über die EU-Außengrenze.

Präsident des Südsudan ernennt neuen Vize

Der Präsident des Südsudan, Salva Kiir, hat nach der Flucht seines Rivalen und bisherigen Stellvertreters Riek Machar aus der Hauptstadt Juba einen neuen Vizepräsidenten ernannt.

Er ernenne Bergbauminister Taban Deng Gai zu seinem Stellvertreter, hieß es in einem Dekret des Präsidenten, das gestern im Radio verlesen wurde. Ein Teil der Vertreter der früheren Aufständischen hatte sich für Taban Deng ausgesprochen, sollte Machar nicht zurückkehren.

Flucht nach blutigen Kämpfen

Der einstige Vizepräsident Machar hatte sich Ende 2013 mit seinem langjährigen Rivalen Kiir überworfen und an die Spitze einer Rebellenbewegung gestellt. Nach einem blutigen Bürgerkrieg hatten sich die beiden Konfliktparteien auf internationalen Druck schließlich auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit geeinigt.

Darin übernahm Machar erneut das Amt des Vizepräsidenten, doch kam es kurz nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt zu blutigen Kämpfen. Nach den mehrtägigen Gefechten Anfang Juli, denen in Juba Hunderte Menschen zum Opfer gefallen waren, war Machar erneut aus der Stadt geflohen.

Zuletzt hatte Machar vergeblich der Ernennung Taban Dengs zu seinem Nachfolger zuvorzukommen versucht und ihn als Minister abgesetzt. Seine frühere Rebellenbewegung zeigte sich gespalten: Während ein Teil die Ernennung Taban Dengs unterstützte, warf ein anderer Teil ihm vor, aus Rache an Machar zu handeln.

Inland

Wahlleiter bekommen vor Hofburg-Wahl neue Unterlagen

Rund vier Wochen vor der Bundespräsidentenwahl werden die 113 Bezirkswahlleiter und die neun Landeswahlleiter im Innenministerium zusammengetrommelt, ihnen soll noch einmal das Regulativ für den Urnengang nähergebracht werden. Vorgestellt wird dort am 6. September auch das neue E-Learning-Modul, das Rechtswidrigkeiten wie beim ersten Versuch der Hofburg-Stichwahl verhindern soll.

Direkt aktiv wird freilich nicht nur die formal vom Innenminister geleitete Bundeswahlbehörde. Denn diese hat die Landeswahlbehörden bereits aufgefordert, für Schulungen im jeweiligen Land zu sorgen.

Freilich ist ohnehin fraglich, ob Unwissenheit dafür verantwortlich war, dass in etlichen Bezirken nicht ordnungsgemäß vorgegangen wurde. Denn bei der öffentlichen Verhandlung des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) in der Causa hatte sich gezeigt, dass in etlichen Fällen die Formulare korrektes Vorgehen bescheinigten, auch wenn zu früh oder von den falschen Personen ausgezählt wurde.

Sport

Bundesliga: Turbulenter Auftakt in neue Saison

Die Bundesliga-Saison hat gleich zum Auftakt für viel Gesprächsstoff gesorgt. Während sich Meister Salzburg bei Sturm Graz den ersten Denkzettel abholte, untermauerte Rapid mit einem Kantersieg über Ried seine Titelambitionen. Zu den Gewinnern zählen aber auch die Wiener Austria, Altach und die Admira. Lehrgeld zahlen mussten indes der WAC, Mattersburg und vor allem Aufsteiger St. Pölten. Für Kopfschütteln sorgten indes die Rapid-Ultras mit einer Drohung gegen einen erst 19-jährigen Neuzugang.

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Olympia: Athletendorf lässt Wogen hochgehen

Gleich mit der Eröffnung des olympischen Athletendorfes hat es in Rio de Janeiro den ersten Eklat gegeben. Der Zustand und auch die Einrichtung der Quartiere ließ die Wogen vor und nach der offiziellen Eröffnung am Sonntag hochgehen.

Verstopfte Toiletten und undichte Rohre sorgten ebenso für Ärger wie frei liegende Stromkabel. Wasser floss Wände herunter, Gasgeruch sorgte für Unbehagen - besonders bei den Australiern, die das Dorf als unbewohnbar bezeichneten und sich schlicht weigerten einzuziehen. Die Veranstalter in Rio legten jedenfalls einen klassischen Fehlstart hin.

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Wirtschaft

RZB verkauft große Teile ihrer Uniqa-Beteiligung

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) baut den größeren Teil ihrer Uniqa-Versicherungsbeteiligung ab. Sie verkauft 17,64 Prozent der Uniqa Insurance Group. Damit ist die Bank künftig nur noch mit 8,64 Prozent an der Versicherung beteiligt.

Käuferin des Aktienpakets ist die Uniqa Privatstiftung. Seit gestern liegt auch ein grundsätzlicher Aufsichtsratsbeschluss der RZB für dieses Vorhaben vor.

Gestraffte Konzernstrukturen als Begründung

Die Bank begründete den Schritt mit Kapitalvorteilen sowie dem Ziel, die Konzernstrukturen zu straffen. Mit dem Fusionsplan zwischen RZB und Raiffeisen Bank International (RBI) habe das nichts zu tun, sagte eine Sprecherin am Abend.

Die beiden Assekuranzstiftungen Uniqa Privatstiftung und Collegialität Versicherungsverein Privatstiftung halten nach der Transaktion gemeinsam direkt und indirekt rund 51,39 Prozent an der Uniqa. Der Deal soll noch 2016 über die Bühne gehen.

Chronik

„Solar Impulse 2“ beendet Weltumrundung

Der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard hat die Erde in einem Solarflugzeug umrundet und ist sicher in dem arabischen Emirat Abu Dhabi gelandet. Auf seiner Webseite feierte das Team die Landung in der Nacht.

Die „Solar Impulse 2“ war vor mehr als einem Jahr in Abu Dhabi zu der Weltumrundung in mehreren Etappen aufgebrochen. Der letzte der insgesamt 17 Flüge brachte Piccard von Kairo über Saudi-Arabien nach Abu Dhabi.

Mit dem Unternehmen wollen die Schweizer Abenteurer und Wissenschafter Andre Borschberg und Bertrand Piccard für die Nutzung erneuerbarer Energien werben. Die Erdumrundung gelang ohne einen Tropfen Treibstoff.

Münchner Amokläufer suchte offenbar gezielt nach Glock

Der Amokläufer von München hat offenbar systematisch nach einer Schusswaffe des Herstellers Glock gesucht. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Chat-Protokolle berichtet, suchte David S. wohl seit Mai 2015 nach einer Pistole.

Der 18-jährige Schüler, der offenbar an psychischen Problemen litt, hatte am Freitag in einem Schnellrestaurant und einem Einkaufszentrum im Norden von München neun Menschen und anschließend sich selbst erschossen.

Unter Decknamen „Maurächer“ aufgetreten

In dem einschlägig bekannten Forum im sogenannten Darknet - eine stark anonymisierte und verschlüsselte Parallelwelt des Internets - trat S. dem Bericht zufolge offenbar unter dem Namen „Maurächer“ auf.

Am 8. Dezember 2015 habe er geschrieben: „Hallo, ich suche nach einer Glock 17 mit insgesamt 250 Schuss Munition.“ Wenn möglich nähme er auch gerne „Ersatzmagazine“ dazu. Er sei bereit, zwischen 2.300 und 2.600 Euro für die Waffe zu bezahlen.

Die Protokolle aus dem Darknet zeigen laut „Spiegel“ auch, dass sich „Maurächer“ im Oktober mit der Frage befasst hatte, wie er seine Kommunikation am besten tarnen könnte. Er habe damals nach Hilfe im Netz gesucht, weil er Messenger-Dienste mit starker Verschlüsselung auf seinem Rechner installieren wollte.

Möglicher Mitwisser wieder auf freiem Fuß

Der mutmaßliche Mitwisser des Amokläufers von München ist nach Angaben der bayerischen Ermittlungsbehörden inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der 16-Jährige sei entlassen worden, weil ein Haftrichter „keinen Haftgrund gesehen“ habe, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) gestern. Die Staatsanwaltschaft werde „Beschwerde dagegen einlegen“.

Die Polizei hatte den 16-jährigen Afghanen gestern unter dem Verdacht festgenommen, ein Mitwisser zu sein. Der Jugendliche hatte sich am Abend der Bluttat des 18-jährigen Deutsch-Iraners David S. selbst bei der Polizei gemeldet und wurde zunächst als wichtiger Zeuge betrachtet. Später verstrickte er sich aber in Widersprüche und wurde festgenommen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte er sich vor der Tat eng mit dem 16-Jährigen über Amokläufe ausgetauscht. Bis kurz vor der Tat hielten sich beide Jugendliche gemeinsam in Tatortnähe auf. Darauf verweist ein gelöschter und von der Polizei wiederhergestellter Chatverlauf zwischen den beiden Jugendlichen, wie Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte.

Attacke von Reutlingen: Täter und Opfer waren ein Paar

Der mutmaßliche Gewalttäter und das Opfer der Bluttat von Reutlingen in Deutschland waren ein Paar. Der 21 Jahre alte Tatverdächtige habe eigenen Angaben zufolge eine Beziehung mit der 45 Jahre alten Frau gehabt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern Nachmittag mit. Beide waren in einer Gaststätte angestellt und kannten einander von der Arbeit.

60 Zentimeter langes Dönermesser

Bei der Vernehmung des 21-Jährigen hätten sich „Hinweise auf psychische Auffälligkeiten“ ergeben. Ob darin das Motiv für die Bluttat vom Sonntag zu suchen ist, sei unklar. Nach einem Streit hatte der 21-Jährige seiner Freundin mit einem 60 Zentimeter langen Dönermesser auf den Kopf geschlagen und sie tödlich verletzt. Auf seiner Flucht verletzte er mit dem Messer, das zuvor fälschlicherweise als Machete bezeichnet wurde, weitere Menschen. Er ist in Haft.

Tödliche Schüsse in Florida: Hintergünde weiter unklar

Vor einem Nachtclub in Florida sind zwei Jugendliche durch Schüsse getötet worden. Zu der Bluttat kam es in der Nacht auf gestern(Ortszeit) nach einer Party für Teenager in Fort Myers. Bei den Opfern handelte es sich nach Angaben der Behörden um einen 14-Jährigen und einen 18-Jährigen. Zwischen 14 und 16 Menschen wurden verletzt. Die Polizei nahm drei Verdächtige fest.

Die Hintergründe der Tat waren auch am Tag danach unklar. Allerdings schloss Polizeichef Dennis Eads ein terroristisches Motiv aus. Man suche nach weiteren Verdächtigen, sagte er.

Polizei kurz nach Mitternacht alarmiert

Seinen Angaben zufolge waren die Einsatzkräfte eine halbe Stunde nach Mitternacht zu dem Club Blu alarmiert worden, weil Schüsse auf dem Parkplatz gefallen waren.

Lokalen Medienberichten zufolge waren viele der Jugendlichen gerade dabei, ihre Eltern anzurufen, um sich abholen zu lassen. Augenzeugen berichteten von Chaos, Schreien und blutenden Menschen auf dem Boden.

Fort Myers liegt in Südflorida am Golf von Mexiko. Es hat etwa 65.000 Einwohner. Im Juni waren bei einem Anschlag auf einen Homosexuellenclub in Orlando ebenfalls in Florida 49 Menschen getötet worden, 53 wurden verletzt.

Australien: Schwere Misshandlungen in Jugendgefängnis

In einer Jugendstrafanstalt in Australien sind Teenager schwer misshandelt worden. Wachen attackierten Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in einer Zelle mit Tränengas, andere Jugendliche wurden mit Kapuzen über dem Kopf an Stühle gefesselt oder geschlagen, wie ein Fernsehsender dokumentiert hat. Wieder andere wurden mehr als zwei Wochen fast rund um die Uhr in eine Einzelzelle ohne fließendes Wasser und Tageslicht gesperrt.

Regierungschef Malcolm Turnbull war empört und ordnete heute eine sofortige Untersuchung an. „Wie alle Australier bin ich schockiert“, sagte er dem Sender ABC.

Der Tränengas-Zwischenfall 2014 im Don Dale Centre in Darwin im äußerten Norden des Landes wurde bereits einmal untersucht. Die Behörden behaupteten aber, die Gefangenen hätten randaliert und der Einsatz sei nicht exzessiv gewesen. Der Sender zeigte nun Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die das widerlegten.

Gesundheit

Zika-Virus: Erstes Baby mit Hirnschäden in Europa

In Spanien ist die Geburt eines Babys bekanntgeworden, dessen Hirnschädigung auf den Zika-Virus zurückgeführt wird. Es handle sich um den ersten Fall eines Neugeborenen mit der vom Zika-Erreger verursachten Mikrozephalie in Europa, sagte der Leiter der Neonatologie-Abteilung des Krankenhauses Vall d’Hebron in Barcelona, Felix Castillo, gestern.

Das Kind sei mit einer Schädel- und weiteren Fehlbildungen auf die Welt gekommen, teilten die Ärzte der Entbindungsstation des Krankenhauses in der nordostspanischen Stadt mit. Die Mutter habe sich auf einer Lateinamerikareise mit dem von Mücken übertragenen Erreger infiziert.

Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass der Zika-Erreger zu Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen führen kann. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm hatte bis Ende vergangener Woche innerhalb der EU-Länder drei Schwangerschaften registriert, bei denen das Ungeborene Fehlbildungen durch Zika hatte - eine in Slowenien und zwei in Spanien.

Science

Kultur

Hollywoods „unsichtbare Stimme“: Marni Nixon ist tot

Mit Filmklassikern wie „My Fair Lady“ und „West Side Story“ wurde ihre Stimme weltbekannt - ihr Name Marni Nixon war dagegen nur wenigen ein Begriff. AM Sonntag ist Hollywoods große „Ghost-Sängerin“ im Alter von 86 Jahren an Brustkrebs gestorben, wie die „New York Times“ („NYT“) gestern berichtete. Von der BBC wurde Nixon als Hollywoods „unsichtbare Stimme“ gewürdigt.

Ihre Stimme borgte sie neben Audrey Hepburn und Natalie Wood auch Deborah Kerr für die Gesangseinlagen in „The King and I“ (Der König und ich) aus dem Jahr 1956. „Man musste immer einen Vertrag unterzeichnen, damit nichts an die Öffentlichkeit dringt“, erzählte Nixon 2007 dem Sender ABC News. Das Filmstudio Twentieth Century Fox habe ihr gedroht: „Sie sagten, wenn irgendwer jemals erfährt, dass Du teilweise Deborah Kerr synchronisiert hast, sorgen wir dafür, dass Du in dieser Stadt keinen Job mehr bekommst.“

„Geist mit dem gewissen Etwas“

Als Schauspielerin stand sie selten vor der Kamera. Dem Broadway blieb die Sopransängerin dagegen bis ins hohe Alter erhalten. Eine Zeit lang gehörte Nixons Wunderstimme laut „NYT“ zu den „bestgehüteten Geheimnissen Hollywoods“. Dann schrieb 1964 das „Time“-Magazin über den „Geist mit dem gewissen Etwas“.

Nixon verewigte sich laut ABC News auch in einem der berühmtesten Filmlieder der Welt: In Marilyn Monroes „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“ übernahm sie die schwierigen hohen Töne.

45.000 Dollar für Claptons Gitarre

Eine Gitarre des britischen Musikers Eric Clapton (71) ist in den USA für 45.000 Dollar (etwa 40.000 Euro) versteigert worden. Das sei mehr als doppelt so viel als zuvor erwartet, teilte das Auktionshaus Heritage Auctions gestern mit.

Die Fender-Gitarre wurde 2014 speziell für Clapton hergestellt, er trat damit bei Konzerten auf und signierte sie auch. Wer das Instrument ersteigerte, teilte das Auktionshaus nicht mit.

Der komplette Erlös der Versteigerung geht an den Musiker und Freund von Clapton, Johnny Nicholas, dessen Frau Brenda vor Kurzem an Leukämie starb. Clapton wurde mit Songs wie „Layla“ und „Tears in Heaven" bekannt.

Leute

Ozzy Osbourne will seine Ehe retten

Ist die Ehe von Ozzy und Sharon Osbourne noch zu retten? Rund zwei Monate nach der räumlichen Trennung des Paares hat sich der 67-jährige Frontmann der Band Black Sabbath gestern in der US-Sendung „Good Morning America“ zuversichtlich gezeigt. Er sei „wieder auf dem richtigen Weg“, sagte der Musiker. Seine langjährige Ehe habe viele Hochs und Tiefs gehabt. Manchmal würde man sich eine Weile auseinanderleben, aber dann wieder zusammenfinden.

Seit 1982 ist das Paar verheiratet. Im Mai hatte die Managerin und Moderatorin Sharon Osbourne in ihrer US-Talkshow erklärt, dass sie aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen sei. „Ich weiß nicht, wie es in meinem Leben weitergeht. Ich bin 63 und kann so nicht weiterleben.“ Sie könne aber nicht ausschließen, dass sie verheiratet bleibe.

Seither wurden die Noch-Eheleute einige Male zusammen in der Öffentlichkeit gesehen. Sharon Osbourne ist seit Jahrzehnten Managerin des britischen Altrockers. Das Paar hat drei erwachsene Kinder. 2013 hatten sich die Osbournes schon einmal vorübergehend getrennt. Sharon war aus der gemeinsamen Villa ausgezogen, weil ihr Mann einen Drogenrückfall erlitten hatte. Wenige Monate später zogen die beiden wieder zusammen.