Ausland

Huthis beschossen saudische Grenzstadt

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen haben die saudi-arabische Grenzstadt Nadschran mit Granaten beschossen. Das saudische Militär habe die „Provokation“ beantwortet und mit Kampfhubschraubern Huthi-Stellungen im Nordjemen angegriffen, sagte ein Sprecher der saudischen Streitkräfte heute in Riad.

Über mögliche Opfer verlautete zunächst nichts. Die nationale Luftfahrtgesellschaft Saudi Airlines strich vorerst alle Flüge nach Nadschran. Das Bildungsministerium ordnete die vorübergehende Schließung der Schulen in der südsaudischen Stadt an.

Nicht der erste Angriff auf saudischem Gebiet

Der grenzüberschreitende Artillerieangriff der Huthis auf Nadschran war nicht die erste Attacke dieser Art. In der Vergangenheit hatten Huthi-Kommandos sogar Vorstöße in grenznahes saudisches Territorium unternommen. Der jüngste Beschuss barg dennoch Potenzial für eine Eskalation. Saudi-Arabien behalte sich weitere Gegenschläge vor, sagte der Militärsprecher in Riad.

Im Jemen kämpfen die schiitischen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Bei den Kämpfen und Luftangriffen wurden seitdem nach UNO-Angaben vom Dienstag 646 Zivilisten getötet und 1.364 weitere verletzt.

Luftschläge gegen Flughafen von Sanaa

Zuletzt hatten saudische Kampfjets den zivilen Flughafen der Hauptstadt Sanaa angegriffen. Mehrere Verkehrsflugzeuge und Transportmaschinen wurden am Boden zerstört, berichteten Augenzeugen. Für den Flugverkehr ist der Flughafen wegen der Kämpfe seit Wochen gesperrt.

Die UNO verlangte unterdessen eine Feuerpause. „Ich fordere die Koalition nachdrücklich dazu auf, den Beschuss des Flughafens in Sanaa einzustellen“, sagte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Johannes van der Klaauw, in New York. Es sei unabdingbar, „diese wichtige Versorgungsader - ebenso wie alle anderen Flughäfen und Häfen - zu erhalten“, fügte er hinzu.

Golfstaaten wollen Beziehung zum Iran normalisieren

Die arabischen Golfstaaten wollen ihre Beziehungen zum schiitischen Nachbarn Iran normalisieren. Grundlage dafür sei die Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten, hieß es heute laut dem TV-Sender al-Arabija in der Abschlusserklärung des Gipfeltreffens des Golf-Kooperationsrates (GCC).

Die von Sunniten regierten Golfländer sehen im Iran den größten Konkurrenten in der Region. Sie wollen verhindern, dass Teheran in den Besitz von Nuklearwaffen kommt. Das Atomabkommen mit dem Iran stößt deshalb in den Golfländern auf große Skepsis.

Der Golfkooperationsrat wurde 1981 in dem Emirat Abu Dhabi gegründet. Ihm gehören außer Saudi-Arabien die Golfstaaten Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman an. Das Bündnis versteht sich nicht zuletzt als Gegengewicht zum schiitischen Iran.

Hollande fordert Abschaffung der Todestrafe

Als erster europäischer Staatschef nahm der französische Präsident Francois Hollande an dem Gipfeltreffen in Riad teil. Hollande nützte seinen Besuch in der saudischen Hauptstadt auch, um die Abschaffung der Todesstrafe in dem Land zu fordern.

Frankreich setze sich weltweit für ein Ende der Todesstrafe ein, sagte Hollande. Er selbst habe sich bereits vor den Vereinten Nationen für eine Abschaffung eingesetzt und werde sich auch weiterhin dafür starkmachen.

Amnesty beklagt Menschenrechtslage in Saudi-Arabien

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die fehlenden Fortschritte bei der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien beklagt.

Hundert Tage nach seiner Machtübernahme habe König Salman keine Maßnahmen zur Verbesserung der „entsetzlichen Bilanz“ getroffen, kritisierte die Menschenrechtsorganisation in einer Erklärung. Auch gebe es kaum Aussichten auf Verbesserungen.

„Hinrichtungswelle“ nach Amtsantritt

Vielmehr seien die ersten Monate von Salmans Herrschaft von einer beispiellosen Hinrichtungswelle geprägt gewesen, so Philip Luter von Amnesty.

Auf eine Reihe von Forderungen der Organisation, darunter die Freilassung von Menschenrechtsaktivisten, habe Saudi-Arabien bisher nicht reagiert. König Salman bin Abdulasis Al Saud hatte nach dem Tod seines Vorgängers Abdallah am 23. Jänner den Thron bestiegen.

Frankreichs Parlament beschließt neues Geheimdienstgesetz

Die französischen Geheimdienste sollen künftig größere Freiheiten für ihre Arbeit bekommen. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete die Nationalversammlung in Paris heute in erster Lesung mit deutlicher Mehrheit von Regierung und Opposition. Aus Sicht des Regierungschefs Manuel Valls erhalten die Nachrichtendienste damit bessere Instrumente zur Bekämpfung des Terrorismus.

Kritiker befürchten dagegen massenhafte Überwachung auch jenseits der Terrorabwehr. Mit dem Gesetz werden Möglichkeiten für Lauschangriffe, Videoüberwachung, Spionagesoftware oder die Erfassung von Verbindungsdaten geregelt. Umstritten ist etwa ein Algorithmus, mit dem bestimmte Abfolgen von Verbindungsdaten als gefährlich eingestuft werden.

Neben dem Kampf gegen Terrorismus sieht Valls in dem Gesetz ein Mittel gegen organisierte Kriminalität und Wirtschaftsspionage. Das Gesetz soll eine mehr als 20 Jahre alte Regelung ablösen. Es muss noch durch den französischen Senat, die zweite Kammer des Parlaments.

Wechsel an Spitze von US-Armee

US-Präsident Barack Obama hat den General des Marinekorps, Joseph Dunford, als neuen Stabschef nominiert. Der 59-Jährige soll den Amtsinhaber Armeegeneral Martin Dempsey (63), ablösen, der nach vierjähriger Amtszeit den Job des höchsten US-Soldaten abgibt. „Dunford ist einer der angesehensten Offiziere in unseren Streitkräften“, sagte Obama heute.

Der Wechsel ist für den Herbst vorgesehen, berichteten US-Medien unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Damit steigt der General zum ranghöchsten US-Militär auf und wird einer der wichtigsten Berater Obamas in Verteidigungsfragen. Außerdem wird Dunford US-Verteidigungsminister Ashton Carter als wichtigster Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

NATO-Kommandeur in Afghanistan

Dunford übernimmt den Posten in einer Zeit des Umbruchs nach einem Jahrzehnt der Einsätze der US-Armee in Afghanistan und im Irak. Der in Boston geborene Dunford wurde 1977 Offizier, von Februar 2013 bis August 2014 befehligte er die NATO-Truppen in Afghanistan.

Der 59-Jährige ist Absolvent der für ihre harte Ausbildung bekannten US Army Ranger School und hat zwei Universitätsabschlüsse - einen in internationalen Beziehungen und einen in Politikwissenschaft.

Mike Huckabee startet zweiten Anlauf ins Weiße Haus

Mike Huckabee (59), Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Arkansas, versucht noch einmal sein Glück im Rennen um das Weiße Haus. „Uns wurde Hoffnung versprochen, doch alles, was wir bekamen, war Gerede“, sagte der strikt konservative Republikaner heute mit Blick auf unerfüllte Versprechen von Präsident Barack Obama.

Huckabee ist der sechste Republikaner, der für die Wahlen im November 2016 seinen Hut in den Ring wirft. Bereits 2008 hatte er sich um die Kandidatur beworben und mit seinem Sieg bei der ersten Vorwahl für eine Überraschung gesorgt. Er war später aber doch chancenlos. Nach seiner Niederlage startete er eine TV-Karriere als Talkshow-Master bei Fox News.

Liebling der religiösen Rechten

Huckabee gilt als ein Favorit der religiösen Rechten, liegt aber nach Umfragen derzeit abgeschlagen hinter anderen Bewerbern. Als Favoriten der Republikaner gelten derzeit der Senator aus Florida, Marco Rubio, und Präsidentensohn Jeb Bush, der sich allerdings noch nicht offiziell „geoutet“ hat.

Als klare Favoritin bei den Demokraten tourt bereits die einstige First Lady und Außenministerin Hillary Clinton durchs Land. Die Vorwahlen beginnen im Jänner 2016 im Bundesstaat Iowa.

Toter bei Bauernprotest gegen Bergwerk in Peru

Ein Mann ist in Peru bei Protesten gegen ein Bergwerkvorhaben getötet worden. Der 35-Jährige sei bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei in Mollendo im südperuanischen Departement Arequipa tödlich verletzt worden, teilte der Innenminister Jose Luis Perez Guadalupe heute auf einer Pressekonferenz mit.

Zwei weitere Teilnehmer an den Protesten gegen das Kupfertagebauprojekt Tia Maria erlitten Schusswunden, berichtete der Rundfunksender RPP.

Es ist das zweite Todesopfer seit Beginn der Protestbewegung Ende März. Die Bauern der Region befürchten, dass der Tagebau des mexikanischen Unternehmens Southern Peru Copper Corporation (SPCC) zur Verseuchung der Wasserquellen führen werde. Die vorgesehenen Investitionen des Projektes betragen 1,4 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro).

IS reklamiert Attacke in Texas für sich

Der Angriff auf eine Ausstellung von Cartoons des Propheten Mohammed im US-Bundesstaat Texas war laut der islamistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Auftragstat: Die beiden getöteten Schützen seien „Soldaten des Kalifats“ gewesen, hieß es heute in einem Bekenntnis des IS.

Die Familien der beiden Angreifer beschwören unterdessen, dass sie nichts von deren radikalislamischer Gesinnung wussten - obwohl einer von ihnen, wie nun bekanntwurde, im Visier des FBI war. Die Mutter eines der beiden sagte, es sei „schwer zu verstehen“, was mit ihrem Sohn geschehen sein musste: „Irgendwas in ihm ist durchgebrannt.“

Mehr dazu in Polizei relativiert bisherige Darstellung

Inland

FMA erläutert Rolle bei Hypo-Abwicklung

Im Finanzausschuss des Nationalrats haben heute die Vorstände der Finanzmarktaufsicht (FMA) ihre Rolle als Abwicklungsbehörde für die Hypo Alpe Adria Bank erläutert. Die EU-Bankenabwicklungsrichtlinie sei auf die Hypo-Abbaubank Heta anwendbar.

Durch die neuen Kompetenzen der FMA bei der Bankenabwicklung müsse man nun präventiv Abwicklungspläne erstellen und diese im gegebenen Fall auch umsetzen.

Das seit Jahresbeginn geltende diesbezügliche Gesetz gebe der FMA dabei Abwicklungsinstrumente wie die Unternehmensveräußerung, die Errichtung eines Brückeninstituts, die Ausgliederung von Vermögenswerten und Gläubigerbeteiligung im Rahmen eines Bail-in zur Hand, berichtet die Parlamentskorrespondenz heute aus dem Ausschuss.

Heta erster Fall nach neuer EU-Richtlinie

Die Heta sei der erste Abwicklungsfall auf Basis dieser neuen Bestimmungen, bestätigte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller. Entsprechende Meinungsäußerungen der EU-Kommission hätten ihn in seiner Einschätzung bestärkt.

Die FMA verfügte 2014 über ein Budget von 56,4 Mio. Euro, sie beschäftigte rund 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie FMA-Vorstand Helmut Ettl erklärte, fallen rund 120 Banken, davon acht in Österreich, unter die direkte Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB). Rund 3.500 Banken - 550 in Österreich - verbleiben unter direkter nationaler Aufsicht.

Sozialministerium plant Gipfel zu Arbeitslosigkeit

Die weiter steigende Arbeitslosigkeit in Österreich wird nun auf Regierungsebene zum Thema. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sprach sich heute für einen speziellen Arbeitsmarktgipfel aus. Das Sozialministerium bereite eine Enquete vor, Näheres werde man in den nächsten Tagen sagen können, hieß es dazu aus dem Ressort von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ).

Die Arbeitslosenzahlen sind in Österreich weiter gestiegen, denn das Arbeitskräfteangebot wächst stärker als die Beschäftigung. Ende April waren 419.875 Personen ohne Arbeitsplatz, um 7,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg im Jahresabstand um 1,0 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent. Im EU-Vergleich verliert Österreich heuer seinen früheren Spitzenplatz, so die EU-Kommissionsprognose.

FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl will schon jetzt wissen, dass aus dem Arbeitsmarktgipfel nichts werden könne. Die Regierung sei mit ihrer Hochsteuerpolitik und der ungebremsten Zuwanderung an der hohen Arbeitslosigkeit schuld, so Kickl in einer Aussendung. Für die Tourismussparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist die Ankündigung hingegen ein „wichtiges Signal“.

Tierschützer: Neue Chance für Klage gegen Republik

Die von VGT-Obmann Martin Balluch (Verein gegen Tierfabriken), einstiger Hauptangeklagter im Tierschützerprozess in Wiener Neustadt, eingebrachte Schadenersatzklage gegen die Republik Österreich soll nun neu behandelt werden. Die Klage war im Vorjahr wegen Verjährung zurückgewiesen worden. Das Oberlandesgericht Wien widersprach dieser Auffassung heute und verwies das Verfahren an die Erstinstanz zurück.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Sport

Leichtathletik: Diskuswerfer Mayer sorgt für Sensation

Diskuswerfer Gerhard Mayer ist mit einem Paukenschlag in die Freiluftsaison gestartet. Der 34-jährige Niederösterreicher verbesserte bei einem Einladungsturnier in Schwechat seinen eigenen ÖLV-Rekord mit 67,20 Metern um fast zwei Meter und schaffte gleichzeitig auch die Limits für die Olympischen Sommerspiele in Rio 2016 sowie für die WM 2015.

„Es war ein perfekter Moment. Ich bin überwältigt, dass es passiert ist“, freute sich Mayer, der mit der neuen Topmarke auch die bisherige Weltjahresbestleistung des Esten Martin Kupper überbot.

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Champions League: Hohe Hürde für Titelverteidiger Real

Noch nie ist es einer Mannschaft gelungen, erfolgreich ihren Titel in der Champions League zu verteidigen. Auch für Real Madrid dürfte es bis dahin noch ein hartes Stück Arbeit werden. Nach Atletico bäumt sich vor Real mit Juventus Turin im Halbfinale nämlich das nächste extrem defensivstarke Team auf.

Mit dem vorzeitigen Meistertitel im Gepäck gab sich Juventus vor dem Halbfinal-Hinspiel heute zusätzlich selbstbewusst - auch mit Verweis auf die Statistik: Gleich sieben Europacup-Gastspiele in Serie konnte Real auf italienischem Boden zuletzt nicht gewinnen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Fußball: ÖFB-Junioren bei U17-EM mit hohen Zielen

Morgen startet für die U17-Auswahl des ÖFB das Abenteuer Europameisterschaft in Bulgarien. Angepeilte Ziele sind die Viertelfinal-Teilnahme und das Lösen des Tickets für die U17-WM im kommenden Herbst in Chile.

In der Gruppenphase bekommt es die Truppe von Manfred Zsak mit Gastgeber Bulgarien, Kroatien und Spanien zu tun. „Wir haben sicher die Chance, die eine oder andere Überraschung zu schaffen“, ist Zsak von der Qualität seiner Mannschaft überzeugt.

Mehr dazu in sport.ORF.at

ZIB2

Politologe Wagner zu Nervosität vor der Briten-Wahl

Großbritannien dürften unruhige Zeiten bevorstehen. Bei der Unterhauswahl wird es aller Voraussicht nach keine klare Mehrheit für Labour oder die regierenden Konservativen geben. Das Schuldenproblem und Rufe nach einem EU-Austritt machen Wirtschaft und Investoren nervös. In der ZIB2 Liveberichte aus London, Gast im Studio ist Markus Wagner, Politikwissenschaftler an der Universität Wien.

Wer Richtern künftig Weisungen erteilen soll

Dass ein Justizminister der unabhängigen Justiz Weisungen erteilen kann, ist seit Langem umstritten. Die ZIB2 hört sich um, was geändert werden soll und was Bundespräsident Heinz Fischer davon hält.

In den Händen von Boko Haram

Ehemalige Geiseln der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria berichten nach ihrer Befreiung durch die Armee von ihrem Leid – von Vergewaltigungen und Zwangsverehelichung.

Die Methoden der Terrormiliz Islamischer Staat (IS)

Eine Undercover-Journalistin hat Kontakt zu einem ranghohen IS-Kämpfer aufgenommen und erfahren, mit welchen Methoden europäische Jugendliche für den Krieg in Syrien und im Irak angeworben werden.

Alltag, Arbeit und Studium als Rollstuhlfahrerin

Am europäischen Aktionstag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung begleitet die ZIB2 eine Rollstuhlfahrerin. Eine Reportage über Hürden und Hilfen.

ZIB2 mit Armin Wolf, 22.00 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

EU erleichtert grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr

Die Europäische Union (EU) erleichtert für die rund 500 Millionen Verbraucher den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Wie die lettische EU-Präsidentschaft heute mitteilte, haben sich die Mitgliedsländer und das Europaparlament auf neue Regeln verständigt.

Diese sehen unter anderem eine größere Auswahl für die Kunden bei der Zahlungsart vor. Ein Ziel der Änderungen ist die Stärkung des europäischen Binnenmarkts. Außerdem soll damit Zahlungsbetrügern im Internet besser das Handwerk gelegt werden.

„Die heutige Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherheit für die Verbraucher bei elektronischer Bezahlung sowie Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovation“, erklärte der EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, Jonathan Hill. Sobald ein Zahlungsdienst in einem Mitgliedsland zugelassen sei, dürfe er in der gesamten EU genutzt werden.

Bilanzierung in Österreich wird EU-konform

Die Regelungen für Bilanzerstellung und Wertpapierverwahrung werden an die Vorgaben der Europäischen Union angepasst. Der Finanzausschuss des Nationalrats verabschiedete heute mehrheitlich ein Rechnungslegungsänderungsbegleitgesetz, mit dem Österreich einen weiteren Schritt zur Umsetzung der Bilanzrichtlinie setzt, damit Jahres- und Konzernabschlüsse vergleichbarer werden.

In einem ersten Umsetzungsschritt hatte Österreich 2014 ein Rechnungslegungsänderungsgesetz mit Anpassungen im Unternehmensgesetzbuch (UGB) in Kraft gesetzt. Die nunmehr verabschiedeten Regelungen bringen Anpassungen für Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen.

Eigene Aktien müssen extra genannt werden

Zudem wird der Sonderposten „unversteuerte Rücklagen“ im Finanzmarktrecht abgeschafft; der Ausweis latenter Steuern und eigener Aktien wird neu geregelt. Eigene Aktien sind künftig auch bei Finanzunternehmen offen vom Nennkapital zu trennen.

Die Zustimmung erfolgte durch SPÖ, ÖVP, Grüne, Team Stronach und NEOS. Die FPÖ befürchtete Verschlechterungen bei der Transparenz infolge rechtlicher Erleichterungen für die Nationalbank, heißt es in einer Aussendung der Parlamentskorrespondenz.

Deutsche Bahn will Lokführern neues Angebot machen

Die Deutsche Bahn (DB) will auf die streikenden Lokführer zugehen. DB-Chef Rüdiger Grube kündigte in der „Bild“ (Mittwoch-Ausgabe) an, er wolle morgen gemeinsam mit Personalvorstand Ulrich Weber „einen Vorschlag zur Befriedung der Lage“ unterbreiten.

Dazu planen die beiden eine Pressekonferenz, wie es in Unternehmenskreisen hieß. Ort und Zeit wurden zunächst nicht genannt.

„Der Tarifkonflikt darf nicht auf dem Rücken unserer Kunden und Mitarbeiter ausgetragen werden“, sagte Grube dem Blatt. Der Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg wollte sich bei einem Statement in Berlin nicht dazu äußern, ob es aktuell Gespräche mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer gebe. Ihre Mitglieder wollen noch bis Sonntag streiken.

VW will sich mit Piech-Nachfolge Zeit lassen

Nach dem Abgang von Firmenpatriarch Ferdinand Piech will sich Volkswagen mit der Suche nach einem Nachfolger Zeit lassen. Der Aufsichtsrat werde sich mit der gebotenen Sorgfalt und Ruhe mit der Frage befassen, sagte Aufsichtsratschef Berthold Huber heute auf der Hauptversammlung in Hannover.

„Um den Spekulationen zu begegnen, kann ich sagen, dass auf der heutigen Sitzung dazu keine Beschlüsse gefasst werden“, fügte der ehemalige Chef der deutschen IG-Metall hinzu, der den Aufsichtsrat nach Piechs Rücktritt kommissarisch leitet. Die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Piech hatte Konzernchef Martin Winterkorn in einem beispiellosen Machtkampf aus dem Amt drängen wollen, war damit aber im engeren Führungszirkel gescheitert. Er trat daraufhin ebenso wie seine Ehefrau Ursula Piech von allen Aufsichtsratsmandaten zurück.

Disney steigert Umsatz und Gewinn deutlich

Ein starkes Geschäft in Vergnügungsparks und mit dem Verkauf von Fanartikeln lässt beim Medienriesen Disney die Kassen klingeln. Der Gewinn stieg im zweiten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um zehn Prozent auf gut 2,1 Mrd. Dollar (1,88 Mrd. Euro). Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 12,46 Mrd. Dollar, wie Disney heute mitteilte.

Im Geschäft mit Fanartikeln gab es einen besonders deutlichen Zuwachs beim operativen Gewinn mit einem Plus von 32 Prozent auf 362 Mio. Dollar. Auslöser waren vor allem Produkte zum Film „Frozen“ („Die Eiskönigin“), die sich zu einem Dauerbrenner entwickelt haben, sowie Artikel mit den „Avengers“-Superhelden. Der Umsatz der Sparte erreichte nach einem Zuwachs von zehn Prozent fast eine Milliarde Dollar.

Umsatzrückgang bei Studiosparte

Das wog den Rückgang an den Kinokassen auf, wo es der Animationsfilm „Baymax“ nicht ganz mit dem riesigen Erfolg der „Eiskönigin“ vor einem Jahr aufnehmen konnte. Der Umsatz der Studiosparte sank um sechs Prozent auf 1,7 Mrd. Dollar und das operative Ergebnis um zehn Prozent auf 427 Mio. Dollar.

Im laufenden Quartal kann sich Disney aber wieder auf einen Geldregen einstellen: Der zweite „Avengers“-Film spielte gerade am ersten Wochenende gut 191 Millionen Dollar ein - der zweitbeste Kinostart in den USA.

Die Freizeitparks steuerten mit 566 Mio. Dollar einen um 24 Prozent höheren operativen Gewinn bei. Dabei saß das Geld bei den US-Besuchern so locker, dass der Zuwachs die Rückgänge im internationalen Geschäft mehr als ausglich. Im immer wieder mit Problemen kämpfenden Disneyland Paris gab es höhere Kosten, die teilweise durch Preiserhöhungen aufgefangen wurden.

Zahlen frühzeitig veröffentlicht

Die Disney-Aktie legte vorbörslich um rund zwei Prozent zu. Der Konzern, der seine Quartalszahlen üblicherweise erst nach US-Börsenschluss vorlegt, hatte die Veröffentlichung diesmal vorgezogen.

Grund war eine Trauerfeier für den am Wochenende verstorbenen Internetunternehmer David Goldberg. Seine Witwe, die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, ist Mitglied im Verwaltungsrat von Disney. Goldberg hatte einen tödlichen Sportunfall erlitten.

Medien

Frankreich: Journalistinnen gegen Macho-Politiker

In Frankreich haben zahlreiche Journalistinnen öffentlich die fortwährenden und teils eindeutig sexistischen Übergriffe männlicher Politiker beklagt. Auf der Titelseite der Tageszeitung „Liberation“ forderten die rund 40 Unterstützerinnen heute in einer Petition unter dem Titel „Pfoten weg!“ ein Ende des „schlüpfrigen Paternalismus“ gegenüber weiblichen Journalisten.

An dem Aufruf beteiligten sich Mitarbeiterinnen vieler großer Medien des Landes, wie der Zeitungen „Le Monde“ und „Libration“, der Sender TF1 und France Inter sowie der Nachrichtenagentur AFP.

„Mit der Hand durch die Haare“

Exemplarisch beschreiben die Autorinnen in dem Aufruf, wie einzelne Parlamentarier ihnen bei Treffen „mit der Hand durch die Haare“ fuhren, beklagten, „dass wir einen Rollkragenpullover und keinen Ausschnitt trugen“ oder auch darauf bestanden, „dass wir uns am Abend sehen“. Ein Großteil der Politiker vermeide zwar „Fehltritte“, dennoch gebe es ein „vorherrschendes Machotum“, das ihnen bei ihrer Arbeit begegne.

Die Journalistinnen schreiben weiter, dass ihr Beruf „das Herstellen von Nähe und Vertrautheit“ mit Politikern nun einmal mit sich bringe. Aber immer wieder fühlen sie sich demnach gezwungen, in der Männerkultur ihrem Gegenüber Grenzen aufzeigen zu müssen.

Unterstützung erhielten die Journalistinnen bei ihrem Aufruf vom Fraktionsvorsitzenden der Sozialisten in der Nationalversammlung, Bruno Le Roux, der sogar eine namentliche Nennung der übergriffigen Kollegen forderte: „Es muss gesagt werden, woher so etwas kommt, um es zu beenden!“

Chronik

Nach Erdbeben bleibt Route auf Mount Everest geschlossen

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal wird die Aufstiegsroute auf den Mount Everest in dieser Saison nicht wieder geöffnet. Die Lawinen auf dem höchsten Berg der Welt hätten den Weg durch den gefährlichen Khumbu-Eisfall in großen Teilen zerstört, sagte Ang Dorjee Sherpa, Präsident des Umweltkomitees SPCC, heute.

Ein Team des Komitees ist für die Sicherung der Route mit Seilen und Leitern zuständig. Ohne diese Hilfsmittel ist es für die meisten Bergsteiger unmöglich, durch den Gletscher zu kommen. Der Eisfall sei durch das Erdbeben zu instabil und die Arbeit darin zu gefährlich, sagte Sherpa weiter.

Kaum noch Bergsteiger in Basislager

Hinzu komme, dass nicht genug Zeit bleibe, ehe der Monsunregen einsetze. Dann ist ein Aufstieg zum Mount Everest nicht mehr möglich. Auch lohne sich der Aufwand für die wenigen verbliebenen Bergsteiger im Basislager nicht.

„Die meisten Bergsteiger sind schon nach Kathmandu zurückgekehrt“, sagte Sherpa. Mindestens 18 Menschen kamen ums Leben, als eine durch das Erdbeben ausgelöste Lawine das Basislager zerstörte.

Saison ohne Besteigung

Damit könnte diese Frühjahrssaison die erste seit Jahrzehnten werden, in der der Mount Everest nicht bestiegen wird. China hatte schon kurz nach dem Erdbeben alle Klettertouren auf der Nordseite verboten, weil Eis und Schnee zu instabil waren.

Die nepalesische Regierung zögert noch mit einer Entscheidung. Damit ist auch unklar, ob die 11.000 Dollar (rund 9.900 Euro) teuren Genehmigungen der Bergsteiger im kommenden Jahr gelten. Nepal nimmt dadurch jedes Jahr mehrere Millionen Dollar ein.

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