Ausland

Zahlreiche Tote bei Explosion in Südosttürkei

Bei einer Explosion nahe dem Polizeihauptquartier in der Stadt Cizre im Südosten der Türkei sind laut Informationen aus Sicherheitskreisen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Viele weitere seien verletzt worden, hieß es heute Früh. Nähere Informationen lagen zunächst nicht vor.

Auf TV-Bildern war eine hohe Rauchsäule über der Explosionsstelle zu sehen. Krankenwagen eilten zu der Polizeistation. Cizre liegt in der Provinz Sirnak, die an Syrien und den Irak angrenzt.

Vizeminister bei Protesten in Bolivien getötet

Der stellvertretende Innenminister Boliviens ist bei Protesten von Bergarbeitern getötet worden. Vizeminister Rodolfo Illanes sei gestern (Ortszeit) in Panduro 165 Kilometer südöstlich von La Paz totgeschlagen worden, sagte Innenminister Carlos Romero auf einer Pressekonferenz in La Paz.

„Er wurde totgeschlagen, Vizeminister Illanes wurde feige und brutal ermordet“, sagte Romero. Der 55-jährige Funktionär habe sich gestern Früh zu einer Landstraßenblockade der Bergarbeiter begeben, um einen Dialog einzuleiten. Dabei sei er von den Demonstranten als Geisel festgehalten worden. Bei dem mehrtägigen Protest von Bergarbeiter-Genossenschaften wurden auch drei Kumpel getötet.

Putschistenprozesse: Ankara bindet Europarat ein

Bei den geplanten Gerichtsprozessen wegen des gescheiterten Putschversuches in der Türkei wollen türkische Behörden frühzeitig den Europarat einbinden.

Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland, sagte der deutschen „Welt“ (Freitag-Ausgabe): „Experten des Europarates werden sich in Kürze mit türkischen Behörden treffen, um sie dabei zu beraten, wie die Rechte der Angeklagten des Putschversuchs gewahrt werden können. Dies ist notwendig, damit sichergestellt wird, dass die Prozesse gemäß europäischen Standards verlaufen, um zu verhindern, dass noch mehr Fälle gegen die Türkei beim Straßburger Gerichtshof landen.“

Türkei schon mehrmals am Pranger

Die Türkei ist seit 1950 Mitglied der Staatenorganisation, die Beobachter entsenden kann, die umfangreich Zugang zu Gefängnissen und Dokumenten über Häftlinge bekommen müssen. Das Anti-Folter-Komitee des Europarats hatte nach früheren Besuchen wiederholt folterähnliche Gewalt in der Türkei angeprangert. In seinem jüngsten Bericht kritisierte es Polizeigewalt gegen Demonstranten bei Festnahmen während der Gezipark-Proteste 2013.

Im Streit zwischen der EU und Ankara über die angemessene Reaktion auf den gescheiterten Putschversuch forderte Jagland die Europäer zur Mäßigung auf: „Wir sollten mit den Türken sprechen und nicht über sie und uns dabei auf die Europäische Menschenrechtskonvention stützen.“ Das gelte im Übrigen nicht nur für die Türkei, sondern auch für andere Länder.

Medien: Russland startet Großmanöver im Kaukasus

Russland hat einem Medienbericht zufolge im Süden des Landes mit einem Militärmanöver begonnen. An den Übungen in den Kaukasus-Republiken Tschetschenien und Dagestan seien rund 8.000 Soldaten beteiligt, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax heute unter Berufung auf das Moskauer Verteidigungsministerium. Mehr als 2.000 Fahrzeuge seien im Einsatz.

Im Nordkaukasus gab es in den vergangenen Monaten mehrere Attentate, zu denen sich die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte. Die überwiegend von Muslimen bewohnte Region ist politisch instabil. In den 1990er Jahren führte das russische Militär in Tschetschenien zwei Kriege gegen Aufständische. In den Konflikt wurde auch das benachbarte Dagestan hineingezogen.

Clinton rückt Trump in die Nähe von Rassisten

Die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat ihren Kontrahenten Donald Trump in die Nähe von Rassisten gerückt. „Ein Mann, der lange Zeit rassistische Diskriminierungen geäußert hat, der düstere Verschwörungstheorien auf der Basis von Berichten in Revolverblättern und den Tiefen des Internets wälzt, sollte niemals unsere Regierung führen oder den Befehl über unser Militär haben“, sagte Clinton gestern auf einer Kundgebung in Reno im US-Bundesstaat Nevada.

Eine rechtsgerichtete Strömung versuche, die Republikanische Partei zu dominieren, sagte sie. Trumps neuer Wahlkampfleiter Stephen Bannon stehe für diese Linie. Clinton wies auch Trumps Vorwürfe zurück, Clinton könnte größere gesundheitliche Probleme haben. „Seine jüngsten Fieberträume handeln von meiner Gesundheit. Ich kann nur sagen: Träume weiter!“, sagte Clinton.

Trump seinerseits attackierte Clinton erneut wegen Vorwürfen, sie habe als Außenministerin ihr Amt mit privaten Interessen vermischt. Trump nannte die von Hillary Clintons Ehemann Bill gegründete Clinton Foundation „eine kriminelle Unternehmung“. Sie sei „schlimmer als Watergate“, sagte er mit Blick auf die berühmte Affäre, die einst den republikanischen Präsidenten Richard Nixon zu Fall gebracht hatte.

Wilders-Partei fordert Verbot von Koran

Die Partei des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zieht mit der Forderung nach Schließung aller Moscheen und nach einem Verbot des Korans in die Parlamentswahl 2017. Der Chef der Partei PVV veröffentlichte gestern Abend über den Kurznachrichtendienst Twitter ein einseitiges Wahlprogramm, in dessen Zentrum eine „Entislamisierung“ der Niederlande steht.

„Schließung aller Moscheen“

Aktuellen Umfragen zufolge könnte die PVV bei der Wahl stärkste Kraft werden. In dem Programm findet sich die Forderung „Schließung aller Moscheen und islamischen Schulen, Verbot der Koran“. Nähere Ausführungen macht der Text dazu nicht.

Wilders will zudem Migranten aus muslimischen Ländern die Einreise verwehren, die Aufnahmezentren für Asylwerber in den Niederlanden schließen und das öffentliche Tragen des Kopftuchs verbieten.

Weit entfernt von regierungsfähiger Mehrheit

Die staatlichen Zahlungen für Entwicklungshilfe und Kunstförderung sollten zugunsten einer „beträchtlichen“ Erhöhung des Verteidigungs- und Polizeibudgets wegfallen, heißt es in dem Programm.

Wilders’ PVV liegt in Umfragen seit Monaten vorne. Allerdings ist sie von einer regierungsfähigen Mehrheit weit entfernt. Eine Erhebung von Anfang August sah die PVV bei 27 Sitzen in dem 150 Sitze zählenden niederländischen Parlament.

Französischer Staatsrat entscheidet über Burkini-Verbot

Der französische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht des Landes, will heute in Paris über ein Burkini-Verbot entscheiden. Die Menschenrechtsliga und das Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich (CCIF) hatten das Burkini-Verbot der Riviera-Gemeinde Villenneuve-Loubet rechtlich angegriffen.

Insgesamt haben etwa 30 französische Kommunen Ganzkörperbadeanzüge für Musliminnen an ihren Stränden untersagt. Das Thema sorgt in Frankreich und international für politischen Zündstoff.

Festnahme nach Störung von Merkels Konvoi in Prag

In Prag ist ein Mann festgenommen worden, der mit seinem Wagen den Konvoi der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) behindern wollte. Nach Angaben der Polizei versuchte der in einem schwarzen Mercedes sitzende Mann gestern, sich Merkels Kolonne anzuschließen, als diese auf dem Weg vom Flughafen zum Regierungssitz war. Merkels Sicherheit sei aber „nicht gefährdet“ gewesen.

Der Mann versuchte der Polizei zufolge, die Beamten von der Straße zu drängen, die den Konvoi absicherten. Die Polizisten hätten ihn unter Androhung von Waffengewalt gestoppt, sagte ein Polizeisprecher, ohne sich zur Identität des Fahrers zu äußern. Er wurde verhört, über sein Motiv wurde zunächst nichts mitgeteilt. Nach Angaben der Polizei handelte er allein und war unbewaffnet, in seinem Auto wurden jedoch schwere Gegenstände wie Betonklötze gefunden.

Tschechien weiter gegen Verteilung von Flüchtlingen

Merkel befand sich auf Staatsbesuch in Tschechien und wollte unter anderem in Sachen verbindliche Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Staaten vermitteln. Tschechien lehnt das jedoch weiter ab. Es gebe beim Thema Migration unterschiedliche Meinungen mit Deutschland, sagte Ministerpräsident Bohuslav Sobotka nach einem Treffen. Das betreffe etwa die geplante Reform des Asylsystems in der EU.

„Da kann Tschechien nicht mit einem System einverstanden sein, das auf Pflichtquoten basieren sollte“, sagte Sobotka mit Blick auf ein EU-Treffen in Bratislava Mitte September. Auch Merkel räumte Differenzen in der Flüchtlingspolitik ein. Beide Politiker betonten jedoch, dass man sich bei der Forderung nach einer Stärkung der EU-Außengrenzen und dem Festhalten am Migrationsabkommen mit der Türkei einig sei.

Merkel weiter nach Warschau

Merkel trifft sich nach einer Woche der Gespräche mit mehreren EU-Spitzenvertretern heute in Warschau noch mit ihren Kollegen aus Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Die vier Staaten der sogenannten Visegrad-Gruppe gehören zu den entschiedensten Gegnern einer EU-Quote und den härtesten Kritikern der deutschen Flüchtlingspolitik. Merkel sagte aber, sie pflege enge Kontakte zu allen Visegrad-Staaten.

Inland

Richter und Ankläger gegen Sobotkas Strafrechtsideen

Richter und Staatsanwälte halten nichts von dem Vorstoß von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP), kleinere Delikte wie Ladendiebstähle aus dem Strafrecht herauszunehmen und stattdessen mit Verwaltungsstrafen zu ahnden. Das sei „Sommerloch-Populismus“ und „völlig entbehrlich“, meinte Richter-Präsident Werner Zinkl im „Standard“ (Freitag-Ausgabe).

Sobotka hatte dafür plädiert, kleinere Delikte mit Verwaltungsstrafen von 200 Euro zu ahnden - samt sofortigem Zugriff auf das Eigentum des Beschuldigten, was einen größeren Lerneffekt brächte. Im Strafverfahren gibt es aber höhere Rechtsschutzstandards, hält Zinkl dem entgegen.

Auch Gerhard Jarosch, Präsident der Staatsanwältevereinigung, verwies auf das im Strafverfahren bestehende Recht auf einen Anwalt oder Dolmetscher - und die Trennung von Kläger und Richter. Er habe „massive Bedenken“ gegen Sobotkas Idee. Oft stelle sich auch erst im Rahmen einer strafrechtlichen Verhandlung heraus, ob jemand weitere Delikte begangen hat, merkte Zinkl noch an.

Hofburg-Wahl: Was sich beim Abstimmen ändert

Der Wahlkampf für die dritte Hofburg-Abstimmung kommt langsam auf Touren, und das Innenministerium versucht im Vorfeld, die Wahlbehörden möglichst genau zu instruieren, um Beschwerden von vornherein auszuschließen.

Der Leitfaden für Wahlbeihelfer ist neu und deutlich umfangreicher. Aber auch für die Wählerinnen und Wähler wird sich manches ändern.

Mehr dazu in Journalisten müssen draußen bleiben

Doskozil kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik

Österreich kritisiert die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf. „Die ‚Wir schaffen das‘-Politik ist unverantwortlich“, sagte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) der „Kronen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe).

Die anhaltende Willkommenskultur Merkels sei eine Ermunterung für Flüchtlinge, nach Europa aufzubrechen - und ein fatales Signal. „Ein Jahr 2015 darf sich nicht wiederholen.“

„Kein Wartezimmer für Deutschland“

Europa könne die Situation nicht meistern: "Wenn mitten in Mailand Zelte für Flüchtlinge aufgestellt werden müssen, kann doch keiner wirklich behaupten, dass wir diesen Zustrom in vernünftiger Weise bewältigen." Außerdem wiederholte der Minister, dass Österreich nicht das „Wartezimmer für Deutschland“ sei.

Seit Jahresbeginn hat Österreich nach Angaben des Verteidigungsministeriums 100.000 Migranten registriert. Die größte Gruppe stamme dabei nicht aus Kriegsgebieten wie Syrien, sondern aus Nigeria und Eritrea.

Doskozil forderte daher die Einberufung eines „Rückführungsgipfels auf europäischer Ebene“, um Wege zu finden, Migranten in ihre Herkunftsländer zurückzuführen. „Es ist keine Politik, wenn Europa hier in Agonie verharrt und den Kopf in den Sand steckt“, sagte Doskozil.

Sport

Europa League: Rapid steigt trotz Niederlage auf

Trotz einer 0:2-Heimpleite gegen AS Trencin im Allianz Stadion, der ersten Niederlage in der neuen Arena, ist Rapid gestern in die Gruppenphase der Europa League eingezogen. Der 4:0-Sieg in der Slowakei reichte den Wienern nämlich zum Aufstieg.

Die Hütteldorfer agierten wesentlich schwächer als im Play-off-Hinspiel vor einer Woche und bekamen die Partie erst nach einer Gelb-Roten Karte für Denis Janco in den Griff.

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Champions League: Auslosung bringt viele Schlagerspiele

Die Auslosung der UEFA Champions League in Monaco hat gestern zahlreiche Aufeinandertreffen zwischen europäischen Topclubs gebracht. So spielt in der Gruppenphase etwa Titelverteidiger Real Madrid gegen Borussia Dortmund.

Ebenfalls ein spanisch-deutsches Duell gibt es zwischen dem heurigen Finalisten Atletico Madrid und Bayern München. Der FC Barcelona muss sich unter anderen mit Manchester City messen.

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Formel 1: Hamilton wird in Spa-Francorchamps strafversetzt

Lewis Hamilton wird beim Formel-1-Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps strafversetzt. In seinem Mercedes wird ein neuer Motor zum Einsatz kommen. Es ist der bereits sechste in dieser Saison, nur fünf sind erlaubt.

Der Brite wird damit am Sonntag (14.00 Uhr, live in ORF eins) voraussichtlich vom Ende des Feldes starten. Gelingt Hamilton keine Aufholjagd bis Rang sieben, droht der Verlust der WM-Führung an seinen Teamkollegen Nico Rosberg.

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Schwimmer Lochte wegen Falschaussage angeklagt

US-Schwimmer Ryan Lochte ist in Brasilien wegen Falschanzeige angeklagt worden. Der 32-Jährige hatte bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro behauptet, er und drei seiner Teamkollegen seien überfallen worden. Aufnahmen einer Überwachungskamera belegten jedoch, dass der Raubüberfall erfunden war.

Nach den erforderlichen Polizeiermittlungen sei der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben und Anklage erhoben worden, erklärte gestern (Ortszeit) ein Polizeisprecher dem Nachrichtenportal G1.

Als nächster Schritt soll ein Rechtshilfeersuchen an die US-Justiz gehen. Für Falschanzeige stehen in Brasilien Haftstrafen von einem bis sechs Monaten oder Bußgeld.

Randaliert statt ausgeraubt

Nach Darstellung der brasilianischen Polizei urinierten die vier US-Schwimmer hinter einer Tankstelle. Lochte soll dabei ein Werbeschild von der Wand gerissen haben. Private Sicherheitsleute stellten danach die Sportler, die nach eigenen Angaben den Brasilianern etwas Geld gaben.

Lochte verlor nach dem Zwischenfall mehrere Sponsoren. Laut Medienberichten in den USA dürfte der finanzielle Verlust für den mehrfachen Olympiamedaillengewinner bei deutlich über einer Million Dollar liegen.

Wirtschaft

VW-Vergleichsangebot kommt bei US-Kunden gut an

Der mit US-Klägern ausgehandelte Milliardenvergleich des deutschen Autoherstellers Volkswagen (VW) in der Abgasaffäre trifft bei den geschädigten Kunden auf breite Zustimmung. Über 200.000 Dieselbesitzer hätten sich bereits registriert, um das Angebot anzunehmen, teilten Klägeranwälte gestern (Ortszeit) mit.

„Tausende weitere registrieren sich täglich“, sagte Elizabeth Cabraser von der Kanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein, die das Komitee der Klägeranwälte leitet.

Der hohe Zuspruch in so kurzer Zeit sei ein starkes Zeichen, dass die außergerichtliche Einigung gelinge, sagte Steve Berman von der Kanzlei Hagens Berman. Seiner Einschätzung nach dürfte mit der bisherigen Zustimmung bereits eine kritische Masse erreicht sein, um den Vergleich zu schließen.

Endgültige Entscheidung im Oktober

VW hatte sich mit Hunderten Klägern im US-Rechtsstreit um rund 480.000 Dieselwagen, die mit einer Software zur Manipulation von Abgaswerten ausgestattet wurden, auf einen Vergleich von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (rund 13 Mrd. Euro) geeinigt.

Ende Juli hatte das zuständige US-Gericht seine vorläufige Zustimmung dazu gegeben. Entscheidend ist nun, dass die Kunden die Lösung auch akzeptieren. Der zuständige Richter Charles Breyer will am 18. Oktober verkünden, ob er dem Vergleich endgültig zustimmt.

Führende US-Notenbanker für baldige Zinserhöhung

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Rede der Fed-Chefin Janet Yellen in Jackson Hole haben sich mehrere US-Notenbanker für eine baldige Zinserhöhung ausgesprochen. Die US-Notenbank plane, die Wirtschaft „heißlaufen zu lassen“, sagte der Präsident des Fed-Ablegers von San Francisco, John Williams, gestern vor Beginn der jährlichen Fed-Konferenz im US-Bundesstaat Wyoming.

Ähnlich äußerte sich seine Kollegin von Kansas City, Esther George. „Mein Ziel ist nicht, das Wirtschaftswachstum zu verlangsamen“, sagte sie. Zuvor hatte der Chef der Fed von Dallas, Robert Kaplan, gesagt, die Fed sollte in „nicht allzu ferner Zukunft“ zu einem weiteren Zinsschritt in der Lage sein.

Schlüsselrede von Yellen

In Jackson Hole wird Fed-Chefin Yellen heute eine Schlüsselrede halten, von der sich Akteure auf den Finanzmärkten Hinweise zur weiteren Entwicklung der Leitzinsen erhoffen. Die Tagung diente der Fed-Führungsspitze häufig als Forum, um den Märkten Signale über den geldpolitischen Kurs zu geben. Die Fed hält seit der Zinswende im Dezember 2015 die Leitzinsen in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Verbraucherpreise in Japan sinken erneut

In Japan sind die Verbraucherpreise im Juli den fünften Monat in Folge gesunken und verzeichnen den stärksten Rückgang seit mehr als drei Jahren. Die Preise gingen um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, wie heute veröffentlichte Regierungsdaten zeigten. Experten waren von einem Rückgang von 0,4 Prozent ausgegangen.

Damit steht die Notenbank unter dem Druck, ein bereits umfassendes Konjunkturprogramm auszuweiten. Trotz ihrer ultralockeren Geldpolitik ist es der Notenbank nicht gelungen, die Deflation, die den Unternehmen seit Jahren zu schaffen macht, zu stoppen. Von ihrem Ziel einer Inflation von zwei Prozent ist die Notenbank noch weit entfernt.

Heta im ersten Halbjahr dank FMA-Schuldenschnitts positiv

FMA-Schuldenschnitt sei Dank: Die Abbaugesellschaft der früheren Hypo Alpe-Adria, die Heta Asset Resolution, bilanziert zum Halbjahr positiv. Der bisherige Verlauf des Abbaues liege über den Erwartungen. Jedoch würden die verbleibenden Assets „durchaus schwerer zu verwerten sein“, so Heta-Chef Sebastian Schoenaich-Carolath gestern Abend in einer Unternehmensaussendung.

Wirksamer Schuldenschnitt

Dank der Umsetzung des Schuldenschnitts durch die Finanzmarktmarktaufsicht (FMA) - 54 Prozent für vorrangige Gläubiger, nachrangige Gläubiger zur Gänze - erzielte die Heta im ersten Halbjahr 2016 in ihrem Einzelabschluss einen Periodenüberschuss nach Steuern von 7,5 Mrd. Euro - im Konzernabschluss sind es 6,94 Mrd. Euro.

Alleine aus dem riesigen Effekt des Schuldenschnitts stammen 7,15 Mrd. Euro. Das außerordentliche Ergebnis resultiert daraus, dass die Verbindlichkeiten der früheren Hypo - durch den Schuldenschnitt auf 46 bzw. null Prozent - um 9,45 Mrd. Euro verringert wurden.

Große Anzahl von Rechtsstreitigkeiten

Das rein operative Ergebnis zum Halbjahr liegt bei 330 Mio. Euro. Personal-, Zins- und Sachaufwendungen seien gesunken. Im Schuldenschnitt der FMA war ja auch der Zinsaufwand für berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten in der laufende Verzinsung auf null Prozent gestrichen worden.

Die Heta weist in ihrer Aussendung darauf hin, dass sie sich immer noch mit einer großen Anzahl von Rechtsstreitigkeiten konfrontiert sieht. Diese könnten die zukünftige Entwicklung der Heta wesentlich beeinflussen und „beinhalten erhebliche Risiken“.

Chronik

Ein Toter und vier Verletzte bei Explosion in Belgien

Bei einer starken Explosion in einem Sportzentrum in der belgischen Gemeinde Chimay sind in der Nacht auf heute ein Mensch getötet und vier verletzt worden. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den Rettungsdienst. Zwei Menschen hätten schwere Verletzungen erlitten.

Beschädigtes Sportzentrum

APA/AP/Virginia Mayo

Zur Ursache der Detonation konnten zunächst keine Angaben gemacht werden. Sie habe sich kurz nach Mitternacht ereignet. Es seien zu diesem Zeitpunkt fünf Menschen in dem Zentrum gewesen. Das Gebäude sei teilweise zerstört. Der Ort des Geschehenes wurde von Polizei abgesperrt.

Chimay liegt in der belgischen Provinz Hennegau in der Nähe der Grenze zu Frankreich.

Keine Hinweise auf Opfer nach Felssturz in Normandie

Nach einem Steilküstenabbruch in der Normandie haben französische Rettungskräfte entgegen ersten Befürchtungen keine Hinweise auf verschüttete Menschen gefunden. Die Suchaktion sei gestern Abend eingestellt worden, berichteten die Regionalzeitung „Paris Normandie“ und der Sender France 3.

Steilküste in Normandie

APA/AFP/Charly Triballeau

Es gebe kein Indiz für Menschen unter den Kreidefelstrümmern, sagte ein Feuerwehrverantwortlicher der Zeitung. Die Steilküste am Ort Saint-Martin-aux-Buneaux nordwestlich von Rouen war auf etwa 100 Meter Breite abgebrochen, ein riesiger Geröllberg türmt sich nun am Strand auf.

Drei Tote in Kanada nach mutmaßlicher Armbrustattacke

Drei Menschen sind in der kanadischen Metropole Toronto bei einer mutmaßlichen Armbrustattacke getötet worden. Die Polizei teilte gestern per Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass drei Tote auf einer Straße im Stadtteil Scarborough gefunden worden seien.

Ein Mensch sei festgenommen worden, die Untersuchung dauere an. Ein Polizeisprecher sagte kanadischen Medienberichten zufolge, dass die Wunden der Toten augenscheinlich von Armbrustbolzen zu stammen schienen. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

IT

Mächtige Spionagesoftware für iPhones entdeckt

Eine neu entdeckte Spionagesoftware hat sich einen bisher noch nie gesehenen Zugriff auf iPhones und andere Apple-Geräte verschaffen können. Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Programm dank drei bisher unbekannter Softwareschwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen.

Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS gestern - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

Israelisches Unternehmen als Urheber?

Es ist beispiellos, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte. Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen worden sei und als eine Art Cyberwaffenhändler gelte.

Aufgeflogen sei das Schadprogramm, als ein bekannter Menschenrechtler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Verdacht bei einer Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen in dem Land geschöpft habe, hieß es. Statt den Link anzuklicken, habe Ahmed Mansur die Sicherheitsforscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen „Pegasus“.

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings, und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen. Apple betonte, man empfehle den Nutzern immer, die neueste iOS-Version zu nutzen.

WhatsApp gibt Facebook Handynummern

Der Messagingdienst WhatsApp gibt künftig die Telefonnummern seiner Nutzer an den Mutterkonzern Facebook weiter. Das kündigte das Unternehmen gestern an. Auch Informationen dazu, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird, soll Facebook erhalten. Mit dem Datenabgleich solle unter anderem „passendere Werbung“ bei Facebook angezeigt werden, erklärte das Unternehmen.

Mehr dazu in Auch Weitergabe der Nutzungsfrequenz

Kultur

Jazz-Tonmeister Rudy Van Gelder ist tot

Der amerikanische Toningenieur Rudy Van Gelder, der mit Jazz-Größen wie Miles Davis, Thelonious Monk und John Coltrane Platten aufnahm, ist tot. Er starb gestern in seinem Haus in Englewood Cliffs (US-Staat New Jersey), wie seine Assistentin der „New York Times“ bestätigte. Van Gelder wurde 91 Jahre alt.

Das berühmte Jazzlabel „Blue Note Records“, mit dem der Tonmeister in den 1950er und 1960er Jahren eng zusammenarbeitete, bedauerte den Tod einer „Blue Note Legende“. „Danke, Rudy“, schrieb das Label auf Twitter. Der Grammy-Musikverband würdigte den Techniker als „brillanten Handwerker“, der den Klang der wichtigsten Jazz-Aufnahmen aller Zeiten mit prägte.

In Englewood Cliffs betrieb der gelernte Augenoptiker seit 1959 ein eigenes Tonstudio. Zu seinen berühmtesten Aufnahmen zählen John Coltranes „A Love Supreme“, Miles Davis’ „Walkin’“ und Herbie Hancocks „Maiden Voyage“.

Homer Simpsons neue Stimme erstmals in Berlin zu hören

Neue Staffel, neue Stimme: Bei den „Simpsons“ tut sich einiges. Für Homer gibt es eine neue Stimme, die gestern Abend zum ersten Mal zu hören war, als in Berlin vor Fans in einem Kino zwei Folgen der neuen Staffel gezeigt wurden.

Wer der neue Synchronsprecher ist, wurde noch nicht verraten. Und auch für die anwesenden Fans war das Rätsel offenbar nicht zu lösen. Die Stimme klinge aber ganz ähnlich wie die alte, lautete eine mehrfach zu hörende Einschätzung. Mehrere Fans äußerten sich angenehm überrascht. Der bisherige Synchronsprecher, der Homer in deutscher Sprache seit der ersten Folge seine Stimme lieh, war Norbert Gastell. Er starb im vergangenen November im Alter von 86 Jahren.

Panorama

US-Behörden wollen Schwimmen mit Delfinen verbieten

Die US-Behörden wollen das bei Touristen beliebte Schwimmen mit Delfinen in Hawaii verbieten. Die Meeressäuger stünden inzwischen unter „intensivem Druck“ von Tierfreunden, die mit ihnen im Meer vor der pazifischen Inselkette schwimmen wollten, teilte die US-Meeresschutzbehörde NOAA gestern (Ortszeit) mit. Menschen sollten sich künftig 45 Meter von den Delfinen entfernt halten, um deren Ruhezeiten am Tag nicht mehr zu stören.

Die Bootsausflüge zu den zutraulichen und verspielten Tieren sind in Hawaii sehr beliebt. Ein Verbot wäre ein Schlag für die Ausflugsveranstalter. Die Behörde verwies darauf, dass die Tiere nachts auf die Jagd gingen und tagsüber ruhten - was durch die vielen Besucher aber erschwert werde.

Die Behörde will nun Reaktionen der Bürger auf den Plan entgegennehmen und mit Betroffenen sprechen. Die endgültige Entscheidung über das Verbot soll in einem Jahr fallen.

Leute

Millionenstreit zwischen Heard und Depp neu entflammt

Amber Heard (30) und Johnny Depp (53) sind trotz einer Einigung in ihrem Scheidungsstreit über eine Millionenabfindung erneut aneinandergeraten. Nun geht es um den Auszahlungsmodus, wie US-Medien gestern berichteten.

Heard hatte vorige Woche verkündet, dass sie die von Depp zu zahlende Abfindung von sieben Millionen Dollar (rund 6,2 Mio. Euro) in voller Höhe für wohltätige Zwecke spenden werde. Die Summe soll aufgeteilt werden zwischen dem Kinderkrankenhaus in Los Angeles und der American Civil Liberties Union, einer Organisation, die sich für die Bürgerrechte einsetzt.

Depp zahlte direkt an Einrichtungen

Depps Team teilte nun laut „Variety“ mit, dass er die ersten Raten der Millionensumme schon gezahlt habe. Am Ende würde jede Organisation 3,5 Millionen Dollar (ca. 3,1 Mio. Euro) erhalten. „People“ (Onlineausgabe) zufolge haben beide Einrichtungen den Eingang von Geldern bestätigt.

Die Abfindung nahm damit aber nicht den Weg über Heards Konto. Die Vertreter der Schauspielerin reagierten prompt. Heard würde es zwar begrüßen, dass Depp nun Interesse für ihre Lieblingsstiftungen zeige, aber durch die direkte Zahlung würde er sich Steuervorteile verschaffen.

Das sei nicht ausgehandelt worden, hieß es in der Mitteilung. Heard fordert nun, dass Depp die doppelte Summe, also 14 Millionen Dollar (mehr als zwölf Mio. Euro), zahlen soll, wenn er diesen Weg gehen wollte.