Ausland

Neue Untersuchung: 76 Tote bei Protesten in Nicaragua

Nach Angaben der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (CIDH) sind bei den gewalttätigen Krawallen in Nicaragua insgesamt 76 Menschen ums Leben gekommen. Zudem hätten mehr als 800 Menschen bei den Protesten gegen Präsident Daniel Ortega Verletzungen erlitten, teilte die CIDH heute in einem vorläufigen Gutachten zur Situation in dem lateinamerikanischen Land mit. Rund 438 Menschen seien während der seit mehr als einen Monat andauernden Proteste festgenommen worden.

15 Empfehlungen an die Regierung vorgelegt

In ihrem Gutachten legte die CIDH-Delegation zudem 15 Empfehlungen an die Regierung unter Ortega vor, um eine Wiederherstellung der Menschenrechte in Nicaragua zu erreichen. „Der Staat muss sofort Maßnahmen ergreifen, um eine freie und vollständige Ausübung des Rechts auf Meinungsfreiheit, der friedlichen Versammlung und politischer Teilhabe zu garantieren“, erklärte die Delegation in dem Dokument.

Unter Vermittlung der katholischen Kirche hatte vergangene Woche ein Friedensdialog zwischen Regierung und Studentenvertretern, zivilen Organisationen und Unternehmern begonnen. Ein vorläufiges Friedensabkommen am Wochenende hatte nicht gehalten. Seit mehr als einem Monat gibt es Proteste gegen Ortega und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Menschenrechtler sprachen bisher von 66 Toten, die Regierung erklärte, es seien 18 Menschen gestorben.

UNO-Untersuchung in Gaza: Israel bestellt Botschafter ein

Aus Protest gegen die Einsetzung einer Untersuchungskommission durch den UNO-Menschenrechtsrat wegen der jüngsten Gewalt an der Grenze zum Gazastreifen hat Israel heute die Botschafter Spaniens und Sloweniens einbestellt. Morgen solle auch der belgische Botschafter einbestellt werden, teilte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums mit.

Die Länder hatten am Freitag dafür gestimmt, nach der Eskalation der Gewalt bei den Protesten am Grenzzaun zu Israel eine Untersuchungskommission in den Gazastreifen zu schicken. Damit sollten alle mutmaßlichen Verletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte untersucht werden, entschied der Menschenrechtsrat.

Israel sieht einseitige Entscheidung

Israel wies die Entscheidung als einseitig zurück. Sie beweise „einmal mehr, dass es sich um eine Organisation mit einer automatischen anti-israelischen Mehrheit handelt, in der Heuchelei und Absurdität die Oberhand haben“.

Das israelische Außenministerium vertrat die Ansicht, die Ergebnisse einer solchen Untersuchung seien von vornherein bekannt. Es gehe darum, Israel daran zu hindern, sein Recht auf Selbstverteidigung auszuüben und den jüdischen Staat zu dämonisieren. Das Ministerium betonte, Israel gehe auf legale Weise gegen die Massenproteste an der Gaza-Grenze vor. Die meisten der Demonstranten seien Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Hamas, wie die Organisation selbst zugegeben habe.

Seit dem 30. März sind bei schweren Protesten an der Gaza-Grenze rund 120 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Israel macht die im Gazastreifen herrschende Hamas, die auch von EU und USA als Terrororganisation eingestuft wird, für das Blutvergießen verantwortlich.

Lebenslänglich für 104 mutmaßliche Putschisten in Türkei

Ein türkisches Gericht hat einem Pressebericht zufolge über Hundert Menschen wegen Beteiligung am gescheiterten Militärputsch vor zwei Jahren zu lebenslänglichen Gefängnisstrafen verurteilt. Von 280 Angeklagten seien heute 104 zu einer „verschärften“ lebenslangen Strafe verurteilt worden, der nach türkischem Recht schwere Strafe, berichtete die Zeitung „Hurriyet“.

21 Angeklagte seien zu 20-jährigen Haftstrafen wegen Beleidigung des Präsidenten verurteilt worden, 31 erhielten eine zehneinhalbjährige Haftstrafe wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“.

In westlichen Staaten wird befürchtet, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türkei unter dem Vorwand des Kampfes gegen Putschisten in ein autoritär regiertes Land verwandeln will. Die Regierung in Ankara spricht dagegen von notwendigen Maßnahmen angesichts der Gefahren für die nationale Sicherheit.

Pompeo kündigt „stärkste Sanktionen“ gegen Iran an

Die USA wollen nach den Worten von Außenminister Mike Pompeo einen „beispiellosen finanziellen Druck“ auf den Iran ausüben. Washington werde „die stärksten Sanktionen in der Geschichte“ verhängen, sagte Pompeo heute in einer Rede in Washington.

Verschärft Streit mit Europa

An die Adresse der Europäer gerichtet sagte Pompeo, Firmen, die „verbotene Geschäfte“ mit dem Iran machten, würden „zur Verantwortung gezogen“. Pompeo stellte die neue Iran-Strategie der US-Regierung bei einer Veranstaltung der konservativen Denkfabrik Heritage Foundation vor.

US-Präsident Donald Trump hatte am 8. Mai den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen und die Wiedereinsetzung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verkündet. Trump fordert ein neues, umfassenderes Abkommen mit Teheran. Die EU will an dem bestehenden Abkommen festhalten.

Rouhani: Iran wird Pompeos Drohungen nicht ernst nehmen

Der Präsident des Iran, Hassan Rouhani, wies die Drohungen zurück. „Ein Mann, der gestern noch im Geheimdienst arbeitete, will nun einem souveränen Staat wie dem Iran vorschreiben, war er tun soll und was nicht“, sagte Rouhani heute. So jemand könne nicht ernstgenommen werden. Die Ära dieser Art von Droh-Rhetorik sei endgültig vorbei.

„Besonders wir im Iran haben das hundertmal schon gehört und immer wieder ignoriert“, sagte Rouhani nach Angaben der Nachrichtenagentur Ilna. Auch die internationale Gemeinschaft werde nicht zulassen, dass die USA dem Rest der Welt Vorschriften mache. Pompeo hatte dem Iran angedroht, das Land wirtschaftlich auszutrocknen, sollte es nicht auf eine lange Liste von US-Forderungen zur Befriedung der Nahost-Region eingehen.

Kämpfe entlang der Frontlinie: Weitere Tote in Ostukraine

Im Osten der Ukraine haben sich gewaltsame Verstöße gegen die Waffenruhe deutlich gehäuft. Zwei ukrainische Soldaten, ein Kämpfer der prorussischen Separatisten und ein Zivilist wurden nach Angaben beider Seiten heute bei Kämpfen getötet. Damit stieg die Zahl der Toten binnen fünf Tagen auf zehn.

OSZE: „Schlimmster Woche“ in diesem Jahr

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprach von der „bisher schlimmsten Woche in diesem Jahr“. Ihre Beobachter registrierten 7.700 Verstöße gegen die Waffenruhe allein in der vergangenen Woche. Nach ukrainischen Regierungsangaben wurde zwei Soldaten bei Kämpfen rund 40 Kilometer von der Rebellenhochburg Donezk entfernt getötet. Vier weitere seien verwundet worden. Zudem sei ein Zivilist in seinem eigenen Haus in der Nähe von Donezk durch eine Kugel getötet worden.

Die Rebellen teilten mit, einer ihrer Kämpfer sei bei neu aufgeflammten Kämpfen entlang der Frontlinie getötet worden. Zudem seien vier Zivilisten in der Industriestadt Gorliwka durch Mörserbeschuss verletzt worden.

Mehr als 10.000 Tote seit 2014

Mit den neuen Kämpfen entlang der Waffenstillstandslinie in der Ostukraine ging eine Phase der relativen Ruhe zu Ende. In der Region stehen sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten gegenüber. Die im Minsker Friedensvertrag von 2015 unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs vereinbarte Waffenruhe wird immer wieder gebrochen.

In dem Konflikt sind seit 2014 nach UNO-Angaben mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Die Krise begann nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Russischsprachige Regionen im Osten der Ukraine wollten sich daraufhin von Kiew abspalten.

Syrisches Regime erklärt Damaskus für „komplett sicher“

Nach dem Abzug der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus ihrer letzten Bastion im Süden von Damaskus hat das Regime die syrische Hauptstadt für „komplett sicher“ erklärt. „Die syrische Armee verkündet heute, dass Damaskus, seine Randgebiete und die umliegenden Städte komplett sicher sind“, sagte ein Militärsprecher den staatlichen Medien heute. Erstmals seit 2012 ist damit die gesamte Region wieder unter Kontrolle der Regierung.

Beobachter berichten von IS-Abzug

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien hatte zuvor berichtet, dass in der Nacht auf heute eine zweite Gruppe IS-Kämpfer aus den Vierteln Jarmuk und Tamadun im Süden von Damaskus abgezogen sei. Schon am Sonntag hatte demnach eine erste Gruppe Dschihadisten die Stadt in Richtung einer Wüstenregion im Osten Syriens verlassen, die noch unter Kontrolle der sunnitischen Extremistengruppe steht.

Mitte April hatte das Assad-Regime bereits die Region Ostghuta nach einer zweimonatigen blutigen Offensive vollständig von den Rebellen eingenommen. Seitdem waren die Aufständischen unter dem Druck der Regierungstruppen gezwungen, weitere Städte im Umland der Hauptstadt zu räumen. Die meisten Kämpfer zogen im Zuge von Vereinbarungen mit der Regierung mit ihren Angehörigen in die letzten Rebellengebiete in Nordsyrien ab.

USA kündigen Sanktionen gegen Venezuela an

Die USA wollen mit Sanktionen auf den umstrittenen Wahlsieg von Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro reagieren. Washington werde „rasche wirtschaftliche und diplomatische Maßnahmen ergreifen, um die Wiederherstellung der Demokratie zu unterstützen“, erklärte US-Außenminister Mike Pompeo heute.

Maduros Regierung werde so lange international isoliert bleiben, bis sie „frei, faire und transparente Wahlen“ zulasse, fügte Pompeo hinzu.

Maduro wiedergewählt - wenige stimmten ab

Maduro war bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl heute im Amt bestätigt worden. Nach Angaben des Wahlrats kam er auf knapp 68 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag jedoch bei unter 50 Prozent. Maduros Herausforderer erklärten die Abstimmung für ungültig und verlangten Neuwahlen. Das wichtigste Oppositionsbündnis hatte den Urnengang boykottiert.

Mehr dazu in Herausforderer Falcon fordert Neuwahl

Inland

ÖVP und FPÖ bei SV-Reform einig

Die Regierungsparteien haben sich intern auf die umstrittene Reform der Sozialversicherung geeinigt - allerdings nicht auf einen Gesetzestext, sondern eine Punktation, also die Zusammenfassung der vereinbarten Eckpunkte.

Das Gesetz soll bis Herbst folgen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) werden morgen Vormittag in einer Pressekonferenz die Punktation präsentieren.

Weniger Macht für Arbeitnehmer

Am Wochenende waren bereits einige Eckpunkte der Reform bekanntgeworden. Demnach sollen die neun Gebietskrankenkassen für Arbeitnehmer und Pensionisten in eine „Österreichische Gesundheitskasse“ fusionieren, die neun Landesstellen unterhält.

Der derzeit bestimmende Einfluss der Gewerkschaften in den Kassen dürfte beschnitten, die Macht der Wirtschaftsvertreter ausgebaut werden. Auch die Sozialversicherungen der Bauern und Unternehmer sowie der Beamten und Eisenbahner sollen fusionieren.

ÖVP auf Platz eins: Parteien heuer mit 200 Mio. gefördert

Österreichs Parteienförderung zählt im internationalen Vergleich zu den üppigsten. Auf Landes- und auf Bundesebene können die heimischen Parteien auf öffentliche Mittel zurückgreifen. Für heuer ergibt das Förderungen von rund 200 Mio. Euro, wie der Politikwissenschaftler Hubert Sickinger errechnet hat.

Am meisten Geld erhält dabei die ÖVP, die sowohl im Bund als auch in den meisten Bundesländern zurzeit die stärkste Kraft stellt. Überhaupt ist ein gutes Standing in den Ländern oftmals mehr wert als das Bundesergebnis, wie die Zahlen der Grünen zeigen.

Mehr dazu in Mehr als 30 Euro pro Bürgerin und Bürger

Pflegeregress: Widersprüche bei „alternativen Wohnformen“

Die Bund-Länder-Einigung bei der Pflegefinanzierung hat noch ein länderinternes Nachspiel. Der Chef des Fonds Soziales Wien (FSW), Peter Hacker, hat Aussagen von Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zurückgewiesen, wonach der Bund keine Kosten für „alternative Wohnformen“ abgelten wird. Das gelte zwar für Vorarlberg, nicht aber für Wien, sagte Hacker heute.

Grundsätzlich haben Bund und Länder am Freitag vereinbart, dass die Länder heuer 340 Mio. Euro Kostenersatz bekommen, weil der Bund im Vorjahr die Abschaffung des Pflegeregresses beschlossen hat. Das ist deutlich mehr als die vom Bund angebotenen 100 Mio. Euro und etwas weniger von den Ländern ursprünglich gefordert (470 Mio. Euro).

Wien sieht keinen Irrtum

Wallner erklärte letztere Differenz am Freitag damit, dass manche Länder in ihre Kostenschätzung irrtümlich neben der stationären Pflege und der Behindertenhilfe auch die Zusatzkosten in alternativen Wohnformen einberechnet hätten.

Im Fall Wiens handelt es sich dabei allerdings um keinen Irrtum, wie Hacker nun feststellt - und zwar als FSW-Chef und nicht als designierter Sozialstadtrat, wie er betonte. „Alternative Wohnformen sind natürlich keine Hippie-Wohngemeinschaften, sondern zum Beispiel das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser“, so Hacker.

Diese seien selbstverständlich auch von der Abschaffung des Pflegeregresses betroffen. Der FSW-Chef geht daher davon aus, dass die entsprechenden Mehrkosten vom Bund ebenfalls abgegolten werden. Zumal der Beschluss vom Freitag keine Unterscheidung zwischen alternativen Wohnformen und stationärer Pflege mache.

340 Mio. für Hacker nur Richtwert

Außerdem sieht Hacker die vereinbarten 340 Mio. Euro nicht als absoluten Höchstbetrag, sondern als Richtwert. Entscheidend sei nämlich, „dass die tatsächlichen Kosten nachzuweisen sind und nur die tatsächlich nachgewiesenen Kosten abgegolten werden können“.

FPÖ bleibt laut Strache EU-kritisch

Die Freiheitlichen bleiben auch in Regierungsverantwortung und in der Koalition mit der ÖVP bei ihrer EU-kritischen Position. Das erklärte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor seinem ersten Brüssel-Besuch als Vizekanzler. „Wir bekennen uns als österreichische Patrioten zum europäischen Friedensprojekt. Zugleich werden wir weiter Kritik an Fehlentwicklungen in der EU üben“, sagte Strache gegenüber der Austria Presseagentur.

Der FPÖ-Obmann nimmt am Mittwoch in Brüssel am EU-Rat „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ teil. Durch den Regierungseintritt seiner Partei sieht Strache aber keinen Kurswechsel in der freiheitlichen EU-Politik. „Es gibt keinen Unterschied zu vorher“, so der Vizekanzler. Man arbeite auf europäischer Ebene weiterhin mit den Partnerparteien der ENF zusammen.

ENF steht für Europa der Nationen und der Freiheit. Der rechtspopulistischen und EU-kritischen Europaparlamentsfraktion gehören neben der FPÖ deklarierte EU-Gegner wie der französische vormals Front National oder die italienische Lega an.

Bei der EU-Wahl in einem Jahr (23. bis 26. Mai) hofft Strache auf Zuwächse für die freiheitliche Positionen und die der Partnerparteien. Rund um die Wahl erwartet Strache eine Auseinandersetzung zwischen Zentralisten und Föderalisten um die künftige Ausrichtung der EU. „Genau das ist in Wahrheit die Diskussion. Dieser Wettstreit findet statt. Wir sind dabei ganz klar positioniert. Wir stehen für ein föderales Europa der Vaterländer und lehnen zentralistische Entwicklungen ab.“

Unter Österreichs EU-Vorsitz werde man darüber hinaus das Thema Sicherheit und Außengrenzschutz in den Mittelpunkt der Debatte stellen. Die EU habe in der Flüchtlingskrise beim Schengen-Grenzsystem versagt.

Konfrontation mit USA „sensible Geschichte“

Einmal mehr sprach sich der FPÖ-Chef für einen endgültigen Stopp der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei aus. Ein starkes Europa müsse darüber hinaus auch „einen Ausgleich mit Russland finden“, plädierte Strache für ein Ende der Russland-Sanktionen.

Die derzeitige Konfrontation mit den USA wegen des Iran-Atomabkommens und des Handelsstreits um Strafzölle findet Strache, der die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten 2016 begrüßte, „sehr heikel - eine sensible Geschichte“. In Sachen Atomabkommen gebe es einen auch von den USA abgeschlossenen Vertrag. „Da muss man sich auch auf die Einhaltung verlassen können. Eine einseitige Aufkündigung ist da nicht dienlich.“

Wirtschaft

DSGVO: Endspurt zum neuen EU-Datenschutz

Die Verordnung ist sperrig, dank Skandalen brandaktuell und vor allem bei Unternehmern in aller Munde: die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO). Mit strengen Regeln und drakonischen Strafen soll sie zur Waffe gegen datenhungrige Großkonzerne auch außerhalb der EU werden. An die komplexe Richtlinie halten muss sich jeder, der personenbezogene Daten verarbeitet. Die dazu notwendige Entwirrung von „Datenknäueln“ hat vielen Unternehmen in letzter Zeit einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Ab Freitag wird die EU-DSGVO nun tatsächlich durchgesetzt - in einer österreichischen Variante.

Mehr dazu in Neues Datenschutzrecht vor der Tür

Russland und Indien wollen Freihandelszone

Russland will den langjährigen Partner Indien in den Freihandel der von Moskau dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion aufnehmen. Die Verhandlungen darüber sollen im Herbst beginnen. Das teilte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen von Präsident Wladimir Putin mit dem indischen Regierungschef Narendra Modi heute in Sotschi mit.

Außerdem sei es bei der Begegnung um mögliche Waffenlieferungen an Indien gegangen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, ohne Einzelheiten zu nennen.

Indien hat als führendes Land der blockfreien Bewegung früher enge Kontakte zur Sowjetunion unterhalten. Es ist weiterhin ein guter Kunde für russische Rüstung, auch wenn die USA als Lieferant aufgeholt haben. Der Eurasischen Wirtschaftsunion gehören Russland, Weißrussland, Armenien, Kasachstan und Kirgistan an. Die Union hat bereits Freihandel mit Ägypten und Vietnam vereinbart.

Preisverfall für Rosenblätter bedroht bulgarische Bauern

In Bulgarien fürchten Landwirte wegen des stark gesunkenen Verkaufspreises von Rosenblättern um ihre Existenz. In den vergangenen Jahren habe ein Kilo Rosenblätter bis zu sechs Lew (drei Euro) eingebracht, in diesem Jahr liege der Preis bei nur noch 1,30 Lew, sagte der bulgarische Landwirtschaftsminister Rumen Poroschanow heute dem Fernsehsender BNT. Grund für den Preisverfall sei eine außergewöhnlich gute Ernte.

In Bulgarien - einem der weltweit wichtigsten Produzenten von Rosenöl - sollten in diesem Jahr 16.000 Tonnen Rosenblätter geerntet werden, sagte Poroschanow. Das bedeute einen Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, unter anderem wegen des warmen Wetters. Der Ernteüberschuss übersteige die Annahmekapazitäten der Destillerien.

Staatliche Unterstützung in Aussicht gestellt

Am Samstag protestierte eine Gruppe von Erzeugern in der Stadt Kasanlak im Zentrum des bulgarischen Rosentals gegen den Preisabsturz. Sie streuten die rosafarbenen Blüten auf die Straßen. Landwirtschaftsminister Poroschanow stellte staatliche Unterstützung in Aussicht. Darüber hinaus kritisierte er, dass einige Exporteure bulgarisches Rosenöl mit Rosenöl aus der Türkei und dem Iran vermischten.

Sport

Bundesliga: Filmreifer Abschied von Hofmann

Besser hätte das 540. und letzte Pflichtspiel von Steffen Hofmann für Rapid gestern nicht laufen können: Der von den Fans das ganze Spiel über geforderte „Fußballgott“ betrat in der 66. Minute den grünen Rasen und schoss nur sieben Minuten später das Tor zum 4:1-Endstand gegen Altach. Kein Wunder, dass der 37-Jährige von einem „unbeschreiblichen Tag“ sprach. Rapid muss sich allerdings auf schwere Zeiten einstellen, ist Hofmann doch nicht der einzige namhafte Abgang.

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Bundesliga: Austrias spielerische Bankrotterklärung

17 Niederlagen in einer Bundesliga-Saison und 55 Gegentore - mit der Pleite gegen das abgeschlagene Ligaschlusslicht St. Pölten hat die Austria einen historischen Tiefpunkt erreicht. Als Vizemeister in die Saison und die Jagd auf Salzburg gestartet, liegen die Träume nun in Trümmern. „Wenn man einmal drinnen ist in der Gasse, dann kommt man schwer raus“, so Coach Thomas Letsch, der bis Saisonende 2020 weitermachen darf. Im Spielerkader der Austria dürfte es aber einen radikalen Schnitt geben.

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Eishockey-WM: „Irgendwann“ wird Schweiz Weltmeister

Die Schweiz ist das Überraschungsteam der WM in Kopenhagen gewesen. In der Gruppenphase hatten die Eidgenossen Österreich erst in der Verlängerung bezwungen, gestern schrammten sie mit einer 2:3-Niederlage nach Penaltyschießen im Finale gegen Schweden nur knapp am erstmaligen Gewinn der Goldmedaille vorbei. „Ich habe immer gesagt, dass die Schweiz irgendwann Weltmeister wird“, verkündete Trainer Patrick Fischer kämpferisch.

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Chronik

D: Zehn Familien wegen Schulschwänzens angezeigt

Wegen des Schwänzens der Schule hat die Polizei im schwäbischen Memmingen zehn Eltern schulpflichtiger Kinder bei den zuständigen Landratsämtern angezeigt. Die Familien seien am Donnerstag und Freitag noch vor dem Beginn der bayerischen Pfingstferien am Allgäu Airport bei der Ausreise überprüft worden und konnten keine Schulbefreiung vorweisen, teilte die Polizei mit. Die Kinder fehlten damit unentschuldigt beim Unterricht.

Den betroffenen Familien droht nun ein Bußgeld. Die Polizei appellierte an Eltern, ihre Kinder nicht ohne Schulbefreiung vor den Ferien aus der Schule zu nehmen, um so eventuell günstigere Flüge zu ergattern.

In Österreich wollen ÖVP und FPÖ schärfer gegen Schulschwänzen vorgehen und unter anderem das Bußgeld für mehrtägiges Nichterscheinen auf mindestens 110 Euro erhöhen.

Kultur

Madonna-Produzent Reggie Lucas gestorben

Der Gitarrist und Produzent Reggie Lucas, der unter anderem mit Miles Davis spielte und mit Madonna arbeitete, ist tot. Lucas sei bereits am Samstag im Alter von 65 Jahren in einem Krankenhaus in New York an Herzversagen gestorben, berichtete die „New York Times“ heute unter Berufung auf seine Tochter. Die für die Verleihung der Grammys zuständige Recording Academy bestätigte Lucas’ Tod.

Gitarrist spielte auch mit Miles Davis

Bereits als Teenager spielte der 1953 im New Yorker Stadtviertel Queens geborene Musiker Gitarre in der Band von Jazz-Legende Miles Davis. Anfang der 80er Jahre produzierte er das vielfach preisgekrönte Debut-Album von Madonna. Außerdem arbeitete der Grammy-Gewinner als Solo-Musiker und mit vielen anderen Künstlern und Bands zusammen. Lucas war verheiratet und hatte eine Tochter und einen Sohn.

Gesundheit

Medien

Obamas mit Netflix über Produktionen einig

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle haben mit dem Videostreamingdienst Netflix eine umfangreiche Kooperation abgeschlossen. Sie umfasst die Produktion von Filmen, Serien und Dokumentationen, teilte Netflix heute in Hollywood mit. Über das finanzielle Volumen der Zusammenarbeit wurde nichts bekannt.

Über das Vorhaben war bereits seit längerem spekuliert worden. Die „New York Times“ hatte im März zuerst darüber berichtet. Darin hatte es geheißen, maßgebliche Themen der Produktionen könnten die Felder sein, die Obama auch als Präsident am Herzen gelegen hätten. Dazu gehörten etwa die Gesundheitspolitik, das Thema Einwanderung oder das Wahlrecht.

Produktionsfirma gegründet

Die Zeitung hatte Obama so zitiert, dass die weltweite Plattform nicht für eine Auseinandersetzung mit seinem Nachfolger Donald Trump oder für Tagespolitik genutzt werden solle. Die Obamas gründeten für die Kooperation eine Produktionsfirma mit dem Namen Higher Ground. Das lässt sich mit „Eine höhere Ebene“ übersetzen. Es kann auch auf die Präsidentschaft Trumps gemünzt gelesen werden.

Barack Obama erklärte in einer Stellungnahme, er hoffe sehr darauf, mit Michelle die vielen talentierten, kreativen und inspirierenden Stimmen fördern zu können, die ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Menschen unterstützten. „Wir wollen ihnen helfen, ihre Geschichten mit der ganzen Welt zu teilen.“

„Immer an Macht des Geschichtenerzählens geglaubt“

Michelle Obama erklärte: „Barack und ich haben immer an die Macht des Geschichtenerzählens geglaubt - um uns zu inspirieren und unser Denken über die Welt zu verändern.“

Die Obamas haben sich nach ihrem Abschied aus dem Weißen Haus öffentlich sehr zurückgehalten. Sie leben zwar weiterhin in der Hauptstadt Washington, sind dort aber kaum zu sehen. Barack Obamas Präsidentschaft wurde von Bildern und Sozialen Medien stark geprägt, er wusste beides auch seinerseits sehr zu nutzen.

Netflix ist mit etwa 125 Millionen Abonnenten (1. Quartal 2018) der größte Videostreamingdienst der Welt. Er bietet unter anderem erfolgreiche Serien wie „House of Cards“, „Orange is the new black“, „Narcos“, „Stranger Things“ oder „The Crown“ an.

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