Roland Düringer von "GILT" auf der ORF.at Wahlcouch

ORF.at/Dominique Hammer

Düringer: Nur „Botschafter“ der Bürger

„Das Wichtige“ bei Gilt: dass „die Bürger“ entscheiden und nicht die, die im Parlament sitzen - das seien nur „die Botschafter“. So skizziert Kabarettist Roland Düringer sein Parteiprojekt auf der ORF.at-Wahlcouch. Die Abgeordneten „sind die Postboten“, den Brief verfassten aber „die Bürger". Kabarett und Politik haben für Düringer „eigentlich nichts“ miteinander zu tun. Ihm sei es mit der Politik aber „durchaus ernst“.

Wofür steht Gilt, wie stellen sich Düringer und seien Mitstreiterinnen und Mitstreiter Demokratie vor - und wie funktioniert das in der Praxis? Darum drehten sich viele Fragen der Leserinnen und Leser, die bei ORF.at eingingen. Da der Einsendeschluss für alle Fragen an die Kandidatinnen und Kandidaten noch vor dem ersten Interview am 22. September lag, spielten die Dirty-Campaigning-Vorwürfe an die SPÖ keine Rolle. Immer wieder fand sich die Nachfrage nach Düringers persönlicher Motivation.

Roland Düringer von "GILT" auf der ORF.at Wahlcouch

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Eine Politik ohne „Parteienkonstruktionen“: Düringer auf der ORF.at-Wahlcouch zu seinen Zielen

Alle Antworten im Wortlaut

Alle Antworten im Wortlaut sind im Transkript von Düringer auf der Wahlcouch nachzulesen.

„Es wird so sein, dass der Herr Düringer gar kein Anliegen im Parlament vorbringen wird, weil der Herr Düringer nicht ins Parlament gehen möchte“, sagt der Kabarettist und Parteigründer. „Das einzige Anliegen“ hinter Gilt sei, „das zarte Pflänzchen Demokratie zu pflegen, gedeihen und wachsen zu lassen. Wir wollen schauen, dass sich die Menschen in diesem Land wieder in das Selbstverständnis des Staates zurückholen können“, sagt Düringer. Das Ziel sei, das Land ohne „Parteienkonstruktionen“ zu gestalten.

Bürgerparlament hat „nicht der Düringer erfunden“

Funktionieren soll das laut Düringer mit „Bürgerparlamenten“. Die Idee „ist nicht etwas, das der Düringer erfunden hat. Das gibt es bereits“, sagt der Gilt-Gründer und verweist auf Modelle in Australien oder Irland. Durch Onlinetools lasse sich die Bevölkerung zu bestimmten Sachthemen befragen. Und „jeder, der bei einem Thema eine gewisse Kompetenz hat“, könne sich in den insgesamt sechswöchigen Entscheidungsprozess einbringen. Das Ergebnis „könnte dann von Abgeordneten, in dem Fall Gilt-Abgeordneten, an die Regierenden weitergeleitet werden“, so Düringers Vorstellung.

Dass die Gilt-Abgeordneten sich tatsächlich nach den Entscheidungen des Bürgerparlaments richteten, könne man allerdings nicht garantieren, gesteht Düringer ein. Das freie Mandat sei in der Verfassung verankert, daher „haben wir keine Kontrolle über die Abgeordneten. Das Einzige, was es gibt, ist ein Versprechen.“

Die bisherigen Interviews

Die bisherigen Interviews auf der ORF.at-Wahlcouch zum Nachschauen und -lesen.

Der Parteigründer vertraut darauf, dass jemand, der die Entscheidungen nicht mittragen könne, sein Mandat abgeben werde. „Das Wichtige, was es zu verstehen gilt, ist, - bei Gilt - dass eben nicht die, die drinnen sitzen, entscheidend sind. Das sind nur Botschafter. Das sind die Postboten. Der, der den Brief verfasst, ist jemand anderer. Das sind die Bürger“, so der Parteigründer.

„Der Herr Düringer möchte nicht ins Parlament gehen“

Düringer sieht sich selbst auch in Zukunft nicht als Parlamentarier.

„Inhalte müssen von den Menschen kommen“

Düringer auf die Frage, was bei Gilt „anders“ sei.

Form der offenen Demokratie

Der Gilt-Gründer erklärt, wie Bürgerparlamente funktionieren sollen.

Gesellschaft in „Übergansphase“

Niemand kann dir einen Arbeitsplatz garantieren, sagt Düringer auf die entsprechende Frage eines jugendlichen Lesers. Er sieht die Gesellschaft in einer „Übergangsphase“. Niemand wisse, was durch die Digitalisierung passieren werde. „Ich kann nichts für dich tun. Das Einzige, was du tun kannst mit deinen 17 Jahren, dich einzubringen, deine Wünsche, deine Bedürfnisse in Bürgerparlamenten kundzutun.“

Roland Düringer von "GILT" auf der ORF.at Wahlcouch

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Sich einzubringen, lautet Düringers Rat an die Bürgerinnen und Bürger

Umweltschutz steht laut Düringer zurzeit nicht auf der Agenda von Gilt. Er selbst sei aber ein sehr naturverbundener Mensch. Und wenn man ihn persönlich frage, dann gehe es „rein um eine Bewusstseinsbildung. Es geht darum, dass sich jeder, der auf diesem Planeten lebt, sich als Teil eines großen Ganzen versteht, als Teil der Natur“, sagt der Gilt-Gründer. „Das ist aber meine persönliche Ansicht und das entspricht sicher nicht der Meinung der Mehrheit der Bevölkerung.“

„Gibt nur ein Versprechen“

Düringer auf die Frage, wie sich garantieren lasse, dass die Gilt-Abgeordneten den Entscheidungen der Bürgerparlamente folgen.

„Ich kann nichts für dich tun“

Das Einzige, was du tun kannst mit deinen 17 Jahren, dich einzubringen, deine Wünsche, deine Bedürfnisse in Bürgerparlamenten kundzutun", rät Düringer einem jugendlichen Leser.

„Naturnaher Mensch“

Gilt beschäftige sich nicht mit Umweltschutz, so Düringer auf eine entsprechende Nachfrage. Der Parteigründer hat aber eine persönliche Meinung.

Angst vor der direkten Demokratie

Beppe Grillo, Gründer der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien, ist für Düringer kein Vorbild. Der Unterschied sei, dass Grillo oder auch der Isländer Jon Gnarr „jeweils eine Agenda mitgebracht haben, das heißt ein gewisses Weltbild. Gerade bei Grillo ist es gegen Banken, gegen Konzerne, alle sind Arschlöcher etc., etc.“, fällt Düringer ein eher kritisches Urteil über den Italiener. Er selbst bringe keine Agenda mit, sondern mache nur ein Angebot, „an dem sich andere beteiligen können“.

Nicht sehr viele Überschneidungen sieht Düringer auch mit den ebenfalls bei der Wahl antretenden Weißen. „Der Ansatz ist ein total unterschiedlicher“, sagt der Parteigründer. „Soweit ich es verstanden habe, geht es bei den Weißen um mehr direkte Demokratie, das heißt Volksabstimmungen.“ Solange die Menschen ihre Information aus Gratiszeitungen „beziehen, wo sie manipulierbar sind, möchte ich keine direkte Demokratie, sagt der Gilt-Gründer. "Da habe ich sogar Angst davor.“

Vom Kunst- zum Demokratieprojekt

Nachdem „das Projekt Gilt bundesweit am Wahlzettel steht“, sei es ihm – „wenn man so will“ – durchaus ernst mit der Politik, sagt Düringer. Die Unterstützungserklärungen aus der Bevölkerung hätten aus einem „Kunstprojekt“ ein „Demokratieprojekt“ gemacht. Wobei es nicht heiße, dass ein Kunstprojekt „immer nur Spaß“ sei, fügt Düringer hinzu.

„Mir ist es sehr, sehr ernst, dass ich glaube, dass unsere Gesellschaft in einem unglaublichen Wandlungsprozess ist“, so der Gilt-Gründer. Der werde schneller vollzogen, als die Gesellschaft oder „die Parteien mit ihren Strukturen das bewältigen könnten. Das heißt, wir müssen jetzt Strukturen aufbauen, die das irgendwann einmal auffangen.“

Roland Düringer von "GILT" auf der ORF.at Wahlcouch

ORF.at/Dominique Hammer

Als „Hofnarr“, der „deutlicher“ als Politiker sprechen kann, sieht sich Düringer

Kabarett und Politik haben für Düringer „eigentlich nichts“ miteinander zu tun. „Genauso wie der Fliesenleger mit dem Tischler wenig gemein hat, außer dass sie vielleicht an einem gemeinsamen Projekt arbeiten“. Künstler, „oder in dem Fall Kabarettisten“, nehmen laut Düringer aber sehr wohl an der Gestaltung der Gesellschaft teil. Es sei „sehr wichtig, dass es diese Hofnarren gibt, so wie mich oder andere. Denn der Hofnarr hat immer die Möglichkeit, deutlicher und in einer einfacheren Sprache zu sprechen, als es vielleicht die Politik hat.“

„Keine Agenda“

Zwischen sich und Beppe Grillo sieht Düringer nur wenige Parallelen.==

„Rücktrittsrede halten“

Düringer zu seiner ersten Amtshandlung als Kanzler - zumindest auf der Bühne.

„Wie Fliesenleger und Tischler“

Der Kabarettist und Parteigründer zu den Gemeinsamkeiten von Kabarett und Politik.

Ansatz total unterschiedlich

Düringer auf die Frage nach Gemeinsamkeiten mit den Weißen.

Martin Steinmüller-Schwarz (Text), Thomas Hangweyrer, Carina Kainz (Video), Dominique Hammer (Fotos), alle ORF.at

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