Hand über Nachbau des Kanzleramts aus Zuckerguss

ORF.at/Dominique Hammer

Die Gretchenfrage zur Nationalratswahl

Zehn Fragen der Leserinnen und Leser hat jede Kandidatin und jeder Kandidat auf der ORF.at-Wahlcouch beantwortet. Am Ende gab es für alle noch dieselbe Bonusfrage: Was macht eine gute Regierung aus? Zehn Antworten auf die Gretchenfrage der Wahl:

Ob der zuckrige Ballhausplatz 2 „en miniature“ zur Inspiration getaugt hat? Gilt Regieren doch gemeinhin nicht als Zuckerschlecken. Zumindest SPÖ-Obmann Christian Kern kennt das echte Gebäude nach eineinhalb Jahren Kanzlerschaft ohnehin recht gut. Die eigene Regierung als Referenz für eine gute zu nennen - so weit geht der Kanzler aber nicht. Dafür fordert er von einer solchen Verständnis ein: für Veränderungen und deren Umsetzung.

Verändern will ebenso ÖVP-Obmann Sebastian Kurz. Und auch er kennt das Gebäude am Ballhausplatz 2 gut. Die vergangenen sechs Jahre ist er zumindest in Sichtweite gesessen - zuerst als Integrationsstaatssekretär, dann als Außenminister. Lob für die aktuelle Regierung gibt es von ihm dennoch keines. Bei der Forderung, dass eine gute Regierung „den Stillstand, den es gegeben hat, endlich beenden“ muss, wird es mit Lob eben schwierig.

„Weniger Pressekonferenzen, mehr Action“

Kern warnt vor „bunten Plakaten, Luftballons und schrillen Sprüchen“.

„Mehr als nur Minimalkompromisse“

Steuern reduzieren, Sozialsysteme strenger machen und Zuwanderung reduzieren - das sind laut Kurz zurzeit die Aufgaben einer guten Regierung.

„Probleme erkennen“

Die Fähigkeit zur Problemerkennung spricht Strache der bisherigen Regierung ab.

Die Oppositionspolitikerinnen und -politiker haben es da schon leichter. Die bisherige Regierung als Negativ-Blaupause verwenden - und darauf ihre Ideen skizzieren -, das funktioniert ohne große Verrenkungen: „Tauschen wir die rot-schwarze Regierung aus, bevor sie die eigene Bevölkerung gänzlich ausgetauscht hat“, sagt Strache - nachdem er eineinhalb Minuten dargelegt hat, wo die bisherige Regierung seiner Meinung nach überall versagt habe.

Den „Streit, den wir jetzt in der Regierung gesehen haben, in den letzten Jahren“, den wolle auch sie nicht mehr, sagt die Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek. Stattdessen solle es „Lösungen für die Bevölkerung“ geben - „österreichische Lösungen, europäische Lösungen, das brauchen wir von einer Regierung“.

Man kann natürlich noch einen Schritt weiter gehen und gleich das ganze System an den Pranger stellen - zum Beispiel wenn man Matthias Strolz heißt. Der NEOS-Parteichef geißelt die „alteingefahrenen Kräfte und Parteien in Österreich“, bei denen „vor allem die Perspektive der Funktionäre zählt“. Also folgert Strolz: Eine gute Regierung hat dagegen „dafür zu sorgen, dass die Chancen der Menschen wachsen“.

Die Pauschalkritik beherrscht auch Peter Pilz. Eine gute Regierung lasse sich ganz einfach beschreiben: „Sie muss das genaue Gegenteil der letzten Regierung sein“, sagt der Parteigründer. Und wie ein gutes Parlament müsse sie das „Vertrauen der Menschen“ zurückgewinnen.

„Fahrplan“ zu Lösungen

Eine Regierung soll ihre Vorhaben Punkt für Punkt abarbeiten, sagt Lunacek.

„Mehr von unserem Angebot“

Strolz will mehr NEOS-Ideen in der Regierung sehen - „egal ob wir drin sind oder nicht“.

„Das genaue Gegenteil der letzten Regierung“

Pilz weiß, wie eine Regierung nicht sein soll.

Apropos Systemkritik: KPÖ-Plus-Spitzenkandidat Mirko Messner kann gegen das aktuelle politische und wirtschaftliche System weit ausholen. Die Antwort auf die Frage nach einer guten Regierung fällt aber knapp aus: „Eine gute Regierung ist eine Regierung, die im Interesse der vielen und nicht der wenigen arbeitet.“

Da kommt es dann doch stark auf die Deutung an. Denn auch für die ehemalige FPÖ-Politikerin und jetzige Spitzenkandidatin der Freien Liste Österreich, Barabara Rosenkranz, ist das „wichtigste Kriterium“ einer guten Regierung, „ob sie sich auf das allgemeine Wohl konzentriert“. Isabella Heydarfadai von den Weißen will ebenso eine Regierung, „die dem Wohl des Volkes dient und zum Wohl des Volkes da ist.“

Und Roland Düringer? Für ihn wäre das schönste, „wenn die Regierung beliebig ist“ - nämlich eine per Los bestimmte. „Sprich dass jeder, der in diesem Land auf die Welt kommt, eines Tages Regierender sein kann“.

„Interesse der vielen“

Messners gute Regierung trägt utilitaristische Züge.

„Wichtige Zukunftsthemen“

Für Rosenkranz entscheidet sich die Zukunft am Widerstand gegen einen europäischen „Zentralstaat“ und eine „regellose Einwanderungspolitik“.

„Auch das Herz dazu einschalten“

Heydarfadai möchte, dass eine Regierung „nicht nur mit dem Kopf“ arbeitet.

„Beliebige Regierung“

Bürger als zugleich Regierte und Regierende, so schaut für Düringer „die ideale Welt“ aus.

Martin Steinmüller-Schwarz (Text), Michael Baldauf, Thomas Hangweyrer, Carina Kainz (Video), alle ORF.at