In Salzburg kocht die Gerüchteküche
Ben Becker will nicht mehr der Tod sein, wie er im Interview mit wien.ORF.at sagte, Birgit Minichmayr hat laut eigenen Aussagen mit dem Loslassen an sich keine Probleme, und Nicolas Ofczarek würde zwar weiterhin gerne bei den Festspielen auftreten, aber auch für ihn ist es „ein gewöhnlicher Vorgang beim Theater, dass man die Rolle dann nicht mehr spielt“. Egal - denn unabhängig von den Wünschen der Schauspieler war für Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf schon vor Beginn der heurigen Saison klar, dass 2013 eine neue Inszenierung des Traditionsstücks erarbeitet werden soll, „dann natürlich auch mit neuer Besetzung“.
Die offizielle Bekanntgabe, wer für die neue Inszenierung des „Jedermann“ verantwortlich zeichnen soll und in welcher Besetzung das Spiel auf dem Domplatz über die Bühne gehen wird, ist für den 7. November geplant. Doch eine Festspielstadt ist bekannterweise ein Dorf und so machen die Gerüchte über mögliche Besetzungen und Regisseure längst die Runde.

Bernd Uhlig
August Diehl soll der neue „Jedermann“ sein. Pauline Knof, seine Partnerin aus „Prinz von Homburg“ könnte, Spekulationen zu Folge, als „Buhlschaft“ zu sehen sein
Heiteres Regisseur- und Schauspieler-Raten
Bechtolf steht dementsprechend derzeit unter permanenter Bewachung durch neugierige „Jedermann“-Rater. Mit wem ist der Schauspielchef in der Öffentlichkeit zu sehen? Sind die Gespräche mit Schauspielern im Kaffeehaus womöglich Vertragsverhandlungen? Sitzt Martin Wuttke zufällig und privat im Cafe Bazar oder hat es mit seinen Sommerplänen für 2013 zu tun?
Ganz sicher war sich Mitte der Woche der „Kurier“: „Qualifizierten Gerüchten aus dem innersten Festspielkreis zufolge soll es sich beim neuen Jedermann um den deutschen Film- und Bühnenstar August Diehl handeln“, war dort am Mittwoch zu lesen. Diehl, der heuer in Andrea Breths Inszenierung von Heinrich von Kleists „Prinz von Homburg“ zu sehen war, will davon aber nichts wissen, berichtet das Nachrichtenmagazin „News“ in seiner aktuellen Ausgabe: „Diese Meldung entbehrt jeder Grundlage. Mit mir hat darüber keiner gesprochen, ich hätte auch keine Zeit. Mein Terminkalender ist jetzt schon gut gefüllt.“

dapd/Patrick Sinkel
Auch der deutsche Schauspieler Sebastian Koch (hier 2011 bei der Verleihung des deutschen Filmpreises Lola) könnte den Jedermann spielen
„News“ wirft dafür einen anderen Namen in den Topf der möglichen Jedermänner: Der 50-jährige Sebastian Koch, in den letzten Jahren eher in Film- und Fernsehproduktionen denn am Theater beheimatet (2013 auch an der Seite von Bruce Willis in „Stirb Langsam 5“ zu sehen), könnte in die Fußstapfen von Curd Jürgens, Maximilian Schell und Co. treten.
Wokalek oder Hobmeier als Buhlschaft?
Einen Tag später legte der „Kurier“ nach und gab an (ebenfalls „qualifizierten Gerüchten zufolge“), dass als Birgit Minichmayrs Buhlschaft-Nachfolge nur mehr Johanna Wokalek und Brigitte Hobmeier im Rennen seien. Damit wären andere Namen aus dem Rennen, die man in der Festspielstadt in den letzten Tagen gerne mit der Rolle als „Jedermann“-Geliebter in Verbindung gebracht hat. Etwa jener von Pauline Knof, die in „Prinz von Homburg“ an der Seite Diehls zu sehen war.

APA/Neumayr/Susi Berger
Die deutsche Schauspielerin Brigitte Hobmeier ist ab Donnerstag in „Meine Bienen. Eine Schneise“ zu sehen und gilt als heiße Kandidatin für die Minichmayr-Nachfolge
Ein englischer „Jedermann“?
Der erste Regisseur, der im Gespräch für die Neuinszenierung war, war Bechtolf selbst. Mittlerweile gibt es aber auch dazu andere Gerüchte. Wie die „Salzburger Nachrichten“ („SN“) wissen wollen, soll die Produktion international werden und in die Hände von Julian Crouch und Brian Mertes gelegt werden, die durch ihre Arbeit mit den Tiger Lillies bekannt wurden. Auch das wollen die Festspiele „weder bestätigen noch dementieren“.
Hinweis
Christian Stückls „Jedermann“-Inszenierung ist noch am 24., 26., 28. und 30. August bei den Salzburger Festspielen zu sehen.
Klar ist: Die Latte liegt sehr hoch für Stückls Nachfolger. Die seit 2002 in wechselnder Besetzung gezeigte und durch den Regisseur immer wieder überarbeitete Inszenierung gilt als eine der erfolgreichsten „Jedermann“-Produktionen in der Festspielgeschichte.
Sophia Felbermair, ORF.at
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Publiziert am 23.08.2012


