Landkauf in Afrika: Brisanter Bericht
Seit Monaten soll der Weltbankbericht zu den Folgen des „Land-Grabbing“ bereits vorliegen. Die Institution bestätigte einen Präsentationstermin im August. Einer der beteiligten Wissenschaftler packte nun vorzeitig aus und leitete den Rohbericht an die „Financial Times“ weiter. Er wolle verhindern, dass die Inhalte mitten in der Ferienzeit publiziert werden und so weniger Wellen schlagen. Denn die Ergebnisse zeichnen ein negatives Bild der Folgen der Landkäufe durch Chinesen, arabische Golf- und andere asiatische Staaten.
Die Weltbank berichtet von noch ausstehenden Detailarbeiten vor der Präsentation. Laut „Presse“ soll der Bericht aber längst fertig sein, nur politischer Druck verzögere die Veröffentlichung. Denn die Weltbank selbst stand eher auf der Seite der Befürworter von Investitionen in Entwicklungsländern - die Ergebnisse sind für die Institution wenig erfreulich.
Land gegen Job
Befürworter dieser Investments hoffen auf Wissens- und Technologietransfer wie etwa neue Bewässerungssysteme und Straßen. Gegner sprechen von einer neuen Form von Kolonialismus. Das Interesse an Land stieg nicht zuletzt wegen der gestiegenen Nahrungsmittelpreise, die insbesondere importabhängigen Ländern Anlass zur Sorge geben, aber auch durch die Förderung von Bioenergie.
Handel auf Vormarsch
2008 waren die USA mit 15 Prozent der wichtigste Partner Afrikas, gefolgt von China mit 10,6 Prozent und Frankreich mit 8,3 Prozent. Indien (3,5 Prozent) reihte sich nach Italien, Deutschland und Großbritannien auf Rang acht. An elfter Stelle war Brasilien. China zählt zu den Vorreitern. Es investierte 2007 bereits 4,5 Milliarden Dollar.
Der Deal heißt meistens: Billiges Land gegen vage Versprechen von Arbeitsplätzen und Infrastruktur. „Das Interesse der Investoren ist fokussiert auf Länder mit schwachen Regierungen“, heißt es in dem Bericht, wie die „FT“ zitiert. Es würden zwar Arbeitsplätze und Infrastruktur versprochen, allerdings stünden Ausbeutung und die Aussicht auf schnelle Gewinne im Vordergrund. Spekulation sei ein Schlüsselmotiv für die Landkäufe. Land würde von Regierungen, die auf das schnelle Geld hofften, oft zum Nulltarif vergeben.
Große Investoren zahlen weniger Steuern als landwirtschaftliche Kleinbetriebe. Stetig steigende Preise ziehen auch große Konzerne und Finanzinvestoren an. Diese würden auch mehr davon profitieren, da sie den erworbenen Landbesitz ungenutzt weiterverkauften.
Ausbeutung ohne Nachhaltigkeit
Dieses System wirke sich zudem negativ auf die Landwirtschaft aus - bis auf wenige erfolgreiche Ausnahmen, wie etwa in Tansania. Denn selten ist in den Ländern, wo billig eingekauft wird, Rechtssicherheit gewährt. „Selten wenn überhaupt“ gäbe es Bemühungen, die Investitionen in eine breitere Entwicklungsstrategie einzubauen und die Landwirtschaft zu verbessern, kritisiert der Bericht.
Den Investoren fehle es an der Erfahrung, Land zu bebauen, und an Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung. Häufig gebe es Konflikte über Landrechte. Das Land werde daher schnell ausgebeutet, ohne dass man sich um die nachhaltige Nutzung der Böden kümmere. Die Angst, dass lokale Produzenten an den Rand gedrängt werden, steige dadurch.
Private Großinvestoren
Bereits im Mai zeigte ein Bericht, der in Kooperation zwischen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), dem Internationalen Agrarentwicklungsfonds (IFAD, beide UNO) und dem Internationalen Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED) erstellt wurde, dass internationale Investoren willkommen geheißen werden. Neben asiatischen Staaten und den arabischen Emiraten spielen demnach auch private Großinvestoren aus der EU und den USA eine Rolle.
Dieser Trend verschärfte sich vor allem nach einem Versuch der südkoreanischen Firma Daewoo Logistik 2008, sich günstiges Land in Madagaskar zu sichern. Dieser Vorstoß führte damals in dem afrikanischen Land zu einem Aufstand.
Daten gibt es nur wenige. Laut Weltbank sollen etwa zwischen 2004 und 2009 3,9 Millionen Hektar im Sudan und 1,2 Mio. in Äthiopien übernommen worden sein. Die Nachfrage wird kaum nachlassen. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass Staaten und Firmen weltweit in Flächen von 15 Mio. Hektar investiert haben - davon betroffen sind aber neben Afrika auch Lateinamerika und Asien.