US-Friedhöfe werben für die ewige Ruhe
Der jüngste Marketingfeldzug findiger Friedhofsbetreiber sorgt in den USA für einige Verwunderung und Kritik. Mit Veranstaltungen wie Grillnachmittage, Konzerte und Tanzaufführungen sollen Familien in Scharen auf die Friedhöfe gelockt werden, um dort ihre Ängste und Sorgen abzubauen und so eine möglichst positive Beziehung zum Ort der ewigen Ruhe aufzubauen.

Von Sommerkino bis Schnitzeljagd
„Wir bringen sie angstfrei auf den Friedhof, und wenn sie eine gute Erfahrung machen, sagen sie vielleicht später, ‚hier will ich meine Familie bestatten‘“, sagte William Griswold vom Cedar-Hill-Friedhof im US-Bundesstaat Connecticut der US-Zeitung „Wall Street Journal“ („WSJ“). Sein Friedhof veranstaltet regelmäßig Schnitzeljagden zwischen den Gräbern.
Griswold steht mit seiner Marketingstrategie nicht alleine da. In jüngster Zeit häufen sich die durchaus weltlichen Angebote auf den Stätten der ewigen Ruhe. Der Hollywood-Forever-Friedhof in Los Angeles lockt Tausende Besucher mit seinem Sommerkino. Die Filme werden dabei auf die Mauern der Mausoleen projiziert. Im idyllischen Teich inmitten des Michigan-Memorial-Friedhofes dürfen Kinder angeln.
Kampf um jeden Toten
In letzter Zeit scheinen solche Veranstaltungen immer mehr zu werden. Der Davis-Friedhof in Kalifornien etwa plant, neben Gedichtworkshops künftig auch Vogelwanderungen und Kunstausstellungen auf seinem Friedhofsgelände anzubieten. Auf dem Wyuka-Friedhof in Nebraska findet ein Shakespeare-Festival statt, und auf dem Olinger-Crown-Hill-Friedhof in Colorado wird jedes Jahr der Memorial Day (Gedenktag für die Veteranen) mit Feuerwerk und einer Flugshow gefeiert.

Hintergrund für die Partywut der Bestattungsunternehmer ist ein rein ökonomischer. In den USA lassen sich immer mehr Menschen - teils auch aus Kostengründen - verbrennen. Die Nachfrage nach Gräbern ging in den letzten Jahren stark zurück. Nun ist man auf der Suche nach neuen Kunden. Doch nicht immer gehen die Begegnungen von Feiernden und Trauernden auf den Friedhöfen konfliktfrei vonstatten. Auf dem Green-Wood-Friedhof in Brooklyn, New York, etwa sorgt eine eigene Polizeitruppe dafür, dass sich Picknickgelage und Trauerzüge nicht in die Quere kommen.

Streit unter Feiernden
Friedhofsbetreiber versichern jedoch, dass es nur sehr wenige Beschwerden gibt. Und wenn, dann sind sie durchaus skurril wie ein Fall auf dem Fairmount-Friedhof in Denver. Wie das „WSJ“ berichtete, fand dort ein Sackhüpfenrennen statt. Die Freude darüber hielt sich vor allem bei der Freitag-Fun-Nachtgruppe in Grenzen. Denn diese Seniorenveranstaltung bietet jeden Freitag Tanz zwischen den Grabsteinen an und kam sich mit den Sackhüpfern in die Quere.
Doch Friedhofsbesitzer Jim Cavoto lässt sich davon nicht entmutigen. Er hat schon Ideen für das nächste Jahr. Dann soll auf seinem Friedhof ein Seifenkistenrennen stattfinden, eine Ostereiersuche ist auch geplant, und für trinkfreudige Friedhofsbesucher soll es ein Oktoberfest geben. Aber mit alkoholfreiem Bier, wie Cavoto schnell versichert.