Heiligtum per Urteil aufgeteilt: Lage in Indien ruhig
Das Gelände einer von Extremisten zerstörten Moschee in Ayodhya in Nordindien wird nach einem Gerichtsurteil von gestern zwischen Hindus und Muslimen aufgeteilt. Der Angriff hinduistischer Gewalttäter auf das Gebetshaus aus dem 16. Jahrhundert hatte vor 18 Jahren die schwersten Unruhen in Indien seit der Unabhängigkeit ausgelöst.
Dabei wurden fast 2.000 Menschen getötet. Nach dem Urteilsspruch kam es zunächst nicht zu Krawallen. Um Zusammenstöße zu verhindern, waren landesweit 200.000 Polizisten im Einsatz. Die Parteien riefen zur Ruhe auf.
Appell des Ministerpräsidenten
Ministerpräsident Manmohan Singh appellierte an seine Landsleute, auf der Hut zu sein und eine Störung der öffentlichen Ordnung nicht zuzulassen. „Oftmals genügen einige wenige Unruhestifter, um unser Land zu spalten“, meinte Singh. Ein führender Vertreter der nationalistischen Hindu-Partei Bharatiya Janata (Indische Volkspartei) sagte, es gebe weder Sieger noch Besiegte. Das Urteil sollte nicht als Erfolg für eine der beteiligten Parteien interpretiert werden.
Die Muslime, die den Wiederaufbau der Babri-Moschee im Bundesstaat Uttar Pradesh gefordert hatten, scheinen die Verlierer des Rechtsstreits zu sein. Ihre Organisationen reagierten jedoch zurückhaltend und waren bemüht, kein Öl ins Feuer zu gießen. Unter den 1,2 Milliarden Indern bekennen sich 13 Prozent zum Islam. Die Reaktionen auf das Gerichtsurteil gelten als Gradmesser dafür, inwieweit die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien mit einer wachsenden Mittelschicht den religiösen Extremismus überwunden hat.