Legale Cannabisfarm finanziert Künstler

Im November stimmt die kalifornische Bevölkerung darüber ab, ob privater Marihuana-Besitz und -Konsum legalisiert wird. Eine Künstlerinitiative hat das Geschäft mit der Droge schon jetzt für sich entdeckt: Auf rund 50 Hektar Land baut die Gruppe Life Is Art Marihuana an, um es anschließend im extra vor zwei Jahren gegründeten Pharmashop zu verkaufen.

Mit den Einnahmen will die Initiative künftig eigene Projekte umsetzen, wie etwa die derzeit geplante Eröffnungsausstellung am Gelände der Cannabisfarm. Sobald es finanziell möglich ist, will die Life-Is-Art-Stiftung junge Künstler aus der ganzen Welt finanzieren, die nach dem Artist-in-Residence-Prinzip auf der Farm nördlich von San Francisco leben und arbeiten.

„Dieses klassische Spiel auf der Suche nach Sponsoren ist uns einfach zu kindisch geworden“, erklärte Kirsha Kaechele eine der Gründerinnen gegenüber der „New York Times“ („NYT“). „So sind wir auf die Idee gekommen, Cannabisbauern zu werden.“ Immerhin: Eine Unze (rund 28 Gramm) des qualitativ hochwertigen medizinischen Marihuanas bringt im Großhandel mindestens 200 Dollar.

Schwierige Suche nach Fördergeldern

Seit der Wirtschaftskrise ist die Suche nach privaten Kunstsponsoren in den USA schwieriger denn je. Kaechele erwarb mit ihrem Geschäftspartner Jaohn Orgon ein Stück Land bei Sonoma in Nordkalifornien, einer Gegend, deren Klima unter anderem auch für gute Weinanbaubedingungen bekannt ist. Über das Anzeigenportal Craigslist.org machte das Life-Is-Art-Team einen versierten Marihuanaspezialisten ausfindig, der über jahrelange Erfahrung in der Kultivierung der Pflanzen verfügte und als Berater fungierte.

Seit rund einem halben Jahr arbeitet eine kleine Gruppe von Künstlern nun auf der Farm. Die erste Tranche an Pflanzen wurde gesät, aufgezogen, geerntet und getrocknet. Anfang Oktober war es so weit und die Ausbeute konnte an Patienten verkauft werden. Über die Menge des verkauften Stoffes wollte die Initiative gegenüber der „New York Times“ keine Aussage treffen, da die gesetzlichen Limits sehr streng kontrolliert werden und von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich sind.

Hochgesteckte Ernteziele

Die Ziele für die nächste Ernte sind jedenfalls sehr hoch gesteckt: Bis zu eine Million Dollar Gewinn hält Kaechele durchaus für realistisch. Die eingenommene Summe soll ohne Abzüge für die Kunstprojekte auf der Farm und mehrere ähnliche Initiativen in New Orleans fließen. Zusätzlich sollen Werke etablierter Künstler angekauft werden, um ein Museum mit permanenter Sammlung aufzubauen.

Marihuana in Kalifornien

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat unlängst ein Gesetz unterzeichnet, wonach der Besitz von bis zu 28 Gramm Marihuana in seinem Bundesstaat künftig nicht mehr ein Vergehen, sondern nur noch eine Verwaltungsübertretung ist.

Die Künstler der Eröffnungsausstellung sind - ebenso wie die Gründer des Vereins - enthusiastisch über die positive Entwicklung der Dinge. Weniger Freude an den erfolgreichen Cannabisbauern haben die Nachbarn der kommunenartigen Farm. Sie fürchten, so die „NYT“, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der ansonsten so ruhigen Gegend. Bedenken äußern sie zusätzlich über mögliche Cannabisdiebe, für die die bisher quasi ungesicherte Farm das reinste Paradies sei.

Kaechele will um die Freundschaft mit den Nachbarn, die sich über die Entwicklungen in der Gemeinde sorgen, kämpfen. Auch für die Diebstahlsproblematik hat sie bereits eine Lösung geplant: Sie will einen Wettbewerb ausschreiben. Künstler sollen Alarmanlagen und andere Schutzvorrichtungen entwickeln, die dann neben dem Sicherheitsaspekt auch als Kunst im öffentlichen Raum fungieren sollen.

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