Forschungseinrichtungen fürchten um Existenz

Um ihre Existenz fürchten zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen aufgrund der Streichung ihrer Basisfinanzierungen sowie Kürzungen bei Projektfinanzierungen.

Der Budgetentwurf der Regierung „eliminiert die Finanzierung für die Grundlagen dieser Institute und auch für deren Projekte“, betonte Peter A. Bruck, Leiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, bei einer Pressekonferenz heute in Wien. „Etwas, das Jahre oder Jahrzehnte braucht, um aufgebaut zu werden, soll innerhalb weniger Wochen abgewickelt werden.“

„Falsche Einschätzung durch Regierung“

Die betroffenen rund 40 Institutionen wie das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) und das Österreichische Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI) haben sich zu einer Plattform zusammengeschlossen, um „die grundsätzlich falsche Einschätzung von Wissenschaft durch die Regierungsspitze zu korrigieren“, so Bruck.

Für 2011 werden die Basissubventionen der Einrichtungen um insgesamt vier Mio. Euro gekürzt, ab 2012 komplett gestrichen, was jährliche Einsparungen von acht Mio. Euro bedeutet. Dabei sind die Institute sehr unterschiedlich betroffen.

Auch EU-Förderung fällt weg

Das OFAI erhält etwa eine jährliche Basisfinanzierung von 55.000 Euro - insgesamt habe man aber 8,2 Mio. Euro an EU-Forschungsmitteln zurückgeholt, so Direktor Robert Trappl. „Wenn man 55.000 Euro streicht und so die Chance vergibt, 8,2 Mio. aus Brüssel zu holen, ist das wirtschaftspolitisch dumm.“

„Selbstprovinzialisierung“

Besonders betroffen ist das IFK, das sich rein über die 950.000 Euro an Basismitteln finanziert. Bisher habe der Staat gesagt, er leiste sich das, „um eine bestimmte Art intellektueller Arbeit auf dem Gebiet der Humanwissenschaften zu ermöglichen“, so Vizedirektor Lutz Musner.

Das IFK betreibe Nachwuchsförderung für internationale Karrieren: „Jeder, der vom IFK weggeht, ist ein kleiner Botschafter für unser Land.“ Mit der nunmehrigen Maßnahme betreibe man eine „Selbstprovinzialisierung“, die an den „Kahlschlag“ der 1930er Jahre erinnere.

Karl: „Auch Strukturbereinigung“

Bei den geplanten Einsparungen bei wissenschaftlichen Einrichtungen und Vereinen handelt es sich für Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) „nicht um eine reine Budgetmaßnahme“. „Es ist auch eine Strukturbereinigung, wie sie auch vom Wissenschaftsrat, vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung sowie vom Rechnungshof eingefordert wird“, so Karl.

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