Indien auf dem Weg zur Bildungsmacht

Von zwölf auf 30 Prozent will Indien in den nächsten 15 Jahren seine Studienanfängerquote hochschrauben. Ein „Machtzentrum des Wissens“ soll dann entstehen, das für westliche Bildungsnationen eine ernsthafte Konkurrenz sein könnte. Auf dem Weg dorthin sind jedoch noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.

„Wir werden sehr wahrscheinlich die Nummer zwei, wenn nicht sogar die Nummer eins sein, zumindest den Zahlen nach“, sagte Pawan Agarwal, ein ehemaliger Regierungsbeamter und Autor der Studie „Indian Higher Education: Envisioning the Future“. 30 Millionen Studenten gäbe es nach den Plänen der Regierung im Jahr 2025 in Indien.

Akademiker weltweit „sichtbarer“

Während in vielen europäischen Staaten bei Bildungsausgaben der Sparstift angesetzt wird und in den USA die Zahl der Studienanfänger zurückgeht, macht sich Indien große Hoffnungen: „Indische Akademiker werden weltweit sichtbarer werden, besonders in technischen Bereichen“, sagte Agarwal gegenüber dem britischen Sender BBC.

Dafür ist die Regierung bereit, viel mehr Geld als bisher in die Hand zu nehmen: Die veranschlagten Ausgaben im Hochschulbereich sind im derzeitigen Fünfjahresplan (2010 - 2015) neunmal so hoch wie in der vergangenen Periode.

Viermal so viele Unis nötig

Das Ziel ist jedoch noch lange nicht erreicht. Rund 1.500 Universitäten statt wie bisher 370 würden gebraucht, schätzt die National Knowledge Commission des Landes. Hunderte Bildungsinstitutionen werden deshalb aus dem Boden gestampft, darunter große öffentliche Universitäten in jedem Bundesstaat. Die Zahl der prestigeträchtigen Indian Institutes of Technology (IITs) und Institutes of Management (IIMs) soll von sieben auf 15 erhöht werden.

Wachsen soll auch der Sektor der Privatuniversitäten. Hier will man laut BBC vor allem auf die Bereiche Technologie, Maschinenbau, Medizin und Management setzen, für die es einen riesigen Bedarf aus der boomenden Mittelschicht gibt.

Regierung will ausländische Unis ins Land holen

Doch selbst das scheint offenbar nicht auszureichen: Die Regierung plant, ausländische Universitäten dazu aufzurufen, Zweigniederlassungen in Indien anzusiedeln. Bis zu 50 Institute zeigten daran im Vorjahr bereits Interesse. Einige britische Unis gibt es bereits in dem Land.

Manche von ihnen bringen auch Professoren mit nach Indien, da die Institute offenbar Probleme haben, ausreichend qualifiziertes heimisches Personal zu finden. Die Situation sei problematisch, sagte der stellvertretende Leiter des Kerala State Higher Education Council, K. N. Panikkar. Bei hohen Löhnen, die die Jobs attraktiv machen sollen, befürchtet man, dass die Studiengebühren derart in die Höhe schnellen, dass sich nur wenige das Studieren leisten können.

Generell stoßen die ausländischen Institute auf mehrere Schwierigkeiten: Das Gesetz zur Legitimierung ihrer Arbeit wartet seit über einem Jahr auf eine Abstimmung im Parlament. Die Arbeit steht still, seit ein großer Korruptionsskandal das Land im Vorjahr erschütterte. In vielen westlichen Ländern haben die Bildungseinrichtungen zudem mit finanziellen Einbußen aufgrund von Sparmaßnahmen zu kämpfen, was sie von Expansionsschritten abhalten könnte.

Ziele zu hoch gesteckt?

„Nur eine Handvoll Universitäten aus Übersee denken tatsächlich ernsthaft darüber nach“, sagte Agarwal. „Aber selbst wenn sie kommen, wird es nicht reichen. Sie werden die Kapazitäten lediglich für Hunderte indische Studenten erhöhen und nicht Millionen.“ Auch Panikkar beurteilt die Ziele als etwas zu hoch gesteckt. „Was machbar ist, ist eine Zunahme von vielleicht zehn Millionen Studenten zu den bisherigen Kapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren“, sagte er gegenüber der BBC.

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