EU: AKW-„Stresstests“ starten am 1. Juni

In der Europäischen Union werden erstmals alle Kernkraftwerke auf ihre Sicherheit getestet. Die „Stresstests“ starten am 1. Juni. Sie schließen alle Naturkatastrophen sowie Flugzeugunglücke mit ein, teilte die EU-Kommission heute in Brüssel mit. Terroranschläge sind aber zunächst nicht inbegriffen und sollen später untersucht werden.

Über die Kriterien und den Umfang hatten die Staaten wochenlang gestritten. Die auf Atomkraft setzenden EU-Mitgliedsländer, allen voran Großbritannien und Frankreich, lenkten schließlich ein. Der Test betrifft alle 143 Reaktoren in der EU.

Faymann und Berlakovich erfreut

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) begrüßte die Einigung der EU-Kommission. Der „Wert“ der Sicherheitstests werde sich aber „erst dann zeigen, wenn die Ergebnisse vorliegen und dann auch die Konsequenzen daraus gezogen werden“, betonte Faymann. Positiv zu werten sei, so der Kanzler weiter, dass sich EU-Kommissar Günther Oettinger „gegen die Atomlobby durchgesetzt hat, die bekanntlich nur Selbstüberprüfungen der eigenen Kraftwerke zulassen wollte“.

Auch Umweltminister Nikolaus Berlakovic (ÖVP) begrüßt die EU-Einigung über AKW-„Stresstests“, wie er im Ö1-Interview sagt. Seitens Österreichs habe man bis zuletzt gekämpft, dass das „ordentliche Stresstests“ werden, so Berlakovich.

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Glawischnig: Irreführung der Bevölkerung

Die Grünen üben massive Kritik an Berlakovich. Berlakovichs Jubel über die Sicherheitstests an europäischen Kernkraftwerken sei eine „bewusste Irreführung der Bevölkerung“, so die Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, heute bei einer Pressekonferenz in Wien. Es sei „keine einheitliche Sicherheitsüberprüfung, weil sie AKW-Betreiber selbst überprüfen können“, erklärte Glawischnig.

Die Grünen kritisieren, dass die Bewertung der europäischen AKW auf Basis der Ersteinschätzung der AKW-Betreiber basiere, weil die Gefahr groß sei, dass sich diese „Persil-Scheine“ ausstellen werden. Dass auch die Gefahr von Flugzeugabstürzen untersucht werde, begrüßte die Bundessprecherin zwar, kritisierte aber, dass mögliche Terroranschläge bei den „Stresstests“ nicht berücksichtigt werden.

Österreich hätte sich, so Glawischnig weiter, nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima darum bemühen sollen, dass Hochrisikoreaktoren abgeschaltet würden, anstatt seine Energien in der Diskussion über „Stresstests“ zu verschwenden.