Abhörskandal setzt auch Cameron unter Druck
Denn Cameron ist mit einer der Schlüsselfiguren der Affäre gut befreundet: Rebekah Brooks, ehemalige Chefredakteurin von „News of the World“ und mittlerweile Chefin von News International, dem Dachunternehmen von Murdochs britischen Zeitungen, zeigte sich „erschüttert und entsetzt“ über die Vorwürfe.

„Auf Urlaub gewesen“
Sie habe von derartigen Vorfällen in ihrer Zeit als Chefredakteurin nichts gewusst. Bei einem besonders aufsehenerregenden Fall, bei dem 2002 offenbar das Handy einer entführten und daraufhin ermordeten 13-Jährigen abgehört wurde, sei sie „auf Urlaub gewesen“, verteidigte sie sich. Dass die Zeitung Schmiergelder an Polizisten zahlte, gab sie bereits unumwunden zu.
Sollte Brooks noch mehr unter Druck kommen - und danach sieht es aus -, wird es auch für Cameron peinlich: Er hatte Brooks und ihren Mann wiederholt in seinem Landhaus beherbergt. Cameron steht darüber hinaus in der Kritik, weil er den früheren „News of the World“-Journalisten und Stellvertreter Brooks’, Andy Coulson, ungeachtet der damals bereits bekannten Vorwürfe als Kommunikationsdirektor eingestellt hatte. Erst als der Skandal immer weitere Kreise zog, musste Coulson gehen.
Cameron pariert Attacken vorerst
In einer Sonderdebatte im britischen Unterhaus schoss sich die Labour-Opposition auf Murdoch, aber auch auf Cameron ein. Parteichef Edward Miliband forderte Brooks auf, über einen Rücktritt nachzudenken.
Cameron selbst ging in die Offensive: Er verurteilte am Dienstag die mutmaßliche Tat. Wenn die Vorwürfe wahr seien, sei es eine „wirklich schreckliche Handlung“. Er forderte eine eingehende Untersuchung der Abhöraffäre. Möglicherweise seien sogar mehrere Ermittlungen notwendig, sagte Cameron am Mittwoch. Damit scheint es ihm zumindest vorerst gelungen zu sein, die Attacken der Kritiker zu parieren. Dennoch: Das Thema hat für den Regierungschef noch immer jede Menge Sprengkraft, heißt es in einer BBC-Analyse.
Immer mehr Opfer
Dass der Abhörskandal derart an Dramatik gewonnen hat, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in den vergangenen Tagen bekanntwurde, dass nicht nur Prominente unter dem Opfern sind. Neben Politikern, Sportlern, Schauspielern wurden demnach auch die Handys von Verbrechensopfern abgehört. Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ berichtete, verdächtigen die Ermittler das Blatt, auch die Angehörigen der Opfer der Londoner Terroranschläge vom 7. Juli 2005 abgehört zu haben. Die Angehörigen seien von der Polizei bereits darüber informiert worden. Der „Telegraph“ berichtet in seiner Donnerstag-Ausgabe, auch die Angehörigen von getöteten Soldaten seien abgehört worden.
Sogar Nachrichten gelöscht
Die Eltern der 2002 im Alter von 13 Jahren entführten Milly gaben über ihren Anwalt bekannt, dass auch sie jetzt gegen „News of the World“ vor Gericht ziehen wollen. Mit Hilfe von Privatdetektiven sollen die Reporter des Boulevardblattes sogar Nachrichten auf der vollen Mailbox des Mädchens gelöscht haben, um Platz für neue zu machen und so an mehr Informationen zu kommen. Damit waren bei Familie und Freunden der Vermissten falsche Hoffnungen geweckt worden, das Mädchen sei noch am Leben und habe die Nachrichten selbst gelöscht. Außerdem könnten die Ermittlungen der Polizei dadurch behindert worden sein, berichteten mehrere britische Medien.
Polizei beschäftigt Skandal seit Jahren
Der Abhörskandal bei „News of the World“ beschäftigt die Polizei seit Jahren. Mit Hilfe privater Ermittler und Hacker hatten Journalisten des Sensationsblattes Handyleitungen geknackt und nach Informationen abgehört. Bereits im Jänner 2007 waren ein Privatdetektiv sowie der frühere Königshausreporter der Sonntagszeitung zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie die Telefone von Bediensteten der Königsfamilie abgehört hatten.
Im Jänner dieses Jahres hatte Scotland Yard die Ermittlungen erneut aufgenommen. Derzeit haben Prominente wie Jude Law und der Ex-Fußballer Paul Gascoigne noch Verfahren gegen die Zeitung laufen. Und es werden wohl nicht die letzten sein: Laut Medienberichten wurden offenbar ein paar Tausend Handys von der Zeitung geknackt.