Künftiger IHS-Chef für Euro-Austritt Griechenlands

Der designierte Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS), Christian Keuschnigg, rät Griechenland zum Austritt aus der Euro-Zone. „Beide Alternativen - drinnen bleiben oder rausgehen - erfordern sehr schwierige Anpassungen für das Land“, erläutert der Experte im Interview mit dem heute erscheinenden Wirtschaftsmagazin „trend“.

„Der Vorteil des Rausgehens wäre, dass eine einmalige und schnelle Anpassung des Wechselkurses stattfinden kann. Das erlaubt, rasch wieder zu exportieren und zu wachsen“, so Keuschnigg. Wenn der Austritt nicht erfolge, müsse ein anderer Anpassungsmechanismus greifen - und das könne nur ein langer Prozess von Lohnreduktion und Produktivitätssteigerung sein.

Euro für Griechenland „zu hart“

Der Austritt wäre „ein Ende mit Schrecken, das aber gleichzeitig auch ein Neuanfang für das Land ist, das danach ja wieder wachsen kann. Im Euro-Verbund drinbleiben bedeutet, dass das Land über einen Zeitraum von vielleicht zehn Jahren jedes Jahr real zwei bis fünf Prozent Lohneinbußen hinnehmen muss, um die bestehende Fehlentwicklung zu korrigieren. Das ist ein sehr langer Zeitraum, das ist politisch schwer vorstellbar und hat große Folgewirkungen“, so Keuschnigg.

Der unlängst erfolgte Schuldenschnitt sei für Griechenland „sinnvoll“, die Sanierung habe, glaubt Keuschnigg, dennoch „nicht mehr als eine Fifty-fifty-Chance“. Der Euro sei für Länder wie Griechenland zu hart, die Löhne müssten um bis zu dreißig Prozent sinken, um Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen. Es sei laut Keuschnigg „unvermeidbar, dass in Griechenland oder Spanien der Sozialstaat abgebaut wird, weil ja auch die Lohneinkommen der Aktiven reduziert werden müssen“.