„Nabucco“-Konsortium überlegt kleinere Lösung für Pipeline
Verzögerungen und steigende Kosten - vor allem dadurch machte das ehrgeizige europäische Pipelineprojekt „Nabucco“ zuletzt von sich reden, das Europa unabhängiger vom russischen Gas machen soll.
OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss will das seit Jahren geplante Gaspipeline-Projekt aber nicht totsagen. „Nabucco lebt mehr denn je“, erklärte Roiss gestern in der ZIB2. Nach einem Gasfund vor der rumänischen Schwarzmeerküste Anfang des Jahres benötige die OMV die Leitung mehr als zuvor, so Roiss.
Zuletzt war eine radikale Verkleinerung im Gespräch. „Es läuft auf eine pragmatisch machbare Lösung hinaus“, sagte Johannes Vetter, ein Sprecher der federführenden österreichischen OMV, gestern der Nachrichtenagentur dpa in Wien.
Bau teurer als geplant
Nach den ursprünglichen Plänen sollte die Pipeline Erdgas aus den kaspischen Feldern über die Türkei nach Österreich transportieren. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe) berichtete unter Berufung auf EU-Diplomaten, der geplante Bau habe sich als zu teuer erwiesen.
Zuletzt hatte das Konsortium selbst die Kosten mit acht Milliarden Euro veranschlagt und dabei eingeräumt, dass es sich noch weiter verteuern könnte. Aus Branchenkreisen wurden Summen von bis zu 15 Milliarden Euro genannt.
Ungarn sorgt für Unsicherheit
Für Unsicherheit sorgte zudem die Ankündigung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, dass sich der teilstaatliche Energiekonzern MOL aus dem Projekt zurückziehen will - oder seine Beteiligung stark senken will. In einer Erklärung der MOL, die von ungarischen Medien zitiert wurde, heißt es: „Neben den bis heute ungeklärten Kosten und Gasquellen halten wir die Durchführung des ‚Nabucco‘-Projekts in der gegenwärtigen Struktur und unter dem gegenwärtigen Projektmanagement nicht für gesichert.“
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht aber im möglichen Ausstieg der Ungarn aus dem Projekt nicht das Haupthindernis. Die Linie der EU gehe bei der Gasversorgung in Richtung des Südkorridors, aber „nachdem wir am Ende der Pipeline sitzen“, sei man von den Entscheidungen anderer abhängig, sagte Mitterlehner. „Ich fürchte, dass die Türkei in ihrer geografischen und politischen Schlüsselrolle den weiteren Takt vorgeben wird“, sagte Mitterlehner. „Deswegen glaube ich, dass es auf jeden Fall eine zeitliche Verzögerung geben wird.“