Polens Präsident hält Boykott der Ukraine für „unangemessen“
Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski hat sich gegen einen Boykott der Ukraine wegen der Behandlung von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ausgesprochen. „Boykottappelle sind angesichts der bestehenden Lage in der Ukraine völlig unangemessen“, sagte er gestern Abend dem polnischen Fernsehsender TVP. Er verfolge die Boykottdrohungen im Vorfeld der Fußball-EM „mit größter Unruhe“.
Polen ist zusammen mit der Ukraine Gastgeber der EM, die im Juni beginnt. „Es besteht das Risiko, dass ein verpfuschtes Fußballfest in der Ukraine durch einen Boykott auch für uns Verlust und vergeblichen Einsatz von Kraft und Geld bedeuten würde“, zeigte sich Komorowski besorgt. Die EM solle für die Ukraine eine Chance sein, zu zeigen, dass sie sich um die Annäherung an den Westen bemühe: „Das alles ist jetzt bedroht.“
Ein Vergleich zu den bisherigen sportlichen Boykotten Olympischer Spiele wie 1980 in Moskau und in Peking 2008 hinke, betonte Komorowski. In beiden Fällen sei es um blutige Auseinandersetzungen gegangen wie den Krieg in Afghanistan und die Niederschlagung der Freiheitsbewegung in Tibet. „Die Situation in der Ukraine ist eine ganz andere.“
Heimische Regierung boykottiert EM
Österreichische Regierungspolitiker werden keine Spiele der Fußball-EM 2012 in der Ukraine besuchen. Darauf verständigte sich heute der Ministerrat.
Mit dem Boykott soll ein Signal gegen den Umgang der ukrainischen Justiz mit Timoschenko gesetzt werden. Das sagte Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) nach dem Ministerrat. Sowohl Spindelegger als auch Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) schlossen aus, dass die Spiele stattdessen in Österreich stattfinden.
Die Vorgangsweise im Fall Timoschenko und der fehlende Zugang zur Gesundheitsversorgung seien klar zu verurteilen, so Spindelegger. Auch stehe der Vorwurf der „Politjustiz“ im Raum. „Es wird keinen österreichischen Regierungspolitiker geben, der an den Spielen teilnimmt, das ist unser Zeichen der Solidarität“, hielt der Vizekanzler fest.
Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sprach von einem „sichtbaren Signal“. Das Regierungsteam habe sich demnach gegen einen Besuch ausgesprochen, einen formalen Beschluss brauche es hierfür nicht.