Italiens Regierung attackiert Ratingagenturen
In Italien wächst der Unmut gegenüber internationalen Ratingagenturen. Nachdem Moody’s wegen der schlechten wirtschaftlichen Verfassung des Landes auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von insgesamt 26 italienischen Banken heruntergestuft hatte, gehen Politik und Wirtschaft auf die Barrikaden.
Industrieminister Corrado Passera beschuldigte die Ratingagenturen, die Krise noch weiter zu verschärfen. Sie hätten in den Jahren 2007 und 2008 wegen der Finanzkrise zu spät Alarm geschlagen. „Jetzt übertreiben sie. Sie verschärfen die Krise mit einem Verhalten, das die negative Situation noch mehr verschlechtert“, kommentierte Passera in einem Interview mit dem italienischen Sender RAI1 heute.
Ruf nach europäischer Agentur
Auch der Chef der christdemokratischen UDC, Pier Ferdinando Casini, sprach von einem „kriminellen Plan der Ratingagenturen gegen Italien und Europa“. Auch die Mitte-rechts-Partei Popolo della Liberta (PdL) um Ex-Premier Silvio Berlusconi ist empört.
„Italiens Kartellbehörde soll wegen spekulativer Angriffe auf Italien eine Untersuchung gegen die Ratingagenturen in die Wege leiten. In diesem geopolitischen Krieg darf Italien nicht untergehen“, sagte das PdL-Mitglied der Finanzkommission der Abgeordnetenkammer, Laura Ravetto. Brüssel müsse sich so rasch wie möglich für die Gründung einer unabhängigen europäischen Ratingagentur engagieren.