ECOWAS fordert Eingreiftruppe in Mali

Angesichts des Machtzuwachses für die Islamisten im Norden Malis hat die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) den UNO-Sicherheitsrat zum Handeln aufgefordert. Die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses forderten den Sicherheitsrat gestern Abend eindringlich auf, mit einer Resolution die Entsendung einer regionalen Eingreiftruppe nach Mali zu unterstützen.

Der Einsatz müsse so schnell wie möglich vorbereitet werden, hieß es in der Abschlusserklärung des Treffens. Die ECOWAS warnte darin vor einer terroristischen Bedrohung durch die Islamisten. Die ECOWAS bereitet seit mehreren Wochen die Entsendung einer regionalen Eingreiftruppe von mehr als 3000 Soldaten nach Mali vor. Dazu ist jedoch die Zustimmung des UNO-Sicherheitsrates erforderlich.

Mehrere islamistische Gruppen und Tuareg-Rebellen hatten vor wenigen Monaten den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem ein Putsch von Soldaten gegen den früheren Präsidenten Amadou Toumani Toure für ein Machtvakuum gesorgt hatte. Die islamistische Gruppierung Ansar Dine und die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) wollen im Norden des Landes das islamische Recht der Scharia einführen. MUJAO-Anhänger vertrieben die Tuareg in den vergangenen Tagen aus den Städten Gao und Timbuktu.

Berichte: Islamisten zerstören UNESCO-Kulturerbe

Bewaffnete Islamisten zerstörten in Timbuktu im Norden Malis ein zum UNESCO-Weltkulturerbe zählendes Mausoleum. Mitglieder der Islamistengruppe Ansar Dine hätten das Mausoleum des Heiligen Sidi Mahmud verwüstet, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP. Es war bereits im Mai teilweise zerstört worden. Nun rissen die Islamisten die Mauer der Grabstätte ein, wie aus dem Umfeld eines Imam bestätigt wurde.

Wegen des bewaffneten Konflikts in Mali hatte das UNESCO-Welterbekomitee die Wüstenstadt Timbuktu erst am Donnerstag auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.