Oberösterreich: Schwarz-Blau spart bei Kultur

Kulturschaffende und eine kritische Öffentlichkeit sind alarmiert wegen diverser Aussagen der angehenden Regierung in Sachen Kulturförderung. Besonders der Blick nach Oberösterreich verunsichert, wo bereits seit geraumer Zeit Schwarz-Blau am Ruder ist. Dort wird nun ein Drittel des Kulturbudgets für freie Initiativen gekürzt.

In Oberösterreich regiert seit rund zwei Jahren Schwarz-Blau. Die Schuldenbremse bremst dort die Kultur aus.

„Weniger Veranstaltungen, weniger Lesungen“

Die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) vertritt die Interessen von 150 Vereinen und Kulturinitiativen, die stark von den Einsparungen betroffen sind. Obmann Thomas Diesenreiter: „Unsere Kulturvereine machen 4.000 Veranstaltungen pro Jahr und erreichen über 400.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr. Das ist bedroht. Wenn hier um ein Drittel gekürzt wird, wird es weniger Programm geben, weniger Veranstaltungen, weniger Lesungen. Es trifft nicht nur Künstlerinnen und Kulturarbeiterinnen, es trifft uns alle.“

Für ÖVP „vertretbar“

187 Mio. Euro soll das Kulturbudget für das kommende Jahr ausmachen, wobei der allergrößte Teil auf öffentliche Einrichtungen wie die Landesmuseen, die Musikschulen und das Landestheater entfällt. Deren Unterstützung ist gesetzlich oder vertraglich geregelt.

Sie müssen im kommenden Jahr in Summe nur 0,9 Prozent einsparen und erhalten 175 statt 177 Millionen Euro. Der wesentlich kleinere Posten im Budget sind die Ermessensausgaben, die Jahr für Jahr neu vergeben werden. Hier soll es nächstes Jahr 30 Prozent weniger Geld geben.

Da es für einzelne Institutionen wie die Landesmusikschulen und die Landesausstellung mehr Geld geben soll, muss bei der freien Kulturszene umso mehr gespart werden. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sagte: „Wir wollen keine neuen Schulden machen, wir wollen Schwerpunkte setzen und daher gehen wir diesen Weg jetzt so, übrigens auch in einer Phase, in der die Wirtschaft im Aufschwung ist. Daher ist es auch vertretbar, dass sich die öffentliche Hand ein Stück weit zurückzieht.“

Haders Sparvorschlag

Der Landeskulturbeirat, der das Land in Kulturfragen berät, sieht das anders, spricht von einem „Kahlschlag“ und fordert mehr Transparenz in der Kommunikation. Unter dem Motto „Rettet das Kulturland“ sammeln die freien Kulturinitiativen nun Unterschriften, um doch noch eine Erhöhung des Kulturbudgets zu erwirken.

Kabarettist Josef Hader steuerte einen Sparvorschlag bei: „Ich bin nicht gegen Sparen. Ich habe das Gefühl, man kann viel einsparen. Man könnte vielleicht ein paar Kilometer Autobahn einsparen. Zehn Meter Autobahn weniger, und früher auf die Bundesstraße auffahren, und schon müsste man bei der Kultur nicht so viel einsparen.“

Publiziert am 21.11.2017