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Überlastetes Wassersystem

Die Fünfsternehotels rund um die historischen Tempel von Angkor sind grüne Oasen - moderne Bauten, umgeben von tropischen Wäldern und ausladenden Rasenflächen. Dieser Luxus in einer Gegend mit eher spärlichen Wasserressourcen ist jedoch teuer. Er geht auf Kosten genau jener historischen Kulturstätten, wegen derer die Hunderttausenden Touristen nach Angkor strömen.

Denn das Wasser, das für die Versorgung der Hotelanlagen und Unternehmen verwendet wird, wird vom Grundwasser abgezogen. Und das, befürchten Experten, gefährdet die Stabilität der Tempelanlagen. Das berichtet die britische Zeitung „Guardian“. Die Tempel und Türme der 402 Quadratkilometer großen Region Angkor sind auf sandigem Grund gebaut, der durch den konstanten Zulauf von Grundwasser gefestigt ist.

Millionen Liter täglich illegal abgepumpt

Das weitverbreitete, unregulierte Abpumpen von Grundwasser nährt die Sorge, dass das die Tempel, darunter das weltgrößte religiöse Monument Angkor Wat, einbrechen oder zerbröseln könnten. Denn Tausende illegale, private Pumpen zapfen täglich Millionen Liter Grundwasser ab, berichtet der „Guardian“.

Haupttempel Angkor Wat

APA/EPA/Barbara Walton

Besuchermagnet Angkor Wat, der berühmteste der Khmer-Tempel

Wie hoch die Menge genau ist, weiß man nicht. „Wir wissen, dass es viele Hotels gibt, die ihr Wasser selbst abpumpen, aber wir wissen nicht, wie viel sie konsumieren“, sagte Philippe Delanghe, Chef der Kulturabteilung der UNESCO, gegenüber der britischen Zeitung.

Tempel auf Sand-Wasser-Mix erbaut

„Wenn sich herausstellt, dass es eine Überbeanspruchung des Wassers gibt, dann hat das Auswirkungen auf die Tempel, denn die Tempel sind auf einen Mix aus Sand und Wasser gebaut, der sie stabil hält. Wenn man das Wasser absaugt, könnte das Stabilitätsprobleme mit sich bringen.“

Besonders in trockenen Zeiten - genau dann, wenn die Touristenströme am größten sind - ist Wasser bereits zu einer kostbaren Handelsware geworden. Die Besucherzahlen erreichten 2008 einen Spitzenwert von zwei Millionen, die Finanzkrise schwächte diese Zahlen danach wieder etwas ab. Dieses Jahr werden insgesamt etwa 1,6 Millionen Touristen erwartet.

7.000 unerlaubte Pumpen und Quellen?

Gleichzeitig stiegen auch die Bewohnerzahlen drastisch an: Die Einwohner der Stadt Siem Reap etwa, knapp fünf Kilometer vom berühmtesten Tempel Angkor Wat entfernt, verdoppelte sich in etwas mehr als zehn Jahren auf 200.000. Nach offiziellen Angaben darf die Stadt rund neun Millionen Liter Wasser täglich aus dem Grund abpumpen - Schätzungen der von der Stadtregierung von Siem Reap betriebenen Wasserversorgungsbehörde gehen jedoch in Richtung mehr als 50 Millionen Liter, so der Generaldirektor Som Kunthea.

Die Behörde schätzt, dass etwa 6.000 private Pumpen und 1.000 Quellen in der Stadt erschlossen wurden. Allein einzelne Unternehmer, wie etwa die Eisfabrik der Stadt, pumpen täglich mehr als eine Million Liter Wasser ab.

Das Problem sei, dass das Abschöpfen unreguliert und nahezu unmöglich in Zaum zu halten sei, sagte Peou Hang, Vizedirektor des Angkor-Naturschutzgremiums der kambodschanischen Regierung. „Wir können die exakten Mengen, die sie täglich entnehmen, nicht herausfinden. Ich frage sie, aber sie wollen unsere Fragen nicht beantworten, also müssen wir schätzen.“

Einsturzgefahr, wenn Wasserspiegel zu niedrig

„Wenn wir zu viel Wasser herauspumpen, sinkt der Grundwasserspiegel, und wir haben ein Problem mit der Sandschicht unter den Tempeln, wodurch die Tempel einstürzen können. Der Khmer-Tempel besteht nicht aus einem einzigen Block - wenn es darunter Bewegung gibt, manchmal nur Zentimeter, kann das zum Problem werden. Bis jetzt ist dieses Problem noch nicht aufgetaucht.“

Eine von der kambodschanischen Regierung in Auftrag gegebene Studie über die zukünftige Wasserversorgungsmöglichkeiten von Siem Reap, die mit Ende des Jahres fertiggestellt werden soll, wird, so die Erwartung, zahlreiche Maßnahmen vorschlagen: Dazu soll etwa die Regulierung der Grundwasserabpumpung zählen, sowie auch der Vorschlag, Wasser von anderen Quellen zu beziehen - etwa vom Tonle-Sap-See.

Alternative: Teures Wasser zuliefern

"Wir wissen nicht, wie viel es kostet, aber es wäre teuer, Wasser von weit weg hierherzubringen. Der Tonle-Sap-See ist mehr als 20 Kilometer entfernt - das würde eine Menge kosten und das Wasser teurer machen, sagte Som. Neue Maßnahmen würden jedoch benötigt, denn die Wasserbehörde hätte nicht die Kapazitäten, den Bedarf an Trinkwasser zu decken.

„Bis jetzt gibt es noch keine Anzeichen für einen Einfluss auf die Tempel. Aber wenn wir jetzt nicht beginnen, Zukunftsfragen zu berücksichtigen, und die Menschen weiter Wasser abpumpen lassen und die Population weiter wächst, wird es sehr wohl eine Auswirkung haben.“

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