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Ausnahmezustand verhängt

Proteste meuternder Sicherheitskräfte haben Ecuador am Donnerstag an den Rand eines Putsches geführt. Aufständische Soldaten und Polizisten besetzten den Flughafen von Quito, stürmten den Kongress und hielten stundenlang Präsident Rafael Correa in einem Krankenhaus fest. Inmitten heftiger Schusswechsel wurde der 47-Jährige von regierungstreuen Soldaten befreit und zum Präsidentenpalast gebracht.

Correa verließ das Polizeikrankenhaus in der Hauptstadt Quito am Donnerstagabend (Ortszeit) unter dem Schutz von Soldaten. „Wir haben ihn herausgeholt“, sagte Vize-Innenminister Edwin Jarrin. Wenig später sprach Correa vom Balkon des Präsidentenpalastes zu seinen Anhängern und dankte ihnen für ihre Unterstützung. Nationalen Medienberichten zufolge sind während der Schusswechsel zu seiner Befreiung drei Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

„Horde von Wilden wollte Blut“

Correa warf den Polizisten nach seiner Befreiung vor, „diese Horde von Wilden“ habe ihn töten wollen, „sie wollten Blut“. Ohne den Einsatz einer regierungstreuen Spezialeinheit „würde ich das jetzt nicht erzählen, da ich schon in ein besseres Leben übergegangen wäre“, berichtete Correa im Präsidentenpalast nach seiner Befreiung.

Wut über Sparmaßnahmen

150 aufständische Soldaten der Luftwaffe hatten zuvor aus Wut über ein vom Parlament beschlossenes Gesetz über Kürzungen von Gehaltszuschlägen den internationalen Flughafen von Quito besetzt. Polizisten stürmten das Kongressgebäude. In den Städten Guayaquil und Cuenca besetzten Polizisten Kommissariate.

Der Polizeichef von Ecuador, Freddy Martinez, trat unterdessen zurück. Das teilte ein Sprecher Freitagfrüh mit. Dem Polizeichef war es am Donnerstag nicht gelungen, die meuternden Polizisten zu beruhigen.

Polizisten in Ecuador greifen Anhänger von Präsident Correa auf

APA/EPA/Jose Jacome

Zusammenstöße zwischen Aufständischen und regierungstreuen Polizisten

Armeechef Ernesto Gonzalez stellte sich hinter den Präsidenten. Auch Polizeichef Freddy Martinez sagte, die Sicherheit Correas sei gewährleistet. Nach Angaben von Quitos Bürgermeister Augusto Barrera wurde der Flughafen der Hauptstadt am Nachmittag wieder geöffnet.

„Gehe hier als Präsident heraus oder tot“

Correa wurde in das Polizeikrankenhaus gebracht, nachdem vor einer Kaserne eine Tränengasbombe vor seinen Füßen explodiert war. Im Fernsehen sprach der Präsident von einem „Putschversuch“ und sagte, sein Leben sei in Gefahr. „Polizisten versuchen, über das Dach in mein Zimmer zu gelangen“, sagte er. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus. Nach fünfeinhalb Stunden äußerte sich Correa erneut über das Fernsehen und sagte, Hunderte Polizisten blockierten die Ausgänge des Krankenhauses. „Ich gehe hier als Präsident heraus oder tot“, sagte er.

Seit drei Jahren Präsident

Correa regiert Ecuador seit Jänner 2007. Bei Neuwahlen 2009 wurde der Sozialist für vier Jahre wiedergewählt. Die politische Lage in dem 14-Millionen-Einwohner-Land ist seit langem instabil. In den vergangenen 13 Jahren wurde Ecuador von acht verschiedenen Präsidenten regiert.

Vor dem Krankenhaus kam es zu Zusammenstößen zwischen aufständischen Polizisten und Anhängern Correas, die vor das Gebäude gezogen waren. Polizisten warfen nach Angaben von Augenzeugen Tränengasbomben, um die Anhänger auseinanderzutreiben. Präsidentenanhänger berichteten von Gewalt durch die Polizisten. Zwei Fotografen der Nachrichtenagentur AFP wurden vor dem Krankenhaus ebenfalls von Polizisten geschlagen. Polizeibeamte entrissen ihnen zudem die Fotoapparate und löschten die Aufnahmen.

Unterstützungserklärungen aus dem Ausland

Die USA sicherten Correa ihre Unterstützung zu. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der Ereignisse „sehr beunruhigt“ und rief alle Beteiligten dazu auf, die Krise friedlich beizulegen. Auch zahlreiche lateinamerikanische Staatschefs bekundeten Correa ihre Unterstützung. In Buenos Aires begann eine Dringlichkeitssitzung der Union der südamerikanischen Nationen (UNASUR). Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wollte rasch über die Krise beraten. Peru und Kolumbien schlossen ihre Grenzen zum Nachbarland.

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