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Maßnahmen gegen Internetkriminalität

Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hat am Donnerstag eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung krimineller Machenschaften im Internet vorgestellt. Das Bundeskriminalamt (BK) wird demnach ein Cybercrime-Kompetenzzentrum aufbauen und die internationale Zusammenarbeit mit Konzernen und Strafverfolgern verstärken.

Als wichtigsten Cybercrime-Trend identifizierten Fekter und der im BK für Computerkriminalität zuständige Ministerialrat Leopold Löschl den Betrug mit gefälschten Onlineshops. Hier habe man von Jänner bis September einen Anstieg von 22 auf 1.074 angezeigte Fälle verzeichnet, so Fekter.

Leopold Löschl (Leiter des Büros für Computer- und Netzwerkkriminalität) und  Innenministerin Maria Fekter

ORF.at/Günter Hack

Leopold Löschl (BK) und Maria Fekter

Dabei habe es sich hauptsächlich um Vorauszahlungsbetrug gehandelt. Die Masche der Betrüger ist dabei einfach: Sie setzen einen täuschend echt wirkenden Webshop auf und locken die Schnäppchenjäger mit sehr niedrigen Preisen für elektronische Geräte. Vor der Lieferung verlangen die Täter eine Vorabzahlung - und verschwinden mit dem Geld. Geliefert werden die bestellten Gegenstände freilich nie.

Vorsicht bei der Schnäppchenjagd

Gegen diese Masche könnten sich die Konsumenten vornehmlich durch Einsatz ihrer wirtschaftlichen Vernunft wehren, so Löschl. „Hochwertige Geräte haben auf der ganzen Welt ihren Preis. Wenn ein Gerät unwahrscheinlich billig ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen“, so der Fahnder. Fekter und Löschl forderten Betroffene wiederholt dazu auf, auch kleinere Betrugsfälle mit geringen Schadenssummen der Polizei zu melden, denn nur so sei es möglich, die Vorgehensweise der Täter, die von vielen Personen kleine Summen abschöpften, nachzuvollziehen und diese zu stoppen.

Tipps und Kontakt

Die Polizei hat für die Prävention der Internetkriminalität eine Hotline eingerichtet und stellt eine Kontaktliste der zuständigen Stellen bei den Landeskriminalämtern im Netz bereit.

Ein weiterer Trick, der dem BK Kopfschmerzen bereitet, ist das Cracken von Telefonanlagen, deren Fernwartungsfunktionen unzureichend geschützt sind. „Oft ändern die Besitzer das voreingestellte Admin-Passwort nicht“, so Löschl. „Das ermöglicht den Eindringlingen dann, Rufumleitungen einzurichten und innerhalb eines Wochenendes durch Anrufen teurer Servicenummern einen Schaden von 200.000 Euro anzurichten.“

Passwörter ändern

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Löschl, die voreingestellten Passwörter zu ändern und regelmäßig neue einzurichten. Außerdem sei es sinnvoll, die Nutzung von Zusatztelefoniediensten seitens des Providers einschränken zu lassen. Bei „Hacking“ im weitesten Sinn gingen in den vergangenen neun Monaten 87 Anzeigen ein. Anders als in Deutschland wird in Österreich die Internetkriminalität nicht gesondert statistisch erfasst, daher konnte Fekter auch keine Aussage zur Aufklärungsquote solcher Fälle in Österreich treffen.

Um die Internetkriminalität besser bekämpfen zu können, soll ein eigenes Kompetenzzentrum beim BK eingerichtet und personell verstärkt werden. Dort seien heute schon 13 Mitarbeiter angestellt, demnächst kämen noch drei Techniker hinzu. Das Zentrum arbeite eng mit weiteren Expertengruppen in den Landeskriminalämtern zusammen, es wird auch für die internationale Kooperation beispielsweise mit dem deutschen Bundeskriminalamt und seinem Pendant in der Schweiz zuständig sein.

Die Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit sieht auch SPÖ-Konsumentenschützer Johann Maier als wichtigsten Schritt zur Bekämpfung des Internetbetrugs, wie er anlässlich einer Pressekonferenz am Freitag festgestellt hatte.

Verbesserung der Forensik

Die Polizei will darüber hinaus mit Wissenschaftlern, beispielsweise von den FHs Hagenberg und St. Pölten, sowie mit Konzernen wie Microsoft künftig enger zusammenarbeiten und Know-how austauschen. Intern setzt das BK auf Spezialisierung. „Ein einzelner Fahnder kann heute nicht mehr alles wissen“, so Löschl. Das gelte auch für den Bereich der digitalen Spurensicherung, der mittlerweile zu einem Querschnittsthema geworden sei: „Bei vielen Hausdurchsuchungen werden elektronische Speichersysteme beschlagnahmt und ausgewertet.“

Fekter warb in diesem Zusammenhang auch für die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung, die die heimischen Provider dazu zwingen würde, die Internet- und Telefonverbindungsdaten sowie die Handystandortdaten sämtlicher Bürger für mindestens ein halbes Jahr zu speichern und für Fahndungszwecke bereitzuhalten. Die Richtlinie befindet sich derzeit auf EU-Ebene in Revision, EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström lässt prüfen, ob die stark umstrittene Rechtsvorschrift mit der EU-Grundrechtecharta vereinbar ist, die seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon zum Primärrecht der Union gehört.

Streit über Nutzerdaten

Auf Anfrage von ORF.at präzisierte Löschl, dass den Fahndern die Möglichkeit nicht ausreiche, über die im Sicherheitspolizeigesetz vorgesehene Abfrage an IP-Adressen und Nutzerdaten heranzukommen, man brauche vielmehr auch den Zugriff auf die Verkehrsdaten aus der Vorratsdatenspeicherung.

In Deutschland war die Vorratsdatenspeicherung im vergangenen Jahr bereits in Kraft, bevor das Höchstgericht sie in der damaligen Form als mit dem Grundgesetz unvereinbar kippte. Während die dortigen Innenminister in Bund und Ländern darauf drängen, sie wieder einzuführen, sieht die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger keine Eile geboten. Bürgerrechtsorganisationen wie der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung wiesen darauf hin, dass die Maßnahme keinen Einfluss auf die Kriminalitätsstatistik gehabt habe.

Günter Hack, ORF.at

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