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GI-TRACE hilft Besatzungskindern

Die Deutsche Ute Baur-Timmerbrink hilft als Repräsentantin der Transatlantic Children’s Enterprise (TRACE) Besatzungskindern (nach dem Krieg geborene Kinder von Besatzungssoldaten) im deutschsprachigen Raum bei der Suche nach ihren Vätern. Dabei sei das größte Problem nach wie vor das Schweigen vieler Mütter und Familien über die „Kinder der Schande“, so Baur-Timmerbrink.

Baur-Timmerbrink, geboren kurz nach Kriegsende in Österreich, hat 1998 - im Alter von 52 Jahren - von ihrem amerikanischen Vater erfahren und diesen 2002 mit Hilfe von Zeitzeugen und Zeitungen auch gefunden. Seither setzt sie sich für Menschen ein, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln begeben. Ohne das Netzwerk von Betroffenen, die der Mitte der 1980er Jahre gegründeten Organisation TRACE ehrenamtlich ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen, ist das Baur-Timmerbrink zufolge fast unmöglich. Die wenigsten würden wissen, wo sie anfangen sollen zu suchen.

Netzwerk stellt Kontakte her

Die „GI-Kinder“ aus Großbritannien und anderen Teilen Europas, die dem Netzwerk angehören, würden eine erfolgreiche Suche aber realistischer machen. Ein Mitarbeiter im National Record Center in St. Louis könne etwa nach militärischen Akten suchen. Sind diese erst gefunden, sei es oft nur eine Frage der Zeit, bis man auf einen Wohnort stößt, beschreibt Baur-Timmerbrink einen möglichen Ansatz.

Keine Garantie auf „Happy End“

Anders verlief der Kontakt bei Christa S. aus Lenzing in Oberösterreich. Mit 18 Jahren hat sie von ihrem leiblichen Vater, einem amerikanischen Soldaten, erfahren. Ihre Mutter nannte ihr den Namen und gab ihr ein Foto. Erst 1998 begann sie über TRACE nach ihm zu suchen. Als sie die Adresse hatte, schrieb sie ihm mehrere Briefe, die alle unbeantwortet blieben, und so reiste sie im Sommer 2005 mit ihrem Mann nach Nashville/Tennessee, um ihn zu besuchen. Allerdings kam es zu keinem persönlichen Kontakt zwischen den beiden.

Selbst wenn die Geschichten nicht immer ein „Happy End“ haben, so würde den Suchenden sehr oft die bedrückende Ungewissheit über das Schicksal des leiblichen Vaters genommen. Das Zusammenleben mit den Ziehvätern und Halbgeschwistern sei bei vielen schwer gewesen. Auch von Problemen in der Schulzeit würde man immer wieder hören, berichtete die Deutsche von einem Erfahrungsaustausch mit österreichischen Besatzungskindern, darunter auch mit Christa S. im März in Flachau.

„Wir müssen uns nicht ducken“

Trotzdem hätten alle ihr Leben gemeistert, würden in glücklichen Beziehungen leben und hätten Enkelkinder. Den wirklichen Vater zu suchen, sei bei vielen bis heute nicht möglich gewesen, weil alles andere notwendiger und wichtiger gewesen sei. In der zweiten Lebenshälfte würde dieser Wunsch bei Besatzungskindern aber umso quälender werden.

„Wir müssen uns nicht weiter ducken, wir können uns zu unseren amerikanischen Vätern, die als Befreier - nicht als Feind - nach Deutschland und Österreich kamen, stolz bekennen“, beschreibt die 52-Jährige die Gefühle ihrer Schicksalsgenossen.

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GI-TRACE