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Bewegung auf dem Tablet-Markt

Mit der jüngsten Version 3.0 seines mobilen Betriebssystem Android will Google ganz offensichtlich Tablet-Platzhirsch Apple und seinem iPad Konkurrenz machen. Dafür hat Google einige Features von Apple direkt kopiert. Bisher ist Google Apples einziger echter Konkurrent auf diesem Markt.

Anfang Februar stellte Google in den USA offiziell Android 3.0 alias „Honeycomb“ vor. Bereits davor hatte Google die nötigen Softwarewerkzeuge für Entwickler veröffentlicht, einige Eigenschaften des Systems waren daher bereits bekannt.

Größerer Schirm und mehr Leistung

War Android bisher vor allem auf Smartphones ausgelegt, wurde Honeycomb nun gezielt für Tablet-Computer entwickelt. Tablets bieten durch ihren größeren Schirm mit der höheren Auflösung mehr Platz für Anwendungen und Interaktionen auf dem Schirm. Android 3.0 trägt dem Rechnung, die Anwendungen wurden zum Teil neu gruppiert und mit 3-D-Effekten versehen, um eine Art Tiefe auf dem Schirm zu erzeugen. Einzelne Anwendungen wie Google Mail und die Kamera-App wurden ebenfalls überarbeitet. Viel Wert wurde laut Google auch auf nahtloses Multitasking gelegt.

Tablet-PC mit dem Betriebssystem Android 3.0 Honeycomb

Reuters/Beck Diefenbach

Android 3.0 bei der Präsentation am Mittwoch

Auch sonst hat sich Android 3.0 vom gewohnten Android für Smartphones deutlich entfernt: Eine Systemleiste unten für deutlich größere Benachrichtigungen und eine Aktionsleiste oben für die Anwendungen sollen genauso wie eine verbesserte Bildschirmtastatur die Bedienung von Android-Tablets erleichtern. Unter der Oberfläche wurde Android 3.0 ebenfalls optimiert, die Grafikleistung wurde verbessert und es gibt Unterstützung für mehrere Prozessoren. Anwendungen für frühere Android-Versionen sollen ohne Adaptionen funktionieren beziehungsweise einfach für mehr Geschwindigkeit angepasst werden können.

Anwendungen nun auch im Web zu kaufen

Neu und bereits online ist Googles Android Market Webstore, über den Android-Nutzer nun Anwendungen im Browser aussuchen, kaufen und dann direkt auf verschiedenen Geräten - auch auf dem Handy - installieren können. Damit reagiert Google nicht zuletzt auf den oft geäußerten Vorwurf, dass Spiele und Anwendungen im bisherigen Marketplace nicht ausreichend präsentiert werden konnten.

Im Gegensatz zu Apples iTunes gilt der Android Marketplace bisher nicht als Goldgrube. Entsprechend ist auch die neue optionale Möglichkeit, den Preis im Android Market pro Währung individuell gestalten zu können, zu verstehen. Bisher wurden die einmal fixierten Preise in andere Währungen einfach umgelegt, was zu sehr unüblichen Zahlenkombinationen hinter dem Komma führen konnte.

In-App-Verkäufe für zusätzlichen Umsatz

Ebenfalls neu sind die In-App-Verkäufe, also die Möglichkeit, in Anwendungen zusätzliche Inhalte kaufen beziehungsweise verkaufen zu kaufen. Bezahlt werden kann über Kreditkarte oder die Mobilfunkrechnung. Diese Funktion soll allerdings laut Google erst im Frühling verfügbar werden - womöglich gemeinsam mit Android 3.0 selbst. Offiziell nannte Google noch keinen Starttermin für Honeycomb, als erstes Tablet soll Motorolas Xoom auf den Markt kommen, gerüchteweise schon im Februar.

Wenig Überraschendes

Honeycomb ist Googles vorerst wenig innovative Antwort auf den Erfolg von Apples iPad und den Druck der Industrie, selber Gegenangebote anbieten zu können. Viel Neues ließ sich Google bei Honeycomb nicht einfallen, einiges erinnert frappierend an Apples iPad, den derzeit unangefochtenen Tablet-Marktführer. Microsoft hat bisher ausgelassen, Windows 7 auf Tablets ist für die Hersteller ein Nischenprodukt. Das jüngst angekündigte Windows speziell für Tablet-Rechner lässt noch auf sich warten.

Auf der US-Elektronikmesse CES Anfang des Jahres zeigten die Hersteller eine Reihe neuer Android-Tablets, deren Marktstart oft nur von der Veröffentlichung von Honeycomb abhängt. Bisherige Android-Tablets laufen noch unter den Smartphone-Versionen. Mit Honeycomb könnte der Tabletmarkt nun einen weiteren Boost erleben, der Wettlauf zwischen Apple und Google sich hingegen weiter zuspitzen.

Android holt bereits auf

Android konnte im vierten Quartal 21,6 Prozent auf dem Tablet-Markt für sich gewinnen, Apple mit seinem iPad 75,3 Prozent, sagen jüngste Zahlen des US-Marktforschers Strategy Analytics. Das ist ein deutliches Plus für Google: Im dritten Quartal hatte Apple noch 95,5 Prozent und Android erst 2,3 Prozent.

Im Gesamtjahr 2010 kommt demnach Apple auf 84,1 Prozent, Android immerhin auf 13,1 Prozent. Der Markt scheint noch einiges an Potenzial zu haben: Laut Strategy Analytics lieferte Apple im vierten Quartal 7,3 Millionen iPads weltweit aus, 3,1 Millionen mehr als im Quartal davor. Deutlich später gestartet. wurden im dritten Quartal erst 100.000 Tablets mit Android als Betriebssystem verkauft, im vierten Quartal bereits 2,1. Der US-Marktforscher IDC erwartet für heuer 44,6 Millionen ausgelieferte Tablets.

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