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Ruf nach Abschuss- und Importverboten

Die fortschreitende Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, vor allem aber auch die Jagdtouristen setzen Afrikas Löwenpopulation immer stärker zu. Lebten vor 100 Jahren auf dem Kontinent noch rund 200.000 der Großkatzen, so sind es heute nach Schätzungen maximal noch ein Fünftel davon.

Naturschutzorganisationen in den USA forderten deshalb letzten März, dass der Löwe auf die Liste der bedrohten Tierarten gesetzt wird. "Der afrikanische Löwe ist eine bedrohte Spezies“, zitierte der britische „Guardian“ damals Jeff Flocken von der Naturschutzorganisation International Fund for Animal Welfare (IFAW). „Der ‚König des Dschungels‘ sieht seiner Ausrottung entgegen“, so Flocken, der das IFAW-Büro in Washington leitet.

In 26 Ländern Afrikas verschwunden

Auch wenn die Raubkatze mitunter so genannt wird, ihr wichtigster Lebensraum sind - oder waren - nicht tropische Wälder, sondern die Savannenlandschaften Afrikas. Doch heute sei der Löwe bereits aus 80 Prozent seines ursprünglichen Lebensraums verschwunden. Laut der Tierschutzorganisation Panthera Conservation Group wurde der afrikanische Löwe bereits in 26 Ländern Afrikas ausgerottet.

Populationen immer kleiner

In nur noch sieben Ländern - Botswana, Äthiopien, Kenia, Südafrika, Tansania, Sambia und Simbabwe - gebe es Populationen mit jeweils mehr als 1.000 Tieren. Die Gesamtzahl wird auf maximal 40.000 geschätzt. Die IFAW und Partnerorganisationen wie Defenders of Wildlife richteten daher am 1. März eine Petition an die US-Regierung, den Löwen auf die Liste der gefährdeten Tierarten zu setzen. Das hätte u. a. zur Folge, dass ein Einfuhrverbot für Trophäen verhängt und lokale Schutzprojekte finanziell unterstützt werden könnten.

Löwe brüllt

Fotolia/Acturuss

Männlicher afrikanischer Löwe

“Die bei weitem größte Gefahr für die Tiere ist seit jeher der Mensch”, so der stellvertretende Präsident der Panther Conservation Group, Luke Hunter. Es werden aber nicht nur gelegentlich Tiere von Einheimischen getötet, wenn sie etwa Siedlungen zu nahe kommen oder auf eine andere Art zur Bedrohung für Menschen werden. Vor allem, und darüber empören sich Naturschutzorganisationen, ist es der Abschuss der Tiere u. a. für Trophäen wie Felle und Zähne.

US-amerikanische Jäger seien eine wachsende Bedrohung für das Überleben des afrikanischen Löwen, sagte Flocken der britischen Tageszeitung. Laut einem Bericht der IFAW wurden zwei Drittel der in den letzten zehn Jahren abgeschossenen Tiere in die USA gebracht. Außerdem blühe der Handel mit Trophäen quer über den Globus. Die IFAW verwies bereits mehrfach darauf, dass große Mengen von Trophäen illegal via Internet etwa über Onlineauktionen verkauft werden. Das Netz sei der „Superhighway zur Ausrottung“, hieß es in einem Bericht 2007.

Krallen, Zähne und Co. als „Souvenir“

Zwischen 1999 und 2008, heißt es in dem IFAW-Bericht, der gemeinsam mit der Petition dem Weißen Haus in Washington übergeben wurde, seien 64 Prozent von insgesamt 5.663 durch Sportjäger in Afrika abgeschossenen Tiere in die USA gebracht worden. Dabei seien 2008 mehr als doppelt so viele Löwen getötet worden wie noch zehn Jahre zuvor. Die Großwildjagd erlebt scheinbar ihre stille Renaissance. Gleichzeitig seien die USA auch der größte Importeur von Trophäen gewesen. Insgesamt wurden laut dem Papier über 2.000 Tierteile wie Klauen, Schädel, Knochen etc. in den Vereinigten Staaten verkauft.

Sportjagd als größte Gefahr

In Ländern wie Tansania, Sambia, Namibia und Mosambik ist die Sportjagd nach Ansicht der Naturschutzorganisationen die größte Gefahr für die Populationen. Sie wiesen darauf hin, dass die Vorliebe der Jäger, männliche Tiere abzuschießen, ganze Rudel auslöschen könne. Nach dem Verlust des Alphatiers käme es zu Rangkämpfen, bei denen wiederum Tiere getötet werden können - auch männliche Jungtiere, die in solchen Situationen als Bedrohung wahrgenommen würden.

Jagd- und Importverbote könnten die Situation entschärfen helfen, sagen Tierschützer wie Teresa Telecky, Leiterin der Sparte Artenschutz bei Humane Society International (HSI). In den USA könne man mit Importverboten am einfachsten und schnellsten ansetzen. Flocken verweist darauf, dass andere Großkatzen wie der Jaguar, der Leopard und der Tiger geschützt seien, nur der afrikanische Löwe noch nicht.

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