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Aus der Schundecke ins Museum

Comics sind mehr als lustige Bildergeschichten für Kinder: Diese Erkenntnis setzt sich auch im deutschsprachigen Raum immer weiter durch. Der Traditionsverlag Suhrkamp hat für Ende 2011 eine Comic-Schiene angekündigt, regelmäßig finden sich Rezensionen von Graphic-Novels im Feuilleton. Doch auch in der bildenden Kunst spielen die gezeichneten Geschichten eine nicht unwesentliche Rolle.

In Linz trifft sich nun bereits zum dritten mal die internationale Szene zum intermedialen Festival NextComic. Erwartet werden auch Prominente wie der „Lucky Luke“-Zeichner Achde, der erstmals in Österreich zu Gast ist. Er stellt in der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich aus und präsentiert sein neuestes Werk. Festivalleiter Gottfried Gusenbauer sieht darin „ein Signal, dass Comics die Kunsthäuser erobern“.

"Lucky Luke" Zeichner Achde

APA/Rubra/Rudolf Brandstätter

Achde, Zeichner von Lucky Luke, ist Stargast des NextComic-Festivals.

Was früher häufig als „Schund“ abgetan wurde, hat Einzug in die Alltagskultur gehalten. Daher findet NextComic auch an so unterschiedlichen Orten wie einem Einkaufszentrum, Bankfilialen und einem Theater statt. In Österreich gebe es im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern kaum eine Comic-Tradition, so Gusenbauer. „In den 50er Jahren hat man Angst gehabt, dass die Kinder dann nicht richtig lesen lernen.“ Das Festival wolle das Genre aber aus dem Eck der Kinder- und Schundliteratur herausholen. Denn Comics würden zunehmend von bildenden Künstlern entdeckt, „kaum eine Biennale kommt mehr ohne sie aus“.

Paper-Toys: Junges Phänomen

Im Offenen Kulturhaus Oberösterreich (OK) in Linz wird im Rahmen des Festivals eine Ausstellung gezeigt, die sich mit einem relativ jungen Phänomen innerhalb der Comic-Szene beschäftigt: den Paper-Toys. Die Papierfiguren sind eine Weiterentwicklung der künstlerisch modifizierten Actionfiguren von Michael Lau und haben innerhalb kürzester Zeit einen wahren Hype ausgelöst.

Auch ein Star der Szene ist im OK zu sehen: Der kroatische Künstler Marko Zubak arbeitet derzeit als Artist in Residence in Linz an einem Animationsfilm. Seine Papierfiguren, die manchmal an vollkommen ausgeflippte Origami-Faltereien erinnern, genießen Kultstatus.

Bild "Fröhliche Priester" von Gerhard Haderer

Gerhard Haderer

Gerhard Haderer, Fröhliche Priester, 2010

Aber auch eine andere - für Österreich typischere - Comic-Form ist Teil des Festivals: der Cartoon. So startet der Karikaturist Gerhard Haderer im Zuge von NextComic seine Ausstellungstour „Haderer bis der Arzt kommt“ mit einer umfassenden Werkschau. Im Lentos werden seine Farbcartoons aus verschiedensten Medien gezeigt - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Wie erfindet man einen Comic-Charakter?

Im Ars Electronia Center (AEC) ist das Publikum aufgerufen, selbst Hand anzulegen: Wie gibt man einer Comic-Figur ein unverwechselbares Design? Ausgehend von Super Mario, dem weltbekannten Computerspielhandwerker mit der roten Mütze, geben der österreichische Charakterdesigner Florian Satzinger und seine Kollegin Maryam Laura Moaezdi in Workshops Hilfestellung im Comic-Zeichnen.

Szene aus "Super Mario"

AP/Nintendo

Für eine Comic-Figur ist ein unverwechselbares Aussehen wie das von Super Mario essenziell.

Denn „gutes“ Design zeichnet sich in den Augen der beiden durch zweierlei aus: Glaubwürdigkeit und Appeal. Der Zuschauer muss der „Figur abkaufen“, dass diese denkt, ein Hirn hat, ein Leben führt. Appeal steht für das Design selbst, den Stil, die Form, das Volumen, die Farben und Pose. Der Workshop widmet sich detailliert dem praktischen Prozess, der dahintersteckt, um die beschriebenen Qualitäten in und an einer Figur entfalten zu können. Und weil es im AEC immer auch virtuell zugeht, kann jeder Zeichner künftig im „Mangarium“, einem digitalen Meer, seine gezeichneten Fische zum Leben erwecken.

Hinweis

NextComic-Festival, 4. bis 11. März in ganz Oberösterreich, Programm unter NextComic.org.

Mit der audiovisuellen Comic-Installation „Memories of now“ wird - ebenfalls im AEC - der flächenmäßig wohl größte Beitrag zum Festival zu sehen sein. Die Arbeit von Michaela Konrad und Daniel Dorobantu ist eine Adaption der ComicArt-Serie „Spacelove“, die durch Echtzeitinterventionen lebendig wird.

Insgesamt eine Woche lang ist der Zeichentrickzirkus in Oberösterreich zu Gast. Schon kurz darauf geht es in Wien weiter: Denn auch die Wiener Comic & Figurenbörse ist erwachsen und von einer reinen Verkaufsveranstaltung zu einer Messe für alle Liebhaber von Lucky Luke, Superman und Co. geworden.

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