Divjak soll nicht an Serbien ausgeliefert werden

Österreich wird den aufgrund eines serbischen Haftbefehls festgenommenen pensionierten bosnischen General Jovan Divjak voraussichtlich nicht an Serbien ausliefern. Serbien wirft Divjak vor, im Jugoslawien-Krieg Kriegsverbrechen begangen zu haben. „Nach unseren Völkerrechtsexperten sei eine Auslieferung nach Serbien undenkbar“, so Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) gegenüber dem „Kurier“ (heutige Ausgabe).

Zugleich wurde bekannt, dass der Minister seine für heute geplante Bosnien-Reise kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste. Die am Donnerstag auf dem Flughafen Wien-Schwechat erfolgte Festnahme schlägt hohe Wellen in Bosnien, wo „Onkel Jovo“ als „Held der Verteidigung Sarajevos“ im Bürgerkrieg verehrt wird.

Demo gegen Festnahme in Wien

Rund 800 Menschen fanden sich laut Polizeiangaben gestern Nachmittag zu einem Protest auf der Wiener Ringstraße ein, um gegen die Festnahme des pensionierten bosnischen Generals zu demonstrieren. Der Ex-General war auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls Serbiens bei einer Personenkontrolle festgenommen worden.

Die bosnische Staatsanwaltschaft hatte am Freitag im Gegenzug ebenfalls ein Verfahren eingeleitet, um selbst die Auslieferung Divjaks, der sich in Korneuburg in Auslieferungshaft befindet, an Sarajevo zu beantragen.

Einziger serbischer General

Divjak, der zu Beginn des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) als einziger serbischer General in der neu geschaffenen Armee von Bosnien-Herzegowina einen Führungsposten erhalten hatte, wird von Serbien der Mitverantwortung für Kriegsverbrechen in Sarajevo Anfang Mai 1992 verdächtigt.

Bei einem Angriff auf die aus der bosnischen Hauptstadt abziehenden jugoslawischen Truppen kamen mehrere Offiziere, Soldaten und Zivilisten ums Leben. Eine genaue Opferzahl wurde von den damaligen jugoslawischen Behörden nie veröffentlicht. Inoffizielle Angaben sprachen von mehr als 40 Toten und rund 200 gefangenen Soldaten. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat allerdings bereits festgestellt, dass es sich dabei nicht um Kriegsverbrechen handelte.