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Gehaltsschere unverändert weit offen

Frauen haben in den vergangenen Jahrzehnten sowohl bei Ausbildung als auch bei der Erwerbsbeteiligung aufgeholt. Der Anstieg bei der Erwerbstätigkeit ist aber vorwiegend auf Teilzeitjobs zurückzuführen. Teilzeitarbeit prägt vor allem die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren, das geht aus den aktuellsten Daten der Statistik Austria hervor, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurden.

Das Bildungsniveau von jungen Frauen ist in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen als jenes der Männer. 2008/2009 wurden 58 Prozent der Maturaabschlüsse von Frauen abgelegt und 56 Prozent der Studienabschlüsse von ihnen erworben. Wie beim Ausbildungsniveau stieg auch die Erwerbsbeteiligung. Betrug die Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen 1999 erst rund 62 Prozent, belief sie sich 2009 auf 70 Prozent.

Der Anstieg ist allerdings in erster Linie auf die deutliche Ausweitung der Teilzeit zurückzuführen, denn im gleichen Zeitraum stieg die Teilzeitquote bei den unselbstständig erwerbstätigen Frauen von 33 Prozent auf 43,5 Prozent. Insgesamt waren 2009 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten weiblich.

Mit Kindern meist nur Teilzeit

Für Frauen ist eine Elternschaft meist mit der Reduzierung der beruflichen Arbeitszeit verbunden. 2009 waren rund 68 Prozent der aktiv erwerbstätigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt, bei den Männern waren es hingegen nur rund fünf Prozent. Betrachtet man Mütter und Väter mit Kindern unter 15 Jahren insgesamt, überwiegt bei Männern der Anteil der Vollbeschäftigten mit 87 Prozent. Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern hingegen arbeiten zu 45 Prozent in einer Teilzeit- und nur zu 21 Prozent in einer Vollzeitbeschäftigung. Die eingeschränkte Erwerbsarbeit ist oftmals auch mit einer schlechteren Stellung am Arbeitsmarkt und bei der sozialen Absicherung verbunden.

Bis zu 40 Prozent weniger

Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer. Beim Vergleich der Bruttojahreseinkommen zeigt sich, dass unselbstständig erwerbstätige Frauen im Jahr 2009 mit durchschnittlich 17.639 Euro um rund 40 Prozent weniger verdienten als Männer mit im Schnitt 29.181 Euro brutto. Eine wesentliche Veränderung im Zeitvergleich zeigt sich dabei nicht. Die Schere bei den Bruttojahreseinkommen belief sich nämlich auch 1999 auf rund 40 Prozent.

Selbst wenn in der Berechnung unterschiedliche Beschäftigungsausmaße berücksichtigt werden und der Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte beschränkt wird, liegen die Bruttojahreseinkommen von Frauen (29.513 Euro) um rund 19 Prozent unter jenen der Männer (36.597 Euro).

Schlusslicht in Europa

Im Europavergleich liegt Österreich diesbezüglich auf den hintersten Plätzen. Zwar hat sich der von Eurostat berechnete Gender Pay Gap marginal von 25,5 Prozent im Jahr 2008 auf 25,4 Prozent im Jahr 2009 verkleinert, hinter Österreich findet sich aber nur Tschechien mit einer Differenz von 25,9 Prozent. Durchschnittlich betrugen die Einkommensunterschiede 2009 in Europa 17,1 Prozent (EU-27, ohne Daten aus Belgien, Estland, Polen und Griechenland).

Verglichen werden von Eurostat die Bruttostundenverdienste von unselbstständig Beschäftigten in Unternehmen ab zehn Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Im Gegensatz dazu werden für den Einkommensbericht der Statistik Austria die Bruttojahresverdienste für alle unselbstständig Beschäftigten inklusive des öffentlichen Dienstes herangezogen.

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