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Babypause als Karrierekiller

Frauen, die lange in Kinderkarenz bleiben, verdienen deutlich weniger als jene, die schnell ins Berufsleben zurückkehren. Das zeigen Berechnungen des Arbeitsmarktservice (AMS). „Wir raten Frauen zu einem raschen Wiedereinstieg“, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Montag bei einer Pressekonferenz.

Um die Frauen dabei zu unterstützen, soll künftig in jeder AMS-Filiale Wiedereinstiegsberatung angeboten werden. Auch Maßnahmen, um die Frauen in besser bezahlte Technikberufe zu bringen, sollen weiter forciert werden.

„Bei einem Wiedereinstieg ins Berufsleben geht es um ganz andere Probleme als bei anderen Arbeitslosen“, so Kopf. Nicht die niedrige Qualifikation sei das Hauptproblem, sondern praktische Probleme wie Kinderbetreuung, die Nähe des Wohnorts zum Arbeitsplatz und fehlende Teilzeitmodelle. „Dabei geht es auch um Motivation“, betonte Kopf. Oft müsse man die Frauen von den Vorteilen eines raschen Berufseinstieges erst überzeugen.

Drastische Zahlen

Frauen, die nach weniger als einem Jahr Karenz an den Arbeitsplatz zurückkehren, erhielten nach AMS-Angaben im Jahr 2009 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von rund 1.500 Euro. Dauerte die Karenz bis zu zwei Jahre, reduzierte sich das Einkommen um 21 Prozent. Bis zu drei Jahre bedeuteten um die 30 Prozent Einbußen, bis zu fünf Jahre 35 Prozent. Ab einer Karenzzeit von fünf Jahren verdienten Frauen sogar 60 Prozent weniger. Das sei ein substanzieller Beitrag zur Einkommenslücke, so Kopf. Arbeitszeitbereinigt liege diese momentan bei 19 bis 25 Prozent, „je nach Studie“.

Als weiterer Grund für die ungerechte Einkommensverteilung gilt die Berufswahl von Frauen. Oft zieht es sie in Sozialberufe und geisteswissenschaftliche Studien, die schlechter entlohnt werden als Handwerks- und Technikberufe.

Fehlende Kinderbetreuung

Ein großes Hindernis beim Wiedereinstieg ins Berufsleben sei aber die Tatsache, dass es keine flächendeckende Kinderbetreuung gibt. Dadurch werde die Wahlfreiheit der Frauen bezüglich Arbeitsplatzwahl eingeschränkt.

Gemäß einem EU-Beschluss aus dem Jahr 2002 sollten für unter Dreijährige zu 30 Prozent Plätze zur Verfügung stehen, was in Österreich mit einem tatsächlichen Wert von 15,8 Prozent weit unterboten wird. Nur Wien erreicht die Vorgabe mit 26,8 Prozent nahezu, in der Steiermark sind es hingegen nur 7,7 Prozent.

Doch gerade bei der Kinderbetreuung gibt es noch ganz andere Probleme: Alleine in Wien fehlen 600 Kindergartenpädagogen – mehr dazu in wien.ORF.at. Und es ist ein Beruf, der vergleichsweise gering entlohnt wird, wie die Kindergärtnerinnen in Salzburg meinen - mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Betreuungsplätze entscheidend

Je besser die Kinderbetreuung, desto eher bleiben Frauen im Berufsleben, bestätigt auch Eurostat: In mehreren EU-Ländern wie Belgien und Slowenien mit guter Kinderbetreuung steigt die Beschäftigungsquote von Frauen nach dem ersten und zweiten Kind sogar. Österreich bestätigt das, wenn auch auf umgekehrte Weise: Hierzulande gibt es viel zu wenige Betreuungsplätze und die – im EU-Vergleich recht hohe - Beschäftigungsquote der Frauen sinkt, sobald sie Mutter werden - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Licht und Schatten

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel verwies anlässlich des Frauentages darauf, dass sich die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren wenig verbessert habe, Teilzeit- und Niedriglohnjobs sowie fehlende Karrierechancen seien nach wie vor typisch, kritisierte er. Immerhin seien aber 38,7 Prozent der heimischen Unternehmen in weiblicher Hand, verkündete ÖVP-Parlamentarierin Adelheid Fürntrath-Moretti.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ließ wissen, dass Österreich im Vorjahr mit 4,2 Prozent die geringste Frauenarbeitslosenrate in ganz Europa aufwies. Familienstaatssekretärin Verena Remler (ÖVP) erklärte den Frauentag zum „Startschuss für ein neues Vereinbarkeitspaket“ inklusive eines Dialogs mit den Sozialpartnern etwa über flexible Arbeitszeitmodelle und dem Ziel, ab dem kommenden Jahr wieder Bundesmittel in den Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren.

Heinisch-Hosek setzt auf Gehaltstransparenz

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hofft indes, dass die Gehaltstransparenz zu einer gerechteren Entlohnung von Frauen führt. Sie fühlt sich darin auch durch eine aktuelle SORA-Umfrage bestärkt, wonach sowohl Frauen als auch Männer die Gehaltstransparenz unterstützten.

Es gebe keine Neiddebatte, sondern viel eher den Wunsch nach Transparenz, so die Ministerin. Zwei Drittel der Befragten fiänden, dass die Gehaltsoffenlegung ein wichtiger Schritt in Richtung gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist. Die Gehaltstransparenz wird von 65 Prozent der Frauen und auch 54 Prozent der Männer unterstützt.

Mit „gläserner Decke“ abgefunden?

Laut einer weiteren Studie sagen in Österreich deutlich mehr Frauen als Männer, sie seien zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und der Karrierestufe, die sie erreicht haben. Laut der weltweiten Untersuchung des Managementberatungsfirma Accenture will nur jede vierte Frau ihre Karriere im laufenden Jahr selbst vorantreiben – im Vergleich zu fast jedem zweiten Mann. Laut Befragung fühlen sich 70 Prozent der weiblichen Angestellten wohl mit ihrem Arbeitsplatz, 80 Prozent sind zufrieden mit der Position, die sie in der beruflichen Hierarchie einnehmen (Männer: 60 und 65 Prozent).

„Offensichtlich haben sich Frauen damit eingerichtet, dass es für sie im Job häufig nicht weitergeht. Viele haben sie die sogenannte ‚gläserne Decke‘ akzeptiert“, so Geschäftsführerin Catrin Hinkel. Nur 30 Prozent der weiblichen Angestellten wollten auf Positionen der obersten Führungsebene vorstoßen gegenüber 41 Prozent der Männer. Arbeitnehmerinnen sehen außerdem die Schuld für mangelnde Aufstiegschancen oft bei sich selbst, stärker als ihre männlichen Kollegen.

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