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Empörung über Verdikt der Kirche

Bevor der belgische Bischof Roger Vangheluwe aus dem französischen Loire-Kloster der Monastischen Gemeinschaft von Jerusalem verschwunden ist, war über seinen Aufenthalt dort eine heftige Diskussion entbrannt. Opfer warfen dem Vatikan vor, Vangheluwe statt einer Strafe „einen dauerhaften Urlaub“ zu ermöglichen.

Die römische Glaubenskongregation hatte Vangheluwe den Antritt einer Behandlung vorgeschrieben. Die Missbrauchsvorwürfe seien zwar verjährt, dennoch müsse er Belgien verlassen und sich einer spirituellen und psychologischen Behandlung unterziehen, so die Apostolische Nuntiatur in Belgien. Die „Abschiebung“ Vangheluwes nach Frankreich geschah schließlich still und heimlich, und ohne die Öffentlichkeit zu informieren.

Französisches Loire-Kloster

AFP/Alain Jocard

Das Kloster der Monastischen Gemeinschaft von Jerusalem in La Ferte Imbault

Für Bischof ausreichende Strafe

Auch über die Natur der „Behandlung“ hüllte sich die Kirche in Schweigen. Die Aufsicht über den Bischof konnte jedoch nicht allzu streng sein, sonst hätte er wohl kaum die Gelegenheit zu einem TV-Interview gehabt, zu dem er sich offenbar im Alleingang entschloss. Dennoch verteidigte der Antwerpener Bischof Johann Bonny gegenüber dem belgischen Fernsehsender VRT die Maßnahme.

Die Strafe gegen Vangheluwe sei ausreichend, erklärte Bonny. Eine strengere Strafe wie etwa eine gänzliche Rückversetzung in den Laienstand hätte bedeutet, „ihn für vogelfrei zu erklären“. Vangheluwe müsse zurückgezogen leben, sich einer psychologischen und spirituellen Betreuung unterziehen und dürfe nicht als Seelsorger tätig werden.

Erklärung der Nuntiatur ohne Wort des Bedauerns

Kritik übte der Bischof aber an der Erklärung der Nuntiatur. Darin gebe es kein Wort des Bedauerns gegenüber dem Opfer, und es fehle auch jeder Hinweis auf die Schwere der Tat. Der 74-jährige Vangheluwe hatte Ende April 2010 zugegeben, zwischen 1973 und 1986 seinen Neffen sexuell missbraucht zu haben.

Papst Benedikt XVI. hatte daraufhin unverzüglich Vangheluwes Rücktritt angenommen. Es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass die katholische Kirche bis zu diesem Zeitpunkt alles tat, um Vangheluwes Taten zu vertuschen. Die Affäre stürzte die katholische Kirche nicht nur in Belgien in der Folge in eine tiefe Krise.

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