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Propaganda für „Judgment Day“

Angekündigte Weltuntergänge finden offenbar nicht statt. Anhänger des amerikanischen Radiopredigers und Endzeitpropheten Harold Camping starteten vergeblich Kampagnen, um die unfrohe Botschaft vom Weltuntergang am Samstag bis über die USA hinaus zu verbreiten.

Neben Reklametafeln für Bier, Casinos und Scheidungsanwälte zierten seit Monaten auch Warnungen vor einem bevorstehenden Weltuntergang das Straßenbild so mancher amerikanischer Stadt. Plakate, auf denen in großen Lettern „Have you heard the awesome news about may 21, 2011!“ und „Judgment Day 21 May“ steht, sollten die Amerikaner auf die nahende Apokalypse am Samstag, dem 21. Mai, aufmerksam machen. 20.000 Werbetafeln sollen Apokalypse-Gläubige in den USA und auch außerhalb des Landes aufgestellt haben, schrieb „The Canadian Press“.

Dahinter steckte der 89-jährige Camping. Seit Monaten ließ der gelernte Bauingenieur mit der tiefen, sonoren Stimme mit Prophezeiungen vom bevorstehenden Ende der Welt aufhorchen: Am Samstag würde Jesus wiederkehren und die Welt untergehen. Seine Endzeitthesen verbreitet Camping über die christliche Radiosenderkette Family Radio, die er in den späten 1950er Jahren mitbegründet hatte. Die USA-weit 150 Radiostationen der Senderkette versorgen ihre konservativ-protestantischen Hörer mit christlicher Gospelmusik - und den Predigten Campings.

Flugzettel und T-Shirts

Mittlerweile hat Camping im ganzen Land eine lose Gruppe von Anhängern um sich gescharrt. Sie verbreiteten die unheilvolle Nachricht nicht nur via Plakate, sondern bereisten auch in Bussen die USA und verteilten Flugzettel. Manche von ihnen hatten sogar ihre Jobs aufgegeben, weil sie „die letzten Monate auf der Erde“ mit ihrer Familie oder Missionierungsarbeit verbringen möchten, berichtete der Radiosender NPR.

Mann mit Mikrofon steht vor einem Bus und warnt vor dem Weltuntergang

Reuters/Romeo Ranoco

Apokalypse-Gläubige missionierten die vermeintlich untergehende Welt.

Die Botschafter der Apokalypse waren auch außerhalb der USA aktiv: bis nach Südamerika, Afrika und Europa waren die Endzeitpropheten - ausgestattet mit „Judgment Day“-T-Shirts und Broschüren - ausgeschwärmt. Nicht zuletzt verbreiteten die Gläubigen, deren Zahl sich nicht genau ermitteln lässt, über eigene Websites ihre Endzeitbotschaft.

Endzeitbotschaft im Radio

Wie die Apokalypse laut Camping vonstattengehen hätte sollen: Am 21. Mai sollte Jesus Christus auf die Erde zurückkehren, gleichzeitig sollte die Erde ab 18.00 Uhr - und das in jeder Zeitzone separat - von heftigen Beben erschüttert werden, ausgehend von Neuseeland und Australien.

Das gewaltige Erdbeben hätte den Prophezeiungen Campings zufolge bis 21. Oktober dauern sollen. Gott werde in diesen fünf Monaten die Erde zerstören und die Menschheit ausrotten, so Camping. Der Trost für die Gläubigen dabei: Sie wären - im Gegensatz zum Rest - in den Himmel gekommen. Etwa 200 Millionen sollten laut Camping „gerettet“ werden, unter ihnen natürlich auch er selbst.

1994 danebengelegen

Camping glaubte das Datum des herannahenden Weltuntergangs anhand von Bibelzitaten und biblischen Zahlen herausgefunden zu haben. Zusätzlich bestätigt fühlte er sich durch die Katastrophen in Haiti und in Japan sowie den angeblichen moralischen Verfall in den Kirchen, die er als Vorzeichen für ein bevorstehendes Weltende deutet - mehr dazu in religion.ORF.at.

Schon einmal war Camping mit seiner Prophezeiung eines Weltuntergangs falsch gelegen. Bereits vor 17 Jahren hatte er vorausgesagt, dass die Welt am 6. September 1994 untergehen würde. Dutzende seiner Anhänger versammelten sich an jenem Tag - in Sonntagskleidung und ihre Bibeln Richtung Himmel gestreckt - im Veterans Memorial Building in Alameda (Kalifornien), um auf die Wiederkehr von Jesus beziehungsweise den Weltuntergang zu warten, berichtete der „San Francisco Chronicle“. Schließlich trafen weder Jesus noch das Weltende ein. Warum Camping damals falsch lag? Er habe seine Bibelrecherchen damals noch nicht abgeschlossen gehabt, sagte der Prediger zuletzt.

Immer wieder Weltuntergangsängste

Im Laufe der Geschichte gab es einige Endzeitpropheten wie Camping, die mit ihren düsteren Prognosen dann doch nicht recht behalten sollten. Im Jahr 999, vor der Jahrtausendwende, soll Papst Silvester II. den nahenden Weltuntergang gefürchtet haben.

1993 verbrannten sich auf einer Ranch im texanischen Waco 85 Mitglieder der Davidianer-Sekte, die das Weltende herankommen sahen. Der genaue Tathergang ist allerdings bis heute nicht geklärt. 1994 sollte für die Sekte der Sonnentempler die Welt untergehen. Morde und Selbstmorde in der Schweiz mit 53 Toten waren die Folge. Ebenfalls den nahenden Weltuntergang erwartend verbrannten sich im Jahr 2000 in einem Dorf in Uganda 560 Mitglieder der katholischen Sekte „Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes“, darunter auch viele Kinder. Auch die Zeugen Jehovas lagen mittlerweile bei mehreren erwarteten Apokalypsen falsch.

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