Kinder abschieben: Kritik an Asylplänen Australiens
Mehr als 6.000 Bootsflüchtlinge kommen jedes Jahr in Australien an. Nach einer umstrittenen Regierungsvereinbarung sollen jetzt Hunderte nach Malaysia abgeschoben werden. Dass Australien auch Kinder ohne Eltern auf diese Reise schicken will, hat heute einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
„Wir sind schockiert“, sagte der Chef des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF in Australien, Norman Gillespie, in einem Radiointerview. „Diese Kinder sind traumatisiert. (...) Sie wieder auf ein Boot zu packen und in ein fremdes Land zu bringen (...), das ist extrem hartherzig und ohne jedes Mitgefühl.“
Menschenhandel soll unterbunden werden
Einwanderungsminister Chris Bowen will bewusst auch Kinder abschieben, damit Menschenschmuggler sich nicht darauf spezialisieren, Minderjährige nach Australien zu bringen. „Wenn wir generelle Ausnahmen von der allgemeinen Regel (der Abschiebung nach Malaysia) machen, werden die Menschenschmuggler das ausnutzen und Kinder auf alte Boote lotsen und ihr Leben aufs Spiel setzen. Das will ich nicht zulassen“, sagte er dem Sender NewsRadio.
Im Dezember war ein Boot mit Asylsuchenden vor der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel gekentert. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, darunter zahlreiche Kinder.
AI: Bedenkliche Menschenrechtslage in Malaysia
Australien hat mit Malaysia eine Vereinbarung getroffen, wonach Malaysia 800 in Australien illegal eingereiste Menschen aufnimmt. Ihr Asylgesuch soll dort geprüft werden. Australien will im Gegenzug 4.000 in Malaysia anerkannte Flüchtlinge aufnehmen und ansiedeln.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht das ganze Abkommen kritisch. Malaysia habe weder die UNO-Konvention gegen Folter noch die UNO-Flüchtlingskonvention unterzeichnet. Frauen und Mädchen seien besonders gefährdet.
Publiziert am 03.06.2011