Themenüberblick

„Alle Gruppen auf dem Radar“

17 Tote, über 130 Verletzte: Das ist die Bilanz der am Mittwoch gezündeten Sprengsätze an belebten Orten in der indischen Metropole Mumbai. Die Behörden gehen von einem Terroranschlag aus, eine Spur zu den Attentätern und deren Hintermännern gibt es allerdings nicht. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

„Alle Gruppen, die Indien feindlich gesonnen sind, sind auf dem Radar“, sagte Innenminister Palaniappan Chidambaram am Donnerstag. Indische Medien spekulierten über die Beteiligung radikaler Islamisten. Verdächtigt wurden die in Indien gegründeten Indischen Mudschahedin und die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e Taiba. Chidambaram winkte aber ab. Es werde nichts ausgeschlossen, aber einen Tag nach den Anschlägen sei es noch zu früh, „mit dem Finger auf eine bestimmte Gruppe zu deuten“. Bisher habe sich niemand zu den Bombenanschlägen bekannt. Es habe sich jedenfalls um einen „koordinierten Anschlag von Terroristen“ gehandelt.

Kritik an Geheimdiensten

Warnungen oder Ankündigungen soll es nicht gegeben haben. Dennoch gab es Kritik am Versagen der Sicherheitskräfte und der Geheimdienste, obwohl die Sicherheitsvorkehrungen nach den Anschlägen 2008 verschärft worden waren. Der Innenminister nahm die Exekutive in Schutz - die Taten könnten nicht auf deren Versagen zurückgeführt werden. Es handle sich möglicherweise um eine kleine, sehr geheim operierende Gruppe. Die Art der Sprengsätze weise aber auf eine gewisse Erfahrung der Attentäter hin.

Zerstörte Motorräder auf einem Bazar in Mumbai

APA/EPA

Nach der Explosion auf einem belebten Goldmarkt in Mumbai

Innerhalb einer Viertelstunde waren am Mittwochabend drei Sprengsätze explodiert - auf einem bekannten Goldmarkt unter einem Schirm, bei der Oper versteckt im Müll und in einem dicht besiedelten Stadtteil im Süden der Stadt bei einer Busstation.

Am Geburtstag des Attentäters von 2008

In Mumbai ereigneten sich in den vergangenen Jahren immer wieder terroristische Anschläge. Im Juli 2006 wurden bei einer Serie von Bombenexplosionen in Vorortezügen mehr als 180 Menschen getötet und rund 800 verletzt. Mitte 2003 starben bei Anschlägen im Stadtzentrum mehr als 50 Menschen. Bei der bisher größten Anschlagserie 1993 waren 250 Menschen ums Leben gekommen. Auch für diese Taten werden muslimische Extremisten verantwortlich gemacht.

Indischer Minister Chidambaram

Reuters/Faisal Mahmood

Innenminister Chidambaram

Zuletzt starben bei den Angriffen auf einen Bahnhof, ein jüdisches Zentrum, ein Touristencafe und die Luxushotels Taj Mahal und Trident Oberoj im November 2008 über 160 Menschen. Indien machte die islamistische Terrorgruppe Lashkar-e Taiba für den Angriff verantwortlich. Die neuerlichen Angriffe von Mittwoch fallen mit dem Geburtstag von Mohammed Ajmal Amir Qasab zusammen - der einzige Attentäter, der das Mumbai-Attentat 2008 überlebte.

„Problematischste Nachbarschaft der Welt“

Die Inder lebten in der „problematischsten Nachbarschaft der Welt“, betonte Chidambaram auch mit Hinweis auf den Rivalen Pakistan. Afghanistan und Pakistan seien „das Epizentrum des Terrorismus“. Auch bei den 2008 verübten Anschlägen warf Indien seinem Erzrivalen Pakistan vor, Lashkar-e Taiba unterstützt zu haben. Die Friedensgespräche zwischen den beiden Ländern wurden daraufhin auf Eis gelegt und erst vor kurzem wieder aufgenommen.

Noch ist unklar, auf wen die jüngsten Sprengsätze zurückzuführen sind. Die pakistanische Regierung drückte jedenfalls unmittelbar nach Bekanntwerden des Anschlags ihr Bedauern über die Toten und Verletzten aus. Die Regierung und der Präsident des Nachbarlandes verurteilten die Anschläge von Mittwoch. Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die Taten und bot Indien Hilfe bei den Ermittlungen an.

Links: