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Spielfilme und Dokumentationen

Die von Flugzeugen getroffenen und einstürzenden Türme des World Trade Centers sind zu den ikonischen Bildern des neuen Jahrtausends schlechthin geronnen. Kein Wunder also, dass sich die weltweite Bilderzeugungsmaschinerie mit Hollywood an der Spitze auf vielerlei Art und Weise mit dem Ereignis und seinen politischen und gesellschaftlichen Folgewirkungen auseinandersetzte.

In den vergangenen zehn Jahren entstanden kritische und heldenverehrende Spiel- ebenso wie kontroversielle und tendenziöse Dokumentarfilme. Dass es trotzdem noch kein Leinwand- oder Fernsehwerk gegeben hat, das mit den bedeutungsschweren Bildern hätte adäquat mithalten können, liegt wohl auch daran, dass es keine einheitliche Sichtweise auf die Anschläge gibt, auf die sich die Meinungsmacher dieser Welt verständigen hätten können.

So kursieren Verschwörungstheorien, sind unzählige Fragen offen, spielen immer wieder Propaganda- und Kriegsinteressen in die Debatte - und damit auch in die Filmproduktion - hinein. Der Krieg gegen den Terror hat nicht zuletzt das patriotische Hollywood mobilisiert, am unverhohlensten bei Michael Bays Materialschlachten, am unerwartetsten bei Oliver Stone, am peinlichsten im Popcorn-Blockbusterkino a la „Spider-Man“.

Wenige erwähnenswerte Versuche

In der US-Spielfilmproduktion gab es nach dem 11. September nur wenige Versuche, die im Rückblick tatsächlich erwähnenswert scheinen. Und es überrascht nicht, dass der bisher beste sich mit dem Nebenschauplatz des einzigen abgestürzten Flugzeugs beschäftigt, also nicht allzu sehr mit den Zwillingstürmen selbst. „United 93“ (Flug 93) von Paul Greengrass entstand 2006 und rekonstruiert die Ereignisse in der von Terroristen gekidnappten und von Passagieren verteidigten Maschine, ohne bekannte Schauspieler und in dokumentarischem Stil. Der Film genießt als einer der wenigen auch den Rückhalt und die Unterstützung der Hinterbliebenen.

Im gleichen Jahr, also bereits fünf Jahre nach den Anschlägen, kam Oliver Stones „World Trade Center“ heraus, in dem der streitbare Regisseur auf eine politische Interpretation verzichtet und stattdessen die Heldenstory eines Polizisten (Nicolas Cage) erzählt, der Überlebende aus den Trümmern birgt.

Private Schicksale als Filmstoff

Wer sich von diesem Film mehr erwartet hatte, war vermutlich ein Jahr später von „Reign Over Me“ (Die Liebe in mir) überrascht, der Comedy-Star Adam Sandler in einer ungewöhnlichen Rolle als trauernden Familienvater zeigt, der mit den Folgen der Anschläge nicht zurechtkommt und erst mit einem Freund aus College-Tagen (Don Cheadle) wieder zu neuem Lebensmut findet. Ein gefühlvoller und ernster Film von Mike Binder.

Faktencollage von Michael Moore

Leichter tut sich Hollywood aber eindeutig mit den lauten Tönen, sei es mit den Kriegsfilmen wie „The Hurt Locker“ (2008) von Kathryn Bigelow, die indirekt die kriegerischen Folgen der Anschläge dokumentieren, sei es mit den propagandistischen Essayfilmen eines Michael Moore, der mit seiner Anklage „Fahrenheit 9/11“ (2004) dem damaligen Präsidenten George W. Bush vorwarf, die Attentate nur als Vorwand für den Irak-Feldzug benützt zu haben.

Auch wenn man bei der tendenziösen Faktencollage nur schwerlich von einem Dokumentarfilm sprechen kann, wird der Film mit einem Einspielergebnis von mehr als 200 Millionen als an den Kinokassen erfolgreichste Doku aller Zeiten geführt. Andere dokumentarische US-Filme wie „9/11“ (2002) von James Hanlon und Rob Klug oder „9/11: Press for Truth“ (2006) von Ray Nowosielski bemühten sich um einen nüchternen und kritischen Zugang zu dem einschneidenden Ereignis, ohne dabei im Kino auch nur annähernd jene Breitenwirkung zu erreichen, die Moore für sich in Anspruch nehmen konnte.

„Road to Guantanamo“

Ähnliches gilt für die ambitionierten Projekte des Briten Michael Winterbottom, der 2006 mit dem Dokudrama „Road to Guantanamo“ über zu Unrecht inhaftierte britische Muslime im Wettbewerb der Berlinale vertreten war und mit dem Spielfilm „A Mighty Heart“ (Ein mutiger Weg) ein Jahr später die Ermordung des entführten Journalisten Daniel Pearl mit Angelina Jolie ins Kino brachte.

Winterbottom ist einer der wenigen Filmemacher außerhalb der Vereinigten Staaten, die sich auf filmischer Ebene eingehender mit dem 11. September 2001 und seinen Folgen befasst haben. Während jedoch etwa das indische Bollywood-Kino mit „Kabul Express“ (2006), „Kurbaan“ (2009) oder „My Name is Khan“ (2010) - letzterer lief mit dem Star Shah Rukh Khan im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz - einige fiktionale Werke zum Thema hervorgebracht hat, kursieren in Europa eher die kritischen Dokus wie „Zero: An Investigation into 9/11“ (mit Nobelpreisträger Dario Fo) oder Verschwörungsfilme wie Frank Höfers „Unter falscher Flagge“, die dem US-Militär die Verantwortung für die Anschläge anlastet.

Gemeinschaftsprojekt mit Kurzfilmen

Einen der differenziertesten Blicke lieferte zu guter Letzt eine Kompilation, die bereits 14 Monate nach der Katastrophe unter dem Titel „11'09"01 - September 11“ ins Kino kam. Elf Filmemacher aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde wurden eingeladen, einen elf Minuten und neun Sekunden langen Beitrag zu gestalten und ihre Sicht der Dinge dokumentarisch oder fiktional einzufangen.

Während alle Kurzfilme auf einmal in ihrer Fülle überfordern, erschließt sich in den Beiträgen von u. a. Sean Penn, Samira Makhmalbaf, Ken Loach, Mira Nair oder Amos Gitai doch eine beeindruckende Bandbreite an Blickwinkeln.

Daniel Ebner, APA

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