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Drängt zu rascher EFSF-Entscheidung

Banken haben nach Einschätzung von Nationalbankchef und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny weiterhin Probleme, an langfristige Liquidität zu kommen. Zwar hätten die Institute keinen Mangel an kurzfristigem Geld, sagte Nowotny am Montag auf einer Konferenz in Wien.

„Es ist ein Problem, dass längerfristige Liquidität für die Banken am Markt sehr schwer zu bekommen ist. Das ist eine Herausforderung, die wir diskutieren müssen, auch in der Politik“, sagte Nowotny. Die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), mit denen sie angeschlagenen Staaten unter die Arme greift, stellten keine zusätzliche Liquidität zur Verfügung und seien begrenzt - auch zeitlich, bekräftigte Nowotny. „Es ist ein befristetes Programm, auch zeitlich befristet, daher ist das nichts, das Teil der gewöhnlichen Instrumente der EZB ist.“

Für europäische Bankenaufsicht

Die Rettung angeschlagener Banken soll nach Ansicht Nowotnys künftig nicht mehr allein die Angelegenheit von deren Heimatländern sein. Vielmehr müssten die Überwachung des Bankensystems und die Rettung strauchelnder Institute als gemeinsame Aufgabe verstanden werden. Daher sollten auch die Lasten für die Rettung von Banken auf europäischer Ebene und nicht nur von den nationalen Steuerzahlern getragen werden. „Für die Zukunft ist es notwendig, dass wir einen europäischeren Ansatz verfolgen“, sagte Nowotny.

Treichl: Erträge nicht kalkulierbar

Auch für Erste-Group-Chef Andreas Treichl stellt die Schwierigkeit, Geld aufzunehmen, ein großes Problem für den Finanzsektor dar. Einen Grund sieht er darin, dass die Investoren ihre Erträge nicht kalkulieren könnten. Solange nicht klar sei, wie hoch die Eigenmittelunterlegung sein werde, werde auch eine bessere wirtschaftliche Lage daran nichts ändern.

Das wirkliche Problem sei aber nicht die Kapitalisierung der Banken, sondern die Staatsschuldenkrise. Diese werde auch durch eine stärkere Kapitalisierung der Banken nicht gelöst werden können, so Treichl. Im Falle von Staatspleiten werden Prozentsätze nicht mehr wichtig sein. Investoren würden so lange nicht zurückkehren, solange die Frage offen sei, ob Griechenland oder Irland pleitegehen wird oder was mit Portugal, Spanien und Italien passiert. Solange diese Fragen nicht gelöst seien und die Banken ihr Kapital erhöhen müssten, würden die europäischen Banken entweder von den europäischen Regierungen oder von den Chinesen in Besitz genommen werden, so Treichl.

Warum die USA weniger Probleme haben

Der permanente Euro-Rettungsschirm sollte so bald wie möglich in Kraft treten, forderte Nowotny zudem. Nur dadurch werde es den einzelnen Euro-Ländern möglich sein, notwendige Anpassungen vorzunehmen. Durch die Währungsunion hätten die einzelnen Euro-Länder ihre eigenständigen Zentralbanken und somit die Möglichkeit, selbst Geld zu drucken, verloren. Das erkläre auch, warum etwa Großbritannien und die USA trotz höherer Verschuldung, aber mit eigenständigen Notenbanken von den Investoren nicht so negativ gesehen werden, eben weil die Notenbanken die notwendige Liquidität bieten können.

Verschuldungen von Staaten seien historisch gesehen kein ganz neues Phänomen, aber für die Währungsunion neu. Die Euro-Länder hätten jetzt die EZB als Zentralbank und müssten in diesem Kontext eher wie Unternehmen gesehen werden.

„Die Spielregeln haben sich verändert, das wurde von einigen Politikern und Marktteilnehmern noch nicht verstanden“, so Nowotny. Die Idee dahinter sei nicht ein permanenter Transfermechanismus, sondern den Ländern zu erlauben, sich rechtzeitig anzupassen. Zudem benötige das Bankensystem eine Anzahl von risikofreien Assets. „Unsere Aufgabe ist es, diese anzubieten.“

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Publiziert am 04.10.2011