Themenüberblick
Industrie bietet 3,65 Prozent mehr Lohn
„Das ist noch kein Vollstreik, aber ich würde ihn nicht ausschließen“, so GPA-Chefverhandler Karl Proyer Mittwochabend zur APA. Nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter bewege sich die Industrie zu wenig in den Verhandlungen. Dabei war die Arbeitgeberseite den Belegschaftsvertretern schon weit entgegengekommen. Statt der ursprünglich angebotenen 3,1 Prozent Lohnerhöhung plus einer Einmalzahlung von 200 Euro war das Letztangebot von Industrie-Chefverhandler Christoph Hinteregger 3,65 Prozent plus 200 Euro.
Für die Gewerkschaften zu wenig, hatten sie doch zuvor eine Kollektivvertragserhöhung von 5,5 Prozent gefordert. Als Verhandlungsbasis diente die Inflation der vergangenen zwölf Monate mit 2,8 Prozent. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 3,4 Prozent. Mit dem neuen Angebot hätten die untersten Einkommensschichten konkret einen prozentuellen Anstieg von 3,8 Prozent bekommen, die mittleren 3,6 Prozent und die gut Verdienenden 3,4 Prozent, erklärte ein sichtlich angeschlagener Hinteregger nach Gesprächsende vor Journalisten. Mit den Einmalzahlungen hätte es somit für Wenigverdiener ein Gehaltsplus von 4,37 Prozent geben sollen. Auch Hinteregger kritisiert, dass sich die Gegenseite in den Verhandlungen zu wenig bewegt habe.
An Produktivität orientieren
Die Arbeitnehmervertreter argumentieren mit den Gewinnen der Metallindustrie und erinnern an die „gute Tradition“, sich am Produktivitätswachstum zu orientieren. „Mehr als 90 Prozent der Gewinne der Metallindustriebetriebe wurden in den letzten drei Jahren ausgeschüttet“, sagte Chefverhandler Rainer Wimmer von der Metallergewerkschaft (Pro-Ge) nach dem ersten Abbruch der Gespräche vor wenigen Tagen. „Wir reden über das, was Firmen bereits in der Tasche haben.“
Basis für die Lohnfindung war bisher die „Benya-Fomel“ (nach dem früheren ÖGB-Chef Anton Benya), die sich an Inflation und Produktivitätszuwachs orientiert. Die Lohn- und Gehaltssumme der Metallindustrie beträgt rund sieben Mrd. Euro. „Eine Erhöhung von 5,5 Prozent würde bedeuten, dass 385 Mio. Euro bewegt werden.“ Das wäre „eine enorme Stärkung der Kaufkraft“, gab Wimmer zu bedenken.
Industrie will nicht ganze Ernte verteilen
Die Industrievertreter hingegen verweisen auf die sich abschwächende Konjunktur und die Auswirkungen der Euro-Krise. Man könne nicht die ganze Ernte auf Prozente verteilen, so Hinteregger im Zuge der Verhandlungen. Er fürchtet, dass die von der Gewerkschaft geforderten Abschlüsse die meisten Betriebe überfordern würden. „Wir reden von der Ernte, die eingefahren wurde, und nicht von dem, was manche in Zukunft erwarten“, reagierte Wimmer auf die Argumente der Arbeitgeberseite.
Im Herbst 2008 hatten die Metaller eine Istlohnerhöhung von 3,9 Prozent für 2009 erreicht - der letzte größere Anstieg in den vergangenen Jahren. Im Jahr darauf waren es nur noch 1,45 Prozent. Die Zeiten der wirklich hohen Abschlüsse mit 4,8 Prozent 1992 und gar 6,2 Prozent 1990 liegen schon 20 Jahre zurück.
Links:
Publiziert am 12.10.2011