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Forscher selbst überrascht

46 Prozent der Doktoranden in Österreich bekommen weder ein Gehalt noch ein Stipendium während des Doktoratsstudiums. Das zeigt eine in zwölf europäischen Ländern durchgeführte Studie des European Council of Doctoral Candidates and Junior Researchers (Eurodoc), für die 610 Österreicher befragt wurden.

Damit ist Österreich unrühmlicher Spitzenreiter unter den untersuchten Ländern. Dagegen erhalten in Norwegen 97 Prozent, in Belgien und den Niederlanden jeweils 94 Prozent der Doktoranden eine Förderung für die Vorbereitung auf das Doktorat.

Leben von anderen Einkommensquellen

Auch in Kroatien, Deutschland und Portugal erhalten mehr als 20 Prozent der Doktoratsstudenten weder ein Gehalt noch ein Stipendium. „Wir haben nicht mit einem derart weitreichenden Mangel an Förderung gerechnet“, wird Studienautorin Karoline Holländer in einem Blogeintrag des Wissenschaftsmagazins „Science“ zitiert. „Viele Dissertanten müssen andere Einkommensquellen finden, von denen sie leben können.“

War man in Österreich als Doktorand lange Zeit ganz auf sich alleine gestellt, vor allem was die Finanzierung seines Studiums anbelangte, so gibt es nun zusätzlich zu Dissertationsstipendien immer mehr Doktoratskollegs. Diese ermöglichen, die Dissertation in einem qualitativ hochwertigen Umfeld als angestellter und bezahlter Jungforscher abfassen zu können.

Wer besonders betroffen ist

Breit gegriffen hat dieser neue Ansatz allerdings noch nicht, wie die Zahlen der nun veröffentlichten Studie zeigen. Besonders hoch ist der Anteil an unbezahlten Doktoranden in Österreich in den Bereichen Bildung (71 Prozent), Sozialwissenschaften, Jus und Wirtschaft (65) sowie Geisteswissenschaften (56).

Vergleichsweise häufig bezahlt werden österreichische Doktoranden etwa im Bereich der Naturwissenschaften (rund 76 Prozent) oder Ingenieurswissenschaften (rund 64 Prozent). Dabei wird laut der Studie das Gros der Förderungen für bis zu drei Jahre vergeben (rund 41 Prozent), bei rund 25 Prozent der Befragten ist es auf zwei Jahre und bei rund 21 Prozent auf ein Jahr befristet. In sieben der übrigen untersuchten Länder wird indes der größte Teil der Förderungen für bis zu vier Jahre oder länger vergeben.

Förderungen meist zu niedrig

Aber auch in jenen Ländern, in denen der überwiegende Teil der Doktoranden bezahlt wird, gibt es laut der Erhebung Probleme: Die Förderungen sind meist zu gering, um davon zu leben und werden oft nicht für die benötigte Zeit bis zum Abschluss der Doktorarbeit vergeben.

Neben Österreich wurde in der Studie auch die Situation in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Kroatien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Slowenien, Spanien und Schweden erhoben. An der Erstellung waren die deutsche Körber-Stiftung, die Europäische Molekularbiologie-Organisation EMBO und die österreichische Doktorandenplattform Doktorat.at beteiligt.

ÖH: „Geht sich einfach nicht aus“

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht sich durch die Studie in ihrer Kritik am Beihilfensystem bestätigt. Insbesondere sei die Kürzung der Bezugsdauer der Familienbeihilfe auf 24 Jahre problematisch, so Martin Schott in einer Aussendung.

De facto bedeutet das, dass sich ein Bachelor- und Masterstudium mit anschließendem Doktorat „einfach nicht ausgeht“. Wissenschaftliche Karrieren würden „von vornherein verunmöglicht“, wenn die Studierenden es sich nicht selber finanzieren oder entsprechende Unterstützung von den Eltern bekommen.

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