Themenüberblick

Von der „Klingonennase“ zum toten Punk

Auch die abgelaufene Saison konnte mit einer geballten Ladung an Krimispannung aufwarten. Vom Agententhriller über afrikanisches Lokalkolorit bis zum Krimi noir ist für jeden Freund des Schauers etwas dabei.

Lilli Steinbeck ist zurück

In seinem jüngsten Roman „Die Haischwimmerin“ lässt Heinrich Steinfest Lilli Steinbeck zurückkehren - die kühle Kriminalistin mit dem messerscharfen Verstand und der „Klingonennase“. Lange hatten Fans auf Steinbecks Comeback warten müssen. Nun erhalten Steinbeck und ihre Nase eine tragische Vorgeschichte. Ein weiteres Feuerwerk der Bilder und Metaphern vom Meister des skurrilen Krimis.

Heinrich Steinfest: Die Haischwimmerin. Piper, 351 Seiten, 20,60 Euro.

Ein Agent auf Tour im Kalten Krieg

Tom Rob Smith hat mit „Agent 6“ einen klassischen Agententhriller geschrieben, dessen Handlung - wo sonst - im Kalten Krieg angesiedelt ist. Es gibt jede Menge Action und reales politisches Unterfutter für den Plot, der das Personal von New York über Moskau nach Afghanistan und wieder retour führt. Der Agent muss um sein Überleben kämpfen - und hat schließlich nebenher auch noch einen Mord aufzuklären. Zwischendurch gilt es einen Drogenentzug bei den Mudschaheddin zu überstehen.

Tom Rob Smith: Agent 6. Manhattan, 538 Seiten, 22,70 Euro.

Krimibücher

ORF.at/Zita Köver

Punk ist tot

Berni Meyer ist ein Urgestein der deutschen Musikindustrie - allerdings ein vergleichsweise junges. Er war Chefredakteur bei MTV und Viva Online und produzierte mit Markus Kavka eine Webshow. In „Mandels Büro“ lässt er zwei arbeitslose Musikjournalisten ein Detektivbüro übernehmen. Ihr erster Fall führt sie auch gleich direkt ins Showbusiness. Als der in die Jahre gekommene Punk-Star, den sie überwachen sollen, ermordet wird, kommen die Ereignisse ins Rollen; witzig, spannend und besonders für Musikfans ein Gewinn.

Berni Meyer: Mandels Büro. Heyne, 336 Seiten, 9,30 Euro.

Knastehre, Sex und Gewaltverbrechen

„Road Dogs“ ist der 47. Roman des Amerikaners Elmore Leonard. In seiner Heimat hat der bereits 85-jährige Krimihaudegen längst Kultstatus erreicht. Seine Werke wurden durch Verfilmungen weltweit bekannt („Get Shorty“, „Jackie Brown“, „Out Of Sight“). In „Road Dogs“ lässt er den bereits altbekannten Bankräuber Jack Foley aus dem Gefängnis ausbrechen. Es geht um Knastehre, Sex und Gewaltverbrechen, wie FM4 schreibt.

Elmore Leonard: Road Dogs. Eichborn, 303 Seiten, 20,60 Euro.

Die Doppelmoral des Predigers

Donald Westlake schrieb unter dem Pseudonym Richard Stark zahllose Krimis. Eine seiner wiederkehrenden Hauptfiguren ist Parker, ein skrupelloser, aber höchst intelligenter Verbrecher. Der Zsolnay Verlag hat sich der verdienstvollen Aufgabe angenommen, einige dieser im Noir-Stil geschriebenen Bücher zu übersetzen. Heuer ist der letzte Band der Reihe erschienen: „Verbrechen ist Vertrauenssache“. Parker überfällt mit seinen Kompagnons einen Prediger, der seinen Gläubigen das Geld aus der Tasche zieht. Doch dann folgt der brutale Kampf um die Aufteilung der Beute.

Richard Stark: Verbrechen ist Vertrauenssache. Zsolnay, 254 Seiten, 17,40 Euro.

Auf Verbrecherjagd in den Katakomben

Der Archäologe Vitus Novak wird brutal ermordet und sein abgetrennter Kopf auf einer Büste im Arkadenhof der Wiener Universität ausgestellt. Ausgerechnet ein Freund des Tiroler Chefinspektors Otto Morell wird der Tat verdächtigt. Also muss Morell - Wien-Hasser und Gemüseliebhaber - in die graue Bundeshauptstadt, um die Unschuld seines Freundes zu beweisen. Eine schrullige alte Dame mit dem Hobby Verschwörungstheorien, eine Leiche im Donaukanal und Ermittlungen zwischen Pesttoten in den düsteren Katakomben unter dem Stephansdom sind die morbiden Ingredienzien für Daniela Larchers zweiten Kriminalroman „Zu Grabe“ - eine Empfehlung für alle Liebhaber von Wien-Krimis.

Daniela Larcher: Zu Grabe. Fischer Taschenbuch Verlag, 335 Seiten, 9,30 Euro.

Verhängnisvolle Versuchung

Der Vorarlberger Chemiker und Krimiautor Christian Mähr schreibt schon lange, zuletzt hatte er mit einem moralischen Menschenhäcksler („Alles Fleisch ist Gras“) schockiert. Nun legte er mit „Das unsagbar Gute“, einem Katzenkrimi, der Gott sei Dank nicht das ist, was man unter einem Katzenkrimi vermuten würde, für Furore. Eine tote Nachbarin, ein Drogenlabor und viel Bargeld werden zur unwiderstehlichen Versuchung für den Nachbarn - und zu seinem Verhängnis. Immer mit dabei: die Katze Sami.

Christian Mähr: Das unsagbar Gute. Deuticke, 318, 18,40 Euro.

Doppelmord mit afrikanischem Lokalkolorit

Der ehemalige Mathematiker Michael Sears und der Lernpsychologe Stanley Trollip haben zusammen unter dem Namen Michael Stanley den Afrika-Krimi „Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu“ geschrieben. Es gilt einen grausamen Doppelmord in einem botswanischen Nationalpark aufzuklären. Die Frage ist: Handelt es sich um klassische Drogenmorde - oder gibt es einen politischen Hintergrund? Die Autoren arbeiten mit viel Lokalkolorit.

Michael Stanley: Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu. Eichborn, 485 Seiten, 22,60 Euro.

Simon Hadler, Georg Filzmoser, Lydia Moschinger, alle ORF.at

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