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Mageninhalt von Walen wird untersucht

Japan nutzt ein Schlupfloch des internationalen Walfangmoratoriums von 1986, indem es Wale offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken jagt. Dabei wird jeweils der Mageninhalt der Meeressäuger untersucht, ehe das Fleisch in Geschäften und Restaurants verkauft wird.

Japan führt zum Missfallen von Tier- und Umweltschutzorganisationen das Argument Tradition ins Treffen: Walfleisch werde seit Jahrhunderten verzehrt. Die Umweltorganisation Greenpeace hält dem entgegen, dass Tausende Tonnen Walfleisch ungenützt in japanischen Kühlhäusern lagerten, und führt das auf mangelnde Nachfrage zurück.

Umweltschützer schafften Verkürzung

Die japanische Walfangflotte ist üblicherweise im Frühjahr in den Küstengewässern unterwegs, im Sommer im Pazifik und im Winter in den als Schutzgebiet ausgewiesenen Gewässern der Antarktis. Die Fangperiode 2010/2011 auf der Südhalbkugel war deutlich verkürzt: Statt im November liefen die Schiffe im Dezember aus und machten im Februar - einen Monat früher als geplant - kehrt. Grund dafür waren zum Teil waghalsige Störmanöver der Tierschutzgruppe Sea Sheperd, bei denen die japanischen Fangschiffe auf offener See angegriffen wurden.

Hauptziel ist der Zwerg- oder Minkwal, der bis zu zwölf Meter lang und zehn Tonnen schwer wird. Er kommt in Gewässern sowohl auf der Süd- als auch auf der Nordhalbkugel vor. Der Bestand des nördlichen Minkwals wird laut der Umweltstiftung WWF auf 100.000 bis 200.000 Exemplare geschätzt, jener des südlichen Minkwals auf rund 760.000. Der Bestand gilt nach Rückgängen zwar als stabil bis leicht steigend, die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat ihn aber in die Kategorie „Gefährdung anzunehmen“ eingereiht.

Zweiter „Sünder" Norwegen“

Japan fängt nach Zahlen der Internationalen Walfangkommission (IWC) jedes Jahr mehrere hundert Meeressäuger, überwiegend Zwergwale. Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen der IWC waren es 1.004 im Jahr 2008 nach 912 im Jahr zuvor. Dieses Jahr sollen es rund 900 werden. Kommerziellen Walfang hat das Land offiziell zuletzt 1987 betrieben - im Gegensatz zu Norwegen, von Tierschützern ebenfalls als Sünder in Sachen Walfang angeprangert.

Das skandinavische Land hatte trotz des 1986 von der IWC ausgesprochenen Verbots der kommerziellen Jagd 1993 den Fang von Minkwalen wieder zugelassen. Für das laufende Jahr wurden knapp 1.300 Zwergwale freigegeben und nur die Quoten für die Polargewässer um Spitzbergen stark beschränkt. Das Fischereiministerium erklärte, die Fangquote stimme mit den IWC-Empfehlungen zur Bestandserhaltung überein. Kritik übte die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS: Sie sprach von einem „peinlichen politischen Akt“ und bestritt den Bedarf. Die norwegischen Walfänger nutzen ihre Fangquoten nur zum Teil.

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