Themenüberblick

Millionen Reisewillige sitzen fest

Der Kauf eines Bahntickets wird für Millionen Chinesen derzeit zur nervlichen Zerreißprobe. Grund dafür ist ein neues Onlinebuchungssystem, das just vor den chinesischen Neujahrsferien - der traditionell stärksten Reisezeit im Jahr - vom Eisenbahnministerium gestartet wurde.

Während Millionen Reisewillige am Bahnhof festsitzen, machen andere ihrem Frust am Computer Luft. In örtlichen Medien und auf Sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Beschwerden über unerwartete Hindernisse beim Ticketkauf. „Seit drei Tagen versuche ich, ein Ticket zu bekommen“, schreibt ein Nutzer des chinesischen Internetkurznachrichtendienstes Weibo, „was ist da los?“

Selbst wenn man die Website aufrufen und ein Ticket auswählen konnte, scheitert es offenbar noch am Onlinebezahlvorgang. „Ich habe online 218 Yuan (26 Euro) für ein Ticket von Schanghai nach Chengdu gezahlt“, sagte Huang Siling der Zeitung „Global Times“. „Als ich das Ticket abholen wollte, hat mir ein Verantwortlicher gesagt, er könne die Kaufbestätigung nicht finden.“

Bezahlfrust statt Kauflust

Ein anderer Passagier erklärte laut dem China Internet Information Center (CIIC), dass er sein Ticket online bezahlt habe, die Buchungsseite die Bestellung aber nicht weiterleitete. Der zweite Versuch war zwar erfolgreich, doch musste er noch einmal bezahlen. Nun warte er darauf, dass ihm der zu viel bezahlte Betrag wieder zurückerstattet wird.

In den Foren gibt es zahlreiche ähnliche Erfahrungen von anderen Kunden. In manchen Posts hieß es, dass es leichter sei, die Tickets über die telefonische Hotline zu buchen, berichtet CIIC.

Menschenmasse in China

Reuters

Menschenmassen auf den Bahnhöfen

Echtnamen gegen Schwarzhandel

Verschärft wird die Situation von der gleichzeitigen Einführung eines Echtnamensystems, das den blühenden Schwarzmarkt für die Zugtickets eindämmen soll. Alle Passagiere müssen sich nun beim Kauf von Fahrkarten ausweisen.

Der Kundendienst von China Railway erklärte, man arbeite an der Lösung der Probleme, und auch die chinesischen Behörden stellten rasche Nachbesserungen in Aussicht. Als erste Maßnahme wurden Hunderte mobile Verkaufsschalter an den Bahnhöfen in China installiert, so „Global Times“.

235 Millionen Chinesen auf Familienbesuch

Das chinesische Neujahrsfest, mit dem Neujahr nach dem Mondkalender begangen wird, ist der wichtigste chinesische Feiertag. Jedes Jahr reisen um diese Zeit geschätzte 235 Millionen Chinesen durch das Land, um ihre Familien zu besuchen. Und jedes Jahr mussten sie lange Schlangen und oftmals auch ein Übernachten vor den Ticketschaltern in den kalten Bahnhofshallen hinnehmen, um eine der begehrten Fahrkarten zu ergattern. Das neue Onlineticketsystem sollte den Reisenden diese Erfahrung eigentlich ersparen.

Links: